Abonnements «etWn beim Verlag und dessen belamilen Agenten entgegengenommen, und zwar zum vorau»»«hlbara« Vierteljahrdpreil von: Ml. i.iO für Deutschland(direft per Bries-Couvirt) iwfl. 2,75 stir OeSerreich(direlt per Brief-Coupert) Ehi2. 2,— filr«S« übrigen Länder de» Weltpostverein»(Kreuzband). Zllsrrite die dreißespaltene Petitzeile 8 Peuce--- 25 Pfg.--- 30 Ct». Der mmldcMkrat Erscheint wöchentlich einmal m London. Ztcrkao Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. der lZerwau Losperntivgpudilishiiix Co. E. Bernstein& Co., London N. W. 114 Kentisb Town Koud. V«IIstilduugtii franko gegen franko. Gewöhnliche Briefe «ach England kosten Doppelporto. � 41. Brief« an die Redaltion und Erpedition de» in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Eozialdemolrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schule man UN» die Briefe nicht direlt, sondern an die belannlen Deäadressen. I» iweiselhastin Fällen eingeschrieben. 12. Oktober 1889. Vom politischen Horizont. Väterchen soll nun also wirklich doch nach Berlin kommen. Der halbasiatische Despot ist seinem, ihm so gleichgesinnten Vetter in Berlin den Gegenbesuch schuldig, und so gern er ihn bis zu dem Tage aufgeschoben hätte, da er an der Spitze von etlichen hunderttausend Soldaten in die Reichshmlptstadt einziehen wurde, so scheint er doch gefunden zu haben, daß das zu lange dauert, als sich mit Europa's übertünchter Höf- lichkcit verträgt. So bedeutet der Zarenbesuch in Berlin zwar nicht den Frieden— den gibt es überhaupt nicht mehr— wohl aber eine Hinausschiebung des Ausbruchs der offenen Feindseligkeiteil. „Den Frieden gibt's nicht mehr— ja, leben wir denn nicht im Frieden?" So unterbricht uns vielleicht einer der Leser. Je nun, wie man's nimmt. Wer genügsam ist, mag die jetzige Aera der fieberhaften Rüstungen Friedeil nenneil wir habeil für diesen Zustand, der aufreibender am Mark der Völker zehrt, als ehedem die blutigsten Kriege, einen andern Namen. Es ist der chronische, oder um es mit einem deutschen Wott zu bezeichnen, der schleichende Krieg. Wohl stehen sich die Heere>wch nicht in offener Schlacht gegenüber, wohl stießt noch kein Blut, aber wie alle chronischeil Leiden jeden Augenblick in heftig austretende sich vermandeln köniien, so schützt dieser chronische Krieg keineswegs die Völker vor dem Ausbruch des, den Massenmord mit sich führenden akuten Krieges. Im Gegentheil, je länger der Erstere andauert, um so größer die Verheerung, welche der Letztere anrichten wird. Mit jedeni Jahr schwellen die Armeen mehr an, immer gewaltiger werden die Heeresmassen, welche die einzelnen Ra- tioneil gegeneinander in's Feld führeil, die Zahlen der größten Kriege der Vergailgenheit verblassen, verglichen mit den Zah- len, welche der„kommende Krieg" aufweisen wird. Man höre nur, was ein genauer Kenner der Verhältnisse, ein „Fachmann", vor einigeil Tagen darüber veröffentlicht hat: Der preuszische Major Hugo Hinze gab neulich in einem Vortrage in Berlin einen lieberblick über den Stand der Armeen im Jahre „Damals habe Deutschland— die(iirciizcn ebenso gezogen, wie heute— '130,000 Mann. Oesterreich 350,000, Italien'�00,000, Frantrcich 000,000, Rußland 850,000 Mann Truppen zu stellen vermocht. Die Gesammtzahl der waffenfähigen Mannschaften aller Völker habe also zu jenem Zeitpunkt 2,730,000 betragen. Im Jahre 187<», entivickelte er dann, habe sich dieselbe auf 41.. Mi lt. belaufen und zwar stellten die einzelnen Mächte: Deutschland 1,b0o,00, Oesterreich 000,000, Italien 835,000, Frankreich 1,170,000, Rußland 1,400,000 Mann. Auch diese Zahlen haben wir heute, Dank der Arbeit der Militär- schraube, wcithinteruns gelassen: heute beträgt die Zahl der Waffenfähigen für Deutschlmid 2,000.000. Oesterreich 1.800.000, Italic» 1,700,000, Frankreich 2,000,000, Rußland 4,500,00» Mann. Diese Truppen seien allerdings nicht sammt und sonders 3,5 oder ein Jahr lang ausgebildet, sie seien aber sänimtlich im Stande, mit der Schuß- Waffe umzugehen und hätten auch sonst eine genügende militärische Vor- bildung. Ziehe man nun gar dtejenigeu Reserven in Betracht, die jede Nation im äußersten Nothfalle aufzubringen in der Lage sei, so ergäben sich noch ungemessenere Zahlen, nämlich für Deutschland 0,4 Mill., für Oesterreich 3,0 Mill., für Italien 3,1, für Frankreich 4,0 Mill., für Rußland 8,0 Mill., letzteres werde allerdings für einen europäischen Krieg nur 6 Millionen verwenden können." Das sind zusammen dreiundzwanzig Millionen fünf- Malhunderttausend Menschen! Die kräftigsten, ge- sundesten Männer, die Blüthe der Rationen. Was das heißt, wenn alle diese plötzlich der Produktion entzogen, aus Er- nährern, die sie bisher waren, zu Ernährten werden; welchen Verlust am Wohlstand der Völker es bedeutet, wenn diese unter die Waffen gerufen werden, das läßt sich einstweilen nur ahnen— in kurzem Zestraum vielleicht werden ähnliche Wirkungen sich vollziehen, wie sie einst der dreißigjährige Krieg über Deutschland gebracht hat. Und wie viel von den in's Feld Gesandten werden die Heimath wiedersehen? Die Steigerung, welche die Heeres- Massen erfahren, so groß sie ist, ist gering im Verhältniß zur Steigerung der verheerenden Kraft der Waffen. Alle Fortschritte der modemen Technik sind dazu benutzt worden, diese zu erhöhen, immer neue, immer furchtbarere Mittel der Zerstörung zu ersinnen. In diesem Punkt kennen die konser- vativsten Regierungen keinen Stillstand. Der asiatische Despot, der der Entwickelung des Menschengeistes so gern Halt ge- bieten möchte, der beschränkte Gottesgnadenheld, dessen Sinnen darauf geht, den Bildungsstand des deutschen Volkes zurück- zuschrauben— hier sind sie revolutionärer als der leiden- schaftlichste politische Revolutionär, hier rufen sie, gleich den Enthusiasten der Aufllärung: Fortschritt! Fortschritt! Fort- schritt! Hier nur einige Angaben über die seit 1870 in den Feuerwaffen vollzogenen Fortschritte: „Das Z ü n d n a d e l g e w e h r. mit dem man 8-9 Schuß in der Minute abzugeben vermochte," erscheint nach Hinze„wie ein Kinder- l P i e l z e» g gegenüber den heutigen Magazingewehren, die 8—9 Schilpe 20 Sekunden, also zwischen t8 und 21 Schüsse ,n der Mlniite zu leisten oerniögeii. Noch immenser aber seien die Lcistiingen ans dem Gebiete des A r t i l l e r i e w- s e n s; während ein glattes Gclchuiz früher 1000—1850 Meter weit zu feuern vermochte, erreiche das heutige »ezogenc Oieschütz— 7000 Meter. Es sei im Stande, ein schrapnel sovst M�er reit zu befördern, nnd diese angenehme Art von«neschoiie» Wcicn währc'ch ihres Flnges 200 Flintcnkngeln aus, von denen mm- bestens ein Viertel in aktive Wirksamkeit tritt. Gegenüber de» Lkistnngen �er F c st ii ii g S a r t i l l e r i e erscheine indeß auch dies als K l c i n i g- teil. Ei i Fcstungsgeschütz von 21 Eenrimeter Kaliber vermöge cm Geschoß von 175 Kilogramm Gewicht 10,000 Meter weit zu schleudern. 3-ank de', vervollkomniileten Sprengmittelil, gegen die das Pulver anai Uur ein Waisenknabe sei, schlage das Geschoß eines 15 Eenlimetcr- Geschützes 4 Centimeter tief in jede Panzerplatte, zerstöre diese also schon nach wenigen Schüssen. Eine Granale dringe 2— 3 Meter in Sand oder Lehmboden ein und zerplatze dabei in 370 Stücke, deren jedes mehr als 10 Gramm, und in 828, deren jedes zwischen 1 und 10 Gramm wiegt. Gegen die Resultate, weiche man mit Marinegeschützen erziele, kämen indessen auch diese Leistungen nicht auf; mit- telst der neuen Maschmcngeschütze sei man in der Lage, in der Minute 12—20 Schüsse auf eine Entfernung von 2000 Metern zu feuern; diese Geschütze erfordern z» ihrer Bedienung 3 Mann, leisten dagegen, da ihre Geschütze in der Minute 500 Flintenkugeln ausstreuen, dasselbe wie 25 Manu. Neuerdings behaupteten die Engländer, alles übrige durch ein Geschütz in den Schatten gestellt zu haben, welches 175-Kilogramm-Geschosse aus 19,300 Meter zu schleudern vermöge. Noch Unglaublicheres aber leiste die von dem amerikanischen Artilleriekapitän Zabinsky erfundene pneumatische Dynamitkanonc, die ihre Geschosse auf 4000 Nieter werfe, und die nicht einmal das Ziel zu erreichen brauche, um ihre verheerende Wirkung zu üben. Eine Kugel, in der Nähe des feindlichen Schiffes in das Wasser geschossen, sei ausreichend, das Schiff zu zerstören, oder mindestens dasselbe durch Störung der Maschinen- thätigkeit außer Gefecht zu setzen." Bedenke inätt nun, führte Herr Hinze weiter aus, daß Deutschland im Kriege von-1870/71, trotz der, im Vergleich zu den heutigen, äußerst unvollkommenen Waffen, 14 Proz. Verluste an Todten und Verwundeten erlitten habe, so werde man kaum zu hoch greifen, wenn man den DurchschnittSver- lust für einen künftigen Krieg auf 40 Proz. annehme. Vierzig von je hundert— und nun lese man noch einmal die obigen Zahlen durch und man hat ein Bild, was der Krieg bedeutet, dem die Völker Europa's unter der Fuh- rutig ihrer„von Gott gegebenen" Staatslenker zusteuern. Ist er wirklich unabwendbar? Wir antworten darauf: ja. Allerdings mit einer Einschränkung: solange das gegenwär- tige Regierungs- und Staatenst)stenl in Europa fortdauert. Daß der Besuch Väterchens in Berlin an den politischen Beziehungen Rußlands zu Deutschlands nicht das geringste ändern wird, bestreiten nicht einmal die amtlichen Sold- schreiber. Selbst wenn es dem Hohenzoller gegeben wäre, per- sönliche Abneigung in Zuneigung zu venvandeln, wurden die Beziehungen beider Länder zu einander unverändert bleiben. Sie sind nicht durch persönliche Sympathien und Anttpathien bestimmt, sondern durch die Interessen der in beiden Ländern eingeschlagenen Politik, die hier wie dort eine nothwendige Folge ist des ganzen RegierungSsystems. So ist die Gegnerschaft gegen das benachbarte Deutsche Reich, in dem nun einmal, trotz Wilhelm, westeuropäische Ideen herrschen, sozusagen Lebeiisbednigung des russischen Absolutismus. Derselbe Ab- sotulismus verträgt aber ganz gut ein Bündnis; mit der französischen Republik.' Daß er ein Biindniß mit einer fran- zösischen Monarchie vorziehen würde, untersteht keinem Zwei- sel, aber das ist nur eine Sache des Geschmacks, genau so wie es in Frankreich Leute gibt, die ein Biindniß mit einem freien Rußland dem mit dem zaristischen vorziehen würden. Trotz aller demokratischen Schmerzen steigen indeß auch sie„in den Pott"— im nationalen Interesse. Es ist überhaupt falsch, das Biindniß zwischen dem heutigen Frankreich und dem heutigen Rußland ein unnatürliches zu nennen— im Gegentheil, weil es so natürlich ist, wie nur irgend eines, verträgt es alle sonstigen Gegensätze. Und warum es natür- lich ist, haben wir des Oefteren schon ausgeführt. Es ward natürlich von dem Tage an, da Preußen- Deutschland Elsaß-Lothringen amiektirte, und wird natürlich bleiben, so- lange Preußen-Deutschland G e w a l t st a a t bleibt und auf den Knaus des Säbels gestützt, das Selbstbestimmnngsrecht der Völker mit Füßen tritt. Solange sind sogar noch ganz andre Bündnisse„natürlich" Weit mehr als Frankreichs sind z. B. die Einrichtungen der Schweiz denen Rußtands entgegengesetzt. Und doch sind grade unter den politisch-sreisimiigsten Elementen in der Schweiz heute die Sympathien für Rußland viel größer als für das Deutsche Reich. Hier nur ein Beispiel. Der gewiß unver- dächttge St. Galler Stadtanzeiger schrieb jüngst: „Die K a m in e r iv a h l c u in Serbien sind in voller Ruhe verlaufen, in voller Ruhe, weil m voller Freiheit— zum Erstenmal seit vielen, vielen Jahre». Das ist unter einer Regierung geschehen, welche für r u s s c n f r e u n d l i ch gilt. Die früheren Wahlen unter der Regierung Milans gingen stets unter größtem Drucke vor sich, daher damals stets die Unruhen, Tödtiingen, Verwundiingeu, Verhaf- tnngen und Verurtheilungen. Schon dieser Gegensatz ist bezeichnend für die Achtung der öffentlichen Meinung in Serbien von feiten der Anliänger der deutsch-ungnrischen„Zivilisation" einerseits und der„bar- bnrischen" russischen„Wühler" anderseits." � Aehnlichen Notizen sind wir in diesem wie in anderen Schweizer Blättern schon öfter begegnet. Liegt irgend ein Grund vor, sie als„dem Zareiithurn verkauft" zu dennnziren? Durchaus nicht. Der nationale Selbsterhaltungs- trieb treibt gerade die beste» Demokraten und Republikaner in der Schweiz Rußland in die Arme. Sie sehen die Freiheit ihres Landes von Deutschland zehnmal mehr bedroht als von Rußland. Und wie es in England steht, zeigt der gegen den Drei- Hund gerichtete Artikel in der neuesten Nummer der„Contem- porary Revirtv". Ob er von Gladstone verfaßt oder bloß be- elnslußt ist,— genug, er drückt die Sympathien eines großen Tyeils der englischen Liberalen, weiter Kreise des eng- lischen Volkes ans. Was verschlägt es, wenn man sagt, die Leute sind von russischen Agenten irregeführt? Auch Preußen- Deutschland hat in England seine Agenten, aber wie schüchtern ertönt ihre Stimme gegenüber der der„Russen"! Daß diese überall Gehör siiiden, daß Rußland überall— in Frankreich, in der Schweiz, in England, in den Balkanstaateu,— als Hüter der Freiheit sich aufspielen kann, ohne ans lautes Hohngelächter zu stoßen, das ist ein Zeichen der Zeit, über das der Hinweis ans den„Rubel auf Reisen" nicht hinweghilft. Rein, es ist die natürliche Folge oder wenn der Ausdruck zu indifferent ist, der Fluch der reaktionär-gewaltthätigen Politik des verpreußten Deutschland, daß Rußland heute in Europa eine Rolle spielt, wie nie zuvor, wie sie ehedem kein Mensch für inöglich gehalten hätte und wie sie das Land der Knute wahrlich nicht verdient. Aber, wenn Rußland auch der reaktionärste Staat im europäischen Konzert ist, so ist es doch nicht die Vormacht der Reaktion. Diese ist Preußen-Deutschland. Dort hat der die Völker erdrückende Militarismus seinen Zentralsitz, von dort empfangen überall die Feinde der Freiheit ihre Parole. Zehnmal mehr als am Tage, da es gesprochen wurde, gilt heute das Wort Molkke's:„Wir haben... an Liebe nirgends gewonnen. Von der„Achtimg", von der der „Organisator des Sieges" damals sprach, würde er heute wahrscheinlich selbst schweigen. Sie ist„verdorrt nnd verdorben". Alles das gibt Väterchen den Muth, das deutsche Reich zu insultiren, wo er nur kann. Er braucht dessen Freundschaft nicht mehr. Von Jahr zu Jahr verbessert sich seine Situation Deutschland gegenüber. Ztichts kennzeichmt diese, wie sie bereits heute ist, besser als die geradezu verletzende Art, wie der Zarenbesuch in Berlin von russischer Seite betrieben wurde, und die Thatsache, daß man in Berlin nicht wagte, Väterchen mit gleicher Münze heimzuzahlen. Jedenfalls wird der Besuch des Zaren nichts an dem Ver- häUniß der Mächte zu einander äudeim. Deutschland bleibt zwischen Rußland und Frankreich eingekeilt. Das Kriegsgespenst wird nicht gebannt. Es ist ja begreiflich, daß den preußischen Machthabern zuweilen selbst vor der Kriegsgefahr bangt. Wenn auch nicht vor der moralischen Verantwortung— die kennen diese„eisenstirnigen" Politiker nicht— wohl aber vordem Risiko, das der Krieg für sie bedeutet. Und so rüsten sie denn immer weiter, so ziehen sie die, Milüärschranbe immer enger an, immer enger, zapfen dem Volk immer mehr von seinem Lebensmark ab, um ihm„den Frieden zu erhalten", bis— der Krieg, der blutige, massenmörderifche Krieg da ist. Der Krieg oder— die Revolution. Es gibt keine andere Lösung. Das herrschende System, auf Blut und Eisen aufgebaut, macht sie unniöglich. Es hält P o t e-tt, den natürlichen Schutzwall gegen Rußland, mit brutaler Fairst nieder, es zwingt Elsaß-Lothringen— das, neutra lisirt, eine Garantie des Friedens zwischen Frankreich und Deutschland bilden könnte— durch Anlegung des Polizeiknebels, von Frankreich Befreiung zu ersehnen, und es drangsalirt Nordschleswig, durch dessen Freigabe es das dänische Volk versöhnen könnte. Es läßt „lieber 42 Millionen Menschen ans der Strecke" als der Freiheit und dem Recht einen Zoll breit Konzession zu machen. Nun, so trage es auch die Verantwortung für seine wahnwitzige Politik. Ans sein Haupt, auf die gekrönten und gefürsteten Machthaber und ihre Trabanten die Verantwor- tung für all das Blut, all das zerstörte Lebensglück, das sie eines Tages zur Folge haben wird. Wenn sie aber bei den demnächstigen Wahlen wieder vor das Volk hintreten und sagen werden: wählt Anhänger unserer Politik, wählt reichstreue Abgeordnete, die alle Rlilitärsvr- derungen, die wir stellen, bewilligen, es ist das einzige Mittel, den Frieden zu erhalten, dann mögen die Wähler ihnen antworten: Eure Rüstungen mehren de» Krieg nicht ab, sie haben nur die eine Wirkung, feine Furchtbarkeit zu erhöhen. Es gibt nur ein Mittel, den Frieden herbeizuführen, und das heißt: die Freiheit. Und darum nieder mit euch und eurem System! Ihr seid gewogen und zu leicht befunden worden. Alts Frankreich. � Paris, den 27. Sept. 1889. Der große Wahl-Schlachttag ist vorüber, nnd säninitliche polilische Parteien sind ini» daran, die errnngenen Vortheile abzumessen und zu übertreiben, die Verluste zu konstatiren nnd abzuschwächen. Alles in der Erwartung, dadurch der Ausgang des für den 0. Oktober bevorstehen- den Nachgcfechts der Stichwahlen günstig zu beeinflußen. Daß sich die Wahlresultate so vielseitig drehen und deuteln lassen, beweist, daß ini Grunde keine einzige der politischen Parteien definitiv und Mlbestritten triumphirt, daß vielmehr jede einzelne geschwächt und enttäuscht aus dem Wahlkampf hervorgeht. Opportunisten, Radikale, Konservative, Boulangisten und ihre zahl- reichen Spielarten, sie alle sind von der Wählermasse als verschiedene Parteibilduilgen lgnorirt und in den beiden großen Kategorien der Boulaiigisten und Antiboulangisten in den Uimattirlichfteii Verbindungen ziisamineii geschweißt worden; man stimmte nicht mehr für dies oder jenes Parteiprogramm, sondern mir für Boulangcr oder gegen Bonlanger, alias für oder gegen die Republik. In Folge dessen machle sich nitter den Kandidaten und ihren Programmen eine Zerfahre n heil und Unklarheit breit, wie sie»och nie größer zu Tage getreten ist. Jeder Kandidat konnte sein eigens ausgehecktes Programm zum Besten geben, vorausgesetzt nur, daß er im Punkte des Boiilangisnins ein Kredo ablegte. Die Kadres der alten Partcibildnngcn gingen dabei so ziemlich zum Teufel, und keine derselben kann ans Grund der Wahl- crgebnisse ihre» Anhang richtig bemessen. Zwei Thatsächen dagegen machen die Wahlergebnisse über jeden Zweifel erhaben, nämlich, daß sich die Wählermasse der Mehrzahl nach für die Republik erklärt hat, bnfj mithin dcr reaktionäre Ansturm unter hochkonscrvativer und dcmagogischchoulangistiicher Fahne zurückgeschlagen ist, und daß die Wählermasse jedoch gleichzeitig allen alten Parteien ohne Ausnahme ein nicht-abzulengnendes M i sz t r a u e n s v o t n m ertheilt hat. Letzteres tritt in dem Umstände zu Tage, dah alle Parteien hervorragende Führer ans dcr Wahlstatt gelassen, oder daß dieselben erst von den Stich- mahlen eine Ertheilnng des Mandats zu erwarten haben. Verschiedene Stockkonscrvatlvc— und zwar sowohl' solche, welche des Erfolgs wegen mit dem bonUnigistischcn Strome schwammen, wie solche, welche den streng rohalistischen Standpunkt vertraten, sind glänzend durchgeflogen, mehrere bonapartistischc Matadore ziehen nicht wieder in das Palais Bourbon ein, dcr Boulangisinus hat etliche seiner„schönsten Zierden" verloren, die Opportunisten bejammern die Schlappen etlicher Größen, und den Radikalen geht es um kein Haar besser. Welche Illustration für den Riedcrgang der äußersten Linken, daß Männer wie Clcmenceau, Pelleta», Floquct, Lockroy?c. in die Stichwahl kommen! Die Erscheinung ist sicherlich keine zufällige, sie hat ihre große Be- dcntung, namelitlich wen» man ihr die Thalsache gegenüberstellt, daß von den bereits im ersten Wahlgange ernannten Depntirteu eine relativ starke Anzahl,— 166„Nene" find, d. h. Persönlichkeiten, welche nicht der letzten Lämmer angehörten. Der Weil, kr möchte sich gern die. po- litischen Macher vom Halse schaffen, die ihn seit 19 Jahren unter ver- schiedcne» Etiketten genasführt haben. Im Allgemeinen ist so dcr Triumph der Republik durch den Miß- kredit beeinträchtigt, den sich die offiziellen Republikaner zugezogen haben, und dcr auch die Erfolge erklärt, welche die autirepnblikanijche Reaktion hier mid da erfochten hat. Die Provinz hat sich nach wie vor als. günstiges Terrain für die politische Bauernfängerei erwiesen, und in i Paris hat die Tölpelei dcr Herren„Regiernngsrcpubliknner" die Bc- völlcrnng richtig in eine so uusinnige Proteststimmung gehetzt, daß' die Bonlangistischc» Kandidaten, der ,.6rav' General" au dcr Spitze, noch Immer eine starke Anzahl von Stimmen erhalten haben, wenn dieselbe auch seit dem 27. Januar»in über 80, Ovo zurückgegangen ist. Am Erfolgreichste» gehen relativ die Opportunisten ans dem Wahlkampse hervor, aber man würde. sich kolossal irren, wollte man die Thaisache als ein Vertranciisvotum des Landes für die Vertreter dcr republikanischen Snuipfpolitik auffassen. Die Thatsache erklärt sich weit einfacher dadurch, daß die Opportunisten vor und während der Wahlperiode das Ruder in den Händen hatten und einen Hochdruck der W a h l b e c i n f l u ß u n g ausüben konnten, wie derselbe kanm jemals stärker geübt worden ist. Abgesehen von dcr schamlosesten Wahl- reklame zu Gunsten der opportunistischen Negicriittgsniänncr stand dcr administrative Druck in der schönsten Blüthe, und das Versprechen des traditionellen Tabarbnreans für geleistete Dienste war zur Höhe einer Einrichtung erhoben worden. Dazu kam, daß die Wiedereinführung der Wahlen»ach Bezirken der Kirchthninspolitik Thür und Thor öffnete und die weiteste Spekulation auf klciuliche Lokaliuteresscu cruiogiichte. Wie wenig ernstlichen Grulid die' Opportniiisten haben, fich durch die erhaltenen Stimmen als moralisch fteigesprochen und von, Lande er- koren lnuzustelleu, belveist am besten dcr von Jules-Ferrp in St. Di« (Vogcsen) gegen alles Erwarten erlittene gründliche Durchfall. Daß dcr Hohepriester des Opportmiisinus von einer Bevölkerung fallen ge- lasse» ward, deren„weise Mäßigung Und ruhige llebcrlcgung" vom „TeinpS" und andren Orgauen bisher in den Himmel erhoben wurden, das ist die schimpflichste moralischc Verurtheilmig, welche ihm beigebracht werden konute. Die s o z i a l i st i s ch e n Fraktionen Frankreichs haben bei den Wahlen eine höchst nnbcdcntende Rolle gespielt, und dies nicht nur Dank dcr eigentlillnilichen Situation, welche alles Interesse' in Bonlcmgisinns und Ailtibonlangisinns absorbirte, sondern auch in Folge ihrer Schwäche und mangelhaften Organisation oder inangelnder Llarheit. Die Possibilisten traten zwar mit Eignen Kandidaten in den Wahl- kanipf, allein dcr ganzen Haltung der Parteiführer g�uiäß trat der Eharakter der Klassenkandidatnr hinter dem des einseitigsten Antiboil- langioinns zurück. Die für die possibilistischen.Kandidaten abgegebenen Stiinmen lassen deshalb auch»nr einen sehr nngenauen Schluß ank die Stärke der Partei zu, da die Mehrzahl von ilnicn nicht den Per- tretcrn dcr possibilistischen Partei, sondern den Schildträgern des Änti- boiilangisimis gewährt wurde. Den imgefäkschtesten Ausdruck fand die Situation in dem Wahlbezirk Elignancourt, wo dcr Possibilist Joffrin der offizielle Vertreter de» Anliboulangismus gegen den General selbst war und von bürgerlicher Seite ans keinen Gegenkandidaten hatte- und trotzdem sind es nur 5500 Stimmen, dicJoffrkn gegen Bonlanger ansbrachte,. der über- 8000 erhielt. Dies erklärt die von säinmtlichcn Zeitungen konstatirte Thatsache, daß im Wahlbezirk Elignancourt die Vetheiligung dcr Arbeiter au der Wahl eine s ch w a ch e war, während das tt l e i n b ü r g c r t h n in mit großem Eifer stimmte. Die Präfcktur hat allerdings die für Bonlanger abgegebenen Stimmen für nngiltig erklärt und Joffrins Wahl proklamirt, allein trotz des Triumphs dcr Possibilisten bleibt unbestritten, daß Joffrin eine einpffndliche moralffch« Niederlage erlitten, die dadurch nicht verwischt wird, daß dcr posjibi- listische Führer sein Mandat nicht ans den Händen der Wähler, son- dern der Pr'äfektnr annimmt. Daß er es überhaupt thnt, macht unter der Arbeitcrbcvölkcrung Elignanconrts und von Paris überhaupt viel- fach böses Blut. Allgemein wird die Ansicht laut, daß Joffrin das Mandat nicht annehmen durste, sondern ans eine Neuwahl gehen mußte, her jedoch dieser wohlweislich in der festen ileberzeugung aus- weicht, dann eine furchtbare Niederlage zu erleide». Außer Joffrin haben noch zwei andre Possibilfftcn, Chabert und Dumay, Aussicht, bei den Stichwahlen mit Hilfe der bürgerlichen Republikaner in die Kam- wer zu. kommen. Die' republikanischen Gegenkandidaten der Genannten sind bereits zuriickgetreten, geradeso wie.die Possibilisten in mehreren Wahlbezirken ihre Kandidaten vor den bürgerlichen Republikaner» zu- rückgezogen haben...«Hier folgt die Znsanimciistcllnng dcr sozialistischen Wahlstirnnien, die wir bereits in voriger Numnier gebracht. Red.) Daß V a i l l a n t im Viertel Pvre-Lachaise gleich im ersten Wahlgang- unterlegen, ist nicht nur dem Umstand ziizuschreiben, daß die Bonlangisten 'mit Aufgebot aller Kräfte gegen ihn wühlten, soudern auch dem Feld- zug von Vcrlcuindimgcn und Angriffen, mit denen er von den früheren Waffenbrüdern bedacht ward. Nicht genng damit, daß Vaillant bis dato der Zündcnbock gewesen, dem die Gesinnungslosigkeit der Granger ic. zur Last gelegt worden, beuteten seine ehemaligen Freiindc auch das Andenke» Blanqni's in fchamlosostep Weise ans, um Vaillants Kan- dld'atnr zn bekämpfen. Die Schwester des UNbellgsainen Alten, Ma- dame Antoine, hat sich veranlaßt gesehen, diesem' Treiben durch einen Brief et» Ende zu machen, in dem sie beim Andenken ihres Bruders für Vaillant Partei ergreift-und seine Haltung billigt. Um die Wahl des Bonlaiigisteu Vergoiu zu verhindern, hat Vaillant seine Kandidatur zurückgezogen und fordert seine Wähler in der energischste» Weise ans, gegen einen der verachtöuaswlirdigstcn'Schildknappen des Mannes zu stimmen, welcher die Pariser Föderirten füsilliren ließ. Man weiß noch nicht, wann die Kammer zusammen berufen wird. Wahrscheinlich wird dieselbe in diesem Jahre nicht mehr tagen. Die varlaincntarischc Situation faßt sich für den Augenblick kurz in die Worte zusammen: EL bleibt Alles beim Alten. Die reaktionäre Oppo- sition, den Bonlangismus inbegriffen, bleibt auch in der neuen Kämmet eine Minorität. Die radikale Opposition wird sich voraussichtlich auf Null bcscliräntcn, da die äußerste Linke meist mit den Opportunisten gehen muß. wenn sie sich nicht, was prinzipiell unmöglich ist, in die Arme dcr Rechten stürzen will. Der Opportnntsmns wird trotzalledcm am ciitschiedenstcn mit den Konservativen licbängcin und zu allerhand Konzessionen an deren Führer bereit sein, sobald dieselben nicht nicht durch ihr Perlangen einer Revision den boulangistischcn und radikalen Elementen Vorschub leiste». Vorausgesetzt, daß der Senat erhalten bleibt,„welcher seit zehn Jahren dafür Rlinpft, das, was von den herrschenden Klassen bleibt, zn erhalten", vorausgesetzt, daß weiter ge- mogelt werden kann, wird der Opportunismus mit Drangabe aller prinzipiellen Konjessioncn und Aufbietung aller reaktionärer Mittel feine Herrschaft fortsetze». -i°* * Nachschrift der Redaktion: Die Stichwahlen haben am Sonntag stattgefunden, und wenn sie auch im Ganzen der gegenwärtigen republikanischen Mehrheit günstig sind, so doch nicht in dein Maße, als erwartet wurde. Von 186 Stichwahlen sind 135 republikanisch ansgc- fallen und 51 theils boulangistisch,' theils moiiarchistisch. In Paris und Umgegmd haben die Bonlangisten große Erfolge erzielt. Tie Pariser Vororte, darunter reine Arbeiterviertel, sind durch Bonlangisten vertreten, fast alle Haüptführer des Boulangismus— Lagnerre, Lai- sant, Naquct, Roche sind gewählt. Nur Noch» fort ist auch im zweiten Wahlgange in B e l l e v i l l e unterlegen. Sein Gegner war der Possi- bilist Dumay. Außer ihm hat die' Partei nur noch einen Vertreter dürchgebracht, Joffrin, dessen Mandat freilich einen sehr problematischen Werth hat. Von sonstigen Sozialisten sind gewählt: L a ch i z e(Ville- franche), Weber, Sozialist, Band i n,(Bonrges), Porzellanarbeiter, revolutionärer Sozialist, Th ivrier(Montlucon), Kollcktivist,.F e r- r o u l(Narbonne).Sozialist, C l u s c r e t sToulon), Sozialist. A n t i d e ■B o v e r(Marseille Y), Sozialist. JulesGnesdc ist in Marseille II leider unterlegen,*) ebenso B a s l y in Paris, 13. Arrondisscmcnt und C h. L o n g n e t in Courbcvoie bei Paris. Ferner E a in e l i n a t, der im 2. Wahlkreis von Narbonne kandidirte, und dcr Possibilist Chabert. Es sind vielleicht in dcr Provinz noch einige Sozialisten gewählt, doch fehlen bis zur Stunde geuauere Berichte. Wie sich die obengenannten Sozialisten in der Kammer zu einander stellen werden, bleibt abzuwarten.„Wir sind alle nur Korporale,' dieser würde unser General sein", soll Boper in Marseille, auf Gucsde den- tcnd, rrtttirt haben. Sicher' ist, daß in Ihm die' Partei eincn'BZort- führcr ersten Ranges im Parlament gehabt hätte. Bon den Genannten ist Elnscret durch seine Thätigkeit in der Kommune bekannt. Bändln war ebenfalls Kommunard und lebte lange Zeit stnchtig in England. Seine Energie und Intelligenz werden sehr gerühmt. Auch Lachize soll ein tüchtiger Mann sein. Boyer saß bereits in dcr letzten Kammer, Hot dorß wie auch'Ferraul, der Arbeitcrgruppe angehört und sich gut gehalten. Zliuirchiönurä und kein Ende. Aus Württemberg schreibt uns ein Genosse: „Die Kontroverse über den Anarchismus habe ich mit großem Jnter- esse verfolgt, weil ich es tief beklage, daß beide Parteien uneitiig sind, anstatt mit vereinten Kräften dem gemeinsamen Feind, dem Kapitalis- mns, ans den Pelz zu rücken. Sollte wirtlich eine Einigung nnmöglich sein und es auch hier beißen:„Feindschaft sei zwischen euch, noch kommt das Bündniß zn frühe" tz Wenn freilich, wie der letzte Artikel bchmip- tct, eine tiefeinschneidcnde prinzipielle Verschiedenheit(der Ziele) beide trennt, dann wohl. Aber, ist das wirklich wahr? Ich erinnere mich, vor mehreren Jahren in einer Niimnicr dcr„Freiheit" zufällig ge- lesen zn haben(denn ich gehöre nicht zu ihrem Lefepublikum), daß der Anarchismus selbst mit einer lokalen, territorialen, oder iutcruationaleu Sozialisirung sich einverstanden erklärt in allen Fällen, wo eine solche mehr Vortheile bietet als der Individualismus. Wenn ich mich recht erinnere, war der Artikel überschrieben:„Das A-Ä-E des Anarchis- mns". Aber auch davon ganz abgesehen, handelt es sich denn vorläufig »in die Organisirung des sozialen Volksstaats und nicht vielniehr um die Bekämpsnng des Kapitalismus? Mir kommt dieser Streit vor, wie ivenn zwei Gutsbesitzer auf die Jagd gehen, um eine Wildsau, welche ihre Fluren und Saaten verwüstet, zu erlegen. Unterwegs gcrathen sie einander in die Haare, wie man das Wildpret zubereite» soll, ob in Sulz oder anders. Schafsköpfe, würde ein Dritter mit Recht ihnen zurufen: Erst erlegt die Bestie, dann wird sich's schon zeigen, wie man sie auf die Tafel bringt. In dcr That, der Schwerpnnkt des Anarchis in n s liegt in seiner Negicrung des kapita- l i st i sch e n K l a s s e n st a a t s, nicht in seinem positiven Programm. Ich möchte sagen: der Anarchismus trägt seinen Namen von der ncga- tiven, der Sozialismus von dcr positiven Seite. Ter Anarchismus sagt: Wir wollen den Klaffenstaat nicht, dcr Sozialismus sagt: wir wollen den sozialen Bolksstaat. Es ist, als ob von zwei Vegetarianern der eine sagen würde: Ich esse kein Thierfleisch, der andere: ich effc bloö Aegctabilicn. Zudem: Wie oft wurde bei uns vor der Zukunfts- nmsik gewarnt? War es nicht Genosse Kautsky, dcr seiner Zeit sich gebarnischt dagegen erklärte? Und nun soll es die Zuknnftsmnsik sein, weiche die beiden entzweit zur Erbauung des tortiu« gaudet?!— „Nun abfr die„Propaganda der Tbat". Ich verdamme sie auch, nicht ans moralischen,.sondern aus Zwcckuiäßigkeitsgrllnden. Ans moralischen nicht, tveil sie gegen das furchtbare Elend, ivclchcs dcr Klassenstaat tagtäglich über die Menschen dringt, eine wahre Lappalie ist. Wer aus moralischen Gründen dagegen wäre, kommt mir vor, wie wenn-S Jemand als unmoralisch verdammen würde, wenn ein Schwacher, der von einem Alhlelen stiindenlang gehauen und mißhandelt wird, sein Taschenmesser zieht und es dem Lümmel in den Bauch stößt. Aber aus Zweckmäßigkcitsgriinden ist sie»»bedingt verwerflich: sie nützt nicht nur nichts, sie schadet ungemein. Der Anarchismus ist in dieser Hin- ficht der Standpunkt des Affekts, des blinden Eifers, dcr nur schabet, der Sozialismus dagegen der- vernünftigen, ruhigen, kaltblütigen, ans kulturhistorischer Erkcnntniß beruhender U c b e r l c g u n g. Nur falls und sofern die Propaganda der That Unschuldige und Harmlose mit den Schnidigen trifft, ist sie auch moralisch verwerflich.— „Allzu tragisch sollte aber auch diesePropaganda der That nicht genommen werden: von dcr Phrase bis zur That ist ein weiter Weg. Ich kenne Aitarchisten, die mit dem Mund und mit der Feder schreckliche Blut- bäder anrichten, während sie thatsächlich keinci» Menschen ein Haar krümmen können, nicht etwa � wie ich ausdrücklich betonen will aus Feigheit, sondern aus Scheu und Aimeiguug gegen schlechte und verwerfliche Handlungen. Es ist richtig, daß die anarchistische Literatur iiianchen Kopf verwirren und zu unüberlegten Schritten hinreißen kann; aber auch mit dieser Wirkung ist es- nicht so schlimm, im Gcgcnthcil, Mund und Feder smd auch da mehr das Sicherheitsventil, durch welches sich der Affekt Lust, mach). Wie viele Attentate und Putsche hat denn thatsächlich die fürchterliche Propaganda der That schon gezeitigt? Das Wenige, was seit dem Bestehen des Anarchismus ge- schehen ist, märe sicher auch ohne die Phrase von der Propaganda der That geschehen. Oder Hot es nicht Attentäter und Putsche zit allen Zeiten gegeben, in denen die Gegensätze sich scharf zugespitzt hatten. Ich habe wahrlich kein Wohlaesallen an den wilden und aus gänztichcr Aerkennung der kulturhistorischen Gesetze beruhenden Kraftphrasen der fraglichen Blätter? im Gegenthcil. Aber andererseits verkenne ich wiederum nicht, daß die Mehrzahl der Ausgebeuteten solche Schlafmützen sind, daß schon ein recht wilder Orkan dazu gehört, um die Funken in ihre» Aschenseelen zyr Flamm« anzublasen. „Ich beklage es daher nicht, wenn unsere Genoffen hier und da ein Gläschen Freiheit oder Autonomie sich zn Gcmüthe führen, aber ich würde ich es tief beklagen, wenn sie sich ausschließlich diesem Fnstl ergeben und dem gcsnndcu Wein dcr sozialistischen Publizistik abtrünnig würden. Ich kenne ttzcnossen, welche ehemals sehr vernünftig waren, aber durch sortgesetztes Lesen dieser Blätter sehr schief gewickelt wurden. Item: das häßlich klingende Schlagwort„Anarchisten- Gauner" war und ist mir im höchsten Grade zuwider gewesen und ich wollte, dcr Anarchismus würde seine alizugcikn Schößlinge beschneiden, damit die Parole lauten könnte: Anarchisten— Bundesgenossen.— Don Manuel und Don Zäsar fühlen ihre Feindschaft schwinden und werden Freunde, sobald sie einander näher treten und ins Gesicht sehen: ich gebe die Hoffunng nicht auf, daß dies auch mit den Sozialisten und Anarchisten bald der Fall sein wird." So dcr Genosse. Wir haben auch diese Einsendung'ausgenommen, um zu zeigen, daß wir keiner Diskussion über die nun einmal wieder Miss Tapet gebrachte Frage ans dein Wege gedcn. Dagegen können wir dem Einsender, dessen gute Absicht wir anerkennen, den Borwurf nicht ersparen, daß er oft nnd auch im Laufe dcr jetzigen Polemik wiederlegte Einwände tviederholt. Es ist durchaus unrichtig, daß der Streit zwischen Anarchisten und Sozialisten ini Wesentliche» mir ein Streit um die Zukunft ist, lediglich »in die Frage, wie die„Wildsau", wenn erlegt, zubereitet werden soll. Der würde uns allerdings sehr kühl lassen. Die anarchistische Doktrin bezieht sich vielmehr zugleich auf die Gegenwart: auf den Feldzug oder *) Gnesde blieb mit 580 Stimmen hinter dem Radikalen zurück. Wäre sein„revolutionärer" Gegenkandidat P r o t o t, nachdem er im ersten Wahlgang weniger Stimmen als Gnesde erhalten, wie das unter Sozialisten bisher Gebrauch war, zurückgetreten, so hätte das genügt, Gnesde den Steg zu verschaffen. Aber Herr Protot zog es vor, seine Kandidatur aufrecht zn erhalten und hat jetzt den Trinmpf, von 1136 aus 919 Stinjinen zurnckgegangcp und Ursache zu sein, daß einer der befähigtsten Kämpfer für die Arbeiterschaft nicht gewählt ist. Jagd zug gegen die„Wildsau". Und nicht nur, daß der Anarchist deni Sozialisten den Gebrauch bestimmter Waffen verbieten will, er sucht ihn auch in seiner Kriegführung, wo er nur kann, zu stören, ja, zu schädigen. Das ist freilich sehr thöricht, aber wir Sozialisten können es halt nicht ändern und müssen uns daher des merkwürdigen Jagdgenossen erwehren, so gut wir können. Run gibt es freilich auch Leute, die mehr infolge ihres Tempera- ments als auf Grund durchdachter Grundsätze zu den Anarchisten halten. Leute, � deren Gefühl die radikaler scheinende Taktik der Anarchisten mehr zusagt, als die der Sozialisten. Auf diese Leute Rück- ficht nehmen, heißt unsere Ueberzeugung in den Dienst der Unklar- h c i t stellen. Man wird also auch ihnen gegenüber die Schärfe des Gegensatzes zwischen Anarchismus und Sozialismus betonen müssen, wobei wir zugeben, daß es besser ist, das nicht in einer Form zu thnn, die abstößt, sondern die überzeugt. Jndeß, auch die Wahrheit hat ihre'Rechte, und es sind nicht nur die Könige, welche die Wahrheit nicht hören wollen..: Die„Freiheit" ist ein schlechter Gewährsmann für die Grundsätze nnd Bestrebungen des Anarchismus. Most ist ein Demagoge, der seinerzeit sich dem Anarchismus in die Arme geworfen hat, weil derselbe dem BedürfNiß dcr radikalen Phrase am besten entsprach, der aber längst über die Hinfälligkeit der anarchistischen Doktrin im Klaren ist, und ,un zwischen Anarchismns nnd Sozialismus einen Eiertanz auf- führt, dessen Possierlichkeit dadurch nur noch erhöht wird, daß der Tänzer, nin sich den Anschein größerer Sicherheit zu geben, von Zeit zu Zeit heftig auf den Boden stampft. Die konsequenten Anarchisteil wollen von Most ebensowenig etwas wissen, als wir Sozialisten. Wir wiederholen, Anarchismus und Sozialismus sind nicht, wie Don Mainicl und Don Zäsar, Söhne einer Mutter, sondern zwei grund- verschiedene Doktrinen, die eine— dcr Anarchismus— metaphysischer, die andere der Sozialismus— materialistischen Ursprungs. 3« genauer sie einander kennen lernen, um so mehr werden sie sich dessen bewußt, daß sie zwei verschiedenen Welten angehören. Wozu eine scheinbare Versöhnung herstellen, wo die Logik der Thatsache» jeden Augenblick zum Hervorkehren des Gegensatzes zwingt? Lieber wollen wir ehrliche Gegner bleiben: zwischen dem absoluten Individualismus der Anarchisten und dem kommunistischen Solidaritätsbegriff der Sozia- listen gibt es ebenfalls„nur ein Hüben und Drüben". SoMljwliWe Rundschan. London, 9. Oktober 1889. — Ei» Jahrestag. Das kämpfende Proletariat hat der Gedenk- tage so viele, daß man darüber wohl einen vergessen kann, und wäre es— der eigene Geburtstag. Am 1. Oktober waren es zehn Jahre, daß der„Sozialdemokrat" das Licht der Welt erblickte, und wir dür- fen, ohne uns zu überheben, wohl sagen, daß auch dieses Datum eine historische Bedeutung für die Arbeiterklasse hat. Mit der Gründung des„Sozialdemokrat" war einer der Hauptschläge, welche die Herr- schende Reaktion gegen die deutsche Arbeiterschaft geführt, zu nicht« ge- macht. Von dem Tage an, da seine erste Numnier erschien, hatte die deutsche Sozialdemokratie, die Partei der Unterdrückten nnd Ausgeben- tcten, wieder ei» Organ, auf das sie unter allen ilmständen zählen konnte, eine Stätte, da der gehetzte Proletarier seine Stimme erheben durfte zur Brandmarkung seiner Verfolger, zum Prolest gegen das ihm zugefügte Unrecht. Mit Freuden wurde er von den Genossen allerorts begrüßt, und wie wir von uns sagen dürfen, daß wit von dem Tage an, da wir an unser» Posten gestellt wurden, keinen andern Ehrgeiz gekannt habe», als den, der Sache dcr deutschen Sozialdemokratie treu zn dienen, so können wir auch mit Gepuglhnung feststellen, daß die Parteigenossen im Reich dem„Sozialdemokrat" allezeit treu geblieben sind. Die Verhältnisse haben sich seit de» zehn Jahren seines Bestehens wesentlich geändert, die Handhabung des schuftigen Sozialistengesetzes ist eine andere geworden, heute gibt es ivicder eme sozialistische Arbeiterpresse in Deutschland, und wir stehen nicht an zu erklären, darunter Blätter, deren Kollege zn sein ivir stolz sind. Damit, wie mit dem infamen Rechtsbruch des Reichsgerichts, der die Partei in Deutschland zwang, ans den„Sozialdemokrat" als ihr offizielles Organ zn verzichten, haben sich unsere Ausgaben in einzelnen Pmikten geändert, unsere Hauptaufgabe ist die alte.geblieben. Nicht mehr afsizielks Organ der Partei, bleibt der„Sozialdemokrat" doch das Organ dcr Part«-- genossen, auf das sie nntcr allen Umständen zählen dürfen, ein Schutzwall gegen alle Unterdrückungsgelüftc unserer Feinde. Es gicbt Leute, die da nieinen, der„Sozialdemokrat" müsse seine Zins- »ahmcstellung gegenülier der deutsche» Arbeiterpreffe durch eine„schärfere Tonart" bekunden. Das ist ein Jrrthum. Selbstverständlich, daß wir eine rücksichtslosere Sprache führen, aber die schärfere Tonart hat ihre Grenze, wo die Grundsätze und. die Taktik der Partei In Frage komme». Das wichtigste Merkmal des„Sozialdemokrat" erblicken wir vielmehr darin, daß er,»nbetzindert von lokalen Emflüffen, der Macht der deutschen Polizei entrückt, stets nnd zu allen Zeiten das Banner dcr Partei voll und ganz entfalten und hochhalten, dcr Föhnen wart der Partei sei» soll. In diesem Same werden wir»Users Amtes fortwalten, so lange das Unterdrücknngsgesctz besteht. — Nnö Deutschland schreibt man uns: Der R e i ch« t a g' ist ans den 22. Oktober zusammenberufen! und verschiedene Anzeichen lassen darauf schließen, daß die Session blos bis vor Weihnachten dauern, nnd daß der Reichstag dann sofort aufgelöst und neue Wahlen schon. für den Monat Januar angeordnet werde» sollen. Thatsache ist, daß man die Wähler übe rrnmp el ii will,'. und Thatsache ist auch, daß das Sessions-Pcnsuin des Rcichstags sehr gut innerhalb zweier Monate erledigt werden kann. Mit dem Etat kann man bequem in drei Wochen fertig werden, nnd diejenige Materie, welche für die schwierigste galt: die Konstrpktion des„E i satz c s" f Ü r d a s Sozialistengesetz, ist allem'Anscheine nach aus niche- stimmte Zeit in die Ecke gestellt worden. Es ist de»'Gelehrten des Kanzlers Eisenstirn nicht gelungen, de» Stein der Weisen zu entdecken und ein Aiidnahincgesctz ausziitifteln, welches kein Ausnahmegesetz ist-, vielleicht haben sie sich auch keine Mühe gegeben pnd mit ihren, an- scheinend so angestrengten Arbeiten nur vor den biederen Reichsphilistcril eine kleine Komödie aufgeführt. Wie dem sei: ein Entwurf des„Ersatzes" ist nicht fertig geworden, und nach den neuesten Nachrichten wird dem Reichstag in der nächsten Session einfach das alte Sozialistengesetz vorgelegt werden, nur mit der einzigen Acndcrnng, daß die Giitigkcits- datier nicht beschränkt wird. Es unterliegt kcincni. Zweifel, daß dieser Reichstag auch bereit ist) der Stegicrnng den Wechsel in dlanoo auszustellen. Speziell die Herren Nationalliberalen, welche sich jetzt noch ein wenig sperren—„die liebe Unschuld thnt nur so"— werden nur des Scheins halber einige Oppositio» mache»»nd, innerlich seelenvergnügt, zugreifen. Sie können das Sozialistengesetz nicht entbehren. Sic wissen zwar sehr wohl, daß es die Sozialdemokratie nicht tädtet, ja daß es ihr Wachschmn sogar befördert, allein sieckönNen die sozialdemokratische Kritik nicht vertragen, und werden deshalb nimmermehr darin willigen, daß das Dainoklesschwert des polizeilichen Verbots, welches über der sozialdemokratischen Presse und über dem Versammlungsrecht dcr Sozial- deinokraten schivebt, durch Aufhebnng des Sozialistengesetzes entfernt werde. Die nationalliberalc Partei erhält sich mir durch die Protektion der Regierungen einer- und durch die Knebelung der Sozialdemokraten anderseits. Hört sie auf Regierungspartei zu sein und kann die Sozial- dcmokratie sich frei bewegen, so ist die nationallibcrale Partei ein Märchen der Vergangenheit i nnd zwar kein schönes. Deshalb kämpfen die Nationalliberalen auch mit Zähnen nnd Klanen für die Äerlängming des„Kartells" und fürchten sie nichts mehr— trotz aller gegentheiligen Betheneningen—, als die Anshebnng des Sozialistengesetzes: es handelt sich buchstäblich fiir sie um Leben und Tod. Genng: wir müssen uns darauf gefaßt machen, daß die Neuwahlen schon in wenige» Monaten, vcrnmthlich gegen Mitte Januar, stattfinden: Und d a s r e i ch t f ü r u n s e r e P a r t c i ans. Wo die Genossen mit den Kampfvorrichtungen noch.irgend im Riickstande sein, sollten, da ist das Versäumte sofort nachzuholen!— Komisch ist die Angst der Kartellbrnder und auch der Rtgirrimgen vor den Reichslays-Debatteii über das.SoziaWengeictz. Zöir hallen die »utchen wirkllch nicht für so schwach gehalten. DiosAngst hat ihnen den Verstand ganz genommen. Anders wurde es sich nicht erklären, daß sie durch„Ucberfiihruilg des Sozialistengesetzes" in das„Gemeine Recht'" oder- durch unbeschränkte Zeitdauer desselben einer Debatte aus- weichen zu können vernicinen. Als ob es nicht, so lange sozialdemokra- tische Ltbgeordnete im Reichstage sitzen, und keinen Maulkorb�vorhaben, in jeder Session leicht möglich wäre, eine Debatte über das Sozialisten- gesey herbeizusühren, oder es doch rücksichtslosester Krillk zu unteriverseu! — Ordnungsliebende Rebellen und königStreue Hetzer. Es ist für uns„berufsmäßige" Aufwiegler immer ein sehr erhebendes Schauspiel, wenn»vir sehen, Ivie Leute, deren zweites Wort Ordnung und Gesetz ist, gegen die staatlich eingesetzten Behörden sich auflehnen, oder auch ihren König, vor dem sie sonst in hundedemüchiger Ergeben- heit alleruntcrthänigsr per— gehen, wie einen ungehorsamen Hanakuecht herunterputzen. Nicht daß wir solchen Vorkoimunisscn eine besondere Bedeutung beilegten, aber„es freut einen doch". So nehmen wir denn auch mit großer Genugchuung von der wiithendeu A b r ii f f e l u n g Rotiz, welche die sehr lonal gesinnte Essener Handelskammer in ihrem neuesten Jahresbericht„einzelnen Regierungsorganen" — diese Umschreibung ist, wie der, auf den sie zielt, unbezahlbar — für ihre ganz unverantwortliche Halllmg im Bergarberterstreck an- gedeihen läßt. Dem„sozialen Königthum", das ans das Risiko der Herren Grubenbesitzer ein wenig Sozialdemagogie getrieben, wird dafür ganz gehörig der Text gelesen. �,, „Es ist verschiedentlich", räsonniren durch den Mund der Handels- kanuner die köuiastreuen Kohlenbarone,„und zwar von Anbeginn der Bewegung an' wie sich nachträglich wohl zweifellos klargestellt hat, in- I___ �... /»T ä s»-»» flflarümtXTiitlrtjm Itttl" ftVf»! einem bestimmten durch Vertrag geordnete» Arbeitsverhältniß standen, und somit zunächst und ausschließlich auf den W.cg der Vcrstän- Difluitg mit ihrem Arbeitgeber, d. i. der betreffenden Zechenverwaltung, hätten verwiesen werden müssen. Statt dessen wurden die sämmtlichcn, sich ans den Belegschaften der einzelnen Zechen zusammensetzenden Berg- arbeiter als eine in sich geschlossene einheitliche Partei be- trachtet, mit welcher als einem Ganzen verschiedentlich in Verhandlung getreten wurde. Dies untergrub das Bewußtsein, daß jeder Arbeiter die Bedingungen seines Arbeitsvertrages zunächst mit seinem Arbeitgeber Zu regeln habe und bewirkte eine künstliche Scheidung der Arbeiter von chrem Arbeitgeber. Dies ist eine bedauerliche Folge und zwar um so wehr, als Angesichts der Einwirkungen der sozialpolitischen Gesetzgebung Alles vermieden werden müßte, was geeignet sein kann, das persöu- kiche, das individuelle Verhältniß zwischen Arbeiter und Arbeitgeber zu k o ck e r n". „U n t e r g r u b".„lockert e" das ist s e h r gut. Da ist Wilhelm der Zweite, der es gewagt hatte, niit den Bergleuten als„Ganzes" in Verhandlung zu treten, unzweifelhaft eine, die Eintracht zwischen den verschiedenen Bevölkerungsklasscn gefährdende Persönlichkeit, die von Rechtswegen aus dem Bereich des„Kleinen" ausgewiesen werden müßte. Aber nicht nur Wilhelm II., die ganze neuere„sozialpolitische Gesetz- gebung" lockert und untergräbt. „Die sozialpolitische Gesetzgebung setzt eine gesetzliche Leistnngspflicht größerer Verbände fest, welche das i n d i v i d u c l l e Verhältniß des einzelnen Arbeiters zu seinem Arbeitgeber vollständig außer Acht lassen und dem Arbeiter die Benefizien der Gesetzgebung sichern, ganz ohne Rücksicht auf seine Stellung zu seinem Arbeitgeber." Das heißt auf deutsch:_ Es ist unbedingt ein großer Fehler der Bismarck'schcn Sozialreform, daß sie den Zweck verfolgt, den Arbeitern den S t a a t als W o h l- t h ä t e r erscheinen zu lassen und nicht den einzelnen Ausbeuter. Haben wir»ns schließlich mit Ach und Krach darin gefügt, so ist es dafür doppelte Pflicht des S t a a t e s die Arbeiter, sobald sie nur Miene machen, gegen uns aufzumucken, bedingungslos zn Paaren zu treiben. Und diese Pflicht hat er gröblichst verletzt. Er hat zwar mit„über den Haufen Schießen" gedroht, aber nur falls die Arbeiter sich gegen ihn, nicht, was viel wichtiger, wenn sie sich gegen uns auflehnen. Also merke dir's, Wilhelm. Du bist noch jung und kannst daher noch etwas lernen. Trotzdem du von„Gottes Gnaden" bist, hast du nicht gewußt, was du thatcst. Drum sei dir noch einmal unter-— nein, aller- gnädigst verziehen.„Wenn auch nicht verkannt werden soll, daß der große Umfang des Streiks im Kohlenrevier und die Bedeutung desselben tür die allgeiuciuc wirthschaftliche Lage des deutschen Vaterlandes ein Verfahren nach anderen Gesichtspunkten und den Versuch der Herbei- sührnng einer Verständigung auf breiter Grundlage erscheinen ldicses „Erscheinen" ist eine Ohrfeige von— unbezahlbarem Effekt) lassen konnte, so hat der Verlauf des Streik« doch erwiesen, daß es besser und einen nachhaltigen ruhigen Zustand bei Weitem mehr sichernd gewesen wäre, wenn jede Belegschaft ausschließlich aus die Verständigung mit ihrer Zeche verwiesen worden wäre, im Ucbrigen aber die bc- rufeuen Orgaue sich darauf beschränkt hätten, eine rein sicher- heitspolizeiliche«Tiber den Haufen schießende) Thätigkeit zu entwickeln. Die Ruhe ist m die Belegschaften des rheinisch-westfälischen Kohlenreviers nach nicht zurückgekehrt. Presse und Versammlungen sorgen dafür, daß dies vorläufig nicht geschieht. Der Wiederausbruch eines Streiks über kurz oder laug ist daher nicht ausgeschlossen, und die Handelskaiiiiner spricht freimüthig den Wunsch aus, baß in diesem un- wünschten Falle nach den oben dargelegten G r.u n d s ä tz e n verfahren werden möchte." Amen. NimuTL ad notara, Rciscioilhelm. Unsere Arbeiter gehören u» s und durch uns erst dir. Entweder du gehst mit uns, wie es sich für einen Staatserhaltcr schickt, oder wir kündigen dir die Freundschaft. Das Zwischcndurch-Mogeln lassen wir uns nicht gefallen, Verstanden?! Hoffentlich, denn wenn das sozialdemagogische Interesse überwiegen, und die Herren Kohlenbarone in die Opposition treiben sollte, dann zittre, Vaterland! Dein Untergang ist besiegelt. — Alle Wcac führen nach Rom und zum Sozialismus. Und auch zum Sozialistengesetz, welches ja ein Kind des Sozialismus ist, wenn auch ein nugerathenes, ja sogar ein Wechselbalg. Oh„unser" Kaiser zu dem Manöver fährt, oder irgend eine andere Reise thut, überall hin begleitet ihn der Sozialismus, und wen» er die Front „seiner" getreuen Bataillone abreitet und von„seiner Macht" prahlt, dann sitzt hinter ihm auf dem Pferd gleich der Horazischen Sorge das Gespenst des Sozialismus. Wir wollten eigentlich schreiben: derBanquo- •geist des Sozialismus, aber das Gleichniß hätte nicht gepaßt, denn der arnie Banqno tonnte ermordet werden, an dem Teufelskerl von Sozialismus sind aber all ihre Mordkünste elend zu Schanden geworden. Und das Gespenst flöst ihm Granen ein,„unserem" Kaiser— um es nicht zu sehen, umringt er sich mit Polizisten imd Spitzeln; allein es hilft nichts. Obgleich diese„Edelsten der Nation" ebenso wenig durchsichtig sind, wie die fürstlichen„Durchlauchten"— er sieht das Gespenst durch sie hindurch und es läßt ihm keine Ruhe. Wie kann es gebannt werden? Soldaten her! Mehr Polizei her! Mehr Kirchen I Mehr Pfaffen! Und die Schule muß noch mehr Dressuranstalt. Vcrdttninumgsanstalt werden! Ja, die Schule muß Helsen— die Schule vereint mit der Kirche. Das ist das letzte Mittel. Nachdem die ultima ratio der Kanone n durch die neuen Entdeckungen der Wissenschaft, die jedes Jahr bessere Konstruktionen, besseres Pulver erfindet, arg Noch gelitten hat, muß die ultima ratio der schwarzen Gensdarmerie und der wissenschaftlichen(«t venia verbo) Leibgarde der Hohcnzollern herhalten. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wurde gelehrt— freilich von Revolutionäre»— die Erziehung sei allmächtig, könne aus dem Kind Alles machen, sein Geist sei— nach deui Ausspruch des englischen Philosophen Locke—„ein iliibeschriebcncs Blatt Papier," auf das � der Lehrer Beliebiges schreiben könne. Stehlen wir den Revolutionären diese Lehre und wenden wir sie an— g e g c n die Revolution! Rehmen wir das Kind von der Mutter Brust, lassen wir es in einer Kaserne erziehen, wo eö nichts sieht als Infanterie, Kavallerie, Artillerie, be- -schreiben wir das„weiße Blatt" mit den Heldenthaten, die unsere Geschichtsschreiber den Fürsten und hohen Herren anzudichten haben und miit dem Evangelium des Gehorsams, der Demuth, der Knechtscligkeit.- — Und das Problem ist gelöst! Ter Sozialismus ist todt- und„das soziale Königthum" kann in Frieden über.die Armeen zufriedener Sklaven herrschen. Schade nur, daß jene revolutionäre Lehre vor der Wissenschaft keinen Bestand gehabt hat, und daß keinem Despoten die Gabe verliehen ist, auch nur einen einzigen Menschen ganz nach Wunsch zu erziehen. Und anstatt jener Lehre hat die böse Wissenschaft nnS die andere Lehre geschenkt, daß der Mensch das Produkt der Verhältnisse, und daß die Staats- und GeseUschaftsiormen der iiothivendige Ausdruck dcr wirth- schaftlich eu Entwicklung und Bedürfliisse sind— mil anderen Worten, daß die politischen und sozialen Kinrichtungen von organischen Gesetzen abhöugen, an denen kein Kaiser, kein König und kein Kanzler etwas zn ändern vermag. Also das Gespenst dcS Sozialismiis werdet Ihr nicht, los, Ihr Herren; und wenn Jchr Euch noch so sehr abquält, es zn bannen. Jedenfalls thnt's die Schule nicht, und. auch nicht die Kirche. Und auch isiebt das neue Sozialistengesetz, weiches, die Herren Machthaber nicht schlafen läßt. Der Alterszeiisus von Iii) Jahren ist schon nicht mehr genug— es müßten mindestens 35 sein. Es wäre possir.lich, wenn ein solches Gesetz fertig würde. Wir hätten dann das köstliche und höchst lehrreiche Schauspiel, daß,»m die Handlung des Wählen? auszuüben, ein 35jähriger Verstand nöthig ist, während die angeblich so schwierige und erhabene Kunst des Rcgierens von blut- jungen Biirschchen ausgeübt werden darf— ein Beweis daftir, daß nach dem Ilrtheil unserer beutigen Staatslenkcr selbst zur Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte mehr Verstand nöthig ist als zum Re- gieren. Was übrigens auch stunnit. yz.(Sr hat fein Herz entdeckt. ER— das ist natürlich der jüngste alte Fritz—. ER hat entdeckt, daß ER Kartellbrnder ist,»nd diese Entdeckung auch sofort im„Rcichsanzeiger" verkündigen lassen. Daß der Mann, welcher M Millionen Menschen sanunt allen deutschen Armeekorps lieber„auf der Strecke" läßt, als einen werthloscn Stein aus seinen Krallen— daß dieser Streckenredner würdig ist, ein Kartellbrnder z» sein und gewissermaßen zu einem solchen geschaffen war — das haben mir niemals bezweifelt und können uns deshalb auch über die Entdeckung nicht wundern. Diese ist übrigens in Wirklichkeit von einem Andern gemacht worden, allerdings für Ihn, und mit dem Wunsch, daß Er die Vaterschaft übernehme. Der Andere ist Nie- maiid anders als unser Eisen stirn, der in seiner Katzbalgerei mit dem„kommendeii Mann" der Allcr-Allerhöchsten Unterstützung bedarf. Er hatte ein Interesse, es ansposaimen zu lassen, daß die kartell f e i n d- l i ch e„Krciizzcitnng", welche von dein„kommenden Mann" mitunter als Organ benutzt wird, nicht„das Ohr dcL Kaiser s" hat, wie sie dem Publikum glauben zu machen liebt, sondern daß der Kaiser Ken Zinn Kartell hält, und die Bekämpfung desselben durch die„Krcnzztg." scharf mißbilligt. Der Schlag, der selbstverständlich gegen den„kommen- den Mann" gerichtet ist, wird diesem nicht viel schaden. Der Waldersec hat eine hübsche Frau und die persönliche Gunst„seines Monarchen" und wird schon dafür sorgen, daß der junge Alte Fritz gelegentlich wieder einmal„sein Herz entdeckt"— und zwar in einer dem gehen- den Mann weniger erfreiilichen Weise. Die„Krenzztg." hat darum auch die kaiserliche Verleugnung mit Recht nicht sehr ernst genommen: sie schüttelte sich gleich einem Jagdhund, der von dem Herrn einen Tritt bekommen hat, wedelt wieder ganz freundlich und denkt: eigentlich bin doch ich der Herr und eS wird nicht mehr lange dauern, so ist der gehende Mann richtig gegangen und der k o ni in e n d c Mann, mein Alaun, hat„das Ohr des Kaisers",— welches bekanntlich etwas defekt ist. Daß der neueste alte Fritz sich so lustig in den Parteikampf stürzt, seine Sacke so keck auf das Nichts der Kartellbruderschaft gefüllt hat, das erfüllt uns mit innigster Freude. Das Gesindel werden wir gelegentlich wegfegen. — Bedientenklatsch ist zwar gewöhnlich nicht sehr erbaulich, aber wenn die. Herren der Bedienten zugleich die Lenker des Staatsschiffs sind, doch manchmal recht belehrend. Um sich an dem getreuen Nachbar, der dem„allerhöchsten Herren" zum Schlage gegen die„Kreuz- zeitung" die Hand geführt, zu rächen, tischt die„Kreuzzeitung" allerhand Enthüllungen ans über die jammervollen Seitensprünge der Dynastie Bismarck, um sich ä tont prix die Gunst des jeweiligen Herrschers zu sichern. Heute nur ein Stückchen. Als vor bald zwei Jahren die famose Versammlung beim Grafen Waldersee stattfand, nahm Bismarcks Leibblatt, die„Norddeutsche". nicht nur einen Artikel Pultkamers— damals noch M i n i st e r!— zu Gunsten derselben nicht aus, sondern zog vielmehr in verschiedenen Artikeln gegen dieselbe los. Damals lebte„unser Fritz"»och, und die Nachrichten über seinen Zustand widersprachen sich. Plötzlich er- schien eines Tages Hcrbertchen Bismarck beim„neuesten Alten Fritz", der in der Walderscc-Versammlung das große Wort geftihrt hatte, und versicherte ihn, daß sein Vater und er mit den Angriffen der„Nord- deutschen" nicht das Geringste zu gehabt hätten, und dieselben sehr bc- dauerten. Das Letztere mag wahr sein, wahrscheinlich waren aus San Nemo ungünstige Nachrichten eingetroffen, das Erstere glaubte ihnen aber kein Mensch, selbst Kleui-Wllhelm nicht. Aber er brauchte die Bismarcke, und die BiSmarcke brauchten ihn, und so that er, als glaubte er, daß der Pindter aus eigener GesinnuugStreae einen MI- iiistcr wie einen Schuhputzer abgewiesen und einen Prinzen wie einen Schulbuben abgekanzelt habe! Wie diese Gesellschaft einander verachten muß. Einer imnicr ge- stnmmgsloser wie der andere. Desto besser, wenn sie in ihrem Haß und in ihrer Eifersucht einander selbst die Maske vom Gesicht reißen. Denn noch immer gibt es Leute, die zu ihnen aufschauen, als seien sie die Verkörperung alles Edlen und Erhabenen auf Erden. — Wie der Kapitalismus wirthschaftet. In der letzten Sitzung der Barmer Handelskanimer wurde u.?s. im Bericht über die Lage der G r o ß i n d u st r i e Barmen's verlesen und gencimsigt, in welchem, nach der„Frkft. Ztg.", von der Spitzenindustrie gesagt wird: „Am iliigünstigstc» stehe es zur Zeit mit der sogenannten-lsädigcn Spitze, zu deren.Herstellung seiner Zell viele Millionen in Gebäuden und Maschinen angelegt wurdcn. Die seit Jahren betricbcnr lieber- erzeugu ng, welche naturgemäß die Löhne immer weiter bcnmtcr- drücken mußte, räche sich jetzt in der empfindiichstcii Weise, und a l l c Versuche, dem Artikel durch Erhöhung der Löhne wieder aufzu- helfen, seien bis jetzt kläglich gescheiter«. Es wäre zu bedauern, daß ein so schöner und seiner ganzen Art»ach für Jahre hinaus cxiftenz- berechtigter Artikel durch r ü ck s i ch t S l o s e A u s b e u t u n g in dem kurzen Zeitraum« von ungefähr sechs Jahren so r u i n i r t worden sei, daß er fast zu den schlechtesten der ganzen Branche gezählt werden müsse." Hier sehen wir die kapitalistische Produktion von Kapitalisten selbst be- und verurthcilt. Denn kann man schwerere Anklagen gegen ein Produktionssystem vorbringen als in diesen Angaben enthalten ist? Sicherlich nicht. Einen Menschen, der i» seinen persönlichen Angc- legeicheitcn nach gleichen Maximen verfährt, würde man für mahn- sinnig erklären und unter Curatel stellen— dem wahnsinnigen Wirthschastssystem aber läßt man seinen Lauf, und wenn der Schaden, den es anrichtet, himderttausendmal so groß ist, wie der, den ein ein- zelneS Individuum anrichten kann. Das„freie Spiel der wirthschast- lichcn Kräfte bringt schon alles wieder in's Geleise" tröstet sich St. Alan- chester. Ei natürlich, aber über die Verheerungen, die ein Irrsinniger anrichtet, geht auch nicht gleich die Welt unter. So bleibt es ein ewiger Widersinn, daß die Gesellschaft bei ihm dazwischen tritt und ihn unter Auf- ficht stellt, dort aber mit verschränkten Armen zusieht, wie durch das wahnsinnige Treiben nimmersatter Spekulanten bodenloses Elend unter Tausenden und Abertausenden hcrabbeschworen wird. Diesem Widersinn ein Ende zu machen, ist die Klasse berufen, die unter ihm am schwersten leidet: das P r o l e t a r i a t. Arbeiter, der „Umsturz" des kapitalistischen Systems Ist nicht blas euer Recht, er ist eure Pflicht! — Der Stein der Weisen ist gefunden— schreibt man uns a'u s Deutschland. Herr Schwcinbnrg, das bekannte Berliner Ober- reptil, hat für die große Frage des Moments: was soll au« dem Sozialistengesetz werde»? eine Lösung gefunden, die in ihrer wunder- baren Einfachheit geradezu unübertrefflich ist. Man denke: wir heben das Sozialistengesetz auf, und wir behalte u das Sozialistengesetz. Wir führen das Ausnahmegesetz ins gemeine Recht Uber, und das Ausnahmegesetz bleibt dennoch bestehen. Und dieses Mirakel wird durch das denkbar simpelste Taschenspieler» kunstsrückchen bewerkstelligt: derPolizei werden die Nicht er unter- geschoben. Voil» tont! Es wird nach ivie vor u n t e r d r ü ck t und verboten. Aber die anrüchige Polizei besorgt das nicht mehr, sondern die biederen Richter. Ausgewiesen wird nach wie vor, nur geschieht es durch ehrwürdige Richter, welche die Majestät des Gesetzes wahren,— und nicht, wie bisher, durch die P 0 li z e i, deren Willllirreginient ihr einen gar schlechten Ruf eingetragen hat. Schmeichelhaft für die Polizei ist die Neuerung nicht— daS muß gesagt werden.— Ganz neu ist die Nciicriiiig auch nicht. Wir haben sie schon längst in Vorschlag gebracht, und hätten fast Lust, uns dqs Autorenrecht zu sichern. Nun, wir kennen unsere Pappenheimer,— die Nichter. Was deutsche Richter zu leisten vermögen, das besagt uns die Geschichte der letzten II Jahre. Sogar ein kartcllbrüdcrliches Blatt, wie die Berliner „Nationalzeitung", die sonst für jede„nasioiiale" Infamie eine Bc- schönigimg hat, mußte neulich bekenne», daß die deutsche Rechtspflege durch das Sozialistengesetz„korrninpirt" worden ist. Und auch der jüngst veröffentlichte Aussatz des bekannten Polizci-Skribentcn Zach er. in Berlin über die„Nechtsunsichcrheit", welche durch die skandalöse Verfolgung der F a ch v c r c i n e erzeugt worden ist, richtet sich zinu Theil gegeir die. deutsche„Justiz", welche auch in diese»! Falle der Polizei eifrigst Handlangerdienste geleistet hat. und täglich leistet. Fürwahr, weiin von solcher Seite sich tadelnde und warnende Stim- lncn erheben, dann muß es weit gekommc» sein. Wir haben keine Lust, jetzt in die Tiefen des Schmutzes hineinzu- greifen, und an die unzähligen Berbrylieu des sogenannten„unabhängigen" deutschen Richterstandes zn erinnern— nicht an den Fxeiberger Prozeß und die endlose Kette der Gchcimbnndsprozcssc, nickt an die schamlosen Rechtsbeiigunge» in Bezug auf die„Verbreitung",— wir wollen nur ans allerjüiigster Zeit ein Beispiel bringen, das als typisch gelten darf und uns weiterer Anführungen enthcbt. Der Redakleur des„Sächsischen Wochenblatts", Tei stl er, in Dresdc», der beiläufig aus ganz nichtigen Gründen seit anderthalb Monaten in Untersuchungs- Haft sitzt— wurde angeklagt, durch Aufnahme einer, die Mißstände eines bestimmten F a b r i k c t a b l i s s c m c n t S geißelnden Korrespon- dcnz sich einer strasbaren„V e r r u f s c r k l ä r>1 n g" schuldig gemacht zu haben. Das Schöffengericht sprach Teistler frei.— der schlagendste Beweis, daß die betreffende Korrespondenz höchst imschuldiger Natur gewesen sein muß— allein die Staatsan>valtjchaft, welche aus Arbeiterblättcr dressirt ist und ihnen ä tont prix etwas am Zeuge flicken muß, meldete die Berufiing an und Ende September kam die Sache vor das Landgericht Dresden. Wohlan, das Landgericht, welches offenbar von dem Streben durch- glüht ist, seinen alten Lorbeeren neue hiiiznziifügc», verurlheiite Tesstler zu zwei Monaten Gcfängniß, und begründete die exorbitante Strafhöhe mit der„Erwägung": es habe fürTcistlcr nicht die ge ring st e Veranlassung vorgelegen, sich an der betreffenden Angelegenheit zu betheiltgen, und sein Gebahren sei nur alL gewerbsmäßige Hetzerei zu bezeichnen." Also Teistler„hat keine Vcranlaffimg" gehabt, sich in die Sache zn mischen. Und warum nicht? Weil er in dem f r a g l i ch e n Ge- s ch ä f t nicht beschäftigt, durch die gerügten Praktiken also nicht direkt betroffen ist! Nach dieser Logik hat Jemand, der sieht, daß ein Mensch todtge- schlagen werden soll, gar keine„Veranlassung", dem Mörder in die Arute zu falle», weil er— der Jemand—„an der betreffenden Au- gclegciihcit nicht bctheiligt", d. h. weil e p es nicht ist, der todtgcschlagcn ivird. Und wenn diese Aiischammg zur Geltung gelangte, dann hätte über- Haupt Nieiyand das Recht einer allgemeinen Kritik, und müßte ein Jeder seine Kritik auf seine persönlichen Angelegen- Heitel! beschränken,— und alles politische Leben hat ein' Endel Das ist es aber gerade, was die Urheber dieser genialen Idee, bezwecken, die natürlich nicht auf dem Mist der Dresdener Land- lichter gelvachsen ist, sondern ans deui großen G e n c r a l- R c i ch s- Nlkst in Berlin, auch Prcßbiireau, oder Reptil- und Spitzel-Aiiltalt gciiamit. Sic ist zuerst ju den Spalten der„R 0 r d d e u t s ch c n A l l g c»1 e i n c n" aufqetanchk und trat damals in ciucr sich ans- schließlich mit der Streikpolitik der Reichsregieruiig sich beschäftigenden Spczialform auf. Nämlich bei Streiks sollten nur solche Nersoilcii von der Polizei zum Wort zugelassen werden, welche direkt bei dem Streik bctheiligt seien; alle andern hätten kein Recht, über den betreffende» Streik zu reden. Durch dieses sinnreiche Mittel wollte man die bösen „Agitatoren" los werden, ohne offen und unuiittclbar dem Koalitious- recht zn Leibe zu gehen. Mit der Pudclgclchrigkeit„unabhängiger" deutscher Richter haben die Verurtheiler Teistler» die Weisheit der„Norddeutschen Atlgciiiciucn" sich angeeignet, und— die Praxis wird Schule machen. — Auch im Rheinland haben deutsche Richter sich wieder einmal ausgezeichnet: nachdem der Anklagesenat des E l b c r f c l d e r Landgerichts eine größere Anzahl der vom Staatsanwatt bcfnrivortctcn Anklagen battc fallen lassen, hat das zuständige Obergcricht, an weiches der Staatsanwalt appcllirte, die größere Hälfte dieser Anklagen wieder a n f g-c 11 0 m m e n, und die Anklage auch auf Bebel ausgedehnt, der mm das Vergnügen haben wird— falls der letztere Entscheid nicht doch noch iinigestoßen wird—, mehrere Wochen lang auf der Anklagebank zu sitzen— statt auf der Zeuge n dank. FÜr 1 h 11 ist's kein sonderlicher Unterschied, denn an eine Verurtheilimg in diesem monströsen Monstreprozeß ist nicht zn denken, aber für die Mi lange- klagten macht'S einen wesentlichen Unterschied. Bebel, dessen eut- lastendes Zeugniß thnen von außerordentlichem Nutzen gewesen wäre, kann, nachdem die Anklage auf ihn ausgedehnt worden ist, nicht mehr als Zeuge vernommen werden. Weiter hat's auch keinen Zweck, daß man die Anklage auf ihn ausdehnte. Die deutschen Richter sind— kluge Leute. — Rußland hält die Fahne hoch. Wie dem reaktionären„Reichs- boten" ans Rußland gemeldet wird, ist den Direktoren sämmtlicher Realschulen ein»euer L e h r p l a 11 zur Nachachtuiig bekannt gegeben worden. Einige Bestimmungen darin sind höchst charakteristisch, z. B. 1) Beim Geschichtsunterricht hat sich der Lehrer strikte an das v 0 r s ch r i f t s m ä ß i g e L e h r b u ch zn halten;«in freier mündlicher Vortrag seitens desselben ist nicht statthast. 2) Der Geschichtsunterricht hat erst in der Quarta zu beginnen und zivar mit der Geschichte Ruß- lands. 3) Beim Geographieniiterricht ist ein Hinweis auf die h i st o,- r i s ch e Bedeutung der Orlschaften nicht zulässig." Da wäre also WilhelnichensSch ulideal erreicht. Es gibt keine Geschichte mehr außer der, die im Ministcrinin— zn deutsch Gesinde- st u b c— de« Kaisers hergerichtet worden. Die Schüler erfahren nicht die wirkliche, sondern nur die imaginärc, nach den Zwecken der Regierung k 0 N st r n i r t e, die„vorschriftsmäßige"— was das für cm herrliches Wort ist— Geschichte. Da« wird nun hoffentlich auch bald in Deutschland so sein. In den Schulbüchern ist es ja schon so weit. Aber»och gibt es liier und da Lehrer ans der bösen vor siebziger Zeit, die es sich zuweilen bei- kommen lassen, Geschichtsunterricht„nach der Natur" zn treiben. Diesen muß das Handwerk gelegt werden. Au» dem Buch in'S Buch, das ist das einzig'Richtige— kein z» überflüssigem Denken anregender Znsatz, nicht ctiiiiial ei» erläuternder Kommentar. Mit einem Wort, das Ge- schichtsbuch unantastbar wie die—„heilige Schrift". — Ein 11 cncS Beispiel für den alten Sah. daß die tech- nischen Forlschritte in Industrie und Verkehr den Arbeiter überflüssig inachen, daß sie besonders den gelernten Arbeiter außer Brod setzen, wird— so lesen wir in der„Rew-Aorker Volksztg", durch die nciicil Ozean- Schnelldampfer gegeben. Man baut nämlich diese Dampfer jetzt mit einer vedcntcnden Verein- fachung der Takelage, wie das bei den ncnc» Hamburger- Schnelldampfern „Columbia" und„Viktoria Angnsta", zn beobachten ist, wo die Raacn beinahe oder vollständig fehlen, und man(jeht mit dem Plane Hin. die neu herzustellenden Scknelldampfer g ä n z l 1 ck ohne Masten zu bauen. Die Tecknik im Sckiffsbail ist so weit entwickelt, daß die alte Form der Schiffe mit Masten und Segel überflüssig erscheint, und iimn sich bei der neuen Bauart in Bezug a»f Gang und Sicherheit des Schiffes große Vortheile versprechen kann. Auch eine größere Schnelligkeit wird mit den neuen Schiffen möglich sein. Die Masten und das Takelwerk bieten der Lust, namentlich bei widrigen Winden, einen Widerstand, welcher während der Dauer einer Ozcanfahrt ganz beträchtlich auf die Geschwindigkeit einwirkt. Ein großer Thcil der Maschinenkraft geht also für die Schnelligkeit des Dampfers ungenützt verloren und wird nur dazu verwendet, den Widerstand der Masten gegen die Lustströmung zu überwinden. So werden die K o st e n des Betriebes verringert. Wesentlich billiger aber wird dieser Betrieb noch durch folgenden Umstand: Ein Schiff der alten Bauart, mit Masten, Raaen und Segeln, be- darf einer bedeutenden Anzahl gelernter und erfahrener Matrosen. Gelernte Matrosen beanspruchen aber auch bedeutend höhere Löhne, als gewöhnliche Arbeiter. Die neue Bauart der Dampfer setzt an Stelle der theurcn Vtatrosen den b i l l i g e n u..d abhängigeren Arbeiter. Die vervollkommnete Taktik schlägt den Matrose» todt, macht ihn überflüssig. Die Schifffahrt ist großindustriell geworden.— — Ii» Anschluß an unfern heutigen Leitartikel geben wir noch einige Zahlen über das Anschwellen der Militäraus gaben seit der Zeit, da Deutschlands Einigung unter preußischer Vonnacht dein deutschen Volk die tausendjährige Aera des Friedens und der Freiheit — hatte bringen sollen. An fortdauernden Ausgaben hatte das deutsche Reich für Armee und Marine: Reichshcer Marine 1873 259,1 Mtll. Mark 8,8 Mill. Mark 1874 270,8,„ 16,7„ 1875 318,9„„ 17,7„„- 1880—81 327,1,„ 24,7„ 1881—82 343,9„„ 26,8„ 1887—88 359,8„. 39,2„ 1889—90 370,2.„ 35,7„ Da? heißt also: die d a n e r n d e n K o st c n der deutschen Rüstung betragen heute bei der Marine etwa das 4'/- fache wie 1873, oder jähr- lich 27,4 Mill. mehr, bei der Ncichsarmee aber im Jahr III Mill. mehr. Das ist indeß nicht die Gesammtsumme der für Kriegszwecke ausge- f ebenen Gelder. Es kommen hinzu die sogenannten„einmaligen" lusgaben. Diese betrugen nach dem Etat von 1887/83 169 Mill., nach dem diessährigen Etat über 380 Millionen. Für das nächste Jahr darf fich Michel, angesichts der neuesten Ver- beffcrungen in der Technik der Mordivaffc» auf einen tüchtigen Sprung gefaßt mache». Und so weiter, immer weiter, bis Michel dahinter kommt, daß seine gefährlichsten Feinde nicht au der Newa, nicht an der Seine, sondern an der Spree wohnen. — Etwas Uber Revplntionen und legitimes Recht. Wo mag das Folgende stehen-k „... Aber wieviel Existenzen gibt es in der heutigen politischen Welt, welche mit voller Kontinuität(ununterbrochener Zeilfolge) nn Rechte wurzeln? Spanien, Portugal, Brasilien, alle amerikanffchcu Republiken, Belgien, Holländ, die Schweiz, Griechenland, Schweden, das noch heute mit Bewußtsein in der Revolution von 1688 fußende England können ihre dermaligen Rechtszustände auf keinen l e g i t j m e n Urs v r U u g mrückführen. Selbst für das Terrain, welches die deutschen Fürsten, cheils Kaiser und Reich, theils ihren Mitständen, den Staudcshcrreu, theils ihren eigenen Landständcn abgewonnen haben, läßt sich kein » o l l st ä n d i g legitimer Besitztitcl nachweisen. Ein Prinzip kann man aber nur insoweit als ein allgemein durchgreistndes anerkennen, wenn es sich unter allen Umständen und zu allen Zeitep bewahrheitet, und der Grundsagl tjuocl ab initio vitiosTirn, lapsu ternporis con- Talescere nequit(Etwa: Was von Anbeginn Unrecht, kann nicht durch die Dauer der Zeit Recht wcrdcy. Rcdakt.) bleibt der Doktrin gegenüber richtig, wird aber durch die Bedürfnisse der Praxis unaufhörlich widerlegt....." .Wann und nach welchem Kennzeichen haben alle diese Mächte auf- gehört, revolutionär zu sein? Es scheint, daß man Ihnen die illegitime Geburt verzeiht, sobald wir keine Gefahr von ihnen besorgen, und daß »»an fich auch alsdann nicht prinzipiell daran stößt, Äenst sie fortfahren, ohne Buße, ja, mit R ü h m e n fich zu ihrer Wurzel ini Unrecht zu bekennen. Es scheint nicht, daß vor der stcmzösifchen Revolution ein Staatsmann auf den Gedanken gekommen ist, die Beziehungen seines Landes zu anderen Staaten lediglich dem Bedürfniß unterzuordnen, von Berührungen mit revolntionäre» Erscheinungen frei zu bleiben, und doch waren die Grundsätze der amerikauischeil und englischen Re- volution, abgesehen von dem Maße des Blutvergießens und von dem nach dem Ranonalcharaktcr vcrschicdcneu Unfug, der mit der Religion getrieben wurde, ziemlich dieselben, wie diejenigen, welche die Unter- brcchuugen der Kontinuität des Rechtes in Frankreich herbeiführten....." .Wenn man ihr— der Revolution— einen irdischen Ursprung an- weisen will, so wäre auch der nicht in Frankreich, sondern eher in England zu suchen oder noch früher in Deutschland oder in Rom, je nachdem man die Auswüchse der Reformation oder die der römischen Kirche nebst der Einführung römischer Rcchtsauschauungen in die ger- manische Welt als schuldig ansehen will." Diese Sätze, die überzeugend beweisen, daß das sogcnante legitime Recht, auf das die heutigen Machthaber sich zu berufen lieben, nur ein fauler Schwindel ist, den sie der dummen Masse vormachen, sind entnommen— nicht etwa der Schrift eines demokratischen oder sozio- listischen Umstürzlers, sondern— einem Briefe hes preußischen Bundes- tagSgcsandtcn Bismarck an den Rtinister von M a n t e n f f e l, ge- schrieben am 4. Februar 1857, also zu einer Zeit, da in. Preußen die schwärzeste Reaktion herrschte und mit zelolischem Eifer sich bemühte, die Errungenschaften der Revolution von 1848 mit Stumpf uud Stiel auszurotten— was ihr beiläufig gerade in dem Punkt, auf welchen es ankam, nicht gelungen ist. Warum schrieb aber der seitdem gefürstete Otto diesen Brief? Wollte er Manteuffel von der Berechtigung der Revolution überzeugen? O nein, die hübsche Auseinandersetzung hatte nur den Zweck, die .Ochsen aus Prinzip" in Berlin zu überzeugen, daß ihre Bedenken gegen einen engeren Anschluß an den höchst unlegitimen Staatsstreichs- Helden Louis Napoleon, den Bismarck damals befürwortete, absolut unberechtigt seien. .Im Grunde sind wir Edelste der Nationen alle Räuber oder Sl bköm in ltnge von Räubern"— so könnte man stiglich den Sinn der Bismarcksche» Ausführungen zusammenfassen. Aus den, Munde einer der berufenen Stützen von E i g c n t h u m und Gesetz ein ganz nettes Eingeständniß. Namentlich sehr geeignet, die im Volke vielfach verbreiteten, ganz unberechtigten Skrupel über das Recht der Revolution zu zerstören. — Der letzte Jahresbericht des amerikanischem General- konsnls Müller in Frankfurt a�M. sagt über die Zustände in Deutschland: .Die sozialen Zustände und der Wohlstand der größere» Masse des Volkes sind im letzten Jahre ziemlich unverändert geblieben und es jst kein Grund zur Annahme vorhanden, daß eine Wendung zum Besseren bevorstehe. Inmitten der anscheinend günstigen Handels- Verhältnisse ist in der sozialen Stellung des armen Mannes fei n c Besserung eingetreten, es sei denn, man betrachte das System der llufalls-, der Altersversicherung oder der Versicherung der einzelnen Personen als einen Schritt in dieser Richtung. Am auffallendsten ist aber jedenfalls, daß selbst i n g u t e n Z e i t e n der Slrbeitcr am Ende des Jahres auf demselben Punkte steht, wie am Anfange. Auf die Preiserhöhung der Waarcn folgt keine Lohn- e r h ö h u n g und das Steigen der Lebensmittel Icheint seine Lage u n- e r t r ä g l i ch e r d e n n j c zu machen. Das Verdrängen kleiner Ge- schäfte durch ein gemeinschaftliches Vorgehe» der großen veriuehrt be- ständig die arbeitende Klaffe uud führt derselben ein aufgeklärtes aber unzufriedenes Element zu, das eines Tages seinen Protest erheben wird. Die Kluft zwischen Armen und Reichen vermehrt sich beständig; die Reichen werden reicher und lkie Armen ärmer." Der Mann ist bei Weitem kein Sozialist, sondern ein durchaus bürgerlich gcsinutcr Demokrat— uoiabene im amerikanischen Sinne des Wortes, der von dem damit in Europa vielfach damit ver- bundencn grundverschieden ist. — An den Pranger! Wir lesen im Berliner„Volksblatt": „Auf§ 153 der Gewerbeordnung gründete sich eine Anklage gegen den Vorsitzenden der Lohnkonimission der Maler und Anstreicher Berlins, Joseph Hohlwegler.§ 153 der Gewerbeordnung bestimmt: Wer Andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehr- Verletzung oder durch Vcrrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen ver- sucht, an solchen Verabredungen(zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen) Theil zu nehmen, wird mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft. Im Juni d. I. wurde ein Flugblatt der erwähnten Lohnkommifsion verbreitet, in welchem unter Bezugnahme auf die Streik- bewegung folgender Passus enthalten war:„Kollegen I Wer feige von unserer Fahne weicht, schädigt unsere gerechte Sache und bringt unaus- löschlichc Schmach über sein eigenes Haupt". Als verantwortlicher Ver- leger dieses Flugblattes hatte Hohlwcglcr gezeichnet, der den unter An- klage gestellten Passus um so unbedenklicher halten mußte, als er ihn wörtlich aus andere»Flugblättern entnommen hatte, wo er unbeanstandet geblieben war. Vor dem Schöffengericht, wo die Sache kürzlich verhandelt wurde, beantragte der Staatsanwalt 6 Wochen Ge- fängniß mit der Motivirung, daß man die Führer der Streikbewegungen exemplarisch bestrafen müsse, um der ausgebrochenen Streik- manie entgegenzutreten. Wenn die Arbeiter niit ihren Löhnen nicht aus- kommen, so soll sich jeder Einzelne an den Arbeitgeber wenden. Rechts- anwalt Sachs als Vertheidiger beantragte Freisprechung aus rechtlichen Bedenken, da die Voraussetzungen des§ 153 nicht vorlägen. Dieser habe„Vereinigungen" zur Voraussetzung, die hier nicht vorhanden waren. Das Schöffengericht erkannte nach etwa drei Minuten langer Berathungauf einen Monat Gefängniß. Berufung ist angemeldet." Wenn die Richter der Berufungsinstanz nicht jeden Funkens von Rechtsgefühl baar sind, so müssen sie dieses Produkt engherziger Klassen- justiz unbedingt umstoßen. Bon den biederen Philistern, die hier wieder einmal die bekannte Voltslesart des Wortes„Schöffen" bekräftigt, wollen wir nicht reden— von dieser Gattung„VplkSrichtern" sind andere Leistungen kaum zu erwarten. Was soll man aber zu einem Staatsamvalt, d. h. einem Vertreter des Gesetzes sagen, der die Führer der Streikbewegung„exemplarisch(!) bestrafen" will! Es gibt kein Gesetz, welches den Streik verbietet, und ob ein Streik gerecht- fertigt oder nicht, darüber hat kein Staatsanwalt, kein Gericht zu be- finden, so wenig sich ein Staatsanwalt oder ein Gericht darum kümmert, ob eine Lohnhcrabsetznug, eine Entlassung oder ein Ausschluß von Arbeitern gerechtfertigt ist oder nicht. Der edle Gesetzeshüter hat sich hier zum Mundstück der Bestrebungen des protzeuhaftcn Ausbeuterthums gemacht— im Interesse des Geldsacks das bestehende Gesetz schnöde mit Füßen getreten. Schade, daß sein Name nicht genannt ist, solche erbärmliche Streber können nicht scharf geuug gebraudniarkt werden! — Die immer mehr zu Tage tretende Zersetzung der nationalen Parteien in Oesterreich unter der Wirkung der sich im Schooße derselben geltend machenden w i r th s ch a f t l i ch e n Gegensätze und ihre Zurückwirkuug ans die allgemeine politische Situation in Oesterreich erfährt im Leitartikel der neuesten Rümmer der Wiener.Arbeiter- zeilung" eine sehr interessante Besprechung. Wir entnehmen demselben folgende Stellen: „Das Schicksal, welches die Deutschen in Oesterreich längst ereilt, trifft nunmehr alle anderen Nationalitäten. Die früher einheitlich auftretenden nationalen Parteien spalten sich eine nach der andern. Während des Kampfes um nationale Interessen ist die wirthschaftliche Entwicklung nicht stille gestanden, ist die Differenzirmig, die Scheidung der wirthschastlichcn Interessengruppen tuucrhalb jedes einzelnen Bolls- stammes mächtig vorgeschritten, und hinter der Fiktion des deutschen, polnischen, tschechischen.Volkes" erscheint nach uud»ach das Bild der deutschen, polnischen und tschechischen Bourgeoisie, des deutsche», tschechischen und polnischen Kleinbürgcrthlims und Bauernstandes, des dernschen, polnischen und tschechischen Proletariats. Da der deutsche Volksstamm der wirthschastlich entwickeltste ist, hat sich, die Scheidung in lvirthschaft- liche Interessengruppe» bei den Deutschen bereits am vollständigsten vollzogen. Die slavischcn Volksstämme kommen nun nach dem Grade ihrer Entivicktung�an die Reihe. Möge man sich nicht dadurch täuschen lassen, daß die Schlagworte dieser Spaltzingen für's Erste nationaler Natur sind. Die Männer des„Deutschen Klnb" haben sich von der „liberalen Berfassiingspartei" getrennt, zunächst als„Deutschmitionale" (d. h. die Vcrfassungspartei war ihnen nicht„deutsch" genug. Red. d.„S.-D.") In kurzer Zeit zeigte es sich, daß es sich um eine Scheidung' aus wirthschaftlichcu Gründen handle. Die Vertreter des Kleinbürger- thums und der Rettung des Bauernstandes trennten sich fetn säuberlich von den Weitlof's und Menger's, ivclche wieder über ein Kleines dort- hin zurückkehrten, wohin sie feit je gehörten, zur„Bcrsassuugspartci", „Vereinigten Linken", kurz zur Partei der liberalen Bourgeoisie»nd der Grotzgruiidbesitzer mit BourgcoiS-Jnteresseu. Ebenso ist natürlich die antisemitische Partei die Vertreterin des Kleinbürgerthuins in etwas roherer und ungebildeterer Gestalt. In Deutschland hat der Autisemi- tismus seine ideologische, dühnngische Form als reine„Raiseiibemegung" schon sehr eingebüßt und erscheint immer mehr als Jminugsbeweguiig, Bauernbcwegung?c., kurz als politischer Ausdruck von engvegrenzte» wirthschastlichen Interessen. Derselbe Prozeß hat in Oesterreich bereits begonnen. So ist denn auch das Slnftreten der Jungtschecheu, der polnischen und nlchenischen Demokraten zunächst erfolgt in der natzirgemäßen Verhüllung als nationaler und politischer Radikalismus. Aber es wird nicht lange dauern uud die ncugewählten Slbgeordueten werden sich. erinnern müssen, daß ihre Wähler Klcingewerblreidende und Bmiern sind. Der tschechische und polnische Großgrundbesitz,„der geborene Führer seines Volkes", wird erfahren müssen, daß die früher cinbryo- nalisch unentwickelten Glieder„seines" Volkes minmehr selbstständig genug geworden sind, um seine„Führung" nicht mehr zu vertragen. Mag heute das Schlagwort der Junglschechen die KönigSkrönung im goldenen Prag fein, mag dieser an sich recht kindliche Wunsch gewährt werden, die erste Schlacht mit ihren tschechischen FdUdulgrafcn und Jndustriebaronen»nd deren Advokatentroß lverden sie ans lvirthschaft- lichem Gebiete schlagen müssen. Dieser Beginn der Scheidung nach wirtbschaftlichen Interessen stellt aber zugleich Verbindungen von bislang absolut feindlich getreunteu Gruppen in Aussicht. Wir meine», es ist nur eine Frage der Zeil, wann sich Alttschechen und Vereinigte Linke, Jungtschecheu und Deutschnationale Vereinigung anf wirthschastlicheni Gebiete in engster Kamps- b ruderschaft treffe» werde». Die internationale Verbindung der Anti- semitcu tritt bereits heute deutlich hervor. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß selbst dem Fixigsteu aller Fixen, daß selbst dem Grasen Taaffe graue» muß. Wir zweifeln zwar nicht, daß er ohne Weiteres seine jedesmaligen politischen Prin- zipicn mich weiterhin nach den jedesmaligen Bedürfnissen einrichten würde, und daß es ihm wesentlich gleichgültig ist, ivelcher Nation oder Parteifarbe die Leute angehören, die z» feinem Wehrgesetze, seiner Zucker-, Branntwein- und Pctrolcmnsteuer, seinen Ausuahmsgeseyeil ihr„deutliches und vernehniliches Ja" sagen. Aber über die nun im Werden begriffene politische Lage tappt er so sehr im Timkcln, daß er nach dem Verschiedensten greift. Der Statthalter von Böhmen, Kraus, mnßlc zunächst über die Klinge springen. Daß er die Wahl- siege der Junglschechen zuließ, konnte ihm nicht verziehen werden. Der Arine, hätte man ihm nicht früher sagen können, daß im Nothfalle Jungtschechen behandelt lverden müssen, wie der nun verflossene Herr Statthalter Sozialdemokraten zu behandeln verstand? Der Wink wäre deutlich, und die Jungtschechen gründlich versorgt gewesen. Dann stellt Taaffe, um den Jungtschecheu den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Krönung in Prag in Aussicht, das heißt, eine Bereinigung von Böhmen, Mähren und Schlesien zu einem einheitlichen Vmvattimgs- gebiet unter tschechisch-feudaler Führung. Zugleich aber beschlcicht ihn die Ahnung, daß Ehlumeekn und Plener(die Führer der liberalen Vcrfassungsparlei. Red. d.„S.-D.") auch Leute sind, die mit sich reden lassen, unter Umständen selbst von Ricger uud Zucker, und gerne Minister wäre», und er lädt sie zu einem Ausgleich mit den Tschechen ein iin selben Moment, wo er diesen Ausgleich uni'nogkich gemacht, indem er den Krönungsteufcl au die Wand gemalt. Kurz, nie bedurfte Gras Taaffe so dringend des„Schwciumiugcr", wie heute"' Der Artikel führt alsdann aus, wie im Gegensatz zu Taaffe der Fürst Al. L i e ch t e u st e i Ii, der Führer der österreichischen Feudal- klerikalen, indem er sich vom Schauplatz zurückzieht, beweist, daß er die Situation begriff«! hat. Mit der Hoffnung, daß ihm der tschechische und polnische Fendaladel ihr Volk gebunden für seine klerikalen Pläne ausliefern werden, ist es nach den letzten Wahlen vorbei. Selbst die Aussicht, diese auf dem Kompromißwege in kleinen Dosen nach und nach einzuheimsen, ist geschwunden, deuu"die Jungtschechen haben chre Wahlsiege ausdrücklich auch auf die Losung: gegen Liechtenstein! errungen. Natürlich fei aber mit dem Rücktritt Liechtenstein's der kleri- kale Anstunn nicht abgeschlagen. Im Gegeuthell, nachdem die„staats- iiiännische" Methode des politischen Schachers mißglückt, werden wahr- schcinlich jetzt die„katholischen Volksmassen" zum Ansturm aufgerufen werden. Aber die Herren Kapläne und ihre Gefolgschaften seien im Ernstfalle nicht mehr zu fürchten als Fürst Liechtenstein selbst. Unser Brudcrorgan schließt mit den Worten: „In unserer Besprechung der politischen Situation haben wir bisher kein Wort darüber verloren, welche Rolle der Arbeiterklasse Oesterreich? darin zufällt. Politisch rechtlos und vogelfrei, hat sie in diese Dinge einfach nicht dreinzureden. Stach ist sie in Oesterreich keine Macht, mit der man rechnet, sie ist einfach das Objekt, über welches man verfügt. Aber, von Tag zu Tag wird das anders und besser. Dieselbe Eni- Wicklung, welche die alten, groß«: Parteien zersprengt hat, sie fördert die Macht des Proletariats ans Tageslicht und weckt die Kraft, die der Zukunft eine neue Gestalt geben wird. Dein Zcrsetzungsprozeß aber, welchem die Gewalten der Vergangenheit und Gegenwart unter- liegen, folgen wir mit theilnahmsvoller Spannung." Onittung. Genosse P. Lafargne bittet uns folgende Summen zu gnittiren, die er von auswärtigen Genossen für die Wahl Jules Gucsde'S erhalten: Von O. W i l k e(Deutschland)......... Frk. 610.— Von Genossen in Brüssel(durch Jac. de Fezcr)...„ 14.70 „ Professor Sl. Labriola in Rom.......„ 10.— Vom sozialdemokratischeii Zirkel in Bukarest d. I. Ruprecht„ 30.— Ferner vom Wahlkreis Mühl heim am Rheni für dic Ge- nosieit in Paris zur Wahl..........„ 20.—- Briefkasten der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten aus Berlin, Essen(Gedicht), Paris, Nizza(nächste Nro.), Wien(Kalender). der Expedition:— Schneidcrwerkstättc Zürich; Fr. 2. 25 Ab. 4. Qu. crh.— Hchsn. O'straß.: Fr. 2.— Ab. 4. Qu. erh.— Fr. Spgr. Zrch.: Fr. 2. 25 Ab. 4. Qu. erh.— O. Mstrg. Zrch.: Fr. 2.—: Ab. 4. Qu. erh.— G. Hch. Zrch.: Fr. 2.25 Ab. 4. Qu. erh.— D. Verein Bern: Fr. 31.25 Ab. 3. Qu. erh.— Der„Alte vom Berg": Fr. 2. 25 Ab. 4. Qu. crh.— Spiyberg: Mk. 3.— Ab. 4. Qu. erh.— G. Sch. Bsl.: Fr. 40.— a Eto. D. crh. Weiteres «otirt.— I. M. Lnzern: Fr. 4.50 Ab. 4. Qu. u. Fr. 4.— Ilfds. crh. Von Pontius zu Pilatus! Warum nicht gar! Wege» den Moneten muß man sich immer rühren!— Grnewld. Montreux: Fr. 2. 25 Ab. 4. Qu. crh.— H. B. W'thr.: Fr. 4. 50 Slb. 4. Qu. echalten.:=- A. Sch. Blyth.: Dank f. Nachr. v. 2/10. Ad. gcord. Nota ze. mit 40.— D. B. a. d. Sp.: Nachr. a. 1/10 erh. Diese„Versilberung" v. E. bedeutet für Sie einige Wartezeit auf d. Ersatz. Hoffentlich haben Sic den Verfilberern den Standpunkt—„versilbert".— V. Pxa. Tijon: Fr. 9.75 Ab. 4. Qu. u. Porto erh. Fr. 6.— gesammelt von einigen Deutschen für Familien inhafttrter Genossen dem llfds. dkd zugewiesen.— E. E. B.: Mk. 16. 80 a Eto. Ab. crh. u. Adr. uotirl.— Onkel: Mk. 9. 20 Ab. 4. Qu. u. Ad. crh. Bstllg.-c. folgt. — Blöder: Mk. 50.— a Eto. Ab. auch Bf. v. 6. erh. Bestllg. u. Adr. notirt. Wollen Sie zur erbetenen„pünktlichen Bedienung" nicht auch mal die Hände rühren? Seit zka. 8 Jahren war's das erste Mal, daß Sic„bedienen" helfen. Grüßen Sie die Alten und Neuen ein- dringlichst. Was uns m ö g fi ch ist, geschieht stets.— I. B. R.: Mk. 3.— Abon. 4. Quartal erhalten.— Brauner Bär: Mk. 3.— a Eto. Ab. erhalten und Mchrbcstellnng notirt. Dkschft.?c. folgt, ebenso weiter Erfragtes. Ucbrigcns scheint es mit Ihren Dcckadr. auch Nicht ganz kailscher. Referenz wird besorgt.——er—: Mk. 10. 80 Ab. 4. Qu. crh. Weiteres beachtet u. Ad. notirt.— Neponinck: Auftrag am 4/9 desorgt.— Wahlkreis Mülheim a. Rh.: Mk. 16.— (Fr. 20.—) für die P arrfer Wahlen dkd. crh.— Rothcr Kämpfer: Mk. 40.— a Ew. Ab. k. erh. Geldsdg. v. 8/7 kam am 12/7 an u. steht unter diesem Datnin im Auszug. Dkschsrdenllg.?c. folgt, sobald neue Auflage vcrsandtfertig.— Schippe: Dkschstbstllg. lt. Vorlage v. 2/10 notirt.— Mrs. R. St. Ldn.: Sh. 1.— f. Denkschrift erh.— tlrania: öwfl. 1. 60 sind im höchsten Fall per Mk. 2. 70 anzubringen u, s o giltgebracht. Weiteres notire» u. berichten bsl. mehr.— Rthr. Peter: Ad. lt. Vorlage v. 4/10 gcord.— Doimcrsderg: Nachr. v 4/10 cxh. D. B. hoffen indessen angelangt.— T'anthias:-fbd. u. Nachr. v. 5. am 7/10 crh. Alles beachtet und mit Weiterem einverstanden. Bfl. mehr.— Sdwm, 1. Gt.: Pfd. 1.2.— a Eto. Oktbr.-Rate gut- gebr. Durch verspätetes Avis keine andere Lesart möglich. Weiteres bfl.— Nikodemus: Nachr. v. 3. am 4/10 eingettoffen u. Antw. nach Vorschrift abgelassen.— Das Wort„retour" ist in solchen Fällen noch brenzlichcr, als die Suppe des Sch. Zufällig braucht'S das nicht. Weiteres berücksichtigt.— Skorpion: Diese' Disposition ist taktisch ab- solut verkehrt. Direkt erfolgte Abwklg. werden bestätigen und bfl. Weiteres melden.— Clara: Das wäre besser früher geschehen. Änge- sichts der Wahlen ist eine„schneidige Waffe" erst recht von Röchen.— Tiradcntes R. d. I.: Bf. v. 18/9 am 6/10 erh. u. heute am 7/10 beantw. Erftagtes ist längst u. Ers. 14 heute fort, sowie Weiteres vorgemerkt. Grnß!— A. Stmstr. Ldn.: Sh. 2.-� Ab. 4. Qu. crh. — Louise: Mk. 5.— f. Ab. 4. Qu. il: Schft. erh. Bestllg. notirt.— Der Alte Lgz.: Mk. 21.— a Eto. Ab. u. Schft. crh. Bstllg. n. Ad. noliren n. erklären bfl.?. Weitere.— Veilchenstein: Mk. 268. 85 a Eto. Ab.:c. erh. n. Ad. notirt. Dkschrft. muß jetzt dort sein. Adn. sind gcord. Alter Freund, das-ist das verkehrte Mittel, das Uebel zu heilen, worüber bfl. Näheres. Monus: Mk. 60.— a Eto. Ab. tc. erh. Weiteres angenehm.— A. Schndr. Blyth.: Ski. 8.— Ab. 4. Qu. crh. Sonstiges stimmt.— Wilhelmine v. Felsenthor: 1 Pfd. a Eto. Ab. 2C. crh. u. 1 Pfd. dem Aids. dkd. zugewiesen. Hoffen derart Ihrem Wunsch bestens entsprochen zu haben. Gruß.— Th. B. Hxtn.: Einverstanden.— Liege: Fr. 12.— Ab. 4. Qu. erh. Grüße werden bestellt.— Brillits: Mit Bf. v. 7/10 Avisirtes erwarten wir u. bringen nach Eingg. 1 Fr. für Verlag gut. Betreffdr. Portor est macht je- doch 2 Fr. Weiteres betr. Bln. w. bfl.— Rth. Eerberns: Adr. It. Vorl. v. 6/10 geordn. n. Bstllg. not.— Arabi Pascha: Wir sind der Meinung, daß bei solchem Umsana das billigste geleistet ist. Bstllg. L. not.— S.-D. Leseklub Paris: Brocke's„Nied. in. d. Soz." folgt so- bald Nenanfl. versandtf. Weiteres n. Wunsch. Abrchg. bereits am 25/9 an Schb. abgg. Brief f.— L. P. Bpst.: Schön. Warum gaben Sie denn die Adr. nicht gleich dem Briefe v. 6/10 bei?— Asher n. Co.. Hier: ShI. 3.—. f. Schft. am 9/10. crh.— Dtsch.S.-D.Elb. Lavillette: Frs. 15—. p. M. Ott. n. Ggr. Ab. 3. Qu. erh. Dank f. Besorg.— Max: Mk. 50— a Eto. Ab. zc. erh. u. Bstllg. not.— Kilian: M. 61.35 a Eto. Ab. 2C. erh., Adr. u. Bstllg. vorgem.— A. H. Pst.: 60 Kr. f. Spgbld. erh. Sdg. abgg.— Dtscki. Soz.-Elub Paris: Frs. 26— Ab. 3. Q». erh. u. Weiteres n. Vorsehe, notifizirt. Beil. besorgt.— K»min»»istischcr Arbeiter Bildnngs-Bcrein Vvllvvlla 49 Tottenham-Sttect. Ter Verein gedenkt zum Zwecke der sozialistischen Propaganda im Laufe dieses Winters in Zeiträumen von je 3— 4 Wochen eine Serie von ggf- öffentlichen Vorträgen B(1 mit freier Diskussion zu veranstalten. Der erste dieser Vorträge wird öaißßaz lim 12. WkUlicr, Abends 9 Uhr stattfinden und hat Burger Fischer das Referat über:„Boulangismns und Sozialismus in Frankreich" übernommen. Wir erwarten, daß diese Vorträge, für welche eine Reihe von Genossen ihre Mitwirkung zugesagt haben— den November-Vorttag hat Bürger Bernstein übernommen— seitens der Genoffen zahlreich besucht werden»nd wir bitten zuglcich um pünktliches Erscheinen, da wir präzise zur festgesetzten Zeit beginnen werden. Das Komite. .Pripteä for the proprietora by the German Cooperatlre Publiabinj Co. 114 Kentisb Towo Road London X. Vf.