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Nur wenige Wochen noch, und der„Sozialdemokrat" wird der Vergangenheit angehören. Es scheint uns daher ange- mesien, wenn mir die kurze Spanne Zeit, die unserm Wirken für die Sache der Partei noch gegeben ist, mehr auf die Besprechung der inneren Parteiangelegenheiten verwenden, die ja ohnehin, und zwar ganz naturgemäß, im gegeiuvärtigen Moment mehr in den Vordergnmd getreten sind. Und da scheint uns zungchst ein offenes Wort oder, wenn man will, einige offene Worte am Platze über die Vorgänge, deren Schauplatz Berlin, Dresden, Magdeburg in den letzten Tagen gewesen sind. Möglich, daß wir die Bedeutung dieser Vorgänge über- schätzen, daß es sich, wie von Genoffen behauptet wird, wirk- lich nur um eine verhältnißmäßig unbedeutende Anzahl von Leuten handelt, die in einer möglichst geräuschvollen, sich „radikal" geberdenden Opposition gegen die bisherige Partei- Vertretung ein Mittel sehen, sich ein erhöhtes Relies zu geben, die aber für das Gros der Partei ganz bedeutungslos sind. Wir sind jedoch der Ansicht, daß selbst dann eine Erörterung der Vorgänge von Nutzen sein kann, wie wir überhaupt in politischen Dingen dem Grundsatz huldigen: Alles ernst und nichts tragisch nehmen. Auch das verhältnißmäßig Unbedeu- tende kann der Beachtung werth sein, sobald ihm ein symp- tomatischer Charakter innewohnt. Darauf muß also die Unter- suchung jedenfalls gerichtet werden. Als selbstverstäiidlich schicken wir voraus, daß wir in der Thatsache, daß gewisse Leute als Opposition auftreten, weder etwas Ungewöhnliches, noch gar etwas Bedenkliches erblicken. Opposition hat es immer gegeben und wird es immer geben, anders wäre unsre Partei kein wirklich lebender Organismus. Wir selbst haben wiederholt Opposition gemacht, und es gibt wohl keinen Genoffen, die Mitglieder der Parteivertretung inbegriffen, der nicht dasselbe von sich sagen könnte, der nicht jederzeit wieder in die Lage kommen könnte, Opposition zu machen, bezw. machen zu müsse». Denn das Opponiren gegen Dinge, die man für falsch hält, ist nicht nur das Recht, es ist die Pflicht eines jeden Mitglieds irgend einer Gemeinschaft. Es ist nicht die Thatsache, daß Opposition gemacht wird, sondern w i e und von w e in Opposition gemacht wird, was unsere Erörterung veranlaßt. Denn das ist im vorliegenden Falle das Bezeichnende. Die von den Opponirenden versoch- tenen theoretischen zc. Gesichtspunkte kommen dagegen erst in zweiter Linie in Betracht. Warum, das wird sich aus dem Folgenden ergeben. Sehen wir uns zunächst die Personen an, welche sich als Opposition geriren, so ist die Thatsache nicht zu bestreiten, daß es fast alles Leute sind, die der Partei erst unter deni Sozialistengesetz beigetreten sind. Die Gegner stützen ja auch darauf ihr Gerede von dem„Kampf der Reuen gegen die Alten". Die guten Leute übersehen dabei nur, daß eine An- zahl„Neuer" noch nicht die Neuen sind; sie bilden nur einen Theil der Neuen, und zwar keineswegs die Mehrheit derselben. Aber Thatsache bleibt, die Keßler, die Wille, die Müller und was sich um sie herumgruppirt, sind mehr oder minder jung in der Partei und die Meisten von ihnen auch noch recht jung an Jahren. Es sind Leute, welche davon, was und wie die Partei vor deni Ausnahmegesetz war, nur eine sehr unklare Vorstellung, haben, denen, welches sonst immer ihre Vorzüge sein mögen, eine wichtige Eigenschaft abgeht: die Erfahrung im Part ei leben. Wir würden darauf kein besonderes Gewicht legen, wenn es sich nicht grade im gegenwärtigen Moment in der Partei um Dinge handelte, bei denen die Erfahrung ein sehr großes Wort mitzusprechen hat. Gewiß schützt dieselbe nicht vor Jrrthümern, und ebenso hat manchmal grade der durch keine Voreingenommenheit beeinflußte Blick der Jüngeren das Rich- tige getroffen, im Allgemeinen aber hat die Erfahrung die größere Wahrscheinlichkeit des zutreffenden Urtheils für sich. Man hätte also von den betreffenden jüngeren Genossen *) Der obige Artikel war geschrieben. ehe uns der Bericht über die Volksversainuilung in Magdeburg vom 14. d. M., sowie die Erklärung des Genossen Auer in Nr. 189 des„Berliner Volksblatt» zu Gesicht kam. Wenngleich durch das Tadclsvotuin der großen Mehrheit der Magdeburger Genossen gegen die Redaktion der„Magdeburger Bolks» stinune", und die Aufklärnngcn Auers über einen der meist angesoch- teneu Punkte des von der Parteivertrctnng ausgearbeiteten Organi- sationsentwurfs ein erheblicher Theil unserer Ausführnngen überholt ist, so lassen wir den Artikel doch unverändert stehen, weil er, wie immer man über die darin entwickelten Ansichten denken mag, vielleicht grade als Stimmungsbild, als Reflex des Eindrucks, den die betreffen- den Vorgänge auf im Ausland weilende Genossen gemacht, ein ge- wisscs Interesse beanspruchen dürfte. Die Redaktion des„Sozial- dcmokrat" ist bei ihrer Stellungnahme von keinerlei persönlicher Vor- eingenonimenhcit geleitet ivorden. Sie hatte mit Herrn Müller noch vor einiger Zeit einen kurzen, aber durchaus freundschaftlichen Brief- Wechsel gepflogen, und mit seinem Mitredakteur, Paul ttampffmeyer, seinerzeit in Zürich stets auf bestem Fnff verkehrt. Das konnte uns Natürlich nicht abhalten, unserer Meinung über das unverantwortliche Verhalten der„Magdeburger Volksstimme" und des Herrn Müller rückhaltlosen Ausdruck zu gebe». Die Erklärung Auers und den Bericht über die Magdeburger Volks- Versammlung findet der Leser an anderer Stelle unseres Blattes. Red. des„Sozialdemokrat". immerhin Eines erwarten dürfen. Mochten sie gegenüber dem Verhalten und de» Vorschlägen der Parteivertretung einzu- wenden haben, was sie wollten, und mochten sie diese Ein- wände so entschieden geltend machen, als sie es für nöthig hielten— zu einem Aburtheilen von oben herab sind sie sicherlich nicht berufen. Thatsächlich aber suchen sie grade dann zu exzelliren. Und zwar um so mehr, von je zweifel- hafterein Werth ihre Qualifikationen sind. Das Aeußerste hat in dieser Beziehung der Redakteur der „Magdeburger Volksstimme", Hans Müller, geleistet. Wenn man die Auslassungen dieses jungen Mannes liest, der kaum in's politische Leben eingetreten ist, so sollte itlan meinen, die Bebel, die Liebknecht, die Auer, die Singer zc. wären nicht nur höchst schofle Gesellen, fondern auch ganz dumme Jungen, die von Parteisachen nicht das Geringste verstehen. Zweifelsohne reichen das Wissen und der Charakter der Ge- nannten nicht entfernt an das Quantum heran, das Herr Müller von diesen Eigenschaften ini Besitz zu haben glaubt, aber ein Mann, der so kräftig gegen„AutoritarismuS" zu donnern weiß, hätte von seiner phänomenalen lleberlegenheit wirklich einen etwas diskretern Gebrauch machen dürfen. Doch nein— die Ironie ist hier nicht am Platze. Was soll man z. B. dazu sagen, wen» der genannte Hans Müller, ein absoluter Neuling im Parteileben, in Bezug auf de» von der Parteivertretung ausgearbeiteten Organisations- Entwurf wie folgt schreibt: „Wohl in der Erkemitniß seiner vollständigen Unbrauchbarkeit schiveigt sich die sozialdemokratische Presse über den Organisationsentwurs vollkommen aus"? Blickt man auf den, der das geschrieben, und dann aus die Männer, denen das Herrchen die Zensur der totalen Un- fahigkeit ertheilt, dann fehlt einem wirklich der parlamen- tarische Ausdruck für ein solches Gebahren. Es gehört die Arroganz der aufgeblasenen Unwissenheit dazu, aus der That- fache, daß nicht alle Genossen niit ihrem Urtheil über den Organisationsentwnrf so schnell bei der Hand sind, wie Herr Müller und seine Freunde mit ihrer„vernichtenden" Abnrthei- lung, sich das Recht zu vindiziren, ihr vorläufiges Schweigen für eine Vernrtheilnng zu erklären. Vorläufig besagt es mir, daß andre Leute sich über die Schwierigkeiten der Or- ganisationsfrage mehr Rechenschaft geben, als der forsche Herr Student. „Und wer nicht denkt, Dem ivird sie geschenkt, Er hat sie ohne Sorgen." Gewiß sind einzelne Punkte des Entwurfs auch uns im ersten Augenblick bedenklich erschienen, aber wir haben uns zugleich gesagt, daß die Männer, die sie ausgearbeitet, sicher- ljch nicht leichtfertig, sondern nach reiflicher Berücksichtigung der Verhältnisse, mit denen die Partei in Deutschland zu rechnen hat, zu ihrer Formulirung gelangt sind. Und so wie wir werden wohl auch andere gedacht haben, ohne sich damit selbstverständlich ihres Urtheils zu begeben. Aber sie mögen es für richtiger gehalten haben, erst die Gründe zu ver- nehmen, die zu den betreffenden Vorschlägen Anlaß gaben, ehe sie ins Blaue hinein verdonnerten. Anders Herr Müller und seine Gönner. Ihr Urtheil war sofort fertig. Und wie urtheilten sie. Dafür nur einige Beispiele. Die„Sächsische Arbeiterzeitung", bezw. irgend einer der anonymen Mitarbeiter dieses Blattes, findet es höchst unpassend, daß der Kongreß schon gleich im Oktober stattfinden soll. Ata» hätte wohl ganz gut noch drei Monate warten, und die Zeit zur öffentlichen Diskussion verwenden können, meint er; der frühe Termin liege„keineswegs im Interesse der Gesammtpartei." Also blos im Interesse der Fraktion, muß der Leser schließen. Was die Auer, Bebel zc. doch für Schufte sind. Was wetten mir aber, daß wenn die Auer, Bebel zc. den Kongreß zum Anfang Januar einberufen hätten, eben derselbe Kritiker erklärt hätte, das sei die höchste An- maßung, die Fraktion habe ihre Vollmachten unmittelbar nach dem 1. Oktober der Partei zurückzugeben gehabt, und nun klanimerten sie sich noch drei Monate länger an dieselben. Herr Baurath Keßler wiederum droht in seineni„Vereins- blatt" bereits mit dem Staatsanwalt. Der Satz, daß zur Parteigenossenschaft eine dauernde materielle Unterstützung erforderlich sein soll, erregt seine„kriniinal-rechtlichen" Be- denken. Dadurch stemple sich die Partei zu eineni Verein, und falle unter den tz 8 des preußischen Vereinsgesetzes. Also keine Kontrole der Parteizugehörigkeit, lassen wir jeden in die Parteiverhältnisse dreinschwatzen, der sich Parteigenosse zu nennen beliebt. Keine Kontrole! Und vor allen Dingen keine Kontrole der Parteipresse! „Tie Sozialdemokratie ist nach nnsrer Ansicht eine„Demo- kratie", erklärt Herr Keßler,„und damit ist eine„Kontrole" der Presse unvereinbar." Zunächst ist uns neu, daß mit einer„Demokratie" die Kontrole ihrer Organe unvereinbar sein soll. Und von einer anderen Presse, als denjenigen Blättem, die Anspruch darauf erheben, als Organe der Partei zu gelten, ist hier nicht die Rode. Außerdem geht es auch nicht, ohne Weiteres zu sagen: die Sozialdemokratie ist eine„Demokratie", und mit einer solchen zc. Die Sozialdemokratie ist in erster Reihe eine kämpfende Partei, die sich zwar so weit als tnöglich denio- kratisch organisirt, auf die aber, grade weil sie eine kämpfende Partei ist, keineswegs alle Grundsätze uneingeschränkt über- tragen werden können, die für bürgerliche— das Wort im weiteren Sinne genommen— Gemeinwesen passen. UebrigenS pflegen auch die deniokratischen Gemeinwesen, sobald für sie der Kriegzustand eintritt, ihre Verfassuligen entsprechend zu modifiziren. Und die Sozialdemokratie ist im beständigen Kriegszustand.*) Uebrigens muß man sich unter der„Kontrole" der Partei auch nicht das Schreckgespenst darstellen, das die Herren Keß- ler, Müller, Wille zc. an die Wand zu malen belieben. Hat sie schon früher zu keiner Zeit eine Beeinträchtigung der freien Meiimngsäußermig bedeutet, so kann davon jetzt erst recht nicht die Rede sein. Wie wenig den Genossen, die den Ent- wurf ausgearbeitet, eine solche Absicht vorschwebte, geht aus einer Mittheilung Vollmar's in der„Münchener Post" hervor. In eineni Artikel„Die neue Einrichtung der Partei", in der er gegen einige Paragraphen im Entwurf polemisirt, schreibt Vollmar: „Als über die Neugestaltung unserer Preßverhältnisse ver- handelt wurde, war es gerade der jetzt mehrfach angegriffene Genosse B., welcher darlegte: jetzt, wo wir eine große Partei, sei an die Leitung der gesamiutell Presse von eitlem Orte aus selbstverständlich nicht mehr zu denken; die örtlichen Parteiorgane hätten selbstständig zu werden— wir müßten uns an eine offene und freie Kritik gewöhnen. Und Niemand widersprach dem." Ebenso wird jeder, der Liebknecht genauer kennt, diesem das Zeugniß ausstellen, daß derselbe in Bezug auf die Frei- heit der Presse stets den weitherzigsten Standpunkt vertreten hat. Es lag zu dem Geschrei über bedrohte Meinungsfrecheit nicht der mindeste Anlaß vor. Dagegen wollen wir Herrn Dr. Wille Eines bemerken. Er ist in der„Sächsischen Arbeiter- zeitung" gegen die„Korruption" zu Felde gezogen, die das Sozialistengesetz in das Parteileben gebracht habe. Er hat das Wort später ziemlich eingeschränkt, aber wie er es auch gemeint hat, wir wollen es gelten lassen. Es ist gar nicht zu bestreiten, daß das Sozialistengesetz anormale Zustände in der Partei geschaffen hat, die beseitigt werden müssen. Aber heißt es nicht den Teufel durch Beelzebub vertreiben, wenn man die Vollmachten gewählter und darum verantwortlicher Be- amten möglichst einschränkt, dafür aber der Onnnpotenz einer nicht verantwortlichen Masse das Wort redet? Gibt es nicht auch eine Preßkorruptio»? Die uneingeschränkte Unabhängig- keit der Blätter ist keineswegs eine absolute Bürgschaft für eine allseitige freie Diskussion. Ein Blick auf die bürgerliche Presse mag die Antwort aus diese Fragen ertheilen. Aber freilich, die Herren wollen ja die Sozialdemokratie in Bezug auf die Organisation auf dem Niveau der bürger- lichen Parteien erhalten. Nehmen wir an, ihr Bestreben ginge durch, was würde die Folge sein? Grade das, was sie so heftig bekämpfen: Wird die Partei in jeder Weise dezentralisirt und die Presse der Spekulation überliefert, so erhält die Reichstagsfraktion durch die Natur der Dinge eine Autorität, stärker als sie sie je besessen hat. Zur„Spaltung". lieber die in unserm heutigen Leiter und in Korrespondenzen aus dem Reiche verschiedentlich behandelten Differenzen haben in Dres- d e n und Magdeburg die Genossen iu öffentlichen Versammlungen entschieden. Wir bringen aus dem„Berliner Volköblatt" nachstehend die Berichte darüber. .*. „Dresden, 11. August. Die in der Bcbel'schcn Erklärung ange- kündigte Parteivcrsammlnng in Sache» der„Sachs. Arbeiterzeitung" fand gestern Vormittag 11 Uhr im Trianon statt. Die Versammlung war von weit über 2000 Personen besucht, darunter Genossen aus der weitesten Umgegend: Großenhain, Meißen, Riesa, Sebnitz, Kamenz, Freiberg. Döbel» zc. zc. Man hatte nicht öffentlich eingeladen, sondern per Zirkular unter der Hand, um Neugierige und Gaffer fern zu halten.""") Die Genossen Kaden, Wcidener und Böttcher bildeten das Bureau, Genosse Bebel rcferirte. Wir übergehen mit Absicht die vierstündigen, zeitweilig sehr lebhaften Verhandlungen und theilen nur mit, daß schließlich bei der Abstimmung für und wider die von Bebel vorgeschlagene und allen Theilnehinern gedruckt vorliegende Resolution mit allen gegen 10—12 Stim- inen Annahme fand. *) Mit diesem Hinweis ist das Gerede der bürgerlichen Kritiker des betreffenden Paragraphen im Orgaiiisationsentwurf zn beantworten. Eine kämpfende Partei kann nicht das Musterbild einer Gesellschafts- Organisation sei». Daß übrigens dieselbe„Sächsische Arbeiterzeitung", die soeben noch pathetisch erklärt hat:„was die bürgerliche Presse über uns schreibt, muß uns absolut gleichgültig bleiben", jetzt mit Preßstimmen ans dem freisinnigen und n l t r a m o n t a n e n Lager anruckt, um den Organisationsentwurs zu bekämpfen, ist ebenso belustigend wie für den Charakter der gegenwärtigen Macher dieses Blattes bezeichnend. *") Gegen eine in einer Berliner Versamniluna geäußerte Jnsinu- ation, diese Art Einberufung sei von der Fraktion beliebt morden, um die Fraktionsgegner auszuschließen, erklärte das Bureau der Dres- dener Versammlung im„Berliner Polksblatt", dieselbe sei ersvlgt von Vertranenspersonen der Dresdener Genossen in einer Weise, dag diese Tage lang vorher Kenntniß davon hatten, die Fraktion habe sclbstver- ständlich gar nichts damit zu thnn gehabt. Ihr Zweck war ja ein- fach: Eine Parteiangelegen heit im SchooßederPar- tei zu behandeln und Parteigegner wie Indifferente fernzuhalten. Die angeüoniulene Resolution lautet: .Die Versfunuilnug frllört':..Die„Sächsische?lrbeiterzeitung' liat durch die Form ihrer Kritik in eiger Reihe pon Artikel», dje sich direkt und indirekt auf Kie Pärteiverhältnisse beziehen, und ins- besondere durch ihre ungercchtsertißten Angriffe ans die Partei- leitung, die Partcisache schwer geschädigt und spricht die Versamm- lnng darüber ihren entschiedenen Tadel ans, .Um künftig ähnlichen Vorkommnissen zu begegnen und in der Erwägung, daß unter den gegenwärtigen Eigenthümern des Blattes eine Aenderung in der Haltung desselben nicht zu erwarten ist, es auch nur den Parteigrnndsätzcn entspricht, daß ein Blatt, das als Parteiorgan gilt, dem Einflnsse der Partei und der Parteikontrole unterworfen ist, ernennt die Versammlung eine Kommission, welche die Haltung der„Sächsischen Arbeiterzeitung" zu überwachen hat, „Ferner wird diese Kommission beauftragt, mit den Eigenthümern des Blattes zu unterhandeln, damit das Blatt vom 1. Oktober dieses Jahres ab in das Eigcnthum der Partei übergeht. Die Kommission ist verpflichtet, in kürzester Frist eine zweite Versamm- lnng zu berufen, in der die Kommission-über den Erfolg ihrer Schritte Bcricht�crstatten soll. Nach Annahme der Resolution erklärten die Ementhümer der Zci- tung, die Herren Schönfcldt und Harnisch, daß sie bereit seien, d i e Zeitung der Partei zu übergeben, und zwar, da sie vom 1. September ab die Umwandlung der Zeitung in ein tägliches Blatt beabsichtigt hatten, schon von diesem Tage ab. Die Versammlung nahm diese Erklärung zustimmend entgegen, Hierauf wurde eine Kommission von 9 Mitgliedern gewählt, se 3 aus dem 4,, S. und 6. Reichstagswahlkreis, um alle nöthigcn Schritte zur Uebcrnahme des Blattes zu vollziehen. „Magdeburg, 14. August. Die zweite Versammlung, die gestern Abend im„Schloßgarten" stattfand, um in den Streitfragen, die in den letzten Tagen einen Theil unserer Parteipresse, darunter die hiesige „Volksstimnle", in erster Linie beschäftigten, war von zirka 3000 Per- sone» besiuht. Viele Hundertc mußten wegen Mangel» an Platz wieder umkehren. Nachdem das Bureau gewählt worden war, erhielt Herr Bebel das Wort, der in längerer Rede gegen die Haltung der hie- sigen„Volksstimme" in diesen Fragen und gegen den Bruno Wille'schen Artikel sich aussprach, indem er auf die einzelneu Angriffspunkte aus- führlich einging. Herr» Bebel antwortete der Redakteur der„Volks- stimme", der zu beweisen suchte, daß allerdings die Angriffe eine gc- wisse Berechtigung hätten und daß es sich um prinzipiell verschiedene Auffassung handele. Nach dreistündiger lebhafter Verhandlnng, an welcher sich noch eine Anzahl Genosse» für und wider betheiligten, schritt man zur Abstimmung. Es lagen im Ganzen 5 Resolutionen vor, von welchen vier sich gegen die Haltung der Redaktion erklärten, eine derselben das volle Vertrauen aussprach. Man kam überein, die Rcso- lutionen in der Reihenfolge, wie sie eingegangen waren, zur Abstim- mung zu bringen, und kam infolgedessen die Bebel'sche Resolution zuerst zur Abstimmung, die mit einer Majorstät von �5 �egen'/s der Ab- stiminenden Annahme fand. Damit waren die übrigen Resolutionen erledigt. Die angenommene Resolution lautet:„Die Versammlung er- klärt: Die Redaktion der„Volksstimme" hatte keine Veranlassilng, sich in den persönlichen Streit, den der Genosse Bebel mit der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" und Herrn Bruno Wille hatte, einzumischen, um so weniger, da bisher von keiner Seite bewiesen lvordcn ist, daß die in dem Wille'schen Artikel gegen die Parteileitung gerichteten Angriffe mit Grund erhoben wurden. Außerdem gehörte eine solche Anklage nicht in die Presse, sondern vor den Parteilag. Die Versammlung verlangt deshalb, daß die Redaktion der„Volksstimme" die ivcitere Polemik in dieser Sache einstellt und sich aller persönlichen Angriffe so lange ent- hält, als sie dazu nicht provozirt wird." Hierauf ging die Versanim- lnng in aller Ruhe auseinander. „Die Redaktion der„Volksstimme"(Hans Müller, Paul Kampff- mcier) erklärt daraufhin, daß sie von ihrem Amte zurücktritt; sie wird aber„auf Wunsch der Zeitungskommission" so lange bei der Fort- führnng de? Blattes thätig sein, bis Ersatz geschaffen ist." .*. Im Anschlüsse hieran lassen wir eine vom Genossen Auer im „Berliner Volksblatt" pnblizirte Zuschrift folgen, in welcher er die Beweggründe anführt, welche für die Fraktion maßgebend waren, als sie in den Organisationsentwnrf die verschiedentlich angefochtene Be- stinimung aufnahm, daß die Kontrole über den Partcivorstand, bezw. dessen Geschäftsthätigkeit der ReichstagSfraktion übertragen werden soll, statt wie früher eine eigene Kon trolkommission zu ernennen. Diese Klarlegnng lautet: „Obwohl es nicht angeht, wie in der Nr. 185 des„Berliner Volks- blatt" bereits ausgeführt ist, auf alle Einwürfe einzugehen, welche gegen den von der Fraktion ausgearbeiteten und veröffentlichten Organisations- entwnrf bereits laut geworden sind und vielleicht noch verlauten werde», es vielmehr Sache des Referenten sein wird, die Motive, lvelche zu den einzelnen Bestimmungen geführt habe», darznlegc», so erscheint es mir doch angebracht— schon um die Genossen im Laude vor etwaigen vor- eiligen Beschlüssen zu behüten— ans den anscheinend schwerwiegendsten Eimvnrf, den der Kritiker der„Sächs. Arbeiter-Zeitung" erhoben hat, bereits jetzt mit einigen Bemerkungen zu antworten. Der erwähnte Artikel meint nämlich, daß der Entwnrf der Reichs- tagsfraktion eine„nngemessenc Machtstellung" einränme, und findet die- Jeuill'eton. Aus dem Tagebuch eines PolitischeuZuchthäuslers. Roch einmal im Dunkelarrest.(Fortsetzung.) Je länger ich den Selbstmordgedanken überdachte, desto vertrauter wurde ich mit ihm. An meineni Stiefelabsatz war ein Eisen locker. Wenn ich dasselbe vollends abriß, am Feusterstein scharf rieb und mir bannt die Pulsader öffnete? Ein Entweichen des Blutes, der Lebens- gcister, n»d bald finde ich Ruhe. Bald die Ruhe und den Friede», die ich, solveit ich zurück denken konnte, noch keinen Tag besessen, und die ich voraussichtlich auch nie im Leben erringen werde. Wozu auch sich noch länger langweilen und quälen? Angenommen, ich überwinde diese Affäre mit heiler Haut, ist es denn sicher, daß mein Körper die nöthigc Widerstandskraft besitzt und die ganzen ein und ein- halb Jahre Zuchthaus übersteht, welche noch vor mir liegen? Und wenn auch, wiirde ich nicht körperlich und geistig so gebrochen sein, daß in der Welt dranßen»ur Roth und Elend meiner harren? Und wenn dem ehemaligen Zuchthäusler auch die allerbcschcidenste Existenz zu gründen mißlingt, wenn er schließlich doch im Schmutze des Lebens versinkt? Selbst wenn sich mein Geschick günstiger gestalte» sollte, muß ich nicht dennoch einsam meine Wege gehen? Kann ich einem Freund noch offen in die Augen sehen mit dem Bewußtsein, einst gefoltert und gepeinigt worden zu sein, getreten, wie man keinen Wurm tritt? Muß dieses Bewußtem mir nicht alle Lebensfreuden vergällen und mich doch noch, so oder so, in den Tod treiben? Alle Leiden und Schmerzen würden doch vergebens erduldet sein. Also fort mit diesem nutzlosen Leben! So brütend, beschloß ich, die Untersuchung abzukürzen, mich am fol- gendcn Morgen dem Direktor zu stellen, Alles ans mich zu nehmen, und wenn Peitschenhiebe oder Lattcnarresl über mich verhängt werden sollten, — einfach einen Strich durch mein Leben zu machen. Der Morgen kani. Ich wurde abgehotl, ich soll zum Hausvater kommen. Wie, nach der Hansvaterei? Soll ich etwa gar eingekleidet werden und will man mich vielleicht als unwürdig aus dem Zuchthause verstoßen, wie früher ans dem Unterricht? Der Hansvater eröffnete mir verschmitzt lächelnd:„Damit die Her- rcn Zöglinge etwas mehr Respekt vor ihren Vorgeietzten bekommen, damit sie eher wieder fromm und gläubig werden, und um auch sousti- gen Bednrsnisscn abzuhelfen, gedenkt der Herr Direktor eine Zeitung für Euch in's Leben rufen, und Dich hat er zum Chef-Redakteur aus- ersehen. Hier bei mir selbst sollst Du Proben Deiner Befähigung ab- legen. Dort", nach dem Pult zeigend,„dort findest Du Papier und Bleistift; schreibe also genau und lesbar, was ich Dir diktire." selbe in dem Kortrolamte, das der Entwurf in den§§ 16 bis 18 der Fraktion überträgt. Ohne mich Nun weiter niif den Liebenswürdigkeiten zu beschäftigen, welche der Herr Kritiker ui seinem Artikel über die Fraktion zum Besten gibt— wobei der Herr und seine glcichge- sinnten Freunde, deren es ja hier und da geben soll, immer vergessen, daß die Fraktion doch schließlich nicht besser, aber auch nicht schlechter sein kann, als die Partei, aus der sie hervorgegangen ist und von der sie einen Theik bildet— will ich nur den Gnind angeben, weshalb der Fraktion die Kontrole übertragen werden soll und weshalb man nicht. wie dies in der früheren Organisation der Fall war, eine eigene Kontrol- Konimission vorschlägt. Es war durchaus nicht freier Wille, noch viel weniger eine AuS- geburt der Fraktions-Hexrschsncht, was uns dazu brachte, die ursprüng- lich im Entwurf sogar vorgesehene Kontryl- Kommission fallen zit" lassen, sondern wir handelten dabei nur:„der Roth gehorchend", nicht dem eigenen Triebe". Zu den neueste» Entdeckungen ans dem Gebiete der Rechtsprechung gegenüber Ärbeitervereiiugungen gehört nämlich die, daß gewählte Kom- Missionen von geringer Mitgliederzahl, seien es auch nur 3, 5 oder 1 Man», unter Umständen als s e l b st st ä n d i g e V e r c i n e zu be- trachten und deingemäß zn behandeln seien.— Wollten wir uns nun nicht der Gefahr aussetzen, den Parteivorstand, bestehend aus 5 Mann, und die Konlrol-Kommission, aus 7 oder 9 Mann zusammengesetzt, je als einen selbstständigen politischen Verein erklärt zn sehen, die wegen„Jnverbindungtretcn" sofort in der legal- st e n Weise aufgelöst werden könnten, so mußte»>vir einen Ausivcg suchen. Diesen glauben wir nun auch gefunden zu haben, indem wir— ganz so wie es bei allen anderen Parteien auch geschieht— die parlamentarische Vertretung mit der Parteikontrole betrauen. Ob dieser Ausweg unter allen Umständen vorhalten wird, das ist eine Frage, die Niemand zu bejahen wagen wird. Wer deshalb einen bessern Vorschlag zu machen weiß, der mag damit herausrücken; nur mit dem Vorwurf verschone man unS, daß die Fraktion durch diese Bestimmungen sich eine„ungemcssene Machtstellung" habe sichern wollen. Im Gegcntheil: Niemand wird dem Anffinder eines praktischeren Vorschlages dankbarer sein als die Fraktion selber, welche dadurch vor der Möglichkeit behütet bleibt, von einem findigen Staatsanwalt als politischer Verein erklärt und wegen Verletzung des Vereinsgcsetzes bis zum letzten Mann eingesperrt zn werden. Mögen also die Herren Kritiker nur ihr Gehirn anstrengen und möglichst praktische Vorschläge aushecken, das wird der Partei viel dienlicher sein, als die Fraktion, deren Mitglieder doch sozusagen auch noch Parteigenossen sind, mit den albernsten und unbewiesenen— weil unbeweisbaren— Vorwürfen und Verdächtigungen zu behelligen. Deisenhofen b. München. I. A u e r." Sozialpolitische Laadschan. London, 20. August 1890. — Dentschlnnd, den 16. August. Der 1. Oktober war für unsere Feinde ein Tag großer Hoffnungen. WaS der erste Mai nicht leistete, das sollte der erste Oktober leisten: er sollte der Welt zeigen, daß die Sozialdemokratie keine zivilisirte Partei oder Gesellschaft sei, mit der man in zivilistrter Weise verkehren könne, sondern eine Samm- lnng von Radaubrüdern, wüsten Gesellen, Catilinarischen Existenzen— kurz die bekannte vils raultitude, die man sich auf die eine oder andere Weise, im Interesse der öffentlichen Ordnung und Reinlichkeit vom Hals schaffen müsse. „Ihr habt das Ausnahmegesetz nicht haben wollen, gut, wir haben Euch den Willen gethan, wir haben dem sozialdemokratischen Pack unsere christlich-humane Gesinnung bewiesen— und das ist der Dank, das ist der Lohn! Seht wie die Burschen sich aussühren— die wüstesten Orgien feiern, wie Hund und Katzen auf einander losbcißcn und los- kratzen. Ist es nicht eine Schande? Nun— das Ausnahmegesetz habt ihr nicht gewollt— es hat ja auch nichts genützt. So müssen wir uns und der bedrohten Zivilisation ans andere Art helfen: die Flinte nrnß schießen, der Säbel hauen!— sobald das Gesindel sicki m u ck st!— So gedachte man zu der zivilisirte» Welt wenige Wochen nach dem 1. Oktober sprechen zn können. Kurz, unsere Feinde glaubten, die Aushebung des Sozialistengesetzes zur Diskreditirung der Sozialdemokratie benutzen zu können. Unsere Stärke, die bei den letzten Reichstagswahlen zum Schrecken unserer Feinde sich so gewaltig offenbart hat, liegt darin, daß wir die einzige Partei sind, welche die ernsthafte Heilung der sozialen und politischen Schäden der Gegenwart erstrebt und ein den Jntercssen der arbeitenden Klassen und Massen: der ungeheueren Majorität des Lol- kes, entsprechendes Progranim hat. Dank der bisherigen Prinzipien- festen, zielbewußten und vernünftigen Taktik unserer Partei drang in die Massen immer tiefer und tiefer die lleberzeugitng ein, daß allein bei der Sozialdemokratie das Heil zu finden, allein unter ihrem Bau- ner zu siegen sei. Unsere Feinde sind verloren, wenn die sozialdemokratische Bewegung sich fortwährend weiter ausbreitet: Gleich bei den ersten Worten schoß mir der Gedanke durch den Kopf, dem Direktor fehlen offenbar die Beweise meiner Thätcrschast; er will sie erst durch Vergleichung von Schriftproben erlangen. „Besser kannst Du nicht schreiben? Da können wir Dich nicht brauchen", meinte der Hausvater, nachdem er mein Geschriebenes durch- gesehen. Der Aufseher, der mich geholt hatte, wurde beauftragt, mein Schreiben nach der Direktion zu brüigcn. Als auch der Hausvater das Zimmer verließ, gab mir der anwesende Schreiber(ebenfalls ein Sträf- ling) Ausschlüsse über den Stand meiner Sache. Er hatte Gelegenheit gehabt, eine Unterredung des Sanitätsraths mit dem Seknndärarzt im Lazareth mit anzuhören. Danach sollte der Di- rektor die Sache einer Konferenz vorgelegt und für mich 30 Peitschenhiebe beantragt haben. Der Antrag wurde von Wockcr unterstützt. Aber der evangelische Pastor. der Arbeitsinspektor und der Sanitäts- rath widersprachen dem. Letzterer führte ans: Bei der schwachen Kon- stitntion des Wunderlich und bei seinem derzeitigen schlechten Gesund- hcitszustand könne er(der Rath) die Verantwortung nicht übernehmen. Man möge Wunderlich gelind bestrafen und ihn in eine andere Anstalt versetzen. Mit dem Schlußsatz sei der Rath beim Direktor schön ange- kommen; was ihm bis jetzt nicht gelungen sei— den Wunderlich zn „bessern"— könne in einer anderen Anstalt erst recht nicht gelingen. „Und so werden Sie wohl mit einigen Wochen Dunkelarrest davon kommen", setzte der Schreiber hinzu.„?lber Mensch, was haben Sie denn eigentlich geschrieben? Der Rath meinte, Wunderlich muß toll sein, den Löwen so zn reizen; wir werden ihn wohl nächstens auf seine Zurechnnngssähigkcit zu untersuchen haben." Diese Eröffnung hob meinen Much und meine Lebenslust gewaltig. Des Mittags nochmals Schreibstunde; die erste Probe war wahr- scheinlich nicht zur Zufriedenheit ausgefallen. Ilm andern Morgen wurde ich dann dem Direktor vorgeführt. Und da wurde mir folgende Eröffnung: „Du hast zwar Deine Schrift geschickt verstellt, doch mich kannst Du nicht täuschen. Gewisse Buchstaben in„Freie Gedanken" sind mit den- selben Buchstaben in Deiner gestrigen Schriftprobe unverkennbar ver- wandt. Du bekommst vorläufig 14 Tage Dunkelarrest, das Weitere wird Dir die Staatsanwaltschaft erzählen." Mit diesem Ausgang war ich zufrieden. 14 Tage konnte ich zur Roth noch herunterreißen. Hammel bekam auch 14 Tage und Binger 14 Nächte Arrest. Und wie wurde unsere Verbindung entdeckt? Wie von Aufsehern, vom Kalfaktor und von einigen Genossen be- l>auptet wurde, sollte Dave der Urheber gewesen sein. Ob er mit Recht oder Unrecht beschuldigt tvurde, und wenn er wirklich der Urheber war, ob aus Absicht oder Fahrlässigkeit, konnte ich nicht beurtheilcn. Jeden- falls wäre die Geschichte unentdeckt geblieben, wäre das Blatt, nachdem es alle gelesen, sogleich vernichtet morden. Der Ausseher von v 1 Der Versuch, durch ein A u S n a h m» g e s e tz die AuSbrcitimg zu hinsern, ist mißglückt. Der Versuch„ uns durch„f a l s ch e B r ü d e r" zu„anarchistischen" „2: Helten" zu verlocken und vor die Kanonen dcS Militärstaats zu trei- ben, ist ebenfalls mißglückt.-7; V. Bleibt das Dritte: die Sozialdemokratie zn selbstmörderischen Streitigkeiten zu verführen. und zn bewirken. daß sie der Welt ein Abscheu erregende? Schauspiel darbiete. Diese grimmig gehaßse und noch mehr gefürchtete Sozialdemokratie, zu der die„be- thörten" Lolksmassen ausschauen als zur Retterin und Erlöserin, sie soll sich vor versammeltem Volk das Diadem der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit abreißen, den Mantel der Menschlichkeit und Kultur ab- werfen und- sich als eine häßliche Megäre entpuppen, die wie ein Fisch- weih fchinipst, und den betrunken gemachten Heloten der Spartauer gleich die Niedrigkeit ihtcs Wesens in ihrem Benehmen und ihren Handlungen enthüllt— kurz wir sollten der Welt ein abschreckendes Excmpcl sein. Die„Führer"— deshalb„Führer", weil sie in dem Kampf für die Sozialdemokratie in den vordersten Reihen" ge- kämpft— sie sollten des Nimbus der Aufopferrnig, der Selbstlosigkeit, des Idealismus entkleidet und Denen, die bisher Vertrauen zu ihiien gehabt, als gemeine Jntrignanten, ehrgeizig« Geschäftspolitiker— mit einem Wort als verachtungswürdige Lumpen hingestellt werden. Und zwar mußte die hcrostratischc Arbeit von„Geiwssen" verrichtet werden, denn wenn die Feinde es direkt thaten, so war von vorn- herein der Mißerfolg gesichert. Es fällt uns nicht ein, den Herren W i l l e, Müller, Sommer, Harnisch u. s. w., die bei dieser traurigen Arbeit mit ihrer Person an das Licht getreten sind, nachzusagen, sie seien von den Feinden der Sozialdemokratie zu ihrem Thun angestiftct und dafür bezahlt; daß sie aber die A r b e. i t n n s e r e r F e i n d c verrichten, das kann für keinen denk- fähigen Menschen einem Zweifel unterliegen. Die Herren der„Opposition" mögen den besten Willen von der Welt gehabt haben, mit den besten Vor- sätzcn von der Welt an die Arbeit gegange» sein— an der W i r k u n g ihres Handelns ändert das nichts, und der Weg zur Hölle ist sprich- wörtlich mit guten Vorsätzen gepflastert. Wer in der Schlacht sich gegen mich wendet, ist mein Feind, auch wenn er mein Kamerad war und mir noch so eifrig versichert, im Interesse unserer gemeinsamen Sache wende er sich gegen mich. Ausbrüche augenblicktichcn Unmuths sind unter den besten Genossen nicht zu vermeiden, allein niemals darf ein Kamerad den Kamerade» Angesichts des Feindes, und unter jubelndem Beifall de? Feindes, anklagen und angreifen. Da hört die Kamerad- s ch a f t auf. Zugegeben, daß die Herren Wille, Sommer, Müller, Harnisch u. f. w. die Partei aus dem Weg ins Verderben glaubten und es für nothwendig hielten, ihre warnende Stimme zu erheben— von dem Moment an, wo sie durch den jubelnden Beifall aller feindlichen Parteien belehrt wurden, wessen Arbeit sie verrichteten, mußten sie Halt machen, und ihren Zweck: die Partei vom Verderben zu retten, auf andere Weise zu erreichen trachten. Jemand, den ich aus dem Wasser ziehen will, werfe ich doch keinen Strick um den Hals, mit dem ich ihn erdrossele. Und der Jemand, den die Herren der Opposition„retten" wollten, lag nicht einmal im Wasser— de» Strick werfen sie ihm aber um den Hals. Nun— der Strick ist durchschnitten, und die Sozialdemokratie wird den 1. Oktober in derselben guten Gesundheit überdauern, wie weiland den 1. Mai.— Die Partei im Großen und Ganzen ist durch diese Vorkommnisse � a r nicht berührt worden— wie wir bereits mitthcilten. Die„Opposition" trat bloß an wenigen Punkten und rein lokal auf, und der Umstand, daß die Fraktion einig blieb, und daß nicht einer der bewährten und allgemein bekannten Genossen sich der„Opposition" anschloß, be- ruhigte sofort das Gros der Partei. Die Versammlungen in Dresden und in Magdeburg haben gezeigt, daß die Herren der Opposition i n der Partei keinen Boden haben, und die Versammlung, welche für nächsten Mittwoch in Berlin anberaumt ist, wird genau das nämliche Resultat ergeben. Die im Ausland lebende» Genossen dürfen sich nur nicht durch die Berichte der gegnerischen Blätter irre führe» lassen. Die Bourgeoisie- und sonstigen Reaklionsblätter lügen in dieser Sache wie gedruckt. Die„Spaltung" im Schooße der Sozialdemokratie ist bereits zu einer„Revolution" angeschwollen— Bebel, der in der Drcs- dener Versammlung einen„Oppositio»s"-Sprecher etwas lebhaft zur Rede stellte, hat diesen„geprügelt",„Wille" hat in Berlin„vor Taufen- den"— in Wahrheit vor 3 bis 400— einen„glänzenden Sieg über Bebel" davongetragen,— und was der Lügen mehr sind. Die Ge- »offen im Ausland mögen beruhigt sein, die„Opposition" ist schon beim Anfang des Endes angelangt, und der Halle'sche Kongreß wird sich mit keiner„Parteispaltung" zu beschäftigen haben. Inzwischen sehe» die Parteigenossen sich sehr sorgfältig den Organ i- s a t i o n s e n t w n r f an. Rur an unwesentlichen Punkten wird dies und jene« ausgesetzt. Die Behauptung der„Opposition", die Fraktion hübe durch den Entwurf sich eine„Diktatur" sichern wollen, wird allgemein verlacht. Daß die Fraktion in dem Entwurf eine größere Rolle spielt, als unter normalen Verhältnissen der Fall sein wurde, erklärt sich aus den deutsche» V e r e i n S g e s e tz e n, die z. B. eine„K o n t r o l k o m m i s s i o n", sck wie wir sie früher hatte», nach den neuesten Gerichtsauslegungen einfach unmöglich machen. Natürlich für die Herren Wille, Müller n. f. w., die von derartigen Dingen keinen Begriff haben— sie sind ja noch ganz jung in der Partei— cxistircn solche Erwägungen nicht; diese Hexenmeister und Wundermänncr machen Alles mit„Leidenschaft" und„gutem Willen" und souveräner Verachtung für T h a t s a ch e n und gesunden Menschenverstand. wollte durch das Guckloch der Zellenthür gesehen haben, nzie Dave daS Blatt dem Kaplan Peter zn lesen gab. Dave händigte die„Freien Gedanken" während der Freistunde dem Hammel wieder ein, und gleich darauf wurde revidirt. Kirche und Literatur. Die katholischen Sträflinge müssen jeden Sonntag und Mittwoch, die Evangelischen Sonntags und Donnerstags den Gottesdienst be- suchen.'Der Gottesdienst beider Konfessionen wird in ein und der- selben Kirche abgehalten. Während die Luft noch erfüllt ist von den Tiraden der alleinseligmachende» Kirche und von Angriffen gegen die evangelische Lehre, wird eine Viertelstunde später durch den Mund des Pastors gegen die götzendienerischen Römlinge geeifert. Die Kirche befindet sich im Hauptgebäude der fünf Flügel, oben im dritten Stock. Parterre wohnt die Familie des Direktors, den ersten Stsi? haben beide Inspektoren inne, und die zweite Etage enthält die Wohnung des Pastors und Kantors. Um diese Gebäude herum grnp- pircn sich die mit Sträflingen belegten Flügel, so daß Flügel A links, C rechts, und B und D, beide in einer Front stehend und aneinander gebaut, hinter dem großen Mittelbau stehen. Diese Flügel liegen alle straßcnbreit von einander ab, sind aber oben im dritten Stock mit dem große» Mittelbau durch verdeckte Gänge verbunden; diese Gänge münden in die Kirche. Zehn Rtinuten vor Beginn des Gottesdienstes werden die drei Zugänge der Kirche geöffnet und von allen Flügeln strömen die Sträflinge, von Ausschcrn begleitet, herein. Die Sträf- linge sitzen eng bei einander auf Banken ohne Lehnin. Die Aufsicht während des Gottesdienstes ist sechs Aufsehern übertragen; zwei sitzen vorne und vier auf beiden Seiten an der Wand, alle aus erhöhten Sitzen. Doch auch Wocker ist besorgt, daß kein Sträfling vom Gottes- dienst abschweift. Wenn Wocker den Segen gibt, wobei er sich den Sträflingen zuwendet, fliegt sein Blick blitzschnell über die Versamm- lnng hm, und wehe dem, der in diesem Moment von ihm beim Sprechen bemerkt wird. Nach Beendigung des Gottesdienstes kommt Wocker ganz sicher auf den Sünder zu und fordert einen Aufseher anf, ihn zn melden. So wird Wocker» Segen Manchem zum Fluch— zum Dunkel- Arrest bei Wasser und Brod. Der Abwechslung halber gehen des Sonntags die Sträflinge ver- hältnißmäßig gerne in die Kirche. Eine Orgel begleitet den Gesang der Sträflinge, oder, richtiger gesagt, der Gesang der Sträflinge be- gleitet die Orgel. Doch kommt es zuweilen vor, daß die Orgel mit einem schrillen Pfiff verstummt— die Arbeit einstellt— und trotz allem zkireten und Drücken keinen Laut mehr von sich gibt. Tann müssen sich die Züchtlinge allein behelfen, und ihr Sang offenbart sich hernach in seiner ganzen Erbärmlichkeit. — Tie Beschränktheit unserer Gegner, und zu gleicher Zeit ihre Unehrlichkeit— schreibt mau uns— osfenbart sich wieder recht deutlich in ihrem Aerhalleu gegenüber den Krakehlereien, die einige Leute in der sozialdemakratischcn Partei zu veranstalten gesucht haben. Da log man zuerst das Blaue herunter, um aus der Mücke einen Ele- phanteu zu machen. Allein das war noch das Geringste. Man log auch entsetzlich dumm und ungeschickt, so daß jeder mit den Partcivcrhaltuissen auch nur oberflächlich Vertraute sofort die Lügen- pcterei bemerken mußte...., Die uutcr dem Sozialistengesetz Herangewachseue revolutionäre that- kräftige, anarchistisch angehauchte.Jugend" sollte in Heller Rebellion sein gegen das besonnene ängstliche„Alter"— eine Art von moderner Gigauto machte hatte begonnen, die„jungen" Riesen wollten den Olymp der„alten" Götter erstürmen, und dieser Kampf mußte mit dem Siege der Riesen und der Entthronung der Götter endigen, die natürlich in's Exil geschickt wurden.— Uud hatten die jungen Riesen einmal die alte» Götter aus dem Himmel getrieben— mm, dann konnte ja die heilige Hermandad,— oder das soziale Kaiserthum— kommen und die siegreichen Riesen nach Nummer Sicher bringen.. Das war die Dichtung. An Phantasie fehlte es nicht. Aber es war auch bloß Phantasie. Zum Lügen gehört einige Kenntniß der Thatsachen. Eine Lüge, die sich nicht ans Thqtsachen stützt, hat nicht einmal die sprichwörtlich kurzen Beiue der Lüge. Sie hat gar keine Beine. Sie kann nicht stehen und nicht gehen. Uud wo waren hier die Thatsachen? lind Ivo waren die Niesen? War etwa über Nacht ein Wunder geschehen, und war oie Partei van einem N i e s e n- regen heimgesucht worden, wie ja vom Frosch regen und Kröten- regen erzählt wird? Die Sozialdemokratie glaubt an keine Wunder, und sie glaubte also auch nicht an die Riesen uud den Riesenregen. Betrogen waren bloß die armen Ordmiugsphilister, die, im Gefühl ihrer eigenen Ohn- macht, gerne an Wunder glauben, durch welche sie gerettet werden. Die Sozialdemokraten lachten: ein kräftiger Griff, und die Spinn- weben der Lügenpeter waren zerrissen, die Seifenblasen ihrer Hoffnun- tjen zerplatzt. Aber die Lügenpeter haben auch durch ihr Lügen, mit dem sie bloß ihre eigene Sippe uud sich selbst täuschten, ihre gauze Unehrlich- lett verrathcn. Seit Einführung des Sozialistengesetzes haben sie tausend- und tau- sendmal betheucrt/ sie wollten die Sozialdemokratie nicht der- Nichten, sonder» nur den„Ausschreitungen" der Sozialdemokratie steuern — die Sozialdemokratie ans den„gesetzlichen Boden" drängen. Nun, wenn ihnen damit Ernst war, dann hätten sie sich doch freuen müssen über die„Besonnenheit" der„Führer", die ihnen zufolge sich bemühten, die Arbeiterbewegung in„ruhigen Bahnen" zu halten, und gewaltsame Konflikte zu vermeiden. Allein weit gefehlt! Für die„besonnenen Führer" hatten sie nur Worte des Hohns. Den„Heißspornen" aber, die„Über die Köpfe der „Führer" hinweg— angeblich— zu„gewaltsamen Konflikten", d. h. zu der— wiederum angeblich— so sehr gefürchtetcn und verabscheuten „blutigen Revolution" treiben wollten, streichelten sie zärtlich die Wan- gen und ermunterten sie auf jegliche Weise. Damit haben die reaktionären Lügenpeter sich selber entlarvt; sie habeil gezeigt, daß sie es sind, ivelche die„blutige Revolution" anstrebe» und„vorbereiten"— daß sie es sind, welche die„ruhige friedliche" Entivicklnng fürchten— daß sie mit einem Wort die Männer des„gewaltsamen Umsturzes" sind. Ren ist die Taktik allerdiiigs nicht— seit die Feinde der sozialen Gerechtigkeit und des politischen Fortschritts zum Bewußtsein ihres kulturfeindlichen Wesens gelangt sind, treiben sie dieses Spiel und sind bemüht unter Anwendung der niederträchtigsten Mittel(Lockspitzel?c.) die Arbeiter zu Exzessen(„Ausschreitungen") zu verlocken und die Emanzipationsbestrebungen der Arbeiter in Mißkredit zu bringen. Das ist— wie gesagt— ein altes Manöver, und es ist ein infames Manöver. Und womöglich noch d ü m»> e r als infam. Denn es könnte leicht denen sehr fatal werden, die in ihm ihr Heil zu finden vcr- Meinen. Was wäre die Folge, wenn es gelänge? Furchtbare Kata- strophen- revolutionäre Erhebungen, Straßenaufstäude, die wohl ein- mal, zweimal und öfter niedergeworfen werden können, aber, mit Roth- wendigkeit, im verstärktem Maße wiederkehren müssen, bis sie zuletzt eine Dimension aniiehinett, die für die verbrecherische» Thoren, die das schändliche Spiel getrieben, den Tag unerbittlicher, erbarmungsloser Nemesis bedeuten würde. Wer der Revolution die Hand reicht, mit der festen Absicht, ihre Wege zu wandeln, kann durch sie über den'Abgrund gehoben werden; wer sie betrügen uud überlisten will, wie diese traurigen Ge- sellen mit der Dumwpfiffigkeit des Polizeiverftandcs, der ist unrettbar verloren. — Der Vollständigkeit halber lassen wir hiermit zwei a»f die inneren Parteiverlstiltnisse bezügliche Resolutionen folgen, die am kS. August in Moabit bei Berlin in einer Bersamnilung des sozialdemokratischen Wahlvereins im 6. Berliner Reichstagswahlkreise beschlossen wurden: „l. Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und erklärt den Wahlmodus für un- demokratisch, sowie als eine Vergewaltigung der großstädtischen Parteigenossen, welche bisher die Partei mit den größten Opfern geistig und materiell zum größten Thcil hochgehalten haben. „Der sozialdemokratische Wahlverein des sechsten Berliner Reichs- tagswahlkrcises beschließt, den vom 1. August bekannt gemachten Vorschlag zur Wahl der Delegirtcn zum Parteitag zurückzuweise», Dem Mittwochgottesdicust steht Peter allein vor. Anfangs wird gebetet und etwas gesungen, dann erklärt Peter den Katechismus. Fast jedes Jahr wird zur Fastenzeit ein Hirtenbrief verlesen, und im März des Jahres 1883 war mit einem solchen päpstliche» Hirtenschreiben «ine Ablaßspende verbunden. Der Kaplan meinte, daß die Insassen der Anstalt ganz besonders Anlaß hätten, der freigeberischeu Gunst des Ablasses theilhaftig zu werden; denn durch Erwerbung dieser Spende könne man Vergebung seiner Süudcnstrafeu auf Erden schon und auf Jahre hinaus erlangen. Das einzige Sleqnivalent der Sträflinge be- stand in ivöchentlichem Beten des Rosenkranzes, während der Mitwochs- gottcsdienstzeit, und zwar für die Dauer der ganzen Fastenperiode. Ohne Zweftcl mußten die Gefangenen bestrebt sein, diese seltene Gnade für sich herbei zu führen. Wo sonst sollte ei» so großes Be- dllrsniß nach Erlaß oo» Süudenschulden vorhanden sein, als im Zucht- Hause? Um ganz sicher zu sein, daß anch jeder Züchtling zugreift, und um zugleich das lauge Beten in Gesellschaft erträglicher zu inachen, vcr- ordnete also Peter, daß der Mittwochgottesdicust zur Erringuug der Spende verwendet werden soll. Er erwarte ein reges Wettbetcn. Kolin", flüsterte ich nach den- Gehörten meinem Nebenmanne zu, jetzt hast Du die beste Gelegenheit, Deine acht Jahre abzuladen, uud die anderen katholischen Sträflinge werden wohl nicht minder säumen, einer Abkürzung oder gänzlichen Nachlassnng ihrer Strafen die Hand zu bieten. Bald werden nur Evangelische und wir Sozialisten die düsteren Räume des Zuchthauses bevölkern." Kolin schlug sein Gesangbuch ans und las daraus:„Davon will unser kleiner Direktor nichts wissen." „Dann ist diese ganze Ablaßspeude Humbng", beinente ich. „Das zwar nicht. aber was es eigentlich ist, weiß ich selbst nicht. Peter wird es uns schon»och sagen", flüsterte Kolin wiederum aus seinem Buche. Peter erklärte uns die Bedeutimg des Ablasses. Die Heimsuchung von Schicksalsschlägen, Unglücksfälle aller Art, Trauer und Trübsal sind Strafen Gottes, die er ivegcn eines lasier- hasten gottlosen Lebeusivaudels so nebenbei über den Menschen verhängt. Diese Art Strafen sollen dem Menschen, der den Ablaß erwirbt, auf längere oder kürzere Zeit erlassen werden. Und wenn»un innerhalb der errungenen Ablaßzeit der Amnestirte dennoch von unerbittlichen Schicksalsschlägen heimgesucht wird? Nun, dann sind sie eben keine Strafen mehr, dann sind sie Prüfungen und Schicknngeu Gottes, die seine weise Vorsehung zuläßt, um den Mensche» nicht übcrmüthig werden zu lassen.„Wen Gott lieb hat, den züchtigt er." Der Rosenkranz begann. Nach der Volltönigkeil des Betcns zu schließen. mußten nur wenige von der befreienden Kraft des Ablasses überzeugt sei», und diese Wenige». einen so heroischen Anlauf sie anch aufangs nahmen, spürten bald die Ermüdung eines laugandauerudeu Betcns. Ihre Stimme» senkten sich merklich. Die Erhöhung des indem die Parteigenossen von dem allein richtigen demokratischen Grundsatz ausgeheu, daß hundert sozialdemokratische Wähler nicht die gleiche Zahl von Delegirten nach dem Parteitag entsenden können, wie viele Tausende. Von einer reinen Gleichartigkeit könne da gar keine Rede sein. Der gesammte Vorstand des Vereins wird beauftragt, den Unterzeichneten oben genannter Bekanntmachung diesen Beschluß zu unterbreiten und den Genossen die Antwort auf schnellstem Wege zur Kenntniß zu bringe». „2. Die heutige Versammlung spricht ihr vollstes Einverständniß mit den Ausführungen des Referenten, Herrn Br. Wille, aus, und erwartet von dem demnächst staltfiudendeu Parteikongrcß, daß die bisherige Taktik der Berliner Parteigenossen in keiner Weise in Zweifel gezogen wird seitens der sozialdemokratischen Fraktion uud daß die durch die Berliner Vertreter für»othwendig im Jifteresse der fortschreitende» Entwicklung der Taktik«nsercr Partei crach- tetcn Acuderungen die vollste Anerkeunnug und Annahme finden." Zu dem Passus, der sich auf die Wahl der Delegirten zum Parteitag bezieht, sei bemerkt, daß der Referent, Schriftsteller Br. Wille, den Vorschlag der Partcivertrctung, daß„kein Wahlkreis durch mehr als drei Delegirte vertreten sein darf", in einer Weise auslegte, als ob nun jeder Wahlkreis drei Delegirte senden werde, was sich, wie die ein- fachste Ucbcrlegung sagt, durch die Natur der Dinge von selbst ver- ietet. Zum Entsenden von Delegirten gehören Mittel und zwar ei der in Aussicht genommenen Dauer des Kongresses sehr erhebliche, so daß schon eine ansehnliche Anzahl von Gcsinuungsgenossen nothwendig ist, um einen Delegirtcn zu entsenden, geschweige denn drei. Gewiß ist der vorgeschlagene Modus keine Bürgschaft für eine absolut gerechte Proportionalvertrctuug, aber wie unter den heutigen Verhältnissen in Teutschland, bei der verschiedenartigen Handhabung der Gesetze, eüie solche ausfinden. Es handelt sich hier immer nur um die Wahl des kleineren zwischen verschiedenen Uebeln, jeder Modus wird seine Mängel äufweisen. Das hätte Herr Wille, wenn er ehrlich vorgehen wollte, in seinem Referate berücksichtigen müssen. Statt dessen hat er sich in den albern- Ken Uebertreibungcn gefallen. Einige der uachsolgendcn Redner sind dann noch weiter gegangen und haben sich zu Awchuldiaungen gegen Genossen verstiegen, die sich direkt als Lügen herausstellten. Wir können nicht umhin, die b o d e n- lose Leichtfertigkeit, mit der einzelne Genosse» bei der Hand sind, ihnen mißliebige Personen die Ehre abzuschneiden, anf's Schärfste zu rügen. Bei aller sachlichen Meinungsverschiedenheit müssen wir immcr trachten, gerecht gegeneinander zu bleiben. Es fällt uns daher anch nicht ein, alle zur Zeit in der Opposition gegen die Parteivertretnng befindlichen Genosse» mit den Urhebern jener Verläumdung zu identifi- ziren. Im Gegcntheil, unsere Rüge geschieht im Interesse einer fach- lichen Diskussion, lind wir können nur hoffen und wünschen, daß die Nothwendigkeit, die Disknffio» von allen Verdächtigungen frei zu halte», ällseitig in der Partei erkannt und berücksichtigt werde. Die Berliner Genossen haben für die gemeinsame Sache Großes ge- leistet, das wird in der ganzen Partei freudig anerkannt, und Niemand wird ihnen bestreiten, daß sie ein Recht haben, im Verhältnisse ihrer Leistungen vertreten zu sciiz. Aber sie mögen sich vor Uebertreibungcn hüten, und darauf bedacht sein, es zu verhüten, daß sich in Deutschland ein ähnlicher Gegensatz hcrausentwickelt, wie er in Frankreich zwischen Paris und der Provinz besteht. Es sei ihnen genug, an der Spitze der Bewegung zu marschiren; alle Ansprüche, die darüber hinausgehen, find vom Uebel. — Die Verfolgungswuth, welche die preußischen Polizeiorgane gegen den Genossen Kon st a n t i n I a n i s z e w s k i entwickeln, würde, wenn sie nicht so gemein-brntal wäre, wirklich nur kindisch genannt werden können. Nachdem Janiszewski kürzlich auf Grund einer, ans dem Staub der Archive hcrvorgesuchten Polizeiverfügung aus Berlin und Charlottenbnrg ausgewiesen worden war, hatte er sich in Fried- r i ch s h a g e u bei Berlin niedergelassen, um von da aus sein Geschäft in Berlin zu betreiben. Jetzt ist er nun, wie die Zeitungen berichten, „laut Verfügung des königlichen Regierungs-Präsidenten von Potsdam, Grafen Hue de Grais, vom 26. Juli d. I., welche ihm am 4. d. M. zugestellt ist, auch aus dem Vorort Friedrichs Hägen ausgewiesen, mit der Weisung, zur Vermeidung einer zehntägigen Haft den Ort binnen acht Tagen zu verlassen. In etwa dreißig anderen in der Zu- stellung aufgeführten Vororten Berlins, Rixdors, Steglitz, Rummels- bürg, Pankow k. ist dem Ausgewiesenen gleichzeitig ebenfalls der Auf- enthalt versagt worden." Nicht also genug, daß Jansszewski ans Grund schmachvoller Tendenz- urtheile um fast sechs Jahre seines Lebens betrogen wurde, soll er jetzt mit Gewalt auch materiell ruinirt werden. Und woraufhin? Hat er irgend etwas gethan, das ihn als besonders staatsgefährlichen. auf Mord und Todtschlag sinnenden Menschen charakterisirte? Nicht im Geringsten. Er ist ein Sozialist wie Tausend Andere auch, er hat agitirt, wie Tausend Andere, ohne sich aber besonders hervorzndrängen — kurz, nichts kann den Haß, mit dem die preußischen Polizeiorgane ihn verfolgen. erklären, als höchstens das schlechte Gewissen. das die Vertreter des Polizeistaats gegen einen Menschen haben müssen, der in so hervorragendem Maße dessen Opfer gewesen ist. wie K. Jani- szcwski. Halt— Eines hätten wir beinahe vergessen, Janiszewski hat es sich besonders angelegen sein lassen, den I h r i n g- M a h l o w des Mein- eids zu überführen, diesen Musterbcamten des Systems P u t t k a in c r. Der Träger dieses schmachvollen Systems ist zwar gefallen, es selbst aber spuckt noch in allen Polizeistuben fort, die Stützen deS Systems sitzen noch in allen Regicrungsämtern, und so erklärt sich nicht nur die Tones des vorbctenden 5kaplans bewirkte zwar einigemale, daß auch die betenden Sträflinge ihre Stimmen verstärkten, und daß die schnar- chenden Aufseher verstimmt aus dem Schlafe erwachten, aber noch war die Halste des Rosenkranzes nicht abgeleiert und schon half dem Kaplan die größte Stimmanstrcngung nicht mehr. Das Beten sank zu einem leisen unverständlichen Gemurmel herab und iviegte neben den wieder eingeschlummerten Aufsehern noch eine Anzahl Sträflinge in sanftes Träumen. Mit Ach und Krach drückte Peter den Rosenkranz durch. Die flaue Belhciligung und das schnelle Nachlassen der Betenden zog uns eine gepfefferte Strafrede zu. Es sei unerhört und beweise zur'Evidenz, wie grnndvcrdorben ein großer Theil der Menschheit ist. Die schlech- testen Christen aber seien unbestritten die offiziellen Verbrecher in dem Zucht Hause, die die angebotene Befreiung von ihren Snndenstrafe» so schnöde von sich wiesen. Es sei pure Faulheit und Schlechtigkeit, wenn die Züchtlinge nicht einmal den Rosenkranz beten wollen; er muß ja anch mitbeten, und wenn er es könne, so könnten die Sträflinge es auch feisten. Peter zog nur deu einen Umstand nicht in Betracht, baß das Beten fast seine einzige Arbeit bildet, und daß er es gut bezahlt bekommt. Die Sträflinge aber sind froh, wenn sie ihr obligatorisches Pensum fertig bringen; ein freiwilliges, noch dazu ein unerquickliches, sich auf- zubürden, kann ihnen ein unvernünftiger Mensch nicht znmuthen. Der Papst hat im Znchthause mit seiner Ablaßspende schlechte Geschäfte ge- macht, uud deni Kaplan nur Acrger und Verdruß bereitet. Im Ganzen und Großen hat die Kirche nicht viel Bekehrungen unter ihren Zöglingen in der'Anstalt anfzmveisen. Und die Geistlichen rech- ncn mit dieser Thatsache; sie konzentriren ihre Thätigkeit aus deu Thcil ihrer Lehre, der von Unterwerfung, von Gehorsam gegen die Oberen und von Sanftmuth und Geduld im Ertragen der Leiden handelt. In dieser Richtung sind sie und der Direktor denn auch mit ihren Erfolgen zufrieden. Stets wird den Züchtlingen vor Augen gehalten, was für Sünder sie vor Gott und den Menschen seien, und daß sie ihren Borge- setzten, namentlich den Geistlichen, von Herzen danlbar sein müßten, daß dieselben sich überhaupt mit Sträflingen befaßten. Die mündliche Lehre der Pfaffen wird ergänzt durch eine dieser Lehre entsprechende Lektüre. Die'Anstalt ist im Besitz einer Bibliothek, Ivelche sich für die katholischen Sträflinge auf mehrere hundert Bände beläuft; die Evangelischen bekommen evangelische Erzeugnisse der Lite- ratur. Der Kaplan ist Bibliothekar der katholischen Abthcilnng. Sams- tag Abends bekommt jeder Sträfling ein Buch, und jeder muß dasselbe am Montag Morgen wieder abgeben. Doch ziehen Viele das Arbeiten am Sonntag dem Lesen des Buches vor. An der Thatsache, daß die Sonntagsarbeit in der Slnstalt trotz des dominircnden Einflusses der Geistlichen erlaubt, ja geradezu eine Nothwendigkeit ist, wenn ein Sträf- ling ein langsamer'Arbeiter ist und sein Wochenpensum fertig bringen Ausweisung Janiszewski's, sondern auch noch vieles andere. Erkläre» heißt indeß.i» diesem Falle nicht verzeihen. — Nein, daö System Puttkamer ist noch nicht todt. Da? zeigt auch die„vertrauliche Verfügung", welche Herr Herr- f u r t h unter dem 18. Juli an die Regierungspräsidenten über die „Bekämpfung de r»S ozialdemokratie nach Erlöschen des Sozialistengesetzes" erlassen hat. In diesem merkwür- digen Aktenstück wird, wie die„Verl. Volksztg." nach der„Trier'schcn Landeszeitung" mittheilt, die„besondere Aufmerksamkeit" dieser Beamten darauf gelenkt, den sozialdemokratischen Ausschreitungen mit Entschieden- heit entgegenzutreten und zu diesem Zweckt von deu zu Gebote stehenden Mitteln, unter sorgfältiger Einhaltung der gesetzlichen Schranken inner- halb derselben, aber bis an d i e G r e n z e d c s Z u I ä s s i ll e n Gebrauch zumache n." Insbesondere soll dies auf dem Gebiete des Vereins- und Preßwesens geschehen. „Die Versammlungen der Sozialdemokraten", so heißt es wörtlich, „werden unausgesetzt zu. überwachen, die zu denselben begangenen Strasthatc» jedesmal zur strafgerichtlichcn Verfolgung zu bringen und diese V e r s a m m l u n g e u aufzulösen sein, sobald ein hierfür den b e st e h e n d e n L o r s ch r i f t e n aus- r e i ch e n d e r A n l a ß g e g e b e n i st. Zu diesem BeHufe wird es der unausgesetzten Aufmerksamkeit der Ueberwachuiigsorgaue be- dürfen, um in de» gehaltenen Reden diejenigen Stellen herauszu- finden(das Wort ist wirklich bezeichnend, findig umß der Staats- rctter sein. Red, d.„S."), welche den Thaibestaud einer im Straf- gcsetzbuche mit Strafe bedrohten Aeußernug wahrscheinlicher Weise begrün dein, und sich der wortgetreuen schriftlichen Aufnahme solcher Redetheile zum Anhalte für die sofort zu bcan- tragende gerichtliche Verfolgung zu unterziehen. „Was die Besngniß zur Auflösung einer V e r s a m m- l n n g anlangt, so ist dieselbe nicht auf die in Z 5 des V e r- e i n s g e s e tz c s v o in II. Mai 1850 erwähnten Fäll.e beschränkt, wonach.... die Auslösung angeordnet werden kann, wenn in der Versammlung Anträge oder Vorschläge erörtert werde», die eine Aufforderung oder Anreizung zu strafbaren Hand- lungeu enthalten. Die Auflosung erscheint vielmehr nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts auf Grund des§ 10 Titel 17 Theil II des Allg. Landrcchts anch über diese Fälle hinaus zulässig, wenn sie zur A u f r c ch t e r h a l t u u g der öffentlichen Sicherheit o d e r O r d n u n g, wie in Fällen von ausbrechendem Tumult?c. unbedingt nothwendig ist. „Versammlungen unter freiem Himmel, auf welche der Grund- satz des Artikel 29 Absatz 1 der Preußischen Verfassung nach Ar- tikel 29 Absatz 2 keine Anwendung findet, bedürfen nach deu Ks d uud 10 des Vercinsgesetzcs im Allgemeinen der vyrgäugigen schristM lichen Genehmigung der Ortspolizeibehörde, welche nur bei Gefahr fiir die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu versagen ist. Die Polizeibehörden sind hiernach ermächtigt, derartigen Verauftaltuugeu der Sozialdemokratie bezw. Straßeuaufzügen und demonstrativen Leichenbegängnissen nach wie vor vorbeugend uud hin- d e r n d entgegenzutreten, und werde» darauf hinzuweisen sein, daß sie von dieser Ermächtigung bei dem Zutreffen der be- zeichneten Voraussetzung stets Gebrauch zu machen haben. „Es wird dann noch auf die Bestimmung des preußischen Vereins- gcsetzcs hingewiesen, wonach die S ch l i e ß u u g solcher p o l i l i- I ch e r Vereine zulässig ist, welche behufs g c m e i u s a m c u Wir- k e n s in Verbindung treten. „Was die sozialdemokratische Presse anlangt, so bemerkt die Ver- sügung rcsignirt, hier könne die Polizei„im Wesentlichen nur als eine Helferin der Justiz.thätig sein". Sie soll sich auf eine„sorgfältige Prüfung der Drucksachen nach strafrechtlichen Gesichtspunkten uud auf eine Beschlagnahme derselben nach Maßgabe der 23 ff. des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 zu erstrecken haben." Die Beschlag- nahmen sollen möglichst schnell und vor erfolgter Verbreitung der Druckschrift bewirkt, und jedem Versuche einer weiteren Verbreitung soll energisch entgegengetreten werden. Die Verfügung schließt: „Ferner werden die Polizeibehörden darauf hingewiesen sein, daß sie, sofern die Befürchtung einer umfangreichen Störung der öffcut- lichen Ruhe und Sicherheit begründet erscheine, sich rechtzeitig mit den Militärbehörden in Verbindung zu setzen haben." Dies der Inhalt des Rundschreibens, das einer Kritik im Einzelnen nicht bedarf. Die„Volksztg." meint, wenn es echt sei— und es i st echt— so könne sie zu demselben die sozialdemokratische Partei nur be- glückwünschen. Die Partei habe, um einen volksthümlichen Ausdruck zu gebrauchen,„ein unverschämtes Glück mit ihren„staatsmäunischeu" Gegnern, mögen dieselben nun Bismarck und Puttkamer oder Eulenburg »ud Herrfurty heißen."„Nach den in der vorstehenden Verfügung niedergelegten Grundsätzen", heißt es dann weiter,„ist die Sozialdemo- kratie von 1874—1878 bekämpft worden, uud uns klingen die Worte noch in den Ohren, mit denen die Freunde des Sozialisteugetetzes 1878 ausführten, eine vierjährige Erfahrung habe gezeigt, daß es auf diesem Wege nicht ginge, die„repressive Methode" schaffe nur Märtyrer und erivecke der Sozialdemokratie immer neue Sympathien im Volke, des- halb sei die„präventive Methode" des Ausnahmegesetzes nothwendig. Aachdem man zwölf Jahre gebraucht hat, um zu erkennen, daß es da- nit auch nichts ist, diese Methode vielmehr auch nur das bewirkt, was ie verhindern will, kehrt man zur„repressiven Methode" zurück, über icren Widersinn man sich 1878 so klar war. Nun, das ist der Polizei- taat, wie er leibt und lebt...." will, au dieser Thatsache ist die Aufrichtigkeit der Bestrebungen der Geistlichen, die angeblich so sehr auf Sonntagsheiliguug drängen, abzn- messe«. Man kann aber auch daran bemessen, wie anziehend die Lektüre sein muß, wenn die eintönige Arbeit ihr vorgezogen wird. Befassen wir uns näher mit der katholischen Literatur. Die große Mehrzahl der Bücher enthalten Erzählungen fiir die christ- lichc fromme Jugend, und da wir zu dieser Kategorie nicht zählen, wolle» wir uns nicht jzinger dabei aufhalten. Ein Schriftsteller, der Name ist mir entfallen, macht in Weltgeschichte, selbstverständlich in katholischer. Interessant ist seine Abhandlung über das'Alterthum, und darin besonders das Kapitel: Die Götter Griechenlands. Mit wahrer Wollust und anerkennenswerthem Eifer analysirt er die Bewohner des griechischen Olymp und untersucht sie auf Herz und Niereu. Man merkt die Absicht und— macht die Probe auf das Exempcl beim Gott der Christen. Mich dünkt, dieses Spüren nach den Schwächen und Gebrechen frcm- der oder verstorbener Götter ist ein gefährliches Unterfangen. Ein Monarchist thut gut, die schwachen Seiten fremder Fürsten mit dem Atantel der Nächstenliebe zu bedecken, wenn er nicht will, daß man seinen eigenen Herrn aus nächster Nähe betrachte. Und der Christen- gott hat alle Ursache, einer Untersuchung seiner löblichen Eigenschaften aus dem Wege zu gehen. Ein Herr Liudemann schreibt Literaturgeschichte vom ästhetischen Standpunkte aus; der katholische wird erst in zweiter Linie berücksich- tigt, und dafür bekommt der Verfasser von oben einen Rüffel. Seine Domäne ist das Mittelalter; mit der romantischen Schule ist er nicht ganz unzufrieden, und mit Juugdeutschland geht er verhältnißmäßig gnädig iu'S Gericht. Bewundernd schaut er auf zu der uicphistopheli- scheu Genialität eines Heine, gelinde tadelnd streift er die politische Gedankcnrichtuug Freiligrath's, Hoffmanu's von Fallersleben, des kos- mopolitischen Nachtwächters sammt Anhang. Aber seine ganze Galle, sein gewaltiger Zorn ergießt sich über Herwegh. Dem kann er nicht vergeben, daß er einst dem preußischen König die Worte in's Gesicht geschleudert: „Wer, wie ich, mit Gott gegrollt, Kann auch mit einem König grollen." Herwegh kann er nicht verzeihen, daß er so kühn in Wort uud mit der Feder, und so feig unter dem Spritzleder einer Droschke schon vor dem Gefecht nach der Schweiz entfloh.(Bekanntlich eine Fabel. Red. d.„S.-D.")„Seine letzten Gedichte", heißt es,„tragen eiueu so rüden Ton, daß sie in unseren Tagen noch verboten werden mußten." (Fortsetzung folgt.) Ganz recht, und wenn>v!r's nicht vorher gewußt hätten, daß es so ■fonimen würde, so könnten wir die Versngnng beinahe als eine Slnf- iforderung betrachten, den Beschluß, mit Ende September unser Er- scheinen cinznstcllcn, in„Wieder-Erwägung" zn ziehen. Andcß, wir ijvaren ans alle diese Dinge vorbereitet. und so auch die Massen der �Genossen in Deutschland. Einzelne mögen optimistischer gedacht haben, innd diese ernüchtert zn haben, ist ein Verdienst, für welches man dem Ärheber des Rundschreibens>v irklich dankbar sein kann. —„Nnmögsich". Der Gewerberath für Magdeburg hatte an -'den dortigen„T e ch n i s ch c n V c r e i n f ü r Z u ck e r f a b r i k a t i o n" tinc Anzahl Fragen in Bezug ans die im Reichstag eingebrachte A r- lbeiterschutz-Novellc gerichtet. Der genannte Verein hat darauf iin einer jüngst abgehaltenen Versammlung wie folgt geantwortet(wir «ntnehmen die Notiz dem„Verl. Volksblatt"): ,/Es fei nicht möglich, jedem Arbeiter jeden Sonntag eine Ruhe >don 30 Stunden zn gewähren. Die Arbeit in den Rohznckcrfabriken sfei während der fogenanntcn Kampagne auf wenige Monate im Jähre «beschränkt wegen der geringen Haltbarkeit des Rohmaterials. Sie falle iin die Herbst- und Wintermonate, also in eine Zeit, wo eS ein Segen(lr?) für die ländlichen Arbeiter fei, Arbeit z» finden. Die Art ides Betriebes verlange Tages- und Nachtarbeit. Der Sonntag unter- ibreche die Nübenverarbeitung und sei der Aufarbeitnna, den Rcinigmigs- lArbeiten und Reparatnren gcividmet. Es sei die Einrichtung so ge- «troffen, daß Tag- und Nachtarbeit von Woche zn Woche unter den lArbcitern wechsele, und daß jeder Arbeiter jeden zweiten Sonn- «tag 2 4 Stunden Ruhe habe. Auch für das Welhnachtsfest und iNeujahrsfest sei die Festsetzung einer bestimmte» Ruhezeit nicht ein- ipfehlenswerth(!!). Deshalb müsse für die Arbeiter der Zuckerfabriken «der Absatz 2 und 3 von sj 105 o des Gesetzentwurfs(Ausnahmen) Platz (greifen. Bon der 30sründlgen Sonntagsruhe wird behauptet, «daß diese für die Arbeiter nachtheiltg sein würde, denn diese ttviirden verlockt werden, ihr sauer verdientes Wochengeld wieder zu wergenden.(!!!) Ferner wird die Einführung der geplanten Schutz- ibesrimmnngen für Frauen für die Rohrzucker-Fabriken als fast gleich- lbedeutend mit der Untersagnng des Betriebes überhaupt erklärt. Der iununterbrochene Fortgang der Arbeit lasse es nicht zu, nur des Tags Mädchen zu beschäftigen. Man müßte dann auch für die leichten Ar- lbeiten Männer einstellen, was einerseits Mehrausgaben verursache(also Iber Profit soll ans Kosten der Arbeiter gesichert, nicht geschmälert wer- ldcn! Red.), die unter jetzigen Verhältnissen nicht zu tragen seien, an- ldercrseits den Arbeiterinnen lohnende Winterbeschäftigung nehme.(Diese «Sorge! Red.) Es müsse deshalb§ 139 3, Absatz 2(Ausnahmen) An- (Wendung finden. Die Beschränkung der Arbeitszeit der verhcirathctcn «Frauen auf 10 Stunden und die l'/Ftü»digc Mittagspause für Ar- «beiterinneu, welche ein Hauswesen zn besorgen haben, würde eine Aus- sfchließnng derselben von der Arbeit herbeiführen." „Wir möchten wissen", ergänzt das„Volksblatt" die eingestreuten «Bemerkungen,„wer andere als diese arbeitcrschntzfeindlichen Antworten >von den Industriellen erwartet hätte. Die Regierung doch ivohl auch .nicht. Deshalb lassen die obigen Erhebungen die„neue Sozialreform" iin so eigenthümlichem Lichte erscheinen." Stimmt. Welcher Fortschritt, welche Reform wäre nicht von Denen, .deren Interesse mit der Erhaltung des alten Znstandes verknüpft ist, «für„nicht möglich" erklärt loorden. lind doch hat dieses„iindseile de mot", dieses d u m m e W o r t, nirgends weniger Berechtigung, als iin der Industrie. Was die Herren vom„Technischen Verein" als „nicht möglich" hinznstcllcn belieben und noch mehr— 36 Stunden Sonntagsruhe— ist in England allgemein durchgeführt und weder «die„Industrie"— unter diesem schöuklingendcn Wort versteht das iUnternehmerthnm bekanntlich den Profit— noch die industrielle .Arbeiterschaft geht daran zu Grunde. Worunter sie leiden, das ist die «Schmutzkonkurrenz, die ihnen von dem Lande der Ueberarbeit .und der Hungcrlöhne geniacht wird, eine Schmutzkonkurrenz, die noch �gesteigert wird durch das System der Z u ck e r p r ä m i e n. Es ist (wirklich bezeichnend, daß die Vertreter einer Industrie, die Dank einem (verschämten oder vielmehr unverschämten Begünstigungssysteiu eine Aus- mahmestellung ans dcni Weltmarkt genießt, einen so bescheidenen Ar- 'beiterschntz incht ertragen zu können behaupten. Der P r o f i t w u t h, die ans dieser Behauptung spricht, steht die Heuchelei würdig zur Seite, die die 30stündige Sonntagsruhe für die Arbeiter nachtheilig erklärt, weil sie durch dieselbe verlockt würden, ihr„sauer verdientes (das stimmt allerdings) Wochengeld zn vergeuden". Die Logik dieser vorbeugenden Erziehungsmethode wäre, die Arbeiter nach vollbrachtem Tagewerk in einen Stall zn pferchen und ihnen das Futter rationen- weise vorzuschütten, was ja mich Vielen dieser Art Arbeiterfrennde als Lösung der sozialen Frage vorschwebt. Wer aber noch nicht ans der Höhe ihrer Sozialwissenschaft angelangt ist, sagt: erst der V er- >g e n d u n g der Arbeits- n n d L e b e n s k r a f t i n d e n F a- b r i k c n ein Riegel vorgeschoben, und dann wollen wir auch die Frage der Vergeudung der Einkommen attfilehmcii. Aber was dem .Einen Recht ist, ist dem Andern billig. Ist es Recht, dafür zu sorgen, daß der Arbeiter sein sauer verdientes Wochengeld nicht vergeudet, so ist es sicher kein Unrecht, auch dafür zu sorgen, daß der Unternehmer feine süß erworbenen Dividenden und Tantiemen nicht verpraßt. Es ist das etwas schwerer, wie das Erstere, aber es ist keineswegs— un- möglich. — Auch„numSglich". Weil wir gerade von den Anmaß» n- .gen der Z u ck c r f a b r i k a n t c u sprechen, so können wir nicht um- (hin, eine Zuschrift abzudrucken, welche die Berliner„Volksztg." neulich unter dem sehr zutreffenden Titel„Wer da hat, dem wird gegeben", veröffentlichte. Die„Magdeburger Ztg.", das Sprachrohr der Zucker- fabritanten, hatte in einem längere» Artikel dargethan, daß die Ab- fchaffnng des jetzigen widersinnigen Systems der Zucker-Materialstener und Ausfuhrprämien absolut im möglich sei.„Keine Regierung", hieß eS da u. A.,„kann auch thatsächlich dieVerantivortung auf sich nehmen, «den kleinen S t c u e r g e w i n n, welcher sich ans deni System der «Rübenbestenernng für den Fabrikanten erzielt, die sogenannte Ausfuhr- Prämie, zn beseitigen." Darauf wird in der„Volksztg." geantwortet: „Dies ist eine vollständige Entstellung der Thatsachen, da der kleine Stenergewinn in Wirklichkeit für die Znckcrfnbrikanten annähernd 2 8 Millionen Mark jährlich beträgt. Nach dem Steuergcsetz vom Juli 1887 sollen z n r E r z e n g n n g von 1 D o p p c l z e n t n e r Z II ck e r 105/8 Doppelzentner R üben erforderlich sein, .denn 10°/« Doppelzenlner Rüben ä 80 Pf. per 100 Kilogramm Rüben- ffteuer rcpräsentiren die Ansfuhrprämie von 8,50 Mk. per 100 Kilo- (graiiilil. Stach diesem Ausbeuteverhältniß hätte somit in der Kampagne 1889/90 die Erzeugung ans den verarbeiteten 93 Millionen Doppcl- .zentnein Rüben zirka 9,25 Millionen Doppelzentner Zucker und nach (Abzug des Inlandsbedarfes von 4,5 Millionen Doppelzentner die Aus- fuhr 4,75 Millionen Doppelzentner betragen müssen. Die Einiiahmen '.des Reiches ans der Nübciistcncr wären dann gewesen: 'Mbenstener auf 98 Mill. Doppelzentner& 80 Pf.— 78,4 Miß. Mk. ,ab: Ausfuhrprämie auf 4,7.5 Willi.onen Doppelzentner Zucker n 8,20 Mk.— 40,4„„ Einiiahuie 38,0 Mill. Mk. Da«jedoch jn der Kampagne 1839/90 die Zuckererzengnng nicht K,25 Millionen Doppelzentner, sondern 12,5 Mill. Doppel- .zentiier betrug, so gelangen zur Ausfuhr nicht 4,75 Mill. Doppel- Aertner, sondern 8 Mill. Doppelzentner. Die Einnahmen des Reichs Ms der Rübenstencr stelleii sich dementsprechend, wie folgt: MWenstener auf 93 Mill. Doppelzen.tu.cr ä 80 Pf.— 78,4 Mill. Mk. .yb: Anssnhrprämie ans «8 Mill. Doppelzenlner Zucker i 8,50 Mk.■,=- 68,0„ Einnahme 10,4 Mill. Mk. Mach der Absicht des Gesetzgebers sollte also das Reim in der lnu- , senden Kampagne an AnSfulirprämieu zahlen 40,4 Millionen Mark, .muß jedoch thatsächlich 68 Millionen Mark entrichten. Die Zucker- fabrikanten, deren angeblicher Rothstand täglich durch die bekannt wer- »enden hohe» Dividenden für 1889/90 recht drastisch illnstrirt wird, .erhielten somit für 1389/90 vom Reiche durch die hohe» Präinicii eine Liebesgabe von 2 7,6 Millionen Mark. Dies verschweigt wohlweislich die„Magd. Ztg.", ebenso die Thalsache, daß die Eiuuahmc der Znckerstcner in Höhe von zirka 60 Millionen Mark in erster Linie durch die Vc.rbraiichsabgabe giif 4,5 Mill.Men Doppelzentner ä 12 Mk. pro 100 Kilogr. gleich 54 Millionen Mark repräsentirt wird. Die „Magd. Ztg." verschweigt ferner, daß jüngst in Frankreich durch die Aeuderung des Zuckersteiiergesetzes(Erhöhrinj der Snrtaxe von 20 Fr. auf 30 Fr.) de» dortigen Znckcrfabrikanten die bisherige Ausfuhr- Prämie uill 18 Millionen Franken gekürzt wurde. Darin wird jedoch die„Magd. Ztg." Recht haben, wenn sie sagt: „Ohnehin steht fest, daß die Znckcrsteuer in den Finanzplänen des Herrn Dr. Miguel keine Stelle einnimmt." Für uns war es längst feststehend, daß jeder zum Minister ernannte Nationalliberale unter einer Reform der Steuern nur das Aufspüren neuer Steuern verstehen konnte. So werden die Spiritus- und Znckcr- barone, diese Edelsten der Nation, nach wie vor mit Behagen und Ruhe die Nelchszuschüssc verzehren können. Wohl bekomm'?!" So die„Volksztg.".* Um den Widersinn des jetzigen Bestenernngs- systeniS in der Ziickerlndnstrie noch anschaulicher zu machen, sei Folgendes hinzugefügt. Wenn 98 Millionen Doppelzentner Rüben in der ab- gelaufeueu„Kampagne" 12,5 Millionen Doppelzentner Zucker ergaben, so beweist das, daß im Durchschnitt heute mir noch 7,84 Doppelzentner Rüben gebraucht werden, um einen Doppelzentner Zucker erzeugen. Auf jedem Doppelzentner Zucker liegen demnach etwa 6, 27' Mark Material- stener. Beim Export dagegen erhält der Fabrikant 8,50 Mk.„zurück- vergütet", d. h. das Reich gibt baare 2,23 Mk. Exportprämie auf den Doppelzentner Znckcr zu, und das Reich sind natürliK die Steuerzahler. Um den Ausfall, der der Reichskasse ans diesem Mißverhältniß erwächst, zn decken, ist für den glücklichen Reichsbnrger eine Extra-Zncker-Verbrauch'ssteuer von 12 Mk. pro Doppelzenlner er- hoben. Er muß seinen Zucker doppelt verstenern, damit der Fabrikant in den Stand gesetzt wird, diesen süßen Artikel auf dem Weltmarkt verschleudern zu kdimen. Das nennt man ans deutsch: Fürsorge für den armen Mann. Keinen Arbeiterschntz, aber Aufrecht- crhaltnng der Lebettsmittelvertheiieriing. Welche„Verantwortung" für eine Regierung, wenn sie sich unterstände, diesen nichtswürdigen Znstand beseitigen zn wollen. Dann würden ja möglicherweise die Dividenden der Zuckerfabriken von 20 auf 10 oder— schrecklich zu sagen— gar nur auf 5 Prozent sinken, die armen Aktionäre müßte» darben, während die Arbeiter ihr Wochengeld an lustigen Sonntagen vergeuden. Rein, das kann keine Regierung dulden. — Die Opfer des Elbcrfelder Monstreprozesses oder viel- niehr der Pinnoff-KamiNhoff-Röllinghoff werde» im«tzefängniß in einer Weise behandelt, die zu bittere» Klagen Anlaß bietet. So wurden z. B. einige derselben, wie die„Elberfclder Fr. Presse" Züngit berichtet, mi t G es a n g e» e n zu sn m m en g c sp c r r t, die wegen S träfst n- Raub 2C. ihre Strafe verbüßen.„Wie in solcher Gesellschaft unser» Freunden zu Mnthe ist", setzt die Presse Hinz»,„kann sich jeder leicht denken". Und weiter berichtet das Organ der Genossen des Wupper- Thaies: „Ein in derselben„Abtheilnng" einguartirter Sozialdemokrat größte während des halbstündigen Spazierganges die in einer andern Abthei- lnng liegenden Freunde, die zu gleicher Zeit spazieren geführt lvnrden, durch Aufhebung der Hand bis an den Hut in niilitärischcr Weise, ohne jedoch irgend ein Wort zu sagen. Sofort war der Ausseher da lind herrschte den Grüßenden in rohem Tone an und drohte sogar mit Schläge». Die nieisten Vernrtheilten hatten bei ihrem Eintritt in das Arresthans vermieden, Geld mit hinein zu nehmen. Dadurch sind sie jetzt in die unangenehme Lage versetzt, ihren resp. Angehörigen nicht einmal einen Brief schreiben zu können; der mit dieser Materie bc- traute Polizei-Jnspektor Barthel verweigert kurzer Hand Papier und Konvert, sowie Feder und Tinte zum Briefschreiben, wenn der nöthige Rickel zur Frankatur nicht vorgelegt werden kann. Die Angehörige» „unserer Gefangenen" lvnrden gern das doppelte und dreifache Porto zahlen, wenn es ihnen vergönnt wäre, ein Lebenszeichen von den Lieben hinter den Kerkermanern zu erhalten, zninal der Besuch selbst den direkien Angehörigen nngemein erschwert und für dieselben höchst peinlich ist. Die ersten vier Wochen wird gar kein Besuch gestattet, dann wird aller- dings die Erlaubniß zum Besuche gnädigst ertheilt, aber in einer Art, welche die Betheiligten, soweit sie davon bisher Gebrauch gemacht haben, ür die Zukunft darauf verzichten läßt. Die Gefangenen werden nämlich ii ein Zimmer geführt, das in der Mitte durch ein starkes«tziitcr ge- trennt ist, und durch dieses Gitter dürfen dann die Angehörigen in Gegenwart von Gefängnißbeamten einige Worte wechseln. Bon einem Händedruck kann dabei keine Rede sein, das Gitter hindert daran und nach wenig Augenblicken der heftigsten Aufregung trennen sich der Mann vom Weib, das Kind vom Bater, oder Bruder vom Bruder. Wahrlich, tu keinem Lande der zivilisirten Welt(Rußland gehört nicht dazu) werde» politisch Aiidersdenkende mit solchem Raffiiiement behandelt." Gewiß, und es ist die Pflicht aller Vertreter der Fordernnge» poli- tischer Freiheit gegen solche unwürdige Verfolgung bis tn's Gefängniß hinein energisch Protest zu erheben. Warnung. Der Maurer C. Reiche in Hamburg, wohnhaft gewesen 2. Vor- setzen 16, Hans 4 I, welcher dort in der letzten Zeit einen Kolpor- t a g e b» ch h a Ii d e l in Arbeiierliteratnr betrieb und ans Grund von ihm verschiedentlich unterschlagener Tellersam ml nn gen, die er in Versammluiigeii zu veranlassen Pflegte, vor einiger Zeit im „Hamburger Echo" als Betrüge r gebrandmarkt wurde, ist vor zirka 14 Tagen in London aiifgelaiicht. Jn unserem Geschäft verlangte er den Redakteur zn sprechen, wurde aber Mangels jeder Legitimation abgewiesen. Im„Komninnistischen Arbeiter-Bildungs-Verein" versuchte er durch flegelhafte Zudringlichkeit zn imponiren, hat aber, infolge ihm gewor- dener Ablehnung, einen weiteren Besuch unterlassen.— Es ist nun möglich, daß er sonstige deutsche Arbeiterkreise hier brandschatzt oder nach Amerika abgedampft ist. Für alle Fälle warnen wir vor diesem betrügerischen S ch>v i ii d l e r. Die befreundete Presse in Amerika und allerwärts wird gutthun, rechtzeitig aus dciiseibc» aiismerksam zn machen. Reiche ist aus Sachsen gebürtig und steht etwa Ende der 20er Jahre. Er ist mittlerer Statur, hat etwas hervorstehende Backen- kuochen, blondes Haar, hellen Schnurrbart. Zuweilen trägt er eine Brille und holt mitunter beim Sprechen gleich einem Brustkranken tief Athem. London, den 20. August 1890. Ei. Bernstein&, Co. Briefkasten der Expedition: P. P. Dijon: 50 Cts. f. Schrftn. erh. und Weiteres lt. Spezialqttg. besorgt. Sdg. am 14/8. abgeg.— ClauS Groth: Avis v. 12/8. erh. Hat denn die Sache dort so lange ge- dauert?— Kuurrhahn: Bstllg. nach Borschrft. vom 7/8. besorgt. Gklißl— Die rothen Sanerländer: Hoffentlich erwacht oem Betref- senden das Gewissen, bevor er öffentlich unschädlich gemacht wird. Näheres am 12/3. hfl. u. Bstllg. vorgem.— Pharao: Bf. v. 9. am 12/3. beantw.— Grvl. London: Sch. 12.— f. Schft. erh.— Aip- pon: Dank f. Nachr. v. 13/3. Wir rechnen ans Sie und berichten Näheres, sobald ans En. erwartete Bescheide hier sind. Gruß!— Lorley: Nehmen Stotiz v. d. am 12/8. Avisirten und haben nach Wunsch Weiteres bfl. berichtet. Ausstehendes muß stündlich eintreffen.— T. v. M.: M. 60.— a Cto. Ab. k. erh. u. Bstllg. vorgem. Sdg. u. Nota baldmöglichst.— Rthe. Vchme: Avis am 15/8. pr. Zwischen- Hand erh. Ggr. u. zugesagte Rate erwartet. Gruß!— A. H. London: Sch. 5..- f. Schft. erh.— M. M.: M. 50.— a Cto. Ab.:c. erh. n. Bstllg. no irt.— A. Grt. Old-Charlto»: Sch. 3.— f. Scyft. erh. — I. I.: Sch. 29.03 f. Schft. erh.— I. G. Rf.: öw. fl. 2.— pr. Ab. 3. Qu. erh.— Nttlw. Ld».: Seh. 9 8'/- f. Schft. n. diu. Szd. crh.— Armer Konrad: M. 25.— a Cto. Ab.?c. erh.— Spreeqnell: M. 35.90 a Cto. Ab. 2C. crh. it. Bstllg. zur baldinöglichsten Lfrg. vor- gemerkt. Adr. geordnet.— Fliegeuder: M. 42.75 Ab. O. it. Bdlk. i,'8 Ende 3. Qu. 90 erh.— Muth und Kraft: M. 50.— a Cto. Ab. jc. erh. Mk. 13.35 u. M. 12.75 pr. Ggr. gutgebr. Bfl. Weiteres.— Nthr. Geldsack: Avis v. 16/3. hier. Gruß!— Mann V.Volke: Warum geben Sie die betreffenden Nummern nicht an? Wie soll man denn da reklamiren? W. ist im Schritt.— Fox: Brief war ganz in Ord- nung. Uebrigens ganz wie Sie wollen. Fehlendes haben reklamirt n. vom Weiteren dkd. Notiz genommen.— Rubikon: Avis u. Bf. V. 13. u. 15. am 18/8. beantw.— Rthr. Eerberus: Avis v. 12/8. erh. Gruß!— Rosa: Nachr. n. Refrz. zc. v. 12. n. 14/8.erh. n. Adr. sof. verwendet,-fbdr. hier. Brf. V. 18. erleb, d. nnsrigen v. 19. F. scheint sich in eine„schöne Leiche" anszngranlen. Gruß u. brfl. mehr.— Phönix: Wahrscheinl. hängts in Zwischenhand und wird eingerenkt, wie alles Weitere. Nicht zu vergessen, daß Aufträge und Wege sehr komplizirt sind. Avisirtes erwartend bfl. Näheres.— C. Sch. H.: M. 5.60 Ab.-Rest pr. 2. Qu. erh.— Gscheidle: Soweit nicht ver- griffen, ist Dschst. besorgt. Adr. zc. vorgemerkt. Werden für größte Genauigkeit und Deutlichkeit in Zwischenhand sorgen.— Schippe: Geldavis v. 17/8. hier, sowie Adr. u. Bstllg. aä notarn genommen. — O. P. Chicago: Wir kennen keinen Franz, sondern nur den Ver- räthcr John Neve's, Joseph Peukert, der allerdings gegenwärtig „Aufträge" in Amerika hat. Hier das gewünschte Signalement: Größe ca. 1,75 M.; Haare dunkelbraun, schlicht zurücktretend; hohe Stirne; Gesichtsfarbe erdfahl. Trägt dunklen Schnurrbart, und zeitweilig spär- lich kurzen Vollbart, je nach Erforderniß der Maske. Augen dunkel, Blick unstät, Kopf mit hervorstechenden Backenknochen vornübergebeugt. Sprache im Gurgelton mit scharfem„R." Habichtnase, langer Hals, dunkle buschige Angenbranen. Gauiierphysiognomie. Alter ca. 34 Jahre, sieht aber älter ans. Spricht wienerischen Dialekt und sucht beim Sprechen aufs Gemüth zu wirken. Geben Sie Nachricht über Ihre „Studien"!— Monchard Zürich: Und wo man von dem Einen spricht, vergeßt den„verläunidrischen Schurken" nicht! Denn,— zetert um's Gläschen„der Dicke" im Pot, treibt zum Klosette„den Langen" die„Roth";— zweierlei Wesen und einerlei Dreck, zweierlei Trink- geld und— einerlei Zweck.— Falken: Gewünschtes folgt lt. Vorlage vom 13/8. 75 Cts. haben Sie noch gut. Gruß. Für die gematzregelten Streiker in Hamburg sind Nils zur ll c b e r III i t t l II II g ferner zugegangen: Ouittirt in Nr. 33....... Mk. 1604.45 Von P. Pixa und Gen. in Dijon Fr. 10.—..„ 8.— Mk. 1612.45 ürirtSrtt« Kommnniftischcr Arbcitcr-Bilduugs-Verei« 49 Tottcnhani Street. Samstag den 23. August, Punkt Abends 9 Uhr, Vortrag von Brgr. Baethke über Die Zivilisation des 19. Jahrhunderts. Samstag den 30. August Außerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Das Komite. Der seinerzeit durch Gerichtsentscheid wegen Beleidigung des Chem- nitzer Kommerziellraths Vogel verbotene Roman des jüngst verstorbenen Schriftstellers Dr. Max Vogler: Der Herr kommeniellrath. Eine moderne Geschichte von Max Vogler ist durch uns zu herabgesetztem Preise von Mk. i.—, portofrei Mk. l. 20, noch zu bezichen. Früherer Berkaufspreis: Mk. 3.—. Dieser Roman zählt entschieden zu den besten sogen, sozialen Ro- mancn der jüngeren Schriftsteller lind ist auch seiner äußeren Ausstat- tung nach durchaus cmpfchlenswerth. Daß er voll aus dem Leben geschöpft, dafür ist das Urtheil der Chemnitzer Klaffenjnstiz der beste Beweis. Wir empfehlen iniscreil Genossen Der Arbeiterschuh besonders die internationale Arbeiterschutzgcsetzgebung und der Achtstundentag. Von Karl Kautöky. Preis: 30 Psg. Diese, bereits in zweiter Auflage erschienene Broschüre ist unter den anläßlich der Pariser Kongreßbeschlüsse und der Maifeier über dieses Thema erschienenen Schriften unzweifelhaft die gründlichste und zur Charakterisiriing der im deutschen Reiche jetzt betriebenen sogenamiteil „Sozialreform" unerläßlich. Bei dem raschen Absatz der ersten Auflage war es uns bisher im- möglich, unsere ausländischen Besteller zu bedienen; die Versendung der zweiten Auflage hat bereits begonnen, und sehen wir weiteren zahlreichen Bestelliiiigen entgegen. Unseren Genossen und Freunden zur weiteste» Verbreitung bestens empfohlen Sozialdemokratische Bibliothek Heft XXXI. Die Entwicklung des Eigenthnms. Von P. Lafargue. Preis: 40 Pfg._ 60 Cts. Sozialdemokratische Bibliothek Heft XXXII. � Der Zeitgeist. Eine Skizze von E. K. Preis 20 Pf.— 25 CtS. * ** Sozialdemokratische Bibliothek Heft XXXIII. IDllS Kommunistische Uanisest. Vierte antorisirte deutsche Ausgabe. Mit einem Vorwort von Fr. EngelS. Preis: 20 Pfg.= 26 CtS. Porto pr. Einzel-Exemplar 5 Psg. .** Im Verlag von G. Mnehler in CIncInnati(Ohio, N.-A.) Walnnt- Street Nro. 490, ist neuerdings erschiene»! Am Webstuhl' öer Zeit. Ei» soiialpolitischer Roman in S Länden von N. Otto-Walfter. Preis! C o m p l e t t(in 20 Heften) b r o s ch ü r t Mk. 4.— ffftnfu. desgl. hübsch gebunden„ 6.—„ Lieferung»nr gegen B a a r o o r a n s z ah I n n g._ frluMil lor ü.« 17 tdv Uernia« Ca»|ic.i»Ui< f tilduUlif 0«. Kuiui.b Tovil Uu«J IU Londun KW.