iiiKufiliittl iilM iiiiiit Jilii i hiM�Cß ilw Ii Mifclfli iPiiii/iMifflsiyiiiiiiiaii, k ft 7-SÄj iiiiliyiiiMiiiii wmm ZZ. IahrgüNA. ❖ Nr. 27 Seilage Zum„vorwaets" Serlmer Volksbiatt Serün, 21. Mi m$ Ernst machen! Von Friedrich Stampfer. Ein scheinbar recht unbedeutendes Erlebnis meiner Partei- lugend hat sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt. Fast ein Vierteljahrhundert ist es her, daß ich als Student in einen Äreis älterer Parteigenossen in Leipzig eintrat, wo über Fragen Sachsens, des Reiches und der Menschheit eifrig disku- tiert wurde. Auf dem neuen Boden keineswegs sicher, vielmehr mich noch ganz als Lernender fühlend, hielt ich mit meinen An- sichten zurück und pflegte nur hin und wieder in die Unterhaltung eine Frage zu werfen, um mich so stufenweise auf der Leiter der Erkenntnis emporzuziehen. Eines Tages siel ich aber dabei fürchterlich herunter. Wir hatten über Wahlaussichten gesprochen und die Möglichkeit erörtert, es im Lande zur Majorität zu bringen— Sachsen war schon damals das rote Königreich— da wandte ich mich an die älteren Genossen mit der Frage: „Wenn heute oder morgen ein geschichtliches Ereignis uns die volle politische Macht in Sachsen verschaffte, wären wir dann imstande, aus eigener Kraft die Geschäfte des Landes weiterzuführen und seinen Uebergang zum Sozialismus vor- zubereiten?" Tie einzige Antwort, die ich erhielt, war ein einstimmiges Gelächter aller Anwesenden, so daß ich erschrak und glaubte, etwas fürchterlich Dummes gefragt zu haben. Ich habe dann sehr viel über diese Szene nachgedacht und ich muß, wie man f noch heute darüber nachdenken. Ich bin aber noch immer nicht darauf gekomnien, worin die Dummheit jener Frage be- stand, über die sich die erfahrenen Genossen damals so sehr bc- lustigten. In einer Schrift von Robert W i l b r a n d t über Karl Marr(B. G. Teubner 1918), die sonst eine begeisterte Huldigung für den großen Meister ist, lese ich den harten Satz:„Er ist schuld, wenn der heutigen Sozialdemokratie ein praktisches Programm des Sozialismus fehlt." Das scheint mir ungerecht, v" pabei die zeitliche Bedingtheit des Marxschen Werkes über- sehen wird, das uns nirgends verwehrt, von der Wirklichkeit der Gegenwart zur Wirklichkeit der Zukunft geistige Brücken zu schlagen, sobald die Zeit dafür reif geworden ist. Daß die Zeit dazu reif wurde, haben die Nachfolger und Schüler übersehen, und noch im Jähre 1992 finden wir Karl Kautsky im Vorwort seines Schriftchens„Am Tage nach der sozialen Revo- - ion" davon überzeugt,„daß es nicht unsere Aufgabe ist, Re- zepte für die Garküche der Zukunft auszuspintijieren". Noch icheint es— ein Jahr vor den Siegeswahlen von 1993— sträflich unmarxistisch, sich darüber Gedanken zu machen, wie es werden soll, wenn die Sache einmal ernst wird. Kautsky ist immerhin so weit gekommen, eine Darstellung des vermutlichen P aufs der Dinge(ans knappen 48 Seiten!)„für eine gute Denk- Übung" zu halten, glaubt sich aber immer noch gegen den Vor- Wurf des„Blanquismus" geschichtlich rückblickend entschuldigen zu müssen: „Als vor mehr als 10 Jahren die deutsche Sozialdemokratie ein neues Programm diskutierte, wurde vorgeschlagen, darin die Forderung von Maßregeln aufzunehmen, die den Uebergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Pro- duktionsweise vermitteln sollten. Damals war ich unter den- jenigen, die gegen die Aufnahme derartiger Forderungen auftraten, weil ich es für falsch hielt, der Partei jetzt schon einen bestimmten Weg vorzuschreiben für ein Ereignis, das wir uns gar nicht vorstellen, von dem wir nur eine dunkle A h n u n g haben können und das uns mit sehr viel Unerwartetem überraschen wird." Mittlerweile ist unter den Wetterschlägen des Weltkriegs in Rußland eine„Diktatur des Proletariats" verkündet worden, die nun schon acht Monate währt. In England hat die Ar- beiterpartei den bürgerlichen Parteien den Burgfrieden aufge- sagt, was soviel bedeutet, daß sie bei den nächsten Wahlen den ramps um die Mehrheit iiu Parlament und damit um die volitische Macht aufnehmen will. In Deutschland ist die Sozial- demokratie als die bei weitem stärkste Partei des Landes in den Krieg eingetreten, und nirgends sieht man Gedankenkräfte sich regen, die ihr den Vorrang bestreiten, ihr weiteres Wachstum verhindern könnten. Auch hier ist die Arbeiterklasse und mit ihr der Sozialismus als Parteigebilde auf dem Wege zur Macht. Rußland aber, das wirtschaftlich rückständige, ist in diesem Augenblick voraus. Mögen Rückschläge bevorstehen, jedenfalls hat es sich dort zum erstenmal in der Weltgeschichte e- eignet, daß ein großes Land von einer rein sozialistischen Re- gierung regiert wird, und zum erstenmal wird— unter den ungeheuersten Schwierigkeiten— die Anwendung sozialistischer Grundsätze ans die gesamte Gesetzgebung und Verwaltung per- sucht. Ueberflüssig fast zu sagen, daß uns die russischen Zustände, auch nach acht Monaten bolschewistischer Regierung, nicht als Paradies erscheinen, in das einzutreten uns drängt. Aber etwas a u res ist Rußland geworden,� ein„Probierland der sozialen Revolution" in weit höherem Maße, als Frankreich dies je ge- Wesen ist. Und so wenden wir uns heute�mit unfern Gedanken nach Rußland, nicht um kritiklos nachzubeten, sondern um zu lernen, ganz besonders auch, um aus den Fehlern zu lernen! Wenn die bolschewistische Episode einmal vorüber sein wird, werden ihr die Flüche der Bourgeoisie nachdonnern. Noch ganz nöers als die Kommune(Scherrs„Rotes Quartal") wird man sie zum Anlaß nehmen, ym aus ihrem Bild oder Zerrbild ein Abschreckungsmittel gegen„sozialistische Irrlehren" zu gewinnen. Der Sozialismus wird das überstehen, wie er das Poltern über die Kommune überstanden hat, weil er für die ungeheure Mehr- zahl der Menschheit nicht um ein Wollen, sondern auch ein Müssen ist. Wir müssen den harten Weg der Erfahrung gehen, der uns durch den beispiellosen Trümmerfall dieses. tzexengeflüfter. Und die gespenstischen Schicksalsreiter Auf den gelbschwarz getigerten Rossen Mit den gierig gebtähten Itüfiern, Die von giftigen Gasen dampfen, Sausen weiter, sausen weiter... Dumpf die Hufe vorüberstampfen, Und die Hexen des Schlachtfelds flüstern. Blulübergossen, Gerippehager, Lehnen zu Dritt sie am koken Tank, Der angeschossen Plump sich gewälzt und im Sumpf versank. Hungermager Flüstern die Schwestern und Schickfalssageri „Welt kokkrank! Menschen lüstern Vach Mord, Mord, Mord. Eisenhyäne, Zermalmende Zähne! Mord ist der Lord, Wahnwitz der Meister Ruchloser Geister— Gold-Kapitäne Schrein: Gott über Bord! Sinnlos Sein! Im Mutterschoß Mild behütet— Wild zerwület, Mehgersloß, Wuchs der Knabe zum Zungmann groß— Markverheerendes Menschheitslos! Feld der Lüge, Wahnesfeld, Zrre Züge Zeigt die Welt... Reckst verzerrt,> Wert entsiekt— Horcht, wie der Höllhund der Dämmerung bellt!" Tag erwacht Fahl zur Schlacht, Schauerlich flüstern die Schiasalsfraun Und zerfließen in Wacht und Graun. Karl Henckell. Krieges, durch Rückschläge und blutige Enttäuschungen schließlich doch zu einer höheren Stufe der menschlichen Kultur empor- führen wird. Ein Stück dieses Weges, und nicht� das unwichtigste, bildet das letzte' Jähr russischen Erlebens. Die Geschichte des Sozia- lismus wird aus einer Geschichte der Doktrinen und Parteien zur Geschichte der großen Weltereignisse. Und wichtiger als das hundertbändige Generalstabswerk über den Weltkrieg wird für die Zukunft der Menschheit die Kritische Darstellung des russischen Sozialistenregiments sein. Sie würde es selbst dann sein, wenn aus ihr nichts anderes zu lernen wäre, als wie es nicht gemacht werden darf. Denn„gemacht" werden muß es ja, denn es muß werden, und alles, was in der Geschichte wird, vollzieht sich durch das Medium des menschlichen Willens. Mit diesen allgemeinen Betrachtungen soll auf' die große Bedeutung der Erörterungen über Wert und Wesen der botschc- wistischen Reformen hingewiesen werden, die sich im„Vorwärts" und anderwärts entsponnen haben. Wir müßten nicht mit Leidenschaft begabte Menschen sein, wenn in diesen Erörterungen nicht schriller Anklage warme Verteidigung entgegenträte. Nur flnriilW rnitff.-n mir ima ffir frirt. firm in VrwTfh.-iTt+K.-rum w,!