Abonnements •ir>fn brm ürrlog und defl«» b»tu»nle» A g« x« r» eutgrgru- >-uommnn, und>wdr zum d»rau»»ahlbar«« v�rUljuhrtprii! von: V!I.<<« siir Drutltlond ld>r,N Vir Vries-Eouvi!» inp. l,;s siir Cfflftrtii stirelt per J-riff-ttouHttl) Sdill. S,— siir al« übrigra LZndir de» Writpoflvereint(«reujbondi. Ziseritt dir drcigrsoaUe: e PriiiirUe I Prar«---> 25 Pf».--- S« dtl. Der oiiatDcinolira Hrgan der Soziatdemokraiie deutscher Zunge. Erscheint wöchontltch« i» m a l i» London. Mrrkag der (Z erm»n Voopornti vs?udtt,d!ax Co. E. Bernstain& Co., London N. W. 114 Keutish Town Road. fcBffuiuujfii frank« gegen frank». Gewöhnliche Briefe nach England toflen Doppelporto, Jk 26. Briefe an die«edaktio»»nd Srpedition de» In Deulfchland und Oesterreich verbotenen.Eogialdemokrai'«oll« man unter Beobachtung öust erster Vorsicht abgehe» laffen. Zu der Regel schicke man uns die Briese nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadreffen. Zn>w»lselh»stln Fällen eingeschrieben. 29. Juni 1889. Parteigenossen! Vergebt der Verfolgten nnd Gemahregelten nicht! Zur rechtzeitigen Kenntnisnahme. Bei Quartalschluß müssen sämmtliche Bricfabonnelnents vorausbezahlt sein. Velastungen auf Conto-Jnhaber finden also nicht statt. Allen Bestellungen auf direkte oder indirekte Brieflieferung ist ohne jede Ausnahme die volle Vaarzahlung beizulegen. Die direkten Briefabonnements sind, sofern nicht auf Grund besonderer Verhältnisse Ausnahmen vereinbart sind oder werden, für's laufende Jahr vorauözu- Zahlen. Alle nicht ausdrücklich wiederbestellten Brief-Abon- nements werden gesperrt. Ersatz für V e r s a n d t v e r l u st e liefem wir mir gegen Einsendung des Porto bei Reklamationen. Wo anderweitige Bezugsgelegenheit geboten ist, sind Brief- Abonnements unzulässig. Einzcln-Ztrcuzband-Sendttttgcn ins Ausland sperren wir mit Ouartalschluß, wenn Neubestellung und Geld bis dahin ausbleiben. Wie EipeMlion des.Lsnaldemolirat". Privat-Eigcnthnm. Unsere Leser werden von dem grauenhaften Unglücksfall gelesen haben, von dm am 31. Mai der größte Tbeil des Eonemaugh ThaleS im westlichen Pennsylvanien heimgesucht wurde. Eine blühende Stadt und eine ganze Anzahl kleinerer, aber nicht minder blühender Gemeiinvesen sind ein Opfer der Fluthen geworden, welche von dem Gebirge her in uner- westlichen Massen und mit elementarer Gewalt das Thal hinabstürzten, alles überschwemniend, was sie nur an Menschen- werk in ihrem Wege antrafen. Mehr als fünftausend Menschenleben sind vernichtet, von dem Verlust an beweglichen und unbeweglichen Erzeugnissen menschlicher Arbeit gar nicht zu reden. Diese entsetzliche Katastrophe nun, deren Schilderung Eüiem das Blut in den Adern gerinnen macht, ist keineswegs ein bloßes Werk„blindwüthender Naturgewalten". Wohl war es ohne Menschenzuchun, ohne Menschenschklld geschehen, daß sich in den Zuflüssen des Flusses, der das Thal durchzieht, außergewöhnliche große Wassermassen angesainnielt hatten, aber nun und nimmer hätten dieselben so großes Unglück verursachen können, wenn nicht sträflicher Leichtsinn, ver- brecherische Gewissenlosigkeit eine Lage geschassen hätten, welche ihre elementare Gewalt verzehnfachten, verhundertfachten. Hoch über der Stadt befindet sich ein künstlicher See, seiner Zeit errichtet, um einen das Thal durchziehenden Kanal zu speisen. So lange er diesem gemeinnützigen Zwecke diente, war der Damm, der ihn einschloß, stets in gutem Zustande gewesen, seine Stärke entsprach seiner Ausgabe. Es war durch die im unteren Theile des Wallwerkes angebrachten Schleusenthore für genügenden Abfluß im Falle stärkeren Druckes der Wassermassen gesorgt. Aber der Kanal verlor allmählich jede Bedeutung, als das Thal genügende Eisenbahn- Verbindung hatte, und lange Jahre blieb das Eonemaugh- Beckeil unbenutzt. Da pachteten es vor fünf Jahren jnne Aizahl Pittsburger Geldprotzen, die sich als„Süd-Fork fsischerei-Klub" eintragen ließen, um darin werthvolle Fischarten sbr ihre Sportzwecke zn züchten. Sie ließen den Damm„aus- bessern",— aber nicht etwa mit Rücksicht auf die unten im Schale lebende und schaffende Bevölkerung, sondern einzig und allein in Hinblick aus ihre Privatzwecke. Jede Oeffnung iin Damm wurde verbarrikadirt, damit die„mit so großen Kosten im Becken gezüchtetm theuren Fische" ihren Angelhaken '"cht entwischen könnten. Keine Ersatz schleuse wurde wustruirt, uin eventuell überschüssigem Wasser freien Abfluß geben; dazu bot sich nur eine Möglichkeit: derAu Stritt b e r d e n D a m m. Die einfachste Ueberlegung mußte lreilich sagen, daß, wenn das Wasser erst so hoch stand, daß � überfließen mußte— nämlich 7V Fuß hoch bei 700 bis �000 Fuß in der Länge, dann der Druck auf die Gesanimt- fläche des Dammes ein gewaltiger sein mußte; wiederholt wachten Jngeineure auf die dadurch herbeigelenkte Gefahr "usnierksam, wiederholt zeigten sich bei starkem Regenfall die bcutlichsten Anzeichen derselben, aber— der Klub fand sich "'cht bewogen, Aenderung eintreten zu lassen.„Ist es so lange «egangen, geht es auch weiter. U n s e r e n Zwecken genügt der Damm, und w i r haben weder Anlaß noch Lust uns anderer Leute wegen in Unkosteir zu stürzen." Und als vor drei Jahren ein Leck im Damm sich zeigte, ward es mit Stroh und Lehm verstopft und das Ganze mit losen Steinen be- deckt. Das hält eine Zeitlang, und„nach uns die Sintfluth". Und die„Sintfluth" kam, freilich früher als der Klub es geglaubt, wie denn jede Sintfluth früher einzutreten pflegt, als sie erwartet oder befürchtet wird. Als die Frithjahrssonne den Schnee von den Bergen wegschmolz, staute der See und eüies Tages barst der Damm. Mit welch verheerenden Folgen haben wir oben berichtet. Das bis dahin so belebte, von fröh- lichen Menschen bewohnte Conemaugh-Thal ist verödet. Ver- ödet ist auch der Platz, da die vornehmen Herren des Süd- Fork-Fischerei-Klub ihrem lustigen Sport gehuldigt. Aber noch immer steht, wie die Zeitungen berichten, ein P f a h l dort mit einer Anschlagtafel, auf der Folgendes zu lesen ist: „P r i D a t- E i g e n t h il m." „Wer auf diesem Grund und Boden beim Fischen oder Jagen be- troffen, wird gerichtlich verfolgt werden." „P r i v a t- E i g e n t h ii in." „Fischen und Jagen auf diesem Grunde sind bei Gesctzslrafe von 100 Dollars verboten." „Süd-Fork-Fischerei- und Jagd-Klub." Privat-Eigenthum, ja wohl das war der See, und weil er Privat-Eigenthum war, darum ward er zum Ver- derben für die armen Bewohner des Thales. So lange er Staats-Eigenthum war, den Zwecken der Gesammtheit diente, hatten die Behörden darüber gemacht, daß das Wasser sich nie über fünfzig Fuß hoch erhob, aber die reichen und weil sie reich sind, einflußreichen Herren des Fischerei-Klubs, hatten es durchgesetzt, daß sich nie weniger als 65 bis 70 Fuß Wasser im Teich befanden. Privat-Eigenthum— das Wort an dieser Unglücks- stätte ist ein Symbol, dessen Bedeutung selbst dem Auge des Blödesten klar werden muß. Hier die Tafel und dort— die Grauen der Vernichwng, iver kann sich dem Eindruck dieser Gegenüberstellung entziehen? P r i v a t- E i g e n t b u m— das Wort bedeutet Eigennutz, Betrug, Diebstahl, Raub, es bedeutet muthwilliges Preisgeben des Leben des Nächsten, es bedeutet fahrlässigen, es bedeutet, bewußten Massenmord.„Boden- loser Leichtsinn," das ist das mildeste Wort, welches die In- genieure jetzt über die Art, wie der Damm hergerichtet und betrieben wurde, fällen, und es steht fest, daß von Anbeginn ail P r o t e st e und immer wieder von Neuein gegen die frevel- haste Gefährdung des GesammtwohleS erhoben wurden, aber sie wurden überhört, sie blieben unberücksichtigt. Niemand wollte das„Privateigenthum" antasten. Es ist wahr, Ereignisse wie das von Johnstown, gehören zu den Seltenheiten, nicht jeden Tag zeitigt das Privateigen- thum solche Schrecken. Aber rechnet zusainmen, was es tagaus, tagein für Opfer an Menschenleben und Menschenglück fordert, wie viel Zerstörung es im Kleinen bringt, wie es hier die Ursache ist, daß ein Arbeiter in der Grilbe erstickt, dort ein anderer von den Dämpfen chemischer Substanzen vergiftet, ein Dritter von schlechtbeschützten Maschinen verstümmelt wird. Wie hier tausende aus den Miasmen verpesteter Miethshöhlen ewiges Siechthum einathmen, wie dort Tauseitde durch den Uebermnth einer Hand voll Spekulanten in Noth und Ver- zweiflung gejagt werden, rechnet das alles zusammen, und ihr erhaltet eine Summe, gegen die das Unglück im Eonemaugh Thal winzig nnd bedeutungslos erscheint. Freilich hat das Privateigenthum auch sein„Haben", es hieße die Dinge auf den Kopf stellen, wollte man nur Uebel auf seiner Seite, nur Vorzüge auf Seiten deö Staatseigen- thums, der Staats-Verwaltung erblicken. Das Privat-Eigenthum hat in der Daner seiner Herrschaft dem Fortschritt der Mensch- heit große Dienste geleistet, und wie der Staat heute be- schaffen ist, als Klasienstaat, als Staat der Eigenthums- Gesellschaft, bietet er nur sehr geringe Garantien gegen die Mißbräuche, die dieser eigenthümlich sind. Wäre dem nicht so, die Staats-Aussicht hätte die Sicherheitsmaßregeln erzwingen müssen, welche den„Privat-Eigenthümern" des Conemaugh-See's vom Standpunkt ihres Interesses als über- flüssig erschienen. Aber sträfliche Rücksichtslosigkeit hüben und drüben— das Privateigenthum herrscht, und seine All- Herrschast ist das Uebel. In diesem speziellen Falle hat übrigens auch sonst die Privatwirthschaft bedeutendes Fiasko gemacht, so daß z. B. die RettungS- und Bergungs-Arbeiten im Ueberschwemmungsdistrikt aus den Händen der Privatkomites in die des Staates gelegt werden mußten. Und dieser Staat seinerseits fing mit einer Maßregel an, die seinen kapitalistischen Charakter ins hellste Licht stellt. Er setzte den Lohn für die Arbeiter, die die ecklich-widerliche, gesundheitsschädliche Arbeit in dem von ver- mesenden Leichen übersäeten-Thal zu verrichten hatten, um einen halben Dollar pro Mann herab und verursachte an der Stätte des Unglücks einen— Streik. Ebenso schofel benahm sich die Verwaltung des großen Eisenwerks im Thal, welche das Unglück als Vorwand nahm, ihren Arbeitern den seit Wochen schuldigen, und gerade für den Tag der Kata- Atrophe zugesagten Lohn nicht auszuzahlen, blos um dieselben zu zwingen, am Ort zu bleiben, statt sich anderwärts nach Arbeit umzusehe». Wären die Arbeiter nicht von anderer Seite unterstützt worden, sie hätten verhungern müssen— im Interesse des Privat-Eigenthums. Was die Gesammt-Wirthschaft oder besser die o r g a n i s i r t e Arbeit vermag, das hat, weil es sich um ihr Interesse handelte, in jenen Tagen die Verwaltung der Pennsyl- v a n i a- E i s e n b a h n gezeigt. Das„Philad. Tagebl." schreibt hierüber: „Die Zerstörungen, welche die Finthen an den Linien derselben her- beigefnhrt, waren unfaßbar. Alle ihre Verbindungen mir dein Westen nnd Süden waren mit einem Schlage durchschnitten. Von all den Hunderten von Brücken nnd Viadukten in den Alleghanies war kaum eine einzige unversehrt geblieben, dagegen Niesenbanten, wie die Snsque- Hanna-Brückc bei Williamsport fast total weggeschwemmt. Viele Meilen vom Bahnbctt waren gänzlich verschwunden.... Und nun: während man es nach dem eigenen Geständnis der dirigirenden Personen in Johnstown in zehn Tagen höchstens so weit gebracht hat, ein Zehntel der Trümmer abzuräumen, wobei man zu einer Arbeiterschaft von drei- bis sechstausend ein Regiment Milizen, 500 Hilfs-Scheriffs, eine Ab- theilnng Spczial-Polizisten ans Pittsburg, 16, sage sechzehn verschiedene Komitees gebrauchte, während dort ein schauderhaftes Durcheinander herrschte, bei dem kaum etwas zn Stande kam, und Hundertc von „Schlachtenbummlern" den Weg versperrten und die Liebesgaben auf- zehrten, vollzog sich die Wiederherstellung der Pcnnsylvania-Eisenbahn mit D a ni p f g e s ch w i n d t g k e i t und in schönster O r d n n n g. „Im C e n t r u m stand der Präsident, ein praktischer Ingenieur; uni ihn her die Abthcilungs-Chefs, die Verwalter der verschiedenen Magazine und Materialien. Sobald nur erst der Bahntelegraph in Ordnung gebracht war, ging die Organisation wie am Schnürchen. Die Divisions-Ehcfs rapportirten die Schäden; der Bedarf an Mate- rialien und Mannschaften war danach sofort festzustellen. Die Ver- Walter wußten genau, wo alles zn finden sei: die Betriebsleiter hatten den Plan der Beförderung sozusagen im kleinen Finger. Da wurden nicht unilöthig Mannschaften oder Material an Plätze verschickt, wo man sie nicht brauchte, und es fehlte nicht am Nothwendigen. Der Telegraph spielte unaufhörlich; Rapporte und Anweisungen kamen und gingen. Der Präsident war vier Tage nnd vier Nächte auf seinem Polten, bis die Hauptsache gethan war. Der Vize-Präsidcnt aber fuhr beim Eintreffen der ersten Nachricht von den Verwüstungen hinaus und dirigirte die Arbeiten am wichtig- sten Punkte. Da heißt es zum Beispiel:„Vize-Präsident Thomjcn kam mit tausend Zimmerlenten in Pnllman-Schlafwagcn an. Hinterher kamen zehn Züge mit Holz. Tausend Mann waren bereits vom Westm her am Platze und begrüßten die Neuankömnilinge mit Hnrrah. Eine hölzerne Brücke von drei Meilen Länge wurden binnen zwei Tagen ge- baut." Und der Mann trat nicht als hochfahrender Diktator nnd Be- fchlshaber, sondern einfach als leitender Kamerad seiner Mannschaft auf. „Es ist überraschend",— so berichtet ein Korrespondent von der Montgomerybrückc bei Williamsport—„es ist überraschend zu finden, daß die Leute, welche die gewöhnliche Arbeit in der Wieder- Herstellung von Brücken nnd Geleisen verrichten, nicht b l o ß„H ä n d e" oder menschliche Maschinerie sind. Das Graben oder Herbcifahren geschieht oft von Leuten, die nur Muskel sind, meistens Ausländer, aber selbst bei diesen arbeiten hunderte von Hacken nnd Schaufeln mit einem Takt und einer Energie, welche verrathen, daß sie von einem ent- schlosscnen Willen beherrscht sind. Das eigentliche Wirk des Rendaue» einer Eisenbahn wird von Handwerkern verrichtet, die die Situation erfassen, sich zu helfen wissen und mit vollstäudiger Sicherheit an das Werk gehen und es übersehe». Die Divisions-Ausseher und höheren Beamten schreien und fluchen nicht ans ihre Leute hinein. Sie stehen mit ihnen auf gleichem Fuß, werden beim Namen gerufen, thcilen mit ihnen dicselbeVerpflegung und dieselbe Gefahr. Diese Arbeiter find meistens Männer mit Familien, verrichten gute Arbeit, werden a n st ä n d i g bezahlt und w i e N! ä ii n n e r behandelt. Die Energie und der M u t h dieser Arbeiter und Beamten, ivelche in der kürzesten Zeit den abge- schlosseneu Ortschaften Hülfe brachten, war das e r h c b c n d st e S ch a u- spiel, das diese Flnth Herbeigeführt hat." Es war, wir wiederholen es, das Schauspiel organisirter Arbeit— hier noch im jJnteresse eines Privat-Unter- nehmerö geleitet, aber in sich schon den Keim bergend der im Interesse der Gesa m in t h e i t organisirten Arbeit. Diese wird noch viel großartigere Leistniigen verrichten, und sie wird einen Fehler los sein, der heute allen kapitalistischen Unter- nehmungen anhaftet: den des S p a r e n s zum Schaden der Allgemeinheit. Die Sintfluth, welche durch das Verbrechen des Fischerei- Klubs herbeigeführt worden, hat den Mitgliedern desselben außer der Demolirüng einiger ihrer Villen keinen Schaden zugefügt— sie gehen frei aus, während mehr als fünftausend Menschen fürAndrerGewissenlosigkeit mit dem Tode büße» müssen. Wann wird der Tag der großen Sintfluth kommen, welche die Herrschaft des kapitalistischen Eigenthnnis hinweg- schwemmt und für Millionen und Abermillionen die Aera der Freiheit, der Sicherheit und des Wohlstands.in der genossen- schaftlichen Arbeit eröffnet? Der rheinisch-VtstphäZische Scrgarbeiterstreik. Ein S t i ni m u n g« b i l d. Wir erhalten ans dem Strcikgebict folgende Zuschriften, die wir, weil sie, jede in ihrer Art, typisch sind für die unter de» dortigen Ar- beitern herrschende Stiininung, hiermit folgen lassen, und zwar, von rein rcdakiionellen Korrekturen abgesehen, unverändert. I. Essen, Mitte Juni 1889. Ueber die Ursachen und die Veranlassung des großen Bergarbeiter- streiks, der sich bei uns abgespielt hat, und der noch illlliier die öffent- »che Meinung beschäftigt, find zum Theil sehr alberne Ansichten zum Besten gegeben worden, wie überhaupt ein guter Theil des in dieser Hinsicht Geschriebenen als ein Wurf ins Alane bezeichnet werden kau». Die dm Bergleuten Fernstehenden können die Enkstehnng oder Ursache des Streiks gar nicht benrtheile», da ihnen das Verst mdiiiß für die bergmännische Lage gänzlich fehlt, aber selbst wer mit den Bergleuten in naher Fühlung stand, hätte diesen Streik nicht geahnt. Ja, sogar den Bergleuten selbst ist er unerwartet gekoinmen. Dic das Kapital- oder richtiger gesagt die Interessen der Kohle n- b a r o n e vertretende Presse suchte von vornherein die Anzettelung des Streiks bei einer Partei, und selbstverständlich wurde die sozial- demokratische als dic Schuldige auserkoren. Aber Angcsidits der in den Strcikversainiiilimgcn ausgebrachten Hoch's auf den Kaiser und der Bewilligung der Audienz beim Kaiser»lußte dies fallen gelassen werden; ebenso hatte niau mit dem Versuch, dic»Itramoutaue Presse als Ur- hcbcrin des Streiks hinzustellen, kein grosses Glück. Wer hat nun den Streik provozirt oder angezettelt? Wir glauben, selbst der cinzeluc Bergmann wird diese' Fragest nicht zu beantworte» tvisscu. Die Ursache dagegen ist leicht festzustellen: Auch der Berg- manu sucht wie jeder andere Mensch seine wirthschaftliche Lage aiifzu- bessern. Die allgemein von sänniitlichen streikenden Bergleuten ausge- stetlteu Fordcruugeu waren, abgesehen von Nebenforderungen, Per- kürzung der Arbeitszeit und in Berbiudnug damit eine ent- sprechende Lohnerhöhung. Wodurch ist den Leuten dic Noth- ivendigkeit derselben klar geworden? Durch dic zu große Ausbeutung der Arbeitskraft einestheils und die niedrigen Lohnsätze andcrntheils. Seit den« Niedergang der Kohlcnindustrie suchten die Zechenverival- tungc» allerlei Einrichtungen zu treffen, die dic Produktion zum Bor- theil der Zeche erhöhten, dagegen von den Bergleuten ihrerseits als ihnen nachtheilig angesehen wurden, welche Auffassung auch nicht be- stritten werden kann. Es wurde»ach Belieben die Arbeitszeit verlängert, es wurde serner nach Belieben der Zechen das Ucbcrarbeitungssystem(Ii e b e r s ch i ch t e n) so stark betrieben, daß ein grosser Theil der Leute sich gcnölhigt sah, Woche für Woche mehrere solcher Nebcrschichtcn zu»lachen, um nur zu einem Lohn zu konimen, der wenigstens das Allernothdürftigste zü be- schaffen ermöglichte. Je länger dies jedoch anhielt, um so klarer wurde nus Bergleuten, daß diese Ileberproduktio» uns keinen finanzielleil Bor- theil brachte, wohl aber für Leben und Gesundheit im höchsten Grade verderblich ivar. Dic Behandlung, ivclche die Bergleute jahraus, jahrein zu er- tragen hakten, hat unter denselben auch nicht wenig böses Blut gesetzt. Bei Weigerungen, für einen geringeren Lohn zu arbeiten, wurde die Abkehr erthcilt. Wollte Jemand die Ucbcrarbcit nicht mitmachen, drohte fast immer eine Strafe; ivcun Letztere auch nicht immer direkt erfolgte, so dann sicher indirekt. Biel Anlaß zur Unzufriedenheit gaben auch die Brutalitäten der Bcainten, was in den Streikversammlnngcn sehr oft von den Rednern betont wurde. Wenn ein Arbeiter eine Beschwerde gegen einen dicnstthuenden Beamten eingab, bekam er bei de» höher- stehenden Beamten in den wenigsten Fällen sein Recht und die Herren Direktoren oder Repräsentanten lassen sich in solchen Angelegenheiten selten spreche». Wie kann da den ivirklichcn Zcchcnbcsitzern bekannt sein, in welcher Lage sich die Arbeiter befinden. Diese Herren haben erst recht keine Fühlung mit ihren Arbeitern. Mußte ihnen da der Streik nicht ganz unerwartet komme»? Es wäre ja nicht zu viel verlangt, dass dic Herren es sich zur Gewohnheit machten, von Zeit zu Zeit sich persönlich um dic Lage der Arbeiter zn kümmern, von deren Schweiß und Blnt sie leben, anstatt die Verwaltungen nach Belieben schalten und tvaltcu zu lassen und dann glänzende Berichte über dic Lage der Arbeiter entgegenzimchnien. Aber kvemi diese Herren nur jedes Jahr viele Prozente an Dividenden einheimsen köniicu, dann fühlen sie sich behaglich»nd künimern sich deu Deufel nm die jammervollen Arbeitsbedingungen ihrer Arbeiter. So herrschen denn die Beamten nach Willkür. Und da wundert mau sich, wenn dic Leute von Jahr zu Jahr mehr sozialdemokratisch gesinnt werden. Glaube man ja nicht, dass der Arbeiter sich noch länger wie ein Thier behandeln lassen will! Je nachdem die Saat gesät wird, wird dic Frucht ausfällen. Konimen wir auf dic eigentliche Lohnbewegung, bezw. den Streik zurück. Es ist ein grosser Jvrthnm, anznuehmcu, der Streik sei augc- zettelt oder von„Aussen" in die Belvcgung hineingetragen. Lauge Jahre schon waren unter den Bergleuten Aewcgnngeu zu verzeichnen auf Reform der Knappschaftsverhältnisse entsprechend deu Abändcrnngen hcs Bcrsichernngswesens durch die sog. Sozialreforingcscvgebimg. Besonders zu dem Entwurf des Alters- lind Invaliden-VcrsorgnngsgesetzcS sind Petitionen abgesasst und in öffentlichen VcrsmmnlUNge» besprochen wor- den. So kam es denn, dass nachdem die Berichte der Lieserungsverträge und Kontraktabschlüsse bereits seit einem Jahr stets günstig für dic Zechen ansgefalleu, die Bergleute auch daran dachten, eine Lohnauf- besserung anzustreben. Kaum aber war dic Frage der Lohnanfbesserunz einmal ausgeworfen, so griff sie wie ein elektrischer Strom nm sich, und das Resultat war der Streik. An und für sich brach der Streik ganz plötzlich ans, man möchte sage», ganz unschuldig. Im Westphälischen verweigerten einige junge Leute die'Arbeit, wenn ihnen keine Lohnerhöhung bewilligt werde. Anstatt dic Leute zu befriedigen, diklirtcn ihnen die Zechcnbcamteu die Eutlaffnng und dies gab Anstoß zum Ausbruch des Streiks. Allgemeine Erbitterung griff um sich, und Zechenweise legten die Leute dic Arbeit nieder; so daß nach kaum acht Tagen bereits im ganzen Oberbergamtsbezirk ge- streift wurde. Diesem ersten Ausbruch schlössen sich alle Hauptkohlen- bezirke an. Wäre es, wie vielfach angenommen wird, ein geplanter Streik gewesen, so wurde derselbe auf der ganzen Linie zugleich ausge- brachen sein. Aber gerade an solchen Orten, wo die-'Lölstisorderung zuerst erörtert worden war, hatte man am Allerwenigsten a» Streiken gedacht, denn nicht dort wurde damit begonnen, sonder» an deu Plätzen, wo in dieser Angelegenheit fast gar nichts geschehen war. Wenn die Herren Zechenbesitzer den Leuten, sobald dic Lohnfrage aufgeworfen war, eine Lohnansbesscrung hätten zukommen lassen, so würde der Streik nicht ausgebrochen sein. Wen trifft also die eigentliche Schuld? D ic Hart- Herzigkeit der Kohlenbarone! II. Der Streik ist zu Ende. Aber die Gährnng unter den Bergleuten, die, durch die Roth gezwungen, die Arbeit wieder ausgenommen haben, ist keineswegs beigelegt. Im Gegentheil, die Erbitterung ist noch immer im Steigen, da mau zwar ihre Forderungen zn berücksichtigen versprach, das Halten aber vergessen hat. Von höherer Stelle, von der die Arbeiter für ihre gerechten Forderungen Unterstützung erwartet hatte», ist ihnen ein roh brutales:„Alles, was sich Meinen Behörden widersetzt, lasse Ich über den Haufen werfen, denn meine Macht ist gross," ent- gcgcngcschlcndert tvorden. Die freche Behandlung von Seiten der Zecheubarone, mit ihrem servilen Troß von Unterbcamtcu war und ist der treibende Faktor, welcher dic Masse der Bergarbeiter aus ihrem Jndisscrentismus heransger sseti hat. Die Unverschämtheit dieser Sippschaft raubt ihr die Uebcrlegung, und so zeigten die Herren sich i» ihrer wahren Gestalt. Es ist mit wenigen Ausnahmeii hier kein Bergmann im Stande, von seinem Lcrdicnst auch nur Halberwegs seine Familie anständig zu ernähren. Dic Knappschafts- iirzte könnten dic beste Auskunft darüber geben, dass die Leute in Wirklichkeit langsam verhungern, denn wenn ein Bergarbeiter 4t) Jahre alt wird, so ist er schon ein alter Mann. Das Klasscnbewnsstscin ist geweckt, sie haben sich überzeugt, dass sie von keiner Seite Hülse zu erwarten haben, sie haben sich von der Un- sähigkeit des„mächtigen Kaisers", der„starken" Regierung, ihnen zn helfen, von der Böswilligkeit der Kapitalisten Überzeugt und gefunden, dass die Befreiung der Arbeiter einzig und allein«ache der Arbeiter selbst ist. Die Aerarbeiter zu leiten und ihnen den Weg zu zeigen, wie sie ihre Lage verbessern, kann nur Sache der Arbeiter- Partei sein, welche auch mir allein den Willen und Muth hat, die gerechten Forderungen derselben zu vertrete» und Z» verthcidigcn. Die'Machtprobe ist übrigens doch zu Gunsten der Arbeiter ausge- fallen, und wenn sie sich ihrer Macht voll und ganz bewußt sind, dann können sie dem Kaiser zurufen:„llnjere Macht ist grösser, wir pfeifen auf deine Macht; deine Macht ist eine geborgte, die unsere Ist unser Eigcnthnm, wir können es mit jeder andern aufnehmen und der Sieg ist unser," „Für Mich ist jeder Sozialdemokrat gleichbedeutend mit Reichs- und Aaterlandsseind," schnarrte der junge Kaiser die Deputation der Ar- bcitcr an. Haben die Arbeiter überhaupt ein Batcrland? Diese Frage wird auf allen Zechen, in allen Werkstcllen diskutirt. Berlangt ein Arbeiter sein Recht in seinem Batcrlaude, dann hält mau ihm eine Flinte unter die Rase; ivagt er dagegen zu protestiren, so schießt man ihn einfach„über den Hansen." Das richtige vatcrlandslose Gesindel sagt sich eben: DaS Vaterland sind wir, und ihr seid nur dazu da, um uns nach unserer Willkür zu dienen; die Rechte haben blos wir, ihr die Pflichte». Die Arbeiter aber sagen, wenn wir leine Rechte haben, dann haben Wir auch keine Pflichten. Man sagte den Arbeitern,„ihr seid kontraktbrüchig, das ist straffällig." Die Antwort war ein schallendes Gelächter bei sämmtlichen Bergleuten, denn von dem Kontrattbruch der Grubenbesitzer,-der täglich vorkommt, davon hörte man nn höchster Stelle nichts. Wovon sollten denn auch die armen Kapitalisten leben, wenn man sie nicht den Arbeitern gegenüber frei schalten und walten läßt? Die Kapitalisten dürfen nicht scharf angefaßt werden, denn da könnte der junge Obcr-Bliitegel seine unverschämte» Forderungen nicht bewilligt bekommen. Ter weiss ganz gut, daß die Rlilliönchcn nur aus den Knochen der Arbeiter gepreßt werden, und darum, weil er es weiss, der schöne Gruß an die Bergarbeiter: Alles, was sich de» Behörden widersetzt, lasse Ich über den Haufeil schiessen." Hat der Mensch, der das svrach, ganz vergessen, dass es wiederum Arbeiter sind, die schießen? Daß sie Bruder- und Vatermord provoziren, scheint solch rohen Bursche» ganz gleichgültig, wenn nur die Milliöiichen cinkommcn, mit denen sie ihre Zügellosen Leidenschaflcn befriedigen. Ten Haß, den dieses Vorgehen in der Arbciterwelt hcrvorgernfcn hat, kann mir der begreifen, welcher Fühlung mit den Arbeitern hat. Die Arbeiter werden bei der nächsten Rcichstagswahl wohl die richtige Antwort geben. Der Haß der Herrschenden gegen dic anfgeftärtcn Arbeiter ist ein großer, aber ihre Niederlage wird noch eine größere sein.— Aus Australien. Sidncy, den 1. Mai 1888. Schon seit Langem ivar es meine Absicht, dem„Sozialdemokrat" von Botany-Bah, dem Lande, wo man Kinder henkt»nd alte Leute gesetzlich mit dem Knüppel bearbeitet, einen Sitnationsbericht zukommen zn lassen, es ist aber des dicken, politische» wie ökonomischen Nebet« wegen, der hier herrscht, noch stets unterblieben. Da jedoch das ciek- irische Licht»nn auch zn uns gedrungen und es mit einem Maie bekannt geworden ist, dass auch hier der Kapitaiisinns tapfer ani Werke ist, den grossen Generalkrach vorzubereiten, will ich nun nicht länger säumen. Kapitalistische Konibinationen zum Zwecke der gründlichen Ansbeutmig und Knebelung der Arbeiter existiren hier, wie sie Amerika, die Heimath der„Pools", nicht besser hat, nnd gegenüber denen der deutsche ttapi- talismus dic reine Tölpelei ist. So ist gerade jetzt wieder bekannt ge- worden, dass die Drnckereibcsitzer in Brisbane(Oiieciislaiid) eine Per- «iiiignng zustande gebracht haben, welche bezweckt, erstens, dic Löhne zu regnliren(lies: r e d u z i r e n) und zweitens, daß wenn es sich infolge dieser Lohn-„Regulirttng" zutragen sollte, iwss die Arbeiter eines Eta- blisscments sich das Vergnügen eines Streik'« erlauben, der Verein säiiimtlichc Arbeiten des bcttoffencn Etablissements übernimmt, bis es gelnngeu ist, entweder den Äanflitt beizulegen, will sagen, die Arbeiter zu Paaren zn treiben, oder eine genügende Anzahl„Skab'S" zn erhalten. Eine ähnliche Verbindung besteht auch imter den Grubenbesitzern. Jedoch gehen diese etwas anders zu Werke. Da die Arbeiter ziemlich gut gew.Tkfchäfttich orgnnisirt sind, so ist die Möglichkeit gegehcn, dass wenn dieselben einige Jahre Ruhe haben, sie mit ihren Beiträgen ei» ziemliches Kapital znscnnnieNbriiigcu, mit Hülfe dessen es ihnen gelingen könnte, ihre Forderungen durchzusitzen. Der Grubcnbcsitzcrvereiii nun hat den Zweck, die, Anhäufung eines solchen Kapitals zn verhindern. Und das machte er auf folgende Welse: Wenn eine oder mehrere Gruben sich nicht im Betrieb befinden, so erhalten sie vom Verein eine Dividende bezahlt, welche der gleichkommt, die sie selbst durchschnittlich bei voller Arbeit erzielen würde». Run kündigt eine Grube ihren Arbeitern eine Lohureduktion an. Rehmen sie sie an, so ist es gut, und es fängt eine andere Grube dasselbe Manöver nn. Lehnen sie dagegen ab, so ist die Folge entweder ein Lock-ont von Seiten der Grube, oder ein Streik, und in beiden Fällen müssen dic Arbeiter von Seiten der Gewerkschaft unterstützt werden. Tank diesem Manöver nun befinden sich seit ungefähr drei Jahren in den Newcastle Kohlen-Distrikt fortwährend<>00 bis 1000 Arbeiter ausser Arbeit und ist die Kasse des Grnbenarbciter-Vcrbandes so ge- schwächt worden, dass der Grnbenbesitzer-Verein die Zeit gekommen er- achtete, mm mit einer Massregclnng in Riasse herauszurücken. Dic Ardeiter widersetzten sich nnd es kam zu einem Streik, an dem sich un- gefähr 7000 Mann bclheiligten. In der Verbandskasse befanden sich >>000 Pfund Sterling nnd trotzdem die Sammlungen ebensoviel ergaben, war es leicht voransziischen, dass die Arbeiter sich nicht lange würden halten rönnen. Stabs wurden angeworben, und zu deren Schutze,— vielleicht mit der geheimen Hoffnung, dic Arbeiter zum Aufruhr zu provoziren— legte die Regierung sich ins Mittel, d. h. ans dic Seite des Kapitals, sandte einige hundert Mann Polizei und Militär, sowie auch einige Kanonen, und erließ Proklamationen, in denen sie verkündete, dass sie den Kanonen auch Munition(Kartätschen) beigegeben habe, wo- mit sie dic„Freiheit der Arbeit" ausrecht erhalten wolle. Die Arbeiter wurden ausgehungert und»mßteu sich de» Bedingungen des Kapital« füge»— sie befinden sich jetzt in einer erbärmlichen Lage. Es wird ungeheuer viel über die hohe» Löhne hier geflunkert, jedoch bei Lichic besehen, verhält sich die Sache etwas anders. ES ist wahr, nominell ist der Lohn höher hier als anderwärts, thatsächlich aber, wenn man den Lohn berechnet nach dem Antheil, den der Arbeiter damit von dem erhält, was er erzengt, ist derselbe in. Allgemeinen hier nicht höher, manchmal sogar niedriger als in Amerika oder Eng- land, und wenn überhaupt vielleicht nur sehr wenig höher ais in Deutschland. Greifen wir z. B. einige Gewerbc-Branchen, und aus diesen die best- bezahlten heraus, so läßt sich das sehr gut ersehen. Es beträgt: Bei einem Anzug: der Preis dcS Stoffes 20—35, Mark, der 'Arbeitslohn 22—35 Mk., der Verkaufspreis 80—120 Mk. Bei einem Paar Stiesel: der Preis des Materials ö— 11 Mk., der Arbeitslohn 10—12 Mk., der Verkaufspreis 27'/-— 40 Mk. Bei einem S ch a n k a st e n(Tischlerarbeit): der Preis des Holzes 7— 15 Mk., des Glases 12—30 Mk., der Arbeitslohn 16—30 Mk., der Verkaufs- preis«0—140 Mk. In der Uhrmacherci beim Zylinder Einziehen: Preis des Materials 50 Pfennig bis 1 Mark, der Arbeitslohn 2,50— 4,— Mk., Preis 10 bis 12 Mk. Beim Bau Hand tvcrk l"ßt sich das Verhältniss nicht so genau berechnen, wenn man jedoch hört, wie Bau-Untcrnehincr im Falle eines Kontraklbrucheö von Seiten des Bauherrn aus 1500 bis 2000, oder sogar 3000 Mk. nnd noch mehr Schadenersatz klagen, so kann man sich einen Begriff machen von dem enormen Prosit, den solche Unternehmer einstecken. Was ich hier aufgeführt habe, bezieht sich aber mir ans die am besten bezahlten Berufe, bei den schlechter bezahlten,»nd die sind bei Weitem die Mehrheit, stellt sich das Missverhättuiss noch viel ungünstiger. Im Allgcmeliten steht der Loh» hier bei 8— ffstündigcr Arbeit wie folgt: Ziinmerlciitc 10—11 Mk., Maurer und Steinhcmer 10-�11 Mk., Tischler 7—10 Mk., Eisenarbciter 7— 10 Mk., Gruben- nnd Erdarbeiter 6-8 Mk.. Schuhmacher 5—8 Mk., Schneid:! 6—8 Mk. pro Tag. Diese Zahlen gelten so ziemlich über ganz Australien. Die Reglernna von?!cu-Süd-Walcs beschäftigt in ihren Betrieben ziisannnen ungefähr 35,000 Mann, deren Lohn zwischen 6—10 Mark pro Tag variirt, jedoch mit Ausschluss der höhere» Beamten, die sich ihre Dienste, dic manchnml bloss in Zeitniigslcsen bestehen, gewöhnlich sehr gut bezahlen lassen. � � Das hier Angeführte gilt Indess bloss für die„obere Klasse der 'Arbeiter. Ans den genau Ilten Gewerben sowohl wie auch i» anderen von mir nicht aligefühvten, in der Hausindustrie, für Dienstboten, Laden- aehülscn, Schreiber» s. w. beläiift.sich der Lohn lange nicht so hoch, sondern beträgt mjgesähr nur 4—6 Mk., zuweilen noch iveuigcr, so dasz iiian für de» D n r chs ch n itfS l oh n oO Mk. pro Woche aiinchiiic» kann, während z. B. die Hausrcnte(für vcrhcirathcte Arbeiter)»n Durchschnitt auf nicht weniger denn 11 oder 12 Mk. gerechnet werden ninss.«Jede Familie bewohnt gewöhnlich ein Hans für sich; der Mieth- preis dieser Häuser beträgt von 8 bis 30 Marl oder auch noch mehr, zu dcrc» Ansbringnng die Leute dann gewöhnlich Kostgänger halten, io daß sie selbst von ihrem Hanse weiter nichts Häven als das Vergnügen, den Schmutz fern zn hallen, nnd sich selbst mit de» kleinsten W nikein, die sie Kostgänger» nicht anbiete» können, zu begnüge». Kpitgangcr zahlen von 16 bis 20 Mark; der Preis für ein Bett, 3 bit 4 iu eincin Zinimer, beträgt 5 bis 6 Mk. pro Woche.) Wie man sieht, steht es hier durchaus nicht so idyllisch wie gewöhn- lisch geschrieben wird. Allerdings, so gottserbärmlich wie in Demschland ist es nicht, d. h. wir sind bis jetzt noch nicht so ganz auf den Hund gekommen. Aber—»nd hier liegt das Gehelmniß unserer„Grösse"— wir sind ans dem besten Wege dazu, denn unsere Kapitalisten seufzen sich das Herz(oder was sie an dessen Stelle haben) wuiid nach— deutscher Prosperität. Daß wir in diesem Artikel leistiingssähig sind, beweist die industrielle Reservearmee: ein stehendes Heer von Arbeits- losen—„Tramps". Die Bevölkermig Anstraliens beträgt ungefähr 4 Millionen, und die Zahl der Arbeitslosen betrug 1887— 88 nach offiziellen Angaben über 40,000> männliche Arbeiter, die„upper classes" der Arbeitslosen nicht ulttgerechnet. Mit diesen Arbeitslose» wird eine förmliche geschäfts- mäßige Agitation, d. b. politischer Schwindel mit Hochdruck getrieben, sie sind für unsere poltttschen Seiltänzer ein gefulidencs Fresse». Von den Freihändlern werden sie als Stimmvieh benutzt, da dieselben gerade an der RegicrimgSmcffchine sitzen und ihnen von Zeit zu Zeit einen Knochen in Gestalt von Nothstandsbeschäftignng„rslietworics" hin» Wersen, während die Schutzzöllncr sie als eine Illustration von der Ver- derblichtett des Freihandels imd der Rothwcndigkcit ihrer eigenen Knebeliings- und Erprcsiniigstheorie sehr gut ins Feld z» führen ver- stehen. So weiß ich z. B., daß sie eine Anzahl gesellschaftliche Sirauch- ritter, wahre politische(nnd auch thaisächliche) Bauernfänger, als Agenten bezahlen, nni die Arbeitslosen-Agitation in Fluß zu bringen. Diese Leute(die Arbeitslosen) sind selbst durchaus nicht im Stande, sich zu organisiren; ein willenloiercS Heer von Schlachtschafen hat man nie gesehen. Jeder Hanswurst, jeder verlumpte Gassenpolitiker, der so gnädig ist� sich zu ihiicii herabzulassen, kann sie habe»— notabene zum Schreien. Wenn es sich darum bandelte, sich„Arbelt und Brot" zu n e h m e n, so wurde es sehr windig bei ihnen aussehen.„Ja, wen» sie keine—„Engländer" wären!(Schluss folgt.) —'�'wr®r\/w——— SozichMischt ZilmdDu. London, LS. Juni 1889. — AuS Deutschland wird uns geschrieben: Dic Dodtcu reiten schnell. Vor wenigen Tagen feierte Wil- Helm II. den ersten Geburtstag feiner Kaiser- und Königschast nnd in diesem Jahr hat er es verstandet», Illusionen und Wahuvorstelliuigen zu zerstörcu, die der fähigste seiner Vorfahren— Friedrich Wilhelm IV. — in sieben Jahren nicht vermocht hatte, so gründlich auszurotten. Nicht dass zn den Illusionen der Glaube an den„liberalen Kronprinzen" gehört hätte. Dieser Glaube war mit„niiicrcm Fritz" zu Grabe getragen worden, der sein ganzes Leben laug liberaler Kronprinz ge- wesen war nnd sterben mußte, als er aufhörte cS zu sein. Für„liberal" hatte den ältesten Enkel des alten Wilhelm kein Mensch gehalten. Daß die Soldatcnspielerei sein höchster Zeitvertreib war und Verachtung der bürgerlichen Kanaille und noch mehr des arbeitenden Volkes seine Seele erfüllte, das wnßte man— die denkwürdige Szene, wie er selber die Polizei in Potsdam geholt, um das Sonntagsvergnügeii einiger Ber- liner Sozialdemokraten zn stören— war noch in frischem Gedächiniß, als er den Thron seiner Lätcr bestieg. Und wie er sich gegen de» sterbenden Vater, die trancriidc Mutter benommen, das erzählen sich die Spatzen von den Dächern- Abcr er sollte einen scharfen Verstand und glühenden Ehrgeiz haben — so lautete dic Legende, welche nm ihn gewoben worden war. Der Freund des Stocker sollte ein Betbruder sein vom Schlage der E r o in- well und seiner.Eisenfesten", voll rücksichtsloser Energie, ein inüi- tärisches Genie mit dem Zeug zu einem„zweiten Friedrich den Großen", und dabei erfüllt von der idealen Mission des„sozialen KönigthumS". Wo ist heute diese Legende? Jeder Tag hat eine Rede gebracht, die den folgenden Tag korrigirt werden mußte, und Stück um Stück von der Legende abriß. Selbst das.militärische Genie", da« gemeinste und niederste von allen Genicsortcn— wurde durch zahlreiche, zmn Theil fast miglaublichc Ungeschicklichkeiten ans dem Manöverscld und bei Paraden und Revue», zn blaiieni Dunst verflüchtigt. Und wie massenhaft und handgreiflich waren die sonstigen Ungeschicklichrciten! In Einzelnhciten gehen zu wollen, ist nicht unsere Absicht. Rur aus c i ii e>i Punkt wollen wir ausiiicrlsam machen, weil er für miS von einem gewissen Interesse ist: w.ir meinen dic Stellung des junge» Monarchen zmn sozialen Köni gthitin. Es sollte endlich wühl imS STlitfTTMiFe'tf hrtR frtf Imtnpr hrtltt rliirirt 3Wfrfi*Ttnhrimnhfi:t. werden»nd Wirklichkeit, das seit länger denn einem Vierteljahrhnndert allerdings mit Untcrbrcchimgc», aber nach jeder Unterbrechung mit ver- doppeltem Eifer gepredigte Evangelium vom„sozialen Kpiiigthimi", das Über den Parteien steht, dem Klassenkampf ein Ende macht, die isslcichbcrcchtigiing des Arbeiters anerkennt nnd der Arbeit zn ihrem Rechte verhilst. Die tvestphälische» Bergleute, fern vom Getriebe der Welt, mibernhrt von den Woge» des politischen Parteilcbens, hatten ini Schacht der Erde dic frohe Botschaft gehört,— und sie glaubten. Sie glaubten und gingen nach Berlin ins Schloß, um den �soziale» König" und das„ioziaie Königthum" zu schauen und sich Hilfe»»d Rettung zu holen— „Ich lasse?l l l e s über den H a ir f e n sch iessenl Es waren nur sieben Wörter, doch jedes Wort tödtticher als der tödt- lichstc Dunamit-Torpedo. Ri c ii s ch c n sind vorläufig mcht„über den Haufen geschossen' wor- den, aber etwas anderes: das s o z i a l c K ö n i g t h n m. Ueber de» Hänfen geschossen durch den„sozialen König". Das war ein Königs jchnss— ein Schuß ins Schwarze— oder Schwarzweisse. 'Aber— es ist mm einmal DeSpötiSmus,— mag der Eine oder Andere noch gedacht haben— mid der Despotismus, mich wenn er noch so„wohlwollend" ist, es noch so gut meint, verlangt und c' dingten Gehorsam. Ueber den Haufen geschossen werden ist kein Vergnügen, allein man braucht ja nur Ordre zu parirc» und man hat nichts zn befürchten. Wenii er»ns nur gegen die A u.s beutet schützt, mir uns nicht weiter von ihnen crassaugen und unterdrücken läßt.— In seiner Rede an die Grubenbesitzer machte Wilhelm der Zweite — oder der Verfasser der Rede— ciitschieden einen Anlaiif zur UN- Parteilichkeit— den Herren Grubenbesitzern wurde der Text gelesen, für die Arbeiter ein gut Wort eingelegt. Rim— sciidem sind fünf Wochen verstrichen, und was ist daS&' gcbniss jener schönen Eniiahmiiige» imd Versprechungen? Der königlich kaiserliche lliedner hatte zwar Tags zuvor den Berg' arbeiten! ausdrücklich gesagt:„meine Macht ist gross, sch' groß!'— indess das war bloss dic Macht z u m„Ii c b c r d c n H a n f c» schieß c n", dic bei anderthalb oder gar dritlhalb MtUioncn lebe»' diger Todttchiess-Maschinen unzweifelhaft eine ziemlich beträchtliche ist! mit der Atacht, den Arbeitern zu helfen gegen die Unter' »eh m er, der Willkür und Brutalität der Kohlenbarone imd sonstigen Arbciterschindcr zu steuern, dem bösen Kldssenstaat an den Kragen•>» geben— mit dieser Macht war es nichts. Ob's mit dem Wille» ebenfalls nichts war, das könne» wir nicht wissen, sintemalen wir Stic' iiimidcii ins Herz blicken können und es in Menschenherzen nnd McN' schenschädelu mitunter gar kraus aussieht, namentlich wenn sie Leute» gehören, die auf einem Thron sitzen uild für diese problcmatlsche EÜ' sellschast erzogen worden sind. Genug, mit der Macht gegen dic Kohlenbarone und den Klassensta«' war es n i ch t s. Die jkohlcnbarone pfiffen ans die kaiterltch-königliche» Mahnungen, und der Klasscnstaat drehte dem„sozialen Königthum" eil» «Rase:„Die Arbeiter über den Hansen schicsse», das kannsi du, d»5 darfst du— das liegt in meinem, des Klasseiistaats, Interesse, desst» gehorsamer Diener du zu sein hast. Bedenk, daß d» nur d n r ch m i bist. Was wärt ihr Hohenzollern ohne den bürgerlichen Klalscnsta»'; dem ihr etwas besser, etwas intelligeiitcr gedient habt, als die übrige» deutschen Fürsten. Oder glaubst du, 1860 und 1870 hätte dein Groß vatcr Oesterreich ans Deutschland geworfen imd halb Deutschland vE' schluckt, wenn er nicht daS deutsche B ü r g e r t h u in für sich gewönne» und sich dem K l a s s e n st a a t mit Haut u n d Haare ver lauft hätte, wie ein irrender Sünder dein Gottscibeinns? Du weiht das nicht? Junger Mann, du weiht Vieles nicht. Du wirst es bald lernen. Du lernst es jetzt. Hier stehe ich, der Klassenstaat; ich folge dir n i ch t. D il h a st d i ch m i r 3 u» n t c r>1) e r f e n. Conolie!" Und er hat sich unterwerfen müssen, der Möchtegern soziale lNönig. Der Klassenstaat hat ihm auf der Nase herumgetanzt— er hat die Bergarbeiter gemahregelt, die der„soziale König" schützen wollte; er hat Alles das nicht gethan, was der„soziale König" gewünscht und alles das gethan, was derselbe mihbilligt hatte. Nicht einmal in der Form, zur Wahrung des Scheins, hat der Klassenstaat nachge- geben. Die Herren Kohlenbarone handeln genau so, wie sie gehandelt hätten, wenn der Möchtegern soziale König nicht von dem seltsamen Rappel ersaht worden wäre, ihnen Lerhaltungsmahregeln zu geben und sich in ihie Angelegenheiten einmischen zu wollen. Höchstens sind sie noch etwas brutaler— nach der bekannten Dcspotenrcgel, die jeden Zweifel an der regicrcndcn Unfehlbarkeit, jeden Eingriff in die souveräne Allgewalt niit einem verstärkten Anziehen des Zügels zu beant- Worten gebietet. Gnade Gott jedem Bergarbeiter, der sich während des Streiks miß- licbig gemacht hat! Er muh über die Klinge springen. Und wenn auch Herr H a m m a ch e r, der Exrevolntionär, welcher jetzt einen Human» � täts-RaptnS bckouimen hat, sich noch so kräftig ins Zeug legt, um vor der Welt den Tugcndniiilbns seiner AusbentnngS-Kollegen zu konscrvircn. Höchstens dah der Verbrecher auf ein paar Tage wieder in Arbeit ge- nominell wird. Dann erhält er unter irgend einem Vorwand die„Ab- kehr", und ein geheimes Zeichen im Arbeitsbuch(gut mit Gänsefüßchen oder ähnliches) sorgt dafür, daß er nirgends Arbeit findet.--- . Kurz, der Klalscnstaat in seiner ganzen protzenhaftcn Rohheit und Uiiterdrncknngswiith. Und damit der Tragi-Komödie der würdige Abschluß nicht fehle, hat man soeben eine Unters nchungskommission niedergesetzt, be- Mehend ans— den Bergbeamten und den L a n d r ä t h e n! Des Teufels Großmutter sammt ihren Geschwistern zu Gericht über den Tcnsel! Es ist wenigstens ein hübscher Witz. Ucbrigens auch nicht neu— schon . 1873 wurde dieselbe Farce gespielt von der iogeiiannten„ t ö n i g- 1 i ch£ii K 0 m m i s s i o n", welche den L a s k e r' scheu Enchüllnngen die Spitze abzubrechen und dem deutschen Michel vorzudcmoiistrircn hatte, daß cS in Deutschland, der froinmen Hinderstiibe. nur tugendhafte Menschen gibt(d. h. unter den„Neichsfrennden"), und dah der patriotische deutsche Schmutz eine Substanz von höchster nationaler Nützlichkeit ist, ohne die das große deutsche Reich so wenig gedeihen könnte, wie ein Krantfeld oder Kornacker ohne Mist. Die westphälische Untersttchiingskoniinission wird ihre Aufgabe mit demselben Pflichteifer und derselben Gründlichkeit erfüllen, wie iveiland die königliche Kommission, welche allen patriotischen Schmutz als wahrhaften Mist hübsch in die Erde eingrub, wo er, den Augen der Menschen verborgen, im stillen Kämmerlein der Natur seine Mission als nationaler Knltnrdünger zu erfüllen hatte. Einer der Biedermänner von damals, die ein erkleckliches Theil zu diesem patriotischen Mist beigetragen— ist Herr von Bennigsen, der„Edelsten und Besten Einer". Der Mann hatte viel„gegründ.'t", und es iiinßte ihm viel vergeben werden. Er hat aber nicht bloß Aktien- gescllschaften„gegründet", sondern auch bei einer politischen .Gründung": der des dentschen Reichs, wacker lnitgcholfcn, was bekannt- lich ein vorzügliches Geschäft war, wie Herr B l e i ch r ö d c r n»d sein stiller A s s o c i e Bismarck bezeugen können. Die Neichsgründiing war nenlich Gegenstand eines Prozesses. Das Welfenorgan in.Hannover: die„Volkszeitniig", hatte dem nationalliberalen Staatsmann in pürtidu» lind Minister in spe vorgeworfen, im Jahre 18 i st c n g e> c tzes untcrd rückt worden. Den Vorwand dazu gaben die Unruhen im Bergarbeiierdistckkt von K l a d ii o, sowie die in S t e n r, an denen die„Gleichhcil" Schuld sein soll. Nichl etwa dadurch, daß sie die Arbeiter zu Gewaltthätigkeitei, aufforderte— das wagt selbst die Regierung nicht zu behaupten,— sondern durch Artikel, in denen die Mißbräuche, unter denen die Arbeiter besonders leiden, gekennzeichnet wurden. Hören wir z. B. den in der letzte» Nummer der„Gleichheit" ciithallencn Artikel ans Steyr, der nach dem tclegraphischen Bericht für das Verbot entscheidend gewesen sei» soll. Er sigurirt in der Rubrik„Der Gewerbe-Jn- s p e k t o r" und lautet wörtlich: „S t e y r. Wir fühlen uns verpflichtet, eine Schinderbude der öffent- *) Im französischen Original ist ordre, oontreordr« k. ni nun: 1 i ch e n Geschlechts. kichcn Aufmerksamkeit zu empfehlen, denn dort ist die Ansbentung der armen Teufel, genannt Arbeiter, schon mehr als niederträchtig. In der Schraubstock- und Winden-Fabrik des Teufelmayr am Wifer- feld wird täglich von 4 Uhr früh bis 10 Uhr Nachts gearbeitet. An Sonntagen wird bis Mittag geschunden. Nicht nur, daß die dort Beschäftigten bei dieser Nackerei physisch und moralisch herunterkommen, so hat die lange Arbeitszeit für die in der Nähe dieser Änsterfabrik(?) wohnenden Parteien, größtentheils ans Waffenfabriks- arbeitern bestehend, noch das äußerst Unangeilehme, daß sie in der nächt- lichen Ruhe gestört werden, denn beim Schmieden mit 2—3 Hämmern hört der Schlaf auf. Besteht denn für diesen humanen Herrn kein Gewerbegesetz? Wir ersuchen den Herrn Fabriks-Jn- s p e k t o r ja recht bald, sich von diesen elenden, erbarmungswürdigen Zuständen zn Überzeugen nnd in der Nachbarschaft dieser Rackerbnde anzufragen; vom Herzen gern wird ihm Jeder Auskunft gebe». So rücksichtslos, wie dieser Herr Teufelmayr, sind die Spießbürger beinahe alte, insbesondere aber jene, die zufälliger Weise Hansherren sind. Jetzt haben sie goldene Zeiten, jedes Loch, das miserabelste Zimmer, jede Dachlncke ist vermiethct um horrenden Zins. Da gibt es kein Mitgefühl, so etwas kennen die Sichrer Hausherren nicht, trotz- dem sie sehr gute Christen sind und vor lauter Kirchenlanfen sich die Füße ansfranzen; von außen den salbiiilgsvollen Anstrich, aber wie es innen ausschaut, hui. Die Waffenfabriks-Oberlcitnng hat zwar den besten Willen, den krassen Wohnnngszuständen ein Ende zu machen und läßt fleißig bauen, aber das ist iin Äcrglciche zum Bedarf viel zu wenig. Wie mit den Onartieren ist es auch mit den Lebcnsmitteln. Alles süMhener und die Qualität oft unter aller Kritik. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß anerkannt werden, daß der Verdienst ein besserer ist, wie er es früher war, in Folge der maßlosen Thsncrung Ist aber daher auch nicht viel zu erspare». Die Zufuhr von Lebens- Mitteln ist zu gering und der Verbrauch ein großer. Ein tüchtig und praktisch eingerichteter Verschleiß würde von wohlthntigen Folgen sein, wenigstens würde der Bcntelschncidcrei ein wenig Einhalt gethan werden, denn das Mnh der Unverschämtheit, der sich die meisten hiesigen Ge- schästSleiite befleißigen, wird nahezu voll. Für dieses Mal geling, in kürzester Zeit folgt mehr. Em Paar mis der Nachbarschaft." Wenn in diesem Bericht„Aufreizendes" enthaften ist, so liegt es in den darin berichteten T h a t s a ch c n,.„a n f g c f o r d e r t" wird darin nur der— F a b r i k s- I n s p e k t o r, zn einer dickch durch das Gesetz vorgeschriebenen Handlnilg. Und doch erfolgt auf diese Notiz hin das Verbot der„Gleichheit". Es wäre geradezu blödsinnig, wenn es nicht so bodenlos i n f a in märe. In Steyr haben Tunailte stattgefiniden; die Tumulte sind lediglich provozirt worden durch willkürliche Verhaftung von Arbeiter», die cinem Schinder von Werk- meistcr eine Katzeiimilsik brachten, aber— sie brachen ans, nachdem der Artikel in der„Gleichheit" erschieiieii, folglich mnszteil sie eine Folge dieses Artikels sein— post lioc, ergo propter hoc. Dieser Logik entspricht es denn auch durchaus, gerade das Blatt, ivclchcs der Ausbreitung des Anarchismus in Oesterreich ganz besonders erfolgreich entgegengewirkt, auf Grund des— A n a r ch i st e n g e s e tz e s zn verbieten. Obwohl diese Maßregel das Resultat einer drei st ü n- digcn Staat srathssitz n ng mitcr Vorsitz des Kaisers ist, glaubt doch kein Mensch daran/ daß die in ihr sich verrathende Dnmm- hcit echt ist. Die Staatsweisen stellen sich dümmer als sie sind, nin nicht weniger schlecht handeln zu müssen, als sie sind. — Ein Pfiffikus, wie er im Buch steht, ist der Polizeikorrespondent der„Leipziger Zeitung", des amtlichen Organs der süchsisch.'ii Reg ich rnng. Dieser Herr, der zwar nicht Z ä s a r heißt, sondern M iiller, mit Zäsar aber das gemein hat, daß er der Geschichtsschreiber seiner eigenen Heldeiithateu ist, verkündigt in seinem Leiborgan(das außer der sächsischen Regierung und dem General Biimbnm Boiilanger auch ihm, dem großen Polizeikomnijssar Müller als Mouitenr dient)— also der Mimer verkündet in der„Leipziger Zeitung" seine neueste staats- rctterische That: nämlich, daß der„Sozialdemokrat" in London, dieses Zenckal-Umstnrzorgan, in einer seiner letzten Nummern angezeigt habe, .Berlin werde 8 nnd Leipzig 3 Dclcgirte auf den intcrimtioiialen Arbeiterkongreß entsenden.„Da mm," so argnmcntirt der schlaue Polizeimüllcr, i ch, der kluge Müller, nichts davon erfahren habe, daß die Leipziger 3 Delegirtc nach Paris schicken wollen,— da ein solcher Besd>l»ß auch in keiner öffentlichen Versamnilillig gefaßt worden ist, so — muß ein G e H e i m b u n d bestehen, der den Beschluß ge- faßt hat." O heiliger Müller! Hut ab vor Deiner Polizeiweisheit. Wenn Du aber, statt nach einem Gehcimbund zu schnüffeln imd Dich von Deinen Spitzeln nasführen zu lassen, offen nnd ehrlich mit den Leipziger Arbeitern verkehrtest, dann würdest Du weit mehr erfahren als Du so erfährst und gewiß auch hören, was die Spatzen von den Dächern her- unterpfeifen. Beiläufig werden, in Leipzig sowohl als in Berlin, m c h r Dclcgirte gewählt werden, als wir seinerzeit angegeben hatten- wie beim überhaupt die Bctheiligimg der deutschen Arbeiter an dem Pariser Kongreß allem Anscheine nach eine noch großartigere wird, als wir zn hoffen wagten. Daß dies den deutschen Polizisten, Spitzeln und Spitzclgetrenen nicht angenehm ist, das begreifen wir sehr wohl, freuen niis darum aber mir um so mehr. Niemand ist verpflichtet, seinen Feinden Vergnügen zn machen— auch der„Sozialdemokrat" nicht; und zu den Ehristen, weder den„praktischen", noch den unpraktischen haben wir uns niemals gerechnet. Also— die Kongreßbegeisterimg unter der deutschen Arbeiter- schaft ist groß, sie wächst von Tag zn Tag mit dem Aerger der Feinde, die in ihrer ohnmächtigen Witth die geheimslen nnd obersten Gedanken der internatioiialeii Reaktion ausgeplaiidert haben, nämlich die Grün- d u ii g einer Heiligen jlllianz gegen die Sozialdemo- k r a t i c nnd die Revolution, imd das böse Revoliitionslaud— trotz alledem--- Frankreich! Schade nur, daß die Sache nicht so leicht ist, wie sie sich in de». Köpfen der deutschen Polizeipolitikcr und und politischen Polizei malt. Wenn Alles hübsch nach Wunsch ginge, dann„jinge es wohl", allein„es jeht nich."— — Die verschiedenen Polizeigrößen in Sachsen haben den Wink des besagten Pfiffikus Übrigens verstanden nnd die Abhaltung von Versammlungen, ans deren Tagesordnung der Jntcruativnalc Ztrbeiterkougrcft fignrirte, kurzweg verboten. Wird ihnen nichts helfen, die sächsischen Arbeiter werden trotzdem in Paris ver- treten sein. Auch anderwärts legt die Polizei der Besprechung des Jnternatio- nalen Kongresses und der Wahl von Dclcgirten zu demselben nach Kräften Schwierigkeiten in den Weg, so daß erst in einzelnen Ort- schaften oder Distrikte» die Delegirten ernannt werden konnten, bezw. Stellung zum Kongreß genommen werden koimte. Bon früher Ge- wählten abgesehen, haben wir in dieser Hinficht z» verzeichnen: Als Delegirte sind gewählt: Ad. Gcck-Offenburg(Karlsruhe), W. Pfann kuch- Kassel(Kassel), Frau Klara Zetkin- Paris (Berliner Arbsiterinnen), A. H o f f m a n n- Halle a. d. Saale(Weißen- fels-Naiimbiirg- Zeitz) F. E>v a l d- Brandenburg(Brandenburg), A. K ö r st c n- Berlin und T h. S ch w a r tz- Lübeck(Eisen- und Metall- gießer Deutschlands) L.Pfeisser- Berlin(Arbeiter der Hausindustrie in Berlin), A. K a d e n- Dresden und L. P a s ch k y- Dresden(Dres- dener Arbeiter). In den drei Städten, die A. H o f f m a n n mit ihrer Vertretung in Paris beauflragten, wurde in großen öffentlichen Polksversamm- hingen zugleich folgende Resolution aiigeiiommen: „Die heute, den... Juni, im Saale der„Reichshallen" zu.... tagende öffentliche Volksversanimliing(von zirka... Personen) bringt dem in Paris cinbcrilfcnen internationalen Arbciterkongreß ihre vollste Sympathie entgegen und hofft, daß es gelingen möge, die Re- gicriiilgen durch festes Zilsamiiiensteheii aller Arbeiter der Welt zur Annahme eines wirklichen ArbeiterschutzgesetzeS zu drängen, daß die Frage der Abriistiing und Einsührimg der allgemeinen Volkswehr, mcläie einzig und allein zum Schutze des Landes, nicht aber zu Eroberungs- kriegen verweildet werden darf und sich verwenden läßt zum Segen der Menschheit, gefördert werden mag, und drittens ist die Versammlung der festen Uebcrzeugnng, daß der Kongreß zu einem wahrhaften Ver- brüderiingsfeste werden wird, welches der Welt zeigen möge, daß der Arbeiter keinen Nationalitäten- und keinen Erbhaß kennt, vor allen Dingen aber das zeigen wird, daß der deutsche Arbeiter keiiien Franzosen- haß besitzt, sondern in allen seinen Lcidcnsgenoffen und so auch in dem französischen Arbeiter seine» Bruder fleht und sich mit diesem vereinigen ivill, den gemeinsamen Feind, den Gcldsack, den Götzen der hentigen Gesellschaft, zu bekämpfen und in Einigkeit zu kämpfcii und in Einigkeit zu siegen. Die Bcrsammlung beschließt dcinciitsprechend, nnsern Genoffen Adolf Hoff mann ans Halle a. S. als Delegirten zum Kongreß zu unseren französischen Brüdern zn entsenden nnd den dorr versaimpelten Arbeitern aller Länder unsern herzlichsten sozialdemokratischen Bruder- grüß zn übermitteln mit der Bergmanns-Parole„Glück auf!" Die Wahl der Frau Zetkin als Vertreterin der Berliner Arbeiter- innen erfolgte am 22. Juni in öffentlicher Versammlung durch An- nähme folgender Resolution: „Die heute tagende, gut besuchte Arbeiterinnenversammluiig gibt vor- erst ihrer Ueberzengiing dahin Ausdruck, daß die Einberufcr des Kon- gresses die wirthschaftliche Lage besser berücksichtigt hätten, wenn sie auch die Arbeiterinnen aller Länder formell eingeladen hätten. Es wird beschlossen, in Anbetracht, daß in Betreff der Frauenfragc auch noch unter den Arbeitern die größte Zerfahrenheit herrscht, eine tüchtige weibliche Kraft zu beauftragen, die Berliner Arbeiterinnen zu vertreten. Die Versammlung glaubt, daß Frau Klara Zetkin dies zu thun am besten im Stande ist."— In Nürnberg haben die Vertreter fast sämmtlicher Gewcrks- brauchen sich dahin geeinigt,„in Anbetracht der sehr erheblichen finan- ziellen Opfer, welche in diesem Jahre die L o h n b c lv e g u n g schon erforderte, von einer Beschickung des Pariser Kongresses a d z» s e H e»." Daß die Nürnberger Arbeiter den Zwecken des Kongresses ihre vollste Sympathie entgegenbringen, ist selbstverständlich; doch sind sie„der Meinung, daß, da auf dem Kongreß ohnehin nid)t nach der Kopfzahl der Delegirten, sondern nach Ländern abgestimmt wird, die Interessen der deutschen Arbeiter durch die An- Wesenheit von Männern w i e B e b e l n n d L i e b k n e ch t genügend gewahrt sind," Die o r g a n i s i r t c Arbeiterschaft der Schweiz wird, so- weit bis jetzt bekannt, folgeiiderinaßc» ans dem Pariser Kongreß ver- treten sein: der Schweizerische G c w e r k s ch a f s s b n n d durch seinen Sekretär A. Merk- Zürich, die S o z i a l d c m o k r a t i s ch e Partei der Schweiz durch ihren Vorsitzenden A. Reichel und ihren Sekretär A. Steck in B e r n. — Der„Baslcr Arbeitcrfreund" polcmisirt in seiner Niimmcr vom 19. Juni gegen die— iiberal-konservative—„Schweizerische Grenzpost", welche in einein Artikel über die beiden Internationale Arbeiter- longressc behauptet hatte, das iinterschcideiidc Merkmal beider Kongresse bestehe hauptsächlidi darin, daß bei dem von den„sogenanitten Marxisten" einberufenen Kongreß sich die The liiehmer ihr Mandat selber gegeben hätten, während bei dem Kongreß der Possibilisteii die Mitglieder„wirklich durch Abstimmung gewählte Vertreter von Arbeitergruppen" seien.„Das ist," schreibt das Organ der Basler Arbeiterschaft,„d u r ch a n s n n- richtig. Für den Einen lvie den andern Kongreß werden die Dcle- girten von Arbeitcrgriippen gewählt, sei es durch Arbeitervereine, durch Delegirteilversaiiimlniigen(Kongresse), von Berufsgeiwsscii, durch Zentral- vorstände von Arbeiterorgaiüsatioiien, oder. wie es namentlich in Deutschland, welches den von den Marxisten cliiberiifeneil Kongreß besdsickt, geschieht, durch freie Arbeiterversaininliliigcn n. s. w. Sehr richtig. Die gegeiitheiiigeBehanptmig des„Grenzboten" ist eine von den Possibilisteii durch den Mund der diesen befreundete» B o u r g e o i s p r c s s e in Ilinlaus gesetzte Lüge, die den Zweck hat, die mit den Verhältliisseil nicht hinlänglich Vertrauten über die wahre Sachlage hinwegzutäuschen. Wäre uns nicht der Raum imseres Blattes dafür zn schade, wir könnten»och ein Dutzend ähnlicher»ud schlimmerer Un— Wahrheiten der Possibilisteii hier nniiageln, iudeß sehö» wir um so lieber von dieser nicht sehr erhebenden Arbeit ab, als nach- gerade alle in Frage köiNMcnden Eleincnle wissen, welche Stellung sie in der Kongreßfragc eiuznnehinen habe». — Wie der Telegraph meldet, hat der Sck?wcizcrische?7at!0i>al- rath die vom Schweizerische» Bnndesräth geforderte Schaffung eines Eidgenössische» Generali anwalts, dem die ll e b e r w a ch n n g der F l ü ch t l i n g c und politisch thätigcn Anstände r überiragen werden soll, einstimmig bewilligt. Wir köimeil das kaum glauben; dieser Grneral-Anwalt ist der Nagel znin Sarge der politischen Unabhängigkeit der Schweiz. Er wird durch die Gewalt der U M stände ein Werkzeug der fremden Regierungen sein, sie in den Stand setzen, immer mehr An- sordernngen zu stellen und zu erzwinge n. - Für den— König von Prenßcn. Man schreibt uns ans der Schweiz: Die deutschen Reptilien führen jetzt einen wüthrnden Feld- zng gegen unsere kleine Schweiz, weil diese einen preiißischen„Lockspitzel" ailsgewiesen hat, sie möchten unter allen Umständen einen„Erfolg" er- zielen und machen dabei Sprünge, die geradezu ans Komische grenzen. Unter anbcrm verlangen sie auch, daß die Schweiz in Zukunft nur solchen Personen den Anseiithalt gestatten soll, die mit gutem Leu- i» n n d z e n g n i ß und H e i in a t s s ch e t n versehen sind. Ob diese Maßregel, wenn sie wirklich bei uns eingeführt würde, nicht auch, wie so manche andere Maßregel, die gegen den Umsturz eingeführt wird. zu Wiglinsten der Urheber ausschlagen dürfte, das sollten sich diese doch sehr überlegen. Die Schweiz hat schon manchen Hoch- nnd Höchst- geborenen Flüchtling beherbergt, und in Deutschland sind die Verhält- Nisse jetzt gerade als nicht günstig für die Herren Gewalthaber zu be- zeichnen. Nach Meinung der Herren Gewalthaber selbst, kann jeden Tag eine Katastrophe das ganze herrliche Gebäude über den Huuse» Wersen. Und sieht die Angst der Herren auch Gespenster, so habe» sie haben sie doch Grund genug, sich nicht i» Sicherheit zu wiegen. Vor Kurzem regte die Arbeiterklaffe beim Bergarbeiterstreit mir den k l e i n e n Finger, lind trotzdem erzitterte die ganze herrschende Macht. Die näm- lichen Verhältnisse bestehen noch, und werden jeden Tag schlimmer; und wäre es denn so ganz unmöglich, daß die Arbeiterklasse einmal nicht blos den kleinen Finger, sondern die ganze Hand erhübe? — Die Arbeiter lassen sich doch nicht alle„über den Hänfen schießen," nnd dann könnte es Passiren, daß diejenigen, die jetzt gegen die Schweiz wüthcn, die Piittkamer, Pindter, Bismarck, Wohl- gcniiith?c., gezwiliigen sind, eine Vergmigimgsreise in imsere schöne Schweiz anzutreten.— Im„tollen Jahre" 1848 hat man bereits Aehnliches erlebt. Schon ans persönlichen Rücksichten, aus Egoismus, sollten die Herren also davon absehen, Leumundszeng- nisse als Vorbedingung zum Aufenthalt in der Schweiz zu machen. Denn auf das Lenmundszeilgiiiß hin, das den Herren Piittkamer, Jhring-Mahlow, Krüger, Engel-Altona, Wohlgeumth, Bismarck, Maak, Pindter u. s. w. ausziistelleii sei» wird, kann kein Land die Herren aufnehmen, ansgeuoinmen allenfalls Montenegro, oder höchnens noch Nnßland, das sie nach Sibirien in die Sommerfrische„verschicken" könnte. Kurz, sehr klug scheint mir diese Hetze gegen unser kleines Ländchen nicht zn sein." Und uns scheint es auch nicht sehr klug. Es wäre jedenfalls ganz gut, wenn Wilhelm II. die 1848cr Reiseabenteuer seines Großvaters studtrte, des späteren Wübelin I., den er sich ja so sehr zum Muster genommen hat, daß er sich mit ihm Eins fühlt, und jede Kritik des- selben als eine Majestätsbeleidigmig seiner eigenen Person betrachtet. Vielleicht lernt er etwas aus der Geschichte. — Klassenjustiz. Die Strafkammer in M ü n st e r vernrthcilte den Bergmann W e i c s d o r f aus Reckliu Hausen, weil er den ihm die Zahlung des rückständigen Lohnes weigernden Obersteiger Prem mit einem Rechenstiel über den Kopf geschlagen hatte, zu zwei Jahre» Gefäuguift! Das Militärgericht Würzbnrg vernrtheilte den Sekonde-Lieutenant Ludwig S ch in i e t vom 4. Bayerischen Jiischiterie-Reginient, der 42 Soldaten seiner Kompagnie, unter„M i ß b r a u ch seiner D i e n st g e w a l t" in cinpörciidster Weise ge mißhandelt hatte, zu— zwei Monaten Feslungshast. Es sind zwei verschiedene Gerichtshöfe, deren Rechtssprüche wir hier vorführen nnd mich die Gcgciiiibcrstcllniig der Vergehen könnte insofern bemängelt werden als es sich in dem einen Fall um Vorgänge im bürgerlichen Verkehr, im andern um solche im Heer bandelt. Aber diese Unterschiede sind mir formelle r Natur. Sachlich haben wir es in beiden Fölle» mit denselben Vergehen zu thnn— hier Mißhand- hing, dort Mißhandlung. Hier M i l d e r n d c Umstände— der Arbeiter war gereizt durch die Vorenthaltung des Lohnes, dort er- s ch w e r e Ii d e Umstände: Mißbrauch der D i e u st g e w a l t. Und doch wird hier auf zwei Jahre Gefängn iß, dort auf zwei Monate Festungshaft(die reine Erholung) erkannt. Das ist in beiden Fällen Klassenjustiz, die krasseste Verletzung des Grundsatzes der Gerechtigkeit. — lieber Spitzclwcrbungc« im N h e i n i s ch- w e st p h S l i s ch c n Kohlenrevier wird dein„Berliner Volksblatt" aus Hagen ge- schrieben: „In Rheinland und Westphalen ist seit etwa 14 Tagen ein Jndividnnm aufgetaucht, welches sich mit der Werbung von Spitzeln ans den Reihen der Arbeiter beschäftigt. Wenn die Goldstücke bei diesem Richtgentleman keine so große Rolle spielen würden, so könnte man leicbt zu dem Glauben verleitet werden, es handele sich bei den so ungeschickt und schamlos betrieben m Werbungeu nur um einen schlechten Scherz. Dieser Ehren- niann erscheint gewöhnlich in Abwesenheit der Männer in den Arbeiter- wohnungen, wo er sich als FenervcrsichcrnngSagent aufspielt, genaue Jnsormatlone» über die materiellen Verhältnisse der Leute einzuziehen sucht, sowie Erkundigungen anstellt, wann die Familienväter wieder zu Hause sind It. s. w. Das Hauptfeld der Thätigkeit Max Saiffarth's — so nennt sich der Spitzelwerber— ist das rheinisch-westphälische Kohlenrevier, wo die von ihm gedungenen Personen sich in alle möglichen Vereine aufnehmen lassen müssen, um die verlangten Angebereien, die sich in erster Linie um die Beziehungen der Arbeiter der einen Stadt zu den Arbeitern der andern Städte handeln, liefern zu können. Kaum hat der famose„Feucrversicherungsagent" mit irgend einem von ihm ausersehenen Opfer Beziehungen angekiiüpft, so rollen schon, noch ehe es zu bcftimniten Abniachnngen gekommen ist, die Zwanzig- Markstücke, die denn auch an manchen Stellen ihre verführerische Wirkung nicht verfehlt haben, weshalb wir die Arbeiter hiermit nachdrücklich lv a r u c n." Und wir fügen der Warnung den Wunsch bei, daß der Seelen- Verkäufer auf seinen Forschungsreisen einmal blau anlaufen möge. —„Wie ein Tchlachtcnbericht," so schreibt man der„Frkf. Ztg." ans Dortmund,„liest sich die Z u s a m menstellung der U n- g l ü ck s f ä l l e, die sich im Jahre 1888 im Bereiche der Sektion II dcrK nappschafts-BernfL-GeiiossenschaftlObcrbcrgamtsbczirk Dortmund) ereignet haben. Nach dem soeben fertig gestellten Bericht jener Sektion gclangtcn in 1888 im Ganzen 8082 Betriebsunfälle zur An- Meldung, gegen 8475 im Jahre vorher. Es kommen, wenn man das Jahr z» 300 Arbeitstagen rechnet, im Ganzen auf jeden Tag 30,20 Unfälle. Durch Kohlenstaub- und Wetter-Explosionen, deren im Ganzen 82 mit 103 Verletzungen vorkamen, wurden sofort 11 Mann gctödtet; die meisten kamen jedoch bei dem Abbau, der eigentlichen Kohlengewinnung vor, zu Tode nämlich 137, bei der Schießarbeit 28, bei der Maschinenfördcrung, beim Verladen, sowie bei dem Eisenbahnbetrieb 45. Im Ganzen endeten von den oben angemeldeten 0082 Unglücks- fällen sofort tödtlich 305. Große Massenunglücke haben im ver- gange, ic, i Jahre nicht stattgehabt. Die e r s ch r e ck l i ch h o h c Z a h l der zu Tode Gekommenen rührt mir von den sozusagen alltäglich gewordenen Unglücksfällen her." Wie viel von diesen„alltäglich gewordenen Unglücksfällen" bei weniger intensiver Abrackerung der Arbeiter und größerer Sorgfalt in der In- standhaltung der Gruben vermieden werden könnten, davon schweigt der Bericht. Kein Wunder, Menschenfleisch ist ja billig, und an das „alltägliche" gewöhnt der Mensch sich schnell. Niemand fällt es ein, das, was alltäglich geschieht, Mord zu nennen, und doch was ist es in 0 von 10 Fällen anders als Mord, gesetzlicher Mord! — Affen, Pferde und Majestäten. Als der Schah von Persien, der jetzt Europa bereist, im Berliner Aquarium an den A f f e n- K ä f i g trat, erhoben die Bewohner derselben, so berichtet die Lakaicnpressc, „durch den Glanz der Edelsteine und der fremdartigen Erscheinung (glänzte die auch? Red. d.„S.-D.") erschreckt, ein furchtbares Geschrei." „Ihr ahnungsvollen Engel, Ihr!" bemerkt witzig dazu ein Berliner Korrespondent des„Sächsischen Wochenvlatt". In einer Beschreibung der Jubelfeier des sächsischen Königs- Hauses, sagt das„Teltower Kreisblatt" vom 20. Juni wörtlich: „Der Kaiser stieg mit dem König in die Arena hinab, drückte den Offiziere» die Hand und streichelte, ganz nahe herantretend, ein und das andere Thier. Eins der Tartareurosse verfehlte dann auch nicht, vor dem Kaiser verehrend die Knie zu beugen." Dieses Tartarenroß ist also doch„jebildcter" als die Affen der Reichshmiptftadt. — Schweiz. In Biel fand am 9. Juni eine D e l e g i r t e n- Versammlung d e u t s ch c r A r b c i t e r v e r e i u e d e r W c st- s ch w e i z statt, die sehr zahlreich besucht war: fast alle Hanptortc der westlichen Schweiz waren vertreten. Die Versammlung beschloß, für eine Zentralisation der deutschen tzl r b e i t c r v e r e i n e in der Schweiz zu wirken und setzte eine Kommission ein, welche einen Organisationsvorschlag ausarbeiten und den Vereinen zur Urabstimmung iinierbreiten soll. Weiter nahm die Versammlung e i n st i m m i g eine Resöliition an, welche den Vereinen die obligatorische Anschaffung der drei Broschüren Kommunistisches Manifest",„Arbeiterprogramm" LLü Lassalle und„Gesellschaftliches und Privateigenthum", und Abgabe derselben zum Preise von 50 Eis. an iieucintrcteiidc Mitglieder empfahl. Weiter nahm die Vcrsainmluiig— ebenfalls emstimmig— folgende Resolution an: „Die in Biel versammelten deutscheu Arbeitervereine der Westschweiz legen Verwahrung ein gegenüber den die Schweiz als ein„wildes Land" hinstellenden Artikeln der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". „Tie deutschen Vereine verurthcilen auf das Schärfste die von der offiziösen Reptilicnpresse erhobenen falschen Beschuldigungen gegen die schweizerischen Behörden, als jeder thatsächlichc» Begründung entbehrend und erklären, daß eine solche frivole Verdrehung der Thatsachcn, weit entfernt das Ansehen der in der Schweiz lebenden De», scheu zu erhöhen und deren Interessen zu fördern, diese im Gcgcntheil verletzen und schädigen. „Die deutschen Arbeiter lehnen jede Vertretung ihrer In- t e r e ss e n durch die Reptilienpresse ab und einpfchlen deren Aus- lassungen der aUgemeineu Acrachtnng." Das ist Deutsch gesprochen, wenn auch kein— reichsdeutsch! w Nnßland. Das in Genf erscheinende„Freie Rußland"*-') veröffentlicht einen, der Redaktion ans Rußland zugegangenen Bericht über eine llt e v o l t c p o l i t i s ch e r V e r b r e ch e r, die»ach Jakntsk ver- schickt waren. Natürlich endete auch dieser Ausstand der Verzweifelten nach einer bestialischen Metzelei von Seiten der Soldaten der„Orb- nnng". Der Brief erzählt nur das Thatsächlichc des Vorgangs, er enthalt sich jeder Ausschmückung, jeden Kommentars. Aber die ange- führten Thatsachen reden an sich Bände darüber, wie hochgradig die geistigen und physischen Qualen der Deportirteu gestiegen sein miissen, uin sie dahin zu treiben, sich in blinder, Alles aufs Spiel seveuder Verzweiflung gegen eine zehnfache Ucbermacht anfzulchnen. Rur die feste lleberzeugiing, daß ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen ist, kann einen solchen Entschluß zeitigen. Wir geben den Brief vollinhaltlich wieder. Jakutsk, den 25. März. Dieser Tage hat sich hier cm Ereigniß ziigelrageu, da? die gesammtc hiesige Einwohnerschaft tief schmerzlich berührt hat, und welches nicht so bald in Vergessenheit gerathell wird. Anfang März, als der bis- herige Gouverneur Swietlitzkn nach Jrkutsk versetzt wurde, trat ein gewisser Ostaschkiu an seine Stelle. Ter iienc Gouverneur, der kaum die Bildung eines KanzleidicnerS genossen hat, war schon früher wegen der Grobheit und Grausamkeit, mit welcher er die„politischen Verbrecher" behandelte, berüchtigt. Er überschüttete dieselben buchstäblich *) Organ einer Gruppe von Revolutionären, welche die Konzen- tralio» aller auti-absolutistischen Kräfte anstrebt, von dem rein bürgerlichen Lideralismus angefangen bis zu den Revolutionären aller Schar- tirnngen. Als erstes zu erkämpfendes Ziel wird aufgestellt: Die po- litijcheu Freiheiten. mit Beschränkungen und Maßregelungen aller Art. Kaum hatte er die Macht in Jakutsk erhalten, so erließ er seiner Gewohnheit gemäß eine Reihe von Maßregeln, welche die ohnehin nicht beneidenswerthe Lage der Deportirteu bedeutend verschlimiuern mußten. Unter Anderem gab er Ordre, 18 politisch Berurtheilte nach Werchojansk und Srednje Kolymsk(in dem hohen sibirischen Norden, dessen Einwohner kein Wort Russisch verstehen) zu verschicken. Die 18 Mann sollten für die Reise in vier Gruppen zu je vier Personen eingetheilt, jede Gruppe von vier Kosacken bewacht werden, jede Abtheilung also aus acht Köpfen bestehen. Die erste Abtheilung sollte am 21. März aufbrechen. Bis zum 18. März herrschte unter den Jakutsker Deportirteu die größte Ruhe. An diesem Tage traf jedoch aus Werchojansk ein Ge- nosse, Namens Mclnikoff, ein, welcher erzählte, daß es auf dem Wege dah.u so gut wie keine Pferde und Reunthiere gäbe, daß die Lebens- mittel mangelten, und endlich, daß unter den Jakuten eine furchtbare Pockcnepidemie ausgebrochen fei, welche unzählige Opfer dahinraffe. Obgleich die bereits früher nach Werchojansk verschickten Deportirteu nur in Gruppen von zwei Mann transportirt worden waren, mußten sie doch wegen Mangel an Transportmitteln wochenlang auf den Sta- tionen liegen bleiben, starben fast vor Hunger und litten unsägliche Entbehrungen. In Folge dieser Mittheilungen beschlossen sämmtliche zur Verschickung nach Werchojansk bestimmten„Verbrecher", unter denen es Frauen und Kinder gab, sich an den Gouverneuer mit der Bitte zu wenden, sie nicht in Abtheilungen zu vier, sondern nur zu zwei Personen reisen zu lassen, ferner auf der Gewährung dieses Ansuchens unter allen Um- ständen zu bestehen. Um den doppelten Beschluß zu verstehen, muß man die Verhältnisse des Wegs zwischen Jakutsk und Werchojansk und Srednje Polymsk kennen. Amtliche Persönlichkeiten, welche mit den sibirischen Verhältnissen vertraut sind, müssen zugeben, daß es Leute dem sicheren Tode weihen heißt, wenn man sie im März und in Gruppen von Jakutsk aus nach den letztgenannten Orten verschickt. In Gemäß- hcit des obigen Beschlusses begaben sich am 20. März alle für den Transport Bestimmten, begleitet von den in Jakutsk zurückbleibenden Ge- sinnungsgenossen, zusammen 40 Personen, zu dem Gouverneur und reichten eine Bitte eiy des Inhalts, man möge die 16 nur in Abtheilungen zu je zwei Manu transportiren und nur alle fünf Tage eine Gruppe ab- gehen lassen. Auf dieses kollektive Bittgesuch erfolgte als Antwort der Befehl, alle Personen, welche das Schriftstück unterzeichnet hätten, in die Festung einzusperren. Am 21. Morgens erschien der Polizeikouimissär Olessoff im Hause Monastyrioff, wo sämmtliche in Jakutsk Jnternirten versammelt waren und forderte dieselben auf, sich auf dem Polizeiamt einzufinden. Die Leute weigerten den Gehorsam und forderten, der Polizeidirektor Suchatschoff solle behufs einer Unterredung zu ihnen kommen. Suchatschoff erschien in Begleitung bewaffneter Soldaten, ging auf keine Unterhandlung ein, sondern wiederholte einfach den ge- gcbenen Befehl. Als die Deportirteu keine Anstalt machten, der Auf- fordcrung Folge zu leisten, gab Suchatschoff den Soldaten Befehl, alle nach Werchojansk Verurtheilten mit Gewalt gefangen zu nehmen und hinweg zu führen. Die Deportirteu erklärten im Voraus, Widerstand entgegenzusetzen, und als drei bewaffnete Soldaten eintraten, wurden auf dieselben aus dem Nebenzimmer ein paar Rcvolverschüsse abge- feuert, die jedoch Niemand verwundeten. Die Soldaten stürzten er- schreckt aus dem Zimmer, Suchatschoff selbst aber eilte in dem Gouverneur, um 50 Soldaten zu verlangen. Nachdem ihm diese bewilligt worden waren und Befehl erhalten hatten, auf Alles vorbereitet zu sein, begab sich Ostaschkiu in Person nach dem Hause Monastyrioff, um mit den anfständischen Deportirteu z» verhandeln. Er versprach„Alles zu vergessen, wcnn� alle Deportirteu sich zurück in die Festung begeben und dort ihre Waffen ausliefern wollten. Die Verurtheilten wollten selbstredend auf einen derartigen nichtssagenden Kompromiß nicht ein- gehen, und durch Ostalchkin's Grobheit aufs Aeußerste erbittert, fcuertcu sie etliche Revolverschüsse auf denselben ab, von denen der eine den Gouverneur leicht am Schenkel streifte. Ostaschkin zog sich nun zurück und gab den Soldaten Befehl, das Hans um jeden Preis zu nehmen. Von beiden Seiten fielen nun Schüsse, und einer der Deportirteu, welche dem Gouverneur nachstürzten, ward von einem Soldaten mit dem Bajonnct aufgespießt, ein junges Mädchen, Sophie Gurewitsch, ward von drei Bajouncten aufgespießt, so daß ihr buchstäblich der Leib von unten bis oben aufgerissen ward. Der Kampf dauerte nur etliche Minuten, da die Deportirteu im Besitze von blos 5 Revolvern waren und ihre Munition bald zu Ende war. Im Kampfe waren ein Polizist getödtet, ein anderer sowie zwei Soldaten und ein Offizier verwundet worden. Auf Seite der Deportirteu waren sechs gefallen: Podbelsky, Pick, dessen Braut Gurewitsch, Natkin, Schur und Muchanoff, und acht verwundet, davon vier lebensgefährlich. Die übrigen 28 Aufständischen wurden gefangen genommen und eingekerkert. Der Kampf war ein ungleicher gewesen, fünf Revolvern hatte» 50 Gewehre, Bajonucte und Flintenkolben gegenüber gestanden. Die Soldaten hatten wie wilde Bestien gehaust: sie waren nicht nur über die Männer hergefallen, son- auch über unbewaffnete Frauen, unter denen es viele gab, welche nicht zur Deportation vernrtheilt, sondern die ihren Männern freiwillig ge- folgt waren, wie Frau Hausmann, Bramson?c. Weiteres hinznzu- fügen, wäre überflüssig. Wird der schreckliche Tod von acht Menschen das" schlafende Gewissen der Regierung nicht doch wecken(naive Hoff- nuiig!) und werden in Zukunft wenigstens eine große Anzahl junger Leute und Mädchen, unter denen es wahre Kinder gibt, wie die sechs- zehnjährige Schwester der Gurewitsch, vor Jakutsk und seinen Schrecken bewahrt bleiben k Wahrscheinlich ist, daß der Gouverneur einen Orden und eine Be- fördcruug im Amte erhält." —„Hyänen"»nb Hyänen. Unter diesem Titel schreibt die„Nein- Dorker VvlkSzeitnng": „„Kurzen Prozeß" machte man mit den„Hyänen des Leichenfeldes" im Conemanahthale, indem man sie einfach ersäufte/ niederschoß oder aufknüpfte, lind das waren meistens„Hunnen"*), in der größten lln- wiffenheit aufgewachsene, von Hungerlöhnen lebende Rienschen, die jeden- falls kein großes Verbrechen darin sahen, den T o d t e n Schmucksachen abzunehmen, die ja doch in die Erde vergraben worden wären. Da stellten sich aber noch aiidere Hyänen im Thüle ein, mit der Absicht, die Lebenden zu berauben. Das waren aber keine armen, unwissenden Hunncn, sondern geriebene, wohlsitnirte„Geschäfts- l e u t e", die das Verbrecherische, ja unter den obwaltenden Umständen wirklich Todesivürdige ihrer Handlungsweise sehr wohl begreifen. Ihresgleichen sind auch stets in aufgeregten Zeiten ebenso gut wie die Leichenräuber der Volkswuth zum Opfer gefallen, und besonders haben sie die Latcrncupsähle der Straßen von Paris während der großen Revolution„geziert". Keine Spitzbuben oder Räuber in des Wortes gang und gäber Bedeutung, souder» Wucherer, welche die Roth des Volkes bcnntzen, um billig ansgrkanslc, jedenfalls dazu noch schlechte N a h r Ii u g s m i t t e l mit zehnfachem Profit wieder abzu- setzen. Dieser„Profit" aber ist. der verschleiernden Umstände entkleidet, so gut Raub, wie die Beutestücke der.Hunnen". Ja, schlimmer noch: die T o d t e n hatten ke.ncn Schaden davon, daß man ihnen den„irdi- scheu Tand" nbiiahi»! aber die„Leb enden" wurden durch den Wucher dieser anderen Hyänen ihrer Existenzmittel beraubt, an den Bettelstab gebracht. Diese gefirnißten Hnnnen aber hing man nicht ans; das Volk in diesem Lande ist von der Reipcktabilitat des Profitmachens derart durch- drangen, daß es gar kein Verstäudniß mehr für das Verbrecherische des Wuchers hat. Und es hätte sich ruhig weiter plündern, die zur werkthätigen Hülfe herbeigceiite» Bürger es ganz ruhig geschehm lassen— diesen Bestien, diesen wahren„Hnmien", wußte man nicht anders bciznkommen, als daß einige mitleidige reiche Personen ebenfalls Lebensmittel aufkauften und sie zum Selbstkostenpreis abtzabcn. Die Vampyre der Gesellschaft— die ihr Ranb�eschäft auch unter normylen Verhältnissen betreiben— beschönigen ihr verbrecherisches Treiben damit, daß sie die Leute ja nicht zwingen, ihnen etwas abzu- kaufen, oder Geld gegen Wucherzinfen von ihnen zu nehmen. Das ist aber eine lächerlich sophistische Ausrede: es wäre ja wahnsinnig, wenn Jemand sich freiwillig berauben ließe. Wie dort das„Schicksal" den Wanderer dem im Waldesdickicht lauernde» Ränder in den Weg führt, ist e? hier die Roth, welche ihn zu dem in seinem Bureau hockenden Wucherer treibt. *> So nennt man in Amerika im verächtlichen Sinne die ans Ungarn importirten Arbeiter— beiläufig meiste»? Slaven. Ist aber ein Unterschied darin, wenn ich Jemanden die Pistole auf die Brust setze mit den Worten:„ La bouree ou la vis 1" oder wen» ich ihui sage;„Dein Geld her oder verhungern?" Räuber hier und Hyäne da. Warnung. Vor dem R c e p s ch l ä g e r Albert Krohn aus D a n z i g muß gewarnt werden. Derselbe hat nicht geringe Unterschlagung gemacht und mögcil alle Slrbciter-Vereine ic., wo er Vertrauen oder Aufnahme sucht, fowie überhaupt Jedermann, vor diesem in Flensburg entlarvten Be- träger sich hüten.— Nachrichten über sein Auftauchen und Treiben, sowie weiteste Ver- brcituug dieser Warnung erbitten wir recht, citig. Der Schriftsetzer Carl Burkhardt ans Frankfurt a. M. jetzt wohnhast in Berlin 81V., Mittenwalderstraße Sir. 44, 4. Tr., hat sich mehrerer S ch u r k e r e t c n und Denunziationen schuldig gemacht. Es ist f e st g e st c l l t, daß er sich als„Feudal- Kriminalbeamter" einem Restaurateur gegenüber ausgab, um 20 Mk. zu erpresse n. Da ihm dies nicht gelang, d e n n n z i r t e er den Wirth wegen Schnaps Verkaufs ohne Konzession, so daß dieser auf Bnrckhardts Zeugniß hin bestraft wurde.— In jeder Versammlung,— auch in gegnerischen— spielt sich der S ch u r k e B u r k h a r d t als„S o z i a l d c m o k r a t" auf und sucht sich auf provokatorische Art und Weise gegen Jeden hervorzutliun. Man behandle ihn also als„freiwilligen Lockspitzel", wo er sich sehen läßt. Dies zur Warnung für die Berliner ganz besonders. Signalement: Alter 40 Jahre; Größe: 1,87 Meter; volle kräftige Figur; Haare und Vollbart: braun. Spricht siid- deutschen Dialekt. Briefkasten der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten: Chur, Middelburg, Nürnberg, Paris, Stuttgart, Zürich.— L. Fr. in P.: Nach Wunsch besorgt. Besten Gruß.— Beelzebub: Mitgetheiltes über B., bezüglich dessen wir Ihre Ansicht thcilen, bis zu passendem Anlaß zurückgelegt. Für sonstige Mittheilungen Dank. der Expeditton: Nro. 7/9—27: Mit Nr. 25 sandten die bei- den Reklamirten. Ausbleiben uncrklärl.— L. W. G.: M. 2.— für d. llfd. dkd. crh. An betr. Adr. ist überhaupt nichts abgg. Reklamirtes wird jetzt dort sein.— A. Sch. Djn.: Fr. 7.50 f. Ab. 3 Qu. erh. Weiteres nach Wunsch.— Gesammelt von drei Versprengten: Fr. 10.— f. d. Fam. d. inHaft. Gen. dkd. crh.— Arabi Pascha: Adr. v. 20/6. notirt und skreuzband erhalten. Melden Sie bfl. stets auch zuletzt Eingc- gangencs!— Steineiche: Bf. v. 19. u.-fbd. vom 21/8. crh. Dank für Besorgung. A. hat geantwortet, aber sehr allgemein. Weiteres am 25/6. briefl. Ihr Schueiderlein könnte wohl auch gelcgentl. eine kühle Touche und einen Orden brauchen?— Harry W. Sidncy: Nachr. v. 12/5. am 24/6. crh. u. Gewünschtes sofort pr.-fbd. abgesandt. Besten Erfolg. Grnß!— H. Triller: M. 7.60 f. Schrft.-Rcst erh. Bstllg. folgt. betrug übrigens Mk. 9.60, da noch Mk. 2.— von früher dazugehören. — I. Fss. Edvn.: Fr. 2.80 Ab. 3. Qu. n. Schft. erh. Bstllg. mit 26. — Forest: Mk. 5.— pr. llfd. dkd. erh. Deshalb erwache!— Ludwig: Sh. 8.03 für div. Schft. erh. Bstg. nach P. abgg.— Rother Peter: Mk. 36.10 Ab. 1. Qu. erh. Schftbstg. folgt.— Pfaffcnfcind: Mk. 120.80 Ab. 2. Qu. u. Schft. erh. lliekl. wahrscheinlich in Zwfchh. geblieben. Nachlfg. veranlaßt. Am 25/6. brfl. mehr.— Ahasvcrus: Mk. 30.40 für Schft. ec. in Ggnr. erh. Bfl. per H. B. Weiteres.— Schlafhaube: Bf. v. 19. am 25./8. bcantw. u. Adr. geordn. Ihr Kouvert war sehr schlecht giimmirt, daher sehr zugänglich. Soll der Erfragte denn nun da? Gewünschte kriegen?— Beilchenstein: Erwarten stundl. Bescheid auf unsre Fragen vom 12/6. Hoffcntl. unterwegs.— Lionel: Alles nach Vorlage v. 22/8. vorgemerkt und am 25/6. bfl. Weiteres beriastet.— — Kilian: Bstllg. v. 18/6. ncl notaiu genommen. Vermißtes ging Alles an den Betreffenden. Hoffentl. arbeitet er damit nicht auf„eigene Rechnung."— Balthasar: Bf. v. 21/8 kreuzte mit Quitt, in 25. Also alles in Ordn. n. bfl. am 24/6 mehr.— Merlin: Adr. lt. Bs. v. 23./6 notirt und am 25/8 gcantw.„Praktische Leute" gewinnt man eben nur durch praktische llebiing. Ihre ablehnende Praxis ist also sehr unpraktisch, so praktisch auch Ihr Verlangen ist, stets rasch bedient zu werden.— Rother Eisenwurm: Bstllg. v. 19/8 u. Adr. notirt. Weiteres am 24/6 bfl. Die Koilsequenzen betr. W. werden nicht ausbleiben, zumal— ld. von uns rechtzeitig aufgeklärt wurde.— lltopia: Lb.-Vcrsdt. ist für laufende Woche abermals als absolut sicher zugesagt. Wahrscheinl. bei Empfang dieses schon erfolgt. Weiteres wird besorgt.— Dante: Nachr. v. 24/8 hier lind Adr. notirt. Sclbstverst indl. werden AnSl. verrechnet u. sind stets zu melden, also erwartet; dann das Weitere.— Trannicht: Bstllg. v. 24/8 sowie Weiteres vorgemerkt. Slbgegangcn ist Alles. Sollte Adressat nicht pünktlich gewesen sein?— Pharao: Von Mitgetheiltem nehmen dkd. Notiz und besorgen das Weitere. Die alte Geschichte vom kleinen „Prinz Gernegroß". Briest, mehr.— Nthr. Hclldr.: Ausbleiben scheint irrthttml. verursacht und ist Einrcnkg. bewirkt. Gruß.— Hebe: Adr. u. Bstllg. notiren It. Vorlage v. 21./6 und berichten am 24/8 briefl. das Weitere. Rechnung Aulaugendes folgt.— Fcrnandez: Ansl. werden selbstverständl. vergütet und erbitten Spezialaufstllg. Adr. geord. Schst. unterwegs.— Rother Apostel: Bf. v. 19. am 22./6 beantwortet. Vor Allem sofort Nachr. betr. Pp. erbeten. Ggr. nach Vörschr. gntgebr.— Rubikon: Pfd. Strlg. 2.5.10 aCto. Ab. zc. erh. R. geord. u. Avisirtes erwartet. Brieflich am 25/8 Weiteres.— N. N.; Alles besorgt. — Filou: Pfd. Strlg. 73.—.— a Cto. Ab.?c. erhalten. Näheres p. Bf. erwartet.— Ziothcr Geldsack: Mk. 20.80 f. 4 dir. n. 1 iudir. Ab. per 3. Qu. und Anfsrllg. erhalten. Brieflich mehr.— X. 3 V.: Mk 50.— a Et. Ab. erh.„Einige Nummern fehlen"— aber welche denn?— O. B. Mbd.: öwfl. 3.— f. Ab. 1/4—1/7 u. Schft. erh. — Spreequellc: 50.— Mk. Ab. 1. Qu. u. a Cto. crh. Ad. eingerenkt. — Kilian: Besorgt. Gruß!— Arabi-Pascha: Nachr. v. 24/6. erh.— Akai: Adr. v. 25/6 vorgemerkt. Sdw. leider sehr langsam.— H. Rkw. London: Pfd. Strl. 3.—.— a Cto. Ab.?c. erh.— C. C. Ebg. i. S.: Mk. 30— Ab. pr. 89 Cto. Tbtz. S. Po. erh.— 1871er Nachf.: Mk.4.40 Ab. 3. Qu. erh. Weiteres zur Kenntniß genommen.— Reckarschleimer: Mk. 5.60 baar u. pr. Cours a Cto. alter Rest erh. u. Mk. 4.— pr. Ret.-Anth. nach Ihrer Aufklärung gutgebr. Uebrigeus:„Im Deuten zeige Dich stets munter, liegt Nichts darin, so ley' was imter." Bfl. werden beweisen, daß Ihnen dieses Leiden mitgespielt. Für die Schweiz. Sestcllunge» auf den„boMidmokrat" besorgen wir wie bisher p r o m p t e st und tragen fortan diejenigen bisherigen Abonnenten, ivelche das Blatt nicht abbestellen, auch für das laufende Quartal vor. Sofort nach Ausgabe der Nro. 27 erheben wir N a ch- nähme, dafern das Abonnement für dieses Quartal nicht bis zu Erscheinen der Nro. 26 baar an uns eingesandt ist. vir Schristtn-Filialt drr Arbkitkrliimmk in Zürich Zähringerstraste 12 Lriatvä for tbe proprFetora bj the German Cooporatire Publishing Co« 114 Keatish Town Koad London N. W.