A4, �ahrgaug. ❖ Nr. SS öettage zum �vorwärts" berliner voiksblatt SerUa, 7S. Dezember 7917 Es kommt öem Tag, Prolet! Für Max Barthel. Das schafft dir deinen Schmerz. Prolet?— — Daß du dich ganz, mit Leib und Leben, dem Werk, der Arbeit, hingegeben, die d» mit deiner Seele nährst— — und daft nichts von dir darin aufersteht: Das schafft dir deinen Schmerz. Prolet! Daß Brücke. Heus und Garn und Tuch dein Blut trank und der Seele Schmerzen. das prangt nun hell im Licht von tausend Kerzen!— — And daß man stolz daran vorübergeht: Das ist dein und der Menschheit Fluch. Prolet! And daß die Herrscher unsrer Welt «ach Macht und Gold aus unfrem Schaffen hasche«, kristaNisieek aus unsrem Blut: wir wissen: Haus und Brot sind gut. Doch hat der Lohn, das blanke Geld, noch nicht den Fluch davon gewaschen. So reck dich aus? Sei stark und groß. Prolet! And schau: in Brücken. Häusern und Maschinen, da kreist dein Blut, der Welt zn dienen. Du hältst in deinen harken Hönde« das Welkgeschenk: dich selbst, zu spenden.— — Wenn einst die Welt dich und dein Tun versteht. bist du erlöst. Es kommt dein Tag. Prolet! __ Heinrich£ c r f ch. Hroß-öerliner Sieölungspotitik. Von Hugo Hermann. Auf keinem Gebiet der gemeindlichen Tätigkeit tritt die UnHaltbarkeit der in Groß-Berlin bestehenden Zustände krasser hervor als auf dem der Siedlungspolitik. Hat die Wichtigkeit cmer nach modernen Gesichtspunkten orientierten Sied- lungspolttik schon immer im umgekehrten Verhältnis zu den tatsächlichen Leistungen der Gemeinden gestanden, io werden stch diese Verhältniste nach Friedensschluß noch verschärfen. Erst in neuerer Zeit haben einige Kommunen der Wohnungsfürsorge überhaupt Beachtung und Pflege gewidmet. trotzdem die sozialdemokratischen Gemeindevertrctcr feit Jahrzehnten nicht müde geworden sind, die Verwaltungen an ihre Pflichten bezüglich dieses so wichtigen Zweiges der gemeindlichen Betätigung zu mahnen. Soll der Wohnungsnot, dem akuten W o h n u n g s m a n g e l wie dem chronischen Wohnungsclend, ernstlich zu Leibe gegangen werden, so pt daS nicht anders als durch Eingriffe in die bisherigen Vorrechte der Grnndbesiser möglich. Diese Grundbesitzer- interessen sind aber auf Grund des bestehenden Wahlrechts in allen Gemeinden übermächtig, wie selbst Eugen Richter in einer seiner bekannten Reden zugeben mußte, und diese an sich schon so mächtigen Interessen ziehen in Groß-Berlin stets noch neue Nahrung aus der kommunalpolitischen Zerrissenheit unseres großen Gemeinwesens. Eine Siedlungspolitik, die aufräumen will mit dem ge- sundhcitsschädlichen System der vier- und fünfstöckigen Mietskasernen. eine SiedlungSpoliti?. die die Krieasbeschä- d i g t e n und unsere heimkehrenden Krtsger nicht zwingt, den Rest ihres Lebens in licht- und lustlosen Cuer« gebäuden und Hinterhäusern zu verbringen, sondern die weiträumige Bebauung mit guten Vcrkchrsverbindungen vorsieht, wird in Groß-Berlin stets über das Gebiet einer Gemeinde hinausgretfen und daher für sie allein undurchführbar sein. Wären die Gemeinden zu einheitlicher Verwaltung auf diesem Gebiet zusammengeschlossen, so ist es klar, daß viele Reibungen und Widerstände fortfallen würden, die die einzelne Gemeinde wegen ihrer räumlichen Unzulänglichkeit und begrenzten Zuständigkeit an einer guten Siedlungspolitik hindern. Durchgreifend helfen kann aber, wie die Verhältnisse in Groß-Berlin liegen, nur der Staat. Zu solchem Eingreifen wäre der Staat gerade bei uns doppelt und dreifach verpflickict, weil die traurigen Wohnungsverhältnisse hier in erster Reihe durch seine Schuld herbeigeführt find. A m ?.-i Juni 1887 okrohiertedie Kg l. Regierung zu Potsdam mit einem Federstrich d a S System der fünfstöckigen Mietskaserne auf alle, selb st die entlegensten Vororte, also au» ein Gebiet, das bis" dahin zu einem großen Teil noch landwirtschaitlich genutzt wurde und in dem noch nicht eine Mietskaserne gestanden hatte. Mit dieser oktroyierten Bauordnung gab die Regierung den direkten Anstoß zu jener wüsten Bodenspekulation, die einer kleinen Minderheit van Grundbesitzern ungeheuerliche Gewinne in den Schoß warf, der Masse der Bevölkerung aber unübersehbaren, nicht wieder gutzumachenden Schaden brachte. Binnen wenigen Jahren änderten sich nämlich auf Grund dieser Bauordnungen die Bodenverhältnisse in dem Riesengelände so von Grund aus, daß eine durchgreifende Revision der Bebauungspläne und Herunterzomxng des Geländes ohne schwere Erschütterung zahlreicher privatrechtlicher Vermögensinteressen nicht mehr durchführbar erschien. Don den 3.2 Millionen Einwohnern Groß-Berlins leben heute schon 99 Proz. im Hochbau; nach den vorliegenden Bebauungsplänen können noch weitere 3—6 Millionen Menschen in der Steinwüste des Hochbaues angesiedelt werden. Das sind fürchterliche Zahlen, die den Anlaß bieten müßten, mit dem System der Mietskaserne zu brechen, soweit dies noch irgend möglich ist. und gesunde, preiswerte Kleinhaus- Siedlungen mit guten Verkehrsbedingungcn nach dem Stadt- innern zu schassen. An sich ist die Mietskaserne dem Ein- oder Zweifamilienhaus bezüglich der Billigkeit der Miete nicht ü b e r l o g e n. Von hervorragenden Fachmännern wird mit allem Nachdruck die Auffassung vertreten. daß die Baukosten wie die Miete für ein Quadratmeter Neito-Wohnfläche, vom Bodenpreis abgesehen, in der Das Gpser. Von E a m- l I e Lemonnior. Er faß sw offenen Feniter, sc schwach schon, und aus den Auge« strahlte»hm ein seltsamer Glanz, wie vsr Abglanz dieses svll und langsam sich herabsenkenden Abends, mit seinen lichten gold- farbenen herbstlichen Tönen; oder war es ein geheimnisvolles Leuchten. das nicht von außen kam? Ein leiser Windzug fuhr durch das Laub der Bäume, die auf dem Platz vor dem Haufe standen, trieb den schluchzenden Silberjtrahl dcb Wasserrades rascher empor und d:nn zurück:n das rosige Granitoccken. Ein schweigender Häuserkomplex in einem abgelegenen Viertel. In der Ferne das Lärmen der Stadt, wie ein grollendes Gewitter. Er ahnte, daß jemand nahe; ein seines magnetisches Fluidum verriet es ihm. Aus den mit dicken Teppichen belegten Räumen war kein Laut herübergedrungen, und dennoch fühlte er, daß ein nahender Schritt sie gestreift hatte. Er wandle den Kopf und sah seina Frau im weißwollencn Morgen gewaiid, in jugendlicher Frische und Schönheit. ..Ich wußte, daß Tu cd b-st!" sagte er. Und er streckte ihr die Hände entgegen, und er zog sie an sich mit unendlicher Zärtlichkeit und er sah. wie aus ihren durch den abendlichen Glanz perklärten Zügen eine wundervolle Glückseligkeit leuchtete. .Tu bist ganz in Weiß... Du bist weiß wie die Freude, wie die Hoffnung, wie Deine Seele selber... ich liebe diese Atmo» sphäre des Glückeö. die um mich ist." Mi: einem matten Lächeln blickte er sie an; das Leben hatte allzu herb an ihm gezehrt, die Seele ihm zerrissen, und in seinem erloschenen Blick war nur noch das letzte Ausflackern des erblaffen- den Lichtes, das dort draußen die sterbende Schönheit mit matiem Schimmer grüßte, wie eine letzte Liebkosung des scheidenden Sommers. „Wie unvorsichtig Tu bist!' sprach sie.„Schon beginnen die Abandnebel aufzusteigen und Du sitzest da am offenen Finster.' Er nickte müde und aus die Lippen trat ihm das große still- ergebene Wort dar Kranken, die des Kampfes müde sind:„WaS tut's! Ein wenig früher, c-n wenig später, dg es ja doch fein muß." Tie alte wehmütige Zärtlichkeit wallu in ihr auf; und sie be- rührte feine Stirn mit ihren weichen Lippen, die einst so feur-.z küssen konnten. ..Sage das nicht... Du weißt, wie ich leide." .Verzeih mir... ich weiß, daß Du leidest, viel mehr noch als ch selber Alles um mich her scheint mir so leicht... es gibt Augenblicke, da sich alles Wirkliche vor meinen Augen verwischt, einer kleinen Wolke gleich, die rasch vorüborzieht... Und sage mir' Ein kurzer Augenblick voll uamenloscr Angst: er wagte sie nicht anzusehen. Alles Licht entwich aus seinen Augen, die plötzlich wie im Nacht getaucht erschienen, gleich als nah? sich der große Schatten. Er fragte sie, ob ihr Freund, der allzeit treue brüderliche Freund, noch nicht gekommen sei. „Aber nein, wie kommst Du darauf?"(Sie war sebr ruhig jetzt, lächelte sogar und dennoch wollte es ibm scheinen, als durch-- klänge ihre Stimme ein leichtes Zittern.)„Du weißt doch» daß es noch nicht seine Zeit ist." ' Er wollte sprechen: seine Lippen regten sich, allein kein Laut entschlüpfte ihnen; sie fühlte, wie feine Hände, die in den ihren ruhten, zu Eis erstarrten. Ein schwer lastendes Schweigen, wie ein« Ewigkeit; und dann schlug er die Augen auf. deren Blick wie in bitterem Weh erstarrt erschien; und voll unseliger Verzweiflung schaute er sie an. „Tu liebst ihn sehr, nicht wahr? Dos möchte ick wissen... und dennoch quält mich der Gedanke, daß nach mir—" Und wieder erstarb ibm das Wort auf den Lippen, ein Schatten des Todes schien sich über ihn zu breiten; es war ein Augenblick voll verhaltenen Schmerze», der der ewigen Finsternis den Weg bahnte: und mehr noch horchte er auf sein Inneres, als auf daö leise Wart, dos zage Flüstern, da» ihr zur Abwehr diente und seiner todesbangen Seele kaum bewußt ward. Mit Wehmut erfüllte es ihn. daß er zu viel hatte wissen wollen, und hoffte doch noch stets, daß ihm dies Herz treu sein würde bis über den Tod hinaus; und den Blick schien er in weite Fernen zu richten, durch keine Zeit gehemmt. Sic hörte aus zu sprechen; wie ein frostiger Schauer durchzog gänzliche Verlassenheit seine Seele, gleich, als se: sie nicht mehr da. Und er rief sie, wie von jenseits des Trabes — mnt der Stimme eines Schiffbrüchigen, mit einem Röcheln: .Liebs«..." See legte die fieberheiße Rechte ihm aufs Haupt, und so nahe war sie ihm, daß sie Beide für einen Augenblick nur eines Herzens Schlage» spürten. Warm wallte eS in ihm auf bei der Berührung dieses schönen jungen KörperS; und er faßte ihr« Hände und er sagte ihr. rnü dem Lächeln der Genesenden, nach schweren Krisen, in denen alles schon verloren schien: „Es ist besser so." Sie wußte nicht, ob er ihr van ihrem Schweigen sprach oder von etwa» anderem, an das sie alle Beide still gedacht. Er galt ihm fast wie ein Jugendfreund; lang« Zeit hatten Mietskaserne nicht billiger zu stehen kommen als im Klein- haus. Rur der Bodenpreis muß in der Kleinhauskolonie natürlich weit niedriger sein als im Rayon der Mietskaserne. Der FiSkus besitzt nun in der Umgebung Groß- Berlin» zirka loOO Hektar Forstflächen, die für die Anlage von KlcinhaüSsiedlungcn in Betracht kommen und keinen höheren RutzungSwert als 7—10 Pf. für das Quadratmeter haben dürften. Der Staat als Urbcsitze- des Landes ist also imstande, in ausreichender Weise preiswerten Grund und Boden für gesunde Kleinwohnungen bereit zu stellen. Wie kommt nun der Staat dieser seiner Pflicht nach? Die preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten und des Innern erkennen in dem Runderlaß vom ff. Oktober d. I. an. daß nach dem Kriege in allen Großstädten mit einer Kleinwohnungsnot zu rechnen sein wird. Diese wird nicht nur für die unmittelbar davon Betroffenen, sondern ivegen der allgemeinen Uebelstände und der großen Miel» steigerung. die sie im Gefolge haben wird, für die gesamte unbemittelte Bevölkerung eine Kalamität werden. Zur Bekämpfung der Gefahr erteilen die Minister den Gemeinden Ratschläge und schrecken dabei selbst davor nicht zurück, die Freigabe der glücklich beseitigten Dach- und Kellerwohnungen anzuregen I Das preußische LandwirrschaftSministcrium aber schwingt sich noch nicht einmal zu Taten aus. die nichts kosten. Das Land- wtrtschastSministerium, da? über die Forsiflächen verfügt und bei seinem Waldvcrkauf an den Verband sich bekanntlich die schönsten Partien zn vornehmen Viklenkolonien zurückbehalten hat. schließt grundsätzlich nur da auf, wo ihm hoho Grund- stückspreise sicher sind. Zu diesem Behuf stellt es seine Bebauungspläne lediglich nach plntokratischen Gesichtspunkten unter Hintansetzung jeden sozialen Gedankens so auf. daß nur reichen Leuten der Zutritt in diese Kolonien ermöglicht ist. Bekämpfung der drohenden Kleinwohnungsnot. menschenwürdige Unterbringung unserer heimkehrenden, an das Leben im Freien gewöhnten Krieger sind Ausgaben, die im Land- wirtschastsministerium anscheinend nichts gelten. Für Kriegsgewinnler stehen elegante Kolonien, für die Masse Mietskasernen eventuell Dach- und Kellerwohnungen bereit! Als vor mehr als zwei Jahren von einem unserer Vertreter in der Verbandsversammlung diese Verhältnisse zur Sprache gebrackft wurden, nahm die Versammlung einstimmig den sozialdemokratischen Antrag an.„den Verba ndsa nsschU ß zu ersuchen, bei der StaatSregierung darauf hinzuwirken, daß bei der Aufstellung von Bebauungsplänen für staatliche Länderoicn in Groß-Berlin auf die Bedürfnisse von Kleinhaus-Siedlungen für die minder- und unbemittelte Bevölkerung ausreichend Bedacht ge- nommen werbe". Roch Jahresfrist Oenchtete der Verbands- � ausschuß, daß er nichts zu berichten habe. Die Verbands- Versammlung ersuchte darauf, wieder einstimmig, den Verbandsausschuß,„die Verhandlungen mit erhöhtem Nachdruck fortzusetzen und binnen ff Monaten erneut Bericht zu e: statten". Die 6 Monate sind län'gft verstrichen. Zu berichten aber ist außer einigen unverbindlichen und allgemeinen Redensarten wiederum nichts! Die Burcaukraten des ForstfiskirS scheinen die Langmut der Verbandsversammlung und der Bevölkerung für unerschöpflich zu halten!_ sie sich aus den Augen verloren:'dann ein plötzliche« Wiedersehen. Härrd«, die sich einander entgegenstreckten, ein Austausch freudiger Erinnerungen. Er hatte dort ein Heim gefunden; wie ein Bruder .ward er aufgenommen. Und er hatte die junge Frau lieb gewonnen und füblte sich nach einem an schweren Enttäuschungen reichen Leben in diesem trauten Familienkreise doppelt wohl. Und langsam, je mehr das Leiden ibm am LebenSmarke zehrte, begann den kranken Gatten d?e bonge Ahnung zu quälen, ob in diesen beiden Menschen, die seinem Herzen so nahe standen, nickt ein anderes Gefühl als daS der Freundschaft erwache. Und dennoch hatte er niemals an ihnen gezweifelt; er glaubte an die Reinheit ihrer Seelen trotz der in ihnen schlummerniden Neigung, die sie mit der Wehmut des Unerreichbaren erfüllte. Hin und wieder klangen ihre Stimmen gedämpft, fast wie sin matter Hauch nur durch die Dämmerung, und farblos matt erschienen auch ihre Züge in dem langsam ersterbenden Tageslicht. Er wähnte, daß sie bekümmert seien und um seinetwillen litten. Sein Leben neigte sich stets mehr dem Ende zu. er sah sich selber wie ein Schatten neben jenen, die wie des Lebens Ebenbild ihm oft erschienst und die dennoch, voller Mitleid, wie Sckemen um ihn lebten. Und weil er sie so zärtlich liebte, lttt er zwiefach; so schwer hätte nicht eigenes Leiden auf ihm lasten können. Jede bittere Regung ward ersticki; in seiner Seele ward es weit und hell, wie wenn der Sonne doppelt hehres Leuchten dem sommerlichen Tag die Scheidestunde kündet. Sein« Empfindsamkeit war aufs höchste gesteigert; fein Leben und das ihre schien ihm eins, so schicksalsschwer verknüpft sein todgeweihtes Dasein und der Anderen Sein, das einst vielleicht zu neuer Blüte sich erschloß. Und Gebilde, kaum greifbar noch. wie Schatten, schwebten vorüber. Es quälte ihn. daß er sie warten ließ, daß er sie an dem köstlichen Born ihrer Sehnsucht schmachten sah, wie dürstende Wanderer, denen die heiß ersehnte Quelle in unerreichbar werter Ferne winkt. CS gab Augenblicke, da er sich des höchsten Opfers fähig fühlte, da er freudigen Herzens dem Tode so nahe war. daß ihnen die endliche Befreiung winkte.- Und dann wieder überkam ihn menschliches Verzag?»: daS junge We>b, das er zu früh verlassen mußte, die herbe Sehnsucht, für kurze Zeit nur noch die Dohltat ihrer zärtlichen Sorgfalt zu empffnden, noch nicht eine langsam verblassende Erinnerung, noch nicht der Schatten seiner selbst zu seui. Ein letzter Schritt noch auf dem dunklen Abstieg... Und er klammert sich qn da-s Gestein, er gräbt die Nägel ins Gemäuer, von der- überwältigenden Schönheit des Lebens jäh gefesselt.... Und dock gehörte er nicht mehr dem Leben an; und während ihrer Beider Blick sich von ihm wandte, fühlte er, wie langsam er dem Erziehung zu? Arbeit/) Am Laufe des letzten Jahrzehnts sind die Stimmen immer zahlreicher und lauter geworden, die Protest erheben gegen die Prinzipien, die heute für Schule und Unterricht maßgebend sind und die verlangen, daß Ziel und Älethode mehr den Bedingungen angepaßt werden, wie sie sich aus der Natur des flindes uitfa dem besam deren Lharakter unserer Zeit ergeben. Im Gegensatz zu der bioher bestehenden„Lern schule" fordert man immer lauter die allgemeine Einführung der„Arbeitsschule". Dem Beispiele anderer Länder, zum Beispiel dem Schwedens, folgend, hat man auch in Teutschland seit geraumer Zeit an privaten und öffentlichen Schulen den Grundsat?, durch?lrbeit zur Arbeit zu er- ziehen, prakti'ch erprobt. Männer wie Georg Kerschensteiner und Pabst haben durch ihre Schriften den Gedanken des Arbeitsunter- rvclrfeS über den Kreis der Schulmänner in die Interessensphäre der Allgemeinheit getragen, und wenn heute Schulfragen zu öffent- lichen Angelegenheiten zu werden beginnen, so danken wir es zu einem guten Teil der UcberzeugungAvarme, mit der diese Männer die Notwendigkeit einer vollkommensn Erneuerung der Schule an Haupt und Gliedern darzustellen gemußt haben. Der Krieg mit feinen Folgen wird diese Entwicklung beschleunigen. Was die Arbeitsschule von der Lernschule im Prinzip unter- scheidet, ist der ihr zugrmrde liegende Gedanke, daß es nicht auf die Menge der erworbenen Wissenselemente und Fertigkeiten an- lommt, sondern auf die vielseitige und harmonische Schulung der Kräfte, die den Menschen befähigen. Wissen und Können selbständig nw anzueignen. Es ist nicht so sehr wichtig, daß man in der Schule»twaS lernt, sondern über aller erlernbaren Schulweisheit steht, daß man in der Schule lernt, wie man lernt! Kein Mensch kann wissen, an welchen Platz ihn dos Leben einmal stellen wird, und ob nicht einmal später das meiste von dem. was er sich in der Schule mühsam angeeignet hat, als unnützer Ballast sein Hirn belastet. Aber wenn die(schule dem Menschen die Kenntnis seiner Kräfte vermittelt, wenn sie ihm zeigt, wie man sie ent- wickelt, um später ihrer in jeder Lage sicher sein zu können, dann gibt sie ihm daS, was das einzig Wichtige ist: Lebenstüch- t i g k e i t! Die Leistung, die das Leben von uns allen fordert, ist Ar- b e i t. Arbeit bedeutet zweckentsprechende Anwendmig all unserer Kräfte, der physischen, psychischen und moralischen. Es wird'ehr oft übersehen, baß jede Arbeit auch eine Leistung an moralischer .Kraft enihält. Der praktische Zwang, einen freiwillig übernommc- lien Auftrag bis ins Letzte hinein korrekt auszutübren, bedeutet eine Willensstärkung und auf die Dauer eine Willenserziehung. an deren Nefultaten man erst ermessen kann, tuie sehr gerade auf diesem Gebiet die Lernschule hinter der zu fordernden Mindest- leistung zurückblieb. Als ein junges Geschlecht von Pädagogen— ju-ng in ihrer Auf- sassung vom Zweck und Wesen der Schule—, als den Ausdruck ihres Strebens das Wort„Arbeitsschule" fanden, sprachen sie da- niit die lleberzeugung aus, daß man zum Leben nur durch Lebens- - nähe und Lebensfülle, zur Arbeit nur durch Arbeit erziehen könne. sind sie zagen aus ihrer Forderung in fast revolutionärer Weise die Konsequenzen, stürzten altb-iligc Götzen, tvie Lehr- und Sinn- denplan, Stoffverteilung und Disziplin, und wandelten zum Ent- setzen aller FlachMnänner die Klassenzimnier zu Schreincrwerk- statten und Papplagern um. Denn sie hatten erkannt, daß man beim Kinde mit jener Arbeit beginnen müsse, die jahrhundertelang olle Kultur geschaffen hat. und an der der Mensch sich selbst erst zum Menschen erzögen hatte: mit der Handarbeit. Die Erziehung durch Handarbeit bildet nach außen hin das bestimmende Merkmal der neuen Schule. Oberflächlichen Kritikern, auch solchen aus Fachkreisen, erscheint sie als ihre einzige Be- . sondcrheit. Dem gegenüber muß immer wieder betont werden, daß der Wert des„Arbeitsprinzips" in der Schule gerade darin besteht, das? es dem Kinde die einzige Gelegenheir gibt, auch geistiges Eigentum selbständig zu„erarbeiten". Jeder Lehrer ..>nc:ß. wie außerordentlich nahe die Gefahr liegt, daß abstraktes ' Wrfsen beim Kinde eine unverstandene Phrase bleibt, und die Lehrer an den Hochschulen sind sich einig in der Klage über das mangelnde VorstellunpSvermögen der in der Lernschule ausgebilde- ton Studenten. Tausende von Begriffen werden durch die Arbeit der Hand vermittelt, nach der alten Erkenntnis,„daß nichts im K eifte sei, was nicht vorher in den Sinnen gewesen". Wir wissen längst, Geist und Körper bilden eine Arbeitsgemeinschaft, die nach l>en Regeln moderner— d. h. der Natur abgelauschter— Arbeits- ' leistung funktioniert. Einseitige Bevorzugung eines Teiles solcher Gemeinschaft wird stets das Arbeitsresultat in Mitleidenschaft ziehen, das Mehr auf der einen Seite ergibt stets ein Weniger auf der andern. Ter Gedanke der„Arbeitsschule" ist ein historisch erworbenes Tenkcrgebnis, an dem die Pädagogen aller Zeiten mitgearbeitet haben.' Tie„harmonische Ausbildung" aller menschlichen Kräfte *) Erziehung zur Arbeit. Von Dr. Edward Lehmann, ordcnt- licher Professor an der Universität Land. B. G. Teubner, Leipzig, in der Sammlung„Aus Natur und Geisteswelt". Zeitlichen entglitt, todesmatt und aller Kräfte bar, die Grenze trcuzend. Ihm loar es. als trieben sie ihn vorwärts, und voller Bangen wähnte er, daß Beide seinen Tod ersehnten. Den Vorwurf, daß ihre Liebe stärker sei als die Entsagung, hätte er ihnen gern ersparen mögen. Monate tvaren vorgangen und an einem Abend, den die Schauer des erwachenden Lenzes durchbebten, saß er wiederum an simem Fenster. Im Garten spielende Kinder, an den Bäumen sprossendes Grün, allüberall ein seliges Zukunftsverbeißen. Und es naht sich ihm ein leichter Schritt, er spürt einen leisen Hauch, und vor ihm steht sein junges Weib mit dem mutigen Herzen, mit Händen, weich wie Balsam, nur i>aß ihr Antlitz bleicher jetzt und nickt wie einst in Lebenslust erstrahlend, sind leise schreitet Einer linier ihr. mit starren Zügen, die Lippen streng und unbeweglich, und er erkennt den geduldigen Gefährten, für den sein Sterben Glück bedeutet. So wie man ein lange Zeit verschlossenes Gemach betritt, um die Vorhänge dem Licht zu öffnen, oder sie nach wehem Scheiden m schließen, traten sie näher. Sie lächelten ihm zu, müde, mit dem Aufwand ihrer letzten Kräfte..Sie sind stark geblieben!" dachte er. Seine Freud- war unsäglich: und alle drei verharrten einen Augenblick in Schweigen während dieser lieblichen und heiligen Stunde. Er fühlte, wie sie mit den? Licht entsthwand, mit dem Schatten, der dem Schoß der Erde sacht entstieg. Alsbald würde sie in der dunklen Ewigkeit vergehen, sind ihm war es, als habe er etwas zu sagen, nun, da ihre Herzen so eng vereint, eiwaS Qualvolles und dennoch Wunderbares, dein solche Stunde o-cht zum zweiten Male blühen würde. Seine Lippen regten sich, ihm war es, als müßteH'ein Opfer seines Lebens Ende sein. Kaum daß er in dem jähen Flug der Nacht ihre Züge gewahrte; des Lichtes ganze Helle schien sein Antlitz zu verklären. Er faßte ihrer beider Hände und zog sie zu sich hin. Und wie in einem kelten Hauch tlang es von seinen Lippen: „Mein Freund, Deiner Liebe vertraue ich sie an, und Du, mein Lieb, sei Du ihm das, was Du stets mir gewesen.. Ich scheide zufrieden, weiß ich doch, daß ich Euch Beide glücklich mache." Tann nur noch ein leises Murmeln: „Es ist besser so." Es schien, als zögerte die stunde, in einer letzten lichten Klar- beit. und den Himmeln wie auch jenen Herzen schien sie sich in Ewigkeit zu wandeln. Und die junge Frau gedachte jener andere» Stunde, da banges Zagen seine Worte hemmte. Jetzt sprach er aller Fesseln ledig, getragen von dem allgütigen Mitleid eines großen entsagenden Herzen». �Deutsch von E. O t t e n.) war stets das Pröblent, in dem alle Aufgaben der Erziehung sich kristallisierten. Wie immer die Epochen der Geschichte der Päda- gog'.k genannt werden mögen, ob es sich um die humanistische oder romantische oder rationelle handelt, wie der Mensch ebenmäßig zu entwickeln sei, das war stets die Frage. Jede Zeit gab eine ver- schiedone Antwort, die, soweit sie nicht Anspruch auf ewige Gültig- keit machte, ihre volle Berechtigung hatte. Die mannigfache Wandlung, die der Gedanke„Schule und Arbeit" im Laufe der Jahrhunderte durchgemacht hat, ist vor! reff- sich dargestellt in dem unten genannten Buch, dessen Verfasser zu den besten Schulmännern des in Erziefiungsfragen sehr weit vorgeschrittenen Schwedens gebort. Tie kleine Schrift, die sich in der schwedischen und dänischen Fassung schon großer Beliebtheit erfreut, wird auch in den Ländern deutscher Zunge ein dankbares und nachdenkliches Publikum finden. Es richtet sich„an alle El- kern und Erzieher. Kinderfreunde und Menschenfreunde, daß sie in der Mühe und Hitze des Tages nicht vergessen, daß das Menschen- leben mem'chlicb gelebt'sein will". Vom Beispiel des Negers Booker Th. Washington ausgehend, der in seiner amerikanischen Negerschulstadt Tusgekee ein" inter- essanteö Seitenstück zur Franckestiftung geschaffen hat, zeigt er, wie von den primitivsten Anfängen der Kultur bis zu den tiefsten Denkern unserer Zeit Männern, wie Carlyle, Ruskin, Tolstoi und Krapotkin der Gedanke, daß alle wahre Erziehung stets eine Er- ziehung durch Arbeit zur Arbeit sin, immer wieder auftaucht und nach Verwirklichung drängt. Meisterhaft wird hier dargestellt, wie jede Epoche der Pädagogik immer etwas Neues zu finden glaubte und doch immer nur die verscknedenen Seiten des gleichen Grund- Problems sah. So gibt das Buch eine lückenlose Entflehungsge- schichte heute reifender Gedanken, von deren Früchten zu ernten vielleicht schon der nächsten Generation beschieden sein wird. Dieses Buch gehört auch in die Hand jedes gebildeten Menschen, besonders in die Hand aller Eltern, denen die Sorge um das Fortkommen des eigeneu Kindes die Augen öffnet über die Bedeutung erziehe- rischer Fragen für die Allgemeinheit. Wie uns stets erst das historische Erkennen die richtige Erkenntnis für das Wesen der uns umgebenden Lebensformen gibt, so wird die Frage nach der Schule der Zukunft, die eine Volksfrage von überraschender Be- deutung ist. erst dann eine Angelegenheit des ganzen Volkes wer- den, wenn die Geschichte des Erziehungswesens in ihren Grund- zügen geistiges Eigentum aller Strebenden geworden ist. Erst dann wird auch das Wort Arbeitsschule seinen vollen In- halt erhalten. Denn erst, wenn die Notwendigkeit einer Erziehung durch Arbeit»zur Arbeit allgemeine Volkserkenntnis geworden ist, wird die Kraft dieser neuen Schule stark genug sein, um ihr größtes Werk zu schaffen: die Schaffung einer neuen sozialen Sitt- lichkeit. Denn es ist klar: eine Arbeitsschule muß die heutigen Wer- jungen von Arbeit und Arbeiter von Grund auf umschasfen. Lehrt uns die Schule, daß wir alle Arbeiter sind, und daß die Arbeit etwas Adeliges ist, so wird eine zukünftige Generation ein bedeu- tend verfeinertes soziales Empfinden ihr eigen nennen dürfen als es uns beschieden ist. Hier mündet das Problem der Jugend- erziehung in das umfassendere der V o lk se r z i e h u u g: aus einer neuen Jugend wird ein neues Volk. Ein Volk von Ar- beitern— das Wort in seinem hehrsten Sinne genommen. Diesem neuen Gedanken von der Heiligkeit der Arbeit wird die Zukunft gehören. So wächst aus der praktischen Abwehr von der„humanistischen" Schule der Begriff eines neuen Humanismus empor. Erziehung durch Arbeit zur Arbeit— daS kann am Ende nur Erziehung zu erhöhtem Menschentum bedeuten. E. Klötzel. öillige Sucher. Mehr noch als sonst wird in diesem Jahre das Buch als Weib- »acklSgeschonk in Frage kommen. Die Schwierigkeit der Material- und Arbeitsverhälmisse im Druckgewerbe macht sich zwar in der Be- grenzung der Produktion sehr" fühlbar. Die Zahl der Neu- erscheinnngen ist nickt so erklecklich, und Vergriffenes kann sobald nickt wieder erscheinen. Auch sind die Preise gestiegen. Aber die Kauflust des Publikums war nie so groß. ES gibt sogar Leute, die jetzt richtig Bücher„Hamstern", besonders Lederbände" und Luxus» drucke. Man staunt darüber, was plötzlich alles„geht". Aber auck daS billige Buch findet sein Publikum, und da soll wieder einmal auf die schönen Sammlungen hingewiesen werden, die wir haben. Zuerst natürlich auf die Jnsel-Bücher. Von der Vlamenreihe, die zuerst erschien, wurde sckon ge- sprochen. Jetzt liegen zwölf neue Bändchen vor. Da sind Porträts demicher Männer von Ranke. Fichtes Abhandlung über den geschlossenen Handelsstaat, Familienbriefe Luthers. ein Neudruck von Eickendorffs„Taugenichts" mit Titel von Emil Preetorius, Kants Traktor über den ewigen Frieden, mit einer Eintührnng von Heinrich Kobler. Schiltbergers Reisebuch aus Vorderasien(1394—1425) erzählt von den abenteuerlichen Fahrten eines Müncheners zu den Heiden und erschließt»ins in seiner naiven Darstellung ein Stück srenider Welt und Zerr. Ein anderes Bändcheil bringt in schöner Vervielfältigung Holbeins Totentanz. Eine reizende Verösfentlickung sind die vierundzwanzig Sonette, die die Lyoneseriu Loüize Lab« um 1559 dichtete, und die Rainer Maria Rilie übertrug, ein Gegenstück zu den leidensckatllichen Briefen einer portugiesischen Nonne, die Rilke gleichfalls übersetzte. QSkar Wildes erschütternde„Ballade voin Zuchthaus zn Reading' hat in Albrecht Schaeffer einen neuen Dolmetsch gefunden, und zwar einen ganz vorzüglichen. Von Richard Debinel erscheint ein „KriegSbrevier", in dem der Dichter feine im Felde eiitstandenen Gedickte sammelt. Neben den Jnselbüchern ging regelmäßig weiter die billige Romanbibliothek des Verlages S. Fischer, Berlin. Fast alle guten Namen der Gegenwart sind hier vertreten, Aus- länder und Deutsche: Tb. Nanu, die Lagerlöf, Hamsun, Bang, Hesse, Strauß, Fr. Huch, Wassermann usw. Unter den Bändchen des letzten JahreS verzeichnet man mit der größten Freude Knut Ham- suns„Pari", diese merkwürdig sensible Geschichte von dem Wald- menschen Leutnant Glahn, ein Buch unvergeßlich vor allem durch die wunderbare Schilderung des Raturlvebens. Auch an die Sammlung Kiepen Heuer muß wieder er- innert werden. Sie bringt mit Vorliebe Sellenheiteu für einen mehr liebhaberischen Geschmack. Vor allem auf die Romantik hat sie ei» Auge. Von neuen Bändchen erichienen eine Auswahl aus Jean Paul, das anmutig phantastische, bürgerlich-romantische Büch- lein aus dem Vormärz„Prinz Rosa Stramin" von Koch-Hellmer, mit seinen vergnüglicken, Behagen verbreitenden Bildaus'chnitten ans der Biedermeierwelt, und der antike Roman von Daphuis und Chloe. Besonderen Dank verdient eine Auswahl ans den Werken des unglücklichen Sturm- und Dranggenossen I. M. R. Lenz, die ein gmes, abgerundetes Bild dieses Vergessenen gibt. Auch Gogols „Ukrainische Geschichten" sind hervorzuheben. Auch der Verlag Langen in München hat jetzt eine Mark« Sammlung. Sie bringt, neben Novellenbändchen von Hamsun, Heidenstam, Lagerlöf. leichtere, vielfach amüsante Unterhaltung. Ein paar Namen sind Hans von Wolzogen, die munler-kecke Gräsin Reventlow, der Satiriker Peter Scher, der scharfe Psychologe Eastell, Bruno Frantz, Soyka usw. Ter gleiche Verlag veranstaltet auch gebundene Auswnhlbände(zu 3 M.). die 23. v. Molo auswählt und bevorwoitet. Es liegen solche vor von Lagerlöf, Hamsun und Ludwig Tbvma— jeder in seiner Art den Erzähler vorlressiich charakterisierend und ein velleS Bild von ihm gebend. Ein Unternehmen, dessen hier noch nicht gedacht Ivnrde, sind die d»» Heinr. Gvebel bei Morawe u. Scheffelt, Berlin heraus- gegebenen NordlandbüÄer. Namen: Björnson. Strindberg. Lagerlöf. Hallström; daneben unbekanntere wie Winsnes, Büll, Beter Egg. Söderbera. Ein feiner zarter Dichter ist Sigbjörn Obstfelder, dessen„Tagebuch eines Pfarrers" sehr empfohlen iei. Ein köitlickes, übermütiges Bücklein ist Bern: Lies Jungeselletigeickickle„Peter Napoleon". Eine Uebersetzung von JaeobsenS Gedichten von Schellenberg verdient Lob. Derselbe Verlag bringt auch eine entzückende Goethe-Ausgabe, den Origftral« drucken in Papier, Type und Einband nachgebildet. Der Land kostet 2 M. Ein schönes Geschenk für Freunde geschmackvoll au?« gestalteter Bücher. Die billigen Klassikerausgaben des VorwärtsverlageS und die Vorwärtsbiblioihek(zuletzt vermehrt um die liierarisch werlvollen Kriegsgeschichten„Herzen im Kriege" und Neuenbagens gern gelesene Zwischendeckreise) stehen auf der Liste jedes Arbeiterlesers, der seine Bücherei vermehren will. Zum Schlüsse sei zum wiederholten Male aus die Sammlungen des Verlags Langewresche-Brandt in München-Ebenhauien Singewiesen. Sie bieten viel, seien es Auswahlen von Dichtern, Memoiren oder historische Zusammenstellungeu, ivie der Luiherband von Tim Klein oder die Bände die Befreiung(1812, oder der Bor- kamps(1898) von demselben Verfasser. Gut sind die Anthologien: Die beiden Lynkbände„Die Ernte" von Will Vesper und die Bücher von Wilhelm ischolz: das Balladenbuch und der deutsche Erzähler, das Prachtslücke epischer Kunst vereinigt. q-» » An billigen illustrierten Büchern ist nicht allzuviel Neues auszuführen. Auf allgemeines Interesse, dürfte„D i e Welt des Isla m", Länder und Menschen von Marokko bis Persien, ein Bilderwcrk in Grotzguart mit 209 Photos(Land- schasts- und Stäoiebilder, Slolkstypen und-trachten, Sitten und Gebräuchen mit sachlichen Erläuterungen von Dr. W. Schulz, rechnen.(Roland-Verlag. München, broschiert 2,80 M.) Wie das früher vom gleichen Vertag herausgegebene„Ält-Flandern"— e-ne vortreffliche, hervorragend illustrierte, billige Einführung. �Die Blauen Bücher des Verlags Kart Robert Lange- wiesche haben sich auch in der Arbeiterschaft immer mehr Freunde getvorben. Sie bieten erstaunlich preiswert(1.80 M. der Band) reichstes Anschauungsmaterial zur deutschen Kunstgeschichte(Tome. Burgen. Bürgerbauten) und Heimatskunde. In diesem Jahr ist hinztlgekominen Karl Eckes slers Bildnisse-Auswahl aus drei Jahrhunderten der alten deutschen und niederländischen Malerei— recht geeignet,(ich in Kunst- und Malereibetrachtung zu vertiefen. A. H e n d sch el: Kinder und Käuze, Kunterbunt «Julius Hoffmann, Stuttgart). Es war ein- gute Idee, dies- humorvollen und munteren Skizzen des fasi vergessenen Jrani- furter Künstlers wieder in Ilmlauf zu dringen. Er ist wie kaum einer seiner Generafton lebendig geblieben. Seine spaßhafien Bilder aus dem Spießerleben von dazumal, seine liebenswürdigen Tarstellungen der Kmderwelt machen ihn noch heute bei jung und alt beliebt. Tos Kinderbuch ist dieses Jahr, wie es scheint, ganz zu kurz gekommen. Reichhaltiger ist dagegen die Verständliche natu r- wissenschaftliche Literatur. Auf ein Paar gute Bücher des Verlags Quelle u. Meher in Leipzig, dessen gediegene Samm- lung„Wissenschaft� und Bildung" seinen niedrigen Preis von !,25 M. nicht erHöhr hat. fei wenigstens kurz hingewiesen. Ein wirklich guter, fachmännisch belehrender und biologisch anregender Ratgeber ist die„Häusliche Blumenpflege" von Paul F. Schulz. der jetzt in 2. Auflage vorliegt(Preis geb. 1.80 M.). Farad-Y? „Naturgeschichte einer Kerze", eine der besten Einführungen in ein gediegenes Naturstudium, iit eben in 0. Auflage erschienen(geb. 2,60 M.). Für den Vogelliebhaber ist unentbehrlich Professor A. Voigts„Exkurfionsbuch zum Studium der Vogelstimmen". in vielfacher Erprobung und immer neuen?luflagen bewährt. Zum Beobachten von Tieren und Pflanzen in fteier Natur trefflich geeignet' ist Pros. Rabes„Hinaus in die Ferne", ein rechter Wander- freund und Naturanreger(geb. 3.30 M.). Volksbühne:„dlulopfee"'. In diesen Tagen heftigster Friedenssehnincht konnte es gewagt «rscheinen, noch mit einem Kriegsdrama zu kommen. Georg Reick- unkernabin dies Wagnis dennoch. Ja. ließe sich entgegnen, sein „Blutopfer" ist doch kein KriegSslück. weder im verherrlichenden noch im verdammenden Sinne. Der Krieg bildet nur die Folie für die Handlung, durch die recht eigentlich eine uralte Gasienwahrheit zu- tage kommt,— daß Jugend, Leidenschaft in Haß oder Liebe kein anderes Gesetz über sich duldet. Daraus folgt, daß sich, das vor- gerückte Alter still mit dein Verzicht auf ein spätes Herzensglück bescheidet— also„Blutopfer" bringt, so oder io. Ueber diese Materie denkt der ostpreußische Rittergutsbesitzer v. Stutterheim ganz anders. Er. trotz seiner sünfzig Jahre cuie elastische Kraftncnur. gekell» sich die zwanzigjährige Pastorentochter Annemarie zur zweiten Gattin. Drei erwachsene' Söhne— zwei tragen bereits den Oisizicrsrock gleich dem Vater— vrotestteren dagegen. Sehr explosiv besonders Heinrich, der jüngste,„Brüderlein" genannte. Jugerih gehöre zu Jugend, Llnnemarie mithin zu ihnen. Mittlerweile bricht der Krieg aus; Kosaken überschweinmcn die preußische, r Grcnzbezirke und wenige Stunden nach vollzogener Trauung wird Hauptmann Stutlerheim ins Feld zu seiner Batterie abkommandiert. Da auch die beiden Söhne fort müssen, muß eben„Brüderlein" daheim den Vater vertreten. Das war nicht wohlgeian. Ohne das Hinein« beziehen des Krieges wärezweifelloseine, ziemlich langweilige und sentimentale Liebesepisode mit tragikomischem Austlang daraus geworden. DaS KriegStheaier bedeutete demnach für den Dichter die wirksame Um- rahmuiig. Selbstverständlich tut der kosalische Emtall bei SlutterheiinS seine beabsichtigte Wirkung. Desgleichen die Geburtstagsfeier der Offiziere der Stutterbei, nicken Batterie draußen im Geichützstand und der militärische Schlußakt mit der Losung des Knotens: Freigabe Annemaries an das geliebte„Brüderlein". Daß dieser Sohn aün: auch geopfeft werden würde, dürfte, weil man es so kommen sieht. als zweiter technischer Fehler des DramaS zu erachten sein. Bleibt übrig: mancke mit Biidnengeschick, iveim auch init weniger Tiefe e'nnmckelte Szene, manch trefflicher Beobackiung und kluges Wort. Mit Eduard v. W i n te r st e i>i s kräftiger, eindringlicher Darstellung des Slutterheim(Vater) stand wohl das Glück. Paul Hanmann als„Brüderlein", in kleinercii Ebaraktercharge.n Fritz Richard(vorzüglicher Jude). Friedrich Kübne(Pastor), Roberl Hartmann, Sophie Pagay und Siegmund Nunberg halfen wacker mit, während Maria Leiko der Annemarie nur sehr ungleich beikam. Die Spielleistungen der Vertreter aller sonstigen, zahlreich in die andlung gestellten Bolkstypeii, Offiziere usw. blieben zumeist unter urchschnittsinaß. o. k. Notizen. —"Die Arbeiter dichter Brögcr, Lersch und Barrhcl kommen jeder mit einem neuen Gedichtbande bei Eugen Tiedericks in Jena heraus. Heinrich Lersch nennt seine Sammlung Deutschland!, Lieder und Gesänge von Vslk und Vaterland. Wie er als rcligionsbewegter Dichter auch ein treuer Älasscngefährte ist, geigt sein Gedacht an Barthc! an der Spitze dieses Blattes. — V o r t r ä ge. Im I n sr i t u l für Meereskunde spricht Dienstag Prof. Kuno Meyer über Amerika im Kriege.— In der Urania bis Donnerstag täglich„Tier und Mensch in der Wildnis". Freitag und Sonnabend bälr Dir. Goerke einen Vortrag über„Jerusalem. Eindrücke und Erinnerungen".— T r e p t o w- Sternwarte. Dienstag, 7 Uhr, Dr. Archeuhold: Unsere E r d e a l S Planet". — M u s i k ch r o n i k. Sonntagabend, 7'j Uhr, Beethoven- A o e n d des Blüthncr-Orchesters.— Hau segger führt für die Mitglieder des Verbandes der Freien Volksbühnen am 30. Dez. und 1. Jan. in der Philharmonie Beethovens IX. Sinfonie mit dem Berliner Volkschor und Philharmoni- scheu Orchester auf. — Der nn st erblicke Franzose. Eine ulkige Geschichte erzählt der„Mcreure de France".„Ein kleiner englischer Junge hatte infolge eines Sturzes Gedächtnis und Sprache verloren. Nach einem Monat fand er daS Sprechvermögen wieder. Seltsam aber ist. daß der Junge, der niemals französisch geleni! baue, jetzt nur noch sranzönsch spreche» kann. Sein Großvater väterlicherseits war Franzose gemeiert, aber der Vater ist in England geboren und kann kein französisches Worr. Die Muller stammt aus einer alten eng- lischen Familie.— Man braucht also nur auf den Kopf ju fallen, um die Fähigkeiten seiner Vorsahren auszuüben.