Z4. Jahrgang. ♦ Nr. 14 Der Gefangene. Kamen Russen zu uns in den Schach«. Sollten da unten, in ewiger Rächt, mit uns schaffen. Steine Nauden, Wagen schieben und Vergholz rauben. Strossen wässern. Pferde führen. als Pförtner steh» an den Wettertüren. die Gescheitesten auch eine keilhau haben. um mit zu schürfen und mit zu graben. Waren die Kerle doch alle so dumm. irrten und schwirrten und stampften herum. Sahen am liebsten im Winkel versteckt, wo die Fäule haust, wo die Mäuse knittern, wo die warmen Geschiebe dumpf grollen und zittern, beim Broten im Vergomt und kauten stumm, mit ihren Mänteln zugedeckt. klagten und sagten: Woyna kaputt! German dobra und German gutt.— Ansang», da wollt' mich der Zorn oft fassen, glaubte, ich mühte die Kerle hassen, die so manche» auf dem Gewissen. die meine» Bruder» herze zerristen. die. das verfluchte Gewehr in der Hand. bedroht unser herrliche» Paterland. Bekam auch einen zu mir vor Ort. Ein Zungbouer war», au, Kurland da oben. Deuttchtum spukte In ihm oerwoben. sprach ab und zu ein bekannte» Wort. Mochte ihn nach und nach sogar leiden. denn er war sleihig und sromm und bescheiden. Einmal, da glaubte er sich allein. Zch sah hinterm Stahe und kontrollierte die schlagenden Wetter. Da stand er und flirrte mit den blauen Augen in» Licht hinein: lange, lange, es zuckte sein Mund. And leise stieg ihm au» Herzensgrund ein Lied, eine weise, so fremd, so schön. ich meinte, ich hörte die winde singen, die über an» hoch ihre Flügel schwingen. mit der Sehnsucht ziehn über Täler und höhn. Und al» er schwieg, verloren in Sinnen, noch immer starrend ins zitternde Licht, da sah ich durch sein beruhte» Gesicht zwei Tränen langsam niederrinnen. And gleich, im Geiste, in Schmach und Banden, in Sibirien sah ich die deutschen Brüder. hörte vor helmweh gesungene Lieder, und spürte ihr Grühen au» endlosen Landen. Da ward mir klar, ich sag' e» frei. doh Sehnsucht, Treue und Heimatliebe bei guten Menschen dieselbe sei: und dah de» herzen» schönste Triebe, die aus uns kommen, Zeichen sind. dah wir alle einer heiligen Erde Kind, geschaffen zur Eintracht und zum Frieden. doh uns allen ein Himmel aus Erden beschieden. Otto Wohlgemut h. Seilage zum �vorwärts" Serliner Volksblatt Serttn, 15. Mai 1417 Das theresianische Gesterreich. Von Franz Diederich. Als der Weltkrieg begann, schössen die Eroberer- wünsche ins Kraut. Stärker aber als sie ist im Verlaufe der ungeheueren Auseinandersetzung von Blut und Eisen der Erneuerungswille geworden, der auf die innere Art und Kraft der Staaten schaut. Die Probleme, deren Lösung der Krieg unterbrach, sind aus Erschütterungen aufs neue hervorgewachsen und zeigen sich in verstärkter, drän- gcnder Mächtigkeit. Die Stunde bricht an, wo die Zukunft neue, befreiende Stufen und Schwellen hergeben muh und wo der reiche Vorrat an Wust und Unrat, den die Staaten schleppen, unter den Besen gelangen wird. Verschollene Epochen werden in der Stimmung dieser Zeiten wach, Epochen, in denen die staatliche Entwicklung in Stillstand ge- riet, den wir nun zu lösen haben, Epochen aber auch, in denen die Bewegung anhub, die für Folgezeiten Erhebliches wirkte. Das kann dein Gedenken an die Oesterrcicherin Maria Theresia, das deren 200. Geburtstag am 13. Mai anregt, in gewissem Umfange eine gegenwärtige Wichtigkeit geben. Denn von dem Donaustaat läßt sich sagen, daß er recht sehr ein Land der durch Jahrhunderte hin belastenden, aber immer noch ungelösten Fragen ist. Nickt wenige von den Schwierigkeiten, auf die rcformatorischer Wille zur Zeit jener Herrscherin stieh, machen sich im Werden des öfter- rcichifchen Staates noch heute lästig geltend. Aber was einst durch die Gewalt äußerer Umstände aus sehr verschiedenen, ungleichen Dolksbestandteilen politisch und staatlich zu- sammengeführt wurde, ohne doch zu einer vollkommenen inneren Verbindung zu gelangen, das kommt nun endlich, ge- stützt von wirtschaftlichen Möglichkeiten, die früher noch fehlten, und gefördert durch die Gefahr schwerer Kriegs- stürme, unter das Gesetz der Forderung, die cinzelstaatlichen Elemente als innerlich zusanimengehörenden Wirtschafts- körper überstaatlich zur Einheit zu verschmelzen. Das liegt weit über den Zielen, die sich die österreichische Staatskunst der Regcntenzeit Maria Theresias(1740— 1730) stellte, aber was damals staatsreformatorisch in den Ländern, die das Habsburgische Zepter anerkannten, geschah, stellt sich, an dem heutigen Ziel des Nationalitätenstaates gemessen, doch als ein bedeutsant vorwärts führender Akt modcrnstaatlicher Ent- Wicklung dar. Der erste Schritt zum Absolutismus. Maria Theresias Epoche ist heute nicht mehr unmittel- bar nah. Für die reichsdeutschen Lande ist sie ganz in den pudcrgrauen Dänimer vorrevolutionärer Seiten entwichen, und das Oesterreich der Gegenwart sieht im Zurückschauen zunächst den geschichtlichen Gipfel der achtundvierziger Hoff- nungen, Errungenschaften, Enttäuschungen und Lehren. Aber wer die Aufgaben, die diese erschütternde Zeit in Oester- reich in Angriff nahm, an der Quelle studiert, dem drängen sich auch die Jahrzehnte der Maria Theresia auf, in denen die kräftiger bewegte Reformära Josephs II., des Sohnes und Mitrcgcnten dieser Kaiserin, ansetzt. Das Jahr 1848 bewies, daß das a b s o l u t i st i s ch e Regiment bis zur Unfähigkeit an Haupt und Gliedern erledigt war: die Ver- suche aber, ein System der absoluten Monarchie in Oester- reich aufzurichten, fallen in die Zeit jener Herrscher des 18. Jahrhunderts. Was diese anstrebten, darf nicht schlecht- weg verwechselt werden mit dem, was den Sturm von 1848 gegen sich aufrührte. Der Kern ihrer Arbeit bedeutet den Anfang des modernen Staates, der über den alten mittelalterlichen Lehnsstaat hinauswollte. Die Arbeit ivar aber der gewaltigen feudalen Gegenmacht nicht Herr ge- worden, hatte ihre wirtschaftlichen Grundlagen und die dar- aus entspringenden Vorrechte nicht erschüttert. Die Guts- Untertänigkeit, der Robot der Bauern trotzte zäh und ver- schwand nicht. Wenn die Monarchie eine zentralistische Verwaltung anstrebte, so zeigte sich in der Folge, daß dem Grund. adel keineswegs die Möglichkeit genommen war, bestimmende Klasse zu bleiben. Er paßte sich der geschaffenen bureau- kratischcn Organisation ein, brachte sie unter seinen Einfluß, besetzte ihre Aemter. Für eine grundstllrzende Aenderung hätte es der neuen wirtschaftlichen Macht bedurft, die der bürgerlichen Klasse geschichtlich besckieden war. Doch dieser fehlten noch die Bedingungen zu schnellem, kräftigem Ge- deihen. Das Gewerbe blieb Kleinbetrieb, es mangelte an Han- del, an Kapital. Die alte zünftlerische Organisation wurde wohl mit Ausnahmebestimmungen behängt, aber nicht gebrochen und beseitigt. Das wirtschaftliche Schicksal Mitteleuropas, seit der Aera der großen Umwälzungen der Handelswege und Neulandscntdeckungen in Hemmung, Stillstand und nach- schleppendes Aufkommen geworfen zu sein, lastete schwer auf Oesterreich. Die Reformen des 18. Jahrhunderts blieben äußerlich, verzerrten sich, wurden rückwärts revidiert; was sich daraus ergab, wirkte schließlich darauf hin, daß der Staat, innerlich erstarrt und verwirrt, jäh in die Gärung von 1848 gerissen wurde. Dieser endlich gelang der Feudalvormacht gegenüber, was dem Wollen des tüchtigen Joseph II. und mehr noch seiner Mutter versagt geblieben war. Was unter Maria Theresia für den neuen Staatsbau erreicht war, glich nur, wie der Geschichtsforscher Adam Wolf sagt, einem modernisierten Feudalschlosse: ein neues Stockwerk war auf- gesetzt, neue Flügel waren angebaut, aber alles ruhte auf dem alten Grundbau. Keineswegs gingen die Staatsmänner jener Zeit, die H a u g w i tz und Kaunitz und andere, darauf aus, diesen Staatsgrundbau zu ändern. Sie waren keine Sozialrefor» matoren, in deren Vorgehen sich ein von Erfahrung gereiftes Systcni offenbarte. Nicht von wirtschaftlichen Bedürfnissen der breiten Schichten der Staatsbevölkerung wurden sie ge- trieben, sondern von der Sorge um den politischen Zusammen- halt der österreichischen Staatsteile. Wenn das Gebiet, das sich, von der Donau verbunden, zwischen Alpen, Sudeten und Karpathen erstreckt, auch geographisch als eine Einheit er- scheint, so war es doch dem Volksaufbau nach vielfach geteilt und in Gegensatz gebracht; gleichwohl wies der poutische Fattor, sich gegen übermächtigen feindlichen Andrang zu wehren, immer wieder auf gemeinsames Handeln an. Aus dieser, zumal von Südosten her durch die Türkenflnt ge- stellten Aufgabe, die den österreichischen Landen eine Aufgabe des gesamten Deutschen Reiches übertrug, erhielt, die Haus- Machtspolitik der Habsburger ihren geschichtlichen Sinn. Da diese Aufgabe, als das Reich wirtschaftlich und politisch zurück- ging, blieb und sich sogar steigerte, wurden die Donaulande zu den: gesonderten Reichsgebilde, das sich als Ganzes hielt und sich schließlich im 19. Jahrhundert vom Deutschen Reiche abschied. Die Zeit Maria Theresias hat gerade die größte Gefahr bedeutet, daß der Donaustaot. der große feste Kern deutschen Reichsgebiets, dem Böhmen. Ungarn, Tirol ange- gliedert war, zerfiel oder vielmehr zerschlagen wurde. Daß der Vater dieser Frau. Karl VI., der letzte Habs- burger. ohne männlichen Erben blieb, hatte sich zwar nach imsäglichcn kabinettspolitischen Mühen und schweren poli- tischen Handelsopfern durch die Pragmatische Santtion, die das Reckt der weiblichen Nachfolge m den habsburgischen Herrschaftsrechten sicherstellte, in den österreichischen Landen ausgleichen lassen. Ueber diese hinaus blieb jedoch die Frage der Anerkennung ein Mittel, sich in die österreichischen und damit immer in die deutschen Angelegenheiten einzumischen. Die Thronbesteigung Maria Theresias wurde gleichsam das Signal zu Kriegen, die sich über zwei Jahrzehnte hinwälzten. Frankreich, das seit hundert Jahren die Zerklüftung Deutschlands mit fettem eigenen Landgewinn betrieb, unter- stützte Ansprüche der bayerischen Kurfürsten auf die habS- burgische Erbfolge und ließ ein Heer marschieren, das sich in Böhmen festsetzte. Acht Jahre dauerte dieser Erbfolgekrieg (1740— 1748), und zwei Kriege mit Preußen, die beiden ersten schlesischen, verquickten sich mit dem schweren Ereignis. Der Gegensatz zu Preußen, das durch den geographisch begründeten Wunsch nach dem Besitz des schlesischen Oder- landes zunächst zum Anschluß an Frankreich gelangte, trieb Oesterreich auf Englands Seite; später aber fand Preußen Englands Bündnis und Oesterreich. machte gemeinsame Sache mit Frankreich. So zeigen sich die Kriege, die seit 1740 um Schlesien geführt wurden, als ein Teil des Kampfes, der eben damals zwischen Frankreich und England begann: des weltpolitischen Kampfes, der zunächst die atlan- tischen Küstenländer Nordamerikas betraf und der schließlich — ein Vierteljahrhundert nach Maria Theresias Tode— mit der Vorherrschaft Englands auf den Meeren der Welt endete. Die beiden wirtschaftlich fortgeschrittenen, innerlich ge- schlosscnen Staaten trugen also ihren Machtkampf zum Teil aus dem Boden des wirtschaftlich zurückgebliebenen, in staat- lichen Neubildungen auseinanderweichenden Deutschen Reiches aus. Dieser bedrohlichen Lage aber entsprangen die An- triebe der Reformen, die unter Maria Theresia für Oesterreich begannen. Sie wurzelten nicht, wie in den Weststaaten Frankreich und England, in dem Erstarken der neuen bürgerlichen Wirt- schastlichkeit, denn Piese fehlte in dem noch feudalistischen Donaustaat; sie gingen vielmehr aus von der Notlage der Landesverteidigung und also von der Sorge um Heer und Finanzen, die sich beide in zurückgebliebenem, stärkeren An- spannungen nicht gewachsenen Zustande befanden.� Ein Land, in dem die Interessen der Bevölkerung noch örtlich begrenzt und dessen Einrichtungen außerdem gebietsweise gespalten und ungleich entwickelt sind, ein solches Land trotzdem zentra- listisch zu vereinheitlichen, war eine ungeheure Aufgabe, und die Schwierigkeiten zeichnen sich denn auch im Verlauf und Ergebnis der Lösung drastisch ab. Die Hemmgewalt der Stände. Der Absolutismus, dem unter Maria Theresia Bahn ge- schaffen wurde, mußte also gegen die noch ungebrochene Autorität derStände durchgesetzt werden. Daß man den Weg einschlug, dies Ziel unter Schonung �der zu Bekämpfenden zu erstreben, entsprach nur dem Stande der ökonomischen Kultur Oesterreichs. In diesem Gebiet nistete noch die alte feudalistische Macht von Kirche und Grund- a d c l, die in den blutigen Zeiten der Gegenreformation ihre wirtschaftliche Sache und politische Vorherrschaft gesiclzcrt hatte. Das habsburgisch regierte Spanien war führende Vor- macht dieser Bewegung gewesen, und in Wien hatte der spanische Geist, durch engste höfische Beziehungen lebendig er- halten und getragen von der Organisation der Jesuiten, bis in Maria Theresias Zeit einen Hauptstützpuntt. Die Reaktion des mittelaltcrlich-feudalen gegen das neuzeitlich-bürgerlicku: Europa drückte sich in diesem Geiste aus, und mancher Zug in Maria Theresias Haltung weist auf die Macht hin, die er in Oesterreich noch besaß. Der Not ihrer Staaten sich fügend, konnte Maria Theresia der Reformarbeit ihres Ministers Haugwitz, die den großen Adel traf, nicht im Wege sein. Ihr persönlicher An- teil daran bestand in dem willigen Gewährenlassen trotz der ständischen Gegenwehr. Sie wäre trotz alles Eifers, sich ein Urteil über den zu behandelnden Stoff zu verschaffen, einem autokratischen Eingreifen auch nicht gewachsen gewesen, ganz abgesehen davon, daß ihr, die sechzehnmal Mutterschaft er- fuhr, gerade in den Jahren des aus Zeiten ihres Vaters er- erbten schlimmsten Wirrsals des Staates die physische Möw lichkeit zu solchen Leistungen fehlen mußte. Aber da die Macht derStände— das war eben der Adel— ein vorsichtig-rücksichtsvolles Vorgehen der Regierung bedingte, fand die frauliche, menschlich zugängige, lebensfrohe, gewinnende Art der Fürstin die Aufgabe, die ihr lag. Ihr Wort und Tun verstand sich auf das Mildern und Uebcrbrücken, das von Person zu Per- son wirkte; ihre Neigung, festlich und kostspielig Hof zu halten, half alte Verbindung mit dem Adel sichern; ihre Abneigung gegen die Auflockerung der Sitten, die mit dem eindringenden französischen Einfluß die adlige Lebensweise wandelte und von der Fürstin durch„Keuschheitskommissionen" f /ämpst wurde, entsprach bürgerlichen Stimninngen. Ihr GckVen lag im Staatsintcrcsse; sie hatte dafür Verständnis, gcm sich danach und brauchte nicht viel zu künsteln, um das Staats- nützliche zu treffen. Als es darauf ankam, in Bayern Syin- pathie für Habsburg zu erobern, zog sie— so wurde es wenig- stens im Bilde dargestellt— in Gegenwart ihrer entsetzten Hofleute cm paar bayerische Ledcrkurzhosen über die Beine. Es ist kein Zufall, daß der Absolutismus, der in die altein- gelobte Ordnung der breiten Bevölkerung viele neue und un- bequeme Pflichten einzuführen unternahm, angestrengt bc- müht war. Popularftät für die Träger der Krone zu ge- Winnen. Auch um Maria Theresia ist mit eiftig nachhelfender Hand die Legende der Volkstümlichkeit gesponnen worden, und ihre Art machte dies Gespinst leicht. Schrittweise wurde in Oesterreich das Ziel gesucht, den ständischen Körperschaften den Anteil an Gesetz- febung und Verwaltung zu nehmen, und das geschah, ohne ic alte Ständeverfassung aufzuheben. An die Stelle der Stände trat das Beamtentum; die Steuerfreiheit des Adels wurde aufgehoben, ein neues Steuersystem, das nicht mehr auf das Bewilligungsrecht der Stände an�ewtesen war, wurde geschaffen, die Bewilligung der Truppen den Ständen genommen und so unter Zentralisierung der Verwaltung, für die das preußische Muster vorbildlich wurde, die finanzielle Grundlage für ein neues Hcerweien hergestellt. Das Pro- vinzialiutcressc wurde hinter das Staats- fnlctcfrc zuruckgcLrang?. NuK den Ttädien gingen naH und nach durch Verivaltuiigsmaßnahmen alte Rechte verloren: Gerichtsbarkeit, Polizei, Volksschulwesen, Rekrutierung, ökonomische Verwaltung— alles wechselte an staatliche Beamte über. Aber auch hier kam es nur zu einer Erschütterung der alten Versassung: eine Auflösung wurde nicht gewagt. Daß bei alledem keine sozialen Ziele verfolgt wurden, zeigte sich besonders bei der Behandlung der Frage des Ver- bältnisses der Bauer n zur Grundobrigkeit. Maria Theresia hielt die Hand schützend über Gutsuntertärrigkeit und Robot; sie sah den Robot an als ein wohlbegründetes Recht und als Eigentum der Grundherren. Als jedoch 1769 die Steuerfreiheit des Adels aufgehoben und zwischen Bauern und Grundadel das K r c i s a m t mit dem Recht der Aufsicht über das Untertanenwesen und der ersten Entscheidung bei Beichiverden eingeschoben war, ließ sie, dem Willen ihrer Minister gehorsam, Ansichten über den Schutz der Bauern - hören, die besser mit Staatsvernunst und Zivilisation in Ein- klang standen. Nicht länger mehr konnte der Staat sich gegen die Wirkungen seiner Reformen sperren: da der Bauer Steuer �rtsien und Rekruten geben sollte, mußte seine Arbeitskraft für die Selbstverfügung freigemacht und instand gesetzt werden, sich ausreichend zu ernähren. Aber erst unter Joseph II. kam es 1781 zur Aufhebung der Leibeigenschaft, und auch die wieder blieb noch auf Jahrzehnte hinaus nur papierne Bestimmung. Gutsuntertänigkeit und Robot haben für den Sturm von 1848 mitgesorgt. Wie der Regierung durch rücksichtslosen Eingriff in diese Gutsherrnrechte, durch eine durchgreifende Pflege der bäuer- lichcn Interessen der Adel entfreindet worden wäre, so hätte sie dadurch aber auch den Klerus getroffen, der als grund- besitzende Macht seit dem Ausgang des Dreißigjährigen Krieges gewaltig aufgestiegen war. Die Zeit, die Kirche unter staatliche Bevormundung zu nehmen, brach an, auch in Oesterreich. Das fand seinen besonderen Ausdruck im Vor- gehen gegen den I e s u i t e n o r d e n, das schon unter Maria Theresias Vater angesetzt hatte. Gerade hier aber weigerte sich Maria Theresia, mit dem österreichischen Erbe zu brechen. Unter ihrem Regiment dauerte das Nachspiel der Gegenrefor- mation, die Austreibung von Protestanten, noch bis 1771 fort. Die Aufhebung des Jesuitenordens durch den Papst 1774 räumte endlich an der Donau die schlimnrstm Hem- muugeu weg, allerdings auch in diesem Falle nicht auf immer. Wenn die josefinische Zeit die staatliche Oberaufficht über die Kirche einführte und die Beseitigung der Klöster in Angriff nalnn, so blieb der kirchliche Einfluß am Wiener Hofe gleich- wohl stark; die Möglichkeit, wieder eine Macht zu werden, war ihm nicht genommen. Was er unter Maria Theresia gewesen ist, komint auch in der geistigen Gesamt! ultur jener Epoche zum Ausdruck.„Hier wird alles, was Schlming der Seele und moralische.Kraft heißt, unterdrückt. Nichts als Schwelgerei und ein bloß der Sinnlichkeit gewidmetes Leben!" So schrieb im letzten Regierungsjahr der Kaiserin ein Reisen- der über Wien, dem Grillparzer noch viel später, ober noch im Vormärz, den Namen„Capua der Geister" geben konnte. Das eben war das Zeichen eines Zustandes, daß eine alte Gesellschaft hinsiechte und eine neue noch nicht reif war. Ersatz zu entwickeln. Der Kern aller Staatssorgen war die Vermehrung der öffentlichen Einnahmen geworden; in dieser Aufgabe, die neben die Steuerreform die Papiergeld- Wirtschaft und die von Maria Theresia eifrig propagierte Erfindung des Lottos setzte, erschöpfte sich die Kraft der Regierenden-, ohne doch je eine befriedigende und dauernde Lösung finden zu können. Dafür fehlten die sozialen Vor- bedingungen, und obendrein verschlangen iiirmer wieder Kriege die aufgespeicherten klingenden Erträge. Die Gesamt- kultur des Staates stieg nicht auf, aber die Bankschuld wuchs ungeheuerlich schnell. Maria Theresia entging es nicht, daß der Stand der inneren Angelegenheiten Oesterreichs ein trauriger sei. Nach oben, sagt Adam Wolf, habe wenigstens der Staatsrat, die neugeschaffene oberste Instanz des Absolutismus, eine ge- wisse Ordnung und Einheit in die Geschäfte gebracht, nach unten ober sei der alte feudale Grundbau geblieben. Ein Staat, der gesund uird wohnlich aufsteigen soll, muß aber von unten berauf neu wachsen können. Daß dieses Wachstum sich nicht küminerlich erzwingen läßt, hat mancher Herrscher der absolntisti'chen Zeit an den Fehlschlägen seiner Versuche. Industrien aufzuzüchten, erfahren. Unter Maria Theresias Das Getränt meines Sruöers Elias. Bon Schalom-Aleichem. I. — Für einen Rubel hundert Rubel? � — Hundert Rubel und mehr kann jeder monatlich ver- dienen, der den Inhalt meines Buches kennen lernt. Preis des BucheS ein Rubel franko. Beeilt Euch! Bestellt! Ver- paßt den Augenblick nicht, er kommt nie wieder!— Diese Anzeige hat mein Bruder Elias in einer jüdischen Zeitpng gelesen, nachdem er infolge des Bankrotts seines Schwiegervater- zu uns übergesiedelt ist und sich»selb- ständig" gemacht hatte. Elias hatte sofort einen Rubel— einen letzten Rubel— an die angegebene Adresse geschickt und erklärte meiner Mutter: — Gott sei Dank, nun sind wir gerettet! Nun sind wir vollständig gesichert!— Und er zeigte nach seinem Halse, um das Maß der Sicherheit zu bezeichnen. — WaS heißt das?— fragt meine Mutter.— Hast du etwa eine Stelle gefunden? — Besser als eine Stelle!— antwortete Elias, und seine Augen glänzen vor Freude.— Man muß nur ein paar Tage warten, bis das Buch kommt.— — Welches Buch?— — Ein wunderbares Buch!— erwidert EliaS. Er fragt Mama, ob sie mit hundert Rubel im Monat zufrieden sein würde. Mama lacht und sagt, sie wäre mit hundert Rubel im Jahr zufrieden. — Du bist viel zu anspruchslos!— erklärt EliaS. Er geht jetzt täglich aus die Post, um sich nach dem Ein- treffen des Buches zu erkundigen. ES ist schon mehr als eine Woche her, seit er das Geld geschickt hat, und das Buch ist noch immer nicht angekommen. Mittlerweile haben wir nichts zum Leben. Und die„eigene Seele spuckt man nicht auS", sagt oft Mama. n. Endlich! Das Buch ist eingetroffen. Man packt es aus, und mein Bruder Elias vertieft sich in sein Studium. Was da nicht alles drin steht! Wieviel Mittel, Geld zu verdienen, wieviel Rezepte! Ein Rezept— hundert Rubel monatlicher Verdienst— zur Fabrikation von bester Tinte; ein zweites Rezept— Vater hatten sich im Allschluß an große, deil Türken cntriffcne Landgewinne im Douaugebict, ferner an Erlverbungen in Italien sowie an den Besitz der südlichen Niederlande Pläne entwickelt, Oesterreich in den großen Weltverkehr cinzufügeu. Sogar an seestaatliche Macht wurde gedacht. Als Handels- Pforte nach dem Mittelmeer wurde Trieft gepflegt; das längst schwach gewordene Venedig ttwhrte sich nicht.?lber der Erfolg blieb aus: was nützte dem Handel eine Erleichterling, wie Trieft sie bot, wenn zugleich im Landesinnern sein Weg mit dem Äleigewicht alteingelebter Zölle behängt blieb! Den Profit von Trieft hatten allenfalls griechische Kaufleute, aber das österreichische Gewerbe blieb klein und schwerfällig, ein Versorgcr enger, naher Märkte. Sogar der Ackerbau stockte damals, Verkehr, Münze, 5lredit waren von aller Einheit Iveit entfernt. Die staatliche Gemeinsamkeit der Arbeit fehlte. Trennung und Verschiedenheit war die Regel. Die Staats- männer Maria Theresias haben indes immerhin begonnen, in dieses Wirrsal einige feswerbindende Bahnen zu legen. Das theresianische Oesterreich stellt sich also keineswegs als Bild einer Blütezeit dar. Aber den Mühen, gegen die äußeren.Bedrohungen zu bestehen, entsprangen innerpolitische Veränderungen, die den Ansatz einer Auflösung des mittel- alterlich eingerosteten Staatswesens bedeuten sollten. Der Ständestaat fing an, sich umzubilden in eine absolute Monarchie, diese Vorstufe des neuzeitlichen Vcrfassungsstaats, der einmal Grundelement überstaatlicher Wirtschaftsvereini- gungcn sein wird. Schwerer Stillstand geriet in Bewegung, und das ist es, was damals die Fortgeschrittenen und�Vor- wärtswollenden in Deutschland anzog. Als Maria Theresia 1786 starb, widmete ihr K l o p st o ck. der kein hohler Schmcich- ler war, eine Ode, in der sie„die Menschlichste" genannt ist. Wie kann dieser Ehrenname gemeint sein, wo doch die Reform des Staatsrechts, die unter dieser Fürstin vorgenommen wurde, die Folter bestehen ließ? Ter Dichter iah den Kern der Arbeit, die ihren Namen trägt. Er schätzte Maria Theresia um ihrer Tätigkeit willen, die er empfand im Gegensatz zu dem drückenden Sttllstand des Vergangenen, aus dem man erlöst sein wollte zu neuer Bewegung. Aus seiner Ode und aus dem Urteil, das Goethe in„Wahrheit und Dich- ttmg" fällte, ergibt sich aber auch, daß man ihr huldigte in der Hoffnung auf stärkere Taten ihres Sohnes, dessen Feuer und Energie seine Zeitgenossen hinriß. Uns, den Nachfahren und Zeitgenossen von Revolutionen, die mit Ricsenstößen stürzten und mit Zyklopenhänden btruen, uns kann freilich heute das Werk der thcresianischen Zeit, als Ganzes an der Gesamtaufgabe gemessen, gering und unzu- länglich erscheinen, aber jene Menschen des 13. Jahrhunderts standen noch vor der Schwelle, priesen als Heil schon den Entschluß zur Tat und schätzten das einzelne, was geschah, nach ihrer Hoffmrng auf Weiteres und Größeres. Wir müssen's ihnen lassen: der Lebende hat recht. Wie öas Zlugzeug entsteht. Von Richard Woldt. Eine Flugzeugfabrik bietet eigentlich für einen Besucher, der mit Eindrücken industrieller Wunderwerke etwas verwöhnt ist, keine Sensation. Nicht eine machtvolle Ärafikonzentraiion oder ein« kunstvoll aufgebaute Maschinenwirtschaft treten uns hier entgegen, sondern das Flugzeug wird vorwiegend im handwerklichen Großbetriebe hrrgestellt, der bei gutem-Geschäftsgang bis-löv» Ar- beiter beschäftigen kann... Die Flugzeugfabrik hat alfv- eine» handwerklichen Einschlag. ES ist Qualitätsarbeit, weil besonders am Rumpf und an den Trag- flächen jedes Einzelteil seine bestimmte Leistungsfähigkeit besitzen muß. Die Fabrikationsmaschine hilft wohl bei dieser Arbeit, aber es kommt noch viel auf die Schulung und Zuverlässigkeit des Mannes an, der das Einzelstück anfertigt. Denn in das fertige Flugzeug sollen sich Menschen hineinsetzen, und Menschenleben stehen darin aus dem Spiel. Dementsprechend ist auch die Bctricbsorganisation. Im all- gemeinen gliedert sich die Flugzeugfabrik in zwei Abteilungen, in die Tischlerei und Schlosserei. Jeder dieser beiden Ab- teilungen steht ei» Meister vor. In größeren Betrieben führt die Auffickt je ein Obermeister. Innerhalb der Tischlerei und Schlosse- rci gliedert sich der Betrieb wieder in entspreckende Einzelabtci- lungen unter Führung je eincs.Meisters oder Vorarbeiters..Der hundert Rubel monatlich— zur Fabrikation von Wichse; ein anderes Rezept— hundert Rubel monatlich— die Herstellung eines Mittels zur Vertilgung von Ratten, Mäusen und Schwaben: ein weiteres Rezept— hundert Rubel und mehr monatlich— die Herstellung von Likören, süßen Schnäpsen, Limonade, Sodawasser, Kwaß und so weiter. Mein Bruder Elias hat dem zuletzt genannten Rezept den Vorzug gegeben: cS gibt die Möglichkeit, mehr als hundert Rubel im Monat zu verdienen und außerdem braucht man sich nicht mit Tinte oder Wichse zu beschmutzen, oder sich mit Mäusen, Ratten und ähnlichem widerlichen Setter abzugeben. ES bleibt noch übrig, daS Getränk zu wählen. Zur Fabrikation von Likören und süßen Schnäpsen gehören Rotschilds Reichtümer, zur Herstellung von Sodawasser hat man eine Maschine nötig, einen Stein— also wiederum Geld, es bleibt also nichts anderes übrig als der Kwaß. Der Kwaß ist ein billiges Getränk, und es wird sehr viel davon ver- kaust, besonders bei so'ner Hitze wie in diesen: Sommer. Boruch, der Kwaßfabrikant, ist reich geworden. Er stellt zwar „Flaschenkwaß" her, der sich eines großen Ruhmes erfreut, er„schießt" nämlich. Wieso dieser Kwaß schießt, weiß ich nicht. Die einen sagen, Boruch lege Rosinen hinein, andere wieder, er benutze Hopfen. Wie es Sommer wird, hat Boruch den ganzen Tag die Hände voll zu tun, kaum findet er Zeit, daS verdiente Geld abzuzählen. Unser Kwaß ist kein Flaschenklvaß. Er schießt auch nicht. Wie mein Bruder ihn herstellt, weiß ich nicht, während der Fabrikatton verschließt er sich in Mamas Zimmer; weder ich, noch Mama, noch Brocha, Elias' Frau, dürfen hineinblicken; wir hören nur, wie er Wasser gießt. Ich weiß trotzdem, woraus Elias' Kwaß besteht. Wenn. Ihr mir ver- sprecht, daS Geheimnis zu Ivahren, will ich cS Euch verraten. Zur Herstellung von Kwaß gehören: erstens Zitronenschalen, dann Honigseim, ferner eine Substanz, die den Namen „Kremortar" trägt und viel saurer als Essig ist, und schließ- lich Wasser. Wasser am meisten und hauptsächlichsten. Je mehr Wasser, desto mehr Kwaß. Das alles wird mit einem Stock tüchtig gerührt— und der Kwaß ist fertig. Es bleibt nur noch übrig, ihn in eine Kanne zu gießen und ein Stück- chen Eis hinein zu tun. Ohne Eis taugt das ganze Ec- tränk nicht. Zweck dieser Gliederung ist nur aus der Art der STrMt zu verstehen: der einzelne Mann braucht Anleitung und Anflicht. Des- halb haben Vorarbeiter, Meister und Qberincister, die im handwcet- lichen Sinne die Arbeitsmethoden beherrschen, nach einem sorg» fältig durchdachten Arbeitsplan die Herstellung zu überwachen. In einer genau vorgeschriebenen Aufeinanderfolge gehen die Einzel- teile durch alle Stadien der Fabrikation. Zuerst fängt die M a s ch i n c n a r b c i t e r g r u p p c an. Ter Rumpf entsteht, die Holztcilc werden zugeschnitten. An Holzbcor- beitungsmaschinen knirschen und kreißen die Sägen der Fräser» schlanke Streben und Rippen, dünne Holzplatten liesern das Roh- Material für den Bootsbau. Das ist die zweite Gruppe, die jetzt den Rumpf, daS Boot zusammensetzt. Aus Holzstrcbcn, mit Stahldrähten und Spannschlässern zusämmengespannt, mit dünnen Holzplatten beschlagen, lväckst wie ein Walfisch der Außenkörper heran. Im gleichen Schritt damit arbeiten die Rippen mach e r, die F l ü g e l b a u c r. Ihre Ausgabe besteht darin, die Trag- fläche, die Flügel herzustellen. Wie leicht das gebaut wird! Alles aus Holz, aber bei näherer Betracktung zeigt sich, wie auch hier die Leicktigkeit mit der Festigieit vereinbart wird, überall Siahlbeschläge, Stahlvcrschraubungcn, Blechvcrklci- düngen und wo irgend angängig, kommt Aluminium zur Anwcn- dung: für den Flugzcugbaucr das ideale Metall, das metallische Festigkeit mit geringerem Eigengewicht verbindet. Die Bootsbauer geben den Rumpf an die SH lo ss e r- A b- t e i I u n g ab. Das Arbcitslebcn in der Tischlerei war ruhig und still, in den Abteilungen der Schlosserei ist es ein Hämmern und Poche», Feilen und Schmiede». Hier ist ausschließlich Metall das Bcarbeitungsmäterial. Der Rumpf wird auf das Fahrgestell gc- setzt, einem zweirädrigen Wagen mit Autorädcrn im federnder La- gerung. Tie Klempner schließen den Maschinenraum, die Ab- teiluiig, in welch« der Motor gesetzt, wird, mit Aluininiuinbogen, Seitenwänden und Haube ab. Für die Befestigung' der Flügel und Steuerflächen stellen die Schlosser die Beschläge chcr. Bei de: Gelegenheit lernen wir auch das anwgcnc Sehlvcißverfahreu kennen und zugleich ein interessantes Kapitel der industriellen Frauen- arbeit. Autogen schweißen beißt, zwei-Stahlsflicke. so zu verbinden, daß sie nachher als ein Stück betrachtet werden können. An seinem Arbeitstisch sitzt der Schweißer und hat eine Pistole in der Hand, ein Doppclrohr, ans dessem vorderen gemeinsamen. Rohrstück eine Stickflanunc mit sckmrfer Spitze bcrausstr-ömt. Durch Schlauchverbindung ist diese Pistole nach rückwärts mit. einer Flasche komprimierter Kohlensäure und mit einem Behälter ver- bunden, in dem Earbid einer chemischen Zersetzung unterliegt. Da- durch werden die für das Schweißen wichtigen Zusatzgase zum Sauerstoff erzeugt. Diese Gasverbindung läßt an dem Ausfluß der Pistole die Stichflamme entstehen, die einen eminent bobcn Hitzegrad erreicht. Vorsichtig und geschickt lenkt nun der Schweißer diese Flamme über die Nabt hinweg, die zwei gut aufeinander- gepaßte Arbeitsstücke verbinden soll. Die Stellen werden hellrot glühend und ein aufgelegtes Löfltück schmilzt und verbindet die beiden Arbeitsstücke so, daß die Mctalltcilc an der Naht vollständig ineinanderfließen. Für die Flugzcugfabrikation ist die Autogcnschwcißung ein wichtiges Arbeitsverfahren geworden, denn die Möglichkeit wurde gegeben, Bleck und Rohrteilc der verschiedenartigsten Form ohne komplizierte Stanz- und Biegewcrkzeugc durch sie zusammen zu fügen. Auch hier Hot man mit der Frauenarbeit erfolgreiche Versuche durchgerührt. Zunächst sollte naflirlick die Frau als Kon- kurvcntin des-Mannes an den Arbeitsplatz herantreten. Dann aber zeigte sich-auck, daß dir Frauen für viese Arbeit eine gewisse Geschicklichkeit mitbrachten. Es kommt närnlkst darauf. a4|, die Wirkung der Stichflamme nur bis zu ciircm bestimmten Hitzegrad abzupassen. Die Metalltcile der beiden Nahfltcllcn müssen glühen und schmelzen, sie dürfen nicht zu weißglühend werden, so daß die Partien„vcrschmorcn". Ich habe Schweißcrrnnen kennen gelernt, die urit leichter Hand die Pistole zu dirigieren wußten und durch ihre Aufmerksamkeit ziemlich zuverlässig die richtige Schmelz. Periode abpassen konnten. Wie man überhaupt auch aus diesem Gebiet die Frauenarbeit schätzen lernt, in dem Sinne verstanden, daß Frauen eine Ausdauer, Geduld, Zuverlässigkeit, Pslicktgefübl für mancherlei Funktionen der praktischen Jndustriearbcit initbrin- gen, durch die sie dem Manne eine gefährliche Arbcitskonkürrentin werden. Infolge der gewalisai» hinaufgetriebenen Frauenarbeit in der Rüstungsindustrie wird das nach dem Kriege noch ein Thema für sich werden..._____ HI._. Als das erste Faß Klvaß fertig Ivar, wurde beschlossen, daß ich ihn verkaufen soll. Wer denn sonst?-Für meinen Bruder paßt sich das nicht, er ist immerhin ein erwachsener, ja verheirateter Mann, der Mutter hätten wir ohnehin nicht erlaubt, mit der Kanne auf den Straßen herumzugehen und auszurufen:„He, Juden Kwaß!" Deshalb mußte ich schoil gewählt werden. Ich hatte auch gar nichts dagegen. Elias erklärte mir meine neue Arbeit. In der einen Hand soll ich die Kanne an einem Bindfaden, in der anderen das GlaS halten, und zur Herbellockung der Kunden soll ich singend rufen: Juden, hier habt Ihr den feinsten Kwaß,. Eine Kopeke nur jedes Glas. Süß und erftischend ist mein Kwaß. Eine Kopeke kostet's Glas! Mein Stimmchcn ist klangvoll, ein reiner Sopran. Ich gehe und singe, die Verse oft verwechselnd. Ich weiß nicht, ob mein Gesang oder der Kwaß so gut ist— die erste Kanne war bald verkauft. Ich brachte fünfundvicrzig Kopeken nach Hause, das Geld gab ich meiner Mutter und bekam eine zweite, volle Kanne. Elias rechnete schnell aus. daß, wenn ich täglich zehn bis zwölf Runden mache, das Geschäft einen Gewinn von hundert Rubeln monatlich abwerfen wird, die Sabbate nicht gerechnet. DaS ist leicht begreiflich, das Ge- tränk kostet fast nichts, die Hauptausgabo ist das Eis. Daher muß man den Kw— aß so schnell als möglich ver- laufen, damit das Eis der einen Kanne auch für die zweite benutzt werden kann. Man muß sich also beeilen, und ich singe auch schon laufend. Mir nach läuft ein.Haufen Jungen und necken mich, ich mache mir aber nichts aus ihnen und gebe mir nur Mühe, meinen Kwaß schneller zu verkaufen. Ich erinnere mich nicht mehr, wieviel ich am ersten Tage verdient habe, ich weiß nur, daß mich alle, Elias und Brocha und Mama sehr lobten. Zu Abendbrot bekam ich aus diesem Anlaß ein Stück Melone, ein Paar Pflaumen und Kwaß so- viel ich wollte. Mama ordnet zur Nacht meine Bettstelle auf dem Fußboden und fragt mich, ob mir die Füße weh tun. Elias lacht aber und sagt, daß ich von jener Rasse sei, au welcher keine Krankheit hängen bleibe./ fpöiint*, nSmlidj cingchakt und dann durch Drahtscilc und Spann- schlösser uiit dem Rumpf verbunden. Auch das ist eine Zuverlässig- kcitsarbcit. Denn die Drahtseile der Steuerflächen gehen zu den Lenkrädern oder Lenkstangen im Führer- und Beobachtersitz. Von hier aus muß ja nachher die Maschine dirigiert und gesteuert werden. Ebenso hat die Winkelstellung der Tragflächen zum Rumpf an beiden Seiten sachgemäß zu erfolgen, denn von einer konstruktions- gemäß richtigen Anbringung wird die Steigleistung sehr beeinflußt. Diese Spanndrähtc mit ihren Spannschlössern müssen sachgemäß halten, denn wenn hoch oben in den Lüften die Steuerung versagt oder die Tragflächen sich lösen, wird für den Flug der Aufstieg zu einem Jkarusflug. Nachdem alle diese Arbeiten ausgeführt sind, kommt das letzte Stadium: die Abnahme. Es gilt, die fertige Maschine durch die letzte Prüfung der Militärbehörde passieren zu lassen. Auch hier sind natürlich strenge Bestimmungen maßgebend. Bon dem Flugzeug ist eine Probeleistung abzugeben. Nach Einbau aller notwendigen Hilfsmittel und Apparate soll die Ma- schine das vorgeschriebene Gewicht an Brennstoff, Waffen(Ma- schinengewchr, Bomben), den Führer und Beobachter von normal bestimmtem Körpergewicht tragen und in einer genau festgesetzten Zeit von Minuten und Sekunden eine verlangte Steighöhe erreichen. Eine geschulte und gedrillte Arbcitergruppe unter Leitung eines Monteurs trifft die Vorbereitungen dieser Abnahme. Noch einmal wird die Maschine nachgesehen, die Benzintanks werden gefüllt, der Bootsraum mit Säcken und BIcistücken vorschriftsmäßig belastet. Am Morgen des Abnahmctages erscheint die Maschine am Start. Tic Soldaten der Abnahmekommission kontrollieren die Gewichte und die Gcwichtsvertcilung. Der Motor wird angelassen. Ter Abnahmepilot, von der Firma selbst gestellt, setzt sich in die Kabine, ein paar Anweisungen und die Maschine steigt empor. Ter Abnahmcoffizicr selbst braucht sich um das Flugzeug nun nicht inchr zu kümmern. Für die Kontrolle der vorgeschriebenen Bedingungen in den Stcigclcistungen sorgen empfindliche Apparate, die den Abnahmepiloten unerbittlich und gewissenhaft beobachten. An den beiden Seiten des Rumpfes, an den Tragflächen, für den Piloten selbst unerreichbar, sind Barographen unter Verschluß auf- gehängt worden. Das sind Mechanismen, die Zeit und Steighöhe anzeigen und aufschreiben. Verbindung von Zeituhr und Barouictcr. Kommt der Pilot nun herunter mit einem Barogramm, dessen Stcigzeiten und Steighöhen den Bedingungen genügt haben, so gilt die Maschine als abgenommen. Nach erfolgter Abnahme wird ein Prüfungsprotokoll ausgestellt. Nachdem die Militärbehörde sell>st durch abkommandierte Fachsoldaten den Einbau des Ma- schincngeloehrs hat überwachen und die Waffen einschießen lassen, und nachdem auch noch die Funkentelegraphieapparate eingebaut sind, wird die Maschine dem Bestimmungsort zugeführt. Vielleicht schon nach einigen Tagen schwebt der Kricgsvogel draußen irgendwo an den Fronten in der Luft, indem er auf Ertundungsfahrten vor- stößt oder mit seinen Fliegerbomben einen feindlichen Ort heim- sucht.(z) berliner SezePon. In der am Sonnabend eröffneten Ausstellung(Kurfürsten- dämm 232) sind Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Radie- rungen zu sehen. Zu viel, um durch ein einmaliges Anschauen einen geklärten Eindruck zu vermitteln? zu wenig, um die An- nähme zu widerlegen, daß Zeiten hochgespannter Erregung und schwerer Sorge den Künsten nicht günstig sind. Ohne Zweifel gibt es hier eine ganze Reihe portrefflicher Blätter; sie wurde ober zersprengt: wahllos hängt Gutes neben Unbedeutsamem. Das ist falsche Regie. Wir stehen in einem Laden kür mancherlei, aber nicht in einer Ausstellung, hinter der wir trotz der notwendige», Organisation eine bestimmte Persönlichkeit, wenn auch kein Programm, so doch ei» geklärtes Wall«: erwarten. Es ist für halbwegs erzogene Augen schlechchin unerträglich, diese dicht besteckten Wände genießend anzuschauen. Grundsätzlich ist ferner festzustellen, daß Geschicklichkeit und kunstgeschichtliches Wissen noch längst keine Kunst sind. Kunst n»uß uns irgendwie erregen, muß uns sättigen, muß uns lachen, weinen, tanzen, fliegen machen. Ich habe nichts Derartiges an mir fest- stellen können. Das Niveau all dieser vielen Arbeiten ist gewiß sehr anständig; aber es fehlen die Stücke mtt Hörner und Klauen. Vielleicht erklärt sich solch Uiibefriedigtsciil aber auch aus einem Mangel an Empfänglichkeit des Betrachters; auch auf ihn wirkt die bewegte Gegenwart störend und abstumpfend ein. Tie Kunst � hat eben keine gute Zeit, wenn die Waffen lärmen. Eine sehr schöne Saunnlmig von alten Buchnriniaturen ist zu sehen. Leider sind die meisten Stücke gefühllos aus dem Zusammenhang der Seite, der sie einst angehörten, herausgeschnitten. Blöde Händ- ler aus einer Zeit, die das Harmonische des Zusammenklangs von.Schrift und. Bildornäment noch nicht wieder erkannt hakke, haben um des Profits willen ihre barbarische Schere das vor- bandene Material verdoppeln und verdreifachen lassen, lieber diese Miniaturen, deren Einwirkung aus die Sehnsucht einiger lebender Künstler nicht zu verkennen ist, wird bei einer eingehenderen Betrachtung jedenfalls mehr zu sagen sein als über die meisten der anderen Blätter, die gestern und vorgestern entstanden sind. II. Er. Volksbühne:»Elga�. Grillparzer, der Schicksalsdichter, gestaltete„nach cincr als wahr überlieferten Begebenheit" die Erzählung„Das Kloster bei Gcndo- mir". Von der uin sie wie ein Schleier gebreiteten unheimlichen Romantik mochte Gerhart Hauptmann zunächst angezogen worden sein. Die Grundmotive, die psychologischen„Drehpunkte" sozusagen, entnahm er der Novelle. Das ist richtig. Trotzdem ist sein„Elga"-Drama etwas ganz anderes. Ihn reizte lediglich das dort gegebene„dreieckige Verhältnis". Dies arbeitet e er heraus, mit allen Feinheiten eines modernen Dichterpsychologeii und entschiedenen Naturalisten. Biel, mehr als eine Studie in Bildern mutet„Elga" freilich nicht an. Aber unbestreitbar dramatisch ist sie, mag auch dieser Hauptmannsckie Weib-Typus eher aufreizend brutal als anreizend sein und wenig Teilnahme auskommen lassen. Damit ist dann aber ein�dankbarer Vorwurf modernster Charakter- darstellung auf der Bühne geschaffen. Nirgends zeigt sich dies eindringlicher, als bei Reinhardt und den Seinen. Was die Regie Ferdinand Gregoris angeht, so ivird man sich vielleicht nicht ganz mit dem starren naturalistischen Priu- zip der dekorativen Ausstattung befreunden. Manches, wie etwa gleich die Gemächer der ersten Szenen, vertrüge lebendigere Farben. Man sähe auch gern, die Frühlingsblast da draußen durch Tür und Fenster hcreinwogen--- anstatt bloß davon des Dichters Worte zu hören. Anderes binlviedcrum— beispielsweise die Schlußszene im Turm � könnte deutlicher sein, lind der Zuschauerraum sollte Ivähreud der Verwandlungen weniger in ägyptische Finsternis gc- taucht sein. Um so packender war der Eindruck vom Spiel. Nicht alle Rollen mochten befriedigen. Dahin rechne ich die etivas Haus- backeue Darstellung der Mutter des Grafen; ihr fehlte die Vor- nehm Veit und Bestimmtheit einer wirklichen Matrone. Ten Ver- Walter gab G r e go r i zu unterlvürfig. Gut, zum Teil Vortreff- lich, zumal in den Szenen, die den Iuhel seines Eheglücks künde», war Emil Jannings als Graf Starschcnski. Vollends wußte Maria Fein den Erfolg des ganzen Abends auf ihre„Elga" zu vereinigen. Nicht immer ist ihre Geste und Bewegung von Effekt- hascherci frei. Aber diesen Weibtypus: Vamphr, Nest voller Schlau- gen, liebestolle Leidenschaftlichkeit, hohnlachendes� Spiel mit Ge- fahren, alles in cincr Kreatur— begreift sie mit»»»gebändigter, freilich auch zn weilen allzu naturalistischer, daher weniger künst- lerisch gezügeltcr Gebärde und Kraft. TaS Elementare in ihr reißt mit; das Sprunghafte der Blutwelle und Seeleuerrcgung nicht uiiuder. Ob der Zuschauer manchmal ein wenig ruhigerer Momente bedürfte, ist natürlich eine besondere Frage. Was jedoch im allgc- »»einen an der Gesamtdarstellung des Dramas ausfiel, war: daß die polnische Wesenheit so echt als sicher getroffen und festgehalten wurde._ ek- Notizen. — Chr. Morgen st erns von tiefem Weltschmerz erfülltes Gedicht ist der Sammlung„Melancholie"(Verlag Bruno Cassirer) entnommen. — Vorträge. In der Treptow-Sternwarte spricht Dr. Archenhold über„Mars, seine Kanäle und Eisfelder" am 15. Mai, abends 7 Uhr. Am Mittwoch. IL. Mai, 8 Uhr. spricht Dr. Darmstadter über„Amerikas Eingreifen in den Weltkrieg". Mit dem großen Fernrohr werden am Tage Sonnenflecke, abends Saturn beobachtet.— In der Urania gelangt diese Woche allabendliw, auch am Himmelfahrtstage, der mit farbigen Bildern und Wandel- Panoramen ausgestattete Vortrag„Der Vierwaldstätzter See und der Gotthard" zur Darstellung. ....y-.&i n.Vp r.s.ch.l.a.st zur Theaterreform wird von einem Bühnenverlag deip. Oesserttlichkeit unterbreitet: neue Bühnenwerke solle»» anonym eingereicht und auch bei der ersten Aufführung anonym bleiben. — Der schlagfertige d e W et. Der unversöhnliche Burengeneral de Wet steht bekannilich als Rebell unter slrcngcr polizeilicher Kontrolle. Neulich saß er in einem Kaffeebause zu Prätoria irarntten einer großen Schar von Freunden,»nit denei» er sich»»»unter unterhielt. Plötzlich klopfte ihm ein englischer Geheim- Polizist auf die Schulter»nd sagte lau»:„Geiwral, denken Sie daran, daß Sie keiner Versammlung beiwohnen dürfen!" Der alte Freiheitskämpfer lächelte spöttisch und erwiderte:»Sagen Sie mal, »vas kann ich denn dafür, daß die Bersanunlung»nir beiwohnt?" — Die Grabschrift M i r b e a u s. Auf dem Gl'abc des freigeistigen französischen Schriftstellers Octave Mirbeaus wurde fol- gende Inschrift laus seinen eigene»» Werke»») angebracht:»Hasse nie- inanden, nicht cininal den Bösen. Beklage ihn, denn er lvird»»»emals den einzigen Genuß keniren. der den Trost des Lebens bildet: Wohltun." Freilich Tai»n man'nun nicht behaupten, daß das Autogen- Sckivcißen für die Frau ein gesunder Beruf ist. Den ganzen Tag muß sie, eine unförmige Schutzbrille auf den Augen, mit gespann- testcr Aufmerksauikcit am Arbeitstisch sitzen und die ungesunden Dämpfe des chemischen Schwcißvorganges einatmen. In dem langgestreckten Saale der Montage innerhalb der Schlosserei stehen reihenweise Flugzeugrümpfe in den verschieden- sie»» Arbeitsstadicn aufgebaut. Tie Tapezierer umklcben den Rumpf mit Lciuenstofs, der durch eine Strcichmasse wetterbeständig imprägniert wird. Ain Schwanz werden die Höhensteuer und Ecitenstcuer angebracht. Aus dünnem Rohr fertigen die Schlosser zuerst die Gerippe an, und dann werden auch diese Flächen mit Lciiienstoff straff bezogen. Die Höhen- und Seitensteuer entstehen nach der gleichen Fabrikationsmethode zu kleinen Segelflächen, die nachher für die Auf- und Scitwärtsbewegung des Flugzeuges hinten ein Schloanzendc die Lust abzufangen haben. Eine besondere Arbeitergruppe baut den Motor ein und stattet die Kabine des Führers und Beobachters mit den Apparaten aus. Bon der Motorenfabrik ist der Motor geliefert worden. In den seltensten Fällen fabriziert ein« Flugzengfabrik ihren Motor selbst. Auch bei der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft entsteht der Motor in einer ganz anderen Abteilung, in einem getrennten Werk; denn hier handelt es sich um Spezialersahrungen und eine Spczialfabrikation. Ter Motor wird aus seiner Hokzkiste ausgepackt und zunächst einmal ausprobiert. Er niuß zur Probe laufru. Denn alles hängt' von ibm ob. Er ist die Seele des. FIugzeugeZ. Auf festen Balken isl die Maschine in das Flugzeug mit langen gesicherten Schrauben- bolzen eingesetzt. Der Motor brüllt und rast. Er macht 1200 b's 1400 Touren, das heißt in jeder Sekunde beinahe 20 Umdrehungen. Ein gefesselter Tita», der nachher dem Flugzeug Leben und Bewe- gung geben muß. Alle Ventile und Lager, alle Organe der Steue- rnng und' Oelschmicrung werden nachgesehen, und von diesem Probelauf werden die Zahlen und Ergebnisse in einem Prüfungs- Protokoll festgelegt. Tann ist der Motor uiit den Apparaten im Führersitz anzuschließen. Wir haben jetzt beim Einbauen der Maschine und Apparate in die Führer- und Bcobachtersitze Gelegenheit, uns durch die un- mittelbare Anschauung darüber zu orientiere»», wie der Flieger von seinem Sitz aus die Maschine dirigiert. Hier wird Raum- kunst getrieben. Ii» der engen Kabine, in die sich der Pilot nachher hilleiiituriieil muß, ist jede Ecke und jedes Plätzchen ausgenutzt. lliiter seinem Sitz ist der Großbenzintank angeordnet, der die Nah- rung für den Motor beherbergt. Der Sicherbcit halber befindet sich noch ein zweiter kleinerer Hilfstank im Flugzeug, meist oben, im fogciiainiten Turm oder Mast des Flugzeuges untergebracht. Wenn aus irgend einem Grunde der Benzinzufluß vom Haupt- bchältcr versagt, soll der ilciucrc Behälter den Motor mit dem wichtigen Betriebsstoff versorgen können. Ein feindurchdachtcs System von Leitungen, Schaltungen uiti» Beobachtungseinrichtungen sichert dem Führer die Herrschaft über die Maschine. Zunächst muß der Flieger wissen, wohin er fliegen will. Die Richtung gibt ihn» der Kompaß an, den er unmittelbar vor sich bat. Benzinuhren zeigen selbsttätig den Benzinverbrauch an, Manoincter den Benziiidruck, Tourenzähler die Um- drebungsgeschioindigkeit des Motors, Barographen die jeweilige Steighöhe, in der er sich befindet. Während wir den Arbeitern zusehen, wie sie den Führcrstand einrichten, kommt uns zum Bewußtsein, wie fciniicrvig in seinem inneren Bau der Kricgsvogcl organisiert ist, wie der Flugzeug- führcr kaltblütig und geistesgegenwärtig mit allen Sinnen die Maschine nachher überwachen muß, und es ist kein Zufall, daß als Kriegsflieger- nur Menschen mit unverbrauchten Nerven BeNvcn- dung stindcnl Es gehören Menschen dazu, die mit konzentrierter Willenskraft,' schnell in ihren Entschlüssen und Handlungen, die Ma- schinen- zu uieistvr'ii' wissest.' Bevor wir zu der nächsten Etappe in der Fertigstellung des Flugzeuges übergehen, statten wir noch der Abteilung der M a- I c r c i ciuci» Besuch ab. In der Tapezicrcrci hat man die Holz- gerippc mit Lcinewand straff bespannt, und nun haben die Maler diese großen Segelflächen auf der Längsseite hochgestellt und streichen den Stoff von oben nach unten mit besonders imprägnier- tcn � Lackfarben. Das ist eine ungesunde Beschäftigung, weil die Farben und Lacke giftige Stoffe enthalten, die bei dem Auftragen auf die Lcinewand verdunsten und als Gase die Lunge der Arbeiter angreifen. Man ist deshatb dazu übergegangen, in der Malerei Ventilationsei»»richtungen einzubauen, die die Dämpfe ableiten. Das Flugzeug ist im Rumpf und Maschineneinbau fertig. Es lvird„aufmontiert", Steuer- und Tragflächen werden»ver- r.. �— Wollt Ihr.— sage ich,— so gehe ich mit dem Klvatz sogar nachts ans die Straße. Alle drei lachen über meinen Mut, MamaS Augen werden aber naß- Das ist schon ihr Prinzip: sie muß immer weinen. .Ich möchte gerne wissen, ob alle Mütter so viel lvcincn wie meine Mutter. IV. Unser Geschäft geht wie geschmiert. Die Tage werden immer heißer, die Menschen wissen nicht, wo sie bor der Hitze hin sollen. Die Kinder sterben>vie die Fliegen. Ohne Klvaß könnte mau ersticken. Ich komme � zehnmal täglich nach Hause, um neuen Kwaß zn holen. Elias demerkt, daß der Kwaß bald zu Ende geht und es fällt ihin ein, ein paar Eimer Wasser in das Faß zu gießen. Ich muß Euch sagen, daß ich mit eigenem Verstand schon viel früher darauf gekommen bin. Fast täglich gehe ich zu unserer Nachbarin Peßja und traktiere dort alle mit dem Kwaß unserer Fabrikation. Ich biete Peßja ein Gläschen an, ihrem Mann Moischa zwei— er ist doch ein so prächtiger Mensch!— allen ihren Kindern— zehn an der Zahl— je ein Glas, sie sollen auch wissen, was für ein feines Getränk wir brauen. Dann muß ich noch den alten blinden Onkel bewirten, er tut einem so leid, der unglückliche Mann. Um nun den Verlust wieder zu ersetzen, füllte ich»neine Kanne mit Wasser voll: an Stelle eines verschentten Glases Kwaß gieße ich in die Kanne zwei Glas Wasser. Jetzt machen zu Hause alle ebenso, und unser Faß bleibt immcro vll. Nicht ein Tropfen geht verloren und wir verdienen sehr gut. Mama bezahlt allmählich die alten Schulden, sie hat die notwendigsten Sachen vom Leihhaus zurückgeholt, im Hause gibt es wieder einen Tisch und eine Bank, an den Sonn- übenden essen wir Weißbrot, Fleisch und Fisch. Mir hat man sogar ein paar Sttcscl versprochen, nein wirklich— wem geht es besser als mir? V. Wer hätte gedacht, daß unser Kwaß plötzlich seinen ganzen Wert verlieren»vürde? Ein Glück noch, daß wir nicht ins Gefängnis kainen. Ich war eines Tages wieder bei der Nachbarin Peßja und bewirtete dort alle, ohne mich selbst zu vergessen. Es fehlten mir nach meiner Berechnung so dreizehn, vierzehn Glas Kivaß. ich ging in die' Küche.>vo sie das Wasser holten, doch anstatt an das Wasserfaß kam ich an das Waschfaß. Ich gieße an die zwanzig Glas in meine Kanne und gehe, ein neues Liedchen singend, auf die Straße. Ein Jude hält»nich an, zahlt eine Kopeke und bittet un» ein Glas Kivaß. Er trinkt»md krümmt sich: — Junge, was hast Du da für ein Getränk? Ich küminerc mich wenig um ihn, schon stehen zwei andere Käufer da und warten auf ihre Portton. Der ciuc. schluckt ein halbes Glas hinunter, der andere nur ein Drittel; sie zahlen, spucken aus und gehen. Ein anderer bringt das Gas an seine Nase, probiert das Getränk und sagt, es stinke nach Seife und habe einen salzigen Beigeschmack. Der fol- gende sieht ins Glas hinein, riecht daran und gibi eS mir zurück: — Was hast Du da? — Kwaß. — Das ist kein Kwaß. das ist Schwcinsbrühe! Es kommt ein neuer Käufer. Dieser kostet den Kwaß und gießt mir das ganze Glas auf den Kopf. Alle schreien nun, erhitzen sich, fuchteln»nit den Händen. Ein Schutzmann sieht die Menge, kommt näher imd fragt, was los ist. Man erzählt ihm. Er kommt auf»nich zu, guckt in die Kanne und befiehlt mir, ihm ein Glas einzuschenken. Er trinkt ein wenig, spuckt aus und fährt mich an: — Wo hast du das Spülicht her? — Er lvird nach dem Buche gemacht, sage ich, mein Bruder macht den Kwaß, selbst braut er ihn. — Wer ist dein Bruder? — Elias. — Was für ein Elias? — Sprich nicht von deinem Bruder, du Dummkopf!— sagen gleichzeittg mehrere Juden auf jüdisch. Es entsteht ein großer Lärn», mit jeder Minute kommen mehr Menschen hin- zu. Dar Schutzmann hält mich an der Hand und ivill mich ins Polizeirevier führen. — Schade um den armen Jungen! Er isl eine Waise I— höre ich von allen Seiten und mein Herz ahnt, daß die Sache ein schlechtes Ende nimmt. Ich sehe die Menge an:— Habt Mitleid, Ihr Juden I... Man will schon dem Schutzmann was in die Hand drücken, er nimmt aber nichts an. Plötzlich wendet sich" ein alter Jude mit listigen Augen an mich: —D»», Kleiner, reiß' mal die Hand loS und zeig'dcine Fersen! Ich reiße meine Hand schnell heraus und laufe im vollen Galopp direkt nach Hause. Halb tot, halb lchcndig stürze ich ins Zimmer. — Wo ist die Kanne?— fragt Elia?. — Auf der Polizei,— antworte ich mit großer Mühe und werfe mich in Mainas Schoß. VI. � Bin ich aber ein dummer Kerl! Ich dachte, man wüd mich aufhängen, weil ich schlechten Kwaß verkaufe. Nichts dergleichen ist geschehn, umsonst habe ich die Angst gehabt. — Verkauft doch Jente Talg anstatt Gänseschmalz,»md der Schlächter Gcdaljc hat ein ganzes Jahr lang die Bc- völkerung mit verdorbenem Fleisch gespeist, ohne daß ihnen »vas passiert wäre!— tröstet die Nachbarin Peßja nieinc Mutter. Eine sonderbare Frau ist meine Mutter: alles betrübt sie! Mein Bnrder Elias ist in dieser Beziehung viel besser, er macht sich nichts aus diesem Mißerfolg. Hat er doch das Buch, das er bereits auswendig kennt, und darin gibt es noch so viele Rezepte! Jetzt Ivill er Tinte fabrizieren. Geschlossenen Auges laß mich zehn, mein Schicksal, bis der Tag vorüber, der trüb' und trüber sich umzieht. Nicht seh'n, nicht hören! Wie die Akaske sieht aus leeren Löchern und den Wogenschall die Wuschet fängt. nur so noch laß mein Leben sein, indes die Seele tief in Schlummer Negen mag, bis sie ein bess'rer Tag zu neuem Blühen drängt. Christian-Morgenstern. Vornehmes IackenNeiv au« guter Mohair- Ware mit hübschem breiten Schaltrazen. Gute Verarbeitung. Mit pall. leite gefuttert. 165.- Der so beklebte lange Mantel au« schöner imprägnierter seiden- artiger Ware. Äußerodentiich tlelbsarn unb praktisch 69.75 14 langer Mantel au« bauerhafter, schön grau ge« tönter Santa(leipart Verne hoch geschlossen mit breitem Kragen und abnehmbare» Gurt, 69— Königstr. 33 Ehoosseestr. 113 «0 MtorMCMNe«* ßischtoße» TSiler Freien Ifolkslililinen Sonntag, den 13. Mai. Nachmittag» 2'/, N h r: Deutsche» Overnhau»: Boceaee io. Lesstng-Theater: Charlotte Stieglitz. ?l ach mittag» 3 Uhr: Lollebühne, Theater am Bltlowplatz! Die Ratten. Schiller-Theater O: SohonnMfeuer, Schiller-Theater Charlottenburg: Kater Lampe. Deutsche» Kllnstler-Theater: Die beiden KlingSberg. .Direktion Max K einhardt. Iteataohen Theater. T'/eUhr: Der Gclaslge. Montag: Oer Qelxlire. Kammeruplcle. VJ, Uhr: Fanehingr. Montag: Fasching;. VolknbUhne. Theat. i.BOIewplatz. S: Fl»«. � Nach». 3'kl. Pr.): Die Hatte«. Montag: Flgr« Theater i, d. Königgratzerstr, Dir. C. Meinhard— R. Btrnaaer. T/, Dbr; Artur Schnltzler-Abend. Nacbm. 3 Uhr: Kameraden. Komödienhaus 'Ifi: Die verlorene Tochter. Kaclun. 3 Ulu: Oer 7. leg. Berliner Theater 7» Uhr: Di« tolle Komtelt. 3 Uhr- Aut Flügeln de« Geeangee. fiessmg-Theatep. T'MJhr: Uladame Lecroa. 3 Uhr; Charlotte Stlegrllta. Montag: Flehe. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich VI, Uhr: Oer Kammerednger. Comtesse Mlzrl. I. Klasse. Theater für Sonntag, den 13. Ma!. Deutsches Opernhaus v uhr: Tannhäuser. Frledrlch.WIthelmstldt. Theater. Arbeiter-Yoretellung: .1 Uhr: Der Watfensehmled. 7'/, Uhr: Drelmhderlhans. Gebr. Herrnfeld.Theater. 77. uhr- Elie-Orlaub. Kleines Theater 7'/.u.- Hans in Siimakenlocli. Komische Oper 20 Mi�.: Die Dose Sr. Majestät. Lustspielhaus 7'/, Uhr: Die blonden Hftdels vom T, Indenhot. 3'/« Uhr: Das Olttcksmadel. Neues Operettenhaus Schiffbd. 4a, Kassentel.: Nord. 281, 3 Uhr: Der Vogclhftndlcr. 7-/.U.- Der Soldat der Marie. uran ia"ssar- Sonntag 4 Uhr fhalba Preis.); Der Balkanxng nnd die beJrelte Donau. Sonntag S Uhr; Der Tlerwaldcttttter See und der Gotthard. Movtag• Fhr: Oer Vierwafdstättsr See u. d. Gottherd. RosesTheater. 3 Uhr: Der AllerwettS-Better. 7'/. m-' vss �iullelkiutl. /iletl-opol-Iheatei' zoMin: Die DzardastCrstln. Bealdena-Theater � u. Die Steiner-Mädels Schiller-Theater O 8 Uhr: Johannlnfener. u.: Hinler Mauern. Schiller Th. Charlottenb. 3 TThr: Kater Fampe. ?'/. ührrHiiert und Bertrain. Thalia Theater L�fn.: Das Vagabllndenniädsl. 3 Uhr; Charleys Tante. Theater am BioIIendortpl, 3>/, Uhr: Diane.lungena. 7-/.u.: Die Gulaschkanone. Theater de« Westen« 81/, Uhr: Die Ehre. � u.: Stolze Thea. Trlunen Theater 41/, u. 8 Uhr; 'tarelse. Uliinhlger Reiebshallen-Theater. Stettiner Sänger. Cabaret „Feldgrau" Zlnsang 7'l, Uhr. NATIONAL-THEATER. Köpenlcker Str. 63. Tögl.'1,9 Heiratsfleber. Posse mit(Besann u. Tanz in 3 Alt. Musik von Walter Bromme. Maua Auaotattung I Maua Sallott« l Vorverkaus ab lv— 2 u. ab 3 Uhr abd». Sonntag 3'/, Uhr: Haubenlerche. ViMs-IMl Kottbuier Str. 6—7 Täglich: 1 Unt.pera.Leit.v, Rioh.Otwald I I Der groBeKnltnrfllm I _ 1MMWWWWWWWW»»»M»»1.. Ss werde Dicht 5 Akte von Rieh. Oswald nnd Lupu Piek. Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft| zur Bekämpfung der Ge- aohlechtskrankb eiten. Regie: Rieh. Oswald. Hauptrolle: Bernd Alder. Vorh.; 0. vollst, neu«, gllnz. Spezialitäten-Progr. Sonntag 3'/» o1/. u. 8 Uhr. Casino- Theater Büsch Sonntag 2 Vorstellungen Xoclun.S'/jUhr,«bds. 7'/, Uhr. Maebm. 1 Kind frei! Weitere Kinder halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Das reichhaltige Mai-Programm. Zum Schluß: Rleian-Praeht-Waiiar-Paniomlme Die versunkene Stadt Lothringer Str. 87. Täglich TU Uhr. Vi, Uhr: Da» neue ivlai-Progr. Hervorragende Sipeziilitäten. i'l, Uhr: Stürmischer Beisall. Gros, er HriterlettSerfolg Wenn's Mnilnsterl weht. Sonntag 4 Uhr:'ne gute Idee. 2 Konto g* Torstellungen Z 81/ Nachm. ieiErn achs. 11/ /3 1 Kind frei. 1 /ß In beiden Vor£tellnngen: Gastspiel der Schlierseep mit Xaver Terofal. SH,: Almenrauseh und Edelwelt. ?>/,: Der Amerika- Scppl. Mentag 71;«; Der HerrgottschnltKcr. Walhalla-Theater. Uhr: Das GlückSmädel. Der fideie Dauer. NoNendorfplata 5, Benny Porten m Christa Hartongm. Nnoinn I 3 Uhr. Verlag von EgonZleisthel SL Co., Serlin W � Soeben erschien d« fünfte Tausend � Vicrsiq Jahre «US öem Leben eines Zoten Die Abenteuer, Liebschaften und Erlebnisse eines napoleonischen Offiziers. herausgegeben und bearbeitet von Ulrich Rauscher Z Bände. Sek. 9 N-, geb. i2 M., kuzcus-Etnband 18 M- Dies ist eines üer unterkaltenüften, spannenüften, feffelnüften, in seiner fitt beüeutenöften Memoirenwerke, üas mir je vor /lugen gekommen ift. (TUfred Bod» lm Feuilleton den„Stuttgarter Uageblatt") vurch alle SuchhanSlungen zu beziehen. ¥ oigt-Thea t©r. Badatr 58. Badatr. 68. Heute nachm. 3 Uhr: Der Hitttenbesitzer. AbenbS 7 Uhr: Das rote Schloß. Ailnilralspalusl. Heute 2 Vorstell., 4u.7*;4Uhr. Abrakadabra Gretas phantastisehes Ballett auf dem Eise. Nachm. kl. Pr. VorzDgl. KBche. Gaataplel Rudolf Nelson Räte Erholz Trude Troll Kurt Fuß Erna A Idertl— Trade Dasedann sowie die 12 Spezialitäten 12 des Mai-Spielplans. meORtcRSTR. 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