Abonnements eerten beim Verlag und dessen tekannten Agenten entgegen- genommen, und zwar zum voran»»ahlbarr« Vierteljahrbprei« von: Ml. 4,40 siir Deutichland ldirelt per Brief-Souvert) itosl. 2,75 für Oesterreich(direlt per Serief-Couveet) kchiii. 2,— fitr alle übrigen Länder deit Weltpostverein»(Kreuzband). Iiistrite die dreigespalten« Petitzeile « P-nce--- 25 Psg. 20 Ct». Der Sozialdemckmt Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einmal in London. Z? erlag der Ssrnum CooperatirePublishing Co. E. Bernstein& Co., London N. W. 114 Kentish Town Eoad. DoPfcnbungtn franko gegen srank». E-wShnliche Briefe Nach England kosten Doppelporto. � 37. «riefe an die Redaktion und Srpedition de» in D-ulschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man und die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweiselhastln Fällen eingeschrieben. 14. September 1889. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! Der Niesenstreik der Londoner Dockarbeiter dauert nun schon bis in die vierte Woche, und noch hat er nicht im Geringsten von seiner Großartigkeit einge- büßt. Im Gegentheil. Er gewinnt immer mehr an Be- deutung. Schritt für Schritt hat die Dockgesellschaft den Ar- beitern Zugeständnisse machen müssen: erst die Ab- schaffung der Kontraktarbeit, dann die Zusicherung eines Ab i n i m a l v e r d i e n st s— Lohn wäre hier nicht das richtige Wort— und schließlich das Versprechen, vom ersten Januar ab den„Tanner"(Volksbezeichnung für das Six- pence-Sttick) zu bewilligen. Aber mit unerschütterlicher Festigkeit beharren die Ausgestoßenen auf ihrer einmal ge- stellten Forderung, der„Hausen zusammengelaufenen Gesin- dels", die 60,000„professionellen Hungerleider", legen eine Widerstandskraft ai? deil Tag, die viele der geschultesten Ge- werkschaftler beschämt. In der That, der Streik ist, wie einer der glorreichsten Veteranen des Chartismus schreibt,„die großartigste Arbeiterbewegung Englands seit dem Riesenstrike von Lancashire im Jahre 1842, und sie verspricht der Aus- gangspunkt einer Massenarbeiterbeweguikg zu werden, von ähnlichem Umfang und ähnlicher Ausdehnung wie die Char- tistenbewegung. Die elementare Gewaltigkeit des Londoner Dockarbeiterstreiks drängt sich Jedem auf, genau wie vor fünf Mpnaten die des deutschen Bergarbeiterstreikö, mit dem er auch sonst mannich- fache Vergleichungspunkte bietet. Die gleiche Unmöglichkeit, dieses soziale Raturereigniß zu einem Kunstprodukt„Hetzen- scher Agitatoren" umzulügen(obgleich es ja an bezahlten Idioten nicht fehlt, die das Märchen herunterleiern); die gleichen mit unwiderstehlicher Kraft wirkenden Ursachen— die gleiche Mächtigkeit des Solidaritätsgefühls. Die Gesellschaft der freien Konkurrenz, welche den Arbeiter zuni Konkurrenten des Arbeiters macht und den einen gegen den anderen hetzt, hat Zustände geschaffen, welche die Gnmd- lagen ihrer Existenz untergraben und mit deniselb«. der die Ketten der Lohnsklaverei schmiedet, auch das Band des Gemeinsinns, der Solidarität und Brüderlichkeit ge- schmiedet, welches die zum brudermörderischen Konkurrenz- kämpf gegeneinmider aufgestachelten Arbeiter wieder zusammen- führt, und aus ihren zersplitterten Kräften durch die Ver- einigung eine Kraftsumme erzeugt, welche, sobald die Arbeiter einmal zum Bewußtsein und zur Erkenntniß gelangt sind, sie in den Stand setzt, die Ketten der Lohnsklaverei spielend zu zerbrechen. Dieser widerspruchsvolle Charakter der modernen bürger- lichen Gesellschaft, welcher sie zivingt, die Mittel zu ihrer Vernichtung selber zu erzeugen, bereitet den Triumph des Sozialismus vor, den sie nicht bekämpfen kann, ohne ihn zu stärken! Der Riesenstreik der Dockarbeiter ist so recht eigentlich das Werk des Kapitalismus, der die Untersten und Elendesten des Proletariats mit der„Aristokratie" des Proletariats, die iillsIckUod workmen— die ungualifizirten Arbeiter— mit den skilled Avorkmen, dm qualifizirten, die unorganisirten mit den organisirten zu einer großen Maffe zusammengeschweißt und wie durch Zauberei das Chaos proletarischer Atome in eine organisirte, diszipliuirte, schlagfertige, zielbewußte Armee verwandelt hat. Hunderttausende, die vorher kein Gefühl der Zusammengehörigkeit hatten, marschirm jetzt in„Arbeiter- bataillonen" Schulter an Schulter— die Eifersucht ist ver- gesseii— die Nothwendigkeit treibt sie voran, einem festen, klar sich abzeichnenden Ziel zu, gegen den gemeinsamen Feind: den Kapitalismus. Und nicht blos in dem Londoner Dockarbeiter ist dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit erweckt worden,— auch in anderen englischen Häfen schaaren die Dockarbeiter sich zu- sammen, und da unter den Dockarbeitern die untersten Schich- ten des Proletariats zu finden sind, so ist durch den Lon- doner Riesenstreik der thatsächliche Beweis geliefert, daß die Lichtstrahlen des Sozialismus üi die tiefsten Tiefen des Ozeans der bürgerlichen Gesellschaft vorgedrungen sind:..und wo. Licht ist, da ist auch Leben, lind wo Leben Kampf— Kampf ums Dasein. Was aber ist der Enianzipationskampf des Prole- tariats anders als ein Kampf uni'ö Dasein? „Der Feind, den wir am meisten hassen-- das ist der Unverstand der Massen" heißt es in der deutschen Ar- beiter-Marseillaise. Die Kraft ist im Proletariat, allein die Kraft war bisher gepaart mit O h n in a ch t, weil sie den Massen noch nicht zum Bewußtsein gekommen war. Der„Un- verstand der Massen" hat eS verhindert, daß die Kraft zur Macht wurde. In je breiteren und tieferen Schichten der „Unverstand der Blassen" dem Verständiüß der Klassenlage weicht uild das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit der erkannten Nothwendigkeit des Klassenkampfs zum Durchbruch gelangt, desto näher sind wir dem Augenblick, wo die Kraft des Proletariats zur Macht wird, ja zur Allmacht. Denn außerhalb des Proletariats gibt es keine Kraft, und die Macht, welche die Feinde des Proletariats haben, ist nur Kraft, die dem Proletariat gestohlen ist, oder die es im„Un- verstand der Blasien" seinen Feinden zur Verfügung ge- stellt hat. � Darum hat jener Veteran des Chartismus recht: dieser Streik der Londoner Dockarbeiter bedeutet eine ileue Epoche in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Die Massen, an deren Theilnahmlosigkeit und Unverstand die Bewegung bis- her scheiterte, sind in Fluß gekommen. Hunderttausende von Arbeitern, die bisher der Bewegung fern standeil und un- organisirt der Spielball des Kapitalismus waren, haben sich organisirt, sind in die Reihen des käiupfenden Proletariats getreten und marschirm tapfer und fest in der Sturmkolonile, welche die Bastille des Kapitalismus zerstören will und wird, Ob alle Forderungen der Dockarbeiter sofort durchge- setzt werden oder nicht— wir hoffen das erstere und haben die besten Gründe es zu hoffen— das ist für die politische uild soziale Bedeutung des Londoner Riesenstteikes ganz un- wesentlich: das große Resultat, daß Hunderttausende von Arbeitern, die für die Arbeitersache tobt waren, nun für sie leben und kämpfen— das kann nicht vernichtet, kann nicht geschmälert werden, und das ist ein großer Triumph der Arbeiters« che. Aus Frankreich. (Schluß.) Die Zersetzung aller alten politische» Parteien durch den Boulangis- »ins tritt anläßlich der bevorstehenden Wahlen noch schärfer hervor als in der vorausgegangenen Zeit. Trotz ihres Kartells mit dein rechten Flügel der Radikalen können die Opportunisten ihr Liebäugeln mit den Konservativen, zumal den Royalrsten, nicht lassen. Sie wären noch heute zu jedem Kompromiß niit diesen, bczw. zu dem früher ge- planten Kabinet Ronvier- Mackau, bereit, wenn die Herren Konserva-. live» nur wollten. Aber diese finden, daß die opporwnistischcn Wahl- akkien z» schlecht stehen, und ziehen deshalb ein Kartell mit dem Bon- langismus vor. Für die Herzenswünsche der Opportunisten nach dieser Seite hin ist charakteristisch, daß im Prozeß Boulangcr wohl alle radi- kalcrcn Bundesgenossen des„brav' genöxajl" vor datz Forum gezogen, h-ew. angeklagt wurden, der Staatsanwalt aber die Berbindnng . ulanger's mit dem Grafen von Paris, mit de» Säulen und Zwischen- lrägern des Roy—den Arthur Meyer(Redakteur des„Ganlois") und Konsorten— sowie den BVnapartisten ganz ans dem Spiele ließ, lind dies, obgleich es außer allem Zweifel stand, daß das ganze noble Fan- bürg St. Germain mit Boulanger konspirirte, ihn mit Geld versorgte, in ihm„die Bresche" feierte,„durch welche die Monarchie ihren Ginzug halten köime". Die zarte Schonung der konservativen„Mitschuldigen" Bonlanger's war eine Lockspeise für die Bundesbrüdcr der Zukunft: die hochopportunistischen Organe weisen immer und immer wieder darauf hin. daß der Ilnterschied zwischen ihnen und den Konservativen nicht so groß sei, wie der zwischen diesen und den Boulangisten einerseits, ihnen selbst und den Radikalen, resp. Sozialisten andrerseits, daß also Konservative lind Opportunisten natürliche Bundesgenossen seien. Daß die Konservativen trotz aller Liebesmüh' einen Kompromiß init den Boulangisten und Bonapartistcn vorziehen, ist ein Zeichen mehr dafür, daß der Opportiinismus sich ziemlich abgewirthschaftct hat, und daß bs sich diesmal für ihn um Sein oder Nichtsein handelt. Die „Union der Rechten" hat auf ihre Kandidatenliste ganz offen Bon- langisren gestellt und erklärt. Überall für solche einzutreten: das„kon- servative Wahlkomitv" dagegen will einfach die böitlangistischen Kandi- baten nirgends bekämpfen; eilte dritte Gruppe von Konservativen aller- dings will die Anhängerdes Plebiszits weder direkt noch indirekt unter- stützen. Ob dieselbe noch an ihrem Entschlüsse festhält, nachdem der tom- Platten verboten die Herrschenden diese Versammlungen. Einige Fanatiker störten die heidnischen Opfer des Volkes. Sie trieben ihre fromme Unverschämtheit so weit, die Götzenbilder umzustoßen. Unter den Legionären gab es Offiziere, welche den Befehlen ihrer Vorgesetzten nicht gehorchten, auch die Edikte des Kaisers zerrissen. Die Christen vergötterten die Fanatiker, ivelche der Staat bestrafte. An ihren Gräbern geschahen Wunder, ivian ehrte so die Üliärtyrer und machte Jesus E h r i st u s zum G o t t e. Dann erfand man aus dem Anfange des Evangeliums Johannes das Dogma vom heiligen Geiste. Die Bischöfe beriefen dann Konzile und diese bestätigten die neuen Glaubenslehren. Ans dem Buche des Akattabäus zog man die Lehre voin Fegefeuer. Diese Erfindung erwarb der Kirche so.viele Schätze, wie die Entdeckung Amerika's den Spaniern. Später wandelte sich die republikanische Verfassung der Kirche in eine monarchische um. Die größten Betrüger, die Päpste, trugen schließlich den Sieg davon. Sic benutzten die Schwäche der Kaiser, um die Autorität der Kaiserkrone auf die Tiara zu übertragen. Die christliche Finsterniß der Unwissenheit wurde mit jedem Jahr- hundert dichter. Der schreckliche christliche Betrug breitete sich auf der ganzen Welt aus und setzt sich noch fort. Von Hildebrand- Gregor VII. datirt der Despotismus der Kirche. So wie die Tri- bunen im alten Vom erhielten alle Geistlichen das Privilegium der Unverletzlichkeit. Dadurch wurden sie der Machtsphäre ihrer recht- mäßigen Fürsten entzogen, Der Bischof in Rom gründete dadurch eine ! große schwarze Armee, in allen Reichen der Erde stets bereit, für ihn ! zu kämpfen. Ein bis zur Verwegenheit inuthiger Mönch in Sachsen(Luther), mit starker Einbildungskraft begabt, wurde zur Zeit der Gährung das Haupt der Partei, ivelche sich gegen Rom erklärte. Dieser Bellerophon zertrat die Chimära und der faule Zauber ward zerstört. ! Die groben Gemeinheiten des Styls lassen Luther als einen barbarischen Schriftsteller eines ungebildeten Volkes erscheinen. Wenn er auch nichts anders gethan hätte, als Fürsten nnd Völker von der knechtischen Sklaverei zu befreien, in welcher sie von Rom stets er- halten, so müßte man ihn« Altäre errichten als dem Befteier der Völker. Infolge der Reformation wurden die unwissenden Theologen ge- zwungen, sich zu unterrichten. Der theologische Haß mischte sich in die Politik der Souveräne und verursachte die vielen Kriege, welche Deutsch- land verwüsteten und es so wie Frankreich und die Niederlande mit Blut überschwemmte». Wer ficht nicht aus der Geschichte der Kirche, daß sie Menschenwerk ist? Welche erbärmliche Rolle lassen sie ihren Gott spiele»? Er schickt seinen einzigen Sohn in die Welt und dies» Sohn ist Gott selbst? Er opfert sich selbst, um sich mit seinem Geschöpf zu ver- söhnen? Er wandelt sich in einen Menschen um, um das verdorbene Menschliche Geschlecht zu versöhne»? Was sind nun aber die Folgen dieses großen Opfers? Die Welt bleibt trotz der Jahrtausende langen Anstrengungen ebenso schlecht, wie sie es gewesen ist. Dieser Gott, welcher spricht: Es werde Licht! sollte er sich vielleicht unrichtiger Mittel bedient haben? Man sollte meiocn, ein einfacher Akt seines Willens hätte genügt, um alle moralischen und physischen Nebel ans der Welt zu verbannen. Was sind das für bornirtc Geister, ihrem Gottc ein so abgeschmacktes Verfahren beizulegen, indem sie ihn auf dem Wege des größten Wunders ein so unvollkommenes Werk nuternehnien laffen, welches, wie man sieht, total mißlungen ist.—" Der Stifter der christlichen Religion„Jude von höchst zweifelhaftem Ursprung"— die Religion selbst ein„s ch r e ck l i ch e r B e t r u g"— ihr Gott spielt eine„erbärmliche Rolle", nnd was der g c h ä s- sigen Ausfälle noch mehr sind. So etwas kann natürlich nur ein gottloser Umstürzler geschrieben haben, der keine Autorität anerkennt und Thron und Altar ewigen Krieg geschworen. Solch ein Scheusal muß unschädlich gemacht iverden! Gemach, junger Mensch, der Mann, der das schrieb, ist schon über hundert Jahre todt, an dem ist nichts mehr zu vcrknurren. Willst Tu aber wenigstens seinen Namen erfahren, um ihn dem Abscheu der leben- den Generation zu Überliefern, so wisse, der Verfasser ist kein anderer als— der wirkliche„alte Fritz!" Ein gefährlicher Konkurrent ist den Bewerbern um den Mrenpreis sur die a l b e r n st e V e r s a m ni l n n g s- A u f l ö s u n g in der Person des Gcmcindevorstands Grotzmann aus Plauen bei Dresden erstanden. Dieser Großmann, der seinem Namen Ehre Macht, denn er ist ein großer Mann, hat eine Versammlung in Rcisctvitz bei Dresden, in der Bebel über die sächsischen Landtags- Wahlen referirte, aufgelöst, als der auf Bebel folgende Redner, Dreyer, der Brauerei seinen Dank aussprach dafür, daß sie ihren Saal zu der Versammlung hergegeben. Dieser Dank, sagte Herr Großmann, ist st a a t s g e f ä h r l i ch, und die Versammlung war aufgelöst. Tic Idee, einen Dank für staatsgefährlich zu erklären, ist so genial, daß wir fürchten, Herr Großmann erhält im Wettbewerb die Palme. Also auf, wer ihn überbieten zu können glaubt! — lieber eine wahrhaft haarsträubende Entscheidung der Rcichoverstcherungsamtes lesen wir in der Berliner„Volksztg.": „Zu wcnmnöglich noch größeren Bedenken gibt eine grundsätzlich über- aus wichtige Entscheidung des Rcichsversicherungs- a m t e s Anlaß, welche, obwohl bereits am 1. Juni gefällt, erst vor wenigen Tagen bekannt wurde. Es handelt sich bei derselben darum, ob bei Feststellung(des einer Wittwenrente zu Grunde zu legenden Jahresarbeitsverdienstes der Betrag einer Unfallrente mit in Anrechnung Zu bringen ist, welche der verstorbene Ehemann in Folge eines srühcren Zufalls bezog. Das Reichsversicheningsamt hat diese Frage dahin be- antwortet, daß es weder demWortlaut noch dem Sinne des Unfall- versicherungsgcsetzes entspricht, eine U n f a l l r e n t e als einen T h e i l des Arbeitsverdienstes zu betrachten. Man mache sich cinnial die Konsequenz dieser Entscheidung klar! Die Wittwe eines Verun- glückten, der vielleicht 1000 Mk. an Lohn verdient haben mag. erhält auf Grund des llnfallgcsctzcs 200 Mk.(20 Prozent des Arbcitsver- dicnstes) an Rente. Ueberlebt der Mann dagegen den Unfall, wird er sogar nicht ganz erwerbsunfähig, ivird sein Verlust an Erwerbsfähig- keit vielleicht auf 80 Prozent abgeschätzt, sucht er seinen Rest an Arbeits- kraft weiter zu vcrwerthen und— verunglückt er dann zum zweiten Male, um dabei seinen Tod zu finden, so steht die Wittwe gemäß jener Entscheidung des Reichsversicherungsamtes wie verrathcn und verkauft da. Während ihr Mann nach dem ersten Unfall eine Rente von 80 Prozent der Maximalrente, also in der Höhe von SW'/» Mk. be- Zog und vielleicht noch 800 Mk. hinzuverdiente, soll die Wittwe jetzt nicht 20 Prozent von 833'/- Mk. erhalten, sondern nur 20 Prozent von 300 Mk.. also jährlich 00 Mk.! Dem„Wortlaut" des Gesetzes mag das entsprechen, aber nicht— und darin irrt sich das Reichsversichernngs- amt ganz sicherlich— dem„Sinne" des llnfallgesctzes. Die Wittwe oincs einmal Verunglückten 200 Mk.— der Wittwe eines zwei- m a l Verunglückten 60 Mk.! Das kann wohl schwerlich der„Sinn" des Unfallgesetzes sein."— Das Reichsversichcrungsamt galt bisher als diejenige Körperschaft. welche gegenüber dem vom A u s b e u t c r t h u m beherrschten Unfalls- ämtern der sogenannten Bcrufsgenossenschaften den Arbeitern zu ihrem Rccht verhalf, soweit das Unfallvcrsicherungsgescy das wenigstens gestattet. Es hat sich dafür auch den Haß der„Berufsgcnosscnfchaften" zugezogen und die Organe derselben ließen es an giftigen Angriffen auf„die Herren vom grünen Tisch", die sich von Motiven der Humanität— das ärgste Schimpfwort in den Augen eines Kapitalisten— statt von praktischen Erwägungen(soll heißen: Rücksichten auf das G e l d s a ck S- interesse) leiten laffen x. x. Sollten diese Angriffe Erfolg gehabt haben? Wir haben in neuerer Zeit mehrfach Entscheidungen des Reichsversicherungsamtes gelesen, die su solchen Schlüssen berechtigen. Und was den obigen Entscheid anlangt, ist er eine so offenbare Ungerechtigkeit in, Kapitalisten-Jnter- esse, daß es wirklich schwer wird, an einen bloßen sornial-juristischen Jrrthui» zu glauben. Oder hatten die Herren von höchster Stelle eine, ' kleine Ermahnung erhalten, auf den Gcldsack mehr Rücksicht zu nehmen? Möglich, ja sehr wahrscheinlich, denn Niemand ist ein größerer Gegner wirklicher Schntzgesetzc ftir Arbeiter als der Mann, der sich als den T größten Sozialresormer des Jahrhunderts ausgeben läßt. — Die Unterdrückung der Wahlvcreinc i» Sachsen, deren wir bereits erwähnten, ist eine Maßregel, über die wir kein Wort ver- lieren wollen. Sie entspricht genau dem herrschenden System und hat also an sich durchaus nichts Auffälliges. Ein gewisses Interesse für uns hat blas die sogenannte Begründung. Sie ist für den Leipziger und den Dresdener Verein so ziemlich gleich— dieselbe Kouleur in grün— in der Hauptsache gleich, nur die unwesentlichen Details ver- schieden. Man war so gnädig, der„VcrfügnngSfteiheit der Arbeiter" keine Beschränkungen aufzulegen, solange„die Nothwcndigkcit noch nicht feststand"— und so wurde die Gründung des Vereins erlaubt. Aber es wurden Reden gehalten, welche den Beweis lieferten, daß der Verein„Umsturz" Plant. Ein Umstürzler sagte,„die Gewerbe- freihcit sei gegeben worden nicht nn Interesse der Arbeiter, sondern des Kapitals—„Umsturz!" Ein Anderer:„Die Kartcllpartei stimmte gegen Steuern, die ihr an den Beutel gehen, nnd suche die Steuerlast auf die Arbeiter abzuwälzen"— Umsturz! Wieder ein Anderer:„Bei den lebten Wahlen habe der Mammon sich zusammengefunden, um die Arbeiterklasse zu unterdrücken"— Umsturz. Und so weiter. Umsturz, nichts als Unisturz. Und sintemalen es nun in Ro- t o r i c t ä t(I) beruht, daß die sozialdemokratische Partei im 12. und 13. sächsischen Rcichstagswahlkreise lLeipzig Land und Umgegend) Ziele verfolgt, deren Verwirklichung einen gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung voraussetzen würde", so war denn die arme Kreishauptmannschaft Leipzig m die„Nothwendig- keit" versetzt, die bedrohte Staats- und Gesellschaftsordnung zu retten und den Wahlvercin aufzulösen. Und sintemalen„es in Notorietät beruht,„daß die LeipzigerÄrcishauptmannschaft, sowie ihre Kollegin in Dresden, überhaupt die gesammte deutsche Polizei das Pulver nicht erfunden haben, so möchten wir den Leutchen rathen, sich künftig wenig- stens irgend einen Tertianer oder Sekundaner zu suchen, der das ABC der sozialen Frage studirt hat nnd im Stand ist, ihnen in ähnlichen Fällen Begründungen zu schreiben, die sich nicht durch polizeiwidrige Unwissenheit auszeichnen und das Gelächter jedes Durchschnittsquartancrs erregen müssen. „Mit was für E— muß man sich herumschlagen— variiren wir das bekannte Wort des alten Fritz. — Eine abwcichrndc Ansicht. Gegenüber denjenigen, welche das Scheitern der Vereinig ungsbe st rcbnn gen ans dem Pariser Internationalen Kongreß so lebhaft beklagten, wollen wir heute einmal einer sozialistischen Stimme Gehör geben, welche der gegenthciligen Meinung ist. Das„St. Louis Tageblatt", das sich oft durch seine vorurtheilsfteie Benrtheilung der Dinge auszeichnet, schreibt in einer nachträglichen Beleuchtung des Internationalen Kon- gresses: „Einigkeit unter Arbeiterorganisationen ist— gewisser Differenzen ungeachtet— nur unter der Bedingung denkbar, daß sie vom G r u n d- Prinzip der modernen Arbeiterbewegung getragen sind: das ist die Lehre vom unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapital nnd Arbeit in der heutigen Gesellschaftsform, welche durch die p o l i t l s ch e Gewalt aufrechterhalten wird. „Diese Lehre bedingt die Schaffung einer selbstständigcn, unabhängigen politischen Arbeiterpartei zum Zweck der Eroberung der politische» Macht i den Verzicht der Arbeiterklasse auf jedwede Verbindung m i t d e n b ü r g e r l i ch e n P a r t c i e n. die doch im Sclbstcrhaltuugsintcrcsse gezwungen sind, die heutigen Vorrechte des Kapitals weiterbestehen zu lassen. „In den Vereinigten Staaten haben die vorgeschrittenen Arbeiter zu oft wiederholten Malen die Erfahrung gemacht, daß das Verständniß und Bckenntniß jenes Grundsatzes ein untrügliches Merkmal der Reife und auch der Ehrlichkeit der Arbeiter-Agitatoren ist. Alle Versuche einer„Vereinigung" mit Elementen, welche auf dem politischen Boden der alten Parteien standen, sind über kurz oder lang zum Schaden der gesammten Slrbeiterbcwcgung ausgefallen. „Wir bedauern es daher nicht, daß eine Verschmelzung der beiden Pariser.Kongresse nicht zu Stande gekommen, sondern wir halten es im Gegenthcil für ein Glück, daß die„Possibilisten" geblieben sind, Ivo sie gewesen. Durch eine Vereinigung wäre der leitende Grundgedanke der fortschrittlichen Arbeiterbewegung zu Schaden gekommen z von seiner Reinheit und Unvcrfälschtheit hängt aber der dauernde Erfolg ab. Be- sonders für F r a n k r c i ch ist das hochwichsig. Dort sind die Sozia- listen, welche nicht an der Politik der Bourgeoisie thcilnehmen, der wahre interuationaleFriedenshortidas bewiesen sie durch die demonstrative Auszeichnung, welche sie den 83 deutschen Delegirten zu Theil werden ließen. Und hierbei gelangen wir auf die Bedeutung aller späteren soziali- stischen Weltkongresse: sie werden, wie der Pariser, ein drohender Protest gegen die Kricgsgelüste der herrschenden Klasse sein; eine deutliche Willenserklärung der Arbeiter, daß sie sich nicht bemüssigt erachten, für das Phantom der Nationalgröße oder zur Hilfe für diplomatisches In- trigucnspiel ins Feuer zu gehen. Ein„internationaler Arbciterkongrcß" schließt nicht nur die Verneinung„ungerechter" Kriege ein, sondern ein Pcto gegen jedweden.Krieg. Aus diesem einen Grunde schon ist eine alljährliche Wiederkehr solcher Lersammluugeu heilsam und geboten." So weit das„St. Louis Tageblatt." Der Schlußsatz wird wohl nirgends— natürlich soweit Sozialisten in Betracht kommen— Widerspruch finden. Und was die auf die Vereinigungsfrage bezüglichen Ausführungen anbetrifft, so kann man nach unserer Ansicht lediglich insofern ihreRichtigkeit bestreiten, als es sich in Paris nur um eine Demonstration zu Gunsten allgemeiner Arbeiterforderungen sowie gegen die V ö l k c r v c r h e tz u n g handelte, und bei solchen Anlässen die Hervorkehrung weitergehender politischer Differenzen unnöthig ist. Sobald es sich aber um eine i n- t i m e Vereinigung handelt, hat das„St. Louis Tageblatt" sicherlich Recht. Da ist die Gemeinsamkeit des prinzipiellen Standpunktes unerläßliche Vorbedingung. — Gcsinnungstüchtigkcit. Wir lesen in einem französischen Blatt: „Dem Geist des Antiplebiszit-Gesetzes entsprechend und auf Grund der Anweisungen des Ministcrinnis des Innern hat die Präfcktur der Seine es abgelehnt, die Anmeldung der Kontumazirtcn Boulanger und Rochefort anzunehmen. „Man behauptet heute, daß die Regierung ihren Standpuntt geändert hat. Sie sei geneigt anzunehmen, daß die Erklärungen der Nichtwähl- baren von dem Augenblick an die Wirkungen der Gesetze unterbrechen können, wo sie auf außergerichtlichen Wege und durch die Thürsteher erfolgen. Mit andern Worten, die Erklärungen der Herren Boulanger, Roche- fort nnd Dillon würden nicht angenommen werden, aber die Kandidaten könnten ungehindert ihre Plakate ankleben, Ssimmzettel vertheilen laffen 2C. Wenn diese Nachricht sich bestätigte, so würde uns die Rcchtswissen- schast der Regierung die Grenzen des erlaubten Spaßes zu übersteigen scheinen. Wir wollen indeß hoffen, daß es sich da nur um eme Ente handelt". Das hat sicher in einem Organ der fanatischen Anhänger Ferry's gc- standen, denkt der Leser. Nur ein konservativer Stock-Bourgcoi« kann es für einen„schlechten Spaß" halten, daß die Regierung einer Republik dem allgemeinen Wahlrecht seinen freien Lauf und die Entscheidung darüber, ob ein Abgeordneter wählbar oder nicht, der zu wählenden Volksvertretung überläßt. Fehlgeschossen, das Blatt, dem die bestehende Regicnmg in Aus- nah in emaßregel«noch nicht weit genug geht, ist der „Parti Quvrier", das Organ der französischen Possibilisten"! — Was ein verlorener Streik lehrt. In Nord-Jllinois fand vor einiger Zeit mis Anlaß einer Lohnreduktion ein Kohlen- gräber-Streik statt, der mit der Niederlage der Arbeiter endete. Es wurde, nachdem die Arbeiter wochenlang gestreikt, ein S ch i e d s- gericht erwählt, das zwischen ihnen und den Grubenbesitzern ent- scheiden sollte. Dieses Schiedsgericht nun kam zu dem Resultate, daß die von den Grubenbesitzern für nothwcudig gehaltene Lohnreduktion berechtigt sei, und zwar deshalb, weil sonst der Betrieb der Minen sich nicht verlohnen würde. Unser in St. Louis erscheinendes Parteiorgan, das St. Louis„Tage- blatt" nimmt aus verschiedenen Gründen an, daß die Angabc der Grubenbesitzer richtig gewesen sei, daß sie mit einem höheren Lohn als dem Jammerlohn von 72'/, Cents den Betrieb der Minen nicht fort- setzen könnten, und daß die gcgentheilige Behauptung der Arbeiter, die in geschäftlichen Dingen nicht so geschult seien, in diesem Falle weniger glaubwürdig sei, wie die der Unternehmer. Alsdann fährt unser Bruderorgan fort: „Was mm? Haben wir damit die Sache der Arbeiter preisgegeben? Demagogen mögen solchen Schluß für angebracht finde». Wir Sozialisten wissen aber der Frage eine andere Seite abzugewinnen. Wir geben zu, daß gewisse Jndusttiezweige an gewissen Orten im- profitabel sind oder zeitweilig werden, wie jetzt die Kohlcnindustric von Nord-Jllinois. Wir geben zu, daß die Unternehmer bei 80 Cents Arbeitslohn nicht bestehen können. Und eben deshalb sind wir Sozialisten. Eben deshalb befürworten wir die gesellschaftliche Organi- sation der Produktion: die V e r w e n d n n g und Verthsilung der Arbeitskräfte in solcher Weise, daß die Menschen bei der Arbeit nicht Roth zu leiden brauchen. Die Minen von Streator und Umgegend erweisen sich als unprositabel, weil ihr Betrieb z n r Z e i t ü b c r f l ü s s i g ist; der Markt, ftir den sie produziren, wird von anderer, näherer Stelle versorgt. Die Plan- l o s i g k c i t der bürgerlichen, der Privatindustrie; die Unmöglichkeit für den Einzelnen, zu berechnen, was vorhanden ist und was gebraucht wird,— das ist die Ursache n n l o h n e n d e r, weil zweckloser Produktion. Von einem Wechselreiter kommt das Wort:„Schade um jedes Stück Papier, auf das kein Wechsel geschrieben wird." Das ist der leitende Gedanke der gesammten Privatindustrie: Jede neiientdcckte Ader, die nicht sofort ausgebeutet wird, hat ihren Beruf verfehlt. Es wird produzirt, um den Einzelnen zu bereichern, nicht nm die Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft zu decken. Dieses System der willkürlichen Giitcrerzeugnng nach dem Willen und zum Vortheile Einzelner und zum daucriiden Nachtheil der arbeitenden Klasse will der Sozialismus durch die von Staatswegen geordnete und geleitete Produktion ersetzen. Letztere hätte nicht die Spekulation zum Zweck, sondern nur den wirklichen Bedarf zur Grundlage. Der Staat würde nicht Grubenwerke, wie die Nord-Jllinoiser, in Betrieb halten, wenn der Markt ohne sie hinreichend versorgt ist, sondern die dort überschüssig gewordenen Arbeiter anderweit verwenden, zunächst durch Transferirung und Verthcilnng derselben nach anderen Gruben. Wenn also die Angabe der Nord-Jllinoiser Minen-Bcsitzcr, daß sie nicht im Stande seien,>0 Cents per Tonne Arbeitslohn zu zahlen, den thatsächlichen Verhältnissen entspricht, so beweist das nur, daß die Privatproduktion ein Geinciiischaden geworden ist und dem sozialistischen System der gemeinschaftlichen Gütererzengung für den Gebrauch, anstatt für die Spekulation, Platz inachen muß. Was hier von der Gewinnung der Kohle an einem bestimmten Orte gesagt ist, das gilt unter Umständen auch von ganzen Industrie- zweigen. Wird durch technische Fortschritte ein Industriezweig dahin gebracht, daß er nur noch auf Kosten von Fleisch und Blut der in ihm beschäs- tigten Arbeiter erhalten werden kann, so ist derselbe überflüssig gcwor- den! Freilich wird dieser Grundsatz erst zuni Durchbrnch gelangen, wenn sozialistische Anschauungen für die Gesellschaft maßgebend geworden sein werden." — Der vorstehend erwähnte Streik gab der Chikagoer„Arbeiter- Ztg." jüngst Anlaß zu folgender Betrachtung: „Wenn irgend Jemand Ursache zu einer Umgestaltung unserer gesell- schastlichcn Verhältnisse hat, so sind es gewiß unsere Kohlcngräbcr. Seit Jahren sind sie schon auf den Hnngerctat herabgesetzt, aber unersättlicher sind die Kohlenbarone nur geworden. Ihre Herzen sind hart wie Stein, und ohne mit der Wimper zu zucken, erklären sie den verzweifelnden Gräbern des schwarzen Diamants: Nehmt unsere Bedingungen an oder verhungert!... Wenn sich die Kohlengräber in diese Bedingungen fügen müssen, dann ist das gleichbedeutend mit langsamem, zollwciscm Hungertod. Sicher- lich! Unsere Kohlengräber haben mehr als irgend ein anderer Arbeits- zweig ein Interesse an der UmgestalttiNg unserer Verhältnisse. Aber sehen wir, daß bei den Kohlengrttbcrn der Gedanke der gesellschaftlichen llingcftaltnng schon irgendwie in nennensiverthem Maße verbreitet wäre? Mir ist davon nichts bekannt. Jni letzten Herbst stimmten die Berg- arbeiter noch ftir„Harrison und Schutzzoll": heute erblicken sie ihren Schutzengel in Frank Law» und ihre Rettung in der dcmokratschcn Partei. Sollte man's für möglich halten? Aber es i st möglich! Es ist nur natürlich! Die Leute wissen noch nichts vom Sozialismus; seine wcltcrlösende Lehre haben sie noch nicht begriffen. Die Un- w i s s c n h e i t ist es wieder, auf die wir auch hier als Hindcrniß auf dem Wege zur wahren Besserung stoßen. Und a» den Sozialisten ist es, die nöthige Erkenntniß zu verbreiten, wenn sie die Kohlcngräbcr zu Mittämpfern heranziehen wollen. So mögen wir uns drehen»nd wenden, wie und wohin wir wollen: dem Fortschritt und der Erlösung der Menschheit steht noch als größtes Hinderniß die Unwissenheit des zu erlösenden Volks im Wege. Dieses Hinderniß aus dem Weg zu räumen, ist heute die Aufgabe eines jeden zielbewußten Sozialdemokraten. Wer da glaubt, daß da genug aufgeklärt sei, der ist einfach ein Mensch, der sich noch niemals mit den nackten Thatsachcn beschäftigt hat, oder er ist ein be- dauerlicher Utopist— noch etwas Schlimmeres. — Ein Justizmord in des Wortes s ch l i m m st e r B c d e u t n n g wurde vom Leipziger Landgericht im Herbste 1386 verübt, als es wegen einer einfachen Straßcnschlägerci, die am 26. September des genannten Jahres durch Polizisten in Zivil provozirt worden war, vier Sozialdemokraten zu 2, 2'/,»nd 4 Jahren Z u ch t h a n S vcr- nrtheilte. Ein Ausgewiesener— die Leser erinnern sich des Falls— wurde von Genossen begleitet, einer derselben wollte ein rothcs Sftick- chen Zeug an einem Stock befestigen, ein paar Kerle stürzen sich auf ihn, es entspann sich eine übrigens sehr harmlose Prügelei, in welcher die besagten Kerle einige Püffe abbekamen. BcsagMKcrle entpuppten sich später als Polizisten, was ihnen jedoch StieimW hatte ansehen können. Und dieser einfache Vorgang, der dem einen oder anderen be- sonders hervorragend Bcthciligten unter normalen Verhält- nissen höchstens— 10 Mark Geldstrafe eingebracht hätte, wurde zu Aufruhr und Friede nsbruch aufgcpufft— der berüchtigte H ä n t s ch c l verdiente sich damals seine Sporen— nnd vier Menschen zusammen zu 11 Jahren Zuchthans vernrthcilt! Und das ist nicht das Schlimmste! Es unterliegt nicht dem mindesten Zweifel, daß drei der vier Verurtheilten gar nicht bei der Schlägerei zugegen waren. also doppelt unschuldig vernrthcilt wurden! Und wenn wir von I u st i z m o r d sprachen, so meinten wir das wörtlich, denn der Eine der Verurtheilten ist im Zuchthaus und am Zuchthaus gestorben! Ein Gegenstück dazu hat sich jüngst in L a n d s h n t(in Schlesien) ereignet. Als der dort lebende Berginvalidc S o b c k die Nachricht von der Veriirtheilung seines Sohnes zu d r c i I a h r c n Z n ch t h a n s wegen Theilnahme an den„Ansschrcituiigcn" der Bergleute zu Beginn des Waldenburger Ausstandes erhalten hatte.gingerhin und erhängte sich. Auch hier ist die prostituirte Justiz die Mörderin, der Richter. der das schändliche K l a s s e n u r t h c i l über den S o h n gefällt, der Mörder des Vaters. Möge ihn dieses Bewußtsein nie verlassen! — Aus dem Lande der„Sozialreform". Im sächsische» M u l d e t h a l wird in einer großen Spinnerei, wie man der Ehern- nitzcr„Presse" aus P e n i g schreibt, von Morgens halb 6 N y r bis Mittags 12 Uhr ohne jegliche Frühstiickspausc(die Ar- beiter und Arbeiterinnen müssen während der Arbeit das Frühstück zu sich nehmen) gearbeitet. Die Mittagspause währt nicht von 12 bis I Uhr, sonder» nur bis halb 1 Uhr,— also eine halbe Stunde?— wo die Arbeit wieder ausgenommen werden muß, und nun geht es ohne j e d w e d e P a n s e b i s A b c n d s 8 U h r, d. h. also 14 Stunden täglich. Für diese angespannte Arbeit wird ein Wochen- verdienst von 7 bis bl Mark erreicht, also für bil Stunden in sechs Arbeitstagen oder pro Stunde 8�/-— tt'/» Pfg. Kein Sklavcnbcsiver wird seine Sklaven so schonungslos ab- rackern, so brutal zu Tode Hetzen— denn solche Schinderei hält kein Organiöiiiiis auf die Dauer aus— als es hier im Lande der„christlichen Fürsorge für die Armen und Enterbten" geschiehr Und im E i n v e r sr ä n d n i ß mit den Negierern dieses Musterlandes geschieht. Denn wehe dein, der e» wagte, die Arbeiter jenes modernen Baguo anfzufordern, sich zur Erringung besserer Arbeitsbedingungeil zu toaliren! Er macht sich eines strafbaren Mißbrauchs des Koalitionsrechtes schuldig— das nach ihnen jede Ein- Mischung dritter in das Verhältnis! zwischen Kapitalist und Arbeiter verbietet, loeil es— gar nichts darüber sagt! Die'Arbeiter müssen sich selbst ans dem Sumpf ziehen, und wenn sie das Müilchhausen'sche Kunststück nicht fertig bringen, sich ohne Murren zu Tode abrackern lasten. Ein Gesetz verlangen, das dieser Raubwirthschaft an Menschenleben eine Grenze zieht, heißt die„Freiheit der Arbeit" antasten— die ein- zigc Freiheit, die im Lande der christlichen Sozialreforni keine Ein- schränkung verträgt, sintemalen sie die notwendige Vorbedingung ist der Freiheit des A u s b c u t e n s. — Also doch! Wie das Hcrfordcr Kreisblatt misten will, hatte Wilhelm ll. bei seinein Besuch' in Vi ü n st e r in einem Gespräch mit dem Hcrfordcr Landrath v. B o r r i e ß die Rede auf die A r b e i t e r- schutz-Gesetzgebung gebracht und„die vorhandenen Bestimmungen als nicht ausreichend bezeichnet, um den Arbeiter gegen die Ausbeutung durch das Kapital zu schützen. Hierin Sorge zu tragen, sei das Nothwendigstc, was geschehen müsse." Danach scheinen die deutlichen Antworten der Arbeiter von B r c s l a n und Schwert n auf die kaiserlichen Ansprachen ihre Wirkungen nicht »erfehlt zu haben. Also nur so fortgefahren, deutsche Arbeiter. Ein gutes Wort findet feinen guten Ort. — Sie haben die Deutsche» klein gemacht— sagten wir in voriger Nummer von den angeblichen Schöpfern der„Größe Deutsch- lands". In der That, nicht nur nimmt die Kriecherei nach oben in Deutschland immer mehr iibcrhaud, nicht nur spielt das po- l i t i s ch c D e n u n z i a u t e n t h u m in Deutschland eine immer grö- ßere Rolle, auch sonst stoßen tvir in Deutschland auf Erscheinungen, die nur bei völliger V e r s u m p f t h e it des öffentlichen Lebens mög- lich sind. Da ist z. B. die famose Gießkännchcn- Geschichte in H e ch i n g e n. Man sollte es kaum für möglich halten, daß die Un- Vorsichtigkeit oder Ungezogenheil eines 10jährigen Knaben, der einer „Frau Landrichter" aus einem Gicßkännchen etwas Wasser auf das »leid spritzte, zu einer Haupt- und Staatsaktion mit Konfiskation von Zeitungen, Haussuchungen k. ausgeschlachtet werden konnte. Und doch ist es geschehen, und doch wird der Prozeß mit einem Eifer geführt, als stehe die Sicherheit der geheiligten Staats- und Gesellschastsordnnng auf dem Spiele. So überwältigend die Komik der Einzelheiten dieser Geschichte ist, so ist diese als Ganzes doch ein zu charakteristisches Symptom der Verkommenheit des deutschen Büraerthums, daß sie anders als niederdrückend wirken könnte— selbst auf den, der nicht ini Bürgcrthum, sondern im Proletariat die Zukunft der Gesellschaft er- blickt. Aber wenn die Pest grassirt, fragt man nicht, in welchen Häusern sie einkehrt. Die Atmosphäre ist vergiftet, und Jeder fühlt sich uube- haglich. In dieselbe Rubrik gehört der nachfolgende Ukas des Stadtschult- heißenanits Eßlingen: ,B e k a n n t m a ch n n g. Der hiesigen Einwoluierschast wird zur künstigen Nachachtung hierdurch mitgctheilt, daß öffentliche Be- s p r e ch u n g e ii V o ii M ä ii g« l n jeder Art iu der Handhabung der städtischen Verwaltung in den Lokalblätter» Zc. sei es durch diizclnc Personell, sei es durch Vereinigungen, keine Berücksichtigung finden werden. Derartige Erörterungen könnten geeignet sein, Unzufriedenheit in der Einwohnerschaft und Miß- trauen gegen die Behörden hervorzurufen. Anträge auf Abstellung von Mißbrauchen oder Beschtverden sind, wen» sie Berücksichtigung finden sollten, uöthigenfalls nur bei dem hierzu zuständige» Stadtschnltheißen- amt oder cvent. bei der vorgesetzten Behörde anzubringen. Eßlingen, 2. Srstkeuiber Stadtschultheißcnoint. Schalle r." Dieser famos« Utas hat, wie die„Volkszeit, mg" berichtet, bereits zu einer Erklärung des„Bürgerbmides der Stadt und Filialen" Anlaß gegeben. Dieselbe lautet: Die gestrig«„Bekanntmachung" des Herrn Stadtschnltheißen Schaller sehen wir als Folge unserer Slnfklnrung über„Wohnstener" an. Die Wohnsteuerbesprcchung war eine Antwort auf mehrfache an uns gerichtete Anfragen und war demgemäß für die Arbeiter und Arbeitgeber, nickst aber für das Stadtschutlheißenanck bc- stimmt, was auch aus Forin und Inhalt unserer Besprechung deutlich hervorgeht. Wir werden uns auch in Zukunft die Freiheit.nehmen und Anfragen, die an uns gestellt werden, durch die Presse oder wie es uns sonst gut scheint, beantworten und dabei den Grundsatz„Gleiches Recht für Alle" hochhalten. Eßlingen, ll. September lÖÖ'.t. Im Namen des „Bürgcrbund der Stadt und Filialen" der Vorstand: Dr. G. Heiner. — Wir sind gespannte was das hohe Schiiltheißenamt auf die„enipö- rende Widersetzlichkeit" antworten wird! — Schweiz. Der Verfasser des An a r ch i st e» man i f e st s ist in der Person des Graveur N i c o l e t in Ehanrdefonds er- mittelt worden. Der Berner„Bund", der diese Mittheilung bringt, setzt hinzu. Nicolet sei„selbstverständlich verhaftet worden." Dazu bemerkt der„Schweizerische Sozialdemokrat" sehr treffend: „Wir möchten fast wünschen, die Herren Python und Pedrazzini�) und Genoffen kämen einmal an's«idgenössischc Ruber. Tann würde Herr Dr. Eggenschwyler, bei dem man gewiß sehr heftige antipäpstliche und antt-nllramontane Schriften fände, wohl auch„selbstveistünblich ver- haftet."— Diese selbswerständlichcn Verhaftungen, die aus sich selher begriffen sein müssen, weil sie kein Gesetz rechtfertigt, sind allerdings die Haupt- waffe mijcrcr politischen Polizei, neben den fclbswerftändlichcu Ver- hören und Haussuchungeii. Alles selbstverständlich: den» die Anarchisten müssen doch bekämpft werden, ausgerottet werden, und was ist dg einfacher als die Ver- Haftung u. s. tu. Strafen können wir sie zwar gerichtlich nicht: denn wir haben, leide»»- noch kein Anarchistcngesetz. Aber gerichtlich- polizeilich fiWmebelu. bis ihnen die Äugen überlaufen, das können wir dennoch. Warum sollten wir nicht V Der„Bund" und die große Mehrheit des Schweizervolkes haben ja nichts dagegen, und Macht i st llt e ch t. Ist nur der Mantel halbwegs tragbar, mit dem wir die Sache decken, so guckt uns kein ehrbarer und ordnungsliebender Bürger darunter. Er läßt uns passiren. Aber freilich: wenn einmal der Mantel fällt, dann muß auch der Herzog nach.'Möge das bald geschehen!" Und weiter schreibt das Organ unserer Bcrner Genossen: „In Bex wurde das Flugblatt des Resereudmnskoinites gegen den Gcncralanwalt polizeilich konfiszirt. Tic politische Polizei in Bern lehnt die Verantwortung für diese Polizcilhat ab: dagegen wird sie kaum leugnen können, sei nun der formelle Vorwand dieser Konfiskation, welcher er wolle(wir kennen ihn heute noch nicht), daß ohne die p o l i t i f ch e P o l i z e i a t m o f p h ä r c, welche unsere Bimdeshehörde im Lande zu verbreiten sich bemüht, die kantonale Polizei wohl kaum in dieser Weise vorgegangen wäre. Wir vcrimithen, es handle sich uin französisthe Flugblätter, welche ans Versehen der Druckerei keine Tryck- firma tragen. Nach bernischem Gesetz ist freilich die Beschlagnahme einer Druckschrift wegen diesem Mangel ausdrücklich untersagt; im freien Kanton Waadt, der ja nicht mehr unter bernifcher Herrschaft ist, mag es anders sein. Bei politischen Flugblätteni, Wahlaiifrufen jc. ist übrigens die Polizei an den meisten Orten gejcheidl gofuig,. solcher kleiner Mängel wegen ei» Auge zuzudrücken, besonders wenn der In- holt der Blätter nicht gesetzlich beanstandet werden kann." Sehr lehrreich ist folgende Notiz des„Sozialdemokrat": „Auch«in Standpunkt. Vor 14 Tagen hatten wir Gelegen- heit, mit eiuem Genossen aus C h a u x d e f o n d s, einem Vorstands- mitglicde der franzäsischeu Grütlisektion zu sprechen. Er sagte uns, sie seien nicht für das Ncfcreuduni gegen den Biindesanwalt.„Wir fürchten uns nicht vor der politischen Polizei; sie soll ngr kommen in nnjcre Berge, wir werden sie fcho» fortjagen."— Eine Woche darauf ist hie *) Führer der Schweizerischen Ultramontanen. politische Polizei nach ChanxdefondS gekommen, hat dort einen un- bescholtenen Kollegen und Mitbürger, der nichts Strafbares begangen hat, nur wegen einer heftigen politischen Flugschrift gegen die Bundes- behörden, verhastet unb weggeführt. Ehauxdefonds blieb ruhig;— wie übrigens vorauszusehn war." Können sich gewisse Leute merken, die sich für schr radikal vorkommen, weil sie sich um die„unbedeutenden Tagesfragen" nicht kümmern.— Ehrcnberg-Attenhofer hat eine klägliche Niederlage erlitten. Der Berläumder aller Sozialisten und Demokraten— kurz aller wirklichen Republikaner, hatte die Genosien Fischer und C o n z e t t auf Grund von vier Artikeln des Ersteren imd einem des Letzteren in der Züricher„Arbciterftimme" wegen Vcriäumdung und Beleidigung verklagt. Trotzdem in den Artikeln dem Burschen ein Sündenregister vorgehalten worden, daß kein anständiger Mensch, der sie gelesen, mit dem Revolver- Major noch etwas zu thun haben möchte, siel derselbe doch mit der Berläumdungsklage jämmerlich ab, nur für die formelle Beleidigung erfolgte Vernrthciliing zu einer verhältnißmäßig geringen Geldstrafe. Die Forderung einer Prozeßkosten-Entschädigung durch die Verurtheilten an den Kläger wurde rundweg abgeschlagen. Natürlich rächt sich der Lügenmajor für seinen fatalen Rcinfall durch eine ganze Flnth von neuen Schimpfereien. Aber je maß- loser er sich geberdet, desto mehr vergrößert er feine Blamage— eine jänimerliche Persönlichkeit, wie sie verächtlicher nirgends zu finden. lieber einige recht artige Enthüllungen, welche dieser Prozeß zu Tage gebracht, in nächster Nummer. Für heute fei nur noch her- vorgchoben, daß nach AttenhoferS Geständnis! die Sudclschrift seines Busenfreundes Ehrenberg gegen djc Schweiz und die deutsche Sozialdemokratie im Auftrage des deutfchen Reichskanz- I e r- A m t s geschrieben worden ist. — Aus Norwegen. Es ist eine wahre Lust, das Alte stürzen zu sehen. Der weiland ultraradikale Rechtsanwalt Joh. Socrdrup hat mit feinem ganzen Ministerium einpacken und abschieben müssen. Die Linke hat dadurch ihre lang verdiente Züchtigung erhalten. Ein kon- servatives Mitnsterinm mit dem Rechtsanwalt Em. Stang als Premier- (Staats-) Mimster sitzt nunmehr am Ruder.-Natürlich ist die Linke mir Björnstjcrn Björnson an der Spitze schier aus dem Häuschen. Jetzt röcht es sich, daß Björnson, obwohl er über die Verräthereien(natür- lich vom Fortschrittlerstandpunkt ans gesehen) Sverdrnps im Klaren war, dennoch nach gilt norwegischer Sitte den Mund gehalten hat, statt sofort zu sagen: Tverdrup tanzt nach Oscars Pscisc in Stockholm. Was thun? Wie sollen wir aus der„Ohnmacht, in welcher sich die Partei befindet", herauskomnicn? So schrieb wörtlich der fortschritt- , lrchc Vorsitzende der Zcntralleitung. Ovam. Und was thalcu die die- der» Fortschristler— um sie einmal mil diesem Spitznamen zu be- legen— auf ihrem Kongreß, den sie am 26. und'27. v.M. abhielten? Da dcklamirtc der„Radikalste der Radikalen", der seit langem nach dem Portefeuille schmachtende Rektor S t e e n ans Stavaugcr, daß die durch die Berufung eines koiijervariven Minisieriiiins geichasicne poli- tische Situation cine veränderte Taktik oder eine Programniänderiiiig von Seiten der Linken nicht erheische. Mit andren Worten: die Linke mit Björnson an der Spitze bleibt dieselbe Waschlappenpartci, die sie vor Jahren war. Noch mehr! Vor Jahren hatte sie wenigstens ein demokratisches Programiu: Allgemeines Wahlrecht. Was hat sie jetzt? ' Iii den Rciolntioncn heißt es: der Kongreß empfiehlt den ver- fchiedenen Vereinen, das allgemeine Wahlrecht als Proaraimiipmikt anfzustelleu. Uf, diese Iamiucrhclden! Aber populär wollten sie doch sein, und so Winkelten sie etwas von einer„gerechteren Vertheilung der Steuerlasten" und Einsührung der direkten Steuer, eine Sache, für welche der junge Rechtsanwalt Zoh. Eastberg in Giövlk speziell tbätig ist, hoffentlich ohne sich einzubilden, daß die Einfuhruvg der ausschließ- lich direkten Steuer in der kapitalistischen Gesellschaft möglich und wenn möglich, daß dann damit die soziale Frage gelöst sei. Das Eine mcrlt sich die zielbewußte Arbeiterpartei: die Fortschrittlcr werde» für das allgemetne Stimmrecht nichts ernsthaftes thun. Darum wurde auch beschlossen, daß die Arbeiterpartei nicht die Hand dazu reichen wird, den Fortschrittlern aiis ihrer Ohnmacht herauszuhelfen. Uebrigeus, welch göttlich amüsantes Emgestiindniß:»ach vierjähriger „Blntbezeit" erklären sich die pateütirtcil Freiheitskämpfer bereit? van- kerott. Natürlich! Wie kann es beim anders sein, wenn ihres Führers Björnson Leib- und Mageyblatt, an welchem— bald könnte man lagen —„Wav' genöral" Mitarbeiter ist, mit ciiiem Artikel ins Feld ruckt, in welchem es, leider im Gegensatz zur Statistik, die jedem Schiiliiingen zugänglich ist, die„Demokrat isirung des Kapitals" demonstrirt! Während es so mit der Waschlappenpartei, der„Herrschaft der Greise", wie Arne Garborg sie genannt hat, bergab geht, entfaltet sich die sozialistische Partei immer kräftiget und hat bereits einen Gegner aus dem Felde geschlagen. Es ist dies das Orgän der auf die Hirsch-Tuiiker'scheu El rundsätzc schwörenden ÄEbciterpartei—„Arbeideren", welches bis ans ünbestinunte Zeit, hoffen wir, bis auf den Sl. Nimmer- leinstag, fein Erscheinen eingestellt hat, Dagegen hat die„VereinK npr- wcgischc Arbeiterpartei", welche unter Beachtung aller möglichen Vorsichts- niaßregelii, die übrigens sich als total überflüssig erwiesen haben, im Sommer ltztzl organisirt wurde, sich nunmehr auf ihrem dritten Landcs- kongrcß in Ehrisriania zur sozialistischen Anschauuilg hmdurchgcruugen, indem auf Vorschlag des sozialistischen Arbeitervereins in Bergen der Eckstein des inodcrnen Arbeitcrprograinmes in das Parteiprogramm anfgeiioiiiinen wurde Damit hat sich eine nenc Wendung in der Arbeiterbewegung vollzogen. Vorwärts! N u jus N o r v e g. vJJ'O Je.,, v OÖ thüt t Korrespondenzen. Berlin, 4. Zevt. Wie nicht anders zu erwarten war, hatten sich die Berliner Arbeiter mit wahrer'Begeisterung der Idee einer Gedächt- »ißfeier des llofährigen Todestages Ferdinand Laffalle's hingeheben. Die erste Demonstration z» diesem Zweck fand in der Nacht vom 2� zum 29. August statt und bestand in der' Aiifhissimg einer mächtigen rothen Fahne. Am 29. Angnst früh sammelten sich mif dem Pappel- platz und in der Invalideiistraße Taufende von Menschen an,»ni eines jener seltenen Schauspiele zu sehen, durch deren Veranstaltung die So- zialdemokraten das Andenken an hochwichtige Partei- Ereignisse oder an ihre Dahingeschiedenen zu ehren pflegen. Hoch oben auf dem Tele- phondrath, welcher den Pappelplatz treiizt, hatten Genossen mit Lebensgefahr eine 5 Meter lange rothe Fahne, in der Mitte auf weißem Felde das Bilduiß Ferdinand Lassalle'e zeigend, befestigt. Ilnd zwar mit solcher Geschicklichteit, daß die Fahne imnitten der vielen Trähle aussah, als sei sie ans eine» Tisch ausgebreitet, und das Bildniß Las- falle's in voller Deutlichkeit zeigte. Als endlich die Hochlöbliche, durch den Andrang der Menschen aufmerksam gemacht, herbeieilte, uui zu seheu, was los fei, und das bedenkliche Wahrzeichen erblickte, war ihre Verlegenheit groß, ivic dieses Ding am schnellsten wieder cntfernt werden könntc. Endlich hatte der Herr Lieutenant cincn genialen Gedanke» und ließ die F e u c r w e h r rufen: aber auch diese konnte nichts ausrichten und nian sab sich gezwungen, nach dem Hauptdepot zn tele- graphiren, daß die Patent-Aussotzleiter gebracht werden solle. Um 6'/« Uhr gelang es denn auch, die Fahne herunterzuholen, der die Umstehen- den Arbeitermasien brausende Hochs nachsandten. Der Staat war wie- der einmal glücklich gerettet, und die Hochlöbliche konnte auf ihren er- rungenen Lorbeeren ausruhen. Was sie auch glücklicki that, denn— schon am 31; Angnst flatterte in aller Frühe in der Brniineuftraße neben dem Pferdebahn- Depot hoch oben am Telephondroth abermals eine große rothe Fahne, trotzdem Richthofen alle Schntzlmte. welche an dteseni Tage frei hatten, hatte in Ztvilklcidcr stecken lassen; fcdocli wurde diese Fahne mit weniger Mühe als die erste cntfernt. Am Sonntag , den 1. September wurde nach hergebrachter Weise der Sterbetag Fer- dinand' Lvssalle's durch einen Ausflug der Genossen»ach Iohainnsthal gefeiert.' Anfangs hatte es den Anschein, als ob die Schand- armen Anweisung! hätten, Nickis gegen uns zu»nteniehmen, ober schr bald - sollten wir erfahren, daß mir uns geirrt hatten. Um 4 Uhr kam der Krieger verein von Johannisthal und wollte i» demselben Lokal, wo wir uns pinzirt hatten, ein Vergnügen abhalte».-Dieser Verein aber wurde von den Genossen nach Hanse geschickt: vor Pfeife» und Zurufen war selbst von der Musik nichts zu hören. Dies schien ein Anlaß für die Schandarmen. zn sei», ihr Benehmen zu ändern, denn : von nu» an legten sie«ine äusgefnchte Brutalität an den Feig; Einer besonders schien sich ei» Pergiiügen daraus zu machen, tveim er mii feinem Gaul m die dichtgedrängten Menschcnmasse» reiten konnte. BiS� gegen Abend war es mit 4— 5 Schandarmen in aller Ruhe gegange», nachdem aber die Schandarmen sich bis auf 20 Mann verstärkt hatten, ' und nachdem eine Anzahl der bekannten Nichtgcntlemen angekommen waren, wurden die Gemüther etwas aufgeregt, jedoch ist es, soviel mir bekannt, zu ernsteren Auftritten nicht gekommen, trotzdem die Schand-- armen am Abend gern ein kleines Rcncontre inszenirt hätten. Jeden- falls sollte durch das Benehmen der Geseyeshüter zuerst der Glaube erweckt werden, als ob es sich gar nicht darum handle, neues Ma- terial.zur Verlängerung des Schandgesetzes herbeizuschaffen, doch aus dem späteren Verhalten derselben konnte man unschwer just diese Ab- ficht herausfinden. Aber es sollte ihnen diesmal nicht gelingen, die Genossen waren sich der Sache, welche sie zusammengeführt hatte, wohl bewußt; und davon durchdrungen, wiesen sie jede Provokation von Seiten der Ordnungshüter mit gebührender Verachtung zurück. An demselben Tage verbreiteten die Genossen von Teltow, Beskow, Storkow ein schneidiges Flugblatt, welches ich der Redattion demnächst übermitteln werde. Gent, im September. Auch von unser» hiesigen belgischen Genossen ist der 25jährige Todestag Ferdinand Lassallcs in würdigster Weife gefeiert worden. Im großen festlich geschmückten Saale des „Vooruit", dessen Bühne das Bild Layalles, umgeben von vielen rothen Fahnen, zierte, schilderte Genosse M i l l i o in glänzender Rede das Leben und Wirken des großen Agitators und die Entwicklung der deutschen Arbeiterbewegung. Gesangsoorträge, Deklamationen 2C. füllten den übrigen Theil des Festes aus, das einen wahrhaft großartigen Verlauf nahm. Den Schluß machte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Ferdinand Lassallc und die sozialistischen Arbeiter beider Welten. Mit sozialdemokratischen Gruß I. Busen den der. Sozialistische Presse und Literatur. Die Hausindustrie in Deutschland. Ihre Entwickelung, ihre Zustände und ihre Reform. Von Paul Kampfs meyer in Genf.(32 Seiten: Preis 15 Ps.) Der Inhalt dieses lescnswcrthen Schristchens, welches das sechste Heft der Berliner Arbctter-Bibliothek bildet, ist folgender: Handwerk und Hausindustrie.— Proletariat und Hausindustrie.— Zmischen- ausbeuter, Trucksystem und Ucberoorlheilniig.— Die heuttgen Zu- stände und Nothftände. Statistik.— Rothwendtge Reform.— Die Hausindustriellen und die Arbeiterpartei. Briefkasten der Expedition:— Allg. Arbver. Lausanne: Fr. 21.— Ab. 2. Qu. erh.— Allg. Arbver. Schaffhausen: Fr. 20.— a Cio. crh. — Lesmn. Httgn.: Fr. 2. 65 Ab. 3. Qu. erh.— I. P. Aarau: Fr. 2.25 Ab. 4. Qu. erh.— W. Blls.: Fr. 2.60 Ab. Sept. u. 4. Qu. erh.--- Weißbier u. Speck: Mk. 20.— Ab. per 89 crh.— W. I. Lg.: Mk. 10.— Ab. 1/9—31/12 89 u. 1. On. 90 erh. Kommen uns noch 30 Pfg. zugute.— Merlin: Mk. 267.— a Cto. Ab. jc. crh.— Pharao: Bf. v. 4/9 crh. u. Weiteres besorgt. � O. F. Genf: Brf. v. 30/8 crh. Erwarten das Nähere in Bälde. Dank für Weitcrbesorgtcs imd Gruß.— Die rothen Cabenberger: Mk. 50.— a Cto. Ab.:c. erh. Tenkschslbstllg. u. Adr. notirt. Weiteres nach Wunsch.— Wahtkreis Hameln: Mk. 3.20 dem Wfds. dkd. zugewiesen.— lliopia: Nachr. v. 4/9 hier. Werden das Beste daraus nehmeu.— Seideuwurm I: Gt.- Bstllg. folgt. Kostet Frcs. 15. 80, die mit Rte. 1 folgen können.— S. A.P, Ncwyork:(Dollar 1. 50) pr. Shl. 6.2'/> zuzügl. Porto haben für „Ist." an L. zu Ihren Lasten per 2/9 bezahlt.— Elaudius: Mk. 50.— a Cto. Ab. k. erh. Weiteres am 6/9 bfl. berichtet.— Alte Garde: Mk. 50.— aEto. Ab. rc. erh. Denkschstbstllg.:c. notirt u. am 7/8 bfl. geaniw.— Donncrsberg: Adr. lt. Notiz v. 6/9 geordn. u. am 10/9 bfl. berichtet.— Arabi Pascha: Bfe v. 4 u. 7/9 am 10/9 bcantw. Adr. not. Ldb. muß nun dort sein.— Schwarzer Taugenichts: Mk. 10.— a Cto. Ah. 2c. als erste Rate crh. Hoffen auf Einhalt, d. Versproch. u. ibcachteu das Weitere.— Nordlicht: Bf. v. 7. am 10/9 beautw. Lange Schweigepauscn sind in solchen Fällen stets vom Uebel.— G. T. Sao Palo: Bstllg. v. 11/8 notirt und Weiteres nach Vorschrift bewirkt.— Rothcr Zahn: Bs. v. 2/9 erh. u. iichaltl. notirt. Am 10/9 bfl. Weiteres. — Lionel rDenkschftbsillg. rc. u. Adr. lt. Vorl. v. 4/9 not. Weiteres am 10/9 bfl.— Armer Conrad.: Mk. 25.— a Cto. Ab. x. erh.�Denk- schriftbstllg. sowie Weiteres not. Bricfl. am 10/9 Gewünschtes berichtet. .— Pseifenköpp: Bf. v. 7. am 10/9 bcantw. u. Adr. eingereiht.— G. M. Abg.: Bstllg. v. 3/9 folgt. Nota direkt.— Ruppig: Best. Dank.— M. M.: Referenz Sch. dkd. crh. u. wciterbcrichtet.— Blaue: M. 50— a Cto. Ab. ic. crh. Dkschstbstllg. jc. notirt». bfl. am 10/9. Weiteres berichtet. Forts, der Zhkgn. angenehm.— Plattkopf: M. 35.— a Cto. Ab. rc. crh. und am 10/9, Erfragtes bfl. berichtet.— L. P. B. Ahm: � Bstllg. folgt lt. P.-K. v. 4/9.- A. S. Ah: Adr. lt. Bf. v. 8/9. ge- ordnet.— Merlin: Notiren Ihre Dkschbstllg. v. 8/9. u. Adr., wie am 11/9. bfl. berichtet.— Traunicht: Adr. l. Bf. v. 9/9 notirt. Weiteres »ach Wunsch.— Gracchus W.: M. 50.— a Cto. Ab. rc. crh. Ge- wünschtes folgt bfl.— Lorley: M. 270.— a Cto. Ab. rc. erh. und Ggr. gulgebr... Dlsächstg. u. Adr. notirt. Bfl. mehr.— Felix III.: M. 20.— a Cto. Ab, x. ü. P.-K. v. 9/9. crh. Tank für Referenz. Bstllg. notirt. Bf, folgt.— Clans Groth: M. 125.75 a Cto. Ab. rc. crh. Bfl. Weit.— Clara: Bstllg. v. 3/9. notirt u. Jrthum betreffend „A.-M." berichtigt. Nnserm nach Amerika abgereisten Freund und Genossen Karl Füll, Schreiner, rufen tvir ein herzliches Lebewohl nach in der Hoffnung, daß er auch in der neuen Welt in die Reihen der Kämpfer für die Befreiung der Arbeiter eintreten möge. Die Stuttgarter Genossen. Soeben ist fii neuer siebenter Anflagc WZ erschienen und durchs Unterzeichnete zu beziehen: Die Avclu in der Vergangenheit, Hcgenwatt nnd Munst. Bon A. Bebel. Preis: bei Bezug von mindestens 5 Exemplaren Mk. 1.50(Fr. 1.90> Einzeln Mk. 2.—(Fr. 2. 50) Soeben ist in Neu-Auftage erschienen: Flhi Nxstl des lileffnihessks. Lebe» und Sterbe» der Chicagoer Arbeiterführer. !■* Preis 30 Pf.— 40 Cts. Zahlreichen Aufträgen sieht entgegen German Cooperative Publishing Co. 114 Keutish Tu\vu Road, L o u d o u X."\V. I Will- ei*.: v j,'••11 im■. hiftl: Printed lor th« proprietora bj the German Cooperative Publiabing Co. 114 Keniish Town Road London N. W,