Abonnements »erden beim Verlag und dessen Wannlc» Agenten entgegen» genommen, und zwar zum voraus, ahlbar»» Vierteljahrspreis von: Rl. 4,40 für DeutsSland Khill. 2,- für alle übrigen Linder de» W-ltpoflderem»(«reu, band). Zsserstt die dreigespaltene Petitzell« »Pence— 25 P!g.— 30 St». Der SoMeWkwt Hrgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einmal in London. Aerlng der German CooperativcPublishing Co. E. Bernstein& Co., London N.«. 114 Kentlah Town Road. v-stst«d»nge» franko gegen frank». E-wihnliche Briefe «ach England kosten Doppelport». 51. Briefe an die Redaktion und Erpedition dei in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. 21. Dezember 1889. Ein Weihnachtsgeschenk für den armen Mann. Ein charakteristisches Stück agrarischer„Fürsorge für den kleineil Mann" deckt das„Berliner Volksblatt" in einer seiner letzten Nummern auf. In einem Organ der Agrarier —„Zeitschrift für die Spiritusindustrie" betitelt— ist das Organ der Berliner Arbeiter auf zwei überaus bezeichnende No- tizcn gestoßen, die sich mit der„sehr wichtigen Frage" der möglichst ausgedehnten Verwendung des Kartoffelmehls z u ni— Brodbacken beschäftigen. Diese Notizen sind in der That so charakteristisch und für die Arbeiterklasse voi? so großenl Interesse, daß sie die weiteste Verbreitung verdienen. Es handelt sich nämlich um nicht mehr und nicht minder als um ein neues Volksnahrungsmittel, das die Herren Agrarier— auf deutsch: Schnapsbrenner— aufgestöbert haben. Man möchte beinahe glauben, sie haben sich die Weihnachtszeit absichtlich dazu ausersehen, denn kann man sich ein besseres„Christgescheilk" denken, als ein neues Mittel, das Volks zu ernähren? Man höre also: In Ztr. 48 der genannten Zeitschrift, die das„offizielle Organ der Spiritusfabrikanten in Deutschland, der Stärke- Interessenten in Deutschland und der Brennerei-Berufsgenossen- schaft" ist, und von Herrn M. Delbrück, Doktor und Professor, herausgegeben wird, ist Folgendes zu lesen: „Lcrwendling der Stärke zu Backpvecke». i Es sind schon vielfach Versuche angestellt worden, das Kartoffel- mehl oder Krastmehl als Material für die Herstellung von Back- waaren zu denulzen, und es wird auch für Herstellung gewisser Back- waaren, z. B. Sandtorten ze., in größerem Maszc verwendet. Bei den Versuchen, es zu gewöhnlicher Backwaare, Semmel, Weißbrot zc., zuzusetzen, stellte sich aber seither als Schwierigkeit heraus, daß die Backwaare leicht trocken und bröckelig wurde. Es beruhte dieser Umstand jedenfalls darauf, daß der Zusatz des Kartoffelmehles nicht in richtiger Weise geschah. Es hat sich her- ausgestellt, daß eine Backwaare von gleicher äußerer Beschaffenheit wie eine von Mehl allein hergestellte dann erhalten wird, kvenn man das zusetzende Kartoffelmehl vorher verkleistert. Es ist nun jedenfalls höchst wMcheuswertH, daß möglichst vielseitige Versuche nach dieser.'ttichtnng hin angestellt werden,»m'so dem Kartoffelmehl als Volksnahrungsmittcl eine ausgedehntere Anwendung zu geben. Da feinstes Kartoffelmehl zur Zeit einen Preis von 16.50 Mk. bis 16.75 Mk. hat, Weizen- und Joggen- mehl aber je nach der Qualität einen Preis von 23— 26 Mk., so ist der Vortheil für billigere Herstellung einer guten Backwaare in die Augen springend..., Wir glauben, daß dieser Hiniveis dazu beitragen wird, unsere Mitglieder für diese Frage zu intcressiren, und sie zu Versuchen ihrerseits oder zur Verbreitung einer ausgedehnteren Verwendung des Kartoffelmehls anregen wird". Und in der darauffolgenden Nummer heißt es: „Die in der vorigen Nummer gegebene Anregung, eine ausge- dchntere Verwendung der Stärke zu Backzweckcn herdcizufichren, ist, wie wir ans uns zugehenden Mittheilungcu entnehmen, m wirth- schaftlichcn Kreisen— und zwar nicht lediglich in Kreisen der Stärkesabrikanten— mit Interesse aufgenommen worden. Es gibt uns dies Veranlaffung, darauf hinzuweisen, daß dicie �rage, wie ' jede andere, welche eine Erweiterung des Absatzgebietes von Kar- toffclfabrikaten irgend welcher Art erstrebt, von allgeulein land- wirthschaftlichem Interesse ist, insofern dadurch die Möglichkeit eines größeren Kartoffelverbrauchs in der Industrie geboten wird, aus welcher schließlich alle Kartoffelbau lrcibenden Landwirthe Vortheil ziehen. Wir bitten daher alle am Kartosselbau und der Kartoffel- verwcrthung intereffirten Landwirthe, möglichst in ihren Kreisen für die Nuybarniachuttg der in der vorigen Nummer gegebenen Anregung zu wirken.".„.. Kein Zweifel, daß diese„Anregung" bei den Lesen, des Blattes auf guten Boden fallen wird. Denn wenn es ge- lingt, deni arbeitenden Volk, das ja bei Weitem noch nicht genug Kartoffeln genießt, diese nützliche Frucht auch noch in Brodform aufzutischen, was würde das für ein Fressen für die— kartoffelbauenden Schnapsjunker geben? Und ist es nicht auch eine wahre Wohlthat für das Volk, wenn man ihm statt des theuren Roggen- oder gar Weizenbrodes em billiges Surrogat darbietet, das genau so aussieht wie jenes? Mit welchem Hochgefühl erfüllt uns der Gedanke, wie künftighin dem armen Mann fein Kartoffelbrod schmecken wird, das er mit Kunstbutter— Wer sprach das Wort aus? Wer hat sich erkühnt, hier von Kunstbutter zu reden? Weiß man nicht, daß dieses Pro- dukt von Milch und Fett eine wahre Schande unserer Zelt ist? Daß wenn es nach dem Herzen der lieben, volksfreund- lichen„Landwirthe gegangen wäre, die Margarine verboten oder durch obligatorische Blaufärbung jedermann als Nabrunasmittel vereckelt worden wäre, und die gute, reme, theure Kuhbutter das Feld beherrscht hätte? Es war wirklich recht undankbar von dem„Verl. Volks- blatt" an den Feldzug der Herren Schnapswirthe— nein, Landwirthe gegen die Margarine zu ennnern. Das war ja doch eine durchaus andere Sache. Das war �einethi- scher Feldzug, ein Kampf für die Moral. Wehe dem, der unterzustellen wagt, daß es schnöde Pros, t w u t h ge- Wesen sei welche die Herren zum Kamps gegen das Produkt m rL'-m M»d srisch-r Milch».,««-er Ungehorsame«. Durch das Klätickien der flache» Sabelhitzbe. vermehrte sich das Angstgeschrei der Rm.V welch'e die Soldaten der Jnsantcrle mit lautem Ge- V�den BM-rn. �U°'Aäftritt beantivorteten. Man arretirte„och secks d/r tten woraus der Rittmeister Appell blasen ließ, die Banern sechs der Frechsten, woraus o Mützen und Waffen, eiligst Reiß- a>.'/'nahmen' Jeder Soldat versah sich auf der Wahlstatt mit einer »i;, ,ii Ä!�>s,eicl>ell Sie waren keulenartig geformt, und bOlag-n L-i dies�für den ge- ocn mir saswcccu'.��.riiclicn Marsch, gab der Soldat de» über- Neinen Man» sehr � � j�chxrbrossenheit und seinem guten Willen. Kugendsten Beweis vo�i � Abends neun»hr, war er beständig auf h? sm fü Ä-wemmg gewesen, und doch ließ nicht Einer Miß- dem Marsch und Ve hungrig, durstig und ermüdet sein mußten." veignügeli blicken obg �(gz war ja eigentlich mehr eine Hetz- '' i„£ t W Vergnüge», zwischen wehrlose Bauer» setzen zu lago gewesen. u-aS• � Unstrengnng. Notabene, wenn sich alles ürfen, entschädigte t s b brave Berichterstatter erzählt. ganz genau so abgespielt, w.-� verschafft, ihre Position gestärkt, ihr Selbstbewußtsein gekräftigt zu zu haben, ist der s ch v n st e L o h n für u n s e r W i r k e n. lind mit Vergnügen ersehen wir aus den Berichten über die Arbeiterver- sammlung, daß die Bergleute weit entfernt sind, sich nun einem schäd- lichen Bertraiiensdusel zu ergeben, sondern stramm auf der Hut sind. So ist's recht. Keine renommistischen, dem Gesammtwohl nur schädlichen Deklamationen, aber auch keine schwächlichen Ergebenheitsbetheurungen. Bewußt und kraftvoll, ruhig und entschieden— so werden sie zum Ziele gelangen, das sie sich heute gesteckt. Und die Sozialdemokratie klatscht ihnen Beifall, denn sie ist sich nicht Selbstzweck, sondern nichts als der unennüdliche, uliverzagte, voranstrebende Anwalt der Arbeiterklasse. — Es gibt wohl keine größeren Satiren auf daS Gottes- gnadcnthum, als die zu seiner Verherrlichung bestimmten sogenannten N a t i o n a l- H y m n e n. Dieselben vererben sich bekanntlich wie die Krone selbst„von Geschlecht zu Geschlecht". Aber eine Krone ist doch wenigstens nur das Symbol eines bestimmten Berufes, sie sagt nur, daß ihr Träger über so und so viel Menschen„regiert", und schweigt über das Wie dieser Regierung. Die Nationalhymnen aber begnügen sich damit nicht, den Regenten als Regenten zu beglück- wünschen, sie feiern ihn auch als Menschen und preisen seine Eigen- schaften. Und da ist das Lustige, daß während die Individuen auf dem Thron wechseln, ihre Eigenschaften— in den National- Hymnen— die gleichen bleiben. Ob sein Kaiser ein bornirter Kam- mißknopf oder sonst etwas ist, darnach fragt der loyale Bürger Oester- reichs nicht, er singt mit Inbrunst: „Gott erhalte unsern Kaiser, Unser» guten Kaiser(Name gleichgültig). Sein Kaiser ist auf alle Fälle„gut". Es hat ja seit Menschenge- denken kein Habsburger einen seiner Uuterthancn„erst gespießt und dann gesotten". Der„gute Preuße" gibt es noch um etliche Grade besser. Er singt seinen Gesalbten, ob er nun Wilhelm, Friedrich, Friedrich- Wilhelm heißt, allerunterthänigst an: „Fühl' in des Thrones Glanz Die hohe Wonne ganz, Liebling des Volks zu sein." Das heißt: Du magst so ein schofler Geselle sein, wie Du willst, ein versoffener Zyniker, ein eigensinniger, beschränkter Betbruder, ein schnöd- drigcr, gefühlloser Rcnommirheld, Du bist immer „Liebling des Volks", und wenn die Verurtheilungen wegen Majcstätsbeleidigung nur so hcrabregnen. Der Engländer findet— in dcr1„Nationalhymne"— seinen Souverän auf alle Fälle„nodls" and„gracious", und wenn derselbe das gei- zigste, herrschsüchtigste, rücksichtsloseste Geschöpf auf Gottes Erde wäre, m der Hymne bleibt er: „noble and gracious"(zu deutsch: edel und huldreich.) Und so überall, wo es überhaupt ein Gottesgnadenthum und eine das- selbe preisende„Nationalhymne" gibt. Lassen wir aber die andern Völker, und bleiben wir hübsch im Lande— der Gottesfurcht und frommen Sitte. Um noch einmal von der P r e n ß e n- H y m n e zu sprechen, so fängt sie eigentlich schon in der ersten Strophe mit einer sinnvollen Redensart an: „Heil Dir im Sieger kränz." Nach der gewöhnlickien Logik kann man doch nur jemand im„Sieger- kränz" feiern, der mindestens einen Sieg erfochten hat. Beim Monarch ist das anders. Er trägt den Sieger kränz, auch wenn er nicht blos vor einem rothen Taschentuch davongelaufen ist'"). Daß er auch des Volkes„Zier" ist, kann an der„scheeneu" Uniform liegen, sei also ehrerbietigst übergangen. Nur machen wir gewiegte Staatsanwälte darauf aufmerksam, daß wenn Jemand behauptet, daß die„Geschmäcker der Publikümer" verschieden sind, das auf höchst verdächtige Ge- sinnungen in Bezug auf den Landcsherrn schließen läßt. Was aber die Hauptsache ist, jeder König von Preußen ist...„der Menschheit Stolz". Der Leser ist gebeten, auf die Endung zu achten: der Mensch h e i t Stolz. Und wenn er, wie weiland Friedrich Wil- Helm IV.,„von Gottes Gnade» verrückt" ist, der Preußeuköuig ist doch„der Menschheit Stolz". Kann das Gottesgnadenthum, so wiederholen wir, drastischer ver- höhnt werde»? Was ihm zur h ö ch st e n Ehre bestimmt ist, ist ein beständiges Pasquill auf den gesunden Menschenverstand. — Wie die„Edelsten und Besten" in Deutschland der bürgerlichen Kanaille in Deutschland alle besseren Posten w e g s ch n a p- pen— die Vorfahren waren Schnapphähne, warum sollen es die Nachkommen eigentlich nicht sein?— darüber bringt die Wochenschrift „Deutschland" einige recht bezeichnende statistische Nachweise. Wir cnt- nehmen denselben folgende ans die preußische Provinzial- Verwaltung bezüglichen Zahlen. Abgesehen von den Regier- ungsräthen, untcr denen sich eine große Zahl von rein technischen Mitgliedern, wie Schul-, Bau-, Medizinalräthen befindet, die nicht zu den Kreisen der eigentlichen höheren Verlvaltungsbeamten gehören, zählt dieselbe Assessoren Referendaricn Ober-Präsidial- und Obcr-Regier- ungsräthe Vcrwaltnngsgerichts-Direktoren RegiernngsPräsidenten. Ober-Präsidentcn... Von den Landrathsämtern sind 56 Prozent Adligen. Man sieht, je höher hinauf, um so mehr verschwindet die bürgerliche Kanaille und macht der adligen— Elite Platz. Das ist sicher ein skandalöser Zustand, aber noch skandalöser ist, daß eben dasselbe Bürgerthum, dem das geschieht, vor Denen, die ihm so »litspielen, a u s d e in B a u ch l i e g t. Sie sollen sich hoch preisen, daß sie nicht n a ch V e r d i e n st behandelt werden, denn dann müßten sie nur Fußtritte erhalten, nichts als Fußtritte. - Dcntsche Justiz. Ein Tagelöhner im Elsaß, Johann Bapti it Bilger aus Stopperzweilcr war, als er eines Tages von von einem Ausflug nach Belfort zurückkam, von dem deutschen Grenz- gensdarm nicht aufs deutsche Gebiet gelassen worden, weil er keinen Paß besaß. In seinem Verdruß stieß er vom französischen Gebiet den Ruf:„> ive la France!" aus und fügte noch eine derbe Bemerkung über Preußen und Bismarck hinzu. Als er später nach Deiitschland zurückkehrte wurde ihm dafür der Prozeß gemacht, das Landgericht M ü l h a u, e n vernrthcilte ihn zu— s e ch s M o» a t e n G e f ä n g- niß, und dieser Tage hat das Reichsgericht dieses Urtheil bestätigt. Beide erleuchteten Körperschaften führten in scharfsinniger Weise aus, der „aufrührerische" Ruf sei zwar auf französischem Bode» ausgeftoßen worden, d. h im Ausland begangen worden, aber der Gensdarm habe ihn auf deutschem Boden gehört, dasselbe hätte auch andern Leuten wissiren können, folglich sei das Verbrechen„auf deutsäiem Boden zur treten"""®" 0 e' 0 111 1,1 e n> resp. in die Erscheinung ge- ... kiefe Rechtsjesuiterei nicht gar so niederträchtig infam, man konnte wahrhaftig nur darüber lachen. Der Ruf ist auf deutschem Boden g eh o r t worden, folglich ist er in Teutschland begangen worden. Erinnert das nicht an die berühmtesten Rechtsprüche, die je m dem weltberühmten A b d e r a gefällt worden? Was für eine !'-rrl.'che- Perfektive eröffnete diese Deduktion dem geistigen Auge. Die .Icechtswiyenschaft im Verein mit der modernsten aller Wissenschaften, mit der Physik. Die Schallwcllentheorie feiert ihre Anerkennung vor Gericht. Du glaubst in Frankreich, der Schweiz, in Belgien zu spreckien, Unglückseliger. Erbleiche, die Lustwellen trage» die Bewegung Deiner Lippen fort, llnd wehe Dir— Du hast Deine Rechnung ohne die �ange der Polizei.. che» Ohren im Deutschen Reich gemacht— Dein Schicksal ist besiegelt. Wer wollte daran zweifeln, daß alles, was das Deutsche Reich an � a n g o h r c n beherbergt, entzückt ist von diesem neuen„Rechtsspruch"! 74 pCt. bürgerliche, 26 pCt. adlige 73 65 62 20 8 27 �»» 38.. 80„. 92„ im Besitz von *) Vide Schlacht bei Nowawcs 1886. I n Wien spielt sich seit einigen Wochen ein großartiger Streik ab, der die gesammte klassenbewußte Arbeiterschaft dieser Stadt, ja Oesterreichs in Athem hält. Wir meinen den großen Streik der Perl mutter- Arbeiter, von dem unsere Leser bereits in der Tagespresse gelesen haben werden. Die Perlmiitter-Jndustrie ist in Wien sehr entwickelt, und zum großen Theil als H a u s- I n d u st r i e mit allen verheerenden Folgen derselben für die in ihr beschäftigten Arbeiter. Immer tiefer waren die Löhne gesunken, immer jammervoller hatte sich ihre Lage gestaltet, und doch mar jeder Versuch, auf dem Wege des organisirten Widerstandes diesem Zustand entgegenzuwirken, angesichts der Zerstreutheit der Arbeiter als aussichtslos erschienen. Da endlich bekamen auch die Zwischenhändler, die sich„Meister" nen- nenden Ausschwitz er, die schädlichen Wirkungen des Systems zu kosten, die„Exporteure" drückten immer weiter auf die Preise, und da von den Arbeitern nichts mehr auszudrücken war, so ging es ihnen an den Kragen. Das war aber natürlich gar nicht nach ihrem Geschmack, und sie beschlossen, sich gegen die„übertriebenen Ansprüche des Kapitals" aufzulehnen. Und nun entdeckten sie plötzlich auch, daß die Arbeiter gleiche Interessen mit ihnen haben, und forderten diese ans, mit ihnen dem„ausräuberischen Kapital" den Krieg zu erklären. Bei einem Theil mag, wie es in solchen Fällen ja oft zu geschehen pflegt, das eigene Leid das Verständniß für Anderer Leiden geweckt haben, bei einer Anzahl dnr Herren aber war es nichts als ein taktisches Manöver: die Arbeiter sollten anfmarschiren, um das Mitleid des großen Publi- kums wachzurufen und es dem Streik sympathisch zu stimmen, und dann sollten sie abtrete», auf daß die Meister in Seelenruhe den Erfolg ein- heimsen könnten. Aber leider schlug die Berechnung fehl. Wohl traten die Arberter ans, und zwar in Massen, wie sie kaum erwartet worden, doch nichi um sich als Werkzeug gebrauchen zu lasse», sondern um selbst- ständig und ernsthaft für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen, und statt sich von den Meistern leithammcln zu lassen, nahmen sie die Lei- tung ihrer Angelegenheiten in die eigene Hand— statt zu Geführten, wurden sie zu Führenden. Nicht in usurpatorischer Weise gegen die Meister, sonder» durch die Logik der Thatsachen. lind was thatcn die Herren Meister? Sofort als sie sahen, daß die Arbeiter sich nicht als willenlose Puppen ausspielen, ließen, ging ein Theil von ihnen hin und mogelte mit den Kanflenten, mit den„Inden" gegen die Arbeiter. Ja noch mehr, nicht zufriedeu damit, die Arbeiter an dieselben Leute, die sie noch eben als den„gemeinsamen Feind" be- zeichnet hatten, zu verrathen, planten diese Herren noch einen viel infameren Schurken st reich. Man höre, was die Wiener„Arbeiterztg." darüber schreibt: „Am Dienstag den 3. ds. fand in Ot takring eine merkwürdige Versammlung statt, deren Verlans wir nach dem Berichte der„Oesterr. Volks-Zeitnng" wiedergeben. Wir erinnern daran, daß acht Tage zu- vor eine g e n o s s e n s ch a f t l i ch e V e r s a ni m l u n g von den 300 Meistern beschlossen hatte, sich dem Streik anzuschließen. Allerdings muß ermähnt werden, daß die wiederholt berührte Iln- Zuverlässigkeit der Meister sich auch hier wieder zeigte. Von den 4000 Mann, die im Streik stehen, habe» sich im Verlaufe der Zeit einige Dutzend abgebröckelt, die feige und pflichtvergessen den Genossen die Treue brachen. Leider kommt das bei jedem Streik vor, es sind dies- mal sehr Wenige, die dem Ganzen nicht schaden. Bemerkenswcrth ist aber, daß die Meister, deren verhältnißmäßig geringe Zahl die Kou- trole viel leichter macht, die paar Vcrräthcr mit offenen Armen auf- genommen, und daß Viele von ihnen die Lehrlinge, welche ganz wehrlos sind, Tag und Nacht arbeiten lassen. So wenig das siir de» Ansgang entscheidend sein kann— denn die armen Burschen könncil den Arbeitsansfall nicht decken, und wen» sie sich auch zu Tode schin- de»— so bezeidincnd ist es dafür, was für Leute diese Meister sind. Und nun zur Versammlung, der etwa 100 Meister beiwohnten. Die „Oesterr. Volks-Zeitung" ineldet: „Im Saale„zum goldenen Luchsen" fand gestern eine freie Ver- sammlung von Meistern der Perlmutterbranche statt, welcher auch der Gcwerbe-Jnspektor K u l k a beiwohnte. Vertreter der Gehilfen waren nicht geladen. Den Vorsitz führte Herr Johann D i l l i n g e r, als Referent fungirte Herr T o m a n e k. Dieser erörterte die durch Vertheucriing des Rohproduktes geschaffene ungünstige Lage der Drechsler- meister, welche gebieterisch zwingt, eine Erhöhung der Preise zu beanspruche», ohne dabei die Arbeitslöhne erhöhen zu können. Er gibt der Anschanung Ausdruck, daß der G e h i l f e n- streik nur durch einen bestehende» Tcrrorismus verursacht sei, nud beantragt zu beschließen, daß die Meister alle j e n c G e h i l f e n, welche nicht bis Donnerstag, 5. d. M., die Arbeit b e d i n g n n g s l o s aufnehmen, als von ihnen entlassen betrachten und der Polizei deren Ausweisung überlassen. Dieser Beschluß sei durch eine De- pntation dem Minister-Präsidenten Grafen T a a f f e und dem Polizei- direltor Baron Kraus zur Kenntniß zu bringen. Im Anschlüsse an dieses Referat ensspann sich eine mehrstündige leb- hafte Debatte. Der Obmann der Lohnkoniniission, Herr Ramharter, weist ans einer Rekapitulation der Geschichte der jetzigen Lohnbewegung nach, daß der Anstoß zum Streik von den M e i st e r n ausgegangen sei lind daß nur auf diesem Wege eine Besserung der Verhältnisse zu erwarten stehe, da die Exporteure gutwillig gar nichts beivilligen wür- den. Es sei aber nur recht und billig, die erzielten Vortheile mit den Arbeitern zu thefle». Meister Köck ist gegen ein Zusamnienwirken mit Heu Gehilfen, lveil diese die Führung im Streik anstreben. Viele Arbeiter würden nur durch Einschüchtcrnngen von der Wiederaufnahme der Arbeit abgehalten. Ein angemessener Preis werde sich durch Einschränkung der Produktion erzielen lassen. Drechslcrmeister Hlinka mißt dem Jndifferentismns der Meister die Schuld bei, daß das Gewerbe so niedergegangen. Er befürchtet. daß die Industrie vom Wiener Platze gänzlich verdrängt und von Böh- mcn und Mähren an sich gerissen werden könne. Wien habe geschulte Arbeiter und könnte durch die Qualität seiner Erzeugnisse den Markt beherrschen, aber die Gehilfen müßten sich entschließen, regelmäßig zu arbeiten und nicht in wöchentlich viertägiger Arbeit das Produkt zu- sammenzuhauen. I a n t s ch, Mitglied der Lohnkommission, weist darauf hin, daß K ö ck s e l b st von a l l e m A n f a n g a n f ü r d e n S t r e i k g e- iv e s e n. Man möge bedenken, daß nicht nur 4000 Gehilfen, sondern mit ihnen eine Schaar von Sffieiber» lind Kindern hungern und auch viele Kaufleute durch diesen Streik geschädigt würden. Durch die An- »ahme der von T o m a n e k empfohlenen Resolution würde man die Wiener Industrie ruiniren, denn die Wiener Meister hätten gewiß kein Interesse daran, ihre geschulten Arbeiter, die Stütze ihres Gewerbes, nach Böhmen und Mähren abschieben zu lassen. R a m h a r t e r weist darauf hin, daß die Gehilfen in der Versamm- lung vom 25. November das seierlickie Versprechen gegeben hätten, i»it den Meistern Hand in Hand zu gehen, man möge sie nun im Stiche lassen. Die Objektivität habe ihn verpflichtet, wahrheitsgemäß zu er- klären, daß d i e A r b e i t e r z u m L e b e» zu wenig, z u m S t e r- b e n zu viel verdienen. Man möge die Perlmntterdrechslcrei nicht so zu Grunde gehen lassen, wie die Industrie auf dem einstigen Brillantengrund zu Grunde gegangen sei. Jahn spricht für die Annahme der Resolution Tomanek, K o b e r ist dagegen ans demselben Grunde wie I a n i s ch, überdies sei es nicht nothwcndig, die Polizei zu Maßregeliingen aufzufordern. Holetschek warnt davor, die Arbeiter in den Koth zu trete». Nachdem unter lebhaftem Widerspruch eines Theiles der Versamm- lung von der Majorität der Sdfluß der Debatte angenommen wird, erhält Herr Tomanek das Schlußwort zu seinem Antrage. Er meint, die Resolution habe den Zweck, den Arbeitern die Wiederaus- nahine der Arbeit zu crinöglicheii, d e n A r b c i t e r f ü h r e r n„g e- bühre der Strick", denn heule sei es ganz unmöglich, den Preis- tarif von 1886 durchzusetzen, und dariilil könne man an keine Lohn- erhöhnng denken, im Gegentheil würden die Löhne rcdnzirt werden müssen. Die Abschiebung würde nicht die anständigen Arbeiter treffen, sondern die„Krakehler". Nun wird die Nesolutioii zur Abstiiittnung gebracht; da das Resultat zweifelhaft erscheint, wird die Stimmenaus- zählnng vorgenommen. Köck ruft in de» Saal, die Meister mögen ihr Interesse wahrnehmen. Unter großem Lärm und Tumult wird die Resolution mit 26 gegen 24 Stimme» angenommen." Dazu bemerkt die„Arbeiterztg." treffend: Wir haben den Bericht abgedruckt, iveil er von mehr als äugen- blicklichem Interesse ist. Er zeigt, wie weit der rohe Egoismus, die Vliiidwlithcnde Geldgier gehen kann, er bietet einen überraschenden Ein- blick in die schmutzigen Geheimnisse einer echten Fnbrikantenseele. Zu bemerken ist. daß der Chrenmann Tomanek eine Fabrik in Mähren besitzt und es ihm offenbar doppelt lieb wäre, wenn die abgeschobenen Drechsler ihm dort ans Gnade und Ungnade ausgeliefert wären, um für noch schlechteren Lohn seine weiten Säcke zu füllen. Der Philosoph Schopenhauer sagt irgendwo, er habe gesucht, die scheußliche Nücksichts- losigkeit des menschlichen Egoismus zu schildern, da sei ihm folgender Vergleich eingefallen: Ein Mensch wäre im Stande, einen anderen Menschen zu tödtcn, nur um mit dessen Fett seine Stiefel zu schmieren. Er habe das Beispiel aber fallen lassen, weil es zu schwach sei. Schapen- haner muß Individuen wie Tomanek und Köck gekannt haben." — Frankreich. Was wir für unmöglich hielten, ist geschehen: der Possibilist I o f f r i n hat den Beschluß der Kammer über die Wahl in Elignanconrt akzeptirt, er hat erklärt, daß er gar nicht daran denke, „sein" Mandat niederzulegen. Ein Sozialist, ein ehemaliger Revolu- tionär, der sich hinter eine Rechtsklau bcrei verkriecht, um das Recht des Volks mit Füßen zu treten, und sich als Vertreter eines Wahlkreises aufspielten, der ihn in der unzweideutigsten Weise a b g e- lehnt hatte! Für diese Handlungsweise gibt es gar k e i n e E n t s ch u l d i g u n g. Vor allen Dingen wird sie nicht diirch die Phrase entschuldigt, daß „die Republik über dem allgeineinen Stiininrccht stehe". Erstens handelt es sich gar nicht um Republik und Richt-Republik, sondern um das Recht der Wähler, den Mann ihres Vertrauens in die Kammer zu senden, und zweitens heißt diese Phrase, von Arbeitervertrctcrn in dieser Form akzeptirt, ein Freibrief für jede Infamie jeder beliebigen Bonrgeoisregicrnng, sobald es ihr nur paßt, die Staatsform„in Gc- fahr" zu erklären. Es ist die nachträgliche Sanktion der Gemeinheiten der Vcrsaillcr Regierung gegen die Komnmne. Und dazu gibt sich ein ehemaliger Kommunard her! Als fernere Ausrede wird gesagt, es sei eine Sühne für die gefallenen Opfer der Kommune gegen ihren Mörder Boulanger. Eitle Ausflucht! Als ob Boulanger der Mörder von Paris gewesen wäre. Boulanger war ein sehr willige S— was wir auch nie vergessen werden— Werk- zeug der Vcrsaillcr, aber er war ihr W e r k z e u g. Die i n t e l l e k- t u c l l e n Urheber der Maimetzclcien, das waren Herr Thiers und die Nationalversammlung, darunter dieselben Herrn Opportunisten, die sich jetzt mit Boulanger um die Herrschaft streiten. In ihrem Interesse ans Boulanger allein als den Mörder der Ztom- mnne losschlagen, heißt ein falsches Spiel treiben, das nicht genug ver- urtheilt werden kann. Lächerlich ist es auch, und obendrein unwahr, die Proklamirung Joffrins zum gewählten Vertreter von Elignanconrt mit der Ausrede zu beschönigen, man wolle nicht noch einmal die„Eamelots" fZeitnngs- ausrufer) in Aktion treten sehen. Dieselben Herren, die unter dieser Moti- virung eine schreiende Vergewaltigung des allgemeinen Stimmrechts vornahmen, erklärten einige Tage nachher die Mandate von drei Bon- langistcn, von denen zwei in Paris, einer im Umkreis von Paris ge- wählt worden, für ungültig, machten also das in Aktiontrcten von „Eamelots" nothwendig. Danach bemcsse man den Werth der vor- stehenden Ausrede. Nein, es gibt keine Entschuldigung für dieses jammervolle Verhalten. Und vor Allem nicht für Leute, die sich Sozialisten nennen. Und wie sehr es dem Gefühl der Arbeiter widerstrebte, geht aus dem Umstand hervor, daß der Possibilist Dumay selbst nicht für die Gültigkeit der Wahl Joffrins stimmte, weil er in der Stichwahl es für nöthig be- funden hatte, zu erklären, daß wenn er in die gleiche Lage käme wie Joffrin— Dumay war mit Rochcfort in der Stichwahl— er sein Mandat niederlegen würde. Auf diese Erklärung hin ist er gewählt worden, und sein Kollege Joffrin schlägt ihr in's Gesicht. Welch ein trauriges Bild! Die neue unabhängige sozialistische Gruppe in der Kammer ist noch durch zwei Abgeordnete C o u t u r i e r kRohne) und T h e r o n ver- stärkt worden und entfaltet eine rege Thätigkcit, sowohl in der Kammer, wie außerhalb derselben. Darüber, sowie über einige weitere erfreuliche Lebenszeichen der sozialistischen Partei in Frankreich in nächster Nummer. — Habe» sich einander nichts vorzuwerfen.„In M a s s a- chusctts", lesen wir im„Phil. Tageblatt",„ist das Haftpflicht- g e s e tz, wie es scheint, von den Gcrichteu als n n g i l t i g erklärt worden. Es war eine kleine Verbesserung gegenüber dem grausamen, und, wie an dieser Stelle dargelegt, in diesem Theile veralteten„oom- mon law"(das gemeine, bürgerliche Recht). Aber die Richter haben den Kläger auf dieses verwiesen, was so gut als abgewiesen ist. Ja, die amerikanischen Gerichte, die sind das Hauptbollwcrk der Ansbeu- tungs-Airthschaft geworden." Es ist allerdings nicht das erste Mal, daß amerikanische Gerichte ein den Arbeitern günstiges Gesetz durch geschickte Anslegnngskniffe über den Haufe» geworfen haben. Aber sie können sich dabei auf be- währte Muster in der alten Welt berufen. In diesem Punkte treibt cS Dame Justizia hüben wie drüben. Weit mehr als die Gesetzgebung ist heute die Rechtsprechung Pri- vileginm der herrschenden Klassen. Die Gesetzgeber müssen ans die W a h l eu Rücksicht nehmen, bei denen immer mehr die Arbeiter entscheiden, die Richter aber sind überall möglichst unabhängig von den Proletariern gestellt und können daher ihren Bonrgeois-Jnstinkten viel ungcnirter nachgeben, als die Politiker. Und bis sich das nicht gründlich ändert, werden wir wohl noch manches Rechtsaus- legungs-j'tttnststück zu sehen bekommen. — Wieso kommt es, daß die austrnlischcn Arbeiter den streikenden Dockarbeitern mit so ungeheuren Summen— nach der Gesammt- abrcchnnng sind von Australien im Ganzen 30,000 Psp.= 600,000 Ptk. eingelaufen— zu Hülfe kommen konnten? Diese Frage beantwortet das„Phil. Tagebl." folgendermaßen: „Der Zahl nach ist die australische Lohnarbeitcrschaft noch sehr schwach, sicherlich weit unter einer Million. Eine Industrie gibt es dort kaum; es fehlt dem Lande an Kohlen, was ihm, wenn nicht noch Lager derselben entdeckt werden, oder wen» nicht ein billigeres Ersatz- mittel für sie gefunden wird, überhaupt keine großartige industrielle Entwicklung verspricht. In den nördlichen Kolonien, wo ein ziemlich umfangreicher Anbau von Handelsgewächsen stattfindet, sind die Arbeiter Chinesen oder Polynesier von gewissen Südsee-Jnsclgruppen. So bleibt also die weiße Lohnarbeitcrschaft beschränkt hauptsächlich auf die Bau- gewerkc, das Verkehrswesen und die städtischen Platzgewerbc. Dazu kommen allenfalls noch die Arbeiter in den großen Schaf- und Vieh- Rauches, die jedoch für die Arbeiterbewegung kaum in Betracht kommen können. Kurz— die Lohnarbeitcrschaft ist in Slnstralicn keineswegs zahlreich. Aber sie ist vortrefflich o r g a n i s i r t. Und sie ist die einzige der Welt, die das System des A ch t st» u d c» t a g e s vollständig durchgesetzt hat. Das ist vor Allen ins Auge fassen. Seit mehr als 20 Jahre» besteht das Achtstnndensystenl in Australien. Man kann also die Wirkungen deshalb feststellen. Und wir dächten, die großartige Hilfeleistung der australischen Arbeiter für die Londoner wäre der schlagendste Beweis für die ausgezeichnete Wirkung des Systems. Sic beweist zweierlei: 1) daß die Leute, welche nur acht Stunden täglich arbeiten, in der Lage sind, solche riesige Summen in kurzer Zeit auszubringen. Ja, es ist nicht zu viel behaupten, daß sie das»nr konnten, weil sie blos acht Stunden arbeiten. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist— je- weilig— etwas Gegebenes, Festes; gewisse Unternehmungen, die einen bestiniinten Arbeitsauswand erfordern, müssen durchgeführt werden. Das Kapital sucht Anlage und Verzinsung. Arbeiter kann man nicht ans der Erde stampfen; namentlich nicht in einem Lande, welches etliche tausend Meilen von der übrigen zivilisirten Welt entfernt ist. Man kann sie auch in den meisten Verrichtungen, die in Australien vor- kommen, also in Bergwerken, bei Eisenbahnen»., nicht durch mechanische Mittel ersetzen. Die Einwanderung künstlich zu stimnliren, hat man zwar versucht und auch gethan. Aber der Widerstand der Arbeiter brachte es dahin, daß dieses wieder aufgegeben werden mußte. Den Leuten, die mir acht Stunden täglich für de» Unternehmer aufzuwenden halten, blieb noch Zeit genug übrig, um für sich zu denken, an ihrer eigenen Aufklärung zu arbeiten und sich mit öffentlichen Angele- geuheiten zu befassen. So konnten sie es auch durchsetzen, daß die Regierungen die Subventionen für die Einwanderung einstellen mußten und konnten Löhne erzwingen, welche es ihnen möglich machten, kämpfende Brüder in einem fernen Welttheil zu unterstützen. Sollte aber nicht auch ihre Bereitwilligkeit dazu auf die eigenen Errungenschaften und die Folgen derselben zurückzuführen sein? Mit andern Worten, auf ihr Solidaritäts-Bewußscin? Es läßt sich nicht anders denken. Und das widerlegt die Slnnahme, als ob die Arbeiter zu trägen„satiafiecks"(Zufriedengestellte, Satte) würden, wenn sie ein gewisses Maß von Erfolgen aufzuweisen haben. Und es beweist ganz besonders, daß die verhältnißmäßige Besserstellung sie nicht egoi- stisch machen muß, wie das oft behauptet wird. Das australische Beispiel läßt nur ahnen, wie enorm die praktische Solidarität der Arbeiter erst werden wird, wenn der verkürzte Arbeitstag erst durchgesetzt ist; wenn sie mehr Lohn erhalten lvcrden; wenn sie Muße Haben, sich auszubilden, wenn sie politisch reifer und selbständiger werden, wenn sie nicht mehr bloße Arbcits-Jnslrumcnte, sondern Menschen sein werden!" So das„Philad. Tageblatt". Nach zwei Seiten hin bedürfen seine Ausführungen unserer Ansicht nach einer Einschränkung: Erstens dahin, daß die australischen Gelder nicht ausschließlich von Arbeitern aufgebracht sind, sondern zum Theil aus bürgerlichen Kreisen herstammen, und zweitens dahin, daß bei der Unterstützung der Londoner Docker das, vom modernen proletarischen Solidaritätsbewußtsein wohl zu unterscheidende mehr philantropische Mitleid eine sehr große Rolle gespielt hat. Aber das letztere ist in Bezug auf einen Punkt nebensächlich, den nämlich, daß die australischen Summen, die auch nach Abzug der Bourgeois-Beiträgc noch enorm bleiben, zeigen, was die australischen Arbeiter, die den A ch t st u n d e n- t a g haben, leisten können, wenn sie wollen. Und das ist die Hauptsache. — Roth macht erfinderisch, daS ist eine alte Geschichte. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, als ein wie großer Faktor des technischen Fortschritts unsrer Zeit die N o t h a n A r b e i t s- k r ä f t e n sich erwiesen hat. Man kann sagen, daß derjenige, der durch irgend welche Mittel heute Arbeiter uoth erzeugt, den mächtigsten Impuls gibtzurEntwickclungundVcrvollkommnung dcrarbeitsersparcndcn Maschine. Das gilt nicht nur von der eigentlichen Industrie, das gilt in gleichem Maße von der Landwirthschaft, und das gilt auch von der Dienste leistenden Arbeit im Staat, in der Gemeinde und im Einzel- Haushalt. Wo Roth an Landarbeitern herrscht, da bürgert sich die landwirthschaftliche Maschine ein; sobald Erdarbeiter, Stcinklopfer, Straßenfeger ec. rar werden, sprießen Maschinen, die die Arbeiten der- selben verrichten, geradezu aus dem Boden, und wo wirkliche, nicht blos imaginäre Dienstboten- Roth herrscht, da sehen wir die Hans- wirthschaftlichcn Maschinen mit jedem Tag eine größere Rolle spielen. NainentHch Amerika, das Land der chronischen Dienstboten-Noth, liefert für die letztere Behauptung schlagende Beweise. Nirgends sind die Hausmaschincn so verbreitet, nirgends so vervollkommnet wie dort. Das„Warum" ist sehr einfach: es lohnt sich, sie zu erfinden, weil sie in Massen Absatz finden. So ist denn neuerdings in Amerika, wie wir im New-Dorker „Sozialist" lesen, u. A. eine Gcschirr-Wasch masch ine erfunden worden. Unser Brnderorgan bespricht diese Erfindung in einem„Kultur ohne Sklaven und ohne Dienstboten" überschriebencn Artikel, der an den bekaunien Ausspruch des preußischen Geschichtsfälschers Trcitschkc anknüpft:„Keine Kultur ohne Dienstboten." Es schreibt: „Der Herr Professor wollte nichts mehr gegen den Sozialismus ein- zuwenden haben, wenn einmal die Stiefel per Maschine und die Teller automatisch gereinigt werden.— Nun wohl; diese Frist hat sich schon erfüllt. Die Stiefel werden jetzt per Maschine geputzt und die Teller automatisch gereinigt— in vorher ungeahnter Geschwindigkeit. Daß eine S t i e f e l w i ch s m a s ch i n e erfunden und im Gebrauche ist, dürfte seit geraumer Zeit schon bekannt sein, daß aber anch eine Teller- und Geschirr-Waschmaschine erfunden ist, dürfte doch Vielen eine lieber- raschung bereiten, obwohl man sich im Zeitalter der Elektrizität eigent- lich über gar nichts mehnmiiideni kann. In Pari? wurde eine W äsch- Maschine schon vor etwa fünf Jahren erfunden; jetzt hat die gleiche Erfindung, die den Vortheil haben soll, auch für den Familien- gebrauch verwendbar zu sein, eine Frau W. A. Cockran von Shelbyville, Illinois, gemacht, nachdem sie über ein Jahr lang experi- mentirt hatte. Die Maschine ist, je nach den Anforderungen, die an sie gestellt werden, in verschiedener Größe zu haben, und kann sowohl durch Hand- wie durch Maschinenkraft in Bewegung gesetzt werden. Vermittelst der Maschine werden 10 bis 20 Dutzend Teller oder Schüsseln irgend einer Größe oder Form innerhalb zwei Minuten gespült, geschwenkt und ab- getrocknet.— Ihr Hansfraucn, was wollt Ihr noch mehr? Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Maschine auch im Markte zu haben sein wird; Frau Eockran hat ihr Anrecht auf die Erfindung an eine Jllinoiscr Fabrik übertragen, welche mit der Fabrikation der Maschine bereits begonnen hat. Glaubt Herr Trcitschkc nun immer noch an die Richtigkeit seines Satzes: Keine Kultur ohne Diciistbotcn!? Wenn er sich umsieht in der Welt, dann bemerkt er, daß die Maschine auch auf dein Gebiete der Haüsarbeit, der Haudbeichnug und Bedienung ftmmer mehr die mensch- liche Hand ersetzt. Unter einer sozialistischen Organisation der Gesellschaft, mi5 ihren'riesigen Anlägen und dem gänzlichen Wegfall jeglichen Zwerg- bclfiebes würden alle diese Erfindungen erst recht zur Geltung und Anlbenduikg kommen können. Dann noch zu sägen: Keine Kultur ohne Diänstbotcn! wäre das höhere Blech. Der Sozialismus wird die Dienstboten und die„Herrschaften" erlösen, indem er die Maschine überall da in den Dienst stellt, woselbst sie in der kapiralistischen Ge- sellschaft gar nicht oder doch nur in sehr beschränktem Maße, in nur exklusiven Zirkeln, zur Anwendung gebracht wird. Aristoteles sagte(seiner Zeit mit Reckt): Keine Kultur ohne Sklaven! Professor Treitschke, Aristoteles nachäffend, erklärte: Keine Kultur ohne Dienstboten! Der Soziallsmus kommt und verkündet von der Höhe der modernen Entwickelung: Keine Kultur ohne eine allmögliche Anwendung der Maschine an Stelle der menschlichen Kraft! Kultur ohne Dienstboten und ohne Sklaven!" Stimmt. Und Dank der von allen Philistern so bejammerten Dienst- boten-Noth bahnt sich schon in der bestehenden Gesellschaft die Verwirk- lichnng auch dieser Forderung an. Korrespondenzen. Zürich. Am Mittwoch Nachmittag den 30. November gaben die Mitglieder deutscher Sozialisten, des deutscheu Vereins„Eintracht" und des Spenglerfachvereins einem braven Genossen und treuen Freunde das letzte Geleite. Nikolaus L e ß o w, Spengler von Hoher, Schleswig, war am Montag Nachmittag in dem blühenden Älter von 21 Jahren 0 Monaten einer tückischen Krankheit— Unterleibs- und Blinddarm-Entzündiing— innerhalb 14 Tagen erlegen. Wenn auch noch jung, war er doch schon seit 1887 in der Bewegung, der er sich damals in Hamburg anschloß. Obwohl erst seit fünf Rio- naten in Zürich, hatte er durch sein Jntcrcsse für die Arbeiterbewegung sowohl wie durch sein bescheidenes Benehmen, sich bei seinen Genossen allgemein beliebt gemacht und sich deren Achtung erworben, wofür wohl am besten das überaus zahlreiche Geleite spricht, denn trotz dem Regen und Schnee und trotz dem langen Marsche vom Kantonsspital nach dem Zentralfriedhof schritten mehr denn 200 Genossen ernst und trauernd hinter dem mit Kränzen reich gcschmackten Sarge einher, an der Spitze die florumhiillten Fahnen der Sozialisten und des deutschen Vereins. Nachdem der Sarg in die Gruft gesenkt, schilderte Genosse Beck in kurzen Worten den Lebenslauf des Verblichenen und wie er jetzt, fern von der Heimath, so schnell ans dem Leben geschieden. Hierauf sangen die Sänger des deutschen Vereins ein passendes Grablied, womit die Tranerfeier beendet und Jeder wieder seinem Heim zueilte mit dem Gedanken, den Verstorbenen in gutcui Andenken zu halten. Parteigenossen! Vergeht der Verfolgten und Gemahregelten nicht! Nachrns. Am 1. Dezember starb nach langem Siechthum der Zimmerer Eduard Juckeland im Alter von 34 Jahren. Er war allseitig als Genosse und Go- meinderathsmitglied unseres Ortes beliebt, und die Partei verliert in ihm einen bewährten Streiter. Da die Beerdigung ans einen Arbeitstag fiel, konnte die Bethciligung leider nicht in dem Maße stattfinden, wie zu wünschen war. Zirka 120 Genossen folgten seinem Sarge. Ehre seinem Andenken! Die Sozialdemokraten in Volkmarsdorf bei Leipzig. Sprcchsaal. «ad Irtrn I » BN i«fl. evc to '\ Zürich, 9. Dezember. Wir halten es für unbedingt nöthig, die Genossen allcrwärts und besonders in Würzburg vor dem Hand- schuhmacher Ludwig Jäger ans München eindringlichst zn warnen. Jäger ist einer von den Menschen, welche sich die sozialdemo- kratische Maske vorhalten, um mit besonderer Vorliebe leichtgläubige Genossen zu betrügen. Nach uns gewordenen Mittheilungcn verläßt L. Jäger fast keine Stadt, ohne derart eine Portion Schulden bei vertrauenden Genossen angehäuft zu haben, wir er auch mehrere Zürcher Genossen gehörig hineingelegt hat. Daß man sich in ihm eines gewohnheitsmäßigen Schwindlers u n d B e u t c l- sch nciders zu erwehren hat, erhellt auch aus der Thatsache, daß schriftliche wie mündliche Mahnungen ihn weder zur Rückerstattung deö Erschwindelten bestimmen, noch abhalten, sein Treiben von Ort zu Ort in Arbeiterkreisen fortzusetzen. Jäger trägt einen langen blonden Schnurrbart und spricht baycri- scheu Dialekt. Hüte uian sich und w a r n e v o r i h ni, wo er auftaucht; vor die Thüre mit solchen Schuften! Die Zürcher Genossen. Briefkasten der Redaktion: A. U. Buenos-Slyres: Brief erhalten, wird nach Wunsch besorgt werden. Gruß. Erhalten aus Zürich:„Sturm".' 2. Auflage(wird besprochen). der Expedition: Rthr. Distelfink: Mk. 20.— a Cto. Schst- erh. Näheres betr. W. erwartet.— H— h.: Stimmt. Ein alter Ge- nosse.— W. H. Ldn.: Sh. 4. 6'/, f. Schft. erh.— Rothe Behme: Nachr. v. 10/12 erh. u. Gewünschtes abgesandt.— Carl Schwarz; Nachr. v. 4/12 erh.— Virtus: Avis v. 10/12 hier.— Der Gequälte; Nachr. v. 6. lt. unsrem Bf. v. 10/12 noch immer unerklärt. Hoffentl. entsprachen Sie unsrem Verlangen für alle Fälle.— H. H. a. S.; Sh. 10.9 f. Schft. erh. Sdg. am 13/12 abgg.— L. E. a. R.: Diese Transaktion wird am einfachsten an Ort und Stelle bewirkt. worüber bfl. Näheres.— Claus Groth: Ad. ordnen lt. Vorlage vom 11/12 n. 13. u. gewärtigen für nächste Tage Avisirtcs. Betr. des Weiteren bfl.— B. Z. Gr. New-Dork: Bf. v. 30/11 am 13/12 erh. Auistllg. zc. bfl.— W. L. Chicago: Sie haben Recht. Rückständiges am 13/12 fort. Schftnbstllg. per N. U. angewiesen.— I. Hchs. N.- Jork: Am 14/11 Abends zugl. Zeit mit 3 Dutzend anderen giengeir 2 Pckte. an Sie ab, mit 5'/- u. 11 Py. frankirt. Wie soll sich's denn erklären, daß von hier nach dort unterwegs immer n u r gerade Ihre Adr. die Langfinger anziehen sollte?! Es m u ß also drüben bei Ihnen das Diebsgcnie operircn. Bestelltes folgt ab� N.?). Gruß!— V. E. Paris: Die Nr. 27 u. 39 von 188? sind vergriffen. Vielleicht spendirt sie uns ein Bricfkastenleser für Sie. Die anderen Nummern sind abgesandt.— Nothcr Hans: Nachr. v. 12/12 hier u. Weiteres besorgt.— Urania: Bstllg. u. Beil. v. 12/12 wir!> besorgt. Mk. 27.— per WS. unterm 22/11 erh., sind Ihnen gutgebr., woraus Weiteres zu folgern. Bfl. Näheres betr. des Pressanten?c.— Vir. Grr. Paris: Fr. 2.50 IIb. per 1. Qu. 90 erh.— F. G. hier: Sh. 6.6 f. Schft. erh.— A. H. New-Aork: Aufstllg., Ersatzbogen u. P. K. v. 6/12 kreuzten mit der misrigcn v. 9/12. Doll. 1. 20 per Parson u.(Doll. 100.—) Pfd. 20. 4.— a Cto. Ab. zc. gutgebracht. Bstllg. folgt u. bfl. Weiteres.— Tanthias: Avis v. 14. u. Bf. v. 16. hier. Das Faß haben Archivariat u. Red. verschuldet, die auf wiederholtes Be- fragen das Vermißte nicht haben wollten. Adr. des Bdr. Verlags folgt nebst Dedikation zc. bfl. Versprach, bis 18/12 Mittags noch nicht angelangt. hier.— Lorlcy: Bf. v. 16/12 beantw. n. Bstllg. notirt.— I. B. Ddz. Mk. 5.— a Cto. Ab. 1. Qu. 1890 zc. erh.— Louise: Mk. 8.— f. Schst. u. Ab. 1. Qu. 90 erh. Adr. u. Bstllg. notirt. Auf so kurze- Frist können nicht mehr liefern.— A. Petersen Sydney: 4 Pfd. Ab. per 1890 u. per Schftcto. erh.— Rothcr Teufel: Einverstanden. Die. Bescheerung suchen zu ermöglichen. Extragewünschtes dazu. Wir bauen auf Ihre Virtuosität zu Ehren Ihrer brcnzlichen Firma. Bfl. mehr. — Fernandez: Mk. 100— a. Ct. Ab. zc. erh. u. nehmen v. Weiterem. Notiz.— I. M. L.: Mk. 1. 60 f. Schft. erh.- A. M. Dssx. Lille: Fr. 10.— Ab. per 1890 erh.— Albatroß: Mk. 18— pr. Ab. 1890 erh.— I. Kt., Paris: Frc. 3— f. Schst. erh. u. Sdg. am 18/12 abgesandt.— Steineiche: Nachr. v. 16/12 erh. Dem blauangestrichenen Tropf kommts nicht zu früh. Glück zur Äataille!— Vorwärts, Buenos-, Stires: Am 20/11 avisirtcn Brief zugl. mit dem Ihrige» erh. Bstllg.?c. wird besorgt. Avisirtes erwartet.— Expresser: Mk. 4 40 1. Qu. 1890- erh. Gut, Sie wollen Ihren Spaß haben. Näheres bfl.— Ehren- spitzet Zürich: Ein gerichtlich anerkannter„v e r l ä n m d e r i s ch e r Schurke" ist nicht berichtigungsfähig. Kratze und trolle dich also feiger stinkender Pudel!— Rothe Schwefelbande: Ueber L. En. verfügen demnächst und erwarten Avisirtes.— Ats Jestgeschenke empfehlen wir: Fr. a». M. Pf. t. Zacoliq'« liebliche Dichtung„ES»verde Licht!"— 80— 65 ka»t»kii 111., Stefan von Grillenhof, Roman. Pracht- band............. 3— 2 40 „„ Die Alte» und die Neuen. Roman. 3— 2 40 Liklidmcht ä., Tic»vahrhafte LcbcnSgcfchichtc des Josua Tavidsohn....... 1 25 1— „„ Ttfbil, Roman von Disraeli.... 2 50 2— kiebkneilil UJ., Einblick in die Neue Welt... 3 75 3— Freiligratlf, Gesammelte Dichtungen. 3 Bände. 16 25 13— Krid lt., Gedichte............— 40— 30 fiusmlmt m., Erlebtes. Skizzen und Novellen..— 50— 40 herwegh<5., Gedichte........... 6— 5— pkau f., Gedichte............ 7 50 6— Heinharit