Kvouvements ®fr>fn fcrm Vcrsag und defteu belannfen A i e n t c n entkcge»- Henomn'.t». und z.oar zum voraus zahlbaren V!cr!tljahrSprtiZ von: Nk, 4,40 siir Deutstütand.(d?rtrt p.r Drics-C�üvely 8teJT.£,75 für O eil erreich(direkt per v-rief-CouveU) £,— für rflc übrigen Carbe? des WcUp�stvcrcins Kreuzband). Iiisrrake die drcl�rs�a'.tene Prtl'i'is« iPe>!» LZ Pig.---»£0 CU. Krgan der Sozialdemokratie deutscher Junge. Krscheint Wo�entltck» einmüt in London. Nn-lng der Leenian �odpeeaNror'l�sUlnx�s, E. Bernstein& Co., Lcnuon N. W. 114 Kcnlish Town Hoad, iloUfcuiuiiiri ftonto otztu jtdnf». Gnvvhnliche Tr'.cse Vach Englan') kolen Doppclporla- M. 20. ©riefe an die Nedaktion und Erveditton tcS in Deutlchlond und LtsterrciZ» verbotenen.Cozi.'.ldemokraf wolle man unter Beodachtnuz äußerster Vorsicht abgehen lassen. In der Negel schicke man un5 die Briefe nicht direkt, sondern an d'.e b.'kannt.u, Teckadrcßen. In zweiselhaftln Fällen eingeschrieben. 17. Mal 1830. Der erste Mai und die Arbeiterbewegung iu Italien. N o in, dm 8. Mnl I8S0. Die bürgerliche Presse aller Länder hat es an Telegrammen und sanstigen Berichten über den 1. Mai n»d die Arbeiter- beivegnng in Italien in diesen Tagen nicht fehlen lassen. Ob dieselben alle ivahrheitSgetren waren und ein richtiges Bild der Sachlage gaben, das ist eine andere Frage, die zu unter- suchen jedoch kaum der Mühe lohnt und jedenfalls für unsere Genosse» in Denlsdjland sowie im Auslände überhaupt, von feinem Nutzen wäre. Es liegt in den Verhältnissen begründet, dass keiner der betreffenden Korrespondenten über die italienische Arbeiterbewegung aus eigener unmittelbarer Anschauung zu berichten vermag, sondern daß sie ihre Informationen aus den ministeriellen und oppositionellen bürgerlichen Kreisen und Organen beziehen und, samint Stimilmng und Farbe, unkri- tisch und sogar naiv wiedergeben» Mit großem Ergötzen wird die Außenwelt die in allen Berichte» wiederkehrende Schilderung der terroristisch provo- zirenden Maßregeln gelesen haben, mit denen der Exrevolu- tionär CriSpi und sein Kumpan, der Unterstaatssekretär für daS Innere und Ex-Mazziniancr FortiS, zwei NobeS- Pierre zu Esel, das ganze Land in Ausregung versetzt haben. Unbedingtes Verbot aller öffentlichen Versamullungen und Umzüge, Znsammenziehung des Militärs von den kleinen Orten nach den größeren Zentren, die man als stärker be- droht ansah, eine Unznhl Verhaftungen am Vorabend des 1. Mai, die Polizei überall zur Aufwieglerin durch Spio- nage degradirt, das sind die Idee» und Mittel, mit denen der berühmte Ex-Deinagoge das Vaterland gerettet hat. Mit ander» Worten: die Anarchie von Oben. Es war infolgedessen natürlich und sogar unvermeidlich, daß hier und da die Kundgebung eine gewisse politische Fär- binig annahm. Die liberale Presse, die bis vor kurzem nicht das geringste Interesse für die Achtstnndenfrage gezeigt hatte, sah sich gegenüber den Maßregeln des weißen Schreckens vcr- anlaßt, in scharfen Worten gegen diese Verletzung der poli- tischen Freiheit zu protestiren. Die äußerste Linke des Par- lamcnts(»leistenö Nepublikaner) mischte sich durch Verairstal- tiiiig von Interpellationen in die Sache ein. Die demokratischen Zirkel nahmen überall für die Sache der Freiheit Partei. Eine Woche lang hatte man. Dank dm Maßregeln der Ne- gicrnng, von einem Ende Jtalieii's bis zum andereil von be- vorstehender Nevolutioii gesprochen, so daß es ganz erklärlich ist, wenn viele Telegramme von„Nnhe" in diesem und jencul Orte ivie von etivaS Unerwartetem sprachen. Was hätte eme bürgerliche Regierung je Besseres und Nützlicheres für die Demokratie ausrichten könne»? Infanterie, Kavallerie und Polizei in voller Nüstung haben in Neapel, in Nom, in Li- vorno, in Mailand, i».� Bologna, in Turin— Überall in ganz Italien— 43 Standen lang das Ausbrechen der Ne- volntion enuartet— ist das etwas Anderes denn eine Feier des offiziellen Einzugs d e s S o z i a l i s m US? Herr CriSpi hat die Arbeiterbewegung um eimgeJahre beschleunigt. Es sei ihm im Nameu aller Geiwsscn Dank gesagt. ES wäre eine arge Täuschung, behaupten zu wollen, daß von den am l. Mal in Italien Verhafteten, die jetzt theilS schon verurtheilt sind, theils noch unter Prozeß stehen, theilS freigelassen werden mußten, Alle offene und ausgesprochene Vorkämpfer der Sozialdemokratie seien. Und es wäre lieber- treibung, die große Masse der Demonstrirenden in Neapel, Bologna, Mailand, Turin, denen gegenüber das stationirte Militär sich wie eine kriegführende Partei benehmen mußte, als das schon geordnete Heer der bevorstehenden sozialen Ne- volution ansehen zn wollen. Wenn die Konservativen be- Haupte», Italien leide noch mehr am Mangel an Pro- dicktio» als an schlechter Bertheilung, so steckt in diesem Satz, besonders in Beziehung ans gewisse Provinzen und Städte, mehr als ei» Körnchen Wahrheit. Die Masse der u n b e s ch ä s t i g t e» Arbeiter ist in Italien groß, und noch größer die der Unzufriedenen. Trotzdem ist es jedoch nichts als unverzeihliche Frechheit, wenn einige ui'misterielle Blätter behaupten, die Kundgebung des 1. Ml sei in eine einfach politische, revolutionäre und anarchistische Schilderhebung ausgelaufen. Tie betreffenden Federhelde» werden ja, obgleich sie sortgesetzt mit der Polizei verkehre»(und W Polizei weiß sehr gut, wie es mit dem„rothen Gespenst" steht) schwerlich alle privaten Schreiben und Flugblätter gelesen, und ebensowenig alle Borträge und Verhandlungen angehört haben, in denen nur von der Achtstundenfrage und von der Verbrüderung des Proletariats der ganzen Welt schlicht und einfach und aus voller Uebcrzeugung geschrieben und gesprochen wurde. Kurz und bündig: wenn auch CriSpi mit seine» Maßregeln in plumper Weise für die politische Nevolutioii Propaganda gemacht, den Protest gradezn herausgefordert hat, so ist eS anderseits über allen Zweifel erhaben, daß diesmal überall in Italien, und besonders in Mittel- und Ober- Italien, der gesunde Kern einer Arbeiterpartei sich öffentlich zur Geltung gebracht und bewährt hat. DaS Hauptzenlruin derselben ist noch immer der„U-rrtito Operaio" (Arbeiter-Partei) in Mailand. Die Leitung ist seit einem Jahre nach A l e s s a n d r i a(Priinont) verlegt worden, wo auch jetzt der„ITuscio Operaio"(früher von Gnocchi Viani rcdigirt) unter der Nedaktion von Arbeitern erscheint. Die „Arbeiterpartei" hat überall, wo sie durch Sektionen ver- treten ist, in den Zeitungen, in Flugblättern und Vorträgen die Kundgebung auf dem rechten Wege gehalten. Ihre wahre Bedeutung ist in Piemont, in der Lombardei, in der Emilia und in Ligurien zum Ausdruck gcOliimeu. Ueberall aber, wenn auch freilich mit dem Unterschiede der Temperamente der verschiedenen Provinzen, haben die italienischen Arbeiter, wo immer und wie immer sie sich änßerten, endlich einmal bewußt und im Grunde von denselben Gedanken erfüllt, im Einver- ständniß mit der Arbcitcrwelt aller Länder ihre Stimme er- hoben. Werden diese Ansätze proletarischer Solidarität so gedeihen, daß daraus eine richtige und lebenskräftige italienische S o- zialdemokratie sich entwickeln wird? Einige meinen, es fehlte an den zu Leitern passenden Menschen. Andere glauben, mit literarischen Mitteln, d. h. mit Zeitungen, Büchern und Broschüren, könne man Wunderdinge ausrichten, wieder An- dere sagen, man brauche erst eine Nepublik, um größere Freiheit zn genießen. Diesen Vehauptnngcn, die alle sehr an ideologischer Einseitigkeit leiden, stehen manche prosaische That- fachen entgegen. Die selbstbewußte„Arbeiter-Partei" hat sich nur da entwickelt, oder entwickelt sich nur da, wo die Maschine schon stark arbeitet, sei es in der Stadt, wie Mailand, Como u. f. fei es auf dem Lande, wie im Mnntiiesischen, in der Emilia, Polesine u. s. w. Dagegen schwankt die große Meiige der zersplitterten einfachen Handwerker, die sich von den Verhältnissen gedrückt fühlen, ohne vom Kapital eine Ahnung zn habe», abwechselnd nach rcckits und nach links, je nachdem sie in ihrer Unerfahrenheit wähnt, das Heil erhoffen zu können. Dieser unbeständigen, vom kleinbürgerlichen Geist erfüllten Masse gegenüber haben die politischen Demagogen aller Parteien leichtes Spiel. Be- sonders in kleinen Städten gibt es eine Masse solcher klein- bürgerlichen„Arbeiterführer" und„Arbeitersreunde", die sich als Volkstribnne geberden.- Sparkasse», Konsumvereine und sonstige kleine Anshülssrczepte bürgerlicher Erfindung wirken als Mittel, den proletarischen Geist nicht auskommen zn lassen. Das Blendwerk der Name» ist groß, und das Wort„So- zialiSmu S" wird zu allen mögliche» und unmöglichen Zwecken gebraucht und mißbraucht, so daß der„Arbeiter- Partei" vor Allem die Pflicht obliegt, ihre Ziele und Gren- zen mit vollem Bewußtsein festzustellen. Die Arbeiter- beivegnng in Italien ist jetzt„an cincm historischen Wende- piinkt angelangt". Ob hervorragende Geister und literarische Mittel hinreichen würde», daS zn leisten, was nach unscrm Begriffe nur die nivellirende Macht des Kapitals leisten kann, mag gerne da- hingestellt bleiben. Der Zukunft ihre Nechte! Die Kundgebung dcö 1. Mai hat jedenfalls alle Hoff- Illingen, die von Sozialisten und vorgeschrittenen Arbeitern auf sie gesetzt wurden, durchaus übertroffen. Noch einige Tage vorher war die Stimmung vieler in Wort und Schrift thätigen Sozialisten sehr pessimistisch. Man incinte, es werde aus Mangel an Einverständniß, an zentraler Leitung und an allgemein gelesenen Organen nichts zu Stande kommen. Doch es ist gelungen, in wenigcn Tagen eine große Propa- ganda zu entfalten. Niemand hat sich dem Glauben hinge- geben, daß die italienische Kundgebnng je eine solche Wir- kung ans die Weltverhältnisse ausüben werde, wie die im Wiener Prater oder im Hyde-Park. Aber ihre moralische Wirkung ist doch eine große gewesen. Man hat die Ersah- ruilg gemacht, wie man sich in solchen Fällen einzurichten hat, und daß die von der bürgerlichen Presse so oft als Schreckgespenst vorgeführten Pnarchisteii nicht so gefährlich sind, wie man gewöhnlich meint. A n a r ch i st e n oder einfach Ncvolntionäre? Darf man alle diejenigen, die sich Anarchisten nennen oder so genannt werden, als Vertreter der anarchistischen Lehre ansehen? Einige ja wohl; und es sind sogar geweckte Köpfe und tiich- tige Volksredner darunter. Daß ihnen die Ausbildung einer stabilen Arbeiterpartei nicht zusagt, haben sie sehr oft zu erkennen gegeben, und besonders vor Kurzem hier in Nom. Darf indes; die Existenz solcher uiiruhigen Leute, die doch nie die Gesellschaft wirklich in Gefahr gesetzt haben, als nur passende Erklärung— von Nechtfertigung ganz zn schweigen— der r u s s i s ch e n Maßregeln der Negieruug hingeuommen werde»? Nicht im Mindeste». Ebensowenig wie die Verbrei- tinig der ans Paris gesandten anarchistischen Manifeste, die bis in die Kaserne drangen. Es war in der That lächerlich und zn gleicher Zeit traurig, zu sehe», wie hier in Nom am 1. Mai, während viele Fremde ans der Stadt geflohen und viele große Herren auf's Land gefaliren waren, während viele Läden geschlossen und alle die öffentlichen Gebäude, die Banken u. s. w. stark mit Militär besetzt waren, während die Mehrheit der Arbeiter entweder zu Hanse geblieben oder an der Arbeit war, vier- zehntausend Soldaten, die bewaffnete Polizei nicht gerechnet, auf Kriegsfuß bereit standen, Staat und Gesell- schast vor einer auszubrechenden Nevolutioii zn schützen, die nicht ausbrechen wollte— und von einem Punkt zum andern liefen, um die kleinen Gruppen von hartnäckig Dcmonflriren- den zu zerstreuen, die alle zusaiuinen nicht mehr, wenn nicht weniger, als höchstens tausend Personen stark waren. Am Vorabend, am 30. April, wurde, während die Plätze schon militärisch besetzt waren, mit einem imposanten Zug von Demokraten und Patrioten die Apotheose Aurclio Sassi'S begangen. Der bekannte Schüler Mazzini's und Triumvir der römischen Republik von 1349, ist vor einigen Woche», der Monarchie wie dem Sozialismus gegenüber gleich verstockt, in Forli gestorben. Sein Lobredner auf dem Kapital sprach von Volkörevolution. Am 1. Mai guckten die Damen, die nicht ausgefahren waren, ans den Fenstern, ob die Ne- volntion jetzt käme. So wartete auch Herr CriSpi, der als Afterjakobiner von 1843 nicht recht weiß, wo die soziale Ne- volntion steckt, wie die Damen, am Fenster aus sie, als einen einfachen Krawall. Welch ein Staatsmann!- X. y. o. Zur Erinnerung an Wilhelm Wracke. IV.(Schluß). '' Wir übn-gcficii den zweiten Abschnitt dieses KeipitelS„die Orgnnisa- tio» des Proletnrilits ic.", worin die Nothwendigkcit, sowie dns Wesen der politischen und gcwerkichoftlichcn Orgnnisotion der Arbeiter dargelegt wird, ferner de» kurzen Abschnitt„Verbindung dcS ProlctciriiNS der verschiedene» Länder",»in dagegen den 4. Abschnitt, sowie das Schluß- kapitel ihrem volle» Wortlaut nach abzudrucken. Aanicntlich der erstere ist iverlh, iniincr wieder a»fS Nene den Genossen eingeprägt zn werden — er wäre nach»nscrer Ansicht würdig, auf den Grabstein unseres verewigte» Freundes eingegraben zu werde». Das Schlnßkopitel, die sozialistische Produktionsweise", gibt individuelle Ansichten wieder, die man nicht in alle» Punkten zn theilcn braucht, wie ja auch Bracke weit entfernt Iva?, sie als absolut hinznstcllcn, die aber doch in allgeincineil Umrissen die Richtnng»nseres Endziels treffend niärkirc». Der 4. Abschnitt des Kapitels„Toleranz gegen die ver- f ch i c d c n c» M c i n» n g c n» n d Ans! ch t e»" lanlct: „Die Klassenbcwegnng kennt kein alleinseligiuachcudes Rezept; sie kennt kein Dogma. Dauer ist ihr Jeder willkommen, der auf dem all- gemeine» sozialdemokratischen Bode» steht. Die Klasscnbewegnng ist tolerant gegen jede besondere Ansicht. Sie wird die verichiedenc» Meinungen sich aussprechen lassen; das Rechte bohrt sich durch. Rur in gegenseitiger Diskussion wird daZ Bessere gefunden werden. „Deshalb ist es durchaus nicht gegen den Eharakter dcr Klasscnbcwc» gnng, wenn Mitglieder einzelner Sekten sich ihr anschließen. Die deutsche.Klasscnbewegnng wird Z. B. von den Lassalleancrn nicht als Bedingung ihres Eintritts die Anfgcbnng des Lassalle'jche» Vorschlages fordern. Im Gegcntheil wird sie e? gern sehen, wenn Andersdenkende mit den Lassalleauern dispntiren. Wenn diese aber eine eigene Sekten» orgauijation durchsetzen und die Klasjcnbcwegnng anscinden. so bedauert sie das ohne, daß sie iudeß darum anshört, bereit zu sein, bisherige Gegner freundlich In sich anfnehme». „Ist die Sektcnbewegimg gekeimzeichiict durch den größeren oder gc- riugcrc» Fanatismus, der sich bei den Mitgliedern derselben siir ihre seklirerischen Eigenthümlichkeiten entwickelt, so ist die Klasscnbewegnng charalterisirt durch eine Vernunft g e in äße W c i t c r c» t w i ck- l u n g und durch ihre große Nachhaltigkeit und Tiefe. „Die größeste Anstrengung wird die Bewegung machen,— dem innewohnenden Drang nach Weiterentwicklung gemäß—»in über alle ökonomischen und poliiischen Verhältnisse klar zu werden und die ganze Klasse mit der Einsicht davon zn durchdringen. Die Lage der Ar- bcrterklasfe, deren Urjachen, etwaige Mittel zu ihrer Bcrbessernng und die Gesetze der nioderneil Produktionsweise wird sie nnanshörlich diS» kntiren. „Stach meiner Mcinnng wird sich die Klasscnbewegnng bald durchdringen von dem Bcwnßlscin, daß Ihr endlicher, v o l l k o i»- m c n e r Sieg selbst eingeschlossen ist in das E n t w i ck- l» ii g s g e s e tz der modernen Gesellschaft. Sie wird dann daZ Ziel genau zu erkennen suchen, ans welches die Entwicklnng zn- steuert, niid, freudige Siegeszuversicht im Herzen, wird fie dann mit Bewußtsein jenes Ziel zu erreichen trachte». Sie wird damit selbst die Entwicklnng beschleunigen n n d vereinfachen. Statt unklar hin und her zn tappe», wird sie bewußt und mit Sicherheit ihre Bahnen wandeln. „Dann hat sie ihre historische Aufgabe begriffen: bei der lim» Wandlung der k a p i t a l i st i s ch e n in die sozialistische Produktionsweise»» d bei der g I c i ch z e i t i g e n U m- Wandlung aller p o l i t i s ch e n B e r h ä l t n i j s e die ans- s ch l a g g e b e» d c Macht zu sein, die neue Gesellschaft, den» e n c n Staat z» o r g a n i s i r c»." Ist das nicht prächtig gesprochen? Jedes Wort gilt noch heute wie damals, nnd wird»och morgen gelten, wie Herne. Und nun bn3 Schlußkapitel: „IV. Die sozialistische Produktionsweise. „Wir haben gesehen, daß dos EntwieklniigSgesetz der kapitalistischen Produktion selbit schließlich zur Expropnirnng der P r i v n t e i g e n- t llii m er von allen ProdnktionSiiiitteln führen wird. Diese Pro- duktionsuicltel werden dann in den Besitz der G e j a in m t h e i t, in den a l l g e in e i» e Ii Besitz übergehen. D a h e r der Name: Koni- mnnisnms. „Die Expropnirnng der Privateigenthnmer hat sich zugleich als das einzige Mittet dorgcstellt. durch ivelcheS die Emmiz pation der Arbeiter- klafft sich zu vollziehen vermag. So lange Proditttionsmiltel in ihrer jetzigen Bedentiiiig, d. h. ProduklionSintttel im Großen, Maschinen, Fabriken', Bergwerkt, ttiftnid niid Boden n s. w. im P nun ib.-sitze sind, sind Lohnarbeit»nh Uisternehmergewinn nicht ausgehoben. DaS Klassen- iiilexefse der äfsfeiteudsii Mässtzi wird daher dem EuIwicklimgSgcsctz der kapitalistische)! Ptodnkiimi zn Hülse koinhien: wenn einst die letztere durch mehr nnd mehr volkeiidelc.Konzentration nnd Organistttion der Ardeiter nnd der Arbeits, niltel die sozialistische Geselischast genügend vorbereitet haben wird, wird diese dem Miitlerschooße eiNiprin�ii nnd die arbeitenden Klassen werde» GeburlShelferdieaste verrichten iiinsjen. Sie haben dann ziveckmäßig-Maßreg-l» zu ergreife», dem luiigeboreiien Kinde Leben und Eiitwicklniig zu sichern; die erste Maßregel ist jene Expropriation. „Dieselbe wftd die sozialistische oder, weiiii man will, koiiuministisch» Geselischast ins Lebe» führen. „WaS zn deren Enlwicklniig ferner näth'g werde» wird, lüiuuiert n»3 jetzt nicht; es liegt»och im weiten Felde. „(Süciifo locnin ffimmfrt uns rjciifc hic äußere Gestnktiing der neue» Gekellschtift. Wollt«»in» dieselbe präzisire», es würde innuer nur ei» einseitiges, wenig verläßliches Pliautnsiegebilde zni» Vorschein toininen. Vielleiwt gehl ninn nicht weit sehl, wenn man die Lrgaiiiintio» jedes einzelnen VrbeitszweigeS etiva so sich vorstellt, wie heute die Post orga- »isirt ist, s lbstoerständlich mit Beseitigung aller dabei heute vorkom- wenden Schwächen und Uiigerechtigkeiten. Die Post(und manche nnoere Llrbeitsziveige) zeigen heute schon, daß eine planniä uge Lrganisalion jeder einzelnen Branche nicht allein sehr ivohl nnssnhrbar, sondern sogar sehr vortheilhaft und ersprießlich ist. Die Berbindnng zivischen diesen einzelnen VrbeilSzweigen kan» man sich etiva so hergestellt denken, wie sich im Mnistenittii eines Landes die verschiedenen staatliche» Thätig- leiten vereinigen. „Doch aus ein richtiges Bild von dem kommenden Gesellschasls- zustande koiuntt iveliig an. Derselbe eniwiekelt sich zn seiner Zeit nach den dann austretenden Ausordernilgen, die sich heute noch gar nicht genau benrtheilen lassen. Was aber>v e s e n t l i ch ist, daS ist, da» Prinzip, auf ivelchem der neue Z istand sich anfbanen wird, klar festzustellen. „Dieses Prinzip ist in sozialer Hinsicht ein neuer Eigen- t h n in s b e g r i f f, in politischer �Beziehung die volle Bolls- h e r r s ch a s t. „Der E i g e n t h n m S b e gr i f f der sozialistischen Gesellschaft ist ein ganz anderer, aber nnendllch viel gerechterer, alS der der kapilali- stischen Produktion eigeulhüinliche. „Heilte erwirbt Einer rnii so mehr, sc mehr Andere er für sich arbeilen lassen kann. Der fremde Arbeitsertrag fließt ihm zu, wird sein eigen, macht ihn reich und nnabhängig. „D a s ist die Grundlage des k a p i t n l i st i s ch e n EigenthiimS- begriffs i Das E i g e n t h n in an fremder Arbeit. „In Zukunft wird Jeder selbst arbeiten müssen, wenn er genießen will. Es wird Niemand etwas haben, der nicht arbeitet, es sei denn, daß er zur Arbeit überhaupt untauglich ist. Jedes Eigeilthnm am f r e m d e n Arbeitserträge wird abgeschafft sein; für die Hillflose« oder sür allgemeine Zwecke aber wird gern ein Opfer gebracht werde». Das Eigkulhnm an der eigenen Arbeit wird hergestellt und damit das h e i l izz st e, u n a n t a st b a r st e E i g e n t h u m S r e ch t. das es geben kann. SiichtS gebührt mir von AechlS wegen mehr, als der Erlrag meiner eigenen Arbeit. „Da aber die Produktion eine gemeinsame ist, muß Jedem der Antheil zngetheilt werden, der ihm von dem gemeinsamen Ertrage ge- bührt. Tarin im vollen Maße gerecht zn sein, mag seine Schwierig- keilen haben. Abex der sozialistischen Gesellschaft wird das Streben iiiueivohne». Jedem gerecht zn werde n. „Deshalb wird sich bald ei» Grundsatz geltend machen, den schon 1795 Babeuf ausgestellt hat, der Grundsatz: Jedem nach seine» Be- d ii r s Ii i j j c u. „Ter Mau» der Wissenschast hat andere Bedürfnisse, als der Hand- arbeiter i beide habe» denselben Anspruch auf deren Besriedignng. In den Bednrsnisseii der Einzelnen wird sich bei der steigenden Bildung und bei der Gemeiiisamteit, welche die verschiedensten Berhältnisse be-,� herrschen wird, eine außerordentliche Länterniig und Beredelniig geltend", macheu Außer dem Nothwendigen wird mehr und mehr nur das Nützliche, Schöne, Angenehme und besonders werden geistige Entwicklung und geistige Genüsse in Frage kommen. Die wirkliche Gleichberechtigung wird auch eine größere Gleichheit unter den Mensche» hervorbringen, aber völlig gleich werden können sie nie; deshalb muß ihnen n n ch�i h r e n B e d ii rfni i s e n werden. DaS wird sich einfach aus dem Streben e»lwickel», gerecht zn sein. „Dieses Streben wird im höchsten Ntaße unterstützt werden durch das politische Recht des Einzelnen, wurzelnd in dem gleichen Rechte Aller. „Die B o l k S h e r r s ch a f t wird in rein demokratischen Ein- rlchtniigen ihren Ausdruck finden. Alles wird von dem Wille» der großen Menge des Volkes abhängig sein. Plag die Mehrheit desselben der sich die Minderheit fügen muß. einmal irren können, jener Jrrlhmn selbst wird der Minderheit die Mehrheit verschaffen. Bei einem ans- geklärten Volke, das seine Geschicke selber bestimmt, leidet eS keinen Zweifel, daß daS Streben nach Gerechtigkeit in allen Berhältnisse» sich immer wieder siegreich Bahn brechen wird, wenn es einen Augenblick zurückgedrängt gewesen sei» sollte. „Tie volle Gleichberechligimg Aller wird eingeführt, jedes Vorrecht beseitigt sein. Auch der hervorragende Geist wird in seinen Vorzügen nicht daö Mittel siude», zu herrsch« N; es wird ihm»nr vergönnt sein, de» gemeinsamen Interessen in hervorragender Weise z» dienen. „Alles Fiirsteulhnin ist beseitigt. Die Majesiiile» und wer sonst noch heutzutage eine bevorrechtigte Stellung einnimmt, werden alS Gleiche unter dem arbeitenden Volke nnfgenoiiimeii, oder sie werden von der Erde vertilgt sein. „Alles durch das Volk, Alle? für daSVolk! Die politische Gleich- berechtigung wird das Mittel sein, die soziale Gleichberechligimg ausrecht zn erhalt.» oder wo uöihig durchzusetzen. „Die dem neuen Zustand eigenthümliche Staats form ist die Nepn- blik; und zwar die soziale, die rothe Nepnblik, da mir in dieser das gleiche Recht Aller in jeder Beziehung möglich. „Habe ich so in kurzen Zügen das Prinzip, das die neue Gesellschaft, den neuen Staat regieren wird, gezeichnet, so sei noch ein kurzer Blick geworfen ans de Folgen des veränderten Znstandes der Dinge. „Die Gesellkchast würde sich zunächst eines viel größeren Reichthnins ersreneu, als heute. Eine Flnth von iliinntze» Arbeiten(Neklame ic.) würde wegsallen; die Arbeit selbst wäre besser orgaiiisirt und viel ergiebiger; eS würde nichts lleberflnssigeS oder Schädliches(Kanonen) produzirt, sondern mir das, was der Menschheit Nutzen schaffe» und von ihr gebraucht werden würde. „Da aber dem Einzelnen nach gerechten Gntlidsätze» sein Antheil an diesem so außerordentlich vermehrten Neichthnine ziisalleii; da mich Natnrkräste und Wissenschaft, im Dienste der Gcsammlhcit stehend, die Arbeit jedes Einzelne» fortschreitend erleichtern würde»,— so würde die Arbeitszeit bald mehr und mehr vermindert werde» können, bis vielleicht ans ein Miiiiiuuiii von 5 oder ti Stnudeil täglich. Trotzdem würde schwerlich Jemand das Geringste entbehren. „Dieses Alles würde die Grundlage abgeben zu einer außerordentlich gehobenen Volksbildung. De», Einzelnen blieben Zeit und Millel, er hätte aber mich die Beronlassiing. nach Wissen z» trachten. Er würde sonst wenig geachtet sein in der Gesellschaft nnd sein eigenes und das Gesamintiutereise würde» ihn fortwährend sporneii. Die Gesammlheit würde ihm eine Fülle von Bildniigsmiltelii bieten. „DaS Talent»nd Genie köiiiilen sich frei entfalten. Kunst und Wissen- schulte» wären nicht mehr abhiiigig von der Laune der Besitzenden, sondern von der Einsicht und dem Willen der Geiammt eit. „Die gesteigerte Bildung würde ihren Einfluß bei alle» Einrichtniigen geltend machen. „Wissen macht frei/ Der Freiheit würde damit eine bessere Znkiinft erblühen. „Schon ihr Gegensatz; die Knechtschaft, Abhängigkeit, wären gebrochen; fiebroche» in sozialer»nd politischer Beziehung. Die Menschheit würde ich also frei fühlen vom srüher ertragene» Joclie. „lind wenn auch keine»»bedingte Freiheit möglich ist— die Freiheit, Andere todtziischlagen, wäre die enlsetzlichste Sklaverei— so würde doch Jedem d i e Freiheit gewährleistet sei». die er besitzen kann, ohne die Freiheit eines Andern zu beeinträchtigen. „Das ist die gröglmögliche Freiheit, die denkbar ist. „Großartig ist der Forischritt, de» die Menschheit mit jener Ent- Wicklung machen wird, deren Keime heule schon in voller Kraft sich tntwickeln. Es ist daS ein Knlliirsorlschritt, wie die Welt einen solchen »och nie gesehen. „Selbst Mitt. eine g istige Größe im Lager der Gegner, hält dem Koinninnisinils eine Lobrede. II»d dabei dachte er doch wahrscheinlich an irgend ein toininiiiiistischeS Sisstem, daS der heutigen Gesellschaft zwangsweise anfgepfropst wäre, nicht aber an eine» iu organischer Ent- Wicklung»lit Nothweudigkeit eingetretenen Zustand l „Mill sagt: „.Wenn mau wählen müßte zwischen dem KommnnlSninS mit allen seine» Ehaneen und dem gegenwärtige» Geiellichastsznstande mit allen seinen Leiden nnd llngerechligkeiten; wenn die Jiistitntiou des Privat- eigeiithnins es alS uothwendige Folge mit sich brächte, daß das Er- gebniß der Arbeit so sich vertheile, wie wir es jetzt sehen, fast im ii»ige kehr teil Verhältniß zur Arbeit— daß die größten Antheile denjeuige» zufallen, welche überhaupt nie gearbeitet haben, die näckistgrößteii denen, deren Arbeit beinahe nur nominell ist, und so weiter biiinnler, indem die Vergütung in gleichem Verhgllniß ziiiamuieiischrilinpft wie die Arbeit schwerer»rd nnangenehiiier wird, bis endlich die ermüdendste und aufreibendste kör- p e r l i ch e Arbeit nicht mit Gewißheit daraus r e ch 11 c 11 kann, selb st» n r den n o t h w e n d i g st e u L e b e n S b e d a r f zn erwerben; wenn, sagen w.r, die Allernakive wäre: dies oder KoniiiinniSmiiS, so würden alle B e d e n k l i ch k e i t e n deS K o»i in n ii i S m n S, große wie kleine, n n r iv i c S p r e 11 in der Waagschale(ei 11." „Ein bereiteres Lob könnte der begeistertste Aiihäuger einer nenen Gesellschaslsordnnng dieser nicht spenden!— „W a n n diese neue Gesellschaftsordniing in'S Leben treten wird? Ich weiß eS nicht. Aber daß sie in'S Lebe» tritt, das ist sicher! „'S ist der Geschichte eh'rneS Ptnß!" „Darum können wir, wenn die alte Gesellschaft ihr eigenes Kind z» erdrücken trachtet, wenn sie vor keinem Mittel znrückbebt, Diejenigen zn venolgen, welche mit Verstand und Herzen auf Seiten der kommen- den Entwicklnug stehen— gelassen ihre» fruchtlosen Ailstreiignngeu spotten. „Wenn sie nicht ohne Kampf ihr Dasein aufgeben will, so wird sie in diesem Kampfe besiegt weroen! Der Triumph der Gerechtigkeit und Freiheit ist gewiß." *« ♦ Mit diesem Gedanken der S i e g e S g e w i ß h e i t schließt Bracke, indem er noch einige Verse ans Freiligrath'S„Schlacht am Birken- banm" folgen läßt, ans dessen glühende» Worten, wie er sagt,„das Proletariat in seinen Käuipfeii neue Begeisterung schöpfe» möge." ES ist derselbe Geist der Siegesgewißheit, der ihn in jenen beißen Debatten des Sommers 1878 de» Vätern des schmachvollsten Sozialistengesetzes das prophetische Wort e»tgegeiiichle»der» ließ: „M eine Herren, i ch w i ll I h n e n f a g e n: 23 i r pfeife» etwas auf das ganze Gesetz!" Er hat den Triumph der Sozialdemokratie über das Schandgesetz nicht mehr erlebt, aber er hat ihn voraiisgefchant. Das Schandgesetz ist heute todt und wird auch bald begrabe» sein. Tie Sozialdemokratie aber lebt, kräftiger als je steht sie da, entschlosseii, de» Kamps für ihr hohes Ziel bis zum Ende zu führe». Aber in ihren Kämpfe» vergißt sie nicht das And.mken derer, die in den Anfängen der Bewegung rastlos gewirkt, die Partei z» Dem zn machen, was sie heute ist. lind unter de» Name», die unvergeßlich in unsere Herzen eingegraben sind, steht mit an erster Reihe der Nmnc 28 i l h c l m B r a ck e, des bravste» und treueste« der Kampfgenossen sür die Befreiung der Arbeiterklasse. Sozialpolitische Alllldschalu London, 14. Mal 1890. — Je mehr antheutisek e Nachrichten über die Maidcmon- stratioueu der Arbeiterklasse eiiilaiiie», Nm so mehr zeigt eS sich, daß dieselbe in alle» Ländern eine» bedeutend größere» llmsaiig gehabt habe», als ihnen die telegraphische» 2Krichte der großen Blätter zurr- kannten. Wie wir bereits in voriger Nummer hervorhoben,»nd wie auch an? der, in unserer heutigen Nummer a» leitender Stelle ver- öffentlichteii Korrespondenz über die Maid.'monssration in Italien hervorgeht, hat die von Seiten der reallionären Regierimgen g nährte Anffassung, es werde am I. Mai überall z» AiisriiHr und Mord kommen, viel an dieser falsch:» Berichterstattiing schnld.„Hier ist alles ruhig"— diese berühmte Meldiing wurde so antgefaßt, als ob über- hanpt nicht demonstrirt worden, während es thatsächlich»nr bedeutete: Iiier ist der erwartete Krawall nnsgeblirben, die'Arbeiter sind so ver- bohrt, sich nicht zni» Vergnügen gesellschaflretterisch veranlagter Staats- iiimmrr zni» Ni.dersilneßeii anzubieten. Aber mich die meiste» der Demonstrotioiie». die mm einmal nicht todtgeschwiege» werden konnten, sind bedeutend geringer dargesiellt ivor- de», als sie thatsächlich waren. Das gilt z. B. auch von der Acht- stuiidendemonstralio» in O e st e r r e i ch. Wir haben den Zug der Arbeiter 23 i e» S im Prater auf Grund der Telegramme ans 40.0t1(> angegeben— thatsächlich hat er, wie wir seildem ersehen, über h n n- de rt tan send Theilnelimer gezählt. Unter den t!0 Versammliiiigen, die am Vormittag des I.Mai in Wien stattfanden, waren eine ganze 'Anzahl von 9000 bis 4000 Personen besucht. So großartig war die Feier des I. Mai in Oesterreich, daß sich selbst die bürgerlichen Poli- liker dem Eindruck derselben nicht entziehe» konnten, wie n. St. die Er- klärnng des Abgeordneten von Moseon im Wiener NeichSrath beweist, der ei» förmliches Loblied ans die'Arbeiter anstimmte, daß sie so tresslich Selbstpolizei zu Halle» wußte». lind wie in Wien, io entsprechend in der Provinz. Dabei gilt auch für Oesterreich, wie sür die anderen Länder, daß die Zahl der Orte, wo der erste Mai gefeiert wurde, ganz»nverhältnißmäßig größer war, als die Blätter sie angaben. Selbst die kleinsten Orte, wo nur eine Fabrik sich besindet, feierten, wie die Wiener.'Arbeiter-Ztg." berichtet. Eine Anszählnng zu geben, ist unmöglich, sie würde auch immer noch »iivoUständig sei», da fortgesetzt neue Berichte einlaufen. Genauere Nachrichte» liegen mich jetzt ans Ainerika bor. Danach ist der I.Mai ganz besonders glänzend i» Chicago gefeiert worden, wo der llmzng der'Arbeiter an 50,000 Theilnelimer zählte. In St. LouiS zählte der Zug der?lrbeiter L5, 000 Personen. I» New- N o r k wurde die Demonstration durch Regenwetter beeinträch- ligt, trotzdem zählte sie an 20,000 Theiliiehnier. Im Große»»nd Ganz:» wurde aber drüben weniger demonstrirt, alS ernsthaft mit dem Kapital g e t n ii g e ii. Wir haben über den Feldzug der Arbeiter- sederatio» zur Erkäuipsnng d:S'Achtstundentages bereits berichtet und fügen daher mir»och hinzu, daß fast jede Nninmer der amerikaiilscheii Arbeiterzeitnnge» neue Erfolge der zuerst i»S Feld gerückten Zininlererorganisatione» berichtet. Indem wir n»S all dirier günstigen Nachrichten rrsrrneii. verhehlen wir uns diirchanS nicht die Größe der Anfgabe». die»nS noch bevor- stehen. Selbst die großen Masse», die diesmal in die Aktion getreten sind, bilden»och eine iniverhältnißmäßige Minderheit unter de» Arbei- lern,»nd auch sie sind zum großen Theil erst berührt, aber noch nicht durchdrungen von dem Grundgedanke» der moderne» Nrbe!terb:wegn»g. Aber sie sind erwacht, iirnes Leben regt sich überall, es geht vorwärts, und das ist die Hauptsache. Der erste Mai 1890 war nur erst ein Streifen Morgcnrmh, aber mich der leiseste Schimmer iltoth mn Horizont liindet daS Aufgehen des herrliche» Souneiigestirlis. — Der neue NcichStag, schreibt man nn». ist doch— ei» neuer Reichstag: so viel neue Gesichter, wie noch kein Steichstag seit Zn- sainuieiitrete» des erste» sie gezeigt hat, und die alte» Gesichter zumeist a» neuen Plätze». Ans den Sitze», wo srüher die R i ck e r t, Bai» berger»nd Engen N i ch l e r als Hohepriester de? Man- chesterthnnis thronten, da haben sich jetzt Bebel, Singer� und Liebknecht niedergelassen, nnd unmittelbar»eben de» heilige» Bänke» der ob der Nachbarschaft gar erstaunten Herren vom Bunde s r a t h hat die nmstürzlerisclie Rotte der S o z i a l d e in o k r a t e n sich häuslich eingerichtet nnd blickt begehrlich nach Rechts, wo es daS nächste Mal auch»och schöne Gegenden zu erobern gibt. Früher waren die Sozial- demokraten in ein Eckchen in der Peripherie verbannt, das strategisch die denkbar nngüiistigste Stellung darbot, so daß sie gewissermaßen nur eine g ed» l d e t e Partei waren— angewiesen ans die Gnade der Anderen. Das ist anders geworden. Die Sozialdemokraten besitzen jetzt eine vortreffliche Operationsbasis nnd der Keil, den sie bis an daS Zentrum der feindliche» Stellung eingetrieben haben, wird mit iinwider- stehlicher Kraft weiter vordringe»— das lehrt ein Blick auf das Gesammtfeld der Parteien, wie sie im Reichstag vertreten sind. Es ist eine Art von V ö l ke r w a» d e r n u g vor sich gegangen. Wie vor anderthalb Tausend Jahren die jugendstarken»»d»nterneh- miingsliistigeii K e r m a» e n vorandräugten und die alten Bewohner der eroberten Landstriche gen Westen trieben, so habe» die thatsrohe» »nd nach der Weltherrschast strebenden Sozialdemokraten, indem sie pietätlos in das Allerheiligste de« Tempels der Klassengesetzgebung sich eiiidrängten, eine Völkerwanderung von linkö nach rechts«wth- wendig gemacht,— dergestalt, daß die Parteien, welche das Aliljeie- gebrachte vertreten, immer weiter nach Nrchls wandern iiiüssen, bis sie an die Bretter gelange», mit denen die Welt, daS heißt die Welt deS ZieichStages, zugenagelt ist. Die Fortschrittler, von den Sozialdeinolraten an die Lust gesetzt, haben ihrerseits die n a t i o n a II i b e r a l e n Mminesseeleil a»S ihren Jagdgründen vertriebe», und die der Wahischlacht eiitroniienen Reste— boaux restes sind's nicht, sondern sehr traurige— an den „Thurm des ZelitrumS" geworfen, der seinerseits auch einen tüchtigen Stoß erhalte» hat nnd nach Rechts gerückt worden ist. An die Wand des Thnrmes gedrückt,„quietschen" die braven MailiieSseeleu zwar nicht mehr so laut wie in den ersten Tage» nach dem 20. Februar— apro- poS, wenn mir nicht sehr irre», gibt eZ in der dentschen Littrralnr eine furchlbare„Schicksalstragödie", die den Name» dieses clic» ncksstn» trägt, und den 20. Februar schon vor 00 oder 70 Jahren prophetisch zu einem Tag des Schreckens gestempelt hat— also ganz so laut, wie unmittelbar nach dem Tage des Gerichts qnielicheii sie nicht mehr, aber gar trübselig schaue» sie darein— wahre Bilder des Zain- iners. Und wen» man sich de» aniieii gichlbrüchige» B e n d a anschaut, der mich in seiner Jugend schon eine breiartige Masse war, nnd nebe» ihm den geknickten SlaatSma»» in partilms, den einst anigeblaseueu Lnftbnllon Bennigsen, der grausam zerstochen und zerhaue», zu- saminengeklappt daliegt— O Jernm, Jeriiin, Jernm, o quae mutatio rerum! Diese zwei unglücklichen„Parteiführer" ohne Partei— der schlaue M i q n e I bat sich bei Zeilen diimie gemacht— bringen in ihrer malerischen Gedrücktheit»nd in dem so ehrlich zur Schau gelragcncn „dnrchbohrendrii Gefühl iß res Nichts" den Bankrott des„Kartells" so klassisch zum'AnZdriick, daß eS dem alle» FnchS Winothorst schon ans künstlerischem Interesse nicht verdacht werden kann, wen» er sich die Gruppe mit schiiiiinzelnder Andacht betrachtet— etwa wie ei» satter FnchS die übriggebliebenen Knochen und Federn eines selten Huhns, das er verspeist hat. Der Alte kau» lachen— er ist sür all' seine Feinde zu früh nnfgestmiden, und seine zwei LiebliugSfeinde Bismarck und Ben ii ig se» liege» zappelnd vor ihm ans dem Boden.— Aber nicht bloß der Geist jungen Lebens geht durch diese» »eneii Neichslag— auch die Geister der in der Wahischlacht Gefal- l en en gehe» in ihm nm, oder schweben in den Lüsten, gleich den Tobten in der H n»» e» s cb I a ch t. Die uioritnri— die ZiikunftS- tsdten deS iinsreiwillige» Witzbolds und Propheten Levetzow sind Vergangenheits lobte geworden, d. h. Todte, die der Bergailgen- heit angehören»nd in der Gegenwart mir noch G e spen st e r sind, »nd honentlich keine rcvonnnta�l, die anders denn als Gespenster znrnckkoniine» können. Benningien und Benda, umflattert von den Gei- steril der erschlagenen Karlellbrüder, sind Gespenster, wie sie im Buch stehen. Und der storchbeinige Schmalschädler, der nachdenklich— so weit er dessen fähig— die flaktcrnden Zöpfe seines sorgfältig gekäminte» grauweißen Doppel-Ziegenbarts streichelt lind von Zeit z» Zeit sehn- süchtig in de» Oltziiip hinansschant, wo er selbst einst iu malerischer Pose mit den NegiernugSgötteni gesessen n»d gestanden, er ist ein Ge- speilst commo ii laut. Man könnte vielleicht auch sage», eine„s ch ö II e L e i ch e." Was von seinem Letter, dem Reichskanzler a. D. aller- dings nicht gesagt werden kann. Der einstmalen E:>t wird immer nngeberdiger; et will sich durchaus nicht in FriedrichSrnhe mit seinen Niinkelrüben einsargen und begrabe» lasse». Er rumort»nd schimpft und wirft Stinkbomben— eS will ja„nichts mehr gelingen"— nicht einmal das Stiiitbombenwerse». Die Bombe», obgleich in puncto der Gestaiikerzeiigmig imd-Verbreitung von tadelloser Güte, satten regel- mäßig auf den Schützen zurück. Ist doch z. 2< durch das Platzen einer solche» Stiiilbombe dem großen PubliktMl das fatale Geheimniß enthüllt worden, daß der„geniale SlaatSinmin, um den alle Welt iinS be- neidet"— oder beneidete, denn es sind tempi pasaati— vor seiner Entlassniig aus„M o r p h i» i s m» s" ärztlich» n t e r s u ch t worden ist.„MorphinismiiS" ist aber, wie jedem einigermaßen Ein- geweihte» bekannt, nur ein milder schonender Name für'Alkohol! s- m n S, welches iüussilbige Fremdwoi t seinerseits wieder nur das aristo- kralisch-wiisenschastliche Mäntekch:» ist für de» plebejische» Sans er- Wahnsinn. Und bei dieser Gelegenheit sei daran eiiimert, daß schon vor 0 oder 7 Jahre», wie seinerzeit auch im„Sozialdemo.'rat" zu lesen stand. eine der ersten medizinische» Aiitoriläten bei IHM die imzwei- dentlgsten Siimptoine deS„'AlkolwliSiunS" erkannte. Der alkohoiiiche ..Reichsgründer" bildet einen prächtigen Pendant zu dem irrsinnigen Wittelsbacher, drr im Winter 1870/71 den Hoheuzollern die Kaiser- kröne zuerst anbot.— Eine bunte und sehr gemischte Gesellschaft i» diesem Reichstag! Aber eS ist eine BolkSvertretNii g, und sogar die sünskSpsige'Ali- m e n t e n-, Wucher- und M e i» e i d s- F r a k t i o n, alias Frnk- tion der?l n t i s e m i t e» geiiannt, vertritt eine Voltssnömimg, die iiiiii einmal vorhanden ist und folglich auch ein Recht hat, vertreten zu sein. Einstweilen sind die verschiedenen Gruppen und Personen noch damit beschäftigt, einander zu mustern und zu messen. Jeder Schlacht geht das Rekognoszire» voraus. Und das RekognoSzire» muß diesmal gründlich besorgt werdm, weil gewaltige Schlachte» bevorstehe». 23 i e die Kämpfe verlaufen werden, das läßt sich natürlich nicht voraussehe», allein soviel ist sicher, es werden e» t i ch e i d e» d e K mpse sein, ent- scheidend für die Entwicklung Deutschlands nnd Europas. In dem wirre» Chaos der gegenwärtigen Lage stecken die Keime einer neiien Welt, und der neue Reichstag ist vor die Ausgabe gestellt. der nenen Welt, die sich dem Schooße des Chaos zu cnlriiigcn sucht, GeburtS- h e l s er d i e n st e z n leiste n. W rd er sich der Älnsgabe gewachsen zeigen? x. Die sozialdemokratische Fraktion, welche sich am Tag bor dem Zusammentritt des Reichstags ossiziell kouslitnirte und sognl wie einstimmig de» alten Fraklionsvoriland, bestehend ans Bebe l, Gril- le» berger, Liebknecht, Meister nn? Singer, wiederwählte, hat sich mit aller Energie der'Arbeit gewidmet, welche in diesem ZieichSlage zn thmi ist. Ter„p a r l a m e» I a r i j ch e S I r e i l", der von irgend einem ent'ant tcrrible nach dem 20. Februar vorgeschlagen ward imd lhalsächlich dahin ging, die Früchte des Siegs den Besiegte» freiwillig preiszugeben, hat in der Fraktion nicht einen einzigen Bcfünvorter gesunden;»nd einstimmig wurde beschlösse». daß die Frallion sich bei allen ständigen Koniinissioiie»(Geschäfts- ordiinngS-, Pelilious- nnd WahlpriitNiigs-.Konnnissiouen). sowie bei der Biidgetkoiiinliffio» imd alle» sonstigen Konimissione». welche sich mit die'Arbeiter-Jnteresseil berührende» Gejetz.Svorlage» bcichästige», lhälig zu betheiligen hat. Dagegen wurde ein Sitz in dem 2t o r st a» d deS Reichstags— eine Echriftsührerstelle— abgelehnt, weil cs sich hier »nr»m ci» ornamentales»»d repräsentatives Llmt handelt, daS ohne jeßkfchcii praktischen Nutze» für die Partei ist. — Die Thronrede, mit welcher der d e» t s ch e N e i ch S t a g er- öffnet ward, hat ihre» Schwerpunkt in dem, was sie nicht sagt. DaS S o z i a l i st e ii g e s e tz»nd F ii r st Bismarck werde» mit keiner Silbe erwähnt. Es wird also stillschweigend mit de», BiSmarck-Pntt- kaiimier'jchen Polizeis»stein gebrochen und der Haiiplnrhebrr des Schandgesetzes«ans I'lirasc sang- und klanglos ZN den Tobten geworfen. Und wie todt der Lanzlrr a. D. ist, das zeigte sich drastisch am Mittwoch — den 7. Mal— gleich nach Konstiliiirnng des Reichstags, als Prä- sident Levetzow,»achdcin die Ernennung Caprivi's zum pleichskmizler amtlich zur Kenntniß deS Reichstags gebracht worden war, wohl oder übel dem Reichskanzler a. D. einige 2öorte des Lobes widmen mußte. Er that dieS in möglichster Kürze nnd hütete sich wohl, das Hau« znni „Erheben von den Sitzen" Lusznsordern, denn er wußte genau, daß die g r ö ß e r e H ä l s t e der'Abgeordneten sich n i cti t erhöbe n hätte». Die Bravo's, weiche den.misterbliche» Verdiensten" deS ReichsgriinderS gezollt wurden, waren spärlich und nichts weniger als enthusiastisch. Nicht einmal die Konservativen waren ein- stinmiig in der Kmidgebiiiig ihrrS Brisalls. Nur die Nationalliberalen versuchten unisono eine patriotische Bravo- Salve zn inszeniren. aber trotz des vorhandene» guten Willen« siel die Salve gar schwächlich mi«. Die Negierung ist offenbar brmüht. einen versöhnlichen Ton aiiziischlageii. Da« sahen wir gleich bei dein ersten?lii, treten eine« NegieniiigsvertreterS. ES handelte sich um de» Gesetzentwurf brtref. fenb die Gewerbegerichte; nnd Herr Staatsiuiiiifter Bot- t i ch e r benutzte die Gelegenheit, um auf die Kritik des sozialdemokra- *) Das französische Wort für Gespenst revenant heißt wörtlich: ein Zurückkommender. tifiOcu Slcbiiots Tuyautr zu erwiscru, d-i» vcr dicuieriulg. wenn der Entwurf liilch i» iiiiinchcr B.'zichiliig»langelhast sei» inöge— mib cr gestehe b;e Mängel zn— jcb.'usnllS bie beste Absicht vorgeschwebt Hobe,»iib bcisi sie baS M i si trauen ber Arbeiter wcbcr vcrbiciic, noch selbst Misttranc» in bie Arbeiter habe. Tic Bemerkungen waren an sich nttbcdcntcnb, stachen aber boch vorlhcilhast ab von der Lprache, bie srühcr vom Aegiernngstisch aus geführt würbe. Es liegt unzweifelhaft Methobe i» biescr Art bcS Vorgehen?. Was die Vertreter ber Sozialbemokratie betrifft, so können sie natürlich nicht nach Worte» nrthcilc», sondern nur nnch Thaten. Unb bas Nächste, was Herr von Böltichcr zn thnn hat, ist, den Eiewerbegerichls-Entwurf so nittzngestallc». bast cr anue hnibar wirb. Die Probe wirb balb gemacht werben. — Ein Eingesandt. Von cinem englischen Leser unseres VlatteS erhalten wir solgenbe Zuschrift: Die Ereignisse der Ichteti Woche haben mit ciliem prächllgc« Triumph für bie Soznilbeinolralie abgcichlosicn. Selbst ber.Jic.v Uork Heralb", der bisher über bie Arbeiler-Denionstralionen gesvollct halte, hat eiiie Schivciikinlg gemacht, nnb schreibt bereit? in seiner Nnmincr vom 4. Mai: „Glücklicherweise liegt kein Grnub vor, zn fürchten, bast bie hentigen Arbcitcrbcinonftrationcn sich durch ctivaS Anderes auszeichnen werden als durch die Selbstdisziplin und das taktvolle Auftrete» ber an ihnc» theilnchnicnben Arbeiter. Wenn die Arbeiter auf dem Festland, die boch nntcr so ansierorbcntlich viel schlechteren Verhällnisten leben nnb arbeiten, sich jeder Fricbeusstörnng enthalte» können, so steht es sicher dem englischen Arbeiter an, bie gleiche Achtung für Ordnnng unb Gesetz an den Tag zn legen." Er spricht bann von der„hohen Gunst der öffentlichen Meinung", die„durch die friedlichen Demonstrationen beS 1. Mai erzeugt worden" sei nnb leistet solgenbe» charaklcristischen Ausspruch:„Es lägt sich nicht verkennen, bah jetzt in ganz Europa mit mehr Achtung von den Arbeitern gesprochen wirb, alo»och vor vier- zehn Tagen, denn bas graste Pnblcknm scheint zu demselben Schlüsse gekoniine» z» sein wie General Sanssier. der Gonvcrncnr von Paris, der in eitlem Tagescrlast seinen Dant darüber ausspricht, dast die Pa- riser Arbeiter gleich den Soldaten, den Anstistnngcn der Anarchisten Widerstand geleistet haben." Also endlich hat die Welt boch eingesehen, dast bie Sozialbemokralie nicht die Anarchie ist, nnb dast die Komninne von l.V7l—„Paris in Flam- mcn"— nicht nothivcndiacrivcise der Jdealznstand der Gesellschast derZn- knlift ist. Da die Verhältnisse einer Lösung der Arbeiterfrage zustreben, so»inst die Gcsammtheit darauf himvirken, den nngcsnndcn nnb vcr- hänguistvollen Geist der Anfrnhrstistnng niederzuhalten, der nur ein Zeichen ist des letzten Nestes der Wildheit, die sich unter dein Gewände der Zivilisation birgt. Ter Aitsgang der Deinonstration beS I. Mai zeigt, dast baS anarchistische Element bereits zur llnbedentenheit herabgedrückt ist von der graste»»nb einigen Armee der Arbeiter, die entschlossen sind, scst und Schrill für Schritt— wenn vielleicht langsam, so m» so sicherer— ihre Sache gegen den Wiberstanb ber unvernünftigen Klassen— der „gebildeten Philister unb Trbttiiitgsmcnschcn"— zu fübre», deren alberne Mastregeln nnb Schimpfereien in der Ätnnbschan Ihrer Nummer vom 20. April so treffend gekennzeichnet lvorden sind. lind trotzdem zieht ein Edw. Bcllamh— wie diejenige» Ihrer Leser, die„l,<>e>hi»g backwarU" gelesen habe», bemerkt habe» werden,- die Idee ins Lächerliche, dast die Organisationen der Arbeiter etwas ausrichten werden, ober dast bie Freiheitsbeivcgnng in Europa mit Erfolg beginnen werde. Er sagt ausdrücklich, dast sie bas Werk der -voll einige» Wichtiglhnerii in Boston gegründeten Nätionalisten-Partei, wie überhaupt der Vereinigte» Staate» von Amerika sein wirb. Siim ist es eine bezeichiieiibe Thatsache, dast sc!» Plan fast ganz ans A. Bebels bekanntem Buche„die Frau in der Vergangenheit, Gegen- wart nnb Ziiknnst" geuommell ist, in dem Bebel ein Bild von der sozialen Organisation der Gesellschaft der Zukunft entivirft, der die Arbeiter Europas»»verrückten Blickes nnb erfolgreich zlistreben. Trotz- dem besitzt Herr Bellamy die Kühnheit zn sagen:„Die Arbeiterparteien halten als solche nie etivas Grases»nd Dauerndes zn Stande bringen lönnc». Für graste nationale Ansgaben war ihre bloste Klaffen-Orga- »isation zu eng"v c g» n g>v a r c n." Nachdem alles. was in seinem Buch von W.rth ist, den Arbeitern Europas im Allgemeinen und bei» Drechslernicister Bebel im Besonderen entnoinnien, wirst cr kühl die Onclle seiner Eingebnilgen zniauimen und reklaniirt Alles für die Sialionalisteupartei in Amerika, seine eigene Schöpfung. Mitarbeiter. — Zur NohheitS- Statistik. ES wird nnscrn Lesern bekannt sein, dast zur Zeit der letzten NeichStagSwahl Bauern von B l n in- berg, einem Torf i» ber Umgebung Berlins, eine Anzahl sozialffii- scher Arbeiter, die dorthin getoulinc» waren, Flugblätter lür die Wahl deS sozialbemokralijchen üandidaten zu verbreite», überfielen und in rohester We sc m i st h a» d e l t c n. ES fehlte nicht viel, so hätten die fanatischen OrbnnllgShclbcii i» lhicrijchcr Wuih die in ihre Hände gc- sallencn Arbeiter todtgeschlage». Auf diesen bestialischen'Akt antworteten die Berliner Arbeiter ihrer- scits damit, dast sie beschlossen, es zur Ehrenpflicht jedes Frcnnbcs der Arbeiterjache zu machen, von nun an von Blninberger Bauern keiiie Produkte mehr zn knnfen, mit andern Worten, sie zn bonkotte». Man kann diese» Bcschlnst auS Zwcckmästigkcilsgründen anfechten, insofern es zweifelhaft erscheint, ob er in einem solchen lluifange durchführbar war, dast cr auch wirklich eine elnpsindliche Wirkung erzielt— die Berechtigung zu solchem Vorgehen ivirb den Berliner Arbeitern jedoch kein Mensch streitig machen. Andrerseits ivürbe»>vir ebensowenig ein Wort darüber verlieren, dast die Neaklionärc aller Schattirnngcn sofort für die Blninberger Bauern Partei ergriffe» nnb beschlossen habe», den armen Opfern des Boykotts nach besten Kräften zn helfen. Dast sie trotz ihrer Parole„Orbilinig nnb Gesetz" sich über das gcwaltlhätige Vorgehen der Blninberger mit Eleganz hinwegietzen würden,»nterstanb ja keinem Zmeifel. Znbest, unseieinS denkt immer noch zu gut von diesen Menschen.„Hinwegs tzen? Da gibt's nicht? l.i iwcgznsetzen!"— erklären sie keck durch den Mund der„Leipziger Zeitung— ja ivohl, der„Leipziger Zeitung", des anerlannten Organs der sächsi- scheu Ncgiernng. Man höre»iir, was in dies.m Organ der Orb- nililg nnb des Gesetzes vor cilligen Tagen zn lesen war: „Bezüglich des sozialdemokratischen Boykotts über da? tapfere D o e f iül Ilmberg wolle» ivir noch nachträglich nicht nnerwähut lassen, dast seitens des„Dentschen Baucrilbilndes" schon Milte März Borkehrnngeii getrosfeu wurden, um dessen in Blnmberg wohnenden Mitgliedern, welche von dem Boykott betroffen wurden, lohnenden Absatz für ihre Erzeugnisse zn ermögllchen." Das tapfere Dorf Blnuiberg! Die„T a p f e r k c I t". daß eine viel- leicht an Zahl sechsmal stärkere 3!olte eine Anzahl Arbeiter überfällt und bestialisch misthandelt. Die bestialische Nohh-it wirb zur „T a p s e r k e i t", wenn sie gegen politische Gegner sich richtet. Hub diese Buschmänner-Doktrin gepredigt in dem Organ einer d e» t- scheu Regierung! Deutsche Arbeiter, diese Jnsnlte. diese freche Verl, Shilling allen NeckitS- dcgrifis Euch gegenüber— prägt sie Euch tief in's Gedächtnist! Ver- geyt sie nie. Sic sei Euch sür alle Zeiten eine Lehre, was Ihr von dieser Seite im gegebenen Moment zn gcw.'.rtfgen habt. Das tapfere Dorf Blumberg! Euren Mördern würden sie Lorbeer- kränze flechten, die das geschrieben haben, die das gutgcheisten! — Die sozialdemokratische RcichStagösraktio» hat, anstcr dem Antrag ans A u s h e b n» g d c r G c t r e i d e z ö l l e und einiger Ver- d e s> e r n n g S a n t r ä g e z n m U n f a I l v e r f i ch e r n n g s g e I e y. bereit? ihren A r b e i t c r f ch n y g c s c tz- E n t>v n r f im NeichStag eingebracht. Derselbe weicht nur nnbcdenlcnd von dem srühcr nntcr diesem Titel eingebrachten Antrag ab. Wie dieser schlägt er die Orga- nijatio» von A r b e i t s k a in m c r n, A r b e i t S ä m t e r n nnb eines N c i chs a rb e i tsa m te s vor. denen die Ucberwachnng, bezw. Aus- sührnng der Vorschristen des ArbciterschntzeS, die B e g n t a ch t n n g aller Mastregcln nnd Vorschläge, welche das gewerbliche Interesse be- rühren, sowie die Organisation der G c w e r b l i ch e n Schied«- g c r i ch t e und des Arbeitsnachweise« obliegen. Der Grund- gcdankc dieser Organisationen ist überall die gleiche Vertretung von linternehmer» und Arbeitern, wobei jede ber beiden Kategorien sür sich in geheimer und direkter Wahl ihre Vertreter wählt. -i-.c hanptjächlichc» Arbeiterschntzniastregelu, die der Entwurf vor- schlägt, lind: M a x i m a l a r b e i t S t a g sür alle erwachsenen Arbeiter von 40 Slnnben, an Tagen vor Sonn- nnb Festtagen 8 Stunben. Vom l. Januar 1894 an solle» die 10 Stniiden auf 9, vom 1. Janiiar I8!I3 an die 9 auf 8 Stnnben ermästigt werden. Durch diese stufen- iveise Herabsetzung werden alle Einwände, die noch cincii Schein von Berechtigiiiig hätten, von vornherein abgeschnitten. Die„Inbnstrie" erhält vollauf Zeit, sich auf die dnrchgrei sende Veränbermig cinzn- richten. Für Arbeiten unter Tag(Bergwerke) sofortige Einführung bcS achtstündigen W! a x i m a l a r b e i t s t a g e s, ebenso für jugendliche Arbeiter im Alter von 14 bis IG Jahren. Regelung der Arbeitszeit, S chcrstcllnng von mindestenZ 2 Stunben Pansen im Arbeitstage. Verbot der Sonntngsarbeit für gewerbliche Arbeiten und B e s ch r S n k n n g derselben für Verkaufs- stellen(jünf Slnnde» im Maximum). Bcstiminnng zulässiger Ans- nahmen(Verkehrsbetriebe?c.) Verbot d e r St a ch t a r b e i t— für Frauen nnb Kinder absolut; für crivachsene männliche'Arbeiter Zn- lassnng genau bestimiiltcr Ansnahmcn. Schutzmastrcgcln bei Stacht- arbeit. Schutz kür Leben nnb Gesundheit der Arbeiter. Sicherhcitsniastrcgcln in Fabriken. Verbot besonders schädlicher ArbeitSniethoben. Verbot der Frauenarbeit ans Hochbauten nnd nntcr Tage, sowie in den dem weibliche» OrgaiiiSlilllS besonders schädlichen Betrieben. Schutz ber Wöch- ncrinnell. Schutz ber Lehrlinge nnb jugenblichen'Arbeiter. Sichernng o> deutlicher Lohnzahlniig. Verbot jeder Form beS Trucksystems. Schutz gegen willkürliche ArbcitSorbitunge». Schutz des K o a l i t i o n s r e ch t S. Festsetziing von cinpsinblichcn Strafen gegen jede Becinträchtigniig desselben, sowie gegen Aerabrcdun- gen k., die eine solche znin Ziveck haben. Dies der Ilmrist des Enlwnrss. Keine einzige seiner Forbernuge», die nicht ohne Schädigung der in- diiftrielle» Enlwicklniig sofort zn realisiren iväre. Ueberall wirb an die bestehenden Verhältnisse nngclnnpst nnb ihnen in jeder, mit dem Zweck des Entwurfs vereinbaren Weise Stechnnng getragen, hier nnb da vielleicht eher zn viel als zn wenig. Manchen wirb das nicht praktisch erscheinen, sie werden meinen. auch in diesen Frage» müsse man nach dein Grundsatz des.Vorschlage»?" verfahren: mehr verlangen, als zur Zeit erreichbar, um das Erreichbare zn erhalten. Darauf lästt sich erividern, dast solche Praktiken leicht zur entgegengesetzten Wirkung führen lönilen, dast man nämlich garnichtS erlangt»nd den Gegnern liiir einen Vorwand für ihre Weigerung liefert. Den obigen Vor- schläge« gegenüber gibt eS nur faule Ansflüchte, keine Einwände, die geglaubt werden. Sie legen aber da? Fnnbaiiicnt, auf dem weiter gc- baut werden kann. S c fordern wenig, aber sie setzen die Fordernden in den Stand, zn erklären: hier ist ein Miiiiimim, von dem wir nicht abgehen. lind eS gibt Leute, die ein solches Austreten sür würdiger halten, als den Schacher in der Politik. Solide Firmen haben„feste Preise". — Nuch die Regicrung hat ihre Slrbeiterschntzgesctz- Vorlage eingebracht. Dieselbe zeichnet sich durch mehr als beschei- dene Zurückhaltung in allen Frage» des wirklichen Arbeiterschntzes, sowie durch ciiicii mehr als unbescheidene» Angriff auf das K o a l i t i o n s r e ch t der?l r b e i t e r an?. Die kriminelle Bestrafung de« K o n t r a k t b r n ch S soll durch eine Hiuterihür in die Gewcrbe-Ordiillug eingeichninggeli werden, iiibcm die A ii f s o r- de r n n g zu deiuselbc» mit Strafe bedroht wird. Das ist natürlich in der Praxis gehupft wie gespriiiige». Stnn, eS wird sich zeige», ob auch der Reichstag gewillt ist, die„neue Aera" mit einem solchen Schlag in'S Gesicht der Arbeiterklasse einzuleiten. Die Vertreter des Proleta- riatS werden eS an ihrem kräftigen Protest dagegen nicht fehlen lassen. — AuS Dcutschland schreibt man nnS:„Die partiellen Versuche, ein St i e d e r l e g e n der Arbeit am 1. Mai zn erwirken, haben die natürliche Folge gehabt, dast viele Arbeiter an«- gesperrt sind nnd jetzt n» t c r st ii y t werde»»i ii s s e». Aon einer gewissen Seite ist mm die Bchanpniiig ausgestellt worden, das M a n> j e st der Fraktion sei eigentlich an diesen Mast- r c g e l n n g c» schuld, insoferii es die a l l g c in e i n c ArbeitSrnhe verhindert habe, gegen welche die Arbeitgeber machtlos gewesen wären. Sticht? kann schiefer sein, als diese Alissassnng. Es ist richtig: wenn alle Arbeiter am I.Mai gefeiert hätten, dann wären bie Kapi- taliste» machtlos gewesen nnb Mastrcgclungeil wären nicht erfolgt. Aber eS war eben eine ll» in ö g l i ch ke i t, dast alle feierten, nnd gerade deshalb, weil es eine lliittiöglichkeit war. ricth die Fraktion von cinem Versuch ab, der nur mit einer Niederlage enden tonnte, nnd da wo cr gemacht wurde— zum Glück nur a» ivenrgcn Orten— auch in der That zn einer Stiederlage derer, die den Versuch machten, gesührt hat. Hätte die Fraktion ihr Manifest nicht erlassen, so würde die Zahl der Geinastregeltc» die zehnfache sei», nnd die Partei hätte eine Stiederlage erlitten, während jetzt nur Einzelne, die ihre Kraft Überschätzte», eine Stiederlage erlitten haben." Soiveit bie Zuschrift. Wir stimmen dem werthen Einsender zn. dast eS grimdfalsch— und nicht mir das— kvärc, den Ausruf der sozialdeinokratischen Fraktion für die jetzt eingetretenen infamen'Aiastrcgclnngen verantwortlich»lachen zu wollen. Ter Aufruf Hot die der aUgcmeincn ArbeitSrnhe cntgcgcn- stehenden Bedenken hervorgehoben, im llebrigen aber es den Genossen anheim gestcUt, da. wo es ohne Konflikte geschehen kaiin, den 1.'Mai durch'ArbeitSrnhe z» feiern. Gibt es iinn auch kein nulrnglicheS Kenn- zeichen, auf Grnnd deffcn man vorher sagen kann, Konflikte sind anS- geschlossen, so haben doch im'Allgemeinen die Arbeiter eines Ortes, einer Industrie jc. einen ganz gntcn Blick dafür, was sie nnternehinen kölinen, nnd lhatjächlich ist denn auch an vielen Orten die SlrbeitSrnhc ohne nachlheilige Folgen für die betreffenbeii Arbeiter geblieben. Wen» das nicht überall ber Fall war, wenn an andere» Orten Mast- rcgclnngcn eintraten, so vcrtheiltcn sich diese aus Orte, wo allgemein. ober sä» allgemein gefeiert wurde— wie z. B. Mülichen—„„d g„f Orte mit part eller ArbeitSrnhe. DaS beweist, wie falsch es ist. nach der eine», wie der anderen Seite, eine generelle Theorie ausstellen z» wollen, oder ans einzelnen Beispielen baS Stecht zu nachträglichen Rekriminatioue» herzuleiten. Und nicht nur salsch. sondern direkt schab- l i ch. Den» es verhindert eine»»befangene Prüfung de? vorliegenden GesainmlmaterialS, auf bie doch für die Stelllingnahme in der Ziiknnst alles ankoniilit,»nd lenkt die gerechte Enlrüstnng über die infamen Mastregelnngcn von denen ab, die unter allen Ilmsländen an de» Pranger gehören: die feigen u n d z n g l c i ch b r n t a l c n II r h e b c r der Mastregeliingen nnd ihre schuftigen Helfershelfer in den Regier- ungs- B n r e a ii x und in der Press e. — Auch eine MajestätSbclcidigiiiig. Genosse F. Kniiert, Re- daktenr der„Schlesischcn Stachrichten", ist, nachdem cr über zwei Monate i» ll n t c rs» ch u N g«h a st zng bracht, neulich ivege» „M a j c st ä t s b c l c i d i g n n g" zu drei M o n ä t e n G e f ä n g- »ist vcrnrtheilt worden. Ei» Antrag der Slaatsauwaltschast, Knnert gleich in Hast z» behalten, wurde jedoch abgelehnt. Wer die Praxis deutscher Gerichtshöfe g'gemiber Sozialdeiiiokraten nnd bei der SpczicS von Vergehen kennt. die Majestätsbeleibigiinge» genannt werde». konnte sich daranshin schon sagen. dast e? nin diese spezielle.Beleidigung der Majestät des deutsche» Kaisers" wirklich ganz cigenthiimlich beschaffen sein mustte. Und in ber That gehört eine ganz spezielle Nase dazu, ein solches Ding ans dem beanstandeten Passus des Linicrt'schcn Slrtikel« heraiisziischnüffel». Man höre»nr(wir zi- tiren nach der„New-Vorker Volksztg.", der der belressende Slrtikel zu- geschickt wurde): „Die kommende Arbeiterschntzvorlaae, welch' prähtige der Sozial- Demokratie in bie Hand gedrückte Waffe! Was wollen dagegen die anfznfahrendeii Kanonen des verflossen gewesenen Herrn von Pult- kamer oder die rostige Klinge deS reichSkanzlerisch alternde» Sozialisten- gesetzcs bedeuten?— „So wird man mit der Sozialdemokratie nicht„fertig", kein vom Weibe geborener zwingt oder„zerschmettert" sie. die llnerschütterliche, sie, die ans»othwendigen historischen nnd gesellschaftlichen Vorgänge» im Volksschoste entstanden ist. sich machtvoll fortentivickclt hat nnd nn- aufhaltsam nach den gegebenen geschichtlichen und wirthschastlichen Ge- setzen weiter zur Blüthc und Frucht sür eine Welt eutsalten muß.— «Sie, die gleichsam im Auftrage ber Weltgeschichte handeU, die auf bem GranitfclS der iicnzeitliche»'Arbeiterbewcgiing gegründet, erstl üttert man nicht mit den Lnftwellcn, die eine laute Drohung des MnnbcS erzeugt, nian fördert sie oder rciint sich— wen bie Lust dazu an- Ivanbelt— an ihr den Schädel ein. DaS beweist daS jchnüffclnbe „Deiiiatzogcnricchernashornangcsicht" deS ehrenfesten prcnstifchcii Spitzel- thnmS in den Sozialistenprozefsen, das zeigt das Zerschellen der zetern- den kartcllistischcn„Froschmolnskenbreinatiir", da« erhärte» endlich die Thatcn der Sozialbemokratie vom 29. Februar nnb 1. März. „Wer aber glaubt, er könne dem Räderwerk der Zeit, da? mit Millionen und Milliarden Kräften ehern incinander greift, daS, jeden Wiberstanb vernichte»!», vorwärts treibt. Halt gebiete» nnb in die Zähne greisen, der wirb rettungslos zermalmt.— Darum bürste es für jeden Staiibgeborciien gut sein, sich ber Erkeniitnist nicht zu verschliesten, welcher das Geniüth Heinrich V. von England offen staub. Ter groste Seclcnkünbcr William Shakespeare lästt jenen König dahin Zcugnitz ablegen: „Ich denke, ber König ist nur ein Mensch, wie ich bin. Alle seine Sinne habe» nur menschliche Veschasfeuheit. Scincii Zeruionicupoiiip bei Seite gesetzt, erscheint er in seiner Nacktheit nur als Mensch. Seine Gedaiilen senken sich mit bcinsclbcn Fittich wie die unseren. Wenn er eine Ursache zur Furcht steht. so ist seine Furcht ohne Ziveisel von derselben'Art wie die anderer Menschen." „Die Weltgeschichte als berechtigter Faktor, als Weltgericht, verkündet dem sterblichen Menschen nicht nur bas Wort: Wer sich mir in de» Weg stellt, den zerschmettere ich,-- sondern führt eS unerbittlich ans." Wo steckt da eine Beleidigung? Kein Satz, ber der Ehre n»d dem guten SI»f der„Majestät des denischeii Kaisers" zn nah: tritt. Oder haben die Herren Richter cS„beieioigend" für den denlschen Kaiser gesmibcii, dast ihm zngcmiithct wurde, sich daran zu erinnern, dast cr auch ii»r ein Mellich ist— und kein Gott? Siatürlich wurde auf II» b r a u ch b a r»i a ch ii ii g der betr. Nnminer der„Schlesischcn Siachrichtcn" erkannt. Warum aber nicht auch auf Uiibrauchbarmachiing der Werke des William Shakespeare? — Eine intcrcssantc Nbstiminniifl. Nicht»»praktisch ist in der Frage der Feier des I. Mai der Verein der E i s c n g i c st e r e i- Arbeiter in Chemnitz verfahren. Er hat i» sämnitiiche Giestcreien am Ort Fragebogen heruingesandt, ans welche» vermerkt werden sollte, wie sich die betreffenden'Arbeiter, erstens zur vorgeschlogenc» Feier des l. Mai, und zweitens zur Forderung des achtstündige»'Arbeitstages überhaupt stellen. Von 25 Giestcreien sind ans 22, in denen I5G9 'Arbeiter, Lehrlinge nicht eingerechnet, beschäftigt sind, Antworten ein- getroffen, zwei haben die Bogen gar nicht, eine ihn leer zurückgesandt. In den 22 Fabriken im» stellt sich das Vcrhälliiist laut Bericht der Ehenmitzer„Presse" so: „Stach den einzelnen Bernsen eingethcilt sind von de» Arbeitern 799 Former, 142 Kernmacher, 205 Putzer, 422 Tagarbeitcr. Die Frage, wer am 1. Mai die'Arbeit ruhe» lasse» wolle, haben 5.°»8 Arbeiter mit Ja beantwortet»nd zwar 377 Former, 48 Kernmacher, 47 Putzer, 60 Tagarbeitcr, mit Nein aber 1UH Arbeiter,»nd zwar 409 Former, 89 Kernmacher, 122 Putzer und 220 Tagarbeitcr. Von Letz- t ere n erklärten sich jedoch im Prinzip in i t Ä c r k ii r zn» g der Slrbeitszeit ein vcr st an de»<1417'Arbeiter oder 225 For- iner, 55 Kernmacher, 93 Putzer, 174 Tagarbeitcr, sodast»» r 100 Ar- beitcr übrig bleiben, die am 1. Mai arbeiten wolle» nnd auch die Verkürzung der Arbeitszeit nicht e i n in a l i i» P r i» z i p n» e r- kenn e n. Ohne jede'Antwort liesten die Fragebogen 253'Arbeiter, »nd zwar 119 Former, 22 Kernmacher, 21 Putzer und 90 Tagarbeitcr. Zahlt man nun die 583 Slrbcitcr, welche am I. Mai feiern wolllcn, z» den 047, welche eine Pcrkürznng der SlrbcilSzcit anstreben, so er- gibt sich eine Zahl bon 1205 Personen. Rechnet man deS Weiteren die 100'Arbeiter, welche am l. Mai arbeite» wollten, ohne eine Ver» kürzimg der Slrbeitszeit anzustreben, zn Denen, welche gar keine Er- klärnng abgaben, so ergibt dies eine Gesainintzahl von 204 Personen. SNan kann hieraus folgenden Schlnst ziehen: Von den 1509 in 22 Giestcreien beschäftigten Arbeitern sind 055 Former, 109 Kernmacher, 105 Putzer, 270 Tagarbeitcr oder Arbeiter klassciibetvicht »nd 144 Former, 24.Kernmacher, 40 Putzer, 140 Tagarbeitcr oder Arbeiter indifferent." Soweit der Bericht des Chemnitzer SlrbeitcrblaltcS. St» irgend einer Stelle ninst ein kleiner Fehler niiterlanfeii sein, denn bei den Formern stimmen die Einzelzahlc» nicht genau mit der Ge- sammlzahl Überein. Die schliestliche Gegenüberstellung wird ludest durch diesen Jrrthni» nicht berührt. In den drei Giestcreien, anS denen keine Slutwort erhältlich war, sind 120'Arbeiter beschäftigt. Es kommeil also im allermigiinstigstcii Falle ans 1205 klassciibewiistte Arbeiter in der ganze» Branche 434 iiidiffercnte. d. h. nicht ganz 25 Prozent. Enlspreckiend der obigen Abstimuiiiiig beschlost der Giestersachvercin, von dem Sinhenlnffe» der Arbeit am 1. Mai abziijehen, da sür aber die Slgitatiou sür die Petitionen lim die Sirbeiterfchntzgejetze um so euer- gijcher in die Hand zu nehmen. — An den Seliandpfalil!„Die Chemnitzer Bäckergesellen", be- richte» deutsche Slrbeiterblältcr,„wollten von ihren JniiiiiigSuieistcril keinen höhere» Lohn, sonder» nur drei Tage im Jahre arbeits» frei,»nd zwar baten sie die Bäckeriniiiing. ihnen den zweiten Weih- nachtslag, zweiten Ostertag und ziveite» Pfingsttag frei zn geben. Die Eheinniyer Bäckerimiiing berieth und befchlost, dast man die Bitte der Gesellen auf drei freie Tage im Jahre— nicht erfüllen könne." Welch erbärmlich engherzige Dreckicelcn! lind doch sind wir ihnen Dank fcknildig. Sie demonstrire» in greifbarster Weife die Gemein- schädlichkeit der Ansbentcrfrciheit und die Rothweiidigkeit de« gesetzlichen Arbeiterschntzes. — Und der Bursche war Bolkövcrtrctcr! In der„Miinchener Arbeiterzeitung" lesen wir: „In der M a s ch i» c ii s a b r i k des Herrn KommerzsenratheS und ehem. Steichstagsabgeordneten L a» d c S wurden gegen 4K Arbeiter ciitlasicii, weil sie sich an der Feier deS 1. Mai betheiiigt hotte». Die'Aiisfp.rriiiig geschah ohne jegliche vorherige Sl n e Ü»- d i g» n g. Den'Arbeitern wurde vorher auch nicht ein Wort von einem derartigen Vorgehen i»i«geih-ilt. Keine Erösfunng war ihnen Ii» dieser Beziehniig geiiiacht, keine Erklärung hatte cr abgegeben. Einer Depiitolio» von Arbeiter» halte cr keine bestimmte Antwort gezzeben, sonder»»nr angedeutet, cr werde sich»ach de» andern Fabrikanten richten. Unter den'Ausgesperrten befinden sich 5 0- und 70jährige 'Arbeiter, die schon seit>5— 20 Jahren im Geschäfte thiitig ge- wescn waren. ES ist dicS wieder eine hübsche Illustration zur Hand- liingSiveise der Prinzipale. Ei» solch rücksichtsloses Auftreten verdient strengste. Rüge.". Es verdient sogar»och mehr. Ein Mensch, der so handelt, ist ein S ch ii f t, der in jeder aiiständigen Gesellschaft geächtet werden»inb. — An vcrsckncdciieii Orten Deutschlands, n. Sl. besonders in Hamburg, geyt. durch ll n t e r n e h m c r w i 1 1 k ü r hervorgerufen. der Klassenkampf zwischen Kapital nnd Arbeit in hohen Wogen. Wir können nicht in Tarstellnng der Einzelheiten dieser .Kämpfe eingehen, soudern konftatiren mir, dast die»i» t h w i l l i g« Provokation Seitens der Slnsbentcr fast überall offen zn Tage liegt. Wolle» es die Herren mit Gewalt zn ernsthaften Zusammen- stösten treiben? W!öge» die'Arbeiter auf der Hut sei». Festigkeit«ich Emschlosieicheit— aber keine iinüberlegten Schritte sei die Parole. — Aufruf. In Biclcfckd streiken die'Arbeiter nnd Skrbelterinnen der N a ve n Sbn rger Spinnerei. Während die Firma brillante Gefchäsle macht und über 10 Prozent Dividende zahlt, werden die Arbeiter buchstäblich mit H»» g e r 1 ö h» e n abgespeist. Sie verlangen min eine in stige Lohnerhöhnng und Reduktion der Arbeitszeit ans 10 Stniiden pro Tag. Der Geist nntcr den Streikenden ist ein guter. doch bedürfe» sie sehr der Unter st ii tz n n g, und ersuchen daher Ihre Kameraden im In- und Auslände, ihnen»ach Kräfte» beizustehen. Brief-?c. sind zu senden an: A. Wisdar, Sadowastrabe S. Bielefeld. Korrcspoudeuzcn. Berlin. 2. Mai 1890. Noch stehen tuiv unter dein Banne des Nester» Erlcvten, noch verinögc» wir nicht, den ganzen Uunang des st al tge ha l> l e» W.'l t sc i e r t age ö zn ichcrbticken, aber eines können wir jeden- falls b.'lMPten: Noch bei ke.ncr(�ctegenheit hat sich die ganze Hohiheit und feige Erbariniichteit der sogenannten Ordil»>ig?pie>je fiir jeden Denkenden in so eklatanter Weise heransgcstettt, wie anläßlich d.r Feier des t. Mai. Haarsträubend waren die Ergnsse, welche bei dieser E!c- lcgcnheit von Seiten der bürgerlichen Presse losgelassen wurden. Na- tiirlich hatten sich in diejein Sinne!t!cgiern»gsorgaue und„sreisimiige" Presse znianlnicngcfnnde», wie überall, wo es gilt, gegen die Sozial- deinokratie Propaganda zu inachen. I» offener und versteckter Weise halte man versucht, dein biederen Spießbürger die Greuel anszninalen, welche voraussichtlich die bösen Sozialdeuiotratcn am I. Mai verüben würden. Erslürnliiilg der Läden, gewalliatnc Besihnahuie der öffentlichen Fnhrivcrke, Mord»nd Todlschlag inufflcn mit dein so häiifig iniff- brauchte»„SchnapStenfel" herhalten. Und wir könnten den AeivciS er- bringe», dag Fnhrivcrkbesiher sich netzrisch fürchtete», gestern anjpanueu zn lasse», ja, dag sogar manche fnrchlfauie Philister nicht anS dein Hanse ginge». Halten wir»nn dagegen, lvaS stch cko facto gestern ereignet hat. Mehr oder ivcnigcr haben überall in Berlfit die Nrbcitcrfcste sich in deinselbe» Nahnie» bewegt. Greift, i wir yesivege» das Fest des Wahl- Vereins des ö.»nd 6. Wahlkreises h. ranS, ivclches iiii Moabiter Schüben- Hans in Plöheusce stattsand. Pou Atillag aii füllte sich das riesige Etablisscineiit init Slrb.'ltcrn,. ihre» Fraise»»nd lllindcrn, welche trupp- weise aiilangtcn. Wohl über loOO Personen halten sich eingestellt, und diese gewallige Mciischcuineiige gab sich den deiikbar»nschnldigsteii Per- gniignugeii hin. Während ein Theil die Waldeinsauikeit zii anregende» Spnzicrg iigcn beniivte, vergnügten sich die jüngeren Leute a» liiahii- fahren aiif dein idhllisch gelegenen See oder versuchten bei de» Glücks- bndc» FortnnaS Hnld. Viele Tansetide unchernui lanschten beim Glase Bier dcii fröhlichen Weise» einer stattlichen Kapelle. Während sich das junge Volk im Tanz drehte, hallten iveite Nasenflächc» wieder voll dem fröhlichen Lachen der Paare, welche sich dort harinlosen Gcjelljchasts- und Psänderspiclen hingnbe». Blindekiih, Drittciiabschlageii n. daS waren die„bluttriefeiiden Schauspiele", inil denen sich die revolutionäre Masse beschäftigte. Und wäre Bismarck selbst dageivcscn, nicht durch die kleinste Disharmonie wäre il»» Gelegenheit geboten gcwcse», de» Staat Zii reiten. Znr Charaklerisirniig der herrschenden Stimm»»» sei die Thatsache betont, dag wir selbst am Jlbend nicht eine» einzigen Trnnkene» crblickeii konuten. Wahrlich, die Slrbeiter haben dcu Philistern gezeigt. dag das Prolclariat seine Feste hoch zu halten versteht. Sie haben aber auch hier wieder bewiese», dag wenn Krawalle cnt- stehen, nur die Polizei die Schuld trägt. Denn>vir müssen anerkeuuc», da» ans iinscrcin Feffplahe die Polizei sich möglichst ivenig beiiicrkbar wachte. Bis zni» Nbend ivährtc die harmlose Fröhlichkeit. Aber auch der beschauliche Ernst»iisercS„schöne» NechtsstaatcS"»iachte sich bc- merkbar. Vernehmlich gciiiig wiukte das mächtig«, ganz in der Nähe des FeslplahcS sichtbare Gesängnig:»ich wir konnten nnS nicht cnt- halten, de» wackern Genossen einen stillen brüderlichen Grng hinüber- zusenden, welche vielleicht ein unbedachtes Wort hinter die Mauern gc- bracht hat. Auch sie werden sich srencn, wenn sie höre»,>vie erhebend linser Fest sich gestaltet hat. Alles in Allem: Beschanliche Festessrende am Feiertag, innere Genngthnnng nach dem Feiertag, das war bei unS die Signatur des 1. Mai 1890. Hainbiirg, den G. Mai 1890. Die Feier de? ersten Mai war hier eine recht erhebliche— ja, wenn man in Betracht zieht, daß eine llieihe von Gewertschastsvertretern, gemäg dein Ansrnf der sozial- demokratischen NeichStagSfrnktio», von einein Nnheiilaffcn der Arbeit abrictycu, eine überraschend g r o ff e. Zivar war in der grosse» Arbeitcrversanunlniig, die zur Besprcchting dieser Frage einbernfen worden war, gegen die Stimme» der Einbernfer der Beschliiss gesagt worden. den ersten Mai als Ruhetag zn feiern, aber Niemand hatte gcglaiibt, dass dieser Beschliiss in so grossein Umfange befolgt werden würde. Indes! das provokatorische Vorgehen der F a d r>- k a n te n v c r e i n i g» n g drängle sörmlich zu einer Demonstration, und der Ilmstand, dag unser Polizeipascha, der die Dieh-Carolalh'schc Lektion schon verschmerzt zn haben scheint, ncuerdingS wieder in alter Brutalität wirthschaftet und, bis ans die obige, alle Periammlnngcn verboten hatte, hatten den- Grimm a n f S h ö ch st e gesteigert. So ist eS gekommen, dass von allen Arbciterzentrcn im Reich in Hamb» r g die Arbeiterfcier am i m p o s a ii t c st e» verlaufen ist. Bor Allem die H a f c» a r b c i t c r haben sich zn nnserem Er- stanneu so cininüthig bewiesen, wie nie zuvor. Bon 2000 Ewerführern z. B. Hab:»» n r 49 gearbeitet. Geradezu bewintdernngswürdig ist die Disziplin»nd Schnlnng, die allenthalben bewiesen wurde und die zu den hoffnungsvollste» Schlüssen berechtigt. Doch der Ernst der Zeit offeubartc sich erst in der„Nachfeier". Die vorgeblich ans Anlag der Maifeier gegründete Fabrikanten- B e rc in i g» n g befolgt einen Plan, der in seiner Art sehr psisfig angelegt ist. Seit Langem ist diesen Leisten die gerade In Hamburg mächtig aufwärts strebende Gewerkschaftsbewegung ein Dorn Ii» Ange., den sie seit längerer Zeit schon durch provokatorisch angctegke Ans- fperrnngen vergeblich zu besciligen trachtete». Der erste Mai kam de» Herren nun wie gerufen zn eitlem iveit anSgeholkcn Schlage. Fast säuimtliche Arbeiter, die am ersten Mai gefeiert, sind am zweiten Mai abgclohnt worden mit dem Bedeuten, am säaflcn wieder um Arbeit vorznsragen. Die Kapitalisten rechneten darauf, dass die Gemassregeltcn, empört über solche Bchandlnng, die Arbeit auch nn diesem Tage noch nicht wieder anfncbmcn würden. Eine Strcilbcwcgnng, rechnen die Herren, die so allgemein wird, dass kaum klasseiibewnssle Arbeiter nach- bleiben, ni» llntcrstiiyinigcu anfznbringen, würde die GewcrkichaftS- bewegung zerschnicltern. Die erste Schlngfolgernng ist denn auch im Wesentlichen eingetroffen. Tie Leiter der Geiverkschaften, welche ihre Mitglieder beschworen, den Kampf erst zn beginnen, wenn sie gehörig dazu ausgerüstet, waren machtlos gegenüber der Empörnng, die allen t- halben herrschte und sich Luft machen wollte. Sonnabend legten die Ewcrsührer, sowie die Zimmerer die Arbeit nieder. Gestern Abend beschlossen die Maurer. GOOO an der Zahl, ebenfalls die Einstellung der Arbeit für den Fall, dass ihre Forderung: nenn- stündige Arbeitszeit und einen Sinadtnlolni von ll.'> Pfg., abgelehnt wird. Heute wird fast ans keinem Bau gearbeitet. Andere Aanliand- wcrkcr, wie Tischler k., werden ebenfalls die ArbcitScinstellnng bc- fchliessen. Am deutlichsten zeigte sich der provokatorische Zweck der Massrcgelnng bei den dem B c r b a» d der E i s e n i>l d» st r i e l l e n angehörende» Fabrikanten. Zu de» verschiedenen Lrgnniiatioueu der Metallarbeiter herrscht vielcntheilS noch eine recht trübe Berivirrnng und Disziplinlosigkeit. Fast alle Arbeiter stellteit sich denii auch, nachdem die zwei- lägige„Strasfcicr" gestern Morgen abgelanfen, wieder zur Arbeit ein, ohne über ihre Stellung gegenüber den Äassregellingen überhaupt zu Bcjchlnsssassnngen gckoninicn zn sein, lind ivaS harrte ihrer? Bor Be- ginn der Arbeit wurden fast in alle» Fabriken die Arbeiter, welche am ersten Mai gefeiert halten,„ d c z i ni i r t d. h. j c d c r zehnte Mann>v» r d c e n d g Ü> t i g e n t I a s s c». Theitweise geschah dies einfach durch unterschiedsloses„Abzählen", thcilwcijc wurden vornehmlich die a.S„NäoelSsührer" Bekannte» mit dem LooS der Entlasjniiz bedacht. Leider wurde nicht überall gb ich die richtige Antwort mir diese Brutalität crlheilt; wenn mich iNtlstenS sofort die Arbeit von den„Leben- gebliebenen" eingestellt wurde, ducklen sich doch manche»nd blieben bei der Arbeit. Welche Erregung dies- Genieinheiten bei der Arbeiterschaft hervor- gcrnscn haben, lässt sich kanni schildern. Ergöhlich dagegen ist es in diesen ernsten Tagen, den Philister in feinen Kneipe» winseln iiiid kanncgicsserii zn hören. �< Welchen Berlaiis�rZcht cutbranntc gewaltige Kamps nchine», welche Folgen er zeitigen wird. lässi sich noch gar nicht absehen. Es bedarf Opfer. ivie sie noch nie gebracht worden sind. ni» der Phalanx dcS Ilntcrn'ehuierthinuS die Spitze zn bieten. Wir wissen ja. dass in unserer plntokralischcn Republik die Polizei sozniagen direkt unter dein Beseht der hervorragendsten Unter» ehiner steht, und so werden den Ausftäiidigeu wahrscheinlich die grössten Schwier g'e.ten bereitet werde». Dass die Stiminnng niiler ihnen nuier dem Eindruck der Briilaliläten fest ist, brauche ich Ihilen nicht zu versichern. Mag dieser Kampf m>S- fallen wie er will, das eine Gute bringt er mit sich, dass er der Arbeiter- schast die theikweise recht chimärische» Illusionen entreisst, die der Erfolg des 20. Februar i» Manchem geweckt hat. Die Thatsache, dass das Ilntkriichiiierthnni sich noch zn solchen Br»- t li äten zu versteigen wagt, zeigt, dass der Arbeiter beflissen sei»»in». seiiiinn Ausbeuter nicht ii»r Fnrchk, sonder» auch llt e spe kt cinziistössc». so lange er eben noch»»ter der heutigen Produktiorsweisc gebnim« ist. Ter erste Mai hat gelehrt, dass für den Arbeiter ans gewerkschaftlichem Gebiet noch ilncndtich viel zn thnn übrig bleibt, ni»»ch das ihm in der heutigen Welt schon gebührende Ansehe» zn verschaffen. Diese Lehre haben wir zn beherzigen. i***; Hannover, Anfang Mai. Der erste Mai ist hier grossartig gefeiert worden. Am Abend s ü n f grosse öffentlich e B e r s a m m- 1 im g e ii n ii d K o in in e r s, an iv e l ch c n gegen 22000 Menichc» theilgeiioiiimcn haben. Die gauzc Manifestation ist ohne irgendwciche Slöriiiig verlanfen. Die Polizei hatte ausserordentliche SickerheitS- inassrcgeln ergriffen. Zwei Kompagnien Jnfanteiic mit schärfen Patronen standen bereit. Alle. Posten waren verdoppelt und die ganze Schutz- »iniinfchast auf den Beinen; auch die Nachtwächter waren in doppelter Zahl„mobil" gemacht. Die Wirthschaftcu mnsste» um 11 Uhr gefchlosseii werden. Aber Alles umsonst. AlsKiiriosnm thcilc int, da» in der ersten Mainacht kein Arbeiter in Hannover wegen Ruhestöriuig oder Trunkenheit verhaslet worden ist. Aufruf an unsere Kollegen im Anslande! Die Woge» der Arbeiterbeivegimg in Dciitfchland fangen an grössere Wellen zn schlagen. Von allen Gegenden der Windrose berichten die Tagesblätter von Streiks und Arveitcr- Ausständen, und namentlich find es die Arbeiter und Arbeiterinnen der T e x t i l b r a n ch c n, welche gegenwärtig von dem Kapital sehr hart bedrängt werde». Auch die deutschen Arbeiter sangen an, sich ihrer Klasscnlage bcivnsst zu werden, Ivie der Ausfall der letzte» Reichstagsivahlcn bewiesen hat. Der 20. Februar 1890 liegt den Gegnern der Arbeitersache noch schwer im Magen,»nd cS scheint, aiS habe man die Absicht, es ans einen Krach mit den Arbeitern ankommen zu lassen. DaS Vorgehen des Fabri- kaiitclivcreins in Eiern lässl sich in dieser Hinsicht nicht anders denten; zirka 5000 Weber und Weberinnen sind seit 2G. April nach abgelmisencr KtindignngSsrist auf's Pflaster geworsen, nud warum? Weil sie sich weigern, eine Fabrikorduiing zu»iiterjchrcibeii. 7i Stunden wöchentliche Arbeitszeit verlangt man von ihnen, z c h n M a r k Lohnabzug rcfp. Strafe. wer ohne triftige Siitjchnldignng von der Arbeit weg- bleibt. Auch sollen die Arbeiter für alle Fehler vermitivorllich sein; in Alles haben sie sich zu füge». Ans ähnlichen und andere» Ursachen streiken die Weber und Weberinnen in Göppingen(Württemberg) und R e n g e r s d o r f(sächs. Oberlansitz). Zn de» Webcrdistritten dcS sächsischen Voigtlandes, in R e tz f ch k a» und M y l a n, sowie in R o n n c b n r g hatte» die Ar- heiter in Ersahrnng gebracht, das; die Geracr Fabrikanten,»ni die WidcrstniidSkraft ihrer ansgespcrrteii Arbeiter zu brechen, ihre Waarc» dort fertige» lassen. Da bejchloffeii sie, die Solidarität der Arbeiter durch die Thal z» bekräftigen; sie haben, um ihre Geraer Kollegen und Kolleginnen moralisch zn nnterstütz.m, cinuiüthig die Arbeit nieder- gelegt. AllcS in Allem dürften gegenwärtig in Denlschlaud zirka Arbeiter und Arbcitcriimcn in der Textilbrauchc brvdloö sei», »nd dabei ist das Ende noch nicht abzusehen. Die Lohnvcrhältniffe der heilt scheu Textilarbeiter sind bekanntlich die denkbar traurigsten»nd geben wenig Aühalt für eine ausreichende Nitterslützniig; eine Nieder' läge gerade im gegenivirtigen Nlonienre wäre aber von den schlimmste» Folgen für die gestimmte Arbeiterschaft begleitet, da gegenwäriig alle Geschälte stocken und in der Webwaarenbranche die Krise zni» Faklum geworden ist. I» Anbetracht all dieser Thatsachcn und in Uebereinstiiflmnng mit weiteren Kreisen wenden sich die»nterzeichneten Berlranenskente der hiesigen Textilarbeiter vcrtrancnSvoll an die klnssenbc- w n ss t e Arbeit c r s ch a s t des A» S l a n d e S, speziell A ineri ka's, >» t der Bitte, ihre im Lohnkampfe besindlichen ArbeitSbrnder und Schwester» t h a t k r ä f t i g st zu unterstützen. Die Unterzeich- neten sind jederzeit bereit, eliigehende G e l d c r zu Übermitteln, lind schliessen mit dem Astsrnse der Geraer Ausständigen: „Entschlossen, für»»ser Recht, Hesse» Vcrsechtnng im Zntcrcsse der gesainintcn Bevöllernttg liegt, cininülhig und mit dem Ernste und jener Würde cinzistretcn, wie dies einer guten und grossen Sache entspricht, erwarten wir von der Bevölkerung, dass sie iiiffl thätkrästig nnlcrstützcn und damit unserer gerechte» Sache zum Siege verHelsen wird." C h c in n i tz, den 4. Mai 1890. Die Vertrauen Slentc der Wirker»nd Weber von Chemnitz und II in g e g c n d. A l b i n R e i ch c l t, Kasernenftrass« Rro. 8 III.. Ehemnitz. O S lu a l d Otto, Altchcmnitz He(Königreich Sachsen). Briefkasten der Redaktion: Briese»nd Einsendungen erhalten ans: Ant- Werpe», Bielefeld. Chemnitz. Gera. Hamburg. Oxford, Paris zLeseklnb), Paris(E. Z.), Zürich.— i". in A.: Dokiiniciite zur Einsicht erhalten, s'llcii sobald als möglich geprüsi werde».— K. In Gera: Wir haben sofort an T. Birlivistle, Vertreter der Weber in Rord-Englaud, g,;- schrieben.— R. in Chemnitz: Ausruf vorige Woche gedruckt und nach Amerika geschickt. der Expedition: Rodensteincr: Bf. v. 7. am 8/5 bcnntw. n. Bestllg. notirt.— Sps. L.». Eo. Ld».: Sh. 13.8 Ab. 2. 3. u. 4. On. crh. Lsrg. besorgt.— G. H. Hrtgbsch.: Sh. 2.— Ab. 2.�On. crh. Stachlig, ab Jan. kann erfolgen.— E. K. W.: öivfl. 17. 75 a (5to. Schit. ic. crh.». Bestellung notirt.— G. Mhlr. Eincinnati: Pfd. 2. l.l n Eto. Ab. k. crh. Annonce bewirkt. Pst. Weiteres. — Spreegnelle: Mk. 70.— a Eto Schit.?c. crh. n. Bestllg. vorgc- merkt, sowie Adr. eingerenkt.— Rosa: Nachr.». Beigabe v..>ir zn- versichilich auf die glückliche Hand„BenjaiiiiiiS".— Elans Groth: Schst».». Ab. Aestllg., soivie Adr. nach Vorschrift v. 10/5 notirt.— Ferrum: Wir srencn»ns Ihrer guten Absichten und Hoffnungen und haben Vsillg. n. Ad. vorgcmkt. f-bd. hier. Bfl. Weiteres betr. AiiSstedendem. — Merlin: Adr. ordnen It. Lorlage v. 12/5.— M. Ldn.: Sh. 1.4 f. Schst». crh.— Gicheidle: Mk. 20.— a Eto. Ab. k. crh. Bfl. Weiteres.— D. W. a. d. Echz.: Mk. 10.— a Eto. Ab.?c. erh.>r Adr. vorgemerkt. Zlota folgt.— Tran, schan, Wein: Nachr. v.>2/5 crh. n. Adr. Betreffendes vorgemerkt. AviffrteS erwartet. Bfl. mehr. — M. B. G.: Sh. 3.—(öwfl. 1.80) Ab. 2. O». crh.— Tisch. S. D. Lescklnb Paris: Bestllg. U. Beil. v. 13/5 crh. u. Weiteres besorgt. Sdg. folgt. Mit nächster Woche kommt zur Versendung der ZnieHc Theil der Denkschrlst der. wie ans dem untcnfolgenden JnhaltSvcrzcichniss ersichtlich ist, eine Geschichte der t£pser, Kämpfe und Verfolgungen unter Dem Tozinlistcugcsctz enthält. In gleicher Stärke wie der I. Theil ist derselbe für die Ge- »offeil»nter den gleichen Bedingungen zn beziehen: bei P a r t i e» b e z n g pro Exemplar UZ Pfg., bei E i ii z e l b c z n g Mk. I.—. pr. Expl.(Porto 10 Pfg.) im Buchhandel Mk. 1.50„„„ Bei Beznz von 25 Exemplare» F r a n k o z>l s e n d n» g für Rabatt. Licfcrmig erfolgt nur gegen Paar. War der erste Theil mehr ei» gedrängter Abriss der Geschichte der dcnlschcn Sozialdemokratie, so ist der zweite Theil eine K uschi chtr bro üll,iali!stn- Kesthrs, geschrieben von den Opfern desselben, nnd gerade jetzt, wo die Frage der Abschaffung dieses PolizeigcsctzeS ans der Tagesordnung steht, töinnit diese Sammlung der grössten Po- Iizci- Infamien, der schamloseste» Jnstizfnrccn»no die zifferumässigt Anfzäblung aller der im'Namen des Gesetzes verübten Brutalitäten, Vcrgeivaliigiiugen und Existenzvernichlungeu zur rechten Stunde— sür Freund und Feind. Inhalts- Vcrzcichniff: Städtcbildcr. Badcn-Vadcn, Draiidenbiirg. Branuschwcig, Bremen, Ehcinnitz, Eott- bii?, Erimlnitichan, Tanzig. Dresden, Tnrlach, Forst i. d. L., Frank- siirt a. M., Gotha, Halbcrstadt, Hamburg- Altona, Hannover-Linden, Hohenstciii-Ernstthal, Königsberg, Leipzig, Limmer bei Hannover, Lnd- wigshascn a. Rl>., Magdeburg, Meeranc, Niünchc»,'Nürnberg-Fürth, Obersrankcn, Pforzheim, Planen i. P., Spreuiverg, Zeitz. LI n S g c>v! c s c n e in A»i c r i r a. (Biographische Rolizen.) Nach A ni e r i k a Vertriebene. (Biographische Notizen.) Die Opfer d c S k l c i u c i> B e l a g c r u n g Z z» st a n d c S. Liste und Familiciistand der AilSgcivieseuen anS: Berlin, Hamburg- Altona. Leipzig. Fraiikfnrt a. M., Stettin, Sprembcrg; Tabellarische Gcjammt-Znsauiinenstcllnng. V c r z c i ch n i ss verbotener Druckschriften. Verbote der im Inland erschienenen periodischen Driickschristc».— Vcr- boic der im Ansiaud erschiencil n periodischen Triickjchriflcn.— Verbote der»ichlpcriodischen Trnckschriilcii.— Nachtreg.— Tabellarische Zu- iauuncuftcllnilg nach Zahrcn. Berzeickfiliss verbotener Vereine. 1) Gcivcrkschasten nnd bernsliche Verbände: a) Zentral- Verbände; i>) Lokal-Vereine.— 2) Krnnkcii-lI»icrstiitzi»!gs-Vcrc!iie: a) Zentral- Verbände; 8) Lokal- Vereint.— 3) Polit.sche»nd Arbeiter- Vereine. 4) Bildiings-, Gesangs- und Bcrgnügiings- Vereine.— Tabellarische ZnstiniNirustellniig nach Jahren. Z» s a in in c n st c l l n n g der Unter der zehnjährigen Herrschaft des Sozialistengesetzes erlittenen FrcthcitSstrajeil tu Leipzig. Berlin, Hauibnrg nnd den übrigen Städten. S ch l n ss w o r t. Zahlreichen Anfträgcn sehen nngesänint entgegen E. Lcrl.fltjn � 114 Xcntisli Down Ikoacl, London, N. W.(England.) Anzeiqe. Wir sind noch in Besitz einer Anzahl Exemplare von untenstehender Broschüre gelangt, die>v.r zn auSnahmoweisc rcdnzirtcn Preisen abgeben lönnen, woraus»vir nnjere der fraiizöjgcheu Sprache mächtigen Leser besonders anfmcrkjaui machen. Carl Warr: I-'�IIinne-v«I« I-r-vriulistv et lnroi-nntivrinlo ck«!>» Vi-u- VNillQlll'«. Rapport et Documents publies par ordre du Congres internationale de la Haye. Preis: 40 Pfg.— 50 Cts. In Ncu-Anflage besinden sich und werden demnächst versandtfcrtlg Ll. Vcbcl: Die§ffrau in dcr Ucrgnngfnljcit, öfgcnmnrt und Zukunft. Achte Anflagrc. Preis: Nif. 2.—(Fr. 2. 50) •* ♦ Sozialdemokratisches Liederbuch. Preis: 40 Pfg.— 50 EIS. ** ♦ Neues Wiuteriuärchcu. Preis: 25 Pfg.— SO EtS. Zfn Verlag von G. Mnchler in Eincinnati(Ohio, N.-A.) W a l n n t- S t r c e t Nro. 490, ist neuerdings crsdiicneu: Am Webstuhl' öer Zeit. Tin sojialpolilischtr Loman in 3 Läuden von N. Otto-Walstcr. Dicse vom. Verfasser ans Grund der komplett vergriffenen crstrn Drannschivciger Auflage grii»dlid> bearbeitete nnd in jeder Hinsicht vcr- besserte N e n a n f l a g c empfehlen wir allen Genossen nnd Frcnn- den»öftrer Literatur anss Beste»nd vifuiilleln Bestelliiiigc» proniptest. Preis: C o ni p l c t t(in 20 Heften) b r o s ch ii r t Mt. 4.— franko. d c S g l. hübsch g c b>i i, d e n 0.—, Lieserung nur gegen B a a r v o r a n s z a h l n n g. E. Bernstein se Co. 114 Xentisll Down Road London ITW. Qrltthrtlt KolUulnnistlschcrNrbcitcr-BUdnngS-Vcrcin 49 Tottciihain Streck. Samstag den 17. Mai, Abends 8'/, Uhr, Vortrag vou Frau G. Schack siber„Uie kagr irr Fraiitn in der grzruwärligkn nnd jullünsligln Glselischast". Zu zahlrclchcnt Besuch ladet ein Taö Komite. toi' the proprieton by the Gerimm Coopemtiv« Publiabin� Co. K«ntiMh Town Koad 114 London. KW.