Nr. 177. Adsmttmtnt»-Drdtngungen: «bonnemint»-Pre» pränumerando: vierleljShrl. S,S0 Mt., monatl. l,10Mr-, wöchentlich 2S Pfg. frei in» Hau». «inzelne Nummer K Pfg. Sonntag». Nummer mit illustrirter Sonntag«. Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg> Bost. Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung«» Pr«t«ltfte für 1898 unter»r. 767«. Unter«reuiband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 9 Mark, für da« übrige Ausland 3 Mark pro Monat. SrscheinI läglich nutzer»onkna«. Verlinev VolKsblskt. 13. Jahrg. Die Instrtlons-Gricklfr beträgt für die sechsgespaltene«olonft» »eile oder deren Raum«0 Pfg., für Berein«. und versammlungS-Anzeigen, sowie ArbeitSmarkt 20 Psg. Inserat« für die nächste Nummer müssen bi« i Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi« 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormttiag» geöffnet. Fernsprecher:»ml I, vr. 1600. Telegramm-Adresse: ,,»»,!ald«mokr»l vrrlw". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. ExpeMion: 19. Beuttz-Strahe 3. Bezugs-Einladung. Am 1. August 1898 beginnt ein neues Abonnement auf den .Vo«.»vövks" mit UntcrhaltnngSblatt und der illustrirten SonntagS-Beilage „Dio LVelt." Der im UnterhaltungSblatt bisher erfchienene Theil des RomanS: „Um die Freiheit" Von Robert Schtoeichel wird neueintretenden Abonnenten kostenlos nachgeliefert. Für Berlin nehmen fämmtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Bcuthstr. S, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark RO Pfennigen frei ins Hans. Für außerhalb nehmen fämmtliche Postanstalten Abonnements zzim Preise von S Mark 20 Pfennigen für die Monate August und September entgegen.(Eingetragen ist der„Vorwärts" in der Post-Zeiwngsliste für 1808 unter Nummer 7576.) Die Redaktion des„Vorwärts". Umsturz und Gesetzlichkeit. Worte haben ihre Geschichte im Laufe der Zeit der- ändern sie ihren Sinn und nicht selten kommt es vor, daß sie schließlich das Uingckehrte dessen bedeuten, was sie ursprünglich bedeutet haben. Wir erinnern hier nur an das Wort Knecht, das ursprünglich Ritter und Herr hieß („Knecht" Ruprecht— wie heute noch das englische knight) und der jetzt das genaue Gegentheil ausdrückt. Namentlich auf dem Gebiete der Politik, wo Schlagworte nothwendig und der Wechsel das einzig Beständige, finden wir eine fortlvährcnde Ver- ändcrnng und Verschiebung der durch bestimmte Worte aus- gedrückten Begriffe. Die gleichen Wörter und Namen bedeuten zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern die ver- schicdcnsten Dinge— ein Umstand, aus dem sich beiläufig gar mancher Jrrthum der Geschichtsschreiber erklärt, die dieser ver- änderlichen Natur des Wortinhalts nicht immer genügende Rech- nung tragen. Man nehme nur zum Beispiel das Wort: k o n- s e r v a t i v, von dem man doch, nach dem lateinischen Spruch: Nomen est oinen(der Name bezeichnet das Schicksal) ver- meinen sollte, es müsse selbst recht— konservativ sein: wie sehr hat seine Bedeutung im Laufe der politischen Entwicke- lung sich in jedem Lande geändert und wie verschieden ist gegenwärtig die Bedeutung des Wortes in verschiedenen Ländern— sagen wir in England und Deutschland! Dort ist der Konservative ein Mann, der auf der Grundlage der Ver- fasinng und desGesetzes den Staat regieren und die znrErhalwng („Konservirung") des Staates erforderlichen Umgestaltungen und Neugestaltungen in den von der Verfassung und dem Gesetz vorgeschriebenen Formen bewirken will. In Deutschland ist der Konservative ein Mann, der die Grundlagen der Ver- fassung und des Gesetzes umstürzen will, und, weit cnt- fcrnt, die Erhaltung des Staates durch organische Um- gestaltungen und Neugestaltungen zu ermöglichen, die zur Erhaltung des Staates erforderlichen Um- und Neugestaltungen bekämpft und zu hindern sucht, und dadurch an der Zer- störung des Staates arbeitet. Denn ein Staat, welcher sich nicht weiter entwickelt und mit der fortschreitenden Kultur nicht gleichen Schritt Hält, ist dem Untergänge geweiht, weil er sich in Widerspruch mit den Bedürfnissen, Interessen und Anschauungen der Menschen setzt. Es ist das nicht eine sozial- demokratische Meinung, sondern eine allgemein anerkannte Wahrheit, gegen welche nicht einmal der verbohrteste unserer Reaktionäre, die sich Konservative nennen, offen und in der Theorie, im Prinzip Front zu machen sich erkühnt. Freilich Theorie und Praxis sind zweierlei, und die konser- vative Theorie wird durch die konservative Praxis in der Regel verleugnet. ,, Also der englische Konservative stellt sich auf den Boden des Gesetzes und der Verfassung. Der deutsche Konservative ist der grimmigste Feind der Verfassung und der Gesetze. Da ein kluger Hund mit den Wölfen heult, und die erklarte Feind- schaft gegen Verfassung und Gesetz—, so lange Verfassung und Gesetz in Form Rechtens bestehen, zu Unannehmlnhkeiten führen, ja gefährlich sein könnte, so betheuert der deutsche Kon- servative seine Gesetzlichkeit und sucht seinen Betheucrungen dadurch erhöhten Nachdruck zu geben, daß er mit dem Eifer eines Hexen- und Ketzerrichters auf die bösen„umsturzler" schimpft, die angeblich die Grundlagen des Staats und der Gesellschaft zerstören wollen, und die um jeden Preis nieder- geworfen, unterdrückt, e r drückt werden müssen. Während er so für die Gesetzlichkeit und Staatsverfassung redet und„schreit", und ingrimmig die Faust ballt gegen den ..Umsturz", untenvühlt er mit der Zähigkeit eines Maul- wursS die Grundlagen der Verfassung und des Ge- setze»— insbesondere auch der Monarchie, die ihm nur ein Mittel zum Zweck ist, und deren Trägern er nur schmeichelt, I um sie für seine Sonderzwecke und Sonderinteressen aus- zunutzen. Wenn wir hier von Konservativen sprechen, so meinen wir den Konservatismus, wie er durch die konservativen Partei- führer und Zeitungen, voran die„Krcuz-Zeitung", vertreten ist. Wohl wissen wir. daß es auch in Deutschland andere Konser- vative giebt, die gleiche Ziele wie die englischen verfolgen, allein sie sind außerordentlich dünn gesäet und nur Ausnahmen, die hier und da in Wochen- und Monatsschriften Wüstenpredigten halten, auf dem Gebiet der Politik aber nicht zählen. Der deutsche Konservative, welcher für uns und unsere politische Entwickelung allein in betracht kommt, hat die Gesetzlichkeit im Mund und den Haß gegen sie im Herzen— er bekämpft den Umsturz in Worten und übt ihn in Thaten und Handlungen. Wer ein konservatives Blatt in die Hand nimmt, sieht die politische Welt eingetheilt in zwei feindliche Heerlager: dort das Banner der Gesetzlichkeit und hier das Banner des Umsturzes. Im Heerlager des Umsturzes steht die Sozialdemokratie, der noch das liberale Bürgerthum als„Vor- frucht" oder„Schutztruppe" gelegentlich beigesellt ist. Im Heerlager der Gesetzlichkeit steht die konservative Partei. So aus dem Papier— in den konservativen Zeitungen. Und in Wirklichkeit? Da bietet sich uns ein ganz anderes Bild. Nur müssen wir, um das Bild richtig zu sehen, uns von den konservativen Schlagworten befreien und unsere Augen so wappnen, daß sie den Phrasendunst durchdringen können. Und was sehen wir dann? Genau das Gegentheil. Und das Gegentheil nicht in einzelnen Punkten, nein, in allem und im ganzen. Die Sozialdemokratie für, die konservative Partei gegen die Gesetzlichkeit. Nicht, daß wir hier sagen wollten, die Sozialdemokratie sei für die Erhaltung der bestehenden Gesetze— das wäre eine lächerliche, lächerlich dumme politische Heuchelei. Die bestehenden Gesetze, soweit sie auf der Basis des kapitalistischen Gesellschaftssystems ruhen und dem modernen Klassenstaat sein Gepräge geben, sind ungerecht und werden von uns aufs äußerste und bis zu ihrer Vernichtung bekämpft. Aber den Kampf gegen diese Gesetze führen wir auf dem Boden der Verfassung, die durch das allgemeine gleiche Wahl- recht uns die Mittel gewährt, schlechte Ge- setze gesetzlich zu beseitigen. So sind wir im vollsten Sinne des Wortes Vertreter der Gesetzlichkeit. Und da die Sozialdemokratie diejenige Partei ist, welche im Kampf um das Reichstagswahlrecht den Vor- kämpf führt, so ist die deutsche Sozialdemokratie auch in Deutschland die Vorkämpfcrin und vornehmste Vertheidigerin der Gesetzlichkeit. Betrachten wir dagegen die konservative Junkerpartei. Jeder ihrer Führer, jede ihrer Zeitungen beschimpft, bekämpft das allgemeine Wahlrecht. Jeder ihrer Führer und jede ihrer Zeitungen drängt die Regierung zum Angriff auf das allgemeine Wahlrecht: die einzige Grundlage und den Urquell der Gesetzlichkeit. „Die Gesetzlichkeit tödtet uns"— sagte in Frankreich Anfang der 60er Jahre Persigny zu Napoleon, als nach dem Staatsstreich des 2. Dezember die Demokratie in Frank- reich wieder ihr Haupt erhob. Das allgemeine Wahl- recht, von dem Stapoleon und sein„Macher", Persigny, das Heil erhofft hatten, fing an, sich gegen das Kaiserreich zu wenden—„die Gesetzlichkeit tödtet uns— das allgemeine Wahlrecht tödtet uns l So denken jetzt auch unsere Junker, und so ist es ganz natürlich gekommen, daß in Deutschland die Konservativen die Partei des Umsturzes geworden sind, und die Sozial- demokraten die Partei der Gesetzlichkeit. polilitchr Tleberstchk. Berlin, den 30. Juli. Eugen Richter's sechzigster Geburtstag wird heute in der Presse seiner Partei in wannen Worten gefeiert, die Lichtseiten seines Wesens und seiner Leistungen werden ein- seitig betont, über seine Fehler, Mängel und deren Wirkung auf die freisinnige Volkspartei wird der Mantel der Liebe ge- deckt. Wir übersehen keineswegs, daß Eugen Richter unter den bürgerlichen Parlamentariern des Deutschen Reiches und Preußens eine der ersten Stellen einnimmt, daß er einer dsr besten Kenner der preußischen und deutschen Verwaltung und Finanzen ist, in der Kritik des Militarismus und Marinismus unzweifelhaft hervorragendes geleistet hat. Für die sozialpolitischen Zusammenhänge und Aufgaben unserer Zeit war er stets blind. Starr an den Lehren der Manchesterschule festhaltend, bei fast jedem Konflikt der Arbeiterklasse auf der Seite ihrer Gegner stehend, kein Mittel der Polemik gegen die Sozialdemokratie verschmähend, hat er mehr als irgend ein anderer bewußt und unbewußt die Kluft vertieft zivischen dem linken Flügel des Bürgerthums und der Arbeiterklasse und so die Arbeiter immer mehr von seiner Partei zur Sozialdemokratie gedrängt. Die Ungunst der deutschen Verhältnisse, die Schwäche des Bürgerthums bei uns hat der Selbstlosigkeit, dem Fleiß, dem Eifer, den Talenten und Gaben Richter'L den Lohn und den Erfolg versagt, der ihm in westeuropäischen Ländern sicher gewesen wäre.— Am Umsturz des Wahlrechts wird von den Reakftons- Ratten mit ungeschwächten Kräften fortgearbeitet. Sie finden die Arbeit aber doch nicht ganz so leicht, wie sie sich eingebildet hatten; und so mancher rettende Vorschlag, an den sie anfangs geglaubt, �erscheint ihnen jetzt schon in ganz anderem Licht. Interessant ist nach dieser Richtung ein Artikel der „Kreuz- Zeitung", in welchem sie vor dem Wahlzwang warnt. Interessant hauptsächlich durch das Zugeständniß, daß unter den heutigen Verhältniffen sehr viele Freunde und An- Hänger der Sozialdemokratie aus Besorgniß vor Nach- theilen nicht zur Wahlurne gehen. Diese Wahlschenen würden, wenn Wahlzwang bestände, nach Ansicht der„5kreuz- Zeitung" das sozialdemokratische Stimmenheer verstärken, das ohne diese Scheu schon heute die Mehrheit der gesammten Wählerschaft bilden würde. Wir lassen die prägnanteste Stelle des„Krcnz-Zeitungs"- Artikels hier folgen: „Ein verhängnißvoller Jrrthum liegt in der allmälig zur kable oonvenue gewordenen Behauptung, die Sozialdemokratie und zwar diese allein bringe ihre Anhänger„bis auf den letzten Mann" an die Wahlurne. Es wird dabei übersehen, dah gerade in den der Sozialdemokratie verfallenen oder doch zugänglichen Schichten der Bevölkcnmg die Ausübung des Wahlrechts viel öfter auf Hindcr- nisse und Schwierigkeiten stößt, als bei den übrigen, so daß dort auch verhältnißmäßig oft auf diese Ausübung Verzicht geleistet wird. Der Verfasser dieses Aufsatzes konnte am Spätnachmittage des Wahltages in einer großen Bade-Anstalt feststellen, daß von den zahlreichen Badcdienenr keiner zur Wahl gegangen war. An- scheinend hatten die Leute überhaupt nicht den erforderlichen Urlaub erbeten, sei es, daß sie dies nicht wagten, sei es, daß sie die mit dem Wechsel der Kleidung, dem Wege zum Wahllokal u. s. w. ver- bundene Mühe scheuten. In ähnlicher Lage aber befinden sich ohne Zweifel taufende von Fabrikarbeitern und dergleichen; viele von ihnen, z. B. in Anlagen mit ununterbrochenem Feuer, sind thatsächlich während der Wahlstunden schwer oder garnicht abkömmlich. Der größte Theil dieser Leute würde, wenn er sich an der Wahl betheiligte, wohl einen sozialdemokratischen Stimmzettel abgegeben; mit voller Sicherheit aber wäre dies zu er- warten, wenn man sie zur Thcilnahme an dem Wahlakte' zwänge. Auch die Einkommens-Statiftik spricht dafür, daß oas Drittel der Wähler, welches sich an den Reichstags- Wahlen nicht zu betheiligen pflegt, vorzugsweise der Sozial- demokratie neue Hilfstruppen zuführen würde. Die Zensiten mit nicht über 900 M. Einkommen umfassen bekanntlich(mit Ein- schlnß der Angehörigen) sieben Zehntel der Gcsammtbevölke- rung! Das Einkommen der großen Mehrzahl bleibt sogar noch unter 600 M. Freilich enthalten auch diese unbemittelten Schichten noch zahlreiche königstreue, patriotische Elemente; aber die Mehr- hcit ist hier leider bereits sozialdemokratisch verhetzt oder wenigstens bereits erfolgreich für die bekannte„Vorfrucht" in Bearbeitung genommen, und vorläufig wird es damit ivohl nicht besser, sondern eher schlimmer werden... So die„Kreuz-Zeitung", die schließlich zu dem Evgebniß kommt: „Daß die Einführung der allgemeinen Wahlpflicht nur den Erfolg haben würde, in einer großen Anzahl von Wahlkreisen die knappen Mehrheiten, mit denen heute die Sozialdemokratie lvenigstens in der Stichwahl noch geschlagen werden kann, in hoff-! n u n g s l o s e Minderheiten zu verwandeln." Wir brauchen dein nichts hinzuzufügen.— Deutsches Reich. Für den Handelsverkehr zwischen Dctltschland und Kanada ist der 1. August nicht ohne Bedeutung. Kanada hat bekanntlich mit der so oft gewünschten Bevor- z u g u ng der englischen Einfuhr Ernst gemacht. Bisher kamen stdoch, da England mit seinem Meistbegünstigungsvertrag zugleich auch seine Kolonien zum gleichen Verhalten gegen das Ausland ver- pflichtet hatte, die Begünstigungen auch Deutschland zu gute. Durch die Kündigung des alten deutsch- englischen Ueberemkommens hat Kanada nunmehr vom 1. August ab fteie Hand erhalten. Seine Entscheidung ist dahin gefallen, daß es nur England die(jetzt 25 prozcntige) Zollcrmäßigung einräumen wolle. Daraufhin hat auch Deutschland Kanada von der Liste der meistbegünstigten Länder ge- strichen; von morgen ab entrichten kanadische Einfuhren bei uns die Sätze des General-, nicht des VertragstarifcS. Wir halten die Ziffern unserer Handclsstatistik über den gegen- festigen Verkehr der beiden Länder für sehr ungenau. In Er- mangelung eines Besseren theilen wir sie jedoch mit. 1896— die 1897er Bearbeitung liegt noch nicht vor— bezogen wir, der Reihenfolge der Werthe nach, von Kanada Millionen Mark ASbest. Asbestkitt-c..:: � ü.... 0.9 Buchweizen............ 0.4 Erbsen............. 0,4 Obst, frisches ic........... 0,2 Kupfer, rohes........... 0,2 Gegenstände des feineren Tafelgenusses, nicht 'besonders genannt........ 0,2 Kleesaat, Esparsette-:c. Saat..... 0,1 Mais.............. 0,1 Häute und Felle zur Pelzwerkbereitung, von Pelzthieren, auch Vogelbälge.... 0,1 Bau- und Nutzholz, gesägt...... 0.1 Hafer.............. 0,1 Fisch- und Robbenspeck, Thran..... 0,1 zusammen 2,9 oder 96,7 pCt. des Gesammteinfuhrwerrhcs im Betrage von 3 Millionen Mark. Die dem Werthe nach wichtigsten Ausfuhr artikel des beut- schen Zollgebietes im SpezialHandel mit Britisch-Nordamerika waren: Rohzucker mit 2,6 Mill. Mark, Kleider und Putzwaaren aus Baumwolle jc., Leibwäsche, wollene mit 2,3 Mill., alsdann Tuch- und Zcugwaaren, tvollcne, unbedruckt mit 0.7 Mill.. baumwollene Strumpf- tunoicn mit 0,6 MiN,, Porzellan und porzellanartige Waaren ebenfalls nut 0,6 Millionen, und dann noch mannigfaltige Industrie- crzeugnisse, im ganzen mit einem Ausfuhrwerth von 15,3 Millionen Marl. Einfuhr und Ausfuhr haben nicht unbeträchtlich geschwankt; unsere Ausfuhr überwog jedoch, wenigstens nach unserer Statistik, jederzeit, früher sogar noch mehr wie heute unsere Einfuhr aus Kanada. Da Kanada, aus allgemeinen politischen Gründen, die Bevorzugung Englands und einiger englischer Kolonien zunächst nicht aufgeben wird, so wird die gegenseitige Nicht-Meislbegünstigung wohl auch längere Zeit bestehen bleiben.— Zum Fall Lippe. Es wird nntgetheilt, dasz augenblicklich in Detinold über die Veröffentlichung des Schreibens des Regenten ail den Kaiser berathcn wird, daß der Regent aber keine Schritte thun wolle, bevor nicht eine Antwort 5 es Reichskanzlers eingetroffen sei. Demnach scheint es sich zu bestätigen, daß der Regent die Angelegenheit bei den Rcichsinstanzen anhängig gemacht hat.— Im ersten Viertel des laufenden Etatöjahrcs hat die I st ei ir nähme an Zöllen und Verbrauchs st euern 176,9 Millionen Mark oder 13,7 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen. Zu dem Mehr haben die Zölle 7,2 Millionen, die Zuckersteuer 4,9 und die Branntwein-Verbrauchs- abgäbe 1,5 Millionen beigetragen. Von den übrigen Einnahmen verzeichnet die Börsensteuer ein Mehr von 2,5 Millionen, die Lotterie- stener von Million, die Post- und Telcgraphenvcrlvaltung von 6,5 Millionen und die Reichs- Eisenbahn- Verwaltung von nahezu ' 1 Million.- Zur Errichtung der Handwerkskammern. Die Durchführung des Gesetzes vom 26. Juli 1897 über die Organisation des Hand- Werks ist nunnrehr so weit vorgeschritten, daß in allen Staaten die Einrichtung von Handiverkskammern entiveder schon abgeschlotsen ist oder doch in Bälde erfolgen soll, so daß dann an die Organisation der einzelnen Handwerkskammern herangcttetcn werden kann. In Preußen ist in den größeren Provinzen für jeden Regierungsbezirk eine Handwerkskammer genehmigt worden. Das MitfLhren der Kinder beim Gewerbebetrieb im Um- herziehe». Der Bundcsrath hat für die Handhabung von Bestim- mungen der Gewerbeordnung über den Gewerbebetrieb im Umher- ziehen, insbesondere über die Mitführung von Kindern Anordnungen erlassen, welche die„Südd. Reichskorresp." mittheilt. Die wichtigsten dieser Bestimmungen lauten: Jedem Anttage auf Ertheilnng eines Wandergewerbcsch'eins ist ein Zeugniß der Ortspolizeibehörde des Wohnsitzes, oder falls der Antragsteller einen festen Wohnsitz im Inland nicht hat, des Aufenthaltsorts beizufügen. Von der Vcstim- mung des§ 57 b Ziffer 4 der Gewerbeordnung, wonach der Wandcr- gewerbeschein versagt werden darf, wenn für den Unterhalt der Kinder des Wandergewcrbetteibenden und den Schulunterricht seiner schulpflichtigen Kinder nicht genügend gesorgt ist, ist streng Gebrauch zu machen. Die Erlaubniß zur Mitführung von Kindern unter vierzehn Jahren gemäß Z 62 Abs. 5 der Gewerbe-Ordnung ist, sofern es sich nicht um die eigenen Kinder oder Enkel handelt, mir in besonders dringenden Ausnahmefällen zu erthcilen. Die Erlaubniß zur Mitsllhrung schulpflichtiger Ki n der ist gemäß 8 62 Absatz 4 der Gewerbe-Ordnung stets zu versagen, wenn der ans- reichende Unterricht derselben nicht durch besondere Vcrkchrnugen gc- sichert ist. Bei Beauffichtigung des Gewerbebetriebes im Umherziehen ist u. a. darauf zu achten, a) daß Kinder, für welche die aus- drückliche Erlaubniß zur Mitführung nicht unter genauer Bezeichnung in dem Wandergewerbeschein ausgesprochen ist, nicht mitgeführt werden; b) daß eine Vernachlässigung der nntgeführten Kinder hinsichtlich des Unterhalts, der körperlichen' und sittlichen Pflege und, solveit sie schulpflichtig sind, hinsichtlich des Unterrichts nicht stattfindet; o) daß die Mitführung der im Wander- Gewerbeschein aufgeführten Kinder unter 14 Jahren nicht zum Zweck ihrer Verwendung im Gewerbebetriebe des Wander- Gewerbetreibenden, namentlich auch nicht zur Mitwirkung bei Vorstellungen umherziehender Künstler niederer Gattung oder zu Schau- stellungen als Natnrmcrklvürdigkciten lRicsenkindcr u. dergl.) erfolgt. Jede Verwendung zu gewerblichen Zwecken ist zu verhindern, soweit nicht besondere Gründe chic Ueberzeugung ergeben, daß es sich im einzelnen Falle nur um eine einmalige gelegentliche, bei der Mit- führung nicht bezweckte geringe Hilfeleistung'handelt.— Sic spotten ihrer selbst und wissen uicht wie, nämlich die „unparteiischen"„Berl. Neuesten Nachr.", welche in bezng auf unsere gestrige Notiz über die Unmöglichkeit, den nächsten internationalen Arbeiterkongreß in Deutschland abzuhalten, sich also vernehmen lassen: „Diese Darlegungen des sozialdemokratischen Zentralorgans sind in mehrfacher Hinsicht bcmcrkcnswerth. Wir freuen uns, ihm insofcni recht geben zu können, als wieder ein schärferer Wind gegen das Umstürzlcrthum weht. In Wahrheit wird die Sozialdemokratie jetzt schon die verspottete„Angst- thätigkeit" nicht mehr komisch empfinden. Es ist sllr sie doch eine nicht gerade angenehme Folge ihres gerühmten„Sieges" bei den Reichstagswahlen, daß die Verhältnisse in Deutsch- land zu„unsicher" geworden sind, um hier den intcr- nationalen Kongreß abzuhalten. Der freiwillige Verzicht zeugt von nichts weniger als von Siegcsbewußtsein, und den übrigen Deutschen kann es nur Recht sein, wenn die Sozialdemokraten, wie in diesem Falle, sich selber aus dem Deutschen Reiche„hinaussiegcn". Nun bleibt noch abzuwarten, ob man nicht auch in Paris unangenehme Erfahrungen macht..." Ein parlamentarisches Hoffest vor 50 Jahren. An eine recht spaßhafte Episode, ein parlamentarisches Hoffest, wird man erinnert, wenn man in den Annalen des Jahres 1848 blättert. Die Märzrevolution hatte dem preußischen Absolutismus die Einberufung einer Volksvertretung abgezwungen, die mit der Aufgabe in Berlin saß, dem bisher nach russischer Methode beherrschten preußischen Staat eine konstitutionelle Verfassung zu geben. Diese preußische Nationalversammlung hatte nun seit Monaten ihres Amtes gewaltet, da fiel es irgend jemandem bei Hofe ein, daß es doch einen recht guten Eindruck machen müßte, wenn man den Hof, besonders den König und die Volksvertreter einmal in eine zwanglose gesellige Verbindung brächte. Der König hatte ja schon m den Märztagen die ganz branchbare Eigenschaft bekundet, wenn es sein mußte, sich mit Grazie in Un- vermeidlichkeiten zu schicken; er hatte zum Beispiel durch seinen Ilmritt mit der schivarz-roth-goldenen Fahne alles qethnn, Ivas man irgend von einem preußischen König von Gottes Gnaden verlangen konnte,— und so willigt« er denn auch ein, daß den Abgeordnete» in Potsdam ein parlamentarisches Fest gegeben werden sollte. Sämmtliche Mitglieder der Nationalversammlung erhielten zum Sonntag den 30. Juli eine Einladung nach Potsdam zu einem Gartenfest und Souper. Wie stimmungsvoll dieses Fest verlief, das wollen wir Herrn v. Unruh erzählen lassen, der sich an der Fahrt nach Potsdam bctheiligte, eine Zeit lang Präsident der preußischen Nationalversammlung war und sich in seinem späterem parlamentarischen Leben zur nationalliberalen Richtung schlug. Herr von Unruh meint, die Einladung sei immer- hin gefährlich gewesen, denn der Hof hätte riskirt, daß sich ein Theil der Abgeordneten, die Opposition, von dem Feste fernhalte und da- durch einen Mißton in die Veranstaltung werfe. Jedenfalls meint er, wenn sich der Hof doch einmal zu dem Schritte entschlossen habe, so hätte die Klugheit gebieten müssen, für eine liebenswürdige, gc- winnende Ausnahme zu sorgen; denn der einzige Zweck der ganzen Veranstaltungen habe doch nur der sein können, zu gewinnen und anzunähern, nicht aber zu verletzen und abzustoßen.— lieber den thatsächlichen Verlauf der Feierlichkeit vernehmen wir den genannten preußischen Adeligen nun folgendermaßen: Ach nein! Herr Melinc, der deutsche Polizeipraktiken in Frank- reich einzuführen suchte, ist ja glücklich„herausgeflogen." Und was die neuesten Thaten und Pläne der deutschen Herren Reaktionäre angeht— glauben die„Neuesten Nachrichten" etwa, w i r seien es, deren Ruf, Ansehen und Macht dadurch geschädigt wurden?— Zentrum nnd Sozialdcniokratie. Ucbcr dies Thema machte vor einigen Tagen unser Kölner Parteiorgan, die„Rheinische Zeitung" nachfolgende interessante Ausführungen: Die Zentrumspresse bringt nichts so sehr in Harnisch, als die Bezweiflnng der Nichtigkeit ihrer stets wiederholten Behauptung. der Katholizismus setze dem Vordringen der Sozialdemo- kratie ein unüberwindliches Hindernrß entgegen. Der„Vorwärts" hatte unter Hinweis auf das Anwachsen der Sozialdemokratie in Hessen und im katholischen Köln nach- gewiesen, daß auch in den katholischen Gegenden der Sozialismus, wenn auch langsam, so doch sicher vordringe. Hiergegen wendet sich � ein Artikel, der unter dem Titel„Sozialdemokratische Großhanserei" die Runde durch die Zentrumspressc macht. Darin wird besonders der Erfolg der Sozialdemokratie in Köln abzu- schwächen gesucht. Das katholische Köln, so wird zunächst behauptet, habe heute schon 40 000 Protestanten, und darunter viele tausend Arbeiter, die selbstverständlich sozialdemokratisch wählten. Keine Stadt des Westens werde nnt protestantischen Elementen so Überschwemmt, wie gerade Köln; daher könne man, und zwar mit größerem Recht als der„Vorwärts" die gegentheilige Behauptung ausitellt, sagen, der Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen in Köln rühre nicht von katholischer Seite her. In der Kölner Gegend, so wird schließlich behauptet, habe die sozialdemokratische Bewegung seit 30 Jahren Gelegenheit gehabt, sich zu bcthätigcn. Die„Erfolge" hätten aber in einer wahren Wuth und Verzweiflung der Agitatoren bestanden über„die dummen, dickköpfigen Bauern,' die von der„Aufklärung" seitens der rothen Volksbcglücker durchaus nichts wissen wollten. � Die Wahlstatistik zeigt unwiderleglich, daß die Bcthätigung der Sozialdemokratie in der Kölner Gegend fast überall jungen, zum theil sogar erst jüngsten Datums ist, sie zeigt aber ferner, daß auch hier der Sozialismus stete Fortschritte macht, während die Vermehrung der Z e n t r u m s st i m m e n in keinem V e r- h ä l t n i ß zum Anwachsen der katholischen Wähler steht. In Köln- Stadt entfielen z. B. 1871 auf die Sozialdemokratie 347 Sttnimen, die bis zum Jahre 1881 ans 2474 anwuchsen, auf das Zentrum cnt- fielen ini letztgenannten Jahre 9889 Stimmen. Bei der diesjährigen Wahl entfielen auf die Sozialdemokratie 9008 Stimmen, ihre Stimmen- zahl hat sich also seit 1881 um 6534 Stimmen vennehrt. Das Zenttum erhielt bei der diesjährigen Wahl 12 821 Stimmen, Zu- wachs seil 1831 also 2992 Stimmen. Tie Ziffern der einzelnen Wahlen zeigen, sofern man von den beiden Nachwahlen absieht, ein fast stetiges gleichmäßiges Steigen der sozialdemo- kratischcn Stimmen. Von Köln-Land, wo 1881 erst 1514 sozialdemo- kratische Stimmen abgegeben wurden, gilt das gleiche. Ebenso von Mülheim-Wippcrfürth-Gummersbach, wo 1381 erst 260 sozialdemo- kratische Stimmen abgegeben wurden. Von den in den Regicrnngs- bezirken Köln, Koblenz, Trier und Aachen belegenen 23 Wahlkreisen wurden 1831 nur in vier sozialdemokratische Stimmen abgegeben und zwar in: Köln-Stadt, Köln-Land, Mülheim-Wippcrfürth-GummcrS- dach und Aachen-Städt. 1884 wurden dann noch in sechs weiteren Kreisen vorstehender RcgierungS- Bezirke vereinzelte sozial- demokratische Stimmen abgegeben; dann folgte 1837 ein lvciterer Kreis, Düren-Jülich, 1890 wurden dann in sieben weiteren Wahl- kreisen zuerst sozialdemokratische Stimmen abgegeben; 1893 folgte wiederum ein Kreis, Heinsberg-Geilcnkirchen, und erst bei der dies- jährigen Wahl wurde ein Versuch gemacht, mit der Agitation in die vier letzten Kreise einzudringen,>vo bisher sozialdemokratische Sttmmen noch nicht abgegeben wurden. Wurden nun auch hierbei große Er- folge nicht erzielt, so wurden doch nunmehr auch in diesen Kreisen sozialdemokratische Stimmen abgegeben. So steht cS in Wirklichkeit mit der angeblich dreißigjährigen Bethätigung der Sozialdemokratie in der Kölner Gegend ans. Zur Unterbindung der Bethätigung der Sozialdemokratie ist der Zentrnms- partci jedes, anck, das' verivcrflichfte Mittel recht. Der religiöse Fanatismus lvird nirgend zu diesem Zweck in solcher Weise entflammt, wie in der Kölner Gegend; nirgend wird die Kanzel so sehr zu politischen Zwecken mißbraucht, wie gerade hier. Die augcnverdrehen- den, frömmelnden ZcntrnmSlcntc wenden gegen jeden, der es lvagt, sich als Anhänger der Sozialdemokratie zu bekennen, den gcsellschast- lichcn und wirthschaftlichen Boykott an. Nur in vier von den 23 Wahlkreisen der Regierungsbezirke Köln, Koblenz, Trier und Aachen stehen uns Versammlungslokale zur Verfügung, und auch dort nur in beschränktem Maße; von diesen vier Wahl- kreisen haben aber noch 2 eine überwiegend protestantische Bevölkerung. Die Flngblattvcrbreitcr schweben in ständiger Gefahr für Leib und Leben, die ihnen von der durch Geistlichkeit nnd Zcutruinsprcsse fanatisirtcu Bevölkerung droht. Das Zentrum hat gewiß keine Ursache, auf die durch Anwendung solcher Mittel er- zielten Erfolge sonderlich stolz zu sein, Trotz alledem schwindet aber der Einfluß des Zentrum? immer mehr, das zeigt gerade in der Kölner Gegend recht deutlich der zum theil recht ansehnliche Rück- gang der Zentrumsstimmen. An de» Prozeß Kiefer knüpft Rechtsanivalt Dr. Korn-Bcrlin in der„Deutschen Juristen- Zeitung" folgende Betrachtungen: „Kurz zuvor erregten ebenso schwere Mißgriffe der Sittenpolizei in Berlin(der Fall Köppcn) großes Acrgerniß. Auch hier war auf unbegründeten Verdacht hin eine Festnahme, Festhaltung über Nacht und körperliche Untersuchung durch den Polizciarzt erfolgt. Ist ein Zustand der Gesetzgebung, dcrsolchc Uebclsiändc und Mißgriffe Die Versammlung erschien fast vollzählig, selbst die äußerste Linke, auch die meisten Polen. Am Wildpark verließ man die Eisen- bahn. Eine Reihe Wagen stand bereit, voran der bekannte Zelt- wagen, welcher zu jedem Zuge nach und von der Eisenbahn fährt; dann zwei Hofcquipagcn, deren sich Hofbeamte in Geschäften zu bedienen Pflegen; endlich eine Reihe zum theil schlechter, gcmietheter Privatfnhrwcrke, zum theil Droschken, ja, an- scheinend einige Charlottenburger Wagen, und doch zu wenige. Manche Abgeordnete mußten vorn bei dem Kutscher Platz nehmen. Der Gartendirektor Leims führte den Zug; es fehlte ihm aber an Dienern, welche die Gäste zurechtwiesen. Man machte eine Spazierfahrt von fast zwei Stunden durch die Gärten. Leider war die Hitze noch groß und ein entsetzlicher Staub erhob sich. Die Demokraten wurden zu Hoffiguren aus der Zeit Ludwigs des Vierzehnten eingepudert. Vom Hose nahm niemand an diesem ciqenthümlichen Vergnügen theil. Endlich langte der Zug wieder am Neuen Palais, und zwar dick bestaubt, an. Von ocr andern Seite sah man den Wagen des Königs herankommen. Die im Vestibül stehenden Lakaien schienen keine Neigung zu haben, den Abgeordneten beim Wegschaffen des Staubcs behilflich zu sein, und niemand hielt es auch für nöthig, Befehle dazu zu geben.£o mußten denn die Abgeordneten in Gegenwart des Publikums einer dem anderen zur Norh den Staub abklopfen, um vor dem Könige nicht schmutzig zu erscheinen. Ja, ein anderer Bericht meldet sogar, daß es mit großer Mühe gelungen sei, von den Herren Bedienten ein Glas Wasser zu bekommen. Dem König und der Königin wurden der Präsident, die Vize- Präsidenten und viele Abgeordnete vorgestellt. Mit diesen sprachen beide freundlich und wohlwollend länger als eine Stunde. Der König war sich also des Zweckes dieser Vorstellung wohl bewußt und behandelte demgemäß seine Gäste, die anwesenden königlichen Prinzen schienen abzuwarten. ob die Abgeordneten sich ihnen würden vorstellen lassen. Die meisten von diesen kannten jedoch diesen Gebrauch uicht, andere nahmen Anstand, sich vor- zustellen und sich dadurch abzusondern. Die anderen zu Hofe ge- hörenden Personen blieben den Abgeordneten fern und fremd und letztere hatten in der That keine Veranlassung, dem Hofpersonal gegenüber die Initiative zu ergreifen. Endlich wurde die Thür der Seitcngallerie geöffnet, der Hof- Marschall forderte auf, den Imbiß einzunehmen. Man hatte auf der Eisenbahn und bei der Spazierfahrt drei bis vier Stunden Staub, zuläßt, ein normaler? Gewiß werden immer Personenverwcchselungen und Mißverständnisse über Jnstrukttonen bei Polizeibeamtcn möglich sein, und wenn festgestellt ist, daß Kiefer nicht vorsätzlich, sondern nur aus Jrrthum gehandelt hat, ist er mit recht nach Z 351 Str.-G.-B. straffrei geblieben. Allein derartige Mißgriffe und Miß- Verständnisse können' täglich wieder geschehen; ihre Zahl hat sich in letzterer Zeit gehäuft, und ihre Folgen für die davon be- troffenen weiblichen Personen sind besonders unangenehme, das öffentliche Aergcrniß erregende. Deshalb sollte endlich daran ge- dacht werden, die Bcsiigiiisse der Sittenpolizei wenigstens gegen- über nur der Gelverbsunzucht Verdächtigen gesetzlich ober durch allgemeine Verordnung zu normiren. Das ganze Institut der Sittenpolizei entbehrt jeder gesetzlichen Sanktion. Sie beruht auf Gewohnheitsrecht, und die Gesetzgebung ist der Regelung desselben geflissentlich ausgewichen. Aber auf die Dauer wird dieses Verhalten nicht möglich sein. Daß verdächtige Personen, welche sich nicht legitimiren können, sistirt werden, ist nicht zu ändern. Aber schlechterdings muß es untersagt iverdcn, daß weibliche Personen auf den bloßen Verdacht hin, ohne Ein- gcsiändniß der gewerblichen Unzucht und ohne gerichtliches Urtheil in die Gesellschaft notorischer Prostitnirter gebracht und ärztlich daraufhin untersucht werden, ob sie gcschlcchtskrank sind. Erst wenn Urtheil oder protokollirtes Gcständniß vorliegt, erscheint ein solches Verfahren statthaft. Mit zu großer Eile und Schärfe wird seitens der Polizei hier viel mehr geschadet als genützt; seine derartige Untersuchung bei bisher Unbescholtenen ist niemals eilig! Daß gc- rade die Sittenpolizei der gesetzlichen Regelung und Begrenzung ihrer Befugnisse bedarf, habe ich m meiner Abhandlung„Sitten- Polizei oder Strafrcchtsrcfornr" ausführlich erörtert. Ist nun keine Aussicht vorhanden, ein Gesetz hierüber zu bekommen, so mußte wenigstens auf den, Vcrordnungswcge das Nöthige geschehen. Seit 1850 hat das preußische Ministerium des Innern nichts über diese Materie verordnet. Es wäre zu tvünschcn, daß nicht noch weitere Fälle öffentliche Aufregung in ähnlicher Art verursachen, wie der Fall Köppcn und der Fall Kiefer«Faßbinder) bereits mit Recht es gethan haben! Die Sache ist wichtig genug für eine allgemeine Verordnung."— Der Dr. Karl Peters macht wieder von sich hören. Wie die Londoner„Finanz-Chronik" mittheilt, ist eine englisch-deutsche„Dr. Karl Peters' Land- und Minen-Kopagnie" mit einem Kapital von 150 000 Pfund Sterling begründet worden. Die englische Form der Gesellschaft wurde gewählt, weil nur das englische Gesetz die Zer- lcgung des Kapitals in Aktien von je einem Pfund ge- stattet. Der Schauplatz der Wirksamkeit der Gesellschaft liegt in erster Linie in Portugiesisch- Ostafrika, � sodann in Britisch- Südafrika südlich vom Sambesi. Hierhin wird Dr. Peters demnächst eine Expedition führen, um gewisse Distrikte gründlich zu prospckttrcn, in denen französische und englische Reisende m den letzten Jahren das Vorkommen ansbeutungsfähiger Goldfelder und Anzeichen von Edelsteinen festgestellt haben. Daneben soll Plantagenban und in dazu gccignelcn Landstrichen auch Kolonisation betrieben werden. Mag der Dr. Peters ein Abenteurerleben in Afrika führen. Air dürfen froh sein, daß wir ihn los sind.— Die Ansbentttng der abergläubischen Frömmigkeit dehnt sich in O b e r s ch I e s i e n immer weiter ans, und der Heiligen- schwindcl wird fast zur Hciligcnindustrie. Kauni ist der Slaton von Soßnitza das fromme Handwerk gelegt, so hat in Gleiwitz eine findige Frau B r e f k o ein Hciligengeschäft etablirt, in � Kompagnie mit einem Kaufmann Janik, der anscheinend die koniinerzielle Seite des Geschäftes besorgt. Davon, daß die Geist- lichkcit gegen den groben Unfug einschritt, war nichts zu spüren, sind doch solche Dinge wie Heiligen- nnd Muttergottes-Erschciunngen das ureigenste Werk mancher Geistlichen selbst, an dem diese vielleicht gar noch ihre Freude haben. Dagegen ist die Polizei eingeschritten, sie hat die von der„�latks Boska"(Mutter Gottes) Begnadigte verhaftet. um sie auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen.— Verbessert die Volkscrziehung, und der Wunderglaube wird gar schnell aussterben.— Das amtliche Wahlrcsnltat der NcichStagswahl vom 16. Juni 1898 für S ch l c s w i g- H o l st c i n u n d Lauen- bürg lveist gegenüber den Wahlen von 1893 folgende Zahlen, die besonders kennzeichnend für den Rückgang des weiblichen Freisinns sind, ans: Kons. Rcichsp. Natt. Frcis. Vg. Freis. Vp. 1898 9039 13 249 80 507 18 899 19 352 1893 9281 16 470 21 391 45 671 10 901 1898— 243— 3221 9116— 26 772 8451 Tozialdcm. Dänen Antiscm. Nat.-Soz. 1898 81921 15 439 13221 7674 1893 75 746 14363 3 012— 1898-l- 6175+ 1076+10 209+7674 Schon auf den ersten Blick beweisen diese Zahlen, daß die Jniikcr in Schlcswig-Holstein schlecht abgeschmtien haben. Aber ganz besonders charalteristisch ist der Rückgang der Freisinnigen Vcrciiiignng. Nicht einmal die Hülste der 1893 für sie abgegebenen Stimmen hat die rückgradlose Freisinnspattci sich zu erhalten ver- in echt! Dieses geradezu vernichtende Ergebniß hat die Freisinnige Vcrciiiignng sich' selbst, ihrer mistchcreii politischen Haltung in allen großen poliiischen Fragen zuzuschreiben. Das hat sich bitter gerächt. Die Erfolge der Antisemiten und Nationalsozialcn, 'wovon letztere znin ersten Male in die Wahlbewcguiig eintraten, haben der Sozialdemokratie nicht den geringsten Abbruch gethan. Mit diesen beiden Parteien wollten es die Schleswig- Holsiciiicr einmal versuchen, nach den Erfahrungen in anderen Hitze und Durst erlitten; die Aliffordcruiig war also willkommen. Aber niemand vom Hofe, kaum ein Kammerherr, folgte in den den Speisesaal. Der König blieb im großen Muschelsaal. von den Ministern und vielen Abgeordneten umgeben. Hier fand eine für die Minister sehr peinliche Erörterung über einen Straßenkrawall statt, der in Berlin ivcgcn der deutschen und preußischen Fahnen vorgefallen war. Als der König den Saal verließ, fuhren die Abgeordneten wieder unter Führung des Direktors Leims durch den Garten von Sanssouci nach de» Fontainen, die mit bengalischem Feuer erleuchtet ivcrdcil sollten. Es hatten sich sehr viele Zuschauer eingefunden. Endlich bestieg man die Terrassen und Herr Lennv beeilte sich, so viel als thunlich den Abgeordneten mitzuthcilcn, daß man durch das Schloß von Sanssouci gehen solle und ans der anderen Seite an der großen Rampe die Wagen finden ivcrde. Es erschienen aber mir wenige Wagen. Einige Abgeordnete fanden später einzelne an der Bildergallerie, andere mictheten Droschken, zum theil dieselben, welche von Herrn Leuna m, genommen worden waren, es jedoch vorzogen, zweimal Bezahlung zu cm- pfangcn. Die Abfahrt des Eiscnbahnzuges rückte heran. Mehrere Abgeordneten mußten zu Fuß in großer Eile nach dem enlscriitcn Bahnhof laufen, um den Zug nicht zu versäumen. So die Schilderung dieses in der That genußreichen Potsdamer Gartenfestes. Herr von Unruh fügt hinzu, gegen das allgemeine Programm, Hin- und Rückfahrt im Extrazuge. Spazierfahrt. Vor- stellung, Kollation, Beleuchtung der Fontainen, sei nichts einzuwenden gewesen, aber die Ausführnng sei an dem Benehmen der Hos- bcamtcn gescheitert.„Es fehlte in Potsdam wahrlich nicht an guten Hofcqnipagcn, mochten dann auch einige Miethswageu folgen; auch an gut bezahlten Beamten und Dienern ist dort kein Mängel. Das Benehmen der Hofbcamtcn hinterließ daher bei vielen den Eindruck, als ob man die Abgeordneten als ein zur Zeit noch nothivendiges Ucbcl ansah, das zu beseitigen indcß viel Hoffiiniig vorhanden war." Als die Volksvertreter von diesem„Vergnügen" nach Berlin zurückgekehrt waren, war die Eutfremdiuig zwischen Potsdam und Berlin stärker als vorher. Schließlich hatten ja aber die Herren Bedienten und das sonstige Hofgesinde ganz recht in ihrer Nicht- achtlmg gegen ein Parlanieiit, das sich ciiiige Nkouate später sang- und klanglos vom König zum Teufel jagen ließ, LandeStheilen ist nicht anzunehmen. daß diese Erfolge don Dauer sein werden. Betrachtet man die bürgerlichen Parteien als Gesaininthcit im Gegensatze zur Sozialdemokratie, so ergicbt sich bei 119 700 abgegebenen antisozialdemolratischcn Stimmen ein Zuwachs von 6290, dagegen bei unserer Partei bei blos 81 921 abgegebenen Stimmen der fast gleiche Zuwachs von 6173 Stimmen, auf 1000 im Jahre 1893 abgegebene bürgerliche Stimmen kommen 1893 54,31 neue, dagegen vermehrten sich in den letzten fünf Jahren die sozialdemokratischen Stimmen auf je 1000 1893 abgegebene um 81,51. Das ist ein Beweis für die unaufhaltsamen Fortschritte der Sozialdemokratie in Schleswig-Holstein l Und das trotz Köller und Köllerei. Militärisches auS Elsaß-Lothrinaen. ES wird uns ge- schrieben: Kaum vier Wochen sind verflossen, seit das in Metz garnisonircnde Feldartillerie-Ncaiment Nr. 30 von einer schweren 2 tz tz_h it 8 e f) i d e m i e heimgesucht wurde, als es gelegentlich der dics.'ährigen Scharfschießübungen vorübergehend in den Baracken des Hagenauer Schießplatzes untergebracht war. Heute kommt aus Hagenau die Nachricht über eine neue Massenerlrankung von Soldaten. Diesmal handelt es sich um das dort gelegene Dragonerregiment. Der„Elsässer" berichtet darüber das folgende: Die Erkrankung sei kurze Zeit nach dem ein- genommenen Mittagessen eingetreten. Betroffen seien Leute aller vier Schwadronen, welche in der großen Kavallcriekaserne untergebracht sind; die erste Schwadron, welche die neue Kaserne betvohnt, die für das ehemalige 4. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 137 erbaut wurde, sei von der Erkrankung verichont geblieben. Die Erkrankung habe sich in starker Uebclkeit, Erbrcchung und bei einzelnen in' starken Magenkrämpfen gezeigt. Das Mittagessen habe in Kartoffelsalat und Hackbraten de- standen. Zuerst glaubte man, die Erkrankungen seien durch den vielfach zu rasch genossenen Kartoffelsalat hervorgerufen worden: rmc eingehende Untersuchung habe aber erwiesen, daß der Hack- braten nicht ganz in Ordnung gewesen sei, daß derselbe vielmehr ungenießbare Bestandtheile enthaiten habe. Zum Glück seien die leichter Erkrankten durch die sofort eingetretene ärztliche Behandlung schon am nächsten Tage wieder hergestellt gewesen, ebenso nach einigen Tagen die schwerer Erkrankten. In C o l m a r wurde am verflossenen Dienstag bei den Schieße standen ein Soldat des 10. Jägerbataillons gelegentlich der Wach' ablösung erschossen aufgefunden. Ob ein Unglücksfall, ein Selbst- »ivrd oder Verbrechen vorliegt, war bei der Heimlichkeit, mit welcher die militärischen Untersuchungen über derartige Fälle geführt zu werden pflegen, bisher»och nicht in Erfahrung zu bringen.— . Chronik der MajcstiitSbclcidigungS Prozesse. Aus Leipzig wird vom 29. Juli geschrieben: Von der Anklage der Majcstätsbeleidigung freigesprochen wurde am 30. März vom Landgericht Göttingen der Malert Robert e i n e r t in Hannover. Er hatte in einer öffentlichen sozial- denlokratischen Versammlung Militär und Marine für überflüssig erklärt. Wenn schon Soldaten nöthig seien, so solle man eine Miliz einführen, wie sie in der Schweiz existire, wo jeder in sechs Wochen ausgebildet werde. Diese Bürgerwehr brauche dann nicht vor einem zu Füßen zu fallen, der glaubt, mit einem Glorienschein umgeben zu sein. In diesen letzten Worten erblickte das Landgericht abweichend von der Anklage keine Bc- Icidigung des Kaisers. Es sei keine Beleidigung für einen Herrscher, wenn ihm nachgesagt werde, er glaube von Gott eingesetzt zu sein und er halte sich für etwas Höheres als gewöhnliche Sterbliche. Es gebe viele königstreue Leute, welche dies ebenfalls glaubten.— Die Revision der Staatsanwaltschaft wurde vom Reichsgericht v e r- w o r s e n, da sie sich nur gegen die unangreifbaren thatfächlichen Feststellungen richtete. Ein Nachklang zum Wahlkampf in Seehausen (Kreis Wanzlebcn). Die„Magdcb. VolkSst." erzählt folgendes: Der Genosse Earl Göcke zu Gr.-OtterSlebcn gehört der sozialdemokratischen Partei an und hatte Ivegen� der RcichStagSwahl am 12. Dezember 1897 zu Sechauscn eine öffentliche Versammlung anberaumt. In derselbe wurde von den crschicnencn Personen ein Bureau und der Zniunernicister Schorkopf als Vorsitzender gewählt. Er forderte den ans dem Podium sitzengebliebenen Göcke auf, sich zu entfernen und in den Saal zu treten. Als er sich weigerte, schloß der Vorsitzende die Versammlung und brachte dabei ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus. Die Anwesenden erhoben sich, nur Göcke blieb sitzen. Darin fand die Anklagcbchördc eiiic Majcstätsbcleidigung und die Strafkammer verurtheilte ihn, trotzdem er behauptete, er habe bei dem Tumult im Saale nicht gehört, daß ein Hoch auf den Kaiser ausgebracht werden sollte, zu 3 Monaten Gefängniß. Das Reichsgericht hob dies Urthal auf wegen mangelnder Feststellung und' wies die Sache zur nochmaligen'Verhandlung in die erste Instanz zurück. Der Gerichtshof erachtete am Donnerstag auf grund der wieder- holten Beweisaufnahme für festgestellt, der Angeklagte habe gehört, daß ein Kaiserhoch ausgebracht werden sollte, aber nicht siir erwiesen, daß er bei seinem Sitzenbleiben nunmehr das Be- wußtsein gehabt habe, damit die Person des Kaisers zu vcr- letzen. Göcke habe zu seinem Zwecke die Versammlung einbenlfen gehabt, man habe ihn aber schlecht behandelt und das Heft aus der Hand gerissen, die Versammluiig sei eine konservative geworden. Ihm sei die ganze Sache sehr schnell über den Hals gekommen, er habe einsehen müssen, daß sein Zweck vereitelt und alles vorbei sei, es sei erklärlich, daß er perplex geworden sei und gegen die Vc Handlung habe demonstriren wollen. Es folgte daher Freisprechung. Die Frage wegen der Ergänzung der Besatzung von Kiautfchou soll nun in dauernder Form geregelt werden. Von der Inspektion der Marine» Infanterie sind dem Vernehmen nach mehrere hundert Dreijährig« Freiwillige aufgerufen worden; aus ihnen sollen Ersatzkompagnien für Kiautschou' gebildet werden. Die sich meldenden Mannschaften werden in Wilhelmshaven und in Kiel ausgebildet und im Frühjahr 1899 nach ihrer Garnison in Ostasien gebracht. Die jetzige Besatzung von Marine- Infanterie dort geht schon über den etatsmäßigc» Stand der Marine-Jnfautcric hinaus; aus dieser könnte also eine Ablösung für eintretenden Ab- gang nicht entnommen werden. In den neuen Ersatzkompagnien wird ein Stamm geschaffen, aus dem stets eine Ergänzung der Besatzung entnommen werden kann. Diese Methode ist ähnlich wie bei der Schutztruppe in Südwest- Afrika, zu der Freiwillige, Soldaten und Unteroffiziere, aus der Armee durch Aufruf entnommen Schweizerische Preßfrcihctt. AuS Lugano wird gemeldet: Der Polizeikommissar von Lugano berief die Redakteure der beiden hier erscheinenden, von i t a l i e n i s ch e n Flüchtlingen heraus- gegebenen Wochenblätter, nämlich der republikanischen„ltslia Nuova« und des„Sozialista' zu sich und ertheilte denselben namens des Bundesraths eine offizielle Warnung mit dem Bemerken, daß sie, falls sie fortführen, die Person des Königs von Italien anzugreifen, die unmittelbare Ausweisung zu er- warten hätten.— Frankreich. PariS, 30. Juli. Der Redakteur deS.Temps". Francis de Prcssensä, Ritter der Ehrenlegion, hat dem Vorsitzenden des Ordensralhes angezeigt, daß er darauf verzichte, den Orden weiter zu tragen. � � Der Großkanzler der Ehrenlegion schrieb an JuleS Barbier, der, wie mitgethcilt wurde, ebenfalls auf die Mitgliedschaft der Ehren« lcgion verzichten zu wollen erklärt hatte, seine Austrittscrklarung aus dem Orden werde in Gemäßheit der Statuten als nicht erfolgt angesehen werden. Der Gegensatz zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter B e r t u l u s in dem Untersuchungsverfahren gegen d u P a t y d e C l a m ist folgender: Während der Oberste Staatsanwalt du Paty de Clam außer Verfolgung setzen will, weil er als Offizier im Dienst dvn bürgerlichen G e« richte nicht unter st ehe, bleibt Bertulus bei der V e r- /o lgung, da nach französischem Recht jeder Militär dem bürger- lichen Richter untersteht, wenn er in eine Anklage einbezogen ist, die gleichzeitig gegen bürgerliche Personen erhoben wird. Bertulus giebt zu, daß die mit„Blanche" unterzeichnete gefälschte Drahftiug vermuthlich von du Path de Clam allein angefertigt ist; für diese Sache erklärt er sich also unzuständig, dagegen ist die Spcranza- fälschung anscheinend von du Path de Clam im Verein mit herhazy und der Pays verübt; sür diesen Fall findet Bertulus sich also zuständig. Der Oberste Staatsanwalt hat gegen diese Ent- scheidung sofort bei der Anklagckammcr Einspruch erhoben, dasselbe that L a b o r i, der die Zuständigkeit des bürgerlichen Gerichts für alle Fälschungen du Path de(Kam's behauptet.— Italien. Rom, 30. Juni. Der über ToScana verhängte Ausnahme- zustand wird' auch für den Monat August aufrecht erhalten.— Rußland. Nebcr barbarische Maßnahmen der russischen Regierung gegen die armenischeu VolkSschnlcn berichtet man uns aus Petersburg das Folgende: Vor vier Jahren erfolgte ein Befehl deS Zaren Nikolai, alle armenischen Kirchspielschulen zu schließen, in welchen der Unterricht nach dem Programm der mittleren Volksschulen in armem« scher Sprache ertheilt werde. Mehr als hundert Schulen im Kaulasus sowie auch in einigen anderen Städten Rußlands wurden darauf ohne jedwede Veranlassung geschlossen, tausende von Kindern wurden aus der Schule ausgestoßen, hunderte Familien brotlos gewordener Lehrer dem Elende preisgegeben, das Resultat jahrelanger Bemühungen der Schulkuratorien und Wohlthäliakcits- vereine ist zerstört worden. Das Eigenthum der armenischen Vollsschulen blieb jedoch damals unangetastet, es wurde unter die Kuratel der höheren armenischen Geistlichkeit gestellt. Doch neuerdings besann sich die russische Regierung eines besseren. Im Jahre 1897 erfolgte ein neuer Befehl' des Zaren, sämmtliches mobile und immobile Eigenthum der geschlossenen armenischen Volks- schulen in das Eigenthum der Regierung überzuführen. Dieser Befehl wurde vor kurzem vollzogen, die Regierung hat sich ohne jedwede Entschädigung zu leisten, in räuberischer Weise fremdes Eigenthum, die Landstucke und Gebäude der arnienischen Volksschulen angeeignet. Außerdem wurde vor kurzem noch eine Gewaltthat gegen die armenische Bevölkerung vollbracht. Der Höchstkommandirende des Kaukasus. Fürst Golitzyn, hat die am meisten verbreitete armenische Zeitung„Ärzagank" verboten.— Parteitage. Der Kreistag für den D e I i tz s ch- B i t t e r- selber Wahlkreis wird am 7. Ailguft in Bitterfeld abgehalten. Auö Oberschlcsicn. Sich bei Moralvski, dem sozialdemo- ftattschcn Reichstags- Kandidaten, Hilfe zu holen, empfahl der kgl. Gcwcrbe-Jnspcktor in Kattowitz, Dr. Szimatis, einem Arbeiter, der wegen seiner Abstimmung für den Arbcitcrkandidatcn gcmaßregclt worden war. Der Mann, der in diesem Falle die Hilfe des Katto- ivitzcr Gcwerbe-Jnspcktors erbat, hatte 30 Jahre lang auf der Baildow Hütte bei Kattowitz gearbeitet, hat dort Kraft und Gesundheit gc- lassen, sich graue Haare geholt und ist nun aufs Pflaster geworfen, ivcil er sozialdemolratisch gewählt hat. Wie unrecht ist es, einem solchen Mann solchen Rath zu gcven, denn daß weder Genosse Morawski noch überhaupt die sozialdemokratische Partei Arbeit für die obcrschlcsischcn Gcmaßregclten hat. das weiß doch Dr. Czimatis so gut wie jeder. Bei dieser Gelegenheit fei an eine Stelle im Berichte des Oppelner Gewerberathes Pufahl(JahreSber. der lönigl. pr. Reg.- u. Gcw.-R. und Bcrghch. f. 1897. S. 185/6) erinnert. Da heißt es: „Lebhaft muß es beklagt werden, daß die polnisch- sozial- demokratischen Arbeiterzeitungen durch Hetz- und Schmähartikel bemüht sind, das von Jahr zu Jahr zu- nehmende Vertrauen zu den Gewerbe- AufsichtSbcamten zu zerstören. In einem Falle war der Gewerbe- Inspektor zu Bcuthcn gcnöthigt, gegen den verantwortlichen Re- daktenr der„Gazeta Robotnicza" wegen Beleidigung durch die Presse Strafantrag zu stellen. Das Urtheil lautete auf acht Woche» Gefängniß." Rkit dem Faktum der Vcrurthcilung hat cS zwar seine Richtig- keit; die Sache selbst aber, uni die es sich handelt, lag u. E. gegen den Verurtheilten durchaus nicht so schlimm, als es nach dem vorstehenden Passus schcincii könnte. Uebrigcns cxistirt Oberschlesieii, überhaupt in Deutschland, nur eine einzige polnisch-sozialdcinokrntischc Jeittliig, eben die„Gazeta Robotnicza", von Hetz- und Schmahartikcln in der Mehrzahl kann nimmermehr die Rede sein, da bei der geringsten, trotz sorgfältiger Prüfung mit unterlaufenden Unrichtigkeit der Rcdaktciir der„G. R." Anklage und Strafe sicher zu crivarten hat. Die verlogenen bürgerlichen und hakatistischen Blätter Oberschlesiens hatten übrigens berichtet, daß„die poliiischcn und sozialdcniokrattschen Zeittmgeu" i nicht die„polnisch-sozialdemokratischen") bemüht seien, das„gute' Vcrhältuiß zwischen Gcwcrbc-Jnspcktton und Arbeiterschaft zu stören. Jene Vcnirthcilung aber berührt gar nicht die Thatsache, daß es gerade die in Oberschlesien verbreitete sozialdemokratische Presse und die oberschlcsischen Genossen gewesen sind, und vor allem jetzt wieder in der Zeit der Massen Maßregelungen sind, die die Arbeiter auf die Institution der Gewerbe- Inspektionen hinweisen und sie zuni Besuch der Gewerbe«Inspektoren anhalten. Auch ferner wird das geschehen. trotz der Vcrurtheilung des Redakteurs der„G. 81.", trotz jener schriftlichen Auslassnng des Gewerberathes Pufahl und trotz der mündlichen Aeußerung des Dr. CzimatiS. Wenn dann aber das Mißtrauen der Arbeiter gegen die Gewerbe- inspektorcn noch nicht schwindet, danil suche man den Slliidcnbock nicht unter dciisArbeiterzcitungen, sondem unter den eigenen Kollegen resp. bei sich selbst. Für Parteizwekke gingen auö Zwicka» ein: Porzcllan- arbciter Schedewitz 13,90. Steinmetzen 20,—. Pöhla» 495. Alter 18,—. Kampfgenossen an der Pliits 13,65. Anton 33,25. Papier« liste Zwickau 12,55. St. Anivalt 47,98. Louis 10,—. Lohr 28,15. Adam Sann 19,10. Maiblume 34,27. Rother Hahn 213,50. Personal ,S. B." 33,03. Hennann K. 3,50. Krosscn 5,—. Feiner Davd 47,65. Heinrich 40,41. Gustav 6,20. Johann r 14,40. Schedewitz 24,40. Streikender 1,80. Metallarbeiter 5,—. Holzarbeiter 14,35. Böttcher 3,50. Robert St. 4,85. Schneider 4,—. Ernst T. 1,50. Paul M. 3,—. Tillner 7,35. Brand 3,—. Bäckermstr. 5,—. Steinmetzen Klints Platz 10,—. Hoher Muth 5,—. Hammerdittrich 41,35. Klamatteure -,80. K. Reuth 7,—. Kapitalzinsen 30,—. Mosel 4,—. Heinrich Z. 3,45. Reinsdorf 16,10. Julius 3,80. Wagenlöhne 5,10. Rother Teufel 50,—. Summa 873,24 M. Polizeiliches. Gerichtliches ze. — Im Harburger„Volksblatt" war seinerzeit der Tenor eines Urthals, das in einer Strafsache gegen den Redakteur des Blattes vom Landgericht zu Stade ergangen war, zum Abdruck gelangt. Die Staatsanwaltschaft strengte gegen den verantwortlichen Redakteur Genossen Kauffniann die Klage auf grund der ZZ 17, 18 des ReichS-Prctzgcsetzcs an,»ach welchen die Veröffcntlichimg eines amt- lichen Schriftstückes eines Strafprozesses vor Kundgebung in öffcnt-' sicher Verhandlung oder aber vor Beciidigung des Verfahrens ver- boten ist. Da das Urtheil in öffentlicher Gerichtssitzung ergangen war, wurde der Sttafantrag des Staatsanwalts vom Landgericht sowohl als auch vom Obcrlandesgericht abgelehnt, obgleich das Urthal zur Zeit der Veröffentlichung un. Volksblatt" noch nicht rechtskräftig ge- wesen war. Gemevkkchlctftlirszes. Deutsches Reich. Achtung, Buchbinder! Von den Buchbindergehilfen in Christtania erhalten wir die Nachricht, daß nach vorausgegangenen Unterhandlungen mit den Arbeitgebern letztere abgebrochen und infolge dessen 200 Gehilsen ausgesperrt wurden. Da es sich um Verkürzung der Arbeitszeit und dementsprechende Lohnerhöhung handelt, so ersuchen uns die dortigen Kollegen, sie in ihrem Kampfe moralisch zu unterstützen und jeden Zuzug nach dort fernzuhalten. Wir hoffen, daß es nur dieses Hinweises bedarf, und keine Enga- gemcnts nach dort angenommen werden. Der Verband der Buchbinder. Der Streik der TchiffSzimmcrcr in Laucnburg ist zu gunsten der Streikenden beendet. Der Lohn ist um 3 Pf. pro Stunde erhöht und vom Meister die schriftliche Erklärung abgegeben worden, solange Schiffszimmerer zu haben sind, keine Hilfskräfte einzustellen und bei flauer Zeit die Hilfskräfte wieder zu entlassen. Pom Hambiirgcr Brotboykott. In der bürgerlichen Presse wird die falsche Nachricht verbreitet, der Hamburger Brotboykott sei zu Ende. Es sei in einer Versammlung an die Ausständigen, 300 an der Zahl, die Aufforderung ergangen, Hamburg zu verlassen; Unter- stützung könne nicht mehr gezahlt werden. Die AusstandSlcitung habe somit selbst den Ausstand als aussichtslos aufgegeben. Diese Nachrichten sind, wie das Hamburger.Echo" konstatirt, von Anfang biS Ende erlogen. Die Innungen machen alle Anstrengungen, ihren Gegenboykott wirksam zu machen. In einem vom Zenttalvorstand deutscher Bäcker- innung„Germania" soeben verbreiteten Zirkular, welches die „Volks-Zcitung" zum Abdruck bringt, heißt es nach einer recht einseitig gefärbten Darstellung des Hamburger Streiks und seiner Ursachen: „Wir stellen daher das ebenso ftcundliche wie dringende! Ersuchen an alle deutschen Kollegen, von denjenigen Mühlen, Mehlbändlern, Hefcfabriken und sonstigen Bedarfslieferanten, die an die Genossen- schafts-Bäckcrei„Vorwärts" oder an die sonst vom Gewerlschafts- karte ll geleiteten Bäckereien Waaren liefern, femer nicht mehr zu kaufen I Alle Mühlen und Bedarfslieferanten der Bäckerei ersuchen wir, sich auf die Seite der Bäckermeister resp. Bürgerschaft zu stellen, den sozialistischen Betrieben nichts mehr zu verkaufen und sich in dem unS aufgedrungenen Kampfe an unsere Seite zu stellen, damit die furchtbaren Schädigungen bald aufhören und das freie Bürgerthum nicht der brutalen Gewalt der Sozialdemokratie über- liefert wird." Wir haben schon neulich dargelegt, wie wenig die Herren Jnnuiigsmcister mit diesem Vorgehen ihren Ziveck erreichen; es haben sich der Hamburger Streikleitung genügend Mehllieferanten zur Versügung gestellt, u. a. einige aus Kiel. Das hatte die Hamburger Bäcker-Jnnuna glücklich herausbekommen und flugs wandte sie sich an die Kieler Backcriunung. Diese hat denn auch ihre Untcrstützuug zugesagt und au die' Kieler Mehlhändler folgendes Schreiben versandt: Wappen Kiel, den 26. Juli 1898. Bäckerinnung Kiel. Herm--- hier. In Angelegenheit des Hamburger VäckerstreikS theile Ihnen mit. daß snmmtliche Mühlenbesitzer und Mchlhändlcr b e- s ch l o s s.e n haben, an diejenigen Bäckerci-Jnhaber, welche die Forderungen des Streikkomitees bewilligt haben, kein Mehl zu verkaufen. Der unterzeichnete Vorstand ersucht Sie höflichst und dringend, sich diesem Beschluß anzuschließen und kein Mehl an die obengeiiannten Bäcker zu verkaufen. Hochachtungsvoll W. V o ß, Obermeister. Mit diesem Schreiben dürfte der Herr Obermeister denselben Erfolg erzielen, wie der Hamburger Verband. Die Streikleitung würde, selbst wenn die Kieler Mehllieferanten selbstmörderisch genug wären und auf das lukrative Geschäft verzichten wollten, doch nicht in Verlegenheit gerathen. Stretkpostenstehen ist nach dem Urtheil der Strafkammer zu Stade nicht strafbar. Ein Maurer, der wegen dieses„Vergehens" vom Schöffengericht freigesprochen wurde, erlangte auch ein frei- sprechendes Urtheil in zweiter Instanz; die Berufung des Staats- anwalts wurde verworfen. Dem gestern gemeldeten Grubenarbeiter- Ausstand in Klei n- Rösseln(Kreis Saarbrücken) liegen folgende Ursachen zu Grunde: Die bcttcffcndcn Arbeiter, 500 an der Zahl, sind die so- genannten Versackcr; das sind die Arbeiter, welche die bezüglich der Kohle ausgebeuteten Stollen, um sie vor Zusainmcnfall zu schützen, ivicdcr mii Sand ausfüllen. Die Arbeiter verdienten bisher einen Durchschnittslohn von 3— 3,30 M., sollten aber von demselben ab- gebrochen bekommen, weshalb sie beschlossen, jetzt, da ihr Lohn ver- ringert werden sollte, nur sür 3,50 M. mit zweistündiger Arbeits- venninderung zu arbeiten. In Großenhain(Sachsen) befinden sich 118 Maurer im Aus- stand; sie fordern einen Minimallohn von 35 Pf. pro Stunde und lOstündige Arbeitszeit. Ausland. In WitebSk(West- Rußland) sind vor kurzer Zeit ans Anlaß einer Streikbewegung, an welcher gegen 60 Arbeiter bctheiligt sind, Massenverhaftimgen unter den Arbeitern vorgenommen worden. Außerdem werden allen Arbeitern auf den Straßen von der Polizei die Spazicrstöcke weggenommen. Diese Maßnahme, Konfis- zirung der Arbatcr-Spazicrstöcke. fand im vorigen Jahre in Wilna während der dort stattgehabten Massenstreiks Anwendung. I» SüdwaleS haben jetzt 2000 Kohle»grub en arb eiter der Celynylizcchc die Arbeit niedergelegt. Der Äniild ist folgender: Sie hatten eine Lohnaufbesserung von 20 pCt. erhalten. Aber die in der Grube Arbeitenden geriethen mit den auf der Oberfläche Ar- beitendcn in Streit, weil letztere nur 10 pCt. der Lohnaufbesternng und nicht die vollen 20 pCt. zum besten der Ausstäiidigeii opfern wollten. Die Folge davon war, daß die Grubenarbeiter die Arbeit niederlegten. Die' auf der Oberfläche beschäftigten Arbeiter müssen natürlich jetzt auch mitfeiern. Sozinlos. Invalidenrenten. Nach der im RcichS-VcrstchcningSamt ge« fertigten Zuscunmenstellinig, welche auf den Mittheilungen der Vor« stände der Jnvaliditäls- und Alters- Versicherungsanstalten und zugelassene» Kasseiieinrichtnngcn beruht, betrug die Zahl der seit dem Inkrafttreten des JnvaliditätS- und Alters- Versicherungsgesetzes bis einschließlich 30. Juni 1898 von den 31 VcrsichcruiigSanstalten und den neun vorhandenen 5kassen- cinrichtungcn bewilligten Invalidenrenten 339 075. Davon sind in- folge Todes oder Ansivanderung der Berechtigten, Wiedererlanguiig der Erwerbsfähigkcit, Bezuges von Unfallrenlcn oder aus anderen Gründen weggefallen 100 407, sodaß am 1. Juli 1893 liefen 238 668 gegen 223 903 am 1. April 1898. Die Zahl der während desselben Zeitraums bewilligten Alters- reuten betrug 328 676. Davon sind infolge Todes oder Auswanderung der Berechsigten oder auS anderen Gründen weggefallen 126 046, sodaß am 1. Juli 1893 liefen 202 630 gegen 203 392 am 1. April 1898. Beitrngscrstattungcn sind bis zum 30. Juni 1893 bewilligt a) an weibliche Versichertc, die in die Ehe getreten sind 231 601 gegen 200 205 b) an die Hinterbliebeiieii von Versicherten 54 824 gegen 48 116 zusainmen 286 425 gegen 248 321 bis zum 31. März 1898. Neber die Lage der Handwcbcrei im Ricsciigcbirge berichtet die Hirschberger Handelskammer: Sämmtliche ein- gegangenen Berichte klagen über den weiteren Rückgang der Handiveberci. Zivcifcllos hat sich die Zahl der Handwebestühle des Hirschbcrg-Schönauer 5brcises, die 1894 noch 1266 und 1896 nur noch 1027 betrug, auch im Jahre 1897 Ivciter vermindert. und es ist nicht abzusehen, wann dieser Rückgang zum Stillstand kommen wird. Selbst die Lohnsteigerungeu, welche zum theil Rflvtj erheblich sind, haben bisher nicht vermocht, der Hand- Weberei neue Arbeitskräfte zuzuführen, und während in früheren ,''citen oft Webernoth festgestellt wurde, läßt sich jetzt nur noch von der Roth an Webern sprechen. Daß dieser Mißstand höchst ungiinstig aus den ganzen Industriezweig wirlt, ist selbstverständlich. Nicht nur geht der Leinenindustrie, namentlich in ihren besseren und feineren Erzeugnissen, dadurch so mancher Bedarfsartikel verloren. der durch Baumwolle ersetzt wird, sondern auch die Jagd nach Webern und der Begehr nach Waare ist oft so ungestüm, daß auf die Herstellung der letzteren häufig nicht mehr die nöthige Sorgfalt verwendet wird, und die Kontrolle nicht mehr so wirksani wie früher geübt werden kann. Es ist bedauerlich, daß gerade in unserem, dem ältesten und angesehensten Bezirke der Handweberei, von der Regierung da- von abgesehen wurde, eine Weberei- Lehrwerkstätte zu errichten. Der seiner Zeit abgcstattete Besuch mehrerer Weberdörfer und die dabei angestellten Ermittelungen haben durch unglückliche Zufälle kein richtiges Bild von den Wcberverhältnisscn unseres Kreises ergeben. Hier gerade thäte es ganz besonders noth, der Handweberei neue Kräfte zuzuführen.— Hier wird von einer gewiß nicht regierungsfeindlichen Korporation bestätigt, welch geringen Werth die von Regrerungsorganen ausgeführten Üntersuchüngen in der Regel haben. Die diesjährige Konferenz der bayerischen Fabrik-«nd Gcwcrbc-Jnspektoren wird am 7. November im bayerischen Ministerium des Innern abgehalten. In Elmshorn dürfte der Neunuhr-Ladenschluß eben- falls gesichert sein, nachdem sich sämmtliche größeren Firmen bereit erklärt haben, ihn einzuführen. Soziale MeiJjlspPtese. Eine bemerkcnswerthe Entscheidung auf dem Gebiete der Nnf all Versicherung fällte kürzlich das Schiedsgericht zu Magdeburg. Am 30. Juni v. I. wurde der Fabrikschmiedemeister Deumelandt von der Zuckerfabrik Minsleben bei Wernigerode mitten in der Arbeit vom Schlage getroffen und starb nach wenigen Minuten. Da Deumelandt asthmatisch veranlagt war, er- achtete die Direktion der genannten Fabrik einen gewöhn- lichen Schlaganfall als vorliegend, und unterließ die An- Meldung des Falles bei der zuständigen Polizeibehörde. Die Wittwe des Deumelandt beruhigte sich indessen bei dieser Auffassung der Direktion nicht, wandte sich vielmehr durch ihren Rechtsbeistand an das ReichS-Versichcrungsamt mit dem An- trage auf Einleitung der llntersuchnng. Das genannte Rcichsamt entsprach diesem Antrage und ordnete eine Untersuchung des Falles an. Nach dem Ergebniß der Untersuchung lehnte die Zucker-Berufs- genossenschaft die Bewilligung der Rente an die Wittwe mit der Begründung ab, daß ein plötzliches Ereiguiß im Fabrikbetriebe, tvelchcs den Tod des Deumelandt herbeigeführt habe, nicht vorliege. Gegen diesen Bescheid legte die Wittwe durch ihren Rechts- beistand das Rechtsmittel der Berufung ein, über welche zu Magdc- bürg verhandelt wurde. Der Rechtsbcistand wies nach, daß an dem in betracht kommenden Tage eine überaus hohe Temperatur ge- herrscht habe, und er führte aus, daß diese Hohe atmosphärische Temperatur in Verbindung mit der durch den Fabrikbctrieb ver- ursachten Hitze den plötzlichen Tod des Deumelandt herbeigeführt habe, daß mithin ein Unfall im Sinne des Gesetzes vorliege. Trotz lebhaften Widerspruchs des Vertreters der Vcrufsgenossens'chaft ver- urtheilte das Schiedsgericht die letztere zur Zahlung von Rente an die Wittwe Deumelandt, indem es sich im wesentlichen den Aus- führungen des Vertreters der Klägerin anschloß. GeindjtS � Äe DaS„Allerhöchste Gnadengeschenk". Zwistiakeiten zwischen den Vorstandsmitgliedern des„Vereins ehemaliger Kameraden des 48. Regiments" haben Veranlassung zu einer umfangreichen Privat- klage wegen Beleidigung gegeben, welche elf Vorstandsmitglieder gegen den Vorsitzenden des genannten Vereins, den Rechimngs- rath N o ss a k, angestrengt haben. Der Verein hatte be- schloffen, auf dem Rothenberg bei Spichern für im Feld- zuge 1870/71 gefallene Regimentskameraden ein Denkmal zu errichten. Der Kaiser hatte hierzu 400 Kilogramm eroberte Geschütz- bronze bewilligt. Die Ausgabe der Bronze verzögerte sich indessen so lange, daß inzwischen die Ehrentafeln aus anderer Bronze hatten hergestellt werden müssen, es wurde deshalb beschlossen, die bewilligte Bronze, ein halbes Geschützrohr, zum Einschneiden und Einschmelzen an eine hiesige Fabrik zu verkaufen und mit dem Erlös einen Theil der Kosten der Ehrentafeln zu decken. Dies geschah; der Verein erzielte durch den Verkauf eine Einnahme von 340 M. lieber die Art der Verwendung kam es in den Vorstandssitzungcn des Vereins zu lebhaften Erörterungen, da der erste Vorsitzende, Rechnungsrath Nossack, mit Energie den Standpunkt vertrat, daß ein Kricgerverein es nimmermehr wagen dürfe, ein„Allerhöchstes Gnadengeschenk" im kaufmännischen Sinne zu verwerthen. Nossak drang mit seiner Ansicht nicht durch, mußte vielmehr sogar den Vorsitz an ein anderes Mitglied abtreten. Später soll nun der Nechnungsrath Nossak zu anderen Personen Neußerungen gcthan haben dahingehend, daß 00 Kilogramm Bronze beim Vorstande„ein- getrocknet" seien. In diesem Vorwurf erblickte der Vorstand eine Bc- leidigung und hat deshalb Strafantrag gestellt. Im gestrigen Ter- mine stellte der Verthcidiger des Beklagten, Rechtsanwalt Dr. Schöps, sofort den Antrag auf Vertagung, da er noch eine größere Anzahl Zeugen laden wolle. Der Gerichtshof gab diesem An- trage statt. In der Pankower BrandstiftnngSsache(May und Genossen) ist die Untersuchung iu den letzten Tagen durch tägliche Vernehmung der Beschuldigten" und Zeugen wesentlich gefördert worden. Be- sondere Aufmerksamkeit hat' dabei der aus zwei ungleich großen Kisten bestehende mechanische Apparat gefunden, mit dessen Hilfe das Feuer iu der Abwesenheit der Brandleger entzündet wurde, und um dcrentlvillen der Hauptbeschuldigtc Julius May viel- fache stundenlange Verhöre zu bestehen hatte. Uebrigens hat sich der Apparat in recht drastischer Weise auch bei Nicht-Juristen große„Beachtung" erzwungen. Die Kisten verbreiteten nämlich einen unerträglichen pestilenzialischen Gestank, von dem nicht zu ermitteln ist, ob er von der noch nicht analysirten Zünd- masse oder voir einer Jmprägnirung des Holzes her- stammt. Der Gestank war so stark und auch so dauerhast, daß selbst nach der Fortschaffung der Kisten der Aufenthalt im Zimmer unerträglich war und trotz des Lüsten? blieb, sodnß sich der Untersuchungsrichter gezwungen sah, sein Bureau vorübergehend nach anderen Räumen zu verlegen. Nunmehr sind diese Apparate einem Chemiker zur Untersuchung übergeben worden.— Am Donnerstag hat übrigens in aller Stille die Beerdigung des Vaters und des Gatten der beiden Beschuldigten, der gleich nach der Katastrophe verstorben ist, in Oranienburg stattgefunden. Ter Verhaftung des Poltzeisekretärs Stephan nnd des Rentiers Moses in Potsdam ist gestern noch eine weitere Fest- nähme gefolgt. Es wurde der Besitzer des Hauses, in welchem Moses wohnt, ein Handschuhmacher Richard Seidel, gleichfalls in Haft ge- nommen. Der letztgenannte wird der Beihilfe zu dem Vergehen, das man Stephan zur Last legt, angeschuldigt. Der Polizeisekretär Stephan ist übrigens, nachdem seine gerichtliche Vernehmung stattgefunden, wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Später wurden Moses und Seidel ebenfalls aus der Haft entlassen. Die Unter- suchung geht inzwischen weiter, lieber die Art des Vergehens ver- lautet'folgendes: Zu den Obliegenheiten Stephan's gehörte es, bei der Erthcilung von Wandergewerbescheines die Untersuchung über die Führung solcher Personen, die einen derartigen Schein bei der Behörde nachsuchten, vorzunehmen. Der alte Moses handelte mit Wollsachen und hatte aus diesem Grunde sich um einen Wander- gewerbeschein beworben. Bei der Ausstellung der dazu nöthigen Bc- glaubigung sollen die zum Gegenstand der Anklage gemachten straf- baren Handlungen vorgekonunen sein. In Bcrnburg fand vor einigen Tagen vor der Strafkammer der Prozeß gegen den Arbeiter Junge statt, der am 27. März d. I., wie auch von uns berichtet worden, einen P r c m i e r l i e u t e u a n t v. Oppel-Brankowski thätlich angegriffen hatte, als dieser in der Meinung, sich vor einem öffentlichen Hause zu befinden, die Frau des Arbeiters an ihrer Ehre beleidigt haben sollte. Der Lieutenant gab in der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung gewissermaßen zu seiner Entlastung an, daß er vor dem Rcnkontrc mit Junge bereits mit einer Sängerin geschlechtlichen Verkehr getrieben hätte; als er dann in der Schreckensuacht nach der Woh- nung des Angeklagten„verirrt" gewesen sei, wäre dieser auf Zuruf seiner Frau ohne weiteres über ihn hergefallen. Bei der Prügelei hat der Lieutenant den Fuß gebrochen.' Der Arbeiter Junge, der energisch betonte, daß der Lieutenant den Skandal angefangen wurde zu vier Monaken Gefängniß verurtheilt, gegen die mit- tagte Ehefrau Junge wurde jedoch auf Freisprechung erkannt. -r Angelegenheit stehen noch mehrere Pretzprozesse aus. Die Arbeitseinstellung beim Neubau dcS WilmerSdorfcr Gymnasiums im Sommer v. I. beschäftigt die Gerichte noch fort- gesetzt. An den die gleiche Arbeitseinstellung betreffenden, gestern unter dem Titel„Polizcikampf gegen Streikposten" gemeldeten Fall knüpfte sich ein neuer, der vor der zweiten Fericnstrafkammer am Landgericht II verhandelt wurde. Wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung waren der Maurer Hermann B u ch h o l z und dessen Sohn, der Maurer Otto Buch holz, augeklagt. Die Maurer hatten die Arbeit niedergelegt, weil ihnen der Baumeister Zeitler statt der bisherigen 50 Pf. nicht 60 Pf. pro Stunde bewilligen wollte. Der ältere Buchholz hatte von zuständiger Stelle den Auftrag erhalten, die arbeitenden Maurer zu kontrolliren und auf dieselben einzuwirken, nicht unter 60 Pf. pro Stunde zu arbeiten. Buchholz übernahm den Auftrag und nahm seinen Sohn mit. Am 22. Juli sollen nun beide die arbeitenden Maurer belästigt haben. Sie sollen an der Knesebeck- straße und am Savignyplatz an die von dcrArbcit heimkehrenden Maurer herangetreten sein und zu diesen gesagt haben:„Heute haben wir Euch nicht gekriegt, ober morgen werden wir Euch das besorgen". Die Maurer H e r k e und B r o s e fühlten sich dadurch„beängstigt" und ließen die beiden Buchholz durch einen Schutzmann sistircn, worauf die Anklage erfolgte. Das Schöffengericht am Amtsgericht II hat eine Bedrohung in den inkriminirten Worte» gefunden und Buchholz Vater zu vier Wochen, Buchholz Sohn zu zwei Wochen Gefängniß verurtheilt. Der Vater wurde strenger bestraft als der Sohn, weil eine Vorstrafe wegen eines gleichen Deliktes in betracht kam. Ihre Berufung begründeten beide Angeklagte durch die Erklärung, daß nicht sie, sondern ein Begleiter den inkriminirten Zuruf gemacht habe; die erneute Bclveisanfnahme vermochte aber die Feststellung der ersten Instanz in den Augen des Gerichtshofes nicht zu erschüttern und da auch die Strafkammer in den inkrimi- nirten Worten eine Bedrohung fand, so wurde die Berufung kostenpflichtig verworfen. Auf cigcnthiimliche Art ist der 50jährige Kaufmann ErHardt zu der Anklage wegen Sachbeschädigung gckonnnen, welche gestern vor der 130. Abtheilung des Schöffengerichts gegen ihn verhandelt wurde. Der als Belastungszeuge auftretende Vizefeldwebcl Werner bekundete, daß er am Abend des 27. Mai auf seinem Zweirad durch die König- grätzerstraßc gefahren sei. In der Nähe des Potsdamer Thors habe ein starker Verkehr geherrscht, so daß er langsam habe fahren müssen. Dies sei für ihn ein Glück gewesen, denn plötzlich habe er einen Ruck erhalten, daß er fast vom Rad gefallen wäre. Dasselbe sei durch einen Stock zuni Stehen gebracht worden, der in das Hinterrad gesteckt worden sei und dessen Speichen zerbrochen hatte. Neben dem Rad habe der Angeklagte gestanden, der zugegeben habe, daß er Eigenthümer des Stockes sei. Der Zeuge müsse annehmen, daß der Angeklagte seinen Stock vorsätzlich in das Rad gesteckt habe. Der so Beschuldigte bestritt dies entschieden. Er wies dauf hin, wie unwahrscheinlich cS sei, daß er, ein 50jähriger, etwas gebrechlicher Manu, einen solchen Streich begehen sollte. Er sei, den Stock wagcrecht in der Hand haltend, über den Straßcndamm gegangen und froh gewesen. als er beinahe den schützenden Bürgersteig erreicht hatte. Da müsse er wohl eine plötzliche Wendung gemacht haben und dabei sein Stock iu die Speichen des Rades aerathen sein, welches in demselben Augenblick an ihm vorübergefahren sei. Er habe an- standslos die Kosten dezahlt, welche für Ausbesserung des Rades entstanden seien. Der Gerichtshof hielt die Darstellung des An- geklagten keineswegs für unglaublich, sondern fällte ein frei- sprechendes Urtheil. Vevpatwnlttttüett. Die hiesige Zahlstelle des Holzarbciter-Vcrbaudcö hielt am 27. Juli ihre Generalversammlung bei Keller in der Koppen- straße ab. Eingangs ehrte die Versammlung die verstorbenen Mit- glieder in der üblichen Weise. De» Kassenbericht, der gedruckt vor- liegt, giebt der Kassirer Micke und wird demselben Decharge ertheilt. Alis dem Bericht ist zu entnehmen, daß im II. Quartal, inklusive des Bestandes vom I. Quartal, 16 237,82 M. für die Hauptkasse ver- einnahmt wurden und für das III. Quartal ein Bestand von 1,85 M. vorhanden war. Unter den Ausgaben befinden sich 8000 M. an die Hnuptkasse, für Streikunterstützung 1318, für Gemaßregelte 171,25 M., für Agitation 425 M. u. s. w. Die Lokalkasse balancirt mit 35 334,66 M.— Dem Bericht des Vorstandes zufolge haben im verflossenen Quartal 10 Vorstalidssitzungen, 1 General- Versammlung und 2 Zentral- Vertrauensmänner- Sitzungen statt- geftmden. Rechtsschutz erhielten 10 Mitglieder, darunter befanden sich 6, die wegen Verletzung des§ 153 angeklagt ivaren. Auf dem Arbeitsnachweis liefen 634 Adressen ein, dem 1180 eingeschriebene Arbeitslose gegenüberstanden. Der Arbcitsvermittler muhte in 17 Fällen bei ausgcbrochenen Differenzen vermittelnd ein- greifen und meist mit Erfolg. Die Bezirksleiter aus den Vororten klagten sehr über die Lauheit der Kollegen, die einfach vorschieben, da§ sie in der Stadt ihren Verpflichtungen nachkommen, meistens unterlassen sie es aber in Berlin sowohl als in der Umgebung, sich an der Bewegung zu betheiligen. Die Agitatiouskommission für die Provinz Brandenburg hat 62 Versammlungen in der Provinz abgehalten. Die Ersatzwahlen des Vorstandes ergaben die Wiederwahl der Kollegen K u n z e, Klingner, Tabbert und Haseloph, als Ersatzmann neu hinzu Kollege G e t t k e.— Eine rege Diskussion entwickelte sich im Hinblick der Wahl deS Gauvorstandcs an stelle der. Agitations- kommission. Von einzelnen Rednern wurde betont, daß der Vorsitzende des Gaues fest angestellt werden solle,»cm erfolgreich die Agitation in der Provinz betreiben zu können. Die Versammlung will aber zunächst abwarten, wie sich die Einrichtung bewähren wird. Die Wahl geschah per Stimmzettel. Gewählt wurden: /stricke, Michaelis, Zaske, Gülh und Matthis. Deutscher Textilarbeiter-Verband. In der Monatsversamm- lung der Filiale IL Ivard der Kassenbericht vom II. Quartal er- stattet; dem Kassirer wird Decharge ertheilt. Sodann diskutirt die Versammlung über die Errichtung einer Kranken-Zuschußkasse. Nach längerer Aussprache findet nachstehende Resolution Annahme: Um einem vielseitigen Bediirfniß seitens unserer Mitglieder nachzukommen, welche durch eine längere Krankheit enverbsuiifähig geworden sind, stellen mehrere Mitglieder folgenden Antrag: Mitgliedern, welche dem Verein länger als 26 Wochen angehören und für dieselbe Zeit einen Mehrbetrag von 20 Pfennig pro Woche leisten, kann bei günstigem Kassenbestand bei eingetretener vorübergehender Erwerbs- Unfähigkeit eine wöchentliche Unterstützung bis zu 7 M. eventuell inner- halb eines Jahres bis zu 13 Wochen gewährt werden und hat das Mitglied einen derartigen Krankheitsfall dem Vorsitzenden anzuzeigen. Stirbt ein Mitglied, so kann seiner Ehefrau oder nächste» Anver- wandten ein Unterstützungsbetrag von 20 M. bewilligt werden, wenn dasselbe über 1 Jahr dem Verein angehört hat und steigt der Betrag für jedes weitere Jahr der ununterbrochenen Mitgliedschaft um 5 M. ' d bis zum Höchstbetrag von 50 M. Die Extrabeiträge werden selbst» ständig verwaltet und unterstehen der Kontrolle des Vorstandes. In der letzte» Geucralversainiiilung der Händler und Händlerinnen wurde beschlossen, das Auskunftsburcau aufzuheben und werden alle Ansrage» in den regelmäßigen Mitglicdervcrsamm- lungen am Freitag nach dem I. jeden Monats bei Hoppe, Ackerstraße und am Freitag nach dem 15. bei Jauer, Fruchtstraße beantivortet, woselbst auch zu jeder Zeit Beiträge bezahlt werden können und auch Mitglieder aufgenommen werden. Im lausenden Quartal sollen noch folgende Vorträge gehalten werden: 1. Volksrcchte und Staats- gcs'ctze. 2. Der Händler als Staatsbürger, sein Recht und seine Pflicht. 3. Freiheitsdrang und Poesie. 4. Die deutsche Unfallgesctz- gebung. Pflicht der Händler ist, diese Versammlungen zahlreich zu besuchen. Der Krieg. Die Friedcnsbcdingungen. Aus Washington wird gemeldet: Das Kabinet beschloß, folgende Friedensbcdingungen zu stellen: Ab- tretung von Portorico, Anerkennung der Unabhängigkeit Kuba'S, Abtretung einer der Ladroneninseln, Ueberlassung mindestens einer Kohlenstation auf den Philippinen. Ein Waffenstillstand soll nicht abgeschlossen werden; die Philippincnfrage soll durch eine aus Amerikanern und Spaniern zusammengesetzte gemischte Kom- Mission geregelt werden. Das Kabiuet entschied sich einstimmig gegen eine Änncktirung der Philippinen durch die Vereinigten Staaten. Ferner werden noch folgende Einzelheiten bezüglich der Beschlüsse des Kabinets bekannt: Die Oberhoheit Spaniens in den west- indischen Gewässern und im Karaiben- Meer soll völlig aufgegeben, die Staatsschuld Kuba's und Portorico's nicht von den Vereinigten Staaten übernommen iverden. Die Handelsverträge ztvischen Kuba und Portorico mit anderen Thcilcn des spanischen Königreichs werden aufgehoben, da das Kabinet sie nicht anerkennen mag. Diesen bestimmten Nachrichten gegenüber klingen die folgenden Mitthciluugen aus Paris doch nicht recht ivahrscheinlich. In den der ftanzösischen Regierung nahestehenden Kreisen werden die Mittheilungcn der Presse über die von nordamcrikanischcr Seite auf- gestellten Friedensbedingungen als sehr wenig den Thatsachcn ent- sprechend bezeichnet; vielmehr habe die Washingtoner Regrenmg auf das peinlichste vcrnüeden, überdie ihrerseits zu stellenden Forderungen irgend etwas Bestimmtes zu erklären. In den Unterredungen, welche der franzo- fische Gcfandte mit Mac Kinley hatte, weigerte sich Letzterer aus- drücklich, über die etwaigen Friedensbedingungen zu sprechen, und er äußerte sich lediglich über die Frage, in welcher Form Friedensverhaud- lungen einzuleiten seien. Einem andereiiDiplomatengegenübcr. mitdein Mac Kinley freundschaftlichen Verkehr unterhält, sprach sich der- selbe folgendermaßen aus:„Die Regierung der Vereinigten Staaten hat bis heute keinen weiteren Beschluß gefaßt, als den Krieg so ange fortzusetzen, bis sich der Gegner für besiegt erklärt. Ucber vie Zukunft von Kuba, Portorico und den Philippinen ist noch nichts beschlossen: ebensowenig ist eine Entscheidung darüber ge- troffen, ob unsererseits ein Hafen auf den Kanarischen Inseln gefordert wird. Alles, was darüber geschrieben wird, ist Muthmaßung oder Ausfluß persönlicher Wünsche. Wir werden es unter allen Umständen vermeiden, uns schon jetzt auf irgend welche Forderungen festzulegen oder unsere Politik für die Zukunft zu binden." Aus diesen Aeußerungen schließt man in Paris, daß die Endabsichten der nordamcrikanischen Regierung noch bedeutend weiter reichen, als bisher angenommen wurde. Der Vormarsch ans Portorico. P o n c e, die größte Stadt auf der Südküste der Insel, hat am Donnerstag kapitulrrt. Nach Depeschen, welche der„Temps" aus Portorico erhalten hat, ist die Lage der Spanier daselbst eine kritische, Mangel an Waffen und der Zustand der Truppen lassen voraussehen, daß im Fall eines Zusammenstoßes kaum ein Kampf stattfinden werde. Die Spanier seien außer stände, den amerikanischen Streitkräften Widerstand zu leisten. General Miles erklärte in einem Telegramm aus Ponce, die Spanier seien auf dem Rückzüge aus dem südlichen Theile Portoricos. die Bevölkerung' habe die Amerikaner mit lautem Jubel ausgenommen und die amerikanische Flagge stürmisch begrüßt. Die Kriegsschiffe hätten mehrere Prisen und gegen siebzig Lichterschiffe erbeutet. Bald werde sich die amerikanische Armee in der Gebirgsregion befinden. Die Verfassung der Truppen in körperlicher wie geistiger Beziehung sei vorzüglich. Unüberwindliche Schwierigkeiten seien nicht vorauszusehen.— In einem später aufgegebenen Tele- gramm sagt General Miles, die Spanier hätten sich aus Ponce so eilig zurückgezogen, daß sie sogar Gewehre und Munition in den Kasernen und etwa 50 Kranke im Hospital zurückgelassen hätten. In Santiago. Nach einer Meldung des„Reuter'schen Bureaus" vom 23. d. M. aus Santiago herrscht in dortigen Geschäftskreisen ein panikartiges Gefühl rvegcn der unsicheren Zukunft vor. Es werde befürchtet, daß die Amerikaner die Stadt den Kubanern aus- liefern werden. Geschäftliche Austräge, welche in den ersten Tagen der amerikanischen Okkupation gegeben waren, seien per Kabel wieder zurückgenommen worden. Kubaner, Spanier und Ausländer warteien gespannt auf eine endgiltige Erklärung über die Politik Amerikas. Manila. Aus Hongkong wird gemeldet: Da? englische Kanonenboot„Plover", welches am 27. d. M. Mamla verlassen hat, berichtet, daß die Lage dort unverändert sei, und daß die Amerikaner die Stadt nicht angegriffen haben. LVlike Mschvirhken und DeNeptzvn. Köln, 30. Juli. sW. T. B.) Der„Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin gemeldet: Der durch die Gänseftage hervorgerufene wirthschaftliche Zwischenfall mit Rußland ist beigelegt. Die Einigung erfolgte dahin, daß Rußland auf das Eintreiben der Gänse aus der ganzen Grenzlinie verzichtet, wogegen Deutschland die Gänse-Ein- fuhr per Fußmarsch an zwei Dutzend genau bestimmten Punkten bis zur nächsten Eisenbahnstation gestattet. Hamburg, 30. Juli./s Uhr, in Habel's Brauerei- Ausschank stattfindende Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins aufinerksam gemacht. In derselben findet die Fortsetzung der Dis- kussion der letzten Versammlung statt. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorstand. Wahlverein des 3. Berliner Reichstags-Wahlkreises. Heute: Familien-Ausflug nach Grünau, Restaurant Lindenhayn, Fricdrichstr 1/2. Treffpunkt daselbst 10 Uhr früh. Rege Betheiligung erwünscht. Der B o r st a u d._ Erntefest, Vereinsrecht und Polizei. Siings um die städtische Steinfeste Berlin, insbesondere nach Osten und Norden zu haben ackerbaulustige Kulturpioniere aus Sandstreifen durch emsige Laitd- arbeit herrliche, fruchttragende Ländereien ins Leben gerufen. Wer mit der Bahn über Berlins Peripherie hinaus- fährt, blickt nicht mehr auf öde, graue Sandflächen: Scholle an Scholle ist urbar gemacht. Der Flugsand ist in befestigten Kleingrundbesitz gewandelt. Die Sandkorn-Nomaden haben einer festgcgründeten Reihe grüner Eroberer weichen müssen, die hier feste Wurzeln geschlagen habeit. Tag für Tag, Abend für Abend plauschende Versammlungen üppiger Kohlköpfe, knolliger Kräuter, schlanker Schnittlauchi'ger und anmulhigec Knospen und Blüthcn in herrlicher Farbenpracht— ohne Anmeldung der Versammlungen, trotz aller gegen Frauenspersonen, Lehrlinge, Schüler und Männer des m e n s ch ch e n Geschlechts gerichteter Gesetze. Die Herren— Pächter und Anbauer in einer Person— dieser hier und da fast einen halben Morgen großen kraftstrotzenden ostelbischen Gefilde sind Berliner Ortsangehörige. Herrliche Wohnfitze haben sie sich ohne Hilfe von Stein, Zement oder Eisen aus Holz gebaut. Fast jede Baulatte kann auf eine Reihe alter Erfahrungen znrückschnuen, die sie unter dem knechtenden Tritt der Großstadtsmenschen oder im trauten Verkehr mit den Ivachsamen Rollmöpsen gesammelt hat, die'.darauf achten, daß von des Wagens breitem Rücken keine Last sich entfernt, es sei denn auf Befehl des lenkenden Gebieters. Von diesen, nimmer mit geflickten Strohdächern verzierten Heimstätten aus schaut des betriebsamen Kolonisten Auge glückselig auf das, was er und die Seinen aus dem Boden hervorgezaubert. Idyllische Ruhe athmet sein Besitz: nicht asphaltirt, nicht mnnrt, nicht kanalisirt er. In', philosophischer Ruhe blast er von Stengeln, die unfern seinem Gute gewachsen, hört auf der Kinder munteres, ansprnchs- loses Gelärm, freut sich, daß die Ausstattung seiner Behausung der liebenden Gattin Raum für Gardinenpredigten nicht läßt' und lauscht den öffentlichen Lustbarkeiten, die Vögel jeden Ge- ficdcrs ohne polizeiliche Genehmigung veranstalten. Ruhe, Friede ringsum. Doch soll der Mensch allein sich freuen? Hat die Kultur nicht den Menschen zum Menschen gesellt? Ist der Ernte Segen nicht zurückzuführen aus die gemeinsamen Pumpanlagen der benachbarten Laubenbcsitzer?.Das Erntefest muß gefeiert werden", denken die Kolonisten, lieber das Wie? der Feier soll gemeinsame Berathung das beste ergründen. Große An- schlage in der Gegend der Elbingerstraße und des Verlorenen Weges entboten deshalb die dortigen Kultur-Pionicre zu gemeinsamer Berathung auf Sonntag, den 24. Juli des Jahres des Heils 1898. Und es lenkte die Herscherschritte durch des Feldes weiten Plan jedweder Ackergenosse. Und nach gemeinsamem Rath ward beschlossen, zur Feier der Ernte zum Kranze zu winden die goldenen Nehren, hinein auch zu flechten rothe Nelken und blaue Chanen. Freude soll jedes Auge anr Erntetage verklären. Beschlossen ist's, eS ist abgethan, doch mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten und Polizei sie schreitet schnell. Es er- schien plötzlich inmitten der Kulturlinge ein Mann, der seinen Stand offenbarte durch Vorzeigung einer runden Marke aus Blech. Und kraft dieser Marke— löste er die Versammlung auf. So geschehen am 24. Juli 1898. Die Laubenkolonistcn werden gegen diesen eigenartigen, durchaus un- begründeten Eingriff in ihre Rechte, mitsammen über Privat- angelegenheiten zu reden, Beschwerde einlegen und ihr Erntefest würdig begehen. Daß ein untergeordneter Beamter derartig irrig Verfassung und Vereinsrecht auslegt, kann bei der Sucht der Junker nach Erdrosselung des Vereinsrechts nicht wunder nehmen. Sollte es möglich sein, einen der dreizehn noch unentdeckten Mörder im Ber- liner Polizeibcreich dadurch zu entdecken, daß die Polizei von ihrer wachsamen Fürsorge auf dem Gebiete des Vereins-, VcrfaminlungS- und Vergnügungsrecht etwas entlastet würde! U. A. w. g., Herr Minister von der Recke. Graphisches Sommerfest. Wir werden von der Festkommission gebeten, mitzutheilen. daß das mehrfach im.Vorwärts" annonzitte heutige Graphische S o m m c r f e st, dessen Erträgniß dem Kartellorgan.Solidarität" zufließen soll, bei ungünstiger Witterung im K o n z e r t s a a le der Friednchshain-Braucrei statifindet. Gegen die Richttgkeit der vom 15. bis 39. Juli öffentlich aus- gelegt gewesenen Gemerndewählerlisten ist Einspruch nicht erhoben worden. Die Stadtverordneten können infolge dessen ihre Ferien ohne Unterbrechung beenden. Daß selbst die„Große Berliner" langsam in der Kultur fortschreitet, läßt folgende, allerdings wohl etwas rosig gehaltene Zeitungsnotiz erkennen: Zehn Wagen mit Sprungfederpolster wird die Große Berliner Straßenbahngesellschaft demnächst in Betrieb stellen. Diese nach dem amerikanischen Systems gebauten Waggons, die gegenwärtig auf dem Bahnhof Ackerstraße montirt werden, sind aus' massivem Mahagoniholz gefertigt. Die Wagen enthalten je sieben Sitzreihen, die Bänke sind wie bei den Sommerwagen quer aufgestellt uns bestehen aus Mahagonifüßen, auf denen Sprungfeder- Polster ruhen. Die Rücklehnen sind in der gleichen Weise gefertigt und ruhen in Charnieren! sie können beliebig gestellt werden, je nachdem, ob der Fahrgast in der oder gegen die Fahrtrichtung sitzen will. Durch einen Gang sind die Bänke in zwei Abihcilungen mit zwei resp. einem Sitzplatz getrennt. Für die Beleuchtung der Waggons dienen drei Glühlichtflammen,_ welche an elegant aus- gestatteten, hängenden Bronceständcrn befestigt werden. Die großen Krystallglasscheibcn der Seitenfenstcr sowie die Scheiben auf den Plattfornrseitcn und an den Thüren werden im Sommer aus- gehoben. Es ist eine Vorrichttmg getroffen, daß an stelle dessen Gazefenster eingesetzt werden können, sodaß die Akkumulatorcmvageii für den Sommer- und Winterverkehr zu benutzen sind. Eine Heiz- Vorrichtung ist nicht vorhanden, dagegen wird durch den äußerst leichten Bau die aus den Akkumulatoren ausströmende Wärme sich in dem Wagen leicht verbreiten können, sodaß für die Fahrgäste eine angenehme Temperatur im Wagen herrschen dürfte. Die für den gemischten Betrieb eingerichteten Waggons enthalten je 21 Sitz- und 12 Stehplätze. Die muthmaßlich gestohlenen Effekten im Werths von 29999 M., welche im Tresor der Eiscnbahn-Hauptkaffe vermißt wurden, stellen Kautionsbeträgc dar, welche zwei Bahnhofspächtcr, darunter ein Berliner, wie üblich, haben hinterlegen müssen. Das Fehlen der Papiere wurde bei der Ucbergabe der Kasse an den neuen Knssirer entdeckt, welche mit einer Tage lang dauernden gründlichen Revision aller Bestände verbunden zu sein pflegt. Die sonst in regelmäßigen Zeitabschnitten stattfindenden Revisionen pflegen meist nur«stichweise" vorgenommen zu werden, wie dies auch bei anderen großen Kassen der Fall ist. Dadurch er- klärt es sich, daß das Manko erst jetzt entdeckt worden ist. Die hinterlegten Effekten(Staatspapiere) bedürfen vor ihrer Jnkurssetzung eines Vermerks des Kafsendirettors, zur Zeit des Ober-Regierungs- raths Fuhrmann, der nach dem Tode Kolbe's das Kassendezernat der kgl. Eisenbahndirektion Berlin übernahm und daher jetzt auch die Untersuchung führt. Es hat sich nun herausgestellt, daß ein großer Theil der fehlenden Papiere thatsächlich auf grund eines solchen Vermerkes, unter welchem die Unterschrift des Kcissendirettors gefälscht ist, wieder in Umlauf gesetzt worden ist. Ob die Fälschung von der Hand des früheren, jetzt verstorbenen Kassirers herrührt, hat noch nicht festgestellt werden können; daß nur er die Effekten aus den dazu gehörigen Mappen entwendet hat, steht indeß außer Frage. Die Direktion der Charitee theilt un? mit: Die beiden Poli- kliniken für innere Krankheiten, welche in den Räumen des In- stituts-Auditoriums gegenüber dem Hauptportal der Alten Charitee abgehalten werden, müssen baulicher Reparaturen halber vom 1.— 15. August geschlossen werden. Die in denselben Räumen unter gebrachte Nerven Poliklinik wird während dieser Zeit in der Alten Charitee, Eingang im Hauptportal, 1 Treppe, abgehalten. Kranke, welche für die Aufnahme in die Volksheilstätte am Grabowsee untersucht werden wollen, haben sich Dienstags und Freitags in der Alten Charitee, 1 Treppe, Station VII, vornrittags zwischen 19 und 11 Uhr zu melden. Die Moral der Schneidigkeit. Die Ursache des Duells, von welchem dieser Tage in der Presse berichtet wurde, war ein Ehebruch. Bei der blutigen Affäre hat nun die berühmte Moral der Edelsten und Besten insoweit einen glänzenden Triumph gefeiert, als der betrogene Gatte von dem Verführer umgebracht wiirde. Schneidig, stilvoll und höchst erbaulich für den Plebs, das sich an der Moral der gebildeten Vornehmheit ein— allerdings unerreichbares— Vorbild zu nehmen und zu ihr, wie zu etwas übernatürlichem, ehrfurchts- voll emporzuschauen hatl Lebhafte Klagen hört man von Eisenbahnbeamten über ein gefährliches Treiben der Kinder an der Warschauer Brücke. Die Kinder, namentlich Knaben, klettern vielfach durch das Geländer auf den Bahnkörper hinab und bringen sich so in die größte Gefahr. Durch einen anderen Unfug gefährden sie sogar den Eisenbahn- betrieb; sie lassen Mauersteine von der Brücke an der Wand hinab- gleiten, und die Steine bleiben dann nicht selten auf den Geleisen und den Schienen liegen. Am Donnerstag Nachmittag hätten, wie uns nachträglich zur Warnung an die Kinder und ihre Angehörigen initgethcilt wird, zwei Knaben ihre Unvorsichtigkeit beinahe mit dem Tode gebüßt. Zivei Knaben im Alter von 19 Jahren waren wieder einmal durch das Geländer, das von der Brücke nach dem Bahn- körper hinabführt, hindurch gekrochen und suchten aus dem Geleise einen Ball, der ihnen verloren gegangen war, als vom Schlesischen Bahnhofe her ein Ringbahnzug sich der Station näherte. Zu ihrem Glück bcnicrtte der Hilfs-Weichensteller Bär die Leichtsinnigen, eilte zu ihnen und ergriff den einen, während der andere zur Brücke ivicder hinaufkletterte. Der Ergriffene wurde auf der Station fest- gestellt. Taö junge Mädchen, das sich in der Nacht zun: Freitag vor dem Hause Schiffbnuerdamm 34 erschossen hat, ist ein 18 Jahre altes Fräulein Gertrud L., das aus Charlottenburg gebürtig ist und in der Lnisenstraße bei einen: erst seit kurzer Zeit vcrheiratheten Schivager wohnte. Was das junge Mädchen in den Tod getrieben hat, ist unbekannt. Die Angehörigen haben über die Absicht und Veranlassung zu dem Selbstmorde nicht die geringste Andeutung er- halten. Der ehemalige Berliner Gastwirth Heinrich Wallbanm, der vor Jahren mit einem größeren Lotteriegewinn nach der Union gegangen war und nach mancherlei Irrfahrten in der Chikagoer Clark-Strect eine gutgehende Restauration unterhielt, ist ermordet worden. Wallbaum, der von Sehnsucht nach seiner märkischen Hcimath ergriffen worden, übergab sein Geschäft seinem bisherigen Schankkcllncr, dem Dcutsch-Ainerikaucr I. H. Zeller zur Verivaltung, während er selbst nach Neiv-Uork fuhr, um sich einzuschiffen. Dort erfuhr er zufälligerweise von Zeller eine ganze Anzahl Schurkereien, unter anderem daß er Jahre lang wegen schweren Dieb- stahls hinter Schloß und Riegel gesessen hatte. Wallbaum fuhr sofort nach Chikago zurück, es kam zu einem wilden Wort- Wechsel zwischen ihm und seinem Kellner, ivobei dieser behauptete, er habe Wallbawn das Geschäft abgekauft, und den rechtmäßigen Eigenthümer hinauszuwerfen drohte. Das Ende vom Liedc war, daß Zcller zum Revolver griff und seinem Gegner zwei Kugeln in den Kopf jagte. Wallbanm verstarb wenige Stunden später im Krnnkenhause. Er hinterläßt eine 17 jährige Tochter, die bei seinen Schwiegereltern in Deutschland erzogen wird. Drei aufregende Straßcnszene» spielten sich Freitag Nach- mittag kurz vor 6 Uhr unmittelbar hinter einander am Stettiner Bahnhof ab. Ein bcladcner Geschäftswagcn der Finna August Rcimann aus der Fcilncrstraße 5 kam durch die Borsigstraße nach dem Bahnhofe zu gefahren. Als eine Kiste auf dem Wagen um- kippte, scheute das Pferd und ging durch. Der Lkutschcr könnte sich aus dein Wagen nicht halten, stürzte hinab und zog sich eine Kopf- Verletzung zu'. Führerlos rannte nun das Pferd mit dem Wagen weiter. An der Ecke der Jnvalidcnsttaße prallte dieser mit einem anderen Geschästswagen so heftig zusammen, daß auch der Kutscher des zweiten Wagens vom Bock herabflog und sich eine bedeutende Verletzung am rechten Beine znzog. Auch jetzt kam das Pferd des ersten Fuhrwerkes noch nicht zum Stehen. Während das Publikum, das in großer Menge sich ansanmrelte, sich der verunglückten Kutscher annahm, raste das Thier weiter. Ein Zusammenstoß niit einem Pferdebahnwagen der Linie Nollendorfplatz— Schönhauser Allee schien unvermeidlich- Aber der Pferdebahnkutschcr behielt die Geistes- gcgcnwart. Im letzten Augenblick versetzte er dem Thier einen Peitschenhieb vor den Kopf, daß es stutzte und nun festgenommen werden konnte. Eben wollte sich der Menschenauflauf zerstreuen, als er an eine andere Unfallstelle gebracht wurde. Der Omnibus Nr. 244 der Linie Kreuzbcrg-Stettiner Bahnhof wollte wie immer um einen Jnselperron herum auf seine Haltestelle fahren. Im letzten Augenblick sah der Kutscher, daß ihm Droschken im Wege standen. Als er nun die Pferde herumwarf, stieß der Wagen' so heftig gegen einen Latcrncnpfahl, daß der Kopf der Laterne klirrend auf das Straßen- Pflaster flog. Kutscher und Pferde blieben unversehrt. Die vcr- unglückten' Kutscher der Geschästswagen erhielten auf der Unfall- station IX Verbände. Der Rcimann'sche konnte seinen Dienst wieder aufnehmen, der andere mußte in seine Wohnung gebracht werden. Ttraßenspcrrnng. Die Weißenburgerstraße von der Fransecki- bis zur Danzigerstraße einschließlich des Kreuzdammcs mit der elfteren ist behufs Asphaltirung vom 29. Juli ab, ferner die Kleine Kurstraße von der Oberwasser- bis zur Niederwallstratze ausschließlich des Krcuzdammes der Kurstraße ebenfalls behufs Asphaltirung vom 39. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt worden. Orgelkonzert. In dem Orgelvortrage, der bei freiem Eintritt Mitt- woch, den 3. August, niittags 12 Uhr, in der Marienkirche stattfindet, werden Frau Enlma Krug und Frau Margarete von Borowsti Duette und Arien von Händel, Sttadella und Mendelssohn singen und Herr Otto Dienel Konzert-Variationen eigener Komposition spielen. Autzerdem werden der Cellist Herr Paul Treff und der Organist Herr P. Heuer mitwirken. Auf der„Treptow-Stcrnwartc" wird auch in dieser Woche noch der Mond mit dem Riesenfernrohr beobachtet. Die großen Planeten Jupiter und Sattirn können nur noch wenige Stunden am Abendhimmel gezeigt werden, da sie sich immer mehr der Sonne nähern. Heute, Sonntag, spricht Direktor F. S. Archenhold um 5 Uhr nachm. über„Die Wcltuntergangs-Prophezeihungcn" und um 7 Uhr abends über„Die großen Planeten." Das astronomische Museum bleibt ausnahmsweise bis 9 Uhr abends geöffnet, während die Beobachtungen mtt dem Riesenfernrohr wie immer bis 12 Uhr nachts stattfinden. Fcuerbericht. Sonnabend ftüh 8 Uhr ging O r a n i e n burgerstraße 59 der Inhalt eines Schaufensters in Flammen auf. Kurz darauf wurde die Wehr nach Görlitz erstr. 23 ge- rufen, doch handelt es sich hier lediglich um unterdrückten Rauch. Nachmittags 5 Uhr hatte Große Frankfurter st r. 63 ein Ballon Petroleum Feuer gefangen, das jedoch schnell beseittgt werden konnte._ Aus den Nachbarorten. Pankow. Der nächste Lese-Abend findet am Dienstag, den 2. August d. I., abends S'/s Uhr, bei Störr, Mühlenftraße 24, statt. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten.— Am Montag, den 8. August, findet eine öffentliche Versamnilung in T.h i e l e' s Kaffeehaus, Nieder-Schönhausen, Bismarckstraße 44, statt. DerVorstand. Das Ausscheiden Schönebergs ans dem Kreise Teltow hat, wie bekannt, zu Differenzen zwischen diesem und der neuen Stadt betreffs der von dieser zu zahlenden Abfindungssumme ge-( geführt. Der Kreis ist der Ansicht, daß an seiner Schuldenlast von etwa 6'ft Millionen Mark Schöneberg mit 2'/« Millionen parttzipire, wogegen der Schöneberger Magistrat behauptet,_ die Abfindungssumme bettage höchstens eine Million Mark.— Die vom Magistrat nach dieser Richtung hin dem Kreise gemachten„Gegenvorschläge", sollen nur für den Fall anstecht erhalten werden, daß auf ihrer Grundlage eine Einigung bis zum 1. September dieses Jahres zu stände kommt. Im Dienste schwer verunglückt ist in der Nacht zum Sonn- abend auf der Eisenbahnstatton Grunewald der Stationsassistent Möbus, ein älterer verheiratheter Mann, der in Halensee am Kur- fürstcndamm wohnt. Möbus hatte Nachtdienst beim Rangiren. Zwischen 12 und 1 Uhr faßte ihn eine Nangirmaschine und riß ihm einen Fuß über dem Knöchel ab. Der Verunglückte wurde mit einer Tragbahre in das städtische Krankenhaus zu Charlottenburg gebracht. Zu dem Leichclifuudc in Weisienscc, über welchen wir gestern berichteten, wird uns noch mitgethcilt: Die fortgesetzten Recherchen haben ergeben, daß an dem Tischlergesellen Karl Schanz ein Ver- brechen nicht verübt worden ist. Der Tod ist vielmehr durch einen Schlaganfall herbeigeführt. Der Blutverlust aus den: Ohr war nur gering. Die in der Streustraße entdeckte Blutlache hat mit dem Lcichcnfund absolut nichts zu thun. Die Art und Weise, in welcher die Schlinge um den Hals geknüpft war, deutet darauf hin, daß Schanz die Schlinge selbst gefertigt hat. Zu welchem Zwecke dies geschehen, ist allerdings nicht recht klar, da er sich mit Selbstmord- gcdanken wohl kaum beschäftigt haben dürfte. Einer jener nichtsnutzigeu Burschen, die sich einen Spaß daraus machen, die Feuerwehr ohne Grund durch die Feuermelder zu alarniiren, wurde in der vergangenen Nacht in Charlottenburg erwischt. Es war der Stuckatcur Schadonski aus der Wallstraßc 37. Diefcr setzte in der Nacht um l1/4 Uhr vor dem Grundstück Wilmers« dorferstraße 179 den Melder in Thätigkeit, indem er die Scheiba einschlug, und wollte dann, als ob nichts geschehen wäre, nachHaus� gehen. Zwei junge Leute hatten jedoch sein Treiben beobachtet und folgten ihm. Sie setzten den Privatwächter Schimon von dem Vor- fall in Kcnntniß, als er gerade dabei war, dem llcbclthäter die Hausthür aufzuschließen.'Schimon nahm nun Schadonski fest und überlieferte ihn der Polizei. Die Nachricht von einem durch Zigeuner in Tempelhof anSgesiihrten Kindesraub hat keine Bestättgung gcftmden. Di» Mädchen, welche eine entsprechende Wahrnehmung gemacht haben wollten und die Zigeuner verfolgten, dürften sich jedenfalls getäuscht haben. Die betreffende Bande hat übrigens nur fünf Wagen gehabt. Die Behauptung, daß ein sechster Wagen sich von der Truppe ent- fernt hat, soll ebenfalls auf einem Jrrthum benihcn. Nieder- Tchönewcidc. Wir werden um Veröffentlichung der folgenden Mittheilung gebeten: Die zwei jungen Leute, die Sonntag, den 19. d.M., nachts, kurz vor Abgang des letzten Zuges von Nieder- Schöncwcidc nach Berlin verhaftet wurden, können den Namen eines Zeugen, der den Vorgang von Anfang an beobachtet hat, in der Redaktion dieser Zeitung erfahren. Der i» Fichtenau eingestürzte Neubau gehört dem Maurer- polier Legat aus Weißenscc. Der Bau wurde von dem Besitzer selbst geleitet. Man nimmt, ivie ein hiesiges Blatt meldet, an, daß sich Feinde des Besitzers nachts in dem Bau zu schaffen gemacht und das Maucriverk zum Einstürzen gebracht haben.(Na, nah Wegen unzüchtiger Handlungen, begangen mit Schulknabeu, ist gestern früh der Barbier Engel aus Lichtenberg, Frankfurter- Chansfee 4, verhaftet worden. Dem Vernehmen nach soll sich die Zahl der.Kinder, mit welchen der Unmensch die Handlungen vor- nahm, ans 59 bis 69 belaufen. Die Polizciorgane des Ortes scheinen von dem Treiben des Engel keine Ahnung gehabt zu haben, denn es gelang erst einigen Berliner Kriminalbeamten, die Verbrechen zu entdecken und diesen„bösen Engel" unschädlich zu machen.- VevsÄmmlungen. Der Zeutralvcrband der Kouditorc» hielt am 21. Juli seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Der Kassenbericht ergab! einen Bestand von 192,97 M. Ferner wurde die Agitationskommisfion beauftragt, bis Mitte September eine öffentliche Versammlung sowie eine Sonntagsversammlung einzuberufen. Für die streikenden Ham- burger Kollegen wurden 19 M. ans der Kasse bewilligt als zweite Rate. In der Stellenvermittelungsftage wurde beschlossen, dieselbe auf die nächste Tagesordnung zu setzen und wurde die nächste Vcr- saiunilung auf Donnerstag, den 4. August festgesetzt. Bildungsverein„Mehr Licht!" Heute, Sonntag: AuSflug nach Grünau. Treffpunkt vormittags VzIO Uhr, Bahnhof Jannowitz» brück e. Für Nachzügler im Restaurant G. Lindenhayn, Friedrich- straße 1 u. 2. Sainariterkursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, den 1. August, abends 9 Uhr, bei Neumann, Brunnenstr. 150: Vortrag des Herrn Dr. Weyl über: Vergiftungen, Erstickungen, verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Heute Ausflug nach Nieder-Schönhausen zu Scttekorn. Verein für Körper-»nd Natnrheilknnde. Montag, den 1. August, abends 8 Uhr, Alexanderstr. 8, Hof I. Vortrag des praktischen Naturheil- kundigen Grunduiaiin über die neue Blutbewegungs- und Ernährungslehre, demonstrirt an farbigen Lichtbildern. Verein von Freunden der Matheniathik. Montag, den 1. August, abends 9 Uhr, Sophienstr. 15(kleiner Saal): Vorttag, Probleme. Gäste willkommen. Geselliger Klub Neptun. Heute: Gesellschastsabend, Neue Roßstt. 3. Anfang 6 Uhr. Große öffentliche Versammlung der Holz- und Bretterträger Berlins»nd Unigcgend am Montag, den 1, August, abends 8:/, Uhr, Waldemarstr, 75 bei Bruder,__ Briefkasten der Expedition. A. Sch., Paris.„Neue Zeit." K. Kautsky, Berlin- Friedenau, Wielandstt. 26.„Gleichheit." Kl. Zetkin, Stuttgart, Rothebühlstr, 147, III. Bios,„Franz. Revolution", geb, 5,50 M., brosch. 4,40 M. Blos,„Deutsche Revolution", geb, 5,70 M., brosch. 4,60 M. Wetter-Prognose für Sonntag, den 31. Juli 1898. Langsain aufklarend bei frischen nordwestlichen Winden, kühlerer Nacht und ettvas höherer Tagestemperatur; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau- Mung! Stnckateure. AHjlum! Montag, den t. August er., abends 8 Uhr: Lesfentl. Verslüiliiilliilg kt Stillkatcm'e Verlius\i Umgeg. bei Bnütkc, Grenadierstraste Nr. 33. Tages-Ordnung: 1. Dortrag deS Genossen tioblenrer. 2. Abrechnung der Liqilidativns- touilnisston. 3- Wie stellen sich die Kollegen zur Gründung eines Streik- fonds? 4. Verschiedenes. 173/12 In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Ehrenpflicht eines eden Kollegen zn erscheinen._ Der Vertraucnsmau». Max Kliem's Somuter- Theater, Hasenhaide It/IS.— Artistischer Leiter: Panl Milbitz. Täglich; Große Theater- u.SpezlalMen-Vorstellnng Db««nra'i,.— MIs».AJic«, Jongleuse auf rollender Kugel.— Pepl ii ii d Pepino.— The Picnnli's.— Carl Gnrsch. Tanzkouiiker.— Mlnnl Estcra. Kostüm- Soubrette.— Panl Ervz-, Humorist.— Eraazl«ka Wünsch, Operettensöngerin.— Prof. Cnnn's Katzen-Zirkus.— Nen! �ni>sc»ilcr Mitdchen, Gesangsposse in 1 Akt von S u ch o w.— Nen! Bn ahnst es nicht, Schwank in 1 Akt von R e i ch a r d t. Im schattigen Garten vor und nach der Vorstellung: IGT" Crosses Doppel-Konzert. In den Sälen: ZW!- Grosser Kall."VÜ Anfang des Konzerts 4 Uhr, der Vorstellung Wochentags 6 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Max K Ii ein. i-inum Westend- Charlottenvurg Park-Kestanpant(früher Klubhaus), Kastanien-Allee 1. Ecke Spandaner Berg. 3 Minuten vom Bahnhof. _ Jeden Sonntag im schattigen Garten: WW Frei-Konzert."WS In den Sälen:_ Grosser IBaBI."WZ -: Zwei verdeckte Kegelbahnen,— Familien können Kaffee kochen. Säle zur Abhaltung von Versammlungen und Festlichkeiten stehen den lverthen Vereinen jederzeit zur Verfügung. Hochachtungsvoll Wel WeU-Etablissement„Schloss Welssensee". Sonntag, den 31. Jnli 1808: Grosses i�lioiistre-IConzert Neues Berliner Konzert- Orchester. Dirigent: Rudolf Tietz. Humoristische Soir6e d. Orig. Norddeutschen Konzert-Sänger. Lpossvp Kavalier-Ball im bat champstre. Gr. Wasser- Pracht-Feuerwerk. Anfang 4 Uhr. Rnilolf Schenk. Telephon 93. Alles Weitere die Ulahate. Vereinen und Gesellschaften empfehle mein Etablissement zu Sommerfesten, Ausflügen u. f. w. '-tm Aagu�tin's Lindenpark, Ka8txöi.Ti.Allce Jeden Montag: Grosses Erntefest und große Präsentverloosnug, verbunden mit Volksbelustigungen aller Art. Um st Uhr: Kinder-Bav. Um 9 Uhr: Fackelcholonaise. Entree a Person 10 Pfg., wofür jedes Kind ein Loos gratis erhält. Jedell Sonntag: Künstler-Erelhouiert. Kaffeekochen: 1 Liter 30 Pf. Vorzügliche Biere. ff. Weistbier 1/2 Liter23 Pf. Bekanntmachung! Den Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich da? Lokal Apollo-Tlieater-Oarten (Viktoria-Säle) Hepmann8tp.48|50 Rixdorf Hepmannstp. 48i50 in Vertretung übernommen habe und halte mich den Genossen und Vereinen bestens empfohlen. PkiHpp Thomas, Gastwirth. aaa Röxdorf. BMMHnanm Apollo- Theater- Garten Hermannstrafze 48/50. R 1 x d o r f. Hermannstrabe 48/50. Artistische Leitnng: S. Rertlnl. Bei ungünstiger Witterung findet die Vorstellimg im Saale statt. Sonntag, den 31. Juli 1808, 4 Nhr nachmittags. sowie Montag, de» 1.»ad Donnerstag, den 4. August, 51/, Nhr nachmittags: Gr. Gala-Spezialitäte»t-Borstellung. Grosses Konzert, ausgeführt von der Schwarz'fchen Kapelle. t Vollständig neues Künstlerpersonal, bYJo,.? vlvlli noch nie in Rixdorf nnfgetreten.■* It-K. Hanl Erstes Auftreten der berühmten akrobatische» Hanl nCU. Kontorsionisten The Wendini's(1 Herr, 1 Dame) IWII. 1 Erstes Auftreten der vorzüglichen Ni.,, I JUU! Excentrigues The Two Thcras.«Hill. Reut Erstes Auftreten von Charles Rewclly, ausgezeichnete Leistungen an den Lyra-Apparaten und am Trapez. Nen! Aien I«r. ziolon, großartiger Lnvinenstürzer. Xen! f Erstes Austreten der bekannten Soubrette f VTC»». Frl. Rctty Rellonl, sowiedes Tanzkomikers» Herrn Max Grabow. >W Wieder ein Riesenprogramm! Neu und abwechselnd, H sehen nnd bewundern! gel ungünstiger Vlttorung tlnllst älo Vorstollung Im Saals statt. Im Laal von 4 Uhr an; Grosser Ball« Im Vorgarten von 4—6 Uhr: Erel-Konzert. Entree 15 Pf. Anfang der Vorstellung K Uhr. Nächste Vorstellungen finden Montag und Donnerstag bestimmt statt. 3661C* Philipp Thomas, Gastwirth. Brauerei- Ausschank der Victoria-Brauerei, Stralau. Spezialitäten- nnd Theater-Vorstellung. Jede» Sonntag und Donnerstag: Großes Gartett-Konzert und im elektrisch erleuchteten Riesensaale: Grosser Rall. Die Kaffceküche ist den geehrten Damen von 2 Uhr an ununterbrochen aeöffnet Für gute Speisen und Getränke habe ich bestens Sorge getragen. Um recht regen Zuspruch bittet hochachtungsvoll OZSIL* Karl Mittafir, Oekonom. Plötzensee. toslauranl Max Brosy * am Spandauer Sohlfffahrts-Kanal. Im 500 Quadrat-Meter groben Parkettsaal: Zeilen Sonntilg: MM" BaN.'HW Familien-Kaffeckiiche. grosser schöner Garten, Zelte, Unterkunft für Svvv Personen, verdeckte Kegelbahnen. Halte mein Lokal bestens empfohlen. 180b Max Brosy. Vereinen und Gesellschaften halte mein Lokal bestens empfohlen. Die Pracht-Prunk-Fest-Rämne der 3632L» FioraHSäleBes':Ber,1IlNieft' X l7. Weberstr. 17> circa 150— 1000 Per». Feststeh, hochel. Theaterbüline. Vereinszimmcr Sonnabende u.Sonntage Saison 98/99 täglich gratis asn vergeben. Hlektr.Beleuchtung. Bollst.neu eingerichtet Neue Ventilations-Anlage. Gas- Oefen- Heizung zc. ec. SehiHihuuser Allee No. 103. Neu renov. Garten(6000 Personen fassend) mit neugebautcr Bühne für Vereine. Grober Tanzsaal. 4 nen renovirte Kegelbahnen.— GrSsste Tolksbclnstignngen In ganz Berlin. _ Kaffee kiiche von 2 Uhr an geöffnet._ 5397L* Jägerhans Robert Scheere, Nestaurant„Sängerheim" O. Blnmcn-Strasse 38. Telephon: Amt VII Nr. 3760. Arbeitsnachweis der Möbelpolirer, Brauer, Brauerei-Hilfsarbeiter. Zahlstelle des Verbandes der Holzarbeiter, Metallarbeiter, Buchbinder, der Orts- Krankenkasse der Möbelpolirer, der Zentral- Krankenkassen der Schuhmacher, Gold- und Silbcrarbeiter, Buchbinder nnd Zahlstelle des W a h lvereinö für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis(Osten). f3103L* IDpnst Höflicta's KoiUttt-Garten«. Spejinlttäten-Sheattr Friedricheberg, Frankfurter Chaussee 12«. Sonntag, de» 31. Jnli, im herrlichen Lindenpark: Gmses Konzert und Spezialitäten-Yorstellung. Im Saal: Großer Sommernachts-KoU. Die Kaffeeknche steht den geehrten Damen v. 3 Nhr ab zur Verfügung. Anfang 4 Chr. Entree AiO Pf. 53328* Achtungsvoll Ernst Höflich. „Altes Sclmtzeuliaus", Linienstrasse Nr. 5. Sonntag, den 7. Angnst 1898: ArSV PT Grosser Ball. 128B Gresellscliaftsliaus (Inhaber Hühner), Swinemündcr-Strasse 42. Täglich: Concert. Theater u. Spczialit.-Vorstellung. Entree 10 Pf.; SountagS SO Pf., Kinder 10 Pf. Im Saale: Ball. Säle(2—300 Personen fass.).zn Versammlungen u. Festlich keiteit empfohlen. „Sanssouci" Schmargendorf. Großer schattiger Garten mit verdeckten Hallen und Laube», direkt am Grunewald gelegen. Spielplätze. S Kegelbahnen. Billard. Kaffee- küche(Liter 70 Pf.). Gutes Bairisch-, Potsdamern. Wcissbier.[31068* Jeden Sonntag: GtrOSNer Ball. Moabiter Spreelialleu, Kirclistp. 27. 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Nachdem der Fang anhaltend ergiebig, treffen tüglich 1 bis 2 Waggons(100—200 Ztr.) ausgewählte lebendtrische Fische ein nnd verkaufe heute und kommende Woche: Cabliau(zum lochen wie zum Braten geeignet) Zss Pf., im Ausschnitt 28—30� P1" �- Rothznngcn(bester Ersatz für Seezungen) 3.1„„„ Grosso Schallen(Goldbutten) sehr fein 30-35, n„ Knnrrhahn(Seeforelle, vorzgl. Brat- u. Bierfisch SO„„„ Seelachs 20 Pf..... im Ausschnitt 25-28 n. r* Seehecht 25-27 p�.... wi Ausschnitt 33... Lchelttische in aUen Grössen..... 12-20„„* pro Anstcrnflsch(sehr empfehlens werth) 30 Pf., im Ausschnitt 45 Pf. pr. Pfd. Steinbutten 0,80-1,00 ilk. pr. Pfd. Seezungen 1,40—2,00 pr. Pfd. Petcrmanu(Rouge), sehr fein 40 Pf. pro Pfund. Goldbarsch(bester Ersatz für Zander) 25—30 Pf. pro Pfund. Eabcrdan............. Marlnlrte Fische: Dellkatess-Bratschellflsch(gebraten und marinirt) in Blechdosen von 17 Pfd. ä 3.25 Mk., kleinere 8 Pfd. k 1,75 Mk. Aiisterniisch in Gel6e(bester Ersatz für Aal), 8-Pfund-Dose 3 Mk.. Auster»lisch Gatelettes, 8-Pfimd-l)ose 2,60 Mk., Schellfisch in Gelee, 8-Pfund-Dose 2,30 Mk. Knurrhahu in Aspic, S-Pfund-Dose 3,75 Mk., Knurrhahu, gebraten, 8-Pfd.-I)ose 2,75 Mk., Scc-Aal in Aspic. 8-Pfd-Dose 3,50 Mk. Delicatess-BratschoIIen In Aspic 2,75 Alk. Geräucherte Fische: Flundern 60 Pf, Schellfische 25 Pf., Seelachs 50 Pf, I See-Aal OO Pf, Roche, bester Ersatz für Stör, SO Pf. Knurr hahn 50 Pf. pro Pfund.' Makrelen 40-50 Pf. pro Stück. Fischkochrezepte gratis! Joiis. SkorczyK, Ixt. NB. Seefisch ist das billigste Volksnahrungsmittel, ersetzt das Fleisch vollständig und ist überaus wohlschmeckend. Töpfer Südostens! Vom 31. d. M. ab jeden Sonntag Vormittag: Morgensprache im Lokal von Schilling, Manteupelstr. 88; auch werden daselbst in der Zeit von 10—12 Uhr Verbandsbeiträge sowie Beiträge zum Streikfond ent- gegengenauunen._ 195/7_ Die Qrtsverwaltnng. Restaurant Jägerhäuschen, Saatwinkel, 38866t empfiehlt alten schattigen Garten, gr. Saal mit Bühne. Kegelbahnen. Kasfeeküche zn Landpartien. E. Eicscn. Achtung! Vereine! Englischer Garten, Alexanderstr. 27. 4 Säle. Sonnabend im Septbr. noch frei. 55788*] Hoflmann. Julius Wernau's Restaurant nnd Festsiile, N., Schwedterstrasse 23/4, N. DM- Sonntag: Konzert. Theater u. Spezinlitätenvorstellniig."ME Schattiger Garten. Aufenthalt für 2000 Personen bei. gutem».schlechtem Wetter. 2 Kegelbahnen. Privat und Stammpublikum Eintritt frei. Zum Besuch ladet ergebenst ein 56031.*]'.1. Wernau. Rautenberg's Festsäle Oranienstr. 180[426* Einige Sonnabende auch Sonntage zu Festlichkeiten noch zn vergeben. Etablissement Feldschlößchen Inhaber Fritz Nagel Müller- Strasse N r. 142. Im größten und schattigsten Garten des Nordens(8000 Personen fassend): Tiiglilh: m-Wmttl Sonntags i Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Zlll Sfldl: Ball. Achtung! 56508* Die Sonntage der Winter- Saison sind an Theater-Vereine zu vergeben. Fritz Aagel. Mystnm Landsberger Allee 40-41 Jeden Sonntag. Montag, Mitt- woch und Freitag 5401L* Frei-Konzert. Auf. Sonnt. 4 Uhr, Wochent. 7 Uhr. FlB. Sonnabende sind noch frei für Vereine bis 3000 Personen. Pari Eiscrmann. Brochiiow's Fest-Säle, Scbastianstr. SO. gar- Jede» Sonntag, Montag, �Donnerstag, Sonnabend 1 Volks-Ball. Einige Sonnabende sind noch frei. Moahlter Klubhaus, Bcusselstr. 9. Empfehle meinen großen Saal, Bereinszimmer f. 20—30 Personen, Restauration. Mittags- u. Abendtisch. Jedeil Sonntag: GresserHall. 4951L* Carl Fischer. Haferland's Restaurant, Obcr-Schdncwclde, empfiehlt seinen Saal. Garten, Kegel- bahn, Kaffeeküche. Solide Preise.* Andreas- Festsäle. Zliidreasstr. 21. Empfehle meine renovirten Säle zu Kommersen, Versammlungen und Fest- lichkeiteu jeder Art. 5668L* Karl Stechcrt. VereinSziiiiiner�n�c7I''' 4416L*] Sepp Wiedemann, Friedensir. 67. Strand- Restanrant am Müggelsee zwischen Müggelschi'oss u. Teufel- sce. Wunderbar schön von der Natur begabt. Tanzsaal mit Parquet- Fussboden. 2.Kegelbahnen. Gr. 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Sonnabend, den 13. August 1898, in Carl Joel'S Viktoria-Garten Köpnicker Landstrasse. TreptoWa Köpnicker Landstrasse. Ohinesische Nacht arrangirt von den Parteigenossen des 4. Berliner Reichstags-Wahlkreises vestehend in Grossem InstrumentaLKonzert unter Leitung deS Herrn W. G u 1 1 in a n n. Gesangs-Anfführnngen von Mitgliedern des Arbeiter-Siingerbundes unter Leitung des Herrn Appelt. - Volksbelustigungen aller Art.- Grofte Berloosung von Japan- und Chiua-Waärcn direkt aus Kiantschon.— Im Saale von 4 Uhr ab: Grosser Ball.— Anfang 4 Uhr. Entree 23 Pf.— Die Uaffeekuchc ist geöffnet. 215/15 Bas lioniltev. Brauerei Pichelsdorf bei �pandan. Verbindung von Spandau: Elektr. Bahn und Dampfer. - Sonntag, den 7. August I898:- Grosses Sänger-Fest arrangirt vom Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Sänge». Iuepkzug <800 Gesangvereine. Volksbelustigung aller Art. 4 Musik-Kapcllcn. Orosser Tanz. Bei eintretender Dnukelheit elektr. Beleuchtung des ganze» Etablissements. 4 groste ttaffeetiichen stehen den verehrten Damen von früh 7 Uhr ab zur Verfügung. Anfang des Konzerts 8 Uhr fr» Ii, des Gesangs Z Uhr nachmittags. Billcts ä 20 Pfennig. rogramme— Liedertexte— an der Kontrolle. Fahrplan für Bcrlin-Spandau siehe Rückseite des Billets. BilletS sind bei folgenden Vorstandsmitgliedern zu haben: Ad. Neumann, Restaurateur, Brunnenstrabe 150; Otto Baachs, Zigarreugesch., Wrangelstr. 11; Bob. Meyer, Blumengesch., Mariannenstr. 2; Ad. Hübner, Wilhelmstrabe 134, H, I, sowie bei fämmtlichen Vereinen resp. Mitgliedern des BundeS. 10/16 Hasenhaide 108-114. Neue Welt Hasenhaide 108-114. Sonnabend, den 13. August 1898: Gr. Sommer-Fest veranstaltet vom Tuvn Vovetn JKiftte(Mitgl. des Arbeiter-Tmilerbtlildes) bestehend in lZrossem Ksi'tenllonüöl't. Mtreten sämmtl. Spezialitäten.— Grosser Ball sowie grosse turnerische Aufführungen, ausgeführt von den Männer-, Damen- u. Jngendabtheilungen des Vereins. Jedes Kind erhält zwei BonS, giltig für eine Stock- laterne, Karoussel oder Rutschbahn. Die Kaffceküche steht den geehrten Damen von 2 Uhr an zur Verfügung. Stf Graste Falkclpolonaise der Kinder mit bengalischer Beleuchtung. Entree 25 Pf., an der Kasse 30 Pf.— Programm an der Kasse gratis. DM» Herren, welche am Tanze theilnehnien, zahlen 50 Pf. nach. WWW Billcis sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie bei sämmtlichcn Mitgliedern und an der Kasse zu haben. l�Ob _ Um recht zahlreichen Besuch ladet höstichst ein___ Das Komitee Charlottenburg! Charlottenbnrg! SonniaK, den 31. Juli, in„Bismarcksliöhe", Wilinersdorferstp. 39: Grosses Volksfest bestehend in Konzert, ausgeführt von der 26 Mann starken Kapelle des BIxdorker Orchester-Chors„Vorwärta" komischen Vorträgen. Kinder-Faekelzng(Stocklaternen gratis). _ Im Saale: Tanz. Herren, die daran thcilnehmen, zahlen 56 Pf. nach Anfang nachmittags 4 Uhr. Es laden hierzu crgcbcnst ein Enorme Vorräthe »AAAAAW MillkMter| Tcppiche!!" 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T a g e s- O r d n n n g: Der Streik bei Engel und bei Findeisen. 94/15 N8. Die Kollegen werden dringend ansmerksam gemacht, sich recht rege daran zu betheiligen. Schristliche Einladungen erfolgen nicht mehr, da die Zeit zu lurz war. Der Bertraucnsman» der Berliner Kistenmacher. Franz Splinte r, Schmidtstr. 30._ verband der Graveure u Ilfeleure Deutschlands (Filiale Berlin). Dienstag, den 2. August, abends 8'/- Uhr, in den Arminhallen. Oranienstrabc 51: Viiial-V ersammlung. TageS-Ordnung: 1 Geschäftliches. 2. Vortrag über:„Die Urania sänken, ihre Einrichtung und ihre Bedeutung. 3. Diskussion. 4- Verschiedenes. 75;8 Die Ortsverwaltnng. Achtung! Maurer. Achtung! DienNcra» Ne»t S. Klugust, Abenvs 1% Mhv: 5 Verbands- Versammlungen. Für Berlin II bei M. Cohn. Benthstr. 20. „ Oharlottenhnrg bei Wernicke, Wilmersdorferstr. 39 sBismarcksHSHe). „ Bixdorf bei Gröppler, Bcrgstr. 147. „ Friedrichsberg bei Höflich, Frankfurter Chausice 110(Schwarzer Adler). , Wilmersdorf und Schmargendorf in Wilmersdorf bei H. Klingenberg(VolkSgarten). T a g c S- Q r d n u n g in allen 5 Versammlungen: 1. Wie muß sich die Gcwerkschafts-Orgaiüsation gestalten, um bei dem jetzt bestehenden Koalitionsrecht dauernde Vortheile zu erzielen. 2. Diskussion. 3.. Gewerkschaftliches. Die Lohnkommission der Maurer Berlins und Umgegend.(Zentralverband deutacher Maurer.) 133/18 I. A.: Wilh. F r i tz s ch._ Somldenwlttalischer Wahlverem für den 3. Derliner Relchslags-Wahlkreis. Mitgliedcv-Versammlnng am Dienstag, 2. August, abds. V28 Ilhr, in Habel'S Brauerci-Ansschank, Bergina» nstr. 5—7. 238/13 Tagcs-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über:„Welches ist die beste Form der Organisation für den Wahlverein?- 2. Sonstige Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimirt. 238/13_ Ter Borftand. SonaldemokraMer Muhlverein für den 4. Der!. Relchslagg-Mahlkreis Msst). Dienstag, den 2. August, abends 8V2 Uhr. im Lokale des Herrn Brüder, Waldemarftr. 75 s SS' Versammlung-WZ Tages-Ordirnng: 1. Fortsetzung der Dislussioit über den am 19. Jnli vom Genossen Kotzke gehaltenen Vortrag:„Wahlbetrachtungen". 2. Vereinsangelcge»- heite».[243/3* Zahlreiches Erscheinen aller Genossen ist dringend nothwendig. Neue Mitglieder werden ausgciioiiliiic»._ Der Vorstand. Die Mitglieder der 159b „Freien Volksbühne" zahlen im Zentral- mid Thalia- Theater für die Soiintag-llkachmittagS- Vorstellung am 31. Juli nur 50 Pf. für Logen und Fauteuil. Zur Dar- stcllimg gelaiigcn„Die Räuber", reip. „Kabale»nd Liebe", vle Direktion. (Zahlstelle Berlin.) Dienstag, den 2. August, abends 8 Uhr: UttkMtNsMmm-VersmmliW. Westen und Südwesten: bei-lahe». Li»»-»?.-, i««. Folgende Werkstätten sind eingeladen: Lcbrbder, Jcrilialemerstr. 66; Ivlrner, Lindenstr.75; UI«a«I u.l:o.,Steinmetzstr. 25: Scblrmer, Stcinmetzstr.23. Milsikillstrumenten-Ärbeiter }Nerk.Qia\t-Deleyirtenversammlung im Lokal des Herrn üünhell, Liudcnstrasje Nr. XOG. Tagesordnung: 1. Vortrag und Diskussion. 2. Branchen- und Werkstatt-Aiigelegenheiteii. 3. Verschiedciics.— Pflicht jeder Werkstatt ist es, einen Delcgirtcn zu entsenden. Mitgliedsbuch legitimirt._ 106b Arbeiter U.Arbeiterinnen Berlins. Montag, den 1. August, abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbcrgcrstr. 23 s Große öffentliche Versammlung der in Pappen-Fabriken und Lnuipensortir- Anstalten beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tagcs-Ordliuilg: 1. Die clciiden Lohn- und Arbeitsverhältnisse und sanitären Mißstände iu de» Pappenfabriken. Ref.: e. Sabumann. 2. Diskussion. 3. Verschiedencs. Arbeiter und Arbeitcriiiiicii! Ehrenpflicht mlib es für alle, die in oben genaiintcn Branchen beschäftigt find, sein, in dieser Versammlung zu erschcineii. MM- Die Chefs resp. Leiter der in Frage kommende» Fabriken sind zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen. 64/14 Her'Elnhernfer. MMg-MrslMiillW der Schneider u. Schneiderinnen am Dienstag, de» 2. August 1898, abends 8'/, Uhr, in den Arrnlnhallen, Koinmaudantenstr. 29.[162/9 Tageö-Ordnililg: 1. Dortraa:„Welche Vortheile kann imS die gewerkichastliche Organi- sation bringen?" Referciit: Kollege Bahn. 2. Diskussion. 3. Die Stichwahl in der 8. Wahlabthciliing zwischen 0b>a-3r«Gla» uud Ha;ifo-Cörlitz. Uiit zahlreiches Erscheinen ersuchen__ Die Bevollmächtigten. Achtung! Mitglieder d. Ortskrankenkaffc für Schneider und Schneiderinnen. Goffe»»kl. Versmumlima am 1. Anzust er., abends S1/* Nhr, in der„Berliner Ressource", Komiiiandantenstr. 57. Tagcs-Ordnnng: 1. Die Machinatioiien des Vorstandes den Delegirten zur Gclicraloersaiiiiiiluiig gegenüber. 3. Verschiedenes.., Der wichtigen Tagesordmiiig wegen ist das Erscheiiien aller Mitglieder nothwendig._ Ple Dreizehner Kommission. Mitgliedern bezw. dcii 2. Freie AcrztcwaHl. �(164/4 Brauerei- und Bierverlags- Hllfsarbeiter! Dienstag, den 2. Angust 1898, abends 8 Uhr, im Bngllsehen _ Garten, Alexanderstr. 27 c: Gebteral- Versanmtlnng T a g e s- O r d ii u n g: 1. Bericht des Vorstandes, des KassirerS uud der Revisoren. 2. Ren- Wahl des Gesammt-Vorslaildes. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung pünltlich zu erschciiicu, da Anträge zum Zciitralvcrband der deutschen Brauer zur Ab- stiiilinuiig koniuien. Oer Vorstand. Die Zahlstellen des Vereins sind folgende:[41/6 I. Richard Schüler, Pallisadenstr. 81. 2. Robert Schee re, Bluineiistr. 38. 3. W i l h c l in S ch o n c, Heinersdorferstr. 8. 4. R i ch a r d Stripp, Prinzen-Ailee 17. 5. A l b. B c n d l i n, Ripdorf, Herniannplatz 7. 6. Ed. Dorre, Charlotteuburg, Kriimincstr. 19. 7. Louis Bc.rtels, Riippincrstr. 49. 8. Obst, Schöneberg, Gruueivaldstr. 110. 9. G n st a v Abel, Spandau, Pichelsdorserstr. 91. 10. August B a g e m ii h l, Frank- furtcr Allee 52. Achtung! I Achtung! Mittwoch, den 3. August 1898, adcnd»«'/z Uhr, im Saale„Königshost', Biilowstr. 37: Erste Wander-Versammlung der Putzer Berlins lmd der Umgegend. Tages-Ordnung: Bericht der Lohnlommission über die gegenwärtige Lage und Anträge . derselbe». IUus zahlreiches Erscheinen, besonders der Kollegen auS dem Westen, ersucht 133/1? Ole liohnkoniinlssion. Zeiltrill-Krililte»- n. Elerbe- mjse der Tischler«. s. w. Oertliche Verwaltung Berlin B. Montag, den 1. August 1898, abends 8 Uhr: MMtr-Bttsmillliing bei Möhring. Admiralstr. 18e. „Märkischer Hos". Tagesordnung: 1. Abrechnung vom II. Quartal 1898. 2. Die Berliner Rettungs-Gesellschaft. 3. Berschiedene Kassenangelegcnhcitcn. 181/10 Die Ortsverwaltung. Zeiltral-Kmkelt- 11. Tterbe- kasse der Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter (Vem'altnng Berlin E). Montag, den I. Aiigust 4898, abends 8 Uhr, bei Bergiiiann, Pasewalkerstr. 3: IVIitglieller-VersAmnilling. Tages- Ordnung: 1. Abrechiliiug vom 2. Quartal 1898. 2. Innere Kassenangclcgenheiten. SprechsNinoe findet an diesem Abend nicht statt. �M>(S 183/3 Mitgliedsbuch legitimirt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltnng. ztiltrul-Arliiikeil- ii. Sterte» küsse her Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter. Eingeschr. HilfSkasse Nr. 3(Hamburg). Berlin G. Mitglieher-VersümiiilW. Montag, den 1. August, abends 8 Uhr, bei IVlIke, NndreaSstraße 26. T a g c s- O r d n u Ii g: 1. Kassenbericht vom II. Quartal. 2. Versdiicdenes. 184/14 Mitgliedsbuch legitimirt. Die Sprechstulideu fallen an diesem Abend auS. Beiträge werden in der Ver- sammlung vom Kassirer entgegen- gciioiiiineii. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltnng. Zeiitrül-Arailkeii-mid Sterbe- Kasse her Tischler k. (Oertliche Vcrwnltsang Berlin H.) Mitslieher-Lersüiimliag am Montag, den I. Anglist 1898, abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Tolksdorf, Görlitzerstr. 53. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1898; 2. Verschiedenes. KV" Die säumige» Mitglieder werden auf§ 7 Ziff. 1 besonders aufmerksam gemacht. 184/15 ?)iitgltedSbnch legitimirt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltnng. Kraiikeil-NiiterstübuiiB-«»d Bepbinsi-tenl der Bau- n. gewerblichen Ililfsarbcitcr Berlins. Laut Beschluß der Gencralvcrsainm- liing vom 17. Juli den Mitglicdem zur Nachricht, daß der Beitrag vom l. Aug. dieses Jahr, ab auf 1 50 M. erhöht ist. Zahltag jeden Sonntag »ach dem l., vormittags 10—12 Uhr, beim Genossen Erbe, Ciwrystr. 25, und jeden Sonntag nach dem 15. im Lokal Kozorofsk;»', Langest r. 65. Neue Mitglieder werden daselbst in der Zeit vom Reiidanten Herrn Xoedlng aufgeiiommen. 32/14_ Ter Vorstand. Ich erkläre hiermit eine Acuße- rung, wodurch die Sozialdemokratie herabgesetzt oder beleidigt werden sollte, von dem Herrn Georg Schneider iiiZchlendorf b. Teltow, Stehbierhalle, weder gehört zu haben, noch darüber etwas gegen irgend jemand geäußert. Die darauf beziig- lichcii Siachrichtcii sind mithin aus der Luit gegrisfen. 141b Belnh.>Id Kreischcr. Georg Schneider. 1. Berliner Lehranstalt für Elektrotechnik. In den neuen Lehrjälen Oranien- straaae 51, Qnergcbäude III. und IV. Etage beginnen neue Abend- luric. 56721.* MM- Gewissenhafter und leicht faßlicher Unterricht."WG Anmeldungen sowie Auskiinst wird cttheilt abeudS 7—8 Uhr, Sonntags 10-12 Uhr. Die Direktivn. Soilaldemoliratischcr Walilverein f. den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis (SUd-Ost.) Todes-Anzeige. ®eii Mitgliedern die traurige Nach. licht, das; das Mitglied, der Expedient am Freitag, den 29. Juli, plötzlich verstürben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Eminaus-Kirchhoses statt. Um rege Betheiligung ersucht 243/4 Ter Borstaud. Todeö-Anzeige. Am 29. Juli, nachui. 2V- Uhr ver- schied nach kurzem Leiden unser braver Genosse der Expedient 229b Carl Pagel. In Rechtlichkeit und Ausopferung der Besten einer. Die Beerdigung findet am Montag, den 1. August, nachm. 4 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Lese- und TiSkutirNnb _»Gleiches Recht«._ Todes-Zlnzeige. Allen Freunden und Bekannten hier- durch die traurige Nachricht, daß unser werther Kollege und Mitarbeiter, der Expedient 228b Osrl aui Freitag, den 29. Juli, nachmittags 2V2 Uhr. plötzlich gestorben ist. Die Beerdigung findet Montag, den 1. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofes aus statt. Die Kollegen und Mitarbeiter der Firma 8. Gehrs u. Co., Wienerstr. 36a._ Am Donnerstag, den 28. Juli, verschied nach langem Leiden unser lieber Kollege, der Buch- drucker-Jnvalide ! Carl Hülmer im 71. Lebensjahre.[5673L1 Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag ö Uhr von der Leichenhalle des Neuen Louisenstädtischen Kirchhofes in Rixdorf, Herrulannstrasse, aus statt. � Die Mitglieder der Buchdruekerel H. S. Hermann. ToilkS-AMigt. Den Mitgliedern des Zentral- Verbandes der Maurer Deutsch- lauds, Zahlstelle Charlottenburg. zur Nachricht, daß der Kollege KsH Stollfuss am Donnerstag, den 28. Juli, verstorben ist. 1ZS/4 Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 31. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Luifen-Kirch- hofcS, Fiirstenbrunner- Weg Westend, statt. Um zahlreiches Erschemen bittet Die örtliche Verwaltung. Tresspunkt ZV, Uhr bei Leder, Bismarckstr. 74. Danksagung. Für die herzliche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uuscres guten Vaters, des Tischlers »Ivdrlcii mtllcr sagen wir allen Freunden sowie Ge- nassen und Kollegen der Kießling- schen Werkstatt unseren herzlichsten Dank. 220b Johanna Müller nebst Kindern. Die Beleidigung gegen den Rauch- klub„Immergrün" vom IS. Juli cr. nehme hiermit zurück. Rauprecbt. Staare. j. z.anl., Drosseln, Waldvögel billig, Frettchen, Netze, Maulkörbe, Sche!- lenbänder.2ch»elle,Berl.,Koppenstr.6<) Der f Tod ist ohne Gnade sicher allen Wan- zen sammt deren Brut durch das sofort sicher tödtende„Coucen- trirte Wa»zen-Fluid"(gef. ge- schützt) in Flaschen zn 80 Pf., Mk. 1,00, 2,00, 3,00 und Literflasche Mk. 3,00. Spritz- Apparat 30 Pf. Verhindert dauernd jede Wiederkehr, durch- dringt Tapeten und Stoffe und zerstört alle Nester bis auf den letzten Rest. Hinterläßt nirgends Flecke. Ist völlig geruchlos und nicht feuergefährlich. Der Teufel holt auf der Stelle alle Sckwa- ben mitsammt der ganzen Brut bei der geringsten Berührung mit „Poubre Martial«(ges.gesch.) in Packetcn zu 80 Pf., Mk. 1,00, 2,00 und das Pfund Mk. 4,00. Tödtet wie kein zweites Mittel absolut sicher. Einzig mögliche Ausrottung und totale Vernichtung. Garan- tie für radikalen Erfolg! 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Infolge dessen erlaube ich mir hierdurch nochmals bekannt zu machen, daß ich bei meinem Brcslaner BSeizenbier kein Saccharin, sondern nur den feinsten Raffinadezucker. sowie daS beste Malz und den edelsten Hopfen verwende. Meinen ver- ehrten Kunden liefere ich daher ein reelles und wirklich nahrhaftes Bier; das kleinste Faß, die JA, Tonne, mit 8 Ltr. Inhalt und nur in der Brauerei gefüllt, für M. 1,10 frei ins Haus. Auch in Flaschen zu 10 Pf. sende ich mein Breslauer Weizenbier nach allen Gegenden Berlins und literweise ist dasselbe vormittags von 6—12 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 7—10 Uhr in meiner Brauerei und in meiner Filiale. Sellerftr. 33 am Wedding, zu haben.— Pro Liter 15 l*f.— Fässer und Flaschen sind mit meiner Finna versehen, worauf ich noch besonders zu achten bitte. 5647L* Jkugu�t Weriu, Brauereibesitzer, 39 Zionskirchntr. 89. teppdecken kauft man am besten und billigsten nur direkt in der Fabrik W. 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Druck und Verlag von Aiax Babing in Berlin JIt. 177. 15. laljtpiij. cilngt kü„Mmiitls" Kttlim AcksdlÄ. Zoiililaz, 51. 1«li 18S8. Dio erste deukfstze Tiefsec-Expedikion. Nm Montag, dcn 1. August, soll die erste deutsche Ticfsee-Expedition von Haniburg aus aus dem zu dicscni Zwecke gecharterten Dampfer „Baldivia" der Hamburg-Amerika-Linie in See gehen. Die Expedition steht unter Leitung des Professors C h u n- Leipzig. Zugleich mit ihm werden sich die Privatdozcnten der Zoologie Dr. zur S t r a sse n- Leipzig, Dr. Banhöeffen und Dr. A p st c i n- Kiel, Dr. Braun- Breslau und Dr. Brauer- Marburg ein- schiffen. Als Botaniker schliefft sich Professor Dr. S ch i m p e r- Breslau, als Ozcanograph Dr. Schott von der Sccwarte in Hainburg, als Chemiker Dr. Paul Schmidt- Leipzig, als Bakteriologe und Schiffsarzt Dr. Bach- m a n n- Breslau und als Photograph und Zeichner Winter- Frankfurt an. Das gesammte für die Reise erforderliche Karteumaterial hat das Neichs-Marine-Arnt durch die Kieler StaatSwerft zur Berfügung gestellt. Die meteorologischen und nautischen Instrumente wurden vor der Anbordnahme von der deutschen Seewarte in Hamburg eingehend auf ihre Genauigkeit geprüft. Außer den Bei« booteir hat die„Valdivia" ein amerikanisches Fischerboot, eine der Kriegsmarine gehörige Dampfpinasse und ein völlig auSgeriistetes Wal« boot an Bord genommen. Die Führung der „Valdivia" für die Reise hat die Hamb.-Amerik.- Gesellschaft ihrem bewährten Kapitän Krech über« tragen, der sich von den Offizierl schaft die Herren Brunswig, May ijer und Hoppe für den Schiffsstab ausgesucht hat. Auf dem Achterdeck des Schiffes ist der ehemalige Rauch- salon in ein Laboratorium umgebaut worden, in dem von den zwölf gelehrten Theilnehmern der Fahrt mindestens sechs gleichzeitig arbeiten und mikroskopische Untersuchungen ausführen können. Dr. Bachmann- Breslau hat als Bakteriologe gleichzeitig für die Dauer der Reise den Dienst des Schiffsarztes übernommen. In dem Kapitän Sachse von der Harnburi Amerika-Linie hat die„Valdivia" auf� Wulff der deutschen Seewarte einen besonderen Navigationsoffizier erhalten.. Sechs_ wasserdichte Schotten thcilen die„Valdivia" in sieben getrennte Räume, so daß auf die Schwimm- sähigkeit des Schiffes in weitgehendem Maße Bedacht genommen wurde. Zur Erfassung der ozranographischen Verhältnisse werden Tieffce- lothungen, Temperaturmessungen in der Tiefe, Untersuchungen des Salzgehaltes des Wassers in der Tiefe und der im Meerwaffer ent- haltcncn Gase ausgeführt werden. Ferner werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit photographische Aufnahmen von Küstenstrichen zu nautischen Zwecken, Beachtungen der Wellenformen, Untersuchungen über die Farbe des Mcerwassers und die Durch- sichtigkeit, Feststellungen über die Strömungen und sonstige meteorologische Erscheinungen geplant. Der Plan, den Profesior Chun der- folgt, ist folgender: Vor allem soll der indische Ozean, der von dcn letzten Expeditionen, besonders von der Challcnger-Expedition aarnicht berührt wurde, erforscht werden, sodann die heißen und kalten Strömungen der Meere, die südlich vom Kap der guten Hoff- nung zusammentreffen. Es ist nämlich sicher anzunehmen, daß an dieser Stelle infolge der Temperaturunterschiede ein massenhaftes Sterben der von den Strömungen mitgeführten Geschöpfe stattfindet und daß sich dann auf dem Boden der' Tiefsce an dieser Stelle eine kolossal reiche Thierwelt ausgebildet hat, die von der nieder- rieselnden Nahrung, der organischen Substanz von den tobten Thieren, lebt. Ueber den geplanten Verlauf der Fahrt der Expeditton giebt unsere beistehende statte Aufschluß(siehe die Zeichenerklärung oben rechts). Danach geht die Fahtt von Hamburg aus clbabwärts und dam: durch die Nordsee nördlich nach dcn Farörinseln, weiter an der englischen Küste entlang bis nach Teneriffa auf den Kanari- schen Inseln, welches angelaufen wird. Bei den Kap Verdischen Inseln vorbei geht die Fahtt nach Kamerun- wo ebenfalls kürzere Zeit gerastet wird. Von dort beabsichttgt man in einem großen Bogen durch den Ozean nach der K o n g o m ü n d u n g zu fahren, wo der Einfluß einer großen Stroni- mündung auf das Verhalten des OzcanS in bezug auf biologische und ozeanographische Fragen untersucht werden soll. Von dort geht die Expedition nach der W a l f i s ch b a i zur Prüfung der dortigen Fischercivcrhältnisse. Nach- dem zuletzt noch K a p st a d t angelaufen ist, wird die Expedition in ihr eigentliches Arbeits- gebiet eintreten, in welchem' sie viele Monate verbleiben wird. Das Schiff dttngt hierbei in das südliche Eismeer so weit vor, als es die immer wechselnden Verhältnisse der Eisgrenze gestatten, da das Packeis jedenfalls für das Vordringen des Schiffes die Grenze bilden wird. Aus den kalten Gewässern nimmt das Schiff seinen Lauf im Ivetten Bogen durch die Mitte des i n d i- schen Ozeans über die Richtung des mitten im Ozean verlassen gelegenen EilandeS Neu- Amsterdam, und bei der K o k o s i n s e l vorbei nach Sumatra und dann weiter nach Ceylon, Von hier wendet sich das Schiff südlich, überschreitet wiederum den Aeguator und setzt seinen südlichen Lauf bis zu den Chagosinseln fort, von wo es über die Seychellen und Amiranten nach Dar- eS-Salaam fährt, um die dorttgen deutschen Kolonien zu besuchen. Von dott beginnt die Rückreise über Aden, durch dcn Suez- kanal, die Meerenge von Gibraltar nach Hamburg. Mit dieser' ersten deutschen Ticfsee- Expedition ttttt Deutschland in die Reihe der- jenigen Staaten ein, die bisher ozeanographische Forschungen im großen Maßstabe ausgeführt haben. Von deutschen marittmen Expeditionen waren bisher folgende, die anderen Zwecken dienten, zu verzeichnen: 1830—31 die Welt- umsegelung mit dem Schiff„Prinzeß Luise", 1868 Nordpol- Expedition des Segelschiffs „Germania", 1869— 70 Nordpol-Expedition der „Hansa" und„Germania", 1871—72 wissen- schaftliche Expeditton der„Pommerania" zur Erforschung der deutschen Meere, 1874— 76 Weltumsegelung der„Gazelle", 1881—84 Er- forschungS- und Vernieffungsfahttcn des Kanonenbootes„Drache" in der Nordsee, 188S— 87 Expedition des Dampfers„Holsatia" in Ost- und Nordsee, 1887 das gleiche seitens der„Niobe" und 1889 Plankton- Expedition deS Dampfers„National" im Atlantischen Ozean. Von der gegenwärtigen Expedition ist mit Sicherheit zu er- Watten, daß sie für dcn Theil der Wissenschaft, der an ihr betheiligt ist, außerordentlich werthvoll sein wird, vor allem wird die Zoologie auf Jahre hinaus die vorttefflichste Anregung und Be- schäftigung durch die Ergebnisse der Expeditton erfahren, wenn auch noch viele Jahre vergehen werden, ehe das ganze Matena! be- arbeitet ist und dann erst ein Ueberblick über den Gewinn möglich sein wird. Sur de» Inhalt der Inserate berniinint die Rcdattio» dein Publikum gcaennbcr keinerlei Perantwortnng._ Tlzetttev. den 31. Juli. Theater(Kroll). Sonntag, Neues Opern------. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Montag: Carmen. Nesidenz. Abschiedssouper. Hieraus: Momentaufnahmen. Anfang 7-/, Uhr. Montag: Momentaufnahmen. Frage an das Schicksal. Neues. Der Unterpräsett. Vorher: Im Neglige. Ansang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Martha oder: Der Mar» zu Richmond. Ansang 1lk Uhr. Montag: Pergolesi. Friedrich- WilheluistSdiisches. 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