Abonuements" »ftkfn Stirn Verlag und Stflcit Selannttn Agenten entgegen- genommen, und zwar jum voraus, ahl varo« vierteljahripreii von: Vll, 4,40 sllr Deutschlandv o l l t e n. Sie wurden damals sofort verhaftet und stan- den nun am 19. Juli vor den Gerichtsschranken unter der Anklage— der Störung der Telcphonleitung. Bewies also schon die Anklage, daß die Angeklagten eigentlich nichts Strafbares begangen, und daß die llntcrsuchnngShaft durchaus ungerechtfertigt war, so übertrafen doch die Richter diesmal sich selbst. Die Sozialisten wissen zwar längst in Deutschland, daß die meisten der gegen sie geführten Prozesse elende Farcen sind, mittelst deren die Richter nur die Thatsache verschleiern, daß sie heute nichts weiter sind als die Büttel der Regierung, die auf Befehl die gewünschten Verdikte apportircn und, wie die Urtheile jüngst in Dortmund wieder bewiesen, außerdem noch jede Gelegenheit benützen, als Angehörige der besitzenden Klassen ihrem H a s s e und ihrer Furcht vor deu Arbeitern Ausdruck z» geben, aber die Fälle, in denen diese Thatsachen aller Welt in die Augen springen, müssen immer ganz besonders hervorgehoben werden. Auf die lächerliche An- klage, die sonst immer mit ein paar Mark Buße geahndet ivird, ver- urtheilten die Dresdener„Richter" Steudten, ann zu Iii, Johne zu Richter zu 7 und Berck zu 5 Monaten Gefängnis). Außerdem erhielten dieselben wegen Schießens auf öffentlichen Plätzen je 5 Wochen Haft zuerkannt, welche Strafe indessen durch die er- littene Untersuchungshaft(zwei Monate, wie gnädig!) für verbüßt erachtet worden ist. Und mit Ausnahme Berck's blieben sie natürlich in Untersuchungshaft. Hoffentlich erfahren wir noch die Namen dieser Henkersknechte, um sie an den Schandpfahl schlagen zu können! — Wie recht die deutschen Sozialdemokraten hatten, als sie seiner- zeit erklärten, hinter der Kolonialschwärmerci der deutschen Bourgeoisie und Regierung verberge sich der geheime Wunsch, Strafkolonien für politische„Verbrecher" zu erwerben, zeigt sich viel früher, als mau erwarten durfte. Im nationalliberalen„Hannov. Courier", dem Or- gane des Herrn B e n n i n g s e n, wird aus j u r i st i s ch e n(!) Kreisen empfohlen, die deutschen Kolonien in Wcstafrika durch— Straf- gefangene zu bevölkern. Die Kolonien Kamerun und Togo seien zwar„nicht gerade die gesundesten", aber das Mitleid gehöre hier nicht her. Es sei nun immerhin noch besser, wenn die Verbrecher in Kamerun und Togo ihr Leben verlieren, als elendiglich im Zuchthausc oder gar auf dem Schaffst enden.— Und nicht zu ver- geffen, in den Kolonien als Arbeitssklaven die Taschen der Unter- nehmer füllten, sintemalen die Neger kein Verständniß für die Hohe Kulturmission der Arbeit annehmen wollen, lieber die entsetzliche Ge- fühlsrohheit, die sich in den paar Zeilen vcrräth, wollen wir kein Wort verlieren— im Rechnungsbuche des profitwüthige» Kapitalisten ist keine Rubrik für solche Begriffe wie Menschenwürde und Menschlichkeit—, was wir festnageln wollten, ist nur der offen geäußerte Wunsch, Strafkolonie» zu errichten. Der Schritt, diese dann zu Dcpor- tationsstättcn für politische Verbrecher überhaupt und Sozia- listen insbesondere auszudehnen, erfolgt von selber— er liegt dann zu nahe in der Möglichkeit und allzusehr in der Sehnsucht von Bour- geoisie und Regierung! Zu verwundern ist eigentlich nur, warum noch keiner der Gesellen, die sich jetzt den Kopf zerbrechen, wie der Kon- traktbruch der Arbeiter und das Streiken überhaupt zu verhindern wäre, auf den Gedanken gekommen ist, solche kontraktbrüchigen Streikcr einfach zu— dcportiren! Eine ebenso einfache als wirkungsvolle Maß- regel— auch vom Standpunkt der heute wieder recht Mode gewor- denen Abschreckungstheorie l — Eine Frau hat endlich den Math gefunden, den, in neuester Zeit frecher denn je sich geberdenden Zelotenthum unter den protcstan- tischen Pfaffe» eins auf's Rtaul zu gebe». Diese Sippe glaubt, seit- dem Stöcker's Guadensonne auf de». Throne strahlt, ihre Zeit für ge- kommen, und sie beginnt mit zudringlicher Frechheit ihren Kampf, vorder- Hand gegen das Zivilstaudsgesctz, bei den Armen und Frauen. Was bisher— ein Zeichen der„sächsischen Gemüthlichkeit"— nur in sächsischen Jndustriebezirkcn streitbare Pfäfflein ab und zu versuchten, probirte auch ein Berliner Pfaffe in folgendem Briefe: „Nachdem uns bekannt geworden, daß Ihnen am... ein Kind ge- boren ist, ersuchen wir Sic mit Rücksicht auf§ 1 des Kircheugesetzes vom 39. Juli 1889, betreffend die Verletzung kirchlicher Pflichten in Bezug auf Taufe, Konfirmation und Trauung, welcher lautet:„Wenn Ktrchenglieder ihre Pflicht verabsäumen, die unter ihrer Gewalt stehen- den Kinder taufen... zu lassen, so ist auf dieselben vorerst durch seelsorgerischen Zuspruch des Geistlichen, sowie durch freundliche, ernste Mahnung eines oder mehrerer Aeltestcu hinzuwirken," gefälligst uns binnen 14 Tagen zu Händen des unterzeichneten Pfarrers mitzutheilen, ob und in welcher Parochie die Taufe des Kindes bereits stattgefunden hat, oder ob Sie dasselbe im Laufe der nächsten Zeit taufen zu lassen beabsichtigen. Der Gemcinde-Kirchenrath der...... ....... Pfarrer." Adressirt war der Brief:„An die U» v e r e h l i ch t e...." Diesmal war der Pfaffe an die Unrechte gerathen, denn er erhielt folgende treffende Antwort, die wir zur Nachahmung als passendes Schema hier folgen lassen. „Geehrter Herr! Auf Ihr sehr merkwürdiges Schreiben vom... erwidere ich Ihnen, daß für mich allein die staatsbürger- l i ch e» Gesetze maßgebend sind, welche es in m e i n Ermessen stellen, o b und wann ich mein Kind taufen lassen will. Eine Verweisung auf§ 1 des Kirchengesetzes, ohne dabei der bürgerlichen Gesetze Er- wähiiuug zu thnn, finde ich höchst sonderbar. Einen cveiituellen Besuch Ihrerseits oder eines oder mehrerer Kirchcnältcstcn bitte ich zu unter- lassen; ich weiß allein, was ich meinem Kinde schuldig bin. Im Uebrigen bin ich für Sie nicht die U n v e r e h l i ch t e, sondern das Fräulein.... Achtungsvoll...." Ein Bravo diesem tapferen Fräulein, das so manchen„Mann" beschämt! — Hnmor verräth unstreitig das Berliner„Kleine I o u r n a l" in der Art und Weise, wie es seinem Schmerz Ausdruck verleiht, daß gegenüber den streikenden Arbeitern die armen Fabrikanten so wehrlos seien. Nachdem es Konventionalstrafen als probates Mittel gegen Streiks empfohlen, fährt es fort: „Unter dem Eindruck des Ausnahmegesetzes gegen die Sozialdemo- kratie, vermögen es viele noch gar nicht zu fassen, daß wir bereits in einem sozialdemokratischen Staatswesen leben, dessen Entwickel u ng nach der demokratischen Seite auch ohne hohe obrigkeitliche Bewilligung sich ganz von seihst bahubrechcn wird." Hier etwas hillzuzufügen, hieße nur die herzbrechende Komik dieser Jeremiade beeinträchtigen. —„Du sollst Vater und Mutter ehren." Berliner Blätter wissen zu melden:„Ob Fried richskron oder Neues Palais — diese Frage ist nunmehr cndgiltig entschieden. Wie das„Amtsblatt des Reichspostanits" mittheilt, führt die Telegraphenanstalt„Friedrichs- krön" fortan die Bezeichnung„Neues Palais". Kaiser Friedrich, Wilhelm's Vater, hatte bekanntlich den Namen „Friedrichs krön" festgesetzt; Kaiser Wilhelm, Friedrich's Sohn, änderte jetzt den Namen, der allzusehr an den Bater erinnerte, in „Neues Palais" um.—„Du sollst Vater nnd Mutter ehren"! Aber in der Bibel heißt es auch,— könnte uns der Stöcker-Kaiscr entgegnen: „Ihr sollt keine Götter neben mir haben".— Beides stimmt! — Warum der Kaiser Lohnerhöhung brauchte. Zu dieser Frage melden deutsche Klatschblätter: „Der neue Salonwagen des Kaisers wurde Sonuabends auf der Wildparkstation vom Monarchen einer abermaligen eingehenden Bcsich- tiguug unterzogen. Der Kaiser, der von dem Minister Maybach geführt wurde, hatte noch verschiedene Ausstände an der inneren Einrichtung, des Wagens zu machen, weshalb die Frist zur definitiven Fertigstellung desselben bis zum 15. Juli verlängert wurde. Die innere Einrichtung wird äußerst prachtvoll werden, die Möbel des Wagens werden in aus- gelegter Mosaikarheit hergestellt. Außer diesem Salonwagen befindet sich noch ein Schlafwagen und ein Speiscsalonwagen für den Kaiser in Arbeit, welche demnächst in Potsdam eiutreteffen werden. Diese Wagen werden bei Fahrten, die der Kaiser macht, niit dem Salonwagen durch eine Lederverbindung vereinigt, so daß sie ein geschlossenes Ganze bilden. Die Kosten des Salonwagens allein sollen, wie die„Nordd. Allg. Ztg." meldet, zirka eine Million Mark betragen. Auch für die Kaiserin soll ein ähnlicher Salonwagen nach der Fertigstellung des kaiserlichen Wagens erbaut werden." Die Arbeiter„über den Hanfen schießen", wenn sie gegen langsamen Hungertod beim Kaiser- petitioniren, der Kaiser Millionen für Reisen und Luxuswagen verschwenden, das heißt in Preiißen-Deutschland: Soziales K ö n i g t l> u m! — Die deutsch- schweizerisch?» Grcuzplackereien haben be- gönnen— von allen Seiten wissen deutsche Blätter von verschärften Zollschnüffeleien zu melden, und wir könnten eigentlich mit einer ge- wissen Schadenfreude hiervon Notiz nehmen, denn uns treffen diese albernen Quälereien nicht— wir pflegten uns bisher mit dem„Sozial- demokrat" nicht auf dem Zollbureau vorzustellen und gedenken auch ferner auf diesen Akt der internationalen Höflichkeit zu verzichten, ganz abgesehen davon, daß der Weg von London nach Berlin über die Schweiz doch etwas kostspielig und langweilig wäre. Getroffen nnd chikanirt werden nur die Geschäfts- und Vcrgnügungs-Rcisendcn, die zum größten Theile aus unseren Gegnern sich rekrutircn, im Uebrigen warme Verehrer der deutschen Polizeibütteleien sind und auf die Gcuiali- tät ihres obersten Polizeibüttels Bismarck Stein und Bein schwören. Wenn sie jetzt dafür auch einmal— leider in allzu harmloser Weise— Ambos spielen müssen, so schadet das ihnen gar nichts; nur ist die Charakterbeschaffenhett dieser Menschengattung eine so nloliiskenartige, daß auch die Hoffnung eine illusorische ist, sie würden aus diesen elenden Chikane» etwas lernen. Stände Deutschland gegenwärtig nicht unter dem Zeichen des L a u s b u b e n th u m s, wären nicht alle seine poli- zeilich-politischen Maßnahmen ebenso dumm als bübisch, so wären solche Ausflüsse kleinlicher Rachegefühle einfach undenkbar. Nicht bloß die Schweiz soll gestraft werden, nein auch das deutsche Bürgerthum, weil es auf das Bismarck'sche Hallali nicht unisono in dem Lumpazius Wohlgemuth einen Nationalheiligeu erblicken und dessen Ausweisung nicht cinstimmig als eine Beschimpfung der deutschen Nation cmpsiiiden wollte. - Zur Frage der intern zstenOZen R?geln«s der Arbeits- gesctzgebnng liegt eine ganz kleine, nach ihrer Tendenz aber b e d e n t- s a m e Nachricht vor. Angeblich um den Wünschen der Arbeiter ent- gegenzukommen, haben die Mitglieder des Vereins süddeutscher Baum- wolliudiistrieller in einer zu Augsburg stattgefundmen Bcrnthung beschlossen, mit ihren Konkurrenten sich in Verbindung zu setzen, um von einem gewissen Zeitpunkte an die Arbeitszeit von 12 auf 11 Stunden zu rcdiiziren, sowie den Lohntarif so zu regulircn, daß es den Arbeitern möglich sei, in kürzerer Arbeitszeit ebensoviel zu verdiene» wie bisher." Das Geheimniß, durch angebliche„Regulirnng des Lohntarifs" die Arbeiter auch bei verkürzter Arbeitszeit den früheren Lohn verdienen zu lassen, haben die englischen Fabrikanten schon längst enthüllt. Es heißt einfach, erhöhte Jntensivität der Arbeit bei verbesserter Technik, so daß der Fabrikant damit noch ein gutes Geschäft macht, lind die Augsbnrger Baumwollenbarone, die ersten, die schon vor 29 Jahren böhmische Kulis einführten, haben es von jeher verstanden, in Gcstal von Arbeiterwohnungen, Badeanstalten und ähnlichen„humanen" Ein- richtnngen die Arbeiter bis aufs Blut anszuschinden und in politischer Knechischast zu halten, wie man sie nur in den westfälischen Kohlen- distrikten ähnlich findet. Herr Direktor Häßler war von je ein großes Kirchenlicht unter den deutschen„Sozialreformern". — Ein Ttöckcr-Eid, der für seinen Urheber allerdings schlimmerc Folgen hatte, beschäftigte jüngst das Nordhanser Schwurgericht. Der evangelische Pfarrer a. D. L a n g e f e l d t aus Großtöpfer (Eichsfeldt), zuletzt in Gohlis bei Leipzig, seit längerer Zeit in Unter- suchungshaft, war des wissentlichen Meineids angellagt. Die umfängliche Beweisaufnahme erfolgte unter Ausschluß der Oeffentlichkett. Sie brachte, wie der Staatsanwalt in seinem Plaidoyers bei wicdcrherge- stellter Oeffentlichkett ausführte, einen erschreckenden Pfuhl von Schmiitz zu Tage. Zur Sache selbst wird festgestellt, daß L. vor der Straf- kammer Heiligenstadt eidlich versicherte, niemals mit einer Dicnstmagd verbotenen Umgang gepflogen zu haben. Das Mädchen wurde deshalb wegen Verleunidiing zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt und hat diese Strafe auch verbüßt. Die Wahrheit ihrer Aussage wurde erst später kund. Der Angeklagte wurde zu 2 Jahren Zuchthaus und 4 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Freilich, Herr Stöcker, den sein Gedächtniß in ähnlicher Weise im Stiche ließ wie diesen seinen„Bruder in Christo", ist kein einfacher Landpfarrer, sonst wär's ihm vielleicht auch schlimm ergangen, aber den Vertrauten einer Kaiserin, den„kommenden Mann" des bibcl- gläubigen Kaisers— Bauer, das ist was Anderes,— einen solchen Mann darf mau nicht ins Zuchthaus stecken, auch wenn er das Kains- zeichen des Meineids an der Stirne trägt. Schließlich werden ja auch Verfassungen— beschworen! — fliiickgang des deutsche» Handels-Berkehrs. Eine sehr be- mcrkcnswerthc Erscheinung ist der Rückgang des deutschen Handels- Verkehrs. Es wird dargelegt in folgenden Ziffern(in Doppel-Zent- nern): Einfuhr Ausfuhr 1883 299,28 269,43 1884 296,48 229,62 1885 292,92 21-1,99 1886 196184 213,89 Der Rückgang— in der Ausfuhr namentlich— hängt ohne Zweifel mit der Schntzzoll-Politik zusammen. Mit dem Versuch, England den Rang abzulaufen, scheint es somit noch gute Wege zu haben. Was aber die Hauptsache, inau ersieht aus diesen Ziffern, wie illusorisch die Hoffnung ist, der„Ueberproduktiou" im eigenen Lande abzuhelfen durch die Verschleppung der Güter nach Außen. Deutschland hat sich in den letzten Jahren gewiß Mühe genug gc- geben, seinen Export zu heben. Die deutschen Kauflente verstehen es besser wie die aller anderen Länder, sich den Bedürfnissen überseeischer Märkte anzupassen und sind an Sprachkenntnissen allen andern vor. Ferner hat das Reich eine Anzahl Dampferlinien snbventionirt, um den Handelsverkehr zu heben. Man hat während dieser Zeit in Ost- und Wcst-Afrika, in der Südsee und in Australien Boden gefaßt; die Gotthardbahn ist inzwischen gebaut worden und hat gewiß den Verkehr mit Italien und den Mittelmecr-Ländern gehoben. Und nnn? Ein Rückgang der Ausfuhr innerhalb vier Jahren um fast zwanzig Pro- zent trotz aller dieser Bemühungen. Das spricht deutlich genug. Die Ausfuhr ist sonach nicht das Mittel, mit dem man der„Ueberproduk- tion" entgegen wirken kann. Auch haben nicht etwa andere Länder auf Kosten Teutschlands gewonnen, sondern der internationale Waaren- verkehr ist durchgängig in dieser Zeit nicht viel gestiegen, jedenfalls nicht annähernd im Vergleich zu der Steigerung der Produktivkraft in derselben Zeit. Es ist eine Thatsache, daß jedes Land so viel als möglich bemüht ist, sich den eigenen Markt zu erhalten und daß die sog.„neutralen" Märkte zum Theil anfangen, einzugehen und die be- treffenden Länder sogar Konkurrenten der bestehenden Export-Länder werden, z. B. China und Japan. Da bleibt eben nichts anderes übrig, als die Konsumkraft der Massen zu erhöhen und diese ist unter dem Lohnsystem nicht, wenigstens nicht in hinreichendem Maße möglich. Das Gebot der billigen Produktion um vor der Konknrrenz bestehen zu köiylcn, läßt die Steigerung des Konsums der Massen nicht aufkoimnen. Aus diesem Dilemma gibt es keinen andern Weg als die Beseitigung der kapitalistischen Produktions- weise. — Polizeidepcschen. Deutsche Zeitungen lassen sich aus Berlin — Berlin, nicht London!— folgenden Blödsinn telegraphiren: „Ein Mitarbeiter der in London erscheinenden„Evening News" hatte eine Unterredung mit dein Nihilisten H a r t m a n n, welcher be- hauptcte, 6 Monate unter anderem Nanien in Deutschland, Oesterreich, Frankreich und der Schweiz gelebt und dort die Ilm- sturzpartei o r g a n i s i r t zu haben. Hartmann behauptet bombastisch, in den genannten Ländern besitze seine Partei einen großen Anhang und man könne bald in Rußland, Deutschland und Oesterreich Thatcn erwarten, welche die früheren ganz in den Schatten stellen würden. Ganze Arsenale von D Y n a in i t b o in b e n beständen bereits und würden noch vor Weihnachten in Anwendung kommen. England bleibe nach wie vor das Hauptquartier der Verschwörer" u. s. w. Es unterliegt nun gar keinem Zweifel, daß die ganze Unterredung erfunden ist, sintemalen Hartmann Anicrika in jüngster Zeit gar nicht verlassen hat; aber auch wenn sie wirklich stattgehabt hätte, so blieben solche Behauptungen Hartmann's gleichwohl erlogen und bewiesen nichts weiter, als daß Hartman n eben verlumpt wäre— eine Annahme, zu der kein Anlaß vorliegt. Außerdem wissen wir ja, daß die Anarchisten schon vor Jahren die in Mo st's Besitz befindlicheVisitcnkarte Hartmann's zu einer Mystifikation mißbrauchten, um Geld damit zu verdienen— ein gleiches Manöver könnte heute vorliegen, wenn die Quelle, aus der die deutsche Polizeidepesche schöpfte, nicht eben die„Evening News" wäre. Die„Evening News"— ein obskures Klatschblättchen ohne politische Bedeutung— erfüllen in London den- selben Zweck, dem in Z ü r i ch der A t t e n h o f e r sche„Stadtbote" dient, der den deutschen Reptilen in ihrem Kampfe gegen die Schweiz die besten Arguniente liefert. Wie die Spitzel Hellberger, Schmidt, Ehrenbcrg w. mit Attenhofer verkehrten, so arbeitete e i n g e st a n- d euer m aßen Herr Theodor Reich, der Busenfreund und Geld- mann P c u k e r t's schon vor Jahren an den„Evening News" mit, und wie Attenhofer sorüvährend die Berechtigung der Bismarck'- schen Forderungen an die Schweiz und die Nothwendigkeit der Aus- Weisung der deutschen Sozialisten beweist, so haben auch die„Evening News" mit dieser Schaucrlüge nur eine Absicht verfolgt, die sich deutlich in dem Schlußsatz vcrräth:„England bleibe nach wie vor das Hauptquartier der Verschwöre r."— Früher mußte es die Schweiz sein, heute England— die alte Leier! Nur daß England in der That seit Jahren zum Hauptquartier aller kontinentalen Polizei lumpen und Polizei Verschwörer gemacht worden, — Ans Dänemark erfahren wir, daß die dänischen Sozialisten nun doch noch ans dem Kongreß der vereinigten Sozialisten vertreten sein werden. Nachdem nämlich die deutsche Lesegcscllschaft und der schwedische Verein in Kopenhagen zusammen mit drei dänischen Vereinen einen Delegirten in der Person von Nikolai Petersen, Mit- redakteur von„Arbejdercn" gewählt, und 33 Parteigenossen, die Partei- leitnng schriftlich um Berufung einer neuen Parteiversammlnng zur Diskussion der Kongrcßsrage angegangen, fand diese Versaiiimluiig statt, und beschloß, von Parteiwcgen ebenfalls zwei Delegirte zum oben er- wähnten Kongreß zu schicken. Gewählt wurden Bildschnitzer P. Chri- st e n s e n(Delegirter zum vorjährigen Londoner Kongreß) und A. C. Meyer von der Redaktion von„Socialdemokraten". — Henry George, der auch in London kürzlich bei einer Diskussion mit H y n d m a n die einfältigsten Argumente auftischte und die alte Schnlzc-Delitzsche„Sclbsthülfc" und„freie Konknrrenz" als Ret- terin ans aller Roth und aus allen Schwierigkeiten pries, entwickelt sich immer mehr nach rückwärts. Jetzt ist der vor drei Jahren von den Arbeitern noch so hochgcfcicrte Mann bereits soweit herunter- gekommen, in feinem Blatte die Arbeiterorganisationen als schädlich, als verwerflich zu bekämpfen. Bei diesem Anlaß erinnert der„Carpenter" daran, daß Henry George bereits vor Mo- naten diese neueste Schwenkung begründet habe, denn unterm 21. Oktober schrieb er: „Trades-Unions und alle ähnlichen Arbeiter-Organisationcn sind— wie ich nie Anstand nahm, zu erklären, wen» ich Gelegenheit hatte, eine Ansprache mi die Tradcs-Unionisten zu � halten— ihrer Natur nach nichts Gutes, sondern ein Ilebcl. Sie involviren Coercion(Zwang), und können nur d u r ch den Zwang, den sie ausüben, oder mittels der Furcht vor Zwang wirksam sein. „Die Organisation von Menschen in Trades-Unions imiß, wie die Organisation von Menschen in A r m e e n, nothwendig die Aufopferung der persönlichen Freiheit zur Folge haben, und obschon die Methoden der Einen passiven, die der Anderen aktiven Krieg bedeuten, sind sie beide zerstörend; beide bezwecken die Schädigung derer, die ihnen Widerstand leisten, sogar auf Kosten derer, die zu jenen Organisationen gehören. Die Berechtigung beider(der Trades-Unions und der Ar- uieen) besteht nicht in ihrer wesentlichen Güte, sondern in der Existenz anderer Ucbel, welche jene Organisation zeitweilig zur Nothwendigkeit machen." Diesem Versuch George's, seinen Abfall zu beschönigen, tritt das „St. Louis Tageblatt" entgegen.„Wir erinnern uns, schreibt es, vieler Artikel aus der Feder Henry George's im ersten Semester seines „Standard", die Forderung der Unions betreffend, daß nur Unionleute (Gewerkschaftsmitglieder) in ihren Shops arbeiten sollen und daß Nicht- Union-Shops(Wcrkstellen, in denen Nichtmitgliedcr der Gewerkschaft arbeiten) geboyrottet werden. Die Verschwörungs- und Boykottfrage beschäftigte damals die New-Uorker Gerichte und Presse in hervor- ragendem Maße und Henry George analysirte in dem ihm eigenen prachtvollen Stil die Frage in fast jeder Nummer seines Blattes. Sein Gedankengang war— wir erinnern uns dessen sehr genau— kurz folgender: „Ihr habt den Arbeitern das Organisationsrccht gegeben und ihr bestreitet nicht, daß sie sich organisircn, daß sie Unions formiren dürfen. Wenn sich nun Leute zusanimenthun, muß es einen Zweck haben. Wenn sich Arbeiter zu einer Union organisiren, nm höhere Löhne oder kürzere Arbeitszeit zu erlangen, müssen sie etwas t h» n, um ihren Zweck zu erreichen. Was können die Arbeiter-Organisationen für ihren Zweck anders beginnen, als einen Druck auf diejenigen ausüben, welche den Zwecken der Union entgegenarbeiten, die Lohnrate k. in Frage stellen'? Jenen Druck üben die Arbeiter in der Weise aus, daß sie sagen:„Wir arbeiten nicht mit Leuten, die sich uns nicht an- schließen wollen, uns also der Gefahr aussetzen, der Willkür des Kapi- tals zu unterliegen". Wenn die Arbeiter jenen Druck nicht ausüben dürsten, dann hätte ihr„Organisationsrecht" absolut keinen Sinn. Ihr, die Kapitalisten, nennt dies nnverminfi'ger Weise Verschwörung." Das war Henry George's Gedankengang im ersten Halbjahr des „Standard" und in seinen Reden während seiner Mayors-Kanipagne. Nun ist der„Standard" geradezu a n t i-tradesunionistisch. Der „Carpenter" empfiehlt Herrn George Trant's„Essay on Trabes' Unio- nists'" zu lesen. Höchst überflüssig. Henry George hat mehr gelesen als Trants„Essay"; er hat das Editorial(die Rcdakttonsartikel) des „Standard" im ersten Halbjahre ganz allein geschrieben und brillant geschrieben. In Bezug auf die Theorie ist der Mann kein Unwissender. Er ist abgefallen. Das ist Alles. Korrespondenzen. Ncumünstcr, im Juli.(Nachruf.) Wieder haben wir den Tod eines braven Genossen zu beklagen. Am 1. Juli starb nach �-jährigen Leiden an der Prolctarierkrankheit unser langjähriger Genosse Heinrich Schacht, Tuchmacher, ini Alter von 26'/, Jahren. Die Beerdigung fand ani Freitag den b. Juli in der würdigsten Weise statt. Trotzdem daß es Werktag war, hatten sich über 200 Personen eingefunden. Hätte die Beerdigung am Sonntage stattfinden können, so hätte die Zahl der Leidtragenden 1000 überstiegen. Im Namen der Sozialdemokraten von NeümAnster wurde ein Kranz auf den Sarg gelegt, und zum Schluß sang die Liedertafel des Vereins„Eintracht", die ebenfalls zu Ehren ihres lang- jährigen Mitgliedes am Leichenbegängniß theilnahm, als Scheidegrnß ein entsprechendes Grablied. Daß unser theurer Todter die größte Achtung Aller besessen hat, haben die N e u m ü n st e r'schen Genossen in A ch e n bewiesen, die am Sonntag den 7. d. M. einen prachtvollen Kranz mit breiter rother Atlasschleife und entsprechender Inschrift sandten. Wir verlieren in ihm einen unserer trenesten und wackersten Streiter für unsere gerechte Sache, und deshalb ist es Pflicht eines jeden von uns, das Andenken iinsers unermüdlichen Kämpfers in Ehren zu halten und denselben nachzueifern. Verden bei Bremen. Vor zirka 1'/, Jahren wurde hier eine Kiste mit Exemplaren des„Sozialdemokrat" von der Polizei beschlag- nahmt, nachdem sie als unbestellbar von Berlin zurückgekommen. Alle polizeilichen Nachforschungen nach dem Absender blieben ersolglos, so daß die Kiste vernichtet wurde und die Sache nnserm Gedächtniß entschwand. Da plötzlich wurde eines Tages Genosse Mensel verhaftet und zwar auf die Dennnziation einer Frau Hanse. Um die Schändlichkeit der Handlungsweise dieses Weibes zu ermessen, muß man wissen, daß sie die Logiswirthin des Mensel war, daß Mensel ihr gar manche Gefällig- leiten erwiesen hat, daß ihr eigener Mann selbst Gesinnungsgenosse ist und daß sie den Verdacht der Urheberschaft dieser Denunziation ehrloser Weise erst auf Andere zu lenken versucht hat. Wir warnen hiermit jeden vor diesem Weibe und erwarten, daß dort kein Genosse mehr Logis nimmt. Der Ehemann, bemerken wir jedoch, ist an dieser Dennn- ziation nicht betheiligt, sehr wahrscheinlich sind auch die Söhne der Haase unschuldig. Daß übrigens dieses Prolctarierweib zu dieser Denn»- ziation verleitet worden war, lag von vornherein klar, und als Haase seine Frau zur Rede stellte, gestand sie denn auch, daß sie die Denunziation im Komptoir der Firma Müller, sagen wir des Herrn Hehn machte. Dies überrascht uns nicht, schon vor Jahresfrist, bei Gelegenheit, als ein hiesiger Einwohner sich als Bürger vorschlagen ließ, bemerkte Hehn, der Mann bekenne sich zur demokratischen Partei. Der Gesinnniig anderer Leute nachzuspüren und diese dann zu deminziren, ist die Aufgabe von P o l i z e i s p i o n e n. Ein dritter Fall. Die Verden« Arbeiter veranstalteten jüngst eine Sammlung zu Gnnsten der Berg- arbeit«; u. A. gingen sie auch zu Hehn, um seine Arbeitersreundlichkeit, die er manchmal zur Schau trägt, wieder einmal Lügen zu strafe». Das ist auch gelungen, er lehnte die Sanimlung ab. Dagegen lief der arbeiterfreundliche Man» zum Polizisten Rehbock, der mußte die Samm- lnng deminziren und unsere Sammler mußten 12 Mark Strafe bezahlen. Wir könnten die Fälle now vermehren, aber die mitgetheilten genügen als Beweis, daß H e h n ein politischer Denunziant ist. Und der Mensch wagte es, sich über unser gehässiges Vorgehen bei der Bürgervorsteher- wähl zu beklagen. Darauf soll ihm hier die Antwort werden.„Ich habe den Arbeitern nichts gethan, sagen Sie? Wir wollten mit Ihnen einen prinzipiellen Kampf führen, wir stellten Ihnen Kandidaten entgegen, die nach unserer Meiniing dem Interesse der Allgemeinheit mehr entsprechen als Sie. Das mochte Ihnen unangenehm sein, und Sie mochten uns entgegentreten, uns bekämpfen, aber mit anständigen Mitteln. Sie aber find von Anfang an gleich damit gekoinmen, persön- liche Rache zu nehmen. Bei dem Einen zogen Sie sofort ans Rache Ihre Forderung ein, dem Ander» suchten Sie den Kredit zn schädigen. Einem Handwerker suchten Sie die Arbeitsaufträge zu hintertreiben. An den Sozialisten rächten Sie sich durch Denunziation; jeden Gegner vcrlänmden Sie auf die schimpflichste Weise, und was Sie noch für Rachepläne im Lkopfc haben, zeigt uns folgende Aeußerung von Ihnen. „Die ganze Ecke meines Wahlkreises ist finanziell faul, das Nest muß ausgehoben werden." Sic werden, wenn Sie wieder ins Kollegium kommen, als Mitglied der Finanzkoniniission den widerspenstigen Wühlern ihre Buden verkaufen lassen.— Aber, Werth« Herr Hehn, alle Ihre Rachepläne sind gebucht und werden eines Tages der Oeffentlichkeit übergeben werden. Nachdem der erbärmliche Patron als Denunziant aufgetreten, fällt jedwede Rücksicht für uns weg. Und warum sollten wir auch Rück- ficht nehnien? Bon seinen eigenen Standesgenosseii nicht geachtet, von den Arbeitern Verdens gehaßt, behandelt derselbe, obwohl selbst aus der Arbeiterklasse hervorgegangen, seine Arbeiter viel schlechter als irgend ein anderer Fabrikant in Verden. Wie den Rekruten beim Militär schreibt er ihnen vor, in welchen WirthschaftSlokalen sie ver- kehren können, keine Arbeiter sind so politisch abhängig wie die dieses Burschen, der von jeher die Sozialdemokratie auf die schmutzigstc Weise bekämpft hat. Also nochnials, warum sollten wir noch Rücksichten gegen ihn nehmen? Dies« Mensch, der dadurch zum„gemachten Mann" wurde, daß er erst der Mutier den— Galan machte und dann die Tochter heirathete, hat es fertig bekommen, durch eines jener zweideutigen Subjekte, die sich zu seiner Gesellschaft hergeben, die von ihm bekämpften und d e n u n- zirten Sozialdemokraten ersuchen zn lassen, doch bei der Wahl für ihn zu stimmen— ein Charakterstück, das seinesgleichen sucht. Nun, noch nie hat sich ein Denunziant lange in der Oeffentlichkeit behauptet, ist doch sogar der Deniinziant P i l o t y, trotzdem er ein berühmter Mal« war, vereinsamt gestorben. Die Großen der Erde lieben den Verrath, aber nicht die Verräther, der Volksmuiid aber sagt: Von einem Verräther frißt kein Rabe. Soviel heute. Ein andermal mehr. — Ans Norwegen. Unsere Bourgeois, gleickgiltig ob liberal oder konservativ, brüsten sich damit, daß die französische Revolution, deren Jubiläum sie zu feiern sich anschicken, unS die unbeschreiblichsten Freiheiten gebracht hat. Aber wie die Lehre der bürgerlichen Ockonomen von den gemeinsamen Interessen von Kapital und Arbeit beständig durch die Thatsache» widerlegt wird, so strafen auch die Thatsachen die Lehre der bürgerlichen Politiker von der Freiheit alles dessen, was Menschcnantlitz trägt, unaufhörlich Lügen. So gelegentlich einer Protest- versaminlung wider das Storthing, welches sich in den nunmehr vier Monate andauernden Typographenstreik in Christiauia zum Schaden der Streikenden hineingemischt hatte. Es ließ nämlich die Storthinas- Zeitin, g im Auslände und in beschränkter Anzahl drucken, da die Druckerei, welche für das Storthing arbeitet, unter Streik lag. Schone Patrioten. Jammerburschen sind's. Aber sie handeln instinktiv richtig. Vielleicht auch mit Bedacht. Man beraumte, wie bemerkt, eine Protcstversammlnng an. Was thnt die Behörde? Sie läßt durch ihre Organe, die Polizisten, die friedliche Versammlung auseinanderknüppeln. Touk. comme cbez ijous. Ganz wie in Deutschland. Der Demokrat Viggo Ullmann interpcllirte den Justizminister, ehemaligen Republikaner, jetzt Rath- geber des Königs, W. S. Dahl, und das Storthing fand'dic Antwort des Ministers für'zufriedenstellend. Und der Staat war gerettet. Gerettet wurde er auch, indem man den stml. jur. Schaft, der, obwohl Heißsporn und Himmelstürnicr, gleichwohl Sympathie für die Arbeiter als politische Partei hat, verknurrte und den Verfasser einer Gedicht- Sammlung, betitelt„Elskov"(Liebe), Student Sigurd Bödker, relegirte. Genug. Man sieht, die Freiheit, deren andere Leute sich erfreuen. Ueberall herrscht tiefste Unzufriedenheit. Man hascht nach allem, was wie Mißtrauen gegen die Rcgiening aussieht, und freut sich, wenn diese eine Schlappe erleidet. Man freut sich auch über die jüngste Ministcrkrise, welche von den Konservativen verursacht wurde. Am Schlüsse der letzten Legislaturperiode waren die Liberalen be- kanntlich die Anstifter der Krise. Es geht das Gerücht, daß wir ein konservatives Ministerium Stang bekommen werden. So wälzen sich die biedern Politiker. Das eine Mal liegt der Eine, dann wieder der Andre unten. Ein konservatives Mimsteriiini würde allerdings einem liberalen vorzuziehen sein, denn während man in jenem einen ehrlichen Reaktionär hat, täuscht dieses das Volk durch seine Spiegelfechtereien und führt es an der Nase herum. Ob konservativ, ob liberal, übt auf die ökonomische Entwicklung der Dinge in Norwegen keinen Ein-' fluß aus. Um so erfreulicher ist es, wenn man sieht, daß sich die junge Sozial- demokratie herausmacht. Es fehlte ihr an Gegnern. Sie konnte sich mit Niemandem messen. Nun ab« wird's. Und im Kampfe erstarkt! sie. Zunächst gilts, die„Arbeitervereine" Hirsch- Dunker'scher Obser- f vanz, welche Selbsthilfe und Harmonie predigen, aus dem Sattel zu heben. Diese Richtung herrscht besonders in Christiauia, und unser Parteiorgan„Sozialdemokraten" hat schon gar manchen Strauß mit dem Vertreter obgcnannter Richtung,„Arbeidercn", ausgefochten. Hassent- lich macht er ihm bald den Garaus. Es wäre das schon längst ein- getreten, wenn nicht„Arbcideren" von kapitalistischer Seite unterstützt! würde. Ein Beweis für das selbstständige Austreten der Sozialdemo- � kratie ist der Umstand, daß die zielbewußte Arbeiterpartei Norwegens sich öffentlich der internationalen Bewegung anschließt. Die n o r- wegischc Sozialdemokratie wird auf dem inter-> nationalen Kongreß der vereinigten Soziali st en durch den Redakteur des„Sozialdemokraten", Genosse C. Jep- pesen— Christiauia vertreten sein. Wohin sich die zwei Depu- tirten des Hirsch-Dunker'schen Arbeitcrverbands in Christiauia begeben werden, wissen wir nicht. Diese haben nämlich ein Reisestipendinm nach Paris erhalten und da sie so in der Nähe des internationalen Kongresses sind, na, dann können sie ja mal gelegentlich mit'rangehen. So raisonnirten die edlen Herren Wähler, welche ans dem Vor- stände des„Arbeiterverbandes" bestehen. Denn die Mitglieder hatten keinen bestimmenden Einfluß auf die Wahl. Die beschränkten Mittel, die den norwegischen Genossen zu Gebote stehen, haben sie gelegentlich des Streiks der englischen Seeleute nach � Kräften ausgenützt. In Bergen und Christiania sind öffentliche Ver- saminlungen abgehalten worden, in welchen die hiesigen Seeleute auf- i gefordert wurden, sich nicht zu Skabs zu dcgradiren. Freilich gibt's ja in der Norwegischen Arbeiterwelt immerhin noch unsolidarischc Prole- tarier und Schufte. Darum reisten denn auch einige nach England hinüber. Hoffen wir, daß sie dort gebührend empfangen worden sind. Talmi-Fritze hat einen Bummel nach Norwegen gemacht und gedenkt das Volksleben zu studiren, zu fischen und zu jagen. Der Aufenthalt ist ans einen Monat berechnet. In Stavangcr hat er 20,000 Mark umgewechselt. Rufus Norveg. Briefkasten der Redaktion: H. D. i. W.: Brf. ftir diese Nr. zu spät. Adr. Las. richtig.— L. i. B.: Wie Sic sehen, war's schon bearbeitet. der Expedition:—er—: Sie«halten genau die bestellte Zahl. Ad. geord. n. Gewünschtes am 12/7 bfl. berichtet.— Heinrich: Bstllg. v. 0/7 notirt. Erfragtes bfl. am 12/7. Avisirtes«wartet.— Rthr. Distelfink: Brf. v.!>. am 12/7 beantw. Hoffentl. jetzt berichigt.— Pastor Müller: Sie haben recht; freilich geht's dann etwas langsamer Sorgen Sic vor Allem für eine recht zahlreiche„Kirchengemeinschaft", wie am 12/7 bfl. angedeutet.— Der alte Rothe: Also hat's doch lt. Nachr. v. 10/7 geklappt. Desto besser.— Trannicht: Thun Sie Ihr Möglichstes u. empfangen Sie nnsrc ausdrückliche Gratulation zu d« gelnngencn Lumpenwäsche. Ad. geord. u. bfl. am 12/7 mehr.— Lionel: Nachr. v. 10. am 12/7 erwidert. Ueber die Lbch.-Schicksale könnten wir thatsächlich„Lieder singen!"— X. 3. V.: Bf. v. 9 am 12/7 pr. Beil. erledigt, u. gewünschte Aendernng veranlaßt.„Verschlossen" war der Brf.; aber die Ränder im Zickzack geplatzt, da daS Conv.-Papicr z it miserabel war.— Roth« Hans: Mk. 23. 40 a Cto. 2c. erh. Sie haben recht, es waren Mk. 70.— am 16/5. Weitere? notirt u. bfl.— Vcilchcnstcin: Mk. 100.— a Cto. Ab. Zt., sowie er- betcne Aufschlüsse dkd. erh. Alles unterwegs.— Ch. Bnnr. Ldn.: Sh. 2.— f. Schrft. erh.-- atore: Mk. 3.— Ab. 3. Qu. Ms. erh. Warum nicht uiehr„c n g r o s"?— E. C. Lp.: Mk. 3. 20 Ab. 3. Qu. u. Porto erh. Reklmts. folgt. Weiteres später.— Nr. 2002: öwfl. 3.— a Cto. Ab. K. erh. Von S. B. folgt das rückständige Heft. u. Fortsetzg. sobald fertig.— Fortuy. Amst.: Pfd. 1. 11. 2 Ab. 2. Qu. n. a Cto. erh.— Scheibe; Mk. 4. 40 Ab. 3, Qu. erh. Ist denn dort Alles zerstoben?— Louise: Mk. 3.— Ab. 3. Qu. erh. Bestllg. folgt. Wer versorgt denn die Uebrigen, die Sie schon seit Jahren in Aussicht stellten?— Rother Kämpfer: Mk. 40.— a Cto. Ab. jc. erh. Melden Sie uns das Weitere.— Soz. Leseklub Paris: Fr. 300.70 in Baar; Fr. 40.— i. 8 Athsch. u. Fr. 33. 25 pr. Ggr. a Cto. Ab. 2. Qu. 2c. erh. Beleg über Ggr. erbeten, persönl. Weiteres.— C. P. Vs.: Sh. 2.— Ab. 3. Qu. erh.— Gazelle: Mk. 15.— Ab. 2. Qu. n. Schrft. erh. Ad. geordnet.— Liege: Fr. 12.— Ab. 3. Qu. erh.— Panzerschiff: Mk. 59.40 a Cto. Ab. 2C. erh. Qnttg. verspätet, da Sie Absendcrnamen u. Ort nicht bfl. meldeten. Das ist für jede Sendg. unerläßlich.— Roth« Exekutor: Mk. 14. 60 a Cto. Ab. 2c. gntgcbr. Ihre jahrelangen Vertröstungen führen zu keinem Ende. Die„Ein- spännerei" trägt auch nichts zur Abwicklung bei. Also zuvor glatten Tisch!— P. Z- Pz.: öwfl. 6.— f. Schft. erh. Sdg. n. Katalog folgen.— Th. B. Hoxton: Sh. 1. 6 f. div. Nr. 28 n. a Cto. erh.— Beelzebub: Nachr. v. 13/7 hier. Bei unsrcm G. besitzen wir Be- weise, daß die„Ehrentitel" durchaus begründet sind. Möglich, daß er deshalb eine kleine ytamensmetainorphose 2c. vornahm. Von Cs. noch nichts gehört.— Claus Groth: Nach Wunsch besorgt.-- Meisenlocker: Der wäre also gründlich versorgt. Was mag wohl der kleine R. M. machen? Gruß?— Goliath: Mk. 10.— a Cto. Ab. 3. u. 4. Qu. 2c. erh. Grüße allseits herzl. erwidert!— E.B. Lg.: Mk. 5. 25 f. Schrft. erh. Bfl. Weiteres.— L. P. Bp.: Mk. 1. 20 Ab.-Nest pr. 3. Qu. u. Mk. 2. 16 pr. llfds., öwfl. 2.— dkd. erh. L. u. Co. Rom: Sh. 4.— Ab. 3. u. 4. Qu. pr. S. L. M. S. n. B. hier erh.— Dante: P. K. v. 15/7 erh. u. inhaltlich vorgemerkt.— Mnth u. Kraft: ffbd. v. 15/7 hier. Grnß.— Roth«- Wenzel: Mehr- bestllg. W. folgt, sowie Weiteres. Adr. notiren u. recherchiren Er- fragtes. Haben Sie denn dorthin keinen direkten Verkehr?— Ldkr. C. a. R.: glauben gerne, daß es Ihre persönl. Schuld nicht ist, wen« dort kein Ucberfluß an Baar herrscht. Aber,— ist's denn die n n s r i g e? „Kann i ch Dukaten ans der Erde stampfen?" Bfl. am 17/7 Nähere» über Ihre Beschwerden.— M. M.: Halten Sie nnsre Anlettting vom 17/7 fest und melden Sic stets bei erfolgten Sendungen den Mark- betrag, dafern Sie andere Regulirungswcise nicht vorziehen.— Kopcn- hagcii: Nachr. v. 14/7 erh. Weiteres wird besorgt. --- D. V. Kncht.: Fr. 4. 50 Ab. 3. u. 4. On. erh.— Alpeupost Zch.: Fr. 2. 25 Ab. 3. Qu. erh.- L. El. Zch.: Fr. 2.— Ab. 3. Qu. erh.— Grb. Zch.: Fr. 2.— Ab. 3. Qu. erh.— Fr. Spgr. Ashl.: Fr. 2. 25 Ab. 3. Qu. erh.— O. Dil. Ashl.: Fr. 2. 25 Ab. 3. Qu. erh.— Sttlmer Arlieiterbibligthtl!. Heft 5: Cyaraktcrköpfc auS der französischen Arbeiter- Bewegung. Von O s s i p Zetkin- Paris f.(Guesde. — Lafargue.— Dcville.— Baillant.— Louise Michel.) � 48 Seiten. Preis 30 Pfg. Diese Schrift bildet eine wichtige Ergänzung zu Heft 4: Die französische Arbciterbctvegnng seit der Pariser Kommune. Von O s s i p- Z e t k i n- Paris ff. 48 Seite». Preis 20 Pfg. Bestellungen sind direkt zu richten an den Verlag der„Berliner V o l k s- T r i h ü n e", Berlin, Oranienstraße 23. kriote«! tor the proprietors by the German Coopcrative Pablisbin; Co. 114 Kentish Town Koad London?. W.