iAilitaiÄ Ihr KreAen. Zhr Arauen, deren Blut im Volke ruht. nährt ihr den Frieden auf, schirmt ihr das Land! Ihr haltet eure Kinder an der yand:— 3hr führt sie in die Zukunft. Führt sie gut! Loht ihre Augen über Grenzen sehn. dort, wo sich andre auf den Feldern mühn, wo andre cm der reichen Deit erglühti. laht eure Kinder schauen— und verstehn. Lehrt sie die kleinen Hände suchend heben und andre Hände drüderiüh umfassen, lehrt sie nicht schmeicheln.— aber auch nicht hassen. Lehrt sie nur lieben, denn ctnch dort btllhk Leben. Lehrt sie die Früchte drmkdercit empfangen, die schwellend über allen Mauern schweben. lehrt sie aufnehmen,— und auch willig geben vom eignen jugendlichen Blütenprangen. Ihr Frauen, lasit die Kinder sich gesellen! Laßt ihre Hände sich zum Strome schließen. laßt solchen Strom um alle Grenzen fließen, und seht dann, wie die so vereinten Wellen um Fremdes wie um Eignes schirmend schwellen. ____(Stuß. wo es bekanntlich heißt: „Jedermann sei nntertan der Odtigkoit, die Keivalt über ihn hat: denn es ist keine Obrigkeit, rchn.e von Gott. Wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott vertrrdnet." Ist aber die Obrigkeit von Gott verordnet, so ist sie, schließt Stahl weiter,„eine gsi t t l i ch e Füg« n g", ihr Recht göttliches Recht, und zwar, �rjeißt das nicht bloß, daß der Staat Gottes Gebot fei, sonZzrn auch,„daß überall die bestimmte Berfa s f u u g und die be- stimmten Personen d cjr! Obrigkeit GotteS Sanktion habe n" Und auf Grund dieser Kon- struktion des monarchischen StaaüL als einer„göttlichen In- stitution" verwirft er dann big Lockesche Zweiteilung der Staatsgewalt in eine legislative z-vd exekutive Gewalt, wie auch die Montesquicusche Dreiteilung in eine gesetzgebende. vollziehende und richterliche Gewuht, da sie seinem Begriff von königlicher Souveränität I vi tossprich i, und unterstellt, daß der Inhalt der StaatSvcrwoitung„die Realisierung der sittlichen Ideen und verständigen'Zwecke in und mittels der Tätigkeit der geh mmch enden Menschen" sei. Repräsentiere aber der Monarch den Staat, so sei er auch dessen Personifikation. Und nachdem er auf diese sophistische Weise den Monarchen«ils von Gott gesandten und bestellten Inhaber der StaawHokjät und Staatsgewalt, als GotteL Bevollmächtigten installippK hat. stattet er ihn mit allen Rechten ans, die ihm uack ferner feudalaristokratffchen Auffassung für einen preußischen-SVuig nötig erscheinen: mit dem Recht der HeereSsührung, pes privaten Grundbesitzes, der grundherrschaftlichcn Gewalt tzber den Staatsbesitz, der Legitimität und Erbfolge, dem Recht auf ein bestimmtes Ein- kommen(nicht bloß auf EinkomnenSgclvährung vermittelst einer Zivillistc) usw. usw. Indes so sehr Stahl den Monarchen als Vertreter deS göttlichen Willens präsentiert, unjchte er doch die landständi- scheu Rechte der Feudalaristokrat� und ihren Einfluß auf die Regierung sicherstellen. Er führü.daher aus. daß. wenn der König auch seine Vollmacht von Vott habe, damit noch nicht notwendig gegeben sei, daß er„totese Vollmacht über alles habe", nämlich nicht über den Feudaladel. Auch die fürstliche Gewalt hätte ihre tZchranken. aber nicht etwa am Volkswillen und Volkswohl, ssondern au den gegebenen alten Gesetzen und dem unabhämztzjSN Richtertum, bei höherer Verfassungsentwicklung auch n.»ch an den Staats- änrtern als not io endig em Mittelorgan cn und endlich bei der Land eswer tr e t u n g wichtiger der Ständevertretungi. Wie der Vertreter der bürgerlichen Staatslehre in Frankreick, Jean Bodin. in seiner Schrift „vs la R£publiquo"(1577) die stechte des städtischen Groß- bürgertums gegenüber dem abfluten Königtum dadurch zu sichern sucht, daß er den König xZe gebunden an die von ihm und seinen Vorfahren gewährtem Privilegien, Schenkungen, Zugeständnisse und an das gegebene«teuerrecht erklärt, so bindet ihn Stahl an die Respciticrrmg des alten Ständerechts. Wichtiger als die Königsrechtv tzi n d ihm d i e I u n k s r- rechte. Das hat Stahl zwarnÄiäter in der Vorrede zur dritten Auflage seines Werkes(ItzZitt bestritten. Er behauptete. nur dort solche Iittcrcssen der„Ritterschaft" zu vertreten, die, „wie jedes wahre Staudesintereffr. zugleich die Interessen des Landes seien. Es sind das: ihr gebührender starker Anteil an der L an d e,s vq-rrt r et u n g. ihre Ver- waltung der OrtspoliA-ei(in der Volksausgabe Reimar Hobbings ist dieser Satz low tg e l a s s e n. Warum?), dir Stetigkeit ihres Grundbesitzes in den Familien..." Aber Stahl gelten eben einfach die Junkerinteressen als identisch mittlem Landes- und Monarchen- interesse, ivie er denn auch kurztzeg in dieser dritten Vorrede behauptet, daß es gar keine AdciPpartei(selbst nicht in der Periode der schwärzesten preußischen Reaktion) in Preußen gegeben habe, eine„Gefahr arffwkratischer Beeinträchtigung der allgemeinen Volksrechte" g«ch nicht existiere und-ebenso wenig an die„Gefahr aristokratischer Bewältigung der kümg- lichen Macht" zu denken sei. Eine Behauptung, deren Wert nicht besser illustriert werden kann, als daß er gleichzeitig der preußischen Regierung vorwirft, ihr �Verben um Volksguust" sei eine schwere obrigkeitliche Versündigung an der ihr v o n Gatt v e r l i c»h c n e n A u t o r i t ä t. Tatsächlich gilt auch für Stahl die junkerliche Devise: „Und der König absolut, wenn er unseren Willen tut". Das beweist am besten die Tatsache, daß er. so sehr er auch den König als Gottes Stellvertreter feiert, er ihm doch das Recht abspricht, seinem Volk weitgehende positive Freiheiten e i u z u r ä u m e n. So heißt es 8"8! »Iur Landesregierung gehört aber nicht bloß Erteilung von Rechten an einzelne(Verleihung von Privilegien, von ummder- ruflichen Semlern. Kowrahiernng von Staatsschulden), sondern auch Erteilung von Rechten an das Land und Volk, Gewährung neuer LandcSfreiheiten. Einführung rüter neuen Versassung. In dem allen, wie es zum Begriff der Staatslenkung gehört, hat der Souverän vollkommene Macht und ist nicht an de» Wille» des Nachfolgers gebunden. Eine Grenze besieht nur darin, daß die Ivefentlichcn Rechte der fürstlichen Gewalt nicht verkürzt werden dürfen, denn damit würde der Gegen- stand des GeblüiSrechls entzogen, daher dem Erfolg« nach dieses selbst vereitelt." Der König darf also nickt eigenmächtig irgendwelche seiner Kronrcchto aufgeben, auch nickt freiwillig. Er bedarf dabei derZu- stimmunq seiner agnaii scheu Verwandtschaft, wie denn auch nach Stahls Behauptung die Verfassung zurückzustehen hat hinter d er„v e r j ä hr t en U e bn n g". dem alten ständischen Brauch.— Hat der Fürst einmal, freiwillig oder notgedrungen, eine Verfassung beschworen, so muß er sie auch halten— jedoch nur dann, wenn sie nicht„zur Anarchie, Un- Möglichkeit aller Regierung. Gefahr des Untergang» nach außen oder innen geführt hat". Glaubt der Monarch, daß solche Gefahr besteht, mag er seinen Eid breche n, und zwar hat dann die Zitickkehr(das heißt, sofern die Stände- Vertretung zustimmt) zu den früheren Verhältnissen„k c i n Hindernis und keine Grenzen". Sie verletzt dann. wie Stahl(Z 91) versichert, durchaus nicht die übernommene Verbindlichkeit und den ans sie gelcisteteu Eid. „Denn sie ist nicht gegen die Verfassung, sondern gemäß der. Verfassung, und wo alle, die über die Verfassung deS Lande« zu bestimmen ein Recht haben(König und beide Kammern)«in ver- standen find, kann kein« Verbindlichkeit verletzt sein.— Sie ver- letzt nicht die Pietät gegen die Verfassung al« solche. Denn Pietät schuldet man nur Rechtsverhältnissen und sittlichen Bonden, nicht aber einer Urkunde." Die vorstehenden Ausführungen genügen zur Charakte- risierung der Stahlschen Staatslehre. Wenn noch heute die kouservative Partei Preußens in dieser Staatssophistik die große theoretische Formulierung ihrer StaatSauffassuiig und ihrer politischen Wünsche erblickt, so beweist da» nur. wie nötig e» ist. daß endlich ihre Hcrrschafl in Preußen gebrochen wird.—__ Wir unehelichen Mütter! Bon Elfriede Friede. Solange wir unehelichen Mütter nicht selbst den Mut haben, unsere Mutterschaft vor aller Weit zu bekennen und zu verteidigen, solange können wir auch nicht von ihr die rechtliche Stellung für uns und unsere Kinder erlangen. Wir dürfe» unsere Kinder nicht schamvoll vor der Welt verstecken, sondern müssen offen unsere Mutterpflichten ausüben und der Verantwortung, die wir uns oufgelcchen, gerecht werden. Erst dann werden wir uns die Achtung oller ver- nünstrger Menschen— ich sage vernünftiger Menschen — erwerben und die Vorurteile, welche seither so. gern in den Herzen der Menschen geivohnt haben, vernichte», Dazu gehört natürlich Mut, viel Mut, Großzügigkeit und vor allem Selbstachtung. Und haben wir einmal den Mut dazu gesunden, so wollen wir ihn festhalten und den Kampf um unsere und unserer Kinder Existenz ausnehmen. Es wird zwar nicht leicht werden, aber auch hier heißt es oben:„D n r ch K a m p f z u m S i e g". Wer ein unehelich Kind, sein eigen Fleisch und Blut ver- leugnet, verl-euguet sich selbst. 'Nach dem goivaltigen Aderlaß dieses Krieges werden wir uns auch als Gemmiheit nicht mehr den lmverantwortstchen Luxus gestatten können, uneheliche.Kinder zu vernachlässigen, wie es leider vor dem Kriege geschehen. Denn weit größer als der Verlust an Toten, ist nach jedem-Kriege der Aus- fall an Geburten. Millionen voi» Männern werden nicht Wiederrommen. Diese Millionen setzen, es wächst nichls mehr nach. Hatten wir denn solchen Äeberschuß? Es rst ilarlrgeroiesen, daß vor dem Kriege jährlich durchschnittlich 185 999 uneheliche kkinder geboren wurden. Und diese brauchen wir und brauchten sie auch vorher. Der? Krieg beweist es uns täglich. Hat vielleicht der Staat oder irgend ein Mensch da- nach gefragt, wer von den hinausziehenden Soldaten ehelich oder unehelich war? Nein, sie. alle haben ihre Pslich- tcn gegenüber dem Datertande erfüllt, ob ehelich oder unehe- lich. EZ Wurde da kein Unterschied gemacht, während vor dem Kriege den unehelichen, insbesondere dem männliche» Ge- schlecht der Eintritt in Schulen, SwatS-, sogar in Privatdienst erschwert und unmöglich gemacht wurde. Unsere Kindeskinder werden nur noch ein mitleidiges Lächeln haben, wenn sie hören, daß früher Iluehelichc verachtet und verspottet wurde», well sie nicht nach den Regeln der Ge- setze und unter dem Schutze gestempelter Papiere ans die Welt gef-omstten strrd„ Wir brauchen vor allem richtig eurpsindendz Gesetzgebung und zartfühlende M$nenfo hart und ungerecht gemacht haben. ?llle Vorurteile müssen schwinden wenn wir in dieser Be- ziehung zum Ziele kommen wollen. Der Staat selbst muß uns mit gutem Beispiel voran- gehen. Seine Aufgabe der Zukunft ist, all die Lebenskraft und Gesundheit eines Menschen zu verlängern und zu er- halten, wenn er nicht an Blrrtarmut zugrunde gehen will. Es ist Ausgabe des Staates, dafür zu sorgen, daß nicht schon im Mutterleibe die Kinder verhungern und das unterernährte, entkräftigte Weib nicht körperlich und seelisch zugrunde geht. Denn zwiefaches Leben wäre vernichtet. Tausende von unehelichen Kindern sterben, denn sie können nicht leben; ihnen fehlt die richtige Nahrung, sowohl die leibliche, als auch die geistige, die Seelenmilch. Die Mütter selbst siechen dahin oder vegetieren nur. Soll es so weiter gehen? Ich denke, jedes Leben sollte doppelten und dreifachen Wert haben. Bis der Krieg zu Ende geht, werden die Toten Millionen betragen; und dafür muß Ersatz geschafsen werden. Wir brauchen gesunde Kinder, gesunde Fronen und Männer, denn auf ihren Schultern ruht die Zukunft unseres Vaterlandes. Sic sind es, die das neue Deutschland bedeuten und gründen niüsien. Sie sind unser kostbarstes Gut. Hoffen wir also, zugunsten der Kinder, der Träger von Deutschlands Wirken, daß die Zeit nicht mehr ferne sei, daß der gesetzliche Schutz nicht bloß den ehelichen Kindern und Müttern zilteil wird, fondern auch den unehelichen. Das un- elzeliche Kind hat nicht nur eine Bedeutung für die Mutter, sondern auch für den Vater, für die Regierung und den Staat. Es nniß unbedingt dafür gesorgt werden, daß diesen ein Platz im Staate angewiesen nsird, an welchem sie wachsen und gedeihen können. Uird wenn der Erzeuger und die Mutter dazu nicht imstande sind, aus eigener Kraft und Mitteln ein Heim zu schassen, so ist es unbedingte Pflicht des Staates, dafür zu sorgen. Wenn wir diese unehelichen Mütter von uns stoßen, sie ■ihrem Gleich überlassen, so brauchen wir uns gar nicht zu wundern, wenn manches Mädchen verkommt, immer tiefer und tiefer sinkt, denn iricht alle haben die Kraft und den Willen, das, was sie sich selbst aufgeladen, auch zu tragen. Was brauchen wir nun vor allem? Vollsrändige Reform der rechtlich enStellung der unehelichen Kinder. Unbedingte Zuerkennung des NarnenS und aller damit verbundenen Rechte, sobald ein Vater ein Kind als das seine erklärt. Die gesellschaftliche Anerkennung jeder Mutter. Um es kurz zu sagen:„Glei- ches Recht für alle Geborene n." Im Deutschen Reich befinden sich bereits über 20 MO uneheliche Kriegerwaisen, äderen Väter im Kriege gefallen sind. Diese Kinder sind ihres bisherigen Schutzes, gesetz- liehen Vertreters und Ernährers beraubt. Die ganze Er- ziehung hängt nnu an der unehelichen Mutter. Was ein Kind kostet, brauche ich wohl nicht zu sagen. Es ist eine große Aufgabe einer unehelichen Mutter, diesen Aufwand, den ein Kind erfordert, von ihrem eigenen Verdienst zu bestteitcn. Einer guten Mutter wird ja nichts zu viel werden, wie aber, wenn sie krank wird und ihrem Verdienst nicht mehr nach- gehen kann? Hier ist es Pflicht, helfend einzugreifen und der unehelichen Mutter ihre schwere Lage zu erleichtern. Es ist im Interesse des Staates, der Gesellschaft, des ganzen Volkes, für das auch die unehelichen Väter in den Tod gingen, den unehelichen Kindern die Kriegs- Waisenrente genau so zu gewähren, wie den ehelichen. Gebt auch der unehelichen Mutter mit ihrem Kinde die Stellung, die ihnen gebührt. Ihr könnt euch dem nicht mehr entziehen. Es ist eine Frage des Müssens. Was hilft uns alle Theorie, wenn wir sie nicht praktisch in Fragen der inneren Politik wirken lassen. Ihr aber, uneheliche Mütter, tragt eure Mutterkrone in Ehren. Nehmt den Kampf um eure und eurer Kinder Rechte auf und erzwingt euch damit die Achtung eurer Mit- menschen! Das liebe Vieh. Von Hertha Pohl. Die alte Anne kommt in der frühen, fahlen Hevbstdämme- rung heim. Ein Reisigbündel strebt steil über den krummen Rücken der Tagelöhnerin. Am Arm ein Korb mit Pilzen, aber nur als Oberschicht. Darunter weiße dicke Wasserrüben und Kartoffeln. Die Roten vom Bauer Ianufchck.«ie stehen dickt am Waldrand. Es ist ganz einfach, ein paar der dürren sckivarzen Standen herauszuziehen und die runden Knollen in den Deckelkorb kugeln zu lassen. Mehr ist jetzt rückt zu machen. Die Felder sind abgeernret, der Hcrbstsiurm fegt katt über die Stoppeln. Schlechte Zeit für arme Leute. Die ANne sperrt den Holzrieget ihrer Kaluppc auf. Da gnmzt das Schwein im Stall. Die Alte schneidet eine ver- gnügte Grimasse. Der Guschi?!") Aechzend läßt sie den Packen fallen- und schlürft in den Hof. Aber das weiße Ungc- tum sitzt still-in der Ecke und glotzt aus schmalen Ritzen traurig die Anne an. Die erschrickt. Im Dorf ist eine Viehseuche. Dem Weitzel ist sein Schwein innerhalb vierundzwanzig Stunden krepiert...An die Lust muß�der Guschik." Die Alte redet gut zu, drängt schiebend das Schwein, da wackelt's auf kurzen Krummckeinen unlustig zum Düngerhausem Ehr- fürchtig beobackstet Altweiblein die Scharrbewegungen ihres lebendigen Kapitals.„So'n Schwein, der Speck!", sie tastet mit lüsternen dürren Fingern den Buckel ab. Aber dann in die Küche, Feuer gemacht, Kartotseln gestampft. Der Magen knurrt, seit Mittag nichts im Leib, doch vorher das Schwein. Und erst als ein Teil des Troges unreinlich leer geschmatzt ist, laftcht die Anne mit seufzendem Abschiedsblick zögernd zurück. Doch Achtung, es ist auch kein ordinäres Schwein. Die Alte hütet es wie ein Glück, das heimlich ersehnt und fast schon ausgegeben, unerwartet mit runder Behaglichkeit das Leben iiillt. Im Sommer hatte es täglich sein Bad. Jedes kriechende Gewürm wurde mit sorglichen, spitzen Fingern aus seinem weißleuchtenden Buckel zu Tode geknackt. Im übrigen ver- achtet die Anne Wasser, und was damit zusammenhängt. Zu den großen Feiertagen wäscht sie sich vorsichttg den Hals, und ihr spärlicher Haarwuchs macht nur jeden zwetten Sonntag nachmittag eine Nachlese notwendig. Im Winter jährt sich der wichtige Moment, da das Schwein ins Dasein ttat. Die alte Anne rutschte damals des Abends bei Glatteis und Tauwetter zum Ackerbürger Januschek. Da saßen secks ausgediente grauhaarige Weiblein beim Federnschleißen und Maulzerreißen. Plötzlich brüllt der Januschek das Geschnatter mit einem Ruf nach der Magd tot. *) In Oberschleßeu gebräuchliche Bezeichnung für Schwein. l i Ms öen Memsrcen eines Revolutionärs. Der greise Vst. K r a p o t k i», der ein Menschenaltec fern von seinemj Vaterlande als geächteter Flüchtling ver- brachte, ist mit.Zielen anderen in die Heimat zurückgekehrt. Jetzt, da die russische Revolution siegreich daS Haupt er- hebt, ziemt es sip;, auch seiner zu gedenken. Als Forscher und Schriftsteller* als Edelmensch ist sei» Name in ganz Europa bekanm. Wenn er auch als Anarchist(freilich nicht im Polizei sinne) eine von der geschichtlichen Ent- Wicklung längst iÜberholte Phase proletarischer Politik ver- Irin, so verdienst doch die Reinheit seines Böllens und sein stets opferbereiter Charakter die Bewwldernng jedes Demokrateil-. Seine in deutscher Nebersetzung bei Robert Lutz in Gnittgarl erschienenen Memoiren bieten eine Fülle sesielnper Bilder aus dem alten Rußland, das jetzt zu Grabe getragen ist. und entwickeln die Ideen, die es zeurümmerten. 1 Der Einzehne und die Masse». Da? Willen ist eine ch wältige Macht. Der Mensch muß sich Kenntnisse erwerben. Aber(wir besitzen schon viele Aenmuijse. Wie wäre es, wenn diese Kenntnisse— und nur diese— ein Eigentum aller würden? Würde nicht t die Wtstenschaft selbst sich dann sprung- weise entwickeln und die Menschheit in deu Stand setzen, in Pro- duktion, Erfindung und sozialen Schöpfungen in einem Tempo Fortschritte zu machen, fürz das mts jetzt eigentlich jedes Maß fehlt? Die Masten sind es, tisie des WistenZ bedürfen, fie wollen lernen, sie können auch lernen Dort steht ein finnischer Bauer am Rande einer ungeheuren Mor ine, die von einem See zum ander» reicht, als hätten Riesenhänd, sie als verbindende Straße zwischen den beiden Gestaden eiligst.rufgebaut, dort steht er und schaut gedankenvoll auf die schönes inielbesetzten Seen, die zu seinen Füßen liegen. Kein einzige!.- von diesen Bauern, mag er auch noch so arm und zertraen sei», wird an dieser Stelle vorübergehen, ohne die Landjchast voll Bewunderung z» betrachten. Und dort am Seegestade steht lein anderer und siugt ein schönes Lied nach einer so gefühlvollen mir ergreifenden Melodie, daß sie den Neid des besten Musikers erregen würde. Beiden ist tiefe Empfin- dung, beiden Ueberlegung und, Denkkraft eigen; sie sind bereit, ihr Wisten zu erweitern; biete et ihnen nur! Schaff ihnen nur die Mittel zur Muße! In dieser� Richtung und sür diese Leute muß ich tätig sein! Alle diese tönenden Redensarten vom Wirken für den Forlschritt der Menschheit, währ end die FortschrittSbefördcrer sich fern von denen halten, die sie angelllich vorwärts bringen, sind nichlS als Sophismen, die nur das Lcci ußrsein eincS peinigenden WiderfinnS beseitigen sollen.(1871) » viakun in. Ost kehrte in den Untei�altimgea der Arbeiter im Schweizer- Jura der Name.Michel" wieder, aber nicht als der eines ab» wesenden Häuptlings, besten Ansichten Gesetz wären, sondern wie der eines persönlichen Freund« Z, von dem jeder mit Liebe mtd in kameradschaftlicher Weise reder. Am ausfallendsten war es mir, daß Balunins Einfluß toeil weniger in seiner geistigen Autorität, als in seiner sittlichen Persönlichkeit l eruhte. Wenn sich das Gespräch um Anarchismus oder die Haltunn des Bundes drehte, hörte ich nie- malS zur Unterstützung einer l�ehrupmng die Aeußerung:.Bakunin hat daS gesagt" oder.Baiü rin denk so". Seine Schriften und seine Worte galten nicht all etwas Unfehlbares, dem man un» bedingt zu gehorchen hätte, wie es leider bei politischen Parteien oft der Fall ist. In a ün Fragen, in denen der Intellekt die höchste Instanz bildet,, brach!« jeder in der Diskussion seine eigenen Argumente zoc Geltung. Mochten sie nach Inhalt und Form zuerst von Bakunin aufgestellt sein, oder mochte sie Bakunin von seinen Frcunvan im Jura entlehnt haben, jedenfalls trugen die Argumente bei jedem einzelnen einen individuellen Charakier. Iäir einmal hörte ich Balunins Namen als Autorität an sich rufet«, und das war mir so auffallend, daß ich mich jetzt noch an den Ort und die sicheren Umstände der Unterhaltung erinnere. Die jungen Männer fingen einmal in Gegenwart von Frauen Reden an, die ni.hc gerade sehr achtungsvoll sür das andere Geschlecht klangen. Da brachte sie plötzlich die eine Eins der Ferkel hatte es sin den Füßen. Die Josefa war zu nichts gut. Der Jan u schick tobte etwas von Halsumdrehen und auf den Mist schmeiße... Das Ferkel, meinte er. Da kratzt die Anne im Graukops und saßt mühsam den Entschluß das kranke Tier zu kaufen. Hermlich drückt sie sich in die Küche und klinselt zum Erbarmlm vor der Jannschcken über die schlechten Zeiten, und daß nur der Besitz des Schweines sie im nächsten Winter vor dera Verhungern schützen kann, bis die vom Kopfweh geplagt verspricht, des Ferkels Untergang zu verhindern. Am nächsten Tage hätte Aft-Anne ihren krummen Arbeitsrücken gern gerade; gestteckt, der Stolz saß ihr im Ge- nick, ihr der Schweinebesitz er in. Und mit Wärme und liebe- voll gebrauten Salben verzagte sie den Rheumatismus... Jetzt planscht die Alte mechanisch mit dem Blech löstet in der sauren Milch und verizaut wie jeden Abend zum Nachttsch die Ferkelgeschichte mit behaglichem Grinsen. Da schleicht jemand cu i Fenster vorbei und tritt still in die Küche. Ein Mädel, nicht ganz jung, mit schwarzen, nebel- gettänften Haarfetzen ums blasse Gesicht und leidendem ein- gesunkenen Blick. Stttmm und fröstelnd drückt es sich an den Herd, durch dessen Ritze ilie Glut feurige Streifen brennt. Die Anne schlürft hörbardihre Milch, wischt den Mund am Handrücken, tut blöde. Do legt das Mädel den Arm gegen die Kacheln und das Gesicht"darauf. Em fast ttänenloscs Schluchzen reißt zitternd cm ihren öchiritem. „Heul nich, es nutzt nüscht mehr," sagt mürrisch die Alle und„weg da, ich brauch B-asser." Ein hohles, bellendesMusweinen:„Was mach ich nu,— was mach ich nu." Die Anne klappert aufreizend teilnahmslos mtt dem Gc- schirr. Da wischt das Madet zornig die Augen am Jacken- ärmel. Ihre eingesmiken�a Bticke dolchen sich an dem alten Weib fest. „Du bist meine Mittler l" schreit fie, und tränkt ihre heisere Stimme mit Hobn„...und hast ein Mann? Hast keinen gelt nä, ich kenn nich mein iVater, und keiner im Tors." „Schweigste, Luder!" „Nä. ich bin kein Viehs, jetzt sprech' ich, jetzt ist mir alles gleich. Mich kennste nich mehr, seit ich soweit bin, und bist selbst nich besser gewesen. � Wie'ne rändige Katze schupft du mich naus aus der Tür, aher nu laß ich mir's nich mehr ge- fallen, nu geh ich nich mehr." „Waa—". ..Nä!" Tack, tack, tack, tack, te.ck, pendelt hart klopfeird die alte Uhr. Da löst sich die Stairrheit der Alten, wie eine bösartige Katze springt sie das Mädal an: „Mach dich rausl 5Dyu— Frau durch den SuZrus zum Schweigen:.Schade, daß Michel nicht da ist, er würde euch schon in eure Schranken gewiesen haben!" Die lielenhafte Gestalt des Revolutionärs, der alles für die Sache der Revolution hingegeben hatte, der für sie allein lebte und von seiner Auffassung derselben die höchsten und reinsten Anschauungen für das Leben überhaupt ableitete, übte noch immer ihren Einfluß auf fie aus.(1672; » DerNihilismuS. Nur eine daS Nebel an der Wurzel angreifende, kräftige soziale Bewegung konnte eine Reform in den Geivohnbeiten und Sitten des täglichen Lebens hervorbringen, und diese Bewegung— diese Empörung deS Individuums— gewann tu Rußland einen weit kraftvolleren und m ihrer Kritik des Bestehenden wert enrschwdenercn und radikalere» Charakter als sonstwo in Westeuropa oder Amerila. .Nihilismus" naunt« sie Turgenjew in fernem epochemachenden Roman.Väter und Söhne". Diese Bewegung wurde in Westeuropa falsch verstanden. S o wird der Nihilismus iu der Presse nicht vom Terrorismus unterschieden. Die revolutionären Un- ruhen, die gegen das Ende der Rcgierungszeit Alexanders H. ausbrachen und schließlich zu dem tragischen Tode des Zaren führten, werden regelmäßig als nihilistisch bezeichnet. Das ist jedoch ein Irrtum. Den Nihilismus mit dem Terrorismus zusamuienzu- werfen ist ebenso verkehrt als eine philosophische Bewegung wie den Stoizismus oder den Positivismus mit einer politischen Bewegung, z. B. dem RepublikaniZmus, zu identifizieren. Der Terrorismus wurde zu einem gegebenen historischen Zeitpunkte durch bestimm!e besondere Momente des politischen Kampfes ins Leben gerufen. Er hat bestanden und hat sein Ende gefunden. Er kann wieder auf- leben und wieder verschwinden. Aber der Nihilismus hat dem ganzen Leben der gebildeten Klassen Rußlands ein eigenes Gepräge aufgedrückt, und dieses Gepräge wird noch eine gute Reihe von Jahren vorhalten. Seiner herberen, bei einer jungen Bewegung der Art unvermeidlichen Züge meist entkleidet, verleiht er noch jetzt vielfach dem Leben der gebildeten.Klassen Rußlands einen gewissen besonderen Charakter, dessen Nichtvorhandensein im weftenropäl- scheu Leben un» bedauerlich erscheint. Zuvörderst erklärte der Nihilist den Krieg gegen alles, was man .die konventionellen Lügen der zivilisierten Gesellschafi" nennen kann. Unbedingte Aufrichtigkeit war für ihn charakteristisch, und um dieser Aufrichtigkeit willen gab er jeden Wahn, jedes Vorurteil, jede Angewohnheit und Sitte auf, die sieb vor dem Richterswhl ihrer eigenen Vernunft nicht rechtfertigen ließen, und forderte von andern das gleiche Verhalten. Vor keiner Autorität außer der Vernunft wollte er sich beugen; er unterzog alle sozialen Einrichtungen oder Sitten einer kritischen Prüfung und empörte sich dabei gegen jede Art von mehr oder minder verhülltem Sophismus. « Die Zwingburg der Tyrannei. Das war also die schreckliche Festung, hinter deren Mauern in den letzten zwei Jahrhunderten so viel von Rußlands wahrer Krast zugrunde gegangen ist, und deren bloßen Namen man in Petersburg nur mit bebender Stimme aussprach— die Peter-Pauls-Festung. Hier folterte Peter I. seinen Sohn Alexis und tötete ihn m.t eigener Hand; hier sperrte man die Fürstin Tarakanowa in eine Zelle, die sich bei Eintritt einer Ueberschwemmung mit Wasstr füllte, so daß die Ratten, um sich vorm Tode des Ertrinkens zu reiten, an ihr emporkrochen; hier folterte der fürchterliche Müniuch seine Feinde und ließ Kathanna II. diejenigen lebendig begraben. die sich der Ermordung ihres Gatten widersetzten. Von den Zeiten Peters l. ist so die Geschichte dieser Sieininasse, die im Angejichle des Winterpalastes vom Spiegel der Newa emporsteigt, cinhunda siebzig Jahre hindurch eine Geschichte des Mordes und der Folte- rung gewesen, oder sie erzählte von Lebendigdcgrabcnen, die zu langsamem Tode verurteilt warcu oder in der Oede ihrer dunklen und feuchten Verließe zum Wahnsinn getrieben wurden. Hier begann das Märtyrcrtum der Dezembristen, die zuerst in Rußland die Republik und die Aufhebung der Leibeigenschaft aus ihr Bauner schrieben, und man kann vielleicht noch heute Spuren von ihnen in der russischen Bastille finden. Hier wurden die Dichter Rylejew und Schewtschenko, Dostojewsky, Bakunin, Tschernischewstv. „Nä," trotzig und drohend hält die Schwarzhaarige stand. „Du bist meine Mutter, hier bleib ich," und verzweifelt:„Wo soll ich hin, die Frau hat mich heut rauSgejagt— .Jessesl" „Sie hätt's schon eher merken können," stellt trocken das Mädel fest. Pesics Maria!" Die Alte beginnt plötzlich zu wiirseln. „Lieber Gott so eine Sttase�wo ich seider nicht satt essen Hab I" „Schwindel nich, im Stall ist das Schwein, Kartoffeln und Holz hast genug gemaust." „O mein Gott, das schlechte Mensch, o mein Gott!" „Jetzt gib mir Brot, mich hungert." Die Alte tut taub, aber zähe stemmt sie sich gegen den Tischkasten, ihre zahnlosen Kiefern bewegen sich kauend. Das Mädel ist incht schwächlich, aber an der Mutter ver- greift sie sich nicht. Sie sieht den Höllenschlund mid gierig leckende Flammen. Ihre Arme fallen schlapp herunter. Ein schweres Nachdeitlea. das ihr Gesicht vierzigjährig macht, ein dumpfes banges Würgen im Hals. Da schleicht sie verzweifelnd zur Tür. Draußen Nacht, Nebelb roden und trübe sickerdes Gettops- Nur über den Wiesen eine matte blinzelnde Helle, da tämpjt der Mond um den Vortritt. In der Nähe rauscht der Fluß. Die Schwarzhaarige planscht auf derben Sohlen durch das Gras. Sie fröstelt nicht mehr, sie friert, ihre Zähne klappern. Ganz nahe gurgelt das Wasser. Da zuckt fie mit gellendem Schrei zurück. Ein dunkles Weib bückt sich über den Wasserspiegel..Doch gelobt sei Gott, es ist nichts, der Weidenstamm, der verfluchte.' Vor drei Jahren ging hier die Bündlern hinein, aber die Bündlern trug ein schweres Kreuz, der Mann schlug sie wie ein Vieh. Die Kinder wimmer- tat, weil das Brot nie reichte.— Und doch sagen sie, daß ihre arme Seele in Herbstnächten am Fluß klagt.„Heilige Gottesmutter, Erbarmen!" Das Mädel keucht, ihr Herz hämmert und hämmert das seine, drängende Klopfen das andere in ihrem Leibe nicht tot: Mörderin— Mörderin I „Die Angst— die Angst." Kein Gedanke an den Ver- führer, keiner an die geifernde Alte. Nur Angst, rasende, die Glieder schwächende Angst. Das Wasser spült- glucksend um die Schuhe. In die Schuhe, die müssen runter, teure Schuhe und das Tuch, das bunte Tuch, mit dein sie der Anton ver- rückt macht. Und jetzt—, nein es geht nicht— noch ein bissel— ein kleines bisiel—. Hinter der schivarzen flutenden Tiefe lauert die Hölle. Do, ein Ausatmen— lang, inbrünstig. erlöst:„Heilige Magdalena, bist meine Patronin, heftig bist und hast gesündigt wie ich, hast freilich gebüßt, aber lvas soll ich tun— wo soll ich hin— ich weiß ja keinen Weg mehr aus vre urcm Unglück— Md erzwungen mutig die Hände vorge- P?sarÄo mit fa«de andere ton den besten SchrffksttSeui nnstrrrr Zeit eingekerkert. Hier wurde Karakofow gefoltert und gehenkt. Hier war auch in irgend eiu-nn Winkel des Alexis-WallschildS das Gefängnis Netschajews, de« die Schweiz an Rußland wegen eines gemeinen Verbrechens ausgeliefert hatte, der aber als ge- fährlicher Staatsgefangener behandelt wurde und nie wieder das Licht erblickte. Dasselbe Wallschild barg in sich auch zwei oder drei Männer, die Alexander II., wie das Gerücht ging, zu lebens- länglichem Kerker verdammte, weil sie von irgendeinem Palast- gcheiulnis wußten, das andere nicht wisse» dürfen. Der eine von ihnen wurde im Schmucke seines laugen grauen Bartes erst kürz- lich von einem meiner Bekannten in der geheimnisreichen Festung gesehen. Alle diese Schatten beschwor meine Einbildungskraft herauf. (1874.) * Eine revolutionäre Zeitung. Mir schien es im Gegenteil, daß ein revolutionäres Blatt in erster Linie die Symptome sammeln muß, die allenthalben das Kommen eines neuen Zeitalters, das Keimen und Knospen neuer Formen sozialen Lebens, die zunehmende Aufleh- nnng gegen veraltete Einrichtungen erweisen. Diese Symptome sollte man wahrnehmen, sie in inneren Zusammenhang bringen und so darstellen, daß sie der zögernden größeren Masse die ihr sonst nicht sichtbare und oft unbewußt gewährte Unterstützung vor Augen führten, die fortgeschrittenen Ideen immer zuteil wird, wenn in der Gesellschaft eine geistige Wiedergeburt stattfindet. In dem Ar- beiter das Gefühl zu erzeugen, daß er teil nimmt an dem die ganze Welt durchzuckenden Klopfen des MenschenherzenS, an seinem Aufbäumen gegen eine, ganze Zeitalter hindurch geübte Ungerechtigkeit, an seinen Versuchen zur Ausprägung neuer Lebensformen, dies sollte nach meiner Meinung die Hauptansgabe eines revolutionären Blattes fein.(Genf 1873.) » Ausblick. Ihrer mönckstsche« Form entkleidete kommunistische Ideen haben sich in de» fast dreißig Jahren, seit ich an der sozialistischen Bewegung Anteil nehme und ihr Wachstum beobachten konnte, in gewaltigem Maße in Europa und Amerika Eingang verschafft. Denke ich an die unbestimmten, unklaren, nur scheu sich hervor- wagenden Idee«, die auf den erste» Kongressen der Internationalen Arbeiterassoziation von den Arbeitern zum Ausdruck gebracht wur- den, oder die in Paris während des Kommuneauffwndcs selbst bei den gedankenreichsten Führern vorherrschend waren, und vergleiche sie mit de» heute von einer großen Zahl von Arbeitern gehegten Anschauungen, so muß ich gesteheu, diese beiden sozialen Auffassun- gen scheinen mir zwei ganz verschiedenen Welten anzugehören. Es gibt keine Periode in der Geschichte— vielleicht mit Ausnahme jener Revolutionszeit im zwölften und dreizehnte» Jahr- hundert, der Wiege der mittelalterlichen Stadtgemeinden—, in weichet die bestehenden gesellschaftlichen Anschauungen sich so stark geändert hätten. Und jetzt, in meinem neunundfünfzigsten Jahre, bin ich noch fester als vor einem Vierteljahrhundert davon über- zeugt, daß ein glückliches Zusammentreffen von zu- fälligen Ereignissen in Europa einer der 1848e: an Ausdehnung nicht nachstehende und weit fol- genreichere Revolution herbeiführen kann: nicht ausschließlich im Sinne eines blutigen Kampfes zwischen den An- liängern verschiedener sozialer Anschauungen, sondern eine Revo- lution im Sinne einer tiesgreifenden, reißend schnell sich entwickeln- den Neugestaltung. Auch bm ich überzeugt, daß sich hinfort überall — ungeachtet des verschi edenarrigen Charakters der Bewegung in den einzelnen Ländern— ein weit tieferes Verständnis für die not- wendigen Aenderungen zeigen wird, als es je während der letzten sechs Jahrhunderte der Fall war. Auf der andern Seite werden die bevorrechtigten Klassen der Bewegung schwerlich mit der finn- losen Halsstarrigkeit entgegentreten, welche den Revolutionen der- gangcncr Zeiten solche Heftigkeit verlieh. Die Erringung dieses großen Erfolges ist ein schöner Lohn für die Anstrengungen, die so viele Tausende von Männern und Frauen aller Völker und Klassen in den letzten dreißig Jahren gemacht haben. streckt che das andere wieder kommt:„Heilige Magdalena bitt' für mich arme Sünde—.* Eim schweres spritzendes Klatschen, erschreckt wogt das Wasser in wilden Kreisen. Eine Wildente flattert aufgestört kreischend über die Tiefe. Dann Stille, Finsternis und mattes Regengetropf. Es kommt der Morgen. Da findet der Kuhhirt Hanusch, der einen schlechten Zahn zum Arzt trägt, das Tüchel am Fluß und die Schuh, schaut blöde lind verständnislos ans den Wasserspiegel und— plötzlich hoppla zurück ms Dorf und ge- lärmt. Es kommen vier Männer mit stummen Gesichtern durch das furchende Wasser gerudert, die stochern mit Stangen den Grund auf, daß der Schlamm gelbgrün hochquirlt. Am Ufer lauert das Dorf, olle haben Zeit. Die Weiber zischeln vom Warten gepeinigt über die Magdalena.„Was für ein schlech- tcs Mensch!" Da finden sie die Lene, im Weidengestrüpp hahen sich ihre Röcke verankert. Die Weiber kreischen entsetzt,� schlagen die Schürzen über die Augen, versteht sich, durchsichtige Schürzen. Dann Rückzug. Der Hanusch protzig voran, die Ausregung hat das zwickende Weh betäubt. An die Tür der Kaluppe hämmern derbe Fäuste.„Hee Anne, schläfst! Aufgemacht Annel" Nichts regt sich. „Sie is drin," nieldet sich wichtig der Hanusch-Kolumbus, der die platte Nase gegen die angelaufenen Scheiben drückt. Nachdenkltclze stumme Pause. „Die Kaluppsn hat hinten ein Tür," drängt Bat-Maria niit der tropfenden Habichtsnase. Lösung— Aufatmen. „Annach!" Ein gellender, allgemeiner Aufschrei. Der Zug stockt im Rahmen der Küchentür. Die Werber glotzen stumm, schaudernd. Auf dem Ziegelbodcn kauert die Anne, das ist nichts. Die Anne hockt auf ihrerjöettdecke, das ist etwas, aber neben der Anne liegt das Schwein, und das Schwein ist verreckt und die Alte krault wimmernd den nn- förnilichen Kopf in ihrem Schoß. „Bist verrückt, hee Alte," der Schulze drängt sich schwer vor, würdig, gebietend. Altweiblein duckt sich scheu.„Weg is er gangen, mein Guschik, weg is er gangen," heult sie klagend. Der Schulze kratzt sich hinter'm Ohr. Schlimme Geschichte. Die Werber verstummen vor soviel Unglück. „Hätt'st beizeiten zum Tierarzt geschickt." Die Alte grinst nur niitlcidig. �„ In der Nacht hat er in der warmen Stub' gelegen, und ich Hab' gewacht und den Wurgteufd besprochen, es hat nix genützt, weg is er gangen, mein Guschik, wie es hell wurde—u sie wimmert teilnahmslos Mcher fi? Ksn Schützengraben. Uns wird geschrieben: Auf einmal wird ein Buch-Opsertag i»S Werk gesetzt. Er kommt, er ist da mit der Plötzlichkeit, die vom Charakter deS Kriegswelten- laufes im engeren Sinne sich auch auf alles übertragen hat, was daheim geschieht. Wie die Höchstpreise geboren werden und ver- schwinden und wie die Verordnungen auf einmal da find, ohne daß man recht weiß, woher sie kommen und wohin sie gehen. Ei, warum nicht— für unsere Feldgrauen? Mit Freuden! Jeder hat gern gespendet, da es galt, denen da draußen etwas zu schicken, was Leben bringen soll und nicht Tod, was über dem Menschheitswidrigen, dem Vernichten, das Menschheitshöchste be- schwingen soll und erneuern: den Geist. Aber, fragt der Gebefreudige, da das Buch des Soldaten mir in der Tat eine Sache von höchster Wichtigkeit zu sein scheint: wer ist es denn, der meine Gabe in Bücher umsetzt, und in welche Bücher? Hier, dünkt mich, ist eine Aufgabe, würdig der Besten, der Freiesteu und Vorurteilslosesten im Volke. Hier ist Gelegenheit und Notwendigkeit, einen Ausschuß des Geistes zu bilden aus den Berufenen aller Klassen und Schichte», aller Stände und Berufe, der, beraten von Fachsachverständigen des deutschen Schrifttums, eine deutsche Heeresbücherei zusammenstellt und in die Schützen- grüben, in die Staffeln, in die Lazarette wirft, wie die Männer- auslese eines reifen Siebzig-Millionen-Volkes sie braucht,' und vor allem auch, wie sie sie will.— Sei stille, mein Herz«! Mau hat nichts dergleichen gehört. Wohl aber löst sich aus dem dielgestaktigen Gebilde ebenso unzähliger wie unbeschaubarer Ausschüsse, genannl Notes Kreuz, eine bis dahin den weitesten Kreisen unbekannte„Abteilung 13*, stellt sich als.Gesamtausschuß zur Verteilung von Lesestoff im Felde und in den Lazarerten* vor, klappt die Aktendeckel auseinander, erklärt der staunenden Heimat stolz, daß sie bereits 40 Millionen Bücher ins Feld geschickt habe, rührt, empfohlen von zwei Dutzend Namen, die man. gewohnt ist, fast unier jedem Ausschuß verzeichnet zu sehen, die Werbetrommel und hält die Büchse hin... Wie man auch immer nach näherer Prüfung urteile« mag— es bleibt eine der preußisch-dentschen Nnbegreistichkeiten, daß hier eine das ganze deutsche Volk aufs tiefste berührende Sache wieder sang» und klanglos m die Hände eines Gebildes gefallen ist, daS kemeswegs als bevollmächtigt von der Volkseinheit angesehen iverden kann. Das Befremden mildert sich etwas, wenn mau den Ausschuß näh« ansieht. Im„Gesamtausschuß* freilich, d« leitenden Sammelbehörde, scheinen sich zielbewußte Dunkelmänner- gruppen bedenklich festgesetzt zu haben, aber die Arbeit?» Verteilung, zu der man sich genötigt sah, hat das Nebel von selbst etwas entgiftet. In den Arbeitsstellen Berlins und der Pro- vinz find in der Mehrzahl Büchcreileiter, Bolksschnllehrer und Bildungsdereine tätig, die sich hoffentlich von den Traktätchen- vereinen im Gesamtausschuß keine Scheuklappen mubinden lassen. Gerade in Berlin wirken, das sei rückhaltlos anerkannt, eine Stelle— der Verein zur Verbreitung volkstümlicher Schriften, die Kgl. Biblio- thek und die Königliche Hausbibliothek(die bis jetzt bereits über V3 Million guter Schriften hinausgeschickt hat) mit vorbildlich« Uu- Voreingenommenheit. Um nicht mißverstanden zu werden, sei ausdrücklich anerkannt daß natürlich auch für die nach religiöser Kost Rufenden ausreichend gesorgt werden muß. Aber eS ist mehr als sich«, daß die vielen den Belangen bestimmt« Bekenntnisse dienenden Gesellschaften und Verbände diese Arbeit schon jetzt aufs Gewissenhafteste leisten. Diesen auch noch Mittel aus den allgemeinen Spende n, die am 23. und 24. Juni gesammelt worden find, zu üb«weiien, ist unnötig. Gleich- wohl mag auch das noch geschehen. Alle die, die die besonderen Zwecke bestimmt« Gemeinschaften bei der Versorgung des H«res mit Büchern zu fördern geneigt find, mögen in Zukunft ihre Gaben ausdrücklich den Stellen zuwenden, die diesem Zwecke dienen wollen. Die anderen ftagen: Was braucht daS He«, daS geistige Nah- rung schlechthin sucht. Die Wünsche und Bedürfnisse find natürlich in den feldgrauen Millionen so mannigfach, so bunt ausgebreiter wie der Regenbogen geistiger Teilnahme m einem Siebzig-Millionen- Volke von d« Denkhöhe des deutschen üb«haupt. Kommt hinzu die Verschiedenheit des Verlangens, die sich aus de» besonderen von neuem. Da brüllt hinten der Josef, der ternd ist und sich langweilt: „Nu macht voran mit der Leicht* „Leich,"— die Anne schielt mißtrauisch hoch. DaS Wort ist nackt, das Wort ist brutal, eS hat einen die Kehle fitzelnden Verwesungsbeigeschmack. „Die Lene ist inS Wasser gegangeu," erklärt der Schnlze erleichtert. O Jesus, Maria, Josef, o mein Gott, was strafst mich," kreischt heulend die Alte. Ihre dürren Arme durchfuchteln die Lust. Die Weiber recken sich auf Zehenspitzen. „Es hat jemand gesehen, wie das Mädel am Abend zu dir ging," versucht der Schulze auszuhorchen und wundert sich noch lange über seine Schlauheit. „Wer?" fragt die Alte, aus dem Gleis geworfen, und wischt sich den Kummer schnell vom Gesicht. „Nu halt einer," murmelt verlegen der Mairn.� Die Anne bekreuzigt sich fromm. Kein Lebendiges war da, bei meiner Seele, dann war's—" sie bekreuzt sich wieder, schaudernd, scheinheilig. Die Weiber bekreuzen sich mit: „Was ist die Anne gestrast." Den Schulzen packt etwas wie Mitleid:„Die Lene mag ins Spritzenhaus, in der Kaiuppen is kein Platz." „O lieber Herr!"„Fünf Taler geb ich für'n Sarg—." „O goldner Herr!! Gott lohn's Euch!" Die Alte kriecht näher, drückt das nasse stopplige Runzelgesicht aus die fetten derben Hände des Sprechers. „Und nu, ihr Manlassen, wird's Zeit, daß ihr weg kommt," kommandiert er erhaben der Schulze dem Dorf, von Wiederwillen beklemnrt. Man gehorcht, tröge— seufzend. • Nach acht Tagen kommt die Anne wie gewöhnlich mit ihrem Holzbündci aus dem Wald. Weiche lose Schneestocken durchflattern träge die Lust. Früher Winter. Die Alte tritt in die stumme Ungemütlichkeit ihrer Behausung, haucht in die starren Hände, geht zum kalten Herd. Da knacken dürre Reiser, da prasselt stessende Glut. Bald schnüffelt die Anne den Dampf der plappernden Kartoffeln. Sie stellt den Napf mit der sauren Milch auf den nackten Tisch, tunkt die Kartoffeln ins Salzhäuslein und ißt ohne Hunger. Es bleibt ein Nest übrig, den betrachtet die Alte,— lange. Aber dann lauscht sie. Beim Januschek nebenan ist Viehabfütterung, und das lüstern-gemeine Grunzen der Schweine dringt aufdrinq- lich herüber. Da kullern zwei Tränen in die saure Milch, die eingedrückte Brust der Frau zieht ein erstickender Schmerz zu- sammcn und klagend murmelt sie:„Mein Guschik, mein Guschik, mir is bange." seekstche« Etiirnimnge««gM, wie sie der Krieg gekliert. Z« de» Augenblicken d« Entspannung nach d« Neb«hitzuug des Kampfes, nach nervenzerpeitschender Verteidigung wird der Mensch, sofern es ihn üb«haupt veilangt zu lesen, rein triebmäßig nichts suchen, als ein Sichlosmachen von den zermalmenden Eindrücken des Augenblicks. Alles wird ihm recht fem, was eine geistige Ortsveränderung ans nicht unangenehme Weise bewirkt. Aber auf den Kampf folgen auch Ruhetage, und es ist der edelste Trieb im Volke der Lernbegie- rigen und Denksüchtigen, d« dann nnbezwinglich heischt: geistige Trennung vom LandSknechtstum, gute Büch«, tiefe Bücher, kühle Wissenschast, Denkaufgaben zeitlos« Forschung. Demnach muß hinausgeschickt werden: Leicht« Nnterhaltuugs- stoff, ohne zu engherzige Prüfung auf den literarische» Wert. Die gängigen deutschen Erzähl« find hi« etwa die brauchbaren Nicht- linien. Aber ferner: bestes deutsches Schrifttum, vom klassischen bis zum heniigen. Wissenschaft, beileibe nicht nur„volkstümliche", sondern auch schwere, unerbittliche, miS alle« Gebieten ohne Scheu und Scham, von der Lieb« bis zum Staat, von d« geschichtlichen Kritik bis zur Götterdämmerung der Naturwissenschaften im„Nela- tiviSmuS*. Dies alles jenseits jed« Partei und jed«.Neb«- zeugung*. Ab«: auch das Beste des Meimmgs- und Neberzeugnngs- schristtums, des W«beschriftmmS für bestimmtes Wollen in der Zeit. Auch hier wieder jenseits all« Gängelei, all«Zweckfiebtmg. WaS immer in Deutschland mit Geist und Mut verfochten wird, die Fechter draußen an den Fronten müssen mitfcchten dürfen, soviel die Blut- arbeit ihnen an Zeit dafür läßt. Und schließlich: Lustiges, deS Lachens verzeihende Weltüb«legenheit, Weltverprügelung und Welt- Verhöhnung,„Humor" von allen Arte«, von der bittersten und gröbsten bis zur ahnungslosen, frisch genießenden, bis zn der sanften und halb schon weinenden. Der sogenannte Witz der Ber- liner S-Uhr-Tingcltangel sür Damen und Herren„besserer Stände" kann, nicht beneidet, Besitztum derer bleiben, die ihn lieben.... Ueb« der Auswahl muß das Bewußtsein lebendig bleiben, daß gerade die Feldgrauen draußen jetzt in der tmgewöhulichcn Er- regung des DreijahrekriegeS geistigem Einfluß mich ungewöhnlich leicht erliegen; daß deshalb die Wirlung dieses od« jenes Buches sich nur schw« beurteilen läßt.(Gerade diese Wahrheft haben übrigens die Traktätche»v«schleißer zuerst und aufs gründlichste er- kannt und sich nutzbar gemacht.) Die Versorgung des HeereS mit Büch«« kst ein gewaltig Ding. Noch jetzt sollte man den Versuch macheu, den Gesamt- ausschuß auf volkstümlicher Grundlage durch Einfügung geistig Beglaubigter aus alle» Schichte« zu ergänzen. Der Ankauf, die Verteilung der Büch« in d« Heintat und im Felde müsse« aus den Händen nicht nachptüfbarer Gesellschaften, Veteinsvotsitzend« und Feldgeistlickj« öffentlich mehr sichtbaren Stelle» üb«tragen werden. Denn an der Verwendung der Luchop ferfpen de muß das ganze deutsche Volk tieffteu Anteil nehme«. • (Anmerkung der Redaktion: Wir können nus den kritische» Vorbehalten unseres Mitarbeiters nur in vollem Maße anschließen. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, sind tüc sachverstäudige» Körperschaften der Arbeiterschaft bis jetzt bei den Büchcrspendcn völlig übergangen worden. Das ist mn so auffällig« und bedenklicher, als Millionen von Sozialdemokraten im Felde stehen und zu den Büchergaben weit mehr Vertrauen haben würden, wenn sie wüßten, daß auch ihre geistigen Berat« in der Heimat ar: dem Werke, an der Auswahl d« Schriften wie an ihr« Verteilung, mittätig waren, lind um so ungerechtfertigter ist die Beiseitclassiing der sozialdemottatischcn Mitarbeit, als erst noch vor einigen Wochen im Reichstag von sozialdemokratischer Seite aus d« Anstoß zu Maß- nahmen für die Hebung des Feldduchbandels gegeben worden ist.) hat Sie Kunst zu trösten! Heber diese Streitfrage wird augenblicklich in Frankreich ein Prozeß geführt. Die Nichte Flauberts klagt gegen die Gesellschaft, der sie das Recht zur Verfilmung deS Roman?„Salamvo" eingeräumt hatte, weil der Schluß im Film willkürlich abgeändert wurde. Es zeigt sich bei dieser Gelegenheit, daß die großen Schriftsteller eine ganz andere Auffassung von dem Zweck der Kunst haben als das Publikum, von dessen Wünschen sich der Filmregisseur leiten läßt. Flaubert läßt den Liebhaber der Karthager Priesterin, den hühncn � haften sympathischen General Matho, unier den kalt und gleichgültig blickenden Augen der vergötterten Angebeteten steinigen. Da? ging den Filmfabrikanten wider den Strich. Sie sorgten deshalb dafür, daß Salambo ihren General kriegte und die beiden glücklich und in Freuden mit den dazu gehörigen Kinderchen leben. — Verschandelung eines Kunstwerks! schrien die Künstler. Flaubert wird sich im Grabe herumdrehen, daß sein Gedankengang derart ins Gegenteil verkehrt wird. — Wir danken für einen so unheftnlschen Gedankengang, lassen sich die Filmfabrikanten vernehmen. Das Publikum geht nicht in? Kino, mn Alpdrücken zu bekommeu. Es will, daß« und sie sich kriegen. — Die Kunst soll ei« Abbild des Lebens geben. Sie mutz nach Wahrheft streben. — Für de» DurchschuittTmeuscheu soll die Ktinst in erster Linie unterhalt«! und zerstreuen. Flaudert? Salambo ist sür glückliche Leute in schwellenden Polstersesseln geschrieben, die ein bißchen au? ihrer behaglichen Ruhe aufgescheucht sein wollen, um sie mit desto innigerem Behagen zu genießen. Der Kinobesucher sehnt sich im allgemeinen nicht nach Elend und Trübsal. Davon bietet ihm das tägliche Leben gerade genug. Aber d« Regenboge» nach dem Ge- Witter, der tröstliche Ausgang, das ist, was er liÄt. Haben nu» die Künstler Recht od« die Filmfabrikanten?... Die, welche die künstlerische Wahrheft über alles stellen, oder die, welche Romeo und Julia glücklich zum Traualtar führen und Gleichen statt im Kerker als rechtschaffene Frau Doktor Faust enden lassen möchten?... Das Paris«„Journal*, das die Frage aufwirst, entscheidet sich zugunsten derer, die sich von dem toten Dichter nicht ins Boxhorn jagen lassen.„Es gibt in unserm gemarterten Frankreich," schreibt das Blatt,„auf lange Zeit hinaus so viel Tränen und Trauer, daß dies krampfhafte Bedürfnis nach einem Trost, wie ihn die Knust spenden kann, uns rührend erscheint. Schriftsteller und Dramatiker haben heute and«e Aufgaben als die, das Leben schwarz in schwarz zu malen. Wir alle tragen irgendeine Wunde mit uns herum. Da hat auch die Muse die Ltrankenschwestcr zu spielen," Von diesem sentimental verbrämten Geschästsstandpnnkie aus läßt sich dann jede Vcrballhcrnung rechtfertigen. Notizen. — Die Ausstellung der Freien Sezession, die zugleich eine Ehrung für Meister Licbermann(er wird im Juli 70 Jahre) bedeutet, wird Sonntag am Kurfürstendamm eröffnet. — Vorträge. Der Marinefilm„Graf Dohna und seine Möwe" wird in der Tr e p t o w st e r n w a r t e täglich vorgeführt. Dienstag, 7 Uhr, spricht Dr. Archenhold über„Mond und Mars".— In der Urania wird der Vortrag„Die Insel Rügen" wiederholt. —„Das Weltwissen". In der„Köln. Zeitung" werden Versuche erörtert, für das langstielige und wenig besagende„Kon- versationslexikon" ein gutes deutsches Wort zu setzen. Es wird u. a.t Weltwörierbuch, Wissensbuck, Weltwissen und Alleswisser vorgc- schlagen. Erinnert wird auch au den alten Scherz, daß Lexikon uin- gekehrt gelesen das Wort„Nokixcl"(von Nachkikeni ergibt. So würde denn Konversations-Lexikon mit Allerwclts-Nokixcl— Slllo wcltsnachschlagebuch zu verdeutschen sein, Dentaches Theater. Heute und folgende Tage SUii. Max Pallenberg in Familie Schiinck. Kamm erspiele. Heute u. folgende Tage T'/jUhr; »le Xlinzerin (ntit Leopoidine Konstantin). Volksbühne. Theat. a.BUlowplatz. Untergrundb..Schouhauaer Tor. Heute u. folgende Tage Tl4 Uhr; I>in Küniein der I ntt. Kessins Theater. Homo u. folg. Tage T',1. Uhr: Marie Ottmann u. Hans Wafimann in MSffaft«A Oper. v.O. Blumenthal. HlBOrJBs Mugik v. osk. Straus. vir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theatsr i. d. Köniogrälzer Str. S Uhr: Schnltzlcr- Abend. IComödienhaus 8 Uhr: Wie fessle ich meinen Mann? Berliner Theater 7°° Uhr; IHe tolle KomteB. URANIA Taubenstraße 48/49. Sonntag 4 Uhr(halbe Preise); im U-Boot gegen den Feind. suhr: Die lusei Rügen. Montag 8 U.: Tirol einst und jetzt. Rose=Theatep. �.uhr- Der Mann seiner Frau. Gartrnd.- Berlin wie es liebt u. haBt. V olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Tägllcli grofie ExtrsyorsteUnng. Pieper und Sperling ErttklalstgeS Spezlalttäten-Programm. Ans.«onntagZ 4, rnochent.'1,5 ItSr. Theater für Sonntag, den 1. Juli. Dcntscbcs Opernhana t mtx; Tannhäuser. Iriedrich-Wilhelnstädt. Theater. ö Uhr: Der WaiT enschmied. T'/jü.; Dns DrcImttderlhnns. Kleines Theater 3'/, Uhr: Am Teetisch. 8 uhr; Liebelei. Komische Oper �gubz;üie Doso Sr. Majestät. Lustspielhaus 3V, Uhr: Z. 1. Haie: In Vertretung. 7'/,Uhr: Wie blonden SUldcIs vom. KlndcnhoJ. Metropol-Theater T'/.uhr: Die Czardastörstin. Neues Operettenhaus ScbiffbiJ, 4e. Kassontel. Nord. 281 u/,ü.: Der Soldat der Marie. Walhalla-Theater. Uhr': Zigeuner. biartcubiiblic-Voritellung. Reiebsballen-Theater. Stettiner Sänger. Oabaret „Feldgrau" Ausang 7-j, Uhr. Nesldexis-Thezster vi, uhr: Die Konkurrenten, Sehlller-Theater O Tv.tt: All-Heldelberg. Schiller Th. Chnrlottenb, r/.uhr: Kammermusik. Thalia-Theater 3 Uhr; Seemanns Brauttahrt. 7"/. mtr: Stjnnwendzauber. Theater am h'ollendurtpl. 3V, Uhr: Immer feste druff! T*/, u.: Die Gulaschkanone, Theater des Westens 3»/, Uhr: Hasemanns TJchter. 71. u.: stolze Thea. Trlanon-Theater 3'/, Uhr: Sora. 7«/4uhr: Der Star. Berliner Praler-Theater Kastanienallee 7—9. Heute: Aha— famos! Kroge AuSstattungs- Operettenposse in 3 Allen mit Gesang und Tanz. Vorher baZ groSa Variotbprogramm. Allianz 4'/, Uhr._ NATIONAL-THEATER. Köpeniller Str. 68 Tägl.'/tS Uhr Ein Stiiek aus der guten, alten Zeit! Die Heiler ies isUeo! VolkSstück mit Gesang in 7 Bildern. Vorverfaus ab 10 Uhr ununterbr. ZisIl»8l.8i:Di!iiiZiisi.! Rauaben gest. Kubier Aufenthalt 2 Große Vorstellungen 21 Nachm. H'l, u. abends 8 Uhr. Nachm. I Kind frei unt. 12.1ahren 1 sowie Gratis-Ponjr-Reiten fürj Kinder v. J�ogen- b. Mittelbalk.- 1 Besuo.heru. Zirkus-Ifarietfi-g�n. Bayr. Alpen-Spiele.| Halali fÄ neue ü. a.: Heute: Gr. Militär- Konzert. a!- j. 30 Pf. Aquarium. Admiralspalasl. Z Vorstellungen� 4 u. TV, Uhr. Nachm. kleine Preise. Abrakadabra. GroBes phantastisches Ballett auf dem Elan. Abd. Einlaß 7 U. Vorzgl. KOehe. Angenehmer kühler Aufenthalt TägL 7'/, Sonnt, 3'/, n. 7'/, R. Stoldl, A. MOIIer-Linckn, Gertr. GrBbner, B. Lehnhoff in„Der Herr ohne Wohnung", Dazn: Afra, die Seltsame usw. Wer terrUtaes Sdinhwtrt, | Grs di irre, Leder, Zciortoffe, Fahrradmintef, Filz usw.«elbst I aasbessern will verwendet vor' zOglidi die Näbahle Stepperin ixs.i. SoMcr hatc Konstrokdoo. Näht Stqipstidi wie Maschine. Lckht zu handhaben. Garantie für ßrautbbarkdL Viele Anerkcnn- ungea. Preis 11k. Ä.50 mit Naddsorticrung und Leinen- ewirQs verpackt und postfreL la Lederhandlungan Käuflich oder direkt durdi Joh. Zucker Stuttgart- Botnang. Hommi Nollsndorfplstz 6 MöerM Hehny Porten WWW Bealoa: Z Uhr. WWW StäÄiiche Uolkstpcifung. Für die Woche nom 9.-15. ftuli 1917 usw. sind bei der Anmeldung. zum erstenmal in der Zeit voni 2.— 5. Aul! 1917, von den Teilnehmern an der Bolksspeisunz von der Kartoffelkarte abzugeben: Bei Entnahme einer ganzen Portion 2 Abschnitte, bei Entnahme einer balben Portton 1 Abschnitt. Die Anrechnung der Reichsflelschfarte bleibt unverändert. Da insolge deS grogen Mangeis an Kartoffeln eS nicht möglich sein Wird, Kartoffeln in dem Essen zu verabreichen, werden in gröberem Um- fange als bisber Kartoffelwalzmehl, Kartoffeljlocken, s owle Teigwaren uno Geireidesabrikate oerwendet werden. Berlin, den 29. Juni 1917. Magistrat Abteilung für Volksspeisung. D o s I e i n. 212 B Aer;t!ich ykleitete, modern tiugenchtetk �8• ßtilanSalt für ambulator. Sehaudluiig. gl «Uodernes, erprobtes Heilverfahren: Naturheilverfahreu, Glektro- u. Licht-rherapie, Wafferhetlverfahren. PRanzcn, und Kräuterbäder, Sauerstoffkuren, homöopathische Behandlung, Pfianzensaftkuren.—?iachwcisbar gute Heilerfolge hei sämtlichen Krankheiten, inneren und öuheren Ifpeziell chronischen Leiden), z. B. Lungen-, HalS-, Herz-, Magen» Tarm-, Leber-, Siieren. und Blasenleiden. Nervenschwächen,«ervöscu Kopfschmerzen, all- gemeiner Nervosität, allgemeiner nervöser Slbspaunuug; Ischias, Gicht, Rheumatismus; sämtlichen Ausschläge», Thlechten, BSunden, Lähmungen, sowie Kinderlähmung; Stoffwechscl-Krankhciten. Zuckerkrankheit usw.— Wegen Raummangel seien nur einige Fälle mitgeteilt: Herr 51. Hellwig, Borsigwalde b. Berlw, Ernftstr. 25. Pon Magengeschwnlst, Ber- ftopfung«. Nervenschwache iu S Wochen geheilt. Sollte operiert werden.— Herr K. WilthauS, Berlin, Blumentbalftr. 3. Von Geschwulst»nd Adszest an alter Cverationsnarde mit 15 Sc- bandlungen gehellt.— Frl. M. Muschick, Btn.-Tchöneberg, Sedan- strajze 17 71 bei Frlebldf. Von Geschwulst u. Nervenschwäche iu 4 Wochen geheilt. Vorher dringend zur Operation geraten.— Herr A. Schlabin. Berlin, Caprivistr. 24. Von GesichtSluPus in 1 Monat vollständig geheilt. Borher 6 Wochen mit Radium in eiuer Berliner Klsnik ohne Erfolg behandelt.— Frau<£. Popp, Lichten. Berg, WSrtncrstr. 10. Von chron. Frauenleiden. Herzschwäche »»d Berftopfung geheilt.— Sohn des Gärtners H. König, Panlow. In S Wochen von veralteler Betuläbmung geheilt. Vorher anderweitig jeder Ecsolg abgesprochen.— Von Nervenschwäche in vier Wochen geheilt. Erklärt sich selbst für ganz gesund.— Herr Milch- Händler Eckert, Berlw, Kreisenhagcncr Sir. 25. Von gichtisch- rheninat. Schmerzen in Bein u. Fuägelent gehellt. Sehr zufrieden. Herr 31. Brose, Beriin-Mariendors, Streichet Str. 11. Von chroni- nischer Rüitenmarkentzünduiig und Lähmung gehellt. Vorher für unheilbar erklärt.— Herr R. Zöllner, Ncinidendors-Ost, Provinz- straffe 117. Von Lungrublnten und Katarrh gehellt.— Frau I. Herold, Berlin, Ramierstr. 23. Von Bronchialkatarrh gehellt. — Zwei Kinder des Kohlenhändlers Herrn Linke, Berlin, Streicher Straffe 6. Vor 9 Jahren von Lnngei, leiden gebellt, heute noch ge, sund.— Herr<0. Köppe, B!n.--Runtmelsburg. Alt-Boxhagen 8. Bon doppelseitigem LuiigensviNenkatarrh gehellt.— Herr O. Nett- m an ii, Lichtenberg, Blumenthalstr. 13. Bon Neurastdente und ncr- > v vöser Magcnschwäche gehellt.— Frau E. Groffe. Berlw, Zwingii- straffe 25. Von Leberletden geheilt.— Frau Restaurateur Herlug. Berlin, Schönhauser Allee 87. Bon Basedowscher Krankheit ge- bellt.— Herr Erich Bock, Berlin, Slenbaler Str. 17, IV. Von Niere», u. Blasenleiden, Wasscrsnche, allgemeiner groffer Schwäche gehellt. Vorher im Kranlcnhause erfolglos behaudeU. Jetzt Fliegersoldat. Getrennte BehaudluugSräumc für Damen und Herren: Sprech-». BchandiungSzett9-l,4-7V, Uhr. Sonnt, n. Feiertag« 9-1 Uhr. S Berlin SO 16, Brückenstr. 10 H 3r,.SfÄ!'