36» Stiffe an bi« Rrtottlon unb Srpebitian bd in Deutlchlanb unb Oesterreich verbotenen.Eozialbemolrat'«olle man unter veobachtun» äußerster Vorsicht �, 1 qqq abgehen lasten. Zn b er Ziegel schicke man unb bie Briese nicht birelt, sonbern an bie belannten Deckabresten. Zn, weiselhasten Fällen eingeschrieben.• �kpiemver loby. Argan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Kollstudunge» franko gegen frank». Erscheint Wöchentlich einmal in London. Aerkag ber (Zerman(?ooper»tive?ub1Z»dlo5. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! Deutschlands Schmach. „Die Geister sind erwacht, es ist eine Lust zu leben T" rief vor nun bald vierhundert Jahren Ulrich von Hutten aus, dem neulich königlich preußische Geheiuiräthe— ein wahrer Hohn auf den kühnen Stürmer— aus der Ebernburg ein Denkmal gesetzt. Wir möchten die obigen Worte beinahe unserm Artikel als Motto vorsetzen, wenn auch in einem an- dern Sinne, als der fränkische Ritter sie einst brauchte. Ja, es ist„eine Lust zu leben", wenn man sieht, was für„Geister" in Deutschlanb gegenwärtig„erwachen" und mit ihrem Spuck die Presse des Volkes der Denker beschäftigen. Daß bas Bürgerthum sich in allen kapitalistisch entwickelten Ländern geistig im Rückgang befindet, haben ivir schon oft betont, und es ist auch eine zu natürliche Erscheinung, als daß wir darüber uns beschwert fühlen sollten. Im Gegen- theil, jede Klasse hat ihre aussteigende und absteigende Phase und die letztere beginnt, sobald die geschichtliche Mission der betreffenden Klasse in der Hauptsache erfüllt ist. Der geistige Niedergang des Pürgerthnms ist nur der Reflex seiner wirth- schaftlich-sozialen Ueberlebtheit, er ivird um so stärker sein, je mehr biese fortschreitet. So ist er zugleich der Zeuge für den herannahenden Sieg des die Herrschaft des Bürgerthums ablösenden Proletariats. Aber Rückgang und Rückgang ist zweierlei. Einem neunzig- jährigen Mann hält man manches zu gute, sein Zittern wie fein Keifen, so wenig man sich freilich um dieses, um seine Präten- tionen, kümmert. Wenn aber ein Mann in verhültnißmäßig rüstigem Alter bereits wie ein hilfloser Greis zittert und wackelt und dabei sich in brutalem Schimpfen ergeht und nach nichts als Gewaltmittelir schreit, so ist das eine Ivider- liche, das natürliche Gefühl beleidigenbe Erscheinung. Eine solche aber bietet Deutschlands Bürgerthum heute dar. Ob- wohl jünger als das Bürgerthum Frankreichs und Englands, überbietet es beide, sowohl was thatsächliche Schwäche als was brutale Vergewaltigungssucht anbetrifft. In Teutschland feiert der Servilismus und Byzantinismus ivahre Orgien, in Deutschland herrscht der Kultus des Säbels und das Regi- ment des Polizeiknüppels. Das wäre nicht möglich, wenn das deutsche BürgertHum, die vorläufig noch ivirthschaftlich und sozial den ersten Rang einnehnlende Gesellschaftsklasse in Deutschland, nicht moralisch durch und durch verkommen wäre. Das BürgertHum bestimmt in der modernen Gesellschaft den Ton, sei es direkt oder indirekt. Es gibt ihn nicht immer an, aber von ihm hängt sein Schicksal ab. Was es nicht dulden will, existirt nicht oder führt nur ein fragmentari- sches Leben. Seine soziale und geistige Herrschaft hängt durchaus nicht davon ab, daß es auch formell regiert. So war Frankreich unter dem Kaiserreich bürgerlich, so würde es unter den Orleans bürgerlich bleiben, und selbst wenn es den Bourbonen gelänge, in Frankreich ihre Fahne aufzu- pflanzen, würden sie trotz ihrer legitimistischen Anhänger Paris und Frankreich nicht ihren bürgerlichen Charakter nehmen. Aehnlich ist es mit England. Deutschland ist ebenfalls, trotz- dem es Militärstaat ist, trotzdem das Junkerthum daselbst noch eine so große Rolle spielt, heute durch und durch bürgerlich. Wenn es das Bürgerthum nicht wollte oder nicht duldete, so märe weder die Junkerherrschaft, noch die Militärherrschaft möglich. Oder wenigstens nicht in der schamlosen Offenheit, in der sie heute ausgeübt werden. Auch die Herrschenden müssen mit der öffentlichen Meinung rechnen und diese hängt ab vom BürgertHum. Das Bürgerthum ist aber nicht nur für das Benehmen der Regierer, es ist auch ftir die Presse, für die Literatur der Zeit verantwortlich. Nicht für jedes einzelne Machwerk, jede einzelne Narrheit, aber für die hervorragendsten Strö- mungeii— soweit sie nicht ausgesprochen antibürgerlich sind. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, zwitschert es aber an allen Ecken und Enden, dann kvissen wir, in welcher -Jahreszeit ivir nns befinden. Und es zwitschert an allen Ecken und Enden um uns herum. Freilich nicht so lieblich wie der Ton des klugen Wandervogels. Wir möchten es eher mit dem Gekrächz von Raben vergleichen, das auch sonst besser in den Vergleich paßt. Maii weiß ja, worauf ein Zusammenzug dieser schwar- zen Gesellen deutet. Deutsche Blätter machen sich mit Recht über einen Karl Dietrich in Altona lustig, der in einer„Denkschrift an Se. Majestät den deutschen Kaiser und König von Preußen betreffs Reform des Sozialistengesetzes" die„subjektive und objektive Wahleiltmündigung, d. h. die Wahl- und Wählbarkeitsunfähigkeit der notorischen Sozial- demokraten" fordert. Wer Leistungeil wie die folgende fertig bringt: „Tie nur objektiv« Entniiiiidigiing würde nicht ausreichen, da die Wühler sich alsdann sowohl der ihren Tendenzen nächststchcndcn Um- sturzpartei zuwenden könnten, um der Regierung zunächst zum wenigsten doch noch Ungclegengeiten zu bereiten, als auch die durch Entmündi- gung zu erledigenden Mandate durch die gleichen oder ähnliche Neu- wählen andauernd unbcsevt gehalten werden könnten und dadurch immer noch ein„unmündiger" Sozialdeinokratismus erhalten bliebe, während die Regierung aus der völligen Durchführung der Maßregel eine Ver- schiebung der Parteien zu erwarten hat, die bei den gegenwärtigen Parteiverhältnissen nur zu Gunsten der Ordnungsparteien ausfallen kann. Ebenso wenig würde die nur subjektive Entmündigung vollständig zutreffen, weil die eventuelle Wahlabgabe und damit die notorische Bc- kanntlieit der Parteianhänger nicht bis auf die letzten Stimmen kontrollir- bar ist, und die Partei daher immer noch eine gewisse, wenn auch völlig hinfällige Bedeutung behielte, wiewohl diese nur subjektive Ent- niündigung hinsichtlich der Bewilligung des Gesetzes durch den Reichstag und der von diesem voraussichtlich auch gegen die objektive Entmündigung geltend zu machenden Unverlctzlichkcit der Volksmandate auch als ein durchaus annehmbarer und hinreichender Abschlag gutgeheißen werden könnte..." ist ein Narr, und hätte man es nur mit ihm zu thun, so könnte inml sich mit der Gegenfrage begnügen, ob es nicht angezeigt sei— wie ein Einsender der„Verl. Volkszeitung" meint—„den Ritter Dietrich selbst und nach jeder Richtung hin zu entmündigen." Aber dieser Narr schwätzt in seiner Weise nur nach, was er von Andern aufgeschnappt hat. Hören wir einen zweiten— Naben, der für sein Gekrächz die Leipziger„Grenzboten", eine Zeitschrift für die „Gebildeten", offen fand. In einem Aufsatz Wider die Einheitsschule donnert ein Herr von Unger, der das Rechtsstudium mit dem Kavalleriesäbel vertauscht hat— dieser Tausch schon ist ein Symbol— wider die Wechselbälge der Freiheit", die das Jahr 1848 und dessen Tochter, die„liberale Aera", in die Welt gesetzt haben. „Als solche Wcchsclbälge"— lesen wir in der„Verl. Volksztg."— werden namhaft gemacht die P r e ß s r c i h e i t,„die Jedem gestattet, Unwahrheiten, soviel er will, ja auch Verleumdungen und Beleidigungen hinauszuschlendcrn", die V e r e i n s s r e i h e i t,„die in weite ttreise Unzufriedenheit trägt und in ihnen die Idee» und die Organisation des Umsturzes vorbereitet", die Gcwcrbefreiheit, die Frei- z ü g i g k c i t, der Freihandel, die!>i c l i g i o u s f r e i h e i t,„die Jedem gestatiet, sich vom Christenthum und von dessen Sittenlehre los- zusagen, und die uns mit gebundenen Händen den Juden überliefert, und endlich noch das a l l g e m e i n e W a h l r c ch t,„das gesetzlich die Macht in die Hand der bildungs- und urtheilslose» Menge legt und mir denr auf die Dauer Niemand, weder dicsscirs noch jenscirs des Rheins, zn regieren vermag." Herr v. Unger will diese Wechsel- bälge nicht etwa veredeln und zähnicn, sondern kurzer Hand und gründlich aus der Welt schaffen.„Von allen diesen Stand- punkten und Errungenschaften", lautet sein Spruch,„müssen wir wieder herunter." Ist das möglich? Weshalb nicht? Alles Nothwendige ist möglich. Sind wir doch mit vielen anderen nicht weniger herrlichen Sachen fertig geworden, z. B. den im Dezember 18tK feierlich cinge- läntetcn Grundrechten des deutschen Volkes, dem Ncichsrcgenten Ra- vcaux I., der Bürgerwehr und dem deutschen Bundestage. Und ich denke, der Mann, den Gott dazu bestimmt hat, der Freihcitshhdra diese stopfe abzuschlagen, wandelt bereits unter uns, und auch die Ge- lcgcnhcit wird Gott zur rechten Zeit schicken." Neigungen solch— man kann hier kaum noch das Wort reaktionär anwenden, es sagt zu wenig— solch stupid brutaler Art hat es vordem auch gegeben, aber sie wagten sich nicht an die Oeffentlichkeit oder doch höchstens in einem obskuren Junkerblatt in Hinterpommern. Heute aber werden sie unverfroren auf dem Markt ausposaunt, eine Zeitschrift, an der Schriftsteller von Ruf mitarbeiten, gibt sich zu ihrer Verkündigung her, und das bezeichnet die Situation. Herr Unger schwimmt durchaus nicht„gegen dm Strom", er ist nur ein übermüthiger Gesell, der sich vom Strom voraus treiben läßt. Gar nicht weit hinter ihm plätschert die Masse der geistesträgen und sischbliitigen Ordnungssanatiker, deren zweites Wort Polizei und Unterdrückung ist. Ein ganzes Konvolut von Zeitungsausschnitten mit Seelenergüssen dieser, tranngen Spezies liegt vor uns, einer immer widerlicher zu lesen als der Andre. Der Arbeiter hat zu viel Freiheit, dem Arbeiter muß das Recht, sich zu Lohnkämpfen zu organisiren, genommen werden, die Polizei muß die Ar- bester im Zaupie halten, der Staat muß dem Unternehmer Mittel an die Hand geben, die Aufwiegler unter den Ar- heitern unschädlich zu machen, d. h. auszuhungern, der Kontraktbruch der Arbeiter muß strafrechtlich ver- folgt werden, keine falsche Humanität— diese Phrase, mit der die scheußlichsten, bestialischsten Grausamkeiten beschönigt werden können— keine doktrinären Bedenken: Ordnung und Polizei, Polizei und Ordnung! Man muß nun nicht meinen, daß irgend ein Fanatismus der Gesetzlichkeit hinter diesem Geschrei steckt. Weit gefehlt. Dieselben Leute, die es bei jeder Gelegenhest anstimmen, die überall Gesetzesverletzungen entdecken, treten selbst tagtäglich das Gesetz in schamlosester Weise mit Füßen. Wir erinnern nur an die Art, wie sie diejenigen Bestimmungen der Ver- einsgesetze, die ihnen nicht in den Kram passen— wir sagen nicht umgehen, das wäre noch zu wenig, nein, einfach ignoriren. Und nicht nur sie, die zur Aufrechterhaltung der Gesetze verpflichteten Behörden mit ihnen. Der Staats- anwalt(!) Böhmert, der im flagranten Widerspruch niit dem sächsischen Vereinsgesetz auf einer Konferenz sächsi- scher Innungen einen politischen Vortrag— ein Referat über die bevorstehenden Landtagswahlen hält— ist ein klassisches Beispiel dafür, was in dieser Hinsicht heute in Deutsch- laikd möglich ist. Auch anderwärts haben die Negierenden die bestehenden Gesetze verletzt, aber es geschah entweder heimlich oder in aufgeregteil Zeiten; diese offeile Mißachtung der eigenen Ge- setze aber ist ein Spezifikum der deutschen Reaktion. Man könnte hier einwenden, ob sie nicht der Gesetzlichkeitsheuchelei vorzuziehen sei. In ihren Wirkungen auf die Arbeiter, hoffentlich. Aber wir sprechen hier nicht davon, sondern schildern rein objektiv die Zustände. Und da mMn wir hervorheben: Geheuchelt wird trotzdem, und zwar schlim- mer als in irgend einem andern Lande. Wir gehören nicht zu denen, die aus Oppositionssucht gegen die Fehler des Auslandes blind sind oder sich bstnd stellen. Wir läugnen nicht das Vorhandensein des Chauvinismus in Frankreich, noch des Krämergeists in England. Aber ein zehnmal häßlicherer Chauvinismus als der französische macht sich heute in Deutschland breit, und ein zehnmal engherzigerer Krämergeist als den englischen Bourgeois beherrscht den deutschen Durchschnittsbürger. Wir haben schon in uiffrer vorigen Nummer auf den Gegensatz hingewiesen, den die Art, wie der Dockhandlangerstreik in London sich abspielt, gegenüber der Behandlung von Lohnkämpfen im Lande der Sozialreform darbietet. Wenn je ein Streik weite Kreise der Bevölkerung in unverschuldete Mitleidenschaft— das Wort in seiner ur- sprünglichen Bedeutung genommen— gezogen, so ist es dieser. Was sehen wir aber? Statt des blöden Gehetzes, das in Deutschland zweifelsohne in der kapitalistischeil Presse sich er- heben würde, allgemeines Mitgefühl mit den Streikern. Und nicht nur Mitgefühl, sondern thätige Mithilfe. Abgesehen von der großartigen Opferivilligkeit der englischen Arbeiter- schaft, haben auch englische Bourgeois Zeichen großer Hoch- Herzigkeit an den Tag gelegt. Beiträge von 25, 50 und 100 Pfund— d. h. von 500, 1000 und 2000 Mark stehen durchaus nicht vereinzelt da. Und statt des blöden Geschrei's nach Ausnahmegesetzen, Einschränkung des Koalstionsrechts ze., schrieben selbst kapitalistische Zeitungen, daß der Streik auf jeden Fall das eine Gute gehabt habe, daß er den Arbeitern den Nutzen der Vereinigung gelehrt Habe. Man höre z. B., was das Organ der Eity- Kaufleute, die„Times" schrieb: „Was der Sirei? lehrt, ist, daß. obwohl iinqualißzirte Arbeiter nicht durch sich allein wirksame Verbindungen schaffen könne», sie in i l Hilfe kräftiger Verbündeter(by a poweriull alliancc) in den Stand gesetzt werden können, das zn erlangen, was sie brauchen. Die Dockhandlanger sind durchaus berechtigt, sich die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zn sichern, und ihre Vciiiuhungcn, ihr Laos zu ver- bessern, verdienen unziveiselhast große Synipathic". Und der konservative„Standard": „Kein veriiünitiger Mensch kann den Dockhandlangern das Recht be- streiten, die Arbeit zn verweigern, außer für den ihnen angemessen erscheinenden Lohn, noch werden die, welche sich vergegenwärtigen, wie niedrig ihr Lohntarif ist, ein andres Gefühl als das der Befriedigiing empfinden, wenn sie hören, daß dieselben erfolgreich gewesen. Was die Streikenden verlangen, enthält nichts Widershmigec oder Unbilliges, und sie schlagm ein durchaus ehrliches Geschästsverfahren ein".. Man vergleiche hiermit die lendenlahnie Art, wie neulich selbst die„Freisinnige Zeitung" des Herrn Eugen Richter eine Attake der„Norddeutschen" auf das Koalitionsrecht der Ar- bester blos deshalb ablehnte, weil der Vorschlag der„Nord- deutschen"— die Einmischung von sözialistischen Agitatoren in die Lyhnkämpfe zu verhindern— möglicherweise dazu führen könnte, das ganze Koalitionsrecht mit Haut und Haareil zu erdrosseln. Als ob das nicht die eigentliche Absicht wäre. Und als ob die Arbeiter unmündige Kinder wäre», denen man von Rechtswegen doch vorschreiben müßte, mit wem sie umgehen dürfen und mit wem nicht! Ob die Aeußerungen der„Times" und des„Standard" wirklich so gemeint waren, wie sie lallten, ist fiir unsere Be- trachtung gleichgültig. Wir nehmen dergleichen überhaupt nie für baare Münze, als was sie aber gelten können, das ist als Symptom der öffentlichen Meinung. Und als solche sind sie den Auslassungen der deutschen Kapitalistenpresse gegen- überzustellen. Und als solche zeigen sie, wie tief das Bürger- thum in Deutschland gesunken ist, wie niedrig sein moralisches Niveau. Der Sinn für Recht und Gerech- tigkeit ist erstorben, es herrscht der Kultus der brutalen Ge- walt: Kriecherei nach oben und Verfolgungsivuth nach unten. Es ist dies, wir wiederholen es, nicht ausschließlich die Wirkung des rapideil Ganges der ökonomischen Entwickelung in Deutschland, andere Faktoreil haben ebenfalls dazu mitgewirkt, dies Resultat zu zeitigen. Namentlich gehört hierher das depravirendeHohenzollerisch-Bismarck'sche Regierungssystem. Wenil die Geschichte einst den Neklamedunst, der heute die Namen Wilhelm I. und Bismarck umgibt, beseitigt, das „Geheimniß der Erfolge" dieser von der Hand in deirMuild- Politiker enthüllt haben wird, so wird sie ihnen d e n„Ruhm" nicht streitig machen, Deutschland oder richtiger Preußen zu einer Großliiacht, die Deutschen aber klein, sehr klein gemacht zu haben. Ob sich das deutsche Bürgerthum aus dieser Versumpft- heit noch einmal erholen wird? Wir bezweifeln es sehr. Wir sehen hin und wieder Versuche in dieser Richtung, aber wir sehen sie auch immer wieder scheitern. In dieser Hinsicht ruft die wirthschaftliche Entwickelung in der That ihr„Zu spät". An den deutschen Arbeiter n.ifi es, die Schmach von dem *) Später pfiff das Dorp- Organ freilich ans einem andern Ton. aber das geschah, nachdem der Fehler mit der Ankündigung des General- Streik gemacht worden war.(Vgl. unsere heutige Rimdjchau.) deutschen Namen abzuwaschen, und sie, die in diesen Tagen das Andenken Ferdinand Lasialles gefeiert, mögen vor allem der Ermahnung eingedenk.sein, die er ihnen am Schluß semer besten Propagandaschrist, des Arbeiterprogramms, zu- ruft: sich inimer und allerorts ihrer hohen, weltgeschichtlichen Mission bewußt zu sein, ihr ganzes Fühlen und Handeln durch den sittlichen Ernst dieses Bewußtseins bestimmen zu lassen. Die deutsche Arbeiterbewegung ist und sei Deutsch- lands Ehre! Anarchisten— Bundesgenossen? Von einer Anzahl Stuttgarter Genossen geht uns nachstehende Zu- schrift niit der Bitte um Abdruck zu: „A n die Redaktion des„Sozialdemokrat". �Turch die deutschen sozialdemokratischen Arbeiterblätter macht gegen- wärtig ein der„Fränkischen Tagespost" in Nürnberg entnommener Artikel:„Anarchisten—.Gauner?" die Runde. Gs soll darin nach- gemiesen werden, daß der Begriff„Anarchist" gleichbedeutend niit „Ganner" sei und dadurch den Polizeibehörden und Spießbürgern, die seither immer Sozialdemokraten und Anarchisten als gleich gefährlich betrachteten, der Maube beigebracht werden, daß zwischen diesen beiden Partcirichtnngen ein himmelweiter Unterschied, wie etwa zwischen Ehren- männern und Gannern, sei. Ein Unterschied ist nun allerdings zwischen beiden Richtungen, aber nur inbezug auf die Taktik, jedoch das Ziel haben beide gemeinsam vor Augen. Welche Taktik nun zuerst zum Ziele führt, das bleibt wohl, bis Beweis thatsächlich erbracht ist, eine Frage. Es sollte deshalb auch jedermanns Denkvermögen und Energie überlassen bleiben, sich der ihm sympathischen Richtting anzu- schließen, ohne deshalb von Angehörigen der anderen Partei verleumdet und beschimpft zu werden. Indem im oben angeführten Artikel nun der Polizei und dem Spießbürgerthum eine Differenz der beiden An- schauungen vorgeführt werden soll, geschieht dies nicht in sachlicher, ruhiger Erörterung, sondern man hat dabei nur die eine Absicht: die eigene ssozialdemokratische) Partei als möglichst harmlos und als unschuldig verfolgt hinzustellen, aber als der ärgsten Verfolgung und möglichsten Vernichtung würdig die Anarchisten zu bezeichnen. Dieses Acchtnngsverfahren, von einer Partei ausgehend, deren Angehörige selbst seit länger als zehn Iahren gehetzt und verfolgt werden, ist gc- radezu schmachvoll. Mit welchem Rechte können die Blätter, die solche Machwerke wie das oben bezeichnele in ihren Fculletons bringen, in ihren übrigen Spalten gegen das Sozialistengesetz protestiren'<— Zeigt sich doch ans ihrem Verhalten gegenüber dem Anarchismus, daß ihr Begriff von Gedankenfreiheit, für die sie zu kämpfen vorgeben, nicht weiter geht, als das sozialdemokratische Parteiprogramm gestattet! Ei» Jeder, der fähig ist, weiter zu denken, als das sozialdemokratische Parteiprogramm vorschreibt, und sich energisch genug fühlt, seinem Denken entsprechend auch zu handeln, er wird dafür iii Acht und Bann gethan und als Anarchist, d. h. als Gauner, gebrandmarkt. Wahrlich! dieses Vorgehen ist schlimmer als das der herrschenden Klassen gegen die sozialistische Bewegung. Letzteres Vorgehen erscheint noch gewisser- maßen gerechtfertigt, denn es ist ein Zkamps»vis Dasein zwischen einer alten und einer neuen Weltanschauung, aber der Kampf der Sozial- dcmokratie gegen den Anarchismus ist das Bekämpfen eines Bundesgenossen. Es zeugt von Mangel an wissenschaftlichen Beweisen, wenn, um eine Idee als unberechtigt hinzustellen, einige Personen herhalten müssen, die sich gelegentlich als diese Idee vertretend bezeichnet haben, sich aber später als Lockspitzel und andere Schurken entpuppten. Diese Kampfweise, auf alle bestehenden polittschcn Parteien angewendet, wird bei jeder, auch der sozialdeniokratischen, eine entsprechende Anzahl von Lumpen zu Tage fördern, und wenn bei der anarchistischen Parteirichtnng eine größere Anzahl, besonders Spitzel, als bei andern zu finden ist, so ist das leicht erklärlich durch die Aussicht ans Gewinn, der sich dieser Sorte Menschen dort am leichtesten bietet.— Daß aber nicht alle Anarchisten Gauner sind, sondern daß sich unter denselben, und in nicht geringer Zahl, auch Menschen vorfinden, die für ihre Idee bis zum letzten Augenblicke muthig eingetreten sind, das haben zuletzt die fünf Ehicagocr Anarchisten bewiesen. Diese und ähnliche Märtyrer ihrer Idee verschweigt aber der gehässige Schinntzartikcl! Wir verlangen Gedankenfreiheit und Toleranz von unseren politischen Gegnern, aber wir haben dafür auch Duldsamkeit zu üben und deshalb erklären wir den Abdruck solcher ächtender Artikel für unwürdig eines sozialdemokratischen Arbeiterblattcs und wir sind überzeugt, in solchen Aufsätzen nicht den Ausdruck der Anschauung der wirklich sozialistisch fühlenden Arbeiterschaft zu finden, soudcru nur die Engherzigkeit einer Anzahl in der sozialdemokratischen Bewegung journalistisch angestellter Personen. Eine Anzahl Stuttgarter Genossen. Wir haben dieser Einsendung die Aufnahme nicht versagen wollen, obwohl ihre Verfasser den Artikel, gegen den sie sich wenden, offenbar gründlich mißverstanden haben. Wir haben denselben genau durchgelesen, und wenn wir ihn auch nicht gerade von A— Z unterschreiben, so müssen wir doch erklären, daß er zu den Vorwürfen, welche die Einsender gegen ihn, bczw. seinen Verfasser erheben, nach unserer An- ficht keinen Anlaß bietet. Der Artikel führt an der Hand verschiedener Thatsachen den Nach- weis, daß die von den Anarchisten anerkannte D i c b s t a k t i k aller- Hand Lumpengesindel anlockt und züchtet, so daß man allmählig jeden Maßstab verliert, wo der Anarchist anfängt und der Gauner aufhört. Als Beweis dafür führt er u. A. die Affäre des Italieners. Pini und seiner„Bande" an, dit von den Anarchisten als Genossen anerkannt werden, obwohl sie ganz gemeine Gaunerstreiche verübt hatten. Es handelt sich hier nicht um eine vage Anschuldigung, sondern nm eine anerkannte Thatsache. Vom„Begriff" Anarchist ist überhaupt nicht die Rede, geschweige denn daß dieser„gleichbedeutend" sei mit Gauner. Wenn aber auf Grund der angeführten Thatsachen zum Schluß des Artikels gesagt wird: „Wo heute„Anarchisten" der Arbeiterbewegung sich mit ihrer wnnderwirkcnden„Taktik" eutgegenstellen, zwingt sich die Frage auf: Anarchisten— Gauner?" so ist das erstens wiederum nur auf die T a k t i k, nicht auf den Begriff gerichtet, zweitens aber ist es nur die Feststellung dessen, was sich mit nothwendiger Konsequenz ans dieser Taktik ergibt. Kein Mensch wird behaupten wollen, daß sich in der Sozialdemokratie nur Ehrenmänner befinden, auch in ihren Rechen wuchert sicher manches Unkraut unter dem Weizen, aber wenn und soweit das der Fall, geschieht es im Widerspruch mit den Grundsätzen der Partei, nicht, wie bei den Anarchisten, als natürliche Folge der Pakteitattik. Das aber ist der Punkt, worauf es ankommt, und den hervorzuheben augenscheinlich auch dem Verfasser des Artikels in der„Fränkischen Tagespost" angekonunen. Solange die Anarchisten die Gaunertaktik nicht ausdrücklich dcsavouiren, können wir nicht zugeben, daß ihnen nnt der obigen Fragestellung— dit beiläufig durchaus nicht involvirt, daß jcder'Änarchist»nchreuhaft ist— Unrecht geschieht.::: TnwMdsiL Gl'k.1«liAlssÄ TtwrnV' Ferner müssen wir bestreiten, daß der qu. Artikel sich au Polizei und Spießbürger wendet, diesen die Auämföcn dcnuiiziri und die eigene Partei als harmlos hinstellt. Der Arttkel richtet sich an die Arbeiter und nur an die Arbeiter.„Sie"(die„Sumpf- pflanze" des Anarchismus�— heißt es ausdrücklich—„wird nicht durch die Sichel der Polizcigesetze ausgerottet, sonder» nur durch den Pflug Wirklicher, gesellschaftlicher Reformen; auf Hein Boden der Ausbeuttmg des Nkenscyen durch den Menschen entsprossen, ivttd sie mit dieser ver- schwinden." Ifiiö dann wieder;„Mit solchen Grundsätzen kämpft man nicht gegen eine abnwlnche Gesellschaftsform, sondern pfropft sich ihr ans." Man sieht, weit entfernt, die Anarchisten als ganz besonders gefährlich für die besteheude Gesellschaftsordnung hinzustellen, wirft ihnen der Artikel ibre relative U n g e f ä h r l i ch k e i t vor. Er dennnzirl sie„nicht d er Pw ff je t f o ii'd er» den Arbeitern!" Das ist aber nicht mir des Verfassers Recht, sondern— sobald er von der Gefährlichkeit einer Doktrin für die Arbeitersache überzeugt ist— seine Pili ch t. In dieser Beziehnng kann von AechtungSverfahren a la Sozialistengesetz gar keine Rede sein. Der Verfasser fordert zu keinerlei Gewalt- maßregeln, zu keinerlei Verfolgung gegen die Anarchisten auf, er appcllirt lediglich an den„gesunden Sinn, den klaren V e r st a n d d e r Arbeiter. Ist den Einsendern auch das noch zu viel s Freilich, sie erblicken in den Anarchisten„Bundesgenossen". Es trennt dieselben ihrer Ansicht nach von der Sozialdemokratie nur[„die Taktik, jedoch das Ziel haben beide gemeinsam vor Augen." Auch das müssen wir bestreiten. Nicht nur die Taktik, auch das Z i e l der Anarchisten ist durchaus verschieden von dem der Sozialiften. Es wäre uns ein Leichtes, dafür eine ganze Anzahl anarchistischer Gewährsmänner in's Feld zu führen. Um aber nicht zu weitläufig zu werden, wollen mir hier ganz kurz die leitenden Grundprinzipien von Anarchismus und Sozialismus zusammenstellen, wie sie sich aus.der beiderseitig als maßgebend erkannten Literatur ergeben. � Der Anarchismus geht aus von der absoluten Freiheit des Individuums. Sie ist die Basis der von ihm erstrebten Gefell- schaft. Ihr bleibt jeder andere Gesichtspunkt untergc- ordnet. Die Gesellschaft hat keinerlei Ansprüche an das Individuum, außer auf das, was dasselbe ihr freiwillig entgegen- trägt. Kommnnismns herrscht nur, soweit die Individuen ihn wollen, er wird von ihrem Interesse abhängig gemacht. Der Sozialismus geht aus von dem Grundsatz der g e s e l l's ch a f t- lichen Solidarirät. Das Wohl der Gesammtheit ist ihm das h ö ch st e G e s e tz. Die Gesammtheit ist aber durchaus konkret zu ver- stehen, kein über den Einzelnen schwebender Staat, sondern ein auf dem Grundsatz gleiche Rechte, gleich« Pflichten beruhendes kom- mnnistiiches Gemeinwesen. In der Anerkennung dieses Grundsatzes ist dem Einzelnen die Bürgschaft für die h ö ch st m ö g l i ch e p e r s ö n- liche Freiheit gegeben. Ist diese Gegenüberstellung richtig— und wir glauben von keiner der beiden Seiten Widerspruch zu finden— so ist soviel klar, daß die eine Auffassung die andere grundsätzlich ausschließt. Auf Schritt und Tritt müssen sich ihre Anhänger als Gegner gegenübcrtreten, und, mehr noch als in der heutigen Gesellschaft, von dem Augenblick an, wo es sich um die Schaffung der Grundlagen der zukünftigen Gesellschaft handelt. Möglich, daß nicht alle Anhänger hüben und drüben sich das in der ganzen Schärfe vergegenwärtigen, aber thatsächlich ist dem so, niemand, der die einschlägige Literatur kennt, wird es bestreiten köimen. Worin besteht nun die angebliche Bnndesgenossenschaft der Anarchisten? Lediglich in der theoretischen Gegnerschaft gegen die henlige Gescllschafts- ordnung. Praktisch ist überall nur das Gegentheil zu sehen. In den poli- tischen Kämpfen der Gegenwart treten sie ans Schritt und Tritt der Sozialdemokratie feindlich gegenüber; nicht einmal, hundertmal haben sie erklärt, daß sie in der Sozialdemokratie ihren größten Gegner erblicken, dessen Beseitigung vor allen Dingen nothwendig ist, um freie Bahn für die Anarchie zu erhalten. Die Sozialdemokratie hat von den Anarchisten keine Hilfe, sondern inimer nur Hindernisse, Feindselig- leiten, Schmähnngen zu erwarten. Ein Blick in auch mir eine der anarchistischen Zeitungen läßt darüber keinem Zweifel Raum, llnd während die Anarchisten die Sozialdemokraten bekämpfen, wo sie nur können und deren Vorkämpfer verdächtigen, ivie sie nur köimen, sollen diese ihrerseits fein stille halten, iind alle Angriffe— drücken wir es einmal unparlamentarisch mis— mit dem Hintern parire»? Nein, dieser Auffassung können wir uns nicht anschließen. Gedankenfreiheit— selbstverständlich, Toleranz— vollkommen einverstanden. Aber Gedanken- freiheit erfordert nicht, daß man die eignen Gedanken nnterdrückl, um Andern eine nnlirbsame Kritik zu ersparen, und die Toleranz verwandelt sich in verderbliche Gleichgiltigkeit, wenn sie soweit geht, Irrthum und Unrecht stillschweigend initanzilschen, statt ihm energisch entgegenzutreten. Uebrigen« wollen wir zum Schluß anerkennen, daß sich in neuester Zeit auch unter den Anarchisten selbst Stimmen gegen die Gaunertaktik sich erheben, und zwar gestützt aiff dieselben Gründe, die der Verfasser des qn. Artikels ins Feld führt. Dringen sie durch, soll es uns freuen. Denn ivenn wir Sozialisten auch trotzdem nicht aushören werden, den Aiiarchisinus— den wir für eine g r o ß e G e f a h r für d i e A r beit e r s a ch e halten— auf's Energischste zu bekämpfe», so werden Artikel, ivie der erwähnte, dann nicht mehr vorkommen. Bis dabin sind sie berechtigt»ud nothwendig, denn einen Krebsschaden bekämpft man nicht»lit sentimentalen Betheueriinge», sondern dadurch daß man rücksichtslos die Wunde bloslegt lind zeigt; das sind die Folgen, wer sie nicht will, lege Hand daran, das Hebel mit der- Wurzel zu beseitigen! Ans Frankreich. Paris, 31. August 1889. Die Presse nnd das öffentliche Leben überhaupt sind in Frankreich schon seil Wochen vom heftigsten Wahl sieb er befallen. Man kennt die Sumptome dieses Zustaiides, der nntcr normalen Verhältnissen eine dnrchans nnbedenkliche Funkttön des gesellschaftlichen Organisinus sein würde, welcher aber, dank der hentigen sozialen Anarchie,. mit allen Zeichen einer heftigen Krankheit anftritt, während deren das politische Leben die häßlichsten Auswüchse, die ekelhaftesten Geschwüre nach außen treibt. Um so wichtiger die für Frankreich bevorstehenden Wahlen für den gesetzgebenden Körper sind— da deren Ausgang thatsächlich von größtem Einfluß auf die nächste Gestaltung des nationalen Lebens sein kann,— je hitziger und leidenschaftlicher ist dieser Kampf bereits von Anfang an. Tie Reaktion unter ihrer doppelten Gestalt des inon- archistischen Konservativismus, an ivelchem der Boulangisnins hängt, nnd der opportunistischen Stagnation, welche ein schwaches radikales Ningelschwänzchen trägt, sammelt alle Kräfte gegen die Elemente, welche entschieden für eine fortschrittliche Republik eintreten. Roch ehe die Wahlkampagne formell eröffnet und der Schlachltag für den 22. Scp- kinber angesetzt war, hatten die einzelnen politischen Parteien bereits das Gefecht eröffnet. Vorbereitet sind die Wahlen, ganz besonders von der am Ruder sitzenden Opportunistensippschaft, schon feit langer Zeit. Es ist z. B. für t'iieniand ein Gehcimniß, daß die Allsstellmig nebeil anderen Zwecken auch dem dient, eine riesige Wahlreklame ftir die gegenwärtige Regie- rung z» betreiben, welche sich, um de» Stimmenfang sicherer und aus- giebigcr zu machen, stets mit der Republik zu identisiziren pflegt. Eine Eiuleitimg zu den Wahlen bilden nicht»ur eine ganze Reihe von Maß- regeln, wie die Wiedercinführiiiig der Bezirkswabl und das Verbot der Bielkandidaturcn, welche nominell ein Plebiszit unmöglich machen, ad» in erster Linie jede, auch die berechtigtste, Opposition gegen den Opportunitisinils todischlagen sollen, sondern auch der gaiize Prozeß Boiilauger. Last not learn darf neben andern Wahlmanövern, ivie Reise» des Präsidente»»nd der Minister, der Einpfang und das Drillen der Departcmentspräfekte», die Amtsentsetznng einer Reihe von bou- langisti scheu, antirepiibllkanischen»nd auch einfach antiopportunistische» Beaintcii, das Zirkulär des Unterrichtsministers. das die Präfekten ans- fordert, den Lehrern naheznlegeu, der Politik»nd den Wahlen nicht glcichgiltig gegenüber zu stehen— das Niesenbaiikett der Maires(Bürger- mrister ii»d Gemeindevorständc» nickt vergessen werden. Tie wohl- gefällige Breite nnd Weitschweifigkeit, init welcher die gutgesinnten Organe dieses Fest ä la Gargantna behandeln— es nahmen gegen 13,000 Maires, dazu etliche Talisende sonstige offiziell Eingeladene an dem Bankett Theil— die sich daran knüpfeiiden Koimnentare lassen über seinen Zweck nnd Ebarakter einer kolossalen Wahlfängerci keinen Zweifel zu. Bekanntlich hatte Baillaitt schon vor längerer Zeit zuerst de» Plan zur Debatte gestellt, zum hundertjährigen Jubiläum der großen Revolution cincn Kongreß der Komniunevertretcr von ganz Frankreich zu veranstalten Dieser Kongreß sollte der AusgangSpuntt einer neuen Politik, auf weiten sozialen Reformen fußend, werden, er sollte den demokratischen Ausbau der republikanischen Staatsform an- bahnen. Als Baillant seinen Vorschlag in die Oeffcntlichkcit ivarf, schrie der ganze gutgesinnte Froschpfnhl über die so unpraktisch revoln- tionäre Idee— nm dieselbe dann umgestaltet nnd verunstattet, seines eigentlichen Inhalts beraubt, ihrerseits ausznnehmen, aus einem Riesen einen burlesken Zwerg z» machen. Die Kastration einer großartigen Nationalversammliiiig in ein riesiges Festessen ist für die herrschende Klasse äußerst charakteristisch.— Selbstverständlich sehen die Oppositionsparteien aller Schattirnngen diese» offiziellen Wahlborbereitnngen nicht mnssig zu, und das oppor- liiniftisch-radikale Wahlkartell wird trotz alles Hochdrucks von Oben her einen schweren Stand haben, um so mehr, da es nur inst Hilfe eine? Bruchtheils der Radikalen zu Stande gekommen ist. Der Kniff, unter der Androhung des Boulangisnins ein Kartell aller Republikaner mit dem Progrämm„es darf nichts gethan, es muß stillgestanden werden, Frankreich muß sich von den bisherigen R loglern der Politik wcster- rupfen lassen" zu Stande zu bringen, zieht nicht mehr recht. Am meisten hat er unter den berufsmäßigen Politikern dadurch seinen Kredit ver- loren, daß er sich dem„großen Wähler", der Masse, gegenüber als ein gar zu grober taktischer Mißgriff herausstellte. Infolgedessen hat sich eist großer Theil der Radikalen an die stets außerhalb des Kartells gebliebenen Millerand, Goblet, Lockroy tc. angeschlossen. Mit ihnen hat sich noch ein starker Prozentsatz der sogenannten sozialistischen Radi- kalen, sozialistischen Autonomisten tc. zusammen gethan, und so steht ein Wahlkorps da, dessen linker Flügel eine gewisse Fühlung und Änleh- Ming mit den Sozialisten bekmidet. Die Devise dieses Korps lautet:; „Weder Boulanger noch Ferrh", der Kernpunkt seines Programms ist die dcmokrattfche und soziale Republik auf Grund einer Revision der Verfassung durch eine Konstituante, welche durch ernste ökonomische Re- formen den breiten Massen des Volks volle und unbehinderte Betheili- j gung am politischen Leben sichert. Das hervorragendste Organ des sich ermannenden bürgerlichen Radikalismus ist die unter Millerands Ehef- rebäktton'ins Leben gernfenc„Voir"«Stimme)."Das Blatt läßt natürlich vom sozialistischen Standpunkt aus gar manchen kritisirenden Einwand zu, hebt sich aber doch in wohlthuender Weise von dem färb-! losen Mjlchmasch, der das Monopol des Anliboulangisnius zu haben glaubt,' ab. Vor der Hand ist es jedenfalls das anständigste Tageblatt, welches in Paris zur Zeit erscheint, das einzige, dessen Politik nicht um Personen, sondern um Prinzipien kreist. Daß die Gruppe der»n-; abhäiigigen Radikalen und ihr Organ der opportunistischen Presse eine: Zicffcheibe der gemeinsten Angriffe' iff, versteht sich von leibst.„Temps", „Repliblique francaise", Estafette",„Debats" k. überbieten sich in Plünderung des Lexikons für Schinipfereien. Außer den angeführten Blätlcrn ist es noch der possibilistische„Parti Luvrier", der sich an den Leuten der„Voix" reibt.(Schluß folgt.) Sozialpolitische Rundschau. L o n d o n, 4. September 1889. — Aus Deutschland schreibt man uns: Wir haben wieder einmal nicht genug Soldaten. Die Reptilien haben urplötzlich ent- deckt, daß die Riesenvermdming der deutschen Armee nach der letzten Angstwahl bei weitein nicht ausgereicht hat und daß wir von den Franzose» nicht bloß in)>er Qualität der W a f f e n, sondern auch in der O u a n t i I ä t der S o l d a t e n weit überholt worden sind. Worauf das hinaus will, das wissen wir— dieses Reptilgesindel mit sammt seinen Lohnherrcn ist von einem erschrecklichen Mangel an Er- findiiiigskraft— es arbeitet inimer mit denselben Lügen und mit den- selben Kniffen. Ganz gelogen haben die Reptilien in dem vorliegen- den Fall nun allerdings nicht. Die französische Armeeorganisation nähert sich mehr als die deutsche dem Ideal der allgemeinen W e h r h a f t i g k e i t. Das ist eben ein Luxus, den sich nur Länder mit demokratischer Verfassung gestalten können,»nd nicht des- potische Staaten, wie das Bismarcksche Reich, wo das bewaffnete Volk eine Nation für sich ist, welches von dem unbewaffneten Volk nach Möglichkeit getrennt, und in möglichsten Gegensatz zu ihm gebracht werden muß, weil es die Aufgabe nnd Bestimmung hat, dasselbe gelegentlich acht kaiserlich„über den Haufe» zu schießen." Die Demo- kratie ist eben im Stand, mehr Kräfte ins Spiel zu bringen als der Absolntismus, der sich nur dadurch behaupten kann, daß er die tüchtig- sten und nieisten Kräfte nnterdrückt, während die Demokratie sie alle entfaltet und ivirken läßt. Wenn freilich die Reptilien in diesem unzweifelhaften llebergewicht der französischen Militärorganisation eine Gefahr für Deutlchlaud erblicken ivollen, so ist das pure Heuchelei und Verlogenheit, denn je demokratischer eine Armee organisirt ist, d. h. je mehr sie mit dem Volke eins wird, desto weniger eignet sie sich auch für Angriffs- kriege und unsere Reptilien»edst ihren Gönuern wissen das ebenso gut wie wir. Ein Schauspiel für Götter aber ist es, daß heute dem deutschen Michel, dem seit Jahrzehnten Verachtung für die„Parlamentsheere" nnd für den„dummen Zivllstand, der in Militärdinge hiiieinreden will", eingeirichtet worden ist, eine Armee als Muster hingestellt wird, deren Etat alljährlich bewilligt wird, die also eine P a r l a- mciltsarmee" commu il kaut ist, und daß diese Parlameittsarmee — o schaudervoll— unter der Oberleitung eines Zivilisten, des Z i v i l i» g e n i e n r S F r e y c i n e t steht— der allerdings schon ivährend des letzten Krieges beiviesen hat, daß er für militärische Tinge ei» ziemliches Vcrständiiitz besitzt. War er es doch— und nicht Gam bctM— der die„Nationakverthcidignng" leitete und nach Vernlchtniig der regulären Napoleons-Armee neue Armeen aus der Erde stampfte, dann de» deutschen Jnvasionshceren gefährlicher wurde, als das stehende Heer Bonapartcs je gcivesen war.— Die Reisekaiser begnügt sich jetzt mit kleineren Reisen— er fährt bald hierhin, bald dahin, um Gariusonen zu alarmiren und inspiziren, Paraden abziinehme», und dieser Tage wird er nach Dresden fahren zu den großen Manövern. Merkwürdigerweise haben seine Stenographen seit der Münster'schen Schwertpauke»ns keine Allerhöchste Mnnd- ciitlecrnng zu meldeii gehabt. Apropos, wie es wohl in dem Schädel dieses Hohcnzollcrn'schen Mnstennenschen aussehen mag? Flinten, Ka- Nonen, Säbel, Soldaten, Infanterie, Kavallerie, Artillerie— die reine Nürnberger Soldatenschachtel. Schade, daß die Hohenzollern nicht in R ü r n b e r g geblieben sind— dann war wenigstens Hoffnimg, daß die Soldatcnspielcrei keinen so geiileinschädlichen Eyarakter angenommcu hätte.— Aber vermittelst ihres vcrdaliilngskräftigcn Magens,»nd ihres tzypersemitische» Aneignungstalents, kamen die Hohenzollern leider»ach Berlin und schließlich auf den Kaiserthron. Luuw oarquo Jedem das Seine,— rapere, zu deutsch rauben, wie die Polen schon vor länger als 100 Jahren gesagt, oder ncudeutich annektircn, das>oe.r allezeit die Losung, und das war auch neulich die Losung des Reife- kaisers, als er in Straßbnrg von„Meinen" Reichslanden sprach. Es war das eine einfache Annexion, denn die„Reichslande" heißen gerade deslialb Reichslande, weil sie keinem besonderen Fürsten untcrthan sind, sondern dem„Reich" gehöre». So bricht die Hohen- zollcrnnatiir überall durch. Die Reptilien thun, als ob dem Bismarck doch endlich einmal „etwas gelungen wäre". Die Schweiz sei zu ttteuz gekrochen, und die Wohlgeinuth-Kampagne habe ihren Zweck erfüllt. Falsch, Ihr Rep- tilicn. Daß der Schweizerische Bundesrath die ansländischen Sozialisten chikanirt, das ist eine a l t e G e s ch i ch t c. Das fthut er aus Neigung. Und das hat er auch vor der Wohlgeinuth-Kampagne bereits gethan. Das war nicht deren Zweck, lind konnte es nicht sein: Herr Bismarck hatte es auf die Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz abgesehen— und wit diesem seinem Plan ist er jämmer- l i ch a b g e b l i tz t.— Uebrigens kriecht er jetzt wahrhaft hündisch Vörden En gl ä n d er n. Seit„Väterchen" ihm neuerdings einen zünftigen Fußtritt versetzt bat, ist dem W e l t k r i e ch e» vor K u bland das W e t l k r i e ch e n vor England gefolgt. Natürlich mit gleichem Erfolg. — Der Streik der Londoner Dockarbeiter dauert noch immer fort. So bescheiden auch die Forderungen der. Arbeiter sind, die Dock- koOpagnicn.stcininen sich mit der äußersten Hartnäckigkeit dagegen, sie zu bewilligen. Sie habe» zwar vorigen Donnerstag Unter dem Druck der öffentlichen Meinung einige Konzcssionen gemacht, aber gerade die Lohnerhöhung von ciiicni Peniiy pro'Stnndeet klärten sie, nicht bewMgen zu köimen. Das ist aber, ivie ihnen»qchgcwitfcn worden ist. ejnc grobe Unwahrheit; die Herren ivollen nur um ihrer.Autorität" willen nichl nach- -geben illid bancn darauf, daß dcrssH n n g'e ti die Arbeiter schließlich doch zu Paaren treiben werde. Schließlich sind«S ja nicht sie. di« durch die Unterbrechung der Arbeiten verlieren, sondern die Schiff«- xheder und das Publikum. Es herrscht daber nickst bloß uuter den Arbeitern große Entrüstung gegen sie, während die Sympathie des großen Publikimis nach wie vor auf Seiten der qtreiker ist, die sie mich im vollsten Matze verdienen. Ihre heroische Ausdauer ist wahr- hast bewundcriiswerth. Trotzdem die Gaben sehr reichlich flietzen, reichen sie doch bei Weitem nicht a>ls, die grotze Masse der Ausstän- digen vor Aiangel zu schützen. Es herrscht ein fürchterliches Elend unter den Opfern der kapitalistischen Profitgier, und doch halten sie tapfer aus, iliid dabei legen sie eine autzerordcntliche Selbstbeherrschung an den Tag: ruhig und entschloffeu hören sie die Berichte Wer den Stand der Dinge an, und ruhig und entschlossen stimmeli sie einmüthig dafür, nicht nachzugeben, bis sie ihr bescheideiies Verlangen durchgesetzt. Das Streikkomite, dessen einzelne Mitglieder physisch geradezu Unglaubliches geleistet haben, hat sich Ende voriger Woche, als die ab- lehnende Antwort der Tockdirektio» bekannt wurde, in der ersten Au�- Wallung zu cinclii Schritt hiureitzen lassen, der leicht für den Streik hätte vcrhäugnitzvoll werden können; es veröffentlichte ein Mailifcst, in dem es die Arbeiter Londons aufforderte, weun bis zum Montag die ordcrungen der Docker nicht bewilligt sein würden, cinen G e n c r a l- r e i k eintreten zu lassen. Das war, wie sich alsbald herausstellte, ein großer Fehler; denn abgesehen von der physische» Unmöglichkeit, den Generalstreik ins Werk zu setzen, mutzte eine solche Aufforderung, selbst wenn sie, wie wohl beabsichtigt, nur als Pression ivirken sollte, von der Gesamnltheit der Arbeiterorganisationen ausgehen. Das Komite sah dies auch ein, und zog am nächsten Tage das Manifest wieder Zurück. Am Sonntag fand eine neue Demonstration im Hyde-Park statt, die noch weit zahlreicher, vielleicht doppelt so stark besucht war, wie die erste. Gegen 150,000 Menschen drängten sich um die Tribünen und stimmten für die Resolution, die zu Festhalten am Streik und zur Unterstützung der Streikenden aufforderte. Außer den sozialistischen Mitgliedern am Streik-ttomite: John Burns, H. H. Champion, Tom Mann, Fr. El. Aveling, sowie Cunninghame Graham uild dem Sekretär des Vereins der Dockarbeiter, Ben Tillet, sprachen auch verschiedene Vertreter von Gcwcrkveremen, sog. qualisizirte Arbeiter. Dieses Hand in Hand Gehen der Letzteren mit ihren bisher verachteten unqualifi- zirten ttameraden ist eine der verheißungsvollsten Erschei- n u n g e n dieses an erhebenden Momenten so reichen Kampfes. Obwohl wir im Leitartikel bereits darauf hingcivicscil, müssen wir hier noch einmal der großen, über alles erhabenen Opfcrwilligkeit ge- denken, welche die Arbeiterschaft Londons für die armen Docker an den Tag legt. Diese straft die Redensarten von dem Mangel an Jdcalis- mus unter den englischen Arbeitern vollständig Lügen. Es ist geradezu überwältigend, wie schwere Opfer sich die Einzelnen auferlegen, um denen zu helfen, die sie bisher für„Gesindel" hielten. Eine Steuer von 5 Prozent vom Wochenlohn ist noch das Wenigste, viele geben 10, 20 Prozent, sa es haben Arbeiter den halben, ihren ganzen Wochen- lohn gebracht,„für die armen Ostend-Leutc". Der Verein der Lon- doner Schriftsetzer hat in Urabstiminnng beschlossen, während der Dauer des Streiks in Wochenratcn von je 100 Pfund bis zu 500 Pfund Sterling � 10,000 Mark(!) dem Streikfonds zu überweiseu, und zwar stimmten 5,559 Mitglieder dafür und nur 194 dagegen. Daneben wird ober noch in de» einzelnen Setzereien gesammelt und auch dabei kamen sehr anständige Beiträge zusammen.'Andere Branchen können nicht so viel geben, aber thun ebenfalls, was in ihren Kräften steht. Kurzum, es zeigt sich, daß der Gedanke der Solidarität der Arbeiter- i n t e r e s f e n tiefe Wurzeln in den Herzen der englischen Arbeiter ge- schlagen. Wäre die Zahl der Streikende» nicht eine so gewaltige und schltc diesen. im buchstäblichsten Sinne des Wortes Ausgehungerten oicht jede sonstige Hilfsquelle— es wäre kein Zweifel, daß der Sieg ihnen zufällt und die verruchte Spekulation auf den Hunger als „Bändiger" elend in die Brüche geht. Im Augenblick, da unser Blatt in die Presse geht, werden erneute Vermittlungsversuche gemeldet. Ob sie erfolgreicher sein werden als die vorhergehenden, bezweifeln wir. Die Herren Dock- Direktoren bestehen aus ihrem Schein, und um sie z»i» freiwilligem Nachgeben zu bewege», ist der Druck der öffentlichen Meinung nicht stark genug. — Nichts zu spitzeln? Wie ein Berliner Telegramm der Loildoner „Daily News" meldet, sucht die„Norddeutsche" an der Hand von Aus- «igen aus deutschen sozialdeniokratischen Blättern den Boveis zu lie- ' �ern, daß der Londoner Dockarbeitcr-Strcik von den Sozialisten ange- zeikelt worden sei: die Berliner„Volkstribüne" habe bereits am 27. August von der Absicht, den Generalstreik zu proklamircn, gewußt, während das betreffende Manifest erst am 30. August erschienen sei. Diese Deduktion ist des Bismarck'schen Lcibblattes vollkommen wür- big, schade nur, daß sie in England ihren Zweck vollständig verfehlt. Aber sie zeigt wieder einmal deutlich das Bestreben der Berliner Drath- ziebcr, für ihre Pokizei-Jnter nationale Reklame z» machen. Wie sie in Genf durch ihren Haupt Attentate auf den r u s s i- schen Zaren ans— spitzeln ließen, so»vollen sie jetzt sich den Eng- Andern gcgenWer den Anschein geben, als glaubten sie au eine große Verschwörung, die nur s i c ausfinden könnten. Hinter dieser Sucht, den AllerweltSspigcl zu machen, steckt selbstverständlich nichts als der Wunsch, die ganze Welt bismarckssch regiert zu sehen. Leider wird er Wer wohl ein„frommer" bleiben müssen. — Wenn die herrschende Kliqne in Deutschland irgend ein wohlklingendes Wort in den Mund ninimt, so kann man sicher fehl, daß sie eine neue I n ßa in i e plant. In nnsrer Zeit der Ab- schleisung aller ehrlichen Begriffe, ist ja nichts leichter, als für die schlechteste Sache eine gleißende Redensart aufzutreiben. So wurde das Tabaksmonopol, obwohl nur für fiskalische Zwecke bestimmt, als „Patrimonium der Enterbten"— zum Glück vergeblich— angepriesen und die Verthcucrung der Lebensmittel des Volkes als Schutz der nationalen Laodwirthschaft. Gerade das Wort Schutz muß besonders häufig herhalten, um den Deckmantel für allerhand Spitzbübereien ab- zugeben— soll irgend ein Raubzug auf die Taschen de« Volkes, irgend ein Handstreich gegen ein Recht des Volkes geführt werden— sofort wird das Wort Schutz ausgespielt— in demselben Sinne, wie der Dieb von„in Sicherheit bringen" redet, wen» er irgend ciuen Gegen- stand feinem rechtmäßigen Eigentbümer ciitiveiidet. So wird denn auch der Feldziig gegen das— ach, so beschränkte— K o a l i t i o n s r e ch t der deutschen Arbeiter lintcr dem Zeichen des„Schutzes" geführt. Man höre nur, was die„Rordd. Allgemeine", das Leiborgan Eisenstirn's, neulich in dieser Hinsicht für Falschmünzerei zu Tage förderte: „Daß der Gesetzgeber von 1869 die Koalitionsfreiheit nur den, von ihm in 8 152 ausdrücklich benannten Kategorien hat gewähren wollen, geht namentlich auch daraus hervor, daß die in 8 153 von ihm ausge- sprochene Strafandrohung eine allgemeine, nicht auf diese Kategorien beschränkte ist. Hätte der Gesetzgeber nicht nur den Arbeit- gebcrn und Arbeitnehmern den Gebrauch des Koalitionsrechtcs gewähren wollen, sondern jedem, der die Neigung verspürt, sich in die Verein- barung des Arbeitsvertrages einzudrängen, so hätte der Gesetzgeber keine Unterscheidung betreffs der von beiden Paragraphen begristenen Personen und Kategorien zu machen nöthig gehabt. Gerade daß diese Unter- fcheidung gemacht wurde, spricht für eine einschränkende Interpretation des 8 l52, wenn aber, wie die„Nationalltbcrale Korrespondenz" sagt, der heutige Gesetzgeber nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet erscheint, möglichst großen Schutz gegen den Mißbrauch des K o a l i t i o n s r e ch t s zu schaffen, so möchte solcher Schutz zunächst dahin auzustreben sein, daß die Koalitionsfreiheit gegen den, fei es zu welchen Zwecken immer, erfolgenden Mißbrauch durch Unbefugte geschützt wird." Die einleitende Rechtsfolgcrnng ist der Rabulisten würdig, die in demselben Augenblick, da sie die famofe Bismarckspende in Sicherheit brachten, die Diätenprozeffe gegen die Reichstsgscibgeordiieten in Szene setzten. Weil die Gewerbcorduuug vom Jahre 1869 da, wo sie von der Koalitionsfreiheit handelt, ganz logischcrweise mir von denen spricht, die ■sie bisher nicht hatten,— 8 152 handelt von der Aufhebung bisheriger Verbote und Strafbestimmungen— da aber, wo sie von Uebergriffen handelt, schlechtweg sagt:„Wer andere durch Anwendung ckörperlichen Zwanges:c.:c."— soll dies ein Beweis sein, daß der „Gesetzgeber" das Koalitionsrecht nur so verstanden habe, daß die Ar- bester— denn für die Arbeit-N e h m e r existiren Strafbestimmungen überhaupt nicht— beileibe Niemand zu Rache ziehen, als. Sprecher wählen dürfen, her nicht zu ihrem Berufe gehört, nicht direkt an ihrem .Lohnkampf bcthciligt ist! Wir würden sagen, das ist der Gipfel des Widersinns, wenn der Sinn dieser Auslegung nicht so klar auf der Hand läge: bei der in Deutschland notorischen Gepflogeichelt' des Unternehmerthums, die Wortführer der Arbeiter— selbst wenn es sich um noch so legitime Fordernngeu handelt, zu ächten, soll diesen auf solche Weise die Benutzung des Koalitionsrechts erschwert, unmöglich gemacht werden. Der geplante Schutz der Koalitions- freiheit übersetzt sich in's ehrliche Deutsch als Mord der Koalitions- freiheit. Zum Glück dürfte vorderhand auch das„nicht gelingen". Bei solchen Schurkcnstückchen, bei diesem nichtswürdigen Hochverrath an der Sache des Volkes gilt aber der Gruichjatz, den die Machchabeb als Schutz ihrer Gewaltherrschaft in die Strafgesetzbücher eingeschrieben haben: Schon der Versuch ist st ras bär.�' �.' k. Er hat keine Zeit. Als neulich,' bei der Anwesenheit des Reisekaisers in Elsaß-Lochringen eine Deputation zu'ihm gehen wollte, um die Aushebung der russischen Mäßregel des PaßzivangS zu erbitten, ließ er den bittlustigen Leuten sagen, er könne sie nicht empfaiigen, er Hab ekcine Zeit. Nun— die Leutchen hätten auch besser gethan zu Hause zu bleiben, denn daß an dieser Stelle nichts auszurichten war, und daß die richtige Schmiede wo anders liegt, das hätten' sie wissen müssen. Die Bcdeutiliig der kaiserlichen Antwort wird' hierburch'aber nicht im Mindesten geschmälert. Für solche Aiigelegenhesten, die so recht eigentlich Gegenstand des Regicrens sind,' hät ber'Käiser keine Zeit— so sagt er selbst. Ilnd wanun hat er keine Zeit? Weil er— auch das sagte er selbst— Soldaten besichtigen und— reisen niuß. Da nun ein Kaiser iveder die Unwahrheit sagen, noch Unrecht thun kann, so erhellt aus der kaiserlichen Antwort, daß �die Beschwerden seiner „Unterthanen" anhören überhaupt nicht Sache des Kaisers ist—_ wohl aber das Soldatenbcsichtigeu, Reisen und sonstige zur „Repräsentation" gehörige Vergnügungen. Es ist sehr gut, daß dies den, Volke, welches in Bezug auf die Stellung und das Amt der Kaiser und Könige mitunter noch gar naive Anschauungen hat, von einem der betreffenden Herren selbst ejnnial gesagt wird. Diese Rede des Kaisers ist auch nicht korrigirt worden. Sie war insofern glücklicher als die Rede, in welcher der Kaiser ein paar Tage später das„scharfe Schwert" der Weftphalen feierte, und die'-nach- dem sie gehalten worden— dreimal korrigirt werden mußte, bis das „scharfe Schwert" so weit abgeschliffen war, daß es im„Staatsanzcigcr" kein llnhell mehr ansttsten konnte. Da jede der Lesarten dem Publi- kum sofort durch das Wolff'sche Telegraphcnbureau brühheiß mit- getheilt wurde, so konnte das Volk der Denker den interessanten Abichleifuugsprozeß ganz genau verfolgen— lvas immerhin elivas Belehrendes hatte. Jedenfalls ist aber der Beweis geliefert, daß zwei Stenographen der kaiserlichen Beredsamkeit nicht genügen; und wir rathen, die Zahl zu verdoppeln. Apropos, Er hat noch eine Rede gehalten, die nicht korrigirt ivurde. Nämlich in Rietz bei der Grundsteinlegung des— Denkmals für den alten Wilhelm, wo der junge Wilhelm sich also ausdrückte:„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes I Zum Ge- dächtniß des Begründers der deutschen Einheit, des Heimgegangenen Kaisers, Wilhelm I. Ich sprech's. Gott walt's!" Was Gott„walten" soll, haben wir leider nicht entdecken können. Vielleicht ist ein Andrer glücklicher gewesen. — Eine Bestie. Folgende nichtswürdige Soldaten- s ch i n d e r e i wird der„Frankfurter Ztg." aus München berichtet: „Wiener Blätter meldeten vor etlichen Tagen, beim Regiments- Exerzieren des 1. bayer. Infanterieregiments seien jüngst in Folge kolossaler Hitze 13 5 Mann erkrankt, 2 d a v o n s c i e n g e- st o r b e n. Ein hiesiges Blatt, das dem beim Militär herrschenden Vertuschuiigssystem prinzipiell in die Hände zu arbeiten scheint, brachte ein geharnischtes Dementi, ivorin jene Meldung als ungeheuere Aus- schncidcrei bezeichnet war. Die Sache sei nicht so schlimm gewesen, es seieii lediglich einige Leute ausgetreten— als ob ein Soldat nnr so zu seinem Vergnügen aus Reih und Glied treten könnte!—, von ernsten Erkrankungen könne nicht die Rede sein. Diese Notiz veranlasste uns, Erkundigungeil über den Vorfall einzuziehen, und wir hörten nun aus bestiintcrrichteter Quelle Folgendes: Am Montag den 19. August rückte das Regiment in feldniarschmäßiger Ausrüstung(Tuch- montur, Helm, bepackter Tornister, Spaten zc.) Morgens 6 Uhr aus und kehrte erst u in V,12 Uhr zur Kaserne zurück. In den Vorjahren unter Herrn von Asch— der jetzige Oberst heißt Melchior— rückte das Regiment st e t s um 10 Uhr ein. Es war da drückend heiß. Der erste Mann, der austreten zu dürfen bat, war ein Einjahrig-Freiwilliger. Er wurde derb angefahren.„'Natur- lich, ein Einjähriger", hieß es. Die Hauptleute machten daraufhin i» ihren Kompagnicil Folgendes bekannt:„Jeder Einjährige, der von nun ab austritt, muß zurStrafe dafür kaserniren, weil anzunehmen ist, daß er Abends zu lange kneipt, überhaupt einen liederlichen Lebenswandel führt, folglich den Strapazen nicht mehr ge- wachsen ist. Jeder Gemeine, der austritt, darf aus den nämlichen Gründen die Kaserne nicht mehr verlassen." Und die Folgen dieser mehr grausamen als weisen Logik? Aus Furcht vor der angedrohten Strafe ivagten die Leute es nicht mehr, sich zum Austreten zu melden, sie thaten mit, bis sie eben einfach nicht mehr konnten und zu Dutzenden umfielen! Theilweise erholten sie sich langsam wieder, so daß sie zu Fuß nachhinken konnten, der größere Theil aber mußte mittelst Sanitätswagen nach der Kaserne bezw. ins Lazareth gefahren werden. Ein R e s e r v i st der 7. Kom- pagnie, Familienvater, ist inzwischen den Folgen des Hitzschlages erlegen, mehrere andere liegen noch schwer darnieder. Ohne jene Strafandrohung würden sich die Leute bei den ersten Anzeichen des Hitzschlags, also noch rechtzeitig, zum Aus- treten gemeldet haben." Mit einem Wort, die Bestie von Oberst, der die Soldaten um nichts und wieder nichts— das darf dabei nicht aus dem Auge gelassen iverden— einer so schändlichen Tortur aussetzte, ist der Mörder des an den Folgen derselben Gestorbenen, der Zerstörer des Lebens derjenigen, die zwar vom Tode gerettet wurden, aber auf Jahre hinaus, zeitlebens an den Folgen des Sonucnstichcs zu leiden haben iverden. Aber für diesen Mord, für diese K ö r ste r v e r- l c e u u g gibt es keine Strafe, der Verbrecher geht frei aus— mehr noch, et har besiründete Anwartschaft auf besondere Auszeichnung. Hat er doch durch die That bewiesen, daß auch er den Krieg, den Massen- in o r d als eine— siehe die vorige'Nummer dieses Blattes— Er- frischung betrachtet! — Der Arbeitcrwahlverein in Dresden ist von der dorttgen Kreishauptmannschast a u f g e l ö st worden; es ist dies eine Maßregel, welche mit den bevorstehenden Wahlen zusammenhängt, und welche nicht vereinzelt bleiben wird. Die sächsische Regierung hat die G e w o h n- h e i t, mit solchen Schlägen bis zum Beginn der Wahlkampagne zu ivarten. In ihrem wallwitzigen Scharssinn vermeint sie, uns auf diese Weise Verlegenheiten zu bereiten und für die entscheidende Zeit lahm legen zu können. Sehr naiv allerdings. Jndeß es ist nun einmal so; und wir haben uns längst darauf eingerichtet, mit den genialen Kniffen und Pfiffen unserer Feinde zu rechnen. Die übrigen Wahlvcrcine der Sozialdemokraten, namentlich in Sachsen, werden wohl bald demselben Schicksale verfallen. In Leipzig sucht man mit wahrhaft Polizei- widriger, und doch polizeilicher Plumpheit nach einem Vorwande. Als nämlich vergangene Woche der durch Hafenherzigkeit und Raivetät aus- gezeichnete Polizist F ö r st e n b e r g bei irgend einer möglichst unpasseu- den Stelle eine Versammlung des Wahlvereins aufgelöst hatte, zog er ohne jegliche Veranlassung seinen Revolver und lief zum Saale hinaus, als gälte es, sein armes Leben vor den blutdürstigen Sozial- demokraten, die den Poltrou nur auslachten. zu retten. Den andern Tag stand in dem amtlichen Organ der sächsischen Regierung, der „Leipziger Zeitung", die Schauermähr zu lesen:„Die Verfammlung sei sehr erregt gewesen; der überwachende Polizeibeamte habe sich mit der Waffe nr der Hand den Weg zum Ausgange-bahnen müssen!"— So unverschämt muß man lügen, wenn man cinen Verein auflösen will, der unbequem geworden ist, aber keine gesetzlichen Handhaben zur Maßregelung bietet! Es genügt, solche Erbäriiilichkeiten anznnagdn— eines Kommentars bedürfen sie nicht. Ebensowenig als wir es nöthig haben, zu versichern, daß die Sozialdemokratie auf derartige Kniffe vorbereitet ist. Inzwischen wird der Polizeifcldzug gegen die F a ch V e r e i n e mit wachsendem Eifer fortgesetzt. In Leipzig sind setzt auch die Töpfer „aufgelöst" worden. Obgleich dieses Anflösungs-Spiel nun schon über ein Jahrzehnt, d. h. seit Proklamirung des Sozialistengesetzes, von der Leipziger Polizei getrieben wird, ohne daß ihr auch nur der bescheidenste Erfolg gelächelt hätte, so schöpft sie nach wie vor Eimer um Eimer aus dem brandenden Meere der Arbeiterbewegung, und merkt nicht, daß die Fluth immer weiter vordrängt, und vor der heiligen Herman- dad nicht den gerülgsten Respekt hat. Daß den Herren Staats- und Gesellschaftsretteru gar nicht einmal das Bewußtsein aufdämmert, wie unsäglich albern sie sind! Freilich, zur Selbstcrkenntniß bedarf es eines gewissen Grads von Verstand,— eines höheren jedenfalls, als er bei Polizisten und Polizeipolitikern zu finden ist. Einen erbaulichen Kontrast zu den Maßregelungen der Arbeiter- Organisationen bildet die absolute Duldung jeder Organisation der arbeiterfeindlichen Parteien, und vergehen sich diese Organisationen auch noch so flagrant gegen den Buchstaben und Geist des Gesetzes. So beriefen z. B. neulich die Innungen von Burgstädt und einigen Städten der llnigegcnd eine Konferenz der Innungen zum Zweck der Aufstellung eines LandtagSkandidatcn. Da die Jnunngen sich mit po- litischen Dingen nicht befassen dürfen, und da eine Wahl unzweifelhaft etwas Polstisches ist, so ziemlich das Politischste, was es auf Erden gibt, so war die Konferenz entschieden ungesetzlich. Es ist aber Niemand eingefallen, sie zu verbieten, obgleich die Einladung öffcnt- l i ch erfolgt war; und mehr! gerade der Beamte, ivclchcr die straf- gesetzliche Verfolgung hätte einleiten müssen, der königliche A m t s- Anwalt von Burgstädt ging selber als Referent auf der Kon- ferenz! Das nennt man in Deutschland:„Gleichheit vordem G e s e tz". — Nrbeitcrfängcrei wird jetzt, da Neuwahlen in Sicht sind, wieder mit doppeltem Eifer betrieben— und zwar von allen bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme. Und sehr spaßhaft ist es, wenn beim Be- trieb dieses edlen Geschäfts die Herren Konkurrenten einander in's Ge- hege und in die Haare gerathen. In W e st p h a l e n erleben wir jetzt dieses Schauspiel. Die schlauen Zcntrumsleute haben ihren Katholiken- tag Heuer nach B o ch n m berufen, ins Hauptquartier der national- liberalen Kohlenbarone, und haben dort die Fahne der Sozial- reform aufgepflanzt. Dem Arbeiter soll und muß geholfen iverden; es ist aber nur möglich ans dem Boden des Christenthums»ud im Schaf- stall oder doch wenigstens im Schatten der alleinseligmachenden Kirche. lind der pfiffige Windhorst hat eine parlamentarische Kampagne zu Gunsten der Arbeiter im Allgemeinen und der Westphälischen Kohlen- arbeitet im besonderen angekündigt. Was er gesagt, und was er in Aussicht gestellt— natürlich Alles so allgemein als möglich— das kann uns sehr gleichgültig sein— es ist die alte Leier, und wir kennen die Weise, wir kennen den Text und wir kennen die Herren Verfasser. Immerhin verdient es Beachtung, daß die Erklärung gerade an diesem Orte erfolgt ist. Es ist entschieden ein sehr geschickter Schachzug gegen die Nationnlliberalcn, die durch ihre Brutalität gegen die Arbeiter sich das einst so gehorsame„Stimmvieh" ganz entfremdet haben. Nun— wir schauen diesem Konkurrenzkampf der Arbciterfänger mit größtem Vergnügen zu,— die Sozialdemokratie ist„der Dritte, der sich freut," u»d, wenn es auch zu viel wäre, wollten wir sagen, der nltramontane Vorstoß werde ganz ohne Erfolg bleiben, so hegen wir doch nicht den mindcsteil Zweifel, daß Ultramontane wie National- liberale nur für uns arbeiten, und daß durch ihre Katzbalgereien die Emanzipatton der westphälische» Bergarbeiter aus den Banden der Zentrums- Pfaffen und des Nation alliberalen Kapitals nur beschleunigt wird. - Die erfolgreiche Einiflnng der dcntschcn Bcrglentc in Torst- seid hat die G r u b e n b c s i tz e r ganz rasend gemacht. Die meisten Delegirten sind gemaßregclt, uud die es nicht sind, werden gemaßregelt werden. Auch im„gemüthlichcn Sachsen",>vo bisher die Grubenbesitzer sich einigermaßen mäßigten, ivird nun das Maßregeln betrieben. Bravo! Wir können nicht so schnell als wir möchten, die heutige Welt untergraben und unterwühlen. So müssen unsere Feinde uns helfen. Wie gut sie es doch mit dem Umsturz meinen! — C Wunder, o Wunder! Als der alte Wilhelm gestorben war, bemerkte ein Lakai, ivie sich ein Schwan,— nach andern Lesarten lvar's ein prosaischer Habicht— über dem Palast des altgcmordcnen Sünders von Rastatt erhob uud majestätisch— iver hat schon cinen Schwan majestättsch fliegen gesehen?— den Blicken der staunenden Zuschauer entschwand.. Dieses kleine Wunder hat in den Kreisen der Frommen am Berliner Hofe so sehr gefallen, daß man seitdem von Zeit zu Zeit die Roth- wcudigkcit von Wiederholungen desselben empfindet. Das Zwischen- regiment des bitterbösen Friedrich bot dazu natürlich keinen Anlaß, und als derselbe todt war, hätte man ihm zwar gerne einen schwarzen Raben nachgeschickt, aber aus Gründen der Etikette mußte man darauf verzichten. Dafür erfolgte bei der Beisetznngsfeierlichkeit das Wunder — die Berliner nannten es �den Zauber— der Beleuchtung des jungen Wilhelm durch ciuen Sonnenstrahl, der sich plötzlich in vollem «glänze auf das Haupt des neuen alten Fritzen ergoß. Das reichte für den Aligenblick aus, hat aber immerhin noch nicht„geflutscht", und so hat man den» während der„Kaisertage" in Straßburg ein neues Wunder, das wunderbarste von alle»— sagen wir, ermittelt. Man höre, was die nationalliberale„Straßburger Post" nachträglich zu berichten weiß:> „Gerade als bei dem Lampionzug die ersten Lenchtkugeln in den Nachthimmel emporfuhren und inächtige Hochrufe über der Ivetten Platz brausten, erschien über dem Kaiserplatz eine weiße Taube; man ivußte nicht, ivoher sie kam. Ein paar Mal kreiste das anmuthige Thierchen über dem Palast, dann ließ es sich auf dem Dachsimms grade über dem Arbeitszimmer Kaiser Wilhelms nieder." „Man wußte nicht, ivoher sie kam." In ganz Straßburg hatte man bis dahin noch keine Tauben gekannt. Sollte es die historische Tanbt gewesen sein, von der schon die Apostel geschrieben haben? Da»» ist nur Eines zu bedauern: daß sie nicht auch ihre Stimme erhoben hat. Hoffentlich thut sie es das nächste Mal. Und hoffentlich ist beim auch gleich ein Stenograph zur Stelle. — Im Wettbewerb nni die— überzeugendsMi Bcrsammlungs- A n f l ö s u n g s g r ü n d e sind ivieder einige Leistungen ersten Ranges zu verzeichnen. Nachdem jüngst in Leipzig eine Versammlung a» f- gelöst wurde, weil ein Theil der Besucher über verschiedene weise Anordnungen des Beamten gelacht hatten— wer lacht da?— sind in der Weltstadt Brandenburg a. d. Havel kurz hintereinander zwei Gewerkschafts-Versammlungen gleich beim Beginn aufgelöst worden, die erste, nachdem der Redner die staatsgefährlichcn Worte„Meine Herren", die zweite, nachdem der lltefcrent die nicht minder staatsgefährlichen Worte„Meine Freunde" gesprochen. Ja, die letztere Anrede scheint noch staatsgefährlicher zu sein, als die Erstere, denn während die Auflösung für diese von der Anssichtsbchörde als nicht gerechtfertigt erklärt Ivurde, hat die Auflösung für jene deren volle Zustimmung erhalten. Sicher aus guten Gründen, denn wenn jemand eine Versammlung mit„Meine Freunde" anredet, läßt das nicht auf einen stillen Gehcimbuud schließen? Wir empfehlen den deutschen Staatsanwälten diese Frage, ivie es im Rcpttldentsch heißt,„in Erwägimg z» ziehen". Aber auch mit dem„Meine Herren" hat es seinen eigenen Haken. ES wird einem strebsamen Jünger Tessenvorf's unmöglich schwer fallen, nachzuweisen, daß wer eine Versammlung von Arbeitern„meine Herren" anredet, damit sagen will, daß die Arbeiter die Herren sein sollen.„Also Aufforderung zum Umsturz der bestehenden Staats- und G« s e l I s ch a f t s- O r d i»ii n g". Die Polizeibehörde von Brvndenburg hat sich noch nicht ganz auf der Höhe der Sstnation gezeigt. Eine recht hübsche Auflösung wird aus Eßlingen gemeldet. Sie erfolgte, als ein Hoch ans den Frieden und alle, die den Fr irden>v o l l e n, ausgebracht wurde. Die Ehre Schwabens ist gerettet! —„Sine Schande für unser Land"—„Uno honte ponr notre pays" betitelt sich ein kleines Schristchen, welches linser Genosse L. Heritrer in Genf im Auftrage einer.Versammlnng von Schwcizcrbiirgcrn verfaßt hat, und in welcher er gegen die vom Schweizerischen Bundesrath in der Frage der politischen Flucht- linge eingenommenen Haltung und im Speziellen gegen die von der Genfer Polizei vcrfiigten Ausweisungen und Drang- s a l i r u n g e n von Ausländern, die entweder politische Flüchtlinge oder doch Emigranten ohne sog. A u s w e i s s ch r i f t e n sind, in traf- ttgen Worten zu Felde zieht. Der St. Galler„Stadt-Anzeiger" schreibt über die Flugschrift: .Veranlaßt ist dieselbe durch die bereits mehrfach von uns erwähnten Genfer Ausweisungen. Wir lesen hier, daß es mit diesen Masscnauswcisungen doch seine Richtigkeit hat, trotz aller Bemäiiteliingsversuchc. Wir erfahren, daß sich unter den Ausgewiesenen einer befindet, namens Pärard, welcher seit mehr als 20 Zahren in Genf wohnt u. f. w. Angesichts dieser Thatsachen fragt der Verfasser der Flugschrift, ob diese Handlungen nicht die mannhaften Worte des Bnndesraths Liigett strafen, und ob sich die Genfer Regierung damit nicht der Sympathien begebe, welche unserer Republik im Wohlgcmuthhandcl von der öfsent- lichen Meinung des gebildeten Europa zu Theil geworden. Er erinnert sodann daran, daß den Ausgewiesenen keine verbreche- rischcn Handlungen nachgewiesen worden seien,, daß ihr ganzes Ver- schulden vielmehr einzig und allckn in ihrer demokra- tischen ist e s i n u u n g und deren öffentlichen! Bekenn tniß bestehe. Nun aber könnten wir Schweizer denselben unmöglich Dinge zum Verbrechen anrechnen, die bei uns im Gegcntheil als wahr und reiht gelten. Gebe man aber dem monarchischen Europa hierin nach, so sei das der Anfang vom Ende. In beredten Worten wird auch darauf hingewiesen, daß umn von England und Frankreich nicht zu verlangen wage, was maii von der kleinen Schweiz begehre. Um so mehr seien wir es unserer Ehre schul- dig, alle bezüglichen Ansinnen rundweg von der Hand zu weisen. Der Verfasser schließt mit einer Sympathieerklärung an die Ausge- wiescnen, welche sicherlich auch vom Schweizervolke geschützt würden, wenn dasselbe sie kennen würde. .Wir denken," schließt der„Stadt-Anzeiger",„die Genfer Re- g i e r u n g werde nun doch endlich ihr uubcgreiflichesSchwei- gen brechen und Rede u n d A n t w o r t stehen!" Wir haben begründete Zweifel, daß diesem Verlangen, so berechtigt es an sich ist, entsprochen werden wird. Es wird vielmehr fortlavirt werden, eine Bewcguiigsforni, die ja auch für diejenigen durchaus an- gemessen ist, die sich zwischen z w e i S t ü h l e gesetzt. Heute eine tapfere Erklärung und morgen— ein muthiger Gewaltstreich, auf diese Weise wahrt man die Ehre der Republik, mid wer diesen Weg für grundfalsch erklärt, ist kein„Patriot". Von einem„zuverlässigen Manne", der mit dem ans der Schweiz ausgewiesenen Russen D c m b s k i in Frankreich zusammentraf, erfährt die Züricher„Arbeiterstimme", daß Dembski seinerzeit„sich cnt- schieden weigerte, sich auf Geheiß der Polizei photographircu zu lassen. Auf eine Anfrage, welche von der Polizei in Bern gestellt worden sei, sei die Antwort eingetroffen:„Wariim bei Dembski eine Ausnahme machen'i Photographircu lassen, wenn nöthig durch Anwendung von Gewalt."„Nach Obigem," bemerkt dazu die .Arbeiterstimmc", ist also feststehend, daß der B u n d e s r a t h auch den empörenden Befehl gegeben hat, die f r ü.h e r ausge- wiesenc n Russen photographiren zu lassen, trotzdem diese nur ihrer Ueberzcugung willen ausgewiesen worden sind. Darum ist wohl auch an den Bundesrath die Frage zu richten: Sind von a in t l i ch crS c i t e die damals anfgeuoinmenen Photographien an Rußland oder Preußen ausgeliefert worden? Bekanntlich sind Photographien der ausgewiesenen Russen in den Händen preußischer Polizisten getroffen worden, llommenlar überflüssig!—— Wozu noch ein Vundcs-Polizcipräfekt, wenn nicht zu gesteigerten Schergendiensten? Sehr richtig. Und es wird hoffentlich Manchem die Augen öffnen. — Sonderbare Schwärmer. Zn Kassel traten sie zusammen' die Mannen, so sich Vertreter der d e u t sch c n S i tt l i ch k e i t s- vereine nennen. Diese neueste Pflanze im reichsdeutschen Gemüse- garten entstammt einer Anregung des Unbezahlbaren, dem aus seiner „Jugendzeit" her noch lebhaft in Erinnerung ist, daß die deutsche Sittlichkeit noch arg zu wünschen läßt. So groß sie ist denn>1?«« Deutschland sonst das Land der guten Sitte?— sie muß nach dem bekannten Liede „noch größer sein". Und um dies edle Werk zu fördern und Deutsch- iand womöglich in eine große moralische Heilanstalt zu verwandeln, haben sich die deutschen.Sittlichkeitsvcreinc gebildet, in denen sehr viel über die.llnsittlichkeit gejäinmert und dadurch die Sittlichkeit enorm gc- hoben wird. Daß in diesen Vereinen die Pfaffen— und zwar die protestantischen voran~ die erste Rolle spielen, liegt aus der Hand. So war es denn auch ans besagtem Sittlichkeitskoiigreß. Der uns vorliegende Bericht der„Frankfurter Ztg." verzeichnet nur Pfarrer: Pfarrer als Resercnten, Pfarrer als iiorresercntcn, Pfarrer als �oinmissions- Mitglieder— kurzum, Pfarrer wohin das Ahlgs blickt. Wir können natürlich nicht chles hier ansiihreii, was die' sittlichen Herren alles heraussteckten. Relativ am vernünftigsten scheint noch ein Prediger gesprochen zu haben, der über da» Thema„Schlechte Woh- niiiigsvcrhaltnjssc, eine Quelle der Unsittlichkeit", referirte. Wenigstens fignriren unter seinen Forderungen solche wie„alle Sittlichkeitsvercine follcn die Bestrebungen zur Herstellung besserer und billigerer Arbeiter- wohmingen unterstützen", über die sich reden läßt, wenn auch au« andern Gesichtspunkten als der von diesen Herren propagirtcn„Sittlichkeit". Die eigentlichen Bestrebungen des Vereins oder der Vereine werden viel besser ckmrakterisirt durch die Thesen des Referenten zur Frage: „die B.ek ä m pfung derVerbrc itu u g u n f i t t l ich e rB ü ä> e r und Bilder", Pfarrer W« b c r- M.-Gladbach, Der Herr schlug u. A. folgende Thesen vor, die auch von seinen Brüdern in Christo angeuomnicii wurden: u„Die Konferenz richtet an alle Vertreter der Polizei- und Ge- rich t sb eh ö rd c» die dringendc Bitte, mit Rückficht auf die Volks- gefährlichkcit und die beständige Zunahme unzüchliger Schriften, Abbil- düngen und Darstellungen doch bei Beurtheilung derselben den strengsten gesetzlich zulässigen Maßstab anzulegen." Mehr Polizei— ohne das bringt in Deutschland nun einmal kein Mensch etwas fertig. Beiläufig ist es recht schade, daß die Herren nicht gleich einchchgnd« aller zu verbietenden„uuzüchtigen Schriften" aufgesetzt haben. Den Anfang würde selbstverständlich— die Bibel machen. Natürlich soll jeder gute Deutsche ein eifriger Denunziaut sein, und Wo er eine Bibel— Verzeihung, ein.unzüchtiges" Buch findet, dasselbe .sofort der Polizei anzeigen." Selbstverständlich muß sich auch dir Kunst in den Dienst der Sittlich- keit stellen- keine Venus mehr, wenigstens keine ohne Flanelljacke. .Die Konferenz richtet an die deutschen»tünsiler die Bitte, einen ideen- losen Realismus, der nur Fleisch aber keiueu Geist lenin, zu beiämpscii, und bei allem, was sie schassen, an die sittliche Wirkung ans das Volk zu denken." Malt moralische Bctschivesleru und meißelt niiaissregende Kircheiivprstrher. So allein kann die Ltzstst ihre hehre Mission erflilleii. Zum Schluß aber kommt der Pferdefuß:„Die Konferenz richtet an alle Freunde der heutigen G e s e l l s ch.a f t s o r d» n n g die Bitte, die Festigkeit der Grundlagen iwyselben gegenüber dein drohciwcii Anarchisnms vor Allein durch einen st r« n g sittlich e m W a n d e t zu fördern." Werdet moralisch, ihr, die ihr etwas zu verlieren habt» damit es euch nicht an den»tragen geht. Seid tugendhast, wenigstens vor der Well, und das gerührte Proletariat wird sich von Euch hinters Licht Mren lassen. Ein schöner Plan, aber es fehle» z» seiner Ausführimg zwei Faktoren: Eine besitzend» Klasse, die auf ihren Genuß, und ein Proletariat, das auf sein Recht Verzicht zu leisten geneigt wäre. Denn die Arbeiter sind heute mit der Lupe zu suchen, die sich durch den. bloßen Schein der Ehrbarkeit irreleiten lassen. — Die Baumwollc-Vcrarbeitung im Tiidcu der Vereinigte» Staaten macht r a p i d e F o r t s ch r i t t e.„Das Hanpk der amcrl- kanischen Schutzzöllner, der hiesige Buchhändler und bölkswirtlMaft- lichc E a r c y", lesen wir im.„Philadelphia Tagevlatt",.würde seine Märende daran gehabt haben, wenn er es erlebt hätte: seinWunsch und estrcben, daß die Baumwolle da verarbeitet werde, wo sie ge- baut wird, nähert sich rasch der Verwirklichung. .... Unterstützt vom Kapital und den geschulten technischen Kräften des Nordens, unterstützt durch zahlreiche und große Wasserkräfte als billige Betriebsmittel und mit überaus billigen Arbeitskrästen aus der Klasse der„armen Weißen"(the poor white tiash), ohne die Ausbeutung der Frauen und Kinder einschränkende Fabrikgesetze, hat er, (der Süden,) die Baumwollc-Verarbeitung mit treibhausmäßiger Beschleunigung forcirt. Der Baltimorcr„Manufacturcrs' Re- cord" hat statistisckes Material gesammelt und gibt folgende Tabelle als vollständige Liste aller Baumwoll-Fabriken in den 14 Staaten des Südens am 31. Juli dieses Jahres: Fabriken. Spindeln. Webstähle. Alabama....... 21 131,904 2,414 Arkansas...... 5 13,800 224 Florida....... 1 1,400— Georgia....... 73 455,938 10,346 Kentucky....... 6 45,200 677 Louisiana...... B 60,280 1,584 Marykand...... 25 175,649 3,536 Mississippi...... 11 69,396 2,054 Nord-Earolina..... 111 376,837 7,851 Süd-Earolina..... 44 417,730 10,687 Tennessee...... 31 126,324 2,478 Texas...... 0. 8 50,868 496 Virginia...... 14 99,869 2,754 355 2,035,268 45,001 Dagegen Zensus von 1880 161 657,858 14,323 Daraus ist ersichtlich, daß die Zahl der Webstühle und der S p i n d e l n sich m e h r als verdreifacht hat. Die der Fabriken ist nicht viel mehr als verdoppelt, was sich aber durch die crfahrungs- mäßige Thatsache erklärt, daß die einzelnen F a br i ka t i o n s- stellen bei der Entwicklung einer Industrie sich beständig vergrößern. Wo sie am meisten konzentrirt ist, wie in Georgia und Nord-Earolina, da kommen auch die meisten Spindeln und Webstühle auf eine Fabrik. Hinsichtlich des letztgenannten Staates ist noch be- merkenswerth, daß er weniger als halb so viel weiße Einwohner hat, als Georgia imd trotzdem eine diesem nahe konimendc Baumwoll-Jn- dustrie. Farbige sind aber in diesen Fabriken fast gar nicht anzutreffen. In den Fabriken des Südens wurde bisher blos grobe Arbeit her- gestellt, wie sich das bei der»ngeüblen Arbeiterschaft von selbst ver- steht. Run aber fehlt es an Absatz für diese Waarc. Man geht also nach und nach zu feineren Geweben über und das nächste ist, daß auch Bleichereien und Druckereien eingeführt, wer- den. In einigen Jahren wird der Süden voraussichtlich alle Sorlcn Baiimwollen-Stoffe zu produziren im Stande sein. Damit tritt eine neue Aufgabe an die Arbeiter des Nordens heran, die im Interesse ihrer eigenen Existenz gelöst werden muß. Die neuen Industrie-Arbeiter des Südens sind noch sehr bedürsnißloS; sie haben zwar der Bibel die Wtanern Jericho'» gewesen sind. Daß die beiden Kongresse sich mit Fragen wie die Verkürzung der Arbeitszeit?e. beschäftigten, das brachte den niodenien Josiia— bei dem»irr has Eine wunderbar ist, nämlich, daß er die Wunder, die er von'Äiidern verlangt, nicht selbst zu vollbringen geruht ganz gewaltig In den Harnisch. Er zetert jetzt wie ein Besesstner über die„Picnics- GeseUschaflen" in Paris, welche es sich auf Kosten des Proletariats in Paris wohl sein ließen.— Diesem modernen Josua und seinen gläubigen Stteitcrn nur so viel zur Entgegnung: Es hat ein Tssanu gelebt, der Karl Marx hieß. Dieser Karl-Marx hat ein Buch geschrieben, das unter dem Namen„Das Kapital— Eine Kritik der politischen Oekonomic" bekannt ist. In diesem Buche, das gar vieles Lesens- und Beherzigenswerthe enthält, ist auch die Rede von der Fabrik-Gesetzgebung in England, resp. von den langwierigen Kämpfen der englischen Fabrik-Arbeitcrschast, die zur Erzwingung dieser Fabrik- Gesetzgebung geführt worden sind. Diese von den Arbeitern England's erzwungene Fabrik-Gesctzgebnng gipfelte in der Z e h n stn n d e n b i l l, der gesetzliche» Verordming des zehnstündigen Arbeitstages. Vorher be- tnig die tägliche Arbeitszeit meist 12— 15, vielfach noch mehr Stunden. Dieser Erfolg der Anftrcngniigcn der englischen Arbeiterschaft wird von Karl Marx als„die physische und moralische Wieder- gebnrt der FAbrikarbeitcr" gefeiert. Zur pyyfsschcn und moralischen Wiedergeburt der Arbeiter aller Län- der Ist heute wieder ein« Verkürzung der Arbeitszeit die nothwendigste wirthschaftliche Rcformmaßregcl. Tiesen Punkt haben die Pariser Kon- gresse ins Auge gefaßt und mit dessen Berücksichtigung und Betonung mehr für die cndgiltige Erlösimg des Proletariats gethan, als alte nioderneii JosuaS mit ihren Kraftphrasen zusamiueiigenoimncii. Die Erstrebimg besserer Arbeitsbedingungen, die heute nicht schwieriger ist als sie vor 40 Jahren in England gewesen, ist positive Arbeit — die Proklamiriing des'Umsturzes der kapitalistischen Gesellschaft ist weiter nichts als eine hohle Phrase, die den Hohn und Spott der Welt heransfordext,„Wir, die drei Schneider von London ic.--- Es wäre endlich an der Zeit, daß das Phraseiiheldentlnnii sein ohn- möckittges Gebahren offen bekannte»nd zur praktischen Tagesarbeit zu- xilckkehrte. Die Welt geht doch nur ihren geregelten Gang; sie macht cketne Sprünge.— — Schade. Deutsche Blätter berichten:„In Stettin ist der Dampfer„Magdeburg" sofort nach seiner'Ankunft ans Stockholm poltzetlich durchsticht worden, und zwar nach sozialdemokratischen Schrif- ten. Stattttlich wurde nichts gefunden." Hatte wohl auch der Denkschrift gegolten. KorrespoZpbenze«. Hannover, Ende August. Unter der Anklage, wider den ß 131 des Strafgesetzbuches gesündigt zu haben. standen hier jüngst 12'Arbeiter vor Gericht, mußten jedoch trotz liebevollster Bemühungen von Staats- anwalt und Richter freigesprochen werden. Der Sachverhalt ist folgender. Letzten Winter ward hier ein Flugblatt an die Landbevöl- kenmg verbreitet, in welchem betont wurde, daß der Reichstag Anfang 1887 nur angeblich des Septemiats wegen, in Wirklichkeit aber nur deshalb aufgelöst worden sei, um die Taschen des armen Mannes noch mehr plündern und dem Volke die noch spärlich vorhandenen Reste der f reiheit vollends nehmen zu können. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt enzberg, führte in sehr scharffinniger Weise aus, daß der§ 131 hier keine Anwendung finden könne, und daß, selbst wenn der Gerichts« bof anderer Meinung sei, der Dolus— die strafbare Abficht— fehle, da sämmtliche Angeklagte(ein Theil besttitt überhaupt die Betheilignng) erklärt hatten, keine Kcnntniß von dem Inhalt des Flugblattes, welches in verschlossenem Eouvert sich befand, gehabt zu haben. Wie fast unnöthig zu melden, ist auch die Versammlung, in welcher unser Delegirte zum Pariser Kongreß, Genosse H. Meister, Bericht erstattete, der A u f l ö s n>i g verfallen, allerdings erst nachdem das Steferat beendet war. Meister gab noch eine kurze Erwiederung auf die Aeußerungen eines Versammlungsbesuchcrs und als er dabei die Worte gebrauchte,„die Sozialdemokratie steht ans dem Standpunkt, wer nicht arbeitet, hat auch nicht das Recht zum Leben", löste der über- wachende Beamte die Versammlung auf und erhöhte hierdurch selbst- verständlich den Effekt derselben. Bemerkt mag hier noch sein, daß unsere politische Polizei eine Aendernng erfahren hat; der frühere Kommissar derselben hat einen Distrikt erhalten und der Inspektor W e i h a n d(früher in K ö l n) hat diesen Reffort mittibernomiilen. ES hat sich nicht gelohnt eine besondere politische Abtheilung z» halten. In den nächsten Tagen werden nun auch wir von dem Reise-Katser be— ehrt werden, und bei dieser Gelegenheit soll als Feststück zur Auf- führimg gelaiigen„die Arbeiterschaft Hannover's beim Kaiserempfang oder die Reichstags-Ersatzwahl in Breslau". Spaß bei Seite, wie ander- wärts zwingt man hier die Arbeiter zur Heuchelei, ganz besonders ver- dient jedoch an dieser Stelle gebrandmarkt zn werden, daß die Arbeiter der Eisenbahn-Reparatur-Werkstätten ihre sauer verdienten Groschen dazu hergeben müssen, um beim Kasser-Empfang mit iicuen Fahnen glänzen zu können; wer sich nichts abziehen läßt, ist Reichsfeind und diese werden nicht länger beschäfttgt. Pfni über solch schmnlose Erpressung! Im klebrigen geht hier Alles seinen ruhigen Gang, wir sind hier stets schlagfertig und erwarte» voll llngednld die nächste Reichstags- wähl, überzeugt, daß dieselbe ein für und sehr günstiges Resultat liefern wird. Mit sozialdemokratischem Gruß! Die Beobachter an der Leine. Briefkasten der Expedition: R. N. Ah.: öwfl. l.w- Ab.-Rest per 89 erh. Nd. gcord.— Nother Eerberns: Outtg. in Ztr. 12 stimmt u. ist gleichlautend gebucht. Dkschftbestllg. nottrt. Bfl. am 28/8 Weiteres.— Kimrrhahn: Denkschrftbestllg. notirt. Alles im Gang. F. Beute Cbieago: Nachricht v. 18/8 dkd. erh.— E. N. Mtl.: öwfl. 1.— f. Dffchft. erh.— P. L. Psn.: 70 Kr. f. Dkschft. erh. Weiteres nach Wunsch.— Dante: Mk. 100.24 baar u. Mk. 42.30 per Ggr.» Cto. Ab. x. erh. Beilage besorgt. Bestllg. u. Ad. nottrt.— I. M. S-B: Nachlfrg. folgt. Hoffentlich bringen Sie es doch noch dahin.„Rast' ich, w rost' ich."— Raimund: öwfl. 2. 70 Ab. 3. Qu. Weltkind erh. u. Dkschrftbestllg. notirt. Es bleibt indeß beim Generalconto.— D. Beob a. d. Sp.: Mk. 30.— Ab. 2. Qu. x. erh. Ad. u. Bestllg. no- tirt. Bf. folgt.— Nr. 2002: Bstllg. notirt. Erfragtes in Nr. 29 Zeile 23.— Spreequelle: Bestellung folgt laut Vorlage vom 27/8. Weiteres wird eingerenkt. Betreffende Adresse ist noch gut. Bfl. mehr. — 7/9. 27.: öwfl. 5.— f. Schft. erh. Lfrg. demnächst. Betreffs des Erfragten wenden Sie sich am Besten an einen der Namhaftgemachten. Wir keimen keine anderen. Kgrprotokoll mir in Französisch vor- Händen.— Rother Geldsack: P. K. v. 28/3 erh. Weiteres bfl.— Sanerländer: Mk. 29. 65 a Cto. u. Ab. 3. Qu. erh. Bstllg. u. Ad. notirt. Dkschrft.«. folgt thunlichst bald.— T. v. M.: Mk. 25. 65 » Cto. Schrft. erh. u. Ad. geord.— Elstcrstrand: Mk. 50.— a Eto. Ab. xc. erh. Dkschstbcsillg. notirt. Gewünschtes bfl.— Rantbias: stbd. v. 25/8 u. 2„Verpr.-D." sowie Weiteres betr. L. dkd. erh. u. Ad. ge- ordnet. Der in 35 qnittirte Betrag ist mit nur Mk. 2000.—(statt Mk. 2500.—) zu verlautbaren, da Mk. 500.— wie bekannt zu kürzen sind. Bfl. am 31/8 Weiteres.— Clara: Dkschftbestllg. x. erh. u. Ad. eingerenkt. Erwarten Markangab«.— VeUchenstein: Dkschftbestllg. x. u. Ad. notirt. Ihr Wunsch ist erfüllt.— Herbert: Ad. ordnnt, er- warten aber nach allen bisherigen Geduldsproben unbedingt Schluß der dilatorischen Zukunftsmusik.— Pharao: Bf. v. 29/8 hier u. ander- fettig in Aussicht Gestelltes erwartet. Sie werden vollauf gerechtfertigt ii. die P. hat das„Nachsehen".— Rothe Vehme: Mk. 100--� in Baar u. Mk. 7.80 in Ggr. erh. Weiteres noüfizirt.— Romulus: Dank für Besorgung des St. Dkschftbestllg. notirt� hoffentlich bald Fortsetzg. Weiteres siehe Kongreßbcricht. Preis incl. Porto 40 EIS. — Rainiund: Dank f. Ref. v. 30/8. Erfragtes in Nr. 35 quittirt.— Der Geynältc: Das haben Sie mißverstanden. Absdr. der Mhng. hatte keine Kenntniß von dem Gegenrcchnungsverfahre». Dkschftbestllg. u. Ad. notirt.— Pfeifenkopf: Das kann doch Ihr Ernst nicht sein. Es steht dock, groß imd deutlich im Blatt. Weiteres bfl.— Donners- bcrg: Deiikfchristbcstellnng?c. notttt u. bfl. gcantw. E. d. Tb B. r Sh. 4. 4 ab 1/9 bis 1/12 erh.— Langnase Paris: Es gibt Fälle im Leben, wo ein Spitzbube von einem Seekalb kaum zu unterscheiden ist; doch, mir wollen nicht unhöflich sein.— A. Pts.-Stdz. Kopenhagen: Mk. 5.— f. Schft. erh. Sdg. folgt.—€. B. Müh.: öwfl. 1— f. Schrft. erh. Ad. x. notifizirt.— G. G. N.: Mk. 1.48 Ab. Sept. erh. Wollen aber erst sehen ob sich'S machen läßt.— E. P. Brss.: Fr. 1.30 f. Dkschft. erh.— Johann: Mk. 2000.— a Cto. Ab.-c. erh.— Balthasar: Mk. 100.— a Cto. Ab. x erh. u. Dkschrftbestllg. x. notirt. Kommt Alles.- Fuchs: Mk. 500.— a Cto. Ab. 2C. erh. u. Dkschrftbstllg. 20. notirt. Dank für Notiz K. Recherche Sch. wird besorgt. Weiter Signaltsirtes sehr lieb.— Paris Soz. Lsclb.: Bei Warnungen müssen stets genaue Personalien angegeben werden. Also, wer was und woher ist ff.?— Brutus: Das läßt sich mir bfl. erklären. Dank für Notiz betr. W.— Z. Hl. O-All.: 80 kr. für Dkschft. erh.— D. L. G. Kopenhagen: Dkschftbstllg.:e. notirt. Protokoll„Eisenach" längst geräumt.— Ranthias: Bf. v. 1/9 u. 2/9 er- halten. Ob Dk. jetzt erreichbar, das ist eine andere Frage. Bfl. mehr. — Rother Peter: Dkschftbstllg. x. notirt. Erfragtes abgegg.— R. Gg. London: Aergesscn Sie nicht, daß auch dort alle Kräfte angespannt sind und der Kampf ein imunterbrocheiier ist. Wollens übrigens trotz- dem anregen.— Arabi Pascha: M. 250.— a Ct. Ab. ec. erhalten, f-bd. v. 2/9 hier.— Elsterstraiid: Beil. zum Bf. v. 2/9 besorgt u. Adr. ein- gerenkt. Onitt. werde» Sie geftinden haben.— MuIH und Kraft: Nachr. v. 2/9 erhalten. Gruß! Kronos: Sic wissen aber doch, an wen Sie sich dort mit Neklamation und Neubestellung zu wenden haben. Müssen noch immer in Ihrem Interesse vom Direkten abrathen. Gruß 1— H-h.: Besten Dank für Referenz n. Adr. L. wird erinnert. Gruß!— Rothes Fenster: Ihr Platz ist in ganz Deutschland der einzige, wo dieser Jammer herrscht. Sic rede» von„allen" imd haben doch nur 2 unglücklich zn »lachen. Näheres bfl.— Onkel: Beigelegtes war iür Sic bestimmt. Ihre Freunde in K. hätten Ihnen das Nölhigc erklären können. Adr. geordnet. Erstagtes kommt.— --- Hansen: Fr. 11. 25 Ab. 3. Qu. in Gcgenrechg. erh.— G. Sch. Bfl.: Fr. 53. 50 Ab. 2. Qu. erh.— A. H. St. Gallen: Fr. 65.— a Cto. Ab. u. Schrft. erh.— Sanfter: Ab.-Rest u. 3. Qu. per Gegr. aiisgegliehcii.— Fvy: Mk. 5. 60 Ab. 4. Qu. u. f. Schrft. erh.— L. W. Zch.: Fr. 24.— Ab. erh.— Warnung. Aus Paris wird vor einem gewissen Kreze gewarnt, welcher mit dem vekaniiten Ober wind er während des Internationalen Arbeiterkongresses in Verkehr gesehen wurde. K. soll sich im Besitz eines angeblichen Vertrauensschreibens befinden. Näheres in nächster Nummer. k'rmtell for the proprietore by the German Cooperative Publishing Co. 114 Kentish Town Eoad London N. W.