Aöonnements eerten beim Verlag unb dessen telannlen Agenten entgegen« genommen, und jwar zum voran» zahlbar«« VierteljahrSpreit von: Ulk. i,4i für DeutMand ldirelt per Bries-Souvert) iwfl. 2,iS sur Oesserreich(direlt per Vries-Sonvery Khill. 2,— für alle übrigen Länder de« Weltpostverein« lltreuzband>. Znseritt die dreigespaltene Petitzeile »Pence= 25 Psg.= 30 61«. Der orinlbmolirat Krschetut t»öch««tltch einmal i» Grgan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. London. Aerkag der demaa Cooperatire Publishing1 Co. E. Bernstein& Co., London N. W. Iii Kenlish Town Road. Kostsclldunge» sranlo gegen franlo. Gewöhnliche Briefe «ach England losten Doppelport». M. 5. Briefe an die Redaktion und Erpediiion deS in Deutschland und Oesterreich verbotenen.Sozialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lasten. In der Regel schicke man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekonnten Deckadresten. In zweifelhaftcn Fällen eingeschrieben. r. Februar 1390. Parteigenossen! Vergeßt der Verfolgten nnd Gemaßregelten nicht! In diesem Zeichen— Der Kartellreichstag hat ausgespielt. Das Stück— ein Schauspiel, aber ach, kein Schauspiel nur— ist zu Ende. Klatscht, ihr Zuschauer, die Komödianten haben ihre Sache gut gemacht. Kann man in der That Besseres thun, als noch in der letzten Stunde seinen mähren Charakter offenbaren? Einem kolossalen Schwindel hat die Atajorität des nun verffossenen Reichstags ihre Existenz verdankt, mit einer grotesken Lüge tritt sie von der Bühne ab. Die nationalliberale Partei, diese allergehorsamste Magd der Regierung, drapirt sich als Heldin und verweigert die Bewilligung des häßlichsten, aber gerade darum schwäch- st e n Paragraphen des Schandgesetzes, um unter dem Triumph- geschrei über diese Heldenthat einen desto schimpflicheren Ber- rath— die Verewigung dieser Schmach für das deutsche Volk— ausführen zu können. „Das war Euer Abgang, und nun kommt der Unsre" rufen die Konservativen, der Chorus der Junker und Land- räthe, und lehnen das ganze neue Gesetz ab.„Alles oder nichts. Rettet Ihr den Schein, so retten wir die Gesell- s ch a f t. Wir schaffen heute ein Chaos, aber aus diesem Chaos wird sich, gleich einem Vogel Phönix, das alte Gesetz in seiner ursprünglichen Gestalt erheben und ewig herrschen. Jetzt aber, die Angel zur Hand, denn— im Trüben fischeil gibt guten Fang." Der Vorhang fällt unter allgemeiner Verwirrung. Michel reibt sich die Augen. War's ein Heldenstück, war's ein Lust- spiel oder gar eine Poffe? Soviel ist klar, gekriegt haben sie sich noch nicht. Aber sie sollen sich doch kriegen.„Ich muß das Nachspiel sehen." Alles oder nichts— eine harte Nuß. Alles? Das geht wirklich nicht gut. Ader nichts, gar nichts? Eine verzwickte Situation. Michel reibt sich die Augen und der Schauspieldirektor die Hände. Eine verzwickte Situation, das ist's, was er braucht. Vor drei Jahren sah sie ähnlich aus. Es handelte sich auch um„Alles oder Nichts". Zentrum und Freisinn waren bereit, jeden Mann und jeden Groschen zu beivilligen. Auf ein Jahr, auf drei Jahre— nur nicht auf sieben Jahre. Nicht um nach drei Jahren Abstriche zu machen, sondern blos um die parlamentarische Fiktion aufrecht zu erhalten. „Nichts da", erklärte der Oberdemagoge von Friedrichsruhe. „Die Sicherheit des Vaterlandes erfordert, daß alles so be- willigt wird, wie Ich es fordere. Ein Tipfelchen weniger, nnd der Feind steht vor den Thoren. Krieg oder Frieden. Wer nicht Alles bewilligt, ruft den Krieg herbei." Unter diesem Zeichen wurde der Wahlkampf geführt, der Krieg mit allen seine» Schrecken dem Volke vorgemalt. Und das Volk, die Maffe der Wähler, ließ sich in's Bockshorn jagen und wählte den Kartellreichstag. Im Zeichen des Kriegsgespenstes bekam Bismarck seine Majorität. Und er hat sie ausgenutzt, daß es nur so eine Art hatte. Aber— „drei Jahr' ist eine kurze Frist". Wie diese Majorität zu- rückbekomnien?- Wiederholen wir das Manöver. Mit dem Kriegsgespenst geht's freilich nicht. So etwas zieht nicht sofort wieder. Michel könnte es diesmal umgekehrt versuchen wollen. Also ein anderes Gespenst vor. Das Rothe ist zur Roth auch noch brauchbar. Es muß nur hergestutzt werden. Gehen wir aii's Werk. In diesem Zeichen--- Hofft Er zu siegen. Aber ob Er siegen wird, das ist die Frage. Seit einiger Zeit will Ihm bekanntlich„Nichts mehr gelingen". Um mit Gespenstern zu operiren, braucht's zwei Vorbe- dingungen: Verwirrung, Unsicherheit, Unklarheit der Geister und Erregung und Beängstigung der Gemüther. In Bezug auf die Verwirrung haben die„Ordnungsparteien" im Parlament gesorgt. Was noch fehlt, ist die rechte Angst- stimmung. Weiß der Teufel, diesmal will es damit gar nicht vorwärts. Hilf— Krüger! ES ist ein Schauspiel für Götter, mitanzusehen, welche krampfhafte Anstrengungen die Reptilien inachen, Michel das Gruseln beizubringen. „Also das Rothe«3 e s p c» st soll's sein"— schreibt uns ein Freund aus D e u t s ch l a n d darüber.„Ter Pindter der„sltorddeuischen Allgemeinen Zeitung" hat die Wahlparole ausgegeben:„Gegen die Sozialdemokraten und i H r e B e g ii» st i g e r". Die Sozialdemokratie nimmt einen gewaltigen Anlauf gegen Staat und Gesell- schaft, sie bedroht gegen 300 Wahlkreise, in denen sie Kandidaten auf- gestellt hat— alle Burger und Parteien, die auf dem Boden des heutigen Staats und der heutigen Gesellschaft stehen, müssen sich zu- sannnenschaaren, um de» Angriff abzuivehreu— und wie das alte Orgellied weiter heißt. Die Leser kennen es ja auswendig. Daß der Pindter das alte, alte Lied wieder einmal angestimmt hat, Ware an sich der Erwähnung nicht Werth! aber das Lied wird auch a k k o m- p a g u i r t(begleitet) und das Akkonipagncmcnt ist's, was uns interessirt. Seit einige» Monate», d. h. seit die kommende Reichstagswahl ihre Schatten norauswirft, lausen in immer kürzeren Zwischenräumen Alarm- 1 Nachrichten vom internationalen Schauplatz der Arbeiterbewegung ein. Anfangs war nicht leicht zu' bemerken, daß alle diese Nachrichten in einem inneren Zusammenhang mit einander standen nnd daß all die verschiedenen Fäden nach einem festen Plan mit einem bestimmten Muster verflochten und gewoben wurden. Jetzt ist das Bild deutlich erkennbar, obgleich es noch lange nicht fertig gewoben ist: ein Schauer- bild, Mord nnd Todtschlag darstellend— die Brandfaekel der sozialen Revolution in Städte nnd Dörfer geworfen— kurz das Rothe Ge- s p c n st, wie es im Buch steht. Bon dem alten Weib S ch ä f f l e wurde das Geheininiß zuerst aus- geplaudert, der Plan verratheu. Der Franzose und der Eng- I ä n d e r bezahlen die deutschen Bergarbeiter, daß sie streiken und ihr armes schwaches Vaterland durch Abschncidung der Kohlenzufuhr vollends wehrlos machen sollten— kurz der t e u f l i s ch st c L a n- desverrat h. Stun— der Franzose nnd der Engländer waren blos Popanze, die den Blick ablenken sollten von den eigentlichen Uebclthätern, welche in den deutschen Kohlenbezirken wirklich die Arbeiter auf- reizten und mit emsigstem Fleiß einen neuen Streik zu inszeniren such- ten. lind diese eigentlichen Ilebclthäter sind„patriotische" deutsche Männer, königs- und rcichstreu, soweit es sich mit ihren Interessen verträgt: die Herren Zechenbesitzcr, welche die Ar- beiter durch Hunger zu zähmen wünschte»,— und Hand in Hand mit den Zcchenbcsiycrn dunkle und doch leicht erkennbare Gestalten, die um jede» Preis einen W a h l w a u w a u zu Stand bringen mäch- ten lind dazu die Flinte brauchen, die schießt, den Säbel der haut und — die Bergarbeiter, an deren corpus vile, dem gemeinen proletarischen Körper, das staatsrettende Experiment vollstreckt werden soll. Daß der Plan besteht, unterliegt keinem Zweifel. Während den Herren Zechenbesitzcr» ein Streik sehr willkommen märe, weil er ihnen die störrigcn Bergarbeiter, die aus Mangel an Mitteln sehr bald zu Kreuz kriechen müßten, an Händen und Füßen gebunden überliefern würde, haben die reaktionären Parteien Deutschland, hat namentlich der Oberdcinagoge Bismarck mit seiner hungrigen und beutclnstigcil Gesellschaft ein wahres Lebensinteresse daran, daß die deutschen Wähler für die kommenden Wahlen ebenso in's Bockshorn gejagt werden, wie weiland vor den denkwürdigen Wahlen von 1878 und 1887, durch welche der zweimal entsattelte Bismarck zweimal wieder in den Sattel gehoben worden ist. Gelänge es, die Bergarbeiter zu einem Streik zu treiben, so wür- den die Lockspitzel schon dafür sorgen, daß es hier und da zu„Aus- schrcituilgen" kommt— Herr Pourbaix hat ja das Rezept gegeben—, und es wird sofort„geschaffen" und„gehauen". Wir haben Aufruhr, Rebellion, Bürgerkrieg, und wild dräuend erhebt die„soziale Revo- lution ihr blutiges Haupt"— wenn da die Mehrheit der deutschen Wähler nicht eine Gänsehaut bekommt und„gegen die Sozialdemokratie und ihre Begünstiger" stimmt, nun, dann ist eben Hopfen und Malz verloren, und Junker Bismarck muß seinen Wauwauplunder wieder einpacken." Soweit die Zuschrift. Daß sie nicht aus der Luft ge- griffen, haben die Vorgänge der letzten Tage gezeigt. Von ähnlichen Erwägungen ausgehend, haben, wie das„Berliner Volksblatt" unterm 25. Januar meldet, die sozialdemokra-' tischen Abgeordneten beschloffen,„all ihren Einfluß, soweit sie persönliche Beziehungen mit Bergarbeiterkreisen haben, dahin geltend zu machen, daß der Ausbruch eines Streiks verhindert wird, und daß die Arbeiter nicht auf Forderungen bestehen, die unter den gegenwärtigen Umständen undurch- führbar sind." Und die westphälischen Bergleute haben sich überzeugt, daß ihnen eine Falle gestellt worden, sie haben ihre gerechte Entrüstung benieistert, in die die Wortbrüchigkeit der Grubenbesitzer sie versetzt, und beschlossen, für den gegenwär- tigen Moment von dem bereits in Erwägung gezogenen Generalstreik A b st a n d zu nehmen. Man kann sie ob dieses Beschlusses nur bewundern. Es gehört viel Selbstbeherrschung dazu, den Provokationen gegen- über die Ruhe zu bewahren. Man kanil ihnen aber auch dazu g r a t u l i r e n. Denn ihr verständiges Verhalten sichert ihnen die Sympathie der ganzen vorgeschrittenen Arbeiter- schaff Deutschlands, und diese Sympathie heißt bei einem so opferfreudigen Element thatkräftige Hilfe zur gegebenen Zeit. Nicht gratnliren wird sich dagegen das ganze Gelichter, das auf den Niesenstreik spekulirt: die Grubenherren und die poli- tischen Abenteurer, die Deutschland beherrschen und aussaugen. Wären es nicht gar so schofle Gesellen, sie könnten Einem leid thun. Wie sie lauern und ausschauen nach brauchbarem Sensationsmaterial! Aber ach, es will sich nirgends zeigen. Und mit den alten Ladenhütern, die sie auf Lager halten, läßt sich kein Geschäft machen. Ist keine Hilfe gegen solche Roth? Keine, wenn die deutschen Arbeiter fest bleiben und sich durch nichts, was es auch sei, provoziren lassen. Denn an Versuchen in dieser Richtung wird es nicht fehlen. Sie wer- den sich häufen, je vorgeschrittener, je heißer die Wahlschlacht. Je näher der Tag der Entscheidung, um so verzweifelter die Mittel, zu denen die Feinde der Arbeitersache, die Feinde der Freiheit des deutschen Volkes, greifen werden. Greifen müssen, können wir hinzufügen, den» der Kampf eröffnet unter den denkbar ungünstigsten Aussichten für sie. Mit einer Begeisterung habest die Sozialdemokraten den Kampf eröffnet, die noch nie zuvor in einem deutschen Wahl- kämpf geherrscht. Massen erscheinen auf dem Plan und be- kennen sich stolzen Hauptes zur geächteten Partei, für die kein Saal groß genug, die riesigsten Versammlungsräume viel, viel zu klein sind. Schulter an Schulter gedrängt stehen sie und jubeln begeistert den Rednern der Sozialdemokratie zu. Aber kein provozirendes Wort fällt, und die Muster- hafteste Ordnung herrscht— freiwillig von den Maffen aufrechterhalten, die da wissen, daß von ihrer Disziplin und elbstbeherrschung ihr Sieg abhängt. Mögen sie dessen unausgesetzt eingedenk bleiben! Mögen sie keinen Augenblick vergessen, daß ihre Feinde Beweise brauchen für die Aufrechterhaltung des schimpflicheil Polizei- regiments, der entehrenden Bevormundung der Arbeiterklasse. Laßt Euch nicht provoziren! Laßt Euch keinen Augen- blick abdrängen von der Taktik, die Ihr als die richtige er- knnnt. Festigkeit und Ausdauer ist die Parole. Wer ist der größte Held? Nicht der Dreinschläger, sondern der im Stande ist, mitten im Kugelregen ohne mit der Wimper zu zucken an seinem Posten auszuhalten. Das möge sich jeder vergegen- wärtigen. Für die erlittene Unbill heimzuzahlen, ist der 20. Februar da. Er niuß dein brutalen Polizeiregiment die verdiente Niederlage bringen. In dem Zeichen des Rothen Gespenstes hofft Bismarck, der Führer des Junkerthums in Industrie, Landwirthschaft und Finanz, zu siegen. Aus Furcht vor der sozialen Revolu- timi, vor der„kulturfeindlichen, die persönliche Freiheit unter- drückenden" Sozialdemokratie soll sich das gesainmte mittlere und kleine Bürgerthum, Handwerker und Bauern, in die Anne des Militarismus und großen Ausbeuterthums stürzen. Immer mehr Angehörige dieser Klassen kommen aber zu der Ueber- zcugung, daß sie die Sozialdemokratie weit weniger zu fürchten haben als die angeblichen Beschützer vor derselben. Immer mehr überzeugen sich, daß die Sozialdemokratie weder die Errungenschaften der Kultur noch die persönliche Freiheit bedroht. Und immer mehr werden sich überzeugen, je ruhiger und würdiger die Sozialdemokratie ihren Kampf führt. Und das kann sie, ohne die Kraft ihrer Angriffe iiu geringsten zu beeinträchtigen. Im Gegentheil, der ruhige Kämpfer führt den schärfsten Hieb. „In diesem Zeichen werden wir siegen"— ruft sich das herrschende Demagogen- und Abenteurerthum zu, und rüstet sich, das Rothe Gespenst vor den Augen der Wähler hin und her tanzen zu lassen. Vergebene Liebesmüh. Statt der rohen, zerstörungswüthigen Barbarenhorden sehen die Wähler dis- ziplinirte Massen, die für alles Schöne und Edle vor Be- geisterung erglühen, und zu jedem Opfer für Freiheit und Recht bereit sind. Und sie erkennen, daß in dieser Partei des Proletariats die alleinige Hoffnung der Zukunft liegt, nach- dem die alten Parteien sich durch die Bank abgewirthschaftet. Und wenn sie sich auch nicht sänimtlich ihr anschließen, so lassen sie doch die alberne, wahnsinnige Furcht fahren, die den Hort der Reaktion bildet. In diesem Zeichen— des enthüllten Spukes— wird sie unterliegen. Ztus Frankreich. � Paris, den 22. Januar 1890. Zu den mancherlei Schlappen, welche die Bonlangiste» in letzter Zeit davongetragen, jiigte sich am 12. ds., anläßlich von l! Nachwahlen in der Provinz, eine neue hinzu. Die Zahl der bonlangistischen Stimmen iveist einen großen Rückgang ans. In drei Wahlkreisen siegten die Repn- blikaucr, in zwei die Konservativen, im letzten muß zwar eine Stichwahl entscheiden, allein der Kandidat der„Nationalpartei" hat nur eine»n- bedeutende Mmorität und sogar zusammen mit dem Konservativen nicht soviel Stimmen erhalten, wie ihr Führer Dillon, dessen Mandat für »ngiltig erklärt worden, bei den Hauptwahlen vom 22. Sept. erhalten hatte. Die ausstehende Stichwahl hat alißcrdeni einen Familienzwist der Partei zur Folge gehabt. Einzelne Mitglieder der„Nationalpartei" waren nämlich der Ansicht, daß Sonlic, der bonlangistische Kandidat, zu Gunsten des Opportunisten zurücktreten müsse, um dadurch den republikanischen Charakter der Partei zu kennzeichnen. Andcke verlangten Zurückziehen der Kandidatur z» Gunsten der Konservative», noch Andre endlich einfaches Zurücktreten von der Wahl nnd es den Wählern an- heiiilzustellen, für den einen oder andern der bleibenden Kandidaten zn stimmen. Der Ausschuß der„Nationalpartei" hat sich osfizicll der letz- tere» Meinung angeschlossen. Die Folge davon ivar, daß der Abgeord- nete Martinean, welcher für eine Erklärung zn Güilsten der Lppor- tunisten eingetreten war, sich von der Partei lossagte, was zu einer bitterbösen Polemik zwischen ihm und den Getreuen des brav' Kcnsral geführt hat. Der Vorgang war nicht dazu angethan, das gesunkene Ansehen der Letzteren zu heben, sie fühlten deshalb immer dringender das Bedürsniß, die Baisse ihrer politischen Aktien durch einen Haupt- und Mordsspektakel in eine Hausse zu verwandeln. Eine Interpellation in der Kammer über die äußere Politik der gegenwärtigen Regierung sollte dieselbe einleiten, nnd das von der bonlangistischen Presse lvipor- tirte, angeblich aus einem deutschen Reptil geschöpfte Gerücht, Caruot beabsichtige zum Regiernngsjubiläum Leopold II. nach Brüssel zu gehen und daselbst mit Wilhelm dem Wanderer zusammenzutreffen, sollte den Anlaß bieten. Der Opportunist Gerville-flieache halte sich bereits mit dem Plane einer Interpellation über diese Angelegenheit getragen, den- selben jedoch unter cinstiininigeni Beifall der Presse fallen lassen. Die Boulangisten beschlossen daher, um sich vor den Augen des Landes als die patentirtcn und allein lvaschecht gefärbten Retter des Vaterlandes aufzuspielen, die fallengelassene Interpellation über das Reisegerücht ausznuehmen und zu einer Interpellation über die äußere Politik der Regierung zn erweitern, welche beschuldigt wurde, die russtsch-französische Allianz weniger zn kultiviren und eine gewisse Annäherung mit Deutsch- laud, resp. der Tripelallianz zu suchen. Unter allerhand Schimpfereien nnd theatralischen Deklamationen suchte die boulangistische Presse einen „patriotischen" Sturm der Entrllstnitg zu entfeffeln. Allein der Zauber lvollte nicht ziehe». Sogar ein von der„Eocardc" veröffentlichtes angebliches Interview mit Spuller, dem Minister des Aeußcren, in welchem dieser die gotteslästerliche Aeußernng gcthn» haben sollte, er sei durchaus kein Russe, und er unterhalte so gute Beziehungen mit dem deutschen, wie mit dem rnsfischen'Gesandten, verfehlte die beabsickligte Wirkung. Das Publikum verhielt sich in der ganzen Frage mit kalter Neugier und zeigte auch keine Spur von leidenschaftlicher Erregung, ein charakteristisches Symptoin, daß die Masse anfängt einerseits einziisehen, ivie iingeflmd und unnatürlich das Büudniß zlvischeu dxni Despotismus und der Republik ist, andrerseits zwischen der deutschen Regierung uud dtiii deutsche» Volke zu unterscheiden. Als die Boulangisten sich nicht verhehlen kounteu, daß die Trauben sauer, d. h. der Erfolg mehr als zweifelhaft war, verzichteten sie vor der Hand auf die beabsichtigte Interpellation. Dafür gab ihnen, anläßlich der Interpellation La- chizc das Eingreifen Joffrins in die Debatten Gelegenheit, sich in den Vordergrund der Aufmerksanikeit zu dränge», und zwar noch obendrein in einer ihnen zu Nutze koinnienden Position: als Vertheidiger des allgeincinen freien Stimmrechts. Am 20. Januar gelangte nämlich die vor den Kaminerferien auf vier Wochen vertagte Interpellation des Abgeordneten Lachize, Mitglied der sozialisrischen Gruppe, über die Annullirung der Beschlüsse ver- schiedcncr Stadträthe, die Unterstützungen an die streikenden Kohlengräber und Weber bewilligt, zur Verhandlung. Nachdem Lachize seine Jnter- pellation entwickelt und besonders auch auf den Widerspruch in der Haltuna der Regierung hingewiesen, welche sich den Beschlüssen der Stadträthe von St. Etienne und Roanne nicht entgegengesetzt, dagegen die der Gcmeinderäthe von Paris, Roubaix zc. aufgehoben hatte, ant- wartete der Minister wie üblich, daß er nur der treue Hüter der be- stehenden Gesetze sei. Die Gemcinderäthe hätten sich nur mit städtischen Interessen zn beschäftigen, und dürften sich nicht in die Konflikte zwischen den Arbeitern und den Unternehmern mengen. Bandin erinnerte dar- auf durch einen Zwischenruf daran, daß die Regierung bis jetzt stets durch Aufgebot der bewaffneten Macht zn Gunsten des Kapitals in der- artige Fälle sich eingemischt habe.»Die Gensdarinen", erwiderte Herr Constans,„haben nur die Ordnung und die Freiheit der Arbeit auf- recht erhalten: das ist eine Pflicht, in deren Erfüllung sich die Regierung nie schwach zeigen wird." Bezeichnend für den Geist, der die neue Kammer beherrscht, ward diese Erklärung des Ministers kräftigst ap- plandirt." Nachdem noch Antide Boyer im gleichen Sinne wie Lachize gesprochen, verkündete der Präsident, daß Herr Joffrin das Wort habe. Bei dieser Meldung brach anf Seiten der Bonlangisten und der Rechten ein Sturm der Entrüstung ans. Sämmtliche boulangistische Dcpntiite erhoben sich ivic ein Mann und suchten durch systematische Zwischenrufe Joffrin am Sprechen zn verhindern, da derselbe nur durch eine Ver- geivaltignng des Stimmrcchts in der Kammer sei und nicht das Recht habe, sich als Volksvertreter aufzuspielen. Zurufe der beleidigendsten Art wurden dem possibilistischcn Abgeordneten entgegengeschleudcrt.„Hören Sie den Kommissär der Regierung nicht an", rief Deronlöde.„Es ist eine Schande, daß die Kammer einen Polizisten in ihrer Mitte hat", tönte es von einer andern Seite.„Gehen Sie hinaus, Sic sind kein Depnlirter",„Sie haben kein Recht zn sprechen",„Wo sind Ihre Wähler" zc. klang es durcheinander. Die Regiernngsrepublikaner ant- warteten durch andre Rufe und stürzten sich schließlich in den Halbkreis vor der Tribüne und anf die Bonlangisten zu, die sie mit den Fäusten bedrohten, so daß die Huissiers zwischen jenen und ihren Angreifern einen Wall bilden mußten. Die Bonlangisten ließen sich durch die Lust ihrer Gegner, zu Handgreiflichkeiten überzugehen, nicht einschüchtern, sondern fuhren mit ihren systematischen Unterbrechungen fort. Der Präsident rief und läutete umsonst zur Ordnung und drohte mit der Zensur und mit der zeitweiligen Ausschließung. Der Tumult war nnbc- schreiblich und so groß, daß das Palais Bourbon, welches doch schon stürmische Sitzungen genug gesehen hat, nie etwas Gleiches erlebt haben soll. Schließlich wurde über Deroulede die zeitweilige Ausschließung (ans 14 Tage) aus der Kammer verhängt. Der Exchef der Patrioten- liga weigerte sich jedoch, den Saal zn verlassen, die Sitzung mußte ausgehoben, die Tribünen geräumt werden. Deroulede verharrte inmitten seiner Gesinmingsgenosscn auf seinen, Platze und verließ denselben nur, der„Gewalt weichend", d. h. vom Platzkoininandant des Palais Bour- bo» und 8 unbewaffneten Soldaten eskortirt. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wiederholte sich der Vorgang zum zweiten Male und endete mit der Ausschließung und militärischen Heransführnng des Bonlangisten Millcvoye. Kaum war die Sitzung zum dritten Male eröffnet, so spielte sich das gleiche Stück Szene um Szene auch zum dritten Male ab. Diesmal war es Lagnerre, der von der Kammer anf 14 Tage ans- geschlossen und dann nnt militärischen Ehren herausgeführt ward. Joffrin war nnterdeß wie das traditionelle Wtännchen des Wetter- Häuschens abwechselnd anf der Tribüne erschienen und von ihr ver- schwnnde», hatte aber den Angriffen der Boulangisten eine große Ruhe entgegengesetzt. Als er zum vierten Male das Wort erhielt, erklärte» die Boulangisten und ein großer Theil der Konservativen, daß sie nn- möglich einer Sitzung beiwohnen könnten, in der ein Mann sprechen solle, der nicht der Erwählte des allgemeinen Stimmrechts sei. Nach dieser Erklärung fand ein allgemeiner Exodus der Genannten statt, und Joffrin konnle durch die Erklärung debütiren,„cr�sei ge- kommen, uin gegen das Ministerium zu sprechen."(Rufe:„Sie sind sehr undankbar.") lind er sprach auch gegen das Ministerium, das er aufforderte, den Arbeitern die von den Stadträthe» bewilligten Snninien zukomme» zn lassen. Eingang und Ende seiner Rede war gegen Bon- langistcn und Konservative gerichtet und wurden deshalb von den Re- gierungsrepublikancrn mit Beifall aufgenommen. Natürlich wird der Vorfall von der bonlangistischen Presse und Agi- tation tüchtig ausgenützt, was um so mehr geschehen kann, als diesmal das Zitecht thatsächlich auf ihrer Seite ist, da die Anwesenheit Joffrins im Parlament wirklich eine Vergewaltigung des allgemeinen Stimm- rechts bedeutet. Es war jedenfalls eine große Ungeschicklichkeit der Regicrungsrepublikaner, Herrn Joffrin inbegriffen, den skandalsüchtigen Bonlangisten Anlaß zu ciiiem Radau zn bieten, wo das Recht auf Seiten der Radaumacher ist. Es ist ja klar, daß es den Bonlangisten mehr um den Skandal als die Vertheidignng der verfassungsmäßigen Volksrechte zn thun ist. Aber die Masse unterscheidet mcht immer nach den Beweggründen, sie sieht nur die T h a t s a ch e n, und diese sprechen Jeuilreton. ,,- Bncherfchau sozialistischer Dichterwerke. ii. Sturm. Zweite durchgesehene und vermehrte Auflage.(Zürich, Ver- lags-Magazin(G. Schabelitz). Als das Büchlein. das den obigen Titel führt, in erster Auflage erschien, erregte es in sozialistischen Kreisen berechtigtes Aussehen. Selbst wer die spezielle Tendenz des Verfassers— er bekannte sich als Anar- chist— nicht theiltc, freute sich der kräftigen Sprache, der schönen, abgerundeten Form seiner Gedichte. Auch der„SozialDemokrat" hat nicht gezögert, bei passender Gelegenheit dem Talent John Henry Mackay's seine Anerkennniig zn zollen. Das zeigt uns freilich schon die erste Auflage des„Sturm", daß wir es in seinem Verfasser mit einem keineswegs ausgereiften Talent zu thun hatten. Gedanklich ließen seine Gedichte viel zn wünschen übrig. Ihr Jdecninhalt war verhältmßmäßig arm, das Gegebene iveder neu, noch besonders tief; es war mehr ein Berauschen in radikalen Vorstellungen, wie man es so oft bei Leuten findet, die die Eierschalen der alten Gesellschaft noch nicht abgestreift haben und darum in einem unbedingten Negiren ihre Ucberlegenheit über dieselbe suchen. Solche Keckheit verzeiht man indcß deni Anfänger gern, und namentlich dein jungen Dichter. Als wir jetzt, nach mehr als zwei Jahren, die zweite Auflage des „Sturm" erhielten, nahmen wir das Buch mit ziemlich gespannter Er- Wartung zur Hand. Und— daß wir es gleich sagen— wir wurden recht sehr enttäuscht. Durchgesehen und vernichrt ist diese Auflage, aber verbessert ist sie nicht. Im Gegcntheil. Die Gedichte, die hinzu- gekommen sind, ermangeln durchaus der Vorzüge, die denen der exsten Auflage Reiz verliehen. Schwung und Kraft sind dahin, und gedank- lich ist der Dichter zur Bettelarmuth der unfruchtbarsten Jch-A»betung gesunken, die ihm nur noch ein gereimtes Stammeln erlaubt. Statt der Gedanken eine Fülle von Gedankenstrichen. John Mackay hat das Pech gehabt, daß ihm Max Stirner's„Der Einzige und sein Eigenthnm" in die Hände fiel, und dieses Buch hat es ihm angethan. Dem Andenken Max Stirner's widmet er die zweite Anslagc des„Sturm". Es ist allerdings ein merkwürdiges Buch, dieses„Der Einzige und sein Eigenthnm". Man kann es das Hohelied des Individualismus nennen. Friedrich Lange bezeichnet es in seiner„Geschichte des Ma- terialisinns" als„das extremste Buch, das wir überhaupt kennen". hier für die Vertreter der„Nationalpartei". Außerdem hat die bou- langistische Minorität der auf sie einrasenden Majorität entschlossen Stand gehalten, und eine derartige Stellung imponirt vielen naiven Gemüthern. Natürlich stimmt jetzt die gesammte opportunistische Presse Klagelieder Jeremiä darüber an, daß die Boulangisten Szenen veranlassen, welche das Ansehen des parlamentarischen Systems untergraben müssen. Aber an dem Zustandekommen dieser Skandalszenen haben die Negierungs- republikaner so gut mitgearbeitet wie die Anhänger des„braven Generals". Ueberhaupt wenn Jemand das parlamentarische System diskreditirt hat, so sind es sicher die Herren Opportunisten gewesen. Gewiß ist, daß der letzte Vorfall, wie überhaupt die ganz unqnali- fizirbare Art, auf welche Joffrin in das Parlament gelangt ist, von Einfluß anf die Ergebnisse der für Mai bevorstehenden Stadtraths- wählen in Paris sein wird. Die Bonlangisten werden die geschaffene Situation zu einer rührigen Wahlagitation ausnützen, von welcher man bereits jetzt die ersten Anzeichen bemerken kann. Das in politischer Be- Ziehung so radikale und vor allem oppositionelle Kleinbürgerthnni, theil- weise auch die nichtsozialistische Arbeiterbevölkernng werden gegen die Mißachtung des freien Stimmrechts, welche die Regiernng gezeigt, protestircn. Und sie werden dies in der Form thun, welche zwar unverständig ist, welche aber für den Augenblick den stärksten Gegensatz, den schärfsten Protest gegen die Regierung bedeutet: durch die Wahl boulangistischer Stadträthe. Andererseits tragen parlamentarischeZwischen- fälle der Art dazu bei, das moralische Ansehen der Possibilisten, das ohnehin schon einen argen Stoß erlitten, immer mehr zu untergraben. Die Pariser Bevölkerung vergißt zwar sehr leicht und wahrscheinlich hatten die possibilistischen Führer darauf gerechnet, daß sich dieselbe mit der Zeit nicht mehr daran erinnern würde, anf welche Weise und mit wessen Hilfe Joffrin Deputirter geworden. Allein Vorfälle, wie der berichtete, die sich nach Erklärung der Boulangisten erneuern werden, sobald Joffrin das Wort ergreift, zeigen den possibilistischen Abgeord- neten stets von Neuem als den Mann, der sich dazu hergegeben, von der Regierung in seiner Person das allgemeine Stimmrecht mit Füßen treten zu lassen. Er bleibt schon für immer an den Nockschößen des Opportunismus hängen und um sein Ansehen ist es geschehen. Dazu wird das Ansehen der Partei, zn deren Führern er zählt, schwer ge- schädigt: dieselbe hat bis jetzt stets die allgemein vernrtheilte Haltung Joffrins offiziell gebilligt. Die nächsten Stadtrathswahlen werden auch in dieser Beziehung wichtige Fingerzeige geben. Die nächste Folge des Kammerskandals ist bis jetzt gewesen, daß der stets reaktionslüsterne Opportunist R e i n a ch einen Antrag behufs Umänderung des Kamnierreglements eingebracht hat. Unter der Moti- virniig,„daß das gegenwärtige Reglement ohnmächtig sei, Versuche von Tumult und Rebellion zu verhindern, fordert er nichts geringeres, als „daß die Kammer im Falle des Widerstands eines Deputirten der Aufforderung des Präsidenten gemäß die Kammer zu verlassen, dieselbe ohne Debatten die Ausschließung des Betreffenden für die Dauer der ganzen Session verhänge." So vertheidigcn diese Herren die von Boulanger bedrohte„Freiheit". Zur Agitation unter den jüdisch redenden Arbeitern. Wir erhalten folgende Zuschrift: Paris, den 20. Januar 1890. Anf die im„Sozialdemokrat" vom 19. ds. Mts.(Nr. 3) zitirten Ausführungen des von Genosse H e p n e r redigirtcn„St. Lonis-Tagcbl." fühle ich mich genöthigt, zn erwidern, daß das„Jüdischdeutsch" zur Aufklärung der Inden vorläufig leider noch absolut unentbehrlich ist, ausgenommen in den westeuropäischen zc. Ländern, wo die Juden den von 4—5 Millionen noch g e s p r o ch e n e n I a r g o n bereits nicht niehr verstehen. Diesen 4—5 Millionen aber die sozialistische Jargonliteratnr zu entziehen, heißt so viel, wie allen diesen Inden den Weg zur wahre» politischen Aufklärung auf viele, viele Jahre hinaus verschließen. Wenn der Artikelschreiber im„St. Louis-Tagcblatt" sagt: „Ist der russisch-poliiisch-galizisch-jüdische Arbeiter, dem Ihr sozialistische Literatur in jüdisch-deutscher Mundart zugänglich machen wollt, um ihn für die Arbetterbcwegniig zu gewinnen, gescheidt genug, um Eure Lehre zu begreifen, so kann es doch wahrlich nicht schwierig sein, ihm das deutsche oder das englische Alphabet beizubringen, damit er englische oder deutsche Schrift lesen kann"— so ist er ganz und gar im Jrrlhum. Ein Arbeiter, der in seinem Leben keine Schule besucht hat— und das ist leider bei den meisten jüdischen Arbeitern der Fall, die deulschen, französischen, englischen und amerikanischen ausgenoinlnen— kann durchaus nicht so leicht lesen wie begreifen lernen. Davon kann sich jeder durch Unterrichtcrtheilcn liberzcugen. Hebräisch dagegen kann fast jeder dieser jüdische» Arbeiter lesen, und die meisten können es auch schreiben, weshalb auch das„jüdisch- deutsch" mit hebräischen Buch- staben geschrieben wird. Setze» wir nun de» Fall, daß alle jüdischen Arbeiter energisch genug seien, diese Schwierigkeit zu überwinden, oder, daß ihnen deutsche Lektüre mit hebräischen Bnchstaben zn Gebote gestellt wird, wäre schon damit das Ziel erreicht? Wären wir alsdann im Stande, ihnen durch deutsche oder englische Lektüre die sozialistische Literatur zugänglich zn machen? Keineswegs. Der den jüdischen Jargon Sprechende denkt auch hebräisch. Andere nennen es„das Kühnste, was der philosopische Radikalisnins hervorgebracht". Kühn, o ja. Aber der kühnste Salt omortal e des Radikalisuins. Denn wenn wir das mit vielem Geist und Scharf- siim geschriebene Buch ans der Hand legen, sind wir genau, wo wir am Anfang waren: bei uttscrm lieben I ch. Wir haben gelesen, daß es für uns nichts gibt, das über diesem I ch steht, daß nur aus dem Ich heraus unser ganzes Thun und Lassen zu begreifen und zu beurtheilen ist, und daß wir demnach v o l l k o m in e n sind.„Denn wir sind jeden Augenblick Alles, was lvir sein können, und brauchen niemals mehr zu sein", heißt es wörtlich. Was wir mit diesem vollkommenen Ich anfmigcn, ist unsre Sache. Es gibt keine Pflicht außer iniserm Ich; sobald wir eine solche anerkciinen, hören wir auf, uns„zu eigen" zu sein. Uns zn eigen sind wir nur, wenn wir uns als„e i n z i g" setzen, uns nicht für einen Menschen, sondern für den Menschen er- klären. Die Begriffsfrage:„was ist der Mensch?" hat sich dann in die persönliche umgesetzt:„wer ist der Mensch?" Und die ist überhaupt keine mehr,„sie beantivortet sich selbst." Aber fragt mich nur nicht, wie. Bin ich um einen Deut klüger, wenn, ich sage, daß Ich d.e r Mensch bin. und nicht blos ein Jndivi- du um der Gattung Mensch? Nicht im Geringsten. Vorausgesetzt, daß ich mich nicht dahin drücke, wo ich wirklich und nicht nur in meinem Kopfe ein„Einziger" bin, bin und bleibe ich trotz meines erhabenen Bewußtseins immer nur ein E i n e r, eine ganz miserable Eins unter etlichen Millionen Einer». Und um so miserabler, je mehr ich dem Bewußtsein meiner„Einzigkeit" fröhne, je mehr ich mich darüber hin- wcgtänsche, daß ich ohne diese Millionen Mit-Eincr nicht eine lumpige Eins, sondern— eine Null wäre. Kein Satz im ganzen Stirner richtiger als der Schlußsatz: „Stell' Ich auf Mich. den Einzigen. meine Sache, dann steht sie anf dem Vergänglichen, dem sterblichen Schöpfer seiner, der sich selbst verzehrt und Ich darf sagen: „Ich Hab' mein' Sach' auf Nichts gestellt. Stimmt. Die absolute Unabhängigkeit läuft in das Nichts aus. Der„Einzige" erhält eine fatale Aehnlichkeit mit dem indischen Heiligen, der seinen Nabel bewundert. Diese lederne Ich- Vergötterung nun athinen alle Gedichte, die Mackay in seine zweite Auslage»eneingefugt. Als Folio dient ihr ein nicht niinder lederner Pessimismus. Das war nicht anders zn mache». Wenn das Ich Alles sein soll, so muß alles andre nichts sein. Mit souveräner Verachtung blickt Mackay auf die Welt und die Menschen herab, seitdeni er, wie er uns im Einleituugs- gedicht erzählt, s i ch gefunden. „Ich kehrte bei mir ein. Mein ward die Welt Seitdem ich kühn mich über sie gestellt—" triumphirt er. Und Die ganze Jüdischjargonlitcratur athmct den hebräischen Geist. Der orientalisch Denkende muß eine jahrelange Uebimg habe», bis er im stände ist, auch nur hie leichteste Lektüre einer europäische» Sprache zu verstehen. Ich habe in dieser Hinsicht ganz besonders durch Stunden- geben viele Erfahrungen gemacht. Eine solche jahrelange Hebung kann sich indeß der Arbeiter leider nicht vergönnen. Dazu fehlt ihm die Zeit. Das müssen die meisten Arbeiter schon ihre» Nachkommen überlassen. Wir aber können unsere sozialdemokratische Agitation unter den jüdischen Arbeitern nicht für solange aufschieben. Wir können nicht solange warten, bis sie dahin gekommen sind, die Jargonsprache aufzugeben. Wir müssen vielmehr jede Gelegenheit benützcn, wo, wie und in welcher Sprache es auch sein mag— meinethalben auch in Volapük— die Ideen wahrer sozialer Aufklärung zu verbreiten. Nicht anf die Sprache kommt es an, sondern nur auf das Deuken und Fühlen eines Jeden, und endlich anf die Zustimmung zu unfern sozialdemokratischen Prinzipien. Wenn diese Zustimmung sich nun in der Jargonsprache weniger ausdrücken ließe als in irgend einer andern Sprache, so würde ich dem Artikel- schreiber im St. Louis-Tagcblatt Recht gebeu. Es ist jedoch durchaus übertrieben, wenn der Artikelschreiber behauptet, daß der Jargon ein Insult gegen alle Sprachen sei, ein Scheusal au Gestalt und Ton, und daß er ferner die Heimstätte der Unkultur sei. Wodurch werden die meisten Juden aufgeklärt, wenn nicht einzig und allein nur durch die Jargonliteratnr? Die Jargonsprache hat sogar eine sehr schöne Literatur aufzuweisen. Ein Vortrag oder ein Gedicht von einem Jargonisten vorgetragen, ist ebenso sinnreich und fast ebenso schön klingend wie im Deutschen. In- dessen will ich keineswegs etwa diese Sprache vertheidigcn. Ich sehe ihrem Untergänge vielleicht mit eben solcher Sehnsucht entgegen, wie der Artikelschreiber selbst. Nur läßt dieser Untergang sich nicht so schnell und mit Gewalt erzwingen. Moses Mendclsohn's Bibelübersetzung hat auf den ungebildeten Juden keinen Einfluß gehabt. Für seine Bibelüber- setznng konnte nur der aufgeklärte und freigesinnte Hebräer, ganz beson- ders seines zur Bibel in der rabbinischen Sprache geschriebenen Korne«- tars(biur) wegen, Interesse haben. Die vollständige Annahme der hochdeutschen Sprache von den Juden in Deutschland hat man der nn- geheuren Aehnlichkeit des Jargons mit dem Deutschen zn verdanken. _ Ein im wahren Sinne des Wortes gut redigirtes, sozialdemokratisches, jüdisches Jargonblatt können wir als ein fruchtbringendes Werkzeug für alle Juden, die eine fremde Sprache nicht verstehen, mir mit Freuden begrüßen. Wir fürchten deshalb keineswegs, daß die Juden dadurch von der Fortbildung in einer lebenden Sprache ferngehalten werden. S. R u b i n st e in. Sozialplilitische Rundslhau. London, 29. Januar 1890. — Noch ein Tieg am Vorabend der«rosten Schlacht. Dank unerhörter Wahlmachinationen und direkter Wahlschwindcleien war bei den am 15. Oktober vor. Jahres stattgefnndcnen sächsischen Landtags- wählen im Wahlkreis C r i m m i t s ch a u- W e r d a u der Fabrikbesitzer K ü r'z e l zum Abgeordneten— nicht gewählt, aber p r o k l a in i r t worden. Er sollte 1576 Stimmen erhalten haben, sein sozialdemo- kratischer Gegenkandidat Restauratcur C o l d i tz nur 1506 Stimmen. Herr Kürzel zog triuinphirend in den Landtag ein. Aber es gibt ein Ding, das heißt W a h l p r ü f u n g, und als es sich herausstellte, daß selbst die„wohlwollendste" Kommission die skandalösen Fälschungen zc., denen Herr Kürzel sein Mandat verdankte, nicht werde vertuschen tön- neu, zog es der gute Mann vor, alle» nnangenchmeii Erörterungen durch freiwillige Niederlegnng seines Mandates die Spitze abzubrechen. Es wurde eine Neuwahl ausgeschrieben, bei der die„Vereinten Ordnnngsparteien" mit Hochdruck darauf chinarbcitcten, neue Wähler für sich an die Wahlurne zn schleppen. Kein Mittel der Bearbeitung wurde unversucht gelassen. Und was war' das Resultat? Am 21. Ja- nuar fand die Nachwahl statt und ergab Colditz, Sozialdemokrat SltiS Stimmen, Kürzel, Kartellbrnder 1990 Die Kartellbrüder hatten zwar nm 414, die So�aldemokraten aber um«SS Stimmen zugenommen. Die sozialdemokratische Fraktion im sächsischen Landtag zählr�e i» Mitglied mehr. Ein neuer, wuchtiger Schlag auf das Haupt der ordnungsparteilichen Zicaktionäre— wo werden die Unglückseligen am 20. Februar ihre Köpfe hinhalten? — AaS Deutschland schreibt man uns unter'm 24. Januar: „Der Faschings-ReichStag hat in zweiter Lesung der Ve-rewignng des Schandgesetzes mit 166 gegen III Stimmen zugestimmt. Diese„letzte That" des Faschingsreichstags sei ihm unvergessen. Sie- ist eine Kriegserklärung gegen das u m s e i n e E m a n- z i p a t i o n r i n g e n d e P r o l e t a r i a t, das vermittels des Aus- nahincgeseyes niedergehalten und»nterdrückt werden soll. Mir einer Leichtigkeit, als chandle es sich um einen kleinen Spaß, haben die Kartell- brüdcr es fertig gebracht, die Fristbestiminnng im Sozialistengesetz zu beseitigen, und damit ihrem verbrecherischen Treiben das Siegel anfge- drückt. Trotzdem ist Junker Otto nicht zufrieden; sein Herz hängt an dec „Nie kommt der Tag, der alle Menschen eint, Ob den Entnachteten als Frieden scheint—" Was soll das bedeuten? „Wann aber kommt der Tag, de.r meinen Gniß Der fliehenden Zukunft windet um den Fuß?" „Ich weiß es nicht. Aus meines Lebens Buch Riß ich das Blatt des Wahns,— mir selbst genug." Wenn die Worte noch einen Sinn haben, so ist es dem Dichter— man verzeihe das unpoetische Wort— durchaus Wurst, wann der Tag kommt, der seinen Gruß der„fliehenden Zpkunft" um den Fuß windet. Wieso und wozu„nm den Fuß windet"? Darüber erhalten wir keine Auskunft. Die Deutung, daß der nm den Fuß gewundene Gruß viel- leicht die Fliehende aufhalten soll, wird durch die Erklärung anfge- hoben, daß der Dichter das„Blatt des Wahns" ansgcrifsen hat, seit er sich„selbst genug" ist. Es ist ein Bild, das� nach etwas aussehen soll. und hinter den, doch nichts steckt. Bloße Wortmachcrei, auf die wir aber immer und immer wieder stoßen. Das Einleitnngsgedicht schließt: „Geendet ist der Kampf nicht, doch die Qual: Ich ward mir selbst mein letztes Ideal!" Armer Dichter, der kein Ideal hat als. sich selbst. Tiefer zn sinken ist unmöglich. In der Abtheilung„Weltanschauung" stoßen wir unter den neu ein- gereihten Gedichten zuerst auf eines, das sich„Unabhängigkeit" betitelt. Es ist durch folgenden Vers hinlänglich bezeichnet: „Wie heißt der Onell, an dem mit müden Lidern Für immer Du die große Sehnsucht stillst? „Die Unabhängigkeit von Deinen„Brüdern", Daß geh'n Dil kannst und weilen, wo Du willst!" Der flachste Bonrgeoislibcralismns. Ein Anderes,„Anarchie" betitelt, beginnt: „Immer geschmäht, verflucht,— verstanden nie", und gibt zum Schluß als Erklärung: „Ich bin ein Anarchist!"—„„Warum?""—„Ich will Nicht herrschen, aber auch beherrscht nicht werden!"— John Mackay irrt sich, wenn er meint, daß das so schwer zu verstehen sei. Es ist nur sehr schwer zu verwirklichen, lind unmöglich bei Sln- schauungen wie die, welche er im Gedicht„'Arbeit" entivickelt: „Ihr sagt:„Nichts ist, was ich mir selbst verdiente, Gemeinsam ward, was wir erreicht, gethan, Darnin kannst du, den unsere Kraft nmschiente, Zurück mir geben, was du erst empfahn!" Ausweis ungs bcfugniß, aber der Verewigung dieser Bruialität wollten die nationalliberalcn Helden denn doch nicht zustimmen, dnzu ist es zu dicht vor den Wahlen. Später, wenn Alles gut gegangen ist und die kartellbrüderlichen Volksvertreter wieder für fünf Zahre die Staatskrippe besetzt haben, wenn die Ausbeutung der breiten Volksmassen durch Zollerhöhnngen jc. wieder ungestört betrieben werden kann, dann werden die Herren mit sich reden lassen, dann wird der Ausweisungsparagraph und vielleicht noch manches Andere den Weg in das Gesetz finden. Also warten wir es ab; zunächst hat ja nun der Bundesrath das Wort. Nach unserer Meinung ist man dort sehr zufrieden damit, dast die Kartellmajorität nicht bezüglich der Fristlosigkeit dieses schmachvollen Erzeugnisses roher und brutaler Kncbcluiiqspolitik aus dem Leim ge- gangen ist, und man lägt sich den Widerstand in einem Nebeüpnukte ganz gern gefallen; unter dem Geräusch, welches die Ablehnung der Ausweisungen gemacht hat, sind die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes nach den Wünschen Bismarcks angenommen worden, und mit dem Verbot und der Unterdrückung von Zeitungen und sonstiger Lite- ratur, mit der Auflösung nnd dem Verbot von Versaiumlungen, mit der Schließung von Vereinen kann lustig fortgewirthschaftet werden; in dieser Beziehung bleibt Alles beim Alten. Wir geben uns keiner Täuschung hin; diese angeblichen Abschwächun- gen des Sozialistengesetzes werden reichlich ersetzt durch die dauernde Geltung desselben nnd wir glauben die Zeit nicht fern, Ivo die söge- nannte milde Handhabung des Gesetzes aufhört und die frühere, nun- mehr keiner Kontrolle unterliegende, brutale, gehässige Unterdrückung und Vernichtung geistigen und materiellen Eigenthums wieder beginnt. Es ist auch durchaus nicht ausgeschlossen, sondern im Gegenthcil mit Sicherheit anzunehmen, daß die Negierung die Anstrengungen wieder- holt, um das Gesetz im Sinne der diesmal abgelehnten Paragraphen zu vervollständigen; die Jhriug-Mahlow, Schröder, Haupt, kurz, die „Nicht-Geutlemen" werden nicht müssig sein, das„rothe Gespenst" wird auflackirt werden, und es soll uns nicht wundern, wenn die Arbeiter- bewegung des Frühjahrs mit einigen Flintenschüssen regalirt wird, um der nur allzuwilligen Bourgeoisie die Nothwendigkeit„schärferer Waffen" zu beweisen. Sollte, was wir allerdings glauben, am 20. Februar d. I. die Kartcllmchrheit in die Brüche gehen, und damit der schamlosen Ans- beutung des Volks ein Riegel vorgeschoben werden, dann wird wohl wieder wie 1878 ein Anlaß sich finden, um zum Schutze gegen die Sozialdemokratie Neuwahlen zu veranstalten, bei denen das geängstigte Philistcrthum einen Reichstag zusammenbringt, der die Klasseniuteressen der herrschenden Gesellschaft vertritt, der die große Majorität des Volkes auf dem Wege der Gesetzgebung wirthschaftlich aussaugt und poli- tisch rechtlos macht. Da das herrschende System sich nur unter Anwendung derartiger Mittel halten kann, so muß man derselben gewärtig sein, und es ist daher sehr nothwendig, daß die Genossen aller Orten scharf aufpassen und im gegebenen Falle etwaige Provokationen polizeilicher Sendboten nachdrücklichst zurückweisen. Je glänzender für uns die Wahlen ausfallen, desto mehr werden die Gegner in Furcht und Schrecke» gerathcn, zugleich aber auch wird die Neigung zunehmen, sich des modernen Kulturmittels, des rauchlosen Pulvers, zu unserer Vernichtung zu bediene». Nichts kann den herrschenden Klassen, mögen sie auf dem Thron oder auf dem Geldsack sitzen, erwünschter sein, als daß sich ein Vorwand für dieselben findet, den Säbel hauen und die Flinte schießen zu lassen, um bei dieser Gelegenheit den lauge geplanten und vorbereiteten Sturm- lauf gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht zu machen, damit die ver- haßten Sozialdeniokraten endlich einmal aus dem Reichstag verschwinden. Wenn dann die sozialdemokratische Presse unterdrückt, die Vertretung im Reichstage beseitigt, nebenbei auch noch die fachvereinliche und ge- wcrkschaftliche Organisation vernichtet ist, dann werden die Machthaber glauben, Ruhe vor der Sozialdemokratie zu bekommen. Sie werden sich täuschen, den» unaufhaltsani geht die ökonomische Entwicklung ihren Gang, die Sternchen, welche ihr in den Weg gelegt werden, mit ehernem Tritt zermalmend, führt sie zum Sozialismus, dem erhabenen Ziele wahrer und höchster jiultur. lim den Kampf für diese Güter zu führen, dürfen wir keines der gegebenen Mittel unbenutzt lassen, wir dürfen uns jedoch auch keiner nutzlosen und widersinniger Waffen bedienen, und uns nanienllich nicht durch irgend welche Provokationen hinreißen lassen, den Kampf auf einen Boden zu verlegen, auf welchem wir den Gegnern nicht gewachsen sind. Wir kommen in eine ernste Zeit, und mahnen die Parteigenossen an ihre Pflicht; je weitere Kreise wir bei de» Wahlen erobern, je mehr wächst unsere Verantwortlichkeit. Sich derselben im Juteresse der ganzen Partei vollbewußt zu sein, ist die eruste Aufgabe jedes einzelnen Genossen. Rachschrift. De» 25. Januar. Seit ich meinen Brief abgeschickt, hat sich die Sachlage wieder etwas geändert. Nachdem die Regierung sich entschlösse», das Sozialistengesetz ohne die Ausweisungen nicht zu akzcpliren, ist die ganze Vorlage bei der Schlußabstimimuig a b g«- lehnt worden. Die Konservativen stimmten mit der Opposition gegen- dieselbe. In seiner alten Fassung ist ja das Gesetz noch bis zum 1. Oktober in Kraft, und so eilte der Handel nicht. Nunmehr dreht sich der Wahlkampf»m das Sozialistengesetz, und meine Lernuckhung, daß man das rothe Gespenst als Vorspann der Lteaktion benutzen und durch allerlei Provokationen, Putsche zc. zu erzeugen versuchen wird, gewinnt an Wahrscheinlichkeit. Wen» es bei dieser Wahl nicht gelingt, so lvird man es mit einer Auflösung des neuen Reichstags versuchen, um dann unter deni Druck einer künstlich erzeugten Erregung einen der Reaktion willfährigen Reichstag zu schaffen. Pflicht aller denkenden, zielbewußten, unserer großen Sache ergebenen Arbeiter ist es, solche Pläne zu Schanden zu machen; also aufgepaßt! — Die ReichStagsdebatten der letzten Tage boten an sich gar manches Interessante' und Charakteristische. Vor' allen Dingen ver- ricthen sie den völligen geistigen und moralischen Bankrott unserer Feinde. Kläglich, überaus kläglich war es mit anzusehen, wie sich die Herr- fnrth, die Kardorff, die Kulemann anstrengten, die wuchtigen Hiebe, welche die Genossen Grillenberger, Dietz, Singer, Liebknecht nnd Bebel gegen das Schandgesetz führten, zu entkräften, und wie elend sie dabei vcrun- glückten. Dem erdrückenden Material, welches sozialistischerseits ins Feld geführt wurde, hatten sie nichts, auch gar nichts entgegenzusetzen, und so verlegten sie sich auf allerhand advokatische Ausknnftsmittel, Verdrehung von Reden und Zitaten, was ihnen aber auch nicht half, da sie fofort rektifizirt wurden. Herr K u l e in a n n— der Mann ist ein deutschem Richter— hat es fertig bekommen, ans folgendem Satz: „So begreiflich das Bestreben ist, die Freunde nnd Genossen durch günstige Aussagen von einer Anklage zu befreien, und so erklärlich es namentlich dann ist, wenn es sich um Vergehen gegen Ge- setze handelt, die unserm Rechtsgefühl als verwerflich, als infam erscheinen, die eine freche Verhöhnung unserer natürlichen Rechte bedeuten, so müssen sie doch ihr Gefühl da unterdrücken, wo diese Aussage mit einem Meincidsprozeß beantwortet werden kann. Wir haben schon früher erklärt, daß wir in solchen Fällen den Meineid als eine entehrende Handlung nicht betrachten können, und halten das auch aufrecht. Aber damit wollen wir ihn keines- wcgs empfohlen haben, sondern warnen die Genossen eindring- lich vor einem solchen"— nicht nur eine„Empfehlung", nicht nur eine„Verherrlichung" des Meineids, sondern eine B r a n d m a r k n n g derer herauszninterprctircn, die keine n Meineid schwören. Von Singer überführt, stellt sich dieser Mann des Rechts hin und sagt wörtlich(S. 1153 des steno- graphischen Berichts): „Ausdrücklich wird gesagt: wenn Jemand unter solchen Umständen einen Meineid schwört, dann finden wir darin keine entehrende Handlung. Ich habe gesagt: wenn man den Meineid nicht schwört, so ist das eine enlchrende Handlung. Meine Herren, da ist doch bloß meine Fassung positiv, während die andere negativ ist; das ist die ganze Abweichung. Ich kann also unmöglich zugeben, daß bezüglich dieses Punktes eine irgendwie in Betracht kommende Abweichung mir nachgewiesen sei." Ist eine ärgere Rabnlistik je dagewesen? Die schlimmsten Kasuisten unter den Jesuiten haben keine Leistung aufzuweisen, die diese„bloß positive Fassung" eines negativen Satzes überbietet. Schon mehr grotesk ist der Versuch des Gründerjunkers v. fiardorff, die sehr vernünftige und von jedem Sozialisten— nein, von jedem anständigen Menschen getheilte Erklärung Singers über die Anarchisten in eine„Vcrtheidignng des Anarchismus" umzufälschen und zu frnkti- fiziren. Singer hatte erklärt: „Nun, meine Herren, nehme ich für meine Person gar keinen Anstand, zu erkläre», daß ich mir denken kann, daß ein Anarchist, trotzdem er Anarchist ist, ein durchaus edler, überzengungstreuer und ehrenwerther Mcnsch sein kann. (Große Bewegung rechts.) Meine Herren, der Anarchismus, dem ich prinzipiell feindlich gegen- überstehe, ist eine Weltanschauung, so gut, wie die ander» Richtungen, die im Volk und in den Gemüthern vertreten sind, nnd so lange sich ein Anarchist nicht einer bürgerlich unehrenhaften Handlung schuldig macht, hat er das Recht, anerkannt zu werden als ein Mann, der seiner Ueberzcugung treu ist. (Hört! hört! rechts.) — Meine Herren, Ihr„Hört! hört!" ändert an der Sache gar nichts!" lind darauf tritt der politische Kommis Bleichrödcrs— dem sein „Standes"- und jetzt wieder Parteigenosse v. Diest-Daber nachgewiesen, daß er im privatgcschgftlichen Interesse Gesetze betreibt— ans, er- klärt, Singer habe den Anarchismus vertheidigt, der„jedes Verbrechen für erlaubt hält", nnd schließt pathetisch:„Wir werden dafür sorgen, daß diese seine Vertretung die größtmöglichste Verbreitung durch ganz Deutschland findet." Und die ganze junkerliche Korona klatscht begeistert Beifall. Nun, Singer hat dem Herrn gleich gedient, und hat auch sonst die Drobung des anrüchigen Beschützers der anrüchigsten aller„Laura's" nicht zu fürchten, aber konstatirt muß sie werden, um zu zeigen, wie moralisch verkommen diese„Verthridignng der Ordnung, Sitte und Moral" sind. — Von endgiltigr» sozialdemokratischen Kandidaturen regfftriren wir lveilcr die Folgenden: In der Provinz Sachsen sind aufgestellt: Regierungsbezirk Magdeburg. 1. Salzwedel-Gardelegen: Karl Schach, Maurer, Magdeburg. 2. O st e r b u r g- S t e n d a l: Schulze, Zimmerer, Magdeburg. 3. Jericho I und II: Glocke, Berlin. 4. M a g d e b n r g: V. Vvllmar, München. 5. W o l m i r st.>- R e n h a l d e n s l« b e n: Schulz, Magdeburg. 6. Wanzleben: Brehmer, Magdeburg. 7. A s ch e r s l e b e n- E a l b e: Heine, Halbcrstadt. 8. Oschcrslcben-Halberstadt: Dahle», Halberstadt. „So sticht zu Eurem Dienst Ihr mich zu zwingen Und meine freie Kraft. Ich. aber bin Ter Eure nicht. Es schwebt auf eignen Schwingen Der Eigene zum eigenen Ziele hin." Und: „Ist mein nicht alle Arbeit, die ich thue? Sie, die auf's Spiel gesetzt, wird sie verspielt? Mein mein Bcthätigen? Mein meine Riche? Und Feind nicht Jeder, der sie mir bestiehlt?" Das ist durchaus bürgerlich- individualistisch gedacht, setzt Privateigen- thuni nnd damit auch den„Götzen" Staat voraus, den Herr Mackay doch so sehr haßt, von. dem er uns soeben erzählt, daß— wohlgcmerkt, der„Staat" schlechtweg, ..... ruchlos treibt mit Zlllen er sein Spiel...." Scheußlich, daß der Staat nicht einmal vor den Landjunkern und Ka- pitalisten Respekt hat. Ter Kommunismus wird von Mackay mit den Argumenten abge- than, mit denen Stirner ihn vor 45 Jahren bekämpfte. Daß der Heu- tigc Kommunismus ein ganz anderes Gesicht trägt, als der„Liebes"- KoininnniSmils der damaligen Zeit", beirrt ihn nicht. So hören wir denn das alte, uralte Lied, daß es im KouimunismuS keine„Freiheit", kein„Entfalten" gibt, wenn„Keiner sich mehr an dem Andern mißt", daß„Mein Lachen nnd Dein Weinen sind bewacht", daß„bleigrau-öde, trübe Langeweile" über die Welt herabsinkt",„Erfüllung" des letzten Wunsches Eile hemmt nnd des Lebens„nnverstandeiics Buch" schließt. Was dieses letzte Bild hier bedeuten soll, blieb mis trotz eifrigen Nachdenkens„unverstanden". Im Gedicht„Ich" sehen wir den Dichter wieder seinen Nabel an- stanncn.„Ich bin kein„Einer" mehr— nur Ich ich bin.„Diese tröstende Gewißheit ermuthigt ihn zu der Herausforderung— an wen?— ist unentschieden: „Der nicht mehr müden Hand eiitsank die Fahne, Die Liebe heißt.— Ihr lacht! Zermalmt mich doch!" Das Gedicht„Egoismus" beginnt so: „Ich nehme dich, du todtgeschmähtes Wort, — denn ich verstehe dich! � in meine Arme, Ich weiß, Du bist der Freiheit letzter Hort-- und endet: „Und wann regierst in Jedem Du dl: Welt? Ein frommer Wunsch der— Manchesterschnle. Noch zwei weitere Gedichte geben von dem Wechsel in Mackay's Ailschanung Zeugniß: ein Nachtrag zu dem Gedicht„Chicago" und ein Nachtrag zu dem Gedicht„Gerechtigkeit". Dem kräftigen Protest folgt ein katzcnjämmerlicher Pessimismus, der nur vom„Wahn" derer spricht, die in das„Volk" Vertrauen setzen, und dem„Treue",„Recht" und„Pflicht" —„Rur Worte, Worte, Worte" find. Daß diese„Worte" im Munde einer aufstrebenden Klasse einen ganz bestimmten revolutionären Sinn haben, sieht natürlich der nicht, der sich„über die Welt gestellt", der mit einem Wort nichts Erhabeneres kennt, als seinen eigenen Nabel. Nichts aber ist bezeichnender für die„Einzigkeit" und„Eigenheit", in der sich Mackay gefällt, als die, auch von anderer Seite bereits ge- kennzeichnete Thatsache, daß während er in dem Zwiegespräch„Der Alte und der Junge" das alte Lied anstimmt von den„Führern", die -- geredet, getröstet, versprochen Und uns, den Vertranciiden Alles gebrochen" er in dem Nachtrag zu„Chicago" umgekehrt den gehängten Anarchisten zuruft: „Mein Glauben war nie der Eure: Ihr habt Ans das„Volk" gebaut, auf„das treue", Und als Ihr Euer Leben ihm gabt, Da mußtet Ihr sterben in Reue". Die Führer vcrrathen das Volk, und das Volk verräth seine Vor- käyipfcr— das Bischen Wahrheit, das in diesen Sätzen steckt, ist längst Gcmeiiignt des feigen nnd sanlen Philisterthnnis geworden, dem es als Beschönigung der eignen Niedertracht diene» muß; es ist die Apo- logie der Indifferenz. Schon darum sollte sich jeder anständige Mcnsch hüten, diesen Gemeinplatz, der nichts erklärt, nachzuplappern. Wo Kampf ist, werden auch Führer sein, das liegt in der Natur der Sache. Die Masfe kann Gelegenheitsaktionen ohne eigentliche Führer ans- führen, für den dauernden Kampf braucht sie sie, und wenn sie sie nicht vorfindet, so schafft sie sie sich.„Verrath" konimt hüben und drilben vor, gewiß. Aber er ist durchaus nicht die Regel, und oft liegt die Schuld ebenso beim Vcrrathenen wie beim Verräther. Wer der Mafse Unsinniges zumtithet, wird von ihr„verrathen" werden, nnd eine Masse, die dem Führer blindlings folgt, ist allerdings ewig in Gefahr, vcrrathen zu werden. Ilber eine Bewegung, die aus den thatsäch- licheii Verhältnissen herangewachsen ist, eine Bewegung, die ans den Kinderschiihen heraus ist, deren Kämpfer genau wissen, was sie wollen, eine welthistorische Bewegung wie die große Einanzipationsbewcgnng des Proletariats— eine wie unbedeutende Rolle spielt in dieser der Verrath! Wer ihre Geschichte znrückvcrfolgt, wird finden, daß die „Vfrräthcr" schließlich immer nur sich selbst verrathen haben; nach kurzen Störunge» ging die Bewegung regelmäßig Über sie zur Tages- ordnnng über. Aber freilich, der Kultus der„Einzigkeit" der Individuen führt nach allen Richtungen hin zu Ilcbertrcibnngen. Das gilt auch von dcr�Ver- achtnng der Masse, mit der sich Mackay brüstet. Man braucht kein Sklave der Maffe zu sein, kein grnndsatzloscr niit dem Strom Schwimmer, wer aber die Mafse grundsätzlich perhorreszirt, der ist kein„Neuer" Regierungsbezirk Merseburg. 9. Liebenwerda-Torgan: Albrecht, Halle a./S. 10. S ch w e i n i tz- W i< t e» b e r g: Hosang, Teffa». 11. Bitterfeld- D e l i tz s ch: Albrccht, Hatte a./S. 12. Halle a./S.(Saalkreis): Knnert, Breslau. 13. M a n s f e l d e r Kreis(Eislebcn): Siegel, Bergmann, Dorstfeld bei Dortmund. 14. S a n g e r h a n s e n- E ck a r d s b e r g a: Karl Schulze, Redak- tenr in Erfurt. 15. M e r s e b u r g- Q u e r f n r t: Mittag, Giebichenstcin. 10. N a u m b n r g- Z e i tz: Hoffmann, Halle a./S. Siegiernngsbezirk Erfurt. 17. R o r d h a u s e n: Glocke, Berlin. 18. Heiligen ftadt-Worbis: Pinkau, Litograph, Borsdorf bei Leipzig. 19. M U h l h an s e n- L an gen salza: Karl Grillenberger, Redakteur in Nürnberg. 20. E r f u r t- S ch l e u s i n g e n: Pank Reißhans, Schneider- nieister in Erfurt. In Sachscn-Wcimar: 21. W e i m a r- A p o ld a: Karl Schulze, Redakteur in Erfurt. 22. E i s c II a ch: Bock, Gotha. 23. W e i d a- A u ni a: Lcntcrt, Apolda. In Sachscn-Mciningcn; 24. M e i n i n g e n- H i l d v u r g h a u s c n: C. Krüger, Tischler, Halle a./S. 25. Sonneberg-Saalfeld: Paul Reißhans, Erfurt. In Sachscu-Koburg-Gotha 20. K o b u r g: Krüger, Halle a./S. 27. Gotha: Wilhelm Vock, Schuhmacher in Gotha. In Anhalt: 28. Z e r b st- D e s s a u: Hosang, Dessau. 29. B e r n b u r g: Brehmer, Magdeburg. 30. S ch w a r z b u r g- R u d o l f st a d t: Bock, Gotha. In Reust jüngere Linie: 31. Gera: Wurm, Dresden. (Fortsetzung folgt.) — Tic Wnth der Reaktionäre über den Verzicht der Berg- arbciter auf den Generalstreik ist grenzenlos. Die Kölnische Riesen- kloakc speit Gift und Galle darüber, daß die Bergarbeiter auf die Rathschläge der Sozialdeniokraten gehört haben, statt sich durch die Provokation der Ausbeuter binreißen zu lassen. Weiter ist das Haupt- organ der deutschen Bourgeoisie wüthend, daß die sozialdemokratischen Redner den„todten Fuchs" spiele», nämlich sich aller von den Feinden der Arbeitersache agitatorisch verwendbaren Ausdrücke und Wendlingen enthalten. Desto besser. Das Lob unserer Feinde ist meist sehr bedenklich, wenn sie ader über uns jammern und toben, so ist das der sicherste Beweis, daß wir auf dem rechten Wege sind. — Dust die Sozialisten des Anslandcs dem Wahlkampf der deutschen Sozialdemokratie mit lebhaftesten Interesse folgen, ist selbst- verständlich. Es ist nicht übertrieben, wenn wir sagen, daß in diesem Moment die Blicke der Sozialisten wie überhaupt der klassenbewußten Arbeiter aller Länder ans Deutschland gerichtet sind, lind wo es ihre Verhältnisse ermöglichen, suchen sie der kämpfenden Partei durch finan- ziclle Beihülfe ihre Sympathie thatkräftig zu beweisen. In Oesterreich, in Frankreich, in Belgien, in Rumänien, in Amerika sind Sainnilnngen für den Wahlfonds der deutschen Sozialdemokratie eröffnet worden. Es liegt in der Natur der Sache, daß diese Sammlungen gegenüber dem, was die deutschen Genossen selbst ausbringe», erheblich zurück- bleiben, aber das thnt ihrer Bedciitnng keinen Eintrag. Selbst der geringste Beitrag von den Genossen des Auslandes wird von den deutsche» Arbeitern als ein werthvolles Pfand internationaler Solida- rität betrachtet, als ein Sporn, alles zu thnn, um die Erwartungen der fremden Brüder nicht zu Schanden werden zulassen. Wir gnittiren an anderer Stelle die an uns zur Weitcrbesördernng gesandten Beträge nnd sprechen hier den Spendern wiederholt im Namen der dent- schen Arbeiter unsern besten Dank aus. — Aus Dänemark. Am 15. Januar haben iir Dänemark die Neuwahlen zur Volksvertretung stattgefunden. Im Gro- ßen und Ganzen ist die Zusaimnensetznng der Kammer diejeloe geblieben, doch hat eine kleine Verschiebung»ach links stattgefnnde». Die Ministerpartei hat drei Mandate abgeben müssen, innerhalb der Opposition hat die intransigcnte Richtiuig einen Zuwachs ersahren, nnd die sozialdemokratische Partei, die in der letzten Kammer nur einen Vertreter halte, hat diesmal drei Sitze erobert. Die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen hat sich gegen die der letzten Wahle» ver- doppelt. In Bezug ans die Z w i st i g k e i t e n unter den dänischen Sozialisten ist uns ein neues„Eingesandt" mit NainenSunter- schriftcn zugegangen, in welchem das Ausschlnßinanifest der dänstchen Parteileitung einer scharfen Kritik unterzöge» wird. Wir müsse» den vollinhaltlichc» Abdruck desselben ablehnen, entnehmen ihm aber folgende thatsächliche Richtigstellniigen: Die im Manifest als„im Ausland erschienene Schmähschrift" bezeichnete Schrift, deren Uebersetzung N. Petersen zum Vorwurf gemacht wird, war eine Arbeit des s ch w e d i s ch c n Parteigenossen A x e l D a ii i e l s e n, Redakteur des in M a l in ö erscheinenden Blattes oder gar ein„Neuester", der ist ein sehr sehr Alter— er versteht seine Zeit nicht. Gerade während wir diese Zeilen schrieben, kommt uns ein Artikel Mackay's in die Hand, der gleichfalls diese unwissenschaftliche Verach- tung der Masse athmet. In der„Züricher Post" vom 21. Januar schreibt er in einer Besprechung einer neuen Sammlung Gedichte von Herrmann Lingg: „Aber was ist denn das Volk? Ist es nicht die Masse? lind wann hatte die Masse jemals Verständniß und Liebe? Waren cS nicht immer die Einzelnen, von denen ausging, was schön und groß war, und waren es nicht immer nur Einzelne, die ihnen folgen wollten und konnte»? Wie kann also ein„Volk" mitfeiern die Ehrentage seiner großen Dichter? Es kann Fahnen herausstecken und Hnrrah brülle», wenn das Zeichen gegeben ist. Das ist sein Mitfeiern. Aber das thnt es ja attch bei jedem Geburtstag irgend eines Prinzen, der heute lebt und morgen vergessen ist! Was kann dem ernsten Dichter, der heute ans der Höhe seines Lebens und WirkenS steht, der unverständige Beifall einer solche» Menge sein?!" lind er antwortet„Nichts". Daß es auch eine im Aufstreben bc° findlichc Masse gibt, die nicht jedem Prinzen Hnrrah brüllt— der „einzige" Mackay kommt sich so erhaben vor, daß für ihn die Masse mir„brüllt"— eine ansstrebcnde, nach Wissen und Verständniß des Schönen dürstende Masse, davon kein Wort. Der Künstler stattet dem Künstler seinen Tribut ab, das ist alles. Gleich darauf wird ein andrer Künstler gepriesen: Gerhardt von Amyntor.„Es spricht ein feiner vornehmer Geist ans dem kleinen Buche", heißt es am Schlüsse der Rezension. Allen Respekt vor dem Zeinen vornehmen Geist" des Herrn Gerhard von Amyntor. Er hat ihn nicht verhindert, in seinen Novellen die Sozialisten mit Spitzbuben zu identisiziren, und in der„Kölnischen Zei- tung" Rezepte zu veröffentliche», wie man die Arbeiter den„Vater- landslosen Führern" abspänstig machen soll. Unsere Besprechung ist scharf ausgefallen, schärfer als wir eigentlich gewollt. Denn es lag uns wirklich nur daran, John Mackay zn zeigen, in wie falscher Richtung er treibt, nicht aber, ihn regelrecht„herunter- znreißen." Daß wir mir zu verneinen hatten, lag in der Natur der Sache. Was Mackay uns Neues bietet, ist durch die Bank nncrqnick- lich. Es steht auch im krassen Gegensatz zu dem Titel seines Buches. Diese versifizirtc Sclbstbcschaulichkeit ist alles Mögliche, nur kein„Sturm". „Arbetet", der am 1. Februar eine 18monatlichen Gefangnißstrafe verbüßt l)at. Slxel Danielsen habe nicht die dänische Partei, sondern die Parteileitung angegriffen und die Haltung des Organs scharf, aber nicht ungerecht fiitifirt. Auch die dänische Opposition habe nicht die Partei, sondern die schlaffe politische Hallung der Parteileitung und ihr Koteriewesen an- gegriffein Die Parteileitung habe nach dem Grundsatz„I-'swt c'est moiu sich mit der Partei identifizirt. Der Ausschluß sei mit einer Eile betrieben worden, daß die meisten Sektionen gar keine Zeit gehabt, ihn zu debatliren, sondern einfach ab- znsrinimen hatten. Von dein sehr verniinftigen Vorschlag, die Streit- frage dem Kongreß zur Entscheidung zu überweisen, habe man absolut nichts wissen wollen. Es sei eine Art napoleonisches Plesbiszit gc- Wesen, bei dem Leute mitgestimmt, die nach Kongreßbeschlüssen gar nicht dazu das Recht hatten. Schließlich behaupten die Einsender, daß sich die Parteileitung bei der Wahl keineswegs, wie wir in No. ö geschrieben, von der Linken emanzipirt habe. Beweis sei, daß sie in mehreren der besten Arbeiter- kreise keine Kandidaten aufgestellt, sondern die Arbeiter darauf ange- wiesen habe, für Kandidaten der Bonrgeoisparteien zu stimmen. Die Differcnzpnnkte zwischen der Opposition und der Parteileitung seien also keineswegs aus der Welt geschafft. Im Gcgentheil sei durch das ganze Vorgehen dieser die Opposition gezwungen, eine neue Partei zu bilden, die sich dieser Tage proklamircn werde. „Die Spaltung", schließen die Einsender,„ist in einer Art zu be- dauern, jedoch wird sie wenigstens neues Leben in die Partei bringen, das ihr so sehr noth thnt." Da es überflüssig ist, nachträglich Moral zu predigen, so können auch >vir nur hoffen, daß die eingetretene Spaltung durch Anspornung der Geister dem Fortschritt der Gesammtbewcgung sich förderlich erweisen möge. - Die Wählerversammliing in Hamburg, von der wir in voriger Nummer gesprochen, hat an Großartigkeit selbst die hochge- spanntesten Erwartungen übertroffen. Der große Saal des Sagcbiel- scheu Etablissements, einer der größten, wenn nicht der größte in ganz Deutschland, war schon stundenlang vor Beginn der Versammlung überfüllt, gegen 20,000 Menschen harrten auf das Erscheinen Bebels, und mindestens ebensoviel mußten nnverrichteter Sache wieder um- kehren. Die Begeisterung, mit der Bebel begrüßt wurde, und der Beifall, mit dem seine Worte aufgenommen wurden, spotten jeder Be- schreibnng. Und wie in Hamburg, so, entsprechend den Verhältnissen, im ganzen übrigen Deutschland. Wir können natürlich nicht jede ein- zelnc Versammlung unserer Genossen registriren, nur so viel, daß Feind wie Freund einstimmig darüber sind, daß so riesige Massen nie zuvor aus dem Plane erschienen. Das sind die Früchte von cilf Jahren Ansnahmegesetzl Und unsere Feinde sind damit noch nicht zufrieden. Sie wollen das Gesetz verewige». Wohlan, mögen sie thnn, was sie nicht lassen können. Die Sozialdemokratie hat sie nicht zu fürchten. Aber was sie auch thnn, sollen sie auf eigene Verantivortnng thnn, heiligste Pflicht der Ge- »offen ist es, ihnen auch nicht den geringsten Vorwand für ihre infamen Pläne zu liefern. Darum— laßt Euch nicht provozircn, deutsche Arbeiter! — England. Die Bewegung für den Achtstunden-Dcmoustra- tion kommt nun auch hier in Fluß. Letzten Sonntag hat eine Dele- girtenversammlung der G a s a r b e i t c r- U n i o» auf Antrag der Frau Marx-Aveling(dieselbe ist Delegirte einer weiblichen Sektion dieser Gewerkschaft) e i» st i m m i g beschlossen, sich dem Vorschlag des Pariser Kongresses anzuschließen und gleichzeitig mit den Arbeitern des Festlandes für den Achlstnndcnarbeitstag zu denionstriren. Kein Zweifel, daß weitere Gewerkschasten folgen werden, vor allen die mit den Gas- arbeitern eng vcrbündelen Kohlcnlräger und Schiffer. Auch ei» sozialistischer Verein Londons, die Bloomsbury Socialist Society, hat die Agitation für die Achtstnndendcmonstration in die Hand genomnien, und zunächst ein Zirkulär an die verschiedenen sozia- listischen und Arbeitervereine Londons verschickt, worin sie dieselben zu einer gemeinsamen Konferenz zur Besprechung der Frage einladet. Weiter hat dieser Verein dchnss Ausbrüignng der Kosten der Dcmon- stration auf den 6. Februar eine Abcndnnterhaltnng veranstaltet, auf welche wir unsere Londoner Leser an dieser Stelle ausdrücklich auf- merksam machen. IUcs Nähere darüber finden sie im Jnseratenthcil unseres Blattes. — Ein Bauernaufstand in Indien. Ein Anfstand in Indien, lesen wir in ausländischen Blättern, ist so lange nicht dagewesen, daß man sich verwundert, davon zu hören. Einer Meldung ans Bombay zufolge sind indcß thatsächlich in C h o t a N a g P u r die Kols, ein Theil der ungefähr e i n e M i l l i o n z ä h l e n d e n in den Gebirgen der Zentralproviiizen zerstreut lebenden Urbewohner in Aufstand gerathen, haben das Besitzthiim der Semindars, sowie die öffentlichen Bureaux angezündet und eine Anzahl Personen getödtet. Die Kols ver- langen Pachtnachlaß und Aufhebung der Frohnarbeit. Wie ans der Aieldnng hervorgeht, ist der Anfstand ein Stück Bauern- krieg.„Scmindars" nennt man in Indien die einheimischen Groß- grnndbcsitzer, welche ursprünglich nur Steuerpächter waren, die von ihrem Bezirk die Grundsteuer von den Bauern eintrieben und dann einen bestimmten Betrag an die Negierung des Großmoguls oder die der übrigen einheimischen Fürsten abzuliefern hatten. Wie das bei den verlvorrencn Zustände» dieser orientalischen Dcspotcnstaatcn erklärlich ist, wurden die unglücklichen Bauern von den Stencrpächtern auf das Grausamste geschunden. Der Sultan künimerte sich nicht darum, wenn in seine Kasse der Zehnten nur unverkürzt hineinfloß. Der Stcnerpächter erpreßte seinerseits von den Bauern Alles bis auf den nothdürftigsten Lebensunterhalt. Als nun die Engländer ins Land kamen, sahen sie die Seinindare genau in der nämlichen Stellung dem Bauern gegenüber, wie ihre eigenen Großgrundbesitzer in Irland gegenüber dem irischen Pächter. Der Semindar wie der irische Landlord jagten einfach den Bauern von Hans und Hof, wenn er nicht zahlen wollte, was sie ver- langten. Ohne sich die Mühe zu gebe», die rechtliche Grundlage dieses Verhältnisses in Indien zu erforschen, übertrugen die englischen Beamten einfach das rechtliche Berhältniß zwischen Landlord und Farmer auf die Beziehungen zwischen Semindar>i»d Naiot. Dabei wurden sie auch von dem Gedanken geleitet, sich i» den Semindars eine ergebene An- hängerschast heranzuziehen. Die Seiuindare waren ganz zusrieden mit dieser Rechtsverändernng, die sie zu Grundbesitzern machte, und die Raiots verstanden überhaupt nicht, was mit ihnen vorging. Erst in der Mitte dieses Jahrhunderts machten einige Rechtsforscher auf den Mißgriff anfmerksain, zur Wiedereinsetzung der Rechte der Raiots in den Besitz des Grund und Bodens konnte man sich indeß nicht mehr ent- schließen. Alan begnügte sich, einige Rechtsnormen aufzustellen, welche die Raiots gegen willkürliche Bedrückungen cinigeruiaßen sichern sollten. Erst vor Kurzem wurde der Erlaß eines solchen Gesetzes für Bengalen gemeldet. Augenscheinlich haben diese Verfügungen aber nur wenig geholfen, da sonst ivohl schwerlich die geduldigen, indischen Bauern sich gegen ihre Peiniger erhoben hätten. Bezeichnend ist es aber immerhin, daß nicht die zahmen Bengalen, die den egyptischen Fellahs an Leidensfähigkeit gleichen, sondern der„wilde" noch nicht völlig gezähmte und entmün- digte Bergstamm der Kols sich mit Gewalt sein gutes Recht zu ver- schaffen gesucht hat." Korrespondenzen. — München, Mitte Januar. Beim Eintritt ins neue Jahr durste es angezeigt sein, einen kurzen Rückblick ans das verflossene zu werfen. Hat uns dasselbe doch gar manches Erfreuliches gebracht. Und das Nene wird uns hoffentlich auch nicht stiefmütterlich behandeln, zumal die Wahlanssichten nichts weniger als ungünstig sind.— In München II. hoffe» wir zuversichtlich zn siegen. Wie es in München I. gehen wird, ist»»gewiß. Zweifellos wird sich eine beträchtliche Vermehrung der Stimmen zeigen— ob es aber reichen wird, den als opferwilligen und treuen Anhänger der Arbeitersache belvährtcn Genossen Birk in die Stichwahl zu bringen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls werden die Genossen allesammt ihr Möglichstes dazu beitragen. Ich schrieb oben von Erfreulichem, das uns 188S gebracht. Unser lieber guter Herzens-Michel, genannt Mcineids-Michcl, hat uns ver- lassen, der letzte Prozeß Birk und Genossen hat ihm das menschen- freundliche Herz abgedrückt— der arme arme Kerl! Und München existirt noch immer— ohne ihn! fast unglaublich. Der Abschied „von dieser Welt" soll ihm schwer geworden sein! Wohl glaub- lich, denn er war sehr abergläubisch; und da mag's ihm schon gruselig i geworden sein, wenn ihm, wie dies bei solchen Subjekten üblich, in den letzten Stunden alle Sünden(in Gestalt von Meineiden) eingefallen sind.„Gott habe ihn selig!" Eigcnthümlich ist es, daß er noch keinen Nachfolger gefunden hat.— Allerdings gehört ein guter Magen dazu, und sonst noch was!— Ferner segnete Pfister— früher Polizeirath— das Zeitliche. Er hat sich s. Z. unsterblich blamirt, indem er eine demokratische Versamm- lnng auflöste, iveil er nnter den Theilnehmern„amtsbekannte Sozial- demokraten" sah. So dumm wie in seinem Beruf scheint er auch im Privatleben gehandelt zn haben, denn von dem enormen Vermögen, das er durch Heirath ergatterte(einige Millionen) soll nichts mehr vor- handen sein— im Gegeutheil, der Konkurs vor der Thür stehen, trotz- dem Pfister als echte Stütze der Gesellschaft seine Häuser an der Nordendstraße zur Erzielung höherer Miethe an„deutsche Reichsjnng- frauen" vermiethete. Uebrigens soll er zu Lebzeiten von seiner t h e u- ren Gattin gar manchmal ordentlich geprügelt worden sein. Weil gerade von den„Jungfrauen" die Rede ist, sei bemerkt, daß der berühmte Blechredner Daller, ein Nachtlicht der„Schwarzen", neulich im Landtag fürchterlich über das„Strizi- und Hnrenwescn", das hier allerdings skandalös ausgebreitet ist, gedonnert hat; selbstredend er- folglos— denn wie sollte die bürgerliche Gesellschaft im Stande sein, abzuhelfen, lvenn z. B. Herzog Ludwig, ein physisch total verlotterter Mensch, täglich in der Karlsstraße zn einer I8jährigen Schauspielerin ivandert, und zwar so auffällig, daß die Kinder ans der Straße mit Fingern auf ihn deuten. Und diese traurige Sippe schimpft über die „freie Liebe", die wir angeblich anstreben. Ja, die Heiligkeit der Ehe. Ich werde demnächst ein Kapitel hierüber schreiben.— München kommt bald nach Paris.— Es kracht an allen Ecken! Jüngst kam das furchtbare Eisenbahnunglück, dem im Sommer in der Nähe von Röhrmoos, Linie München-Nürnberg. zehn Menschen- leben zum Opfer fielen, im bayerischen Landtag zur Sprache. Jeder- mann gewann kurz nach der Katastrophe den Eindruck, daß das lieder- liche System, das durch eine unverantwortliche Ansnützung der niederen Beaniten im Jahre 1888, bei 52 Millionen Mark Ausgabe, einen Ein- nahmc-Ueberschnß von 48, sage sechsundvierzig Millionen Mark erzielte, einzig und allein schuld sei.— Und was hören wir? Stanffenberg, der fortschrittlich vergötterte Stanffenberg, erklärt, trotzdem keine Woche ohne Unfall vergeht, die Verwaltung trage keine Schuld, und unser Eisenbahnminister Crailsheim fügt hinzu, 2, sage zwei Mark täglicher Verdienst sei für einen Mann vollauf genug. Zwei Mark für 16 bis 18 Stunden Arbeitszeit zur Ernährung einer Familie! Versteht man nun, was der Name Sozialreform heißt? Im Laufe des Sommers wurde hier ein nationales Turnfest ge- feiert. Es wurde furchtbar viel Bier getrunken, trotz des unnnter- brochenen Regens, und daneben in Mordspatriotismus gemacht. Die freiheitlichen Ziele, die einst mit der Turnerei verknüpft waren, sind in einem ekelhaften Scrvilismus untergegangen, der insbesondere bei einer Rede des Prinzen Ludwig, in welcher derselbe in umschreibender Form die österreichischen Turner zum Landesverrath aufforderte, den Höhe- punkt erreichte! Und der alte Georgi, der alte Freiheitsdnsler, machte auch mit— Gut Heil! Ferner hatten wir im September das Vergnügen, in den Mauern Jsar-Athens eine große, grrrrroße Katholikenversammlung zn sehen. Die schwarzen Kutten der Pfaffen und die Lederhosen der Bauern machten einen recht düsteren Eindruck, einen noch düsteren aber der Blödsinn, der geschwatzt wnrde. Eine Schniach am Ende des neun- zehnten Jahrhunderts, solch Zeug hören zu müssen. Ein willkoinmcner Anlaß war diese Versammlung für das größte Schmicrblatt Münchens, genannt„Neueste Nachrichten", K u l tu r kämpf zu treiben. In that- fächlich bübischer fiel es über die„Rctchsfeinde" her, schweifwedelte und dennnzirte nach Herzenslust! Vorläufig haben wir aber noch„Krieg im Frieden", bis die Wahlverhältiiisse sich so gestalten, daß das schwarze und das blaue Gelichter(Pack schlägt sich, Pack verträgt sich), wie schon wiederholt, znsammenmarschirt. Ja, wir haben Charaktere in München. Uebrigens gehören die Schanß, die Fischer, die Daller im Grunde genomnien als Anhänger der Privatzvirthschaft zu einander und je mehr die Masse zn dieser Einsicht kommt, desto besser für uns. Sln Aufklärung solls, soviel es möglich ist, nicht fehlen. Wir sind weit entfernt von der Illusion, als ob ourch den Reichstag etwas Ersprieß- liches erreicht werde— im Gegeutheil, wir betrachten ihn als das ver- mißte Kasperltheater, das den einzigen Zweck hat, dem Volk Sand in die Augen zu streuen, und den Herrschenden die Verantwortung für ihre liederliche Verwaltung abzunehmen. Trotzdem treten wir mit Be- geisternng in den Wahlkampf ein. Gestützt auf unsere gerechte Sache, hoffen wir durch Aufrüttelung der Massen wieder einen Schritt vor- wärts zu kommen auf dem Wege zur endlichen Befreiung der ehrlichen Arbeit. Rouge. — Aus Württemberg. Am Sonntag de» 12. ds. hatten wir die traurige Pflicht, unserm Genossen Paul Kurz, Schriftsetzer in Degerloch bei Stuttgart, das Geleite bei seiner letzten Ruhestätte zn geben. Der Verstorbene, schon verschiedene Jahre an Lungenkrankheit leidend, war stets eifrig thätig, unseren Prinzipien in seinem Wohnort Verbreitung zn verschaffen, und wurde bei der Gründung des Arbeiter- Vereins zum Kassier erwählt, welches Amt er treu verwaltete. Die Achtung und Liebe, welche er sich bei Allen, die ihn kannten. zn sichern wußte, zeigte sich am besten bei seinem Begräbniß; trotz des strömenden Regens hatten sich viele Arbeiter eingefunden und wurden sowohl im Namen verschiedener Arbeitervereine als in dem der Sozialdemokratie Kränze niedergelegt. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Auch bei uns im ganzen Land hat sich zur Wahl ein freudiger Kampfesmnth Bahn gebrochen und ist die Parole anfgenommen: Drauf mit aller Kraft! Die Wahlkoniite's sind zum großen Theil gebildet, und ebenso wie die Kandidaten fest an der Arbeit. Die Versammlungen, die abgehalten ivcrden können, sind zahlreich besucht und überall werden unsere Kandidaten von den Arbeitern mit Freuden aufgenommen. Wir haben die feste Zuversicht, daß wir an Stimmen in Schwaben viel gewinnen; wenn es uns auch schiver werden wird, schon einen Sitz zu erobern, so werden wir bestimmt das nächst: Mal dazu lom- mcn, wenn's so weiter geht. — Karlsruhe.(N a ch r n f.) Am 8. Januar haben wir einem treuen Kämpfer für Wahrheit und Recht das letzte Geleit gegeben. Genosse Peter Weist, Schuhmacher, ans E d e n k o b e n ist nach 18wöchc»tlichem Krankenlager an der Proletarierkrankheit am 6. Jan. Mittags 3-/4 Uhr, im 44. Lebensjahre verschieden. Alle, die ihn kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Schändlich war die Art, wie die Spitalverwaltung mit der Leiche dieses Proletariers verfuhr. Seine Freunde, die ihm das letzte Geleit geben wollten, fauden den verschlossenen Sarg in der Leichenhalle stehen. Auf ihre Reklamationen wurde der Sarg geöffnet, und da zeigte sich, daß man unser» Freund in einem Zustande, der jeder Beschreibung spottet, im Spital eingesargt hatte. Es waren außer zwei nmnimdigen Kindern keine Verwandten vorhanden, und somit machte man kiirzeu Prozeß. Der Körper des Todten lag auf der Seite, der Kopf einige Centimetcr tiefer als die Brust, mit einem kurzen schmutzigen bunten Hemd bedeckt. Aber— ein Pfaffe wnrde geschickt. Indeß war derselbe gleich fertig, denn eine rothe Schleife besagte ihm, daß er hier überflüssig sei. Briefkasten der Redaktion: Rinaldini: Für diese Nummer zu spät, daher in nächster. Besten Dank. der Expedition: G. G. Avrs.: Sh. 4.8 Ab. 1. Qu. crh.— O. N. Efd.: Sh. 17.6 Ab. per 90 erh.— W. G. Amstd.: Pfd. 1.8.— f. Porto 1890 n. Schft. crh. Bfl. Weiteres.— Bz. Ahm.: Pfd. 1.2.7 f. Schft. u. Ab.-Rest 89, sowie 1. u. 2. Qu. 90 erh. Bestllg. abgg. Sh. 10.— hievon dem Wsd. dkd. zugeführt.— Romülus: Dank für Nachr. v. 20/1. Wie Sie sehen, ist auch von dort anderseits berichtet. Weiteres angenehm.— Clara: Adr.-Veränderung mit 4 bewirkt. Aber die Mark betrüge sind noch immer Ihr Geheimniß und zivar zu Ihrem Schaden. Bestllg. notirt.— Rother Apostel: Wünsche vom 21/1 wurden briefl. erfüllt. Avisirtes erwarten und freuen uns Ihrer weiteren Entschlüsse. Gruß!— Wohlgemnth: Sie sind nicht der Einzige „gemüthlich Gesächserte." Werden das Nöthige besorgen, aber Bfe. nach London(!) ohne Hausnummer verlaufen sich auch mitunter in Teufels Küche. Also? Ad. u. Bestllg. haben w i r genau notirt.— Mouvement: Der neuere Schritt macht Ihrer Firma alle Ehre. Ge- meldetcs geordnet n. beachtet. Beide— r's wurden übrigens je zwei- mal benützt. Bfl. Näheres.— Rother Eisenwurm: Wir nehmen dementsprechend gerne Rücksicht, aber die kleine Gegrchng. im ganzen Qnar- tal war doch etwas z u wenig. Adr. notiren. Bfl. mehr.— T. v. M.: Mk. 84.40 a Cto. Ab. u. Schft. erh. Weiteres bfl.— Dtsch. sozd. Leseklub Paris: Fr. 71.55 f. Ab. 4. Qu. 89». Schft. erh. Alles beachtet n. bfl. Spezialqnttg. abgg.— Rother Hussite: Adr.-Angelegen- heit v. 22/1 haben erledigt u. Weiteres ad notarn genomnien.— E. Stgr. London: Sh. 1. 10 f. Schft. erh. Sh. 7. 6 gesammelt im Schweizerklub, siehe Spezialquittnng.— C. A. B. Verein London: 5 Pfd. 3. Rate Wfd. crh. n. nach Vorschrift quittirt.— Urania: ttn- begreiflich. Abgang der Sdg. ist uns wiederholt versichert worden. Werden Wandel schaffen u. Weiteres betr. Mist, beachten.— Knurr- Hahn: Stimmt. Jrthum unsrerseits. Mk. 90.— per Ab. 4. Qu. zc. u. 1 dir. 90 crh. Weiteres notirt.— Veilchenstein: Mk. 300.— a Cto. Ab. zc. erh. u. Adr. geord. Die Rittergeschichte des„Alis- ländcrs" glauben wir zweimal. Sie doch auch? S. werden ver- sorgen. Zur Reserenzvermittlnng sind stets nähere Angaben beizufügen. Bfl. Weiteres.— Merlin: Weitersdg. erfolgt lt. Bf. v. 26/1. — R. Z. Prstz.: Mk. 4.10 f. Schft. erh. Sdg. u. Nota folgt uach Vorschrift. Wahlgelder direkt an A. Bebel, Hohcstraße 22, Plauen bei Dresden. Gruß!— W. F. Schmdt. Philadelphia: 2 Pfd. a Cto. Ab. zc. erh.— Th. Rdtke. San Franziska: 2 Doll. f. 1 Ab. per 90 n. 1 Doll. f. 1 IIb. 1. u. 2. Qu. crh. Schw. L. ist z.Z. nicht komplett. Also her mit Näherem betr. des Erfragten.— H. Ntzsch. T. o. U. u. F. Prcht. New Uork: Pfd. 3. 7. 4 a Cto. Ab. u. Schft. crh. u. nach Vrschft. Fr. 34.46 Cto. N. gebucht. Ebenso Beigabe v. 50 Cts. f. Thfldr. N.'s Wünsche werden erfüllt. 1 Doll. v. N. per Athl. 695 f. Ilfds. dkd. erh. Warum M. O. nicht zahlbar per Kienti8lr T o w n P o s t o f f i c e an E. B. u. Co.? Siehe in Nr. 1 des S. alle Posteinzahlungen Anlangendes; ebenso Nr. 3 n. 14 1889!— Blutrose Bltmre.: Alter Freund, ich ärgere mich noch immer mit den Sündern herum, denen nnsre geschäftlichen Bekanntgaben schnuppe sind. Siehe einige Zeilen oberhalb den kürzesten Weg zur Besserung u. wandle ihn! Im Weiteren well don« u. allseits beste Grüße! Ec. wird deine Fragen 1, 2 3,„an der Bank vorbei", bfl. zu würdigen wissen!— I. G. Paris: Fr. 5.— f. Ab. 4. Qu. 89 n. 1. Qu. 90 erh.— Rubikon: Stimmt. Qnttg. steht auch in Nr. 2.?ldr. lt. Vorlage v. 27/1 notirt.— Fernandez: Gewünschtes folgt bfl. Adr. K. geord.— Gscheidtle: Bestllg. v. 26/1 erh. Werden sehen, ob's noch reicht u. beachten das Weitere. Scheint Alles befriedigt. Gruß! — Rinaldini: Zum Zweitenmal erhalte» wir Ihre freundliche Post mit 5 Py. Strafporto. Je 15 Gramm kosten 20 Oere u. Ihre Briefe waren Doppel bricfe. Dies nur ordnungshalber.— Maria: Wahlwirbelnd, Werbesignale dnrchwellcn die Lüfte; kampslustentfesselte Reihen im Feld. Hoffnung, zn sprengen Angstrcichs- tagsmodergeklüfte, harret neudichterthumgrüßend auf— Geld!— I. Hpt. St. Louis: Sie und mehrere Leser dort sind gewillt,„jedes gelesene Blatt per Couvert mit 5 Cents frankirt, au irgend einen Zu- friedcnen in Deutschland oder Oesterreich zu senden, wenn w i r Ihnen eine Liste solcher Zufriedenen irgend eines Erdcnwinkels daselbst zukommen lassen"—? Bravo! Aber wie wärs, wenn Sie dieses Problem in Amerika durchführten? S i c senden an alle in dortigen deutschen Zlrbeiterblättern publizirten Adressen von Vcrcins- rnid Gewcrkschafts- zc. Vertrauensleuten reihum per Kreuzband die disponiblen Blätter. Slnf jedes stempeln Sie die Worte:„Lesen und weitergeben!"— für gutgemachtes Porto beziehen Sie bei uns weiteren Stoff(sozd. Sdiriften?c.) zu gleichem Zweck. W i r� aber sorgen in Deutschland u. Oesterreich für das Weitere, mit und ohne Liste der Zufriedenen. Sind Sie's zufrieden, so ist Allen geholfen. Gruß indessen I— ---- Röhrli: Fr. 7. 50 Ab. 4. Q». f. O. it. Sch. in O. erh.— I. Kpps. Zrch.: Fr. 3.— Ab. 4. Qu. erh.- D. V. Rhfldn.: Fr. 2.35 Ab. 1. Qu. erh„— M. U'straß: Fr. 2.— Ab. k. Qu. erh.— Wahlfond-Qunttung. Zur Weiterbeförderung sind an unsere Adresse eingegangen: Bisher auittirt(siehe Nr. 4)..... Mk. 2726.67 Von R. Ahm......... 5.— .. B...........„ 5.- Sektion Baltimore durch F. W. Fritzsche Pfd. 10. 5. 4.„ 205. 32 Gesammelt vom Commun. Arb.-Bild.-Verein London Pfd. 5.—.—.(3. Rate) (Hierbei Shl. 7.6 Restbetrag der Sammlung im Schweizerklub).......(j zoo.— Zusammen Mk. 3041. 99 Abend-Unterhaltung IN Gunsten des Fonds siir die Ächtstunden-Zemouliration am t. Mai. Veranstaltet von der Bloomsbury Socialist Society. EGT Mittwoch den 5. Februar, Abends 8 Uhr"Tg Athenäum Hall, 73 Tottenham Court Road. Die Leitung hat Dr. Eduard B. Aveling übernommc». Zur Aufführung gelangen n. Sl. zwei Einakter von Alec Nelson: „The landlady" und„For Her Salle". Eintritt 6 Pence, Reservirte Plätze 1 Shl., Nummerirtc Sitze 2 Shl. Billets sind zn haben bei: W. Bartlett, 51 Euston Road, Rhrs. Wardle, 559 Caledonian Road, und W. Hoffmann, Totteu- Hain Street 49, Tottenham Court Road. Anläßlich der Wahlbewegmig dringendll empfohlen: Hlnfere Ziele. Von A. Bebel. Preis 30 Pfennig— 35 Centims. ' �-*** „Nieder mit dro SWidemkrote»". Von W. Bracke. Preis 15 Pf.= 15 Cts. *** Ne Zcarier in ilnrd-Amerikn. Eine Warnung vor kommunistischen Kolonialgründuugc». Von A. H e p n e r. Preis: 40 Pfg.— 50 Cts. ZahlrAchen Bestellungen sehen entgegen E. Lernstein(c Co.. 114 Kentish Town Road, London NW» Printed for the proprietor» bj tbe German Cooperativ« Publishing' Co. 114 Kentish Town Road London N. W.