Abonnements otrtm beim Verla» und dessen bekannten Agenten entgegen- genommen, und zwar zum voran«, ahlbar«« Liertelsahripreti»on: NN. 4,40 sttr Deutschland sdlrelt per Bries-Kouvery iwfl. 2,75 sttr O-S-rreich sdirel« per Vries-Souvrty Khill. 2,— s»r alle übrigen LZnder de» w-ltpostsereml lltreugdand). Züseritt die dreigijpalten« Petüzeile »P-nce— 25 Pjg.--- 30 61». Der UWWW Erscheint wöchentlich einmal in London. Z?crrag Krgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. der (Z«rmnn lich, daß sie h c r in l i ch arbeitet- allein man merkt nichts davon. Selbst die Boulangisteu, gegen die nach der Verurthcilung des Haupt- mminö der Baude und seiner zwei Hauptadjutanten sehr leicht eine ge, schliche Handhabe sich finden ließe, bleiben ganz unbehelligt, Ihre Maucranschläge strohen von den unfläthigsten Schimpfereien und Au- griffen— jede Zeile genügend, um in Deutschland gegen den Schreiber und jeden Verbreiter ein paar Dutzend Prozesse und die sofortige Untersuchungshaft zu verhängen. Man könnte diese Unpartcilichkeir, diese Uubcweglichkcit für ein Zeichen der Stärke halten— es kann aber auch das G e g c u t h e i l sein, oder wenigstens ein Zeichen der R a t h l o s i g k e i t. Es heißt, die Präfekten hätten meistens geschrie- den, daß sie außer Stand seien, den Ausgang der Wahl zu berechnen, daß jedoch eine wesentliche Veränderung des Parteienstands nicht wahrscheinlich sei. Dies ist wohl die vorherrschende Ansicht in politischen Kreisen; und es wird deshalb der neuen Kammer nur eine kurze Lebensdauer zu- gesprochen; sie werde nicht lebensfähig sein, keine feste Majorstät erst- halte», und darum baldiger Auflösung verfallen müssen. Scharfe Partcigegcnsätze, obgleich nnzweifelhafl vorhgndcn, treten doch nicht öffentlich hervor. In den Affichen, mit denen sämmtliche Mauern tapczirt sind, haben wir eine riesige Masse von P e r s ö n, l i ch k e kt c n, fhclls dK schmutzigsten Art,- und wir suchen vergeb, lich nach Programmen. Nirgends und uicuials haben die Gemeinplätze eine größere Rolle gespielt� P r in z ipie n e rkl a r, un ge ii werden geflissentlich vermieden. Es ist, als ob die Kandidaten vor der Wählerschaft Angst hätten. Gewiß ist: keine Partei wird nach dieser Wahl sagen können, sie sei unterdrückt worden. Das französische Volk gibt morgen sein freies, durch Niemand beeinflußtes Verdikt ab. Das heißt poli- tisch nicht beeinflußt. Die w i r l h s ch a f t l i ch c Beeinflußung wird genau so eifrig und so schamlos geübt, wie in früheren Jahren, Frei- lich, das ist eine Becinflußung, uuter der nur eine Partei zu leiden hat: die sozialdemokratische, die u n f r i g c, Sie Hai mit den alten Hindcnlissen zu kämpfen, mit den alten Verleumdungen, den alten Kniffen, den alten Vergewaltigungen. Sie arbeiten aber tapfer, unsere Maudidaten. Guesde ist leider erkrantt— vier Tage zu früh. Er hat 26 Versammlungen abgehalten und Alles ging vortrefflich— da versagte der.Äörpcr dem Feucrgeist. Trotzdem ist Aussicht vorhanden, daß Guesoe zur Stichwahl koniinl, die bekanntlich in Frankreich nicht so beschränkt ist, wie in Deutschland. In diesem Fall müßte die Partei alle ihre Kräfte auf den Marseiller Wahlkreis konzentrircn. Und auch die deutschen Genossen würden sicherlich das Ihrige thun, um den Sieg zu ermöglichen. Die„Possibiliflen" haben dagegen recht leichtes und bequemes Spiel; sie spreitzen sich in den Strahlen der Regicrungssonnc; und haben es glücklich ioweit gebracht, die g o u V e r n c in e n t a l st e der gou- vcrne mentalen Parteien zu sein. Ein Erfolg, den wir ihnen gönnen. Ein zweiter Brief— am Wahltage selbst geschrieben— lautet: Paris, 22. Septbr. Voilä lo fprami jour! Da wäre er denn da, der„große Tag"! Ob's ein.großer Tag" im Sinne der granä<-8 jouraees wird? Wohl schwerlich. Es fehlt jene Leidenschaft, ohne die es keine grandes.jouraees gibt. Seit Stunden geht schon die Stimmen- abgäbe vor sich— man stimmt hier von 8 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends— und von gehobener Stimmung ist gar nichts zu bemerken; es ist ein Tag wie jeder andere, und obendrein wolkig, regnerisch, düster. Ob der Regen auf die Wahl von Einfluß sein wird? Louis Philipp meinte einmal:„wenn es regnet, gehen die Pariser nicht auf die Straße". Auf die Straße gehen, das hieß in der guten alten Zeit: Barrikaden bauen und eine Dynastie über den Haufen werfen. Heut denken die Pariser an keine solche staatSgesährlichcn Vergnüg- nngen; die Bourgeoisie macht keine Revolutionen mehr— böchstcns noch K o n t r e revolutionen. An„auf die Straße gehen" im Sinne Louis Philipps ist also heut nicht mehr zu denken— aber wer- den sich die Pariser durch den Regen auch verhindern lassen, auf die Straße zu gehn— zum Behuf der Abstimmung? Die Arbeiter, an deren Kleidern nichts zu verderben ist, gewiß nicht. Aber die Re- aktionäre in den feinen Röcken? Warten wir ab! Das Pariser Resultat wird erst heute Abend gegen 10 Uhr vollständig bekannt sein — das der P r o v i n z erst im Laufe der Nacht und des morgigen Tags. Wenn dieser Brief in Ihre Hände kommt, hat der Telegraph �hnen bereits verkündigt, wie die Sphinx gesprochen hat. Jetzt fängt sie erst an, den Mund zu bewegen.— Nun, ich will mir den Kopf der französischen Sphinx nicht zerbrechen — genug: sie wird heute reden, und ein sehr gewichtiges Wort reden. Leider wohl kaum über das, was uns am meisten am Herzen liegt. Die Frage der Fragen: die soziale Frage, wird sicherlich nicht beantwortet werden— dagegen wird es hoffentlich eine end- gültige Antwort geben auf verschiedene Vorfragen. Zum Beispiel der Boula n gis m us, d.h. das unbestimmte, eines Ziels noch nicht bewußt gewordene Mißvergnügen mit den bestehenden Zuständen wird hoffentlich für immer aus der Welt geschafft. Gerade, weil der Bou- langismuS kein Progranini hat, wenigstens kein Programm, welches er ausiprechen kann, hüllt er sich in allgemein trügerische Phrasen, die ge- eignet sind, alle unklaren Köpfe zu verwirren. Diese»ebelhafte, pro- teusartigc Natur des Boulangismus birgt ohne Zweifel eine Gefahr; jedenfalls hält er die Entwicklung auf, und hindert eine nette, scharf sich abgrenzende Parteibildung. Diese schlimme Wirkung des Boulangismus— der freilich ja selber nur ein Symptom der herrschenden Zerfahrenheit ist— zeigt sich recht handgreiflich in dem Umstand, daß mit Ausnahme der sozialdemokra- tischen Partei, keine einzige Partei mit einem Programm in den Wahlkampf eingetreten ist. Jede Partei beschuldigt die andere, die Interessen Frankreichs verrathen zu haben, und verspricht ihrerseits goldene Berge. Unter solchen Verhältnissen glaube ich, kann kaum ein günstigeres Wahlrejultat erhofft werden, als daß endlich einmal mit dem Boulangismus aufgeräumt wird. Geschieht dies, dann wird erst freie Bahn für unsere Partei. Das Wahl-Programm unserer Genossen ist das P a r t e i- P r o- g ramm— wie sich das übrigens von selbst versteht. Und außer dem gemeinsamen allgemeinen Wahlprogramm haben auch die einzelnen Genoffen, die als Kandidaten auftreten, spezielle Wahlprogramme veröffentlicht, die sich selbstverständlich auf dem Boden und den Umrissen des allgemeinen Parteiprogranmis bewegen. Daß es unfern französischen Genossen an Angriffen nicht fehlt, knnn man sich denken; am nieder- trächtigsten verfahren die„Posfibilisten", welche sich die Gunst der Bourgeoisie durch möglichst heftiges Geschimpfe auf die unabhängigen Sozialisten zu verdienen suchen, Wohlgcmerkt: ich spreche da nur von der offiziellen Taktik der Possibilisten und es fällt mir nicht im Entferntesten ein, die Mannschaften für die Infamien der leider! noch maßgebenden„Führer" verantwortlich machen zu wollen. In „treuem Glauben" fliona fide) können die betreffenden Führer nicht handeln; denn die Annahme ist undenkbar, ein Sozialdemottat sollte nicht wissen, daß es dem Interesse der sozialdemokratischen Partei zu- widcrläuft. wenn sogenannte„Sozialrevolutionäre" für die Bourgeoisie und gegen die Sozialdemokratie Agitation treiben. Falsche Beurthei- lung einer solchen Taktik ist einfach nicht möglich.— Und in einem Dritten— am Tage nach der Wahl abge- schickt— heißt es: Paris, 23. Sept. Das Gesammtresultat der Wahlen ist noch nicht bekannt, und vor morgen Abend wird es auch kaum bekannr sein. Im Großen und Ganzen läßt sich bis jetzt nur so viel mit Beftimmcheit sagen: Der Boulangisnius hat an Terrain verloren und ist k c i n e G e f a h r m c h r für d i e R c p u b l i k. Und der Ansturm der Monarchisten auf die Republik ist abge- schlagen worden. Das sind die zwei größten Thatsachcn, welche, wenn auch noch in nicht ganz scharfen Umrissen, doch greifbar und massiv sich vor uns erheben. Für den Sozialismus war auf dem Älampfplatz nur wenig Raum, Die N c b e n f r a g e u: Opportunismus oder Boulangismus? Republik oder Monarchie? beschäftigten die Wählerschaft fast ausschließlich. Das mag bedauerlich sein, es ist aber die Wahrheit, und es ist nichts daran zu ändern. Ich hatte recht, als ich schrieb: die Nebenfragen müssen erst beftttigt werden, che die Frage der Fragen: die soziale Frage richtig zum Wort kommen kann. In Paris kümmerte sich, mit Ausnahme der engeren Parteigenossen, Niemand um Sozialismus: Boulangcr oder Nicht-Bou langer? das war die Loosung. Und es ist gut, daß der Boiitangismus in Paris zurückgeworfen, in der Provinz zur Vernichtung geschlagen worden ist. Und es ist gut, daß der Bestand der Republik jetzt nicht mehr in Frage kommen kann, Kurz: die Bahn ist frei für den Sozialismus. Und das ist unser Gewinn, Die erstaunliche Ruhe, durch welche sich Paris in dieser Wahl- bewegung ausgezeichnet bat, that sich auch nach der Wahl kund. Trotz des AntheilS, den die Massen an dem Ausgang der Wahlen nahmen (und nehmen), ließen sie sich doch durch die boulangistischen Schreihälse nicht aus der Fassung bringen; und trog dem Hunderttausende heute Nacht auf den Boulevards hin und hcrwogten, gab es weniger Lärm, als z, B, in der Nacht nach dem letzten Revolutionsseste(14. ans 16. Juli). Die Republik hat unzweifelhaft das Vertrauen und die Sympathien der Massen, und von den Stimmen, die gestern in Paris für Boulangcr abgegeben wurden, war die größere Hälfte von guten Republikanern ab- gegeben, die nur den gegenwärtigen Machthaber» ein Mißtrauensvotum ertheilcn Wollten. Das Riißtrauensvotmn ist wohlverdient, obgleich die Form nicht unsere Billigung finden kann; und es fft bloß zu wünschen, daß die republikanischen Politiker das Votum beachten, welche es enthält. Das Ministerium Eonstans wird, sobald die neue Kammer zusammen- tritt, seine Demission einreichen müssen. Was dann kommt, läßt sich nicht voraussagen. Sehr möglich, daß die neue Kammer, um eine feste Mehrheit zu er- langen, schon Ende dieses, oder Anfang des nächsten Jahres aufgelöst werden muß, Die zahlreichen Stichwahlen beweisen das Zerbröckeln der Partei- Verhältnisse. Aller Berechnung nach werden die große Mehrheit der Stichwahlen zu Gunsten der Republikaner ausfalle». Unter allen Um- ständen ist eine republikanische Majorität gesichert. Betreffs sozialistischer Kandidaturen ist mitzutheilen: Guesde kommt, unter den g ü n st t g st e n B c d i n g u n g e n, zu Marseilles in die Stichwahl: Lasargue ist im Eher-Departcment unterlegen; Vail- l a n t ist in Paris(Pere-Lachaisc) in der Stichwahl, wird aber zurück- treten müssen, um de» Sieg des Boulangisten zu verhindern, L o n g u e t hat Chancen in der Stichwahl zu siegen, ebenso Band in(im Eher). Seitdem dies geschrieben, gestatten die inzwischen eingetrof- fenen Nachrichten ein bestimmteres Urtheil. Das Stärkever- hälttnß zwischen Republikanern und Anttrepublikanern ist, wieder- holen wir, unverändert geblieben, die Republik, als Staats- form hat keine Schwächung erlitten— ja, da ein Theil der Boulangisten, die als Gruppe den Anttrepublikanern zugezählt werden, entschieden republikanisch gesinnt ist, könnte man so- gar noch einen Gewinn sür die Republik herausrechnen. Allein das ist doch eine große Nebensache, viel wichtiger ist die Frage: wie sieht es überhaupt innerhalb der republi- kanischen Partei aus? Da muffen wir nun feststellen, daß genau das eingetroffen ist, was wir schon Anfangs dieses Jahres als voraus- sichtliches Resultat der Boulanger-Hetze bezeichnet haben: die „Gemäßigten" kriegen das Ruder in die Hand. Zwar ist der Hauptdrathzieher der Opportunisten, Herr Jules Ferry, in seinem eigenen Wahlkreis durchgefallen, die opportunistische Partei aber wird, allen Berechnungen nach, als die stärkste in's Palais Bourbon einziehen— vielleicht stark genug, ohne Mitwirkung der Radikalen eine Regierungsmehrheit zu bil- den. Die Radikalen sind es, welche die Kosten der ganzen Kampagne zu zahlen haben werden. Dieses Schicksal trifft sie nicht unverdient. Mit einer Ber- bohrtheit sonder Gleichen sind sie vor Jahr und Tag auf den opportunistischen Leim gegangen. Die Opportunisten waren es, die die Boulangistische„Gefahr" erfunden haben, ihre Jntriguen, ihre Angriffe haben Boulanger populär, die von ihnen angezettelten Verfolgungen ihn erst zum„großen Mann" gemacht. Dank ihrer Finanzwirthschast, ihrer Kolonialpolittk, ihrer Rückwärtslerei gradezu im Volk verhaßt geworden, sahen sie nur eine Möglichkeit vor sich, ihre frühere Position wicderzu- gewinnen, und die war, wenn es ihnen gelang, sich als R e t t e r des Vaterlandes aufzuspielen. Zu diesem BeHufe aber mußte natürlich das Vaterland erst„in Gefahr" erklärt wer- den, und wie sie es dahin gebracht, haben wir alle gesehen. Kein Zweifel, Boulanger ist ein ehrgeiziger Streber, ein Demagoge, aber er hätte sich abgcwirthschastet wie so viele seines Gleichen, hätten nicht grade seine Feinde unablässig mit Fingern nach ihm gewiesen und ihn, nachdem er als Minister gestürzt war, mit Verfolgungen überschüttet, die ebenso unsinnig wie gehässig waren. Daß sie sich in dieses Spiel haben hineinzerren, sich von den Opportuinsten als politische Treiber haben gebrauchen lassen, das war die große Dummheit der Radikalen, ein Fehler, den sie schwerer be- zahlen müssen, als die Opportunisten alle ihre Verbrechen an der Republik. Diese haben während der ganzen Hätz ihr Hauptziel, den Radikalismus zu schwächen, nicht aus den Augen gelassen, und als dieser sich genügend kompromittirt, sich in den Kampf mit Boulanger hinlänglich verbissen hatte, es auch offen pro- klamirt.„Auf der Linken ist der Feind, der Radikalismus hat Boulanger geschaffen, er ist unfähig, die Republik zu retten, nur eine gemäßigte Politik ist das im Stande", so lautete jetzt mit einem Rkal die Parole. Um den Radikalis- muS zu schwächen, machten die Opportunisten, diese Bourgeoispartei wie sie im Buche steht, sogar in Sozialdemagogie; sie kajolirten die Possibilisten, daß es nur so eine Art hatte, und diese haben sich auch die Bundesgenossenschaft sehr gern gefallen lassen. Die Parole„die Republik ist in Gefahr" hat in gewissem Sinne ebenso gewirkt wie das Kriegsgeschrei bei der letzten Reichstagswahl in Deutschland. Sie hat dem republikanischen Ordnungsbrei die Wege geebnet, jenen farblose» Durchschnitts- Politikern, die als Sammelkandidaten gewählt werden, weil sie nach keiner Seite der Republik besonderen Anstoß erregen. Menschen, die auch wenn sie es auch noch nicht dem Namen nach, doch der Natur nach Opportunisten sind und in der Kammer auch bald genug ihr opportunistisches Herz ent- decken werden. Die Republik ist mit einem blauen Auge davongekommen— sie wird in den nächsten Jahren sehr „blau" aussehen. Das Hauptbestreben der Opportunisten geht dahin, die Reaktionäre mit der Republik zu„versöhnen",— d. h. nicht die Massen, die heut noch im Schlepptau der Reaktiv- näre sind, durch wirkliche soziale Reformen diesen zu ent- fremden, sondern die Führer, das Junkerthum in Stadt und Land, zum Anschluß an die Republik zu bewegen. Das geht natürlich nur durch weitgehende wirth schaftliche und finanzielle Konzessionen, die selbst wiedenim nicht möglich sind, ohne dem Volk neue Lasten aufzulege». Wenn es also jetzt bereits heißt, die Hauptaufgabe der neue» Kam- mer werde darin bestehen, die Finanzen der Republik in Ordnung zu bringe», so kann man sicher sein, daß es sich da um„Reformen" im Sinne der hohen Finanz nnd des „befestigten" Grundbesitzes" handeln wird. Und wenn weiter als zweitwichtigste der Aufgaben die Versöhnung der Republik mit der Kirche proklamirt wird, so weiß man ebenfalls, was das heißt: Verstärkung der Macht des Klerus. Mit einem Wort, so sehr wir— namentlich im Hinblick auf die internationalen Verhältnisse— die Niederlage Bou- langer's begrüßen, so wenig verhehlen wir uns, daß sie er- kauft worden ist um den Preis einer ganz gehörigen Wen- dung nach Rechts.— Jndeß, auch das hat sein Gutes. Die Situation wird ge- klärt, und das kann uns Sozialisten nur recht sein. Zur Kontroverse über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Anarchisten erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrte Redaktion! Als Verfasser der unter dem Titel„Anarchisten— Gauner?" ursprllng- lich in der.Fränkischen T a g e s p o st" und dann in verschiedenen andern Arbetterblältern erschienenen Artikel gestatten Sie mir zu der Einsendung„einer Anzahl Stuttgarter Genossen"*) wohl auch noch einige Bemerkungen, und da Sie die Einsendung in den wesentlichsten Punkten bereits widerlegt haben, werde ich Wiederholungen möglichst vermeiden. Von vornherein will ich betonen, daß mein Artikel selbstverständlich nicht den Zweck hatte, die Sozialisten als harmlos, als brave, un- schuldige, mit Unrecht verfolgte Lteute hinzustellen, im Gegensatz zu den „Anarchisten", die mit allem Recht von der Polizei gehetzt werden könnten und sollten. Und ebenso wenig war es mir eingefallen, jeden Anarchisten so ipso als Gauner hinzustellen. obgleich auch hier die Praxi« dies öfters besorgt, als sogar mir lieb ist. Rur böser Wille oder Unfähigkeit, richtig zu lesen, können dies aus dem Artikel herauslesen. Ich nehme bei den Einsendern letzteres an; denn schon wiederholt habe ich die Erfahrung gemacht, daß brave und ehrliche Arbeiter, deren Temperament zu den sog.„radikalen" Propagandamitteln hinneigt, nur allzuoft nicht im Stande waren, objektiv zu denken und zu urtheilen. Bis zu einem gewissen Grade ganz richtig urtheilönd, zeigten sie dar- über hinaus absolute Unsähigkeit, den Streitgegenstand in voller Schärfe zu erfassen und die logische Konsequenz daraus zu ziehen; sie waren von da ab geradezu bornirt und, aufs politische Gebiet übertrage», F a n a- t i k c r. So erkläre ich mir auch die Thatsache, daß unter uns Sozialisten es eine Anzahl— ob groß oder klein, sei unerörtert— Genossen gibt, die in den Anarchisten Bundesgenossen sehen wollen, weil diese, wie sie, Gegner der heutigen Gesellschaftsordnung sind. Wie die Stuttgarter Protestler, behaupten auch sie, nur die Frage der Taktik trenne uns moincntaii,„im Grunde wollen wir alle dasselbe". Sie verstehen nicht, daß Anarchismus und Sozialismus nicht bloß zwei verschiedene, sondern geradezu zwei einander entgegengesetzte, einander ausschließen d eAn- schaumigen sind. Sie übersehen, daß der dem Anarchismus zu Grunde liegende Gedanke nur die Konsequenz der heutigen bürgerlichen Weltanschauung ist, der vollendete Subjektivismus, die Unterwerfung der Gesammtheit unter die Launen, unter das Begriffsvermögen des Einzelnen, oder vielmehr Unterwerfung unter das Interesse ver- cinzelter Individuen, d.je sich in Znteressen-Gruppen organisirt haben. Der Sozialismus dagegen erstrebt einen dieser bürgerlichen Auffassung gerade entgegengesetzten Standpunkt, eine neue Weltanschauung. Er fordert gerade die von den Anarchisten als unwürdige Sklaverei ver- dämmte Unterordnung deS Einzelnen unter den Wille» der Gesammt- heit; er will dem Widerstreit der Interessen zwischen den Einzclindi- viduen oder den einzelnen Gruppen ein Ende machen, indem er die Quelle dieses Jntcressenstreites, die Einzel-, die Privat-Produklion, vcr- unmöglicht, welche hingegen die anarchistische Einzel- oder Gruppen- Produktion auf förmlichen Zwergmaßstab zersplittern würde. Freilich ergeht es dabei diesen sonst ganz brave» Genossen wie den Meisten, die einen Gefalle» darin finden, sich Anarchisten zu nennen, obwohl das, was sie erstreben, wofür sie kämpfen, weshalb sie verfolgt werden— ich lasse das Lumpengesindel oben und unten hier außer Betracht—, nur in der Phrase und vielleicht in der Art des Kampfes sich von dem unterscheidet, was wir Sozialisten erstreben. Es fällt diesen Genössen auch nicht ein— und hier komme ich auf den Kern- Punkt meines Artikels zu sprechen— diejenigen von den Anarchisten ge- predigten„Grundsätze" zu theilcn oder nur zu vertheidige», die von mir als Gaunernioral und Diebestaktik gekennzeichnet wurden: sie sehen aber auch nicht ein, daß die Beschönigung jeden Schurkenstreiches, die Rechtferti- gung jeden Diebstahls, jeden litaubmordes, sofern nur die anarchistische Maske vorgesteckt wird, die einfache Folge solcher„revolutionärer Kriegs- taktit" ist. Und sie wollen nicht zugeben, daß die sozialistische Arbeiter- Partei ein Lebensinteresse daran Hat, diese Grundsätze, die alles Gesindel anlocken und alle rechtliche» Gefühle empören, zurückzuweisen. Als ob nicht sonst schließlich jede Möglichkeit der Unterscheidung aufhörte, ob man es in einem bestimniten Falle mit einem bornirten Fanatiker oder einem raffinirten Schurken zu thun hat. Diese Genossen von dem Zrrthum und der Schädlichkeit ihrer über- tricbcneu Toleranz zu heilen, das ivar mit die Absicht, die ich mit den Artikeln verfolgte, ivclchc Charakter mtd Handlungen einiger anarchi- stischcr Heiligen rückhaltslos blosstellten. lind es ist mir nachträglich ein Bundesgenosse entstanden, an den ich nicht gedacht und auf den ich nicht stolz bin, der aber gleichwohl der„Anzahl Stuttgarter Genossen" unter denen sich vielleicht«in paar Wmidelsterne befinden, sehr impo- niren wird. Es ist dies der große Anarchist I o h. M o st der in No. 34 der„Freiheit" gegen diese Artikel und über das Thema: Anar- chisten und Gauner überhaupt leitartikelt; er geht darin zwar über die Stellniachcr- zc.„Thaten" mit einem kunstverständigem Schweige» hin- weg, dieses Schweigen spricht aber Bände, wenn man erwägt, daß er über diese Taktik im Allgemeinen sein Urtheil orakelt. Es heißt da z. B.: „In Paris hat sich seit Jahr und Tag eine Art Gruppe Schinder- Hannes, bestehend aus mehreren Italienern und Belgiern, an deren ») Vergl. Nr. 36 des„Soziald." Spitze ein gewisser Pini stand, niedergelassen.-Der Zweck dieser„Gruppe" war einfach Dieberei im Großen wie' im Kleinen, und so weit hatte die Sache wetter nichts zu bedeuten, als eine Räuberbande ohne Lizens, die sich von anderen Spitzbubcn-Gesellschaften außerhalb der Kreise der regulären Atticngesellschaftcn oder Handelssyndikate nicht im Geringsten unterschied. Das Geschäft soll außerordentlich flott gegangen sein. Man munkelt von geglückten Operationen, bei denen bis zu 60,000', Franken hcraussprangen, was für die Mitglieder dieses Trusts eine ganz angenehme Sache geivesea sein mag. Bis dahin haben wir es ganz und gar mit Privatunternehmern zu thun. Neulich aber geriethen dieselben der Pariser Polizei ins Garn, und da wollten sie.„im Interesse der anarchi st ischcn Sache" geraubt und gestohlen haben. Hinter diese Behauptung setzen wir ein bedeutsames Fragezeichen..." „Im Ucbrigen aber chat sich herausgestellt� daß überall t>a, wo angeb- lichc Anarchisten sich bei ctivaigcn Privat-Spitzbübcreien hinter das „Prinzip" oder die„Sache" zu verstecken suchten, diese Duckmiwserci nur den Zweck haben sollte, die fragliche Handlungsweise ihres schofelen Charakters zu eutkleidcn. Daß aber auf solche Weise die ganze auarchi- stische Partei auf das Schwerste mißkreditirt undalso auch geschädigt wurde, darum kümmerten sich in der Regel die betreffenden Leute wenig oder gar nicht. Ja, wenn sie, wie im vorliegenden Falle, dem Räuber in den Abrnzzen nicht unähnlich, welcher als guter Katholik stets einigcSilberlinge nach erfolgreichem Raubzug in irgend einen Opferstock der Kirche gleiten läßt, einige Kleinigkeiten von ihren Raubcrträgnissen wirklich für anarchistische Zwecke vertuenden, so sind sie wohl gar völlig davon„überzeug t", daß sie die reinsten„Männer der That" seien". „Angesichts solcher ewig miederkehrender Schinderhannesiaden sehen wir uns veranlaßt, Nmnens der anarchistischen Partei solches Ge- sindel ein- für allemal gründlich und energisch zu dcsavonircn..." „Es mag ehedem Manchem von uns eingeleuchtet haben, daß es ganz praktisch wäre, wenn man die Mittel zur Bekämpfung der Bour- gcoisic foznsagen deren Geldspindcit entnähme. Aber, aber-die Praxis kam eben auch in dieser Beziehung, wie in so mancher anderen Hinficht mit der Theorie arg in Konflikt..." „Wer da vorgab, einen Expropriateur aus Prinz kp spielen zu wollen, wurde einfach ein Spitzbube zum Privat- vorthcil. Und ganz wie in dem angegriffenen Artikel komint Most zu dem Schluß: „Um so nothwendigcr ist es aber auch, daß reiner Tisch gehalten wird, d. h. daß jedes L u ni p e n p a ck, welches sich au unseren Rockschößen festznkrallen sticht, oder das uns der Feind in der Absicht, uns zu schänden und damit zu schädigen, daran zn hängen sticht, energisch abgeschüttelt wird, wie es heute wieder einmal geschehen mußte...., „Stur zu lange haben in dieser Beziehung die Anarchisten die Toleranz zu weit getrieben. Für alle erdenklichen Schwadroneure ohne Sinn und Verstand, für Kerle, lvelche aus anderen Organisationen wegen unverbesserlicher Kränkerei und Siänkerci herausgeworfen wurden, standen die Thüren offen. Solche Bruderliebe hat sich bitter gerächt. Heute ist das anders. Heute muß ein Mensch, welcher im Lager der Anarchisten Vertrauen erwecken will, Besseres als eine u n f l ä t h i g e Schnauze anfzuweisen haben." Soweit die„Freiheit", deren Redakteur bei der„Anzahl Sttitt- garter Genossen" wohl über den Verdacht erhaben ist, der„Engherzig- teit einer Anzahl in der sozialdemokratischen Bewegung journalistisch angestellter Personen" Ausdruck verliehen zu habe». Nebenbei gejagt. trifft mich dieser Vorwurf nicht— ich gehöre nicht zu diesen„Per- sonen", aber ich hielte es für eine Ehre, ihnen anzugehören— was wäre unsere Bewegung ohne diese„Personen"? Und ich mciue, der Protest habe durch diese dumme Insinuation an Werth nicht gewonnen. Wenn aber für die„Anzahl Stuttgarter Genossen" die„Freiheit" mit ihrem Todesurtheil über diese anarchistischen Gauner oder gauner- haften Anarchisten maßgebend sein dürfte, für die übrige anarchistische Welt ist sie eS nicht.„Revolte" und„Autonomie" rcklamircn Pini und Konforteu nach wie vor als Genossen, und erst in ihrer letzten Nummer glorifizirt die„Autonomie" wiederum diese Dicbestaktik als berechtigte große revolutionäre Maßregel. Auch mir iuiponirte Most mit dieser nachträglichen sittlichen Entrüstung nicht, die ihm jetzt durch die Logik der Thatsachen aufgezwungen wurde, während er früher das„Stell- machern" und„Verheilbronnern" als„sozialrevolutionäre Taktik" nicht genug rühmen koimte. Ich will aber hier auf dieses Thema so �venig eingehen als auf die übrigen falschen Darlegungen der„Anzahl Stuttgarter Genossen". Ilnd auch die trotz oben zitirten Artikels in zwei solgenden Nummern der „Freiheit" publizirten Schimpf-Ergüsse der neuesten Most'schcn Akquisition, des sattsam bekannten Wgr., will ich hier übergehen: nur gar zu bald werden wir ihn im Briefkasten der„Freiheit" abgeschüttelt finden als „Crank,"„Berufskrakehlcr",„Radauspitzel" imd wie die Kosenamen alle heißen, mit denen der zahme Hans seine früheren„rabiaten" Freunde und Kompagnons jetzt überschüttet, weil sie das geblieben find, was sie von je waren, während Hans wieder einmal ein Damas- kus sucht. Wenn die„Anzahl Stuttgarter Genossen" ttotzalledem noch heute die Anarchisten als ihre Brüder betrachten wollen, so neide ich ihnen diese Bcrwandtschast nicht— aber ich werde mir auch ferner gestatten, nur das Lumpengesindel vom Leibe zu halten, das sich in rcvolutio- närcr Draperie heranschleicht, wie ich mir auch die Freiheit nehme, noch jn andern Dingen, z. B. über die meisten der Ehikagoer Anarchisten, Die Verleumder des Weibes.') Eine Antwort auf die Bax'schen Artikel„Die Bert götterung des Weibes" („Sozialdemokrat Nro. 12, 13 und 14.") Jn allen großen sozialen Fragen bringen die Gegner immer und immer wieder fast dieselben Einwendungen vor; die Erbringung des Gegenbeweise« ist, man möchte fast sagen, nutzlos. Die Sache ist nicht unnatürlich: derartige Probleme werden nicht durch Berminstgründc, sondern durch die Macht der gesellschaftlichen Entw.ckeluug gelöst. Das gilt auch für die Frauenfragc. Der Hauptcinwand aller Gegner der Enianzipationsfähigkekt der Frau, Le Bon's, Delauney's, Bax's zc., ist die Thatsache, daß die Iv eidliche Gehirn mafse kleiner ist als die männ- liche. Einige dieser Gegner vergessen vollständig, daß es sich dabei nicht um das absolute Gewicht, sondern um das relative handelt; an- dere, wie der Genosse Vax, schalten die Worte„bei sonst gleichen Ilm- ständen" ein, vergessen aber, die Umstände näher zn betrachten. Glück- licherweise haben die Untersuchungen einer großen Anzahl hervorragen- der Naturforscher auch über diese Frage Klarheit verbreitet und die scheinbar wissenschaftliche Grundlage der Behauptung unserer Gegner als hinfällig erwiesen. Vor Allem müssen wir annehmen, daß das geistige Vermögen nicht von dem absoluten Gewicht der Gehirnmasse abhängt; andernfalls müßten der Elephant, der Wallfisch und der Delphin weit intelligenter sein als der Mensch, da diese Thierarten ein schwereres Gehirn habend; weiter wüßten wir annehmen, daß ein großes Pferd(mit 8S6 Gramm Gehirnmaffe) fast doppelt so intelligent ist, als ein kleines(mit nur 496 Gr.) s) Wagner erzählt vom Gehirn eines Idioten, das 970 Gr. wog, während das einer normalen Frau nur 907 Gr. wog.; Le Bon erwähnt, daß die Gehirnmaffe der Polynesierinnen schwerer ist, als jene der heutigen Pariserinnen. Ich hoffe, Genosse Bax wird nicht be- Haupte» wollen, daß der Idiot intelligenter sei, als die normale Frau, oder die Polynesierinnen intelligenter als die Pariserinnen l ') Obwohl seit dem Erscheinen der Artikel, gegen die der vorstehende Aufsatz sich wendet, eine ziemliche Zeit verstrichen ist, bringen wir ihn doch gern zum Abdruck, nicht nur weil die Frage, um die es sich han- delt, heute genau so aktuell ist, wie vor fünf Monaten, sondern auch weil die Verfasserin— denn diesmal ist es eine Frau, welche gegen die Herabdrücknng des weiblichen Theils der Gesellschaft die Waffe der Poleniik schwingt— die Debatte um höchst beachtcnswerthes Material bereichert. Red. des„S.-D." •)-erbert Spencer. Psychology. Bd. 1. ') L. Manouvrier. Revue Scientisique Nr. 22, 3. Juni 1882. C. Clnpham") hat die Gehirne von 16 Chinesen(11 Männer und 5 Weiber) gewogen und fand für das Durchschnittsgewicht der männ-i lichen Gehirnmasse 1430 Gr. und für jenes der weiblichen 1293 Gr. Vergleichen wir diese Zahlen mit jenen von Wagner(14vi für Männer und 1262 für Frauen), von Huschte(1424 M. und 1272 Fr.), von Broca(1323 M. und 1210 Fr.), von Welcker(1390 M. und 1250 Fr.); von Sharpey(1403 M. und 1247 Fr.), von Pcacock(1417 M., schotj tische Ebenenbewohner), so finden wir, daß die Chinesen die Europäer in Bezug auf das Gewicht der Gehirnmaffe übertteffen. Wird der Ge- nosst' Bax daraus den Schluß ziehen, daß da» geistige Vermögen der Chinesen größer sei als dasjenige der Europäer? L. Manouvrier 5) macht darauf aufmerksam, daß die niederen Mon- schenrassen, wenn sie von hohem Wuchs« sind, die Europäer, nicht nur in Bezug auf das DurchschnsttSgewicht des Gehirns, sondern auch in Bezug auf die Ziffern der großen Gehirne, übertreffen. Solche Rassen siud die Patagonier, die Polyncsier, die Indianer Nordamerika's zc. Ich kann aber ein noch viel drasttscheres Beispiel anführen:' Broca, der bekannte Pariser Physiologe, hat den Kubikinhalt von 115 Schädeln aus dem 11. und 12. Jahrhimdert gemessen, und fand als Durchschnittsinhalt 1426 Kubik- Zentimeter; für Schädel aus der Zeit von 1783— 1723(125 an der Zahl) fand er 1462 K.-Z. Auf diese Thatsache gestützt könnte man zu dem Schluß komme», daß mit der steigenden Zivilisation das Hirngewicht wachse und, weil das wcib- lichc Gehirn kleiner als das männliche ist, weiter schließen, daß die Frau weniger intelligent sei als der Mann. Aber imglücklicher Weise hat derselbe Broca auch einige Schädel aus der Steinzeit gemessen und als Durchschnittsinhalt 1606 K.-Z. für männlich« und 1588 K.-Z. für weibliche gefunden") also einen viel größeren Inhalt, als bei denen die der heutigen Pariser! Vielleicht wird der Genosse Bax finden, daß Herbert Spencer nicht Unrecht hatte, wenn er in feiner Psychologie erklärt, das Hirngewicht hänge von der Beweg n ngs menge und von der Ver- s ch i e d e n h c i t dieser B e w e g u n g e n a b; die Thatsache mit den Troglodyten von Lozere findet dann die natürlichste Erklärung. Hören wir, was der große Darwin sagt: „Das männliche Gehirn ist, absolut genommen, größer als das Weib- liche, aber ist es auch im Verhältuiß zu den größeren Dimensionen ') Charlton Bastian. Le Cerveau Organe de la Pensee. Band IL S. 23 u. 24. 1882. Paris. ') L. Manouvrier. Revue Scientisique. Nr. 22, 3. Juni 1832. Paris. •) Wir haben nur den Durchschnittsiichalt besprochen, weil Broca diese Messungen zu ciner Zeit gemacht hat, wo er noch nicht genug ge- schickt war, und weil er die großen Schädel als männlich« und die kleinen als weibliche betrachtet hat. L. Manonv vier. loa. cit. j ein Urtheil zu hegen, das diese„Anzahl Stuttgarter Genossen" sehr ketzerisch finden dürften. 1 | Und wenn sie ein Vergnügen daran finden, das rücksichtslose Aus- sprechen solcher Anschauungen, die mit ihrer Auffassung und der ihnen zur Liebhaberei gewordenen krankhaften Retzpluttons-Romantik in Widerspruch steht, als„Schmukartlkel" zu bezeichnen, so will ich ihnen mich das nicht wehren. Ich weiß mich in der Auffassung dieser Frage mit der Mehrzahl qieiner Genossen einig, die, nicht in falschen Senttmentalitäten befangen, nie die Hand dazu bieten werden, die eigenen Reihen kor- rumpircn zu lassen und dadurch den Gegnern das Spiel zu erleichtern. Der Verfasser des Arttkcls„Anarchisten— Gauner?" Socheit der Einsender. Wir unsererseits wollen bei dieserGclegcnheit � noch einen Punkt hervorheben, dir für die ganze Streitfrage wesentlich in Betracht kommt. Von Anarchisten und Anarchisten f r e u n d e n ist i als Gegenargument gegen den Artikel„Anarchisten—Gauner" darauf hillgeuucikll. worden, daß auch ianerhalb der sozialdemokratsscheu. Parteien es„saute Brüder" gäbe, auch in ihren Reihen„nicht alles Gold sei, was glänze" zc. zc. Wir können, ohne damit selbstverständlich die Richtigkeit der vorge- brachten Beispiele anzncrkennen, das als möglich, ja wahrscheinlich zugeben, aber was ist damit bewiesen? Gar nichts. Wenn sich in die Reihe» der Sozialdemottatie faule Elemente einschleichen, weiin hier und da zeit- weise sich Mißbränche einstellen, wen» nicht alle ihrer Angehörigen die- jenige Charakterfestigkeit beweisen, die der harte Kampf, den sie führt, erfordert, so hat das mit ihren Grundsätzen und Lehren nicht das Mindeste zu- thun.-Es geschieht im Widersprueh mit ihuen, man kann sagen, als Rückwirkung der gesellschaftlichen Verhält- I nisse, innerhalb deren wir leben. Der Vorwurf, soweit berechtigt, trifft die Individuen, nicht die Partei. Di« Gauncrcheorie, wie überhaupt die Lehre vom„individuellen Kampf mit allen Mitteln", hat dagegen dje Korruption der eigenen Partei als naturnothwcudigcS Crgcbniß zur Folge. Der korrumpircnde Einfluß der heutigen Gesellschaft wird noch g e st e i g e r t, der Weg wird ihm nicht nur nicht verlegt, sondern künstlich geebnet. Und deswegen ist imd bleibt sie zu verwerfen und kann nicht entschieden genug vor ihr gewarnt werden. Einzelne Anarchisten sehen ihre Schädlichkeit auch ein; nicht nur in der„Freiheit", deren Leiter allerdings sich mif sehr trübe Erfahrungen stützen soll, auch in der„Revolte" haben sich Stimmen gegen sie erhoben. Aber die betreffenden Personen haben niäit die Energie, das, was fie für falsch und verderblich erkannt, nun auch energisch zu bekämpfen. Das verstieße gegen die„persönliche Freiheit". So lange es aber nicht, und zwar in der entschiedensten Form, ge- schieht, dürfen sich auch die Anarchisten nicht beschweren, wenn ihnen eine Parole wie die obige entgegengehalten wird. Das mag sich auch der„Sozialist" gesagt sein lassen, der in den Spalten des„Commonweal" seine Ueberlcgenheit über die deutsche Sozialdemokratie leuchten läßt. Es handelt sich durchaus nicht um die Frage, ob jemand radikaler denkt und energischer handelt, als es das sozialdemokratische Programm erlaubt, wie er seine Leser glauben machen will, und wenn er weiter eine Zleußerung Bebels aus dem Jahre 1885 — die wir heute wie damals von A bis Z unterschreiben— gegen uns ausspielen will, so ist dies em Mannöver, das bei Leuten, die den Ver- Hältnissen in Deutschland fern stehen, allenfalls ziehen mag, jeder über dieselben einigermaßen orientirle weiß, daß die Gaunertattik gewisser „Anarchisten" vielleicht in ganz Deutschland keinen energischeren Gegner hat als gerade August Bebel. Red. d.„S.-D." «AftTflarv/w»■ Sozialpolitische Rundschau. London, 25. September 1889. — Die Wahlen in Frankreich und die französische» So zialiftcn. Auf die außerordentlichen Schwierigkeiten, die sich den So- zialisten bei der diesmaligen Wahl in den Weg stellten, ist ini Leitartikel bereits hingedeutet; sie wurden durch die bodenlose Zersplitterung der Sozialisten und die dadurch bedingte kolossale A r m u t h der einzelne!» Fraktionen noch erhöht. So ist denn von Wahlerfolgen, die sich denen der Partei in Deutschland an die Seite stellen können, gar keine Rede. Nur in einer beschränkten Anzahl von Slrrondisscments trat die Partei ernsthast in dem Wahlkampf, und mir in einer Minderbeit derselben erzielte sie nennenSwerthe Erfolge. Selbst einige der Arbeiterabgevrd- neten, die bisher in der Kammer saßen, sind nicht wiedergewählt wor- den. Dagegen werden wahrscheinlich die Possibilisten C h a b c r t und D u m a y, die mit Boulangistcn in die Stichwahl kommen, gewählt werden, da sämmtliche republikanische Fraktionen für sie eintreten. Werden die Stinimen Boulangcrs, der im 2. Bezirk von Montmartre die Majorität hat, für«»gültig erklärt, so würde sich ihnen noch Josfrin zugesellen, der als Kandidat der vereinigten Republikaner die nächst- größte Stinunenzahl erhalten hat. Von den Kollektivisten kommt Thivrier in Mvntluyo«(A l l i e r) unter sehr günstigen Aus- sichten gegen einen Bonapartistcn in die Stichwahl, lieber die Aussichten G u e s d e in M a r s e i t I e widersprechen sich die Meldungen— des männlichen Körpers größer? Das ist ein Punkt über welchen es, meine ich, keine vollkommen verläßlichen Daten gibt." 7) QuatrcfageS sagt in seinem Buche„L'Lspeve hurnaine*' S. 298: „Bei gleichen Umständen ist das weibliche Gehirn ein wenig leichter als das männliche. Broca hat bewiesen, daß es sich so in allen Lebens- altern verhält. Aber dieser Unterschied scheint vollständig durch die Hiche des Körpers bedingt; denn setzt man die DurÄschnittShöhe des Weibes als 100 an, ja wird jene des Mmuies 109.43 sein, und wenn man das Gewicht der weiblichen Gehiriwuffe auf 100 ansetzt, so stellt sich das der männlichen auf 109.34." Wie Sie sehen, werther Genosse, drückt sich ein. so hervorragender Naturforscher wie Darwin dahin aus, daß man die Körperdimeiisionen in Betracht ziehen soll, und OuatrefageS bebauptet, daß im Bechältniß zur Körperhöhe die. Weiber ein wenig mehr Gehirn haben als die Männer(0.09 oder 0.1 Prozent). Jn einem Aussatz„On tlie weigllt of human hrain and on the circum- stances affecting it" im„Journal of Mental Science"') erzählt Thur- nam, daß Tiedcmanu genau wie Quatrcfages annahni, der kleinere Schädelinhalt des weiblichen Schädels sei durch die geringere Körper- höhe der Weiber zu erklären. Thurnam aber findet nach den großen Tafeln Boyd's, daß auch verh.ltnißmäßig mit der Körperhöhe da« weibliche Gehirn um 2 Prozent leichter fei als das männliche." Alle jedoch, Darwin, Ticdcmami, Thurnam, Quattesages, Eharlton Bastian:c. sprechen nur von der Höhe des Körpers; warum aber wird nicht das Körpergewicht mit dem tvehirngemichte verglichen? Eine solche Vergleichung habe ich im Jahre 1881 in einer Antwort an? Herrn Delaunay angestellt.�) Ich kannte damals weder das Buch Quatrefagcs', noch die Rechnungen Tiedemann's, Thurnanlls zc., aber ich war sehr erstaunt, daß Naturforscher wie Wag««, Huschke, Broca Zc. nur von dem absoluten Gewicht des Gehirns sprachen, und unternahm eine sehr einfache arithmetische Rechnung, in der ich die Durchschnitts- zahleil über das Körpergewicht und das Gehirngewicht benutzte, welche Delaunay selbst, Taupinard zc. gebracht hatten. Hier folgt die Rechnung. Nach Wagner: durchschnittliches Gewicht des männlichen Gehirns 14»9 Gr.; durchschnittliches Gewicht des weiblichen 1262 Gr. Wenn ich das Gewicht des weiblichen Gehirnö als Einheit nehme, wird jenes des männlichen 1.117 sein; oder, wenn ich das Gewicht des weiblichen Gehirns durch 100 darstelle, so wird jenes des männlichen durch 112 dargestellt werden. *) Ch. Darwin. L» selection sexuelle et la descendence de l'hoxnine. T. II. 343. ») Zitirt von Charlton Bastian, I. c. S. 21. ') Oontemporanul. Erster Jahrgang. S. 295. 1881. Jaffy. Ru- mäuien. sehr fltjumc Zahlen liefen bis � jetzt nicht vor. Da Aiir leider,, bis dtt Wochenblätter eintreffen, auf die Bourgeoispreffe angcwlescn sind, so können wir auch nicht annähernd.berechnen, wie hoch sich das sozialistische Gesainmtvotum stellt. Die Telegramine derselben bezeichnen bald er- klarte Sozialisten einfach als Republikaner, bald harmlose Bourgeois, Republikaner, die ein bischen in Sozialreform machen, für Sozialisten. Sich die Iezeichnung„Sozialist" alK Rebentitel beizulegen, ist überhaupt Mode in syrankreich. Es klingt hnbsch und kostet nichts, erschwert aber den wirkliche» �oziaUslcn den Kamps»»gemein. Alles in Atlem giau, den.wir übrigens soviel schon porauhmgen. zu dürfen, daji, trotz �allen Selnvicrigkeiten das Kesamintrcsnitat eine Zunahme d e r �'o z i a- l i st i j ch e. n Stimmen aufweisen wird. � Genosse Bebel hat, wie wir im..Berliner Volksblatt" lesen, ,chei der deutschen Arbeitcrpresie angeregk, uom l. Okt. ab eine genaue W o ch c n st a t i st i k über alle A a str cg cln zu ..cheröffeutlichen, die aus G r u n d h e s S o z i a l i st e» g e s e tz e s gc- troffen würden..Also Verbote und Sluflösimgcn.vou BersaninllüngÄ und Vereinen, Verbote von Blättern und Schriften, Ausweisungen, gericht- liche Verurtheilungen k. Die Ausammeustclliuig der Angaben der ein- zelnen Blätter will alsdann Bebel veranlassen und von Zeit zu Zeit veröffentlichen, auch soll der.Reichstag alljährlich eine solche Zusammen- stellung erhalten. Beschließt der Reichstag den dauernden Bestaub des Soziallstengesetzes, so werde die sozialdemokratische Fraktion in jeder . Session einen Antrag auf Aufhebung desselben einbringen, um eint Debatte über die verhängten Maßregeln zu ermöglichen. Die Absicht!, durch dauernde Einführung des Sozialistengesetzes den Debatten über � dasselbe zu entgehen", schließt die Rotiz,„dürste durch diesen Plan durchkreuzt werden". Der Gedanke ist sehr gut, und namentlich die einleitend erwähnte Anregung entsvricht einein längst empfundenen Bedürsniß. Wiederholt haben wir in früheren Jahren versucht, in unscrm Blatt eine solche Chronik einzuführen, die Ausgabe begegnete..mr so vielen technischen Schwierigkeiten, daß wir auf ihre Verwirklichnng unsrerseits Verzicht leisten mußten. So begrüßen wir den Schritt Bebels um so freudiger und hoffen. daß dem Zusammenwirken der Arbeiterpresse in Deutsch- land möglich sein wird, was für das im Ausland erscheinende Organ ein Ding der Unmöglichkeit war. — Tisyphus-Ttaatsrettcr ist wieder an der Arbeit; er quält sich wieder ab mit dem Stein, der ihm zum tansendslen Mal enfc- schlüpft und den Berg hinabgerollt war. Jetzt hat er das Geheimnis des Mißerfolges cntdeckr. An der Schule hat es gelegen, daß das Spiel der Reaktion nicht besser, daß es gar nicht gelungen ist. Dir Schule muß„verbessert", sie muß vollkommen gemacht, d. h. so Angerichtet werden, daß sie keinen staatsgefährlichcn Gedanken in das Kindcrhirn einläßt, jeden staatsgefährlichen Gedanken auspumpt, und das Ideal des„Rüruberger.Trichters" verwirklicht, indem sie den Schädel mit solchen Gedanken, Gefühlen u. f. w. füllt, welche vorher den P o I i z e i st e m p c l erhalten haben. Die Schule„muß auf die Höhe ihrer Ausgabe gebracht werden":'fU soll die Revolution an der Wurzel treffen, sie darf kein Atom des revolutionären Gists in die Ktnderschädel gelangen lassen, sie muß in die Kinderschädel de» Haß gegen die Revolution, Furcht und Abscheu vor der Revolution einfüllen — und das Spiel der Reaktion wird gelingen! Also denkt Sisyphus, der sich diesmal in die Knabengestalt, des jüngsten„Alten Fritz" gehüllt hat— und Sisyphus ist für einen Augenblick ganz vergnügt.-- Ach, wenn Sisyphus etwas gelernt hätte, dann wüßte er, daß ans denselben pfiffigen Gedanken schon viele Andere vor ihni verfallen waren. Zum Beispiel die Jesuiten: gewiß sehr geschetdte Leute, welche die Reformation durch eine„richtige" Erziehung vernichten wollten und— heute, nach 300 Jahren genau so weit sind, wie am ersten Tag. Und wenn er etwas gelernt hätte, der kleine Sisyphus— dann würde er vor Allem wissen, daß die Schulen, und zwar ganz besonders die Schule in seinen eigenen Landen, schon feit fast einem Jahrhundert daS Rtenschenmögliche geleistet haben in Lunvto der„richtigen" Erziehung — und daß Alles nichts genutzt hat. Und. wenn er etwas gelernt hätte, unser schneidiger Westentaschen- Gisyphus— nun, dann war« er eben kein Sisyphus: das Wesen de? Sisyphus beruht ja gerade darauf, daß er nichts gelernt hat. Also lassen wir den neuesten Sisyphus wälzen, wälzen— lassen wir ihn Kirchen bauen, die Schule mehr und mehr zur Verdnmmungs- und Dressur-Anstalt machen— die Revolution scheint durch jede Ritze in die große Bastillc des Geists, mid durch jeden Spalt sickert die Fluth der R e v o l u t i o n— jeder Arbeiter, der im Schweiß seines Antlitzes schanzt, um einen Anderen zu bereichern, wird ein Up oft«» der Revolution: jeder Polizist, der das Recht»lit Füßen tritt, wird zum Agitator der Revolution, und unter allen Agitatoren der Revolution wirkt keiner aufreizender, umstürzlerischer als unser Sisyphus der Kleine. Und hurrah!—„mit Donnergepolter enttollt ihm der tückische Marmor".— So sang schon der alte Homer. Die Dichter aber find Propheten. Und unter dem Marmorblock des Sisyphus, der einen prächtigen G r a b st e i n stir die Monarchie abgibt, mag der jüngste„Alte Fritz" sich begraben lassen. — Eine neue Lesart. Die Berk.„Kreiizzeitnng", die seit ewiger Zeit tvieder in ihrem rechten Fahrwasser ist, hatte jüngst mit der Berl. „Nationalzeitung" eine Polemik über dke Abschaffung, bezw. Nicht- 1410 1262 c= 1.117 oder 1.12. *****"S Sf»S0= U'9-w also, wenn das weibliche Gehirngewicht durch 1(X) dargestellt wäre, das männliche wie oben durch 112 dargestellt. � 1323(märntl. Gehirn)„. Broca: � �l. Gehirn)= 1-095 0b€r U0:«""" ba6 weibliche Gehirngcwicht durch 100 dargestellt wäre, würde das männliche durch 110 dargestellt. Vergleichen wir nun die Durchschnittsgewichte der Körpcr und nehmen wir als Unterschied zwischen Mau» und Weib nur 8 Rilogr., obgleich mehrere Naturforscher, unter anderen auch Gay, den Delauuay zitirt, 11 ZHIogr. annehmen. Nach dem Durchschnittsgewichtc von 9157 amerikanischen Soldaten. 64.4 jiögr.(Durchschnittsgewicht des männlichen Körpers): 56 Kgr. (Durchschnittsgewicht.des weiblichen Körpers)— 1.141 oder 1.14; d. h. das Durchschnittsgewicht des Weibes als 100 angenommen, wird jenes des Mannes durch. 114 dargestellt. Nach dem Durchschnittsgewichtc von 12,740 Bayern. 65.5 Kgr. (D. des m. K.): 57.5(D. des w. K.)— 1.139 oder 1.14 wie oben; das Durchschnittsgewicht des Weibes als 100 angenommen, wird das des Mannes durch 114 dargestellt. Nach dem Durchschnittsgewichtc von 61?Engländcrn 68.8(D.d.m.S.): 60.8(D. d. w. K.);= 1.131 oder 1.13; das Durchschnittsgewicht des weidlichen Körpers als 100 gesetzt, wird das des Rkannes durch 113 dargestellt.'") Es stellt sich heraus, werther Genosse, daß,„bei sonst gleichen Um- ständen" die Weiber 1, 2, 3 oder 4 Prozent Gchininmsse im lieber- schuß haben. Das heißt für 100 Gr. weihlicher Gchirnmasie sollten die Männer 113 oder 114 Gr. besitzen, in Wirklichkeit haben sie nur 110 bis 412 Gr. Dw Thatjache kann noch plastischer ausgedrückt wer- den: es mangelt de>n uläiinll,cheu Gehirne, nach dieser Rechnung, von 25 bis 5 l G r a m»i G e h i r n m a s s e.") Also, geehrter Genosse,„die Thalsache fängt an, sich mit vernichtender Ge- walt gegen die blinden Lertheidiger der männlichen Ueberlegcnheit zu wenden" l Wenn wir statt der Höhe, wie Quatresoges, das Körper- gewicht in Betracht ziehe», so stoßen wir sogleich auf erfreuliche Re- sullate für die mtelletluelle Ebenbürtigkeit der Frauen. .Abschaffung des Sozialistengesetzes. Im Verlauf der- selben erklärte das walderseclige Jliakerblatt, die Abschaffung des Schandgesetzes verlangen, heiße„von Kaiser und Reich Waffen- streckung vor der Sozialdemokratie verlangen." „Eine schöne Phrase, eine vorttefftiche Phrase", würde Friedensrichter Schoal sagen. Und auch den hohen, höchsten und allerhöchsten Patronen der.Kreuzzeitung" wird sie außerordentlich gefallen:„die Waffen strecken? Nimmermehr, das dürfen>vir schon des Prinzips halber nicht. Kein Patriot kann Kaiser und Reich so etwas znmutheu". Wir auch nicht. Auch uns gefällt die Phrase.„Kaiser und Reich"— dieses, in Waffen starrende Reich— auf ein janimervolles Ausnahmegesetz mis gegenüber angewiesen, Kaiser und bleich sich mit dem Wahlspruch brüsten: ,Mir. fürchten Gott und sonst tzüeinnnd", und dann schleunigst hinter den schützenden Wall des Schandgeseycs kriechen zusehen— wir müßten sehr anspruchsvoll sein, wenn uns solches.Bild nicht mit hoher Genilgthiumg erfüllte.;.• Wir gönnen den tapferu Rittern, für die die„Kreuzzeitung" schreibt, die vcrschUssene Waffe des elendesten aller Polizeigesetze. Ihnen macht sie Freude, und uns— nun, sagen wir. Freunde. — Mit was. für Jammerlöhnen ganze Arbeiterkategorien in Deutschland sich noch begnügen müssen, darüber enthalten die vor, einigen Wochen erschienenen Berichte der preußischen Fabrikinspektoren, so tendenziös schön färb er isch sie in ihrer Mehrheit gehalten find sehr bezeichnendes Material. So gibt der Gewcrbcrath für Oppeln(Oberschlcsien) folgende, auf Grund eingehender Ermittelungen erfolgte Zusammenstellung der in seinem Bezirk gezahlten Löhne: A. Geringere Löhne(pro Schicht): Also der niedrigste Lohn für: Meister, Ausseher-c...... 2,21 Gelernte Arbeiter..... 1.24 Nicht gelernte Arbeiter..... 0,58 Jugendliche Arbeiter..... 0,37 Weiblich« Arbeiter...... 0,34 B. Höchste Löhne: >») Die Körpergewichte sind der A n t h r o p o l o g i e Taupinard's entnommen. ") Wenn wir als Unterschied des Gewichts von Männern und Wei- bern mit dem Gewäbrsmann Delaunay« 11 Kgr. annehmen, hätten Mir 35—70 Gr. gesunden. Also der Lohn für: Meister, Aufseher zc...... 7,83 Gelernte Arbeiter...... 3,20 Nicht gelernte Arbeiter..... 3,01 Jugendlich« Arbeiter..... 1,31 Weidliche Arbeiter...... 1,44 Das also sind die Pole, innerhalb deren sich für den Proletarier in jenem, von der Natur so reich ausgestatteten Landstrich die„Glückskugel" bewegt! Unnütz hinzuzufügen, daß die mit den„höchsten Löhnen" Be- dachten die Minderheit, die„Aristokratie" ihrer Klasse ausmachen. Es bis auf 3 Mark 20 Pf. pro Tag zu bringen, ist für die Masse der Proletarier ein unerschwingliches Ideal, und diejenigen weiblichen Pro- letarier gelten als die Glückspilz« ihrer Klasse, die es bis zu— hört! hört!— 1 Mark 44 Pfemnge pro Arbeitsschicht bringen. Die Mehrzahl muß für Löhne schanzen, die bis zu 34, schreibe vier und dreißig Pfennige pro Tag heruntergehen. Liest man diese Zahlen, und hört man dann wieder das Geschrei des reichsdeutschen Ausbeuterthums nach größerem Polizeischutz gegen die Begehrlichkeiten der Arbeiterklasse, dann wird man doppelt von Widerwille» erfüllt über die Verkommenheit dieser Profitscelen— von Eckel und zugleich von Scham, daß diese Gesellschaft noch immer den Ton angibt in Deutschland, sie, die durch ihre Schmutzkonkurrenz den deutschen Namen im ganzen Aus- land verhaßt gemacht hat. Aber nur Geduld, werther Genosse, L. Manouvrier hat viel mehr bewiese«.") Hören Sie nur: „Der Einfluß des Körpergewichtes ans das Gehirngewicht fällt in's Auge, tvenn wir die Zahlen in der Wirbelthierereihe beobachten. Dieser Einfluß Ist ebenso angenscheinlich für den Menschen, und es ist wunder- bar, wie so viele Naturforscher, auch nachdem diese Wahrheit von an- deren beleuchtet»nd besprochen wurde, sie noch nicht anerkannt babcil. „Es gibt eine Menge von Thatsachen, die den Einfluß der Körpers- höhe auf das Gchlrngewicht beweisen. Die»iedercii Menschenrassen, von hohem Wuchs, weisen nicht nur ein größeres Durchschnittsgewicht des Gehirns auf, als die Europäer, sondern auch die Ziffer der großen Gehirne ist bei diesen Nassen größer. Man muß sich nicht einbilden, daß die Jnteltigenz einer Menschenrasse durch die Ziffer der großen Go- Hirne bestimmt wird, denn die Patagonicr, Polynesier und die Indianer Nordamerita's übertreffen uns Pariser und alle Rassen Europa's bei Weitem nicht nur durch die Ziffer der großen Gehirne, sondern auch durch den größeren Durchschnittsinhalt der Schädel. „Der Einfluß der Körperhöh« auf die Größe deS Gehirns wird durch die Thatsache bestätigt, daß die kleinen Schädclinhalte bei Rassen mit geringer Körperhöhe, wie die Buschmänner, die Andamener und die indischen Parins, gefunden werden. „Alle Naturforscher, die wirklich wissenschaftlich über die Gehirnfrage geschrieben, haben sich über den Unterschled, den die beiden Ge- schlechter aufweisen, mit der größten Behutsamkeit ausgedrückt; andere Schriftsteller dagegen haben, namentlich während der letzten Jahre, diese Frag« so leichtsinnig behandelt, daß sie vor dem Publikum kom- promittirt worden ist. Wenn zwischen Mann und Weib ein intellek- tueller Unterschied obwaltet, muß derselbe jedenfalls sehr gering sein, weil ein Psycholog wie Stuart Mill erklärt hat, diesen linterschied nicht gefunden zu haben. Tie Körperhöhe, die Muskelkraft, die Körper- masse, bieten sehr große Unterschiede dar, wegen dieser Unterschiede hat man die Frauen das gebrechliche Geschlecht genannt: und Schriftsteller, die nicht fähig waren, diese augenfällige» Unterschiede zu erkennen, maßten sich an, einen psychologischen Unterschied festzustellen, das heißt, eine weit schwierigere und verwickelter« Aufgabe zu lösen, und haben die Stimme erhoben, das Lob des eigenen Geschlechtes zu singen! „Folglich kann der geschlechtliche Unterschied des Gehirngewichts und de« Schädeliiihalts, wissenschaftlich genommen, nicht als den Frauen nachtheilig bezeichnet werden. Alles beweist, daß dieser Unterschied von dem Körpergewicht abhängt; es gibt keinen anatomischen Grund, die Frau als zurückgeblieben und dem Manne in Betreff der Intelligenz untergeordnet hinzustellen. Ich werde dies bald beweisen. „Das Verhältuiß zwischen dem Gehirngewicht und der Körperhöhe ") Le Manouvrier. Revue Scientifique. Nr. 22. 3. Juni 1382. Schmutzkonkurrenz, das ist, nach der Ansicht der herrschenden Sozial- reform-Quacksalber, der Lebcnsberuf der preußischen Jiwustric. So steht denn auch der Gewcrb. rath für Breslau— Fries ist der?!ame des Herrn— nicht an, folgende Warnung vor wirksamem Arbeiterschuy seinem Bericht beizugeben: „Da ein großer Thcil des Fabrikates nach dem Auslände geht, so würde eine weitere Verschärfung der Vorschriften über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen in Glashütten, als durch die Bestimmungen der Bekanntmachungen vom 23. April 1879 geschieht, nicht wünschenswerth sein, da sie leicht die Konkurrenzfähigkeit beetn- ttächtigen und so die heimische Industrie schädigen könnte". Keinen Arbeiterschutz— er könnte die heimische Konkurrenz- Fähigkeit schädigen, keine internationalen Verträge über Arbeiterschutz— Ausbeutung, ungehinderte Ausbeutung bis auf's Blut! Was kommt es darauf an, wenn Taufende von Proletarierqcistcuzcn schon von frühester Jugend an verkümmern, wenn der Keim frühzeitigen Todes ihnen im Dienst des Kapitals eingeimpft wird— es ist--ja nur „Kanaille", um die es fich dabei handelt, und die zählt nicht, rveiin der heilige Profit auf dem Spiele steht! — Unglaubliche Anstrengungen. Was so ein armer Kaiser für sein Lumpengehalt von 15 Millionen Mark Alles leisten muß, davon macht sich ein geivöhnlicher Sterblicher gar keine Vorstellung. Zum Glück gibt es jedoch noch gute Seelen, die es sich zur Pflicht machen, der„schoflen steuerpflichtigen Masse" ganz unverdiente Aufklärung dar- über zukomme» zu lassen, wie ihr von Gottes Gnaden ihnen znertheilter Herrscher sich für das Wohl seiner Unterthanen plagt. Solch einem dienst— eistigen Geist gibt die Anwesenheit des Rundreise-Kaisers in Hannover— beiläufig erst die 37. Reise seit der Thronbesteigung I — Anlaß zu folgendem Panegyrikus in der„Kölnischen Zeitung", dem die„Norddeutsche Allgemeine" und der ganze übrige Rcptilientroß natürlich pflichtgemäß sofort die w e i t e st e V c r b r e i t n n g gesichert hat: „Unser Kaiser nimmt seine Herrscherpflichten anßerordcntlich ernst; wenn es erlaubt ist so zu sage»:„der Dienst geht ihm über Alles". Eine seiner schwersten und verantwortlichsten Pflichten wird es über kurz und lang sein, die Millionen von Streitern, welche er im nächsten Kriege auf die Beine bringen muß, hinauszuführen, so Gott will, zum Siege und zum Ruhme des deutschen Patcrlandes. Und da will und lvird der Kaiser selbst Führer und Leiter sein, und deshalb lernt und stndirt er unablässig und benutzt jede Gelegenheit, um sich zu vervoll- kommnen. Da wird den fürstlichen und sonstigen Zuschauern kein präch- tiges, sorgfältig vorbereitete« militärisches Paradcstück vorgeführt: so weit als möglich wird Alles ernsten Verhältnisse» angemessen. Welchen Anstrengungen sich dabei der Kaiser unterzieht, das ist schier unglaub- ltch; sie sind weit größer, als sie im Kriege sein würden, wo keine schweren Repräsentationspflichten an den Feldherrn herantreten. Man vergegenwärtige sich nur gestern und heute: gestern früh Vorträge, dann Gesangauffühung des hiesigen Domchors, Empfang der Abordnung der Universität Göttingen, Feldgottesdieust, Vorträge, Audienzen, kurze Pause, Pferderennen, Prunkmahl der Provinzialvorstäiide. Theater- Vorstellung, und das Alles in ununterbrochener Reihenfolge. Gegen 11 Uhr kehrte der Kaiser aus dem Theater zurück, und nun erst fand er die Generalidee für das heutige Manöver vor und mußte in der Nacht noch die Dispositionen treffen und dieselbe seinen Unterführern mittheilen lassen. In aller Herrgottsfrühe ging es dann schon wieder hinaus. Und als die Spitzen der Nordpartei bald nach 9 Uhr mit den ersten Reitern des Feindes drei Kilometer westlich Spinge zusammen- stießen, da hatte der Kaiser schon fünfunddrcißig Kilometer im Sattel zurückgelegt, nachdem er bis zum Sammelplatze der Kavalleriedivision gefahren war und in Linden den feierlichen Empfang der Bürgerschaft entgegengenommen hatte." Ist das nicht eine wahre,„wenn es erlaubt ist, so zu sagen",»m den byzantinischen Stil des Dienst— eistigen beizubehalte», Pferde- arbeit? Gesangaufführung, Empfang einer Anwedclnngs- Deputation, Pferderennen, Feldpredigt- Anhören, Prunkmahl, Theatervorstellung— wahrhastig, solch ein Regent ist ein bejammernswerthcs Geschöpf. Wie glücklich ist doch der schlesische, sächsische, rheinische Weber, der kein Prunkmahl einzmieh- men braucht, wie beneidenswerth der Maschinenbauer, Tischler, Schuster, der sein Nichtsthnn am Schraubstock, an der Hobelbank, ans dem Schusterschemel nicht durch die fürchterliche Arbeit des ZnschancnS bei einem Pferderennen zu unterbrechen braucht. Und welchem Berg- arbeitcr muthet man zu, seine sröhltche Unterhaltung des Kohlenschürfms durch Besuch einer Theatervorstellung zu unterbrechen! Um außer dem Anhören von Vorträgen seiner Räthe und der Beschäftignng mit seinem Steckenpferd, Kriegsspiel, sich noch solchen Strapazen zu unterziehen, dazu muß man eben ein Kaiser sein, der seine Zlnfgabe„außerordentlich ernst»tmtllt". Nun, hoffentlich nehmen es sich die beglückten Unterthanen zu Herzen und bewillige» ihm nächstens eine frische Lohnerböhnng. Sind ja doch die L e b c n s m t t t« l p r e i s e noch immer im Steigen begriffen, für welch wohlthätige Wirkung der„Fürsorge für den armen Mann" allein ihm ein Extradank der Nation gebührt. Ist's nicht so, Mann der Arbeit? Schnür' den Schmachtriemen enger und schreie Hurrah! Du bist, sofern du dem deutschen Reiche an- ' gehörst; der glücklichste aller Erdenbewohner! — Er ist ein Wundcrkaiser, dieser Wilhelm H Nach dem obigen Herzenserguß fährt der Dienst— eifrige fort: ist kleiner bei dem weiblichen Geschlecht als bei dem männlichen"); aber das erklärt sich leicht: die Körperhöhe drückt die Entwickelnng, oder besser das Gewicht des Körpers nicht genügend aus. „Vergleichen wir aber das Bcrhältmß der Gehirngewichte, so finden wir, daß die Weiber mehr Gehirn als die Männer haben, sowohl während der Kindheit wie während des Lebens überhaupt. Der Unter- schied ist nicht groß, aber er würde viel ansehnlicher sein, wenn wir nicht das Fett, welches sich in viel größerer Menge bei den Weibern findet, und das als eine inerte(unthätige) Masse gar keinen Einfluß auf das Gchirngewicht hat, bei dem Körpergewicht eingerechnet hätten." Später, im Jahre 1883, veröffentlichte L. Manouvrier in der l.Nmn- mer der„Revue Scientisimie" folgende Resultate seiner Untersuchungen. „Wenn wir das Gewicht des männlichen Gehirns, Schenkclknochens, Schädels, Unterkiefers jedesmal durch 100 bezeichnen, so finden wir für das Gewicht de« weiblichen Gehirns 88,9 „„„„„ Schädels 8.5.8 II'„ Unterkiefers 78.7 „„„„„ Schcnkclknochens 62.5 „Welter ist es eine bewiesene Thatsache, daß das Gewicht des Ske- letts(ohne Schädel) sich wie jenes des Schenkelknochcns verändert, wir können also das Gehirngelvicht mit dem Gewichte des Schenket- knochens vergleichen. Aus de» oben angegebenen Zahlen folgt, daß die Weiber im Bcrhältniß 26.4 Proz. mehr Gehirnmasse haben." Sehen Sie, werthcr Genosse, wie die Sache„bei sonst gleichen Um- ständen" fich verhält? Drücken wir aber die oben angesiihrte Zahl noch etwas plastischer aus. Wenn der Mann 100 Gramm Gehirninasse besitzt, sollte die Frau statt 100, nur 62.5 Gr. besitzen: sie hat aber, wie gesagt, 88.9 Gr., also einen Uebcrschuß von 26.4 Gr. Proz. Folglich, wenn wir als Durchschnittsgewicht des männlichen Gehirns 1410 Gr.(»ach Wagner) annehmen, sollte das weibliche Gehirn nur 961.25 Gr. bettagen, statt 1262; also hat das Weib 301.75 Gr. Gehirnmasse mehr, als das Per- hältnisi forderl. Nehmen wir die Zahlen Huschke's, so finden wir einen Ucberichnß von 372 Gr.; und endlich mit den Zahlen Broca's finden wir 383 Gr. Uebcrschuß. Also, b e i s o n st gleichen U in st ä n d e n haben die Frauen zwischen 300 und 400 Gr. mehr G e h i r» m a s s e a l s d i e M ä n n e r. Wo bleibt die männliche Ueberlegcnheit? (Schluß folgt.) ") Wir haben gesehen, daß Onattefages dieses Verhältniß bei Frauen ein wenig größer als bei Mit mer» gefunden hat. Tbiirnani fand das Gegen thetl. ganz wie L. Manouvrier. Das finde ich natürlich»nd glaublich, weil da« Verhältmß vo» den Judividncn, welche verglichen wurden, abhängt. „Wie der Kaiser siudirt und arbeitet, davon hier noch eine kleine Geschichte, die freilich mit dem Manöver selbst nichts zu thun hat. Als Prinz hatte er stets ein großes Interesse sür die Kriegsakademie bc- wiesen und ließ sich jedesmal im Frühjahr die Aufgaben für die Prü- fungsarbeiten ausfolgen, die er dann ebenso wie jeder andere Akademie- fchülcr, und zwar stets ausgezeichnet löste." „Stets ausgezeichnet"— wann hätte ein Prinz eine Aufgabe nicht „ausgezeichnet" gelöst? Das erinnert an die„ausgezeichnete Ucdersetzung" von mare nigor= das weiße Meer.„Ganz recht, mein Prinz, das weiße Meer, vortrefflich. Nur nicht ganz weiß— etwas ins Graue gehend— genauer— mehr dunkclgrau— oder eigentlich schwarz. Aus- gezeichnet: mars niger— das schwarze Meer. Prinz, Sie sind ein Genie!" Wetten wir, daß der Prinz es geglaubt hat und Diener es der stau* »enden Menge schleunigst mitgetheilt haben? — Eine lehrreiche Klage aus kapitalistischem Munde. Aus dem, bereits i» voriger Nummer von uns zitirten Jahresbericht der Grcfelder Handelskammer ist noch folgende, auf die Verhältnisse der S a m in e t i n d u st r i e bezügliche Stelle beachtenswerth: „Die Ungunst der M o d c für die großen durchschlagenden Sammt- artikcl hielt das ganze Jahr hindurch an, und leider sehen wir auch für das Jahr 188!) noch keiner Äesserung entgegen____ Die Vereinigung der Sammtfabrikanten im Sommer 188K, durch welche dieselben sich verpstichtcten, nicht unter einer Minimalgrenze zu löhnen, die 15 pCt. unter der in Kraft getretenen St o r m a l l i st c für glatte und fa�onnirte Sammte bestimmt war, ging leider im Herbst des Be- richtsjahres durch den nach und nach stattfindenden Abfall der einzelnen Fabrikanten ihrem Ende entgegen, und in der Sitzung des Einigungs- amtcs vom'26. Oktober 1888 wurde dieselbe zeitweise aufgehoben. Da dieser Verpflichtung, der sich die Fabrikanten unterwarfen, gleich- zeitig eine Verpflichtung d e r A r b e i t n e h m e r, nur sür die- jcnigen Fabrikanten zu arbeiten, die der Vereinigung angehören, nicht gegenüberstand, so konnte dieselbe nicht von langer Dauer sein. Die der Vereinigung angehörigen Fabrikanten sahen denn auch zu ihrem Nachtheil bald ein, daß die nicht beigetretenen das ganze Geschäft zu Preisen an . sich rissen, die auf unglaublich n i e d r i g c n L ö h n e n basftt waren. Während Elftere ihren Webern selbst zu Minimallöhnen keine Arbeit beschaffen konnten, gingen die Weber in Massen zu Letzteren, um sich Wcbkctten zu irgend einem Lohn zu holen, der ihnen angeboten wurde. So sehr dies auch dem eigentlichen Interesse des Arbeiterstandes entgegen war, so wenig kann man es doch dem Weber, der für seine Familie zu sorgen hat, verargen, daß er den geringsten Lohn der Ver- dicnstlosigkeit vorzieht. Aber sicher i st e s a u ch andrerseits, daß, wenn sichznjenen dürftigen Löhnen keine Weber ge- fundeu hätten, die Kundschaft eben so gut den Preis d e z a h l t haben würde, der den besseren Minimallohn zuließ"... Die Handelskammern sind aus Vertretern der Kapitalisten zusammengesetzt, und ihre Berichte werden von Leuten verfaßt, die in erster Linie das Interesse der Kapitalisten zu berücksichtigen haben. Ans solchem Munde nun vernehmen wir eine bewegliche Klage— worüber? Daß im Bezirk der Handelskammer in der Sammt-Jndustrie die Arbeiter in das dem Unternehmerthum sonst so theure„freie Spiel der wirthschaftlichcn Kräfte" nicht eingegriffen, das Gesetz von Angebot und Nachftage nicht durch Bildung einer Lohn- k o a l i t i o n beeinflußt haben. Wohl wahr, es sind spezielle örtliche Vcrhältnisie, welche dem Verfasser des Berichts diese Klage abgezwungen, aber sie sind nicht so wesentlich verschieden von den allgemeinen Ver- Hältnissen, unter welchen sich das wirthschaftliche Leben unserer Zeit abspielt, daß man nicht eine allgemeine Nutzanwendung daraus zu ziehen berechtigt wäre. Wir sehen zunächst eine Fabrikantenvercinigung, welche Minimal- löhne festsetzt. Sicherlich nicht aus reiner Menschenliebe, sondern als ein Mittel, der Schlcuderkonknrrenz untereinander ein Ziel zu setzen. Aber diese Verabredung erweist sich als unwirksam, warum? Weil ihr keine „Verpflichtung der Arbeitnehmer— will sagen Arbeiter— nicht zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten, gegenüberstand. Eine solche Verpflichtung" konnte natürlich nur von Arbeitern gegen Arbeiter bestehen, und die war nur zu erreichen auf dem Wege der O r g a ni s a ti o n. Die Klage des Handelskanmierberichts übersetzt sich in eine Klage über die Abivescnhcit einer genügenden Organisation unter den Arbeitern. Wer ist aber dafür verantwortlich zu mache»? Wir wollen die Arbeiter nicht ganz freisprechen, obgleich ihre große Nochlage sie bis zu einem gewissen Grade entschuldigt, aber die G l c i ch g i l t i g k e i t der Arbeiter- gegen ihr Klasseninteresse wäre nicht möglich, wenn sie nicht von Staat und Unternehmerthnm gleichmäßig genährt würde, sowohl durch Verbreitung falscher sozialer Begriffe als auch direkt durch Untergrabung aller ernsthaften Organisationsversn che. Staat und Unternehmerthnm, sie sind es, die sich überall de» Versuchen der Ar- bester, durch wirksame Organisationen ihre Klassenlagc zu heben, cntgcgenstcmincn, und hier sehen wir eingestanden, wohin der Mangel solcher Organisation führt: zu„unglaublich niedrigen Löhnen". Merkt's Euch, Arbeiter! — Der„blaue Montag" ist in den Augen des Bourgeois, namentlich desjenigen, der in der Woche sechs Tage faulleuzt und am siebenten— ausruht, eine der schändlichsten Gewohnheiten, sozusagen die Erbsünde des- an Lastern so überreichen Arbeiters. Daß dieser blaue Montag lediglich ein llcberbleibscl ans der schönen Zeit des blühenden Znnft-Handwerks ist, ist dem Philister ebenso unbekannt, wie daß der- selbe als Volksfitte durch die moderne Industrie anf, ntchl immer sehr sausten, aber ganz natürlichem Wege immer mehr ausgerottet wird, man kau» mit Fug und Recht sogen, bereits ausgerottet ist. Als Volkssittc wohlverstanden. Aber der moderne JndustrialiSinns hat schon manches Wunder fertig gebracht, und so lesen wir in süd- deutschen Blättern von einem Wiederaufleben des„Blauen" in einer neuen, zeitgeniäßercn Form, lim bessere Preise für- ihre Produkte zu erzielen, haben die Fllrther Fe i n g o l d s ch l äg ere i besi tz e r beschlossen, die Produktion einzuschränken, und zu dicseni Zweck angeordnet, daß bis anf Weiteres Montags gar nicht und Sonnabends nur den halben Tag in ihren Werkstätten gc- arbeitet wird. Die Arbeiter werden also„Blaue machen"— par Ordre duMoufti. Ob sie wollen oder nicht, am Montag heißt es ftir sie: Faullcnze! Woher aber plötzlich diese Schwärmerei der Ausbeuter für den„blauen Montag"? Die Sache ist sehr einfach. Würden sie dasjenige Mittel, die Produktion einzuschränken wählen, das sich als das naNirgeniäßigste darbietet— nämlich die H e r a b s e tz u n g der t ä g l i ch c n A r b e i t s- zeit, so würden sie nicht darum herumkommell, den Arbeitern die alten Löhne fortznzahlen oder gar sie an der erstrebten Preissteigerung theilnehmen zu lassen. Dieser Gräuel vor dem Herrn soll aber unbedingt vermieden werden und darum dittircn sie plötzlich den Arbeitern nicht das Recht— nein, die Pflicht zur Faulheit. Und während der alte blaue Montag ein Tag des Genusses war, wird der neue, Plaue Montag" ein Tag des EntbehrenS. Da läugne einer noch, daß wir in der Aera des Fortschritts leben. — Eine prächtige Satirc auf das moderne Eigenthum hat jüngst ein belgisches Bourgcoisblatt,„l'Etoile bclge", gebracht— natürlich unfreiwillig. Das Leiborgan des Brüsseler Spießbürgcrthuu.s veröffeut- lichte Dienstag vor acht Tagen die Liste der den belgischen Ausstellern auf der Pariser Weltausstellung zuerkannten Auszeichnungen. Und am Fuß dieser Lifte stand in mächtigen Lettern zu lesen:„Gesetzlich geschützt.— Nachdruck verböte n". Wie aber war die Redaktion des„Etoilc belge" selbst in den Besitz dieser Liste gelangt, die sie so sorgfältig unter die Obhut des Gesetzes zum Schutz des geistigen Eigenthums stellte? Antwort: Durch Diebstahl. Kostbar, nicht wahr? Aber thim Rothschild und Konsorten, wenn sie ihre Geldschränke durch Polizcibeamte, die biedern Landjunker, die ihre Accker durch Feldjäger bewachen lassen, etwas andres als die„Etoilc belge"? — Aus der Pfalz wird u»s geschrieben: Auch die Genossen der Pfalz haben bereits die Vorbereitungen zur n ä ch st e n Reichs- t a g s w a h l getroffen. Am Sonntag den 15. September tagte in Neustadt an der Hardt im Burthard'schcn Saale ein pfälzischer A r b e i t e r t a g, um die Arbeitcrkandidaten der verschiedenen pfälzischen Wahlkreise zu nominiren. Für den 1. Wahlkreis wurde ernannt: Genosse Fr. I. Ehrhardt aus Ludwigshafen; im II. Wahlkreis: Jos. Huber aus Ludwigshafen; im IV. Wahlkreis: Mayer aus Pirmasens; im VI. Wahlkreis: Dr. R üdt aus Heidelberg(? Red.). Der III. und V. Wahlkreis mußte unserseits unbesetzt bleiben, denn hier hat selbst der „Troß der Fortschrittsa— hner" noch nicht einmal Boden fassen können; Vertreter aus diesen Wahlkreisen waren nicht zugegen. Unsere Genossen iverden sicherlich die rührigste Agitation entfalten, damit der schönen Pfalz wieder der alte demokratische Ruf wird; denn heute feiert der Rationaliberalisinus noch hier seine Orgien. Im Uebrigen war der Parteitag, der von Morgens 10 Uhr bis Nach- miitags 2 Uhr unter dem Vorsitze des Genopen Ehrhardt aus Lud- wigshafen tagte, von zirka 200 Genossen der Pfalz besucht, woran sich Rachmittags'M Uhr eine allgemeine Volksversammlung unter dem Vorsitz des Genossen Drcesbach aus Mannheim anschloß. — Oesterreich. Die letzte fällige Nummer der Wiener„A r b e i t e r- zeitung" ist ausgeblieben. Wie wir in der Brünner Arbeiter- zeitung lesen, ist dieselbe— was allerdings in Oesterreich nichts Neues — von der Konfiskation betroffen worden. Neu ist jedoch und zugleich überaus charakteristisch für die durch den neuen Justizminister Schönborn eröffnete„Rechtsära", daß der Redaktion die Herstellung einer zweiten Auflage nicht gestattet wurde. Was weiter folgt, bleibt abzuwarten", schreibt die„Arbeiterstimme". Gut, warten wir's ab. Einstweilen haben wir doch einen Anhalts- Punkt, wie das stolze Wort: Ich habe keine Lust, mit Ausnahme- g e s e tz e n zu regieren, gemeint war. — Ungarn. Wie den Lesern des„Sozialdemokrat" bekannt, be- stehen unter den ungarischen Genossen schon seit längerer Zeit Zwistig- leiten. Eine Minorität wirft der Parteileitung Vernachlässigung der Partciintercssen, GünstlingSwirthschaft und Terrorismus gegen jcd- wegliche Opposition vor, während diese ihre Gegner als gewerbsmäßige Skandalmachcr hinstellt, welche gerade durch ihre Angriffe die Aktion der Partei hindern. Es find uns neuerdings von beiden Seiten auf diese Streitigkeiten bezügliche Flugblätter?c. zugegangen; und weiter ist uns der Wunsch ausgedrückt worden, der„Sozialdemokrat" möge dazu Stellung nehmen.... Wir müssen das jedoch entschieden ablehnen. Wären die Diffcreuzen prinzipieller Natur, handelte es sich um taktische Fragen, so würden wir mit unserer Meinung sicher nicht hinter dem Berge halten, ohne für uns Unfehlbarkeit zu beanspruchen. Aber es haudelt sich in Ungarn, bezw. Budapest, fast ausschließlich um Personen- und Verwalwngs- fragen, und diesen gegenüber ist jedes Dreinreden von draußen durch- aus vom Uebel. Ohne genaue Kenntnisse der Verhältnisse können Dritti: unmöglich genau bcurthcilen, in wie weit die erhobenen Vorwürfe zu- treffen, und ein auf mangelhafte bezw. einseitige Iiiformatron gestütztes Urtheil wird mehr schaden als nützen. Ist die. Partei in Ungarn reformbedürftig, so muß die Reform von innen heraus erfolgen und die darauf abzielenden Bestrebungen werben sich auch schließlich Bahn brechen. Ist die Opposftiou aber unberechtigt, so wird sie allmählich an ihrer eigenen Schwäche zu.Grunde gehen. Einsttveilcu können wir daher nur, da es nicht nach unserm Geschmack ist, billige Moralpredig- ten zu halten, und da wir. die Einigkeit, bevor die Gegensätze sich ge- klärt, durchaus nicht- für Pie- höchste aller Pflichten halten, nur den Wunsch ausdrücken, daß man anf beiden Seiten über die gegenseitigen Beschwerden nie das große gemeinsame Ziel außer. Acht lassen, sonder» im Gcgcnthetl sich bestreben möge, die als unberechtigt empfundenen Vorwürfe durch die T h a t, durch desto eifrigere Propaganda-Arbeit zn widerlegen. Dann wird selbst der Konflift in seinen Wirkungen der Sache zum Heile gereichen. Wie oben bereits gemeldet, kommt Jules G u e s d c in Mar- s e i l l e in die S t i ch w a h l. Es geht uns nun die Nachricht zu, daß die Mittel unserer französischen Genossen, die den Kampf gegen alle bürgerlichen Parteien aufgcnoinnicn, total erschöpft Pnd, und wird daran die Anftage geknüpft, ob nicht die deutschen Sozialisten, die ihre internationale Solidarität so oft schon bewiesen haben, auch in diesem speziellen Falle ihre» ftanzösjschcn Genossen einige» Suklurs leistep könnte». Mit Jl>l<;s.Guesde, der imzweiftthaft größten redne- rischen Kraft unter, dyi frauzöstichen Sozialisten, würde der revolutionäre Sozialismus einei; Pertretpr.von un schätzbaren! agitatori- s ch e n W c r t h ist der französischen Kammer erhalten, und es würde daher doppelt bedauerlich sein, wenn aus bloßem Geldmangel der Sitz an einen Bourgeoiskandidaten verloren ginge. Wir glauben, dieser'Appell spricht für sich selbst. Wir ersuchen also diejenigen Genossen, die in der Lage sind, etwas für unsere ftanzösischen Freunde zu thun, ihre Beiträge denselben auf dem schnellsten ihnen bekannten Wege zukommen zu lassen. Eile thut noth, da die Stichwahl schon am 6. Oktober stattfindet. Eventuell bediene man sich der Adresse Paul Lafargue's: 60, Avenue des Ehamp- Elysees, Le Perreux(Seine). Kapitalisten- Lied. (Nach der Melodie des Räuderliedei von Schiller zu singen.) Ein freie? Leben führen wir, Was kümmern uns die Nrbeitsleut'? Ein Leben wie die Götter. Sic soll'» Kartoffeln fressen. Das Arbeitsvolk ausbeuten wir, Sic müssen für uns fleißig sein, Kouponchens flott abschneiden wir. Wir.ttiukeu. Sekt und schmausen fein Wir haben stets gut Wetter. Und hgltey uns Maitressen. Heut' streichen wir die Zinsen ein, Nicht brauchen wir in Höhlen uns, Die Dividenden morgen. In Schluchten uns verbergen. Wir sind die Herren.dieser Welt Das Heer, die Polizeigewall, Und machen stets, was uns gefällt Mit ihrem Bajonetteuwatd, Und haben keine Sorgen. Sie sind ja uns're Schergen. Gerechtigkeit verlachen wir, Prosit! heißt unser Streben. Wir saugen and'rc Menschen aus Und leben flott in Sau? und Braus. Das Kapital soll leben! Z. E. Hillcr. sind hier zu haben," dies natürlich, damit Memand Verdacht hegen kam, wenn auch Männer hineingehen. Wir warnen die Genossen vor den obengeschilderten„Mausefallen" und empfehlen deren Inhaber der nachdrucksvollsten Aufmerksanikeit, w» immer sie sich zeigen sollten. Thunlichste Weiterverbreitung erbeten. Die Warner aus Berlin Sud-Ost. Sprechsaal. Der frühere Bäcker und Konditor, jetzige Barbier I a b o z j n s k i, W r a n g c l strafte Nr. 48 in Berlin und Sorauer straße Nr. zweites Geschäft,— vor dem schon früher gewarnt worden sei» soll,— ist wieder„an der Arbeit." Er führt ein Vcrzeichniß von A r b e i t e r v c r k c h r s l o k a l e n. Auf Befragen darüber, er- klärte er,„d aß er daselbst zu verkehren Hab c." Skalitzerstraßc Nr. 61 gab er sich bald darauf als Maurer ans, konnte aber zufällig mit ein paar Ohrfeigen sofort an scincn Spitzel- beruf erinnert werden. � Für seine Vielseitigkeit spricht ferner, daß er auch als Gehilfe eines„H i m m c l s b c f ö r d e r e r s" sich versuchte, insofern er sich der Frau eines lange Zeit kränklichen Riehl- und Vor- kosthündlers anerbot, einen Doktor zn besorgen, der dem Mann „den n ö t h i g e n Paß ausstellen würde", um Ihn„so langer Qualen" und seine Frau der damit verbundenen„Last" zn entheben. Der Mann ist ohne den liebenswürdigen.„Heilgchülfen" indeß glücklich genesen und wir wollen hiermit mir die Hände gekennzeichnet haben, deren sich unser erleuchtetes Spitzelrcgiment gegen die Sache des arbeitenden Volkes zu bedienen pflegt. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir zugleich daran, wie einträglich in Berlin das Geschäft des S P i tz c l n s ist: Ein uns seit Jahrcsftist als fest angestellt bekannter Spitzel Namens Gebhardt, wohnhaft Görlitzerstraße Nr. 44. treibt neben- bei ein M i l ch- B a ck w a a r e a- und V o r k o st g c s ch ä f t. Der Hausivirth scheint mit unter der Decke zu stecken, denn es steht im Ein- gang nur zu lesen:„Gebhardt im Laden" und„S ch ü l k e im Laden". An der Firma ist kein Name; da soll Einer dann rathen, wer Gebhardt und wer Scliülkc ist. Nebenbei trägt oben an der Ecke der Ladeuthüre ein kleines Schild die Aufschrift:„Preiswerthe 5-Pf.i-Ztgarren Zur Warnung in No. 36 des Sozialdemokrat. Aus Paris sind rms jetzt folgende Personalien des K r e z e zuge- gegangen, der mit dem bekannten H. Obcrwiuder während de» Internationalen Kongresses in Verkehr gesehen wurde und wahrscheinlich auch jetzt noch weitere Beziehungen zu dem in Berti« gegen unsere Partei wirkenden O b e r w i n d e r unterhält. Franz Kreze(oder Kreiczi) ist Oesterreicher, Schuhmacher von Beruf und wohnt in der Rue Vouvillier No. 39 in Paris. Sein Atelier befindet sich Rue Oblin No. 7. K. ist 28 Jahre alt, verheirathet, Mtr. 1,80 groß, hat braune Haare, schwachen Bartwuchs und spricht österreichischen Dialekt. Sein angebliches Vertrauens schreiben seitens der österrei- chischen Partei, durch einen Genossen ausgestellt, soll von 1882 her datiren und ist unter diesen Umständen als hinfällig zu erachten. Die Pariser Genossen erklären dies und warnen hiermit wiederholt vor Kreze und Personen seines Umgangs. Briefkasten der Expedition:---- Fr. 40.— vom rothen Schuster Winfthr. (Lausesalbe) per Ufds. dkd. erh.— Meisenlocker: Mk. 18. 50 Ab. 3. Qu. u. Schstn. erh. D. Schmtz. Hrslndn.: Fr. 2.— Ab. 3. Qu. erh.— Brngl. Zrch.: Fr. 2.— Ab. 4. Qu. erh.— Seet. S. L. P. Paterson: Sh. 8.-2 Ab. ab 1/9 89— 1/3 90 erh. Ad. geordn. Beide Bl. gehen unter einem Band.— E. E. B.: Nachr. v. 18/9 hier u. Bstllg. notirt. Dkschrft. jc. folgt baldigst. Im Weiteren einverstanden. Hoffentl. klappts aber.— H— h: Ihr„Ad- miral" ist unvergessen geblieben, aber—„der- Herr Admiral hat io seinem Rock ein gdoßcs Loch." Wo? Melden wir, sobald er aus Nirgendsheim zurückkehrt.— W. L. Nochester: Sh. 8.3 f. 4 div. Qu. Ab. erh. Nach Inhalt Ihres Bfs. nehmen wir an, daß daS 4. Qu. nur an O. gehen soll. Preis in Einzelbezug halb- jährig 1 Doll. per Expl., von'10 Expl. ab billiger.— T. D. Philadelphia:, Brf. v. 9/9 erh. und besorgt.— Rother Geldsack: Mk. 675.85 per Ab. 2. Qu. u. Mk. 20. 20 per 4 dir. u. 1 indir. 4. Qu. erh. Weiteres bfl. am 21/9.— I. W. Kkm. Ldn.: Sh. 1. 1 f. Schft. erh.— D. alte Rothe: P.>t. v. 18/9 erh. u. inhaltl. notirt. Bfl. mehr.— Pfcifenkopp: Sic müssen diesmal unbedingt cinspringen. Bstllg. u. Ad. nolircn wir u. berichten bfl. Weiteres.— Erfst. und Spbrg.: Bf. v. 16. am 18/9 erh. u. beantw. Dnkschftbstllg. notirt. Bei diesen Preisen ist Vorausbezahlung unerläßlich.— Xanthias: Bf. v. 19/9 u. Beil. erh. Allen gerechten Wünschen wird entsprochen werden. Sogar der„höhere Rummel" hat sich indeß vonselbst gefunden. — A. Hhn. N.-Nork: Nmttd. erh. 1. Qu. ist allerdings auch für uns jetzt veraltet. Bestllg. folgt.— I. HchS. N.-Dork: Nmttd. erh. u. Bstllg. notirt. Quttg. in Nr. 38.— Rorhcr Wenzel: Mk. 30.— a Cto. Ab. zc. u. Bfe. v. 19/9 erh. Ab.:c. notirt. Bfl. mehr.— Lanfrm. Ebicago:(30 Doll.) per 6 Pfd. a Cto. Ab.:c. erh. Bstllg. folgt.— W. Ebhdt. Charlcston: 1 Doll. f. Dkschst. erh. Sdg. folgt.- A. Sgle. London: Sh. 1.1 f. Schft. erh.— Der Gequälte: Mk. 6.70 per Verlege gntgebr. Bstllg. folgt. Bfl. Weiteres.— N. N. v. d. f. d. Fed. Ldn.: Sh. 4.4 f. Schft. erh.- Slbel: Mk. 12.- Ab. 3. u. 4. Qu. erh. Wen man nicht für absolut sicher hält, dem vermittelt man auch solche Aufträge nicht- Ihre angebliche Deutlichkeit war, wie wir jetzt sehen, eine„Z w c i-D e u t l i ch k e i t", worüber bfl. Näheres.— C. Bkr. E. S. A.: Mk. 6.-2 Ab. T. 3 u. 3 Ab. 4. Qu. erh. Weiteres später nach Wunsch.— Blöder: Das ist uns unbegreiflich. Bstllg. besorgen jetzt nach Wunsch. Dkschft.-Preise sind nur gegev Baar-Voranszhlg. verstanden.— Lionel: Mk. 315.— in Baar u. in Sa. Mk. 119.44 per Ggr. erh. Anthle. ec. betreffend bfl. Weiteres. Bstllg. notirt.— Dante: Bf. v. 23/9 erh. u. inhaltl. notifizirt. Be- stellg. folgt.— Utopia: Ad. lt. Vorlage v. 23/9 geordn. ErftagtcS ist im franz. Kongr.-Prot. Seite 17 erwähnt.— Clara: Adr. lt. Vorl. v. 22/9 geordn. n. Beil. K. besorgt.— Loreley: Auszug folgt nach Wunsch, ebenso ordn. Adr. Hoffentl. wirds nun aber zum Sonntag sicher.— Hexenthurm: Mk. 20.- Ab. 3. Qu. u. Schft. erh. Bstllg. und Adr. notirt und Weit, vorgci».— P. Bltz. Lceds.: Shl. 4.— 2 Ab. 4 Qu. erh. u. Adr. geändert. Danksagung. Ich fühle mich verpflichtet, den Freunden und Genossen der d e n t» scheu sozialdemokratischen Mitgliedschaft, sowie den Mitgliedern des Deutschen Arbeitervereins in B a s e l so- wohl für ihre mir erwiesene thatkräftige Unterstützung als auch namcnt- lich für ihre rührende Fürsorge für meine nach meiner Abreise erkrankte Frau einstweilen, d. h. bis ich im Stande bin, es ihnen wieder zu vergüte», öffentlich meinen besten Tank auszusprechen. 'P h i l ä b e l p HI a, den 3. September./" Fridolin Dürr, Drechsler. Wir empfehlen unseren Genossen den nur noch in sehr bc- schränkter Zahl vorhandenen Leipziger Hochverrathsprozeß von 1872 Preis: Mk. 3.—(Frk. 3.75). Gerade heute, nach Erscheinen des ersten Theiles der Denkschrift, bietet er für Alle, welche sich über die vorsozialistengesetzliche Geschichte unserer Partei informiren wollen, eine Fülle des imeressantesten und authentischsten Materials. Ebenfalls nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind: Briefe deutscher Bettelpatrioten. Preis: Mk. 2.—(Frk. 2.50). Ein ausführliches Vcrzeichniß über Namen, Stand?c. derjenige» Deutschen, welche seinerzeit von Kaiser Napoleon Unterstützungen er- bettelt haben und beradc heute doppelt interessant, weil gar mancke dieser„Beitelpatrioten" jetzt vor Bismarck und Wilhelm wedeln, sich als die Pächter des Patrotisimis und Deutschtbums hinstellen und gegen das„undeutschc",„vaterlandslose Gesindel" der Sozialdemokratie don- ncrn. Es ist also ein sehr nützliches Stachschlagebuch, Ivelches in zahl- reichen Originalbricfcn und Auszügen, die totale politische Verlumpung der Gesuchsteller kennzeichnet. Zahlreichen Bestellungen sehen entgegen E. Scrnstcm � Co. 114 Kentish Town Read, London, N. W.(England.) Soeben erschienen in Kabinet-Format: » Photographie von ix. Engels. Pendant zur gleichen Photographie von K'. Marx. Preis M. 1.- Fr. 1.25. Bestellungen aus der Schweiz richte man an die Lie 5chnstkN-FiliaIt der Arbtiitlßimme Zähringerstraße 12, Zürich. Printed for the proprjetor« by the Oerraan CooperaUtt Publishinf C»» 114 Kentiah Town Road London N. W.