•v iScs t—: — x: 'ffl L\\ \\Xi '"U!, �WKW' � w' kw Zrieöe. Zeder hafs gehabk, Keiner hal's geschäht, Zeden hat der sähe OueZ gelabt, O wie Ningt der Rame Friede seht! Klingt so fern und zag. Klingt so tränenschwer. Keiner weih und kennt den Tag. Zeder sehnt ihn voll Verlangen her. Sei willkommen einst, Erste Friedensnacht. Milder Stern, wenn endlich du erscheinst Ueberm Feuerdampf der lehten Schlacht. Dir entgegen blickt Zede Zlacht mein Traum, Ungeduldig rege Hoffnung pflückt Ahnend schon die goldnc Frucht vom Daum. Sei willkommen einst. Wenn aus Blut und Uot Du am Erdenhimmel uns erscheinst, Einer guten Zukunft Morgenrot! _ Hermann Hess«. Grenzen der Erziehung. Von I ü i e ii Brand. „... Wir können die Kinder«ach unserem Sinne nicht formen." Goethe, Hermann nnd Dorothea. Einen Lehniklumpcn, einen Marmorblock kann der Äünst- ler kneten nnd behauen, wie er will, nm ihm die gewünschte Form zu geben; sie haben keinen eigenen Willen. DaS Ent- scheidende ist der Wille des formenden Künstlers. Nicht selten wird auch die Erziehung des Menschen alS eine Art Fornigebung aufgefaßt, bei der es darauf ankonime, dem Zögling die vom Erzieher gewollte Form zu verleihen. Hiergegen ist zunächst zweierlei zu sagen. Erstens: Das Kind ist kein willenloser Lehmklumpen oder Marmorblock, sondern ein lebendiges Wesen, das sich entwickelt nach ihm inne wohnenden eigenen Gesetzen. Zweitens: Nicht jeder Ev zicher ist ein Künstler. Zu eins: Das Kind ist kein toter Block, der sich wider standslos einem fremden Willen fügt. Das Kind hat seine eigene Art zu denken, zu empfinden, zu wollen, und es ist ohne weiteres nicht möglich, unsere Art dafür an die Stelle zu setzen. In den bei weitem meisten Fällen ist dies auch durchaus nicht wünschenswert, denn es würde nur willenlose Werkzeuge, Sklaven hervorbringen und letzten Endes zur Unterdrückung jeglicher Persönlichkeit führen. Darin aber kann eine vernünftige Erziehung ihre Aufgabe unmöglich er- blicken. Im Gegenteil: Jede ernsthafte, sich ihrer großen Verantwortung bewußte Erziehung wird gerade darin ihr Ziel sehen: die in dem Kinde ruhenden körperlichen und geistigen Anlagen zu wecken und zu möglichster Vollkommen- heit auszubilden. Aber liegt darin nicht ein Widerspruch I Auf der einen Seite zugeben, daß wir„die Kinder nach unserem Sinn nicht formen" können, und auf der anderen Seite die vollkoniniene Ausbildung der natürlichen Anlagen des Kindes erlangen? Der Widerspruch ist nur scheinbar. Wenn wir anerkennen müssen, daß letzten Endes die in dem Kinde liegenden Kräfte das Ziel seiner Entwickelnng bestimmen, so ist damit keineswegs gesagt, daß unsere Bemühungen diese Entwicklung nicht wesentlich beeinflussen können; denn sonst wäre die Möglich- keit jeder Erziehung überhaupt verneint. Erziehung ist aber nicht nur möglich; sie ist auch notwendig. In erster Linie gilt es hier, zu begreifen, daß es nicht darauf ankommt, den eigenen Willen des Zöglings zu brechen und ihm einen fremden Willen aufzuzwingen, sondern darauf, den Willen des Kindes auf ein nützliches Ziel zu richten. Bequemer freilich ist es auf jeden Fall, Fremdes, Entgegen- stehendes einfach zu zerschlagen und wegzuräumen. Ver- heißungsvoller ist jedoch der beschiverlichere Weg: in müh- samer, beharrlicher Arbeit das ursprüngliche Hindernis dem als wertvoll erkannten Ziele nutzbar zu machen. Daß dieser Weg an Arbeit und— Enttäuschungen reich ist, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Der Landmann streut den Samen aus, zwar auch in Ungewisser Erwartung; aber schon die nächste Zeit überzeugt ihn von dem Erfolg oder Mißerfolg seiner Arbeit. Bei der Erziehungsarbeit fehlt in den meisten Fällen dieser überzeugende Erfolg. Da senkt man die Saat in vermeintlich gutbereitetes Erdreich in dem unerschütterlichen Bewußtsein: Dieser Samen muß gute Früchte bringen. Aber es vergehen Tage und Jahre, ohne daß wir den Erfolg sehen; oder es kommt gar eines Tages gänzlich unerwartet und unerwünscht ein Resultqt zu- tage, vor dem wir erschrecken, ein völliges Gegenteil von dem, was wir erstrebten. Wer will einem Kinde an der Wiege sagen, wohin seine Entwicklung führt? Was da„un- schuldig" lächelnd dich anblickt, wird vielleicht durch glänzende Anlagen emporgeführt auf die Höhen der Menschheit; vielleicht durch die dunklen Mächte seines Innern zum Räuber und Mörder. Wennschon das Wort Goethes: Was weiß denn ein Mensch vom andern?- eine schwermütige Lebenswahrheit ist, wievielmehr ist die Frage berechtigt: Was wissen wir denn vom Innenleben des Kindes? Daraus folgt für eine vernünftige, d. i. naturgemäße Erziehung als erste nnd wichtigste Aufgabe, durch e i n d r i w g e n d e Beobachtung das Kind in allen seinen Lebens äußerungen zu studieren, um zunächst eine Stelle zu ent decken, bei der wir ansetzen können mit unserer Erziehung. Welcher Jammer, zu sehen, wie die„offizielle Pädagogik (Erziehungslehre) die schwierigste Kunst, Menschen zu erziehen, nicht selten zur Schablone macht. Wahrlich, Erziehung ist notwendig; denn wir können es nicht verantworten, unsere Kinder schütz- und steuerlos dem wilden Meere des Lebens anzuvertrauen: aber nicht notwendig ist es. ungezählte junge Menschen jahrein, jahraus in das Prokrustcrbctt einer Päda- gogik zu zwängen, die in ihrer rücksichtslosen Gleichmacherei das beste in ihnen, ihre Persönlichkeit, nicht achtet und ver- nichtet. Freilich, darüber dürfen wir beruhigt sein: auch diese „Erziehung" wird nicht rühren an die dämonische Region im Innern deS Menschen, in der geheimnisvolle Mächte an seinem Schicksal bauen. Aber wieviel Leid und Bitterkeit wird völlig zwecklos über die jungen Menschen gebracht? Es gibt doch ein Recht des Kindes, das mit ihm geboren wird; das ist sein Recht auf eine seiner Natur gemäße Er- ziehung. Die Natur des Kindes gilt es also durch unausgesetzte Beobachtung kennen zu lernen. Der Zugang zu diesem Ge- biete ist oft sehr erschwert. Einige können, andere wollen sich nicht so geben, wie sie sind. Was ist da zu tun? Sollen Befangenheit— oder Verschlossenheit oder gar Heuchelei mit Strafen belegt werden? Was wäre damit gewonnen? Der Befangene würde nur befangener, der Verschlossene nur ver- schlossener werden. Nein, weder Drohen noch Strafen; es gibt nur ein Mittel, das dir alle Tore der kindlichen Seele öffnet: Liebe. Die Liebe zu den Kindern ist das Alpha und Omega jeglicher Erziehung.„Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Nur durch selbst- lose und opferbereite Liebe erwerben wir uns das grenzen- lose Vertrauen unseres Kindes und damit die einzige Möglichkeit, Einfluß zu gewinnen auf seine Seele. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle'. Ueberhaupt! Was sind Worte? Glaubt ihr wirklich. daß durch Worte in der Erziehung viel erreicht würde? Worte verwehen wie Fußspuren im losen Sande. Nein, nicht durch Worte sondern durch Taten sucht zu erziehen. Verba doccnt, exempla trahunt. Worte belehren, Beispiele reißen hin. Das sittliche Vorbild, getragen von freigeschenkter Liebe, wirkt mehr als alle noch so wohl- gemeinten und wohlgesetzten Worte. Damit stehen wir an den Grenzen der Erziehung, die im Erzieher selber liegen. Wer soll erziehen? Oder besser: Wer hat das Recht, zu erziehen? Es wurde schon gesagt, Erziehen sei eine Kunst. Also sei der Erzieher ein Künstler. Entspricht jeder Vater, jede Mutter diesem Ideal? Oder etwa die„abgestempelten Pädagogen"? Wenn ein blutiger Dilettant auf dem Gebiete der bildenden Künste die Ansprüche eines Künstlers erheben wollte, er würde sehr bald und sehr nachdrücklich in seine Grenzen verwiesen werden. Ans dem Gebiete der Erziehung aber maßt jeder sich unbedenklich�das Recht an, hineinzupfuschen: nnd doch ist eine lebendige Saat ein ungleich wertvollerer Stoff als etwa ein Gemälde, eine Statue, eine Architektur, und die Folgen einer verfehlten Er- ziehung können ungleich verhängnisvoller wirken, als ein ver- pfuschtes Bildwerk. Es ist wahr, wer die rechte Liebe zu den Kindern im Herzen trägt, der wird auch den Weg zu ihrem Herzen finden: aber es ist gut, sich über die Schwierigkeiten dieses Weges Rechenschaft zu geben. Wenn die unerläßliche Forderung einer vernünftigen und wirksamen Erziehung in dem sittlichen Vorbilde ruht, so folgt daraus weiter für jeden Erzieher als oberstes Gesetz: Erziehe dich selb st I Das ist cigent- lich selbstverständlich; denn wer kann andere erziehen, wer selber nicht erzogen ist? Wer darf Forderungen an andere stellen, wer sie selber nicht erfüllt? Erziehe dich selbst! Denn alle Tugenden, welche du in deinem Kinde zu entfalten wünschest, mußt du ihm in deinem eigenen Verhalten vorleben. Hier kann dir nichts erlassen werden. Und die Kehrseite? Erinnerung. Von Wilhelm Scharrelmann. Es will Abend werden. Einer jener Sommertage, die blau und licht in feierlich stiller Weite unter einem unermeßlichen Himmel stehen und mit schimmernden Wolken wie mit Schncegcbirgen gekrönt erscheinen, versinkt langsam in Dämmerung und Nacht. Im Zimmer ist es warm und schwül. Vor dem ge- öffneten Fenster stehen die Linden regungslos in der stillen, warmen Luft, und auf ihren dunkelgrünen Blättern liegt in feiner Älberschicht der Staub. Tie letzten Erntewagen rumpeln draußen vorüber. Mit hastigen Flügelschlägen taumelt eine Fledermaus als Vorbote der Nacht am offenen Fenster vorbei. In dem kleinen Banerngarten unter mir stehen die Sonnenblumen wie große, gelbe Sterne, der Rittersporn streckt seine blauen Blütenschäfte über dunkelgrünem Laub empor, und der Phlox flanimt durch die Dämmerung mit karminroten Blüten herauf. Deutlich klingt jetzt in der tiefen Stille das Plätschern des Brunnens vom Dorfplatz herüber. Eine Magd komnit um die Hausecke, Waffer holen. Die schwingenden Eimer klirren bei jedem Schritt an den Joch- ketten. Auf der Wiese hinter dem Hause meckert eine Ziege nach dem Stall. Irgendwo im Felde brüllt eine Kuh. Lang- gezogen klingt ihr dumpfes Gebrüll herüber. Die Wolken, vom letzten Strahl der Sonne getroffen, leuchten mit goldenen Rändern und-die Apfelbäume stehen mit schweren hängenden Kronen demütig in der regungslosen Stille des Abends. Minutenlang bleibt es still wie in einer Kirche. Von der Diele herauf, wo auf dem offenen Herde das Feuer brennt, hört man zuweilen ein Stück Holz in der Flamme knacken. Wie ein Schuß aus der Kinderpistole klingt das. Der Himmel erglüht jetzt, als Wolle er alles in Brand und Feuer tauchen, und� die Stille wird so tief, daß man sie hört. Es ist die Stunde, wo man nicht regungslos am Fenster sitzen bleiben darf, wenn einen nicht die Erinnerungen über- wältigen sollen, die mit der Dämmerung aus allen Winkeln steigen. Ich nehme den Hut und gehe hinaus, den Weg unter den Linden entlang. Nach zwei Minuten bin ich im freien Felde. Das Korn steht in unzähligen Hocken wie ein Heer in Reih und Glied. Ein Raubvogel zieht mit eiligen Flügeln zu Horst. Irgendwoher hallt ein Ruf über die schweigenden Felder, noch einmal... und ertrinkt in dem tiefen, großen Schweigen. Ich gehe schneller und schneller, um Herr zu werden über das.>vas an den Abenden, die am stillsten sind, am lautesten in uns spricht. Nein, nicht dorthin. Den Weg sind wir vor einem Jahre zusammen gegangen, er und ich. Ich schlage einen anderen ein. Der Staub mulmt unter meinem Fuß. Halt, lieber hier herum. Dort bei den Kopfweiden hat er sein letztes Bild gemalt: Erntearbeiter. Halbfertig steht es zu Hause, an die Wand gelehnt. Mitten in der Arbeit rief es ihn fort, nach Westen zu, wo es seit langem keine Nacht mehr zu geben scheint, wo Millionen die Nacht ver- treiben mit Geschützdonner. Leuchtkugeln, Brandgranaten, Gewehrfeuer. Aber die Nacht, die auf uns alle wartet, ist dort desto näher, öffnet Tausenden ihr dunkles Tor... Wenn man vom Felde zurückblickt, sieht man die Kirche über dunklen Banmgruppen emporragen. Schimmernd ragt der weiße, viereckige Turm in den hellen Abendhimmel. Vom Kirchhos leuchten ein paar Marmorkreuze herüber. Wie friedlich der Tod hier ist. Ein Zur-Ruhc-gehen, ein Abschicdnehmen, ein ergreifend leiies Verwehen, ein Sich- einbetten in den Schoß der mütterlichen Erde, die einen ein Leben lang genährt und getragen, ein gelassenes Davon- gehen, eine friedliche Rüste nach getaner Arbeit, ein Ausruhen und hoffnungsscliges letztes Zurückblicken, ein Ja und Amen. Und dort drüben im Westen, wo das Abendrot flammend am Himmel steht? Die Sonne kann jetzt dort noch nicht hinunter sein. Sie hat noch eine Stunde Zeit, bis sie von der zerlvülflten Erde Abschied nimmt, Abschied auch von dem Grabe, DITÄrt— ich weiß nicht wo— neben vielen andern liegt. An einem Waldrand soll es sein. Vielleicht glühen die Kiefernstämme dort eine Stunde später so wie jetzt hier, so warm und rot wie die Liebe, die an jene Gräber denkt. Nein, nicht s o die Erinnerungen aufkommen lassen. Das Leben gehört der Stunde, und der Tag ist schwer genug und braucht unsere ganze Kraft. Und wenn die Nacht auch sinkt, tiefer und tiefer, daß du meinst, nicht atmen zu können in der stillen Traurigkeit, die dich umfängt: noch jede Nacht rang sich zn ihrem Morgen durch. Der Weg wird feucht. Der Tau fällt. Ein Stern blinkt auf. Blaß und flimmernd steht er im Osten, als sei er heute abend zuerst entzündet und schaue zum erstenmal auf die Erde herab, ein wenig scheu noch und ohne Krast zu leuchten. Aber je dunkler es wird, desto feuriger erglüht er, wie ein Herz, das stärker wird, je tiefer die Dunkelheit ist, die es umfängt. Wie ruhig er damals fortging, lächelnd und gelassen. „Seine Pflicht tun. DaS ist alles." Ein Wort, das mich nicht wieder verlassen will. Mich dünkt, die Nacht war nie so schön, so geheimniS- voll wie heute. Selbst die Kirche ist nur mehr eben zu er- kennen. Die erste Eule geistert vorüber. Hier steht noch ein Roggenfeld auf dem Halm. Schwer hängen die Nehren, als warteten sie gesenkten Hauptes ans ihren Schnitter. Im Osten schwimmt der Mond mit bleicher Sichel. Im Dorfe kläfft ein Hund. Nun wieder diese regungslose Stille. Plötzlich ein Surren, ein Dröhnen in der Luft. Erkennen kann ich nichts. Vielleicht ein Flieger, der irgend- wo in der weiten Luft seinen Weg sucht. Nach wenigen Minuten hat die Weite das Geräusch verschlungen. Kein Laut mehr. Vor einem Jahre saßen wir hier am Waldrande, niein Freund und ich. Es war eine Nacht wie heute. Mir ist, als wäre es gestern gewesen, und doch liegt ein Jahr dazwischen. Die Lust Me Fehler, die an deinem Kinde zutage treten, du wirst sie bei ehrlicher Selbsiprüfung getreulich bei dir wiederfinden. Welch ungeheure Verantwortung bürdet uns die Er- ziehnng unserer Kinder auf! Das lebhafte Bewußtsein von der Schwere dieser Ver- antwortung ist die notwendige Vorbedingung für jeden Er- zieher: und je tiefer das Bewußtsein dieser Verantwortung in ihm ruht, desto weniger wird er geneigt sein, das in dem Kinde schlummernde Eigene zu unterdrücken: er wird ihm, soviel nur irgend möglich, die Freiheit der Entfaltung lassen, die niemals Zügellosigkcit bedeutet, sondern willige Unterordnung unter die Gesetze der physischen und sittlichen 9tot- wendigkeiteu. Diese Gesetze sollen dem Kinde nicht durch einen fremden Willen aufgezwungen werden, sondern es soll sie erleben, erfahren. ZllS ich den Leiter einer unserer Jugend- organisationcn fragte, wie er es erreicht habe, das; seine Mit- glieder sich widerspruchslos dem Gebote der Enthaltsamkeit von Alkohol und Tabak sügien, antwortete er:„Es besteht bei uns gar kein Gebot der Enthaltsamkeit, wenigstens kein geschriebenes: ich habe meine Jungens aufgeklärt über die schlimmen Nachteile deS Alkohol- und Tabakgcnusses. DaS haben sie eingesehen und richten sich danach.� Diese vernünftige Methode verdient Nach- eiferung! denn sie führt zweifellos sicherer zum Fiele, als alle noch so wohlgemeinten oder drakonischen Ge- oder Verbote. Immer das sittliche Vorbild des Erziehers voraus- gesetzt. Trotz aller Liebe, trotz de? ans beharrliche Sclbsterziehung gegründeten Beispiels, trotz der vernünftigsten Methode: das schlicßlichc Resultat wird niemals sicher sein. Hier sind die Grenzen unseres Willens, der außer an dem Willen des Kindes auch noch an den Verhältnissen aus der Umwelt und anderen„verborgenen Miterzichern" seine Schranken findet. Hifiige Insekten. Bon H. F e h l i n g e r. Neben vielen nützlichen Jnscklen gibt el auch zahlreiche schäd- kiche und zwar solche, die in wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Hiitsicht, oder in beiden Beziehungen schädlich find. Erwiesen ist. daß zum Beupiel gewisse Mücken die Erreger der Malariakraniheit saes SumpsfieberS) übertragen, und es ist so gut wie sicher, datz d,e Erreger der Pest durch Flöhe übertragen iverden. Doch wollen nur hier nicht die Uebemagung von Krankheiten, sondern die Ber- giitungen behandeln, die durch steckende, beißende und brennende Insekten und Verivandie Gliedertiere verursacht werden, die dem Menschen zu Leibe geben. Bekanitt ist, daß der Stich der Bienen, Wespen, Hör- n i s s e n usw. von der Einspritzung einer gistigen Flüssigkeit be- gleitet ist. Der Giflapparat der Bienen befindet sich am hinteren .nörpcrende. Er besieht aus sadcnsörnugcn oder schwach verzweigten Giftdrüsen, die in eine sackartig erweiterte Giftblase einmünden, diese verengt sich wieder zu einem Gang, der von einem festen Gerüst umgeben ist, das die hcbelartigen Vorrichtungen enthält, die den Stachel in Bewegung setzen. Der Stachel besteht aus zwei seitlichen mit Wicderhaken versehenen Nadeln und einem mittleren Leitungsstiick. Zwischen den Nadeln liegt der Ausiührungs« lanal der Gistdrüie. Beim Vorschnellen des Stachels wird das Eist nach vorne getrieben. Das Gift der Bienen wirkt sehr beflig, für kleine Tiere tödlich. Anch für den Menschen sind die Stiche der Bl-ncn und anderer, zur Gruppe der Hhmenoplercn gehöriger In- sellcii unter Umständen gesährlich. Gesürchtet wird besonders der Stich der Horntssen. Am metsicn berüchtigt sind jedoch verschiedene in der heißen Zone vorkommenden Wespen, deren Stick sehr bös- artige Folge haben kann.— Die Ameisen sind ebenfalls mit Giswriisen versehen, deren Absonderung beim Btß in die Wunde gelangt. Wieder sind es tropische Arten, die ziemlich schlimme Ver- gistungen herbeisühren können. Von der zünftigen Medizin bestritten wurde bisher die Giftig- k üt deS Stiches von Di ü ck e n, Fliegen und anderen Insekten, t-.e zur Ordnung der Zweiflügler oder Diphtercn zählen. Aber das biologische Studium dieser Tiere bot doch zu dem Ergebnis gcsührt, daß mindestens gewisse unter ihnen beim Stich Gift einspritzen. Die Stechmücken sCnIioidasl haben in Verbindung mit ihrem Verdounngsapparot eigenartige Blindsäcke, die nian geivöhnlich als „ Sougmagen" l,t?:ichnei, obwohl sie zu dem eigentlichen Saug- Vorgang in keiner Beziehung stehen, sondern lediglich als Nahrungs- reieivoir dienen sähnlich wie der Kropf der Vögel). In. diesen Blindiäcken sind stets Hefepilze vorhanden, die sich während der Verdauung besonders stark vermehren. Versuche ergaben, daß die bekannten Begleiterscheinungen des Mückenstiches sofort auftreten, wenn etwas von dem Inhalte de« Saugmagens mit den bei- gemengten Hefcpilzen unter die Haut gelangt. Es entsteht eine Insekt, on mit Hefepilzen. Die durch den Magensaft verursachte lokale Vergisiung ist von der Aufnahine von Blutnahriing durch war voll und satt von dem Duft der Erde und erfüllt von der Ruhe, die hinter den Dingen ist. Heute ist er längst zu jener Ruhe eingegangen. Wie hart das Leben sein kann... unerbittlich, grau- sam und heimtückisch! Und wie lind mich doch im nächsten Augenblick der leise Nachtivind berührt, wie schön die Er- innerung an frohe, glückliche Stunden in mir erblüht. Das ist es: Das Leben ist beides, ist schön und häßlich, edel und gemein, zart und brutal, grausam und doch von Liebe ersüllt ivie eine Francnhand und eine verschwiegene Liebkosung. Es ist beides, Sonne und Finsternis, Abend und Morgen, ist voll Lärm und doch voll Stille, ist Mißklang und Harmonie, süß und bitter wie Galle. Wie die Sterne leuchten, und der Himmel steht in saltem Blau. Drüben tritt ein Reh aus dem Unterholz, wittert mit vorgestrecktem Kaps und beginnt dann ruhig zu äsen. Leise stehe ich auf und nähere mich wieder dem Dorfe. Wie still es drinnen ist. Nur der Brunnen. Plötzlich ein Lied. Eine junge Magd singt's bei offenem Fenster in die warnte, regungslose Nacht. Ich kenne die Melodie nicht und die Worte kann ich nicht verstehen. Wie ich nm die Hansecke bin, hör ich'? deutlicher: —— O Tod, ich bilt'. Hab du Geduld, er ist noch jung und ohne Schuld-- Im Zimmer ist es unerträglich schwül. Ich öffne auch daS kleine Klappfenster noch. Mir ist, als wäre alles ein Vorübergang, ein Traum und ein Hinübergleiten, ein kurzes Wachwerden zwischen Morgen und Abend, eine Zeit der Torheit und des falschen Wahns, ein Grüßen und Abschicdnchmen... Langsam beginne ich mich auszukleiden. Plötzlich— ich weiß nicht woher— lodert wie eine jähe heiße Flamme ein wilder Trotz in mir auf: Und wenn auch! Ist das andere nichts? Saatwurf und Ernte, Hammerschlag und Funkensprühen. Aufstieg und Döhe. sieghafter Flug durch Wetter und Wolken, ein trotziges Ja gegen ein tausendstimmiges Nein? Word' fest mein Herz!— Bleib fest auch du— mein Volt: die Stechmücken nicht zu trennen: ihr Zweck ist wahrscheinlich die Erhöhung des BlulaiidraugeS in den Entzündungsherd, der schon während des Saugens stattfindet. Tie Vergisiung der durch den Mückenstich verursachten Wunde ist also mit der Ernährung der Mücken verkettet. Benrerlcnswcrt tsi, daß nur die Weibchen der Mücken Blur ioiigcn, während die Männchen von Pflanzensästen leben. Es hat sich herausgestellt, daß die Eiablage unterbleibt. wenn den Weibchen die Blutnahrung entzogen wird. Das gilt auch von änderet, Zweiflüglern, die als Blutsauger auftreten und ge- fürchtet sind. Prosesior Göldi, dcsien Buch über die.Sanrtärisch-patho- logische Bedeutung der Insekten' wir hier folgen, weist daraus hin. daß nicht allein körperliche Beschwerden durch Mückenstich verursacht werden, sondern auch seelische Lerden. Namentlich in den beißen Erdgegendcn fällt der leicht einer seelischen Depression zum Opfer, der bei sitzender Lebensweise gezwungen ist, sich jahraus jahrein. Tag und Nacht, von den dort sehr zahlreichen Mücken stehen zu lassen. Der Stich der Bremsen sPad-rnidsir) verursacht gleichfalls eine Anschwellung an der gesiockienen Stelle, die gewöhnlich als Folge deS mechanischeir EinslichprozepeS angesehen wird. Doch ist zu bezweifeln, daß die Sacke so einfach liegt. Es besteht eine so nahe Uebereinstimmung mit den, Mückenstich, daß auch hier die Annahme berechtigt ist, es kämen Geschwulst fördernde AuS- stoßungsprodukie des Verdauungskannks dazu. Zu den giftigen Insekten gehöre» ferner die Kriebelmücken(Simuliiden). deren Stich einen lange schmerzende» roten Punkt hinterläßt, der beim Ausdrücken Blutflüssigkeit hervortreten läßt und lange nicht ver- schwindet. Einen ausgedehnten Geschwulsthof erzeugt der Stich mancher Arten der winzig kleinen Federmücken oder Bart- mücken iChironomiden), die besonders in den Tropen arge Plage- geister sind. Als giftig zu gelten haben ferner die Wanzen, deren in die Stichwunde gelangende alkalische Absonderung der Speicheldrüsen einen Geschwulslbof verursacht. Unter den Käfern ist eine Reihe von Arten bekannt, die durch giftige Absonderungen bei der Berührung mehr oder weniger empfindliches Brennen bis zum Blasenziehen hervorrufen können. Zu ihnen gehören beispielsweise die seit alterSher bekannten «spanischen Fliegen', die Canthariden-Käfer. DaS Eantha- ridengift scheint in allen Organen der«spanischen Fliege' vorm- kommen: am stärksten angesammelt ist es in den Eierstöcken. Von der an 800 Arten zählenden Käferfamilie der Vesicanten haben fast alle die blasenziehende Eigenschaft. Eine ganze Anzahl von kurz- siügeligen Käsern sStaphyliniden) können gleichfalls bei Berührung mit der Haut Entzündungen bervorbringen. Der Genuß von Ge- tränken von Speisen, die durch Hineinfallen gewisser Stapbyliniden- arten verunreinigt wurden, kann Durchfall und Harndrang ver- Ursachen, was auf den Cantharidengehalt dieser Käser hinweist. Die Skorpione sind am Hinteren Ende deS Körpers mit einem Giilhorn versehen, mit dem innerlich eine Giftdrüse in Ver- bindung steht. Der Stich kleiner Skorpione ist im allgemeinen nicht viel schlimmer als der Stick von Bienen oder Wespen. Weit ge- fährlicher sind die großen Skorpione der tropischen Länder; häufig ist deren Stich für Kinder, selten für Erwachsene, tödlich. Schwere Vergiftungen werden durib Tausendfüßler ver- ursacht. Bei diesen befindet sich der Giftapparat vorne im Kopfe. Er steht in Verbindung mit zwei bogig gegeneinander gekrümmten Kieferfüßcn oder Raubfüßen, in deren letzten und vorletzten Gliedern die Giftdrüsen liegen. Beim Beißen kommt die Wut des TiereS in den heftigen krampfhaften Schlingenbildungen seine? Körper? beut- lich zum Ausdruck. Unsere heiniischen Tausendfüßler vermögen wohl nicht viel Unheil anzurichten, dagegen hat der Biß der großen tropischen Arten oftmals böse Folgen. Tausendfüßler und Skorpione sind gern vergesellschaftet. Sie find nächtliche Tiere, die feuchte dunkle Schlupfwinkel bewohnen und bei Mrcht auf Nahrungsuche gehen. Die Spinnen sind alle giftig. Ihr Gitt ist äußerst intensiv: es tötet kleine Tiere beinahe sofort. Der Giflapparat ist ähnlich gebaut wie bei den Tausendfüßlern. Bei Spinnen, wie bei Tausend- füßlern und Skorpionen, ist Vergiftung der Wunde eine jedesmalige Begleiterscheinung der Ueberwälligung des Opfers, wie es auch bei den Giftschlangen der Fall ist. Es ist anzunehmen, daß hier wie dort die Absonderung eine verdauungsfördernde Wirkung hat. Das Gilt der Skorpione. Tausendfüßler und Spinnen ist ein klares oder leicht opalisierendes Sekret. Die örtlichen Störungen, die der Stich oder Biß dieser Tiere hervorruft, sind heftige Schmerzen, Oedem, Lymphangitis und Gangräne: dazu kommen als allgemeine Störungen Fieber, Erbrechen und Durchfall sowie Zcr- fall der roten Blutkörperchen: was bei hochgradigem Ucberhand- nebmcn ein schweres Symptom ist. Der Skorpionenstich zieht bäufig ein Gefühl der Erstarrung und Schtvere der Zunge nach sich. AebnlicheS wurde übrigens auch nach Stichen gewisser brasilianischer Wespen öeabachtet. Von den stechende« Spinnen find durch einen für den Menschen gefährlickien Biß ausgezeichnet die Tarantel, die Walzen- spinne sSüdrußland), die Miiiierspinne sWestcuropa). da» Chira- canthium(Zentraleuropa), die Molmignatte sSüdeuropa), die Bogel« spinne und Latrodektenarten Südamerikas und andere. Der Biß der letzteren kann schon in ivenigen Stunden durch Haemolyse oder Blutzersetzung zum Tode fübren. Zahlreiwe Insekten verursachen Schmerzen durch die Berührung der Haut mit ihren Haaren. Es sind besonders Schmetterlings- raupen, bei denen Brennhanre auftreten. In Mitteleuropa gehören dazu die Raupen der Prozessionsipinner, Brombeerspinner, Gold- öfter, Bnrstenraupenspiiiner. der«Braune Bar' usw. In den Tropen ist die Zahl der Brennraupen und ihre Gefährlichkeit größer. Die Raupen der südamerikanischen Gattungen Tolype und Chryiopyga verursachen durch ihre Brcnnbaare Rötung, Geschwulst und starkes Brennen, auch Anschwellen der Lymphdrüsen. Neuere Untersuchungen an europäischen Schmetterlingen zeigen, daß nestelnde giftige Wirkung, die aus Ameisensäure zurückgeführt wird, nicht auf die Brennhaare der Raupen allein beschränkt ist, sondern daß auch Ver Naupenkot und der Staub des Gespinstes heftiges Jucken hervorruft. Das Blut der Raupe und die flüssigen Absonderungen, die der aus- schlüpfende Schmelterling fahren läßt, erwiesen sich ebenfalls giftig. Holzarbeiter, die im Waide beschäitigt sind, können durch vom Winde zerstreute Brennhaare von ProzessionSipinnern und durch Gespinststaub gefährliche Augenenlzllndungen bekommen, auch innere Erkranlungen, wenn die in der Nähe eines Nestes eingenommene Nahrung verunreinigt wurde. Bei leichteren Fällen von Insektenstichen ist Bestreichen mit Ammoniak empfehlenswert, da die Säure d«S Gifte» dadurch neutralisiert wird und durch das rasche Berdunsten des Ammoniaks auf der verletzten Stelle Abkühlung eintritt. Gegen Geschwulstbildung infolge von Berührung mit Brennbaaren von Raupen ist Ein- reibung mit Kampferstärke wirksam. Jil schwereren Fällen aber ver« sagen diese Hausmittel._ Neben dem Spstem. Von Kurt Hills r. In grauer Vorzeit fanden revolutionäre Kunstdenker: Em Thsaterstück, das einen bedeutsamen Satz der Moral zu„beweisen" sucht oder für eine berechtigte Forderung der Politik..eintritt' und im übrigen ein Schmarren ist, ist kein Kunstwerk. Generationen- lang lernten darauf die Knaben in der Sekunda und die höheren Töchter,„Tendenz' sei„unkünstlerisch', lind mit dem Dolche dieser Weisheit sticht nun das Pack rasierter höherer Töchter, daS heute Aesthetik macht, den Geist(meint es) tot. Wer lehrt, auf Gesinnung komme c» in den Künsten nicht an, vielmehr auf„Form", den darf doch Gesinnung nicht stören, wo- fern sie nur Form hat. Ein Kunstwerk mit Tendenz ist nicht deshalb eines, weil es Tendenz spt. Aber noch falscher wäre, zu behaupten: weil es Tendenz Hobe, sei es keines. Wenn wir von Tendenz sprechen, so denken wir nicht an Stücke, in denen irgendeine soziale Einzelheit propagiert, zum Beispiel die Abschaffung des Paragravben x der Gewerbeordnung befürwortet, vor den Gefahren venerischer Ansteckung gewarnt oder dafür ge- kämpft wird, daß preußische Volkoschullehrer Darwinisten sein dürfen. Obwohl Stücke init derartigen Absichten immerhin weniger überflüssig sind als Stücke nnt gar keinen, bleibt aller großen Kunst Tendenz die universale: die Einstellung des geistigen Künstlers aus Zerstörnng der Ordnungen, aus Neubau der Welt. Jedes große Kunstlverk lit imperativisch; loar es und wird e? sein. Nicht notwendig immer, daß ein Imperativ seinen unniittelbaren Inhalt bildet(Rubincr:..Wir sind gegen das Drama— für die Anleitung zuui Handeln"), aber allemal bildet der imperative Mensch ihn. Ilnd der Künstler verherrlicht den imperativen Menschen, verflucht dessen Widersacher, beweint die ewig wider- strebende Males— okiuc daß Fluch und Tränen seine gerechte Schau trübten. Wedekind nimnit Partei für Heiman, Robert Müller Partei für Gerhard Werner(so ironisch dieser auch scheitert, so indisch er endet), Goering Partei für den Fünften Matrose»(dessen Wille tragisch stirbt, bevor sein Leib stirbt), Hasenclever Partei für den Sohn. Hctman, Werner, Matrose und Sohn: Empörte alle, Empörer alle, Baumeister alle am un« endlichen Bau des Paradieses. Demnach Wedekind, R. Müller. Goering, Hasenclever: geistige Künstler— was um soviel mehr ist als.Künstler', wie Jesus mehr ist als ein Talent. Unser großer Ilnmögltcher, Ungeist(mit Geisteinsprengseln), theaterzaubernder Ouietist, Prototyp des Tsndenzlosen:«-Hakespeare. Er beschrieb mit michelangelesker Wucht, das ist wahr, aber... er beschrieb. Ein Ungeheuer an Kraft, ein gewaltiger ScböpferSmann, hieb er in die Welt hin, schuf sie noch einmal—• aber schuf sie nicht neu. Tolstoj hatte recht, ihn unsittlich zu nennen. Denn Wiederholen ist unnütz, kindisch, im titanischen Fall ruchlos: es kommt aus Aendern an. Ob ein Kunstwerk künstlerisch etwas tauge— mit dieser Frage wird fortwährend die weit wichtigere venvechselt: ob es etwas tauge. Ob ein Kunstwerk e!n>aZ tauge, entscheidet sich nicht danach, ob eS die künstlerischen Poraussetzungen erfüllt. Vielmehr wird erst, wenn eS diese erfüllt, da? Problem seines Wertes ernst. Eine llntersuchung über mittelalterliche?!echtsuckuuden ist Makulatur, wenn sie nicht nach wissenschaftlicher Methode verfährt; das weiß jeder RechtSgeschichtler. Verfährt sie dagegen wissenschaftlich, so erbebt sich— zwar nicht für die Rechtsgeschichtler, wohl für den Philosophen— das Problem, ob sie nicht vielleicht trotzdem Maku- latur sei; möglicherweise nämlich ist vor dem Denken Rechts« geschichte selber Makulatur. Ein wissenschaftliches Werk, das vor der Wissenschaft, oder ein Kunstwerk, da? vor der Kunst bestünde, besteht vor dem Geist noch lauge nicht. Diese lächerliche, geradezu negerhaste Nebsrschätzung der „Phantasie", der.Gestaltung", de?„Schöpferischen"! Lauter Mittel als Zwecke gesetzt— und Fetischdienst vor Klötzen! Was Groß« artige? ist denn ein.Gcbild"? Ein Spielzeug— falls es nicht die Schale eines Feuers, der Leib eines Geistes ist. Ziellose Klassizisten haben, nicht obne anmaßende? TicfsinnS« getu, als da? Merkmal großer Kunst die.kosmische Form" ver- kündet, die Eigenschaft der Werke, von der Subiektivität ihre? Schöpfers.abgenabelt" zu sein, Kugeln, um die sich herumgebn läßt, frei im Raum schwebende Körper. Außergewöhnlich flach! Die? Kosmische, das vielleicht die Wirkung eines Kunstwerk? tcch- nisch bedingt,— wie sollte es seinen geistigen Wert ausmachen wie sollte es ein Kriterium seiner Größe, auch nur seines Ernstes bilden, da doch die gedichtete Welt eines Irr- sinnigen gerad so frei von Ichresten, gerad so abgenabelt, gerad so Kugel sein kann wie die Welt Shakespeares! Für den großen.Künstler ist. daß er Künstler ist. Neben- fache; er dient dem Geist. Einmal Künstler, vermag er ihm nicht ander? zu dienen»der jedenfalls nicht besser als durch Kunst-- wirken, vurch Kunstwerke. Daß sein Werk äußersten Kunstwcrt habe— dies Lob muß ihn ansS äußerste beleidigen; diese An« erkennung. als unnebensächliche gespendet, beweist ihm, daß man ihn mißverstand. Man muß wissen, wozu man auf der Welt ist; dann weiß man «rnch. wie man Kunst zu beurteilen habe; dann kennt man den Maßstab. Kunst ist wenig, wenn sie nichts ist als Kunst. Es gibt Höheres als Kunst. Sie hat sich an ihrem Sinn deSinteressicrt und verödete; wir wollen ihr wieder einen Sinn geben. Wir verwerfen sie nicht, wir retten sie. Herabgeschändet zu Form und Spiel, er« hält sie von neuem Inhalt und Ziel. dle Löcken in öer Wohnungseinrichtung. Wer fetzt einen Hausstand giündet, der eine gänzlich neue Ein« richlung Verlangl, ist wahrlich nicht zu beneiden. Wenn man über- Haupt dos notwendigste zusammenbekommt, so muß es jedenfalls mit unverhältnismäßig hohen Preisern bezahlt werden. Es läßt sich voraussehen, daß diese Schwierigkellen auch nach dem Kriege nicht so schnell verschwinden werden, vielmehr dürfte zu dem WohnungS- mangel auch ein HauSraimangcl:« erhöhtem Grade eintreten. Da ist denn ein Vorschlag de» bekannten WohnungShygienikers Prof. Nußbaum in der Wochenschrifr„Umschau" von einleuchtendem Werl, der darauf abzielt, beide Mängel gleichzeitig zu mildern, wenn nicht zu beseitigen. Es müßte eben schon beim Wohnungsbau auf die Erschwerung der Mobiliarbeschassung Rücksicht genommen werden. Das kann einmal durch den Einbau möglichst zahlreicher Wandschränke geschehen, die auch noch den Vorzug haben, die Zimmer gegeneinander abzudilytcn, und zwar sowohl gegen Ab- iühlung wie gegen Geräirseve. Auch der Umstand, daß der Einbau von Wandschränken zur Entstehung lieser Fensternischen führt, kann den behaglichen Eindruck eine» Wohnraumes nur ver- mehren. Ebenso tritt der Fachmann dafür ein, datz die Waschtische durch den Einbau fester Waschvorrichtungen unnötig gemacht werden. Er geht aber noch darüber hinaus und wünscht, auch für Sitzgelegenheilen gleich beim Hausbau in ge« wisiem Umfanne Sorge zu tragen, und wer sollte nicht zustimmen wenn einer Auscrslebiing der ollen Ofenbank da? Wort geredet wird. Kann es etwas Gemütlicheres geben, als diese durch alte Ueberlieferung geheiligten Sitzplätze um den Ofen, zumal wenn dieser in einer Zeit der Heizstoffknaxvhcil schon an sich eine be- sondere Anziehungskraft aus die Familie ausübt?— Selbst bei der Anwendung von Zentralheizung werden sich Mittel finden, solche Bänke in gefälliger Form in der Nähe der Heizkörper anzubringen. Notizen. — Vorträge. In de? Urania schildert Dienstag. Don- verStag und Freitag der Prisenosnzie? z. S. Szielasko die Kaper- fahrten des Wolf und seine Taten. Sonntag. Montag, Mittwoch, Sonnabend:»Von der Zugspitze zum Watzmann."— In der Treptow-Sternwarte spricht Dienstag, 7 Uhr, Dr. Archen- bold über:„Unser Planetensystem", Mittwoch, 8 Uhr, Prof. Baschin über:„Land und Leute Deutsch-Ost- a f r i k a 5". — Eine Akademie für technisch« Forschung soll in Wien begründet werden. — Hermann Essigs Bild, von Erich Büttner sehr aus- drucksvoll gemalt, ist rn der Berliner Sezession neu ausgestellt. — Ter erst« skandinavische Espcrantokongreß soll im August in Gothcnburg lScpw«dcn) abgehalten worden. Außer Schweden, Norwegern und Dänen haben auch Deutsche, Ungarn, Russen und Holländer ihre Teilnahme angemeldet. — Turnen und V o l k? c r n ä h r u n g. Ter Chemnitzer Kriegsausschuß für Konsumenteninteresscn hat die Bc�ticksschul- mspektion ersucht, im gesamten Schulbetneb alle Leibesübungen. die körperliche Anstrengung erfordern, bts auf weiteres aus Grün- de» der Ernährung vom Lehrpia» abzusetzen.