&& 1= 1= te b en ge تو J. t te in I. r. 5. 3= bt ch 5 1. a. ch g. де er T= 8: t. : 1. t te CI R. 0 1. 一 C. er t. et += b. t= t. Ir C= " I= ch ta ent ct e= Abonnements werden beim Berlag und dessen bekannten Agenten entgegen genommen, und zwar zum voraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Mt. 4,40 für Deutschland( direkt per Brief- Couvert) Bwfl. 2,75 für Oesterreich( direkt per Brief- Couvert) Shill. 2,- für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Inserate bie dreigespaltene Petitzeile 3 Pence = 25 Pfg. 33. = 30 Ct. don Der Sozialdemokrat Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Desterreich verbotenen Sozialdemokrat wolle man unter Beobachtung äußerster Borsicht abgehen lassen. In der Regel schide man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Decadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. Ein langersehntes Buch. Die Denkschrift über die Handhabung und die Wirkung des Ausnahmegesezes gegen die deutsche Sozialdemokratie ist nun endlich soweit fertig gestellt, daß in den nächsten Wochen mit dem Versandt begonnen werden kann. Sie hat lange auf sich warten lassen, und mancher Genosse mag wohl die Hoffnung aufgegeben haben, die vor Jahr und Tag angekündigte Anklageschrift der deutschen Sozialdemokratie gegen die deutschen Gewalthaber überhaupt erscheinen zu sehen zur Feier des zehnjährigen Bestandes des Schandgesetzes sollte sie erscheinen, und nun trennen uns nur noch zwei Monate vom elften Jahrestag dieses schmachvollen Attentats auf Freiheit und Recht. Aber nur Wenige können sich vergegenwärtigen, welche Schwierigkeiten sich der Ausführung des mit so großer Begeisterung aufgenommenen Projekts in den Weg stellten. Was mußte die Denkschrift, sollte sie ihrem Zweck entsprechen, nicht alles in sich vereinigen? Um auch dem ärmsten Genossen zugängig zu sein, durfte sie einen nur mäßigen Umfang annehmen, und doch sollte sie, und doch mußte sie das ihr zu Grunde liegende Thema möglichst erschöpfend behandeln. Das ist aber für den gewissenhaften Arbeiter zehnmal schwerer, als wenn er jede Seite des Gegenstandes in gleicher Ausführlichkeit behandeln darf.„ Entschuldigen Sie die Länge meines Briefes, ich habe nicht Zeit, kurz zu sein", schrieb Voltaire einst an einen Freund, und so parador der Satz scheint, so sehr trifft er oft zu. In diesem Falle gebot die Nothwendigkeit ,,, kurz zu sein", auf beschränktem Raum zusammenzufassen, was eine Arbeit von zehnfachem Umfange gerechtfertigt hätte, und das erfordert mehr Zeit, mag daher, neben mehr äußerlichen Gründen, wie die Ausweisung der Leiter des„ Sozialdemokrat" und der Volksbuchhandlung aus der Schweiz, das längere Ausbleiben entschuldigen. Aber in der Sache selbst, was kommt es auf den Tag des Erscheinens einer Schrift, wie die vorstehende, an, wenn sie nur sonst ihren Zweck erfüllt! Und das glauben wir bestimmt von der Denkschrift in ihrer jezigen Form sagen zu fönnen. Sie zeigt, was die deutsche Sozialdemokratie war, ehe sie unter ein schmachvolles Ausnahmegesez gestellt wurde, sie gibt nicht nur eine Geschichte dieses Gesetzes seit der Zeit seiner Verkündigung, sie gibt auch eine Entstehungsgeschichte dieses Gefeßes, die viel weiter zurückgreift, als die Meisten sich träumen lassen. Die Sozialdemokratie, die Partei des arbeitenden Volkes, unter ein drakonisches Polizeigesetz zu stellen, war seit dem Tage, da er erkannte, daß sie für ihn nicht zu haben war, das unablässige Streben des Mannes gewesen, der sich von seinen Schmeichlern den ,, modernsten aller Staatsmänner" nennen läßt. Unfähig, sie ,, in der Freiheit zu bändigen", sehnte er sich danach, Peitsche und Kanthare nach Belieben gegen fie anwenden zu dürfen. Wie sein Wunsch in Erfüllung ging, wie über ganz Deutschland Gewalt und Willkür an die Stelle verbriefter Volksrechte traten, wie seine brutalen Junkerinstinkte leitendes Gesetz im deutschen Reich wurden, wie eine blühende Arbeiterpresse mit einem Schlage vernichtet, wie mühsam aus ersparten Arbeitergroschen geschaffenes Eigenthum mit einem Federstrich zerstört, wie tausende von Eristenzen zu Grunde gerichtet, tausende von Familien um ihr Glück betrogen wurden, wie der freie Gedanke geknechtet, das freie Wort geknebelt wurde das wird in der Denkschrift dem Leser vorgeführt. All das Unrecht, all die Niedertracht, die uns zugefügt worden, all die tückischen Streiche gegen das um seine Befreiung ringende Proletariat treten aufs Neue vor r= unser geistiges Auge und entflammen aufs Neue den heißen Zorn, der uns erfüllte, als wir zuerst von ihnen vernahmen, und der in den Herzen so vieler Opfer des Schandgesetzes heute noch fortlodert. re r, er h, ie * = 11. he r= gt er ett d. in Wir sehen aber auch, wie all die Infamie, alle die Gewaltanwendung sich als unfähig erwiesen, die tief in den Verhältnissen wurzelnde Bewegung zu unterdrücken. Wir sehen, wie trotz aller Knebelungen der freie Gedanke sich doch wieder Bahn bricht, wir sehen, wie trotz aller Verfolgungen die Kadres der Sozialdemokratie zusammenbleiben, wie trotz aller Verlockungen sie feinen Zoll von ihrer Bahn abweichen. Wir sehen die Sozialdemokratie Schritt für Schritt ihre alten Positionen zurückerobern, sie befestigen, neue zugewinnen, bis am Schluß des Dezenniums seit seinem Inslebentreten der schmähliche Bankerott des infamen Ausnahmegeseßes selbst von seinen glühendsten Befürwortern nicht mehr geleugnet, der glänzende Sieg der Sozialdemokratie über dasselbe selbst von ihren erbittertsten Feinden nicht mehr bestritten wird. So wird die Denkschrift, die in ihrer Schilderung der gegen die Sozialdemokratie gerichteten Streiche ein Monument von unsrer Zeiten Schande" bietet, zugleich zu einem Gedenkbuch der Ehre für das klassenbewußte deutsche Proletariat. Seiner zähen Ausdauer, seiner unerschütterlichen Gesinnungstreue, seinem großartigen Opfermuth ist der glänzende Sieg zu verdanken was in dieser Hinsicht von Tausenden und Abertausenden von deutschen Arbeitern geleistet wurde, ist über alles Lob erhaben, verdient die höchste Bewunderung. Es ist hier nicht der Ort, im Einzelnen aufzuführen, was die Denkschrift darbietet. Einen Prospekt, der eine ſummariſche| Zusammenstellung bietet, findet der Leser in einer der nächsten Nummern unseres Blattes. Hier dagegen mögen noch einige Stellen aus der Vorrede zur Denkschrift folgen, die am Besten Stellen aus der Vorrede zur Denkschrift folgen, die am Besten zeigen, in welchem Geist sie geschrieben wurde, von welchen Gesichtspunkten ihr Verfasser ausgegangen ist. Der besseren Uebersicht halber heben wir einige Säße durch fetten Druck besonders hervor. Nachdem er einleitend die Gründe des verspäteten Erscheinens der Schrift entwickelt, sowie die Unmöglichkeit darlegt, alle Gewaltmaßregeln einzeln zu registriren, eine bis in's Detail genaue Statistik der Verfolgungen zu geben, fährt der Verfasser fort: Wenn aber einestheils nicht alles Das in der vorliegenden Schrift Verfasser anderntheils es nicht unterlassen zu sollen, in einer möglichst enthalten ist, was ursprünglich Aufnahme finden sollte, so glaubte der gedrängten Uebersicht ein Bild über die Entwicklung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei seit dem Vereinigungskongreß im Jahre 1875 zu geben. Tausende und Hunderttausende deutscher Arbeiter haben sich der sozialdemokratischen Bewegung erst unter der Herrschaft des Ausnahmegesetzes angeschlossen und nur den wenigsten unter ihnen dürfte Gelegenheit ge= boten worden sein, durch Einblick in alte Songreßprotokolle oder in Jahrgänge von Arbeiterzeitungen aus der Zeit vor dem Ausnahmegesetz sich über die Vorgänge zu orientiren, welche in der Periode vor den Attentaten und nach denselben bis zum Erlaß des Schandgesetzes sich abgespielt haben. Besonders über die beiden Attentate selbst und deren Urheber Höbel und Nobiling ist soviel geschrieben und gelogen worden und wird gelegentlich auch heute noch gelogen, daß es dem Verfasser nothwendig erschien, gerade nach dieser Richtung hin die Darstellung etwas eingehender zu gestalten. Dem einen und anderen älteren Leser, dem die Vorgänge aus dem Attentatsjahre noch lebhaft im Gedächtniß haften, mögen ja die Kapitel„ Hödel" und" Nobiling" vielleicht etwas zu breit angelegt erscheinen, der Verfasser aber hat sich überzeugt, daß gerade in diesem Punkte, und nicht blos unter der fremdländischen Sozialdemokratie, falsche Auffassungen herrschen. Durften es doch sogar in deutscher Sprache erscheinende anarchistische Blätter wagen, Hödel und Nobiling als Helden und Märtyrer der Arbeiterbewegung zu feiern! Diesem auf den Kopf Stellen der historischen Thatsachen gegenüber, das den offiziellen und nichtoffiziellen Verleumdern der sozialdemokratischen Bewegung natürlich sehr gelegen fam, erschien es doppelt angebracht, den Attentaten und den Attentätern eine möglichst eingehende, den Thatsachen entsprechende Darstellung zu widmen. Was den übrigen Inhalt des wenn dieser Ausdruck für die vorliegende Arbeit erlaubt isthistorischen Theils anbelangt, so konnten darin, schon in Rücksicht auf den Umfang der Schrift, nur die hervorstechendsten Ereignisse während der Zeit der Wirksamkeit des Sozialistengesetzes Berücksichtigung finden. Mancher wichtige Vorgang mußte unberücksichtigt bleiben und selbst das, was in den Kreis der Erörterung gezogen wurde, konnte nur in fnappster Form behandelt werden. Trotzdem dürfte auch der historische Theil insofern für den Leser von Interesse sein, als in demselben wenigstens in groben Umrissen ein Bild der Entwicklung der sozialdemokratischen Partei innerhalb der ersten zehn Jahre der Dauer des Ausnahmegesetzes " gegeben ist. Der Verfasser der vorliegenden Schrift hatte nicht die Aufgabe, die Geschichte des Sozialistengesezes während der ersten zehn Jahre feines Bestandes zu schreiben, sondern es sollten in dieser Schrift vor heißt, die erzieherischen Wirkungen" dieses Gesetzes zur Darstellung allem, wie es in dem Eingangs zitirten Artikel des" Sozialdemokrat" kommen und zur Erreichung dieses Zweckes dürfte gerade der historische Theil wesentlich beitragen. Der Nachweis, wie die sozialdemokratische Bewegung in Deutschland in demselben Verhältniß gewachsen ist und an Umfang und Tiefe zugenommen hat, als die Verfolgungen sich steigerten, und die Regierungen und deren Polizeiorgane in brutaler Anwendung der ihnen durch das Sozialistengeſetz übertragenen außerordentlichen Vollmachten weit über die ursprünglich selbst gesteckte Grenze hinausgegangen sind, ergibt sich mit unwiderleglicher Deutlichkeit aus der von Wahlperiode zu Wahlperiode steigenden sozialdemokratischen Stimmenzahl und aus den immer höher anschwellenden Summen, welche die deutschen Arbeiter zur Unterstützung der Opfer des infamen Ausnahmegesetzes und für die sozialdemokratische Propaganda aufbringen. Die Hoffnung, daß es gelingen werde, die Sozialdemokratie durch das Ausnahmegesetz zu ersticken und auszurotten, ist denn auch heute sowohl von den Trägern der Staatsgewalt als auch von den Führern der Bourgeoisparteien längst aufgegeben und die Frage ist für diese Streise nur mehr die: Wie erwehren wir uns des sozialdemokratischen Ansturmes? Wenn im Jahre 1881 das Organ Bismarck's, die„ Nordd. Allg. Ztg.", noch glaubte, es werde mit dem Humbug der Sozialreform, wie er sich in den sogenannten Versicherungsgefeßen darstellt, gelingen, die deutschen Arbeiter zu födern, und wenn das genannte Blatt damals schrieb:„ Wenn diese Reformen durchgeführt sein werden, dann wird auch das Gesetz vom 21. Oktober 1878 unnöthig geworden sein", so ist diese Hoffnung und dieser Köhlerglaube unseren offiziellen Streifen und der mit denselben durch Dick und Dünn gehenden, in den sogen. Kartellparteien organisirten Bourgeoisie und dem Junkerthum längst verloren gegangen. Die Herren haben einsehen gelernt, daß die deutschen Arbeiter für die Bettelsuppen der Sozialreform, wie sie der Junker Bismarck und die„ Volksmänner" Dechelhäuser und Miquel verstehen, ihre Forderung auf politische Freiheit und soziale Gleichberechtigung nicht aufgeben, und heute, nachdem das Schandgeses eine fast elfjährige Wirksamkeit hinter sich hat, ist die Frage der Beseitigung desselben ganz und gar in den Hintergrund getreten gegenüber der Frage: Wie lassen sich die Bestimmungen des Gesetzes in das gemeine Recht überführen, das heißt: Wie ist es möglich, das Sozialistengesetz zu einer dauernden Reichsinstitution zu machen? Wie und ob diese Frage überhaupt gelöst wird, das läßt die sozialdemokratische Partei durchaus kühl; dieselbe ist sich darüber längst im Klaren, daß die schwersten und entscheidensten Kämpfe ihr noch bevorstehen. müssen, auf Grund eines Ausnahmegesetzes oder auf Grund des gemeinen Ob aber die Opfer, die in diefen Kämpfen noch gebracht werden Rechts zu bringen sind, das ist für Jene, welche sie zu bringen haben, sehr gleichgiltig. Das Wesentliche ist, daß die deutsche Arbeiterschaft entschlossen ist, auch in Zukunft fene Opfer zu bringen, die ihr Emanzipationskampf erfordert, wie sie dieselben bisher freudig und im Vertrauen auf ihre gute Sache gebracht hat. In welchem Umfange aber diese Opfer gebracht wurden, das zu zeigen ist die Aufgabe des zweiten Theils dieser Schrift. Erscheint wöchentlich einmal in Rondon. Verlag der German Cooperative Publishing Co. E. Bernstein& Co., London N. W. 114 Kentish Town Road. Poßtsendungen franto gegen franto. Gewöhnliche Briefe nach England tosten Doppelporto. 17. August 1889. Wir haben bereits angeführt, daß es ein Ding der Unmöglichkeit war, Brutalisfirungen zu regiſtriren. Ganze Bände würde es füllen, wollte man alle die auf Grund des Schandgefeßes vorgekommenen Gewaltakte und jede einzelne Schandthat, Vergewaltigung und Rohheit aufführen, welche unter dem Deckmantel des Ausnahmegesetzes an Tausenden und Abertausenden deutscher Arbeiter und deren Frauen und Kinder seitens der Schergen der Gewalt verübt worden sind; und wieder würden Bände dazu gehören, um alle jene Handlungen aufzuzählen, welche in Form Rechtens inszenirt wurden, um sozialdemokratische Arbeiter ihrer politischen Ueberzeugung willen in den Schlingen des Ausnahmegesetzes oder des gemeinen" Rechtes zu fangen. Ist aber auch die Chronik jener Handlungen, welche die Unsterblichkeit der Infamie verdienen, nicht vollständig, so gibt der zweite Theil dieser Schrift gleichwohl ein Bild der schmachvollen Thaten, welche auf Grund des Ausnahmegesetzes ausgeübt und durch dasselbe erst möglich gemacht wurden. In den Städtebildern", den Berichten über die Erlebnisse einzelner Ausgewiesener, in den turzen Biographien der in Folge ihrer Ausweisung oder sonstigen Verfolgungen nach Amerika Ausgewanderten zeigt sich das Gesetz in seiner ganzen Brutalität. Hier treten Hunderte von Proletariern als Kläger auf, jeder Einzelne die vernichtendsten Schläge führend gegen ein System, welches sich nur zu halten vermag, indem es die zahlreichste Klasse der Staatsangehörigen für vogelfrei erklärt und sie den infamen Praktiken, wie sie im Lock spizel kapitel an einzelnen Beispielen gezeigt werden, preisgibt.... Nun noch ein Wort darüber, warum in dieser Schrift der Anarchistenbewegung in Deutschland nur nebenbei Erwähnung geschieht. Vielen Lesern dieser Schrift dürfte es auffallen, daß in derselben Vorgänge, wie die Attentate auf den Wachtposten in Straßburg und den Bankier Heilbronner in Stuttgart, die Hinrichtung des Polizeiraths Numpff in Frankfurt a. M., die Explosion am dortigen Polizeigebäude und das Attentat am Niederwald- Denkmal, entweder gar nicht oder nur nebenher erwähnt sind. Zur Erklärung dafür möge Folgendes dienen. Der Verfasser dieser Schrift sieht in der vorübergehend auch in Deutschland eine, wenn auch nur unbedeutende, Nolle spielenden Anarchisterei und den damit in Zusammenhang gebrachten Gewaltakten zwar eine Folge des Sozialistengesezes, mit der sozialdemokratischen Partei aber hat jene Bewegung nichts zu thun. Auch die" Thaten" der Anhänger jener Partei berühren die Sozialdemokratie nicht. Weiß man doch nie, inwieweit diese„ Thaten" aus dem freien Entschlusse durch das Sozialistengesetz aufs Aeußerste gereizter Fanatiker oder den Eingebungen von Subjekten hervorgegangen sind, welche selbst im Dienste der Polizei stehen Daß die Einleitung einer neuen Aera der„ Propaganda der That", deren erste Früchte die Verbrechen eines Kammerer und Stellmacher in Straßburg, Stuttgart und Wien waren, unter dem Vorsize des Tischlers C. Schröder, der zu dieser Zeit schon im Dienste des Berliner Polizeipräsidiums stand, ausgeheckt und beschlossen wurde, steht heute aftenmäßig fest; und ob am Niederwald- Attentat und bei den Dynamit- Explosionen im Wupperthale die Polizei wirklich reine Hände hatte, das bleibt noch sehr dahingestellt. Thatsache ist es, daß der Weber Palm, welcher Monate lang um das Vorhandensein des Dynamits im Wupperthale gewußt hat, notorisch auch bei dem Werfen von Dynamit- Patronen in Elberfeld- Barmen dabei war und überhaupt von dem ganzen Treiben Kenntniß hatte, das schließlich Reinsdorf und Küchler den Kopf kostete und die übrigen Angeklagten theils auf Lebenszeit, theils auf lange Jahre ins Zuchthaus brachte, direkt im Dienste der Polizei stand, nachdem er im Hochverrathsprozeß gegen Reinsdorf und Genossen als Zeuge verwendet worden war. Dieser nämliche Palm ist auch, nach eigenem Geständniß, zu dem Kaisermannöver nach Düsseldorf geschickt worden, um dort, natürlich als„ Anarchist", verhaftet zu werden, woraus sowohl für die Presse, als auch gegenüber dem, zu der Zeit schon längst kindisch ge= wordenen Kaiser Wilhelm Kapital geschlagen wurde. Wenn aber in einzelnen Fällen die Herren von der Polizei sich an dem Feuer, mit dem sie spielten, wirklich die Finger verbrannten, und wenn speziell der Frankfurter Polizeier Rumpff, nachdem er vorher durch den Hallunken Horsch hatte Attentate" vorbereiten lassen, um unschuldige Arbeiter ins Verderben zu stürzen, schließlich das Opfer eines wirklichen Attentates geworden ist, so empfinden wir darüber weder irgend ein Bedauern, noch aber können wir darin ein Greigniß erblicken, welches für die sozialdemokratische Bewegung von irgend welcher Bedeutung ist. Numpf hatte in der Quälerei und Peinigung der sozialdemokratischen Arbeiter ein besonderes Vergnügen gefunden, er hatte sich der schuftigsten Mittel bedient, um diesem seinem Vergnügen fröhnen zu können, und wenn er zum Schlusse ein Opfer, nicht seines Berufes, sondern dieser seiner Jagdlust auf Menschen geworden ist, so hat er eben geerntet, was er reichlich gefäet hatte. Wenn nun auch das Wort: Was lange währt, wird gut", sich nicht Niemand im vollen Umfange auf die Schrift wird anwenden lassen ist sich ja der Mängel derselben mehr bewußt als der Verfasser selbst so darf doch wohl die Hoffnung ausgesprochen werden, daß sie auch heute noch nicht zu spät kommt. Die kämpfenden Schaaren des Proletariats können aus den Daten und Mittheilungen über die Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung in den letzten zwölf Jahren frischen Muth zu erneuten Kämpfen und Siegen um die idealen Ziele der Sozialdemokratie schöpfen und sie wer= den es auch sicherlich. Wo aber ein Streiter erlahmt sein sollte, da wird der Hinweis auf die namenlosen Schandthaten, welche unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes an der deutschen Arbeiterschaft verübt wurden, genügen, um auch diesen wieder in die Reihen der Kämpfenden und Ringenden zurückzuführen. Aber selbst jene Elemente des deutschen Volfes, welche zwar weder zur Sozialdemokratie sich zählen, noch für dieselbe Sympathie hegen, trotzdem aber überzeugte Gegner des Sozialistengefeßes sind, ia sogar jene Vertheidiger des Ausnahmegesetzes, welchen der Byzantinismus und die Erfolgsanbeterei unserer Tage das Denkvermögen noch nicht völlig umnebelt haben muß all' diesen, wenn sie diese Schrift aus der Hand legen und sich die Summe von Niedertracht und Gemeinheit einerseits und anderseits die Noth und Verzweiflung vergegenwärtigen, welche sich aus dem Gesetz und der Art seiner Handhabung ergeben, nicht auch der Gedanke kommen, den der Verfasser dieser Schrift, als er das Material fichtete und ihm aus jeder der nach Hunderten zählenden Zuschriften immer und immer wieder der Ruf nach Vergeltung und Rache entgegenschallte, nicht mehr los werden konnte: Wehe Denen, über deren Häupter sich einst all' derHaß und all'die Wuthentladen werden, die durch dieses infame Gesez erzeugt und angesammelt werden! Wir haben dem nichts hinzuzufügen. " Wider einen ungerechten Angriff. Recht voor Allen", das Organ der holländischen sozialdemo= kratischen Partei, enthält in seiner Nr. 182( Sonntag den 4. und Montag den 5. August) einen Artikel, der sich in äußerst heftigen Ausfällen gegen den Internationalen Kongreß der Vereinigten Sozialisten ergeht. Wir hatten geglaubt, die Debatte über einzelne unangenehme Vorkommnisse auf dem Kongreß als abgeschlossen betrachten zu dürfen, die Thatsache indeß, daß das Organ einer der deutschen Sozialdemo= tratie so befreundeten Partei, wie die holländische, sie zum Anlaß einer Polemik nimmt, nöthigt uns, ebenfalls noch einmal darauf zurückzukommen. Wir werden uns dabei, um nicht die Meinungsverschieden= heiten in Feindseligkeiten ausarten zu lassen, nur an das Sachliche halten, jede persönliche Rekrimination aber bei Seite laffen. Nur info fern glauben wir von dieser Nichtschnur abgehen zu sollen, als wir feststellen, daß der erwähnte Artikel nicht etwa der Feder unseres Genossen Domela Nieuwenhuis entstammt, sondern, wie man uns schreibt, wahrscheinlich der des Genossen J. A. Fortuijn, der Delegirter auf dem possibilistischen Kongreß war. An sich könnte es ja gleichgiltig sein, wer etwas sagt, aber es handelt sich hier nicht nur um den Inhalt, sondern auch um den Ton des Angriffs, und zweitens ist es ein Unterschied, ob der Angriff erfolgt von jemand, der aus eigner Beobachtung urtheilt, oder von jemand, der nur vom Hörensagen berichtet. Und nun zur Sache. Wir stellen zunächst durchaus nicht in Abrede, daß sowohl Vorberei= tung als Leitung des Kongresses der Vereinigten Sozialisten viel zu wünschen übrig ließ. Man muß aber doch in Betracht ziehen, in welch ungünstiger Lage sich das Einberufungskomite dieses Kongresses befand, wie lange es durch die Unterhandlungen mit den Possibilisten und deren Freunde hingehalten wurde, ehe es überhaupt an die Organisation des songresses gehen konnte, und daß die Mehrzahl der Anmeldungen erst in allerlegter Stunde erfolgte, so daß Niemand vielleicht mehr über die großartige Betheiligung am Kongreß überrascht war, als die Einberufer selbst. Hoffentlich wird Fortuijn oder wer den erwähnten Artikel geschrieben, ihnen nicht einen Vorwurf daraus machen wollen, daß sie den Wünschen der ausländischen Bruderparteien überhaupt Rechnung getragen. Daß die Debatte über die Vereinigungsfrage soviel Zeit in Anspruch nahm, ist nicht Schuld der Veranstalter und Leiter des Kongresses. Die Anträge waren gestellt und mußten diskutirt werden. Und dies bringt uns gleich auf einen zweiten Punkt. Der Verfasser macht, und er folgt darin einer bereits anderseits geltend gemachten Lesart, für das Scheitern der Einigungsbestrebungen die Führer verantwortlich, während fast alle Arbeiter die Vereinigung gewollt hätten. In wie weit dies vom Possibilistenkongreß zutrifft, wollen wir dahingestellt sein lassen, wir waren nicht dort, wohl aber Fortuijn, und so haben wir auch kein Recht, ihm entgegenzutreten; was aber den Kongreß der Vereinigten Sozialisten betrifft, so nehmen wir jeden Theilnehmer an demselben zum Zeugen, daß die heftigen Pro= teste gegen die Verschmelzung, die leidenschaftlichen Unterbrechungen der für dieselbe eintretenden Redner, nicht von " Führern" ausgingen, sondern von der Masse der Dele= girten felbstverständlich nur der französischend. h. von den Arbeitern selbst. So einfach, daß gewissermaßen alle Arbeiter einig find, und blos die„ Führer" nicht, liegt die Sache denn doch nicht, läge sie so, wir wüßten nicht, welche Macht der Erde den Führern" die Fähigkeit verschaffte, die Arbeiter wider ihren Willen zu entzweien. Außerdem find es keineswegs bloße Personenfragen, welche die Sozialisten Frankreichs trennen, sondern sehr wichtige Fragen des Prinzips und der Taktik. Aber, wie gesagt, die Führer" haben den Vereinigungsvorschlägen weit geringeren Widerstand entgegengesezt als ein großer Theil der Delegirten. Das Verdienst eines dieser Führer"-Jules Guesde war es, daß die französischen Delegirten schließlich sich bereit erklärten, die Vereinigungsresolution Liebknechts anzunehmen. Aber auch gegen diese Resolution schüttet der Verfasser des Artikels die Schaale seines Zorns aus. Warum hat man nicht den holländischen Vereinigungsantrag angenommen? Ja, den hatten eben die Franzosen, und zwar Delegirte aus Paris und der Provinz, als für sie unannehm= bar bezeichnet, und grade um eine Verständigung zu erzielen, hatte Liebknecht seine Vermittlungsresolution eingebracht, die nichts enthielt, was die Theilnehmer des anderen Kongresses verlegte, also vorausgefeßt, daß man drüben die Einigung wollte ebenso gut geeignet war, dieselbe herbeizuführen als die Resolution der Holländer. Die Leitung," fährt der Verfasser fort, war schlecht und höchst willkürlich; drei Tage ließ man mit langathmigen Berichten über die Zustände in den einzelnen Ländern verstreichen War das Letztere ein Fehler, so war für diesen wiederum nicht die ,, Leitung", sondern der Kongreß, das Gros der Delegirten, verantwortlich zu machen. In der Erkenntniß, daß die Verlesung der Berichte so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, daß für die gehörige Diskussion der Tagesordnung feine Zeit bleiben würde, hatte Lafargue am Donnerstag den Antrag gestellt, dieselbe ganz einzustellen und die Berichte in Druck zu geben. Diesem Antrag aber wurde aus der Mitte des Kongresses heraus von allen Seiten opponirt und dagegen ein Antrag der belgischen Genossen angenommen, für feden Bericht die Nedezeit auf 15 Minuten zu beschränken was bei der Pflicht der Doppelübersetzung mindestens eine halbe Stunde für jeden Bericht bedeutete. Wir selbst gehören zu denen, die die Ablehnung des Lafargue'schen Antrags bedauerten, aber die Masse der Delegirten war mit Wedde( Hamburg) der Ansicht, daß sie über die auf die Tagesordnung gestellten Fragen im Prinzip längst mit sich einig seien, daß aber dagegen gerade die Berichte sie im höchsten Grade interessirten. Feuilleton. Heiteres aus den Hundstagen. Der Eintritt der rothen Weltrepublik. Endlich, endlich erfahren wir es, und zwar auf das Bestimmteste, wann die rothe Weltrevolution über die moderne Gesellschaft hereinbrechen und die rothe Weltrepublik in's Dasein treten wird. Auf das Allerbestimmteste, d. h. bis auf Jahr und Tag! Nämlich am 15. Dezember 1896, nicht einen Tag früher oder später! Der Leser zweifelt? Er schüttelt ungläubig das Haupt? Rodbertus", erwidert er vielleicht, hat einmal von 500 Jahren, Lassalle von 200 Jahren gesprochen, und Bebel hat irgendwo gesagt, das gegenwärtige Jahrhundert werde schwerlich zur Neige gehen, ohne daß ganz mesentliche Umgestaltungen im Bau der heutigen Gesellschaft eingetreten seien. Aber die rothe Republik, und am 15. Dezember 1896? Was für Einfaltspinsel müßten da Robbertus, Lassalle und Bebel gewesen sein!" " Oder", fragt er, ist etwa jenes hypothetische, die ganze Welt mit seinem Geiste umspannende Genie erstanden, von dem der Physiologe, große Redner im Auditorium Maximum der Berliner Universität und „ geistige Leibwächter der Hohenzollern"( wie er sich nannte), Professor du Bois- Reymond, den staunenden Studenten erzählte, jenes Universalgenie, welches in einem gegebenen Moment mit der Bewegung sämmtlicher Moleküle und Atome, welche den Weltenbau zusammensetzen und mit den sie lenkenden mechanischen und mathematischen Gesezen genau bekannt, das ganze System der Welt bis in die graueste Vorzeit zurück fonstruiren und den zukünftigen Lauf der Welt bis in die kleinsten Details prophetisch voraussagen könnte? Sollte dieser Universalmensch erstanden sein? Wir antworten, wie die gläubigen Stockrussen auf den Ostergruß „ Christ ist erstanden" erwidern:" Ja, er ist erstanden, er ist wahrhaftig erstanden!" Er ist erstanden in der Person des englischen Pastors nicht Schuster, sondern Barter, Reverend M. Barter, Man höre. Nach ,, The Christian Globe"( die christliche Erdkugel) vom 11. Juli 1889, Seite 704, hat unser Prophet in einer öffentlichen Disputation*) zu London mit einem Spießgesellen, Reverend J. J. Andrew, gesagt:. *) Die Disputationen der beiden Pfaffen in Cannon= Street Hotel Hall und Esser Hall, Essex Street, Strand, drehte sich um folgende Genug, es ist absolut ungerecht, wenn man der Leitung in die Schuhe schiebt, was gegen den Wunsch derselben von der Versammlung selbst beschlossen worden. Ebenso falsch werden die Vorgänge am Samstag, dem sechsten Tag der Verhandlungen, dargestellt. Was das Bureau am Samstag that, geschah nur in Ausführung früherer Beschlüsse des Kon= gresses selbst. Nachdem der erwähnte Antrag Lafargue abge= Tehnt worden war, schlug am Donnerstag das Bureau vor, alle Anträge sollten bei ihm eingereicht werden, damit es die gleichartigen zusammenstellen und dem Kongreß später unterbreiten könne. Der Kongreß hat dem zugestimmt.( Vergl. den sehr ausführlichen Bericht des Berliner Volksblatt" vom 27. Juli.) Am Sonnabend Vormittag war es Guesde, der bald nach Eröffnung der Sitzung den Kongreß daran erinnerte, daß noch drei Fragen auf der Tagesordnung ständen, über deren Erledigung man sich schlüssig machen müsse, und in Erwägung dieser Thatsache stimmt der Kongreß dem Vorschlag Vaillants bei, nur den Vormittag noch zur Debattirung der gestellten Anträge zu benußen, am Nachmittag aber sofort mit der Abstimmung zu beginnen. Der Beschluß war angesichts der Sachlage ein Gebot der Nothwendigkeit, seine Durchführung eine Pflicht des Bureaus, nicht aber eine von ihm geübte Willfür". Diese Nothwendigfeit lag so auf der Hand, daß nur Voreingenommenheit und böser Wille sie bestreiten, dem Bureau, dessen Aufgabe ohnehin schwierig genug war, noch neue Schwierigkeiten in den Weg legen fonnte. Die große Mehrheit der Delegirten sah das auch ein, und wenn sie, und namentlich die deutschen Delegirten, die unter Ueberwindung der größten Schwierigkeiten nach Paris gekommen, sich jedem Versuch, die Verhandlungen durch Aufwerfen neuer Fragen in die Länge zu ziehen, energisch widerfesten, so war das ihr gutes Recht. Wie steht es aber mit der angeblich so schändlichen" Behandlung des italienischen Anarchisten Merlino? Der Genannte hatte ein Mandat zu beiden Kongressen, und war bald auf dem einen, bald auf dem andern. Speziell am Sonnabend Vormittag war er auf dem Possibilisten- Kongreß ge= wesen, wußte daher auch nichts, oder wenigstens nicht genau, was den Vormittag auf dem Kongreß der Vereinigten Sozialisten beschlossen worden war. Aus dieser Unkenntniß leitete er für sich das Recht her, im Gegensatz zu den gefaßten Beschlüssen, in dem Augenblick, als zur Abstimmung geschritten werden sollte, noch das Wort zu nehmen. Von dem Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß das nicht anginge, daß er aber nach der Abstimmung noch Gelegenheit haben werde, das Wort zu erhalten, wollte er sich nicht fügen, sondern tobte und schrie, bis der übergroßen Mehrheit der Versammlung der Gedulds= faden riß, und sie den guten Mann vor die Thür sezte. Ob Herrn Merlino damit Unrecht geschehen, möge der Leser aus folgenden Säßen einer von diesem Herrn in der anarchistischen Revolte" veröffentlichten Erklärung ersehen. Dort konstatirt Herr Merlino: " Daß der Sigungspräsident( Deville und nicht Vaillant) keine direkte Unterstellung mir gegenüber gemacht hat, denn ich würde sie ihm zu fosten gegeben haben, und ich würde sie ihn zu kosten geben, wenn er je es wagen sollte, eine solche zu machen; er hat blos, sehr jesuitisch übrigens, gesagt, daß in einem gegebenen Falle es geschehen könne, daß ein einziger Agent provocateur das Gelingen des Kon= gresses verhindere." " Ich habe ihn diese Worte nicht zu Ende reden lassen( ich war nicht bestürzt, noch habe ich die englische Uebersetzung abgewartet, die gar nicht stattgefunden hat*) und habe ihm zugerufen, daß die Spizel im Bureau seien, denn in der That saßen dort die bekannten Denunzianten Reinsdorfs und der deutschen Anarchisten. Und in diesem Stil geht es fort. Verdächtigung über Verdächtigung, Beschimpfung auf Beschimpfung. Das ist der Mann, dent zu Liebe der Kongreß seinen früheren Beschluß umstoßen und die Debatte aufs Neue eröffnen sollte. Der Verfasser ärgert sich nun aber nicht nur darüber, daß die deutschen Delegirten den Kongreß nicht von einem Ruhestörer terrorisiren ließen, ihn ärgert überhaupt die große Anzahl der deutschen Delegirten. Nach unserer bescheidenen Meinung konnten die Deutschen mit einigen sechzig Mann weniger erscheinen." Das sagt derselbe Mann, der kurz zuvor gegen den Einfluß der der" Führer" gedonnert. Wer hat denn die deutschen Delegirten nach Paris geschickt: die Führer oder die deutschen Arbeiter? Und wonach bestimmt sich überhaupt die Stärke der Vertretung einer bestimmten Arbeiterpartei? Nach ihrer wirklichen Größe oder nach der Sympathie, die ihr von irgend welcher Seite entgegengebracht wird? Wir fönnten noch Manches über diesen Gegenstand vorbringen, aber, wie gefagt, wir wollen den Streit nicht von Neuem entfachen wenigstens nicht unter Sozialisten und Sozialisten, sondern es kommt uns nur darauf an, ungerechtfertigte Vorwürfe zurückzuweisen. Fehler sind ge= macht worden, und werden auch wohl in Zukunft noch gemacht werden, so lange es noch nicht gelungen ist, die Menschen in Engel zu ver= wandeln. Rüge man die begangenen Fehler so scharf als man will wir sind die Legten, die ein offenes Aussprechen verpönen- aber halte man sich dabei an die Thatsachen, und richte man seine Vorwürfe an die Adresse, an die sie gehören. Der Verfasser beklagt sich, daß der Kongreß die Organisation der Internationale unterließ, was *) Schreiber dieses war während des betreffenden Vorganges felbft nicht im Kongreßlokal, doch ist ihm von-anarchistischer Seite in öffentlicher Versammlung des Bestimmtesten erklärt worden, daß die englische Uebersetzung stattgefunden habe. Wenn Merlino in der Revolte" das bestreite, so habe er damit einen bestimmten Zweck im Ange. Herr Merlino darf also des edlen Zwecks wegen Tügen. " Das rothe Roß des Weltkrieges und der rothen republikanischen Revolution( Red- republican Revolution) wird dann 8 Monate an= dauern vom 15. Dezember 1896 bis zum 14. Auguſt 1897 und die zehn Königreiche werden rothe Republiken werden."( Offenbarung St. Joh. VI, 3; XVII. 3.)" Heiliger Schäfer Thomas, hänge Dich! Wir hören auch, wie die rothe Republik zu Stande kommt: Die Herabstürzung Satans und seiner Engel aus den himmlischen Höhen auf die Erde um den 15. Dezember 1896, wo er gegenwärtig " Fürst der Gewalt der Luft" ist( Epheser II. 2; VI. 12), wird das nothwendige Resultat der Emporhebung„ des" Menschenkindes oder von 144,000 lebendigen Christen, um Christus in der Luft" zu treffen, sein und wird verursacht werden durch einen Krieg im Himmel zwischen Michel und seinen Engeln auf der einen und Satanas und seinen Engeln auf der andern Seite."( Siehe Offenb. XII., 9.) Nicht wahr, es muß ein grandioser Geist, ein Nonplusultra von Wissen sein, der diese himmlische Keilerei bis auf den Tag vorausbestimmt? Und das alles obendrein ohne Hilfe der höheren Mathematik und Mechanik, lediglich durch inneres Schauen". " Wir hören aber zugleich von dem Untergange der rothen Weltrepublik schon nach 8 Monaten ihres Bestandes; wir erfahren auch, durch wen dieser Untergang bewirkt wird, diesmal jedoch nicht nur mit Hilfe der höhern, sondern der höchsten Mathematit, gegen die die Differentialund Integralrechnung und höhere Analysis zusammen gar nichts sind. Die rothe Weltrepublik wird nach unserem Verehrungswürdigen gestürzt durch den neuen Antichrist", oder, sagt er, im( griechisch geschriebenen) neuen Testament Apollyon", im griechischen Aorist Apoleon"( Offenbarung IX. 11)." Nun muß aber die Zahl eines Namens 666" sein ( Offenbarung XIII., 18); oder, in andern Worten fagt Barter der numerische Werth der Buchstaben seines Namens muß 666 sein". ( Die griechischen Buchstaben bedeuten nämlich zugleich bestimmte Zahlen.) beiden Fragen: 1. Zeigt Daniel IX, 27, daß ein siebenjähriger Bund fieben Jahre vor dem Ende dieses Zeitalters zwischen den Juden und Napoleon geschlossen werden wird, wird dieser Bund in der Osterwoche 1894 geschlossen werden und wird England eines der zehn Königreiche des Antichrist sein?? Wird Frankreich und nicht Rußland die leitende Macht unter den zehn Königreichen in der Endkrisis während der nächsten sieben Jahre( Hesekiel XXXVIII.); werden die treuen Gläubigen bei der zweiten Niederkunft Christi ungerichtet in den Himmel eingehen; und werden Christus und Seine ruhmreichen Heiligen während des 1000jährigen Reiches über der Erde in einer himmlischen Stadt, 1500 Quadratmeilen groß und 1500 Meilen hoch leben? Mit ja antwortet Rev. M. Barter, mit Nein Mr. J. J. Andrew. Bezug auf die Internationale der Ansicht, daß dieselbe über den Nahdoch nach seiner Ansicht dessen Hauptaufgabe gewesen sei. Wir sind in men einer Organisation längst hinausgewachsen ist, aber was wir dem Verfasser wünschen, ist etwas mehr wirklich internationales Fühlen. Wer sich über die große Betheiligung der deutschen Arbeiter am Kongreß beklagt, statt sich darüber zu freuen, wer es fertig bringt, von einer deutschen Garde Liebknechts" zu sprechen, der entbehrt noch der ersten Vorbedingung wahrer Internationalität: des Gerechtigkeitsfinns. Das Vorstehende war bereits in Druck gegeben, als uns über den gleichen Gegenstand aus Deutschland von sehr bewährter Seite eine Zuschrift zuging, die wir, der Wichtigkeit des Gegenstandes halber, ebenfalls noch zum Abdruck bringen. Der betreffende Genosse schreibt: Der Artikel hat in hiesigen Kreisen peinliche Ueberraschung erregt, um so mehr, da man Anfangs Domela Nieuwenhuis als seinen Urheber vermuthete. Von dieser Ansicht ist man nun freilich zurückgekommen, immerhin bleibt die Thatsache bedauerlich, daß ein so unbilliger Angriff ohne Vorbehalt im„ Necht voor Allen" erscheinen konnte. Sachlich ist auf denselben Folgendes zu erwidern: " 1 Der Verfasser zeigt, daß er von dem Internationalen Kongreß und dessen Zweck und Aufgaben von vornherein eine grundfalsche Vorstellung gehabt hat. Daß es sich in erster Linie um eine Verbrüderung der deutschen und französischen Arbeiter handelte, das ist dem Verfasser vollständig entgangen; deshalb ist er auch ärgerlich darüber, daß so viele deutsche Delegirte in Paris anwesend waren. Weniger hätten es auch gethan, und viel Geld hätte„ gespart", oder für etwas Nüglicheres verwendet werden können. Der Verfasser würde vielleicht auf andere GeSanken gekommen sein, wenn er vorher die deutschen Bourgeois- und Reptil- Blätter gelesen hätte, in denen genau dasselbe zu lesen steht. Ferner ist der Verfasser ärgerlich darüber, daß die„ neue Internationale" nicht gegründet ward. Auch in Bezug auf diesen Punkt würde ihm die Leftüre der deutschen Bourgeois- und Reptil- Bresse sehr nüßlich gewesen sein; er würde dann wissen, daß diese neue Internationale" das Ideal der deutschen Polizei ist. Uebrigens brauchte die neue Internationale" nicht besonders gegründet zu werden: so weit eine Internationale möglich ist, be steht sie, und der Internationale Arbeiterkongreß hat ihre Lebenskraft be= wiesen und ihre Macht und Wirksamkeit riefig gesteigert. Wie Liebknecht amt zweiten Tag des Kongresses ausführte: die Internationale Arbeiter= organisation hat ihre Mission erfüllt, ihre Form ist überflüssig geworden die Internationalität des Proletariats ist eine vollendete Thatsache. di de & 加 bo ab in C bi de 6 be t it I re fr et d das 10 h Sehr ärgerlich ist der Verfasser, daß über die Resolutionen, betreffend den Arbeiterschuß keine längeren Debatten stattfinden konnten Bureau habe terrorisirt, und dem armen Merlino Gewalt angethan. Aber zu langen Debatten war eben keine Zeit, und sie waren auch nicht nothwendig, da die Materie zu jenen längst spruchreifen, durch und durch, über und über debattirten Fragen gehört, von denen Lassalle schon vor 26 Jahren schrieb: Man diskutirt sie nicht mehr, man beschließt darüber!" Herrschte doch absolute Einmüthigkeit! Und waren die sämmtlichen eingelaufenen Beschluß- Anträge doch bloß redaktionell verschiedene! Was aber das Terrorisiren" betrifft, so ist der Vorwurf einfach ungereimt. Wenn Herr Merlino schließlich sanft an die Luft befördert werden mußte, so war das einfach ein Akt der Nothwehr, denn Herr Merlino brüllte so laut und so ununterbrochen, daß die Verhand lungen eingestellt werden mußten; und da der Kongreß nicht Herrn Merlino zu Liebe in ein anderes Lokal gehen konnte, so mußte Herr Merlino in ein anderes Lokal gehen gemacht werden. Wer überhaupt den Kongreß wollte, der muß das in der Ordnung finden. Daß einige deutsche Delegirte das Hausrecht ausüben halfen, gibt dem Verfasser Anlaß zu einigen Tiraden, die im Munde des verbissensten Chauvinisten nicht befremden würden. Den Hauptgrimm des Verfassers hat aber der Kongreß dadurch auf sich geladen, daß die Majorität nicht den Einigungsvorschlag der Holländer angenommen hat. Wenn der Verfasser die Begründung der Resolution Liebknechts angehört hätte, die er so heftig anfeindet, so würde er wissen, daß die Annahme der Holländischen Reso= lution nicht die Einigung, sondern den Bruch mit einem Theil der tüchtigsten französischen Genossen gebracht hätte. Um diesen Bruch zu verhüten, und die Einigung mit den Possibilisten, falls sie von diesen gewünscht würde, zu ermöglichen, hatte Liebknecht seine Resolution formulirt. Dieselbe war für unsere französischen Freunde annehmbar und verletzte die Possibilisten in keiner Weise. Allein die Herren Possibilistenführer haben von Anfang an die Einigung nicht gewollt, weil sie ihrer päpstlichen Unfehlbarkeit zuwiderging und mit ihrer Ausnahmestellung ihnen bei ihrer nummerischen und prinzipiellen Schwächete de Stellung entzogen hätte; und sie haben die Einigung auch jest nicht gewollt. Daß die Forderung der Prüfung unserer Kongreßmandate: durch- die Herrent Possibilisten! eine Insulte war, das muß der Verfasser selbst zugeben, trotzdem steckt er so tief in den possibilistischen Sympathien, daß vierfünftel der Schaalen seines Zorns auf die bösen Deutschen( Die Garde Lieb= tnechts!") ausgeleert werden und höchstens ein Fünftel( und ein sehr sanftes) auf die guten Possibilisten. Das möge dem Verfasser des Artikels im Recht voor Allen" ge= nügen. Die Stelle, an der seine höchst unverständigen und höchst ungerechtfertigten Angriffe veröffentlicht sind, legt dem Schreiber dieses Nimmt man von„ Napoleon" den dritten Fall" Napoleonti", so hat man N 50, A- 1, P= 80, 0= 70, L= 30, E5, 0 70, N= 50, T= 300, I= 10, zusammen gleich 666. Quod erat demonstrandum, was zu beweisen war; d. h. der„ Antichrist" wird ein neuer Napoleon, ein wirklicher Napoleon sein, der die rothe Republik stürzt, oder auch eventuell sich mit ihr koalirt" und ein neues Weltreich errichtet. 19dsid Himmel, hast du keine Flinte! Gegen diese Art Etymologie verblaßt selbst das ehrwürdige Quartanerkunststück der Verwandlung des Wortes alopex in das deutsche Fuchs alopex, lopex, opex, pex, pux, Fuchs!*) dod bus sur ain " *) Abgesehen von der schwindelerregenden Konfusion und grandiosen Mystifikation, die sich hier vorfindet, zeigt unser gelahrter Reverend eine souveräne Unkenntniß der Thatsachen, welche die Bibelkritik in Deutschland schon vor 50 Jahren festgestellt. Fr. Engels hat vor 6 Jahren in der englischen Monatsschrift Progreß"( August 1833: The Book of Revelation, by Fr. Engels) auf die Ergebnisse hingewiesen, zu denen Professor Ferdinand Benary seinerzeit in Berlin gelangte. Wir faffen das von Engels dort Gesagte hier ganz kurz zufammen, natürlich nicht, um Herrn Barter zu widerlegen, sondern weil es von allgemeinem Interesse ist. " Während die orthodoren Kommentatoren der Offenbarung Johannis erwarten, daß seine Prophezeiungen sich noch erfüllen sollen, sagt Johannes, wie sich der Verfasser der Offenbarung nennt, ausdrücklich: Die Zeit ist nahe vor der Thür; dies alles wird sich in Kurzem ereignen." Er sieht ein Ungeheuer mit 7 Stöpfen aus dem Meere aufsteigen, von denen einer verwundet war aber diese Wunde wird geheilt. Das Thier bedeutet einen Menschen, und die Zahl seines Namens ist 666." Frenäus wußte noch im 2. Jahrhundert, daß mit diesem Ungeheuer, dem„ Antichrist", der römische Kaiser Nero gemeint war, unter dem die erſte Christenverfolgung stattgefunden, und Benary beweist dies nach Engels sehr einfach. Nach Neros Tode war namentlich in Griechenland und Afien das Gerücht verbreitet, er sei nicht todt, sondern nur verwundet und werde mit seiner Schreckensherrschaft wiederkehren( Tacitus, Ann. VI, 22) Ein anderes Mal sieht Johannes das siebenköpfige Unthier mit einem Weibe darauffißend, und ein Engel erklärt ihm:" Die 7 Köpfe find 7 Berge, worauf das Weib sist( nämlich Nom, die Siebenhügelstadt); da sind 7 Könige( die ersten sieben römischen Kaiser); 5 find bereits todt( nämlich Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero), und einer ist( lebt, d. h. der Kaiser Galba 68-69 nach Christus, zu dessen Zeit also das Buch der Offenbarung Johannes geschrieben sein muß), und der letzte ist noch nicht da, und wenn er kommt, wird er nur eine furze Zeit bleiben. Und das Thier, welches war und nicht ist, das ist der achte, und er ist einer von den sieben( nämlich Nero).... Und S D h D b b in tahdent len. Con= von der t= den ter ides er= nen fge= iger lich und ung der oll= iele uch Der= Be ind Ie" die jen das ge= ht be= : cht er= Dent te end as an. Lich ind ille an Ind об It= ert nd= err : r= ing en, er= auf ag in 10= cht en zu te= die bie er ett men er m! Der b= hr 武 hit es at 0, at rd he es ac 2= he id in or 1= 1= il ast# ie It r = te 860 D et Fe б r eine Reserve auf, die ihm nicht ganz leicht gefallen ist. Jedenfalls hat Schreiber dieses den ehrlichsten Willen, die Einigung aller sozialistischen Elemente und Organisationen zu verwirklichen, während Angriffe wie die, welche der Verfasser des Artikels im Recht voor Allen" gegen den Internationalen Kongreß und namentlich gegen die deutschen Genossen geschleudert hat, fürwahr nicht darnach angethan find, die Einigkeit zu fördern." * " Dies die Einsendung. Von der Loyalität der Redaktion des„ Necht boor Allen", hoffen wir aber, daß sie von dieser Antwort, namentlich aber, was die thatsächlichen Richtigstellungen anbetrifft, in ihrem Organ Notiz nehme. www Sozialpolitische Rundschau. schweifen? Wie wäre es, theuerste Anstandsdame, mit einer Sprigtour nach Berlin? Dort wohnt jemand, der Dir aus aller Verlegenheit helfen kann. Und dieser jemand heißt: Heinrich Oberwinder. Herr Oberwinder war es, der bei in Paris lebenden deutschen Sozialisten für Boulanger Stimmung zu machen suchte; sie zu veranlassen suchte, in Beiträgen für französische und deutsche sozialistische Zeitungen für Boulanger Stimmung zn machen. Herr Oberwinder ist auch der Erfinder des famosen Plans einer Internationalen Korrespondenz", der eine wahrhaft frappante Aehnlichkeit hat mit dem Plan der Herausgabe eines Organs, welches unter dem Deckmantel ausländischer Korrespondenzen nur helfen sollte ,,, Agenten zu haben und Mittel, mit ihnen zu verfehren. eine Zeitung, deren Mitarbeiter man handeln und schreiben lassen kann, ohne daß sie auch nur eine Ahnung davon hätten, auf welches Ziel man zustrebte"( Vertheidigungsschrift Boulangers). Und Herr Oberwinder ist ein ehrenwerther Mann, wie Herr Polizeirath Krüger in Berlin gern bezeugen wird. Suche, liebe Leipzigerin, suche! und Die deutsche Polizei hat den Pariser Kongreß noch immer nicht verdaut. Blos das Eine hat sie begriffen, daß er ihr nicht in den Kram paßt, ja daß er ihr das Konzept verdorben hat London, 14. August 1889. darum möchte sie gern den ganzen Kongreß ungeschehen machen. Da dies nun aber nicht möglich ist, so soll wenigstens das Nächstbeste oder doch-Erwünschte möglich gemacht werden: nämlich die vollkommene Ignorirung des Kongresses. Von dem Kongreß soll nicht gesprochen werden und etwas, wovon nicht gesprochen wird, ist so gut, als ob es nicht existirt. So schlau ist die deutsche Polizei, daß fie dies eingesehen, und demzufolge das Verbot jeder Berichterstattung über den Pariser Kongreß. Der Prozeß Boulanger, der sich zur Zeit vor dem zum Staatsgericht konstituirten französischen Senat abspielt, ist als solcher nicht geeignet, unser besonderes Interesse in Anspruch zu nehmen. Im Senat haben die Opportunisten die Mehrheit, und da diese die verbisfensten Gegner des„ tapfern Generals" find vielleicht weil sie in der Gesinnungstüchtigkeit ihm am verwandtesten sind so war der General gerichtet, noch ehe die Anklageschrift verlesen war. Diese selbst beweist nur, daß Boulanger ein ehrgeiziger Streber ist und in der Verwendung der seiner Verwaltung anvertrauten Geldmittel nicht sehr skrupulös zu Werke ging Dinge, die zwar durchaus verwerf= lich, aber leider keineswegs sehr selten sind, weder in Frankreich, noch in irgend einem andern Lande. Boulanger hat auf die Anklageschrift mit einem Manifest an das französische Volk geantwortet, in dem er die Hauptpunkte der Ersteren Satz für Satz zu widerlegen sucht. Er kommt da auch auf den Vorwurf zu sprechen, er habe ein Blatt, den" Avenir National" zu dem speziellen Zweck unterhalten, seine Person zu verherrlichen. Natürlich ist der Reklame- General über diesen Vorwurf ganz empört. Wie kann man von ihm nur so etwas vermuthen! Der Avenir National" hatte eine viel höhere Mission. Er sollte eine neue Form bieten, die politische Spionage zu betreiben. Ich wollte", heißt es in seinem Manifest, Leute an der Hand haben, welche mit den Sozialdemokraten eines gewissen Landes Beziehungen unterhielten, die ich am Tage vor dem Ausbruche eines Krieges, aber nur an diesem Tage, zu benutzen gedachte. Deshalb wollte ich bei der Zeitung Leute haben, die an den fozialdemokratischen Bewegungen theilgenommen hatten." Die Leipziger Zeitung", das Organ der sächsischen Regierung, knüpft, wie wir aus dem Leipziger„ Wähler" ersehen, an diese„ schwerwiegende Enthüllung" ihres Lieblings die schwerwiegende Frage: " Wer waren diese Leute? Mit wem standen sie in Deutschland in Verbindung? Wie dachte Boulanger fich die Ausnutzung seiner Beziehungen am Vorabend eines Krieges? Alle diese Fragen drängen sich uns unwillkürlich auf. Sie erfordern eine Aufflärung, welche, wie uns scheint, nicht nur im allgemeinen Interesse Deutschlands, sondern auch in dem der sozialdemokratischen Partei liegt. Der weiland Züricher und jezige Londoner„ Sozialdemokrat" könnte uns vielleicht auf die Spur helfen." Mit Vergnügen. Zunächst rathen wir der braven Leipzigerin, doch nachzulesen, was ihre guten Freunde, der Hamburgische Storrefpondent" und die„ Kölnische 3tg.", über diese Angelegenheit zu sagen haben. Diese, sonst int Denunziren so gar nicht blöden" Polizeiblätter find mit einem Male lammfromm geworden, und behaupten, Boulanger habe wohl weniger die deutschen, als die lombardischen Sozialdemokraten im Auge gehabt." Seltsant, nicht wahr, liebe Leipzigerin? Sollen wir Dir, in Anerkennung früherer Liebesdienste verrathen, daß es in der Lombardei zu Boulangers Zeiten fast noch gar keine Sozialdemokraten gab, und daß diese noch heute in der Lombardei sehr spärlich gesäet find? Das macht die Sache nur noch seltsamer. Was für einen Grund hat dieser Mann, frank zu sein," fragte Talleyrand einst, als er von der Erkrankung eines Kollegen erfuhr. Was für einen Grund haben Deine Kollegen, gute Leipziger Denunziantin, nicht zu denunziren?" Steckt ihnen, wie das Berliner Volksblatt" meint, der„ Edelste und Beste" von Ehrenberg noch so tief in den Knochen? Fürchten sie, daß bei dem geringsten Versuch, die deutsche Sozialdemokratie mit Boulanger in Verbindung zu bringen, diese mit weiteren, noch fompromittirenderen Enthüllungen kommen werde? Suche, liebe Leipzigerin, fuche! Wer da suchet, der wird finden. " Oder aber die Leipzigerin macht sich auf und fragt direkt bei ihrem Freund Boulanger an. Etwa so: Herr General! Die unterzeichnete Redaktion, die während und nach der Zeit Ihres Ministeriums nach Kräften die Reklametrommel für Sie gerührt hat, erlaubt sich hiermit die folgende Anfrage: Was haben Sie gemeint unter dem gewissen Land", mit dessen Sozialdemokraten Sie in Verbindung treten wollen? Wie dachten Sie sich die Ausnüßung dieser Beziehung"? Wer waren diese Leute, und mit wem standen dieselben in Deutschland in Verbindung? Angesichts der erwähnten„ Liebesdienste" wird die Leipzigerin nicht um eine erkenntliche Antwort zu zittern brauchen. Verlangt sie nach einer anderen Spur? Wie wäre es, wenn wir ihr die Adressen gewisser sozialdemokratischer oder sehr sozialistenfreundlicher Herren in London mittheilen, die doch wozu in die Ferne Also ein neuer Napoleon, und da Lulu im Zululande todtgeschlagen, so ist natürlich der jetzt noch lebende Prinz Jerome Napoleon, vulgo Plonplon,( geb. 1823) der Antichrist". Er wird zunächst 1896-97 König von Syrien und wahrscheinlich auch der Mahdi der Mohame= daner." Alle Eigenschaften des Antichrist, die der Prophet Daniel VIII, 23; XI, 21, 36, 37 und Offenb. VXII. angeben, passen nach Barter auf diesen. Ja, daß er ein Voltairianischer Ungläubiger" und jogar Demofrat"( Voltairian, Infidel and Democrat") ist, steht nach Barter schon im Daniel zu lesen! Hilf Himmel! Hilf Samiel und Daniel! Daniel, Voltaire und Demofrat! Vielleicht findet Barter bei eingehendem Studium des Buches Daniel noch den vergilbten Vers: Gegen Demokraten helfen nur Soldaten! Aber auch die Schreckensherrschaft Jerome Napoleons, des„ Antichrist", wird gestürzt. Auf der zweiten Stufe des zweiten Advent tommt Christus zornerfüllt als Rächer und Nichter, nachdem alle lebendigen Chriften in dem Himmel aufgenommen, vernichtet den Antichrist in der Schlacht bei Armageddon und das tausendfährige Reich Gottes ist da."( Offenb. XIX, XX., 3acharias XIV, Jejaias, XVI.) Also, Proletarier aller Länder, freut Euch auf den 15. Dezember 1896! Und auf den 11. April 1901! In der That, der Reverend M. Barter ist keineswegs ein Infasse von Burghölzli, Dalldorf, Charenton oder New Bedlam. Er läuft frei herum, angestaunt von den Gläubigen als ein Mann Gottes und Prophet, bei die Hize". das Weib, welches du sahest, ist die große Stadt, welche über die Könige der Erde herrscht( Rom)".( Offenbarung Johannes XII). Ferner gibt Frenäus an, daß nach einer anderen Lesart die Zahl des Namens 616 sei. Beide Zahlen weisen auf Nero hin. Denn hebräisch heißt der Nero: Neron Kesar. Bei den Juden bedeuteten die Buchstaben auch Zahlen und zwar n= 50, r 200, 0= 6, n= 50, k 100, s 60, r= 200, zusammen 666. Im Lateinischen ferner heißt der Kaiser Nero: Nero Caesar, das gibt hebräisch geschrieben: Nero Kesar; es fehlt also an den obigen Worten das zweite n von Neron, d. h. die Zahl 50, und wir erhalten somit die Zahl 616. Dies ist überzeugender Beweis, daß von Johannes Nero gemeint ist. Engels hatte schon 1841 Gelegenheit, dies an der Berliner Universität aus dem Munde des Prof. Benary zu hören, und trotz seiner englischen Publikation von vor 6 Jahren produzirt der Pfaffe Barter den obigen phantasiereichen Mist mit Hilfe des dritten Falles. 1 Ach, sie ist so klug und weise die deutsche Polizei! Wir verneigen uns vor der Majestät ihres Geistes. Schade nur, daß die deutsche Polizei mit ihrem Todtschweigungssystem es vergessen hat, allen Zeitungen die Erwähnung des Kongresses zu verbieten, und den Millionen deutscher Arbeiter das Hirn aus dem Schädel und das Herz aus der Brust herauszunehmen! Wäre das geschehen, dann hätte das Polizeiverbot vielleicht einen Sinn und Erfolg. Hand in Hand mit der deutschen Polizei geht das deutsche Unternehmerthum gegen die Kongreßbelegirten vor. Wir entrüften uns darüber nicht. Wie kann man über das Natürliche in sittliche Entrüstung gerathen? Die Kaze muß mausen und der deutsche Ausbeuter muß sich so aufführen, wie ein roher beschränkter Patron nicht anders kann. Er behauptet zwar, daß ihm das Wohl des Arbeiters" am Herzen liege, und daß er für Sozialreform" schwärme, allein das Wohl des Arbeiters" besteht darin, daß er der Leibeigene des Arbeitgebers ist, und die Sozialreform bedeutet, daß der Arbeiter unter polizeilicher Aufsicht Tag und Nacht mit seinem Arbeitsschweiß den gnädigen Herrn Arbeitgeber" bereichern soll. Daß die deutschen Arbeiter nach ihrer eigenen Façon selig sein wollen, und daß sie auf den Pariser Kongreß gegangen sind, um gemeinsam mit ihren Kameraden der anderen Länder über die Wege und Mittel zur Emanzipation der Arbeit und der Arbeiterklasse zu berathen, das war allerdings ein todeswürdiges Verbrechen. Und daß die deutschen Arbeiter bei dieser Gelegenheit weder Majestätsbeleidigungen noch Landesverrath betrieben, sondern die deutschen Fürsten und die deutsche Reichsherrlichkeit mit souveränem Selbstgefühl links liegen Lassend so vernünftige Beschlüsse gefaßt haben, daß jeder vernünftige Mensch damit einverstanden sein muß und sich beim besten Willen kein Wauwau daraus fabriziren läßt- das war womöglich ein noch todeswürdigeres Verbrechen. Wenn man diese Verbrecher nur allesammt hängen könnte! Freilich, wer würde dann die Herren ernähren, die sich von der Arbeit ihrer Arbeiter mästen, weshalb sie sich eben auch ,, Arbeitgeber" nennen? Also mit dem Hängen geht's nicht wenn die Arbeiter so gutmüthig wären, sich hängen zu lassen. Es muß aber doch ein Erempel statuirt werden! Und so maßregelt denn das biedere Arbeitgebervolt. Nur zu! Schaden können diese traurigen Arbeiter- Paschas uns nicht mehr; wohl aber nügen, indem sie ihre Gemeinschädlichkeit und Brutalität hübsch an die große Glocke hängen. Es ist das beiläufig das einzige Nügliche, welches sie verrichten tönnen. Was sie mit Absicht thun, ist nichtswürdig. Nur unfreiwillig tönnen sie uns einen Dienst leisten als abschreckende und belehrende Beispiele. Die Könige gehen unter die Agitatoren. Von den tragikomischen Agitationstouren des preußischen Reisekaisers haben wir schon des Defteren zu reden gehabt. Dieser junge Mensch ist aber unter so eigenthümlichen Verhältnissen auf den Thron gekommen, daß man es in den persönlichen Umständen begründet halten kann, wenn er den Glauben an die Stabilität der Monarchie verloren hat, und durch fieberhafte Agitationsfähigkeit seinen Thron zu befestigen sucht. deutschen Amts- und Leidenskollegen des Hohenzollernkönigs sind aber in einer ganz ähnlichen Gemüthsverfassung und wenden sich gleichfalls mehr und mehr der agitatorischen Laufbahn zu. Und das ist nichts Zufälliges und kann nicht auf rein persönliche Erfahrungen zurückgeführt werden. Es hat offenbar seinen Grund in einer gemeinsamen Ursache: das Fürstengeschäft geht schlecht, das Gottes- Gnaden- Handwerk hat zwar noch einen goldenen Boden, aber der Boden hat ein Loch, daß Kaiser und Könige gelegentlich durchfallen können. Und wer will es da den armen Monarchen verdenken, daß sie es machen, wie ihre Leidensgenossen in den plebejischen Handwerken: die nothleidenden Gevatter Kesselflicker, Schuster und Handschuhmacher, ihre Gebresten vor aller Welt ausbreiten, für ihre bedrohten Klassen- und Standes- Interessen Propaganda machen, und an das öffentliche Mitleid appelliren? Denn darauf läuft es hinaus. Man nehme z. B. den König von Sachsen, der unter die Kriegervereinler läuft und sie anbettelt, doch ja bei der nächsten Wahl für die gefährdeten Throne einzutreten, damit die schöne, fette Zivilliste nicht beschnitten und die deutschen Fürsten nicht 1 am Ende o Graus! auf die Reichspension des Altersund Invalidengesetzes angewiesen werden. wudhar Diese Bettelrede des Königs von Sachsen, des einst so stolzen Wettiners, der die Gevatter Kesselflicker, Schuster und Handschuhmacher der Militär= vereine um Hilfe anfleht, ist ein ebenso befriedigendes als klassisches Zeichen der Zeit. Wahrhaftig, es muß schlecht, schlecht stehen, um die Monarchenzunft! Auch ein bayrischer Prinz der künftige König, Ludwig heißt er, ist unter die Agitatoren gegangen, und hat neulich in München eine Jammer- und Noth- Rede an die bierbeduselten Turner gehalten. Die Reptilien haben staatsmännischen Geist in der Rede entdeckt; und ist es auch nicht gerade staatsmännisch, so ist doch sicherlich sehr staatsflug, daß ein Fürst sich auf das Agitatorengeschäft vorbereitet. Wer weiß, vielleicht kann er es bald brauchen. Vor hundert Jahren erwies es sich für die französischen Marquis, Grafen, Prinzen und Fürsten als eine außerordentliche Wohlthat, daß sie nebenbei etwas Nützliches, oder wenigstens etwas Brauchbares gelernt hatten: Kochen, Tanzen u. s. w. Wohlan, das Redenhalten kann im Nothfall seinen Mann geradesogut ernähren, wie das Tanzen und Kochen. Jedenfalls haben wir eine große Freude an der agitatorischen Thätigkeit unserer Fürsten, verfolgen dieselbe mit gespanntestem Interesse und wünschen ihnen aufrichtig das beste Fortkommen. 1 s. Nationalitäten. Daß es keine ungemischten Nationalitäten gibt, und daß also das sogenannte Nationalitätsprinzip und der Kultus desselben ein haarsträubender Unsinn ist, darüber sind alle gebildeten Menschen längst im Reinen. Die Deutschen insbesondere sind ein Mischvolf, wie es gemischter überhaupt nicht denkbar ist, und die Elemente, aus denen es zusammengesezt ist, sind großentheils die nämlichen wie die Urelemente der französischen Nationalität". Professor Virchow, der sonst nicht in allen Dingen auch wissenschaftlich nicht unser Mann ist, hat sich das Verdienst erworben, auf dem Anthropologen- Kongreß, der soeben in Wien abgehalten wurde, den Nationalitätenschwindel wissenschaftlich aufs Gründlichste zu zerstören und den handgreiflichen Nachweis zu führen, daß kein Volk weniger als das deutsche dazu berechtigt sei, auf die Reinheit seiner Nationalität" stolz zu sein. " Herr Stöcker, mit seiner semitischen Großmutter, wird von den Ausführungen Virchows wohl nicht sehr erbaut sein, und vermuthlich wieder eine seiner bekannten Schmutz- Eruptionen gegen die Feinde der deutschen Nationalität" in Szene sezen. nec d 11907001 Daß die deutschen Bergleute in ihren gewerkschafte lichen Versammlungen sich jeder Sympathieerklärung für die Sozialdemokratie enthalten, ist angesichts der peinlichen leberwachung der sie unterstehen, sehr begreiflich, zudem ist es ja auch ganz in der Ordnung, wenn in Vereinigungen, die rein gewerklichen Zwecken dienen, also auf das Zusammenwirken aller Arbeitskollegen angewiesen sind, politische Parteidemonstrationen, die nur Uneinigkeit hervorrufen können, unterbleiben. Wie aber die Bergleute fühlen, das hat sich jüngst auf dem großen Verbandsfest der westfälischen Bergleute zu Dorta mund gezeigt. Als der Festzug, gegen 20,000 Mann stark, vor der Wohnung unseres alten Genossen Tölde, vorüberzog, da wurden die Fahnen gesenkt, und dem Veteranen der westfälischen Sozialdemokratie tönte ein Hoch nach dem andern entgegen. Das war keine bestellte, keine durch taktische Rücksichten gebotene, sondern eine ganz spontane aus dem Herzen kommende Ovation, und spricht daher mehr als tausend offizielle Erklärungen. Wilhelm von seiner Sprigtour nach England glücklich heimgekehrt, und vergnügt sich im Augenblick damit, mit seinem lieben Freund und Vetter" Franz Joseph Bruderfüsse auszutauschen, und ihm sein herrliches Heer zu zeigen. Und er hat an Franz Joseph einen Gast, der diesen Genuß wir meinen den Anblick der so stramm gedrillten Soldaten zu würdigen weiß in diesem Punkt ist der Habsburger ein aufrichtiger Verehrer der Hohenzollern. Und seine be= glückten Landeskinder spüren auch mit Wonne die Wirkungen dieser Sympathie edler Seelen. Auch in Oesterreich herrscht der Drill und mit ihm ist allmählich auch der in Preußen sich so wundervoll ausbreitende Offiziershochmuth eingezogen. Auch Desterreich hat jetzt seine Säbelaffären" die österreichische Presse hat in den letzten Tagen 11 erst einige ganz nette Attacken schneidiger" Offiziere gegen ehrsame Bürgersleute gemeldet, und die Entrüstung war um so größer, als die Attakirten und Malträtirten nicht etwa proletarische Habenichtse waren dann würde allerdings kaum ein Hahn danach gekräht haben sondern echte rechte Besiz bürger in einem Falle sogar ein Ge= meindevorsteher. Nun, das ist erst der Anfang, die Oesterreicher werden noch ganz andere Dinge erleben, im Kulturstaat Preußen geht man in dieser Hinsicht rasch voran, wie gerade jezt wieder eine Reihe von Artikeln im Militärwochenblatt" zeigen, in denen das„ m oderne Ritterthum" als höhere Saste gepriesen und von zu intimer Berührung, mit der bürgerlichen Stanaille" gewarnt wird. Die Artikel haben in bürgerlichen Streisen böses Blut gefeßt, aber underschämt, wie sie sind, sprechen sie doch nur aus, was ist, und Niemand wird an diesem Zustand weniger ändern, als gerade das moderne Bürgerthum, dieser Inbegriff der Feigheit und Kriecherei. Inzwischen wird im Orient lustig weiter gewühlt. Neuerdings haben die Christen auf Kreta wieder einmal entdeckt, daß sie von den Muselmännern unterdrückt" werden und wenden sich an das christliche Europa, fie in ihrem Freiheitskampfe" zu unterstützen. Das gibt den Herren Staatsmännern eine ganz vortreffliche Gelegenheit, zu intriguiren und konspiriren und weiter hat die Sache keinen Zweck. Daß Niemandes Herz wärmer schlägt für die Freiheit" der Halbzivilisirten fretensischen Viehzüchter als das Väterchen's, der soeben den Belage= rungszustand über verschiedene russische Gouvernements verlängert hat, ist selbstverständlich. Es soll der Bergmann mit dem Kaiser gehen.„ Ein eigenthümliches Verhältniß", berichtet die Frankfurter Zeitung" aus Bochum, hat sich in den öffentlichen Versammlungen der Bergleute gebildet. Es gibt nämlich die Polizeibehörde dem über= wachenden Polizeibeamten nunmehr regelmäßig einen Stenographen bei, welcher jedes von Seiten der Bergleute auf der Rednerbühne oder im Saale fallende Wort niederschreibt." Ganz wie beim jungen Wilhelm. Die Bergleute scheinen sich aber über diese Gleichstellung mit dem Kaiser nicht sehr geehrt zu fühlen und protestiren dagegen auf eine ganz eigene Art. Sie stellen ihrerseits Stenographen an, welche ihre Reden stenographisch aufnehmen müssen. Außerdem mußten jüngst in einer Versammlung zu Altenboch um vier unbetheiligte Bergleute sich rings dicht um die Rednertribüne sezen und auf jedes Wort genauest Obacht geben Alles, he.ßt es in der obigen Notiz, um bei späteren Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf das Gesprochene ebenfalls eigene Ohrenzeugen zur Seite zu haben. Dieses nicht unzweckmäßige Verfahren soll nun Regel bleiben." Mit einem Wort, die Bergleute wollen, daß ihre Reden so niedergeschrieben werden, wie sie gehalten wurden diese Plebejer! Von einer neuen Erfindung auf dem Gebiete der Metallindustrie lesen wir in amerikanischen Blättern: Eine Chikagoer Firma hat fast in allen Ländern Patente auf eine Erfindung erhalten, welche eine ll mwälzung der Zinn und Stahlindustrie zur Folge haben wird. Sie besteht in einem Prozeß, durch welchen ge= schmolzenes Metall ohne weitere Vorrichtungen und Arbeiten direkt in jede gewünschte Form gebracht werden kann. Ursprünglich wurde das Verfahren blos für die Herstellung von Blech direkt aus dem flüssigen Metall in Anwendung gebracht; man hat nun aber gefunden, daß es auch anwendbar ist für alle Arten Platten, Eisen für Bauzwecke und Eisenbahnschienen. Man glaubt, daß damit die Kosten der Herstellung von Stahlschienen auf 10 Dollars per Tonne reduzirt werden können. Auch werden Zinnplatten damit billiger herzustellen sein, als es jetzt in Wales geschieht, womit die Bedingungen für eine neue Industrie in diesem Lande gegeben sind. Das geschmolzene Metall läuft zwischen zwei Rollen, welche durch Wasser, das durch sie geleitet wird, fühl gehalten werden und die Masse abkühlen. Das auf diese Art hergestellte Eisen und der Stahl soll besser als der auf sonstige Weise bisher produzirte sein, weil stärker in der Textur und frei von Luftblasen." Der Beginn der Anwendung dieser Erfindung, lesen wir weiter, ist bereits in Pittsburg gemacht worden. Eine dortige Firma, Schönberger u. Komp., hat in ihrer Fabrik eine Reihe von Neu- Einrichtungen hergestellt, kraft deren das geschmolzene Rohmetall direkt von den Hochöfen in die Formen geführt werden wird." bo Bewährt sich die Erfindung, so wird sie selbstverständlich sehr bald auch in Europa ihren Einzug halten. Vorsichtshalber haben die Gr= finder nicht doch, die kapitalistischen Aneigner der Erfindung, dieselbe ja bereits in fast allen Ländern patentiren lassen. Wieviel Arbeiter damit aus ihrer bisherigen Arbeitssphäre hin ausgeworfen, wieviel, Hände" alsdann überflüssig gemacht werden, läßt sich vorerst noch garnicht absehen, aber soviel läßt sich voraussetzen, daß durch diese Erfindung und ihrer, naturnothwendig eintretenden weiteren Ausdehnung den Arbeitern der Metallindustrie ähnliche Zustände drohen, wie sie bereits in der Gewebe- Industrie herrschen. in Das erste Heft des Berichts über den Internationalen sozialistischen Arbeiterkongres, herausgegeben von dem Organi= fatonskomité des Kongresses, ist soeben erschienen. Es enthält französischer Sprache die Einladungsschreiben zum Kongreß, die Liste der Kongreßbelegirten, die wichtigsten Resolutionen des Kongresses, sowie ein summarisches Verzeichniß der eingelaufenen Giückwunsch- Telegramme und Zustimmungsadressen. Ein zweites Heft, mit dem Protokoll der Verhandlungen, den Berichten und dem Rest der Resolutionen soll in kürzester Frist erscheinen. , 700 Eine flüchtige Durchficht zeigt uns, daß die Liste, abgesehen von Druckfehlern, verschiedene Irrthümer enthält. So ist z. B. der deutsche Delegirte Schuhmacher unferes Wissens nicht identisch mit dem fozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Schuhmacher, Ewald= Brandenburg nicht mehr Stadtverordneter von Berlin 2c. 2c. So unwesentlich diese Irrthümer sind, so sind sie doch an sich bedauerlich, weil fie willkommenen Anlaß zu böswilligen Auslegungen geben. Wir drücken daher den Wunsch aus, daß bei dem zweiten Heft die Revision etwas sorgfältiger gehandhabt werde. Auch die Rubrizirung der Delegirten nach Ländern, bezw. Nationa= litäten, ist in einzelnen Punkten ungenau. So verstehen wir nicht, warum ein böhmischer Delegirter unter Böhmen" rubrizirt wird während die andern Böhmen unter Desterreich verzeichnet stehen. Auf dem Kongreß wurde diese Unterscheidung nicht gemacht, die tschechischen Sozialisten rechnen sich zur sozialgemokratischen Arbeiterparthei Oester reichs und stimmten auch demgemäß mit den deutsch- österreichischen Sozialisten. — lieber das Malheur» welches Herrn Obcrwindcr in Paris Heimsuchte» hat das„Berliner Volksblatt" berichtet. Der Ehrenmann hatte, zweifelsohne nm» wenn es anging, im Trüben zu fischen, sich für die Daner des Kongresses in Paris einlogirt, doch hielt er es für des Muthes besseren Theil, sich im Kongreßsaal der Vereinigten Sozialisten nicht blicken zu lassen. Es gab auch vorläufig nichts zu denunziren, er konnte nicht, wie 1836, gegen deutsche Delegirte intriguiren. So wid- mete er sich die Zeit über andern einträglichen Geschäften— welcher Art? Darüber schweigt einstweilen des Sängers Höflichkeit. Aber als der Kongreß vorüber, als die deutschen Delegirte» sich zur Heim- reise rüsteten, da mußte ein erneuter Versuch gemacht werden» schätz- bares Material zu erspitzeln. Und richtig, das Schicksal schien dem Patron günstig. Es gelang ihm, in demselben Waggon einen Platz zu erhalten, in dem die Berliner Delegirten Platz genommen— nur durch eine bis zur halben Höhe reichende Rückwand von ihnen getrennt. Da— o Pech!— betritt ein in Paris lebender deutscher Arbeiter» der Herrn Oberivinder von früher her genau kannte, den Waggon, und nun war's mit dem„Horchen an der Wand" vorbei:„Da Leute, seht einmal her, das ist der berüchtigte Spitzel Oberwinder» schaut Euch den Kerl genau an, daß Ihr ihn kennt", und welche Kraft- Worte der Zorn über den hinterlistigen Schleicher sonst noch eingab. Und die Berliner gaben ihrem Ekel selbstverständlich in gleich kräftiger und nicht mißzuverstehender Weise Ausdruck. Blau und blaß wurde der Elende, bis er endlich einsah, daß das Spiel für ihn verloren, und aus dem Waggon stürzte, begleitet von dem donnernden H u r r a h der von der„Wanze" Befreiten. Ueber die„geheimen Sitzungen" des Kongresses aber, in denen der revolutionäre.Kriegsplan berathen und die Posten der zu bildenden revolutionären Regierung vertheilt, die Proskriptionslisten aufgesetzt, die Zahl der zu Köpfenden festgestellt, über die neuesten Mordmaschinen Bericht erstattet, die neueste Spreng- masse probirt wurde, herrscht in dem Kabinet der Berliner Polizei noch immer die beängstigendste Ungewißheit. Wer kann abhelfen? — Einen hübschen Beitrag znr Korruption in Dcntschland finden wir in der Berliner„Volkszeitung" vom 9. d. Mts. Es heißt da: „Strafbares Angebot vonAemtern. Daß im Auslande für ein ansehnliches Stück Geld vielfach Aemter, Orden und Titel feil sind, ist eine bekannte Sache, und wir haben erst vor Kurzem aus Frankreich haarsträubende Dinge in dieser Richtung erfahren. Bisher wußte man nicht, daß in unserem Vaterlande Aehnliches der Fall sei» und um dasselbe von dem unehrenhaften Verdachte fern zu halten, be- darf der nachstehende Vorgang, den der„Hamb. Korr." mittheilt, der Beachtung und gerichtlichen Untersuchung. In verschiedenen Zeitungen findet man ein Inserat, m welchem„unter strengster Diskretion schnell und sicher zum Hoflieferanten, Kommerzienrath oder Sanitätsrath ver- Holsen wird". Ein Leipziger Universitätsprofessor hatte nun, um dem sauberen Geschäfte auf die Spur zu kommen, seine Adresse eingereicht und hat darauf, wie er in einem jetzt von ihm verbreiteten gedruckten Zirkular mittheilt, eine Antwort von einem Berliner städtischen Lehrer, dessen Namen und Wohnung er mittheilt, erhalten, in welcher dieser versichert, die Wege, zum Ziele zu kommen, seien durch die vermitteln- dm Personen nicht schwer. Die Sache, welche höchst reell und diskret sei, könne natürlich nur durch die höch st en Kreise gemacht werden, weshalb die Frage der Bedingungen erst in zweiter Reihe zur Geltung komme.„Es handelt sich um königlich preußische Titel— also höchst reell." Der Professor bemerkt zu der Wiedergabe dieses Briefes, hiernach seien zwei Annahmen möglich. Entweder existire, was er für kaum denkbar halte, in Preußen ein Konsortium a la Wilson— Caffarel—Linwusin, welches königlich preußische Titel ver- handle, oder die Angaben des Berliner städtischen Lehrers seien Schwin- del und hätten den Zweck, Ehrgeizigen Geld abzunehnien. In diesem Falle dürsten von Seiten des Inserenten folgende Vergehen vorliegen: 1) Versuchter Betrug; 2) Beamtenbeleidigung. Beleidigt seien die maßgebenden Beamten des kgl. preußischen Oberhofmarschallamtes, des Hausministeriums, des Handelsministeriums und des Kultusministeriums (Abtheilung für Medizinalwesens), denn ohne deren Mitwirkung wäre es eventuell entschieden unmöglich, die genannten Titel für Geld zu verschaffen. Aus dem Briefe des Lehrers gehe übrigens hervor, daß derselbe Komplizen haben müsse. Der Leipziger Professor hat das Ori- ginal des Antwortschreibens dem Ersten StaatsanwaU des Landgerichts Berlin I. übermittelt." Dies die Notiz. Natürlich wird der„Erste Staatsanwalt des Landgerichts I" kein „öffentliches Interesse" entdecken, das ihn zum amtlichen Einschreiten uöthigte. Ilebrigens handelt es sich auch in der That nur nm eine Lappalie. Wenn der Strafrichter einschreiten wollte, dann hätte er längst besten Anlaß gehabt— fteilich er hätte hoch greifen müssen. Hat nicht der deutsche Reichskanzler notorisch und in der offenkundigsten Weise bei hundert Gelegenheiten seinen persönlichen Vortheil gesucht? Hat er nicht die„K l i n k e d e r G e s e tz g e b u n g" zu seinem persönlichen Bereicherung ausgenutzt? Hat er nicht unter falschen Vorspiegelungen für sich betteln lassen? Hat er nicht seinen un- fähigen Söhnen gegenüber den schmachvollsten und strafbarsten N e p o- t i s m u s geübt'■? Die Promovirung des stotternden Hohlkopfs Her- b e r t, dessen Fähigkeiten kaum zum Dorfschulzen ausreichen— ist ein Akt der Korruption, neben welchem die Geschäfte eines Wilson, eines L i m o u s i n u. s. w. in ein harmloses Nichts zusammen- schrumpfen. Und wie viele ähnliche Skandale, bei denen es sich durchweg um persönlichen Vortheil handelte, ließen sich noch anführen I— Perdächtig ist übrigens bei der obigen Sache, daß der Leipziger Umversitätsprofessor sich mit der Entwicklung des erwähnten Lehrers begnügte, statr die Sache selbst bis auf den Grund zu verfolgen, ehe er sie an die Oeffentlichkeit brachte. Fürchtete er vielleicht, dabei auf Personen zu stoßen, deren Rang es ihm mwnöglich machen könne, in der Rolle des Wächters der guten Sitten in Deutschland aufzutreten? Mit seiner Denunziation ist so gut wie gar nichts erreicht. Wenn's drauf ankommt, lvird der Lehrer als Sündenbock abgestraft und die Hinter- männer drücken sich. Wie schwer es in Preußen oft ist, diese zu fassen, hat der bekannte Rudolf Meyer einst sehr zu seiner Enttäuschung erfahren müssen. Wir meinen seine Verurtheilung wegen Bismarckbeleidigung, weil er gemeint hatte, daß wenn Bleichröder einem Gründerkonsortium auseinandersetzt, er könne ihm eine werthvolle Konzession nur verschaffen, wenn er statt mit einer halben Million mit einer ganzen Million betheiligt werde, dann sei die andere halbe Million für Bleichröders Hintermann, der die Konzesfionirung besorge. Aber da er nicht beweisen konnte, daß das große K Bismarck bedeutete und das kleine b. Bleichröder, und da Bleichröder schwor, er ganz allein sei das große B. und Niemand anders, so wurde Mayer natürlich verurtheilt. Und die Moral, die Moral war gerettet. — In den letzten Wochen hat es in Deutschland geradezu Ver- sammlnngsverbote und Pcrsammlungöauflösungcn geregnet. Die Erster«! bezogen sich meist aus beabsichtigte Berichterstattungen vom Pariser Kongreß und sind von uns bereits in voriger Nummer ge- würdigt worden, die Letzteren kamen in Versammlungen verschiedener Art— selbstverständlich nur in Arbeiter- oder Sozialistenversammlungen — vor, meist allerdings ebenfalls um eine Berichterstattung über den Pariser Kongreß zu verhindern. Wüßte man es nicht, die tölpelhafte Ungeschicklichkeit, welche die„Ueberwachenden" dabei an den Tag legten, bewiese es. Es ist fast unglaublich, was für Aeußerungen herhalten mußten, um den Vorwand zu der bereits im Voraus angeordneten Auflösung abzugeben. Aus den Notizen, die wir darüber zusammen- gestellt, mögen einige zur Belustigung unserer Leser folgen. Es wurden Versammlungen aufgelöst wegen folgenden Aeußerungen: „Tie stehenden Heere sind durch Volksbewaffung zu ersetzen."(Königs- berg in Preußen.) „Die Arbeiter haben von den herrschenden Parteien nichts zu er- Warten, sie sind auf sich selbst angewiesen."(Berlin.) „Auf dem Kongreß sind die Verfolgten aller Länder zusammen- gekommen, die gegen den Despotisnius oder gegen die Bourgeoisie an- gekämpft haben."(Berlin.) Den Vogel aber hat jener— leider ungenannte Polizeilieutenant abgeschossen, der in der vorigen Woche in Berlin eine Versammlung auflöste als der Redner sagte: „Meine Herren, bedenken Sie, daß wir alle nackt auf die Welt kamen." Der Mann verdient den schwarzen Adlerorden. Denn nicht jeder erfaßt es im Augenblick, daß in jenem Satz sozialisttsche, sozialdemo- kratische und kommunistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung in einer der öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Tage treten.„Bedenken Sie, daß wir alle nackt zur Welt kamen." Das ist ja der reine Hochverrath 1 — Süddcutschland galt und gilt noch in vieler Augen als die Stätte, wo die H a u s i n d u st r i e noch ihren Angehörigen eine leid- liche oder gar auskömmliche Existenz gewähre. Wie wenig dies der Fall und wie sehr daher allen schönfärberischen Darstellungen in dieser Hinsicht zu trauen, darüber bringt die„Demokr. Korresp." aus den Berichten des„Vereins für Sozialpolitik", der eine Erhebung über diesen Gegenstand veranstaltet habe, verschiedenes höchst bezeichnen- des Material. So berichtet, schreibt sie, der königlich bayrische Be- zftksamtmann Graf v. Anmansberg, daß in der Berchtesgadener Holzschnitzerei, genau wie in Thüringen, die ganze Familie, Frau und Kinder bis zu den kleinsten herab, den ganzen langen Tag nicht zum Besten ihrer Gesundheit in dumpfigen Bauernstuben mit- schaffen müssen, damit ein magerer Verdienst abfalle. Im badischen S ch w a r z w a l d bei der häuslichen Bürstenfabrikation sind die Weiber sogar sehr hervorragend thätig und haben d i e Männer vielfach schon verdrängt; es wird auch hier von einer„Anspannung der Kräfte der ganzen Familie," also wohl auch der jüngsten Kinder, ge- sprachen. In dem Bericht über die Schwarzwälder Uhren- industrie, wo eine übermäßig lange Arbeitszeit von 15 Stunden vielfach vorkommt, heißt es ebenfalls:„Nur wenn Frau und Kinder mithelfen im Zurichten des Holzes, ist es dem Häusler noch möglich, sich eine magere Existenz zu erhalten." In der hausindustriellen hessischenHasenhaarschneiderei sind sogar fast nur Frauen und Kinder beschäftigt, und der bei der Arbeit sich entwickelnde Staub, sowie das zum Beizen der Felle verwendete Quecksilber üben auf die zarteren Konstitutionen dieser Arbeiter einen Einfluß aus, den der Berichterstatter selbst als„nicht unbedenklich" bezeichnen muß. Was nun vollends den sogenannten Verdienst angeht, den süddeutsche Hausin du st rien natur- gemäß wegen der ruinirenden Konkurrenz der Fabriken ihren Beschäftigten nur gewähren können, so steht er hinter den in anderen deutschen Haus- gewerben gezahlten Löhnen womöglich noch zurück. Hessische Hasen- haarschneiderinnen haben höchstens drei Mark die Woche(!!); sehr fleißige Uhrmacher im Schwarzwald bringen Alles in Allem die Woche für die angestrengte Arbeit einer ganzen Familie zehn Mark heim, und die Bürstenmacherin aus der Gegend von Todtnau im schönen Wiesenthale kommt„günstigen Fall s", wenn sie, wie der Bericht sagt,„vom frühen Morgen bis in die späte Nacht unab- lässig an der Arbeit sitzt", a u f 60—65 Pfennig täglich. Das Be- zahlen der Arbeiter mit Waaren scheint auch noch nicht ganz ausge- starben und über die Kost der angestrengt thätigen Leute werden nicht gerade sehr erhebende Mittheilungen gemacht." „Solche Zustände, schließt die„Demokr. Korresp.", an denen Nie- mandem eine persönliche Schuld zuzumessen ist, und die sich aus dem Kampf zwischen Handarbeit und Maschine entwickeln, verdienen unseres Erachtens ernstere Betrachtung u n d P r ü f u u g, als ten- denziöse Schönfärberei. Man wird auch auf sie zurückkommen müssen, wenn der Arbeiterschutz und die staatliche Inspektion industrieller Ver- Hältnisse auf der Tagesordnung stehen." Zweifelsohne, und man wird sehr sehr radikale Maßregeln ins Auge zu fassen haben, um diesen elenden Zuständen einmal e i n Ende zu machen. Und wenn es sich herausstellt, daß der Haus- industrie gegenüber Hopfen und Malz verloren ist, daß keine Maßregel im Stande ist, dem Herabdrückungsprozeß in derselben Einhalt zu ge- bieten, nun, dann fort mit der Hausindustrie. Jedes Mittel, das geeignet ist, der Hausindustrie das Lebenslicht auszublasen, soll uns recht sein. — England. Wir haben bereits früher einmal der in London be- stehenden„Gesellschaft d e r F a b i e r"(Fabian Society) gedacht, einer ganz eigenartigen sozialistischen Körperschaft, deren Existenz und Existenzmöglichieit sich eben nur aus den besonderen Verhältnissen Eng- lands oder richtiger Londons, und der verhältnißmäßigen Jugend der gegenwärtigen sozialistischen Bewegung in England erklärt. Die genannte Gesellschaft setzt sich fast ausschließlich aus Angehörigen der besitzenden Klasse, meist studirten Leuten, Literaten k. zusammen und hat zum Hauptzweck die Verbreitung s o z i a l i st i s ch e r G run d- sätze. Der Begriff Sozialismus ist dabei sehr allgemein gefaßt, so daß wir neben überzeugten Sozialdemokraten Leute finden, die nicht viel weiter gehen, als die entschiedeneren unter den deutschen Katheder- sozialisten, dann wieder Anarchisten, daneben christliche Sozialisten— kurz, das bunteste Gemisch, das man sich nur denken kann. Ob dieses ftiedliche Nebeneinander auf die Dauer möglich ist, möchten wir stark bezweifeln, sobald England erst eine wirklich starke sozialdemokratische Arbeiterpartei haben wird, wird es mit dem Idyll auch in dieser Hin- ficht sein Ende haben. Vorläufig aber, wo die ganze Bewegung noch einen embryonischen Charakter trägt, besteht es, und es würde unbillig sein, der Gesellschaft der Fabier zu bestreiten, daß sie neben allerhand Spielereien nicht auch ein gut Stück nützlicher Arbeit geleistet. Sie hat, wie wir aus einem uns zugesandten Rechenschaftsbericht ersehen, im vorigen Jahr durch ihre Mitglieder nicht weniger als 721 Vorträge— meist in Arbeitervereinen und Versammlungen, in London und außer- halb, halten lassen, und ein zweites Zirkular gibt eine Liste von nicht weniger als 39 Rednern, die bereit sind, über zusammen gegen 150 Themata unentgeltlich in Versammlungen ec. Vorträge zu halten. Die Gesellschaft hat eine Anzahl Flugschriften veröffentlicht, von denen wir eine—„Materialien für Sozialisten"— seinerzeit auszugsweise im „Sozialdeniokrat" zum Abdruck brachten— und bereitet die Heraus- gäbe weiterer vor. Wir schließen diese Mittheilung mit dem Hinweis, daß, wer sich näher fiir die Fabier interessirt, ihre Statuten?c. durch S. Olivier, 180 Portsdown Road, London W., beziehen kann. Die oben- erwähnte Vortragsliste versendet der Sekretär für die Vorträge, Herr Sidney Webb, 27 Kappel Street, London IV. C. — Spitzel C. Heinrich in Zürich-Hottingen hat ganz wie seinerzeit sein Breslauer Spitzelkollege Conrad gegen unsere letzte Annagelung ein Flugblatt erlassen. Er wiederholt darin die früheren Ableugnungen seiner Spitzel-Eigenschaft und verschanzt sich in der Leu- mund-Affaire hinter seine F r a u. Er leugnet aber nicht, daß er wegen verschiedenerDiebshehlereien flüchtig gegangen und daß die Magdeburger Polizei ihn trotzdem u»belästigt mit Ausweispapieren wohlversehen in der Schweiz ließ; er leugnet auch nicht, daß er wegen dieser Hehlereien von den deutschen Sozialisten in Zürich ausgeschieden wurde und man ihm nur aus Mitleid die Form des Rücktrittes gestattete. Das Versteckensspiel hinter der Frau beweist nur nichts f ü r ihn. Mehr als schweige n konnte auch die Magdeburger Polizei nicht, ohne sich in die Hände ihres Werkzeugs Heinrich zu geben und dafür ist die preußische Polizei durch üble Er- fahrungen schon zu gewitzigt. Und da Heinrich als Diebshehler in Zürich keine Wirthschast eröffnen konnte, so begnügte sich die Magde- burger Polizei, in dem Ruhmeszeugniß für die Frau des Diebs- Hehlers von dem Mann zu schweigen. Weiteres hierüber wird ja Herr Stadttach Schlatter als Zeuge bekunden, da Gentleman Heinrich gegen unseren Genossen Conzett wegen Abdruck unseres Artikels geklagt haben soll. Am Schlüsse rühmt Spitzel Heinrich von sich, daß er sich jetzt redlich nähre und nicht„verlumpt" sei. Es ist wirklich schade, daß er hier vergißt, sich hinter seine Frau zu stecken. Der W i r t h Heinrich ging nämlich in der Firma(Frau) A. Heinrich elendiglich bankerott und die Gläubiger waren um ihr Guthäben ge— heinricht; zur gleichen Zeit betrieb der Wirth Earl Heinrich seinen Häuserbau— mit wessen Geld? Und wenn er jetzt noch in Delikatessen und Annoncen macht, so scheint das allmählich mit dem delikaten Geschäft der Spitzelei verbunden zu sein, denn Heinrich's Spitzel-Kollegen und Spezialfreunde F r i e d e m a n n und C l a r e n b a ch betrieben ebenso wie H a u p t in Genf einige Zeit hindurch dieses Nebengemerbe ebenfalls. Die sittliche Entrüstung des Ehrenmannes C. Heinrich gegen die „Parteitrippe und Wühlereien" ist bei ihm nur zu berechtigt. Auch der Kuhhirte von Ulm pfiff auf seine Stelle, als er nicht mehr gewählt worden war, und Heinrich, dem aus den Geldern der Leipziger Ge- »offen eine Schmiede eingerichtet worden, verachtet jetzt die Partei- krippe, weiß er doch, wie sehr viel reicher die P o l i z e i krippe dotirt ist; und wie viel lohnender das W o h l g e m u t h' sche„Wühlen" ist gegenüber dem Conzett'schen! Vor Gericht dann mehr! Einzelne B a d e- Abenteuer mit galanten Frauen werden dann vor Gericht auch die Art der„Arbeit" illu- striren, mit der dieser Gentleman sich heute brüstet, während er es früher doch vorgezogen hatte, gerade bei der Arbeit seine Frau in den Vordergrund zu schieben! Warnung. Der Schlosser Wilhelm Reinicke in Berlin(Klempnerei und Wasserleitungs-Einrichtungen), Grünthalerstraße Nr. 66 vorn im Keller, ist hinreichend verdächtig, der Polizei S p i tz e l d i e n st e geleistet zu haben. Seit längerer Zeit verdächtig und beobachtet, wurde R. in dem vom Polizei-Wachtmeister Bernhardt bewohnten Hause betroffen, ohne sich genügend darüber ausweisen zu können, was er dort gethan. Es ist verläßlicherseits hieraus endgiltig die Ueberzeugung ge- wonnen worden, daß der Verdacht gegen R. sich bewahrheitet hat und seine öffentliche Kennzeichnung als s p i tz e l v e r d ä ch t i g deshalb verlangt werden muß. Dies ist um so dringlicher, als R. gelegentlich der 1888er Wahl(Liebknechts), als Wahlleiter gewählt wurde, also ein ge- wisses Vertrauen genoß. Im Prozeß Ganschow und Genossen durch den Wachtmeister Bernhardt servirtes Material soll wahrscheinlich durch Reinicke weiter vermehrt werden. Signalement: Alter 40— 45 Jahre. Größe: Meter 1,65. Haare und Schnurrbart: blond. Augen: blau, kneift das eine immer etwas zusammen, so daß es aussieht, als ob er schielte. Hat die Gewohnheit, beim Gespräch oft mit der Hand an die Stirne zu fassen. *.* Der in Nr. 14 und 15 a. o. auf Grund absolut sicherer An- halte als Polizeizuträger gebrandmarkte Maurer Vehrendt aus Berlin, ftüher daselbst Mitglied der Maurer-Lohnkoniinission, soll sich zur Zeit in Celle bei Hannover aufhalten. Wir warnen wiederholt vor ihm, dafern er auch dort wie anderwärts versucht, sich wieder ins Vertrauen der Arbeiter einzuführen. � Endlich ist der Spitzel und Gummiarbeiter Paul Sillier, Trist- straße Ztr. 46a in Berlin—(siehe Warnung in Nr. 39 und 42, 1833) — im Begriff, ein Milchgeschäft zu eröffnen. Hoffentlich sorgt die Berliner Polizei dafür, daß ihm sein neuer Beruf nicht so vorzeitig verwässert und versauert wird, wie sein bisheriger. Briefkasten der Expedition: I. I.: Sh. 4.— f. Schst. erh.- Bbdr. Gent: Sh. 1.7(Fr. 2.—) Ab. pr. 3. Qu. erh. Das Abonnement kostet übrigens Fr. 2.50 pr. Quartal.— Blutnelke: Mk. 6.— Ab. 3. Qu. erh. Bblth. 25 kostet 40 Pfg. Porto 10. Weiteres wird be- sorgt. Ch. i. Ch. ist unerreichbar u. Viele wie W. verlangen nach ihm.— Babylon: Mk. 1.— f. div. S.-D. erh. u. Alles beachtet und vorgemerkt. Weiteres selbstverständlich.— Rothes Fenster: Mk. 90.— a Cto. Ab. ic. erh. Diese-„vorsichtigen Leute" kennen wir längst. „Erst komm' i ch, dann mein R u h in", heißt es bei Diesen. Der „proletarische Zottelbär" mag sein Fell für sie wagen und verneigt sich mitunter noch tief, wenn er nur darf. Ein steifes Rückgrat ist da sehr angebracht.— Rnfus: Mk. 200.— pr. 17/7 a Cto. Ab. zc. gutgebr. Melden Sie, was Ihnen noch zukommt.— Dr. Nw. London: Sh. 2. 7�/» f. div. S.-D. erh.— Rother Kämpfer: W. war schon fort. Ad. abge- löst. G. u. B. schweigt auch hierher.— Därmig: Dank für endliche Nachr. u. Ad. Hbrt. aber schweigt über Dr. Da muß jetzt ge- n a u e r Aufschluß her. Was heißt„von M."? Wer dort ist an- gewiesen? Haben da übrigens selbst unser großes Anliegen. Bfl. demnächst mehr. Grüße herzl. erwidert.— F. W. Sch. Philadelphia: 2 Pfd. a Cto. Ab. je. erh.— H. Nitzsche N. York: Pfd. 4.02.1 a Cto. Ab. zc.(pr. Doll. 20.—) erh. u. Adr. geordnet.— Fernandez: Mk. 150.— a Cto. Ab. zc. erh. Brf. kreuzte mit nnsrigem v. 9/8. Weiterbestelltes steigert das Cto. wieder wesentlich, deshalb zugesagte Weiterregulirung erwartet.— Dreifuß i. L.: Alk. 13. 15 f. Schrft. erh. Auszug ging Ihnen allvierteljährlich zu. Warum reagirten Sie nicht? Bfl. folgt Nachweis für Richtigkeit des Saldo.— Nat.-Exc. S. D. L. P. New-Dork: Unser Bf. v. 23. kreuzte mit Ihrigem v. 31/7 u. erklärt alles Weitere. Beil. nach Vorschrft. besorg. Stts. bfl.— Hdm. Kopenhagen: Fr. 78.—(pr. Pfd. 3. 2. 6) Ab. 1. u. 2. Qu. erh.— Mouvement: Adr. v. 11/8 sind notirt. Wahrscheinl. zufällig unterwegs ramponirt. Werdens übrigens moniren.— Veilchenstein: Acht Wochen sollten doch zur Einholung der Referenz W. genügt haben I—?— Pharao: Mk. 5. 10 u. Mk. 4. 40 pr. Verläge in Ge- genrechnung gutgebr. u. Weiteres besorgt. Sie thun gut, die„Stifter" solcher„Gerechtigkeitsmeierei" etwas gründlicher unter die Lupe nehmen zu lassen. Bfl. Weiteres.— X. 3. V.: Mk. 61.90 a Cto. Ab. zc, pr. 31/3 erh. Weiteres bfl.— Ldk. C. a. Rh.: Gewünschtes folgt lt. Bf. v. 12/8 u. Weiteres bfl. betr. Zhlg.— M. M.: Werden auf Grund der Vorlage v. 12/8 recherchiren. Wo war I. zuletzt? Angabe der Landsmannschaft allein genügt nicht. Bfl. mehr.— Paris V.E.: Postk. n. Avisirtes hier. Bestelltes folgt nach Wunsch mit Nr. 33.— Scorpion: Bstllg. v. 12/8 notirt. Weiteres besorgt. Bfl. mehr.— Romeo u.Julie: M. 10.— und Tybalt: M. 15.— pr. llsds. dkd. erh.— Der alte Rothe: Sie scheinen nicht mehr zu wissen, was Sie bestellt haben. Wer- den Abschrift der Bestellbriefe senden.— Rother Känipser: Auch Bf. V, 12/8 ist hier und Bstllg. vorgemertt, sowie Weiteres beachtet und Adr. geordnet.— Panzerschiff: Gemeldetes erwartet. Avis zc. folgt, sobald Geld hier.— Rother Hahn: Wesh. Avisbrief eingeschrieben? Sendg. erwarten und not. Bstllg. nebst Adr.— Donnersberg: M. 21.— per Ggrechnung gutgebr. n. Adr. geord. Erfragtes bfl.— Helveter: Der mitunter in schweizerisches Offizierstuch eingewickelte Generallumpenhund war in Zivil dort, um den bekannten Bürstenabzug„entdecken" zu helfen. Nach seiner Quittung ist erwiesen, daß Bodanus nicht der Einzige ist, dem er ins Garn lief. Die„Neunschwänzige" wird sich auf seinem Hosenkreuz auch noch einfinden. — A. Hnz. St. Gallen: Fr. 37.— a Cto. erh.- H. Ptzsch.: Fr. 3.30 Ab. Aug.— Ende Okt. erh.— H. Stlpe. Zürich: Fr. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Jörg: Fr. 2.— Ab. 3. Qu. erh. Weiteres geordnet.— New Aork. Soz. Labor Party: Toll. 255.— für die Noch- leidenden»nd Gemaßregelten des we st phäli scheu Bergmanns- streiks am 12/3 dankend erhalten und weiterbesorgt. Allen Genossen empfehlen wir zur weitesten Verbreitung jZtrlmcr AMerdibliothtk. Heft 5: Charakterköpfe aus der französischen Arbeiter- Bewegung. Von Ossip Zetkin-Paris f.(Guesde. — Lafargue.— Deville.— Vaillant.— Louise Michel.) 48 Seiten. Preis 20 Pfg. Diese Schrift bildet eine wichtige Ergänzung zu Heft 4: Tie französische Arbeiterbewegung seit der Pariser Kommune. Von O s s i p- Z e t k i n- Paris ch. 48 Seiten. Preis 20 Pfg. �Bestellungen sind direkt zu richten an den Verlag der„Berliner V o I k s- T r i b ü n e", Berlin, Oranienstraße 23. German Cooperative Publishing Co. E. Bernstein Ä Co. 114 Kentish Town Road London NW. Frinted for the proprieton by the Oer man Cooperative PublUhing Co. 114 Kentish Town Road London N. W.