h 11 It t Abonnements werden beim Berlag und dessen betannten Agenten entgegen genommen, und zwar jum boraus zahlbaren Bierteljahrspreis von: Mt. 4,40 für Deutschland( direkt per Brief- Couvert) Brof. 2,75 für Desterreich( dirett per Brief- Couvert) Shill. 2,- für alle übrigen Länder des Weltpostvereins( Kreuzband). Buferate bie breigespaltene Petitgeile 8 Bence= 25 Pfg. 80 Gts. 181 Der Sozialdemokrat No. 24. sid 元 dotaple buds nom stand 21 And manisp Erscheint wöchentlich einmal in London. Berlag der German Cooperative Publishing Co. E. Bernstein& Co., London N. W. In this 114 Kentish Town Road. drodin us on Poßßsendungen adio franto gegen franto. and Gewöhnliche Briefe Organ der Sozialdemokratie deutscher Bunge. Briefe an die Redaktion und Erpedition des in Deutschland und Oesterreich verbotenen Sozialdemokrat wolle man unter Beobachtung äußerster Borsigt abgehen lassen. In der Regel schide man uns die Briefe nicht direkt, sondern an die bekannten Dedadressen. In zweifelhaften Fällen eingeschrieben. Aus Italien. Rom, 6. Juni 1890. x. y. o. Ich fürchte die Arbeiter nicht, die so mäßig, tüchtig und fleißig sind- nicht so ihre Leiter, die keine Arbeiter sind!"-" Frankreich hat uns nachahmungswürdige Bespiele gegeben, aus denen hervorgeht, daß auch in der Republik die Sozialisten nicht beliebt sind. Ich finde nicht Worte genug, um den ernsten und thatkräftigen Minister Constans zu loben, dem allein Frankreich es zu verdanken hat, daß am 1. Mai Alles ruhig verlief." muzung der ökonomischen und finanziellen Lage, die ächtmoderne Bourgeoisie, für welche Chauvinismus, Patriotismus und parlamentarische Politik nur gute Dinge und passende Ausbeutungsfelder sind. Aus dieser neuen Sachlage, für welche die Fortschrittler und Menschenfreunde von ehedem in ihrem Pathos keinen Sinn haben, ist es zu erklären, daß die früher in Italien so sehr vermißte Sozialdemokratie sich nun erst aus dem unbestimmten Etwas des doktrinellen Radikalismus herauszuwinden anfängt, d. h. daß eine selbst bewußte Arbeiterpartei sich bildet, um mit klarem und vollem Klassengeist in's Feld zu ziehen. Auflösung des Alten und Gähren des Neuen! Was Wunder, daß in solcher unklaren Uebergangsperiode das neue Strafgesetzbuch die Strafe gegen die Streiks bei behält! Und daß das neue Polizeigesetz die Bettler auf eine sogenannte Armenunterstützung verweist, für welche keine Dr gane und keine Fonds eristiren! Was Wunder, daß es bis jetzt unmöglich war, ein Gesetz über die Haftpflicht durchzusetzen; daß der obligatorische Volksunterricht todtes Wort bleibt? Was Wunder endlich, daß während die Agrarier im Parlament gern neue Schußzölle für sich erlangen möchten, die Arbeiter, die vom Sozialismus angehaucht sind, so gerne von Revolution sprechen? So antwortete der kleine Zäsar des neuen Italiens, Herr Crispi, am 17. Mai im Parlament auf eine Interpellation über die Maßregeln der Regierung gegen die Kundgebung des 1. Mai. Der Interpellant, Fürst Odescalchi, ein Mann, halb Klerikal und halb Schwärmer, der im Rufe steht, ein Sozialist zu sein aus dem einfachen und harmlosen Grunde, weil er an einige Genossenschaften von Maurern und Tag löhnern Arbeiten vergibt und dies Anderen eifrig empfiehlt, dieser gute Mann wollte weiter wissen, wie die italienische Regierung sich den Beschlüssen der Berliner Konferenz gegen über zu verhalten gedenke. Wir sind kein Land wie die anderen Länder" antwortete der Industrieminister Miceli und wir können nicht einmal das gesetzliche Verbot der Kinderarbeit bis zum vollendeten neunten Jahre zur strengen Anwendung bringen, da uns die Pflicht obliegt, die Unternehmer nicht zu ruiniren." Die beiden Herren ergingen sich in Mitleidsergüssen für die armen Arbeiter und verfehlten nicht, von geplanten Gesezen zu sprechen, die die Lage der Arbeitenden verbessern werden. Besonders sprachen sie von innerer Kolonisation, ein unbestimmtes Etwas, so dunkel, daß Niemand wagt, die Sache näher anzuschauen. Daß Staatsmänner so zu sprechen wagen, ist gewiß recht verdrießlich besonders in Italien, d. h. in dem Lande, das zum neuen Leben im Namen des Freiheits- Idealismus erwachte, und wo die Erziehung der heranwachsenden Jugend feit 1848 fast ausschließlich auf dem Kultus der Helden der Revolution beruht. Es ist gewiß verdrießlich, daß die Er- sonders in finanzpolitischer Hinsicht. Das Programm streift patrioten, die Errevolutionäre, die Ermazzinianer von der ultraliberalen und radikalen Presse fortwährend, und nicht ohne Grund, als Verräther der guten Sache und als Gaukler stark angegriffen werden. Von einem anderen Gesichtspunkte, d. h. von unserem Gesichtspunkte aus, ist es jedoch noch mehr verdrießlich, daß die Ultraliberalen und Radikalen, die so gerne eine schönklingende moralisirende Kritik ausüben, in der ganzen Geschichte nur persönlichen Ehrgeiz, Renegaten thum, Verrath und andere individuelle Untugenden und Laster zu fehen vermögen, und nicht einmal den leisesten Anfang von sa chlichem Erkennen der Verhältnisse kundgeben. Diese Unkenntniß der fachlichen Verhältnisse ist leider ein frappanter Beweis der rückständigen sozialen Bildung der Italiener, sino b 9 Was soll es eigentlich helfen, daran zu erinnern, daß Crispi, als er noch nicht Minister war, sich wie ein Louis Blanc im Kleinen vor dem Wähler geberdete? noch einige Wochen vorher, ehe er ans Ruder kam, von obligatorischer Armenpflege gesprochen hat? Was hilft es, daran zu erinnern, daß die seit 14 Jahren herrschende Linke des Parlaments, die ursprünglich die Regierungsfeftung im Namen ber Wolfsintereller eroberte, troß ihres zeitweisen Liebängelns mit den Republikanern der äußersten Linken, nur dieselbe Politik treibt, wie die früher so verhaßte gemäßigte Partei, die übrigens in ihrem Fache zu Hause war, und daher auch konsequent und ohne Gaufelei arbeitete? Wenn die für Ideale" schwärmenden Ultraliberalen und Radikalen noch immer von einer parlamentarischen Politik nach vermeint lichem englischen Muster sprechen und träumen; wenn sie nicht einsehen wollen, aus welchen tiefgreifenden Gründen die Regierung seit Jahren schon mit einer je nach Tagen und Wochen zusammengebrachten Majorität sich aushilft, so beweist das mur, daß die sozialen Grundlagen der italienischen Politik dem Gesichtsfelde solcher leichtfertigen Kritiker abseits liegen. Wenn wir oben wären" das ist das Aushänge schild der liberalen Großsprecher, was den Idealismus so oft zur Heuchelei stempelt. Am 11. vor. Mts. und die drei folgenden Tage hat in Rom ein vielbesuchter Kongreß der parlamentarischen politischen Demokraten getagt zu dem Zwecke, ein Programm für die nächste Wahlbewegung auszuarbeiten. Darüber ärgerten sich sehr, einerseits die„ ächten" Republikaner, die in solchen Parlamentariern nur abgefallene Revolutionäre sehen, und andrerseits Herr Crispi, der in solchen Possibilisten die Nachahmer seiner Laufbahn wittert, wenn er auch den Kongreß durch bewaffnete Karabinieri bewachen ließ, und in der darauffolgenden parlamentarischen Debatte sich die Miene gab, die bedrohten Institutionen der Gesellschaft zu retten. Item, das zukünftige Programm unserer Demokraten wurde ausgearbeitet. Es ist viel Gutes darin zu finden, beauch das Gebiet der sozialen Fragen und verspricht Vieles, sogar den normalen Achtstundentag, was eigentlich bei den jezigen italienischen Verhältnissen nur eine gesuchte uebereilung ist. Die Sozialdemokraten haben sich scharf und bündig gegen die erhoffte Stellung der Arbeiterbewegung unter die Führerschaft der politischen Radikalen ausgesprochen, und die oberitalienische Arbeiterpartei hat bei dieser Gelegenheit kurz und bündig erklärt, sie sei keine politische Partei und hoffe und erwarte gar nichts von der Bourgeoisie. Gute Anfänge, wenn nicht harte Thatsachen und schlimme Korruptionsmittel da wären, die vor Selbsttäuschungen war men, wie folgende Beispiele zeigen! Man hat in Rom bekanntlich in den letzten Jahren viel gebaut. Der Bauschwindel war, wie in allen großen Städten, unvermeidlich, und die daraus folgende Baukrisis war auch unvermeidlich. Sie wurde vor zwei Jahren offiziell angekündigt, und wie früher große Unternehmer die kleineren verschlungen hatten, so verschlang schließlich die Finanz viele unter den größeren. Die Krisis unter den Kapitalisten brachte die Arbeitskrisis mit sich. In ungeheurer Zahl waren die Arbeiter aus allen Punkten Italiens nach der Hauptſtadt gezogen worden, und die rühige Masse gab lange Zeit hindurch dem Genossen Costa reiche Gelegenheit zu einer ein dringlichen sozialistischen Propaganda. Die Arbeitskrisis endete mit dem famosen Krawall som 8. Februar vorigen Jahres; und seither hat die Regierung auf sehr einfache Weise und durch Polizeimittel die Hawtstadt von Tausenden und Abertausenden unruhiger und lätiger Menschen gesäubert". Wie kommt es nun, daß sehr wenige unter den einheimischen, an fäßigen Arbeitern und Handwerkern für die ausgewiesenen und verfolgten Klassengenossn Interesse zeigen? Die Mehrzahl, noch nicht von der Celbsterfahrung gewißigt, ist noch in der Täuschung der Selb hilfe befangen! Einige machen jeßt die Periode der Genosinschaftsillusionen durch. Bürgerliche Politiker unterstüßen alerorts höchst bereitwillig die Produktivgenossenschaften, die, as Ventil gegen die ächtproletarische Italien befindet sich seit einigen Jahren in dem historischen Bewegung, durch ein jüngs geschaffenes Begünstigungsgesetz Moment des erst anhebenden industriellen und gefördert werden. Bis zu der Summe von hunderttausend ländlichen Großbetriebs, und die Regierungspolitik, Franken dürfen sich die Genssenschaften um die öffentlichen Arbeiten bewerben, ohne die Garantien bieten zu müssen, die von welcher Seite der früheren patriotischen, liberalen und radikalen Parteien sie auch ausgehe, steht naturnoth man sonst von den Unternehnern fordert. Dieses neue Gefeß wendig unter dem Einflusse des sich erst bil- ist im vorigen Jahr zugleid mit dem ausgedehnten Munibenden Kapitalismus. Verschiedene Umstände verzipalwahlrecht in Kraft getreen, und an vielen Orten spielte schlimmern die Lage der Dinge noch. Der Kapitalismus hing man mit Arbeitervertretern nd mit Arbeiterkandidaten, wie lange Zeit und hängt noch jetzt vom Auslande ab, so daß man mit Puppen spielt! die Ausbeutung doppelt drückend und doppelt empfindlich ist. Die politische Stellung Italiens den fremden Mächten gegenüber hat zu einem wahnwißigen Militarismus geführt, der im argen Kontrast zu der ökonomischen Leistungsfähigkeit des Landes steht. Die schwindelnd hohen Ausgaben für Heer und Flotte haben die ökonomische Noth des Landes nicht nur größer gemacht, sondern, was noch fühlbarer ist, in grelle Finanzunsicherheit umschlagen lassen. Nun erst bildet sich ganz naturgemäß und fast unbemerkt, durch geschickte Be ind Diese traurigen Thatsachen ürfen nicht verschwiegen werden, und sie brauchen auch nicht erschwiegen zu werden, da ihnen anderseits Erscheinungen gegeüberstehen, die als Vorzeichen des Besseren anzusehen sind. Wenn die Sektionen der oberitalienischen Arbeiterpartei, der Beschlusse des letzten Arbeiterfongresses in Bologna gemäß fest entschlossen sind, bei der nächsten Munizipalwahlen mi eigenen Kandidaten ins Feld zu ziehen und dem ausgesrochenen Klassenkampf Ausdruck zu geben: wenn man siel, wie die Maurer in Asti sich nach England toften Doppelporto. 14. Juni 1890. nur durch eigene Mittel einen besseren Tarif erkämpft haben, und wie die Bäcker in Mailand, in Livorno und in Turin mit gesunder Taktik für die Abschaffung der Nachtarbeit sich tüchtig schlagen, so darf man gestehen, daß eine proletarische Kraft schon vorhanden ist, die früher oder später der Bourgeoisie Front bieten wird. Vor Kurzem fand in Ravenna eine Konferenz statt, auf der die Delegirten der Genossenschaften aus der Romagna und Emilia die Gründung einer Liga besprochen. Als Aushülfe schon ein Schritt weiter. Auch ein Mittel, von dem die Gegner die Niederhaltung des sozialistischen Geistes erhoffen, ist das Aufspielen der Regierung als einen Arbeitgeber, der die Proletarier beschwichtigen soll. Als in Ravenna und Imola die doppelte Wiederwahl des Genossen Cofta erfolgte, erklärten einige ministerielle Zeitungen ganz unverholen, die Regierung habe die Pflicht, sich der Romagna durch Protektion der Unzufriedenen zu bemächtigen. Neulich behauptete der Halbradikale Baccarini, der auch Ravenna im Parlament vertritt, in einer politischen Rede, der echte Vertreter der öffentlichen Sicherheit sei der Minister der öffentlichen Arbeiten; und der Unterstaatssekretär Fortis prahlte im Parlament mit der Versicherung, die Arbeiten auf Staatskosten seien in seiner Romagna um das Doppelte gewachsen, seitdem er im Dienste der Regierung stehe. Diese verkehrte Form von Staatssozialismus, diese kleinbürgerliche Vermodelung des Rechtes auf Arbeit hat sich auch wieder bei den neulichen Unruhen von Conselice bewähren müssen. Es ist aus allen Zeitungen schon bekannt, wie die armen Arbeiterinnen in den Reisfeldern des Marchese Massari in Confelice, einer Landgemeinde an der nördlichen Grenze der Romagna, um die Erhöhung des Taglohns von 65 Gents auf 1 Franken streikten. Die mühsame und die Gesundheit so sehr schädigende Arbeit dauert von 51/2 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends. Es scheint, daß der abwesende Marchese gerne in die Erhöhung eingewilligt hätte, und es ist unerklärlich, wie der Verwalter sich schroff dagegen erklären konnte. Da zur Zeit in Conselice die Gemeindevertretung aufgelöst ist, trat der interimistische königliche Kommissär dazwischen, um den Streit zu schlichten, und unterſtüßte die Unbeschäftigten mit Mehl und anderen Versorgungsmitteln. Gleichzeitig wurde Militär reqirirt. Am 21. vorigen Monats sammelten sich 500 streifende Arbeiterinnen und 200 unbeschäftigte Taglöhner, die herbeigelaufen waren, auf dem Plaz von Conselice, um eine Delegation an den Kommissär zu entfenden. Es kam zu einem Tumult und schließlich ließ der kommandirende Lieutenant der Carabinieri, von einem Steinwurf getroffen, seine Mannschaft und eine Linienkompagnie auf die unbewaffnete Menge feuern. Zwei Frauen und ein Mann fielen sofort, und einundzwanzig blieben stark verwundet, wenn es nicht noch mehr waren, denn viele der Verwundeten haben sich geflüchtet. Bis jetzt ist die traurige Geschichte nicht in allen Punkten klar, da die Regierungsenquete bis jetzt das Licht der Deffentlichkeit vermieden hat. Aber sofort trat der Staatssozialismus in die Arena. Auf Anregung der lokalen Deputirten ordnete der Minister der öffentlichen Arbeiten, Finoli, der auch aus der Romagna gebürtig ist, telegraphisch die Angriffnahme verschiedener Arbeiten an. Mit solchen Verhältnissen hat die Sozialdemokratie in Italien zu rechnen. Ausländische Genossen, denen dieselbe nicht be tämt ist, können daher leicht in die Gefahr gerathen, zu hoch oder zu niedrig von der italienischen Arbeiterbewegung und vom italienischen Sozialismus zu denken. Sie seien vor Beidem gewarnt. adm BJC Kapitalistische Naubthiere. Aus Hamburg wird uns geschrieben: sito p Wie macht man eine Revolution?" Der harmlose Leser ist erstaunt ob dieser Frage, deren Erörterung altväterliche Verschwörer- Stonventikel vorproletarischen Angedenkens zu beschäftigen pflegte. Tempora mutantur. Nur eine Revolution tann uns noch retten, wie ist ein Butsch zu Stande zu bringen?!" Dieser Ruf erschallt heute aus den Reihen unserer Bourgeoisie, auf's eifrigste variirt in Wort und Schrift. Millionen für einen Butsch, daß die Flinte schießt Wort und Schrift. und der Säbel haut!" Und der Apportirhund der Bildung und Besitz" vertretenden Klasse, die Polizei, ist denn auch mit einem Raffinement, das man ihrer Blechschädelnatur garnicht zutrauen sollte, bemüht, des Räthsels Lösung zu ergründen und„ das Erforderliche zu veranlassen." Wüßten wir nicht von unserer Arbeiterschaft, daß sie, um mit Fr. Engels zu reden, gelernt hat, Gewehr bei Fuß im Kugelregen auszuharren, bis der Zeitpunkt zum Jnsfeldrücken gekommen, so würden wir es unbegreiflich finden, daß sie die schmachvollen Provokationen, die ihr in den letzten Wochen geboten worden sind, sich so ruhig hat gefallen lassen. Ja, 3hr habt Euch verspekulirt, Ihr guten Leute! Wuthergrimmt wird zwar die Hamburger Arbeiterschaft alle Gure nichtswürdigen Heldenthaten fich in's Gedächtniß einprägen, aber Euch zu Gefallen zu rebelliren, das wird sie nicht thun. Es verdient jedoch, namentlich bei den außerdeutschen Genossen, be= fannt zu werden, was Alles in Deutschland, und zwar in der Stadt mit der selbstbewußtesten Arbeiterschaft, zur Zeit, wo die Sozialreform" in Blüthe steht, noch möglich ist. Man rebet kaum noch weiter davon, daß, wenn eine Gewerkschaft in einen Ausstand eintritt, die Leiter der Bewegung sich von der Polizei endlose Zitationen und Haussuchungen gefallen zu lassen haben. Auch fällt's nicht weiter auf, daß wenn ein Streitender einen Streifbrecher nur anspricht, er ohne viel Redens auf Monate eingelocht wird. Einige Prachtleistungen verdienen aber doch, vor der ganzen proletarischen Welt an den Pranger genagelt zu werden. Gradezu rasend geworden ist unsere Bourgeoisie durch den Streik ber Ewerführer. Diesem Gewerbe liegt es ob, den größtentheils auf dem Wasserwege vor sich gehenden Transport der Kaufmannsgüter vom Hafen nach den Speichern zu vermitteln, sie sind gewissermaßen die Träger der Blutzirkulation in Hamburger Handel. Und nun stockte der Handel! E. E. Kaufmann wurde wild. Es gibt kein abscheulicheres Raubthier, als ein Krämer, dessen Geschäft nicht gehen will, sagt Heine irgendwo. Und nun unterfing sich der Arbeiter, um fich eine Verfürzung der Arbeitszeit auf man höre 12 Stunden zu ertrozen, in's Allerheiligste, was es auf Erden gibt, störend einzugreifen. War schon am Tage nach der Wahl es von den„ Hamburger Nachrichten" als das Gescheidteste hingestellt worden, die Arbeiter durch systematische Peinigung schnellstens zum Aufstand zu treiben jetzt, wo das Schlimmste von ihnen verübt worden war, blieb in den Augen der der Bourgeoisie thatsächlich nichts anderes übrig, als ein schneller Schlag, durch den die ganze Bewegung gewaltsam getödtet werden könne. Die weiland so stolzen Bürger der freien" Hansestadt find geistig total auf den Bismard gekommen. Hilf Polizei! war die Parole. Wo ein Streifender einen der importirten Streifbrecher auch nur schief ansah, wurde er eingesteckt und pfui der Schande gleich einem Raubmörder gebunden und mit einer Nummer auf der Brust für's Verbrecheralbum photographirt. Es half nichts. Die Polizei drang ins Bureau der Streiffommission ein, versiegelte die Schränke, stahl eine Stasse, welche 120 Mark Krankenunterstüßungsgelder enthielt, und nahm den Streikkassirer mit sich. Man hat sich vergebens bemüht, einen Grund zu entdecken, weffen die Gefangenen, etwa 70 an der Zahl, angeklagt werden konnten. Sein Baragraph in dem an Schlingen und Fallen so reichen Strafgesetzbuche ließ sich ausfinden. Jezt verlautet bestimmt, daß die Anklage gegen den Staffirer, wie gegen eine Reihe seiner Genoffen auf Begünstigung" lauten werde, weil sie von auswärts herangeholte Ersatzkräfte durch Geldunterstügung zur Abreise bewogen haben! " Bisher wurde Sachsen die Palme in der Gesezesauslegung zuerkannt, wer will leugnen, daß unsere Hamburger Justiz- Louis ihm weit über find? Die hiesige Arbeiterschaft zittert vor Wuth bedauernd, daß ihre Stunde noch nicht geschlagen hat. Der Streit der Ewerführer ist verloren. Fünfwöchentlichen Hunger, alle Polizeischurkereien haben sie ertragen, aber es war ihnen nicht möglich, sich der in immer stärkerer Zahl herangeschleppten und von der Polizei bewachten fremden Ersatzkräfte zu erwehren. In einer am legten Dienstag abgehaltenen Versammlung blieb ihnen angesichts dieser Lage nichts übrig, als zu beschließen, die Arbeit bedingungslos wieder aufzunehmen. Mit welchen Gefühlen die Ewerführer wieder in's Joch gegangen sind, das zu schildern bleibe mir erlassen. Die Unternehmer schrieben den Wiederaufgenommenen vor, ihren Austritt aus dem Verein zu erklären. Nun, die Ewerführer sind in ihrer Organisation fest genug erprobt, um ohne Schaden für ihr Solidaritätsbe= wußtsein auch dieser Frechheit der übermüthigen Ausbeuter fich zu beugen. Auch einige andere Streifs find erfolglos verlaufen. Ant 18. Mai bereits haben die Werft- und Metallarbeiter die Arbeit wieder aufnehmen müssen. In diesen Tagen ist der Malerstreit nach einem nur theilweisen Erfolg für beendet erklärt worden. Unverändert dauert der Ausstand sämmtlicher Bauhandwerker fort. Bei der Klassenbewegung dieses Jahres war vorauszusehen, daß eine Anzahl dieser Ausstände verloren gehen würde. Als die Unternehmer durch ihre Utase zur Maifeier diese Bewegung provozirten, wußten sie dies wohl und können, wenn ihre fühnsten Hoffnungen auch unerfüllt geblieben sind, zum Theil doch triumphiren. Das heißt, insoweit sie nicht selber in's Proletariat hinabgeschleudert worden sind. Die alte Geschichte. In ihrer Blindheit folgen die kleinen Unternehmer dem Großkapitel und fallen, zur Freude desselben, um wie die Fliegen. Die fleinen Kranter hatten sogar für den Spott der Großkapitalisten nicht zu sorgen. An der Börse wurde zu ihrer Unterstüßung eine Subskription eröffnet, welche ganze 60,000 Mark einbrachte ein Schlag in's Gesicht! 201 Doch überlassen wir sie ihrem Schicksal. Die Streikkassen der Gewerkschaften waren mit wenigen Ausnahmen ungenügend gefüllt; die sonst gewohnte Unterstützung seitens der arbei tenden Hamburger Genossen floß, da es solche kaum gab, verhältnißmäßig gering, troßdem Jeder das Menschenmöglichste leistete und selbstredend noch leistet. Und gerade jezt sind noch viel, sehr biel Opfer erforderlich. Bis jetzt hat sich die Hamburger Arbeiterschaft selber geholfen, doch glaubt sie, wo es noth thut, mit Erfolg auf das Solidaritätsgefühl der auswärtigen Genossen rechnen zu können. Genossen allerorts, im In- und Auslande! Seitdem es eine moderne Arbeiterbewegung gibt, haben die Hamburger Arbeiter gezeigt, daß sie das Wort Solidarität voll und ganz erfaßt haben. Mit Recht können wir sagen, daß, wo fich Leidensgenoffen im Kampf gegen den Kapitalismus erhoben, wo es galt, für die Propaganda unserer Ideen Unterstützung zu suchen, man nach Hamburg blickte, und der Hamburger Arbeiter hat gern und reichlich gegeben. Jetzt ist's an Euch, Genossen, ein Gleiches zu üben! Vor allem bei den Ewerführern, den Werft- und Metallarbeitern, sind Hunderte von Prostribirten zu unterstüben, Familienväter, die auf Monate hinaus keine Arbeit bekommen werden. Ferner werden die ausständigen Bauhandwerker, viele Tausende an der Zahl, in den nächsten Wochen der Hülfe dringend bedürftig sein. Wo es Euch möglich ist, Genossen, da gebt, gebt so schnell und reichlich Ihr könnt, vor allem aber, und diese Mahnung richten wir namentlich an die deutschen Arbeiter, vor allem aber haltet den Zuzug fern. Kein Arbeiter darf in den nächsten Monaten seinen Fuß nach Hamburg segen! Es gilt einen Kampf um unser werthvollstes Gut, um die Organisation! Siegen die Stapitalisten auf der ganzen Linie, können sie uns den Fuß völlig auf den Nacken fezzen, so wird auch anderswo die Bourgeoisie frecher thr Haupt erheben, und der Rückschlag wird, wenn auch nur vorläufig, allerorts von den Arbeitern empfunden werden. Jezt, mitten inrednipfe, ist's nicht an der Zeit, zu untersuchen, inwieweit und ob überhaupt die Arbeiter es hätten verhindern können, daß die Bewegung diese Ausdehnung gewonnen hat. Einer späteren Gelegenheit sei eine Erörterung darüber vorbehalten. Ebenfalls, welche Lehren wir für die Zukunft daraus zu ziehen haben. Bitter aber täuschen sich unsere Feinde, wenn sie glauben, durch ihr unverschämtes Verlangen an die Unterjochten, aus ihrer Gewerkschaft auszuscheiden, die Bewegung überhaupt ersticken zu können! Mag ein Rückschlag für manche Gewerkschaft kommen, mag der Sa pitalist, fleinlich wie er ist, test sein Müthchen fühlen, seine Freude wird von sehr kurzer Dauer sein. Der Hamburger Arbeiter hat ge= lernt im Kampf, und wenn irgendwie, fo find wir heute von der Nothwendigkeit einer fräftigen Gewerkschafts- Organisation durchbrungen. Schneller, als unsere Gegner denken werden, werden wir unsere Reihen wieder geschlossen haben und den Kampf wieder und wieder beginnen, bis wir die anscheinend noch so feste Burg des Kapitalismus mit Sturm Hummel. genommen haben! * * Wir hoffen, daß dieser Appell von einer Seite, die bisher nie gefordert, sondern immer nur gegeben, allseitige Beachtung findet. Um auch unsererseits den wackeren Hamburgern, deren Verdienste um die deutsche Arbeiterbewegung nicht hoch genug geschäßt werden können, einen Beweis unserer Solidarität zu geben, haben wir heute die Summe von 1000 Mark an sie überwiesen. Möge dieselbe eine Rückerstattung, fein Geschent mit bazu beitragen, daß die Scharte, die kapitalistische Brutalität den Hamburger Arbeitern geschlagen, bald wieder ausgewegt werde. Redaktion des Sozialdemokrat". Warum die Russen Bomben fabriziren. Ob und inwieweit die in Paris verhafteten Russen wirklich sich mit der Bombenfabrikation abgegeben haben, ist durch die gegen sie eingeleitete Untersuchung noch nicht genügend festgestellt, um es in diesent Blatte als Thatsache zu behandeln. Fest steht nur, daß Einige von ihnen Experimente mit chemischen Substanzen vorgenommen haben, die in gewiffen Busammensetzungen eine explosive Wirkung ausüben. Aber angenommen, sie hätten wirklich Bomben hergestellt, und zwar in der Absicht, dieselben später in Rußland zu Attentaten zu verwenden, wäre dies zu verwundern? Könnte man ihnen, abgesehen davon, was man etwa vom Zweckmäßigkeitsstandpunkt gegen die terroristische Taktik im Allgemeinen und das, was die betreffenden Russen in Paris gethan oder auch unterlassen, im Besonderen einzuwenden hätte, könnte man ihnen, wiederholen wir, grundsäßlich einen Vorwurf machen, moralisch den Stab über sie brechen? In der vom Berliner Polizeipräsidium, unter Verschweigung des vollen Titels, verbotenen Broschüre Truz- Eisenstirn" wird diese Frage eingehend behandelt. Wir bedauern, die betreffende Stelle Raummangels halber nicht ganz hier abdrucken zu können, wollen aber wenigstens einige Auszüge hier folgen lassen, die zugleich als Probe des fesselnden, packenden Stils dienen mögen, in dem diese, trotz ihres Titels durchaus zeitgemäße Broschüre durchgängig gehalten ist. * * Stelle der zahmste deutsche Spießbürger sich vor: er äußert am Wirthshaustisch oder in einer Gesellschaft, es set doch wünschenswerth, daß der Staatsbürger, der die Steuern bezahlen muß, auch über deren Verwendung zu entscheiden habe auf dem Heimweg wird er von ein paar schmuzigen Hallunken überfallen und nach der Polizei geschleift; er will sich beschweren, und bekommt nur Püffe; wird von einem höheren Beamten wie ein Hund angefahren; von einem halb Duzend nieberen Beamten wie ein Hund durchgepeitscht; mit dem Kopf voran in irgend ein dunkles Loch gestoßen, wo er auf den Steinen und im Soth sehen mag, wie er die Nacht zubringt; und den andern Morgen von ein paar schmutzigen Hallunten die Beamten und schmuzigen Hallunken find dieselben Personen wie ein Schlachtthier in einen Starren geworfen, verglichen mit dem ein deutscher Bauernwagen ein Lugusartikel ist; und fort geht's- Tag und Nacht, Tag und Nacht; die Spuren menschlicher Wohnungen werden seltener und seltener endlich hält der Karren in irgend einem ruppigen, schmußigen Nest der Bestimmungsort ist erreicht: Sibirien. Jegt, denkt der so Trattirte, sei es doch Zeit, ihm wenigstens zu sagen, warum diese scheußliche Behandlung, diese Zwangsreise. Ein Wink mit der Knute ist die Antwort. Aber der Verschickte" ist wenn er Glück hat„ frei"; nur darf er bas ruppige, schmußige Nez nicht verlassen, sonst das ist die einzige Auskunft, welche der Gouverneur" ihm zu ertheilen die Gewogenheit hat sonst wird er todtgeschossen wie ein toller Hund, alle Soldaten haben geladene Gewehre und die strifteste Weisung, jeden „ Verschickten", der über das Weichbild hinaustritt, ohne Warnung sans façon zusammenzuknallen. " 1 " Briefe darf der Verschickte" nicht schreiben außer auf besondere Gnade; und dann werden sie meist nicht abgesandt. Frau und Kind, Verwandte und Freunde erfahren also Nichts! Die Polizei hat Besseres zu thun, als sich um derartigen Familienquark zu befümmern. Und find wir nicht in Rußland? Sie mögen errathen, was geschehen. ist und werden es auch wohl. Zahmster deutscher Philifter also zahmster Philifter des Landes der zahmsten Philister stelle Dir vor, das sei Dir passirt! Was würdest Du thun? Die Hallunken verklagen, die Dich überfallen haben? Die Hallunken find Beamte des Staates und vertreten die„ Majestät des Gesetzes". Und wie verklagen? Gefeßt den Fall, es gäbe ein unabhängiges Gericht, dem Beamtenübergriffe zu unterbreiten wären, was indeß nicht der Fall wie eine Stlage anbringen? Die Hallunken, die Dich verhaftet, behalten Dich in ihrer Gewalt, bis Du in Sibirien bist. Und dann nehmen Dich andere Hallunken in Empfang Du beschwerst Dich bei dem ersten besten höheren Beamten, der Dir zu Gesicht kommt. Er läßt Dich durchprügeln. Zahmster der Philister, was würdest Du thun? Thun? Nichts, denn Du bist absolut ohnmächtig; aber so wahr Du einen Tropfen Blut im Leib und ein Fäferchen menschlicher Natur hast, wirst Du schwören, den Hallunken, der Dir so schändlich mitgespielt, und den Oberhallunken, die Deiner Ansicht nach dafür verantwortlich find, die Sache einzutränken. Und so sicher Du Anspruch auf den Namen Mann haft selbst wirst Du sollte Dir die Möglichkeit eines deutschen Mannes, geboten werden, Deinen Schwur halten. Wohlan in Deutschland find wir nicht mehr so weit, oder auch: noch nicht, denn gewisse Leute geben sich alle Mühe, uns so weit zu bringen in Rußland sind das alltägliche Vorkommnisse. Alltägliche? 190 Allstündliche! Dreißigtausend in 5 Jahren! Und jezt geht's fast noch toller. Welche Summe von Haß, von Nachsucht muß da erwachsen! Die meisten der Opfer gehen freilich spuclos verloren sie sterben, verderben. Sie werden zu Brei zerstampft, so daß von Auflehnen, von Selbsthülfe nicht die Rede sein kann. Aber Dieser und Jener entwischt; Dieser und Jener hat einen Freund, einen Sohn, der das schmachvolle Verbrechen ahnt, und es zu sühnen gelobt. An wen soll er sich halten? An die schmutzigen Hallunken, die des unglückliche Wild überfallen und abgefangen? Wer hält sich an den Köter, der ihn an die Waden gehetzt worden ist? Man schüttelt den stöter ab und geht dem Hezer auf den Leib. Die schmutzigen Hallunken sind von was faubereren Hallunken kom mandirt und diese wieder von etwas fatbereren( äußerlich), und so von Stufe zu Stufe hinauf, bis zum Chef der dritten Abtheilung, zum Polizeiminister. In dessen Hand vereinigen sich die Fäden, durch welche die ganze Maschinerie der Gewaltthätigtäten in Bewegung gesezt wird." Er ist verantwortlich. D Trepow, Wesenzew, Drentelen sind erantwortlich gemacht worden. Zahmster der zahmen Philister, wunerst Du Dich Der Zar, den selbst der Nihilismus bis dahin als Vertreter des Staats auffaßte und über solche Infanien erhaben glaubte, wurde nicht verantwortlich gemacht. Off Aber der Zar übernahm selbst die Vrantwortlichkeit. Statt dem unterdrückten mißhandeltn Recht beizustehen, deckte er alle diese Nieberträchtigteiten mit seiner kaiserlichen Verantwortlichkeit. Die nothwendige Folge blieb nicht ans. Die Selbsthülfe wandte sich gegen di Person des Zaren. War es anders möglich? Bahmster der zahmisten Philister, wan Du so behandelt wirst, wie wir soeben annahmen, und wenn der somußige Hallunke, der dich ab= fängt, Dir fagt: der Herr hat es beohlen! und wenn der höhere Polizeibeamte, der Dich durchprügeln Ißt, Dir sagt der Bar hat es befohlen! und wenn die schmutzigen Hclunken, die Dich in die Kibitte warfen, Dir sagen: der Bar hat es beohlen! Wenn alles Unrecht, alle Schmach, le Mißhandlungen, mit denen Du überschüttet wirst, auf Dich gehäut werden im Namen des Zars, und wenn Dir jede, jede Möglichkeit abgeschnitten ist, Dir Recht zu verschaffen, Deine Manneswürde zur Geltung zu bringen? Wenn zwischen Dir und dem Zar Nemand steht, an den Du Dich halten kannst, den Du verantwortlich iachen könntest? Wirst Du dann feiler und kriechende sein, als der Wurm, der sich gegen den Fuß aufbäumt, welcher is zertritt? Oder wirst Du zur Selbsthülfe schreiten? Bist Du unter dem Thier? Ode bist Du ein Mensch? Kein Zweifel, es ist entseglich, enn der Mensch das Blut des Menschen vergießt. Aber wer tägt die Schuld, daß es dazu gekommen ist? Wir sprachen bis jetzt von Selbshilfe. Die Nihilisten nennen sich Vollstecker der Volksjustiz. Haben sie Unrecht? Kann die Selbstilfe nicht zur Volfsiustiz werden? Wir Deutschen haben in unserer Gchichte das schlagendste Exempel. Zur Zeit, wo die Gefeslosigkeit ihrt Gipfel erreicht hatte, und das Recht bei keiner Regierung, bei einer legitimen" weltlichen oder geistlichen Behörde Schuß fand, da nahm das Volk die Wahrung feines Rechts selber in die hand, sprach Recht und führte den Richterspruch aus. Und die Fehme brachte das Recht wieder zur Geltung der Schrecken der Frevler, ist sie bis heute der Stolz des Volkes." 196 wei der tra tirt An der hat in We fri mu der bie i ch ie & Bonbon, 11. Juui 1890. 6 to he tar da Sozialpolitische Rundschau. - Aus Deutschland wird uns geschrieben: Alle Vergleiche hinten, und in ganz besonderem Grade gilt das von den geschichtlichen Vergleichen. Der alten Weisheit des Salomo, daß nichts Neues unter der Sonne, welche abgedroschene Weisheit durch das„ Alles schon dagewesen" des Ben Akiba nur noch abgedroschener gemacht worden ist, steht die Thatsache gegenüber, daß in der Geschichte sich nichts wiederholen fann und daß äußerlich ähnliche Vorgänge aus verschiedenen Zeiten doch innerlich von einander verschieden sind. Trozdem gibt es Ereignisse und Perioden, die mit andern Ereignissen und Perioden eine so frappante Aehnlichkeit haben, daß sie zum Vergleich förmlich herausfordern. Solche Perioden sind zum Beispiel diejenigen der Auflösung veralteter Gesellschafts- und Staatsformen; und die Aehnlichkeit erklärt sich daraus, daß die Gesetze des Auflösungsprozesses die gleichen find, so verschieden auch die der Auflösung verfallenen Organismen sein mögen. Die alt heib nische Welt des Griechen- und Römerthums- beides ist ja nicht von einander zu trennen ist ebenso grundverschieden von der modernen Bourgeoisiewelt, wie das Christenthum vom Sozialismus, und doch hat die Art und Weise, in welcher fich zu Anfang der sogenannten christlichen Aera die Auflösung des römischen Weltreichs vollzogen hat, in vielen wesentlichen Punkten eine geradezu verblüffende Aehnlichkeit mit der gegenwärtigen Geschichtsperiode, welche die der Vernichtung der Bourgeoiswelt durch den Sozialismus ift. In beiden Perioden eine allgemeine Unzufriedenheit, eine allgemeine Unsicherheit Stonzentrirung übermenschlicher Macht in die Hand einzelner Personen, das persönliche Regiment auf die schwindelndste Spize getrieben, die Launen und damit verbundene heftige Schwankungen, welche Eigenthümlichkeiten des persönlichen Regiments find höchstes Raffinement auf der einen, barbarischste Rohheit auf der andern Seite meteorenhaft auftauchende, meteorenhaft verschwindende große Männer" allmächtige Bäsaren, allmächtige Günstlinge Bäsarenwahnsinn und sonstigen Größenwahn Kultus der Gewalt höchste Konzentrirung der Macht Hand in Hand mit der Auflösung aller Machtfaktoren grelles Licht, blendender Glanz, aber das phosphoreszirende Glänzen und Leuchten der Fäulniß Verhöhnung der Jdeale, Um drehung der Moralbegriffe, organisirte Heuchelei und Korruption wahnsinniger Personenfultus tolles Jagen nach Gold, schamlose Räuberei wachsendes Mißtrauen, immer breitere Kluft zwischen den verschiedenen Klassen der Bevölkerung, immer brutalerer Appell an die niedrigsten und rohesten Instinkte. Das Rom des Zäsar, des Augustus, des Tiberius, des Nero bietet uns tausend Parallelen mit dem modernen Frankreich und Deutschland der aufgewärmten Zäsarenzeit. Wir beschränken uns auf diese beiden Länder, well in ihnen der Verfall der bürgerlichen Welt aus Gründen, die ihrer Geschichte entspringen, drastischer und anschaulicher von Statten geht, als in den übrigen Kulturländern. Der letzte französische Staiser sah selber die Aehnlichkeit seines Empire mit dem römischen Staiserreich und ver glich sich in einem bekannten, seinen Namen tragenden Buch mit dem alten Original- 3äfar oder richtiger: ließ sich mit ihm ver gleichen, denn geschrieben hat er das Werk" nicht. Wer die Annalen des Tacitus die Standalchronik des Suetonius durchlieft, fühlt sich unwillfürlich in ble Gegenwart versetzt. Die Namen sind andere die Bismarck heißen Sejan, die Prätorianer find auch heute die einzigen Stüßen des Staats und der Monarchie, und sie unterscheiden sich in nichts Wesentlichem von den Soldaten der Nero und Tiberius, obgleich sie Kanonen haben statt Ballisten und mit Flinten schießen statt mit Bogen und Lanzen. Das Prätorianerthum um bei diesem Vergleichspunkte zu bleiben war das verhätschelte Kind der Zäsaren; es verschlang den Schweiß des Landes und wurde überall begünstigt und bevorzugt. Es war der Rocher de Bronce, der nach Meinung der Zäsaren und ihrer Bewunderer für alle Ewigkeit feststand, der aber in Wirklichkeit unter seiner eigenen Last zusammenbrach und das Kaiserreich mit sich in den Abgrund riß. Der Militarismus, um das Prätorianerthum bei seinem modernen Namen zu nennen, ist die Achse geworden, um welche der Klassenstaat sich dreht. Und jeden Tag muß diese Achse stärker, massiver gemacht werden bis das Gewicht so groß ist, daß die Last nicht mehr getragen werden kann und der Sturz erfolgen muß. Aus einem Mittel ist der Militarismus 3wed geworden, der vornehmste Staatszwed. Und eine eigenthümliche Ironie der Weltgeschichte ist es, daß gerade das Haus Hohenzollern, das den Militarismus ins Leben gerufen hat, ihn jetzt zu so folossalen Dimensionen ausdehnen muß, daß eine Statastrophe unvermeidlich wird. An dem Glied, lautet mit welchem Du gesündigt hast, sollst Du gestraft werden" das harte Bibelwort. Und wunderbar müßte es zugehen, sollte das Wort sich an dem Haus Hohenzollern nicht bewahrheiten. Die neuesten Militärforderungen und die Aussichten, welche der Kriegsminister in der Militärkommission eröffnet hat, haben einen wahrs haft panischen Schrecken in den weitesten Boltskreisen erzeugt. Selbst Konservative geben dies zu. Eine Rücknahme der Maßregel ist nicht mehr möglich; und so wird das Schicksal sich erfüllen. Durch den Militarismus find sie groß geworden, am Militarismus werden sie zu Grunde gehen das ist Nemesis. Kapitalsanwälte, so sollte man von Rechtswegen die Herren nennen, die heute umschreibend Staatsanwälte betitelt werden. Staat und Kapital stehen zwar in sehr engem Zusammenhang, aber sie find doch nicht ganz dasselbe, und so erweckt der Name Staatsanwalt bei naiven Gemütheri und ach, wie viele gibt es beren noch die Vorstellung einer höheren, vermittelnden, über die gesellschaftlichen Jus tereffengegensäge erhabenen Institution. Ein Staatsanwalt so glaubt mancher vertritt das Recht um des Rechtes Willen, er wacht über die Befolgung der Gefeße, dem Staat, der Gesammtheit Aller, nicht aber dem Hinz oder Kunz oder der Klasse der Hinze zu Liebe. Der Titel Kapitalsanwalt würde dieser Illusion ein Ende machen. Jeder würde sofort wissen, wessen er sich von den Herren zu gewärtigen hat. Biele Enttäuschungen, viel überflüssige und zum Theil sogar schäd= liche Entrüstung nähme ein Ende. Ueber einen Staatsanwalt, der die Geseze lediglich gegen die Arbeiter anwendet, der sie zu diesem Zweck zu beugen sucht, wo er nur fann, entrüstet man sich. Das gibt unzufriedene Staatsbürger, nicht nur die Betroffenen, sondern auch Andere finden, der Mensch müßte, wenn es mit rechten Dingen zugehe, abgesetzt werden. Von einem Stapitals anwalt würde dieselbe Handlung als selbstverständlich erscheinen. Der Mann hätte nur gethan, was seines Amtes ift. Niemand hätte ein Recht, darüber zu remonstriren. Nehmen wir ein Beispiel. Berliner Zeitungen brachten in diesen Ta gen folgende Notiz: " Bon einer gewissen prinzipiellen Bedeutung war die Anklage wegen Hausfriedensbruches, welche gestern vor der 6. Straffammer gegen den Bildhauergebilfen Mar Wagner verhandelt wurde. Es war zur Zeit der Ausstandsbewegung der Holzbildhauergehilfen; die selben hatten beschloffen, nicht nur über die Möbelfabrik von Pfaff die Sperre zu verhängen, sondern auch bei allen denjenigen Meistern die Arbeit niederzulegen, welche für Pfaff weiter arbeiten würden. Der Angeflagte Wagner gehörte zu denjenigen Personen, welche es übernommen hatten, die Werkstätten von Zeit zu Zeit darauf hin zu revi diren. So war er auch in die Werkstatt eines Meisters gekommen, als legterer nicht anwesend war und hatte sich Zutritt verschafft, indem er der anwesenden Frau Meisterin erklärte, er wünsche nur mit einem der Gesellen zu reden. Die furze Anwesenheit genügte, um dem Revisor zu zeigen, daß dort in der That für Pfaff gearbeitet wurde, und die G1 au nut ge br un sch ein to da et ge N P St de td b B ho di Σ fe fi 31 f L fi b 939 h δ f e e δ I 8 3 weitere Folge war die Einstellung der Arbeit. In gleicher Weise war der Angeklagte in die Werkstätte eines andern Meisters gekommen; hier traf ihn aber der lettere bei seiner Rückkehr noch vor und komplimen= tirte ihn etwas unsanft hinaus. In diesem Thatbestande hatte die Anklagebehörde einen Hausfriedenbruch erblickt und, nachdem der Angeklagte vom Schöffengerichte freigesprochen worden war, hatte die Staatsanwaltschaft die Berufung eingelegt. Sie vertrat auch in der Berufsinstanz den Standpunkt, daß in solchem Eindringen in die Werkstatt eines Fremden zu einem solchen Zwecke ein Hausfriedensbruch erblickt werden müsse, da dem Angeklagten bewußt sein mußte, daß ihn von den Inhabern der betreffenden Werkstätten unter den obwaltenden Umständen gewiß nicht die Erlaubniß zum Eintritt in die Arbeitsräume ertheilt werden würde. Es würde enne " schlimm um die Arbeitgeber bestellt sein, jedem fremden Arbeiter gestattet sein sollte, in der Eigenschaft eines Revisors" in die Werkstätten zu tommen, um bei den Arbeitnehmern unzufrieden= heit gegen die Arbeitgeber zu erregen. Die Berufungs kammer schloß sich jedoch der Ansicht des Vertheidigers N.-A. Sa ch& dahin an, daß in diesem speziellen Falle der Angeklagte in dem guten Glauben sich befunden habe, daß ihm der Zutritt zu den Werkstätten auch gestattet worden wäre, wenn die Besizer anwesend gewesen wären. Es erfolgte deshalb Freispreching." Es fehlt in der That hier jedes Kriterium des widerrechtlichen Eindringens, das das Strafgesetzbuch als maßgebend für den Hausfriedensbruch ansieht. Mit dem Zweck des Betretens einer Wohnung 2c. hat das Gesetz nichts zu thun, und wenn der Zweck ein Mord gewesen wäre, wäre die Erhebung einer Anklage wegen Hausfriedenbruch unmöglich, sobald die Wohnung 2c. mit Bewilligung derjenigen Personen betreten ward, in deren Obhut sie sich zur Zeit befand. Trozdem deduzirt der Anwalt einen Hausfriedensbruch, weil es sonst um die Arbeitgeber", b. h. die Kapitalisten, nach seiner Ansicht sehr schlecht bestellt sein würde. Er gibt dem Hausfriedensbruchparagraphen eine neue Deutung im Interesse des Kapitalisten. Von einem& api= tals Anwalt ganz in der Ordnung von einem Staats- Anwalt bagegen der reine Hohn auf den Begriff Rechtspflege, eine Infamie im Gewande heuchlerischer Gesezlichkeit. = Zu den Russenhaftungen in Paris erhalten wir von einem Genossen folgende Zuſchrift: Sie haben in Ihrer letzten Nummer mit Recht das skandalöse Vorgehen der französischen Regierung gegen die russischen Sozialisten und Revolutionare verurtheilt, und Sie haben ferner nur zu Recht, wenn Sie behaupten, daß auf die ministerielle Erklärung, die beschlagnahmten Papiere blieben bei den richterlichen Akten und kein Fremder würde Kenntniß von denselben erhalten, fein Pfifferling zu geben ist. Neben dem von Ihnen angeführten Beispiel aus der Zürich er Affäre möchte ich noch auf ein Zweites aufmerksam machen, das fast noch gra= birender gegen die Züricher, bezw. Schweizerischen Behörden spricht als das Erstere. Das radikale XIX. Siècle" hat eine Reihe von Enthüllungen über die verhafteten Russen gebracht, die es von einem höheren russischen Beamten haben will. Da heißt es u. A. von einem der Verhafteten, Orloff: " Orloff sollte an dem Attentat vom Jahre 1889 in Peters burg mitwirken. Bei der damals verhafteten Sophia Günz= burg wurde ein Brief Orloffs gefunden, in welchem derselbe schreibt: Sie theilen mir mit, daß man mich in zwei Monaten brauchen wird. Ich habe mir das Nöthige( Paß, Bomben 2c.) beschafft und stehe jederzeit ganz zu Ihrer Verfügung." Der Brief klingt mehr wie abenteuerlich, und man könnte annehmen, daß entweder das„ XIX. Siècle" oder sein russischer Einbläser gefluntert hat. Aber es ist doch nicht blos Flunkerei dabei der russische Gensdarmerie- Oberst Popoff, der als Abgesandter der geheimen Polizei des Baren in Paris eingetroffen ist, ist viel zu schlau, um Dinge zu behaupten, die ganz aus der Luft gegriffen sind. Es erhebt sich also die Frage, wie tommt die zarische Polizei zur Kennt niß des bei der Günzburg in Zürich gefundenen Briefes, wenn nicht durch Verrath der oder doch eines Schweizerischen Beamten? Hoffentlich greift einer Ihrer Leser in der Schweiz diese Frage auf, die wichtig genug ist, um gründlich untersucht zu werden. Und ich wiederhole mit Ihnen: Wenn das am grünen Holz der Züricher Polizei geschehen fonnte, wessen soll man fich da erst von der nach Petersburg sch enden Pariser Polizei versehen? Nun aber die Kehrseite des Bildes. Die Disposition der maßgebenden Elemente in Frankreich zu allerhand Liebesdiensten gegenüber dem Baren, besonders wenn bei denselben nichts riskirt wird, ist eine be= dauerliche Thatsache, aber sie ist eine Thatsache, die Jedermann kennt und die darum auch Jeber, der auf Zurechnungsfähigkeit Anspruch erhebt, bei seinen Handlungen in Betracht zu ziehen. Wenn aber von dem, was über die Affäre amtlich berichtet worden ist, auch nur die Hälfte wahr ist, so fann ich meine Verwunderung nicht unterbrücken, wie Menschen mit gefunden Sinnen so unverantwortlich leichtfertig handeln konnten. Es wird mir schwer, dies in Bezug auf Leute auszusprechen, die sich zur Zeit hinter Schloß und Riegel befinden, aber es muß nach meiner Ansicht ausgesprochen werden, weil es gradezu handgreiflich beweist, daß es sich hier unmöglich um eine ernsthafte revolutionäre Unternehmung gehandelt haben kann. Leute, die einen bestimmten Zweck im Auge haben, pflegen nicht in so kindlich- forglofer Weise bei ihren Experimenten zu Werfe zu gehen, wie es die verhafteten Erperimentirer gethan, die sich um die Thatsache, daß es in Paris von russischen Spionen wimmelt, absolut nicht gefümmert zu haben scheinen. Und in der That, wenn es sich nur um die Sicherheit Väterchens gehandelt hätte, so würde es auch schwerlich der Dazwischenkunft der Pariser Polizei bedurft haben. Aber es handelte sich um einen Schlag gegen das Asylrecht, gegen die Gesammtheit der politischen Flüchtlinge, gegen den ganzen Nihilismus". Ich spreche nicht grundsäglich über das Bombenfabriziren zc. Die ruffischen Zustände sind so ungeheuerlich, daß man eher geneigt ist, sich über die relative Seltenheit der Attentate als darüber zu wundern, daß überhaupt Attentate in Rußland vorkommen. Außerdem haben wir Westeuropäer kein Recht, den Ruffen Vorschriften darüber zu machen, toie fie den heimischen Despotismus bekämpfen. Aber im Interesse derer, die wirklich kämpfen, sei es in Wort und Schrift, sei es Person gegen Person, glaube ich es rügen zu müssen, wenn in leichtsinniger Weise alle Rücksichten auf die allgemeine Lage außer Augen gelassen, die handgreiflichsten Thatsachen, man möchte fast sagen, in sträflicher Unbesonnenheit ignorirt werden. Indeß, die Dinge find einmal geschehen und nicht zu ändern. Wir müffen vielmehr sehen, den angerichteten Schaben wieder gut zu machen. Und in dieser Hinsicht hätte ich eine Bitte an Sie. Wie ich höre, ist das Elend unter den Verhafteten, von denen die Meisten absolut nichts mit der Experimentirerei zu thun haben, fondern theils auf Grund schuftiger Denunziationen, theils auf Grund bloßen polizeilichen lebereifers in's Gefängniß gekommen find, sehr groß. Die Freunde und Gesinnungsgenossen derselben thun ihr Möglichstes, ihnen zu helfen, aber die Leute sind selbst arm wie die Kirchenmänse, und troßdem sie noch mehr hungern, als gewöhnlich, so bringen fie doch nicht das nöthige zusammen. Daher möchte ich die geehrte Redaktion des„ Sozialdemokrat" ersuchen, auch ihrerseits eine SammInng zu Gunsten dieser Opfer politischer Verfolgung zu eröffnen. Unfere theoretischen und tattischen Meinungsverschiedenheiten haben ja mit der Unterſtüßungsfrage nichts zu thun, leben wir freimüthig Stritit an einander, aber helfen wir, wo es Verfolgte und Gemaßregelte gibt, das ist die wahre Solidarität." Soweit die Zuſchrift. Wir entsprechen der Bitte des geehrten Einsenders sehr gern und erflären uns hiermit bereit, Beiträge zur Unterſtüßung der Verhafteten und ihrer Familien entgegenzunehmen. Da Eile Noth thut, haben wir unfererseits einen Beitrag von 100 Franken an das Komite zur Unterstützung der verhafteten Russen überwiesen, und quittiren weiter ben Betrag von 5 Franken, der uns von Genosse B. aus D. zu diesem Zwecke zugegangen. Eine Musterleistung des Reichsgerichts ist das famose Erkenntniß, wonach auch jetzt schon die Aufforderung zum Kon= trattbruch natürlich wenn es sich um die kontraktlichen Ver pflichtungen von Arbeitern gegenüber Fabrikanten handelt strafbar sein soll. Dieses Kabinetsstück rechtsverdreherischer Nabulistik erhält in der Berliner Boltsztg." folgende Beleuchtung: " = Bekanntlich war unter den zahlreichen Prozessen, die sich als eine Folge der rheinisch- westfälischen Bergmannsbewegung ergaben, auch einer von dem Gffener Staatsanwalte wegen Verstoßes gegen§ 110 des Strafgefeßes gegen einige Bergleute angestrengt worden, welche in öffentlichen Versammlungen ihre Kameraden zur Niederlegung der Arbeit ohite Innehaltung der Kündigungsfrist gegenüber den Bergwerksbesitzern aufgefordert hatten. Das Landgericht sprach die Angeklagten frei, das Neichsgericht hob dies Urtheil aber auf und entschied die Frage, ob die öffentliche Aufforderung zum Ungehorsam gegen bürgerliche Gesetze unter§ 110 falle, in bejahendem Sinne. Vor einigen Tagen ist nun die Begründung dieses Urtheils veröffentlicht worden, über welche uns ein Jurist Folgendes schreibt.dlib In der Begründung des Urtheils heißt es: l Der§ 110 des Strafgesetzbuches bestraft denjenigen, der" ( öffentlich vor einer Menschenmenge, oder durch Verbreitung oder möffentlichen Anschlag oder öffentliche Ausstellung von Schriften, oder andere Darstellungen) zum Ungehorsam gegen Gefeße" auffordert. Daß unter Gefeßen nicht oder doch nicht ausschließlich Strafgesehe zu verstehen sind, ergibt sich schon daraus, daß der Ungehorsam gegen Strafgeseze, die bewußte oder gewollte Zuwiderhandlung gegen lettere, in der Regel in der Begehung strafbarer Handlungen besteht und die Aufforderung zu solchen durch§ 111 besonders unter Strafe gestellt ist. Daß irgend eine andere Art von Gesezen von dem Schutze des§ 110 ausgeschlossen sein soll, läßt sich aus Wortlaut, Sinn und Zweck des Paragraphen nicht entnehmen.n Nach dieser Entscheidung können die angeklagten Arbeiter mit einer Marimalstrafe von zwei Jahren Gefängniß belegt werden und zwar auch in dem„ milderen" Falle, daß ihre Aufforderung erfolglos ge= blieben ist. Nun bestimmt aber§ 111 des Strafgesetzbuchs, daß derjenige, welcher öffentlich zur Begehung einer strafbaren Handlung auffordert, falls diese Aufforderung erfolglos bleibt, im höchst falle mit einem Jahre Gefängniß zu bestrafen ist. Und nun halte man zusammen: Der Eine, der zum Kontratt= bruche gegen den Unternehmer aufreizt, kann mit zwei Jahren Gefängniß bestraft werden, der Andere hingegen, der zur Ermordung, Brandstiftung 2c. gegen den Unternehmer oder sonst wen aufreizt, kann mit höchstens einem Jahre davonkommen. Es ist bemerkenswerth, daß dies verblüffende Mißverhältniß der Strafen, welches sich bei der reichsgerichtlichen Auffassung des§ 110 ergibt, dem erkennenden Senate nicht als ein Bedenken gegen die Richtigkeit seiner Auslegung aufgestoßen ist, zumal die Urtheilsgründe fa die beiden Paragraphen gegenüberstellen." So die Zuschrift. Die„ Volksztg." bemerkt dazu, daß die unbefangene Nebeneinanderstellung der beiden ominösen Paragraphen von Seiten des Reichsgerichts den Verdacht ansschließe, daß das Reichsgericht anders als in gutem Glauben" gehandelt habe. Grade deshalb aber sei der immer weiter einreißende Zwiespalt zwischen der Rechtsprechung der Gerichte und dem Rechtsbewußtsein des Volkes um so bemerkenswerther. vorausge Wir denken etwas anders von den Herren in Leipzig setzt, daß die Bemerkung der Volksztg." nicht ironisch gemeint ist. Schwerlich ist den findigen Juristen des Reichsgerichts irgend ein Punkt in diesen beiden in der That ominösen Paragraphen entgangen. Wenn sie sie troßdem ruhig nebeneinanderstellen, so ist dafür das Wort ,, unbefangen" nicht ganz dem Range des Reichsgerichts angemessen. Höher' rup, liebe Volksztg." Darin aber hat die„ Bolksztg." Necht, wenn sie ihre Notiz wie folgt schließt: Setzen wir den Fall, daß nach einigen tausend Jahren von dem heutigen Deutschland der Menschheit nichts mehr bekannt wäre, als dies eine Urtheil des Reichsgerichts, so würden die Geschichtsforscher, welche in jener Zukunft leben, daraus mit unfehlbarer Sicherheit schließen, daß die Epoche, in welcher ein solches Urtheil erlassen wurde, eine großfapitalistische Epoche war." - Recht so. Berliner Zeitungen der abgelaufenen Woche berichten: Wegen Majestätsbeleidigung find am Montag Vormittag die Arbeiterfrau G, aus der Swinemünderstraße und zwei Arbeiter aus der Rügenerstraße zum Sicherheitsarrest eingeliefert worden. Die Beschuldigten sollen gelegentlich der Grundsteinlegung zur Himmelfahrtsfirche im Humboldthain schwere Beleidigungen gegen die Kaiserin ausgestoßen haben. Ein Restaurateur aus der Brunnenstraße hat der Behörde die Anzeige erstattet, worauf sofort zur Verhaftung der drei Personen geschritten wurde. Der Schantwirth hat am gestrigen Abend, um sich vor den Zornesausbrüchen des empörten Publikums zu schüßen, seine Schantwirthschaft schleunigst schließen müssen." Ein Bravo den wackern Berlinern, die ihrem Abscheu gegen das nichtswürdige Denunziantenunwesen so energischen Ausdruck gegeben haben. Hoffentlich machen sie es sich auch zum Gesez, die Wirthschaft des erbärmlichen Angebers von nun an gänzlich zu meiden, denn am Geldbeutel sind diese Geister am Empfindlichsten. Was für ,, Utopisten"! Die Arbeiter- Ausschüsse des Saarbrücker Kohlenreviers hatten bereits mehrmals die Absicht geäußert, die Wünsche der Bergleute übersichtlich zusammenzu faffen. Kürzlich ist nun diese Zusammenstellung mit der Bitte um Berücksichtigung dem Oberbergamt zu Bonn, dem Abgeord netenhaus und dem Reichstag eingereicht worden. Die BergTeute fordern eine achtstündige Schichtbauer mit Einschluß der Ein- und Ausfahrt, die Einsetzung eines Schiedsgerichtes unter dem Vorsitz eines Arbeiters und einen Mindestlohn von 4,50 Mark für Affordarbeiter. Selbstverständlich erachten die Grubenleitungen aus leicht begreiflichen Gründen" diese Forderungen als" unannehmbar". Am Entschiedensten wenden sie sich jedoch gegen den Wunsch der Arbeiter, es möge eine Strafordnung für Beamte, welche Arbeiter mißhandeln, eingeführt und in die Arbeitsordnung aufgenommen werden, denn das Verlangen nach einer verbrieften Strafordnung für Beamte enthalte eine unzweideutige Anklage gegen das Gerechtigkeitsgefühl der Verwaltung. Die Forderung der Bergleute, man möge ihnen die Wahl der Gruben freistellen, wird mit der Behauptung abgefertigt, daß die Gewährung unbeschränkter Freizügigkeit die größten Unzuträglichkeiten mit sich führen müsse. Das ganze Vorgehen der Vertrauensmänner", meint die brave Köln. 3tg."," zeugt von einer bedauerlichen Verfenmung ihrer Aufgabe. Es war die Absicht, in den Ausschüssen ein Mittelglied zwischen Arbeitgeber und Arbeiter zit schaffen; feinenfalls wollte man damit neue Träger der Unzufriedenheit, neue Verfechter utopischer Anschauungen in Arbeiterfragen in's Leben rufen." Also das Verlangen, einen Schuß der Arbeiter gegen die Willkür der Herren Beamten zu schaffen, ist nach dem Erztapitalistenblatt ein Ausfluß„ utopischer Anschauungen". Das heißt mit andern Worten, Gerechtigkeit für die Arbeiter ist unter dem heutigen fapitalistischen ProSuktionssystem unerfüllbar. Nun, wir können nur wünschen, daß die Arbeiter sich diesen Sazz recht tief einprägen, und bei jeder entsprechenden Gelegenheit danach handeln. Die sächsische Regierung rüstet sich in ihrer Art bereits auf die sozialistengeseblose Zeit ein. Sie hat den Polizeibehörden strengste Weifung gegeben, das Vereinsgefeß und die übrigen Polizeigejeze rid fichtslos anzuwenden. Und desgleichen sind die Staatsanwälte und die natürlich unabhängigen" Richter angewiesen worden, gegen die Umsturzparteiler möglichst viel Prozesse einzuleiten und möglichst hohe Strafen zu verhängen. Wir haben schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß das gemeine Strafgesetzbuch verbunden mit den bestehenden Bolizeigefeßen ein ebenso brutales Unterdrückungs- und Verfolgung 8fy it e m ermöglicht wie das Sozialistengefeß, dessen Hauptvortheil darin besteht oder bestand, daß es die Polizei- Allmacht sans phrase bedeutete. Wir können natürlich nicht alle Vorkommnisse registriren, welche fich als kapitalsanwaltliche Leistungen der sogenannten Staatsanwälte fennzeichnen wir greifen nur die frappantesten Beispiele heraus. Dazu gehört aber sicher die folgende, in Magdeburg unterm 29. Mai veröffentlichte Bekanntmachung": " Zur Warnung.( Die gesperrten Worte sind in der Bekannt| machung fett gedruckt.) Arbeitseinstellungen sowie Verabredungen und Vereinbarungen zu Arbeitseinstellungen zum Behufe der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen sind nach§ 152 der Ge werbe- Ordnung zulässig und straflos. Vergewaltigung Arbeitswilliger zur erzwungenen Arbeitseinstellung oder zu widerwilligem Festhalten an der Arbeitseinstellung aber wird, wenn durch Anwendung förperlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverlegung oder durch Verrufserklärung begangen oder versucht, nach§ 153 G.-D.,§ 240 St.-G.-B. bestraft. Auch schon eine öffentliche Aufforderung zur vertragswidrigen Arbeitseinstellung ist nach $ 110 St.-G.-B. straffällig. Auf Grund des einen oder andern vorgenannten Strafgesetzes sind 23 Angeklagte durch Urtheil der Straffammer I des Landgerichts vom 22. d. Mts. wegen Störung der Erwerbsfreiheit zu empfindlichen Freiheitsstrafen, bis zu einem Jahr Gefängniß, berurtheilt. Indem ich dies zur öffentlichen Kenntniß bringe und vor ähnlichen Gesezwidrigkeiten eindringlich warne, ersuche ich, dennoch vorkommende Ausschreitungen in dieser Richtung mir unverzüglich und ausnahmslos zur Anzeige zu bringen, um sowohl die Erwerbsfreiheit zu schüßen, als gesezlose Hezer und Störenfriede der verdienten Strafe überliefern zu können." Verfügt zu Magdeburg im Jahre der kaiserlich- föniglichen Sozialreform, Eintausendachthundertundneunzig. Wie hübsch würde unter diesen Utas passen: der erste Kapitals= anwalt. Nichts logischer, nichts selbstverständlicher, als daß ein Anwalt des Kapitals, resp. der Kapitalisten, aus der Gewerbe- Ordnung nur heraus- und, wo es geht, außerdem in sie hineinliest, was den Kapitalisten angenehm ist und den Arbeitern die Hände bindet, daß er zu Denunziationen gegen streifende Arbeiter auffordert, die ihre Kollegen zum Aushalten ermahnen, denn darauf läuft ja der Schlußsazz hinaus kurz, wider den Splitter im Auge der Arbeiter tobt und den Balken im Auge der Kapitalisten vollständig übersieht. Aber wenn ein Staatsanwalt das so offen thut nun, logisch ist's am Ende auch, ob es aber staatserhaltend ist, was man doch von einem Beamten, der diesen Titel führt, erwarten solle, darauf gehört ein großes dickes Fragezeichen.did n - Die praffenden Arbeiter tauchen wieder auf. Das„ Liegnizer Tageblatt" ließ sich fürzlich aus Beuthen schreiben: Vor einigen Tagen kam in ein hiesiges Geschäft eine Anzahl junger Arbeiter, die Kaviar zu haben wünschten. Auf die Frage des Verfäufers, ob zu 7, 9 oder 11 Mark, forderten dieselben, als wenn es sich von selbst verstände, solchen zu 11 Mart. Hierzu kauften sie noch 2 Pfund Lachs und außerdem noch Sardinen, so daß sie einige 20 Mart zu zahlen hatten, worauf sie vergnügt von dannen zogen. Augenscheinlich wußten die Arbeiter, die irgendwo einmal etwas von Kaviar gehört hatten, nicht, was sie mit demselben anfangen sollten, denn kaum nach einer Viertelstunde kam einer von den jungen Arbeitern wieder in den Laden und fragte sehr naiv:" Sagen Sie mal, wie wird denn der Kaviar eigentlich gekocht?" Wir haben über den Vorfall Erkundigungen eingezogen und können auf Grund genauer Ermittlungen feststellen, daß es mit dem Kaviar und dem Lachs allerdings seine Richtigkeit hat. Aber das war noch nicht Alles. Aus dem betreffenden Laden zogen die Arbeiter weiter und kauften in einer Weinhandlung nicht weniger als 25 Flaschen prima Bordeaux und 20 Flaschen Champagner( Röderer, carte blanche). Diese ließen sie in die reizende Villa Stillvergnügt" senden, die einer von ihnen sich jüngst hat bauen lassen, und dort führten sie mit einigen hübschen Fabrikantentöchtern, die sie unter der Drohung, sonst zu streifen, willfährig gemacht, eine Orgie auf, wie sie nur ein übersättigter Geschmack ersinuen kann. Und das alles auf Kosten der armen Fabrikbesizer, die bei 12-14stündiger Arbeitszeit mit einem Reinertrag von höchstens 12 Mark die Woche fürlieb nehmen müssen. Es ist schändlich! - lleber den bisherigen Erfolg des Achtstundenkampfes der amerikanischen Zimmerlente veröffentlicht die zuletzt erschienene Nummer des offiziellen Organs derselben," The Carpenter", einen genau detailirten Bericht, den das Philadelphia Tageblatt", wie folgt, zusammenfaßt: 11 Jn 141 Städten streiften 54,852 Mann. Nicht eine einzige Niederlage ist bis jetzt zu verzeichnen. Für 23,355 Mann ist der achtstündige, für 14,180 Mann der neunst und ge Arbeitstag errungen worden; für 2662 Mann sind sonstige Vortheile aufzuweisen, so daß mithin über 40,000 Arbeiter im Zeitraum weniger Wochen eine Verbesserung ihrer Lage erftritten haben. Es sind noch etwa 14,000 Mann in der Bewegung begriffen. Das ist wahrlich ein glänzendes Resultat, bemerkt das„ Tageblatt" dazu, und es ist, vom finanziellen Gesichtspunkt betrachtet, auch ein vortreffliches Geschäft gewesen. Die Ausgaben der Hauptkasse und der Lokal- Unions werden auf etwa 70,000 Dollars geschätzt. Nun hat freilich jeder Streifer zeitweilig seinen Verdienst eingeblißt, allein die Arbeit, die er inzwischen verrichtet hätte, ging ihm nicht davon; wo das Bedürfniß für fein Produkt existirte, da ist die Befriedigung höchstens auf einige Tage oder Wochen hinausgeschoben worden. Da fann also von einem Verlust gar nicht geredet werden. Und so wäre die Errungenschaft mit dem gar nicht in Betracht kommenden Aufwand von einem bis zwei Dollars per Kopf erkauft worden. Wahrlich, die Gewerkschaft ist die beste Kapitalanlage für die Arbeiter; hier ist der Klarste Beweis dafür. Damit ist aber der ganze errungene Vortheil noch nicht erschöpft. Der Bericht sagt weiter, daß die Organisationen 46 neue Unions und 11,241 neue Mitglieder aufgenommen habe, so daß der Bestand derselben sich auf 67,200 beziffert. Diefer agitatorische Erfolg der Bewegung ist nicht geringer anzuschlagen, als der materielle; dem er wird wieder dazu beitragen, daß der materielle Erfolg auch fest= gestellt werden kann. So wäre also in der Hauptsache die erste Attacke der Federation bereits fieghaft gewesen. Und nun: Glück auf zur zweiten! Die Kohlengräber werden nun an die Reihe kommen. x. Der deutschfreifinnige Froschmäuslerkrieg- schreibt man uns ist vorläufig durch einen Waffen still stand unterbrochen; derselbe kann jedoch günstigstenfalls nur zu einem faulen Frieden, oder genauer, zu einer Vertuschung der vorhandenen Gegenfäße führen, und bei der ersten besten Gelegenheit wird die Stagbalgerei wieder beginnen, um schließlich in einer Trennung zu endigen. Die deutschfreisinnige Partei fann ihrer Natur nach kein homogenes, festzusammengeschlosse= nes Ganzes bilden. Politisch hat sie kein Programm- sie enthält bemokratische Elemente, ist aber nicht demokratisch und fann es nicht sein, weil sie einer Verlengnung der Demokratie ihren Ursprung verdankt. Johann Jakoby, der die Fortschrittspartei demokratisch gestalten wollte, wurde aus ihr hinausgedrärgt und in das Lager der Sozialdemokratie getrieben, wo allein er die konsequente Demotratie fand. Und das wirthschaftliche Programm der Fortschrittspartei ist das Manchesterthum, welches an sich eine feste Parteibildung unmöglich macht. Das Manchesterthum, dem die Richter und Genossen vom linken Flügel" ebenso eifrig huldigen, wie die Rickert, Hänel, Barth und Genossen vom rechten", bedeutet die gesellschaftliche Anarchie, die Herrschaft des Individualismus, die Unterordnung des Gemeinwohles unter das persönliche Intereffe; und dies muß auch in dem Parteileben zum Ausdruck gelangen. Während in der sozialistischen Partei, welche die Unterordnung des Individuums unter das Ganze fordert, die einzelnen Mitglieder ihre Kräfte der Gesammtheit zur Verfügung zu stellen haben, und nur in der Gesammtheit und für die Gesammtheit sich wirksam bethätigen können, sezt der Fortschrittler, als richtiger Manchestermann, jein Ich über die Gesammtheit, und, statt in der Partei aufzugehen, will er, daß die Partei in seiner Person aufgehe. Nicht die Dit= tatur ist es, was die Barth, Rickert und Konsorten in Richter be= kämpft haben, sondern daß Richter der Diktator ist. Jeder möchte Diktator sein. Ein Streit", wie der, welcher in diesen Tagen vor der Oeffentlichfeit zwischen Richter und seinen Widersachern ausgefochten wird, ist in der sozialdemokratischen Partei einfach unmöglich. Wir haben Meinungsverschiedenheiten in unseren Reihen gehabt, und werden sie auch ferner noch haben; wir haben aber stets nur um Fragen der Theorie oder der Praxis gestritten, niemals um Machtfragen- niemals um die Frage, ob dieser oder jener Person die Herrschaft in der Partei zukomme. Eine Person tann bei uns die Herrschaft nicht ha ben, schon aus dem Grinde, weil wir den Begriff der Herrschaft prinzipiell verwerfen. Bei den Freisinnigen dagegen ist aller Streit ein Streit um die persönliche Herrschaft: der Richter will Herr sein, der Nickert will Herr sein, der Hänel will Herr fein und wie sie alle heißen mögen, die wouldbe-( Möchtegern-) Herren. Mit der schärfsten Lupe läßt sich ein anderer Streitpunkt nicht entdecken. Ob die Tonart der Opposition gegen die Regierung ein bischen schärfer oder milder ist, das will nichts besagen- darin find alle Fortschrittler einander gleich, daß ihre Opposition keine prinzipielle ist. Möglich, daß die der schärferen Tonart die neuen Militärforderungen wenigstens theilweise verwerfen,- zu einem grundsätz lichen Votum gegen den Militarismus kann keine der fortschrittlichen Mannesseelen sich aufschwingen; hoffähig möchten sie alle sein, wenn auch die Escarpins" oder„ Wadelstrümpfe" für Aller Waden nicht in gleichem Maße passen. " 1 Genug es ist das Manchesterthum, der Individualismus, der Mangel an Gemeinfinn, woran die Fortschrittspartei zu Grunde geht. Sie zerbröckelt, weil der Kitt fehlt. Mit dem Zentrum, dem„ Thurm", wie es sich stolz genannt hat, sieht es auch recht wackelig aus. Es steht im eigentlichsten Sinne des Wortes auf zwei Augen. Der alte schlaue Windthorst, mit seinem durchdringenden Geist und seinem unerschöpflichen Schaß von Erfahrungen, hält die widerstrebenden und widerstreitenden Elemente zusammen: früher war's der Kulturkampf, der seinen eisernen Reif um das Zentrum schloß wie das Sozialistengesetz um die Sozialdemokratie. Mit dem Kulturkampf ist's aber vorbei, und nie wird er wiederkehren. Die Bismarck'sche Eselei macht Steiner nach. Jetzt ist's nur noch die Tra= dition des Kulturkampfs, welche einigend wirkt, und diese Tradition wird lebendig gehalten durch Windthorst, sie verkörpert sich in seiner Person. Wie untergehende Einrichtungen und Staatsformen, so leben auch untergehende Parteien zuletzt nur noch in irgend einer hervorragenden oder imponirenden Person fort. Freilich ist dies das letzte Stadium, und nach Windthorst wird Niemand und Nichts das Auseinanderfallen des Zentrums verhindern können. Ein Vorschlag. Das Interview Bismarcks mit dem Reporter des Figaro", welches Interview, wie Bismarck neuerdings durch den Mund seines Moniteurs erklären ließ, eigentlich nur ein Diktat des Er- Reichskanzlers gewesen ist, legt einen Gedanken nahe, den wir in allem Ernst der Begutachtung unserer Leser unterbreiten möchten. Wie wäre es, wenn in Zukunft jeder Arbeiter oder sonstige Staatsbürger, der wegen eines unbedachten Wortes 2c. als Majestätsbeleidiger unter Anklage gestellt wird, den Fürsten Bismarck als Sachverstän= digen zuziehen läßt, oder, wenn das aus formellen Gründen verweigert wird, ihn als Entlastungszeugen anruft? id Dem soeben erschienenen Jahresbericht des Fabrikinspektors für die Provinz Starkenburg und den Kreis Worms entnimmt ein Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung" folgende bemerkenswerthe Thatsachen: " Von 710 Betrieben mit rund 29,000 Arbeitern konnte der Beamte im Vorjahre nur 313 Anlagen besuchen. Erfreulicher Weise hatte er aber für die Beschwerden der Arbeiter wie die Anfragen der Unternehmer immer ein offenes Ohr. Der Inspektor stellte 11. A. sehr werthvolle Angaben über die lange Arbeitszeit zusammen, welche noch in vielen Betrieben herrscht und den Nuf nach einem Marimalarbeitstag von Neuem rechtfertigt. Er untersuchte die Verhältnisse von 300 Fabriken. Davon arbeiteten 34 mit regelmäßigen Nachtschichten, und zwar vielfach in Branchen, welche den kontinuirlichen Betrieb absolut nicht nöthig haben, wie z. B. Bleiweißfabriken, Chininfabriken, Delfabriken u. 1. w. Nachtarbeit weiblicher Arbeiter sollte nach dem Beamten überhaupt verboten werden. Von jenen 34 Fabriken mit Nachtschichten haben nicht weniger als 27 eine Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden. In Mühlen wurde sogar eine Arbeitszeit von 36 Stunden(!!) konstatirt. Auch von den 264 Fabriken ohne Nachtschichten haben nicht weniger als 160, also die große Mehrheit, eine Arbeitszeit von mehr als 10 Stunden. Man sieht also, was die oft gehörte Behauptung auf sich hat, der 10stündige Arbeitstag habe sich auch ohne Gesetz schon völlig in der Fabrikindustrie eingebürgert. Daß die Unternehmer bei übermäßiger Arbeitszeit gar nichts profitiren, stellte eine gut geleitete und gut rentirende" Maschinenfabrik des Bezirks im Berichtsjahre praktisch fest. Sie arbeitete wegen großer Aufträge über ihre 11% stündige Arbeitszeit hinaus mit Ueberstunden und an Sonntagen. Da ergab sich nach sorgfältigen Berechnungen, ,, daß der erzielte Mehrwerth der Arbeitsleistung in Menge und Güte bei weitem nicht dem Mehrbetrag an verausgabten Löhnen entsprach", und es sind deshalb die Ueberstunden und Sonntagsarbeit aufgegeben worden. Der Beamte macht noch interessante Mittheilungen über einzelne Arbeitseinstellungen und ihre Ursachen. Schließlich erwähnt er eine bemerkenswerthe lleber anstrengung der Arbeiter und der kindlichen Kräfte in der Hausindustrie des Bezirks mit folgenden Worten:" In Dörfern der Umgebung von Seligenstadt werden viele weibliche Arbeiter in der Hausindustrie mit der Herstellung von Besatz- und Buzartikeln von Offenbacher Posamentierwaarenfabriken beschäftigt. Außerdem bieten die Zigarrenfabriken in der dortigen Gegend Arbeitsgelegenheit für männliche und weibliche Arbeiter. Es ist nicht selten, daß 3igarrenfabrit- Arbeiterinnen und jugendliche männliche Arbeiter außer in einer Bigarrenfabrik auch Abends noch zu Hause in Perlenarbeit beschäftigt sind. Zigarrenfabrikbefizer klagen darüber, daß solche Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter in der Fabrik nicht viel leisten. Leider lassen sich die Hausarbeiter auch durch Kinder in der Arbeit durch Einfädeln von Perlen unterstüßen und es werden Kinder damit bis spät in die Nacht beschäftigt." Das sind fürchterliche Zustände, schließt der Bericht, die na ch geseßlicher Abhilfe schreien!" Das thun sie in der That, Wie lange aber wird die gefeßliche Abhülfe auf sich warten laffen? Für solche Dinge haben unsere Regierer außerordentlich kleine Ohren. " " Wir haben uns in Nro. 19 des Sozial- Demokrat" abfällig über ein im Verlage der Münchener Post" erschienenes Gedenkblatt zum 1. Mai geäußert. Es geht uns nun von dem Verwalter des genannten Blattes ein Schreiben zu, das zwar auf den eigentlichen Inhalt unsrer Stritit nicht eingeht, aber unter Hinweis auf die Entstehungsgeschichte der Festschrift für die Herausgeber derselben, wenn wir uns so ausbrücken dürfen, auf mildernde Umstände plädirt. Selbstverständlich kommen wir dem Wunsch, seinen betreffenden Ausführungen im„ SozialDemokrat" Aufnahme zu gewähren, sehr gern nach. Er schreibt: Upor Als der Gedanke der Herausgabe einer Festschrift auftauchte und berathen wurde, wurde über die Stoffeintheilung Folgendes vereinbart: Erste Seite: Bild und Festgedicht. Zweite Seite: Die Ansichten betannter Männer und Frauen aus allen Berufsund Parteitreisen über den Achist unbenarbeitstag in furzen, aphoristisch gehaltenen Aussprüchen. Der weitere Raum war für eine kleine Novelle, einen geschichtlichen Rückblick über die Achtstundenbewegung, eine ärztliche Abhandlung, einen Aufsatz über die Bedeutung des Achtstundenarbeitstages, eine Festabhandlung, sowie einzelne Gedichte, die letzte Seite für den Humor bestimmt. Alles dies Beiträge von Genossen. Wie Sie sehen, war der Gedanke nicht gerade verschwommen, es wurde bei dem Absaß auch auf außerhalb unserer Partei stehende Leute als Leser gerechnet, und Gegner zum Wort kommen zu lassen, gibt dem Ganzen immer etwas Originelles. ain, Indeß erstens war die Zeit zur richtigen Ausführung zu furz. Dann aber wurde in den Zuschriften an die in Aussicht genommenen Mitarbeiter der Wunsch nach knapper, aphoristischer Form der erbetenen Beiträge nicht betont, so daß fast uur längere, Darlegungen einliefen, die, eben der Kürze der Zeit wegen, auch nicht flott ausgearbeitet waren, während von anderen Seiten, auf die sicher gerechnet worden war, gar nichts tam. Die Herausgeber hatten nun einen sehr schwierigen Standpunkt; fallen lassen konnte man die Sache nicht mehr, andererseits war man sich wohl bewußt, daß man nicht das bieten konnte, was ursprünglich geplant war. Diese Umstände waren dem Verfasser Ihres Artikels sicher befannt, deswegen ist seine absprechende Stritit hinfällig und ungerecht, abgesehen davon, daß dieselbe gegen die betreffenden Mitarbeiter etwas immhöflich war und die Herausgeber denselben gegenüber in eine unangenehme Lage brachte. " 1 Dies ist der Sachverhalt; sollten Sie davon auch im„ Sozialdemo-| Hans Müller. Der Mythus von der Begründung des Deutschen frat" Notiz nehmen wollen, so läge darin für die Herausgeber der Neiches.( Berliner Arbeiterbibliothek. II. Serie, 1. Heft. Berlin, Festschrift eine verdiente Genugthuung. Verlag der Berliner Volkstribüne".) Auf die andere Seite der Kritik gehe ich hier nicht ein; nur, wenn Sie es ausdrücklich wünschen sollten, würde ich Ihrem Wunsch mit Vergnügen nachkommen." Soweit der Einsender, der ausdrücklich betont, daß er selbst an der Herstellung der betreffenden Festnummer nicht thätig mitgewirkt hat, und daß er ferner aus eigner Initiative schreibt, ohne Auftrag, ja, ohne Wissen der betreffenden Genossen. Wir haben sehr wenig auf seine Ausführungen zu erwidern. Er irrt sich, wenn er annimmt, daß dem Verfasser unsrer Notiz die Umstände, die er schildert, bekannt waren. Die Notiz rührt von dem Herausgeber dieses Blattes her, und hatte keine andere Unterlage als einzig und allein die Festnummer selbst. Daß dieselbe anders geplant war als sie ausgefallen ist, bezweifeln wir nicht- wir hatten uns aber an sie zu halten, so wie sie war und ausgeboten wurde. Den Der Inhalt dieser historischen Stizze entspricht nicht ganz dem, auch sonst nicht sehr glücklich gewählten Titel. Ein erheblicher Theil der Schrift ist einer Ehilderung der Entwicklung und des Verfalls des heiligen römischen Reiches deutscher Nation" gewidmet, so daß für die Aufgabe, dem Mythus über die Begründung des neuen deutschen Reichs die wirkliche Entstehun sgeschichte desselben gegenüberzustellen, ein etwas gar zu fnapper Raum bleibt. Was innerhalb desselben zu leisten war, hat der Verfasser übrigens geleistet. In großen Umrissen werden dem Leser die politischen und ökonomischen Triebfräfte vorgeführt, die zur Begründung des deutschen Reiches drängten, und wird die Rolle, die die angeblichen Begründer dabei gespielt, auf ihr richtiges Maß zurückgeführt. guten Willen der betreffenden Genossen in Ehren, aber er ist noch kein Einem jungen Genossen in's Stammbuch. Freibrief, der die Kritik überflüssig macht. Im Gegentheil, wenn der gute Wille auf falschen Wegen ist, so ist es erst recht die Pflicht, die Stimme dagegen zu erheben. Weiter aber haben wir nichts gethan. Weit entfernt, den Urhebern der Festschrift persönlich zu nahe zu treten, haben wir im Gegentheil von vornherein alle nach Lage der Dinge möglichen Vorbehalte zu ihren Gunsten gemacht. Und wir sind gern bereit, diejenigen weiteren Entschuldigungen gelten zu lassen, die sich nach der obigen Darlegung billigerweise ergeben. Von unsern grundsäßlichen Ausführungen können wir natürlich kein Wort zurücknehmen, ebensowenig von dem, was in Bezug auf die Mitarbeiter an der Festschrift gesagt. Wenn wir gegen einzelne derselben etwas unhöflich waren, wie der Einsender sich höflich ausdrückt, so braucht das die Herausgeber der Festschrift nicht im Mindesten zu geniren, dafür sind nur wir und Niemand sonst verantwortlich. Und wir wären sehr froh, wenn wir kein größeres Verbrechen auf dem Kerbholz hätten, als das, die Selbstgefälligkeit der betreffenden Literaten verlegt zu haben. Daß, falls der Einsender auf unsre Stritit sachlich noch etwas erwidern zu sollen glaubt, ihm die Spalten des„ Sozialdemokrat" offen stehen, ist selbstverständlich. Korrespondenzen. Aus der Westschweiz.( Bericht über die Versammlung der dentschen Arbeitervereine der Westschweiz am 25. Mai 1890 in Chaux- defonds.) Anwesend waren die Vereine resp. Delegirten von Basel, Bern, Biel, Fleurier, Genf, Locle, Neuchatel und Chaux- de- fonds in Stärke von zirka 100 Mann. Das Tagespräsidium bestand aus den Genossen Seifert( Chaux- de- fonds) als Präsident, Gorschtowsky( Neuchatel) als Schriftführer und Dieterle( Biel) Stellvertreter. Präsident Seifert eröffnet Nachmittags 2½ Uhr die Versammlung und gedenkt vor Eintritt in die Tagesordnung der Verdienste des allen Genoffen bekannten, vor Kurzem in Neuchatel verstorbenen Bürgers Luz. Nach Verlesen des Protokolls der leztjährigen Versammlung in Biel, erstatten die Delegirten Bericht über den Stand der einzelnen Vereine. ( Da die Berichte mehr ein lokales Interesse haben, so können wir über diesen Theil des Berichts mit dem Bemerken hinweggehen, daß aus der Mehrheit der Vereine reges Leben und gute Fortentwicklung gemeldet wird, nur Lauſanne und Vevey klagen über mangelndes Interesse unter den Arbeitern. Ned. des Soz.) Bei Trattand 2 wünscht Verein Genf Aufklärung über die zukünftige Stellung des Landesausschusses und beklagt sich außerdem über Nachläffigkeit des Letzteren. Diese Anschuldigungen werden jedoch von den Vertretern Basels und Berns scharf zurückgewiesen. Die zukünftige Stellung des Landesausschusses, d. h. nach Ablauf des deutschen Sozialistengesetzes, lasse sich jetzt noch nicht bestimmen. In Punkto Regelung des Unterstügungswesens( Traktandum 4) wird beschlossen, künftig nur solche Personen, die sich als Gemaßregelte, bezw. Ausgewiesene ausgeben, Unterstützung zu gewähren, die sich im Besige einer diesbezüglichen Legitimation, beglaubigt durch ein Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion der deutschen Reichstags oder des Landesausschusses in Zürich, befinden. Allen Vorständen wird außerdem in diesem Punkte die größte Vorsicht empfohlen, da viel Mißbrauch betr. Unterſtüßungen getrieben worden ist. Bei Traktand 5, Besprechung über Paß wesen, laufen Klagen von verschiedenen Genossen ein. Ein Genosse von Bern berichtet, daß er schon feit mehreren Jahren sich in der Schweiz aufhalte, daß es ihm aber trotz aller Bemühungen bisher nicht gelungen set, Heimathspapiere zu erlangen, da sie ihm die deutschen Behörden, ohne Gründe dafür anzugeben, hartnäckig ver weigerten. Es seien ihm außerdem 14 ähnliche Fälle bekannt. Darauf beschließt die Versammlung, den Landesausschuß deutscher Sozialisten in der Schweiz zu ersuchen, über dergleichen vorkommende Fälle Material zu sammeln und dasselbe der sozialdemokratischen Fraktion des deutschen Reichstags einzusenden, damit dieselbe, wenn noch angängig, bei Berathung des deutsch- schweizerischen Niederlassungsvertrages ihren ( Es empfiehlt sich nach unserer Ansicht ferner, dieses Material, und Einfluß geltend mache oder aber an zuständiger Stelle Abhilfe verlange. zwar so schnell als möglich, au Nationalrath Curti oder Nationalrath Decurtins zu senden. Ned. des Soz.) Ein Antrag( Tr. 6), die Ver= sammlung, nicht wie bisher jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre, und, wenn möglich, im Herbste einzuberufen, wird mit großer Mehrheit verworfen. 9115 116 Dem Antrage des Vereins Chaux- de- fonds( Tr. 7), sämmtliche deutsche Arbeitervereine der Schweiz um ihre Adresse zu ersuchen, um ein Verzeichniß darüber aufzustellen zur besseren Drientirung der Mitglieder, wird stattgegeben und derselbe mit der Ausführung der nöthigen Arbeiten betraut. Trattand 8 ist die schon so oft besprochene Frage der Zentralisation sämmtlicher deutschen Arbeitervereine der Schweiz( Antrag Basel). Es ruft diese Frage sehr lebhafte Diskussion hervor und wird nach längerer Debatte mit geringer Majorität weiteres Eingehen auf diesen Gegenstand beschlossen und der Verein Basel mit den nöthigen einleitenden Schritten beauftragt. Als nächster Versammlungsort wurde nach kurzer Debatte Bern bestimmt. Beim Trattand Verschiedenes macht Genosse Leis( Biel) die übrigen Vereine darauf aufmerksam, daß Redaktor N. Rüegg in Zürich beabsichtige, eine Geschichte der deutschen Vereine in der Schweiz zu schreiben, und ersucht dieselben, Herrn Redaktor Rüegg allfälliges Material, ältere Protokolle 2c. einzusenden. Nach einem kurzen Schlußwort des Tagespräsidenten wurde die Versammlung um 8 Uhr geschlossen. War der Sonntag der Tag der Arbeit, so war der folgende Montag der Erholung gewidmet. Von Chaur- de- fonds gings per Bahn nach Locle, dort wurde dem deutschen Verein ein kurzer Besuch abgestattet und dann gings zu Fuß nach Col de Roche, Brenets, dem engen Thale des Doubs entlang, hinüber ans französische Ufer nach dem Sault du Dubs. Die Fahrt auf dem Doubs, die wundervolle Szenerie in dieser hochromantischen Alpengegend, werden gewiß zu den schönsten Erinnerungen aller Theilnehmer zählen. Die Wellen des Doubs haben sicher feit Langem teine so fröhliche Gesellschaft getragen, als am Pfingstmontag. Mit einem fröhlichen: auf Wiedersehen nächstes Jahr in Bern, trennten sich die Genossen auf dem Bahnhofe in Chaux- de- fonds. Mögen die verlebten Tage belehrende und nußbringende gewesen sein. M. G. sid happ nd nd Eingegangene Druckschriften: Antonio Labriola, Proletariato e Radicali. Roma, Felice Carboni. Ein offener Brief aus Anlaß des demokratischen Kongresses*), in dem vom sozialistischen Standpunkt dargelegt wird, was die Nadikalen zu thun haben, wenn sie sich wirklich um die Sache des Proletariats verdient machen wollen. A. Sartorius von Waltershausen. Der moderne Sozialismus in den Bereinigten Staaten von Amerika. Berlin, Hermann Bahr. ( Wird besprochen.) *) Siche unsern heutigen Leitartikel. Von Ernst Lemberger( Wien). Willst mit uns marschiren? Gut. Schnür' Dein Ränzel, junges Blut. Nimm fein Abschied von den Tanten, Von der Liebsten, von Bekannten, Manchem ist es schon passirt, drill Daß er plöglich inhaftirt. Kannst mit rothen Schafwollsocken Schöne Dinge Dir einbrocken Ueberhaupt entferne sacht Was die Ochsen wüthend macht. Tag für Tag bedenk auf's Neu: Sozialist ist vogelfrei! Rümpft verachtungsvoll das Näschen Ueber Dich Dein kleines Bäschen mais no Mensch! Ertrag es mit Geduld, Lumpen schenkt man keine Huld. „ Dieser Bursche, ach Ottilie, disi 3st der Schandfleck der Familie!" Briefkasten b 11 tl e C 11 64 11 n C g der Redaktion: Briefe und Einsendungen erhalten aus: Basel, Berlin( Der rothe Ludwig"), Hamburg, München, Paris, Rom. der Expedition: J. J.: 11 Py. f. Schrftu. erh.-R. F. L.: Sh. 5. 5% f. Schrftn. erh. E. B. Hier: Sh. 3.5 f. Schft. erh. S. L. P. U. S. A. Gtsch. N.- York: Ihr Bf. v. 26. frenzte mit dem unsrigen v. 30/5 u. erledigt denselben hinsichtl. eines Theils des Erfragten. Bestllg. wurde sofort effeftuirt it. hoffen wir auf allseits besten Erfolg. Bl. mehr. A. Schau S. Franzisco: In Nr. 12 lezte Seite unter" Wahlfond" finden Sie Ihre 25 Doll. quittirt. Am 5/6 sandten Belegeremplare. Gruß. Brauner Bär: Mt. 1. 35 per Wfd. dtd. gutgebr. u. Mt. 23. 25 per Ab. 2. Qu. verwendet. Bestllg. u. Erfragtes folgt. Trau, schau, Wem: Mt. 40. a Cto. Ab. 2c. erh. u. weitere 40 Pig. f. Porto verwendet. Mt. 8. 30 per Verlag gutgebr. Lob. unterwegs. Fr." noch nicht. Bft. Weiteres. Leipzig: Archivalien dtd. erh. it. Weiteres beachtet. Der Alte Lgz.: Bestlg. v. 2/6 folgt baldthunlichst. Auf Weiteres wird Bedacht genommen. Damals lags übrigens an der Zwischenhand. Rother Eisenwurm: Sobald bereits am 6/5 Zugesagtes hier ist, folgt" Milderung Ihrer Diät. Nach Maaßstab der Gerechtigkeit fommen wir immer noch zu furz. Adresse ist geordnet. Gruß. Immer Vorwärts: Adr. find eingerenft u. Grüße sofort an Fr. S. weitergegangen. Schrfin. find unterwegs. Fehlendes unerklärl. Wird nochmals recherchirt. D. " a 10 D 969 L 11 S 986 10 191 ei 21 a 10 el A. B. V. Neuchatel: Bitten bessere Briefcouverte zu verwenden. Sdg. v. 4/6 war ganz zerfeßt. Pastor Müller: Wahrscheinlich beruht am 4/6 erfragter Manco auf Verwechslung in Zwischenhand. Ergänzung bewirkt, Weiteres reklamirt u. Bf. v. 9/8 erh.-W. Hffm. Hier: Sh. 16.5 f. div. S. u. Schft. erh.-G. U. Richmond: Sh. 2.9 f. Schft. erh.-F. Stfy. Kphgn. Sh. 1.6 f. Schft. erh. X. 3. V.: Mt. 40. Gto. Ab. 2c. erh. Rothe Schwefelbande: Mt. 30. a Cto. Ab. 2c. erh. u. Adr. geord. Bfl. mehr. N. H. Milano: Fr. 2. 15 f. Schft. erh. u. Sdg. bewirkt. G. Mhlr. Cincinnati: Mt. 21. 44 f. gelieferte Schrftn, gutgebr. Die Coursdifferenz ist beim Preis kaum von Einfluß. Im llebrigen einverstanden. Gruß! F. Pcht. N. York: Bitllg. v. 26/5 am 6/6 abgg. Pickelhaube: Beide P. K. v. 27. 1. 29/5 erh. u. am 6/6 per P. S. beantw. Regulus: Mt. 20. Gto. Ab. 2c. erh. u. Bestllg. notirt. Weiteres nach Wunsch bewirkt. Erfragtes folgt bfl. 2. Jacoby Milano: Fr. 5. f. Schftu. p. 3. erh. 11. Sdg. bewirkt. Bft. Weiteres. M. M.: Bstllg. wird. It. Vorlage v. 4/6 vervollständigt. Adr. notirt u. Anfrage am 7/6 eingehend bfl. erledigt. C. Schwarz: Avis v. 5/6 erh. Hoffentlich kommt bald Bescheid auf unsren Vorschlag v. 15/4!!!? Claus Groth: Mit P. St. v. 7/6 Mittheilung v. 4/6 beantw. Rother Zahn: Bstllg. v. 4/6 folgt nach Wunsch sobald als möglich. F. G. L. Sh. 3. Schrft. erh. Th. H. Ldu. Sh. 2. f. 26. auf 3 Mt. erh. Das ganze Jahr fostet Sh. 10. Näheres ist am Kopf des S. publizirt Meßdiener: Mt. 5. f. Schftn, erh. In Aussicht Gestelltes erwünscht. H. St. H. Mt. 60. f. Schftit. erh. u. Bstllg. notirt. Erfragtes 6ft. C. B. Ofd. Sh. 5. erh. u. nach Wunsch verfahren so gut es anging. Dank für Vermittlung des Bfs. u. Gruß. B. Ahm: Sh. 12. a Cto. Ab. u. Schft. erh. Bestlig. folgt nach Wunsch. Im S. D. 21 finden Sie die erfragte Bezugsquelle des S. angegeben. E. Schulz Covington: Die Veranlasser handeln in durchaus unper= sönlichem Interesse. Ihre Schlußfolgerung auf W's Aussagen werden Sie nach Eingang der Beweise wohl in anderer Nichtung hin anwenden können. Pfadfinder: Nachr. v. 7/6 erh. u. Beilage besorgt. Auf Manuftripte bitten wir dringend, teine geschäftlichen Notizen zu machen. A. G. Old- Charlton: Sh. 7.6 miit Sammelliste 42 für Pest erh. Für Sonntag avisirte Fortsetzung erwartend, Dank u. Gruß Blaschte: Auftrag v. 7/6 besorgt. Adressen E. it. Commonweal" folgen. Wenden Sie sich ans" Cwl". direkt,„ Combatt" existirt nicht mehr. Bestelltes am 10/6 per Pft. abgg. Nachbestllg. per tbd. ע für C Pierrot: Nachr. v. 6/6 hier u. Avisirtes erwartet. Wie wär's mit einem Bericht über die Sache? Nosa: Ihrem Wunsche ist entsprochen. Bitllg. folgt, sobald Druck vollends beendet. Beitrag erfolgte v. Dn. 11. Cidu. Nicodemus: Abrechnung v. 8/6 erh. Weiteres erwarten für noch. Bfl. über Erfragtes ausführlich. I. K. B.: Mt. 20.Schftn. erh. Lfrg. folgt baldthunlichst. Phönig: Mt. 6. 20 Ab.Rest W. 4. Qu. 89 u. bis 10/90, nebst Ab. T. per 3. Qu. erh. Weiteres dtd. ad notam genommen u. besorgt. Bfl. mehr. Sty. Gdf.: Mt. 4. f. Schftn. erh. u. Sdg. am 12/6 nebst Beilage E. besorgt. K. Hpp. Old- Charlton: Sh. 4. 6 auf Sammelliste 44 4.6 u. 45 für P. per M. dkd. erh. 11. weiterbesorgt. Alter Friß: Nachr. Urania Ad. v.% erh. u. inhalt. vorgemerkt. Avisirtes erwartet. It. Borlage v.% geordn. Hlg. Josef Dant f. tbd. v.% erh. Weiteres notirt it. erwartet. di g 11 " 31 C 11 St A g 1 194 P. δ I Im Verlag von G. Muehler in Cincinnati( Ohio, N.-A.) Walnut Street Nro. 490, ist neuerdings erschienen: Am Webstuhl der Zeit. Ein Jozialpolitischer Roman in 3 Bänden von A. Otto Walster. fi ( S 11 11 t franko. 6. S " " Preis: Complett( in 20 Heften) broschürt Mt. 4. desgl hübsch gebunden Lieferung nur gegen Baarvorauszahlung. E. Bernstein& Co. 114 Kentish Town Road London NW. Printed for the proprietors by the German Cooperative Publishing Co. 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