, Ii,., i 34. Jahrgang. ♦ Nr. S Seilage zum„vorwärts" Berliner Volksblatt Serlin, 25.§ebruar 1417 Gut und tapfer Gul ist der ZNensch und tapfer. Das ist Ver- wilderung. Roheit und Angst? Immer wieder ist Heldentum da, Licht im Schatten des Todes. Wie sie ausharren, schlicht, sachlich, ohne An- spruch. Schneider. Schuster, Arbeiter, einfache Menschen, Rervenmeaschen. Heldenhast ist ihre* Sachlichkeit, ihr Tragen des Grauenhafte», das sie nur zu gut kennen, da» sie dastehen lasten, ohne es durch Bezüge zu verschönen, so wie es ist. und er- tragens. And du Güte, immer wieder hervorbrechend. immer wieder hervorleuchtend: nie zu verschüttende, immer auferstehende. Großes Gefühl der Menschlichkeit, immer wieder da auch gegenüber den Jeinden der Stunde. Tod und Wunden ersticken den Bruderkrieg. Sameraden, Bfiichtgetreue. Menschen. Brüder wir olle, ohne Aeberschwang. einfach, tatsächlich. Wir alle Söhne. wir olle Väter, wir alle Gatten. Eine Heimat haben wir: die Welt. Einen Aeind: die tödliche Ratur. Auf zum einigen Kampf. Geister schwingen voran. Tapser ist der Mensch und gut. Kurt G e r l a ch. Stein-Haröenbergische Reform. * Bon HanS L e u ß. Tas�ute Verhältnis zwischen dem König von Preußen und seinem Adel, das Friedrich der Große durch neue Adels- Vorrechte und Herstellung alter geschaffen hatte, ging übel in die Brüche, als der Staat und das System des Königs in den napoleonischen Kriegen zusammenbrachen und geradezu vernichtet zu sein schienen. Alle Bemühungen die Rolle des Adels in diesem Zusammenbruch zu verschleiern, sind vergeb« liche Rettungsversuche. Das Privilegium an den Offizier- stellen, das Friedrich II. seinem Adel verliehen hatte, wirkte wie Privilegien immer wirken: es züchtete Anmaßung und trägen Uebermut. Alle Kommandanten übergaben auf die erste Drohung deS Bombardements ihre Festungen schimpflich dem Feinde. Die Not war eine harte Lehrmeifterin. Die militärischen „Jakobiner"— Scharnhorst, Gneisenau, Boyen— schufen ein Balksheer an Stelle des friderizianischen aus geworbenem Ge- sinde! unter dem Kommando des Adels. Die Zivilvcrwaltung — Stein, Hardenberg— gingen den wirtschaftlichen, staatS- reckttlichen Adelsprivilegien zu Leibe, um den Staat auf die Grundlage der Bolkskraft zu stellen. Das Beispiel Frank- reichS hatte allzu deutlich gezeigt, wie unwiderstehlich eine Nation mit wirklich nationalem Willen ist. wie elementar die Naturgewalt eines freien Volkes, daS sein Land und seinen Staat Endlich wirklich als„sein" anzuerkennen vermag und deshalb für beide eintritt wie die Löwin für ihr Junges! Diese Bolkskraft auch in Preußen in Bewegung' zu bringen,— was für ein anderes Mittel dazu hätte es geben können als eine Umwälzung des Staatsrechts? Die fran- zösische Revolution hatte sowohl den Absolutismus wie die Feudalität vom Throne gestoßen, den Bürger und Bauern sowohl von der Willkür der Aemtcr wie von der Gewalt der Gutsherren befreit. Irgend etwas mußte in Preußen ge- fchehen. das wenigstens ähnlich wirkte. Dem Könige dienten zwei Männer vom Adel, die mit den preußischen Vasallen nicht versippt waren: der nassauische. in Westfalen zum Staatsverwalter praktisch gereifte Reichs- freiherr vom Stein und der hannoversche Freiherr von Haiden- verg. Einander so ungleich wie nur möglich.— ebenso von Natur aus wie in ihren erworbenen Ansichten von der Welt. ja selbst vom Staate; geborene und erzogene, gewordene Gegenpole,— waren diese beiden Männer doch in einem, im entscheidenden Punkte einig: der Notwendigkeit, die preußische Bolkskraft zu befreien, zu entfesseln. Mit ihnen dem gleichen Ziele zustrebten die militärischen Berater� des KönigS: der größte, der hannoversche Bauernsohn Scharnhorst: dann Gneisenau. wohl vom Adel, aber in dürftigen und selbst dunklen Umständen geboren, in Süddeutschland erzogen: ihre Gehilfen Grolman, Clauscwitz und Boyen, alle drei durch- drungen von den militärischen und politischen Fordenmgen der Zeit und entschlossen, diese Forderungen durchzusetzen. So war der König in der Not wie durch einen seltenen Zufall von Männern umgeben, die das Gebot der Stunde mit Begeisterung erfaßt hatten und es zu vollstrecken wagten. obwohl ihnen der Widerstand des preußischen Adels sicher war. Dessen ganz überragende Stellung im Staate Friedrichs des Großen hatte in des Staates, zugleich des Adels eigenem Zusammenbruch zwar gelitten, aber sowohl Hardenberg wie Scharnhorst. Gneisenau und Boyen sollten bald erfahren. welch' eine Kraft des Widerstandes noch in den preußischen Vasallen steckte, wie leicht diesen und ihrem Vorteil die all- gemeinen Interessen der Nation noch immer wogen, wenn cS um ihre eigenen Vorrechte ging! Diesen wurde allerdings mit Ernst zu Leibe gerückt, Sogar die Selbstverwaltung für die Städte, von der sie doch nichr selbst betroffen wurden, erregte die Eisersucht. daS Miß. trauen der Vasallen der Krone. Als aber der Partikularis- mus der Landschaften der StaatSeinheit geopfert werden sollte, da fing der alte Eigensinn schon zu sieden an:— Preußen sei eigentlich ein Föderativstaat, die Stände von Storkow-Beeskow-Lcbus seien unantastbar. Vollends aus Rand und Band gerieten die Vasallen, als es an ihre aller- nächsten, intimsten Rechte ging, als ihre staatsrechtliche Stellung auf dem> Lande angetastet.. die Gemeinden von der Gutsobrigkeit befreit wurden, da stieg der Groll zur Rebellioy. ?lls endlich auch noch die Bauern befreit und Eigentümer des Bodens wurden, den sie beackerten, da sahen die Vasallen die Welt untergehen und verfielen in einen der Raserei verwand- tcn Zustand. Die kurmärkischen Lasallen, voran ihr Wortführer v. d. Marwitz, führten eine drohende Sprache gegen den „Ausländer" Stein, den Jakobiner; solch' einer war den Ent- rüsteten auch Gneisenau mit seinen Ideen von einer Volks- wehr, bei der auch noch mit dem Adelsvorrccht auf die Offizier- stellen aufgeräumt werden sollte. Tie Dohna. Auerswald. Finckenstein, die ostpreußischen Vasallen bedrängten den König um Schutz ihrer Rechte, wenigstens der Freiheit vom Kriegsdienste und dem des Gutsrichtcrrcchts i'Patri- moniälgcrichte). Tie pommerfchen Vasallen protestierten feierlich gegen alle Reformen, die knrmärkischen stürmisch und ungcberdig. so daß Marwitz, der Polterer, und Finckenstein nach Spandau auf die Festung gebracht wurden. Schien eS so. daß die Vasallen bei diesem harten Zusammenstoß mit dem Könige und seinen als eine neue Macht- stelle im Staate auftretenden Munstern mehr eingebüßt hätten, als bei den drei früheren, so zeigte es sich bald, daß es auch diesmal anders kam. als es schien. Zwar die Bauern sklavrrei konnte nicht lvieder eingeführt werden. Aber nicht olle Blütcnplänc der'„ausländischen" Reformminister waren gereist. Die Vasallen behaupteten ihr Grundstcnerprivileg bis lAii. dann wurden sie für die Aufhebung dieses Vor rechts in bar entschädigt. Die Volksvertretung, die Stein und Hardenberg durchsetzen wollten, endete als Fehlgeburt im Keim, weil die Minister den rabiaten Widerstand der Vasallen gegen die anderen Reformen scheuten und sich sagten daß der Landtag dem Adel ein Instrument jenes Widerstandes werden würde. Bei der Bauernbefreiung mußten die Bauern einen erheblichen Teil des beackerten Landes zur Entschädigung an die Gutsherren abtreten, deren Güter nun erst die ab- gerundete Größe von heute gewannen. Als die Kriegsnot vorüber war, kamen zu vielen noch immer behaupteten Lorrechten den Vasallen tat sächlich auch solche zurück, die rechtlich eingebüßt waren. Das Offizierprivileg. das Vorrecht in der Diplomatie und Bureaukratie. Die ständischen und Standes rqchte, die Gewalt auf dem Lande entwuchsen wieder in anderer Gewandung dem Boden der neuen Zustände. Die Revolution— 1848— brachte einigen Aufruhr auch in diese Verhältckiss� aber die Reaktion, bei der König, Vasallen, Bureaukratlc und Armee einig waren, stellte das Alte wieder her. Zu anderen Gründen für ihre Vorrechte im Staate er- warben die preußischen Vasallen nun zun: ersten Male den Anspruch„zuverlässiger Stützen des ThroneS". zu sein, dem sie 430 Jähre die ärgsten Widersacher gewesen waren. Die ver- kündeten vier Mächte im.Staatc wollten es nicht sehen, daß die Krone die Katastrophe von 1848 der Begünstigung der Vasallen zu danken hatte, denen der alte Vorrang im Staate wieder eingeräumt war. Beratungsstellen für Geschlechtskranke. Von Professor A. Plaschko. Wenn in der neueren Zeit die Aufmerksamkeit der' Oeffentlichkcir, sich in erhöhtem Maße den Geschlechtskrank- Heiken zuteendet und Gesetzgeber, A o r z t e und Krankenkassen jetzt einen systematischen Feldjpig gegen sie in Szene setzen, so ist das leider nur zu berechtigt. Denn die beiden wichtigsten dieser Krankheiten, die Syphilis und die Gonorrhoe sind nicht nnr oft langwierige Leiden, die für den Erkrankten selbst imd sein ganzes zukünftiges Leben verhängnisvoll werden können, sie führen auch häufig genug zu Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane und bewirken dadurch Unfruchtbarkeit beide? Geschlechter: die Syphilis ihrer- seits beeinträchtigt in hohem Maße die Lebensfähigkeit des Nachwuchses, sie erzeugt Früh- und Totgeburten, sowie die Geburt minderwertiger Nachkommen. Die Einbuße an Menschcnmaterial. die die Nation alljährlich auf diese Weise erleidet, beläuft sich auf mehrere Hunderttausende. Und diese Einbuße wird voraussichtlich noch größer werden, da nach dem Kriege einmal mit einer Zunahme der gewollten Geburten- einschrfinkung zu rechnen ist, andererseits infolge des Krieges— den: ja ohnehin viele Hunderttausende von Männern in der Blüte ihrer Jahre zum Opfer gefallen sind die Geschlechtskrankheiten sich vermehrt und diesmal auch in hohem Maße die Verheirateten und die bisher von den Geschlechtskrankheiten wenig verseuchte Landbevölkerung betroffen haben. Schon diese beiden Tatsachen sind von so eminenter Bedeutung für die Zukunft der Nation, daß sie die um- fassenden Maßnahmen rechtfertigen, welche von festen der Militär- und Zivilbehördcn gegen diese Gefahr getroffen wurden. Diesen energischen Maßnahmen haben wir es auch zu danken, wenn bei uns. nach allem, was bisher verlautet, die Zunahme der Geschlechtskrankheiten sich in mäßigen Grenzen gehalten hat. Daß in allen kriegführenden Nationen die jahrelange Trennung von Millionen erwachsener und zum großen Teil verheirateter'Männer und Frauen große Mißstände auf sexuellem Gebiet mit sich führt, ist eine unvermeidliche Begleir- erscheinung jedes Krieges. Aber die Erfahrung früherer Kriege hat auch gelehrt, daß die Hauptgefahr erst mit Beendigung des Krieges naht, wenn die Millionen, die jetzt das Schwert an den feindlichen Wällen führen, in die Heimat zurückkehren und der durch die lange Tauer des Krieges eingedämmte Lebenswille und die durch Not und Sorge unterdrückte Lebens- freude wieder hervorbrechen. Es ist vorauszusehen, daß die Entspannung dann gerade sich auf sexuellem Gebiet austoben wird, und deshalb ist es notwendig, hier einen Hebel anzu- zusetzen und der drohenden Verseuchung der Volksgesundheit nach Möglichkeit vorzubeugen. Schon im Herbst 1915 haben im Reichsversicherungsamt eine Reihe von Verhandlungen stattgefunden, um der Geiahr einer Zunahme ber Geschlechtskrankheiten, welche durch den Krieg hervorgerufen würde, zu begegnen. Die Notwendigkeit einer Ueberivachung geschlechtskranker Kriegsteilnehmer auch nach ihrer Entlassung aus dem Militär- Verhältnis ist allgemein anerkannt worden. Mit den reichen Mitteln der Landesversicherungsan st allen. die sich schon wiederholt als die geeigneten Vorkämpfer der öffentlichen Hygiene erwiesen haben, soll eine systematische Nachuntersuchung und Ueberwachung womöglich aller während des Krieges an venerischen Krankheiten Erkrankten und Be handelten ermöglicht werden, wobei in erster Linie natürlich an die bei diesen Versicherungsansialten Versicherten und deren Angehörige gedacht ist. Zum Zwecke dieser Ueberwachung werden von den Versicherungsanstalten besondere B e- r a t u n g S st e l l e n eingerichtet, denen von der Militärver- waltung' die einer solchen Ueberivachung bedürftigen Kranken gemeldet werden sollen. Stellt sich bei der Untersuchung eine Behandlungsbcdürftigkeit heraus, so wird der gegen Krank- heit Versicherte seiner Krankenkasse überwiesen, nur bei Nicht- versicherten übeniimmt die Versicherungsanstalt die BeHand- lunq. Die Beratungsstelle selbst übernimmt die Behandlung nicht. Die Heeresverwaltung erklärte sich zunächst bereit, den Landesversicheruugsanstalten diejenigen der versicherungspflich- tigen Bevölkerung angehörenden Knegstestnehmcr zu nennen. die während ihrer Dienstzeit geschlechtskrank befunden wäre», damit nach ihrer Entlassung eine geeignete ärztliche Kantrolle ausgeübt werden kann, freilich mtzt der Einschränkung, daß die Erkrankten die Erlaubnis zur Weitermeldung an ine L andeSversicherungSanstalten geben muffen. Durch diese Ab- hängigmachung der Meldung von dem Einverständnis der Kranken fit nun eine restlose Erfassung aller Fälle durch die Beratungsstelle verhindert und die vom Reichstag eingesetzte Rcichstagskommission für Bevölkerungs- Politik hat. nachdem zuvor schon die D c u t s ch e Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten in einer Eingabe an den Reichs- kanzlcr die Aufhebung dieser Bedingung forderte, in einem Antrag dazu Stellung genommen, in dem sie den Herrn Reichskanzler ersuchte,„unbeschadet einer all- gemetnen Aenderung und Ergänzung des§ 300 des R.-Str.- G.-B. Vorsorge dasür zu treffen, daß eine Mitteilung an zur öffentlichen Fürsorge berufene Behörden, wenn das Schweigen im allgemeinen StaatSinteresse, etwa zur Verhütung der sonst drohenden Verbreitung von ansteckenden Krankheiten ge- Krochen wird, nicht als unbefugt für Behörden und für be handelnde Aerzte erachtet werden kann". Es steht zu hoffen, daß der Reichstag sich diesem Antrag anschließen wird, so daß dadurch auch die Bedenken vieler Aerzte. die sich jetzt ans Furcht, gegen die durch den K 300 gewährleistete Schweige- Pflicht zu verstoßen, zu einer Meldung ihrer Kranken an die Beratungsstelle nicht verstehen können, endgültig de- scitigt werden. Denn es ist von vornherein in Aussicht ge nommen. sich nicht damit zu begnügen, die von der Mtlitärverwaltung gemeldeten, aus dem Kriege heimkehrenden Venerischen dieser Dauerfürsorge zu unterziehen, sondern in derselben Weise, wie das schon in den letzten Jahren in Hain bürg geschehen ist. die ganze Einrichtung auch für Friedens Verhältnisse zu einer dauernden zu gestalten. Wenn daL ge- lingt. ivcrden natürlich die Beratungsstellen sich allmählich zu dauernden Zentralstellen für die ganze zukünftige Gestaltung der Geschlechtsrrankcnbehandlung entwickeln. Die Beratungsstellen sollen dann in verschiedenen Punkten den behandelnden prakti- scheu Arzt unterstützen und mit ihm Hand in Hand arbeiten. Der Geschlechtskranke, der heute ohnehin schon durch die Presse, durch belehrende Borträge usw. viel mebr Kenntnis von der Bedeutung seiner Krankheit hat als früher, bedari besonders psychischer Beeinflussung von feiten des Arztes, damit er keine übertriebenen Befürchtungen über seine Krankheit hegt. andererseits sich aber auch der Tragweite seines Leidens bewußt ist. Auch der Beratungsstelle fällt ein Teil dieser Belehrungen zu: durch Merkblätter, gedruckte Ausklärungen, vor allem aber mündliche Hinweise muffen die Kranken von der Zivi- wendigkeit einer wiederholten Behandlung überzeugt werden. Inzwischen hat man sich,'teils aus eigenem Antriebe, teils den vorhandenen Direktiven folgend, in zahlreichen Städten des Reiches mit der Vorbereitung für die Gründung gleicher Einrichtungen beschäftigt: in 98 Städten sind die Be- ratungsstellcn für Geschlechtskranke bereits im Gange, in weiteren hundert Orten sind sie geplant, so daß Deutschland binnen kurzem mit einen: Netz von Beratungsstellen durchzogen sein wird. Meist find sie in den Gebäuden der Ortskranken- kasson, der Universitätskliniken und Landesversicherungsanstalten untergebracht, um eine direkte Beratung zu gewährleisten: auch die Aufforderung selbst geschieht nur brieflich und ist so gehalten, daß«in Unbeteiligter den Text mit einer Geschlechts krankheit nicht in Zusammi.'nhailg bringen kann. Ta mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß viele Kranke, um der Meldung ihrer Krankheit an die Beratungsstelle zu ent- gehen, zu Kurpfuschern laufen, so muß zunächst der Kur- Pfuscherei auf diesem Gebiet gesetzlich entgegengetreten iverden. In cin?r im Oktober v. I. im Reichsversicherungsamt stattgefundenen Konferenz der Bersichcrungsanstalten ist von den Versammelten eine Entschließung gefaßt und der Reichstags- kommission für Bevölkerungspolitik weitergegeben worden, in der u. a. durch Gesetz„jedes Behandeln von Geschlechtskrank- heiten, unbekümmert um ihren körperlichen Sitz, durch ärztlich nicht approbierte Personen verboten werden soll, ebenso wie das Abgeben von Heilmitteln gegen Geschlechtskrankheiten durch Apotheken, Drogisten und andere Verkaufsstellen ohne ärztliche Verordnung sowie grundsätzlich jede Fcrnbehandlung von Geschlechtskranken und jedes öffentliche Anerbieten zur Behandlung von solchen Kranken". Auch das Preußische Ministerimn des Innern hat die. Mcdizinalabtcilung beauftragt, erneut die Frage der Be- kämpfung der Geschlechtkrankhciten zu prüfen. Zeitungs- Nachrichten zufolge wird dabei auch von der Medizinalabtestung deabstchtigt in Verbindung mit den Gemeinden Beratung»- stellen einzurichten. Erwähnt zu werden verdienen auch die Maßnahmen, die die Allgemeine Ortskrankcnkasse der Stadt Dresden getroffen hat. Um die bei den Geschlechtskrankeiten besonders ge- forderte Geheimhaltung zu fördern, dürfen die Mitglieder der Krankenkasse fortan sich unmittelbar beim Arzt melden, der verpflichtet ist, sie zu behandeln, sobald er sich überzeugt hat, daß die Betreffenden Mitglieder der Kasse sind. Der Aus- stellung eines Krankenscheins bedarf eß also bei diesem Verfahren nicht. Die Landesversicherungsanstalt Westfalen hat niit den Krankenkassen ein Abkommen getroffen, wonach auch die Be- Handlung der von der Beratungsstelle krank Befundenen gegen einen von den Kassen zu leistenden Zuschuß von der Landesversicherungsanstalt übernommen wird. Das gleiche hatte die Landesversicherungsanstalt Berlin geplant, und es war beabsichtigt, daß die Kranken dann direkt von der Be- ratungsstclle dem Kassenarzt zur Behandlung überwiesen werden sollen, doch hat sich die Landesversicherungsanstalt Berlin bisher noch nicht mit den Bcrlingx Aerzten über die Höhe des Honorars einigen können, so daß es noch fraglich erscheint, ob die hier geplante Einrichtung ins Leben treten wird. Räch alledem dürfen wir Wohl hoffen, daß das Ziel, eine starke Zunahme der Geschlechtskrankhestcn nach dem Kriege zu verhüten und den Nachwuchs der Natiön zu sichern. erreicht werden wird. Es ist ja scheinbar eine Art von Klasscnhygiene, daß die ganzen Maßnahmen der Beratung»- stellen sich im wesentlichen auf die Versicherten erstrecken, daß hingegen den Lessersituierten diese Fürsorge nicht u- gemutet— oder sagen wir gewährt wird. Schon dieses„oder" zeigt, daß es ganz darauf ankommt, ob man mehr Gewicht ans die großen Vorteile legt, die die neue Ein- richtung bringt, oder auf die Kontrolle, der hierbei der einzelne untersteht. Wer die Dinge von weitem Gesichtspunkte aus betrachtet, sieht leicht, daß— wenn vielleicht diese Kontrolle von dem einzelnen hier und da auch als lästig empfunden werden mag— der Gesamtheit der Versicherten ein großer Hegen damit erwächst. Der Einwand der Klassenhhgiene ist .|h von kurzsichtigen Leuten seinerzeit auch bei der Einrichtung Der Kranken- und Invalidenversicherung gemacht worden nun, die Jahre haben der anderen Auffassung recht gegeben; heute würde wohl kein Arbeiter mehr auf diese Einrichtung verzichten. Die Dinge liegen eben hier ganz wie bei der politischen Partei und den Gewerkschaften: im Interesse der Gesamtheit und schließlich im wohlverstandenen eigenen Interesse unterwirft sich der einzelne einem manchmal etwas unbequemen Zwang. Hier bei den Beratungsstellen kommt nun sogar hinzu, daß von jedwedem Zwang abgesehen werden und nur eine sanfte Ermahnung und eventuell wiederholte Aufforderung stattgreifen soll und daß nur an die Vernunft des Erkrankten appelliert wird. Gewiß tvird es viele Ilnvcr- nünfiigs geben, die auf eine bloße Ermahnung hin einer Aufforderung nicht Folge leisten; aber um die Masse nicht ab- zuichrecken, wird man von jeder Strafandrohung Abstand nehmen und sehen, ob man nicht aus diesem milderen Wege bessere Erfolge erzielt._ Goethe, Charlotte von Stein uns Christiane vulpius Bon Engelbert P e r n e r st o r f e r(Wien). l. Am 7. November 1775 kam Goethe in Weimar an. Schon im April des feigenden Jahre» richtet er an Charlotte von Stein die inhaltsvollen Verse: Kanntest jeden Zug in meinem Wesen, Spähtest, wie die reinste Nerve klingt, Konntest mich mit einem Blicke lesen, Den so schwer ein sterblich Aug' durchdringt. Tropftest Mäßigung dem heißen Blute, Richtetest den wilden, irren Lauf, lind in deinen Engelsarmen ruhte Die zerstörte Brust sich wieder auf. So rasch hatte sich seine Neigung zu CTHarlotte don Stein entwickelt, die bald zu stürmischer, sein ganzes Wesen erfüllender Leiden- schaft wurde. Dafür liefern vor allem die vielen Briefe von ihm an sie 1:in unwiderlegliches Zeugnis. Man hat viel darüber spekuliert. ob da? Verhältnis mit der älteren, verheirateten Frau, die schon mehrmals Mutter geworden war, in den vielen Jahren seines Bestandes ein rein platonisches geblieben fei. In letzter Zeit wurde von der bekannten Romansckriflftellerin Ida Boy-Ed in einer kleinen, aber sehr eindinglichen und vielfach überzeugenden Schrift') der Versuch unternommen, Klarheit in die Frage zu bringen. Jeder solcke Vcrsucki kann sich nur auf psyckiologiscke Auseinander- sctzungen gründen. Eine Gewißheit kann nicht erreicht werden. Aus Goethes Briefen an Charlotte läßt sich kein zwingender Schluß ziehen, ihre Briefe an Goethe sind nach ihrem Willen vernichtet worden. Die allgemeine Meinung ging überwiegend dahin, daß das Liebesverhältnis der beiden des Letzten ermangelte, und ich habe immer den Eindruck gehabl, daß Goethes Flucht nach Italien auch eine Flucht aus einem nervenzerrüttenden Liebesverhältnis war, dem die Erfüllung versagt blieb. Goethes Sinnenleben war gesund und stark. Es drängte nach dem körperlichen Besitz der Heißgeliebten, lind io wurde ihm, was sein höchstes Glück war, auch seine größie Qual. Jeder normale Mann wird den Zustand Goethes in dieiem Ver- bältnis begreifen und dcrstchcn, daß er endlich die Flucht xrgriff. Nach 1784 hatte er an Charlotte folgende Verse gerichtet: Gewiß ich wäre schon io ferne, ferne, Soweit die Welt nur offen liegt, gegangen, Bezwängen mich nicht übermächl'ge Sterne, Die mein Geschick an deines angehangen. Daß ich in dir nun.erst mich kennen lerne, Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen, Llllhin nach dir und deinem Wesen drängt, Mein Leben nur an deinem Leben hängt. Albert Bielichowsly, dem wir wohl die best« Biographie Geethes verdanken�), schildert die verzweifele Stimmung, in der Goethe sich im Jahre 1785 befand. In diesem Jahre kam der Mann Charlottens, der sich gewöhnlich fern von Weimar befand, auf längere Dauer in die Familie zurück, wodurch der iägliche vertrauliche Verkehr zwischen den Liebenden gehemmt wurde. Dadurch sei Goethe, wie BielschowSky meinte, io recht zum Bewußtsein gekommen, daß ihr Verhältnis unhaltbar fei und fügt hinzu:„Er mochte es nun nehmen und stellen und legen, wie er wollte, der Gedanke, die Gc- liebte nicht zu besitzen, rieb und zehrte ihn auf." Obwohl BielichowSky noch andere, sehr bemerkenswert: Um- stände, die Goethe zur Flucht drängten, anführt, zeigen doch dre'e Worte, daß er-daS� Verhältnis Goethes zu Charlotte, nne idj glaube, richtig einickiätzte. daß er insbesondere großes Gewicht darauf legte, daß diese» Verhältnis Goethe? Sinnlichkeit nicht be- ffredigte, daß also gewiffermaßen Charlotte die Schuld oder wenigstens die Mitschuld an Goeihes Verdüstcrung und Flucht trägt. Dagegen nun wendet sich Ida Boy-Ed mit großem Scharfsinn. Sie bat schon früher durch einen literargeschichtlichcn Versuch be- wieseisiv. daß sie zu solchen Arbeiten eine große Befähigung hat. Mau weiß, daß Charlotte von Stein durch Goethes Flucht im ') ,DaS Martyrium der Charlotte von Stein". Versuch ihrer Rechiferliguug. Stuttgart. Cotta. 1916. 100 Seiten. �„Goethe,>ein Leben und seine Werke." München, C. H. Beck. 2 Bände. 3)„Charlotte von Kalb." Eine psychologiiche Studie. Jena. DiedertchS. 1912. 128 S. Ein wirtlich schönes Buch.�daS das Leben und Wesen dieser leidenschasilichen'Frau, die auch Schiller so nahe gestanden ist, lebendig darsielli. Das Äeö.' Von C u r t M o r e ck. Sein Bett stand dem Fenster gerade gegenüber, so daß er hätte sehen müssen, wie die Wälder auf den Bergen rot und gelb in den Herbst vertropften, wenn er erlvachte. Aber er gehörte nicht mehr zu denen, die noch erwachten, und so sah er. auch nichts vom Herbst. Er beteiligte sich nichts mehr an dem einförmigen Tun der Lebendigen, die in den Schlaf ein- und auftauchen wie der Eimer eines Ziehbrunnens. Er lag mit dumpfem Hirn und schwerem Blut und wußte vou� nichts, nichts vom Herbst vor dent Fenster, nichts von der Schlacht, die den fernen Horizont zerriß, nichts von sich selbst und sei- nem zerfetzten Körper. Wie aus den Tatzen eines wilden Tieres gerissen, kam er in unsere Hände. �Wir legten ihn gleich zu den Hoffnungslosen in das kleine Seitmgelaß, das wie ein Vorzimmer des Todes war. Vier Betten klebten wie Nester in den Winkeln. Nun rag in jedem ein sterbender Mann. Tie Betten wurden wochenlang nicht leer; der Tod hatte ein gut gefülltes Wartezimmer. �. Ter vierte Mann lag nun schon drei Tage still wie ein Stein. Nicht einmal blinzelten die Augen in den bleichen Schein des Fensters. Aus dem großen Ungefähr war er namenlos hingeschleudert in sxine Ecke, zerfleischt, ausgerenkt und zerstört. Niemand kannte ihn, niemand hatte vorher dies graue, zerlaugtc, verwischte Gesicht gesehen. Wie ein betäubtes Tier hatten wir ihn aus der blut- und schlämm- stjrreu Uniform herausgekrustet und in» Leinen gelegt. Wir hatten keinen Brief in seinen Taschen gefunden, keine Spur der Herkunft an seinem treibenden Wrack. Oder doch— eines, das aber stumm war und nichts verriet: eine Guslica hing um seinen Hals, dies Instrument, das nur eine Saite hatte, die so schwermütig und traurig unter den Fingern singt. Nichts als dies Stück hatte das Leben ihm gelassen: wir wollten es ihm nicht nehmen und hingen es neben sein Bett. Trauriger als sie singen konnte, schwieg sie nun. die eine armselige Saite, und das Instrument war stumm, stumm wie sein namenlo'er Herr. � ,.. Es stand hoffnungslos um ihn: sein letzter Atemzug Ueg .sich ganz einfach ausrechnen. Er würde lautlos erkalten wie eine Schlacke, die der Krieg aus seinem glühenden Hochofen geschleudert. Den drei andern, die in der Kammer lagen, hatte der Tod noch soviel Kraft in den Knochen gelassen, daß sie sich wehren und entgegenstemmen konnten. Sie bäumten sich wie wilde Gäule immer wieder vbr dem dunklen?lbgrund, der sich austat, warfcil sich noch einmal zurück, krallten sich ins Leben. Ter Kamps hatte sie zäh gemacht. Rote Visionen stiegen aus ihrem Blute, Schmerz höhlte sie aus und sie ftlirien dunkel manchmal in die Nacht. Aber der fremde Soldat rührte sich nicht. Es war nicht zu erfahren, wie er hieß und woher er wohl stammte. Aber was konnte ein Name ihm auch helfen. Es dauerte ja nicht mehr lange, so war er dort, wo er keinen Namen brauchte, und nian nicht fnagt, woher einer kommt. Drei Tage lag er schon: ganz langsam und stockend lies das Leben in dem toten Gehäuse seines Körpers ab. Ich be- horchte es und sah in das Gesicht, das wie Asche im Leinen des Kissens lag. Ta öffneten sich endlich die verglasten Augen. Die Lider krochen unter die Stirnknochen zurück wie bleiche Schnecken, die sich in ihre«chalen ziehen. Aber es war kein Blick in diesen Augen: hohi üne ein Bohrloch dun- kelte die Pupille mich an. Ich wußte, daß in dies Auge kein Leben und kein Sehen mehr kam. Ich sprach zu den: Unbekannten, sprach in sein Ohr hinein: ober sein Gesicht blieb maskenhaft uird steinern. Tie Laute gingen nicht in sein Bewußtsein. Er war mir fern, als stände er auf einem andern Stern: fein Leben antwortete nicht mehr auf meinen Anruf. Ich dachte, es wird noch ein paar Stunden mit ihm dauern... Aber er lebte noch, als es Abend wurde. Ich ging-noch einmal von Bett zu Bett. Im ersten lag ein blonder Bursche äus dem Baucke. Schrapnellkngeln hatten ihm den Rücken zersiebt. Die Wunde sah aus, als habe der Tod seine Pranke ins Fleisch getatzt. um von hinten das Herz aus dem Leibe zu reißen. Ter arme Kerl konnte nicht aus dem Rücken liegen. Ich stand am Fenster und sah in den Herbst: die roten Bäume quöllen im grünen Abend wie Schwämme, die man in tiefe Wunden getaucht hat. Und ich dachte, daß in diesem Herbst die Menschen wie Blätter kielen... Aber ein Arzt sollte sich mit so etwas nicht ablenken: und ich lau'chte wieder tiefer auf das Röcheln der Fiebernden/denen der Atem die Lippen vermengte. Ter unbekannte Soldat lag noch immer mit ausgerissenen Augen, als seien sie gewaltsam erbrochen worden. Ich stand vor ihm, aber cr sah mich nicht. Er schien jetzt mit viel wich» iiiuttsieu getroffen war, daß sie rnü weiblicher Sckarsnchiigkeii in ihr den Abbruch der gegenseitigen Beziehungen sah. daß sie Goethe nach seiner Rückkehr schroff begegnete, sein Verhälinis mit Christiane VulpiuZ aus» liebloseste beurteilte und erst nach Jahren das Gleich- gewicht ihrer Seele wiederfand. Sie ist dieses ihres Verhalten? wegen viel gescholten worden-und e» muß auf jeden llnbesangenen abstoßend wirken. In diesem Punkte mm sucht Ida Boy- Ed Charlotte von Stein zu retten. Sie revidiert ihren Prozeß:„Manche Beurteiler Cbar- lottenS sind jeder Milde bar gewesen; die literarischen Gerichtshöfe haben eben keine Frauen als Schöffen oder Beisitzer hinzugezogen." llnfr in der Tat führt sie die Berteidigung CbarlortenS mil Gründen, die aUS der weiblichen Psyche geholt sind. Tie Schroffheit, mit der Charlotte Goethe nach seiner Rücklehr aus Italien entgegentrat, erklärt sie im wesentlichen daraus, daß Charlotte sick) tief verletzt fühlte durch die Treulosigkeit, als die ihr Goethes Benehmen erschien. Denn sie hatte ihm, wie Boy-Ed nachzuweisen sucht, alle? gegeben, was ein Weib dem Geliebten gebe» kann. Nur ein Weib. meint sie, kann ganz versieben, waZ solÄerart verschmähte Liebe in eines Weibe? Herzen an Haß und Verbitisrung erzeugen kann, tun so mehr wenn, wie bei Goethe, die Aeußerungen der Liebe voll der glänzendsten Leidenschaft waren. Boy-Ed glaubt sogar mit Sicherheit den Zeitpunkt bestimmen zu können, in dem sich die biS dahin platonische Liebe in ein geschlecbtlickieS Verhälinis umgc- wandelt bat. Für Charlotte war diese Hingabe ein Opfer. Sie war sieben Jahre älter als Goethe.'Sie war von Naiur auS„uu- sinnlich veranlagt". AlS sie Goethe kennen lernte, hatie sie sieben Gebürten hinter sich, sie war immer, gewiß auch infolge der Wochen- betten, kränklich:„Frauenleiden, Blutarmut und Nervosität haben CharkUte nie verlassen". Noch mehr: sie war„im allertiessten Sinn unjung llnd endlich sucki Boy-Ed da« seltsame und uniympa« thische Betragen ChorlottcS nach der Trennung von Goethe or.ch aus der PbhsiS der Frau und die auS dieser stainmenden psychischen Verstimmung aus den Klimakietium(dem Wechsel) zu erkläicn. Zur Zeit der gänzlichen Abkehr von Goethe war sie siebenundvierzig Jahre alt:„Die drückenden Lasten solcher Jahre kann ein Manu, falls cr nicht gerade ein psychologisch sehr bcaabicr Frauenarzt ist. nie crincffen. lind deshalb kann er auch die Worte und Talen einer Frau, die in diesem schwierigen LkheuSabschniit sieht, nie ganz richtig einschätzen. Das Bürgerliche Gesetzbuch kenni bei Verbrechen der Halbwüchsigen die Pubertät al» MilderungSgrund, irnd ein gerechter Richter würde auch bei Halbwelkendcn. die im Älimalterium stehen. Gründe zur Nachsicht entdecken, wenn sie unbegreiflich handeln." Es ist gar nicht zu leugnen, daß diese Darstellung Boy-Eds daS Bild CharlottcS, das durch ihren maßlosen Haß gegen Gocibe befleckt war, einigermaßen reinigt. Da Charlotte ihre Briete an Goethe vernichtet hat, so lasten si�sich zur Stützung der Ausichi, daß ein intimer Berkehr zwischen den Liebenden siatigesundeu bal, nicht herbeiziehen. Doch macht Boy-Ed diese Annahme wabr- scheinlich durch eine ungezwungene Auslegung mehrerer Brieistellen Goethes und sie setzt das Verhältnis in die Jahre 1781—1786. Aber, kann man fragen, ist es denn von solcher Wichtigkeit, zu Wiste», wie das Verhältnis Goethes zu Charlotte beschaffen gewesen ist. ES ist gewiß psychologisch imerestant. Man ♦enfc nur daran, wie Lenau im Verlebe mit Sophie Löwenibal durch seine Un« bcfriedigihcii Leliiien hat und wie gewiß durch sie seine krankbafie Anlage verstärkt wurde. Im Jahre 1786 war, wie ichon bemerkt, Goethe, in einer verzweifelten Stimmung und man war bisher ge- neigt, sie mit dem unbefriedigenden Vcrhäünis zu Cbarlotle in Zusammenhang zu bringen. Außerdem schmeichelt e» dem deutschen Philister zu denken, daß eliie so ,. hehre" Frasi wie C'barlotte' sich nicht de» Ehebruchs schuldig gemacht Hot. Aber doö ist töricht. Tie Anschauung jener Zeit und de» Weimarer HofcS waren inbezug auf GcschlechtSsündcu sehr lax und der Ehebruch keine seltene Erscheinung. Darin hat»un Boy-Ed vollständig recht, daß sie da? Verhältnis als ein leidenschaftliches und wahrscheinlich auch nach der Geschlecht'- seite hin erfülltes darstellt. Indem Boy-Ed ChorlottenS völligen Mangel an Behmschbett insbesondere Christiane VulpiuS gegenüber auS ihrer wütenden Eiter- sucht heraus zu erklären und zu entschuldigen sucht, fällt eZ ihr nicht ein, Goethe anzuklagen:„Nun war wieder einmal in dem urewigen Drama zwischen Mann und Deib jeder Teil in seinem Recht." Nur scheint sie mir eins zu übersehen. Sie sieht den inneren Sturm in Goethes Seele, der ihn 1786 von Weimar forttreibt. Gewiß war es dieier, der Goethe im engen Weimar nicht mehr aus- halten ließ. Dichterische Pläne wälzten sich in seinem Kopse, er halte daS unbezwingliche Bedürfnis inS Teile, nach neuen Ländern und neuen Mensche», die Luit in Weimar drohte ibn zu tigeren Dingen beschäftigt zu sein, als daß er für Menschen einen Blick gehabt hätte: er hatte kenie Zeil mehr für derlei Nichtigkeiten. Das war es, was sein verfallendes Gesicht in einer plötzlichen Veränderung spannte. Es war gleichsam, als habe er bisher eine Maske getragen, die nun fortge- schrumpft war und ein anderes Gesicht freilegte, das Gesickzt der Sterbenden, die nicht mehr zu lügen brauchen und wahr- haftig'ein dürfen. � Bei Göll, ich sah fein letztes Gesicht... Das war der Augenblick des UntertanchenS im Unbewußten. Aber Plötz- lich kam mir der Gedanke, der Unbekannte möge noch einen Wunsch, eine Frage, eine Kunde haben. Ich beugte mich zu ihm und fragte:„Wollen«ie mir noch etwas sagen?" Er blieb stumm: vielleicht verstand er meine Sprache nicht. Da iah ick die Guslica über seinem Bette hängen. Ich wollte wenigstens versuchen, ob nichts inebr aus der Welt der Lebendigen in sein Hirn dringe: ich nahm das Jnsllinnent und zupfte leise die Saite, so wie ich es bei serbischen Ge- sangenen gesehen hatte. Von der Saite flogen ein paar dünne Töne auf und flatterten wie graue Vögel in das Geröchel der Fiebernden. „Gong... gong... elong.. machte die Saite. Da weitete eine Aushorchen das Gesicht des Soldaten: in den Händen, die wie grobe Kiesel aus der Decke gelegen. zuckte es. „Gong... gong..." summte die Saite wie ein Insekt. Da ruckte der Kops aus dem Kissenbäusch: das Gehör sog die Laute aus- der dumpfen Zimmerstille. Irgendwo im Hirn des Sterbenden schwangen Erinnerungen: Versunkenes schwang tind kreiste in ihm. Ich trat näher, und meine Fin- ger rieben die sanft anklingende Saite. Und endlich griffen seine Hände aus. suchten den: Klingen entgegen. Ich begriff. und gab ihnen das Instrument, und ich richtete den schweren Oberkörper des Mannes auf und setzte mich neben sein Beil, wartend, was nun geschehen würde. Langsam.'fuhren die Finger des Verwundeten über den groben Körper des Instruments, als müßten sie erst wieder ganz vertraut miteinander werden, als müste die Fieberglut des eigenen Blutes erst in das kühle Holz schlagen, ehe eine Melodie daraus erblühen könne. Er hob den Kopf, als lauiche 'er auf das Röcheln der drei Genoffen: ober es war ein Lied, auf daS er sich besinnen wollte, das irgendwo in seinem Ge- dächtnis hing und das er jetzt suchte, ein Lied, wie man es ctftii&iT. Aber— und hier wäre gegen Boh-Ed einzusetzen— war nicht gerade daS Verhältnis zu Charlotte iiachgerade unerträglich geworden? Nicht in dem Sinne, daß er die bürgerliche Vereinigung mit ihr wollte, die ihm gewiß einige Jahre früher als solches Ziel vorgeschwebt halte, sondern in einein ganz anderen Sinne, fm Bewußtsein, daß da* geschlechtliche Verhältnis, das ihm Charlotte bieten konnte, ihn, nicht mehr begnügte. Cr war scchsunddreißig Jahre alt, Chorlotte dreinndvierzig. Er war im Vollsast feinet Männlichkeit, sie eine alternde Frau. Außerdem war er sinnlich veranlagt, wenn auch Wilhelm Bode/) in diesem Punkte nach Möglichkeit abzuwinken sucht. Bode bringt von allen Seiten massenhaft Stoff herzu. Sein Buch ist, wie ja alle seine Goethe- bücher, ergötzlich zu lefen, ober eS ist ein- sür allemal ein vergebliches Beginne», Goethes statke Geschlechtlichkeit ableugnen zu wollen. Sein Leben in Italien und viele seiner italienischen Cfigrainine. zu- mal die jetzt erst in der großen Weimarer Ausgabe veröffentlichten, beweisen seine starke, ja derbe Sinnlichkeit. CS war die Zeit, in der beim Manne der Geschlechtstrieb oft olle? beherrscht. Konnte in dieser Zeit Charlotte ibin genügen? Sie war kalt. Sie gab sich Goetbe hin. weil er sie bestürmte. Sitz brachte ein Opfer. Boy-Ed sucht Charlotte aus ihrem Weibiein erklären. So verstcbt sie auch Goetbe aus seinem Mannsein. Gewiß verlangte er stürmische Hin- gäbe, leidenschaftlichen Mitgenuß. TaS fand er nicht und das wirkte ernüchternd auf ihn. Er mußte cS haben, seine Natur drängte da- nach und er fand es ui Italien. Kupfer-Gelö. Liebe Ulrike! Gestern war also Termin für Teine Freundin Meta. lSBenn * Du dies liest, willst Tu mich natürlich iu den Arm kneifen.) Ich schlich etwas beklommen nach Schönebcrg und, schwankte lange, ob ich das Amtsgericht betreten sollte. Nenne cSffcig, Ulrikchen, aber ich sah mich dreimal utti, ebe ich die Treppe hinaufstieg. Es war übrigens kein bekanntes Gesicht im GerichtSzimmer, keine von all den Herrschaften, mit denen wir uns auf dem Kaiserdamin an Bur- gunder und Kaviar erfreuten, war zu sehen. Kein besseres Gesicht, nur schwarzhaarige Rechtsanwälte und Gläubipcrvereinssekretäre. Ich glaubte erst, ich sei der einzige, der selbst gekommen war. Kannst Dir meinen Schrecken ausmalen, als ich plötzlich im Gedränge nebe-i dem Amtsrichter das Gesicht von Gertrud Kupfer etitdcckre. Ich sah sofort in die Luft! Aber die Kleine verbiß sich mit ihren.. Blicken gerade aus mich und ließ nicht locker und grüßte und nickte mir zwei- oder dreimal freundlich zu. Tie ganze schwarzhaarige Rechts- cmwaltschaft drrbte sofort, wie auf Kommando, die Köpfe zu mir bin; es war fatal. Uebrigens sah die kleine Gertrud sonst höchst harmlos und unschuldsvoll drein, redete den Vormittag über kein Wort und hakte nur die stille Unverschämtheit, noch.einige. Male einem oder dem avfteren Leidensgefährten im Auditorium zuzu- lächeln. Die Begrüßten grüßten ebenso verlegen wie ich, starrten ebenso absichtlich in die Lust und wurden von den Rcckftsanwälten ebenso scharf fixiert wie ich. Du weißt ja, daß einige still Beteiligte noch nicht aufgefunden sind. Ach, Ulrichen, Du hättest mich nicht hinschicken sollen! Wir hätten still das Kreuz machen sollen über das Kupfer-Geld. Es ist dahin, Ulrike, wozu diese vergeblichen und gefährlichen Rcttungs- versuche? Der Konkuröverwaltcr machte seine Sache sehr anständig und diskret. Wenn das Zcitungsgesindel sich ebenso taktvoll benähme? Gestern wurde nick: ein einziger Name breitgetrdken.. klusere A.ngst war unnötig!. Freilich, das Schwerste sommk. noch.. sie.den Strafprozeß gegen die alte Kupfer führen wollen» ohne unsere guten 'Namen dem Hohn der Zeitungsjuden preiszugeben, weiß» dsr Himmel. Die arme Frau Körting wird heute schon durch die Drucker- schwäreze geschleift. Wenn erst die ganze Bcsucherliste vom Kaiser-- dämm den Zeitungswölfen in die Krallen fällt! Scheußlich!! Ich warnte schon am Tage der Berha'tung vor Racheplänen. Hätte ich Dich damals nicht am Ann gefaßt, kleine, aufgeregte Ulrike, so wären wir heute als Mitbeschädigte vorgeladen gewesen und übermorgen hätte uns der.Vorwärts" kondoliert. Hier heißt es: Lerne leiden, ohne zu klagen; ich meine, ohne beim Amtsgericht zu klagen. Der Konkursverwalter, der die ganze Chase vortrug— wie gesagt, sehr taktvoll und ohne jemandem wehzutun— hatte ausgerechnet. daß Deine Freundin Meta im ganzen vier Millionen Mark cnt- gegengenommen hat. Und das seit dem Februar Ililä. Alle Ach- *).Weib und Siitlickkeit in Goethes Leben und Denken." Berlin. Mittler u. Sohn. lSlK. 348 S. vielleicht in seiner unbekannten Heimat sang. Und er zupfte die Saite, während er mit der andern Hand den Hals des Instruments umklammert hielt; aber nur ein dünner klagen- der Ton brach aus dem zitternden Holzleib. Er schüttelte den Kopf und ließ die Gusftca sinken; er wußte nicht mehr den Anfang jenes Liedes, das in ihm ausgeklungen war, er wußte offenbar nichts mehr, fein Gehirn war leer, verdorrt — dw Guslica blieb tot in seiner Hand... Seine Ficberaugen irrlichterten durchs Dunkel. In jagender Angst zerrte er an, der Saite, wie an einer ver- ichlossenen Türe; sie schrie dunkel wie eine geschlagene Frau. Das Kinn sank dem Verwundeten auf die Brust, und ein wunder Seufzer quirlte aus seiner Kehle. Aber noch einmal riß er den Kopf hoch, und seine Finger zitterten über die Saite. Da quoll ein verhaltenes, schluchzendes Singen auf. Das war eines Liedes Anfang; nun wußte er wieder die Töne der Erinnerung, und seine Finger pftückten sie aus der einen-loaite. Es war ein langsames, schwermütiges Lied, das er da Ton' um Ton aus der Ä?rgessenbeit bervoriuchte und in die Tunkelbeft streute; aber es war ein Lied, das einen wie etwas Lebendiges anhauchte und ins Blut fiel, um durch alle Adern getragen zu werden; ein fremdes Lied, das weich machte, ein sonderbares Lied... Seltsam, wie die Melodie auf den wenigen Tönen hinauf und hinab stieg durch Schmerzen und Seligkeiten, wie sie glänzte und dämmerte... Ich weiß nicht, ob er selbst sie hörte; aber er spielte, als slösien die Lieder aus seinen Fingern und quöllen über das grobgeschnitzte Holz wie Blut und Tränen. Er spiele das letzte Leben aus sich heraus. Ganz versunken war ich im Lauschen nach diesen fremden Tönen; ich fühlte kaum noch den Zusammenhang meines Körpers mit den Dingen uni mich. So waren diese Lieder... Und ich iah die drei sterbenden Männer an, wie sie dalagen. Tie Töne gingen über sie hin und rissen den dunklen Mantel von Schlaf und Dumpfheit, Fieber und Schmerz, der über ihnen lag, auf, wie blanke Pflugscharen braunes Erdreich. Sie kauerten in ihren fieberheißen Betten und lauschten. Tie Lichter ihrer Augen brannten im Dunklen. Ter Bursche mit dem wunden Rücken richtete sich auf den Ellbogen hock, und sein Mund klaffte wie ein schwarzes Loch. Der namenkose Soldat spielte ohne aufzuhören. Mit einem Lächeln um den verschlossenen Mund saß er in der Stille unseres Lauschens. Ich habe nie gedacht, daß eine iung'? Deine Freundin— wie gerne mähtest Du mich jetzt wieder in den Arm kneifen!— war nicht unbegabt. Wenn man bedenkt, daß sie vor zweieinhalb Jahren noch in Leipzig mühselig und klciM lich mit dem Verkauf von delikaten, aber notwendigen Schutzmitteln ihre paar Groscken verdienen mußte, und daß sie sich hier in Berlin anfangs mit dem Verkauf von Brotkartentaschen durchbringen wollte! Wer von uns Gästen hat il-r da? am Kaiserdamm angescheu? Eigentlich schmählich, wie schnell man gute Haltung in der besten Gesellschaft erlernen kann! Tie Kupfer wußte ihre Lncksttcfel, Seidenhemden— das Stück sür 113 Mark— ihre rauschenden Abendkleider bÄstr zu tragen als unsere Gutsnachbarin, besser sogar als Frau Kommcrzieurat Levy. Hast Du sie je pompös überladen gesehen? Immer war sie von vornehmer Schlichtheit, die deutsche Enifachheit in Person. Für eme kleine, sächsische Kürschncrsfrau — alle Achtung! Aergere Dich nicht, Ulrikchen, über so viel Ob- jeltivität. Ich finde, je milder wir alle mit Frau Aieta verfahren, desto besser sür uns. Wir hätten von Anfmig an, nachdem der Braten nun einmal aufgetragen war. als reuige Sünder schlichten, vermit- tcln und, wenn es sein muß, blechen sollen. Wie gerne hätte ich heute ein paar braune Scheine dafür bezahlt, daß das niedliche Frau- lein Gertrud mich nicht angelächelt hätte! Hört man die Sache im Zusammenhang, liebes Ulrikchen, so verliert man überhaupt die erste blinde Wut auf Deine Meta. Sie hat sozusagen bescheiden angefangen. Eine wohlhabende Verwandte lieh ihr 2300 Mark; aber wie eben Verwandte helfen, in ein paar Monaten sollie Deine Meta 2400 Mark zurückzahlen. Wian will der Cousine aus der Patsche helfen, denn man ist ja gleichen Blutes, aber man muß dabei auch seinen christlichen Rebbach haben. So begann die Chose. Man gab der guten, tüchtigen Knrschnersfrau nicht ungern, aber man forderte eS in kurzer Zeit mit Kricgszmsen energisch zurück? So jagten wir sie alle immer tiefer in den Schwin- del.' Gott weiß, Ulrike, ich will Dir keine Voaoürfe machen, Du bist gut, ich weiß! Es kitzelt nur leider auch Dich, daß Lehmann?, die voriges Jahr noch im Hinterhaus, in einer engen Dreizimmer- Wohnung hockten, sich plötzlich im Grunewald angekauft haben, und daß Frau von Räcknitz seit vorigem Herbst zwei dicke Perlenreihen um den fetten Hals geschlungen trägt. An Deiner Meta hing der Aberglaube! Ter Konkursverwalter erzählte gestern, daß ihr die Leute mit vollen Brieftaschen ins Haus nachliefen! Erinnerst Du Dich, Ulrikchen— kneif mich nick! wieder in den Arm!—, daß Frau Kupfer das erstemal, als wir ihr unsere Aufwartung machten, gor nicht zu sprechen war? Und als wir dann, das zweitcmal, die Schwägerin... nein, ich will nicht einmal dem � Briefpapier den stolzen Namen anvertrauen.... im Vorzünmergedränge trafen, ja» da erlag auch ich und um unsere schönen Taler war es geschehen. Na, sie war auch eine splendide Natur, Deine Meta. Hat dreihundert Feldgraue regelmäßig mit Spenden bedacht. Das ist im dritten Kriegsjahr,- nachdem der erste LiebeSgabenrausch längst ausgeschlafen ist, mehr als mmicker reichere Mitbürger tut. Wir wollen annehmen, Ulrikchen, daß sie unsere schönen braunen Scheine in Feldspenden angelegt bat und darum, wie gesagt, nicht klagen! Du siehst, Ulrikchen, ich jammere nicht, ich klage um den Mam- mon nicht mehr. Das einzige, was mich wurmt, ist dies: Es gibt da einige Leute, die der Frau Kupfer rechtzeitig die Pistole auf die Brust sctzteki und nicht nur ihr Kapital, sondern auch noch den ver- langten 800-Prozent-KriegögÄvinn ausgezahtt erhielten. Ter Kon- tiirSvettvaltcr hat diesen tücMigcn Burschen sehr ins Gewissen ge- redet, sie mögen die unsittlichen Gewinne wieder zurückfließen lassen. Aber ich sah keinen Bekehrten, auf den die Predigt Eindruck machte. Die meisten sind im Dickicht verschwunden. Geschäftsbücher gibt'S nicht. Nur das Lächeln von Fräulein Gertrud könnte sie verraten____ Aber wie. wenn Fräulein Gertrud weise ist und einmal nicht lächelt! Und wenn Deine Freundin Meta klug ist und verschwiegen und sich diese Miiverschworenen ausspart für eine Stunde späterer Abrechnung? Ich leugne es nicht. Ulrikchen. der Gedanke, meine guten sauer ererbten Taler zugegeben zu haben, damit Exzellenzfrau B. oder Gräfin Z. sie in großen Säcken als Kupfer-Geld rechtzeitig und in aller Stille nach Hause schleppen, der Gedanke könnte mich -wieder in Rage bringen. Lieber hätte sich d:e schöne schlanke Gertrud dafür 2000 Paar Seidenstrümpfe, 800 seidene Hemden— kneif mich nicht, Ulrikchen— und 150 Paar Lacksiieselchen anschaffen sollen! Es wäre nicht' so bitter und fräße weniger an mir. Doch ich zähme meinen Groll. Ich will alles hinnehmen, wenn die Verhandlung still vor sich geht und wir ohne Streifschuß davon- kommen. Dafür bete! Dein Bernhard. sKür die richtige Abschrift bürgt: M. Kohlhaas.j einzige Saite so reich und vielfältig sein könne wie unser Gefühl. Es war. als frage die müde Seele die'es Fremden in das Instrument hinein und aus ihm stiege klingend Ant- wort um Antwort. War draußen Herbst, grüner Abend mit Bäumen gleich getrocknetem Blut, aschte Dämmerung auf die Berge, zerfiel der Ilmriß der Dinge? Waren Schmerz, Kampf und Gc- tmlttat wirklich? Verfielen hier Menschen, die große, furcht- bare Wunden an ihren Leibern trugen?— Dies alles war fern, qls geschähe es außerhalb der Zeit und des Raumes. Hier stiegen aus der Saite eines Instruments nur Melodien und blühten aus zu freundlichen Helligkeiten. Sie preßten die niederhängende Decke hoch und wölbten sie maßlos auf. Die Wände zerfielen und sommerliche Ebene dehnte sich vom glühenden Horizont herein. Weizenfelder wuchsen Heimat- lich. Gewölk schäumte weiß in blauem Himmel. Frauen schritten wiegend und weichen Gaules im warmen Goldstaub der Wege; Herden flössen über die tiefen Wiesen. Bäume und weiße Türme standen in den Himmel... Ich griff an meine Stirn und wußte mich überstrahlt von dieser Vision, die aus dem Instrument gestiegen war. Aufgerissen im Dunkels lagen die Gesichter der lauschenden Männer; sie hatten Heimat gesehen und sich satt getrunken am Licht serner Sommer, am Dust vergangener Ernten und dem weichen Beisammensein mit den Frauen ihrer Liebe. Der Augenblick war erloschen in ihnen, und sie fühlten sich von seinem Bewußtsein erlöst, in Traum versponnen lagen ihre Sinne... Dem Spieler waren die Hände mit der stummen Guslica. gesunken. Sein Gesicht war leer wie Morgcniiebel, aus dem die Sonne hervorgebrochen ist. Ich wüßte, daß er nicht mehr lebte, daß er mit dem letzten Ton seiner Guslica gestorben war. Was in den Kissen jetzt erkaltete, war leere Hülle, was Leben noch iu ihm gewesen, war ihr erstrahlt zu wu.'der» vollen Helligkeiten, zu Gesichten von Sehnjucht und Heim- weh. Glück und Trauer. Schmerz und Liebe, und Friede... Und ein kaltes Dunkel schauerte durch das Zimmer,:n dem die Verwundeten fthren Atem herdorröchelten und d:e Körper auf dem Fieberrosi ihrer Betten wälzten. 00 Ä Diese Erzählung steht in Curt Morecks bei Julius Hoffmann tu Stuttgart erschienenem Buch: Menschen im Kampf, e ner Sammlung kraftvoll geformter und tief geschauter Kriegsbikder, Neue �ugenö. Wir hoffen alle von der Jugend, die durch die Schule dieses un- geheuren Erlebens.geschritten ist, daß sie ein neues Verhältnis zu der Welt und den Menschen gewinnen toird. Wir hoffe» um der Zu- kunst unserer ideellen und materiellen.Kultur willen. Der Krieg hat iu der Jugend aller kriegbeteiligten Völker gewütet wie. noch kern großes Sterben vorher. Nur mit innerstem Entsetze» denkt mau an die Summe von Geist»nd Talent, die in den Massengräbern Europas— ein zu früh versunkener Schatz— eingescharrt ist.... Die neue Jugend soll helläugig sein und voll von edlem Freimut, die .Dinge zu sagen, die sie sieht. Sic soll Ideale tragen wie scde Jugend früherer Geschlechter, aber über allem soll ihr das Bewußtsein keuch- tcn. daß die hehrsten Ideale Mensch und Menschheit sind. In den Argonnen liegt seit Jahr und Tag. der junge M ax Bnr thel und hört mitten im wilden WaffeMärm die erhabene Botschaft von der Gemeinsamkeit aller menschlichen Freude und allen menschlichen Leids. In Hans Gathmann tritt ein anderer Jüngling auf de» Plan, dem die gleiche Sendung getoordcn ist. Ein schmales Hest- chen von einigen zwanzig Gedickten(Erste Fahrt. Gedichte. Saturn-Verlag Hermann Meister in Heidell�rg) liegt bis jetzt von Hans Gathmann vor; aber dieses Heftchen ist Dokument genug, um sich der menschlichen- und künstlerischen Gesinnung dieses jungen Dich- ters zu freuen. Gathmann ist durch den Krieg aus der vorbczeichnetcn Bahn ge- warfen worden. Schicksal, das heute tausendfach erlitten wird. Aus dem Gymnasium trat er sofort in das Leven. Nichts ist an diesem blutjungen Menschen gymnasial. Er sieht die Zeit nicht mit den Augen des Pindar oder des Tyrtäos. er fühlt auch keinen Beruf m sich zur Nachfolge Theodor Körners und Max von Schenkendorfs. Der Krieg ist ihm das große Leid, ist Grauen und Verwesung. So er- scheint er in den Gedichten„ÄriegezeitJ..Besuch der Mutter'. „Blühende Kastmrienallcc". Sinn scheint ihm dieses ganze umaß- bare Geschehen nur zu haben, wenn es zur Verbrüderung der Men- N scheu überleitet....„Das große Ende ist das große Eine n der Seelen aller Dinge.. ruft er gläubig aus, und um dieses Glau- bens wollen wir ihn willkommen heißen. Die Mehrzahl der Gedichte ist den Erlebnissen friedlicherer Tage entflossen. Es sind Verse bom jungen Glück, von den lliäiscln der Seele und von den Geheimnissen der Welt., geformt aus einem ganz unabhängigen Gefühl trotz der Neigung zu barocken, abseitigen Worten und Wendungen. Tie Verse sind votUfilang, voll menschlicher .Güte und voll einer bohrenden Geistigkcit, die immer Gerichtstag über sich selbst halten will. Das alles sind Merkmale einer gesunden, lebenskräftigen Jugend, die sich ihres Weges sicher ist. Hans Gath- mann ist aus bestem Element. Er hat den Drang einer schöpferische» Jugend zum Neuen, starken. Er sehnt sich nach Licht und Erlench- tung, aber nicht aus dem Nebel vcrschlvommcner Ideale heraus, sondern weil er weiß: Der nur strebt rüstig und herzhaft zum Licht, der sich selbst und andere in Finsternis gesehen hat.,.. Darum: Empor zu den Sternen! Karl Bröger. Theater am NollenSorfplatz:»Die Gulaschkanone�. Jenes fatale reuommistische KriegSstückgenre. daS vor zwci Jahren an einigen Bühnen auftauchte, scheint nunmehr nach Ver- schwinden seines zählebigsten Exemplars, des ominösen„Immer teste druff", endlich und boffenrlich auf Ncmmerwiederseh» abgetan. So wenig erfreulich das neue sog.„BollSstück", das hier als Nach- solger die Erbschaft antrat, sich ausnimmt, seine Unerfreulichkeileu find wenigstens nur die der altgewohnten Ausstaruingspossen Adolf Ernst! chen Angedenkens. Die Anspielungen ans die KriegSzeit, am den gleichen Ton. der seichten Planheit wie alles andere abgestnnnn. halten sich im allgemeinen von der AüSmiinzunz chaubinistisch-r Fnfttnktc fern... DaS Vublikum vergnügte sich anscheinend in hohem Maße und nahm selbst den Text der Herren Haller und Wolfs, der nyr als Anhängsel und Rahmen zu den Tänzen und den von Wal-er Kollo gefällig komponierten Gesangsnummern aus mildernde Um- stände plädieren lonnte, mit unentwegter Lachlust auf.� Die Chefs einer KonsektionSfirma, die im verödeten Bureau mit Kartenspielen sich die Zeit verlteiben, etablieren sich, von cmem kleinen jüdischen. durch Henry Bender munter dargestellten AllerweltSagemeu ver- lockt, als Gulaschfabrikanten. Die Pointe: daß bei der Kostprobe des von einem eigens engagierten ungarischen KüchenkimstlerS der- gestellten Massenproduktö die überstarke Pfeffcnrng i» den Ein- geweiden des gesamten Personals Höllenqual entzündet. Jndeyen die ersehnten schönen KriegSgewinne dürfen doch nicht fehlen. Das wäre ein Hereinbrechen von LcbenStragck in die Welt deS schönen Scheins. So tröstet einen denn am Schluß die ftohe Nachricht, daß das österreichilch-nngarische Kriegsamt an Stell« des deutschen die Ware mit Entzücken angenommen ha!. Nur möge man bei künftigen Bestellungen mit Popnka nickt derart sparen. Bei den Couplet», die Paul Heid-mann, der fioite Film- Humorist,»fit Grete Freund und Richard S e n i u L, der zum Nnterosfizier beförderte Hausdiener, mit Senta Söuelond zu agieren batte, und einem JungenSaufzug mit Uniformen und Papier- Helmen im letzten Akte steigerte sich der Applaus iu? Ilugemefiene. visttze». �—„Vorn Tode, Blätter aus dem Tagebucbe eines Saiuiäts- krastfahrers. nennt Kurt Gerlach seine Eindrücke ans dem Kriege, die im Berlage von W. G. Mühlan ,n einer buchtechnisch Dernrnens- werten Ausstattung erschienen sind. Die Blätter sind unmittelbar unter dem Ztvauge des Erlebnisses im Felde entstanden. Stärker als die Näbc und der Schrecken des Todes erweist sich in ihnen, lvie der Spruch an der Spitze kraftvoll zeigt, die Liebe zu den Menschen und zum Leben. — Vortrüge. Montag spricht in der Singakademie Jalob Schaffner über: Der große AnSlrag. Deiiischr odxr atlantische Wellstimmung?— I n st i t n t s ü r M e e r e s k n n b?. Dienstag. Else Ficke: Erlebnisie einer Zivilgefangene, r in französischen Lager» Afrikas. Mittwoch, Dr. Pohle: D?e Ukraine.' Freitag, Prof. LaaS: DaS Unterseeboot.— Dr. Robrbach häl: Mittwoch in der Urania einen Vortrag: Der deutsche Gedanke in der Welt. — Bühnenchroni k. Else Leb m an» wird nach längerer Zeit wieder in Berlin an den Rcinhardtbiihnen austreten: Sie spielt am Sonnabend in der Volksbühne im„Biberpelz" die Wolffcn und tritt im Deutschen Theater in.„John Gabriel Bork- mann" als Ella Rentheim aus. — Der Berliner Goethebund hat beschlossen, in einem besonderen Rahmen beacktenSwerte deutsche dramatische Werke aufzuführen, denen bisher die Bühne verschlossen blieb.(Schlimm genug, daß unsere größeren Bühnen erst so an ihre Pflichten gemahnt> oerden müssen. Was int insbesondere der vielherrscheude Reinhard:? DaS moderne deutsche Drama existldrt kaum für ihn.) — Wilhelm W i n r e r n i tz'f. Der Wiener Arzt, dessen Tod soeben gemeldet wird, durfte daS Verdienst für sich in Anspruch .nehmen.' durch sein« physiologischen und llinischeu Arbeiten die Wosserheilkuude alS wissenschaftliches Lehrsach begründet und aus- gebaut zu haben. Bor ihm war die sogenauure Kaltwasser-Kur,. die Methode. Krankheiten durch den Gebrauch von Wasser zu heilen, die ausschließliche Domäne von Laken, unter denen Vinzenz Prießnitz und Pfarrer Kneipp die bekanntesten sind. Beide hatten, wie auch die vraknsÄeu Aerzte, die sich der Kaltwasserbebandlung bedienten, ihre Wissenschaft in dzr Hauptsache ouS dem in« Jahre 1738 erschienene», von dem schlesischen Arzt Hahn verfaßten„Traktat Vv» der Krafit und Dürkung deS kalten Wasser?' geschöpft. Wilhelm Winternitz war der erste, der durch die wissenschaftliche Begründung der Rasserkur dieser einen Platz in der modernen Heilkunde angewiesen, ■Bireküon Mas Keinhardt; l>cnt/.u.: Das Yagabundenmüdel. 3 Uhr: Blondincben. Theater am.\ ollendorfpl. S'/s Uhr: Immer feste druff! D/.ubr: Die Gulaschkanone. Theater des Westens 7 v.u.; Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielscher. SV. Uhr: Ein Walzertraum, Trianon-Theater 7',« u.: Willis Hochzeltstag. 3'/. Uhr: Die Waise aus lowood. y ÄailaHheateraÄ Stürmischer Erfolg! Ktuhetttenliehcheu. Operette in 3 Alt. Mus. v. Bramme. Anweisung auf f— 4 Billette: Paitett-Sessel 1,-1 Orchefter-Sessel 1,501 Wochentags. Zirkus A. Schumann. Der Zirkus ist gut geheizt. Heute Sonntag, den 25. Februar: 3Grofte sA Vorstellungen Ä nachm. 3 Uhr u. abend-Z 7'/. U. Nachm. 1 anzehörig. Sind frei. Jedes weite» Kind halben Breis. I» beiden Vorstellungen: Das vollftänd., groß«, glänzende Zirtus-Programm und die märchenhaste Prank-Pantomime Die Seeräuber. Casino- Theater Lethringsr Str. 87. Täglich 7", Uhr. Trotz des großen GrsolgeS nur noch kurze Zeit Zwei helle Berliner Vorher 7V, Ubr bunter teil. Anfang des Stückes B'l, Uhr. sonntag 4 Ubr: Die Sache klappt. Mi■ PCA-MOOCtB* Anfang Vj8 Uhr. Neues Februarprogramm. Dazu Neptun auf Reisen, Ausstattungsposse i. 8 Bildern Stürmioebe Heiterkeit! Prachtv. Kostüme u. Dekorationen. Reiebshalien-Theater. Stettiner Sänger. Heute nachmittag 3 Uhr Boritellung zu ermühigteu Preise«! leues i'rcgi'Wm' Abends 7'/. Uhr? M Cabaret Feldgrau � Admiraispalast. Heute 2 Vorstelli., 4 u. V/, Uhr. Nachmittags kleine Preise. Sehlittscbiäuler-Ballett aus der Oper„Oer Prophet11 und Frau Fantasie. Vorzügl. Küche auf alle* Plätzen. Possen-Thealer. Täglich 7V, Uhr: Der fliegende Holländer. Der alte Vollf. Detetcr Sonntag! Ä Heute V o Piste i> n n ge n** 31/ Nachm. jed. Erw."J 1/ Jt 1 Kind frei.■ /2 In beiden VorsteUungen: „Hallo, wer dort?" und das neue Februar-Pro gr. Berliner Xonzerthans. Mauerstr. 82, Zimmerstr. 90/91. Heut«: Gr. Konzert des Berliner Konieertbaus-Oreheuters Leiter: Komponist Frz.*. BIor. Anfang 4 Uhr. Besten der -Inf.-Bgt. 93, ÜT Deutschland?" Krupp I U-Dautschland I In der Tauchzentrale unier Wasser) SochWiereitAchtlvlel van R. Frankfurter und G. Jacoby. Hauptdarsteller: Paul Heidemann, Die Vorstellungen um 3,>I,b u.'.'iT Uhr dürfen Jugendliche beelohngen. Aiorihvt, Hasenheibe, -Schoneberg-Hauptstr. V.TileWickendorserstr I>» lled der Sibntocht. MOZART/AAL Nollendorlplats& Drama von RobortWIene und Richard Wurmleld.| In der Hauptrolle: Maria Fein vom Deutschen Theater. Regie: Conrad Wiens eowlo dtr übrige bunte TliU Beginn; 3 Uhr. Reichshallen-Tbeater. Stettiner Sänger. Cabaret FeWpr Anfang 7V,Ohr. Sonntag nacHmitL 3 Uhr: Vorstellung zu armäB. Preisen! Chaussee- atr. 110. C. Richter. Jed.Sonntg P. Mantheys Lust Sänger u. Konzert MM HT'rfWm fTI Neues Prog. Ant 6V. Uhr. Eintritt 50 Pf, 10 Steuer, Militär 30 Pf. sr fi Zlkmaltunlistlkllt Kerlill. N 54, linirnfir. 83—85 Geschäftszeit tum 0— X Ubr und von 4—7 Uhr. Televdon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Walhalla-Theater. 311.: Das Hosi kante nmhdel- 7- uhr: Das GlQeksmädel. M o u t a. g, den 26. Februar 1917: KeÄrks-Versammlungen für die geismte Cerwaltungsftelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden: Phamssäle, Müllcrstl. 113, abends 8>/t Uhr. Norden* Büt]Vier9 rostsülc, SchweMct Straße 33, stibendz Norden: Praakes Pestsäle, Badstr. Xit, abends 8V, Uhr. IflDAhl!: Sands Festsäle. Beusselstr. 9, abends SV, Uhr. Westen. Sedöneverg und Steglitz: Rhelnstrahe 65, abends SV, Uhr. Osten nnd Hordoslen: Jr«.:'.""»'1':™.'"''" Liclilenlierg und Slralau-Rummelsbnrg: Blume, Alt-Boxhagen 56, abends 8 Uhr. WeiDeNSee' Destaucaut Hasche, Berliner Allee Söl� SüdeodMlrte: en9clufct ,5' 2aal5* NeQkÖlln: Ideal-Festsäle,«eichselstratie 8, abends 8-/« Uhr. fleinlekendork-Vest:«ichbornftras,- 6«. abend;« Uhr. Dversehoneweide,«iedersedönewelde, dodsnnis- Illal ii llmn- Restaurant Warnecke, Oberschöneweide, lUSl U« UUig.. Withelminenhofstr. 18, abends 8V, Uhr. Spandau' Restaurant, Spandau. Kuritr. 31, abends Dienstag, den Ä7. Februar 1917: flöpeniek und Friedrichsliagea: Viktoria Strahe 39, abends B'l, Uhr. CbarlOttenbUFg: Volksbaas, Rotinenftr. 3, abends S1/, Uhr. Tagesordnung in allen Bersam in Inngen: Zikliuuguuhm zur mikkrordenlliiljtii Gkuttul-Ntrsmuiliiiig. ----------- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.--------- Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. l30/lS Die Dptsvep«'altuiig. Verband der Sehneider, Sehneiderinnen und Wäsehearbeiter Deutschlands. Filiale Berlin. Sebaitianftr. 37/38. � HerrenmaOscIineider! ä Montag, den 26. Februar, abends 7 Uhr, im Gcwerk- fchaftshaus(«aal 11): VusbuueusIeulsÄKuug d" HerrenmaBbranche und im Anschluß hieran um 8 Uhr abends im Saal 4 Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: Bericht über die Tarifverhandlungen. Referent: Kollege Kunze. Die sür diesen Abend cinberusenen Werkftattsitzungcn fallen aus und ersuche» wir die Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Zahlreichen Seluch ctroadet Die Kommission. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe oder mit mehr als acht restierenden Locheubeiträgeu kein Zutritt. 164/18 A k r. � GARBAT V oigt-Theater. Badstr 58. Badatr. 3t. Heute nachmittag 3 Uhr: In Leid und Freud. Abends 7 Uhr: Dkl Sohn der Wduis. Moni. u. Dienst: Richters Millionen Inmlngs-Krlllikenllassk der Nslhlek-Zununz zu Berlin. Bekanntmachung betreffend die Ergänzungswahl von 120 EMmälNlkNl der Vertreter der Berficherte» zum Ausschuß der Kasse für die Zeit bis zum 31. Dezember 1917. Die aus Grund des§ 47 der Satzung gewählten Vertreter und Ersatzmänner der Versicherten sind darch Ausscheiden aus der Mitglied- schast derartig verringert, daß eine Nachwahl ersorderlich ist.- Tie Wabl findet am 12. April b. I.. nachmittags von 1 bis 6 Ubr. im Kaifenloka!, Michaelkirchftr. 15, statt. f Die Versicherten haben daS ZsabI- recht ist eigener Person auszuüben. Wählbar sind nur volljährige Deutsche. Wahlberechtigt sind nur volljährige Verficherte. Di« Wahl ist geSeim: gewäblt wirb nach de» Grundsätzen der Verhält- niSwahl. Besondere Wählerlisten werden nicht ausgestellt Zur Prüfung der Wahl und Siimmberechtigunz Metu das Arbeitgeber« und Mitgliederver- zcichnis. Zum Ausweis ist das Mitgliede- buch oder eine Beichemigung des Arbeitgebers, bei dem der Versicherle am Tage dar Wahl in Beschäftigung steht, zur Wahl mitzubringen. Die Wähler können die Mtglieder- Verzeichnisse während der Kasteu- stunden. van 8 bis 1 Uhr. im Kassen« total einsehen, um etwaige Einsprüche zu erheben. Wir fordern nunmehr die Wähler auf, bis spätestens den 15. Mlrz d. Dahlvorfchläge beim Kaffenoorstande einzureichen. Dieselben dürfen jedoch nicht mehr als 120 Namen enl« halten. Die Stimmabgabe der Wähler ist an die Dahluorschtäge gebunden. Die Wabloorlchläge müssen von rnittbe- slenS 30 Wahlberechtigten unle;■ zeichnet sein. Die einzelnen Bewerber find unter sortlausenden Nummern auszuführen und nach Familien- und Bornamcn, Berus und Wohnort zu bezeichnen, bei Bersicherungspfllch. tigen ist auch der Arbeitgeber anzu geben. Der gemäff h 7 vom Vorstand au-. gestellte Dahlvorschiag sowie die zu gelasienen Wablvortchläge tonnen im Kassenlokal während der Gescheite stunden von 8 biS 1 Uhr von den Wählern eingesehen werden. Im übrigen wird»och ouj die Wahlordnung, die der Satzung bei gefügt ist. hingewiesen. 274/12 -Der Vorstand der Iunuugs- krankenkast'c der Dischlerinnnng zu Berlin. Otto Gronau, Vorsitzender: Charloltnnbnrg n. Um;. (CS. G. m. 6. tz.) in Charlotteubupg, Christsir. 18. Einladung zur fleverslverzammlnng am Sonntag, de« U.März, nach mittags 4 Uhr. im Lotal von Schulz, SopHic-CHarlotten-Straffe 24. TageSo rdung: 1. Geschästsbericht und Genehmigung der Bilanz, Verteilung des Nein. qewstmS. 2. Neuwahl des Vorstandes und Aus' sichtSraleS. 3. BerfchiedeneS. 1vt4b Der Borstand. Hermann Uebig. Adolf Viek. Illllun s-Krallktllkcsst der Tischler-Itillung\ü Kertin. Austerordentliche Ausschutz-Sitzung der Vertreter». Kasteumitglteder und der Aunuugsmitglieder NM Montag, den 5. März 1917, obend» 8 Uhr. im GkwerkschaftShauS, Eogelnfer 15 Tagesordnung: 1. Aenderung der Satzung KK 11 und AS. 2. Verschiedenes. AM- Da die letzte AuSlchuzsitzung am 20 2. 17 beschluhnnfähig wo-. werden die Serren Ausschußmitglieder wegen der Wicht.gkeit der Tägesord- nung nochmals dringend gebeten, ci: dieser Sitzung am 5. März 1917 teilzunehmen. 271/13 Der Borftand. Otto Gronau, Vorsitzender. Kr»ii?8peiicten sowie fämtliche Blumenarrangements Gros» iärtcü und billig Paul , Lindenalr. 89j Tel.Mpl. 72'}3