ZS. Jahrgang. ♦ Nr.H Seilage zum»vorwärts" berliner Volksblatt Serlin, 5. März WS Zukunft. Hall Ca die Hände engverschlungen wle einen Becher vor da» SonnenNchl! Trag Cn Dein Herz, das Gott dnrchsungev und aller Engel Zubel schon im Traum durchflungen, trag Ca es früh vor Mutter Sonne» Angesicht. Dann sammelt sich das Licht in Deinen Händen und überspült die Finger, wie das Meer den Strand; und Deines Herzens Sonnenwellen enden nnr dort, wo Engel selber Deine Liebe spenden: Dn neuer Mensch in einem neuen Land. Vergiß das Einst. Der Schlachten wilden Jammer, die Zorngebärde, der Verachtung böses Blut. Der Geist, der uns versöhnt, schlägt wie ein schwerer Hammer das hasten tot und trägt die Liebe in die schmälste Sammer, und will uns, wie er ist: versöhnlich, brüderlich und gut. Hans Gathtnaiin. Die Lanötagsparteien und das Zrauenwahlrecht. In den ersten Dezembertagen traten sozialdemokratische Frauen beider Richtungen mit Vertreterinnen der beiden bürgerlichen Stimmrcchtsorganisationen Preußens zu- sammen. Sie richteten an sämtliche Fraktionen des preußi- scheu Abgeordnetenhauses das Ersuchen, von ihren Vertretern empfangen zu werden zwecks Klarstellung ihrer Ansichten über das Frauenstimmrecht. Das Wesentlichste aus diesen Unterredungen wird hier der Oeffentlichkeit mitgeteilt. Die Konservative Fraktion empfing die Ab- ordnung der Frauen im preußischen Abgeordnetenhause durch den Landrat von Kries. Diese Unterredung wurde einge- leitet durch die Vertreterin der sozialdemokratischen Frauen; von ihr wurde dem Herrn Landrat die Zusammensetzung der Deputchion und der von den Frauen verfolgte Zweck erklärt. Sie kämen als Vertreterinnen der Frauen-Stimmrechts-Be- wegung. Die Unterredung sollte durchaus nicht als Privat- gespräch angesehen werden: die erteilten Antworten würden der Oeffentlichkeit mitgeteilt. Die Regierung habe die Wahl- rechtsvorlage eingebracht, das Frauenstimmrecht sei nicht darin enthalten. Diesbezügliche Anträge lägen aber vor. Die Vertreterinnen möchten die Herren um ihre Meinung fragen. v. K r i e s: Die Meinung meiner Partei ist bekannt: wir sind Gegner des Frauenstimmrechts.— Um nähere Begründung dieses Standpunktes befragt, antwortete Herr v. Kries: Die Frauen sind unser Heiligstes. Wenn wir das Wahlrecht für die Frauen ablehnen, so des- halb, weil wir nicht wollen, daß sie in die allgemeine Dreck- linie gezogen werden. Frage der Frauen(nach eingehender Begründung ihres Standpunktes): Sollte nicht doch der Einfluß der Frauen reinigend auf die Politik wirken? Herr v. Kries: Die Politik ist an sich nicht schmutzig, aber es bleibt nicht aus, daß bei politischen Kämpfen sich die Gegner mit Schmutz bewerfen. JebreiterdieGrund- läge des Wahlrechts ist, um so mehr ist dies der Fall. Davor möchten wir unsere Frauen bewahren. Wie weit das Frauenwahlrecht schon in vielen Ländern verbreitet ist, schien Herrn Landrat v. Kries nicht bekannt zu sein. Dann wurde die Deputation von den Vertretern der Fortschrittlichen Volkspartei, Herrn Land- tagsabgeordneten Justizrat Lewin und Herrn Landtagsabge- ordneten Otto empfangen: auch hier war es wieder eine Ver- treterin der sozialdemokratischen Frauen, welche die Be- sprechung einleitete. Nach längerer eingehender Unterredung wurde das Resultat schriftlich festgelegt. Daraus das folgende: Tie Erschienenen legten ihren Standpunkt dar, der im Elchziel dahin geht, daß auch die Fortschrittliche Volkspartei bei der Erörterung der Wahlvorlage grundsätzlich für die Forderung des Frauenstimmrechts eintreten möge, sei es durch einen eigenen Antrag, sei es durch Zustimmung zu einem solchen, wenn er von anderer Seite gestellt wird. Seitens der Herren wurde demgegenüber hervorgehoben, daß das Bestreben der Fortschrittlichen Volkspartei in erster Linie dahin geht, daß die Wahlvorlage, welche das gleiche Wahlrecht gibt, angenommen wird, und daß daher jeder Antrag, der geeignet ist, eine stärkere Gefährdung der Vor- läge herbeizuführen, vermieden werden mutz. Es wurde weiter dargelegt, daß jn der Fortschrittlichen Volkspartei ent- sprechend den Mannheimer Beschlüssen die Auffassung maß- gebend ist. daß die politischen Rechte der Frau eine Erweite- rung erfahren müssen. Es wurde aber auch hervorgehoben, daß eine einheitliche Stellung der Partei hinsichtlich des Wahlrechts von Partei wegen noch nicht zum Ausdruck ge- konunen ist, daß aber das Bestreben der Führer dahin geht, durch eine weitere Erörterung dieser Frage eine günstige Entwicklung im Interesse der Frau herbeizuführen. Tann folgte der Empfang bei der sozialdemokratischen Partei, wo die Vertreterin des Frauen-Stimmrechts-Bundes mit einigen einleitenden Worten betonte, daß die Deputation die Grundsätze der sozialdemokratischen Partei kenne, aber auch von der Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses eine Bestätigung haben möchte. Genosse Hirsch verwies auf seine Rede im Abgeord- netenhause vom 7. Dezember, worin er für die Notwendigkeit des Frauenstimmrechts eingetreten sei. Zusammenfassend lauten die darauf bezüglichen Stellen: Die Sozialdemokratie fordert für alle über 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen das Wahlrecht. Hirsch verweist auf die Begründung der Wahlrechtsreform, die gesamte Bevölkerung habe ihre Pflicht in der Kriegs- zeit erfüllt. Staat und Reich haben nicht nur von den Männern, sondern auch von den Frauen die Kraft und den Willen jedes einzelnen in Anspruch genommen. Die wert- vollen Dienste der Frauen während des Krieges sind ollen bekannt. Durch das Eingreifen der Frauen ist es möglich getvesen, daß das Wirtschaftsleben im allgemeinen aufrecht- erhalten werden konnte. Sie haben fast durchweg auch Stellen der Männer im wirtschaftlichen und Erwerbsleben eingenommen und sie zur Zufriedenheit ausgefüllt. So müssen wir zu dem Schluß kommen,- daß den Frauen das Wahlrecht, und zwar sowohl das aktive wie das passive Wahl- recht zu gewähren ist. Das Frauenwahlrecht ist in der heuii- gen Zeit eine äußerst wichtige Frage. Wenn es nach dem Kriege gilt, die gewaltigen Verwüstungen, die das Völker- morden angerichtet hat, wieder wettzumachen, dann können wir die Mitarbeit der Frau gar nicht entbehren. Von den Vertretern der Unabhängigen Sozial- demokratie, Adolf Hoffmann und Ströbel, wurde die Depu- tation am selben Tage empfangen. Es wurde in ähnlicher Weise eingeleitet wie beim vorhergehenden Bericht. Die Er- klärung kann wegen ihrer Länge nur im Auszug wieder- gegeben werden. Sie erkennt die Forderungen der Frauen an und sagt: Getreu den alten programmatischen Forderungen der Sozialdemokratie kämpfen wir mit äußerster Entschiedenheit für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht fiir beide Geschlechter zu allen öffentlichen und Verwaltungs- körperschaften in Reich, Staat und Gemeinde, und zlvar für alle Personen, die das 20. Lebensjahr erreicht haben. Die resttlose Gleichstellung der Frauen mit den Männern, besonders auch der gegenwärtigen preußischen Wahlreform, halten wir für eine dringende soziale Notwendigkeit und ein zwingendes Gebot der Demokratie. Es wird dann hingewiesen auf die Länge des Krieges, die.Konzentration des Kapitals, den verschärften Existenz- kämpf, die gesellschaftliche Bedeutimg der Frauenerwerbs- arbeit usw. Dann kam die Deputation mit dem Vertreter der Z e n t r u m s p a r t e i zusammen. Diesmal war die von der Kommission bestimmte Sprecherin die Vertreterin der in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei organisierten Frauen. Herr Dr. Kaufmann hatte vorher über die Petitionen. die dem Abgeordnetenhause über Gemeindewahlrecht, über Frauenstimmrecht usw. zugegangen waren, referiert. Er legte der Unterredung diese Ausführungen zugrunde: Es ist notwendig, daß wir in der Frage des Wahlrechts der Frauen zunächst einmal eine grundsätzliche Feststellung machen. Ich mache diese Bemerkung für meine Fraktion, denn ich bin in der erfreulichen Lage, in der Beziehung mit ihr vollständig einig.... Da meine Partei auf dem Boden des Ehristentunis steht, wird man daneben sofort auck die zweite Frage stellen: Wie stellt sich denn das Christentum zum Frauenstimmrecht? Und ich, als Vertreter der katho- lischest Kirche, als Geistlicher, stelle dann noch die dritte Frage: Wie steht die katholische Kirche grundsätzlich zu dem Frauenstimmrecht?... Ich gebe auf diese drei Fragen die Antwort, daß die Frauenwelt das aktive Wahlrecht, kommunal oder politisch, ausübt und dadurch selbst am öffentlichen Leben teilnimmt, widerspricht an sich n i ch t dem christlichen Tittengesetz: es ist auch weder durch das Natur- gesetz noch durch das Kirchengesetz verboten, und dämm ist einfach und an sich betrachtet das Frauenstimmrecht von diesem dreifachen Standpunkt aus nichts Unerlaubtes.... Wenn wir diese These auch grundsätzlich für richtig halten, so muß ich doch ausdrücklich betonen, daß meine Freunde darin vollständig einig sind, daß wir eine politische Betätigung der Frauen ini kommunalen und öffentlichen Leben durch die Ausübung eines Stimmrechts nicht für er- sprießlich halten und darum ablehnen. Die nationalliberale Partei war beim Empfang durch fünf.Herren vertreten. Sie hatten sich vorher mit der bei ihnen bestehenden Frauengruppe verständigt. Sie feien nicht gegen das Frauenstimmrecht, aber, im Einver- ständnis mit den' ihrer Partei zugehörenden Frauen, der Meinung, daß der Zeitpunkt für seine Ein- führung noch nicht gekommen sei. Die Freikouservativen und die Polen haben den Vertreterinnen der Frauen noch nicht geantwortet. Die Stellimg der einzelnen Parteien zur Frauenwahl- rechtsfrage sei hiermit der Oeffentlichkeit bekannt gegeben. Den hier gemeinsam vorgehenden Frauen kommt es in erster Linie darauf an. den politischen Parteien und der Oeffent- lichkeit immer wieder zu zeigen, daß es ihnen ernst ist mit der Forderung nach Menschen- und Staatsbürgerrechten. Sie werden keinen Weg unbenutzt lassen, der dem Ziel entgegen- führen kann. Die Gesamtheit der Frauen kann nach dieser objektiven Darstellung prüfen, von welcher Partei ihre Interessen ver» treten werden, die Keilschrist un» Sie älteste Sibiiothek See Welt. Ton Sven Heb in.") Wahrscheinlich im vierten Jahrtausend v. Chr. �wanderte« von Arabien die Ostsemiten nach Südbabylonien ein. Ihre Sprache war das Babhlonisch-assyrische, ein Name, der aus den einheimischen Worten Babilu und Aschschur, Babel oder griechisch Babylon und Assur oder Assvrien gebildet ist. Die semitischen Einwanderer, deren ursprüngliche Heimat jedenfalls Nordaftika war, fanden das Land von den Sumerern bewohnt, einem nichtsemitischen Volte, dessen Urheimat wahrscheinlich Zen-tralasien war. Diese Sumerer sind die ältesten Bewohner Mesopotamiens. Sie wohnten in Ziegelhäusern, bauten ihren Göttern Tempel, trieben Ackerbau, Viehzucht und Jagd und besaßen eine uralte Kultur, deren Höhe zahlreiche Urkunden besonders aus der Regierungszeit des Königs Gudea be- weisen. Die lebensgroßen, aus hartem Stein gehauenen Stand- bilder Gudeas, die jetzt im Louvre zu Paris aufbewahrt werden, zeugen von einer Kunst, mit der sich lein anderes Land des morgen- ländischen Altertums messen kann; niemals hat Asten vor der Blütezeit der griechischen Skulptur trefflichere Plastiken hervor- gebracht. Urkunden aus der Zeit Sargon? l.. etwa 2850 Jahre v. Chr., erwähnen zum erstenmal die werdende Reichshauptstadt Babel oder Babylon; der König habe hier zwei Tempel gebaut. Unter seiner Regierung gelvannen auch die Semiten erst die Herrschaft über das ganze Land. In der ältesten Zeit Babyloniens oder Sinears lebten die Sumerer überwiegend in Südbabylonien, das Sumer hieß, die Semiten in Nordbabylonien oder Mad. Von Sargon I. berichten zwei Tontafeln eine Geschichte, die an die Aussetzung des lllkoses erinnert. Sagon regierte in der Stadt Akkad in Nordbabylonien. Aber diese Stadt war nicht die erste Kulturmetropole. Sargon unterwarf ganz Sumer, �doch gewann Sirpurla unter Gudea(etwa 2600) seine Unabhängigkeit zurück. Inschriften aus seiner Zeit berichten von Kämpfen zwischen Babhlonien und Elam. Aus franzöfischen Funden geht hervor, daß die Könige der Elamiten viele Plünderungszüge nach Baby- lonien unternahmen. Die Sumerer besaßen eine Schriftsprache, die schon bei den klassischen Schriftstellern Beachtung fand, denn alle Ruinen und Kunstdenkmäler der Euphrat- und Tigrisländer, Perstens uns Armeniens waren mit den geheimnisvollen Zeichen dieser Schrift bedeckt. Europäische Reisende des vierzebnien Jahrhunderts brachten mancherlei Kunde darüber m ihre Heimat, und der berühmte italienische Reisende Pietro della Valle machte im Jahre 1821 zuerst einige dieser Zeichen in Europa bekannt. Ein ftanzösischer Kauf- mann namens Chardin, der in den Jahren 1684— 1670 und 1671— 1677 zwei große Reisen durch den Orient unternahm, teilte dann die ersten vollständigen Inschriften mit. Die neue Schrift hatte nur zwei Zeichen, den Keil und den Winkelhaken, der Ivieder aus zwei rechtwinklig zusammengefügten Keilen bestand. Der Keil stand senkrecht, wagerecht oder schräg, seine Spitze aber zeigte immer nur nach unten oder nach rechts, und der Winkelhaken öffnete sich nur nach rechts. Durch Vervielfachung und verschiedenartige Gruvpierung der Keile oder der Winkelhaken oder durch mannigfaltige Verbindung beider Zeichen schienen Laut- oder Wortbilder geformt zu sein, die sich ohne Unterbrechung an- cinanderreihten. Jede Rundung in den Schriftzeichen fehlte; sie paßten sich ganz dem harten Material an, in da? st« eingehauen waren. Die Bedeutung dieser Zeichen, meinte Chardin. werde man wohl niemals ergründen. Aber schon Pietro della Valle hatte die Vermutung geäußert, daß die merkwürdige Schrift von rechts nach links gelesen Iverden müsse. Den Beweis dafür erbrachte der deutsche Forschungsreisende Carsten Niebuhr, der von 1761--17K7 Arabien bereiste, auch Persepolis, die Hauptstadt der altpersischen Achämenidendynastie, besuchte und alle dort erreichbaren Inschriften mit größter Genauigkeit kopierte. Er erkannte außerdem, daß jene beiden Zeichen, Keil und Winkelhaken, drei verschiedene Schrift- system« bildeten, und daß diese drei Systeme stets zusammen vor- kamen; ein und derselbe Text war offenbar in verschiedenen Schrift- arten eingegraben, die stets in gleicher Ordnung aufeinanderfolgten c erst die einfachste, bei der Niebuhr 42 verschiedene, aus Keil und Winkelhaken gebildete Zeichen feststellte, ihr folgte eine an Wort- oder Lautbild'ern reichere und zuletzt kam die schwierigste, die die beiden anderen an Mannigfaltigkeit der Bilder übertraf. Aber gerade das Rätselhafte dieser Schrift ließ den Scharfsinn der Gelehrten nicht ruhen. Im Jahre 1798 fand der Rostocker Professor Tychsen heraus, daß nach höchstens zehn Keilschriftz eichen regelmäßig ein einzelner schräger Keil wiederkehrte; das müsse der Wortteiler sein— eine Vermutung, die sich vollkommen bestätigte und für die weitere Forschung grundlegend wurde. Schon vier Jahre später gelang es einem jungen deutschen Schulmann namens Georg Friedrich Grotefend, ohne Kenntnis der morgenlänSischen Sprachen, nur durch geniale Kombination, de? Rätsels Lösung zu finden. Es handle sich, erklärte er, nicht um dreierlei Schriftarten, sondern um drei verschiedene Sprachen; die erste und einfachste müsse die des Herrscherhauses, demnach die altpersische sein, von der damals nur Bruchstücke bekannt waren. Viele der ihm vor- liegenden Inschriften, die Niebuhr aus Persepolis mitgebracht hatte, waren Unterschriften unter Bildern alter Könige, und iu diesen Unterschriften traten bestimmte Zeichengruppen regelmäßig auf. Dieselbe Erscheinung zeige sich in spätpersischen Denkmal- inschriften, die man damals bereits lesen konnte. Das immer Wiederkehrende waren die üblichen Titel: König. König der Könige, großer König. Da nun dieser Kurialstil im Morgenland durch die Jahrtaufende hindurch derselbe geblieben ist. schloß Grotefend. daß diese gleichartigen Zeichengruppen der Keilinschriften eben diese Titel ausdrückten. Den Titeln vorauf pflegten in den neupersticheu Inschriften die Namen zu gehen. Auch diese Annahme stimmte. AuS der Form der Titulaturen auf den von ihm zu- gründe gelegten Inschriften schloß Grotefend weiter, daß darin nur von drei aufeinander folgenden Königen, Großvater Vater und Sohn, die Rede sein könne. Da die drei Namen verschieden waren, erlaubte die Geschichte der Dynastie nun den weiteren Schluß, daß jene Inschriften von HystaspeS, Darius und ckerxes berichteten. Die *) Der schwedische llleifeforWcr bat während des Krieges Meso-- potamien besucht und seine Eindrücke und Erlebnisse in dem fesselnden Werke.Bagdad— Babylon— S i u i ti e' gesammelt.(F. A. DrockhanS. Leipzig). Neben der Schilderung der Gegenwart aber läuft die Darstellung der großen Vergangeubeit parallel, wovon der hier abgedruckte Abschnitt eine vortreffliche Probe gibt. r-d�iöcn altpersischen Formen sencr Namen zu finden, machte allerdings noch Schwierigkeiten, aber auf diesem Wege gelang es Grotefend, von den zweiundvierzig Zeichen der ersten Schriftart elf vollkommen richtig zu deuten. � Mangel an Sprachkenntnis brachte seine Weiterarbeit ins Stocken, aber nun setzten berufene Orientalisten, vor allem Eugen Burnouf und Eouard Lassen, die Deutungsarbeit mit Erfolg fort. Zur gleichen Zeit entdeckte Sir Henry Rcuvlinson als Offizier der persischen Armee die berühmte Inschrift des Darius Histaspes auf cmer steilen Felswand des Berges Behistun bei Kirmanschah, und angeregt und gefördert durch die deutschen Forschungen begann er riach gründlichem Studium der morgenlänüischen Sprachen die Eni- zifferung seines Fundes, die er 1847 vollendete. Grotefends Kombi- Nationen hatten sich als vollkommen richtig erwiesen und das rätsei- lmfte� Schweigen der Keilschrift war damit gebrochen, wenigsten? der einfachen, deren Sprache zwar nicht das altpersische Zend," aber doch nahe damit verwandt war. Die beiden anderen Sprachen, die sedesmal Uebersetzungen der ersten waren, machten größere Schwierigkeiten. Aber auch sie wurden überwundem In der zweiten Svrache erkannte man das Elamitische oder Susische, und in der dritten, die erst nach den Ausgrabungen in Mesopotamien, wo man reichliches Vergleichs- Material fand, gedeutet werden konnte, die babylonisch-assyrische. Die babylonisch-assyriscke Svrache erwies sich als semitisch, also mit dem Hebräischen, Phömzischen, Arabischen und Aethiopischen verwandt. In Deutschland führten dann Eberhard Schräder ige- starben 1NY8> und Friedrich Delitzsch die Asiyriologie zum Siege. Tie Keilschrift wurde, wie schon erwähnt, von den Sumerern erfunden, sie war also ursprünglich für eine nichtsemitische Sprache berechnet. Sie bestand aus begrifflichen Wort- und lantgemästen Silbcnzcichen, während die reinen Lautzeichen völlig fehlten. Als nun die semitischen Einwanderer die Schrift übernahmen, um ihre Sprache darin auszudrücken, entstanden so viel Schwierigkeiten und Undeuilichkeitem daß sie auch im Altertum nur von Gelehrten gelesen werden konnte. Die babhlonisch-asjyrische Sprache, in dieser Schrift ausgedrückt, war spätestens im zweiten vorchristlichen Jahrtausend in der ganzen vorderasiatischen Welt allgemein üblich. Daß sich die assyrischen Gelehrten Jahrtausende lang einer so vcr- wtckeßen Schrift mit ihren ungeheuerlichen Begriffszeichen und übrigen Sonderbarkeiten bedienten, spricht nicht eben für ihren praktischen Sinn. Um so mehr aber muß man den Scharfsinn und die Energie der europäischen Gelehrten des neunzehnten �ahr- Hunderts bctvundern, denen es gelang, das Dunkel zu zerstreuen und den Schleier zu heben, der bis dahin die Kulturgeschichte von Jahrtausenden verhüllt hatte.— Zum Schluß noch einige Worte über die in Ninive gefundene Bibliothek Sardanapals, die älteste Bibliothek der Welt. Sie be- steht aus SS 000 Tontafeln. Die Schrift auf diesen Tafeln wurde in den Ton eingeprägt, während dieser noch weich war; man er- kennt darauf sogar die feinen Linien der Fingerhaut. Dann wurdet: die Tafeln gebrannt. Jode Tafel ist ein Blatt; mehrere bilde:: ein Buch oder eine Serie. Ihre Zusammengehörigkeit er- gibt sich aus besonderen Aufschriften. Sie ermöglichen unZ, 2500 Jahre nach dem Verschwinden der Assyrier, die Schätze ihrer Buch- kaunnern zu ordnen. Diese einzigartige Bibliothek ist ein voll- ständiges Kompendium der assyrischen Kultur und der Weisheit jener Zeit und zugleich ein unvergängliches Denkmal eine» der größten Könige des Altertums. Die historische ErzählungSknnst der alten Assyrier ist vielseitig und genau und zeichnet sich durch eine acktenstverte Geschicklichkeit in der- chronologischen Anordnung aus. DiZ Archiv Sardanapals enthält Schilderungen des Lebens der Könige, ihrer Fcldzüge, ihrer Bauunternehmungen und ihrer Regierungshandlungen zum Besten des Volkes und zur Größe des Reiches. Da finden sich Briefe und Befehle an und von Landeshäuptlingen und Vasallen, Prokla- mationen, Bittschriften, �Privatschreiben, Handelsverträge, Orakel und Adressen an den Sonnengott, Anweisungen für die Opfcr- rituale, die mit den Vorschriften im Buche Moses viele Züge gemeinsam haben, Gebete und Hymnen, die noch von den Sumerern übernommen sind und die Namen und Funktionen der verschiedenen Götter enthalten— sa in dieser uralten Bibliothek fand sich auch der babylonische Schöpsungs- und Sintflutmythus, der viele Berührungspunkte mit der Bibel aufweist. Sardanapals Bibliothek enthält ferner die ältesten medizinischen „Handbücher* der Welt. Sie beschreiben die physischen und psychischen Krankheiten, ihre Heilmittel, und die Beschwörungen dagegen. Geisteskrankheiten galten als Werke der Tämenm. Traumbücher sprechen von Träumen und ihrer Auslegung. Die Deutung der Vorzeichen war eine Wissenschaft für sich. Man prophezeite die RegierungSzcit der Könige, die Siege, die sie er- ringen sollten, und das Glück, daZ sie genießen wiirdem'Man sprach im voraus über bevorstehende Ereignisse, über Seuchen, Kriege und Heuschrecken, über Ernte, Jagd und Fischfaitg. Die Bewegungen der wilden Tiere, daS Verhalten der Haustiere, der Flug der Vögel, der Biß der Skorpione— alle? hatte seine Be- deutung, die sich den Weisen offenbarte. Das Wetter und seine Elemente hatte:: gleichfalls große Bedeutung, und zukünftige Er- eignisse wurden von den Wolken, ihren Bewegungen und ihrer Aehnlicheit mit Tieren abgelesen. M meine fterren Möeöer! Von Philipp Scheide mann. .Des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zn- tail!* und sei es der fröhlichste Zecher am Spundloch des Lebens, wie Rabelais oder SSalzac so schön gesagt hat. Da habe ich im Reichstag vor längerer Zeit einmal eine Rede gehalten, mit der ich selbst, wie gewöhnlich, nachher sehr unzu- frieden war. Ein Geistlicher aber schrieb mir:„Sie haben goldene Worte gesprochen, so schön und so wahr, daß ich sie im Gottesdienst unserer Gemeinde vorgelesen habe.* Ein in: derer Mann aber schrieb mir über, dieselbe Rede:„Wieviel Geld hast Du. von den Engländern dafür bekommen, elender Verräter?" So erging es mir bisher immer:'Was dem einen sin llhl, war dem andern sin Nachtigall. „Endlich einmal energische Worte, zu denen Ihnen ungezählte Millionen begeistert zustimmen*— schreibt mir ein Offizier.„Sie schamloser Kerl, Sie Landesverräter. Lesen Sie den heiliegenden Artikel der„Deutschen Tageszeitung"! schrieb mir zu der gleichen Rede sin angeblicher SSeamter. Dann ging mir die„Temesvarer Zeitung" zu, in der in riefigen Lettern zu lesen war, daß ich verhaftet worden sei, weil ich des Landesverrats in englischem Solde überführt worden sei. Das habe die„Deutsche Tageszeitung" gemeldet. In der Tat, es war richtig— nämlich, daß die'„Deutsche Tageszeitung" derartiges in ihren Spaßen gedruckt hatte. Nicht richtig war die Meldung selbst, denn bisher habe ich mich vorsichttgerweise nicht erwischen lassen, wenn mir die Engländer und Franzosen, die Italiener und Ameri- kamer ihre Pfund-, Franken-, Lire- und Dollar-Noten ausgezahlt haben. Bolschewiki haben feierlich durch Herrn ötadek-Sobelsohn der- künde» lassen, daß sie sich nrit mir nicht cm einen Tisch setzen würden, denn ich sei oin deutscher RsgierungSsozialist, wie selbst in dem sozialdemokratischen Organ meines Wahlkreises täglich zu lesen sei. In der alldeutschen Berliner Presse aber war vielmals zu lesen, daß ich in Kopenhagen und Stockholm mit den Bolschewik: die schwärzesten Pläne gegen mein eigenes ZZaterland ausgeheckt habe. Künstler und Gelehrte ersten Ranges schrieben mir, daß ich auf keinen Fall die Bahn verlassen dürfe, die ich mit meinen Freunden beschritten habe— kein wahrhaft Gebildeter werde bestreiten, daß irnser Weg der einzige sei, der zu einem Verständigungsftieden führen könne. Mit der gleichen Post erhielt ich im selben Umschlag Kurz nach Sardanapals Zeit entwickelte sich die Astrologie zur Astronomie, und Babylon wurde die Heimat der astronomischen Beobachtung. Die Sternbilder des Stieres, der Zwillinge, der Fische hatten Ramen, die noch bis in unsere Zeit fortleben. Die Eklipttk war in 300 Grade eingeteilt, der Tag in zwölf Doppel- stunden von 12.0 Minuten, und eine Doppelstunde entsprach 30 Grad. Der 7„ 14., 21. und 28. Tag jedes Monats war Gebetstag oder Sabbat, die Woche hatte also sieben Tage. Allem Anschein nach waren die alten Semiten des Zlveistromlandcs erstaunlich be- ivandert in Alathematik. So enthält Sardanapals Bibliothek den ganzen Schatz der babylonisch-assyrischen Kultur und berührt alle Gebiete geistiger Betättgung, mit Ausnahme der des Dramas. Ohne jemals die Namen ihrer Verfasser zu nennen, kommen hier, wie an änderet: stellen Mesopotamiens, immer neue Funde dieser Art an den Tag, die unsere Kenntnis der Vorzeit wunderbar vervollständigen. Mm Peipus-See unö Narowa. Den Peivus-See bat Mottle als die natürliche strategische Grenze des Deutschen Reiches bezeichnet, und gewiß ist. daß er loudickiafiltch wie gescbichtlich eine Völkericheide darstellt. Jener Wasserlauf, der durch den PeipuS-Sce und den durch einen natür- licben Kanal mit ihm zusammenhängenden Pleskauer See gebildet wird und der seinen Abfluß im Norden durch die schnellurömende Narowa erbälr, also mit einem Worte die ganze Wasserstrecke von Narowa im Norden bis PleSkau im Süden, bildet den Ueberrest eines alten MeeresarmeS. der hier die baltische Platte gegen Osten abgeschlossen hat. Noch finden sich im PeipuL-Sec,� der heut längst ein Süßwasser ist, Nobbcnarten, die sich den veränderten Lebens- bedingungen angepaß: haben, und die wilden Klippen, die an einigen Stellen des WestuferS des Sees den Küstensaum begleiten, sind von der- selben Art und Bildung, wie die Felsen, die die Wasier des Finnischen Meerbuiens bespülen. Drüben aber, auf der Ostseite, ist alles flach: so kennzeichnet die Natur selbst schon auis deutliätste die Völkergrenze. Bis zum Westufcr des Peipus- und de? Pleskauer Sees geht der deutsche Kulturbereich, hier lief bis zum 11. Mai 1558 die Westgrenze des Deutschen Reiches— drüben ist slawisches Land, ist Rußland. Doch hat das Russische einige Boten zum andern User binübergeiandt. Dos sind die russischen Sektierer, die vor dem Zwange der orthodoxen Kirche ins Baltenland sich geflücbret und hier in größerer Freiheit eine zweite Heimat gesunden haben: dazu kamen dann im 19. Jahrhundert noch russische Leibeigene, die sich nach Estland binüberretletcu. um hier ein freieres Lcbeu� zu finden. So sind auf dem Wesiufer vereinzelte russische Siedelungen entstauden, die sich übrigens lange in das Leben Estlands eingegliedert haben. Die russischen Siedler haben wohl ihre Sprache bewahrt, zugleich aber auch Estnisch und Deutsch gelernt, und find als Handwerker und dergleichen seit langem tätig. Ein einsames Wasser ist dieser Dovpelsec. Dunkle Waldungen umrahmen die Urer. Die durchschnittliche Tiefe des PcipuS->sees beträgt etwa 10 Meier, und nur in dem natürlichen Kanal, der ihn mit den: Pleskauer See verbindet, steigt die Tiefe bis über das Doppelle. Im Perlaufe der Geschichte hat er verschiedene Wand- lungen erfahren. War er dermaleinst bei weitem ausgedehnter, so trifft er in neuester Zeit wieder Anstalten._ den Kamps mit dem Lande aufzunehmen. Das ist veranlaßt worden durch die zahlreichen Kanäle, die im 19 Jahrhundert in der Umgegend an« gelegt worden sind und deren Wasser sich nun sämtlich in den See ergießen. Da sie durch die Narowa niS: schnell genug abgeführt werden, so hat der PeipuS-See seinen Spiegel erhöht, ist vielfach über die Ufer getreten und hat das Angelände weithin versumpft. Nur selten furcht ein Dampfer die Wasser der beiden ver- fchwisierten Seen. Das ist das Dorpater Schiff, das über den See bis nach PleSkau im Süden, bis in die Narowa hinein im Norden führt; denn die Embach ist dvn Dorpat an schiffbar. Aber bis Narwa selbst kann der Dampfer nicht fahren. Die Narowa. die die Wasser des Peipus-Sees nordwärts dem Finnischen Meer- busen zuführt, ist ein breiter, schnell fließender Strom, der wenige Kilometer vor Narwa auf eine Felsbarre stößt. So ist der be- rühmte Wasserfall der Narowa entstanden, der in zwei Stürzen hier die im Bette liegende Felseninsel umtobt. Die moderne Zeit hat das schöne Naturbild nicht unangetastet gelassen, sondern sich beeilt, die gewaltige Kraft des Wasserfalles auszu- nutzen: so sind die großen Fabrikanlagen von Krönholm entstanden, die viele Tansende Arbeiter beschäftigen. Dieser Wasserfall ist cS, der die Schiffahrt von Narwa abschneidet. Narwa ist daher wirtschaftlich in einer nicht glücklichen Lage. Ihm fehlt die Wassetverhiiidung mit seinein natürlichen Hinlerlande, und die Mündung der Narowa wird durch Wandbänke verschlossen, so daß die Fahrzeuge auf einer offenen Reede vor Anker gehen müssen. Dennoch war die Stadt einstmals ein Hauptknotenpunkl des Handels: daS war zu den Zeiten der Hanse, die von hier auS ihren Handel ins Innere Rußlands betrieb. Damals beschäftigte die Narwaiabrt viele Schiffe, allein das Ende der Hanse und später der Wettbeiverb des unfern neugegründeteir St. Petersburgs haben Narwas Schicksal besiegelt. Es ist eine kleine, sttlle Stadt mit einem Haufen von vaterlandsparteilichen Flugschriften einen Brief, in dem mir der Zusendet: auseinandersetzte,„daß nur Idioten so verfahren könnten wie ich". Ein katholischer Feldgeistlicher wollte sein Amt nach Kriegs- schlntz ausgeben, um sich mir offen anzuschließen. Ein Haupt-. mann forderte mich zu noch größerer Entschiedenheit aus im Kampfe gegen die Annexionisten und Reaktionäre. Die Zuschriften häuften sich derart, daß ich sie nicht mehr lesen konnte. Die Lektüre nahm mir zu viel Zeit weg, außerdem wurde die Geschichte auch langweilig. Zehn lobton und priesen mich immer, wenn ebensoviel mir schwarz auf weiß bescheinigten, daß ich ein niederträchtiges Subjekt sei. Seit einiger Zeit aber sammele ich diese Spezialität: Briefe, in denen man Dolchs zückt und Revolver knacken läßt. Meine Herren Gegner aller Richtungen sind des trockenen Tones nun wirklich satt. Sie haben die Hoffnung aufgegeben, daß ich mich nach links, nach rechts, nach vorn und hinten beffern könnte. Nun wollen sie mir an mein junges Leben. Abgesehen von vereinzelten früheren Fällen, lausen Briefe, in denen mir mit Dolch und Re- volver gedroht wird, erst seit dem Tage haufenweise ein, an dem die christlich-kcmservattve„Kveuzzeitung" mein Blut auf dem Sand- Haufen gefordert hat. Ich zitiere einige Briefe, die ich heute früh beim Kaffee-Ersatz an Stelle des fehlenden Milch- und Zucker- ersatzes genossen babe. 1.„Bluthund! Tu verlängerst den Krieg! Mit wieviel eng- lischem Gelde bist Du gespickt worden?"— Folgt Drohung mit dem Dolch. 2.„Für Dich und Derne Freunde find die Kugeln fertig. Du fällst der Regierung m den Rücken. Rechne mit Deiner Schweine- seele ab." L.„Du bewilligst schließlich noch einmal KriegSkredtte? Du hast wohl ein Brett vor dem Kopf?— Du wirst totgeschlagen!" 4.„Du elender Schuft, gemeiner Verräter. Du warst wieder beim Reichskanzler, um uns Arbetter zu verraten."— Folgt Drohung mit dem Küchenmesser. 5.«Sie lehnen Annexionen ab? Sie wollen nicht, daß wir Longwy und Briey nehmen? Seien Sie gewarnt! Treten Sie weiter für einen Verzicht- und Bankerottfrieden ein, dann werden wir Sie wie einen rollen Hund beseitigen, ehe Sie uns alle ins Unglück bringen." 0.„Wir wollen Belgien und Du willst es nicht, deshalb ver- längerft Du den Krieg. Ich schwöre es bei Gott, wenn der Friede nicht bis zum Hochsommer gekommen ist, so töte ich Dich elender Lump mit sicherer kalter Hand. Deur Freund Jaurös ist uu« geworden, aber noch trägt sie gan� und gar das charaktervolle Ge« präge einer großen Vergangenheit. Um dieses östliche Bollwerk deutscher Kultur sind ungezähtte Kämfssc geführt worden.. Was sich am Westufer des hier besonders eng zusammengepreßleu Stromes erhebt, das ist deutsch. Deutsch ist die wuchtige Ordensburg mit ihren: kraftvollen Luginsland; deutsch ist die Stadtanlage, die an malerischen Winkeln nicht arm ist. Drüben aber, aus noch etwas höherem Felsen, liegt wiederum Rußland, liegt Jwangorod, die Festung, die die Russen hier bauten, als die Narowa noch der Grenzfluß gegey Schweden war. Niedrig und geduckt liegen ihre Werke, und was sich um sie angebaut hat. das ist russisches Leben und russisches Volk. Nur 2000 Schritt Wasserfläche trennen hier zwei Welten voneinander. Deutsche Satiks. Unter Vatiken versteht man ein eigenartig schönes Färbe- verfahren für Textilstosse, welches von den Eingeborenen Javas, den Battas, ausgeübt wird und von dort zunächst seinen Weg nach Holland fand. Sehr bald wurde man bei uns auf das Baliken aufmerksam und dank der hochentwickelten Farbstoffindustrie iowie den unausgesetzten Bemühungen deutscher Tertilfachleute und Kunst- gcwcrblcr ist es gelungen, das primitive javanisch-holländische Vcr- fahren bei uns während der Kriegszeit zur Blüte zu bringen. Jeder Stoff crhä.t durch Baliken eine Eigenart der Musterung und der Farbe, die ihm eine durchaus periönliche Note verleiht. Wie die Schönheit orientalischer Teppiche dadurch entsteht, daß der Knüpfer niemals zwei gleiche Schmuckmuster schafft, so werden beim Batiken in ähnlicher Weise durch individuelle Behandlung vcn Farbe und Muster hervorragende Wirkungen erzielt. Jetzt kann also jeder vorhandene, auch noch so kleine Teil in Webstoff, ja jede fertige Bluse, jedes Kleid, sogar Schuhe, Strümpfe und Hüte durch das Baliken neuartig behandelt werden und erhält eine abermalige, aus Jahre hinausgehende Verwendbarkeit. Hervor« gehoben zu werden verdient, daß sich nicht nur weiße und hell« farbige Stoffe einen anderen Charakter geben lassen, sondern auch sämtliche bereits gefärbten dunklen und bedruckten Stoffe sind dazu geeignet, in Batik verarbeitet zu werden. Durch das Batiken ist es gelungen, anscheinend unverwendbare Ware aufs nene in vollendetster Form dem Verbrauch zuzuführen. Die große Ausdehnung der Batikinduslrie in Deutschland, und der Wumch. auch wettere Kreise des deutschen Handels mit dieser neuesten Eirungenschaft aus dein Gebiete der Stoffmusterimg und Färbetechnik vertraut zu machen, hat dazu geiübrt. daß die Deutschen Batiks auf der kommenden Leipziger Frühjahrömesie ihre Erzeugnisse in größerem Ilmfange als wie bisher ausstellen werden. Notizen. — Vorträge. Treptow« Sternwarte. Dienstag, 7 Uhr, Dr. Archenhold:„Uranus und Sieptun"; Mittwoch. 5 Uhr: Filmvortrag über„Die Fkiegerwaffe und ihre Helden*. 8 Uhr:„Die Bewohnbarkeit der Welten*.— In der Urania täglich außer Freitag:„Die Ukraine*; Freilag spricht Prof. Dr. v. Biifing über:„Belgien ein st und jetzt*.— In der Gesellschaft für ethische Kultur spricht Mittwoch, S1/. Uhr. in Charlotten« bürg, Witzlebcnstr. 34, O. Seinig über:„Ursächlichkeit und Denken".— Am 6. und 9. März hält Max Deri im AuS- ftellungsiaal Paul C a t f i r e r zwei Lorträge mit Lichtbilderu über: „Das Wesen deS Expressionismus*. — Mu s i k ch r o n i k. Die Kommandantur von Berlin ver- anstaßet am Karfreitag, den 29. März, im Zirkus Schümann eine große Musikausführung, bei der P a r s i f a l(Vorspiel, 1. und. 3. Akts unter Mitwirkung von Prof. Hugo Rüdcl und Leo Blech zur' Auf- führung kommt. — Eine ukrainische Freiheitsoper„Der heilige Morgen* von Horst Plate» soll in Schwerin erprobt werden. — I n der Nationalgalerie ist es dank neuer Er- Werbungen möglich geworden, einen besonderen Tboma«Saal einzurichten. Er ist von jetzt ab zugänglich. Die Sammlung hat damit eine Ehrenschuld gegen Tboma eingelöst. — Der Deutsche Bühnenverein, die Organisation der Bühnenuntcrnehmer, der in Berlin am Sonnabend zusammen« trat, beriet Anträge über die wirtschaftliche Lage der Bühnen- angestellten. Ein Antrag der Genossenschaft, Einzeldarstellern ein monatliches Mindesteinkommen von 200 M. zu gewähren, wurde als Kriegsmaßnahme angenommen. — R e i n h. Gör ings Dichtung„Seeschlacht* und ihve Anfführung im„Deutschen Theater* behandelt Theodor Kapp- stein Montag, den 4. März, abends 8 Uhr, Lützowstr. 846.— Mit derselben Dichtung beschäftigt sich R. Persa in Heft 1 der Zeitschrift„Der Spiegel*, die Sief. Großmann bot Fritz Gurlitt her- ausgibt. — DaS Gesamtwerk von LoniS Corinth wird an- läßlich seines 60. Geburtstages in der Berliner Sezesfion ausgestellt. Eröffnung 6. März. schuldig ermordet, aber Dein schwarzes Blut wird schuldig fließen; ich treffe Dich Lump mit eiserner Faust sicher und geschickt.* 7.„Was zahlt Dir England für Deinen Vaterlandsverrat, Du ©chandbube? An den Galgen mit Dir!* 8..Königlicher Sozialdemokrat! Elender Schuft, Arbeiter- Verräter!"— Folgt Hinweis auf geladenen Revolver. 9. Ein Rheinländer, z. Zt. in Fürstenwalde, schreibt: „Obwohl katholisch, habe ich bei Stichwahlen zwischen Zentrum und Sozi stets den letzteren als da» Heinere Uebel gewählt. Leider! Ihr Schicksal vollzieht sich, sobald Sie jetzt versuchen, unserer Re- gierung weitere Schwierigkeiten zu bereiten. Ich werde ab morgen in der Residenz weilen, um Sie zu beobachten. Bin sehr guter Schütze und habe als Jäger niemals-mein Ziel verfehlt. Eine nochmalige Warnung erfolgt nicht." Jeder unbefangene Leser wird mir zugeben, daß ich mich in einer ziemlich schwierigen Lage befinde: wenn ich für die Annexion von Longwy und Briey nicht eintrete, dann soll ich wie ein toller Hund beseitigt werden. Verlängere ich aber den Krieg, bis wir Longwy und Briey erobert haben, über den Hochsommer hinaus, dann soll ich mit kalter Hand oder mit eiserner Faust um die Ecke gebracht werden. Stimme ich für Knegskredite, dann werde ich totgeschlagen, mache ich der Regierung Schwierigkeiten, dann soll ich an den Galgen. Ich kann's also machen, wie ich mag, mein armseliges Leben ist verwirkt. Da» tut mir leid, denn ich hatte mich schon so auf das Ei gefreut, das üb in drei Wochen ans meine Eierkarte be- kommen soll und mit Genuß verzehren wollte, wenn's nicht wieder faul sein würde, wie das letzte, das ich vor vier LSochen beinahe hätte essen können. An die hochverehrten Herren Mörder, die die Welt von nur Scheusal befreie» wollen, habe ich nur einig« bescheiden« Bitten, die ich zu berücksichtigen bitte. Beim Stechen bitte ich mir nicht an den Hal» zu kommen, weil ich da zu kitzlig bin. Außerdem wirkt ein blutbesuldeter Kragen zu unästhetisch. Da die Zigarren sehr knapp sind, bttte ich auch von Stechversuchen auf die linke Brustssite abzusehen, weil ich da meine Zigarrentasche trage. Meine hochverehrten Herren Mörder bitte ich ferner, Rücksicht auf meine Kleidung zu nehmen, sie also nicht zu durchlöchern, denn ich habe noch keinen Bezugschein für einen neuen Anzug. Zu besonderem Dank würden mich die Herreu Attentäter ver- pflichten, wenn sie mich iurmer einen Tag vor meinem Tode be- Nachricht igen wollten, damit nch jedesmal mit meinen Freunden einen AbschiedSschoppcu jrecheu kann.