Monuements •etken beim Verlag and desse» belannten Agenten entgegen» genommen, nnb jwar zum »orau» gahlbar»» Bierteljahripreiz don: Uli. 4,40 für Deutschland(bhtR per Vrief-Souvert) iwfl. 2,JS für Oesterreich(direkt per Srief-Souvert) Ehill. S,— für all« übrigen Länder de» Weltpostverein»(itrexgband). Inserate dir drelgespaltine Peiitzeile LPence-- 25 Psg. SO«t». Krgan der KoziatdemcKratie deutscher Zunge. Krscheint wöcheutltch einmal in London» Zsterlag der Qormao voopsrntivsprldNsdiax<7s» L Bernstein& Co, London IL K/ 114 Knatish Town Boad* K»ßsti>-»lt» franko gegen frank». Gewöhnliche Brief« »ach Snglimd kosten Doppelporta. � 21. Brief« an die aiedaktian und Grpeditio» de» w Deutfchlan» imd Oesterreich verltene» ,So»iald«moirat' welle«an unter Beobachtung äuh erst er Vorficht abgehen lasten. Z, der Istegel schicke man un» die Briefe nicht direkt, fanden an dt« belannten Deckadresten, Zu tweifrlhaftin fsillen eingefchriebe«. LS. Mai 1889. Parteigenossen! Vergebt der Verfolgten und Gemaßregelten nicht! Des Kaisers Bescheid. Der Niesen-Streik der westphälischen Bergarbeiter ist eins jeiler— wenn der Ausdruck gestattet ist— gesellschaftlichen Natur-Ereignisse, welche die Unwiderstehlichkeit der elementaren Kräfte beweisen, die im Schooße der modernen Gesellschaft schlummeril, und die die Nichtwissenden mit blöder Angst, die Wissenden mit Bewunderung erfüllen. Bewundernd stehen wir vor dem Schauspiele dieser Männer der Arbeit, welche langjährigem Unrecht gegenüber erklärt haben:„bis hierher und nicht weiter!" und gestützt auf ihr gutes Recht, ohne politische Kenntnisse, einzig dem Gebot der Nvthwendigkeit, dem ehernen Muß des Selbsterhaltungstriebs folgend, in den Kampf getreten find gegen die Macht des Kapitals. In blöder Angst, aber rathlos, verwirrt stehen jene be- schränkten Nichtswisser da, welche den Arbeiter als ein unter- geordnetes Wesen betrachten, von einem Recht der Arbeit und der Arbeiter keine Ahnung haben, und die Arbeitseinstellungeil für eine Erfindung der Sozialdemokratie— wir hätten fast gesagt: des Teufels halten. Der Streik der westphälischen Kohlenarbeiter hat ihre ganze Sophistik über den Haufen ge- worfen. Allgesichts dieser ernsten, ruhigen Arbeiter, die da chr Vertrauen noch in den König setzen und entschlossen aus- rufen:„Wir fürchteil Gott und das Gesetz", sonst nichts auf der Welt!" läßt sich das Polizeimärchen von den sozial- demokratischen oder anarchistischen Verschwörern und Wüh- lern, die den Streik eingefädelt hätten, nicht über die Lippen bnngen. Sie sind niedergedonnert, wie vor den Kopf ge- ichlage», entsetzt— als war« ein L r d b e b e Ii gekom»i«n, das Alles, was ihnen bisher für fest und unbeweglich ge- gölten, plötzlich ins Wanken gebracht hat. Hier ist nichts Gemachtes, hier sind keine Figuren, die von politischen„Drahtziehern" oder„Aufwieglern" am Schnürchen gelentt werden, keine Opfer von„Umstürzlem" und Wühlern —- hier zeigt sich in riesiger Größe— als granitne, nicht wegzuleugnende Thatsache, rein und zweifelsohne, der moderne Klassenkampf, der nicht das künstliche Erzeugniß politischer Laune oder Anschauung ist, sondeni das ächte natürliche Kind der modernen bürgerlichen Gesellschaft, der kapitalistischen Produktion. Der Hohenzoller'sche M u st e r st a a t gerieth plötzlich 'US Wanken. Im ersten brutaleil Jinpuls griff er nach der Flinte, tzie schießt, nach dem Säbel der haut.—„Das Auge immer fest auf den Feind gerichtet!" schnarrte die Blechstimme eines schneidigen Lieutenants und fiinf, sechs Salven knatterten in die schwarzen Masseil der Bergleute, des Volks. Der erste Feind, an dem die reorganisirte, kartellbrüderlich vergrößerte deutsche Reichsarmee ihre neuen Gewehre probirt hat— es sind Deutsche und Arbeiter— Männer, Frauen, Kinder aus dem Volke, denn auch an Frauen und Kindern haben die neueil Gewehre ihre„Wunder" verrichtet. Die Wunderthäter und Veranstalter der Wunder haben jedoch keine Freude gehabt an ihren Wundern. Ja, hätte der„Feind" Widerstand geleistet, hätte er wieder geschossen, das wäre noch erträglich gewesen. Allein der „Feind", dachte nicht all Widerstand, dachte nicht an's Schießeil er hatte auch gar keine Flinten, noch sonstige Waffen. Er Wipfing die Schüsse und— wich nicht zurück, die Todtge- schossenen wurden weggeschafft, die Lebenden blieben auf dem Fleck— und immer dichter wurden die Massen— erst 50,000, dann 60,000, 70,000, 80,000, 90,000, 100,000, 1 10,000, eine gewalttge Arbeiterarmee, die gesammte Ar- �eiterschaft des westphälischen Kohlenreviers. Was war da zu thim? Diese 110,000 mit der halben Atillion Frauen und Kinder, die dazu gehören, kann man voch beim besten Willen und tadellosester„Schneidigkeit" '''cht allesammt todtschießen. Der Hohenzollern'sche Muster- ssaat mar so verdutzt, daß er seine angeborne Bestialität ver- Saß und die frische fröhliche Schießerei einstellte und— zu vermitteln anfing. Das ist dem Hohenzollern'schen Muster- Üaat laiige incht passirt. Wohl seit 1343 nicht. Bedenkliches Saturn. Und auf Eins besann sich noch der Hohmzollem'sche Muster- Saat, Er hatte dem Volk viel tausendmal vorgelogen: das Hohenzollem-Königthum ist ein Volkskönigthum— der Hohen- Mern-König ist der König der Bettler— le roi des gueux > der König der Armen, der Arbeiter— für die Lüge wllten Gläubige geworben werden. Flugs— eine Komödie ü' Szene gesetzt— der neueste der Höhenzollen, könige tritt vuf die Bühne und läßt feierlich durch einen Hofbeamten er- klären— denn Er durfte das nicht Allerhöchstselber thun, �as wäre gegen die Etikette gewesen— er sei bereit, eine Deputation der Bergarbeiter zu empfangen. Die Gelegenheit war gut gewhlt, das kam, nicht geleugnet werden- die Komödie war sehr gut vorbereitet und in Szene gesetzt— nur der Komödiant tcuzte nichts. Die Deputation — drei Bergleute— erscheiner im königlichen Schloß zu Berlin als Gäste des Königs md Kaisers, wie ihnen mit herablassender Freundlichkeit ancekürdigt worden. Leider war die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Der Wirth präsen- tirt sich seinen Gästen in der suierlativsten Schneidigkeit seines hohenzollenl'schen Unteroffiziersthims.„Ich bin bereit. Euch zu hören!" schnarrt die Unterafiziersstimme. Das„vertrau- liche" D u, das wir von der 184!er Sündfluth weggeschwemmt glaubten, war plötzlich wieder affgetaucht. Der neueste Hohen- zollemkönig fühlte sich als königlich preußischer Unteroffizier aus der idyllischen, revolutions-unschuldigen Zeit vor 1848. Das„Euch", mit den folgendn„Ihr",„Euer" u. s. w. muß gemerkt werden— es ist ein Stück Zeitgeschichte und Kulturgeschichte. Es if der patriarchalische Pfaffen- und Unteroffiziersstaat, den Frisrich Wilhelm IV. träumte, als er Champagner-taumelnd an der Pforte des Irrenhauses anklopfte, und der dem neueste» der Hohenzollernkönige als politisches Ideal vorschwebt. Du großen Geister finden sich zu Wasser und zu Land. Die Abgeordneten der Berglette hatten bei dem„König der Armen" einen anderen Empfang erwartet. Jndeß Bergleute sind an unangenehme Ueberraschungei, gewöhnt—• sie verzogen keine Miene und trugen kurz und schlicht ihre Sache voru die Darlegung ihres erlittenen Unrechts, die Forderung ihrer Rechte. Und nun kommt die Antwort des„Königs der Armen"— des Königs? Rein, er ist Kaiser, der König ist ihm zu wenig, obgleich er hier nur in seiner Eigenschaft als König spricht. Schrill,„schneidig" tönt es aus den zusammengekniffenen Lippen:„Es ist schön von Euch, daß Ihr hilfesuchend und bittend zu Eurem Kaiser gekommen seid. Ich werde Eure Beschwerden untersuchen; und Euch dann Bescheid geben. Aber viuy« luiifu yuUm uui. nm um tcf«.. demokraten einlassen. Jeder Sozialdemokrat ist eii, Reichs- feind und Vaterlandsfeind. Und muckset Ihr Euch— gut, ich bin ein sehr mächtigrr Herr— dann werde ich Euch ohne Federlesens über den Haufen schießen lassen". Also sprach der König der Armen und der Arbeiter, der fromme Prophet des„praktischen Christenthums". Die Worte sind nicht genau— sie werden bei der bekannten Rede-In- korrektheit des Redners wohl niemals genau festzustellen sein— der Sinn ist's aber; und der Hauptsatz ist absolut richtig, wenn ersuch jetzt weggelogen werden soll. Die berühmte„Streckenrede" hat ein Seitenstück und einen Kommentar gesunden. Die deutschen Arbeiter, wem, sie zu mucksen wagen, wie S p a tz e n„über den Haufen zu schießen"— das ist das Ziel, welches der„König der Armen",— der Volkskönig, der Volkskaiser, das Haupt der Dy- nastie Hohenzollern sich gesetzt hat— das ist„die Krönung des Gebäudes".--- Ipse clixit. Er hat es selbst ge- sagt— und„an einem Königswort soll man nicht deuteln". Voriges Jahr drei und vierzig Millionen Deutsche„auf der Strecke". Jetzt— als Abschlagszahlung— zunächst 110,000 deutsche Arbeiter,— und dann wer weiß noch wie viele Hunderttausend„über den Haufen geschossen!" Fürwahr, der Mam, hat Talent; er kann es noch weit bringen im„Verrungeniren" des Monarchismus im Allgemeinen und der Hohei, zollerei im Besoi,dern. Als königstreue Unterthanen waren die Abgeordnetm der Bergarbeiter in den Palast des jungen„Alten Fritz" gekom- men. Als„Reichs- und Vaterlandsfeinde" kamen sie zurück. Den Eindruck der kaiserlich-köinglichen Worte kann Jeder sich denken. So schafft man Rebellen. So zerstört man Reiche. Wen die Götter verderben wollen, den lassen sie so reden und handeln. Rur einmal hat ein preußischer König ähnlich gesprochen: Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1847. Er meinte:„Ich bin ein mächtiger Herr, und wer ai, meiner Macht rührt, der ist verloren. Anderthalb Jahre später nahm er den„Hut ab" vor den Leichen der auf seinen und seines Bruders Befehl erschossenen Märzkämpfer; und vier Jahre später war er an- erkanntermaßen dem Irrsinn verfallen. Zum Glück gilt für die Vertreter der Monarchie nicht das restigia terrent—„die Spuren schrecken mich ab"; sie sind nicht so klug, wie Reineke Fuchs, und gehen ungewarnt in's Verderbe»,.—■— Vorwärts! Wir wünschen Glück! Seit das Vorstehende geschrieben wurde, ist„des Kaisers Bescheid" in amtlicher Lesart erschienen. Obwohl die Kraft- stellen fein säuberlich entfernt sind, mit denen der neue alte Fritz den Arbeitern imponirei, zu müssen und imponiren zu können glaubte, bleibt auch der amtliche Text immer noch für dessen Auffassung von seinen und des Volkes Rechten charakteristisch genug, um von uns tiefer gehängt zu werden. Man höre nur: „Jeder Unterthan, wenn er einen Wunsch oder eine Bitte vor- trägt, hat selbstverständlich das Ohr seines Kaisers. Das habe Ich dadurch gezeigt, daß Ich der Deputation gestattet habe, hier- her zu kommen und ihre Wünsche persönlich vorzutragen. Ihr habt Euch aber ins Unrecht gesetzt, denn die Bewegung ist eine ungesetzliche, schon deshalb, weil die vierzehntägige Kündigungsfrist nicht innegehalten ist, nach deren Ablauf die Arbeiter gesetzlich be- rechtigt gewesen sein würden, die Arbeit einzustellen. In Folge dessen seid Ihr kontraktbrüchig. Es ist selbstverständlich, daß dieser Kontraktbruch die Arbeitgeber gereizt hat und sie schädigt. Ferner sind Arbeiter, welche nicht streiken wollten, mit Gewalt oder durch Drohungen verhindert worden, ihre Arbeit fortzusetzen. Sodann haben sich einzelne Arbeiter an obrigkeitlichen Organen und frem- dem Eigenthume vergriffen und sogar der zu deren Sicherheit her- beigerufenen militärischen Macht in einzelnen Fällen thätlichen Widerstand entgegengesetzt. Endlich wollt Ihr, daß die Arbeit erst dann gleichmäßig wieder aufgenommen werde, wenn auf allen Gruben Eure sämmtlichen Forderungen erfüllt sind. Was die Forderungen selbst betrifft, so werde Ich diese durch Meine Re- gierung genau prüfen und Euch das Ergebniß der Untersuchung durch die dazu bestimnlten Behörden zugehen lassen. Sollten aber Ausschreitungen gegen die öffentliche Ordnung und Ruhe vorkom- men, sollte sich der Znsammenhang der Bewegung mit sozialdemo- kratischen Kreisen herausstellen, so'würde Ich nicht im Stande sein, Eure Wünsche mit Meinem königlichen Wohlwollen zu erwägen. Denn für Mich ist jeder Sozialdemokrat gleichbedeutend mit Reichs- und Vaterlandsfeind. Merke Ich daher, daß sich sozialdcmokra- tische Tendenzen in die Bewegung mischen und zu ungesetzlichem Widerstande anreizen, so würde Ich mit unnachsichtlicher Strenge einschreiten und die volle Gewalt, die Mir zusteht— und dieselbe ist eine große— zur Anwendung bringen." Drastischer kann die Lüge von dem„Königthum, das über den Parteien schwebt", nicht widerlegt werden als es hier geschehen, deutlicher den Arbeitern nicht klar gemacht werden, daß sie nach des Königs Ansicht eigentlich Bürger zweiter Klasse sind, die nicht das Recht haben, sich der Parte, anzuschließen, zu der ihre Ueberzeugung sie treibt. Aber so werthvoll diese Feststelluilgen aus so„autoritativem Munde" für uns Sozialdemokraten sind, noch viel werthvoller ist für uns das dritte, nicht ausgesprochene, aber wider den Willen des Sprechers in seinen Worten zum klaren Ausdruck gekommme(vestaiUmlst: die Furch l vor der Sozial- demokratie ist das treibende Motiv seiner Hand- lungen. Genau wie Bismarck haßt Wilhelm II. die Sozial- demokratie, weil er sie fürchtet. Seiner grenzei, losen Furcht ist die sübelrasselnde Drohung zuzuschreiben, wie sie es zu- gleich war, die ihn alles aufbieten ließ, wenigstens einen scheinbaren Erfolg für die Bergarbeiter zustande zu bringen, auf daß dieselben nicht der Sozialdemokratie in die Anne ge- trieben würden. Dieser Gedanke erfüllt die Ansprache an die Deputation der Grubenbesitzer.„Um Gotteswillei,, meine Herren— die Ausbeuter haben auf das Sie Anspruch, für die Arbeiter war das, Knechten gegenüber übliche Ihr gut genug— haben Sie ein Einseheil! Machen Sie den Arbeiten, einige Konzessionen, sonst laufen dieselben zu den Sozialisten über. Thun Sie mir den Gefallen und„öffnen Sie den Beutel". Die Herren von der Deputation zogen ein schiefes Gesicht. „Den Beutel öffnen?"„Und das sagt er uns, dessen erstes Geschäft, als er zur Regierung kam, darin bestand, für die Füllung seines Beutels zu sorgen? Wahrhaft allerliebst! Und Konzessionen machen, ehe die Arbeiter zu Kreuz ge- krochen? Heißt das nicht die Kanaille ermuntern, bei der ersten Gelegenheit ihr freches Spiel zu wiederholen?" Und die erste Antwort war ein ziemlich unverhülltes: Geht nicht, die Arbeiter müssen sich erst unterwerfen. Hinterher haben sich die Herren eines Besseren besonnen, und so ist denn, wenn der Telegraph recht berichtet ist, am Montag ein Kompromiß zustande gekommen, der in der Haupt- fache in der Zusicherung der achtstündigen Schicht be- steht. Hoffen wir, daß er sich nicht als eine Falle erweist, als ein Manöver, die Arbeiter erst einmal wieder zum Ein- fahren in die Gruben zu bewegen, um alsdann, wenn die große Bewegung zum Stillstand gebracht ist, die einzelnen Belegschaften um so bequemer hinters Licht führen zu können. Einstweilen ist der Ausgang des Streiks ein moralischer Sieg der Arbeiter. Und sie verdanken ihn, neben ihrer bewunderungswürdigen Einigkeit und Disziplin, der Furcht der Herrschenden vor der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie ist der getreue Eckardt der Arbeiter- klaffe. Sie steht den Arbeitern bei in jeder Vedrängniß; immer hilfsbereit, ohne jeden selbstsüchtigen Hintergedanken, bildet sie selbst für diejenigen unter ihnen einen Rückhalt, die sich bisher nicht um sie gekümmert. Sie kennt keine andern Interessen als die der Arbeiter. Anders die Parteien der Herrschenden. Sie geben den Arbeitern nur, um ihnen zu nehmen, sie helfen ihnen nur, um sich vor ihnen zu helfen. Die Furcht vor der Sozialdemokratie ist das böse Ge- wissen des Klassen- und Ausbeuterstaats. Bestände sie nicht, so würde man die Bergarbeiter wie in früheren Jahren ohne Gnade und Erbarmen zusammengettiebei,, über den Haufen geschossen haben. Keil, Mensch hätte dara», ge- dacht, die Gerechtigkeit ihrer Forderungen zu untersuchen. Wie in den Augen der Grubenbesitzer, so wären sie auch in den Augen der Behörden„Rebellen" gewesen und als solche be- handelt worden. Im ersten Augenblick wurde auch instinktiv danach gehandelt. Schon ivard mit Flinten auf die Brüste der Arbeiter gezielt, da erscheint auf der Bildfläche das ,rothe Gespenst— die Sozialdemokratie— und sofort ändert sich die Szene: man knüpft Verhandlungen mit den Ar- Leitern an, man untersucht ihre Beschwerden, man findet sie zum Theil gerechtfertigt, man vermittelt, man bringt einen Kompromiß zustande. Alles Dank der heilsamenFurchtvor derSozial demokratie! Zur internationalen Arbeiterschutzkonferenz der Regierungen. i. Wir haben es bisher unterlassen, auf das Rundschreiben näher ein- zugehen, welches der Schweizerische Bundesrath im März dieses Jahres an die verschiedenen Regierungen hat ergehen lassen, und in dem er dieselben einladet, sich an einer gemeinsamen Besprechung über die Zweck- Mäßigkeit und Durchführung internationaler Maßregeln zum Schutz der Arbeiter und behufs Regelung der Produktion zu betheiligem Angesichts der Thatsache aber, daß eine Reihe von Staaten unbedingt, andere bis jetzt wenigstens bedingt der Einladung zugestimmt haben, daß somit die Konferenz bereits fest gesichert ist, tritt die Pflicht an uns heran, dieser Sache unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen. Und zwar schon jetzt, da der auf Mitte Juli nach Paris cinbenifenc inter- nationale Arbeitcrkongrcß eine ähnliche Tagesordnung hat, und es uns ganz undenkbar erscheint, daß in seinen Berathungen nicht auf den Kongreß der Regierungen Bezug genommen werden sollte. Zunächst dürfte es angemessen sein, das Rundschreiben des Schwei- zerischen Bundesrathcs selbst abzudrucken, und zwar im Hinblick auf seine prinzipielle Bedeutung seinem vollen Wortlaute nach. i Dasselbe lautet: ,„... Als der schweizerische Bundesrath im Jahre 1881 bei den hohen Regierungen einiger der hervorragendsten Industriestaaten durch seine diplomatischen Vertretungen hatte Erkundigungen einziehen lassen, ob Geneigtheit vorhanden wäre, zu einem intemationalen Nebereinkom- wen betressend die Arbeit in den Fabriken Hand zu bieten, konnte er den eingegangenen Antworten entnehmen. daß über den Gegenstand ziemlich divergirendc Anschauungen herrschten. Während von der einen Seite auf die Schwierigkeiten hingewiesen wurde, welche der Anregung entgegenständen, wurde von der anderen gewünscht, es möchten zunächst die zu einer Vereinbarung sich eignenden Punkte in einem Programm präzisirt werden, von dessen Prüfung die weitere Entscheidung abhängig wäre. �■ Wenn der schweizerische Bmidcsrath damals der Angelegenheit für einstweilen keine weitere Folge geben zu sollen glaubte, so haben sich im Verlaufe der seither verflossenen acht Jahre die Verhältnisse un- zweifelhaft günstiger gestaltet. Mehrere Staaten haben inzwischen über die Jndustriearbeit Gesetze erlassen, andere bereiten solche vor? ver- schiedene gesetzgebende Körper befassen sich mit einschlägigen Vorlagen und haben auch speziell die Frage internationaler'Abmachungen über den Gegenstand schon zur Erörterung gebracht. Diese Frage ist ferner in der Literatur einläßlich behandelt worden, und im öffentlichen Leben wendet sich ihr ein wachsendes Interesse zu, welches viele der früheren Bedenken beseitigt z» haben scheint. Wichtige.Kundgebungen haben statt- gcstmden, von denen nur eine der neuesten, die Beschlüsse des VI. inter- nationalen Kongresses für Hygiene und Demographie zu Wien im Jahre 1887, erwähnt sein möge. Ueberall haben sich die Produktions- und Arbcitcrverhältnisse, wie wohl nicht zu verkennen ist, so gestaltet, daß jener Frage wirklich eine aktuelle Bedeutung zukommen dürfte. > Der schweizerische Bundcsrath glaubt daher nicht inopportun zu han- dein, wenn er bei den hohen Regierungen den Gegenstand neuerdings anregt, und zwar, wie es die nun besser abgeklärten Verhältnisse er- laubcn, in bestimmterer Form, wodurch die schon frvber geltend machten Wünsche einzelner der hohen Regierungen Berücksichtigung finden. i Stach der Auffassung des schweizerischen Bundesraths würde es sich nicht darum handeln, internationale Vereinbarungen einzig im Interesse der Arbeiter und ihrer Familien in Aussicht zu nehmen— die allgemein gebräuchliche Bezeichnung„inter- nationale Arbeiterschutzgesetzgcbung" muß wohl auch hinsichtlich des Ausdruckes„Gesetzgebung" als eine nicht ganz zutreffende angesehen werden— sondern es scheinen ihm zwei Momente ins Gewicht zu fallen, einerseits einegcwisseRegclungderindustriellen Produktion, andererseits dieVerbesserung der Arbeiter- Verhältnisse. In ersterer Hinsicht möge darauf hingewiesen iverden, daß inter- nationale Staatsverträge vielen als das erfolgreichste Mittel erscheinen, um eine Verminderung der über den Bedarf hinaus- gehenden Waarenerzeugnng und der von ihr verursachten Uebel zu erzielen und die gegen seitigenProduktionsver- Hältnisse in natürliche und rationelle Schranken zurückzuführen. Mit der Erstrebung dieses einen Zieles hängt aber wohl diejenige des andern, die Lage der Arbeiter besser zu gestalten, zusammen, denn die nationale Gesetzgebung kann in ihrer Obsorge für die Arbciterfainilien nur bis zu einer gewissen Grenze gehen. Daß es aber dringend geboten sei, die wirksame Thätigkeit des Staates auch in dieser Richtung zu cnt- falten, beweisen die bereits bestehenden, zum Theil vor vielen De- zennieu schon erlassenen Gesetze zahlreicher Länder, sowie die schlimmen Resultate, welche aus den mannichfaltigsten auf diesem Gebiete vorge- nommenen hygienischen, statistischen und sozial- wissenschaftlichen Unter- suchungcn sich ergeben haben. Es wird als ein Gebot der Humanität sowohl als der Sorge für die durch Degenerirung großer Bevölker- ungsklasscn geschwächte Wehrkraft der Staaten bezeichnet, den Zustand der Dinge nicht fortbestehen zu lassen. Allerdings werden sich die anzustrebenden Fortschritte nicht auf ein- mal verwirklichen lassen, sondern es kann sich unzweifelhaft nur darum handeln, die zunächst erreichbaren zu verfolgen. In diesem Sinne möch- tcn als mit Erfolg von einem Staatenverband zu regulirendc Gebiete vor allem angesehen werden: die industrielle Sonntags- arbeit, die industrielle Kinder- und Frauenarbeit, insofern als durch eine allzu intensive und allzu frühzei- tige Ausnützung, durch eine den Gesetzen der Natur und der Sitte zuwiderlaufende Verwendung der Arbeitskräfte die Familie physischer wie moralischer Depravation entgegcngeführt und zerstört wird. Die Art und Weise des Vorgehens dürfte nach der Ansicht des schweizerischen Bundesrathcs darin bestehen, daß sich zunächst eine keinen diplomatischen Charakter tragende Konferenz von Dclegirtm der ver- schicdcnen Staaten versammelte, um auf Grund eines Programnies die Frage zu berathen und diejenigen Punkte festzusetzen, deren Au-sührung durch internationales Uebereinkommeu den hohen Regie- ruiigcu als w ü n s ch b a r zu bezeichnen wäre. Als Programmpunkte erlaubt sich der schweizerische Bundesrath. im Sinne der vorstehenden Ausführungen und in Hinsicht auf die bereits bestehende Gesetzgebung in den verschiedenen Staaten unmaßgeblicherweisc vorzuschlagen: 1. Ver- bot der Sonntagsarbeit: 2. Festsetzung eines Mini- mal-AltersfürdieZulassungvonKinderninfabrik- mäßigen Betrieben; 3. Fest setzung eines Maximal- Arbeitstages für jugendliche Arbeiter; 4. Verbot der Beschäftigung von jugendlich enundweiblichenPer- sonen in besonders gesundheitsschädlichen und ge- fährlichcn Betrieben; S. Beschränkung der Nachtarbeit für jugendliche und weibliche Personen; S.Art und Weise der Ausführung allfällig abge- fchlossenerVerträge. � Wenn sich die Konferenz über diese Punkte oder einzelne derselben geeinigt hätte, so würden die Resultate den hohen Regierungen als unverbindliche Vorschläge zu unterbreiten sein. In dem Falle, daß der einen oder anderen der hohen Regierungen nur ein Theil dieser Vorschläge genehm wäre, könnten besondere internationale Ueberein komme» betreffend einzelne Fragen jeweilen von den- jenigen Staaten in Aussicht genomren weven, welche hinsichtlich deren Lösung übereinstimmen. Die Vereiibarunxn würden nicht den Sin» haben, die nationalen Gesetze zu- rsrtzen, sondern die ton- trahirenden Thcile verpflichten, in iyrcr mheimischen Gesetzgebung ge- wisse Minimalforderungci durchiftihren; denjenigen Staaten, welche weiter gehen wollten, bliest dies Ibstverftändlich unbenommen, wie denn auch die Schwei? ihriFabrskgesetzgcbung. welche sich in den zwölf Jahren ihres 2stchens vollständig eingelebt hat, nicht abzuschwächen, sonder weiterzu entwickeln gedenkt. Für Staaten, deren Gesetzgetng jene Minimalforderungeu zur Zeit noch nicht erfüllt, wäre wohl lt eventuellem Beitritt zu einem internationalem Uebereinkommeu eine ingemessenc Uebergangszeit zu stipuliren. Die Festsetzung der Staatstrträge selbst würde späteren Konferenzen der einzelnen hierzu geneivas von solchen Versprechungen zu halten, und wie sie gehalten werden, haben die Streikenden sich be- wegen lassen, auf die ursprünglich mit so großem Nachdruck gestellte Forderung zu verzichten, und sich damit getröstet! wenn die Versprechungen nicht gehalten werden, wird von Neuem gestreikt. Statt das Eisen zu schmieden, solange es warm, gibt man den Unternehmern Zeit, das„Theile und herrsche" ins Werk zu setzen. Schöll jetzt tauchten überall faule Brüder auf, die unter der Maske der Friedens- Apostel die Desorganisation betrieben. Es wird ein f a l s ch e s S p i e l mit den Arbeitern getrieben. Mögen sie des Spruches eingedenk sein: Trau, schau, wem? "— Von welchem Kaliber die Herren Veamtcu find, die auf den Zechen das große Wort führen, zeigt folgende Notiz des„Westphäl. Merkur".„Diese Herren Zechenbeamten', schreibt das konservativ- ultrainontane Blatt,„bilden sich einfach ein, die im Interesse der öffent- Uchen Ruhe entsandten Truppen ständen lediglich in ihrem Dienste, wenn es ihnen beliebt, dieselben antreten zu lassen, blasen sie ins Fern- sprachrohr und ärgern sich gar noch, tvcnn statt der verlangten Kom- pagnie nur ein Zug erscheint, um ihnen seine Anftvartnng zu machen. Von 10 dringenden Depeschen um militärische Hilfe sind mindestens 's ganz grundlos, und schimpfend über den überängstlichen Direktor ziehen die gehetzten Soldaten wieder ab." Als Beispiet der Anmassung der Zechenbeamten berichtet der„Westphälische Merkur' aus Hörde,„daß nach der Zeche„Karoline' bei Holzwickede eine Kompagnie Militär bei Tagesanbruch abmarschirte in Folge ernster Aufforderung des Gruben- direktors. Die Kompagnie traf'/«5 Uhr früh vor der Zeche ein und fand alles in größter Ruhe, nicht einmal der Herr Direktor war zu sehen. Dieser schlief den Schlaf des Sorglosen, während eine Kompagnie Soldaten zu seinem Schutze anrückte! Natürlich ließ der Hauptmann sich melden, mußte aber bis 5 Uhr warten, also volle*/* Stunden, bis es dem Herrn Zechendirektor gefiel, sich zu zeigen und Auskunft zu geben, wozu er das Militär gerufen. Der Herr Hauptmann machte ihm des- halb Vorstellungen, die Antwort war, das Militär sei erst für 5 Uhr verlangt worden! Nun fragen wir aber", so schließt der„Westphälische Merkur",„ist das nicht offenbarer Mißbrauch? Wenn der Herr Direktor von 4—5 Uhr so ruhig schlafen konnte, wozu bedurfte er denn um 5 Uhr des Militär«! Daß dieses dann wieder abzog, ohne etwas Ver- dächtiges gesehen zu haben, brauchen wir wohl nicht zu versichern." Man kann die Unverschämtheit dieser modernen Sklavenhalter nicht scharf genug verurtheilen, aber schwerlich würden sie es so arg treiben, wenn nicht auf der andern Seite in der Regel so große Bereittvilligkeit vorläge, den Beruf des Militär, die(Ausbeuter-) Ordnung zu schützen, bei der ersten besten Gelegenheit zu dokumcntircn, wenn nicht die Nach- frage sehr oft die Folge wäre von vorhergegangenem Angebot. Bei Konflikten zwischen Kapital und Arbeit hat sich die Staatsgewalt noch immer auf Seiten des Kapitals gestellt, sehr oft ungerufen, ist es da ein Wunder, wenn diesem und seinen Satrapen der Kamm schwillt? — Zur Lauöbuberei in Deutschland. Wir sind in der Lage, den Namen des Säbelhelden zu berichten, der in B o ch u m ohne jede Veranlassung auf die wehrlose Menge feuern ließ. Der Bursche heißt F e ch n e r und ist 19 Jahre alt. Also einem halbreifen Buben, der von der Welt absolut nichts erfahren, keine Spur von Menschen- tenntniß besitzen kann, wird die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, inmitten einer erregten Bevölkening die Ordnung aufrecht zu erhalten. Da ist es in der That kein Wunder, daß solches Resultat erzielt wurde. Ohne den erwähnten Fechner von den durch ihn verschuldeten Morden ftcizusprechen, müssen wir doch den Haupttheil der Verant- wortung denjenigen zumessen, die ihm einen Posten übertragen, dem er augenfällig in keiner Weise gewachsen war. Das ganze System, als dessen Produkt sich dieser neunzehnjährige Lieutenant Fechner dar- stellt, die Erziehung in der Kadettenanstalt, unter geflissentlicher Fern- Haltung vom bürgerlichen Leben, ist für die schändlichen Morde verant- wortlich zu machen. Und dieses infame System wird immer noch mehr um sich ftessen in einer Zeit, wo Deutschland unter dem Zeichen des L a u s b u b e n t h u m s steht, wo die halbreifen, dummen I u n g e Ncden Ton angeben. Ter geduldige Reichsphilister wird noch sein blaues Wunder erleben. — Daß Organe der Sozialdemokratie wider einander pole- Misiren, ist schon oft dagewesen und wird noch oft vorkommen. Es ist weder zu erwarten, noch auch nur zu wünschen, daß die Bewegung «inen so uniformen Charakter annimmt, daß jede Polemik innerhalb der- selben aufhört. Das hieße ihr geistiger, je nachdem ihr ni o r a l i s ch e r Tod. Das Unterdrücken, das Todtschweigen gewichtiger Differenzen„um des lieben Friedens willen" hat sich in gar manchen Fällen weit ver- derblicher gezeigt, zu viel schlimmeren Konsequenzen geführt, als das offene Aussprechen, das vielmehr meist schon die halbe Heilung ist, während der künstlich erhaltene„liebe" Friede gewöhnlich ein sehr sanier Friede ist. Wir wenigstens haben fast regelmäßig, wenn wir vns verleiten ließen, um des„lieben Friedens" willen eine Polemik zu unterdrücken, hinterher uns überzeugt, daß es im Interesse der Sache besser gewesen wäre, derselben fteien Lauf zu lassen. Anderseits darf man aber von Sozialisten, wenn sie gegeneinander bolemisiren, verlangen, daß sie dabei das gemeinsame Ziel, die Interessen des großen Ganzen nicht außer Augen, nicht Unter dem Streit leiden lassen, und weiter, daß sie in ihrer Polemik loyal verfahren und alle die erbärmlichen Kniffe und Winkelzüge ver- schmähen, welche wir an der korrupten Bourgcoispresse mit Recht tadeln. In dieser Hinsicht haben wir jedoch gerade in diesen Tagen recht häß- llche Erfahrungen machen müssen. Die Art, wie das„P r o l e t a r i a t", das Organ der französischen Possibilisten, und„Justice", das Organ der „Socialdemocratic Federation", die Polemik über den Internationalen Kongreß führen, ist genau das Gegentheil von ehrlich und loyal. Das„Proletariat" hat uns wiederholt in der gehässigsten Weise an- gegriffen und verdächtigt, sich aber geflissentlich gehütet, auch nur ein cinzigesmal uns zu zitiren, bezw. richtig zu zittren, denn an falschen Zitaten hat es das Blatt allerdings nicht fehlen lassen.„Justice" ist in dieser Hinsicht vorsichtiger gewesen, aber sie hat dem Treiben der Possibilisten und des„Proletariat" in jeder Weise Vorschub geleistet, die Theilnehmer an der Haager Konferenz verdächtigt, wo sie nur konnte.� Und jetzt, wo sie es dahin gebracht, daß die nichtpossibilistischen Sozialisten gezwungen sind, selbständig vorzugehen, jetzt setzen sich „Justice" und„Proletariat" wie auf Verabredung auf das hohe Roß und halten uns moralische Vorlesungen..Justice" hat die Stirn, den Theilnehmer» der Haaaer Konferenz— die sie einen„C a u e u s" nennt— zuzurufen, sie sollten„vor Scham nachgeben", und die wahr- hast Pecksniff'sche Auftichtigkeit, hinzuzufügen, daß sie,„Justice", nach beiden Seiten„absolut kein Vorurtheil" habe. Was das„vorurtheils- lose" Blatt natürlich nicht verhindert, von dem„freundlichen und wahr- Haft sozialistischen Ton unserer possibilistischen Genossen in allen ihren öffentlichen Auslassungen" im wohlthuenden Gegensatz zu dem„bitteren und willkürlichen Stil der Deutschen und ihrer Koterie" zu— erzählen. Wahrscheinlich war es„freundlich und wahrhaft sozialistisch" von den Possibilisten, daß sie alle Bemühungen der festländischen Arbeiterparteien, in der Kongreßfrage zwischen ihnen und den anderen Sozialisten Frank- reichs zu vermitteln, Hochmüthig ablehnten. lind was das„Proletariat" anbettifft— vom„Parti Ouvrier" gar nicht zu reden— so haben wir unfern Lesern die„freundliche und wahr- Haft sozialistische" Art dieses Blattes zur Genüge vorgeführt. Heute da- her nur eine Iveitere Probe. Wir haben in voriger Nummer ohne jeden Zusatz berichtigend davon Notiz genommen, daß der Beittag von 5 Franken pro vertretene Sektton, den das possibilfftische Komite vorschreibt, nach dem neuen Auf- ruf desselben nur von den ffanzösischen Sektionen verlangt wird. Trotz dieser loyalen Richtigstellung bekommt es das„Proletariat" fcrttg, in einem Artikel„Letzte Antwort" zu schreiben:„Schnell fragt sich der offizielle Moniteur des sozialistischen deutschen Papstthums, was sich hinter einer derartigen französischen Großmuth versteckt." Und der Mensch, der das geschrieben, hat die Sttrn, seinen Schimpf- Artikel, in dem auch nicht ein einziger Streitpuntt sachlich erörtert nnrd, folgendermaßen zu schließen:„Wir haben keinen Cleschmack an einer Polemik, die der elementarsten Loyalität ermangelt." Was soll man darauf antworten? Nichts! Jedes Wort wäre Verschwendung. Aber konstatiren wollen wir dieses Gebahren zweier Blätter, welche sich als die berufenen Ver- treter des Sozialismus ihres Landes aufspielen. — lieber die völlig ungesetzliche Art, wie Seitens des Schweiz. Bundesraths in der R u f s en- A ffä r e vorgegangen wurde, wird dem St. Galler„Stadt-Anzeiger" unterm 10. Mai geschrieben: „Diese Ausweisungen müssen jedem rechtlich denkenden Mann als eine gewaltsame Knechtung des öffentlichen Rechts erscheinen, ans dessen Schutz auch die Ausgewieseneu,„obschon" Russen und Polen, Anspruch zu machen berechtigt sind. In der gegen die Be- schwerdeführer eingeleiteten Untersuchung sind alle die schützenden Vorschriften, welche jedem Verhafteten gewährt werden sollen, vollständig ignorirt worden. Art. tt der Züricher Kantons- Verfassung sagt: „Den wegen eines Vergehens oder eines Verbrechens Ange- schuldigten, sowie dem Geschädigten ist Gelegenheit zu geben, allen Verhandlungen, welche vor dem Untersuchungsrichter stattfinden, beizuwohnen, einen Rechtsbeistand zuzuziehen und an die Zeugen Fragen zu richten, welche zur Aufklärung der Sache dienen können." Keine dieser s ch ü tz e n d e n V o r k c h r u n g e n ist den Aus- gewiesenen gestattet worden,»md schon aus diesen Gründen— abgesehen von allen anderen, die vielleicht später noch zur Sprache kommen werden— qualifizirt sich das gegen dieselben eingeleitete Verfahren als ein ungesetzliches, als ein A u s«a h m ev c r f ah r c n, für dessen Gestaltung die Willkür der Polizei maßgebend war, als eine Knechtung von Recht und Gesetz, wie sie der Monarchie nicht zur Ehre, der Republik jedoch zur Schande gereicht. Die Vorschriften über die Ausstellung von Haftbefehlen, über die Dauer des Untersuchungsver- Haftes, über die Vornahme von Hausdurchstichungen und Konfiskationen kamen nicht zur Geltung. An deren Stelle trat einfach das polizeiliche Ermessen. Einzelne Angeschuldigte waren fünf und mehr Tage verhastet, ohne daß sie einvernommen wurden. Aber nicht allem das. Noch mehr! Den Beschuldigten und dem von ihnen bezeichneten Rechtsbeistande wurde die Einsicht in die Akten von dem Untersuchungsbeamten, Polizeihauptmann Fischer, verweigert. Die Gesuche des Anwaltes der Ausgewiesenen um Gestattung der Akteneinsicht an den züricherischen Regierungsrath und an das eid- genössische Justizdepartement blieben, obschon bereits seit ihrer Ein- reichung vier Wochen verflossen sind, unbeantwortet und that- sächlich wurde dem Anwalte die Einsicht in die Akten niemals gestattet. Den Angeschuldigten war es infolge dessen unmöglich, Jrrthümer, Mißverständnisse oder falsche Anschuldigungen, lvie solche in den Akten enthalten sein mögen, zu widerlegen oder richtig zu stellen. Den An- geschuldigten war keine Gelegenheit geboten, die gegen sie vorliegenden Verdachtsgründe zu entkräften und das zu ihrer Entlastung dienende Bcweismaterial beizuschaffen. Einfach wurden Personen, deren Einvernahme die Polizei passend fand, in Abwesen- heit der Angeschuldigten, einvernommen, ihre Aus- sagen protokollirt und auf diese Weise das Material zusammengebracht, auf welches gestützt der Bundesrath die Ausweisung verfügte. Kein audiatur et altera pars*) galt gegenüber den Ausgewiesenen, keine Möglichkeit die möglicherweise von notorischen Feinden gemachten Angaben zu widerlegen, keine Möglichkeit für die Angeschuldigten, die ihnen zur Last gelegten Vergehen oder Verbrechen zu erfahren; den in Untersuchung Gezogenen wurde nicht e i n in a l m i t g e t h e i l t, w e s h a l b s i e i n ll n t e r s u ch u n g gezogen seien. Recht- und schutzlos waren sie der Polizeiwillkür überantwortet, der Polizeiwillkür ausgeliefert vom Tage der AnHebung der Untersuchung an bis zur Stunde der Ausweisung. Eine Reihe hoffnungsvoller Existenzen sind durch die Ausweisung aufs Schwerste bedroht. Es ist keineswegs richtig, daß die Aus- gewiesenen, wie während der Untersuchung mehrfach behauptet wurde, schriftenlosc, verdächtige Subjette seien. Jni Gegentheil waren mehrere der Ausgewiesenen sehr fleißige, von ihren Professoren sehr geachtete Studentcn, die ihrem Studium mit größtem Eifer oblagen; zwei von ihnen, welche unmittelbar vor dem Examen stehen, sehen am Ende ihrer Swdien ihre Existenz total vernichtet. Von Knem dieser beiden schrieb Professor Gaule am Polytechni- kum zu Händen der Untersuchungsbehörden, daß er die Ausweisung dieses Studenten, der sich stets durch ein ruhiges Wesen und eifriges Studium auszeichnete, geradezu als einUnglück für dicWissen- schaft betrachte." — Die Thatsachen, welche durch den Prozeß Defuisseaux und Genossen in Bezug ans die Lockspitzclwirthschaft dcs Ministcriumck Beer- nacrt zur öffentlichen Kenntniß gekommen sind, sind so skandalös, daß selbst die Presse der Partei des Ministeriums es aufgeben mußte, dasselbe zu vertheidigen. Zu groß ist die allgemeine Enttüsttmg über so viel I n f a ni i e. Von den Gaunerstücken, die im Laufe des Prozesses ans Tageslicht gezogen werden, stellt das Eine inimer das andere an Niedertracht in Schatten. Am bezeichnendsten ist vielleicht die D u r ch st e ch e r e i des Herrn Beernacrt mit dem Spitzel Pourbaix. In deutschen bürgerlichen Blattern lesen wir darüber: „Geradezu unglaublich darf man die Vorgänge nennen, welche sich in diesem Augenblicke bei Gelegenheit des großen Sozialistenprozesses in Möns abspielen. Die Lage hat sich mit einem Male verändert, aus den Angeklagten sind Slnkläger geworden, und auf der Anklagebank haben nicht Sozialistenführer, sondern die Häupter der belgischen Regierung, der Ministerpräsident Beernacrt und der Minister des Innern, *) Auch der andre Thcil werde gehört. Devolder, Platz genommen. Tie Belastungszeugen, welche der Staatsanwalt gegen die Angeklagten führt, sagen insgesamnit zu deren Gunsten aus und belasten blas die Ankläger. Wohl niemals hat ein polittscher Prozeß eine so gründliche Vertauschung der Rollen hervor- gerufen. Was man da Über die intimen Beziehnngen zwischen der Regierung und einer ganzen Reihe von Lockspitzeln hört, übersteigt aber auch Alles, was man selbst von einer in der Wahl der Mittel nicht sehr gewissenhaften Regierung erwarten darf. Es ist jetzt sicher, daß die Regierung nicht allein gewöhnliche Spitzel gedungen hat, welche die Vorgänge im sozialistischen Lager auskundschaften sollten, sondern daß sie deren Agcnts Provokateurs kannte und billigte und veranlaßt«. Die seitens des Staatsanwats nicht Wider sprochene Aussage des Lockspitzels Leonhard Pourbaix gibt uns darüber interessante Aufschlüsse, aus denen her- vorgeht, daß die Arbeiterunruhen von 1887 zum Theil auf Anstiften der Lockspitzel und unter Mitwissenschaft der Regierung hervorgerufen wurden. Pourbaix, ein sozialistischer Druckereibesitzcr in La Louviöre, unternahm nämlich Anfangs Mai eine„Geschäftsreise" nach Paris im Auftrage der belgischm Regierung. Zweck derselben war die Verleitung des Agitators Alfred Deffusseaux zum Betteten des belgischen Bodens und zur Uebernahme der Führung der damaligen Streikbewegung. Defuisseaux, welcher in Pourbaix einen Parteigenossen erblickte, ging auf den Plan ein und billigte ein ihm von Pourbaix vorgelegtes Manifest, welches die Arbeiter Belgiens zur Revolution aufforderte. Dasselbe war in den hefttgsten Ausdrücken abgefaßt, enthielt Beleidigungen ärgster Art gegen den König und die Minister und hatte ielbverständlich den Zweck, Oel in das Feuer zu gießen. Nachdem Defuisseaux das Mani- fest gebilligt und die Absicht kundgegeben hatte, am folgenden Tage in Möns zu erscheinen, begab sich Pourbaix auf das Telegraphenamt und sandte an den Leiter der belgischen Staatspolizei, Gautier de Rasse, folgende Depesche:„Komme heute Mitternacht, verständiget Beernaert." Wie man steht, ist der Ton, in welchem der ehrenwerthe Spitzel mit dem ersten Minister verkehrte, ein durchaus familiärer. Er nennt den Ministerpräsidenten kurzweg Beernaert. Um Mitternacht fand thatsächlich die Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten und dem Lockspitzel im Ministerium st a t t. Pourbaix unterbreitete dem Minister das von ihm verfaßte, eben erwähnte Manifest und die Beiden kamen überein, dasselbe mit„Stanislaus Tondeur" zu unterzeichnen. Am folgenden Tage erschien das Manifest und rief in ganz Belgien die größte Auffegung hervor. Besonders gewaltig war die Enttüstung des Herrn Beernaert, welcher obwohl er wußte, daß das Manifest ein Werk des Lockspitzels Pourbaix war, den Auftrag ertheilte, energisch nach dem Verfasser zu forschen. Es wurde also vor dem Lande eine förmliche Komödie aufgeführt und Herr Beer- nacrt sah ruhig zu, wie z w e i S o z i a l i st e n f ü h r e r, nämlich Georges Defuisseaux und Hektar Conreur als muth maßliche Verfasser des Manifestes verhaftet und einige Monate hindurch in Haft gehalten wurden. Selbst als den beiden unschuldig Verhafteten der Hochverrathsprozeß gemacht wurde, rückte der Ministerpräsident mit der Wahrheit nicht heraus. Glücklicher Weise wurden Defuisseaux und Conreur wegen Mangels an Beweis freigesprochen. Wäre die« nicht der Fall gewesen, so hätten die beiden Opscr des Lockspitzels Pourbaix vielleicht gar einige Jahre im Zucht- Hans gesessen. Erst jetzt erfahren wir, daß Pourbaix der Verfasser und der Ministerpräsident der Mitwisser jenes Manifestes waren." Selbstverständlich wäre es mehr wie naiv, anzunehmen, daß diese schändlichen Manöver erst in neuerer Zeit in Uebung gekommen sind; sind doch noch jedesmal in Belgien, sobald die sozialistische Bewegung einen kräftigen Ausschwung nahm, plötzlich mysteriöse Gestalten aufgetaucht, die unter dem Motto:„Propaganda der That" Zwietracht in die Partei warfen und ihre Agitation durchkreuzten. Und eben dieses Belgien, in dem bezahlte Agenten der Regierung die Arbeiter zu gemalt- thätigen Handlungen aufforderten, wurde von dem guten Freund derselben Regierung, Herrn Puttkamer, mit pathetischen Worten als warnendes Beispiel hingestellt, was für Zustände„uns" in Deutsch- land bevorstünden, wenn„wir" die Ausnahmegesetze nicht hätten. Tie Ordnungsspitzbuben arbeiteten einander nach Gaunerart in die Hände, um die Freiheit der Völker desto gründlicher abthun zu können. Das schändliche Spiel ist ihnen versalzen, elend entlarvt stehen die Verbrecher da, der allgemeinen Verachtung preisgegeben. — Gegen die nichtswürdige Verfügung der Wiener Polizei,. wonach die sozialistischen Vereine öffentliche Versammlungen nur abhalten dürfen, wenn sie vorher eine Liste der Gäste der Polizei zur Kontrolc eingereicht, hat am 12. Mai der politische Verein„Wahr- heit" eine öffentliche P r o t e st v e r s a m m l u n g in den„Schwender" Lokalitäten abgehalten. Auch wenn in der Versammlung kem Wort gesprochen worden wäre, wäre sie ein lauter Protest gegen die blödsinnige Polizeimaßregel gewesen, denn mehr als 4000 Wiener Arbeiter, darunter mehrere hundert Frauen, waren der Einladung des Vereins gefolgt und hatten sich als Gäste für die Versammlung angemeldet, so daß die Polizei angesichts der physischen Unmöglichkeit, Kontrole zu üben, diese„freiwillig" fallen ließ. Der Verlauf der Ver- sammlung war ein glänzender, die Ansprachen der Genossen Pokorny (Referent), Adler, Kautsky, Ullrich und Becker wurden mit stürnnschein Beifall aufgenommeu. der Protest mit Einmüthigkeit von der Ver- sammlung ratifizirt., Aber auch die Polizei ratifizirte den Protest: untenn lo. Mm verfügte sie, daß die Thätigkeit des politischen Vereins„Wahrheit", weil derselbe„eine agitatorische Thätigkeit im sozialistischen Sinne entivickelt, welche geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und die gesellschaftliche Ordnung zu gefährden", auf Grund der A u s n a h m e v c r f ü g n n g gegen den Anarchismus„bis auf Weiteres ringe- stellt" sei." �„ Was ist größer: die Infamie oder die— Weisheit? — In einer am 13. Mai im alten Schützenhause in Zürich abge- halten, äußerst zahlreich besuchten Protcstvcrsainniliiiig, in der Ge- nofse O. Lang präsidirte, und die Genossen E. W u l l s ch l e g c l (Redakteur des Basler„Arbeiterffeuiid") und Merk referirten,— der Erstere über die Affäre W o h l g e m u t h- L u tz, der Letztere über die Ruf sen-Au«Weisung— wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen: „Die heutige, 800 Mann starke Versammlung im alten Schützenhaus, legt Protest ein gegen die Ausweisung des Genosse» Lutz, sowie gegen die Ausweisung derjenigen russischen Staatsangehörigen, die lediglich wegen ihrer politischen Anschanungen des Landes verwiesen werden und damit ein Geschick erleiden, das sie nicht einmal in Deutschland zu er- dulden gehabt hätten. Sie erkennt in diesen Answeisungen einen Akt gefährlicher Nachgiebigkeit gegenüber monarchischen Regierungen, eine Preisgabe ruhmwllrdiger schweizerischer Ueberlieferunge», die sich nicht versöhnen läßt mit dem Freiheitsgefühl des sozialistisch gesinnten Volkes. Die Persammlung findet in diesen Vorgänge» einen neuen Beweis für die Nothivendigkeit, Ausweisungen nicht in's Belieben des politisch ab- hängigen und gebundenen Bundesrathes z» stellen, sondern ihnen ein richterliches Verfahren vorgehen zu lassen, damit eine Ausweisung nur auf Grund eines unparteiischen richterlichen Spruches erfolgen kann." In derselben Versammlung wurden am Schluß zwei junge Deutsche, die sich in auffälliger Weise bemerkbar gemacht, als Spitzel bezeichnet; es sind dies der Weber Eduard M a a ck von W i ck e l s d o r f bei Gera, und der Kaufmann Karl M o l l a ck aus S o l d i n bei Frankfurt a. O. Nachdem sie in ein nahegelegenes Lokal geflüchtet, ivurden sie von der Polizei sistirt, mußten aber, da keine Belveise gegen sie vorlagen, wieder freigelassen werden; beide behaupteten vielmehr, überzeugte Sozialdemokraten zu sein. Sie waren von Basel her, Ivo sie sich im deutschen Arbeiterverein bewegten und dort Verdacht erregt hatten, nach Zürich signalisirt ivorden.„.,. „Es ist ja möglich," schreibt der Basler„Arbeiterfreund",„daß die Leute unschuldig sind: wir sind überhaupt der Ueberzeugung, daß man schon wiederholt Unschuldige der Spitzelei verdächtigt hat. Aber ohne äußere Ursache wurde noch selten ein solcher Verdacht ausgesprochen; in der Regel gaben die Betreffenden durch auffälliges Benehnien,»»- gewähnliche Geldausgaben und dergleichen Anlaß dazu. Für dieses, in einzelnen Fällen vielleicht zu weitgehende, Mißtrauen aber die Sozial- demokraten zu verspotten und zu begeifern, wie es die„Allg. Schweiz. Zeitung" in ihrer neuesten Nummer thnt, ist eine Gemeinheit. Das Mißtrauen ist eben eine begreifliche Folge des politischen Spitzelthnius. Wer jenes nicht will, der muß dieses— das Spitzelthum— bekämpfen." w Aus Frankreich wird uns geschricbrn: Die kapitalistische Presse hatte in den letzten Wochen wieder einmal Gelegenheit, sich gründlich darüber zu ärgern,„daß die Sozialisten keine Gelegenheit verabsäumen, ihren Einfluß weiter auszudehnen." Anlaß dazu gab ihnen ein von V a i l l a n t im Gcneralrath des Scine-Tevartcnicnts eingebrachter Antrag, anstatt die Anitsthätigkeit der mit B e a u f s i ch- tigung der Kinderarbeit in den Fabriken beauftragten Lokalkommissionen auf weitere fünf Fahre zu verlängern, neue' Lokal- Kommissionen zn erwählen, welche zu zwei Dritteln ans De l egir t en der Gewerkschaften und den als Gcwerbeschiedsrichter fungircn- den Arbeitern znsamniengesetzt sein sollten, ferner den Konnnijsious- Atitgliedern einen festen Gehalt zuzusprechen, damit dieselben eine metho- dische Ueberwachung der Fabriken und Werkstätten üben könnten. Wie auf der Hand liegt, hätten in Gemäßhcit des Vaillant'schen Antrages organiflrte Lokalkommissionen Garantie geboten für gewissenhafte Lieber- wachung der Kinderarbeit, die wohl durch das Gesetz von 1874 geregelt, aber auch nur auf dem Papier geregelt ist, so daß die unerhörtesten Ausschreitungen der kapitalistischen Kinderausbeutung ruhig fortdauern können. Gerade darin lag aber auch der Grund, daß der Antrag ab- gelehnt wurde, besonders nachdem der Präfett des Seine-Departements den Vorwand geltend gemacht, es würde in manchen Industriezentren unmöglich sein, die nöthige Anzahl von Kandidaten aufzutreiben! Die bereits bestehenden Lokalkommissionen sind auf weitere fünf Fahre in ihrem Anit bestätigt worden, der kapitalistische Moloch kann sich ruhig weiter mit Kindern sättigen. Es lebe die„goldene Freiheit der Industrie!" Nach den, gleichen Motto ist auch eine vom Präsideuten auf de» Be- richt des Handelsministers Avcs Guyot hin erlassene Verordnung der- fertigt, welche alle Gesetze und Verordnungen gegen gesundheitsschädliche und übermäßige Frauen- und Kinderarbeit thatsächlich hinfällig nmcht, indem sie eine ganze Reihe von gerade sehr schweren und gesündhests- schädlichen Zndustrien zu Ausnahmen stempelt. Die gleiche Tendenz des süßen laisoer-ksira scheint auch die Antwort zu haben, welche die französische Regierung auf die Einladung der Schweizer Bundesregierung, sich an dem Kongreß für internationale Arbeitergesetzgcbung zu bc- thciligen, gegeben. Die französische Regierung behält sich nämlich ihren Entscheid für später vor und verweist mit großer Selbstgefälligkeit auf die paar, armseligen Schutzgesetze, welche in den letzten Fahren erlassen worden sind, und welche derselben als das non plus ultra der staatlichen Intervention zn Gunsten der Arbeiterschaft erscheinen. Seitdem der kreihändleriscbe Schönredner Ives Guyot Handelsministec geworden, blüht dem Manchesterthum der schönste Alteweibersomnier, der jedoch hoffentlich, wie alle seiner Art, nicht lange dauern wird. Mit Theil der Pariser Schneider, die sogenannten„Lompiers", welche die fertigen Artikel korrigircn und zustutzen, sind seit mehreren Wochen im Ausstand, um eine Lohnerhöhung von 5 Cts. pro Stunde zu erzielen. Eine Anzahl von Firmen, wie Bon Marchs, Louvre?c. haben die Lohn- erhöhung bewilligt, die Mehrzahl derselben weigert sich jedoch, den For- derungcn Rechnung zu tragen. Charakteristisch ist, daß die renitenten Häuser die S t ü ck a r b e i t e r durch Slndrohnng der Arbeitsentzichung zwingen wollen, die Spezialität der streikenden Kameraden zu übernehmen. Von Vorgängen aus der Prozinz verdient erwähnt zu werden, daß in dem revolutionären Vorort von Paris, St. Ouen, anläßlich der Gemeinderaihswahlen die bonlangistische Liste über die blanquistische trininphirk bar. So traurig die Thatsache an und für sich ist, so erhellt sie doch wenigstens in drastischer Weise, was man von deni Geschrei zn balten hat, die Blanquisten seien durch die Bank verkappte Boulangisten. Thatsächlich verdanken die Boulangisten ihren Sieg den Herren Oppor- tunisten, die zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang mit emer eignen Liste in die Wahl eintraten, die sie, um den revolutionären Sozialisten Stimmen zu entziehen,„republikauisch-sozialistisch" tauften. — Zum Boycvit tvidcr die Bohcottcr. Ein Geuosie schreibt uns: „Es ist eine S ch m a ch und muß als solche von jedem Genossen, von ledcm klassenbewußten Arbeiter empfunden werden, wenn, sich irgendwo Gastwirthc, wie überhaupt Besitzer von Versaininlungssälen herausnehmen dürfen, Arbeitern, von denen sie leben, ihre Lokalitäten zu Versammlungen zu verweigern. Es ist schon früher in dicseui Blatte daraus hingewiesen worden, daß die Arbeiter allein die Schuld trifft, welche sich dies gefallen lassen. Es erfüllt mit Schmerz, wenn man sieht, wie Genoffen in solchen Lokalen vor wie nach ruhig weiter verkehren. Die Winhe werden dadurch m u t h i g e r und sagen sich:„Dieser Partei können lvir Alles bieten,— diese Leute bringen vor wie nach noch ihr Geldzu uns." Und die Wirthe haben von ihrem Standpunkt bis zu einem gewissen Grad Recht. Das muß anders werden. Rücksichtslos muß gegen solche Wirthe vorgegangen werden. Sie müssen gezwungen werden, den Sozialisten ihr Lokal zu Versammlungen herzugeben. Thun sie es nicht, so darr kein Genosse in diesen Lokalen verkehren, wer es dennocl> thut, macht sich zum Verräther an seiner Partei. Denn dadurch, daß er zu diesem Wirth geht, schädigt er die Partei. Es gilt mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß solche Wirthe mürbe gemacht werden. Ein Wirth steht im Dienst der Allgemeinheit und hat dieser ohne Rücksicht der Partei zu dienen. W e in e.r seine Stimme gibt, das geht Niemanden was an, das ist seine Privatsache. Tritt er aber hin und erklärt:„Ihr Angehörigen. der Arbeiterpartei bekommt zn Versammlungen meinen«aal nicht." so bezeichnet er die politisch gebildeten Arbeiter als Menschen, die er v e r a ch t e t, die er bekämpft und die in seinen Lokalen nur mit Widerwillen bedient werden. Besucht ein Sozialist dasselbe dennoch, so hat der Wirth ein Recht, die Sozialisten zu verachten, devn ein Mensch von Charakter läßt sich dergleichen nicht bieten. Wir werden bei allen Gelegenheiten boheoitirt, bei Kanalbanten, bei Lieferungen für Staat und Kommune, kurz wo immer niau die Sozia- listen schädigen kann, werden wir geschädigt. Wehren lvir uns unserer Hanl, zahlen wir mit gleicher Münze. Wo die Gegner einen Sozialisten vrotloS macheu können, thun sie es, thun wir dasselbe. Die Gegner haben diesen persönlichen Kampf angefangen, führen ihn mit eiserner K o n' e a u e n z durch, Die Sozialisten in ihrer großen Masse können gewaltig wirken, wenn sie nur wollen; die Feinde müssen zittern, wenn ein Boycott beschlossen ist. Derselbe muß ihnen die Alternative stellen: Bankerott oder Unterwerfung. Schon jetzt l a m c n t i r e u viele gegnerische Zeitungen über den Boycott gegen die Wirthe, welche den Saal ver- weigern— und doch ist bis jetzt fast noch gar Nichts gegen diese Wirthe geschehen. Fedenialls erfahren wir io durch die Gegner selbst, daß ihnen durch dieses Mittel großer Schaden zugefügt werden kann. Man überhäuft uns mit Prozessen, Ich neu wir dasselbe. Wo ein Gpschäktsmann. ein Wirth oder sonst Jemand, uns öffentlich be- schimpft, eine Partei der Lüge, oder uns Gesindel zc. nennt, muß er rücksichtslos m a t e r i e l l bekämpft werden, und mögen die Gegner Zetermordio schreien. Aber dieGenoffen sind dagegen auch v e r p f i ch t e t, denjenigen Geschäftsmann, der uns sein Lokal zur Verfügung stellt, mit allen Mitteln zu u n t e r st ü tz e u. Hie Genossen müssen aber sehr vorsichtig im Rah inen des ihnen gesetzlich Zustehenden zu Werke gehen. Sie müssen immer blos e i n z eine Geschäftsleute herausgreifen und diese mit aller Wacht bekümpftn; denn beginnt man gegen viele zugleich den Kampf, so werden die Kräfte z e r s p l i t t e r t und die Wirkung ist a b g e s ch w ä ch t. DieGenoffen müssen in allen Wahlkreisen, wo Wirthe den Saal verweigert habe,', die Lokale öffentlich durch Plakate, Zettel oder Flug- b l ä t t e r bekannt machen und am Kopfe bemerken: die und die Wirthe sehen. Genossen ttiut ihnen den Gefallen und meidet die LokVe Diese Form ist nicht strafbar., Führen die Genossen dies mit ei' e rn er Energie und Kons e- quenz durch, dann haben sie nach einem hchlben Fahr jederzeit genügend Säle zur Verfügung. Lassen aber die Genossen sich jede» Fußttitl gefallen, so werden wir in kurzer Zeit gar keinen Saal mehr haben, denn die wenigen anständigen Wirthe können dem Drangen dir Gegner nicht Widerstand leisten und unterliegen. Gehen wir also zum rücksichtslosen Angriff scher, es wird der Partei Segen bringen. In Dresden, Berlin, Leipzig hat man angefangen, alle andern Städte müssen folgen; eher wird es nicht besser. — Zärtliche Fürsorge. Die Deputation der streiken- den westfälischen Bergleute ist,, wie die„Berl. Volksztg." erfährt, in Berlin auf Schritt und Tritt von Geheimpolizisten beobachtet worden; schon m dem Hotel, in welchem sie abstiegen, nahm sofort nach ihrer Ankunft im Nebenzimmer ein Polizei- beamter Quartier; von da an fühlten sie sich beständig beobachtet! Diese„Ehrenwache" gehört natürlich zur„väterlichen" Fürsorge der Regierung fiir das Wohl der Arbeiter. Sie betrachtet die Arbeiter als Kinder und sendet, ihnen ihre Schutzengel. Sehr, liebevoll, aber nicht itach Federmann's Geschmack. — Von der Zweig-Settion der„Sozial Dewoeratie Federation in B a t t e r s e a(Südwest- London) geht uns unterm 17. Mai folgende Resolution zur Berössentlichung zu: „Fn einer Versammlung in Sidneh-Hall wurde nach einem Vortrage hon John Burns von 400 Arbeitern die nachstehende Resolution ein- stimmig beschlossen: „Die Versammlung drückt den im Kämpf gegen die Macht des Kapitals befindlichen deutschen Bergarbeitern ihre Sympathie aus und hofft, daß ihre vereinten Anstrengungen bessere Lebeusbeding- ungen für ihre Klasse zustande bringen mögen." Im Aufträge: Harry B. Rogers, Ehren-Sekretär. — Schutzzoll und nationale Ausbeutung.«Fn diesem Lande produziren 1048 Mann 4500 Tonnen Bessemer Stahl per Woche, oder 4,3 Tonnen per Mann. In England stellen 600 Alann 1500 Tonnen her, oder nur 2,5 Tonnen per Mann. Der durchschnittliche Lohn der amerikanischen Arbeiter ist nach guter englischer Autorität um 3b pCt. hoher als derjenige der Engländer." Die vorstehende Notiz, schreibt das„Philad. Tageblatt", ist der hiesigen schutzzöllnerischen Presse entnommen. Es geht aus ihr hervor, daß der a m e r i k a n i s ch e Arbeiter im Aerhältniß zum Produkt weniger Lohn erhält als der englische, während aber der Preis des Produktes hierzulande ein v i e l h ö h e r e r ist als in England. Und somit bleibt nur der uuanfechtbare Schluß übrig: Der Schutzzoll nützt dem Arbeiter gar nichts, während der Kapitalist einen viel höheren Profit macht. — Einige Zahlen aus dem soeben veröffentlichten Jahresbericht der sächsischen Fabrrk-Jnspektoren für 1888 werden in der deutschen Arbetterpreffe mit Recht als charakteristisch für die wirth- schaftliche Entwickelung der Neuzeit bezeichnet. Nach dem Bericht waren im Jahre 1888 in Sachen 321,639 Fabrikarbeiter, d. h. 7111 oder 2,3 PCt. mehr vorhanden als im Vorjahre. Erwachsene männliche Arbeiter wurden 191,484, d. h. 1041 oder 0,9 PCt. mehr als im Vorjahre gezählt, während die Zahl der erwachsenen wetb- lichen Arbeiter 92,134, d. h. 2272 oder 2,3 p<5t. mehr betrug als im Vorjahre. Aeußerst bettächtlich ist auch in diesem Berichtsjahre der Zuwachs an jugendliche it und kindlichen Arbeitern, deren Zahl von 34,763 auf 38,061, d. h. um 3298 angewachsen ist, was einen Prozentsatz von 9,3 ergibt; ja innerhalb dsr letzten 2 Jahre stellt sich sogar für diese Arbeitergruppe die geradezu enorme Zuwachs- ziffer von 22 pCt. hermis. Die große Mehrzahl der weiblichen und jugendlich-kindlichen Arbeiter entfällt übrigens iviederum auf die Textilindustrie, welche insgesammt 131,089 und darunter 70,993 weib liehe und 18,711 jugendliche und kindliche Arbeiter beschäftigte, so daß also an erwachsenen männlichen Arbeitern nur 42,283 übrig bleiben. Da der jäbrliche Zuwachs der Bevölkerung m Deutschland zur Zeit 1 Prozent wenig übersteigt, so geht aus den obigen Ziffern zunächst eine das Durchschnittsverhältniß überschreitende Vermehrung der Fabrik- arbeiter- auf Kosten der kleingewerblichen und Laudarbeiter-Bevölkerung hervor. Bezeichnenderweise aber entfällt der lleberschuß ausschließlich auf die weiblichen und jugendlichen, bezw. kindlichen Arbeiter. Die enorme Zahl der weiblichen Arbeiter in der Groß- indunrie und ihr vollständiges Ueber wiegen in einem so bedeuten- dem Zweige derselben wie die Textilindustrie—- 62 pCt. gegen 38 pCt, — zeigt, daß die rechtliche und politische Emanzipation der Frmi keines- Wegs bloß eine Bourgeoisieftage ist, sondern in viel höherein Grade eine Frage der Arbeiterklasse, im engsten Zusanimenhang steht mit der Eman- zipationsbewegung des Proletariats. — Mit beißendem Spott kömmentirt der Sonniagsplauderer der „Züricher Post" die väterliche Tchiestrede des Hohenzollernkaisers: „Wenn die Fürsten Europa's," schreibt er,„nicht an die Revolution von 1789 erinnert sein wollen, obschon es ihnen auch bei einem reduzirten Betrieb der Tyrannei seither recht leidlich erging, so regt es sich um so mehr in den Kreisen der Unttrthanen. Nicht daß sie Scherzen mit der Guillotine geneigt wären, sie wollen es vorerst mit Güte versuchm. Den Kummer der Armen versteht nur der Arme und so entsendeten die Minen-Arbeiter des Dortniiinder Reviers eine Deputation zum Kaiser, der bei seinem kümmerlichen Tagelohn non zehntausend Mark mn besten weiß, wie's einem gequälten Proletarier zu Muthe ist.„Wenn Du einsiehst Deine Schwächen, Michel, werden sie Dir was versprechen", sang Glaßbrenner in vormärzlicher Zeit und Herr Wilhelm hat den Leisten wirklich gesagt, es werde ihnen nichts geschehen, wofern sie brave Kmder seien; sollten sie sich-aber erfrechen, mit den Sozialdemokraten niiter einer Decke zn hungern, so werde er ihnen seine Macht zeigen und fürchterlich Musterung halten. Frisch gestärkt durch dieses Kaiserwort, an dem auch wirklich nichts zu deuteln ist, eilten die drei Männer heim- wärts, um ihren Brüdern die Botschaft zu bringen, daß, wenn ihnen die Einen Nicht helfen wollen, die Andern ihnen nicht beistehen dürfen — eine Kunde, die wohl ein vollbrNststimmiges„Hurrai, Germania!" Werth war____" Korrespondenzen. Aus Mitteldenlschlatzd. Die Vorbereitnngen zur nächsten Reichs- t a g s w a h l werden jetzt im. ganzen Reiche getroffen. Tie Genossen sind überall beschäftigt. um bei der nächsten Wahl einen Sieg zu er- ringen, wie ihn die Partei noch n i e errungen hat,—- Mnth»nd Lust zum Kampfe ist überall vorhanden,— dies a l he i n genügt aber nicht, uin den Sieg dapoiizutraacu. Mau muß sich auf alle gegucri- scheu Machinationen gefaßt machen, fall mau nicht überrascht und ge- schlagen werden. Jeder weiß, daß von diese n Wahlen das fernere Bleiben des Bismarck abhängt; da er ahfolut keine Lust hat, aufs Regieren zu verzichten, so wird er zu all e.n Mitteln greifen, um sich den Sieg zu sichern. Daß noch taufende von Bütteln an der Arbeit sind, die Wahlfreihcif. zu vernichten, weiß auch Jedermami. Wie kann aber all diesem entgegengewirkt werden'£ Wir wollen einige Winke geben, in welcher Richtung das Auge offen gehalten und Gcgcumaßregeln getroffen werden müssen. Erstens wird der„Krieg in Sicht" seine Rolle wieder spielen, vielleicht auch ein Armeekorps..mobil gemacht, um besser zu wirken. Um die Wirkung zu berhinoern, muß schon jetzt in allen Flugblät- tern, an allen Tischen und in allen Fabriken darauf aufmerksam ge- macht werden, daß dies kommen wird. Zweitens muß man in allen Kreisen bekannt geben, daß, wenn alle Stricke reißen,, irgend ein Jhring- Mahlow— ohne irgend eine un- verletzliche Person zu verletzen— ein Paar Pstind Dynamit an irgend einem Schlosse, an irgend einer Kaserne anbrennen kann, um die Masse zn verwirren und damit sie jede Gewaltthat der Bis- marcke als einen„Segen" für's Vaterland betrachten soll und Massen- Haft ins Lager der„nationalen" Arbeiterfeinde überläuft. Drillens müssen wir lins darauf einrichten: daß alle Versamni- lnngcn verboten und alle Stimmzettel k o n f i s z i r t und die Vcrtheilcr eingesteckt werden. Namentlich werden die Stipiinzettelper- thefler am Tage der Wahl vielen Jnsülte» ausgesetzt sein. '' Gegen jeden erdenklichen Fall m ü s s e n G c g e n in a ß r c g e l n getroffen werden, um den Streich zu pariren. Wir müssen uns auf die rothen Plakate oder die Bilderbogen, wo die Franzosen die„letzte Kuh" aus dem Stalle holen, gefaßt machen und Gegenmittel bereit halten. Kurzum, wir müssen uns auf alle erdenklichen Kniffe, Schelmen- und Schurken st reiche der Gegner gefaßt mache n. So werden wir und die Wähler nicht überrascht, die Masse behält kaltes Blut, und. wir werden siegen. Warnung. Wir warnen hiermit vor dem Schriftsetzer Karl Brauns aus Leipzig, (Mitglied des II. V. D. B.), welcher sich als Parteigenosse aufspielt. Derselbe hat, nachdem er aus einer hiesigen Druckerei wegen periodischer Trunkenheit»nd gänzlicher Unzuverlässigkeit entlassen worden war, ans Rache den Besitzer derselben d e n u n z i r t, daß er verbotene Schriften drucke, woraufhin eine polizeiliche Haussuchung erfolgte. Außerdem. hat er sich geäußert, weitere Denunziationen folgen' zulassen, ist auch im Berkehr in i t P vl i z ei b e a m t e ,r gesehen worden. Er ist angeblich von hier nach Leipzig abgereist. Man bereite ihm überall den gebührenden Empfang. Bant-Wilhelmshaven, 10. Mai. Die rothe Strandwacht. Briefkasten der Expedition: Pq. M. Benevento: In Nr. 20 irrig Ouit- tirtes ist hente richtig gestellt.— Anvcrs: Brf. v. 13/5 n. Fr. 17. 50 a Cto. Ab. rc. erh. Bfl. Weiteres.— Rother Hans: M*. 70.— a Cto. Ab. zc. erh. Nota u. Bstllg. folgt.„Brutus" ist längst vergriffen.— Claudius: Nachr. v. 13/5 erh. Weiteres erwartet.>— D. rthe. Peter: Schrft. allerdings abgeg. Adr. notirt. Bfl. mehr.— Lionel: Adr. ge- ordnet. Nota folgt. Weiteres beachtet.— Schiafhernbe: Mk. 60. 50 a, Cto. Ab. x. erh. Warum an diese Adresse Geld tz Ist nur für Bfe. Weiteres bfl.— Utopia: Antw. unterblieb, well wir annahmen, daß Sie sich direkt Ihres Anliegens borten entledigen wollten. Be- treff Ld. kommt die Menge in Betracht. Bfl. mehr.— Rnftis: Verzögerung rührt von E's. Gcheinithun her. Nachlftg. für ihn fort. Avisirtes erwarten wir, aber ohne Garantie prompter Fortsetzung können wir nicht weitermachen.— Veilchenstein. Mk. 160.— a Cto. Ab. rc- erh. u. Bf. ani 18/5 beantw. H. a. S. wird besorgt. Näheres betr. Sptzs. erwartet.— Rubikon: Bf. v. 16/5 erh. Aber warum reden Sie denn nicht mit F. selbst über die Sache. Adr. notirt. Warum denn kein Wort über„sonstig Interessantes" vom Platze? — Dante: Nachr. v. 16/5 hier u. Alles vorgemerkt. Erfragtes sollte schon dort sein, jedenfalls nun angelangt.— Budapest A. H.: Sh. l. 2'/» s. S. D. erh. Nennen Sie doch künftig lieber die„nahestehende Seite", auf die Sie Bezug nehmen. Oder trauen Sie uns nicht!? — Lasse: Mk. 100.— a Cto. Ab.:c. erh. Bstllg. nottrt.— Ch. K. i. M.: Und wie stehts dann mit deni„autonomen"„Haillbiirgcr"-Präsent? Bei„Rücksprache an geeigneter Stelle" dürsten übrigens gewisse„Bursche" in j e d e r Hinsicht sehr die Kürzeren ziehen.— Seidenivurm II: Brf. u. Gegrchng. v. 19/5 erh. Bfl. Weiteres.— Schippe: Ad. noch recht- zeitig geändert. Sdg. muß jetzt dort sein.— I. S. Paris: Einbanddecken dafür existirten nie. Lfrgn. v. Bls.„Franz. Rev" auch bei I. H. W. Dietz in Stuttgart direkt zn haben. Geld voraus t. Brief- marken. Außer d.„Npsz." kein ungar. Arbeitcrbl. bekannt.— Rthr. Ecrberus: Nachr. v. 15/5 notisizut. Ueber(«ch. 18 später.— Kilian: Bstllg. n. 17/5 notirt. Erfragtes unterwegs.— Elsterstrand: Sic sind im Recht. War ein Versehen beim Abschreiben. Bstllg. u. Adr. notirt. Woher erhält denn der P.-Kodf den S, T.?— Sprciqucll:; Bs. v. 18/5 hier. Tie Vermißten kommen noch.— Panzerschiff:— Besorgt. Haben Sic keine andere Adresse?—«iebcncr; Mk. 100.— a Eto. Ab. ec. erh. Weiterem soll in Bälde abgeholfen werden.— Lorelei): Mk. 150. 50 baar u. Mk. 4.— pr. Athl.-Rückzahl. a Eto. Ab. k. erb. u. Gegrg. v. Mk. 53. 75 gntgebr. Adr. notirt. Dank f. Rcchcrch. t. B. — Ranihias: Bfe. p. 18/5 erst u. am 20. geantw. Mk. 1000. pr. baar u. Mk. 256. 65 pr. Verlge. a Cto. Ad. 2c. gntgebr. Hoffentlich bald Nachr.. betr. E. O.— Noll, er Geldsack: Liegt lediglich am per- spätcten Apistrcn. Uebugens find auch Ihre Angaben zur Hälft, irrig. Bfl. mchx.— Württemberg: Mk. 20.L-- a Cto. Ab. x. erst Lasen Sie denn den dreimaligen Aufruf der beiden Beträge im S. nicht!? — Sauerländer: Wik. 20.— Ab. 2. Qu.:c. erst Gewünschtes folgt. Reklamirtes sollte mit Nr. 6 angelangt sein. Recherchen bewirkt.— Rath. Eisenwnrm: Mchrbstllg. u. Nachlfg. fgt. Warum denn erst hinter- drein?— Rth. Cerberüs: ffbaud in. falscher Ad. hier.— Mouchard Paris: Das Kalts-clleu des Hetzwitzels W o h l g e m n t h nennt Ihr Berufsgenosse„Ehrcnspitzel" in Zürich„eine unsaubere Affäre." Was meinen Sie dazu? Todesahnungen? Wie?— Holzhammer Davoö: Antw. aus M. v. 18. ds. lautet ivörtl.:„Betr. H. kann ich eist später berichten." Ihre Drohung, ist also zwecklos. Die Konsequenzen der Aus- sührung ftiaben wir nicht im Mindesten zn furchten, wie wir nebst Weiterem brieflich zeigen werden. — Prmsnz.; M. 3 Abon. 2. Qu. erh.— Khrug. Zrch.: Fr. 1.50 Ab. 2. Qu. u. Fr. 1.50 Ab. 1. Qu. per B. erh.—„Stillvergnügter" in Ölten: Fr. 25.— Ufd.». Fr. 13.20 Ab. p. 1889 dk. erh.—„Tyrann": M. 4.40 Ab. 2. Qu. erst— Ksmr. Frhug.: M. 5.— Ab. Mai-Juni und- 3. Qu. erst per B.— Mitgliedschaft Basel: Fr. 51.— Ab. 1. Qu. erhalten.— Tönnies Biel: Fr. 5.- a Cto. per Basel erh.= Für die gemastregeltcn Tramwaykutscher Wiens: v. Pasq. Mrtg. Benevento: Fr/ 2.— dich, erst für die gemaßregelten bescheint hiermit bestens Von den Genossen in München Mk. 50.- Tramwaytt, sicher in Wie n erhalten zu haben dankend Die Redaktion der„Gleichheit." Tülch Unterzeichnete zu beziehen: Watvfchtäge für die sozialistische Zljzitatio». Preis 30 Cts. � 25 Pf.—- 3 Pc. Thesen über den Sonnlismus. Sein Wesen, seine Durchführbarkeit und Zwerkmästigkeit. Von I. Stern. Preis pro Exemplar 25 Pf.— 30 Cts. Worwcirtsl Sammlung von(Gedichten für das arbeitende * Bolk. Preis brochirt M. 2 40. Fr. 3—' Sh. 2 5. Oerman Cooperative Publishing Co. 114 Kentish Town Road, London N. W. Printed for the proprietora by the German Cooperative Publishinf Co. 114 Kentiah Töven Road London ft. W.