Kvonnements «ttdt» t«Im T-rlag und dessen bekaunlm Agenten entgegen- genommen, und t«ar>um dorou»»ahl»a»«»» vierlilZahrdpri!«»on! I»I. 4,40 svr Deuil»land(btrett per Httif-Soutieci) twfl. 8,75 fllr CeRmeH(direkt per �tlef-Soudett) tlltl. 2,— flit alle übrigen Länder «» Weltpopveret»»(Kreut'.and). Zuser-te dl« dreigespaltene Petiigeil« »Pene«--- 85 Pfg.— 80«». Argan der Sozialdemokratie deutscher Zunge. Erscheint wöchentlich einmal in London. Zlcrrag der (Jvrxnlm CooperatirePublishing Co. E. Bernstein& Co., London N. W, 114 Kentish Town Road. fojffabuüßca frank» gegen s r a» k». Gewöhnlich« Briese »ach England koslen Doppelpori». M. 14. Briefe an die»edakkian und iiip«diti»n de» in Denischland und Oesterreich verbotene».Eogialdemokrat' wolle man unter Beobachtung äußerster Vorsicht abgehen lassen. An der Regel schicke man uns die Briese nicht direkt, sondern an die bekannten Deckadresse». An>weif«lhast<» Fällen eingeschrieben. K. April 1890. Zur Frage der Achtstundendemonstration. In der sozialistischen und Arbeiter-Preffe Deutschlands hat sich neuerdings eine lebhafte Diskussion darüber entsponnen, in welcher Weise am zweckmäßigsten der Beschluß des Pariser Kongresses zur Ausführung zu bringen sei, der die Arbeiter aller Länder auffordert, am ersten Mai für die Einführung des achtstündigen Arbeitstages Manifestationen zu veranstalten. Leider ist die Debatte nicht durchweg auf dem Boden fach- licher Erörterung gehalten worden, was namentlich deshalb zu bedauern ist, weil die Hineinziehung persönlicher und örtlicher Gegensätze leicht zur Verschiebung der sachlichen Gesichtspunkte führt. Unter diesen Umständen glauben wir einer Pflicht nachzukommen, wenn wir in ruhiger, leidenschaftsloser Weise diejenigen Momente erörtern, die bei dieser wichtigen Frage hauptsächlich in Betracht zu ziehen sind. Wie unsere Leser wissen, haben sich schon seit Monaten massenhaft Arbeiterversamnilungen in Deutschland dafür er- klärt, den ersten Mai als einen Arbeiterfeiertag zu begehen. Namentlich in Berlin war die Bewegung in diesem Sinne sehr stark, es verlief kaum eine Arbeiterversammlung, sei es fachlichen oder politischeil Charakters, in der nicht am Schluß eine Resolution in diesem Sinne gefaßt wurde. Auch in der Arbeiterpresse herrschte lange Zeit in diesem Punkte Eiiligkeit. Meinungsverschiedenheiteil erhoben sich erst, als — unseres Wissens zuerst in der Gewerkschaftspresse— die sehr berechtigte Frage erörtert wurde, wie denn nun dieser Feiertag begangen werden solle, um sich, und zwar in würdigster und eindrucksvollster Weise auch äußerlich als solcher zu kenn- zeichnen. Wie in der Natur der Sache liegt, traten bei der Diskussion der Einzelnheiten erst die Schwierigkeiten zu Tage, die sich der allseitigen Durchführung des obigen Beschlusses in den Weg stellen. Es wurde auch die Frage erörtert, was die vorgeschrittene Arbeiterschaft derjenigen Orte, an welchen die Bewegung nicht stark genug sei, um den Arbeiterfeiertag zu erzwingen, thun solle, um auch ihrerseits möglichst wirk- sam im Sinne der Pariser-'Nesolution zu demonstrire». Schließlich glaubten eine Anzahl Berliner Genossen, die theils in der politischen, theils in der Gewerkschaftsbewegung eine Vertrauensstellung einnehmen, mit einem b e st i ni m t e ii V o r- schlag heraustreten zu sollen. Sie veröffentlichten Ende der vorvorigen Woche im Berliner„Volksblatt" und der„Volks- Tribüne" folgenden Aufruf: „Was soll am 1. Mai geschehen? „Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns von diesem Tage. Es ist daher nothwcudig. mit aller Äraft die Agitation zur Feier der Acht- stundcnbewegung in die Hand zu nehmen, die Massen aufzuklären, damit der Sieg der Arbeiterschaft am 1. Mai mit dem vom 20. Februar sich deckt. Die Agitation für die Verkürzung der Arbeitszeit ist jetzt um so nothwendiger, da auf dem Programm der internationalen Arbeiterschutz- jkonferenz sich nichts findet, was die Einführung eines Maximal- Arbeitstages bedingt. Zeigen wir daher, daß wir die Verkürzung der Arbeitszeit wollen. Wie kann dieses geschehen? In allen Jndnstricftädtcn, in denen starke Organisationen bestehen, ist der 1. Mai ein Feiertag. Alle Gewerkt ruhen! Die Unternehmer sind hiervon rechtzeitig zu benachrichtigen. Im Laufe des Vormittags finden öffentliche Versammlungen statt mit der Tagesordnung:„Die Achtftundenbewegung." Der Nachmittag gehört der Familie. Hinaus ins Freie! In allen andern Orten, in denen keine ausgeprägt starken Arbeiter- organisationen bestehen, der Proklamirung des Feiertags Schwierigkeiten im Wege stehen, mag irgend einer der Interessenten zu einer den Ver- hältntsscn des Orts entsprechenden Zeit ebenfalls eine öffentliche Versammlung mit dem gleichen Thema einberufen. Also: überall, in dem kleinsten Flecken Deutschlands, am I. Mai öffentliche Versammlungen, das gleich« Thema und die gleiche Begei- sterung für die Verkürzung der Arbeitszeit! Die in den Versammlungen zu fassenden Resolutionen find mit Angabe der Anzahl der löetheiligten an die Arbeitervertreter im Reichs- tage zu senden. Ferner: In allen Versammlungen arraugire man eine Massenpctition, das Material kann durch die Expedition der„Berliner Volks-Tribüne" im Laufe der nächsten Woche bezogen tverden. Sollten wider Erwarten die Versammlungen verboten werden, so ist dennoch die Unterschriftensammlung vorzunehmen, und die ausgefüllten Petitionsbogen mit Angabe der Gründe des Verbots der Versammlung sind an die Unterzeichneten einzusenden. l1/» Millionen Stimmen am 20. Februar! 2 Millionen Unterschriften am 1. Mai. Das sei die Parole." Gegen die hier entwickelten Vorschläge läßt sich grundsätz- lich nichts sagen, so viel man vom Zweckmäßigkeitsstandpunkt gegen den Einen oder den Andern einwenden mag. Es würde daher unseres Erachtens die betreffenden Berliner Genossen, wenn sie sie als solche den Arbeitern und Genossen in Deutsch- land unterbreitet hätten, nicht nur kein Tadel treffen können, sondern im Gegentheil ihnen volle Anerkennung ge- bühren. Einen Fehler haben sie dagegen damit gemacht, daß sio sofort, ohne die Genossen anderer Orte, und vor allen Dingen diejenigen Genossen zu hören, denen durch das Ver- trauen der Gesammtpartei die Leitung der Parteiangelegen- heilen übertragen ist— wir meinen den Fraktionsvorstand— eine allgenleine Parole ausgaben. Dadurch haben sie grade das erschwert, was sie doch hauptsächlich bewirken wollten: ein einheitliches Vorgehen in ganz Deutschland. Die Stimme der Berliner Arbeiterschaft hat mit Recht weithin im Reich großes Gewicht, und zwar um so mehr, mit je weniger Prä- tention sie abgegeben wird. Jede Absichtlichkeit reizt dagegen zuni Widerspruch. Die Berliner Genossen weisen auf die kurze Spanne Zeit hin, die uns noch von dem 1. Mai trennt, und das entschuldigt ihr plötzliches Vorgehen; denn die Zeit drängt, endgültig Stellung zu nehmen. Aber ein bedauerlicher Fehler bleibt es doch. Auf ein paar Tage wäre es schließlich nicht angekommen, und die hätten, so weit wir die Verhält- nisse beurtheilen können, genügt, ein Einvernehmen in den Hauptpunkten zu erzielen. Die leidige Auseinandersetzung, die seitdem erfolgt ist, wäre den Genossen erspart geblieben. Wir fühlen nicht den Beruf in uns, de» Sittenrichter der Partei zu spielen, und haben weder die Neigung noch das Mandat, uns in die internen Angelegenheiten derselben ein- zumischen, lassen uns also auf die mehr persönliche Seite der Auseinandersetzung nicht ein. Von Seiten des Fraktionsvor- standes— d. h. des Vorstandes der alten Reichstags- Fraktion, der bis zum Zusammentritt der neuen noch in Kraft ist— ist die Absicht geäußert worden, mit einer endgültigen Beschlußfassung, was geschehen soll, bis zum Zusammentritt des Reichstags, der Mitte April erfolgen soll, zu warten, d. h. dieselbe der neuen Fraktion zu unterbreiten, wogegen Max Schippel, Redakteur der Berliner„Volkstribüne" und Mitunterzeichner des Berliner Aufrufs, geltend macht, daß es alsdann zu spät sein würde, noch eine Kuildgebung von der erforderlichen Großartigkeit zu organisiren. Inzwischen ist nun mit Bezug auf den eigentlichen Kern der Frage ein weiterer Gesichtspunkt geltend gemacht worden, der nach unserer Ansicht die allerdings reiflichste Ueberlegung beanspruchen darf. Wir meinen den bereits in verschiedenen Arbeiterblättern ausgesprochenen Hinweis auf die provokatori- scheu Absichten unserer Gegner. Der in der Regel gut unterrichtete deutsche Korrespondent der„Wiener Arbeiter-Ztg." schreibt in Bezug hierauf unterm 25. März: „Sobald der Reichstag zusammentritt, und das soll um die Mitte April geschehen, wird die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages vor allen Dingen Stellung zu nehmen haben zu dem, was am 1. Mai geschehen soll; d. h. fi« wird beschliesten, welche Parole sie als Richt- schnür für die Demonstration zu Gunsten des achtstündigen Arbeits- tages für die Partei und auch für die Arbeiterklasse ausgeben will. Die Sachlage ist nicht so einfach, wie man theilweise in der Partei selbst glaubt. Es ist nicht zu bestreiten, daß der Ausfall der Wahlen in die wci- testen Slrbeiterkreise eine Aufregung und einen Optimismus über das, was sie vermochten, getragen hat, daß nicht nachdrücklich genug vor Ueberschätzungen gewarnt werden kann. Ans der anderen Seite ist die gcsammte Bourgeoisie sowohl über den Ausfall der Wahlen, wie über das, was der erste Mai bringen mag, in nicht niindercr Er- regnng, und so könnte es bei dieser Gestaltung der Dinge leicht zu Konflikten kommen, die nicht mchr durch die Polizeigcwalt, sondern durch die Militärgewalt geschlichtet werden. Es unterliegt keinem Zweifel, dag die in voriger Woche in Berlin stattgehabte Konferenz der Kommandeure sämmtlicher Armeekorps in engster Beziehung zu der beabsichtigten Dcmon- stration am ersten Mai und den etwa ihr folgenden Arbeitseinstellungen stand, um gegebenen Falles ausbrechende Konflikte im Blute zu er- tränken. Die Drohung mit den„Zerschmettern" ist nicht umsonst gefallen." Aehnlich äußert sich Genosse Liebknecht. Derselbe weist in einer Zuschrift an die„Sächsische Arbeiterztg." ausdrück- lich auf bestimmte Auslassungen der„Hamburger Nach- richten" und der„Norddeutsch«! Allgemeinen Ztg." hin, aus denen hervorgehe, daß„das Hetz- und Lockspitzelthum", das „trotz der Beseitigung des Hauptmanns noch immer an seiner unsaubern Arbeit sei, um das Werk der potttischen Reinigung und sozialen Regeneration zu hindern", auf den 1. Mai „große Hoffnungen gesetzt habe�, und hebt weiter hervor, daß in dem größten deutschen Stcat dem ersten Mai ein kirch- licher Feiertag(der preußische Bußtag) vorausgeht, was die Abhaltung eines Feiertags gleich darauf fast unmöglich mache. Es sind das unseres Erachbns Einwände, die nicht kurzerhand abzufertigen find, und d:re» sorgfältige Erwägung kein vernünftiger Genosse von der Hand weisen wird. Es erhebt sich aber um so dringender du von den Berlinern aufgewor- fe»e Frage: was soll am 1. Mai geschehen? Es handelt sich nicht nur tm die Stellung der deutschen Arbeiter, sondern der Arbeite, aller Länder. Deutschland steht heute an der Spitze der nodernen Arbeiterbewegung, die Augen der vorgeschrittenen Aweiter aller Länder sind auf die Bewegung ihrer deutschen Brider gerichtet. Wie der Wahl- sieg derselben sie alle begeister', ihnen»teilen Muth eingeflößt hat, so kann auch das Verlalten der Deutschen in dieser Frage nicht ohne Rückwirkung auf sie bleiben. Zum Minde- sten ist es nothwendig, daß ie rechtzeitig über die Schritte derselben aufgeklärt werden. Die in Paris gefaßte Reso- lution überläßt es verständigwweise den Arbeitern der verschiedenen Länder, die Manifesation in der Weise zu ver- anstalten, welche die Gesetze und Verhältnisse da- selbst bedingen, bezw. �möglichen. Sie läßt ihnen freie Hand, die Form zu wällen, die ihnen am zweckmäßig- sten erscheint. Zu welchem Entschluß alsc immer die deutschen Genossen kommen, sobald sie ihn rechtxitig unter Anführung der maß- gebenden Gründe bekannt nuchen, hat das für das Ausland nichts auf sich. Anders der gegenwärtige Zustand der Unge- wißheit. Dieser kann nur ahmend auf die andern Länder zurückwirken. Die bürgerlich Presse derselben kolportirt sehr sorgfältig jede Nachricht, die jeeignet ist, gegen die Achtstunden- bewegung Stimmung zu machen. So wurde z. B. die Aeilßerung Schippels, daß er„vom 1. Mai gar nichts mehr erwarte", sofort in alle Welt hinaustelegraphirt. Und andere Stimmen werden nicht minder ausgebeutet werden.*) Unter diesen Umständen ist es allerdings sehr wünschens- werth, daß die Entscheidung sobald als nur irgend t h u n l i ch getroffen wird. Wir enthalten uns absichtlich jeder Stellungnahme zu den oben erwähnten und sonstigen Vorschlägen, weil hier Faktoren in Betracht zu ziehen sind, für die uns, als Außenstehenden, der richtige Maßstab fehlt, und weil es sich um Zweckmäßigkeitsfragen, nicht um Fragen des Prinzips handelt. Wir sind überzeugt, daß alle Genossen darin einstimmig sind, das unsaubre Spiel unsrer reaktionären Widersacher nach Kräften zu verderben, sowohl indem etwaigen ProvokationS- gelüsten derselben nach Kräften entgegengewirkt wird, als auch indem-Mittel und Wege gesucht werden Das trotzdem zu erzielen, was jene zu vereiteln bestrebt sind. Auf der Basis dieses Grundgedankens ist eine Verständigung sehr wohl möglich, und nichts sollte unterlassen werden, was geeignet ist, eine solche, wir wiederholen, sobald als möglich herbeizuführen. Erwiderung. Auf die in Nr. 12 unseres Blattes enthaltenen Artikel„Ans der russischen Bewegnng" geht uns folgende Erwiderung zu, der wir die Aufnahme nicht versagen zu sollen glauben. Paris, den 26. März 1890. In Numero 12 des„Sozialdemokrat" finden wir einen Artikel, be- titelt„Aus der russischen revolutionären Bewegung", in welchem eine unlängst vom„Bund der russischen Sozialdemokraten" herausgegebene Broschüre,„Die Rede des Peter Sllexcjeff", resp. die Vorrede von G. Plechanoff zu derselben besprochen wird. Wir ersuchen die Re- daktion des„Sozialdemokrat" höflichst um Abdruck folgender ganz kurzer Bemerkungen über den Sachinhalt des erwähnten Artikels, da derselbe, nach unserer Meinimg, nicht geeignet ist, dem lesenden deutschen Arbeiter eine richtige Vorstellung von dem Entwicklungsgang der russischen revolutionären Bewegnng zu geben.— Was zunächst den in der„Korre- spondenz" gebrachten Bericht über die letzte Ausgabe der russischen Slrbeiterbibliothek anbetrifft, so entspricht derselbe keineswegs der Wirk- lichkeit. Der rund fünf Druckseiten in 16° langen„trefflichen" Vorrede des Herrn Plechanoff kann man alle möglichen Ziele zuschreiben, nur nicht das eine: das Klassenbewußtsein des russischen Slrbeitcrs zu klären. Die Art und Weise,„populär und lcichtfaßlich" die Prinzipien des Arbeiterprogramms zu entwickeln, erscheint in der Vorrede in einer Form, die als durchaus verwerflich erklärt werden muß. Unsrer Meinung nach bleibt der Satz, daß den Arbeitern nur durch die Arbeiter selbst geholfen werden könne, eine bloße Phrase, wenn derselbe nicht, wie üblich, begründet wird. Anstatt einer solchen Begründung finden wir aber in der Vorrede— den Hinweis auf die „Millionen westeuropäischer Arbeiter"! Ebensowenig wird der russische Arbeiter über die Bedeutung der in die Hände der Arbeiter- klasse zu gelangenden Staatsgewalt aufgeklärt, wenn er die bloße Behauptung liest, die Arbeiter in Westeuropa stellen sich das Ziel,„die Staatsgewalt zu ergreifen und kurzen Prozeß mit ihren Unterdrückern zu machen." Mit solchen Propagandamitteln kann man heutzutage nicht ans Werk gehen, weder in Westeuropa, noch in Ruß- land... Im Allgemeinen sind wir weit entfernt, dem Herrn Plechanoff einen Vorwurf daraus zu machen, daß er nicht alle diejenigen Fragen gründlich erörtert hat, welche er, wegen„Mangel an Platz", nur eu passaut berührt hat.— Wir wollen nur bemerken, daß die Korrespondenz seiner Vorrede eine Tragweite zuschreibt, auf welche sie keinen Anspruch niachen kann. Den hervorragendsten Theil der Vorrede des Herrn Plechanoff— und in dieser Hinsicht ist die„Korrespondenz" ein wahrer, obgleich abge- schwächter Widerklang derselben— bildet die Frag« über die„russische Intelligenz", über die von der russischen Regierung vielgehetztc Und ge- marterte„russische intelligente Jugend". Ueber diese werden in der „Korrespondenz" folgende Behauptungen aufgestellt: I)„Das Lob der russischen intelligenten Jugend der 70er Jahre war durchaus berechtigt und am Platze"....„die Zeiten haben sich aber seitdem gewaltig geändert", und„die Arbeiter dürfen jetzt nicht auf die intelligente Jugend als Ganzes für ihre Befreiung zählen, denn diese „beginnt, das Bolk zu vergessen"..., ausgenommen„die Leute, die aus de» Reihen derselben hervorgegangen sind, vorausgesetzt, daß sie sich ganz auf die Seite des Proletariats geschlagen haben." 2)„Jetzt lautet die Parole der intelligenten Jugend als Ganze? entweder: es gibt in Rußland keine Arbeiter, oder aber: die Arbeiter sind zu dumm und zu umvissend, um sich an sie wenden z» können/ 3)„In den Augen vieler russischer Revolutionäre galt und gilt noch jetzt die Intelligenz und ganz besonders die intelligente Jugend als das providentiell-revolutionäre Element pur excellenoe, als das auserwählte Israel der sozialen Wiedergeburt, das aus Idealismus und ohne Mit- Wirkung der breiten VolkSmasse, nur mit Heranziehung derselben, eine soziale Revolution tragen... könne." Und wie behandelt Herr Plechanoff dieses Thema in seiner Vorrede zur Broschüre„Die Rede von Peter Alexejeff"? Ganz einfach! Von einer Entgegensetzung der russischen Intelligenz als Ganzes z» einzelnen Ueberläufern aus den Reihen derselben, die der Herr Verfasser der Korrespondenz bei Herr» Plechanoff angetroffen haben will, finden wir in der Vorrede keine Spur. Herr Plechanoff verführt Heit der Frage viel„populärer." Nachdem er tm Äorübergehe» die Bemerkung fallen gelassen, die Thätigkeit der intelligenten Jugend unter dem Volke in den 70er Jahren, dereu P. Alexejeff mit so viel Enthusiasmus gedenkt, sei eigentlich nur„lautes Geschrei" gewesen, führt er seinem Leser eine Reihe von Individuen, ganz spezieller Auswahl, vor, die, mit dem An- häugsel„einige wie dieser" versehen, den Eindruck, welchen der En- thusiasmns des P. Alexejeff wohl hervorrufen könnte, zu paralisiren haben, und die„Schlechten" aus der russischen Intelligenz repräsentiren sollen. Selbstverständlich werden sie gleich darauf sämmtlich vom Felsen seines gerechten Zornes heruntergedonnert, und nun wird die Aufmerk- samkeit der Arbeiter auf die„Guten" gerichtet, deren sozialistische Ver- trauenswürdigkeit durch die Unterschrist des Herrn Plechanoff selbst be- stätigt wird,— eine wie die Welt alte Methode, Frage», anstatt zu lösen, noch mehr zu verwickeln, welche Methode dabei aber nie die Wirkung verfehlt hat, daß sie Denjenigen, der sie anwendet, imuier in *) Auch der vorerwähnte Brief Liebknechts wird von der Reuter'- schen Agentur überallhin gemeldet. zur Abwechslung ein paar sentimentale Schnapsthränen vergossen hatte. wurde er deshalb auch urplötzlich ganz mögschensrill. Freilich— es wird nicht lange dauern, so führt er irgend eine Teufelei aus— denn Ruhe halt der nicht; und es stehen uns noch erbauliche Szenen. bevor zwischen dem„treuen Vasall" und dem rebellischen Lehnsherrn, der sich von seinem„ergebenen Diener" nicht will kommapdireu lassen. Ich frage aber: wenn die Vorsehung eine Wahrheit wäre und den allerhöchsten Weltverstand hätte, könnte sie die Auslösung des modernen Klassenstaats und der herrschenden Mustergesellschaft pfiffiger, systcmati- scher, raffiuirter vorbereiten und beschleunigen, als dies durch die ober st en Hüter der Ordnung geschie h t, welche den histori- schen Entwicklungsgesetzen ein Schnippchen schlagen zu können vermeinen, und nur deren ohnmächtige Vollstrecker sind?- Inzwischen bietet der vergangene und gegangen wordene Zäsar sein Möglichstesaus, um das Rothe Gespenst nochmal» hcrauszube- schwören. Der 1. Mai ist der Popanz, welcher dazu verwerthet werden soll; eine allgemeine Arbeitseinstellung stehe au jenem Tage bevor, und die„rothe Umsturzpartci" werde sich, wie ein hungriger Wolf auf das arme unschuldige Lamm von Bourgeoisie stürzen. So weit die Finger des vergangenen Zäsar noch reichen— und bekanntlich sind sie recht lang— tauchen Gruselgeschichten auf und wird der „rothe Lappen wacker geschwungen". Aus einer Schlägerei in Köpenick, welche von der Polizei provozirt war und Inder Spitzel ihr Wesen trieben, wird ein furchtbarer Aufruhr gemacht— ein Rcvolutiousversuch; und ein paar wohlverdiente Ohrfeigen, die ein paar Leipziger„Schlcpper"-Studettten au den zwei Wahltagen erhalten, sollen mit aller Gewalt zu„sozialdemokratischem Terrorismus" aufge- bauscht werden.— Nun. das Spiel ist vor der Wahl mifilungen, es wird auch nach der Wahl mißlingen. Freilich wird es nöthig sein, daß die Parteigenossen sehr auf der Hut sind, und daß sie namentlich nichts thun, was den Zweck des I. Mai vereiteln, und den Feinden des arbeitenden Volkes Waffen in die Hand drücken könnte. Ist auch der Hauptführer der Reaktion für den Augenblick beseitigt, so hat die Hydra doch noch gar viele Köpfe— und ihre Macht ist bei Weitem noch nicht gebrochen, lind all ihre Macht wird darauf gerichtet sein, die gehaßte und gesürchtcte Sozialdemokratie zu T h o r h e i t e n zu verleiten, und auf die eine oder andere Weise Ausbrüche zu provoziren, welche zur Anwendung der Puttkamer'schen Kanonen die erwünschte Gelegenheit geben. Kanonen und S t a n d r e ch t— das ist den Gewalthabern die lieb st e Lösung der sozialen Frage. — Wider die„unsicheren" Korrespondenten. Die„Berliner Volkszeitung" nagelt in ihrer Nummer vom 28. Rlärz die Thalsache fest, daß die von der„Daily News" jüngst veröffentlichten„sibirischen Briefe" weiter nichts sind als wörtliche llebersctzungen der von ihr selbst einige Tage vorher gebrachten sibirischen Briefe, wo- gegen an sich nichts einzuwenden sei, wenn nicht, was der Anstand erfor- dcrt hätte, die Slngabe der„Volkszeitung" als Quelle, unterlassen worden sei.„Wir vermuthen indcß," fährt das demokratische Blatt fort, „daß die Redaktion der„Daily News" selbst nicht schuld daran ist, sondern daß dieses schamlose Plagiat auf das Konto ihres hiesigen Be- richterstatters, eines Herrn PhtlippGoldschmicd, fällt, der sich zur Zeit, als die„Volkszcitung" widerrechtlich unterdrückt worden war, nicht entblödet hat, sein Blatt dadurch irre zu führen, daß er telcgra- phisch die Unterdrückung als eine gerechte Strafe für„höchst schamlose" Artikel kennzeichnete. Man erlebte damals das erbauliche Schauspiel, daß ein ganz in unserem eigenen Geiste demokratisches englisches Blatt zur Verdächtigung und Verunglimpfung der gegen das System Bismarck ankämpfenden Opposition mißbraucht wurde. Derartige Reptilienmanier hiesiger englischer Korrespondenten findet ihre naturgemäße Erklärung darin, daß sie die Erlaubniß, im Reichskanzleramt einige» Jnformatio»»- abhiib zusanimenschnorreu zu dürfen, durch Liebedienerei gegen den all- mächtigen Mann erkaufen zu müssen glaubten. Unwürdig genug für große liberale Zeitungen Englands ist aber eine solche Beschmutzung der eigenen Prinzipien. Hoffentlich wird auch das sich jetzt ändern." Zeit wäre es geiviß. Aber wir haben herzlich wenig Vertrauen so- wohl in den guten Willen wie in die Fähigkeit der Nachfolger Bis- iliarck's, den Augiasstall von korrupten Praktiken aiiszuinisten, mit denen der gelehrig, Schüler des vritte» Nnvolean dle Prcßzustände nicht nur dcS eigenen Lande« verpestet hat. Sicherer ist vorläufig immer noch die S e l b st h ü l f e, wenn sie rücksichtslos und mit Konsequenz von allen unabhängigen Orgauen, die diesen Krebsschaden erkannt haben, ansgeübt wird. Wenn diese L ü g e n s ch m i e d e, so oft eS nur möglich ist, öffentlich bloßgestellt werden, ist jedenfalls schon ein gut Theil gewonnen. Also Vivat— oder niuß es nicht richtiger heißen! xsreat?— sequens! Weil gerade von der„Daily News" die Rede ist, so wollen wir noch hinzufügen, daß als neulich die italienische Kammer sich von Herrn Crispi zu der Erbärnilichkeit pressen ließ, die Erlaubniß zur Juhaft- nähme Andrea Costa's zu«rtheilcn, das genannte Blatt ein Telegramitt veröffentlichte, dieser Kniiimcrbcschluß habe„einen ausgezeichneten Ein- druck gemacht". Die entrüsteten Proteste aus den Reihen nicht nur der sozialistischen und radikalen, sondern auch der liberalen Vereine ist die beste Antwort auf diese verlogene Behauptung. Leider haben wir die Nummer verlegt und können nicht mehr feststellen, ob das Telegramm nicht aus Berlin stammt. Jndtß, es mag auch direkt aus Rom gekommen sein, Herr Crispi ist je nicht iimsoiist der„allerbeste Freund" des gestürzten Oberreptiliemueisters, von dem das geflügelte Wort her- rührt:„Gelogen wie telegraphirt." — Tie„Tfldisische Arbeiterzeitung" greift uns in ihrer Nimimcr vom W.Marz an, weil wir in vorletzter Nniuiner geschrieben, eine von ihr gebrachte Notiz*), die den sozialdemokratischen Abgeordneten *) Jrrthümlich schrieben wir.Sachs. Wochenblatt", was wir hiermit berichtigen. eine blas negative Rolle anwies, sei entschieden falsch gewesen. Sie fordert uns auf, ihre betreffenden Artikel nochmals nachzulesen, um unS zu überzeugen, daß unsere Notiz, sowie eine in ähnlicher Weise sich aus- drückende Korrespondenz aus Deutschland unrichtig gewesen seien. Wir sind dem Wunsch der„Arbeiterztg." nachgekommen, das Resultat ent- spricht aber nicht dem, was unsere geschätzte Kollegin voraussetzte. Nach wie vor müffen wir erklären, daß sie in ihrem Artikel „Nach der Wahl"(Nr. 29 vom 7. März) der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion eine Nolle anwies, die nach unsercr Ansicht entschieden falsch wäre. Wir wollen keine Wortklauberei treiben, zumal wir überzeugt sind, daß die„Sächs. Arbeiterzeitung" das Richtige gemeint und sich nur ungenau ausgedrückt hat. Sie schrieb in dem betr. Artikel wörtlich: „Selbst wenn wir noch einmal so viel Sitze bekommen hätten, wie wir wirklich bekommen haben— sehr erweitern kann sich der KrciS der Pflichten für die Fraktion nicht. Als Fraktion im Parlamente, das eine bürgerlich organisirte Gesellschaft vertritt, kann sie natürlich nie aus der bürgerliche» Gesellschaft heraus; sie muß sich immer in dem Rahmen der bestehenden Ordnung halten. Was also sie leisten kann, ist: Aufhalten der Reaktion, welche uns unsere politischen Macht- mittel nehmen will; Verhinderung von Geschenken aus der Tasche der Arbeiter an die Junker, und möglichste Nutzmachung des Sozial- Humbugs für den Arbeiter. Das ist freilich nicht viel— wenn man nämlich au die eigentlichen Ziele unserer Partei denkt; nun, eS ist aber doch immer besser, wie nichts; man muß eben bedenken, daß bei der herrschenden Ordnung der Dinge nicht mehr für die Arbeiter heransspringen kann". Hier wird, wenn der Ausdruck„blos negativ" zu weit geht, der sozial- demokratischen Fraktion eine blos defensive"— abwehrende— Thätigkeit angewiesen, während nach unsrer Ansicht die Vertreter von nahezu anderthalb Millionen deutscher Wähler das Recht und die Pflicht haben, agressiv— angreifend und fordernd— an die herrschenden Klassen heranzutreten. Daß es sich dabei nicht um„positive Vorschläge" Im Sinne des Spießbürgerthums handeln kann, Vorschläge, welche eine andere Gesellschaftsordnung bezw. ein weiteres Studium der Entwicklung als das gegenwärtige voraussetzen, ist selbstverständ- lich. Darin sind wir mit der„Sächs. Arbeiterztg.", darüber sind wohl alle Genossen ohne Ausnahme einverstanden. Die Sozialdemokratie wird von dem heutigen Staat nichts verlangen, von dem sie nicht zu beweisen im Stande ist, daß er es ohne Störung der Funktionen des gesellschaftlichen Organismus auch durchführen kann, und sie wird ferner keine Vor- schlüge machen, die im heutigen Klassenstaat nur diesen, nicht aber die Sache des arbeitenden Volkes stärken, mit andern Worten, sie wird im heutigen Deutschland keinen Staatssozialismus treiben. Aber innerhalb dieser Schranken bleibt ihr noch ein sehr weites Feld, auch der parla- inentarischen Thätigkeit, jedenfalls ein viel weiteres, als das in den zitirten Sätzen iinischriebeue, und dieses auszunutzen, ist, wir wiederholen. Recht und Pflicht der Partei, eine Pflicht, deren Verkennen sich schwer strafen würde. Hat die Arbeiter-Ztg." im Grunde nichts andres sagen wollen, so sind wir gern bereit, dieses nachträglich anzuerkennen. Wir haben unsre Notiz sicher nicht geschrieben, um uns an einem Kollegen, dessen verdienstliches Wirken wir wiederholt anerkannt, zu reiben, sondern weil es sich hier um eine sehr wichtige Frage für die deutsche Sozial- demokratie handelt, vielleicht die w i ch t i g st e, die sie in diesem Moment ins Auge zu fassen hat. Zum Schluß noch eine Bemerkung, mehr formeller, aber doch nicht gleichgiltiger Natur. War es absolut nothwendig, daß die„Sächs. Arb.» Ztg." ihrer Notiz eine so häßliche Einleitung gab? Wir denken, nein. Wozu in unsre Auseinandersetzungen ohne zwingenden Zlnlaß Bemer- kungen einflechten, die verletzen und zu entsprechenden Gegenbemerkungen reizen? Die Sache gewinnt dadurch sicher nichts, es findet nur gegen- seitige Verbitterung statt, die ärgste Feindin der Verständigung. Wir ziehen so oft über die Presse der Gegner her— mit Recht, aber dies muß zugleich für uns ein Sporn sein, ihre Unarten aus unfern Organen fernzuhalten. — Zur Achtstundenbclvcgung in Frankreich wird uns ge- schrieben: � Der sozialistische Gemeinderath Daumas hat, im Verein mit seinen sozialistischen Kollegen Vaillaut, Longuct und Humbert, denen sich später noch der Radikale Humbert aneeichlossen, mit Bezug auf die für den l. Mai beschlossene Kundgebung zu Gunsten des achtstündigen Arbeits- tages folgenden Doppclantrag eingebracht: „1. Der Gemeinderats wolle beschließen, daß alle städtischen Werkstätten, Arbeitsplätze und Bureaus am 1. Mai geschlossen bleiben, ferner den„Wunsch" aussprechen, die Dcputirtcnkammer möge den I. Mai zum Festtag erklären. 2. Der Gcmeinderath wolle beschließen, daß am 1. Mai auf dem Marsfelde ein Fest der Arbeit gefeiert werde; und daß die Direktion der städtischen Arbeiten aufgefordert werde, in kürzesten Frist dem Gemeinderath ein Programm des Festes der 'Arbeit nrrzulegen." Ein von Vaillant gestellter Drin glichkeitsantrag wurde in- folge des llmstandes, daß 4 Possibilisten dagegen stimm- t en(!), abgelehnt. Der Autrag Daumas wurde an die Arbeitstommission verwiesen, welche ihn aus den Bericht Longuct's hin. angenommen . hat. Wahrscheinlich wird der Gemeinderath gerade jetzt, wo seine Er- Neuerung vor der Thür steht und jedes Gemeinderathsmitglied um sein Mandat besorgt ist, dem'Antrag zustimmen. Ferner haben behufs Vorbereitung der Mainfestation vom 1. Mai 'die in Paris wohnhaften Delegirten des internationalen Kongresses eine weitere Versaminlung abgehalten, in der auf Grund der stattgehabten Diskussionen beschlossen ward, was folgt: 1. eine Kommission in Permanenz zu ernemien, welche aus den Deputirten Bandin und Ferroul, aus den Stadträthcn Vaillant, Daumas, Longuet, sowie aus Jules Gucsde, Feline, Prevost und Lenz als Vertreter der Syndikatskammern besteht; dieselbe Grube versetzt, welche er für andere gräbt, und wenn dadurch der Aufopfernngsinuth des Gräbers gewiß koustatirt wird, bleibt das eigentliche Ziel doch unerreicht. Das Ziel mußte aber in oiesem Falle in der Beantwortung der Frage bestehen: durch welchen Umstand ist es zu erklären, daß die intelligente Jugend in Rußland eine(wie die unaufhörlichen politischen Prozesse in Ruß- land beweisen) so große Anzahl von Bekämpfern des ZarenjocheS aussendet, Kämpfer, deren Prinzip dabei imnier gelautet hat:„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind einzig und allein möglich unter d e r B e d i ng u n g einer g rü n d l i ch e n llmgestaltnng der heutigen sozialen Verhältniss e." Diese Frage ist in der Vorrede Plechanoff's nicht einmal gestellt worden. Für eine gründliche Widerlegung der oben zitirten und aus der „Korrespondenz" entnommenen Behauplungen finden wir momentan ge- ringen Anlaß. Es sei uns nur gestattet, vorläufig lediglich folgende Behauptuugen anfznstellen: 1) Wenn„das Lob der russischen intelligenten Jugend der 7 0 e r Jahre durchaus berechtigt war", wo die aus ihr hervorgetretenen Kämpfer für die Befreiungssache des russischen Volkes noch sozitsagen im Dunkeln hcrumtappten und ihr Wirken mehr kulturträgerischer Natur war oder aber von wenig Kenntnissen der Kaiupfmittel durchdrungen, so ist dieses„Lob" wohl viel mehr am Platze für die russische intelligente Jugend der«Oer Jahre, der es gelungen ist, durch Anerkenunng des politifthcu Kampfes als Mittel zum Ziele als mächtiger Faktor des ge- scllschaftlichen Lebens zu erscheinen. 2) Es wird dem Verfasser sehr schwer sein, zu zeigen, wo und wann den Slrbeitern in Rußland der Rath crtheilt worden war, auf die intelligente Jngeud als Ganzes zu rechnen, und also nicht die Voraus- setzuug gemacht wurde, daß„die aus den Reihen dieser Jugend hervor- gegaugeuen Leute sich ganz auf die Seite des Proletariats geschlagen haben." 3) Ebenso wird es dem Verfasser schwer sein, für die von ihm der russischen intelligenten Jugend zugeschriebene Parole dokumentarischen Beweis zu erbringen. 4) In Bezug auf die, von„vielen" russischen Revolutionären angcb- lich der russischen intelligenten Jugend zugeschriebene israelitisch-provi- dentiell-revolulionäre Bedeutung müssen wir unS jeder Widerlegung enthalten, bis uns der mysteriöse Sinn der Wörterverbindung:„eine soziale Revolution o h u e M i t w i r k n n g der breiten Volksmasse, nur mit Heranziehung derselben" kundgegeben sein wird: die nach- folgende„Comparaison" ist und hat hier keine„Raison." Wir schließen Mit der Bemerkung, daß die Broschüre„Die Rede von' P. Alexcjeff" uns Veranlassung gab, sie in einer öfieutlichen Versamm- lung der russischen Sozialisten zu besprechen und die Schädlichkeit derselben für die Propaganda unter den Arbeitern in Rußland hervor- zuheben. Die von uns daselbst ausgesprochenen Ansichten begegneten keinem Widerspruch. G. B e ck. ———»\AAÄJW>—— Sozialpolitische Randschau. London, 2. April 1890. — AnS Teutschland, den 28. März.„Die Jden des März", die dem Erflnder des Zäsarisnins, dem„Original"- Zäsar, so ver- dcrblich waren, sind auch dem Pommerschen Junker verderblich geworden, der den modernen Zäsar spielen wollte, jedoch unter fremder Firma. Die Firma der H o h e n z o l l e r n sollte das hausmeicrliche Zäjärcn- thum decken, und das ging auch ein paar Jahrzehnte lang, bis— nach dem bekannten tragischen oder traurigen Zwischenspiel— ein Hohen- zoller kam, der selbst Kanzler, oder richtiger, s e l b st Zäsar sein will. Und zwei Zäsaren können nicht' gleichzeitig auf der Erde sein, geschweige denn neben einander wohnen und zusammen arbeiten. Und so kam denn der Krach— in den Jden des Märzen: der legitime Besitzer der Firma gebrauchte gegen oeu Eindringling, der saiinut Kind, Schwager und sonstiger Sippe, sich ihm breit ins Nest gesetzt hatte, sein Haus- recht und warf den junkerlichen Zäsar ohne Umstände hinaus— der künftige Zäsar den vergangcucn. Es muß harte Kämpfe gesetzt haben zwischen dem jungen und dem alten Zäsar, zwischen dem Hcrausschmeißcr und dem Herausgeschmissenen. Schon am 15.— also genau am Tage der verhäiignißvollen März-Jden— wurde dem allen Zäsar ein Wink mit dem Zaunpfahl gegeben, daß er sich drücken solle. Allein er ist dickfellig und merkte den Wink nicht— und so setzte denn drei Tage nachher der junge Zäfär den Elndringling gewaltsam an die Liift, indem er ihm die unerbctene Entlassung als Fußtritt auf die Hintere und schönere Hälfte verabreichte. Und nun ging das„Fischweib"-Geschimpfe in der„Norddeutschen" und der„Haniburgcr"-KIoake los, die ihm noch geblieben sind! Hätte nicht ein sehr kräftiges Machtwort seinen Mnnd gestopft— er schimpfte heute noch fort. Aber der neue Zäsar will„seine Ruhe" haben; Uno er hat von dem alten Zäsar gelernt, wie man sich eine iinbequeine Person vom Hals schafft. Gerade das ist einer der intcreffantesten Züge in diesem Walten der Nemesis, daß Bismarck nach seinem eigenen Rezept behandelt, nach seiner eigenen Methode abgethan worden ist. Und das böse Wdrt:?l r n i m I, welches ihm von dem emanzipirtcn Schüler ins Ohr geraunt ward, wirkte wie das Haupt der Meduse lähmend, versteinernd. Bismarck gearnimmt— nach den Arnim- Para- graphen vernrtheilt— in dem Fuchseisen gefangen, das er ftir den verhaßten Nebenbuhler hatte anfertigen lassen— in klassischerer, der poetischen Gerechtigkeit besser entsprechenden Form konnte das Welt- gericht sich nicht vollstrecken. Und der emanzipirte Schüler ist dessen kapabcl. Nachdem der Hwansgeschmissene eine Weile geschimpft und Jeuilreton. Ein Proletarier-Dichter. Unter der jüngeren deutschen Dichterschnle, und leider auch bei Sol- chen, dt« zum Sozialismus zu bekennen sich rühmen, ist in letzter Zeit eine große Unsitte herrschend geworden, die llusitte einer widerlichen Art Selbstkeklame. Sie macht sich auf verschiedene Weise Luft. Jeder dieser modernen Poeten besingt den andern als bahnbrechenden, weit- erschütternden Genius, und Jeder läßt diese Reziprozitäts-Lobhudeleicn auch drucken. Die Dichter widmen sich gegenseitig ihre Werke und „besprechen" einander in der befreundeten Presse. Und da erleben wir das belustigende Schauspiel, daß im Vorwort der Gedichtsammlung in schwülstig-nurciser Prosa mit keckem Selbstbewußtsein der ganzen Kritik- Welt die souveräne Verachtung des Genie's entboten wird, des Genic's, das nur qllzuoft noch das Sitz'.cder der Schulbank am Hintern zeigt, und am Schlüsse des Baches, neben den Inseraten, erscheinen in Sou- dcrabdrnck, gewissenhaft gesammelt, alle Kritiken, die früheren Werken oder früheren Auflagen zu Theil geworden, das aufdringlichste Lob neben der gedankenlosesten Schablone-Rcklame und, jedenfalls nicht ab- sichtsloS, manchmal auch neben dem inhaltslosesten Tadel, der nnr der sozial-politischen Meinungsverschiedenheit und der Sucht, den Gegner hernnterzureißeii, entsprungen ist. Ja, wir haben sogar bei einer Ge- dichtsammlung den Posaunenstoß eines Blattes registrirt gefunden, dessen Redakteur— dorDtchterselberwarl Freilich— die Poeten haben für dies« naive und zugleich aufdring- liche Eitelkeit ein« Entschnldignng: diese gegenseitige Reklame be- schränkt sich nicht bloS auf die Poeten insbesondere und die schöne Li- teratnr überhaupt, auch in der Politik und verwandten Zweigen hat dieses Koteriewesen schon Zapfen angesetzt. Es wird daher schwer sein, gegen solche literarische Rllckversicher- ungsanstalten«inen Proletarier zur Geltung zu bringen, der— offen gestanden— kein Genie ist, aber glücklicherweise auch diese Prätension nicht erhebt, sondern im Vorwort„ruhig dem Urtheil des Volkes, welches ich im Voraus anerkeniie, mag es ausfallen, wie es will", sich unterwirft. Ein Proletarier-Dichter! In de« Wortes traurigster Bedeutung. Selbst ein Proletarier und ein Dichter für die Proletarier. Ein Pro- letarier von Geburt an, der Lebensstellung nach und auch im Bildungs- gang. Aber ein durch und durch poetisches Geiniith mit einer gesunden, kräsllgcn dichterischen Ader. Ter deutschen Arbeitcrwelt' sollte der Dichter, ein armer, durch Krankheit in seinem Berus- arbeitsunfähig gewordener Zigarrenarbcitrr. in Halberstadt, Nomens A d o l p h L e pp, nicht ganz unbekannt sein Bereits vor anderthalb Jahrzehnten stand er" in Reih und Glied dei käiupsenden Arbeiterschast, und der „Posksstaat" und andere Ärbcitcrblätter brachten manchen poetischen Rampsrnf von ihm. Kürzlich hat Lepp«UN eine Semmlung seiner Gedichte*) herausgi- geben, auf die ich die deutsch«, Arbeiter aufmerksam machen. mochte. Die Sammlung leidet an einen Gruiidfe'hler— cs.inangelte bei der Herausgabe die sichtende, krifiseje Hand ,' welche vor'Allem die Zahl der aufzunehmenden Gedichte bcshrankt hätte; einmal wären dadurch die guten Lieder mehr zur Eeltmg, und dann auch verschiedene Breiten und Geschpiacklosigkeilen i« Weasctt gekomnien. die manches Lied geradezu ersticken. Der Dichter leidet übechaupt au dem Grundfehler, daß er oft, von der persönlichen StimNima getragen, die Gedanken allzu breit spinnt und die Bilder zu Tode reitet. Und da er die Kinder seiner Muse auch in d e t Absicht auf den literarischen Markt sandte, das drohende Gespenst der hiinslichen Roth zu bannen, so wäre durch die räumliche Reduktion der Gedichtäimuliiug eine Verbilligung und da- durch ein größerer und raschear Absatz möglich geworden. Und im Interesse des Dichters ist sowoll dieser materielle als jener poetische Mangel zn bedauern. 'Aber trotz dieser schwerwicgeiven Fehler birgt die Gedichtsammlung eine Reihe ächter Poesien. Vor Allein besitzt Lepp großen Sinn für FormschSilheit und Musik der Sirache. Er ist frei von allem dröhnen- den Pathos und auch frei von zeincht, krankhast, sentimentaler Em- psindelci. Der gesunde starke Sim, der ihn in aller Misere des Lebens, und diese tkäf ihir. pst, aufrecht hell und ihn wie den Vogel im Käfig immer wieder singen hieß,- singen zuch Trutz und Trost,, beherrscht und sättigt auch seilte Poesie! Und trötzdml er unter seiner Armuth schwer leidet und in dem Zweikampf der Muse mit der Roth der Existenz aus vielen Wunden blutet, erschlafft er uich>- in sentimentalem Jammer. Diesen Zweikampf schildert er sehr launig in einem Gedicht:„Nachtgenossen", worin es heißt: *) W i l d e B l u m e n. Ein fischer Licderstrauß, dem Volk ge- widmet von A d o lp h L e pp. Selbstverlag des Verfassers. Preis 2 Mark. H a l b e r st a d t, Backentraße 31. Bei der Arbeit liegt ein Zettel * Und ich kritzle drauf herum � Ach, das ist ein Lnmpenbettel,' Handarbeit und Griecheuthum. Doch in meiner Arbeit stören Laß ich mich deswegen nicht," Denn ich muß mein Volk ernähren, Da es mir au Geld gebricht. Immer meines Winks gewärtig Ist der Spuck— der Morgen früht, Und der Hände Werk ist fertig, Und vollendet ist das Lied. Ein andermal singt er humorvoll in„Klcingeisterei": Die deutschen Dichter und Denker Besaßen ihr Tuskulum, Die göttliche Liebste zu bergen der Welt, Drin war es lauschig und stumm. Ich aber theile mein Siübchen Mit einer belfernden Frau, Und meine drei Lümmel vollführen brutal Ihr unaufhörlich Wauwau. Drum stellt sich die Kastalide Auch nur zu Mitternacht ein; Doch meine Dämonen im Ncbengemach Sie schnarchen und schuanben darein. Einzelne seiner Lieder und Kouplets verrathen glückliche Anklänge an Heine, und wo Lepp den Fehler der Breite vermeidet, hat er Har- monische„Schlager" wie Glücksneid. Es kam eine arme Frau zu mir Und klagte mir ihre Roth, Sic habe ein Pfand im Leihhaus hier, Das mit dem Verfalle droht. O arme Frau, wie glücklich Sie sind! Sie haben doch noch ein Pfaudl Ich aber habe siits große Spind Nicht ein Objekt zur Hand. 2. diese Kommission zu beauftragen, das französische Proletariat an die internationale Manifestation des ersten Mai, ihre Wichtig- feit und ihren Charakter zu erinnern und alle nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um ihren Erfolg zu sichern." In den der Beschlußfassung oorausgegaugencn Debatten ward ganz besonders betont, daß es die Delegirten für ihre Pflicht erachten, der Manifestation den vom Kongreß beschlossenen durchaus friedlichen Charakter zu erhalten. Es war und ist dies um so nothwendiger, als verschiedene, sich revolutionärer als revolutionär gcberdende Gruppen und Persönlichkeiten in ebenso blöd-widersinniger wie unverantwortlicher, um nicht zu sagen verbrecherischer Weise daraus loshetzcn,-daß die friedliche Manifestation in Unruhen und Putsche ausarte. In anarchi- stiscben Versammlungen, wie auch in Artikeln der Roque'schen„Egalste" wird.in der bekannten revolutionär rasselnden Phraseologie, in welcher Rohhcit und sozialpolitisches Muckcrthum um den Vorrang streiten, die französische Arbeiterschaft aufgefordert, auf alle Fälle„bewaffnet in die Straßen zu steigen, Bomben in Bereitschaft zu halten" K. ic. Dieses widerliche Treiben erinnert im höchsten Grade an die Nolle der so be- rüchtigten„weißen Blousen". Wenn die wildesten Schreier der„Egalite" und jener sozialpolstischen„Jüngliugsvcreine", welche sich anarchistisch nennen, auch keine Agents Provokateurs sind, so benehmen sie sich doch um kein Haar anders, als ob sie dieser staatserhaltenden Gilde ange- hörten. Die kapitalistischen Organe empfehlen der Regierung auch bereits unter Hinweis auf diese Manöver, nirgends eine Manifestation der Arbeiter zu dulden, da mau bei der„leichten Entzündlichkcit des frau- zösischcn Temperaments" nicht wiffe, wie dieselbe enden könne. Ueber- Haupt sei es das Beste, wenn der Minister des Zunern, Constans, nach dem Vorbilde seines Vorgängers, Floquet, Instruktionen au alle Behörden zc. ergehen lasse, die Delegirten der Arbeiter garnicht zn empfangen. Der „fauststarke" Constans wird sich derartige Winke seitens der Mundstücke seiner Brotgeber und Herren nicht zweimal geben lassen; ein ruhiges und besonnenes Vorgehen der französischen Arbeiterschaft ist also doppelt geboten. Wie durchaus klar über Situation und Verantwortung der organisirte Thcil des französischen Proletariats ist, erhellt auch aus verschiedenen Zirkularen und Beschlüsse», welche der Nationalverbaud der französi'chen Syndikate und Korporativgruppen erlassen, resp. gefaßt hat. Zn einer größeren, vom Nationalrath des Verbandes einberufenen Volksversammlung zn Bordeaux wurde beschlossen,„die Gemciuderäthe aufzufordern, sich der Manifestation anzuschließen, um deren friedlichen und gesetzlichen Charakter zu bestätigen". Im letzten Nnndschreibcn des Verbandes heißt es wiederum:„Der Natioualrath hat besonders in Betracht gezogen, daß es sich um eine durchaus friedliche unh gesetzliche Manifestation handelt, welche folglich durchaus keine Nepressivmaßregelu nach sich ziehen, und gegen die Niemand etwas einwenden kann, es sei denn, daß der Geist des Hasses und der Ungerechtigkeit gegen die Arbeiter groß genug wäre, ihnen das Recht zu verweigern, frei ihre Forderungen zu äußern und ihre gemeinsamen Bedürfnisse auseinander- zusetzen." Den gleichen Geist athmet auch das die Frage der Manifestation be- handelnde Rundschreiben des Nationalraths der sozialistischen Arbeiter- Partei.„So friedlich auch diese erste Wcltrevue unsrer Streitkräfte der Vorhut sein wird und sein muß", heißt eS daselbst,„so wird sie doch gleichzeitig den bergabwärtsgehellden besitzenden und leitenden Klassen einen heilsamen Schrecken einflößen und den Feuereifer der Enterbten|j und Unterdrückten, ihr Vertrauen In den baldigen Triumph ihrer Sache verdoppeln. — Zur Bewegung für die Achtstundcndcmonstration in England können'wir' mittheilcn, daß Ende voriger Woche eine zweite, von' dem Champion'schen Arbciterwahlverein einberufene Versammlung von Delegirten verschiedener Gewerkschaften und Arbeitervereine ein- stimmig beschlossen hat, die auf den 6. April einberufene allgemeine Konferenz(von der wir in Nr. l2 berichteten. Red. d.„S.-D.") zu beschicken, um gemeinsam mit den übrigen Organisationen darüber Be- schloß zu fassen, wie der erste Mai gefeiert werden solle. Die Ver- sammln»g war zwar erheblich schwächer besucht, als die von der Gas- arbciterunion in Verbindung mit der Bloomsbury Socialist Society cmberufene, aber es waren mehrere wichtige Organisationen vertrete», so n. A. die D o ck e r u n i o n, deren Vorstand sich bisher unbcgreif- licherweife durchaus ablehneno zur. Achtstundenbewegung gestellt halte. Es steht also zn hoffe», daß trotz der politischen:c. Spaktnngcil ein einheitliches Vorgehen der verschiedenen Organisationen erzielt wird. — Bismarck hat am 29. März Berlin verlassen, und seine getreuen Verchrer haben ihm eine» gar rührsamen Abschied bereitet. Die Fa- milie fuhr in zlvei Wagen zur Bahn, im ersten neben Vater und Sohn natürlich der Reichshund, in einem dritten Wagen hinterher der Reichs- schwe— ninger. Als einige der nun, wie es heißt, brodlos gewordenen Lcibspitzel heulend„Wiederkommen" riefen, erreichte die allgemeine Rührung ihren Höhepunkt. Es gibt Leute, die für die Opfer der schnödesten Gewaltthabcr keine Regung des Mitgefühls haben, aber dein abgefaßten Mörder Blumen ins Gefängniß schicken. ,;j — Die sächsische Justiz oder vielmehr die Znstitntion, welche man in Sachsen Justiz nennt, entwickelt sich immer mehr zn einer reinen P cul t c i- bezw. K l as f e n v e r t r e t n n g. Jeder Tag fast liefert neue Beweise von Erkenntnissen sächsischer Gerichtshöfe, die nichts sind, als der Ausfluß der krassesten Parteilichkeit. Man höre nur, welches Stückchen neulich wieder das L e i p z i g e r L a» d g e.rirh t geleistet hat. Angeklagter war der Dachdecker Georg Hentzner. Derselbe soll sich, nach dem ihm sehr feindlichen Berichte des Leipziger„Tageblatt* am 20. Februar, dem Wahltage, folgender Handlung schuldig gemacht haben: „In der 5. Stunde ist Hetr Sind. jur. P.(der Arbeiter wird genannt, bei dem Hcrrit Studenten wird der Name rücksichtsvoll verschwiegen! Redl) zur Einholung von Wählern— für die Kartellparkcicn— ge- gangen. Hetzner folgte ihm In einer Entfcrnnng von lO— IS Schrit- t c n. P., welcher dies bemerkte, machte einen Koininilitonen, welcher gleichfalls Wahldienste leistete und den er in der Nürnbergerstraße traf, darauf aufmerksam. Beide gingen nun zurück, P. wurde aber plötzlich von dem daherkommenden Hentzner angerempelt. P. ließ sich das nicht gefallen, und es entstand ein Wortwechsel, wobei Hentzner äußerte, er werde dem P. eine Ohrfeige geben, und auch die entsprechende Handbewegnng machte. D c n S t o ck, welchen P. zur Abwehr oder mich wohl zur Vertheidigung erhob, ergriff Hentzner, und entwand denselben dem Studenten. Nunmehr glaubte Herr Sind. theok. W. seinem Komniilitonen zu Hülfe kommen zn sollen. Er führte mit seinem Stock einen leichtenSchlag gegen Hentzner und suchte ihn wegzuziehen, erhielt aber mit dem P. entrissenen Stock einen starken Schlag über den Kopf, der am linken Ohr eine l em breite und V/icm tiefe Wunde mit eingerissenen Rändern verursachte, die erst nach 6 Tagen geheilt war. Hentzner ergriff nach der That die Flucht, in dem Hausflur seiner in der Nähe gelegenen Wohnung warf er P.'s Stock weg." Selbst ans dieser tendenziösen Darstellung geht herbor, daß Hentzner die Studenten in keiner Weise provozirt hat, dagegen ist es mehr wie wahrscheinlich, daß dieselben ihn provozirt haben; ihr plötzliches Umkehren hätte anders keinen Sinn. Jedenfalls aber hat der Student P. zuerst zum Stock gegriffen. Es sprechen also, abgesehen von der natürlichen Erregung, eine Reihe von Mildcrnngsgriindcn für Hentzner. Wäre er ebenfalls ein Student gewesen und hätte er nicht für die Wahl Bebel's gewirkt, so wäre er wahrscheinlich mit einer leichten Geldstrafe davongekommen, wenn die Sache nicht gar für ko m- p c n s i r t erachtet worden wäre. Statt dessen wurde er— man höre — wegen groben Unfugs, Nöthigung und gefährlicher Körperverletzung zu zehn Monaten Gefängnist und drei Wochen Haft verurtheilt. 1 Woche Haft wurde auf die erlittene Untersuchungshaft(die, wie es scheint, über vi erWochen gedanerthat. Red.) in Anrechnung gebracht. „Nachdrücklich aber wohlverdient" nennt das„Leipziger Tageblatt" dieses llrthcil!- Nun, wir brauchen das Wort, das u n s darüber auf der Zunge schwebt, nicht erst auszuschreiben. Jeder, der das Vorstehende liest und Gefühl für Recht und Billigkeit empfindet, wird es von selbst ergänzen. Und so bleibt uns nichts, als diejenigen, die das Urthcil gefällt, nachdrücklichst der wohlverdienten— Hochackstiing z» empfehlen. Der Gerichtshof bestand nach dem„Leipziger Tageblatt" aus den Herren Landgerichtsdirektor Lehmann(Präs.), Landgerichts- räthen D r. v. A b e n d r o t h, Gr über, Adam, S ch u b a r t h- E n g e l s ch a l l." Ehre, dem Ehre gebührt! — Ueber Bergarbeiter- Löhne in der Sektion Bochum der Knappschasts- Bcrufsgenossenschast brachte die„Köln. Zeitung" dieser Tage die nachstehende Z n s a m m e n st e l l u n g: 1889 ÄÄ bis 4 Mi. über 4 Mk. Januar.... 122,914 96,078 22,587 April..... 121,217 92,204 24,517 Juli..... 120,867 76,833 39,392 Oktober.... 128,213 76,779 46,587 Dezember... 131,470 71,731 54,942 Das rheinische Blatt bemerkt hierzu, diese Zahlen zeigten, wie die Gruben von Monat zn Monat Lohnerhöhungen hätten stattfinden lassen, selbst schon im ersten Quartal 1889, welcher Umstand auch de» Belveis liefere, daß es„zur Erzielnng weiterer Lohnerhöhungen des Mai-Aus- standes nicht bedurft hätte." „UnS scheint es"— antwortet die„Volksztg.", der wir diese Notiz entnehmen, dem rheinischen Kapitalistcnblatt treffend—„unerfindlich, wie niän dergleichen ans jenen Ziffern herauslesen will. Ein einziger Blick auf dieselben beweist doch, daß eine ausgiebige Zunahme der Zahl der- jenigcn Arbeiter, welche in den Genuß von mehr als 4 M. Tageslohn gelangien, erst im und nach dem Streik-Qnartal stattfand. Während die Zahl dieser Arbeiter tm ersten Quartal nur 2000 betrug, stieg sie in den drei letzte» Vierteln des Jahres 1889 von 24,547 auf 54,942, also um iiielir als 30,000. Danach scheint es also doch des Ausstandes „bedurft zu haben". Es ist eine alte Praxis des Unternehmerthunis, Zugeständnisse, die ihm mit dem Aufwände der größten Energie abgerungen iverden muß- ten, hinterher sich großmäuUg auf das Konto seiner Einsicht und Men- schenfreundlichkeit zn schreiben. So haben sie es mit denjenigen Maß- regeln des Arbciterschutzes gemacht, die ihnen bereits auferlegt worden, und wenn eö schließlich zur. Enteignung der Enteigner kommt, dann werden sie womöglich auch erklären, daß es dazu der Aktion der Ar- beiterklasse„gar nicht bedurft hätte", man hätte das Alles ruhig ihrer Einsicht und ächten Humanität überlassen können. — Fünf Tchulknabcn erschienen kürzlich vor dem Berliner Schöffen- gericht, Abtheilnng 93. Die kleinen Kerle, welche über die Anklagebank kaum hinausragten, waren, fo berichten die Zeitungen, die Anführer einer mit Knütteln bewaffneten Macht, welche zwei Rotten von je 12—13 Knaben bildeten nnd in der Gegend des Marheineckeplatzes und der Bergmannstrgßö sich nn Kriegsspiel übten. Der Amts- anwalt sah in diäscr Kriegsühklmg einen groben Unfug." Sehr gut. Wenn aber diese verhältnißmäßig harmlose„Kriegführung" schon grober Unsug ist, was sind dann die Kriegsübungen, Kriegsvor- bereitnngen und.Kriege, mit' denen die großen Kerle, die die Thron-, Minister-:c. Sessel drücken, ganz Europa unsicher machen? U. A. w. g. .»»»??!? tut ssiiutJnjchn» U'ji j;« Ui/jjta r»Sä| — Aus Bayern schrcibt.mis einJSeiiosse; „Wie die Genossen im übrigen Deutschland, so können auch wir uns über den Ausfall der Wahl vom 20. Februar nur freuen. Zeigt er uns_ doch, daß diel Früchte ctncr thctlweise fünfimdzivanzichöhrigen schwierigen Agitation endlich nach und nach zn reifen beginne». Zwar haben wir nur drei Mandate-errungen, aber unsere Stimmen haben „Mit Nichten!(sprach die Versetzerin) Ich sehe den Schluß nicht'ein! Ich bin tm Verlust nnd mein Pfand ist hin, Sie büjjten dabei nichts ein!" In anderen seiner„Launigen Lieder" behandelt er mit gesundem Humor in Stinimnng und Form Themata, die unserer ungesunden zimperlichen Gcsellschastsmorat als unästhetisch gelten, obgleich Göthe und Saphir solche schon„salonfähig" zu machen versuchten. Als Beleg hiefür möchte ich aus der bekannten Anekdote„Der polnische Jude" nur den Schluß des poetischen Scherzes anführen: „Drauf gräbt er seine graue Tatze wieder Tief in den rauhen Busen nieder Und hascht und tastet, zieht sie rasch hervor Und hebt ein junges Lauselein empor: Und sanfter werden seine weichen Züge, Er legt das Thierchcn in die hohle Hand Und schanckclt es in primitiver Wiege Und blickt es schmunzelnd an und blickt gespannt. „Gott Du Gerechter! soll ich wie Herodes Die Kindlei» morden, daß ich sicher sei?— Dein Urtheil ist gefällt: Du bist des Todes l Doch ich begnad'ge Dich und Du bist frei! „Wie werden Deine Eltern Dich vermissen Und froh sein.�wenn sie Dich geborgen wissen! Du bist zum Sterben noch zu jung, zu klein!"— Und somit stock er's Läuslein wieder ein! Gleichweit entfernt von spießbürgerlicher Moralität und einem fal- schen Naturalismus, der nur eine andere Art der Geilheit ist, präzisirt er selber seinen Standpunkt: „Bin ich ein Engel, daß ich schon erröth« Vor dem Gedanken an vergnügten Sinn? Bin ich ein Thier, daß ich Hinanstrompete, Wenn ich der wilden Brunst verfallen bin? Und diese gesunde Sinnlichkeit, die er mit seinen Klassengenossen ge- meinsam hat. verklärt er poetisch in dem hübschen Liebe:„Einer Far- bigen in's Stammbuch" und in der lyrischen Perle: -- B« l« p ü k, i— 1 '. Es wird nur Eine Sprache Verstanden von aller Welt: ■-Mi:k" Das, ist dir Sprache der Aebeslust, � '.!' Die sich des Worts, enthält. Und wo ich Inmter die Jungfrau Mit männlichem Reiz umstrick', Da find! ich immer Erwiderung Im. wirtlichen Bolapiik. Die„Wilden Blumen" bergen aber nicht blas heitere Mnsenklänge, des Lebens Kämpfe, und WiMdcn haben Lepp auch Klagen und Wehe- rufe entlockt, so wahr'/fo crgrelfcud, wie sie kein bloßer Verfifax an- schlagen kann.. Der„Wcheriif" beim Tode feiner Frau, der Stamm- buchvers an seine Tpchter, als sie sein Haus verließ: „�ch warne Dich in dieser Scheidestunde: Geh' nicht zn Grunde!" und vor Allem:„Des Wittwers Verzicht" sind wirkliche Poesien. Nach dem Tode, feiner ersten Frau find seine Kinder zu der Groß- mutier gekommen; hinter dem Rücke« des Vaters wurden die Knaben getauft; das empört ihn, er, der sich den Unterhalt mit Hausiren küm- merlich erringen muß, will einen zweiten Hansftaud gründen, er sucht eine Mntter für feirfe Kinder; Freunde empfehlen ihm Die und Jene: „Ditz'ist nicht so wie meine Einz'ge war: Selbst noch ein schuldlos, harmlos Kind; Die ihren Kindern eine echte Mutter, Ging sie ist Liebe und in Nachsicht auf. War-fie-dem Gatte» ein gar treues Weib, Das niemals- mir ein Jota unterschlug, Weder am kelifche» Leibe, noch an Werthen Weit mcd'rer Art! Doch war sie auch Die stillste Duld'rin, die es je gegebe» Und der Verhältnisse Märtyrerin, Brach sie am Ende vorwurfslos zusammen Unter der ihr allzuschweren Last, Und schied mit Trost für mich, der sie geopfert!" Die Freunde lachen, daß er so wählerisch sei, nnd rufen ihm hämisch zu: „Ein armer Witwer mit drei kleinen Kindern Belastet, find't nicht leicht ein Weib Und eine Jede mag ihn nicht! sich verdoppelt, sie sind ans über Hunderttausend gestiegen, und wps sie uns besonders werthvoll macht, ist, daß auch die schwärzesten Distrikte, in welchen selbst der Liberalismus nicht festen Fuß fassen konnte, obwohl ihn die Regierung unter ihre schützenden Fittige ge- nommen, einen stattlichen Zuwachs an sozialistischen Stimmen auf- iveijen. Nachstehend gebe ich eine Zusammenstellung der 43 bayerischen Wahl- kreise und der in denselben ans uns gefallenen Stimmen: In ganz Bayern 100,256 53,710 47,228 Es sind demnach nur in z w e i Wahlkreisen keine soz'.aiistischen Stim- men(oder doch»nr vereinzelt) gefallen, während dies bei der Wahl 1887 noch in 13 Kreise» der Fall war. Die Behauptung der ultra- montanen Führer, daß der Katholizisiuns ein Bollwerk gegen den So- zialisnuis sei, ist nicht blos am Rhein, sonder» auch in Bayern wider- legt worden. Die Macht der Verhältnisse und die wachsende Erkenntniß mache» auch den bayerische» Bauer einsehen, daß er mit dem Kreuz, dem Rauchfaß und Weihwasserkessel keine gefüllten Schiisselu auf den Tisch zaubern und auch nicht den Exekutor befriedigen kann. Das katho- tische Rosenheini am Fuße des Wendelstein hat uns 1435 Stinnncn aufgebracht; Passau, die Bischossstadt, die die bayerischen Zuaven und Turkos liefert, und dessen königstreucs 8. Regiment im Jahre 1843, als die schwäbischen und fränkijchen Regimenter„schwierig" wurde», so viel zur„Herstellung der Ordnung" beitrug und im eignen Lande wie in Feindesland hauste, brachie uns ohne neniienswcrthe Agitation 332 Stimmen, Straubing mit seinen„schneidigen" Jägern 435, das dickkatholische Regensburg, wo heute noch Wunder geschehen und z.;o. im Dome einem hölzernen Christusbilde ein Bart wächst nnd i» einer kleinen Kapelle eine Christusfigur.aus der Wand herauswächst, licierte 1631, doppelt so viel als 1887. In Schwabe» lieferte»ns das katholische Jllertissen 570, Kaufbenren 591 nnd Augsburg 5000, und wird in letzterem der Ultramontanismus das nächste Mal mit uns schwer um den Sieg zu ringen haben. Im katholischen Uutcrfrankeu erhielten wir in verschirdencn Kreisen zehn m a l mehr Stimmen, als 1887, Da bäumt sich sein Stolz und seine Vaterpflicht und entrüstet ruft der Proletarier: „Ich sage Euch: Auch ich mag keine Jede! Drei Kinder, welch' enormes„Kapital": Drei reine Seelen und drei treue Herzen! Für aller Zungen allerschönste Frauen Jst'mir der seltene, kostbare Schatz nicht feilt Nicht eines Weibs bedarf es. um zu tauschen, Und höchstens einer Mutter steht der Preis; Drum ruf ich mir— vielleicht wohl nicht die Schönst«— Der Frauen Beste oder Keine auf." Diese Proben werden genügen, um dem Leser zu zeigen, daß wir nicht z» viel gesagt mit unserer Behauptung, daß die„Wilden Blumen" trotz mancher dnft- und formlosen Blüthen, die besser heransgcblicben wären, eine Reihe echter Poesien enthalten. Und wenn man ferner erwägt, daß der Verfasser»ur eine kümmerliche Schulbildnng genossen und alle diese Mnsestuiiden seiner Nachtruhe abgerungen, so wird auch ein strengerer Kritiker die Feder senken und dem Manne seine Hut- diguug nicht versagen, der inmitten seines schweren Ringens»III des Lebens Nothdurst nicht blos für den politischen Kampf, sonder» auch für die Musen Zeit und Begeisterung übrig hat. Leider fehlen in der Gedichtsammlung alle politische» Kampflieder — mit Rücksicht aus die unsichere» Prcßzustände Deutschlands, lind der Verfasser spricht sich darüber i» seinem Schlußworte selber ebenso schmerzlich als launig aus: „Mein Wissen»nd Können ist Stückwerk, ohne„Bescheidenheit", die mir zum Tod zuwider ist. Wo soll ich's denn auch herhaben? Tie Quellen und Brunnen der„Bildung" werde» hartnäckig unter Schloß und Riegel gehalten, und ist es nur de» Geldsöhuchen der-'Gesellschaft erlaubt, davon zu naschen. Deshalb bitte ich die Herren Staats- anwälte, mal ein Auge zuzudrücke», wenn die Beleuchtung hie»nd da zu grell aufflackert und nicht d'ranf hinzllhöreu, wen» ich ziNvoilcu einen, für ihre Ohren zn schroffen Klang anschlage. Unsere ins ckanii sich nicht jedes Wort so genau überlegen»nd ich glaube, daß sich meine rauhe Natur auch in meinen Liedern äußert. Aber ich reiße weder Thron noch Altar ein nnd bin mir meiner Schiväche wohl bewußt." Wir empfehlen allen Freunde» und GeiiosseN, die es irgend vermögen, die Anschaffung der„Wilden Blumen". r. t. so in Aschaffenburg, Lohr und Schweinflirt. Die Ultramontanen sind iibcr das ixindringc» des Sozialismns tw ihre Domänen nicht wenig erschrocken und verschließen sich auch nicht der Gefahr, die ihnen droht. Sic geben zwar nach Außen hin dem Liberalismus die Schuld, der den Sozialismus großgezogen habe, aber kluger, als die Liberalen, fühlen sie, daß die Entwicklung der Verhältnisse eS ist. die den Boden unter ihren Füßen wanken macht. So läßt ein schwäbisches ultra- »nontancs Blatt folgende Jeremiade vom Stapel: .Es finden gegenwärtig vielfache Ankäufe von Wasserkräften statt, denn das Großkapital, dem die Kohlenfrage sehr zu Herzen geht, zieht jetzt an das Wasser.(Es werden nun eine Reihe von MllhlentSnfcn rinfgeführt.) Was diese Ankäufe für Folgen haben, scheint man gar picht zu bedenken.(Sehr naiv!) Je weiter der Bauer zur Mühle hat, «msomehr wird er gezwungen, sein Getreide in der Schranne zu vcr- kaufen, wo der Kunstmüller oder der Großhändler die Preise macht. Hinterher kann er dem Kunstmüller das Mehl abkaufen und er vcr- liert dabei nicht blas am Geldc, sondern auch an den Nebenerzeugnissen, die ihm bei der bisherigen Mahlweisc zufielen. Er bekommt zwar ein weißeres Mehl, aber ein weniger kräftiges. Der Gaumen wird ver- tvöhut(schrecklich!) und die Nährkraft des Mehlis nimmt ab. Wir wünschen sehr, daß wir falsch prophezeien, aber es kann eben kaum in anderer Weise kommen." Nein, lieber Schwarzer! Es wird nicht anders kommen. Der Kapi- talist kauft mit der billigen Wasserkraft auch die Arbeitskraft der länd- lichen Bevölkerung, die nach und nach proletarisirt wird. Ihr Geschmack wird verfeinert werden, nicht nur durch das weiße Brod, sondern durch die wachsende Erkenntuiß, die sie im Sozialismus und nicht im Ka- tholizismus ihr Heil erblicken läßt. So wird das Wasser, das bisher die ultramontane Mühle trieb, bald die sozialistische treiben. Du brauchst deshalb nicht ängstlich zu werden, denn wir hoffen in der Zukunft ans manchem streitbaren Pfarrer oder Kaplan einen ganz passablen Schul- Meister zu inachen. Doch Scherz bei Seite. Die Wahl vom 20. Februar hat uns auch in Bayern gezeigt, daß unsere Ideen fruchtbaren Boden finden. Zwar dedarf es noch großer Aufklärungsarbeit, aber wir werden uns ihr willig unterziehen und, wie bisher, keine Opfer scheuen. Der Bayer, namentlich der bayerische Bauer, ist ursprünglich eine konservative Natur. Er ist nur schwer neuen Ideen zugänglich, aber hat er sie einmal er- faßt, hält er sie mit Nägeln und Zähnen fest. Darum blicken auch wir, gleich den Genossen allcrwärts, mnthig in die Zukunft. Es muß bald besser werden!" —„Kulturkampf" in Amerika. Drei römisch-katho- l i s ch e Bischöfe in Wisconsin, alle drei Deutsche, haben kürzlich einen förmlichen politischen Wahlaufruf erlassen. „Das ist", schreibt zu dieser Meldung das„Phil. Tageblatt",„eine bedcntnngsvolle Thatsache, welche blos der Ansang von weittragenden Ereignissen sein mag. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese An- maßung von der Masse des amerikanischen Volkes mit Entrüstung zurück- gewiesen werden wird. Es ist uns kein Fall bekannt, daß der Klerus so direkt in politisches Gebiet eingriff, wie hier. Das wird man sich schwerlich gefallen lassen, um so weniger, als es zudem deutsche Geist- liche sind, die da in's Feld rücken. „Um>vas handelt es sich nun? Die letzte Legislatur deS Staates Wisconsin hat eine Akte erlassen, nach ihrem Urheber„Bennett- Bill" oeuannt, ein Gesetz über das Schulwesen, welches u. A. Privatschulcn der staatlichen Inspektion unterwirft und vorschreibt, daß jedes Kind zwischen sieben und vierzehn Jahren für wenigstens zwölf Wochen im Jahr im Lesen, Schreiben, Rechnen und in der Geschichte der Ver- einigten Staaten in englischer Sprache unterrichtet werden soll. „Das ist sicherlich ein sehr bescheidenes Maß von Schnlzwang. Aber diese Bestimmung ist es, gegen welche die Pfaffen, katholische wie pro- testantische, Sturm laufen. Es ist bekannt, daß sie alle versuchen, den öffentlichen Schulen ihre Kirchenschulen gegenüber zu stellen. Die katho- tische Kirche niacht ihren Kindern zur Pflicht, Kinder nur in katholische Schulen zu schicken. Wer sich weigert, wird mit Exkommunikation be- droht. In diesen Schulen wird der größte Theil der Zeit ans sog. religiöse Dinge verwendet; das heißt, den Kindern wird der Kopf mit einem Wnst von Unsinn vollgestopft, den sie ihr ganzes Leben nicht wieder los werden können und deshalb in der Gewalt der Pfaffen bleiben. Darauf ist es abgesehen. Wer die Schule hat, der hat das Land. „Die deutsche Klerisei behauptet nun, wenn der in dem Bennet-Gesetz vorgeschriebene Unterricht in englischer Sprache eingeführt würde, so bliebe nicht Zeit genug für ihren Hokuspokus. Sie stellen dieses Gesetz als eine V e r g e>v a I t i g n n g des D e u t s ch t h u in s hin, obwohl doch kein vernünftiger Mensch etwas dagegen haben kann, daß die Kinder in der Hanptlandessprache das lernen, was sie im Leben später so nothivendig brauchen. Und dieser Unterricht wird nur für zwölf Wochen im Jahre gefordert; ein Anspruch, der mehr als bescheiden genannt werden muß. Im Staat Illinois ist ein ähnliches Gesetz erlassen worden und auch dort stürmen die Pfaffen dagegen an. Das ist so weit oegangen, daß man beispielsweise in der lutherischen Kirche die wähl- berechtigten Mitglieder zählte und drohte, man werde sie für die Demo- kratcn in's Feld führen, von denen die Abschaffung dieses Gesetzes er- wartet wird. „Wenn etwas die Masse der Anglo- Amerikaner gegen die Einge- wanderten aufbringen kann— undmitvollem Recht— so ist es solche klerikale Wühlerei. Mit der Kirche, wobei diesmal Katholische und Lutherische in schönster Harmonie sind, macht aber fast die ganze deutsche Presse des Westens gemeinsame Sache— unter dem faulen Porwande, daß das Dentschthum bedroht sei. Die Ex-Achtundvierziger werden auf ihre alten Tage hin auch noch elende Pfaffenknechte!— „Es ist zu hoffen, daß die freisinnigen Deutschen im Westen ganz entschieden Schulter an Schulter mit den freisinnigen Amerikanern stehen, damit nicht der Verdacht aufkomme, als ob das ganze Deutsch- thnm sich zum Werkzeug pfäffischer Herrschaft mache. Mit Befriedigung ist zu notiren, daß die„Freie Gemeinde" in Milwaukee in diesem Sinne bereits Stellung genommen und sich grundsätzlich für das Bennctt- Gesetz erklärt hat., Damit wird dem Deutschthum ein guter Dienst geleistet. Es fthlte nur noch, daß es in den Augen der Amerikaner herabsänke zum Schleppenträger der Kirche und auf eine Stufe käme mit den Pose» und Slowaken, die sich ihrer Pfaffen wegen die blöden Schädel wechselseitig einschlagen." Nachschrift. Scttdcm dieses gesetzt, geht uns eine weitere Nummer deS„Phil. Tagebl." zu, ans der hervorgeht, daß die Bischöfe selbst sich nicht hinter die Sorge für das Deutschthum verkrochen haben, sondern daß diese Lesart von ihren liberalen Schleppträgern herrührte. Im Protest der Bischöfe heißt es ausdrücklich:„Es ist nicht die Sorge um irgend eine Sprache, sondern die Vertheidiguug gott- gegebener Rechte und Pflichten, welche uns zu diesem Protest veranlaßt hat." Die„gottgegebeuen Rechte" sind natürlich die u n h e d i n g t e Herrschast der Kirche über die Schule. Und in ihrer Verbobrtheit machten die deutschthüuielnden Liberalen, kaum daß sie von dem Protest hörten, auch sofort Miene, sich ihm anzuschließen.„Es wird," meint indeß das„Phil. Tagebl.",„selbst bei der Gesinnungs- losigkeit, zu welcher der deutsche Liberalismus in Amerika verblaßt ist, für ihn doch kaum angehen, in einem so scharf zugespitzten Prinzipien- streit es offen mit den Pfaffen zu halten. Aber man wird ihnen auch Nicht opponiren. So bleibt es wieder der Arbeiterpresse vor- behalten, die bürgerliche Freiheit zu vertheidigen, die im eigenem Lager, hüben wie drüben, schamlos preisgegeben wird." — Die Berliner Nrbcitcrschutz-Konfcrcnz ist am 29. März in allgemeiner Harmonie geschlossen worden. Ihre prak- tischen Ergebnisse sind genau so ausgefallen, wie wir vorausgesagt: man ist nicht über das hinansgegangen, ivas nicht in den vorgeschrit- teneu Ländern bereits besteht, und hat sich nicht entfernt zu denjenigen Forderungen aufgeschwungen, die schon heute von den weitsichtigeren bürgerlichen Sozialreformer»— Praktikern wie Theoretikern— auf- gestellt werden. Zu einer eingehenderen Charakterisiruug der Beschlüsse der Konferenz fehlt uns heute der Raum, darum vorläufig nur soviel: Mit all ihren Mängeln ist sie. als ein erster Schritt ans der Bahn, die von der Sozialdemokratie von jeher als die nothwendige Konsequenz des heutigen Wirthschaftssysteins bezeichnet wurde, wir meinen die Znternationalität der sozialen Resormbewegnng, als ein Er- folg der Sozialdemokratie zu bezeichnen. Sie bedeutet die nachträgliche Vcrurtheilung aller gegen die Internationale an- gezettelten Verfolgungen. Mit dieser Konferenz ist eine Verhinderung der internationalen Aktion der Arbeiterklasse unvereinbar, eine S e l b st o h r f e i g e für die Veranstalter der Konferenz. Darin liegt ihre Bedeutung; sachlich durchaus unzulänglich, ist sie prinzipiell eine Errungenschast, die uns ermuthigt, fortzuarbeiten zur Verwirklichung aller unserer Ziele und Bestrebungen. — Ein eiserner Kohlengräber. Amerikanische Blätter berichten von einer neuen Maschine für Kohlenbergwerke, die im Stande sein soll, in der fabelhaft kurzen Zeit von 8 Minuten eine Tonne Kohlen zu graben. In den Minen der Monongahela Gas Coal Comp.(Pensilvania) sind bereits mehrere dieser Maschinen im Betriebe, und es hat sich herausgestellt, daß dieselbe allen t» sie gesetzten Erwartungen vollkommen entsprach. „Die Maschine", schreibt das Pittsburger Volksblatt', hat sich glänzend bewährt, und ihrer allgemeinenEinführung steht wohl kaum Etwas im Wege. Zur Herstellung dieser Maschine, deren treibende Kraft. wie wir früher schon bemerkten, ein elektrischer Motor ist, hat sich jetzt eine Gesellschaft gebildet, die sich kürzlich in der Staatshauptstadt, unter dem Namen„Mill& Mine Electric Equip- ment Company of Pittsburgh", einen Freibrief erwarb. Die hervor- ragendsten Mitglieder dieser Kompagnie sind die Herren W. Carnahan, John S. Scully, Win. I. Burns und V. Pattcrson. Durch Anweu« dung dieser neuen Maschine werden die Produktiv nsko st en der Kohlen um die Hälfte des gegenwärtigen Prei- ses verringert." Wenn sich all das als richtig herausstellt, so wird die Maschine auch wohl bald über den Ozean ihren Weg finden und von den Kohlen- baronen als ein willkommeucs Mittel benutzt werden, ihren Arbeitern das unverschänite Verlangen, als Menschen leben zu wollen, gründ- lich auszutreiben. Die Maschine wird alsdann überall die menschlichen Kohlengräber, und zwar gerade die qualifizirten, verdrängen, und somit das allgemeine Niveau der Kohlenarbciter herabdrücken— kurz, eine ganze Revolution in der Kohlenindustrie bewirken, deren Kosten mit ganzer Wucht zunächst auf die Schulter der Arbeiter fallen. Und doch wird die Maschine ein Segen für die Menschheit sein, inso- fern sie eine Arbcitsverrichtung, die sich von Jahr zu Jahr gefährlicher gestaltet— weil immer tiefer liegende Schichten aufgesucht werden— den Menschen abnimmt und dem todten Material zuweist. In einem vernünftig organisirte» Gemeinwesen würde sie daher allseitig mit Jubel begrüßt werden, in einer so widersinnig orgänisirten Gesellschaft, wie die des kapitalistischen Privateigcnthums, erscheint und wirkt sie als ein Feind, als ein V e r n i ch t e r derjenigen, die sie zu erretten bestimmt wäre. Und darum fort mit einer Gesellschaftsordnung, die solch grau- samen Widersinn zur nothwendigen Folge hat! — Sparig hat die 6 Exemplare des„Sozialdemokrat" nicht zur Verbreitung bezogen, erklärte der sächsische Justizminister v. Abelen, als Liebknecht und Bebel ihn neulich im Landtage inter- pellirten, wieso es denn komme, daß ans das Bekanntwerden von den Bestellbricfen des Sparig nach London gar keine Schritte von Seiten der Justiz geschehen seien, die doch nach.Angahe des Ministers ohne Ansehen der Person ihres Amtes walte. Diese Antwort ist wirklich famos. Wenn einer sich für schweres Geld 6 Exemplare eines Blattes bestellt, dann thut er das, um sie nicht zu verbreiten. Warum hat der Minister nicht lieber gleich, nach Analogie des alten Studentenwitzes, erklärt, Sparig habe gleich 6 Abonnements auf den„Sozialdemokrat" bestellt, um möglichst viel Exemplare von diesem Blatt vertilgen zu können? Auf jeden Fall ists doch ein lieber Herr, dieser— Sparig! — Das„Zeitgedicht" vom Debbchen-Götz, das wir in voriger Nummer zum Abdruck brachten, stammt natürlich ans früherer Zeit, nämlich aus dem Jahre 18 9 7. Ursprünglich war es ein Turnerlied nnd enthielt noch zwei Verse mehr, die dem harm- losen„Knctpvcrgnügen" gelten. Wir haben sie sortgelassen, sintemalen in diese ni Punkte der Götz sich treu geblieben ist— ein wahres Muster„konsequenter Fortentwicklung". Herr Götz ist zwar kein „Dheeler" mehr, aber mit dieser Thcilung ist er sicher einverstanden: uns das Zeitgcdicht, ihm das Kneipgedicht. Korrespondenzen. Lambrecht(Pfalz). Der hiesige Tuchmachcrstreik, rcsp. die Ans- sperruug dauert unverändert fort. Unsere Blutsauger beabsichtigen, die einheimischen Arbeiter durch auswärtige zu ersetzen. Arbeiter! Thut überall Eure Schuldigkeit, um dem Zuzug einen Riegel vorzu- schieben. Nicht daß vielleicht angenommen wird, unsre Forderungen seien zu hoch gestellt; wir verlangen die Arbeitszeit von Früh 6 bis Abends 7 Uhr, sowie eine 20prozentige Lohnerhöhung. Außer unsrer Feudal- bourgeoisie steht uns die ganze Bürgerschaft sympathisch gegenüber, und mit Hilfe Eurer Unterstützung, Genossen, werden wir unser» Steg auch erkämpfen. Unsere Fachgenossen liege» meist selbst im Lohn- kämpfe; wir sind also auf die Hilfe der Arbeiterschaft im Allgemeine» angewiesen. Arbeiter! Helft uns in unserm schweren Kampfe!! Briefe und Sendungen sind zu richten an Karl Schlosser, Wirth in Lambrecht, Pfalz. Wir bitten die ansländische Arbeiterpresse um Abdruck. — Von der auch von uns besprochenen Streitschrift des Professor A. Dodel-Port:„M oses oder Darwin?" ist jetzt bereits die dritte vermehrte Auflage(das 7.— 11. Tausend) erschienen. Es ist das ein Beweis nicht nur für die inneren Voxzüge dieser Schrift, sondern auch daß sie einem weithin empfundenen Bedürfnisse cntiv.icht. Hütet Euch, hütet Euch! In Nr. 11 Haben wir zwei„Gcntlemen" aus der neueren Schule Krüger-Ma uderode vorgeführt und lassen heute einen Dritten folge», dessen Thätiakeit im IV. Wahlkreis- Berlin um so eigenartiger ist, als er persönlich in weiteren Arbeiterkreisen bisher durchaus unbekannt zu sein scheint. Friedrich Lust, von Beruf Bergmann, früher wohnhaft Fritdrichstr-aße Nr. IL in B e r l i n,— auqcnblicklich unbekannten Aufenthalts.— hat der Polizei über im IV. Berliner Wahlkreis tagende Versamm- I u» g e n und Verirauensmäuner-Sitzungen berichtet. Durch und durch verlottert und arbeitsscheu, drückt er sich meist in Kneipen herum, von wo er selbst und durch Zu- träger Aufgeschnapptes der Polizei mundgerecht hinterbringt. Mittels- mann zwischen der Polizei und seinen Zuträgern, dient er beiden als Werkzeug nnd dürfte bei dem Wahlkra w allen in Staßfurt und Köpenick auch einige„Beschäftigung" gchabthaben. Man warne vor ihm allerwärt s und in den westphälischen BergmannLrevieren ganz besonders. Die reaktionäre Contremine ist nach wie vor ununterbrochen thätig. Die S.ch u l e K r ü g e r- M a n d e r o d e w i l l sich auf's Nene als unentbehrlich zeigen; darum ans Tageslicht mit den verlotterten Werkzeugen l Die eiserne Maske. Briefkasten der Redaktion. Briefe und Einsendungen erhalten aus: Berlin, Chicago, Jsniidt, Kopenhagen. Lambrecht, Meeraue. Stuttgart. Zürich. — H. B. in Kopenhagen: Unseres Wissens gibt es für Desertion keine Verjährung. Der Betreffende hat nicht uur Bestrafung, sondern auch nachträgliche Einstellung tu den Militärdienst zu gewärtigen. der Expedition: H. Hhn. Eoban: IZV- Py. f. Schst. erh. Nach Frühcrem recherchirt, aber Nichts erh.— Cowie U.Co. London: Sh. 8.— Ab. per 1890 erh.— Erzengel: Mk. 2. M Portovergütung per 1. Qu. erh.— Pierrot: Mk. 8.— a Cto. Ab.«. erh.— Roch. Pstmstr.: Nachr. v. 24/3 drh. Seit Oktöb. 89 hättt' immerhin ein klarer Bescheid über die Lage der Dinge erfolgen müssen. Die Leute wollen wissen, woran sie sind.— Michel: Wbr. u. Archivsache dkd. erh. u. Bestllg. vorgemerkt.— Elsterstrand: Bstllg. u. Ad. vormerkend, sind wir der Ansicht, daß uns weder Vt. noch V. V. Eintrag thnn sollten, dafern Ihr Erfolg nicht als eine Art Strohfeuer verpuffen soll. Wir hatten Verzchnfachung Ihres bisherigen Bedarss erhofft.— Nach- folger: Mk. 1.— s. Fcstnummer erh. n. Sdg. mit Nr. 13 am 27/3 direkt bewirkt.— I. V. Portobello: Sh. 4.— Ab. per 2. Qu. erh. Louise: Mk. 11.— Ab. 2. On. u. Schstn. erh. Bestllg. folgt.— sllte Garde: Nachr. v. 26/3 erh. u. Mk. 19.50 per Ggr. gutgebr. K. wird besorgt. Diesmal bist du ins andere Extrem verfallen.— Der Gequälte: Adr. auf Anfrage v. 26/3 besorgt u. Bestllg. notirt. Sobald Slnonnce Im S. steht, kommt das Erfragte. Angedeutete Nach- richten erwartet.— Vcilchenstein: Mk. 100.— a Cto. Ab. k. erh. u. Adr. geordnet. Weiteres dkd. aä notam genommen.— E. B. Leeds: Sh. 2.— Ab. 2. Qu. erh.— Z. W. Chicago: Sh. 8.2 f. Schrftn. erh. n, Beil. benützt. Bstllg. folgt. Sie lesen den S. u. vergessen trotzdem Ihre Geldsendung auf Ksntisb Town Road Postoffice zahlbar zu machen. Reklamircn Sie beim dortigen Aus- träger deS S D. energisch, dann wird pünktlicher ans- getragen werden. Mit direkten Einzelabonnements ist weder der Sache, noch uns geschäftl. gedient.— Schwarzer Tangenichts: Mk. 20.— f. alten Rest u. Mk. 10.— per 1. u. 2. Qu. zc. K. erh. Bstllg. folgt u. bfl. mehr.— Fcrnandez: Mk. 500.— a Cto. Ab. n. erh. Ge- wünschte? bfl. abgg. Adr. erwartet.— Claus Groth: Mk. 100.— a Cto. Ab. 2C. erh. u. Mk. 25.75 per Verläge gutgebracht. Angefragtes erklären bfl.— Rothes Fenster: Das sieht ja ans, als wollten a u ch Sie vor den Gegenfüßlern ins Mauseloch kriechen. Auf einem Esel ist übrigens Christus t r i n m p h i r e n d in Jerusalem eingezogen und — wer weiß,— wer weiß, woran Ihre neuen„Schriftgclchrten" bei ihrem scharfsinnigen Vergleiche gedacht haben!?— Erfenstein und Spangenberg: Beil. besorgt u. Fortsetzung bewirkt.— H. Rschke. Edinburgh: Sh. 8. 3 2 IIb. 2. Qu. n. Schft. erh. Sdg. folgt.— Hch. Hhn. Govan: Sh. 17. 4 f. Schft». erh. u. Sdg. bewirkt.— Panzerschiff: Mk. 201.61 f. Schft. n. Slh. erh. u. Weiteres vorgemerkt. Bf. v. 30/3 per B. auch hier— Pickelhaube: Bestllg. fort. Bfl. Nähere? betr. F.— Pharao: Bf. v. 28. im 31/3 bcantw. u. Weiteres besorgt. — D. Wacht a. d. Extz: Bestllg. u. Ade. lt. Vorlage v. 30/3 notirt. Lieferung folgt.— Rthr. Apostel: Adr. notirt». Bf. v. 27. am 31/3 beantw. P. folgt.— Fuchs: P. K. v. 27. am 31/3 beantw. u. Adr. geordnet.— A. Grt. Charleston: Sh. 10.— f. 5 Ab. per 2. Qu. erh. Bfl. mehr.— A. L. Dlhn.: Fr. 17.— s. 3 Slb. per 2. Qu. u. a erh. Cto. Erfragtes bfl.— Dr. Hy.-B.,' Mk. 4.50 p. Ab. H. 2. Qu. u. Ggr. geord.— Mcßdiencr: Mk. 3.— Ab. 2. Qu. erh. u. Zugesagtes erwartet. Hoffentlich findet sich dann auch geeigneter Ersatz für R. u. zwar im allseit. Interesse.— Lappländer: N!'. 12.90 Ab.-Rest bis Ende 90 erh.- I. B. Ra.: Mk. 8- Ab. 2. Qu. erh.— P. BSlitz Leeds: Shl. 4.— IIb. 2. Qu. erh.— Etzmr. Amstcrd.: Frc. 1.50 f. Schft. erh.— Kl. Sozialdem.: Mk. 10.— aCt. Schft.?c. am 2/4 erh. Sdg. kreuzte m. Jahrb. zr. sibd. auch eingeit. Betr. Än. scheint Ihrer- seits doch ein unerklärl. Jrrth. obzuwalten. Weit. bes. u. Grüße bestens erwidert.— Rth. Exekutor: Mk 18.50 f. Fcstmimmer u. Ab. 2. Qu. erh. Warum nicht auch Kasse f. Dkschft. zc. gleich beigelegt. Baarvor- anszahl. ist festzuhalten.— Wohlgemnth: Mk. 100 a Ct. Ab. Zc. erh. u. Ueberschrbg. v. Mk. 32. 50 auf Lc. bewirkt. Weit. not.— Tanthias: Bf. v. 31/3 nebst. Beil. am 2/4 erh. u. beantw.— Blanc: Cassa ist unbedingt erwartet. Derart repetirt nur die alte Leyer vom Abstrich. — Dtsch. Arb.-Bild.-Ver. Bern: Ihre Warnung vor dem Schwindler Otto Wende, Schneider aus Breslau, in Nr. 26 der„Arbeiterstimme" genügt, wenn Sie uns nur seine etwaige Abreise nach Deutschland oder Oesterresch zc. melden wollen.— A.-B.-V. Brüssel: Bfe. v. 26. u. 29/3 erh. Da eine Einigung unmöglich scheint, folgen Ihre Blätter separat. — C. G. Anders: Haben keine Anwsg erh. betrffdn. Betrag zu quitt. Bstllg. not. Weit, erwartet. --- D. Schm.: H'landen Frc. 2.— Abon. 1. Qu. erh.— I. Prgr. R'b.: Frc. 2. 25 Llb. 2. Qu. erh.>— Stz. B.: Frc. 62. 25 Ab. 4. Qu. zc. erh.— Raupautz: Frc. 17.— Ab. u. Schft. erh. Bitten Aufstllg. — L. Flksn. R'b.: Frc. 2.25 Ab. 2. Qu. erh.— J.W.B.: Frc. 3.90 Ab. 1. Qu. u. Nchlfg. erh.— Hmlcki Ostr.: Frc. 2.25 Ab. 2. Qu. erhalten.---- AuS Baden(Schweiz) sind für die Streikenden in Lambrecht (Pfalz) Frc. 17.— dorthin gesandt worden, was auf Wunsch hiermit bescheinigt Der Empfänger. Kommunistischer Arbeiter BildungS-Berein 49 Tottenham Street. S a ni st a g, den 5. April 1890: „Mk«ödem Arbkittrbkwtguiig und der Kampf gese« die Kourstoiße." Vortrag von Bürger Ferd. L essner. Freunde und Parteigenossen sind freundlichst willkommen. Anfang präzis Abends 9 Uhr. Der Vorstand. Wir empfehlen unseren Genossen Die Schneiderei in London oder Der Kampf des großen und kleinen Kapitals. Von I. G. E c c a r t u S. Preis 15 Pf., bei Partienbezug Rabatt. Diese Broschüre dürste gerade heute wieder sehr zeitgemäß sein. *** Ferner empfehlen wir: Sozialdemokratische Bibliothek Heft XXIX: Grutz- Gisenstirn. Erjithmschts ans puttkameroo. Ein vierblätteriges Broschürcnklecblatt von Vetter Niemand. a) Anarchismus, Sozialdemokratie und revolutionäre Taktik. d) Warum verfolgt man uns t Preis: 30 Pf.= 35 Cts. Die verschiedenen Aufsätze, die unter obigem Gesammttitel vereinigt sind, wurden seinerzeit im Auftrag von Haniburger Arbeitern verfaßt und in Hamburg bereits vor mehreren Jahren einzeln verbreitet. 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