-"m¥ 'mtw. 34. Jahrgang.<> Nr. 16 Seilage zum �vorwärts" berliner Volksblatt SerUu, 22. �pril 1917 Schrei öer Sehnsucht. Wenn Sehnsucht an den Wolken reißen könnte, Dann bräche wahrlich manches prasselnd los. Der Mensch lebt nicht vom Brot nur. Elemente Der Menschheit dürsten. Solcher Durst ist groß. wenn diese Sehnsucht in sich selbst verbrennte Und fände nicht Erlösung! Erde, stoß Den Schrei aus mit ingrimmigem Akzente: Aach ucuem Leben lechzt der Menschheit Los. O wir sind müd' der alten Tyranneien, Und wir verschmachten nach dem neuen heil, Das uns vom Fluch des Mammons soll befteien. wenn herzen schon wie trockne Steine schreien. Dann brennt die Sonne nicht mehr lange steil, Und wolkenrachcn werden Ströme speien. Karl Hcnckcll. 50 Jahre öeutfthe Reichsverfassung. Von Friedrich Stampfer. Ter ltZ. April war der 5l). Geburtstag der deutschen Reichöverfassung. Au diesem Tage vor 5V Jahren nahm der konstituierende Reichstag mit 23t) gegen 53 Stimmen die Verfassung des Norddeutschen Bundes an, die auf das spätere Reich übernommen wurde und in ihren Hauptzügen auch heute noch in Kraft steht. Unter den 53 Ablehnenden befand sich die Fortschritts- Partei mit ibrcn Führern Eugen Richter, Waldeck und Schulze- Delitzsch. Auch Bebel war selbstverständlich gegen den Entwurf. Ter Bund, hatte er in seiner Jungfernrede zu Art. 14 gesagt, sei nur ein Groß-Preußen, umgeben von Vasallenstaaten, deren Regierungen nichts weiter als Gcneralgouvcrneure der Krone Preußens seien. Er forderte die Aufnahme Süddcutschlands und wies den Einwand einer drohenden französischen Einmischung zurück. Sie würde zur Folge gehabt haben, daß sich ganz Teutschland wie ein Mann gegen Frankreich erhoben hätte...! Der Bund, schloß Bebel, mache Teutschland zu einer großen Kaserne, er vcr- nichte den letzten Rest von Freiheit und Volksrccht. Tic Fortschrittlcr hieben in dieselbe Kerbe. Waldeck nannte den Reichstag ein„Scheiirparlament", ein„Zoll-, Telegraphen- und Postparlament".„Er hat ja keine Rechte, und ein Parlament, das keine Rechte hat, muß man auch nicht wollen." Und am 31. Mai beantragten Waldeck, Vircholv und Haverbeck im preußische,: Abgeordnetenhaus die Ablehnung des Verfassungswerks, weil„eine so mangelhafte, die 2zolksrcchte beschränkende und gefährdende Verfassung s>ür eine weitere Ausbildung im Sinne freiheitlicher Enttvickclung keine Aussicht gewährt." Jener Teil des Liberalismus indessen, der seinen Frieden mit Bismarck gemacht hatte, wollte den geschichtlichen Augen- blick nicht vorübergehen lassen, ohne daß etwas zur Einigung Deutschlands zustande kam. Ter Streit darüber lvnrdc zwischen den Ltbccalcn sei heftig, daß sich alte Freunde in den Wandelhallen des Reichstags nicht mehr grüßten. Und doch waren auch die R a tioila �liberalen mit dem Entwurf keineswegs einverstanden. Sie forderten Diäten für die Ab- geordneten, parlamentarisches Bewilligungsrecht hinsichtlich des Militärelats und cm v c r a n t w o r t l i ch c s R e i ch s- ministeriu m. Da Bismarck das Ganze an der Diäten- frage scheitern zu lassen drohte, fielen sie in diesem Punkte um; in den beiden anderen gab es ein Kompromiß. Ter sog.„eiserne Militäretat", der die Bundespflichten für das Hccr zahlenmäßig festlegen wollte, sollte nur für eine Ucber- aangszett, bis Ende 1871, in Kraft bleiben. Das verantwort- liche Reichsministeriuin war gegen Bismorckz Widerstand nicht durchzusetzen, doch wurde durch einen Antrag Bennigsen die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers vor dem Reichstag festgelegt. Dieser Beschluß hatte die wichtige -rolge. daß Bismarck das Amt selbst übernahm, während er ursprünglich die Absicht hatte, einen Stern zweiten Ranges � man dachte an Savigny— zum Kanzler zu crnciinen, der dann nicht viel mehr gewesen märe als der Gehilfe des allmächtigen preußischen Ministerpräsidenten. Durch die Ein- sührung einer, wenn auch sehr unvollkommenen..Kanzlervcr- antwortlichkeit wurde also die Stellung des Kanzlers ge- hoben und verselbständigt. Ter Gedanke, daß das Reich über Preußen, nicht Preußen über dem Reich stehen sollte, bc- gann Tat zu werden. Es war der erste Schritt weg von der„preußischen Autokratie". Die Forderung eines dem Reichstag wirklich verantwortlichen RcichsministeriumS wurde indes von den Nationalliberalen nicht aufgegeben. Bennigsen wiederholte sie— leider stets ohne Erfolg— noch viermal: 1869. 1877. 1889 und 1892. So war das Mißvergnügen des liberalen Bürgertums nn der neuen Verfassung nur allzu begreiflich. Denn die Einigung Teutschlands war ein Werk, das vom deutschen Bürgertum begonnen, aber erst von den Fürsten unter der Führung der preußischen Dynastie und Bismarcks, ihres energischen Ratgebers, vollendet wurde. So erscheint die Vcr- fassung als ein Vertrag, der zwischen den versckiiedcncn re- gierenden Familien geschlossen wird. Ihre Dberhäupter wählen nach Gutdünken die cinzelstaatlichen Regierungen, und aus diesen bildet sich wieder der Bundesrat, dem das eigent- liche Schwergewicht des Einflusses zugedacht ist, während der Reichstag nur als notwendiges Zugeständnis au die Demo- kratie erscheint. Sein Wahlrecht, aus Gründen der aus- wältigen Politik im entscheidenden Augenblick„in die Pfanne geworfen", gilt als eine Einrichtung auf Probe, die mau wieder abschaffen könnte, wenn sie sich nicht im Sinne der regierenden Schicht bewährte. Die Volksvertretung hat auf Schritt und Tritt um einen bescheidenen Anteil an der staat- lichcn Gewalt zu riiigeu. Ten Gipfel des stolzen Machtbaues krönte aber ein Mann, der Bundeskanzler: Bismarck. »« * Seitdem hat sich vieles im Reich geändert. Was für ewige Zeit gegründet schien, ist schwäckier und schwankender geworden, was als vorübergehende Erscheinung und als ver- änderlich galt, hat sich fest eingewurzelt. Würde man heute die Verfassungsbestiminuiigen aufzählen, die früher oder später vcrsckiiivindcn könnten— das allgemeine Wahlrecht zum Reichstag würbe man unter ihnen nicht nennen! Geblieben ist die überragende Stellung des Reichs- kanzlers. Er wird vom Kaiser ernannt, teilt die Ver- antwortung mit keinen Kollegen— die Staatssekretäre sind seine Untergebenen— und braucht aus dem Widerspruch des Reichstags keine Konsequenzen zu ziehen. Oft hat man diese Stellung des Reichskanzlers mit Kürassiersiiefcln verglichen, die Bismarck für seinen eigenen Gebrauch hatte herstellen lassen, die aber nicht auf jedermanns Fuß paßten. Durch sie befestigte Bismarck sein persönliches Regiment. Dem alten Kaiser war er unentbehrlich, und so konnte er seinen schier linermeßlichen Einfluß nach allen Seiten, Krone, verbündete Regierungen und Reichstag, zur Geltung bringen. Die Situation änderte sich von Grund auf, als ein junger Kaiser den Thron bestieg, der„sein eigener Kanzler" sein wollte. Die ungeheure Macht, die sich in der Stellung des Kanzlers vereinigte, ging damit zunächst auf ihn über, und jetzt empfand nian das Fehlen verfassungs- rechtlicher Hemmungen als um so sckstvcrereu Mangel. E a- p r i v i und Hohenlohe waren, bei aller Stärke ihres guten Willens, doch nur Figuren, die Licht und Glanz, Macht und Einfluß von der Krone empfingen: entlassene Kanzler oder Staatssekretäre glichen Puppen des Marionettentheaters, sobald die Hand fehlte, die sie an starken Fäden aufrecht- gehalten und bewegt hatte, lagen sie unbeweglich am Boden. Die Stellung des Reichskanzlers bob sich erst wieder, als Fürst B ü l o w das wichtige Amt bekleidete. Fürst Bülow war — obgleicki der Urheber vieles Unheils, das uns heute bc- drückt— docki ein Künstler in der Behandlung des Parla- ments, und dieser Kunst verdankte er eine Position, die sich, wenn auch mit der Bismarcks bei toeitm nicht vcrglcickbar, doch nicht mehr so ganz wie die seiner uninittelbarcn Vor- gängcr auf Gunst und Gnade des Herrschers aufbaute. Der Trieb zu erhöhter Selbständigkeit führte Bülow dazu, mit seiner Blockgründniig einen ersten Schritt in der Richtung des parlamentarischen Systems zu machen, und an einem geschichtlichen Tag— im November 1908— stand er vor dem Kaiser nicht mebr bloß als Träger eines Amts, sondern als Träger der Volksmeinung. Damals zeigte es sick, daß der Kanzler einen Reichstag braucht, auf den er sich stützen kann, wenn er nicht nur der Aussiihrer ikm übertragener Auftrüge, sondern ein aufrichtiger und selbstbewußter Ratgeber der Krone sein will. Fürst Bülow wurde das Opfer des Systems, mit dem er experimentiert hatte. Als ihn die Konservativen im Stich ließen, stand er iveder im Vertrauen der Krone noch in dem des Reichstags so fest, daß er sich hätte halten können. � Die folgende Entwicklung unter der fünften Reichs- kanzlcrschast zeigt zunächst eine absteigende Kurve in der Richtung zu Eaprivi und Hohenlohe. Herr v. B e t h m a n n regiert, auf das Vertrauen der Krone gestützt, ohne feste ParlamcntSmehrheit. Aber diese neue Veränderung ist auf keinen neuen Machtvorstoß des„persönlichen Regiments" zurückzuführen, sondern sie erklärt sich aus der Tatsache, daß es dem Reichstag an einem festen, bleibenden Willens- zentrum fehlt. Die erste sozusagen parlamentarische Mehrheit im Reichstag hatte sick, ja auch nicht aus eigenem Antrieb gebildet, sie war von Regierungs wegen dekretiert, Kunst- und Vcrlegenheitsprodukt zugleich. An ihre Stelle trat der schnxirzblaue Block der Konser- vativcn und des Zentrums. Mit ihm konnte Herr v. Beth- mann»ick't parlamentarisch regieren, er hätte dann alle Städte, die großstädtische Presse, die bürgerliche Intelligenz gegen sich gehabt, und die Wahlen von 19t 2 hätten dann wie für diesen Block so auch für ihn einen ruhmlosen Ausgang bedeutet. Diese Wahlen von 1912 brachten den großen Sieg der Sozialdemokratie und eine kleine sozialdemokratisch-liberale Mehrheit, den sogenanten Großblock, der jedoch als Macht- faktor nie in Erscheinung trat. Er hätte, um als solcher auf- treten zu können, die klassenmäßig heterogensten Elemente umfassen müssen. Der schiverindustnelle Einschlag in der nationalibcralen Partei zeigte eine ebenso lebhafte Neigung nach rechts, wie er einen wahren Abscheu gegen links cinp- fand. Und der Ausbruch des Krieges ließ den Gegensatz zwischen der imperialistischen Großbonrgoisie»nd dem so- zialistischen Proletariat keineswegs verschwinden. So steht es um die deutsche Verfassung in ihrem ent- scheidenden Punkte jetzt! Wir haben keinen Reichstag, der— wie zu Bismarcks Zeit oder in den Anfängen der neuen Aera— durch einen herrischen Willen niedergeduckt wird, wir haben aber einen Reichstag, der seine Machtinög- Ilchkciten bisher nicht zu entwickeln vermochte, weil eine fest zusammenstehende aktionsfähige und aktionslustige Mehrheit in ihm nicht vorhanden ist. Wenn die Gegner Teutschlands von einer„preußischen Autokratie" reden, so spielen sie damit auf Verhältnisse an, die zur Zeit der Entstehung unserer Verfassung und ein Menschcnalter danach annähernd bestanden haben, die aber h e u t e n i Ch t m e h r b e st e li e Ii. Damit ist nicht gesagt, daß das Fehlen einer aktions- fähigen Mehrheit im Reichstag ein Vorteil für das deutsche Volk wäre. Aus hundert Gründen, die in diesem Blatt sckion oft erörtert worden sind, ist gerade das Gegenteil der Fall. Die furchtbare Prüfung dieses Krieges hat das deutsche Volk in einem Zustand der politisckien Unfertigkcit getroffen: mitten auf dem Wege von Bismarck zur'Demokratie. Es ist, wie wenn ein Wanderer von einem heftigen Unwetter überrasckt wird, nachdem er ein schützendes Dach verlassen und bevor er ein anderes erreicht hat. Das Vertrauen in die auswärtige Politik eines Staates kann sich entweder auf einen Mann stützen oder auf eine Partei oder Parteigruvpicrimg. In primitiven Verhält- nissen, dencil wir entwachsen sind, erscheint der einzelne Mann auf Grund seiner Stellung und seiner Leistungen als Ver- treter des allgemeinen Volkswillens. In vorgeschrittenen wählt sich daö Volk die Männer feines Vertrauens selbst, sie wachsen organisch aus der Tiefe des Lolksbodcns, und für ihre Irrtümer tragen nicht nur sie selbst— das V o l k trägt mit ihnen die Verantwortung.. Diese breite tragende Grundlage fehlt jetzt dem deutschen Regienmgssystem zu einer Zeit, in der sie ihrer dringender bedurft hätte, denn je. Sie fehlt ihr zum guten Teil auch des- halb, weil durch rechtswidriges Festhalten an einer alten Wahlkreiseinteilnng der wahre Wille der Wähler nicht rein zum Ausdruck kommen kann. Trotzdem! Wer die kümmerlichen Anfänge mit den gegenwärtigen Zuständen vergleicht, der wird finden, daß Deutschland auf dem Wege zur Befreiung der politischen Volkskräfte immerhin ein gutes Stück vorivärts gekommen ist. Der V c r f a s s u n g S a n s s ch u ß. der acht Tage nach dem 50. Geburtstag der Rcichsverfassung zusammentritt, hat die geschichtliche Aufgabe, eine notwendige EntWickelung zu vollenden: die Entwickelnng von der preußischen Autokratie zum deutschen Volks st aat! Das Arbeitsverhältnis im mittelalterlichen tzanöwerk. Von August W i n n i g. Das Arbeitsverhältnis hat im Laufe der Geschichte mannig- fache Wandlungen erfahren. Es war nicht immer so ivie in der Gegenwart; aber der Kampf um seine Verbesserung nimmt uns zunächst derart in Anspruch, daß wir den iveitcr zurückliegenden Wandlungen nur selten gedenken. Und doch ist ein Rückblick auf die früheren Formen des Arbeitsverhältnisses lohnend und reizvoll, er läßt uns den Platz erkennen. den unser heutiges Streben im Ganzen der geschichtlichen Ent- Wicklung cinniiinnt, er vermittelt uns auch ein besseres Augenmaß für die Bedeutung der Veränderungen, die ivir im geiverkschaftlichen und politischen Kampfe durchsetzen können. Wir»vollen dabei von dem Arbeitsverhältnis im Alter- tum absehen— es war ein reines Sklavenverhältnis und kann für die Lcdentung der heutigen Formen gar nichts sagen. Ter gewerbliche Lohnarbeiter entwickelte sich in iiiancherlei Uebergangsformcn ans dem hörigen, fron- Pflichtigen Gesinde der friihinittelalterlichcn Wirtschaftshöfe. Die Aufhellung dieses EntwicklungsvorgaugS ist der Forschung bisher noch nicht gelungen. Man nimmt an, daß diese Wirt!- schaftShöfe l Fronhöfe) ein IvachscndcS Bedürfnis nach gewerb- licher Arbeit entwickelten, daß bestimmte Knechte vorerst nur gelegentlich gewerblich(als Schiiücdc, Stellmacher, Zimmerer. Maurer, Schuhmacher. Schneider usw.) tätig waren, allmählich aber dauernd solche Arbeiten verrichteten, bis sich aus ihnen dann eine besondere soziale Gruppe, die der gewerblichen Arbeiter, eutivlckcltc. Tie Fronhöfe selber wuchsen allmähltch über ihren ersten Umfang hinaus, manche von ihnen wurden zum Wirtschafts- und Verwaltungszentrum ausgedehnter Be- sitzuiigen, zu denen oft mehrere Güter. Vorwerke und Meie- rcien gehörten. Sie wurden zu kleinen Residenzen. In einem solchen erweiterten Wirtschaftszentrum, das vielleicht auch noch eine Marktslätte für fremde Waren iourde, bildeten sich Bedürfnisse heraus, die nicht mehr durch die Hand der Herrschaft befriedigt wurden und die dann einem Teil der gewerblich tätigen Knechte Gelegenheit zu freier Arbeit gegen besonderen Lohn gaben. Diese Entwicklung muß schon unter den Karlingcil bc- gönnen haben, denn zwei bis drei Jahrhunderte später hatte sie schon zu einem bodenständigeu Handwerk geführt, das sich mehr und mehr von jeder herrschaftlichen Bevormundung freigemacht hatte und seine sozialen Angelegeuheitcn cntivcdcr unter Zuhilfenahme des Stadtregiinents oder aber ganz selb- ständig ordnete. Verfolgen wir die Entlvickluug des Arbeitsverhältnisses von dieser Zeit au— und hier bieten erhaltene Urkunden ziemlich sichere Anhaltspunkte—, so stoßen wir in dein ganzen weiteren Verlans auf drei Faktoren der Gestaltung, deren Anteil an der Beherrschung des Arbeitsverhältnisses im Lause der Zeit gewaltig schwankt, die aber doch immer tvicder als die maßgebenden Kräfte hervortreten, die dem Arbeitsverhältnis Form und Wesen geben. Es sind die öffentliche Gewalt, die Meister oder Arbeitgeber, die Arbeiter., Außer diesen Dreien Isat auch die Kirche vielfach das Arbeitsverhältnis zu beeinflussen gesucht, und wahrscheinlich ist ihr Einflusz in manchen früheren Perioden nicht gering ge- Wesen. Aber je mehr sie als ökonomische Macht zurücktrat — und in Deutschland bestand diese Macht seit dem 15. Jahr- hundert nicht mehr— umsomehr schied sie auch als regelnde Macht des Arbeitsverhältnisses aus. Immerhin läßt sich ein gcivisscr Einfluß der Kirche für jene Zeit nachweisen, die wir die erste Stufe des Arbeitsverhältnisses nennen wollen. Auf dieser ersten Stufe wird das Arbeitsverhältnis vor- nehmlich gestaltet durch die Organisationen der Meister und Gesellen. Ein obrigkeitlicher Einfluß ist wohl hier und da vor- Händen, aber für das Ganze wenig bedeutsam. Im allgemeinen standen sich nur die Meisterzünste und die Gescllenverbändc gegenüber. Die alten Stadtchroniken und Urkundenbücher berichten über viele ernste und langwierige Kämpfe, die gewiß nicht immer, aber doch bis zum Ausgange des 15. Jahr- Hunderts meistens mit dem Siege der Gesellen oder doch mit einem guten Vergleich endeten. Soweit man danach das Arbeitsverhältnis rekonstruieren kann, erscheint es stark dcnio- kratisch. Doch fand dieser demokratische Zug des Mittelalter- lichen Arbeitsverhältnisses eine natürliche Grenze in dem Altersunterschied zwischen Meistern und Gesellen. Noch hau- deltc es sich um wirkliches Handwerk, um Betriebe, deren Einrichtung keine für den Gesellcu unerschwingliche Mittel erforderte. Wobl belegte man die Niederlassung als Meister mit mancherlei Sporteln und Abgaben, vielfach führte man auch einen gewissen numerus clausus ein. wonach nur eine bestimmte Zahl von Meistern in der Stadt Handwerkern durste. Dadurch versperrte man Wohl manchen Gesellen von der Meisterschaft ab, doch wareu diese Abgesperrten zu wenig zahlreich, um sich als soziale Gruppe besonders bemerk- bar zu machen. Die überwiegende Mehrzahl der Gesellen brachte es zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr doch zur Vleisterschaft, und infolge dessen bestand die Masse der Ge- seilen aus jungen Leuten, deren Altersverhältnis zu den Meistern in der Regel dem eines Sohnes zum Vater ent- sprach. Daraus ergab sich naturgemäß eine Unterordnung, die nicht sozial, sondern sittlich begründet Ivar, und die den demokratischen Zug des Arbeitsverhältnisses etwas abdämpfte. In der Werkstatt und im Hause galt unbedingt das Wort des Meisters, und der Geselle unterwarf sich ihm. Wie weit diese Wcrkstattgewalt des Meisters gehen konnte, zeigen spätmittel- altcrlichc Holzschnitte aus dem Leben des Handwerks, auf denen zuweilen zu sehen ist, wie der Meister den Gesellen körperlich züchtigt. Dagegen war der Meister bei der Beschaffung der be- nötigten Arbeitskräfte vollständig auf die Organisation der Gesellen angewiesen. Er durfte es nicht wagen, einen Ge- sellen freihändig einzustellen, sondern hatte sich zur Gesellet:- Herberge zu verfügen und dort sein Gesuch um Zuweisung der Arbeitskräfte anzubringen. Ter Altgeselle nahm das Gesuch entgegen, vergewisserte sich nötigenfalls, ob der Meister die festgesetzten Bedingungen erfüllte und führte ihm den Gesellen zu. Lohn und Verpflegung wurden zwischen den Organisationen der Meister und Gesellen festgelegt. Es wurde ausgemacht, wie oft der Geselle Fleischspeisen erhalten mußte. lieber die tägliche Arbeitszeit stritt mai: nicht, sstan arbeitete meist von Licht zu Licht, an den langen Tagen länger als im Winter, im allgemeinen aber nicht länger als zwölf Stunden, die zudem von reichlichen Pausen zum Essen und Trinken unterbrochen waren. Zwischen, Jrühstück und Mittagsmahlzeit gab es einen Frühtrunk, den der Meister auf der Zunftstube, der Geselle in der Werkstatt nahm. Reste dieser Sitte haben sich heute noch erhalten. Trotz der auS- gedehnten täglichen Arbeitszeit arbeitete man nicht mehr als heute, da wenigstens in der Glanzzeit der Gesellenvcrbändc — Ende des 11. bis Ende des 15. Jahrhunderts— die Woche nicht mehr als fünf Werktage hatte. Der Sonntag ge- hörte der Kirche, der Montag den: Leben auf der Gesellen- Herberge. Für jene Zeit bedeutete dieS Arbeitsverhältnis der gewerblichen Lohnarbeiter ein hohes Privilegium. War es doch die gleiche Zeit, in der sich das Landvolk immer mehr bedrückt sah und schließlich keinen andern Ausweg mehr fand, als die große blutige Revolution, hinter der freilich schon ökonomische Kräfte standen, die auch der vergleichsweise guten Stellung der gewerblichen Arbeiter das Grab schaufeln sollten. Das geschichtliche Merkmal des ArbeitsverhältniffeS im mittelalterlichen Handwerk war das Fehlen einer öffentlich- rechtlichen Bindung. Wohl war es bis in Einzelheiten ge- regelt, für die uns erst das letzte Jahrzehnt wieder ein Verständnis gegeben hat; aber die bindenden Kräfte hatten ihren Sitz nicht in obrigkeitlichen Gewalten, sondern in den Organisationen der Meister und Gesellen. In diesem Wesen entsprach das Arbeitsverhältnis den sozialen Grundtatsachen der Zeit. Der Warenumlauf vollzog sich in seiner Maffe innerhalb der örtlichen Grenzen, es fehlte darum die ökono- mische Triebfeder zur Herausbildung einer umfassenden Orga- nisation der wirtschaftlichen Kräfte. Und selbst als der wachsende Warenverkehr nach größerer Rechtssicherheit ver- langte als sie eine Stadtgemeinde bieten konnte, ließ dies Bedürfnis noch keine zentrale Fürstengewalt entstehen, sondern schuf sich den Bund der Städte— die Hanse. Erst das 16. Jahrhundert, als die große WirtschastS- revolution den Glanz der städtischen Macht verblassen ließ— erst die daraus folgende ökonomische Umlagcrung brachte das Aufkommen der Fürstcnmacht, und von da an schlug auch die Entwicklung des Arbeitsverhältnisses andere Bahnen ein. Sie führten zur zweiten Stufe des Arbeitsverhältnisses, in der die obrigkeitliche Reglementierung vorherrscht. /toa Croiffant-Ruft. Von Karl Nötiger. Dar Ircljrc Dichter ist imnicr aktuell; auch wenn er nicht wäh- rcnd des Krieges sich an der Hervorbringung einer lyrischen oder novellistischen Sintflut beteiligt hat. Denn der Krieg ist und bleibt nun einmal ein AuSnahmezn- stand. Und der Dichter schafft nicht für einen Ausnahmezustand, sondern für alle die guten Wünsche und Hoffnungen der Mensch- hcit, die in allem Wechsel der Ereignisse bleiben. Das hindert natürlich nicht, daß dem oder jenem Dichter der Krieg in einer Hinsicht ein großes Erlebnis Ivird und er dies Erlebnis gestaltet. Wenn solcher Fall vorliegt, kann man nichts dagegen sagen und hat nur noch zu prüfen, ob das so entstandene Werk gut geraten ist. Die Mehrzahl der lyrischen und epischen Kriegsdichtungen aber ist nicht so entstanden. Man muß das ruhig aussprechen. Das meiste ist Tageslitcratur gewesen und wird demgemäß verschwin- den. Bleiben werden vielleicht eine Reihe guter Gedichte; guter Schilderungen, oft Sachen, die nicht von Zünftigen geschrieben wurden. Eine Reihe heutiger Dichter hat sich an der..Kriegsproduktion" grundsätzlich nicht beteiligt und hatte ein Recht dazu. Das bc- deutet durchaus nicht, daß sie teilnahmslos beiseite standen, son- dern daß sie das Gefühl hatten, jetzt während des Krieges sei anderes mehr not. Zu diesen Dichtern gehört Frau Anna Croissant-Rust; eine Gestalt, die, obwohl sie schon ein paar Jahrzehnte vorm Publikum ist, noch nicht s o gesehen wird, wie es geschehen müßte. Wenn sie auch eine„literarische Berühmtheit" ist, hat sie doch den Erfolg und die Liebe des Publikums nicht erreicht, die ihr ge- bührt, die aber mancherlei ASnruS Sempers und Herzoge fanden. Ich sagte, der Dichter sei. Können und Echtheit vorausgesetzt, nie unzeitgemäß. Denn er steht ja doch in der Umwelt, wenn er auch in der Erscheinungen Flucht sich an das Wesentlich« hält. Anna Croissant-Rust aber stand so sehr in der Zeit und Umwelt, daß man sie eine Naturalistin nannte und sie als solche heute noch gilt. Nun hat der Naturalismus manche Wandlung durchgemacht. Und bei manchem naturalistischen Dichter und bei manchem Naturalismus handelte es sich schließlich nur um verschleierte Scutimcutalität, die in anderer Fassung bei den verflossenen Baumbachs, Scheffels auch schon da war. Ich selbst bin geneigt, Frau Croissant-Rust eine"Naturalistiii zu nennen; nur soll man sich bewußt bleiben, ?ahr öes Zrieöens 1H4S. Von Paul Enderling. Früh morgens kam der Bürgermeister vor dcS Türmers Türe. Er klopfte so heftig mit dem Blciknopf seines Stocks an das morsche Holz, daß es hie und da splitterte und der Türmer an Räuber und Mörder dachte, die bei ihm, dem Armseligen, einbrechen wollten. „Elausnitzer! So öffne doch!' Als der Alte das vom Steigen und von Aufregung er- hitzte Gesicht den Bürgermeisters sah, dachte er nicht anders, denn der lange, lange Krieg spiele wiederum eine rote Blut- welle an die Mauer des Städtchens. „Sind's die Schweden, gnädiger Herr?" „Nichts davon." „Also die Kaiserlichen— hilf uns, Herrgott, vor Feuer und Brandschatzung!" Der Bürgermeister holte in den: herbeigeschobenen Lehn- stuhl(darin war des Türmers Frau, hochbctagt, vorigen JahreL gestorben) erst Atem, dann wandte er sich dem Alten zu:„Nit schwedisch und nit kaiserlich ist, was heute zu uns kommt; vielmehr ist es göttlick und scheint geradenwegs vom Himmel aus den himmlischen Heerscharen zu kommen, obschon es aus dein Westfälischen kommt." Er dämpfte seine Stimme und faltete die Hände fromm, als er weilcrsprach:„Sie haben in Münster und Osnabrück Frieden geschlossen. Es wird wieder Friede im deutschen Land!!" Ter Alte sah ihn erschreckt au. Er begriff ihn nicht. Er schob seine langen weißen Haare aus der Stirn. „Friede??" stammelte er:„Friede im deutschen Land??" lind er wußte nicht, ob er an seinem Gebieter irre werden sollte oder an sich selber. Durch die Turmluke klang das unruhige Rufen der ab- ziehenden Schwalben. Die warme Herbstsonne füllte den kleinen Raum. In dem goldenen Licht flitzten und schwirrten die behenden zwitschernden Vögel. Sonst hörte man hier oben nichts. Der Bürgermeister erhob sich und ging zun: Fenster. Er stieß auch den zweiten Laden zurück, daß er quietschte und auf die Mauer aufschlug. Drunten drückten sich die Häuser aneinander. Es stand nur noch ein Drittel der Häuser, die unter seinem Vater gestanden, da er Bürgermeister>var. Und doch war auch da- mals schon Krieg gewesen. Stur selten stieg Rauch aus einem Schornstein. Da unten bei Sankt Jakob, wo das Grün wucherte— — Disteln und wertlos Gestrüpp— hatte das Haus gestanden, da er gcehelicht. Darem hatten die Kaiserlichen ihre Brand- kugeln geschossen, als sie ohnmächtig von Nürnberg abziehen mußten. Dort an der Mauer, wo der leere Giebel starrte und wo nur Fledermäuse und anderes Hexciigeticr noch hauste, da hatte er als Kind gcschlaicn und gespielt. DaS hatten Schweden aus dem Nachtrab Torstensons zerbrochen und zer- brannt, nachdem sie den Vater zu Tode gemartert. Der schwere, dicke Mann sank in die Knie und die Tränen liefen über seine fleischigen Wangen in den Kragen hinein. „Und nun ist Friede, Elausnitzer! Nun soll Friede sein..." Der Alte sah ihn kopfschüttelnd an. Ein irres Lächeln überflog ihn; vielleicht war's auch Verlegenheit, weil er den gestrengen Mann da wie ein Kindlein weinen sah. „Glaubst mir nit, Elausnitzer?" „Es ist nur, hochehrbarer Herr— es ist nur: ich kann's mir nit recht denken. Solang' ich denken kann, war Krieg. Mein Sohn starb vor zwanzig Jahren— es können auch fünfundzwanzig sein— unter den Pappenheimern, mein Enkel vor zehn Jahren im Rheinischen. Meine Tochter starb, meine Schwiegertochter und mein anderes Enkelkind. Und immer ist Krieg gewest.. Plötzlich kniete er auch. „Und Gott-- kann er solche Wunder verrichten, daß Kinder loieder ruhig �ilte Leute werden und Knäblein nit schon in der Wiegen vom Schwert gezeichnet sind?" Er umarmte, schwankend, den Bürgermeister. Einen Augenblick knieten die beiden wie Brüder an einem unsicht- baren Altar. „Wer hat den Frieden gekündet?" Er stand langsam auf und versuchte, auch dem Bürgermeister aufzuhelfen. Der lächelte.„Es ist Junker Härlein gekommen, du weißt, der drüben das Gütlein hat. Er ist zu Roß gekommen und hat an meine Tür geilopft. Der Friedensbote ist unter- wegs nach Wien. Heute kommt er durch unsere Stadt. Der Junker soll ihn begleiten und ist nur vorgeritten, derweil der Bote sich drüben in Luckhcim ausruht und seinem Pserd ein neu Eisen anmachen läßt. Er ist nur vorgeritten, weißt, weil er geschwind nach seinem Gut sehen will, und trifft sich mit dem Boten wieder im Rothenburgschen. Gib acht, Elaus- nitzer, auf die Straße gen Luckhein:; wenn er dort hinten um die Eichengruppe reitet, stoß' ins Horn!" Der Alte griff nach dem Horn, das man ihm gegeben, seit auch die letzte Glocke der Stadt, das Feucrglöckchen im Turm, eingeschmolzen war. „Alsdann wollen wir ihm cntgegenschreiten und lobsingen und Hallelujah sagen, lind Blumen wollen wir ihn: auf den Weg streuen." Der Türmer trat anS Fenster. Er achtete dcS Bürger- meisters nicht mehr. Weil lehnte er sich in die Luke, nach Westen schauend. Seme Augen aber hatten einen Glanz, als daß so ein Schlagwort an sich noch wenig besagt. Aber es ist in der Tat so, daß diese Fxau in der Dichtung den einen Pol bedeutet, dessen Gegenpol ich euva das Romantische nennen möchte. Es ist bei der Dichterin eine sehr intensive Art des Sehens und eine ganz bedeutende Art, das Leben realistisch zu gestalten und hinzustellen. Daß sie damit unter ihren dichtenden Genossinnen eine große Aus- nähme bildet, versteht sich am Rande. Hier in den Werken dieser Dichterin ist eine ganz starke, fast männliche Kraft am Werke, ein Gemüt, so unerschrocken, tapfer, wie wir es bei den Frauen selten gewohnt sind; und in der heutigen Literatur so nicht zum zweiten Male antreffen. Wenn denn aber schon ein Versuch der Annäherung an die Aktualität versucht werden soll, so kann ich ja mit einem ihrer letzten Werke anfangen, mit dem Zyklus„Der Tod", der, illustriert von Willi Geiger, in sehr schöner Ausstattung im Verlage Georg Müller in München erschienen ist. Das Erlebnis, dessen Rätselhaftigkeit uns in diesen drei letzten Kricgsjahrcn auf Schritt und Tritt umwittert hat, ist hier vor dem Kriege schon in einem Zyklus von siebzehn Bildern, novellistischen, gestaltet worden. lDas Erlebnis selber hat die Dichterin in der ganzen Vielfältigkeit, Tragik, Seltsamkeit darstellen wollen, nichr Spekulationen nachgehen Ivvllen. lind das ist ihr so gut gelungen, daß das Buch eine zwar schwermütige, aber bedeutende Lektüre aus- macht. Man denkt an den Totentanz HolbcinS, an Bilder mancher Maler, die in gleicher Bildhaftigkcit die Tarstellung des Totes versuchten. Und diese Bildhaftigkeit, die dieser Zyklus hat, gibt den Stücken trotz der epischen Note einen warmen lyrischen Ton. Das Schaffen der Dichterin begann in den neunziger Jahren mit stark naturalistischen Prosastückcn„Feierabend" und ein paar Dramen„Ter Aua" und„Ter standhafte Zinnsoldat". Bei aller Anerkennung der hier aufftrebcndcn Kraft zur Darstellung, sog. „objektiven" Darstellung von Lebensumständen, von Nöten und Mühsalcn der unteren Klassen— diese Periode des Werdens bat Anna Croissant-Rust in ihrem Reifwerdcn überwunden, ohne sich im geringsten in ihrem Wesen bis heute verleugnet zu haben. „Pimperncllchc", Pfälzer Geschichten, waren das nächste Werk, und hier steht die Dichterin nun ganz da. Sie hat nichts verloren, aber viel hinzu gewonnen, nicht zuletzt einen feinen ironischen Humor... � Ein schlechthin klassisches Werk ist„Winkelquarieit", auch eine Pfälzer Geschichte. Auch humorvoll, nein, tragikomisch. Tie Gc- stalten des Juden, der Handwerker, der schwankenden Gestalten aus der Paradicsgasse und der Obsthändlerin— und das alles in dieser treffsicheren Art, die fiir mein Empfinden eine bedeutende Kunst ist, diese souveräne Bchcrrsckmng aller Tinge in der Dar- stellung— das macht das Buch zu einer Lektüre, die der Dichterin nicht nur Anerkennung, sondern auch Erfolg hätte bringen sollen, ivenn wir nicht so versimpelt wären, daß das lesende Bürgertum solche sichere Art der Darstellung des Lebens, wie es i st, nicht er- trägt. Aber ich frage, muß denn in der epischen Dichtung uns immer nur etwas vorgelogen werden? Müssen wir immer nur Schmalz und Sentimentalität genießen? Vermögen wir nicht, in dieser wirklich unparteiisefien, humorvollen, erlösend humorvollen Art uns das Leben zeigen lassen? Es folgen die Romane„Die Nonn" und„Ter Felsenbrunncr Hof". Erstercr ein Volksroman im besten Sinne. Keine Gang- hoscrci. Kräfte, ringende Kräfte, auch tapfer sich durchringende Kräfte. Und Tragiken nicht verdeckt, nicht fortgclogcn. „Der Felsenbrunncr Hos" tst das bislang machtvollste und größte Wert der Dichterin. Ich- will nicht den Inhalt erzählen; nur soviel: e» handelt sich um den Untergang einer GutSfamilic, von der der jüngste Cohn am Schluß den Hof zu retten unternimmt. Aber die Gestaltung! Diese Art, wie Frau Croissant-Rust mit sicherer Tichterhaud das Leben einfängt und wie es sich unter ihren Händen proportioniert, fügt, gestaltet; wie ihre reine Mensch- lichkeit da am Werke ist, fast unbewußt, unmerklich dem Werk den Atem einzuhauchen, der die Werke liebenswert und menschlich wertvoll macht— das große Verstehen des Lebens, und doch ein Darüberstehen... eben der Künstlerin. Nur ganz am Schluß scheint mir diese Menschlichkeit ein klein wenig auszurutschen, wenn der Peter seine erste Frail verstößt, da wir die letzte, unerbittliche Notwendigkeit dazu nicht schein— ob Tic in eine Weite sahen, die viel ferner war. als Menschen- blicke reichten. � In der Herberge, die am Kreuzweg kurz am Ausgang des Fleckens Luckhcim stand, steckten vier Männer die struppigen Köpfe zusammen— der Wirt und drei Zerlumpte, die früher Soldaten gctvcsen und jetzt marodierten. „Er muß reich sein. Nie sah ich ein so reich gezügelt und wohl genährt Pferd. Und die Spitzen am Kragen sind Brabantcr Arbeit und sein Gürtel ist voll und rund." Alle Vier blickten zur Decke empor, darüber der fremde Reiter ausruhte, bis sein Pferd beschlagen sei. Sic füllten ihre Becher mit dem sauren Wein und schnitten sich Brot ab. „Er ist ein gar vornehmer Herr: ich sah Pergamente bei ihm. mit Siegeln— so groß. Und der Junker Härlin ist sein Begleiter gewest." Die Marodeure tranken unruhig ihren Wein. Ihre Blicke flackerten. Einer zog einen Dolch. Der Wirt winkte ab.„Der da oben ist hieb- und stich- fest." flüsterte er.„Er hat mir selber das Alräuncheu gewiesen. che denn er schlafen ging, Stahl bricht an ihm und Llct prallt von ihm ab. „Er muß dennoch dran glauben," knurrte ein Pocken- narbiger.„Und wenn er der Pikkolomtni oder der Karl Ludwig selber war', oder MarS oder der Friedensgott, von dem sie itzt soviel Redens machen." „Dann erst recht! Wo geraten wir hin, wenn Krieg nit mehr Krieg ist. he? Wer kommt mit?" Die drei Soldaten gingen hinaus, hinauf. Der Wirt blieb unten, mit� eingezogenem Kopf auf jedes Geräusch oben lauernd. Kein Schrei kam von oben. Nur das Polten: und das Aufschlagen eines Körpers auf den Boden. Nun kamen sie die Stiege heruntergctappst. Mit den Händen, die den Boten erdrosselt hatten, zählten sie die Münzen, die sie bei ihm gefunden. Ihrer waren viel weniger als sie erwartet. Sie beschlossen, auch seine Kleider zu teilen und chn nackt an der Eichcngruppe zu verscharren. » Jubelnd waren sie hinausgezogen, die Frauen mit Blumen in den Händen, den Boten �zu bewillkommen. Das letzte Eßbare hatte man zusammengekratzt und den Kindern gegeben. Ais sie aber drei Stunden gewartet hatten, kehrten sie in die Stadt zurück. Die rote Farbe war von den hohläugigen Gesichtern gewichen; sie waren wieder fahlgrau geivordcn wie all die vorige Zeit. „Dir haben'L gleich gesagt: eS kann und kann ja utt sein." 7!cbcn diesen Werken silrd zwei Bände feiner und feinster Kleinkunst von der Dichterin erschienen, nämlich die zwei Novellen- Kinde„Aus unsers Herrgotts Tiergarten" und„Arche Noah". Beide Bücher enthalten eine Menge eingefangener Lebensaus- schnitte, humorvoller und tragischer Typen— und immer wieder einmal gewahrt man das Durchbrechen jener Menschlichkeit, die mit der Menschenliebe am nächsten verwandt ist; der Menschlichkeit, die auch jene Lebensumstände mit einbegreift, vor denen ein großer Teil des Bürgertums immer noch eine Scheu hat, als wären sie nicht da. lind das ist Frau Croissant-Rusts Tapferkeit, daß sie uns das Dasein nicht verlügt und verbiegt, daß sie lauter und wahr uns des Lebens Schönes und Trauriges, auch das Schmachvolle mit gleicher Sachlichkeit hinstellt. Und ihr Künstlcrtum: daß die Ding: so überzeugend dastehen, daß man fühlt, die Dichterin steht, wie sichs gehört, schon darüber, ohne mit ihrem guten Herzen ihm fremd zu sein.(Die Bücher der Dichterin verlegte Georg Müllers Verlag, mit Ausnahme„Die Rann" und„Aus unsers Herrgotts Tiergarten", welche beiden Werke in dar Deutschen VcrlagSanstalt erschienen.) Kitt öurch die wüste. Von Fritz Rcck-Mallcczcwen. Nun freilich hält uns Europens Käfig gefangen. Damals aber ritt ich, ein unansehnlicher Pferdehirt, durch die Bcrgwüste Süd- amerikas auf den unwirtlichen Pässen, die mich dreitausend, vier- tausend Meter über das Meer schraubten, ließ mich das königliche Liebt an acht Abenden plötzlich, ohne das diplomatische Zwischen- spiel der Dämmerung, allein an meinen einsamen Feuern, und grüßte lvicdcr mit jubelnder Fanfare das Dunkel zerschneidend, am Morgen die Kämme der Königskordillerc... Ach Freunde: dieses der Sonne geweihte Land bescheint ein anderes Gestirn, als das selbst Eurer Lichtländer. Und nicht um- sonst vergißt der Bcvgindianer das Gelöbnis an den Christengott und beugt, heute noch, das Knie vor dem strahlenden Helden der Höh:... Fch aber reite der steigenden Sonne mit meinen peruanischen Boys entgegen. Die Paßgänger schleichen vorsichtig den schmalen Pfad. Und im neuen Leder der Sattcltasche knarrt des Para- bellums Holzschast:„Para— bellum, Para— bellum." Bis es dem Lhr zur eintönigen Weisheit wird:„Li vis gacem para bellum... para bellum... zi vis..."(Wenn du den Frieden willst, rüste den Krieg.) Stulldenlang geht das so. Zum Teufel, ist der Frie- den so leicht zu haben? Und ritten diesen Pfad Vor mir nicht andere Abenteurer, die ihn, solch stummer Weisheit zum Trotz, nicht gesunden haben?— In dieser Matterhornhöhe blühte bekanntlich einmal eine Kullur. In dieser dünnen Luft die gewaltigste vielleicht, die je- tnals die Welt gesehen hat. Eine Kultur, vor deren Ricsenab- Messungen die Archäologen(deren Aufgabe es bekanntlich ist, große Kulturen der Rachwelt ungenießbar zu machen) ratlos und gottlob auch schweigend stehn. Roch streichen sie stumm um des Sonnen- Coites Riesentempel, die hier ragen. Sie klettern, wenn sie hierher kommen, traurig über die Quadern, deren jede gut ein europäisches Zimmer füllen tönnte. Sie tasten vergeblich über die Ornamente, die in irgendtvclche unergründliche Tiefen einer Vortvelt zurück- führen. Und fahren endlich nach Europa zurück und sprechen lieber von anderen Dingen... Tic anderen aber, die im Größenwahn europäischer Technik noch befangen sind, die kommen lieber überhaupt nicht. Denn sie sahen voller Aerger, daß ihre Stcinmctzenkunst keine Wand liefern kannte, die so glatt ist, wie diese Fronten hier. Sie würden zwischen Stein und Stein die haarfeinen Fugen beschauen, sie würben ihre Taschenmesser hineinzuzwängen versuchen und müßten schließlich sehen, daß sic'S doch nicht können. Und endlich würden sie sich doch darüber klar werden müssen, ivic man wohl vor sechs Jahrtausenden diese gigantischen Cteinmasscn aufeinander türmte, die heute ihre stolzen Dampskränc nicht zu heben vermöchten. Und könnten dieses Rätsel nicht lösen. So lvittcrn sie unangenehme und bloßstellende Probleme und bleiben lieber, wo sie sind. Und stören nicht meine Schauer, meine Träume von einer Menschcnwelt, die so ganz ins Leere gegangen ist und ins Ungewisse... Die Blumen, die in ihren Händen weich- und welk und häßlich geworden waren, traten sie unter die Füße. Und manche spien darauf. Die Kinder schrien:„Bringt uns der Friede Brot und Milch und ein wenig Honig? Wie sieht der Friede aus, Mutter? Ist er gleich einem Erzengel? Ist er gleich einem stiittcrsmann oder einem Prädikantcn? O Mutter, lvarum ist er nit da?" Tie Männer sahen sich stumm an, gingen nicht nach Hause, sondern sammelten sich wie aus Verabredung am Marktplatz, vi cheu blickten sie zum Turm: ClauLnitzcrS Kopf war zu erkennen. Da lugte nach Westen, nach dort, loo der Bote kommen sollte, der den Friedenstraktat in der Tasche trug. Einen andern Weg konnte er nicht kommen. Nur der Magister war frohgemut. Seine Augen leuchteten. Er ging von einem zum andern und erzählte von dem allegorischen Aufzug, so er erdacht und gedichtet. Lange Jahre lag der schon in seiner Schublade. Ehoralstrophcn sollten ihn einleiten und beschließen; dann trat die Gerechtigkeit in schönem lveißen Hemd auf und begrüßte den Frieden, der einen grünen Zweig trug wie einen Palmzweiq und ein grün Gewand. Dann sollten beide— ja. auch die Freude sollte zum Wort kommen— über den Mars, der lvie cm kaiserlicher Reiter gekleidet sein 'nüsse. herfallen, ihn entwaffnen und verprügeln. Er war slolz auf seine Idee. Die Männer nickten schweigend und wandten ihm den Rücken. Der Bürgermeister trat heraus. Sein erster Blick galt nicht den Bürgern, sondern— scheu und verstohlen— dem alten Türmer oben. „�ch weiß nir— mir war so. als hörte ich eines Hornes Klang?" Aber er sprach den Schluß leise, als glaubte cr's selber nicht mehr. „Wir hätten ihn einholen sollen", sagte einer. „Sind keine Pferde mehr in der Stadt und zu Fuß ist's gar gefährlich. Sind Wölfe gesehen worden und Marodeure." „So es nit der Junker Härlin gewest wäre, dem nie und nie eine Unwahrheit nachgesagt ist. möchte ich schier meinen, wir seien genarrt. Es ist aber kein gut Werk, Betrübte zu narren." „Oder eS ist ein anderer gewesen, dessen Namen man nit nennet!" Sie stutzten. Einen Augenblick durchflog sie alle der gleiche Gedanke, es sei der Gottseibeiuns gewesen, der die Gestalt deS Junkers angenommen habe, wie er jede an- nehmen könne, um sie in Hoffnung zu heben und in Eni- täuschung zu stürzen. „Geht nach Hause, Freunde!" bat der Bürgermeister und ging ms Haus, Er mochte sie nicht mehr sehen. Er ertrug ihre Traurigkeir nicht länger. Wenn eine klein« Sandebene unseren Felspfad unterbricht, dann steigt wohl einer der Peruaner ab und schlägt ein Kreuz. „Los padres, Caballero..." Unsere Vorfahren, Herr. Ein paar Steine ragen ans dem Sand, und auf den Steinen sind Fratzen und Runen, was weiß ich. Auch kracht, wenn das Maultier im Sande scharrt, unter seinem Huf Menschengcbein. Eure Vor- fahren, gewiß! Und der weiße Herr, der vor Euch reitet, neigt sich in jeder Stunde dieser acht langen Wüstcntage bor ihnen. Er wagt auch nicht, diese Erde aufzuwühlen, die ihre Mumien deckt. Nicht mir, weil es nach Eurem Glauben Unheil bringt für Reiter und Pferd. Auch nicht, weil in Eurem Gürtel das schmale krumme Messer den Leichensrevel rächen könnte. Ach nein: es mögen ge- trost andere nach der Toten Geheimnisse suchen. M i r sind sie nicht fern, auch wenn ich nicht in höhnisch und überlegen grinsende Schädel schaue... Anderes als Totengebein noch birgt die spärliche Erde: Stein-, äxte, Pfeilspitzen, zertrümmerte Keramik, Goldreifen, tönerne Flöten und Schleudersteine. Vor mir ist das alles sicher. Europa hat genug geschändet hier. Das folgte den Söhnen der Berg« in die letzten Schlupfwinkel, erschlug die Männer, schändete die Wci- ber, wühlte nach Gold und wiegte sein Gewissen in den Traum von wohlgefälligen Werken. Das alte ewige Lied... Die Riesentempel sind geblieben, wie der letzte Priester sie der- ließ, ragen noch immer zu dem Sonnengott empor durch die Nacht. Blaufüchse oder weiß Gott, welch vierbeinig Gesindel hält drinnen seine Abendandacht. Die Bolivier meinen wohl auch, daß in der Dämmerung mitunter schtvach schimmernde Gestalten die Mauern oben entlang ziehen. Das sehe ich nicht. Aber wenn ich den Arm hebe, wächst mir auf der Mauer, die meines abendlichen Lager- feuers Schein rötet, ein gräulicher Riesenschatten entgegcn. So schrecken mich die Toten durch seltsamen Lichtspuk. Nun schlafen auch die Peruaner längst. Jrgendtvo weiden die Maultiere. Der Westwind, der über Gletscher gegangen ist, streift mich mit eiskalter Hand. Ich lieg«, den Kopf auf dem Sattel, und träume Sündhaftes vom fernen Europa. Bis die Erde leise unter mir bebt und ferne Schritte von Mensch und Tier leicht, leicht her- überhallcn. Ich spähe hinaus in die Finsternis und sehe nichts. Verwehende Stimmen jetzt. Naht aus dem Dunkeln eine Toten- karawanc, an dem Weißen zu rächen, was die vor vier Jahrhun- dcrtcn hier frevelten? Aber es kommt dann doch, wie eS immer kommt: die Geister- karawanc ist der Warenzug des Herrn Carlos Buffcnstcin aus Santiago, der im Auftrog der Firma Pfcifcnsilbcr Söhne(Wien, Lcopoldstadt) mit Tragbändern, Gummiwarcn und Götzenbildern in die mcnschcnrcichcn Dörfer des Tieflandes östlich von Sorata reist.— So ritt ich, acht Tage lang, durch die Bcrgwüste. Der Sinn öes Kriegs. Mittag. Die Schellen der Stute Marette zeigen die Rückkehr der Pflegerinnen von Sainte-Cvcile an. Georges teilt die Marseillcr Blätter aus. Ein Leckcrmaul kommt ans dem Obstgarten, mit einer Wassermelone, die er an seinen Bauch drückt, und mit einem Körbchen Feigen in der Hand. CS ist die Stunde, wo es gilt, seine Kräfte wiederherzustellen und selbst im Krieg die Speise- karte nicht zu Vernachlässigen. Löffel, Gabeln, Mahlzeitgellirre. Und immer wieder springt das Gespräch empor, in seinen kriegerischen Tönen. Wenn dann jede der vertrauten Stimmen gleichsam im Kanon den offiziellen Acmeebcricht und die gleichen erhabenen Ge- schichtchen aufgenommen und in verschiedenen Tonhöhen wiederholt hat, läßt man sich in Vorhersagungcn ein und eine unermeßliche Sehnsucht nach der wicderbcfricdcten Zeit richtet ihr Fernrohr nach fernen Möglichleiten. Man erörtert das Wesen deS„elsässischen Empfindens". Ein Gegenstand von brennendem Interesse. Rings um einen Familien- tisch stellen sich die Wünsche des einen und des anderen einander so entschieden entgegen, daß die Vernunft an ein wiedcrversöhnteS Frankreich nicht zu glauben vermag. .Eine Art allgemeine Abrüstung"— Traum jener, die in den Tod gehen. Und auch der Wunsch der Demokratie. Keiner der anderen aber ging. Auch als der Himmel sich schwarz färbte und die Wolken platzten und Regen hernicdcrslrömte, blieben sie draußen. Ter Magister ging lachenden Mundes die Reihen entlang. „Wenn der Friede da ist, wächst das Korn und reift. Und keines Reiters Roß frißt die grünen Keime statt Gras. Und du Bäcker hast wieder zu backen und du Metzger hast zu schlachten und du Weber hast zu wirleu und du Gerber hast zu gerben und du Wirt hast Gäste, die runde Dukaten auf die Tische werfen und Spanferkel und Wein vom Rhein be- gchren. Das Gold wird wiedenim ins Land rollen." Die Männer aber sahen ihn böse an und die Frauen hießen ihn schweigen und schalten ihn einen Narren. In ihren Eingeweidcn brannte der Hunger. Wonach hatten sie nicht gegriffen, ihn zu stillen! Nesseln und Eicheln und Gras hatten zur Nahrung gedient. Es hieß von etlichen, daß sie ihre Kinder geschlachtet, um sich zu sättigen und daß Mann und Frau bei Tage und bei Nacht einander mißtrauten und im Verdacht mörderischer und kannibalischer Ge- danken hatten. Nie hatten sie den Hunger so gespürt— in all den langen Jahren nicht— ivie jetzt, wo die Enttäuschung an ihnen fraß wie inwendiges Feuer. Und etliche Frauen liefen durch die Gassen und sie weinten:„Der Friede komint nit und nit. Es bleibt Krieg. lind morgen verhungern unsere Kinder und übermorgen schlagen euch Kroaten tot und schänden uns Schweden. Und unsere Stadt wird brennen als ein einziger Scheiterhaufen, als ein einziges Brandopfer für den Gott der Rache, der da straft bis ins dritte und vierte Glied. Es ist nie Friede gewest. Das lügen sie. Weißt du, was Friede ist, Brigitte? War er, als du geboren ivardst? War er an deinem Hoch- zeitstag, Kathrein? War er am Verlöbnis der Marei, da sie von einquartierten Dragonern auf dem Leichnam des Verlobten geschändet ward und den Verstand verlor?" lind andere fragten höhnisch:„Wo wohnt denn der Friede, he? Im Rathaus, wo sie Verträge mit allen blutbefleckten Herren und Potentaten schlössen und zerrissen? In der Kirche? Vielleicht auf der Kanzel, aus der die Schotten unsere AugSburger Konfession höhnten und das heilige Buch bespicn? Am Ältar, wo sie ihr Strohlager machten und mit ihren Troßhnrcn buhlten und den sie mit Kot und Unflat bedeckten? Wo wohnt der Friede?? Im Himmel, wo Tag und Nacht das feurige Schwert steht? Wo aber wohnt er, daß man ihn hole. Denn auf Erden ist er nit. Auf Erden ist immer Krieg und Vernichten und Quälen und Morden und wird immer sein." Etliche aber, denen der Wahnsinn im Blick flackerte schrien gellend:„Ter Bürgermeister hat ihn versteckt! Holt ihn „Sollte eine solche Ordnung der Dinge nach dem Krieg nicht Wirklichkeit werden," hat mir Leon geschrieben,.würde sich die Nolle des Militärs nach dem Sieg sehr sonderlich verkleinert dar« stellen." Ein anderer:.Unser alier cäsaristischer Geist sucht seine Revanche." Wir springen von Idee zu Idee, bis wir uns crichöpst fühlen. Wie ein Ballon, dem das Gas entweicht und der schlaff wird. Aber wo werden wir landen? Eine alte Bourgeoise nimmt sich vor, ihrer Köchin weniger zu bezahlen. „Sie werden geringeren Lohn annehmen, weil wir weniger reich sein werden. Sie waren ja unmöglich geworden..." Die Dienstmagd ist schwerhörig, aber sie hat verstanden... (Aus:„Caliiers cl'nn Artiste" sTageshefte eines Künstlers), 2. Reihe von Jaeques-Emile Blanche.) Volksbühne:»Volk in Not". Robert S ch w e i ch c l, sehr viel später Peter Rosegger, haben in historischen Romanen den tiroler Freiheitskampf episch" behandelt. Jener, indem er die Not der Familie sich eng verschlingend mit der Not deS Volkes zeigt und die unsterblichen Donner der Schlackst am Jselberge in einem prachtvollen Gemälde schildert; dieser, indem er mit naturalistischem WahrbeitSmut„Krieg dem Kriege" predigt. Jetz hat der Tiroler Karl Schön Herr den Aufstand seiner Volksgenossen zu einen:„deutschen Hcldenliede" in dramatischer Form verdichtet. Das nationale Element ist mit Recht zum alles be- herrschenden Fakior erhoben. Wenn der erste Akt in vortrefflichem Aufbau den Zustand des durch den Korsen vollkommen seiner Selbständigkeit beraubten Volkes malt, wird man schon gewahr, daß dies Volk das ihm aufgezwungene Joch der Kuechtschast abschütteln wird und muß. Eine, wenn man will, rein militärische Aktion: die Schlacht am Jselberge, knavp und karg im Wort, straff und stürmisch im Rhythmus der tatsächlichen Vorgänge, gibt den Mittelakt. Im Schlußstück ist daS Fazit aus dem soeben beendigten Kampfe gezogen. Mütter, Frauen, Bräute gefallener Landstürmcr — diese sehnlich und ach! vergebens erwartend— rechnen ab mit dem herben Verlust und wie sie sich damit abzusinden, ihn zu er- tragen entschlossen sind. Hier spricht rein Menschliche? seine er- schütternde Sprache. Andreas Hofer, durch Eduard von Winter- stein getreulich im Nachschaffen der Gestalt verkörpert, beherrscht, wie im ersten und zweiten'Akt, auch jetzt die Situation. Als Letzter verläßt er spät abends mit seinem ans dem beschwerlichen Abstieg ins Passeier Tal zu Weib und Kindern vorrnileuchtendri Laternchen die Bühne. Der Heldinnen größte, gewaltigste unter all diesen Frauen im Ertragen eines surchtbarcu Schicksals— sie bat drei Söhne und den Gauen zu beweinen— ist allerdings die Not- adlwirtin, der Else Lehmann Wucht und Scclenadcl verlieb. Max Reinhardt mit Ferdinand Grcgori teilten sich in die Regie. Da trug alles den Stempel natürlicher Echtheit und würdiger Ein- fachhcit: die Dekoration, die Bcrgszeneric. Wenn der Dichter seine Gestalten mit der diesem GebirgSvolk ureigenen Wortkarghcit und Gesüblsschwere charakterisierte, so wurde dieser Wesenhafiigkcit seitens der Leitung sowohl als auch gerade durch die Darsteller im großen und kleinen Rechnung getragen. Da? war so im ersten lote im letzten Bilde. Der Kampsaki, die Farbigkeit und Natnrwahrhcit etwa eines der bekannten Desrcggcrschen Gemälde widerspiegelnd, war glänzend im Rhythmus bis zum Steinlawinen- und Abwehr- stürm als schärfster Eipfelung gesteigert. e. k. 7iotize». — Vorträge, Walter Nithack-Stahn spricht am Mon- tag 8 Uhr in dem Verein für Frauenstimmrccht über.Gleiche Moral für Mann und Frau".('Bülowstr. IW.) Eintritt unentgeltlich. Freie Aussprache.— In der Nrania spricht Dr. L. Darmstädtcr am Mittwoch über„Die Aincrikancr im Weltkrieg". Am Sonntag und Montag:.Der Vicrwaldstätter See und der Gotthard". Dien!- tag und Freitag:„Von der Zugspitze zum Watzmaim". Donnerstag noch einmal:„Werden und Vergehen im Weltenramn".— Im Institut für Meereskunde hüll Physiker Plaut Dienstag und Sonnabend 8 Uhr einen Expetimentalvortrag über die„Funken- telegraphie im Land-, See- und Luftkriege".— Im Botanischen M u s e u in(Dahlem) wiederholt am Mittwoch ö Uhr nachm. Prof. Graebner seinen Vortrag über„Verwendung nutzbarer Gewächse". — In der T r e p t o lo- S t c r n w a r t c spricht Dr. Archcnhvld am Dienstag 7 Uhr über„Entstehen und Vergehen der Erde", Min- woch 8 Uhr über„Neuere Ergebnisse astronomischer Forschungen". heraus! Er lvill Lösegeld für ihn haben. Aber wir haben kein Geld. Nit Batzen noch Heller, nit ein böhmischer Groschen ist niehk, zu finden. Er soll kein Lösegeld haben! Denn der Friede gehört uns." Und sie rissen die andern Frauen mit sich, an deren zer- lumpten Röcken die Kinder hingen, und stießen die Männer vor sich her und lvaffncten sich mit Hausgerät und Schaufeln und was sie am Weg fanden. lind als der Bürgermeister heraustrat und anfangs leut- selig, dann hart sie auseinandergehen hieß, traf ihn der Schlag eines Spatens über die Schläfe, daß er umsank. lieber den leblosen Körper trampelten sie schreiend hinweg und ergossen sich in die Räume seiner Wohnung. Türen und Kasten und Schrank erbrechend.„Wo ist der Friede? Wo steckst du, süßer Friede? Ach komm zu uns! Siehe wir suchen dich ja!" • Als die sechste Stunde gekommen war, stieg der Türmer voni Eckturm herab. Sonst ging er die 117 Stufen im Dunkel der dniikelsteii Nacht, ohne je nach dem Strick zu greifen. Heute taumelte und schwankte er auf jeder Stufe. Die Augen waren ihm geblendet vom ewigen Starren in die Ferne. Er hielt sich Schritt für Schritt an: rauhen Strick. Unten sah er erst, daß seine Hände bluteten. Es hatte ihn oben nicht gelitten. Aber es litt ihn auch in der Stadt nicht, die voller wirr durcheinander laufender Menschen war, voller schriller Schreie, voll wimmernden Weinens. Hüstelnd schleppte er sich durch's Tor, das jetzt offen und wächterlos dastand. Der Regen rieselte langsamer, in verrinnenden Ttopfcn. Der Alte wollte selber nach Luckheini und dort fragen. Er hatte keine Furcht vor Ränbcen, er, der seit Jahren kein Geld besessen. Aber er kam nicht bis Luckheim. Sein alter Körper war von der Aufregung des ganzen langen Tages durch- schüttert. Seine Knie sanken unter ihin zusammen, als seien sie morsch. Totniüde ließ er sich am Mäucrlein des kleinen Pest- kirchhofs nieder. „Herr, gib ein Zeichen, che denn ich sterbe I Kommt der Friede? Kommt er inö deutsche Land??" Der Regen hatte aufgehört. Auf dem schtvarzcn Wolken- grund zeichnete sich ein schmaler, frommer Regenbogen ab. Das eine Ende wuchs aus der fernen Eichengrnppe, das andere tauchte in den Dächern der Stadt unter.... Lächelnd schloß der Alte die müden Lider. Auf Veranlossung der �» abends Llhr Große Muffk-Aufführung Mjos Märe kSmch) Sux im Circus Schumann Kaisermarsch Aida (Wagner) Barbara tverbl) Äorsp. u. Finale II. Alt Emmi Leisner Lessmg-Tksster. 8 Qlir: llontag Vühr: Peer Gynt. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich Uhr; Dar Kammersänger. Comtess« Mizzi. I. Klasse. Kemp Sachmann Söhnen Wlowker Schwarz Schwsgler �500 Mitwirkende Chöre: Prof. Hugo Rödel 1500 Mitwirkende Kgl. Opernchor- Berliner Lehrer-Sesangverein- Berliner Liedertafel. Gcheinpflugscher Chor. Chorschule Prof. Rödel- Berliner Lehrerinnen-Sesangverein- Bruno Kittelscher Chor- Berl. Liederkranz. M.-G.-Berein Beethoven-Quartett- Oratorienverein Neukölln Musikalische Gesamtleitung: Leo Slech Generalmusikdirektor Sintrlttsearten von MI. 2.— bis MI. 30.— bei Dote& Dock, A. Wercheim, an der Eircuslasse und t» der Theaier- Abteilung der Kommandantur von Berlin, Charlottenstraße 43 IIvp Gtiizlge. Nachm. 2'/.(kL Pr.): DerWelbsteufel. Montag: Per Geizige. Kammerspiele. VJ, Uhr: Faschine. Nachm. 21/.(kl. Pr.): GarrAn. Montag: Fasching. Volksbühne. Theat. a. BOlowiilab. 7'/,; Volk In Xot. Nachm. 3(kl. Pr.); Die Ratten. Montag: Volk In Jlot._ Theater i. d. Königgrätzerstr. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. 7'/. Uhr; Krdscist. Nachm. 3 Uhr: Kameraden. Komödienhaus T1/.: Die verlorene Tochter. Nachm. 3 Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater ■ M Uhr: Die tolle Komtei). Nehm. 3 Uhr: Auf Flügeln d. Gesang. Sonntag, den 22. April. Volksbühne, Theater am Bülowplatz: Mittags 12 Uhr: Konzert. Nachmittags 2'/, Uhr: Deutsches OpernhauS: Die Entfüh- rung aus dem serail. Lcifing-Theater: Tie beiden KIWgZ- berg. Nachmittags Z Uhr: VoIlSbühne, Theater am Aülowplatz: Die Ratten. Schiller-Theater, Charlottenburg: Kater Lampe. Schiller-Theater Ost: JohanuiSfeuer. Deutsches Kiinstler- Theater: Char» lotle Stieglitz. Kose-Tdeator. 3 Uhr: Das Glücksmädel. 7-/, mr: Das Findelkind. Theater für Sonntag, den 22. April. Dcutscbcs Opernbaas, Cbarlottenb. ? ühr: Die Fledermaus. Fricdricb-Wilhelmslädt. Theater. 3 Uhr: Der Waffenschmied. 7'/.: Das Drelmüderlhans. Gebr. Hcrrnfeld-Thcatcr, 31/. Uhr: Die Ehre. Tv. uhr: Ehe-ÜFlaub. Kleines Theater 3'/, Uhr: An« Tee tisch. vi,u.: ians in SebeakenloelL Komische Oper 3'/, U.: Der PuBta-KaTaller. 20 Min.: � Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus T'/j Uhr: Ms Zkllijnö Kubznsiill. 3 Uhr: Das Glücksmüdcl. Metropol-Theater »/.Sülir: Die Kaiserin. JoMin: Die Czardastörstin, Neues Operettenhaus Schiffbd.la. KassenteL: Nord. 281. 3 Uhr: Der Vogelhündler. 7v.u.: Der Soldat der Marie. Residenz-Theater 3 Uhr: Der Weg«nr Hülle. ■/jSUhr; Die Warsch. Zitadelle. Sehlller-Theater O 3 Uhr: Johannisfener. 7v.ühr: Der Blbliotliekar. Sehlller-Tfa. Cbarlottenb. 3 Uhr: Kater Kampe. 7'/. u= Hinter Mauern. Thalia-Theater 3 Uhr: Charleys Tante. 2öMhiL: DasVagabundenmädel. Theater am Aiollendortpl. S'/jUhr; Diane Jnngens. p/, u.: Die Guiaschkanone. Theater des Westens t'/jU.: Die Fahrt ins GiOck. 3'/« Uhr: Ein TVaUsertranm. Trlanon-Theatcr 3'/. Uhr; Dreher in Jligrerblut. 8 ü.: Dreher i. 0. a. Feinschmecker. Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute: Großes Konzert des Berliner KonEerthaus-Orchcsters, Leiter: Komponist Frr. v. Blon. Aniane-l-Uiir.--------- Anfang 4 Uhr.- Sonntag, den 22. April: 2 Große 0* Vorslellungen 2 3 ölir T/t ühr. Nachm. 1 angehör. Kind frei! jed. weitere Kind halb. Preis. Vorletzte Sonntagsanliührungeii der Prunkpantomime Die Seeräuber, d. gr. Uhision„Die Wunderkiste" sowio die übr. Spezialitäten. V olgt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Heute nachmittag 3 Uhr Der Protzenbauer. Abeuds 7 Uhr Der Tanztenfel. Ab Montag. 23. 4: Die fdaienkünigin. Casino- Theater Lothringer Str. 37. Täglich?>/, Uhr. Tl. Uhr: Das neue April-Pragr. Xegro, 4 Remlcs. Fr. Steidl 81/, Uhr: Allabendlich stürm. Beifall. ' Groster Hetterkettserfolg Weun's Muitusterl weut. Sonntag 4 Ubr: Sein Puppchen. Sonntag 2 Vorstallungen Nachm. 31/, Uhr, abds. 7'/, Uhr. Nachmittags l��llBd�frel! In beiden Vorstellungen: anch nachmittags Riesen-Pracht- Wasser-Pantomime DieversunkeneStadt AuBerdem vorher das ausge- zeichn. große Zirkusprogramra Henny Porten: Der Liebesbrief der Könlsin. Ein Intrigenspiel m 372 Küssen. Die Goldspinne. Evannendei Drama. U.TSleianoerpU SSnnbftB** weg iltoCTSUtae, Halenpeld-. U.T Schbnederg Walzernacht I lieg.: Oanny Kaden. U.T Snnidrneociecliz: Erika Glässneri F rinzc� cT.cn io!l hc Irnim. URANIA Taabenstraße 48/49. Sonntag, den 22. April 4 Uhr(halbe Preise): Im U-Boot gegen den Feind, 8 Uhr: Der Viervaidstä((er-See und der Goltbard. Montag, den 23. April, 8 Uhr: Der Tierwaldslälter-See und der Goltbard. Lustsplsl In 4 Akten, In der Hauptrolle tVÄ Wanda Tmann ° Viggs Larsen. Ferner: Oer Mann im Steinbruch Drama in 3 Akten. Beginn 3 Uhr. QfpoITo «neoaicKSTR- an■ rat- kooist» Allabendlich 7'/, Uhr; Das vielseitige Varielö-Programm! Die Kasse Ist ab 10 Uhr nefiftnet Festspiele für die Marine 24. biS 27. April i9i7 Zirkus Dusch 24. biS 27. April 1917 Uraufführung: Dienstag, den 24. d. M., abends 7'/, Llhr Die Deutsche See OramalischeS Spiel von Georg Engel/ Musik von Paul Scheinpflug/ Ins». Antz Frledmann- Frederich Di« Demes: Darsteller: Di« Herren: .»«rmls« Rönur 1 2«h- Zlmmensasu I Aeod-r l»»«> S,»,,»lmm-let. �•' 1 WAMf. FTI.. Ml I~ T m*. r«.«Am «SN». Stritt 1 Ol«, v-enivad> «vi Peitr J■i'aie Stariamu ßtnu 200037littp(rfcnde/ Dekorative Entwürfe von Prof. E.�angham Tier/ Dekorationen: Hugo Saruch S Co. .IUIIU.......... 1..11.J1JJJJ.. 3i:a«rünina 3». Wüg Marionne ellsirMSSS lort Jtüderl ÜUfaSci» ZBestrou» Theodor Cte» «»->, m-in Dtlcr Sa», «ort Ar-««rlch Tiarien O.ocr. »nur Wellia Ä.l. H-sb-ll-Umnpe« »it»rrflir». aiflfmtr'Ordjrgrr asirr 8»u.« de. «»«p-uist-s ..!...... l.— ■■■in......... i...... i.i...ie Dm-urmwrun,: Bundes- Ouvertüre ÄüaÄ -----.......................-........................... r— i— rrr.............................................................................................. Preist»er Pllise ste die UrmissShrung: di» 30.— M. Ponxetans bei Wenheim, Boie& P-ck. SBoalibesiank. u des 3»ktuk�ts an» im«»nieiidai«. 3X«Sftr.k 81- ZSr»it weiteres«uflührungen«rm4»I,t« prell« Ndui.ß adesd« 7'/, tlhr Pzestedust fdr»le Berti»«/ Schales I» Ilewcu peeistn. NiTIOH&L-THEATER Köpenicker Str./£3. Mpl. 9344 •/.s Stirffliseher Erlolp!'/.« TtudentenUebchen. Posse mit Ges. u. Tanz. Musik v. W. Bromme. Sonnt, o'l, Jugend v. Max Halbe. Vorverk.: ab 10 Ubr ununterbroch. H e a t o Zwei Vorstellungen Nachm. kleine Pr.! Kind. d. Hälfte. In beiden Vorstellungen I>ncy Kieselhausen mit ihrem Ballett Neue Tänze! Paul Beckers mit neuen Vorträgen sowie der abwechslungsreiche April-Spielplan! Walhalla-Theater. 3 Uhr: Romeo und Julia. i./.u.: DerfibeleKaner. Reicbsballen-Theater. Stettiner Sänger. j«r Rente nachmittags 3 Uhr; Vorstcllnng zu ermäUlgten Preis.! (Parkett 39 Pf., Balkon 75 Pf.. Logen 1 Mk.) Abds.?>/, Uhr: «Cabarett Feldgrau* Ätimiralspalasi. Heute 2 Vorstell., 4 u.T*/, Uhr. Abrakadabra QroScs phantastisches Ballett auf dem Eise. Nachm. kl. Pr. Vorzügl KDche. 3 2 Rente ä Vorstellungen d §1, Nachm. jed. Erwachs. Hl/ /'2 1 Kind frei. 1/ 2 Einziges Sonntags-Gastspiel: Seni M'ahesa und Berlin Im Krieg. C. Richte/ GEriMflia-Praehtsäle�.Tm' C. Richter. Jod. Sonn tg. P. Mantbcys Lust. Sänger u. Konzert. ___ i Neues Prog. Anf. der Vorstellung G'/, Uhr, Sölort Nacbflahme senden. Ich zahle sür: A,�.d)0n:nchen, abgezogen. Pjd. 3,— Masthuhner, sauber gerupjt, 4.— Puten,.„ 4,50 Gänse« oder Entenichmalz, 14,— 8SlS»rf*f!rt« fc Tagehe. Berlin, Planufcr gl. Elektrische Drähte isoliert, Stark, und Schwachstrom, Litzen kaust jeden Posten Trapp. Tvitteubergptatz 3 7» Stcintla? 4659. sind meine Läger: Teppiche, Möbelstoffe, Gardinen, Läuferstoffe, Tisch- u. Diwandecken usw. noch reich sortiert!! Viele dieser Artikel zu alten Preisen!! Teppictl-S psuatas Emil Lefevre Berlin-Süll. Seit 1882 nnr DI Ulli __ Mein allbekanntes Haus hat keinerlei Beziehung zu ähnlich lautender Firma!!