Wkp- 35. Jahrgang. Nr. 30 Seilage zum �vorwärts" Serliner Volksblatt Serlin, 7?. Mgust791S Die frühen Gräber. 3m ööen Gefiiüe ihr Gräber, Ruhebetten für unfre Tapfern: ja, sie ruhn, Reih an Reih, unfre toten Sohne, Garben, zu Ssöen gestampft, ehe ste reisten. Huf durstigen Hügeln ihr Kreuze, Usberrsste von stolzen Säumen: wie entfetzt steht ihr da, bleich wie Geisterfcharen, streckt eure?!rme umfonst flehend ins Keere. G Völker, o dürsten doch endlich Zrauenhände euch lenken helfen! flch» wie reich, Vaterland, ständest du in Slüte, hielten die Mütter die Hand über dein Leben! SUchurd D e h m e l. Das Rgrarproblem der Türkei. Von Walter Oehme- Berlin. Tie neue kapitalistische Welle, die dieser Weltkrieg nicht nur den kapitalistisch wirtschaftenden Europastaaten bringt. die er auch in die nach patriarchalisch oder naturalwirtsckpftlich lebenden Orientstaatcn trägt, wird auch nach dem Kriege eine erneut verschärfte Netonung der W i r t s ch a f t s b c- Ziehungen der Staaten zur Folge haben. Mehr als früher wird die politische Haltung der Staaten zueinander durch die gemeinsamen oder widerstrebenden wirtschaftlichen Interessen ihrer Völker bestimmt sein. Alle politische weniger nach den beiden banalen Fragen orientieren müssen: Was kannst du mir liefern und verkaufen? Wieviel kannst du mir abnehmen und kaufen? Für einzelne Staaten Kontincntalcuropas, vor allem die Mittelmöchte, besteht infolge der Drohung eines offiziellen oder inoffiziellen Wirtschaftskrieges nnd der damit verbundenen Aus- schließmig von einem großen Teil des Rohstoffmarktes die(be- fahr, daß dieser akute Nohstoffmangel für längere oder kürzere Zeit chronisch wird. Ties kann aber eine schwere Gefährdung einzelner Industrien und somit der gesamten Volkswirtschaft be- deuten, der gegenüber unbedingt Abwchrmaßrcgeln notwendig sind. Es muß erwartet werden, daß der Friedensschluß uns in dieser Beziehung die notwendigen Sicherungen bringt; ober auch ohne die? ist es notwendig, daß wir uns unter den uns auf dem Landwege erreichbaren, nicht unter dem Einfluß der Entente stehenden Ländern nach solchen umschauen, die uns wichtige Rohstoffe liefern können. Da der Reichtum an mineralischen Boden- schätzen in der Türkei als gering angesehen werden muß, so liegt der Wert der dcutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen ganz auf den Rohstoffen landwirtschaftlicher Produktion. Diese liegt aber so danieder, daß die Türkei nicht einmal soviel Getreide erzeugt, als sie selbst braucht. Ihre Hebung ist nur durch eine energische Agrarreform zu erreichen. Die Bodenverhältnisse sind für die Landwirt- schaft in dem weitverzweigten Gebiet der Türkei sehr ver- schieden. Im allgemeinen kann der Boden, der reichlich Stick- stosf, Phosphorsäure und Kali enthält, als zienilich fruchtbar gelten. Dagegen liegen große Schwierigkeiten in den kli- m a t i s ch c n Verhältnissen, die die Niederschlags- mengen auf wenige Regenwochen zusammendrängen und gc- rade während des Wachstums und der Reife eine große Trockenheit bringen. Die Felder sind vor und während der Herbst- und Frühjahrsbestellung von FeuchtigkeitSüberfluß betroffen und leiden in den Sommermonaten ebensosehr unter der Dürre. Die Verteilung der Niederschlagsmengen durch natürliche oder künstliche Mittel ist ein wichtiges Mo- ment der Agrarreform. Insbesondere Kleinasien und auch Syrien haben früher im Altertum in ausgedehnten Wäldern große natürliche Wasserreservoire besessen, die die Nieder- schlagsmengen in ihrem Moosboden auffingen nnd nur lang- sam wieder weitergaben. Die Fluten der Völkerwanderung, das Eindringen der Nomadenvölkcr, die den Wald als ihren Herden hinderlich mißachten nnd zerstören, haben diese Re- servoire vernichtet. Die Aufforstung des Landes in großem Maßstabe ist eins der wichtigsten Probleme der Agrarreform. Einzelne Gegenden, insbesondere die Ebenen, die nicht in großen Flußtälern liegen oder sich doch weit vom Flußufer erstrecken, vor allem aber ganz Mesopotamien, bedürfen einer großen künstlichen Bewässerungs- a n l a g e, um landwirtschaftlich nutzbar zu werden. Zu diesen klimatischen Schwierigkeiten treten verwal- t u n g s t e ch n i s ch e, die eine gewaltige Erschwerung des Agrarproblems bedeuten: Das ist vor allem der auf der Land- Wirtschaft lastende Steuerdruck. Die Landwirtschaft bringt sechs Siebentel aller Steuereinnahmen auf. Nicht weniger als vier bis fünf Steuerarten belasten die Land- Wirtschaft. 1. Der Z eh e n t(Oscher), der früher ein Zehntel des Erntebruttoertrages ausmachte, wird jetzt mit 12,63 Prozent vom Bruttoertrage erhoben, das sind in nicht seltenen Fällen 46— 60 Proz. des gesamten Reinertrages der Ernte. Dazu tritt eine G r u n d st e u e r(Wergho), die zirka 4 pro Mille jährlich vom Werte des Bodens, der Pflanzungen, An- lagen, Materialien nnd Gebäude beträgt. Ferner ist noch das Vieh durch eine in den Wilajets verschieden hohe Steuer belastet. Eine Wege st euer, Forststeuer und B a u m st e u c r ans Olivenpflanzungen schließen den � reichhaltigen Kranz. Erschwerend tritt die Art und Weise der Beitreibung dcS„Oscher" hinzu. Diese Steuer ist n ä m l i ch v e r p a ch t e t und geht durch vier bis fünf Hände von gewissenlosen Spekulanten, bis das Recht der Beitrei- bung zum letzten Steuereinnehmer kommt. Da dieser das Recht der Abschätzung hat, da dgs Getreide guf dem Felde ungedroschen stehen oder liegen bleiben muß bis zu seiner Abschätzung und so nicht selten dem Verderben ausgesetzt ist, so ist der Landmann der Willkür und Habgier dieser Steuer- Pächter fast wehrlos ausgeliefert. Eine großzügige Steuerreform stellt das zweite Piisblem der Agrar- reform dar. Verkehrsprobleme reihen sich an. Noch bis kurz vor dem Kriege lag der Straßenbau fast ganz danieder. Selbst wenn der Fellache sich entschließen wollte, sein Getreide, seine Früchte mehrere Tagereisen weit nach der nächsten Bahn- station zu bringen, so fehlte es ihm an guten Straßen, denen sein schwaches Zugvieh gewachsen wäre. Es gehören also auch die Probleme der Verkehrsmittel in das große Agrarproblcm. Selbst die Frage der Arbeitskräfte bildet für die Türkei ein Problem. Sie leidet unter einem empfindlichen Mangel an Arbeitskräften. Große Strecken Landes liegen aus diesem Grunde unbebaut. Die fast unaufhörlichen Kriege der Türkei haben den Männerbestand ihrer Bevölkerung immer wieder dezimiert, und da die kraftvollsten Bauern, insbesondere Anatoliens, die besten Soldaten abgaben, so ist gerade dieser Bauernstand am schwersten durch diese Verluste betroffen. Jetzt erst kommen die Agrarprobleme im engen Sinne. Als den größten Mißstand pflegt man gemeinhin den Absentismus, die Abwesenheit der Groß- g r u n d b e s i tz e r zu bezeichnen. Diese sitzen in ihren Herr- lichen Schlössern und Parks am Bosporus oder Schwarzen Meer und verpachten ihre Grundstücke zu möglichst hohem Preise an einen Pächter, der wiederum den Besitz an mehrere kleine Unterpächter weitergibt, womit die Reihe in den meisten Fällen noch nicht geschlossen ist. So ist der Boden durch all die Pacht- gewinne von vornherein schwer belastet. Da etwa 66 Proz. oder mehr vom Boden Großgrundbesitz sind, so ist die Folge für die landwirtschaftliche Produktion in ihrem ganzen Umfange kaum zu ermessen. Das wirtschaftliche Problem liegt darin, daß der Großgrundbesitz nicht zugleich Großbetrieb, der Kleinbetrieb aber nicht Eigenwirtschaft ist. Die schwersten Schäden pflegt man allgemein in der nach europäischen Begriffen ganz rückständigen Ackerbe- ste l l u n g zu sehen. Ein Düngen des Bodens ist dem Fellachen fremd. Er bewirtschaftet seinen Boden nach dem System der Z w e i f c I d c r w i r t scho f t. Im ersten Jahr bilden Sesam oder Durrha die Hauptfrucht oder der Boden bleibt umgepflügt als Schwarzbrache liegen, um dann am Ende des Jahres für das zweite Jahr mit der Winterfrucht bestellt zu werden. Die B e st e l I u n g beginnt nach dem ersten ergiebigen Herbstregen im November-Dezember. Der Boden wird mit einem aus Holz gefertigten mit Elsenspitze versehenen Hakenpflug, den ein magerer Ochse oder Maulesel zieht, kaum 16 Zentimeter tief umgepstügt und bleibt so bis zum nächsten Regen liegen. Eine Egge ist unbekannt und ebenso wie das Zerschlagen der Schollen bei der geringen Furchentiefe unnötig. Nach dem nächsten Regen erfolgt die Einsaat, nach der nur selten mit einem stein- beschwerten Dornbusch nachgeeggt wird. Nach zlvei bis drei Monaten jäten Fronen nnd Kinder das Untraut. Im Juni werden mit Sicheln Weizen und Gerste in halber Höhe abge- schnitten, die Hülsenfrüchte mit der Hand ausgerissen. Das Getreide bleibt dann liegen bis zur Abschätzung durch den Steuer- Pächter, die sogar zumeist auf dem Halm erfolgen muß, wird erst dann auf den Dreschplatz gebracht. Hier wird es mit Hilfe de» Drehschlittens, eines steinbeschwerten, auf der Unterseite mit dm siebenten Kriegsjahr. Aus«nem 1931 erscheinenden Roman. Von T h. Thomas. Freundlich schien die Sonne über die Stadt, die von den sieben Kr-egSjahren hart mitgenommen war. Wer dies« Straßen, diese Häuser seit 1914 nicht gesehen hatte und sie jetzt betrat, den ergriff «S mit nes.m Wetz. Von dem Lickt getroffen, erwachte auch Hilde Deutsch. Rasch schlüpfte sie von ihrem Lag:? und ordnete ihr Haar. Da die Zöpfe längst militärisch erfaßt waren, brauchte sie sich nicht der Mühe zu unterziehen, längere Zeit aufs Flechten und Brennen zu verwen- den. Dann wart sie den Kimono über, wie er Pom stellvertretenden Generalkommando vorgeschvieben war. Er bestand aus einer Art Pappdeckelstoff. Unterwäsche wurde grundsätzlich verboten. Nach EinrlchtnngSge genständen sah man sich in diesem Raum, in d:m ein junges, kriegSgetrauted Paar wohnte, vorgeblich um. Wer in den' Stand der Ehe trat, bekam schon seit zwei Jahren von der MöbslauSgleichstelle nur die Anweisung auf eine Lagerstätte, di- ein„Bett" sein sollte, in Wirklichkeit aber einem Holzverschlag glich, wi« er vor Jahren zum Aufbewahren von Obst und Gemüse verwendet worden war. Der Inhalt der„Betten" bestand aus einem undefinierbaren Etwas, es erinnerte stark an Laubheu; nach Bett- Wäsche suchte man vergeblich. Di« alten Dcutschein auf ihrer Bären- haut hätten die Na.se gerümpft. Im übrigen wurde der Hausrat nur angedeutet. Da es an starben, Holz, Lelcn mangelte und die Preise ins Wahnsinnige ge- stieger. waren, bestand alles nur aus ungefügig zusammengesetzten Brettern. Die Vorderseite wurde mit einem Stosf überzogen, der, «ine Art Papierersatz, den Anstrich vortäuschen sollte. Alles machte den Eindruck de-r Unscmberkeit; das lag aber nicht an der jungen Frau, sondern am Mangel an Reinigungsmitteln. Die Menschen waren in sieben Kriegsjahren so daran gewöhnt, daß sie es gar nicht mehr empfanden, wi« sehr sie in die vorgeschichtliche Zeit zurück- geworfen morden waren. Die Zritungen, eS gab deren wegen der Papierknappheit nur noch amtliche, rühmten jeden Tag den Fortschritt in der Einfachkeit der LobenSwais«. ES wurden Preisausschreiben veröffentlicht, wie das Volk noch mehr sparen könne, um allies Ueberflüssige der Kriegs- llnrlfchast in den Rachen zu werfen. Hilde begann sofort die Hausarbeiten, die durch das General- kommando und den Mangel aller Hilfsmittel sehr vereinfacht waren. Inzwischen, war auch ihr kleines Mädel sehr lebendig geworden. Mama schraubte dem Schreihals die Bodcxola ab. Diese Ma- schine war als eine Heißlilftantage eingerichtet, sie zehrte jede Fench- tigkeit sofort ans. Da es keine Windeln, Leinen oder Wolle mehr gab, mußte alle Nässe auf chemischem Wege aus der Welt geschafft werden. Damit war auch die Seifenfrage gelöst; zur Reinigung der Haut und der Wäscherests verwandt« man den Vagum. Klein Elschen verlangte ungestüm nach Essen. Die Anordnun- gen der Militärbehörden lauteten zwar, daß vor morgens 9 Uhr das„erste Frühstück" nicht eingenommen werden dürfe, aber Elschen konnte leider nicht lesen. Das Kind vollführte ein Geschrei, alz ob es noch im Jahre 1913 lebe und nur auf den Klingelwagcn zu warten brauche. Milch gab es übrigens schon längst keine mehr. Was in der Stadt durch Selbstgewinnung erzeugt wurde, war beschlagnahmt. ES wurde gebraucht zur Aufzucht für Kleinvieh auf dem Lande. Nachdem die Städte mehr und mehr Bereitung und Förderung der Lebensmittel auf chemischem Wege durchführten, ging die Land- Wirtschaft dazu über, alle derart erzeugten Lebensmittel zu bcschlag- nahmen, dainit sie gleichmäßig verteilt würden. Man muß es den ländlichen Grundbesitzern lassen, daß sie dabei mit mehr RücksichtS- losigkeit und Strenge vorgingen, wie umgekehrt in den ersten Kriegsjahren die Städte auf dem Lande. Um den Kindern die Maßregel der Lebensmitteleinschränkung in den ersten Jahren weniger fühlbar zu machen, bekamen sie ein Runkelrübenextrakt„Kuhfutter in der Tüte", was schon vor 9 Uhr morgens genommen werden durfte. Elschen erhielt ihren Morgentrank, den sie, wie immer, mit Händen und Füßen strampelnd, gewaltig schreiend ablehnte. Inzwischen war es Zeit geworden, die fälligen Lebensmittel zu besorgen. Wie im Amtsblatt stand, sollten heut«, weil es der Jahrestag der Einnahme von Lüttich war, pro Kopf vier Pasteten verteilt werden. Das waren klein« unscheinbare Kügelchen, die es aber„in sich hatten". Darin war für einen Du rch schni tt Zmen fchjn der Bcdarf einer Mahlzeit eingedampft. Sie enthielten seinen An- teil an Fleisch, Fett, Eier, Kartoffeln und andere Nährwerte in Wcstentaschenformai. Dadurch war mit einem Schlag die Massen- speisungSfrage gelöst. ES gab eine Morgenkapsel um 9, um 2 Uhr die für Mittag, in der ein sogenannter Sättigungsgang orn halten war. Um 7 Uhr schließlich kam da» Abendbrotkügelchsn an die Reihe, in dem zur Vorsicht gleich eine Dosis Schlafpulver gemischt wurde, falls sich d« M»»e*»it d« Menge«n sich nicht zufri«d«r geban soZste. Die Einfachheit der neuen Nährweise erspart« Kohlen, Gas und Arbeitskraft. Die Mägen wurden kleiner, der Mangel m Lebensmitteln dadurch weniger fühlbar. Die Anbaufläche brauchte nicht mehr so groß zu sein, auf dem Lande konnten dafür Munitions- fabriken errichtet werden. Aerzte und ander« Sachverständige bewiesen, daß die Speise- kügelchen in Zukunft nur noch die Hälft« an Nährwerten zu haben brauchten, da sich die VerdauungSorgan« dem neuen Austande an- Passen, die kommende Generation also schon mit entsprechend zurück- gebildeten VeodauungSwerkzaugen zur Welt kommen werde. Statt 3309 Wärmeeinheiten, die vor dem Kriege nötig gewesen waren, hatten die Sachverständigen bereits 1916 2399 als ausreichend er- klärt; im Jahre 1919 wiesen sie nach, daß davon 184ö vollkommen ausreichen. Die Rechnung stimmte. Da die Menschen von Monat zu Monat leichter und dünner wurden, brauchte der kümmerliche Erdenkest natürlich immer weniger zu seiner Erhaltung; die Küg-t- chcn konnten wiederum kleiner lverden. Frau Deutsch verließ die Wohnung. Zunächst muhte sie ihren Schreihals in der Kinderkrippe abgeben, damit sie ihrer Zivildienst- Pflicht genügen konnte. Die Straße, die sie betrat, war still und verträumt. Kein Wagen, keine Straßenbahn störte die Ruhe; woS Rädvr hatte, war längst für den Kriegsbedarf nutzbar gemacht. An den Häusern fehlte seit Jahren der Mörtel und die Farbe. Die Hausbesitzer ließen grundsätzlich nichts erneuern als die Mietvorträge, und diese auch nur, um zu steigern. Die Häuser sahen aus wie verfallene Ruinen. Glasschoiben wurden nicht mehr ergänzt; Gardinen, Vor- hänge waren längst vom Bekleidungsamt eingezogen. Jetzt traf auf alle Häuser zu, was Schiller vorausahnend verkündet hatte: „In den öden Fensterhöhleu wohnt-das Grauen.. Hilde Deutsch erhielt in dem Geschäft durch den Beamten acht Kügelchen für sich und daS Kind. Sie kosteten das Stück 2 Mark. Sie war von der Höhe des Preises nicht überrascht, sie wußte, daß davon der Staat, der das Allsi nve rkaussvecht hatte, die Hälfte be- kam. Er brauchte sie zur Tilgung der KriegSschuldzinfen; man war eben bei der 251. Milliarde angekommen... Die Frau bezahlte mit einem Gutschein ihres Postscheckkontos, das jetzt, um Bargeld zu sparen, jeder Bürger haben mußte. Alle Zahlungen gingen nur über dies Konto. Auch die Steuern, die riesig gewachsen waren, wurden gleich von dem Guthaben erhoben, wodurch man eine Maffe Gerichtsvollzieher ersparte..« (Hier weigerten sich die Setzei weiterzusetzen. Fortsetzung folgt?) fTcinen Steinen besetzten Brettes, das von Tieren auf der Getreide umhergewälzt wird, ausgedroschen. Das Stroh wird dabei sogleich zu Häcksel zerrieben. Nach ganz alttestamentarischcr Sitte wird das Getreide dann init Wurfschaufeln gegen den Wind geworfen, so daß sich das Korn von der Spreu scheidet. Wieder bleibt das Korn liegen bis Steuerpächter und Ober- Pächter ihre Anteile eingezogen haben. So rückständig diese Art der Bewirtschaftung uns erscheinen mag, so sehr ist sie doch den gegebenen Verhältnissen angepaßt. Es ist notwendig, zur Hebung der Produktion diese Bestellnngsweise zu niodernisieren, aber es genügt dazu nicht die Einführung maschineller Acker- gerate, sondern eine völlige wirtschaftliche llm- gestaltung vom orientalischen zum europäi- s ch e n W i r t s ch a f t s s y st c ni i st erforderlich. Tarin liegt das größte und schwerste, aber auch aussichtsreichste Pro- blem der Agrarreform._ IrterienverkaltunA unö öeren Gefahren. Don Dr. msd. L. Reinhardt. Die Arteriosklerose oder Arterienverkalkung ist eine Krankheit der Kultur und des Alters. Die zahlreichen Anforderungen an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, Mühe und Sorge, Ver- daist und Aufregungen, wie sie da? Leben und der damit verbun- dene Kampf ums Dasein mil sich bringen, manche ansteckende Krank- heiten, Störungen des Stoffwechsels, wie vor allem Gicht und .stuckerbarnrubr, chronische Vergiftungen mit Blei, Alkohol und Ni- kotin, Unmäßigkeit im Essen und Trinken, allcS das nebst manchen anderen weniger klar erkennbaren Ursachen kann zur Artcrienver- kalkung führen. Direkt oder indirekt wird hierbei durch Bcrmitt- lung deS abnorm hohen Blutdrucks zunächst die Elastizität der Ar- terien geschädigt. Es schwindet in ihrer Wandung mehr und mehr das elastische Gewebe, und es wuchert dafür das Bindegewebe der Intima oder Juncnhaut. Diese Veränderung findet sich über weite Strecken der Artcrienw�ndunaen verbreitet, oder sie tritt nur in einzelnen Herden in Form größerer und kleinerer weistlicher Verdickungen der Jnnenhaut auf. Diese bilden über das Niveau der normalen Intim« oder Jnnenhaut hervortretende Erhebungen von glatter Oberfläche. In solchen arteriosklerotischen Herden, die sich in verschiedener Aahl sind Verbreitung von den Aortenklappen angefangen bis in die feinsten Arterien erstrecken können, entartet dann das gewucherte Bindegewebe der Intima hyalin lgallertigi und fettig, es bilden sich wcistc schollon von abgestorlbenen Gewcbsmassen, die man als A t h e- r o m c bezeichnet. Diese können in das Innere der Arterie durch- brechen un>d so zu besonderen Geschwüren führen. Diese Erwei- chungsherde in den Arterien können durch Selbstbilfe der Natur, um so die geschwächte Wandung der Ader zu verstärken und sie vor dem Plate n zu schützen, durch Einlagerung von Kalkmassen form- liche Kalkplatten bilden. Dabei erscheint die muskulöse Mittelschicht mit quer zur Richtung des Gcfästcs gelagerten glatten Muskelzellen entweder unverändert, oder auch sie enthält narbig ausschauendes Gewebe, ja selbst Kalkeiulagcrungen zur Verstärkung der Wan- dung. Durch alle diese sklerotischen Veränderungen wird die Wandung der Arterien lokal verdickt und verliert in zunebmendem Mäste ihre Elastizität. Die verengt sich einerseits und kann so zu völligem Verschluß des Gesäßes mit Absterben der v»rh-r von ibr ernährten GewobSpartien, meist größeren Teilen von Ertremitäten, führen, was man gewöhnlich als„Altersbrand" bezeichnet. Andererseits werden die erweichten und zu einer weißen Schmiere, dem Atherom, veränderten Partien der Schlagaderwandung durch den Druck des Blutes, das durch sie hindurchfliestt, mehr und mehr erweitert, bis schließlich die aufs äußerste ausgedehnte, widerstandsloso Wandung platzt und das unter starkem Druck stehende Blut austritt und die benachbarten Gewebe infiltriert oder, wenn sie weich sind, wie im Gehirn, diese zerreiht und so schlimme Verletzungen bewirkt. Solche durch atheromatöse Entartung bedingte lokale Erweiterungen von Arterien bezeichnet man als Aneurysmen. Solche Anenrys- men bon oft großer Ausdehnung kommen am häufigsten an der großen Scklagader oder Aorta der Brust vor. Sie können ssch aber auch aus die Verzweigungen dieser Schlagader erstrecken; doch sind die Säcke, die sich an diesen kleineren Arterien bilden, lange nicht so umfangreich. Unter den Aneurysmen de? kleinen Arterien nehmen diejeui- gen des Gehirns den weitaus wichtigsten Rang ein. An den Gesäßen der Gehtrnbasi? erlangen die sackartigen Formen durchschnitt- lich die Größe einer Erbse bis einer Dohne. An den kloinen Ar- tcricnästchcn sind sie entsprechend kleiner und an den kleinsten oft nur mit dem VergrößerunisilaZ zu finden. Wird nun gelegentlich durch irgendwelche Einwirkung«der Blutdruck erhöht, ko platzt ein solches Aneurysma, das Blut ergießt sich in daZ umgebende weiche Gehirngewebe und es kommt zum sogenannten Gehirnschlag oder Scklaganfgll. der Avoplerie, die meist ziemlich rasch zum Tode führt, wenn die Gehiriiblntung und die dadurch gesetzte Zer- störung des Gehirn? eine ziemlich ansgedebnte war und besonder? lebenswichtige Partion betraf, im andern Falle aber zu mehr oder nwniger ausgedehnten Lähmungen de? Gesichts, der Junge, der Sprache und" der dem DlutungSkcrde gegenüberliegenden Körper- üälfte führt. In den gelähmten Extremitäten stellen sich später fast immer Lähmungen ein, die zu Verkrümmungen fiihrnn Die gelähmten Muskeln verkümmern und schwinden dabin infolge« ihrer Untätigkeit. E-Z bildet sich mehr und mehr«ein geistiger Zerfall bis zur ausgesprochenen Gehirnerweichung mit vollständiger Berblö- dung. Schließlich wird durch weitergebende Lähmnngen und allge- ■meinen Körpcrverfall der Tod herbeigeführt, der in diesem Fall als Erlöser von schwerem Leiden zu begrüßen ist. Eine durch Arteriosklerose aneurhSmatisch erweiterte größere Arterie kehrt niemals wieder zur Norm zurück, tm Gegenteil: die Erweiterung steigert sich nach iln«Ä nach und mit ihr nimmt die Verdünnung der Wand zu, indem die Wucherung der Jnnenhaut und die in der Umgebung auftretend« Entzündung mit kleinzelliger In- filtratiou für das verloren gegangene Wandgewebe keinen genügen- den Ersatz zu schaffen vernurg. Die Folge davon ist, daß schließlich da oder dort der aneurhsmatische Sack berstet und ein« tödliche Blu- tnng entsteht. Gegen diese? Bersten bilden die an der crkranklen Gefäßwand sich nasch und nach niederschlagenden Blutgerinnsel, die man als Thromben bezeichnet, nur einen sehr ungenügenden Seteitz, da nicht selten da? Blut sich wieder zwischen Thromben und Gefäßwand durchwühlt. Auch treten nicht selten Erweichung, Zer- fall. Verflüssigung der gebildeten Thromben ein. Nur ausnabms- weise erfolgt ein« Verkrsidung durch Ablagerung von Kalksalzen. Durch zuuehnieude Thrombosierung kann aber schließlich eins Ver- stopfung des Blutgefäßes enistehen, die zum Absterben der peri- phereu, vormals von dem betreffenden Blutgefäß ernährten Gebiete führt, was man als Brand bezeichnet. Bei der außerordentlichen Verbreitung de- arteriosklerotischen Prozesses bei den älteren, sicb gerne cm Tabakg-nnst und der Ver- tilgung von geistigen Getränken erffauenden Männer ist es ein Wunder, daß' die Steigerung des arlerielley Druckes bei der Ar- tevienverkalkung nicht allgemeiner ist. Die? ist ein sehr günstiges Moment bei der ganzen Sachlage, da dadurch das Platzen der Blut- gefäße weniger leicht eintritt. W«r? der Blutdruck in allen Fällen von Arteriosklerose gesteigert, so müßten s»r viel leichter tödliche Blutungen durch Platzen der entarteten Gefiß wände eintreten, als dies gemeinhin der F«! ist. Die arterioskler«tische Erkrankung der kleinen Schlagadern fuhrt in Verbindung mit dem meist zum Schutze de? Körpers vor Verblutung herabgesetzten Blutdruck zu einer mongolbaften Blutversorgung und damit zu Entartungen und Funktionsstörungen der betreffenden, nur sehr ungengwend ernährten Gewebszellen. Di«? ist besonders-beim Herzen der Fall. Durch«llmählich« Perschließnng von Arsten der Sratijarttmrt des Herfens bilden sich anämistte Verstopfungen.»us, di« hcAm«»fchimriKiien«ni«uWvs-se»«« Muskelfasern«erden durch B»ndes««webe ersetzt. So entstehen Narben- masseu i« H«»znursk«l, fei« man«15 Herzschwielen bezaichnet. Dadurch wird die Fätzizkeit des Herzmuskel», sich zussmmenzu- ziehen, gleich wie auch der Tonus der Herzwand beeinträchtigt. Sie kann sich verdünnen und durch«den Blutdruck cruswoiten, was man als HerzaneurySma bczeichuer. Das ungenügend ernährte Herz kann seine Arbeit nicht mehr richtig leisten: es bilden sich äußerst bedrohliche Anfälle von Herzasthma, die schließlich zu Herzstillstand und Tod«durch Herzschlag, nnr ausnahmsweise zum Platzen des verdünnten und lokal ausgobuchteten Herzens führt. Auch kann der Herztod durch Verschluß«des Haupfftammes oder eines größeren Astes einer Kranzarterie herbeigeführt werden. Weiterhin kann durch Arteriosklerose der Nicrenarterien eine chronischg Entzündung und schließlich!: Schrumpfung der Nieren bewirkt werden. Ist auch die Ausscheidung von Eiweiß meist eine geringfügige und Mir bei Körperbewegung eine stärkere, so kann doch unvermutet eine Urämie oder Harnvergiftung auftreten und zum Tode führen. Jedenfalls ist daS eine hier hervorzuheben, daß die Nieren bei Individuen mit Arterienverkalkung viel häufiger er- krankt sind, als gewöhnlich auch von Aerzten angenommen wird. Ebenso haben wir gar nicht selten Symptome von vagen Beschwer- den und Blutstauung in den Unterleibsorganen. Namentlich auf- fallende Leberschwollungen sind recht häufig schon frühzeitig vor- banden, besonders bei Leuten, die zu viel und zu gut aßen und tranken. Au alledem kommen noch durch Erkrankung der Gefäße in den einzelnen Organen die verschiedensten Krankheiitssiimptome, ans die hier nicht eingegangen werden kann. Zahlreiche Beschwerden älterer Leute sind direkt darauf zurückzuführen. Namentlich für die Eni- stehung von sonst ungewohnten Kopfschmerzen und immer stärker auftretenden Gehirnstörungen spielt die Arteriosklerose eine be- denkliche Rolle. Ganz abgesehen von Mißbrauch geistiger Getränke und des Tabaks sind durch die gemütlichen Aufregungen und die geistige Ueberarbeitimg die Männer viel mehr als«die Frauen zur Ärterienverkalkung vorbestimmt. In der Regel schreitet die Krankheit unaufhaltsam weiter, aller- dings bei verschiedenen Menschen verschieden schnell und nicht selten mit langen Stillständen. Dabei wird durch die Erkrankung der ver- schiedene-n Organe das klinische Bild der Arteriosklerose ein außer- ordentlich mannigfaltiges wie bei kaum einer anderen Krankheit. Doch bleiben die Gründe, aus denen im Einzelfalle sich gerade eine starke Verkalkung bestimmter Arterien entwickelt, in der Regel dunkel. Oft wird die Sache begünstigt durch eine ausgesprochene Familienanlage. Die Veränderungen der Gefäße können lange Zeit ganz symptomlos verlausen, bis dann gelegentlich, für den Betreffenden ganz unerwartet, ui«hr oder weniger schnell irgendwelche Krank- heitserfcheinungen auftreten. Diefe können vorüber gehen, kommen aber leicht wieder und nehmen begreiflicherweise entsprechend den anatomischen Veränderungen der betreffenden Gefäßwände an In- tensität und Zahl zu. Wcchselvoll und unerwartet folgen sich die einzelnen Symptome. Nicht allzu selten tritt Tod an Herzasthma ohne schwere Vorboten ein. Die Diagnose sKrankheitsbestimmung) muß zunächst fest- stellen, daß Arteriosklerose besteht, was am einfachsten durch sorg- fältiges Befühlen sämtlicher von außen zugänglicher Arterien ge- schiebt. Allerdings ist aus Veränderungen(Härte der Wandung und Schlängelung) der äußeren Arterien nur mit großer Borsicht auf solche der inneren zu schließen. Speziell für das Herz kommt es darauf an, ob di« vorhandenen Erscheinungen sich«durch Sklerose «der Kranzarterien oder periphere Gefäße erklären lassen, oder durch irgend welchen anderen Umstand. Im Anfang handelt es sich vielfach um Abgrenzung gegen nervöse Herzbeschwerden. Jedenfalls muß eine genaue Untersuchung von Herz und Nieren vorgenommen werden. Die Behandlung hat bor allem ans Verbesserung dar Lebensverhältnisse der an Artcrienverlalknng Erkrankten zu dringen und hauptsächltch alles das zu entfernen, waS die Weiterentwicklung der Gesäßveränderuugen befördern könnte. Mäßigkeit in allen Dingen ist durchaus notwendig, am«besten sckon zu einer Zeit, bevor noch ausgesprochene Symptom: von Arteriosklerose vorhanden sind. Dies ist aber selbst bei schon schwer Erkrankten meist sehr schwer zu ■orreichen, weil die ärztlichen Vorschriften gerade hier in vielen Fällen mit tief eingewurzelten, fast nicht mehr.auszurotteuden Ge- wohn heiten des Kranken in Kollision kommen. Vor allem sind die geistigen Getränke ganz zu vermeiden und ist das Rauchen auf ein Mnimum einzuschränken, besser auch ganz zu lassen, ebonfo daS höchst unzweckmäßige Essen von viel scharfgewürzten Fleischsorten. Ersatzstoffe aus öem pstanzenreich. Von Dr. E. U l b r ich Ein gelindes Grauen überläuft einen, wenn man das Wort „Ersatzst»ffe" hört. Schauerlich ist in der Tat, was in der Hexen- küche der Ersatz-Nährmittel-Jndüstrie uns einfach zugemutet wird. Darum fort.mit solchen Präparaten, schaffe dir selbst an der Qualle, was du brauchst. Diese Quelle ist die Natur, unsere heimische Pflanzenwelt. Vieles bietet sie uns für unseran Haushalt dar und verlangt keine Wucherpreise. Welche Fülle nutzbarer Pflanzen unsere Heimat birgt, zeigt uns ein Blick in ein Werk: L. Diel?, Ersatzstoffe aus dem Pflanzenreich, ein Hilfsbuch zum Erkennen und Verwerten der heimischen Pflanzen für Zweck: der Ernäh- rung usw., bearbeitet von L. Di«IS. E. G« lg. P. Graebner, H. HarmS, Th. Loesner, E. U l b r i ch. sämtlich vom Botani- scheu Garten und Museum in Berlin-Tablem. Das Buch, ein stattlicher Band von 418 Seiten, ist mit 412 Abbildungenjim Text reich auSgestaitt-t, im Verlage von/E. Schweizerbart in Stuttgart 1918 erschienen und kostet 19 M. Die Knappheit aller Rohstoffe ist di: Folge von Englands Plänen, uns durch Hunger und Mangel an Rohstoffen auf die Knie zu zwingen. Es war ihm wohl bekannt, welch außerordentlich große Menge an RohstoiK-n wir v»r dein Kriege aus dem Auslände bezogen, um unZ zu ernähren, zu kleiden und unser Leben zu fristen. Uns war g«? nicht mehr zum Bewußtsein gekommen, wie sehr wir in unserer Lebensführung vor dem Kriege vom Ausland« abhängig geworden waren. Wenn wir uns für«wenige Grifchcn Palmin, Palmona, Palmitin, Licht-, Fett. O-l- usw. kaufen kennten, so schien unZ die? ganz selbstverständlich. Die Waren .standen uns in Fülle zur Verfügung. Daß die Rohitofse hierzu so gut wie vollständig anZ dem Auslände stammten, daran dachte bei"uns kein Mensch. Von Fetten, Orlen, Butter, Schmalz und anderen hochgeschätzten„Fettigkeiten" stammte weitaus meiste direkt oder indirekt aus dem Auslände und ans unteren Kolsnien. .Wenn wir im Lande unseren Bichstawd in beiwritender Höhe halten und gut ernähren konnten, so war. dies nur möglich durch die Ein- fuhr ganz gewaltiger Mengen von Futtergetreide und Kraftfutter. Jetzt muß das im Lande erzeugte Getreide die Menschen ernähren, und auch die Kartoffeln, die wir bei uns ernten, müssen ietzt aus- schließlich für die Ernährung«der Menschen bleiben. Vor dem .Kriege konnten ganz bedeutende Mengen cm das Vieh verfüttert oder zum Brennen verwendet werden. Noch stärker war unsere Abhängigkeit vom Auslände bei der Herstellung unserer Kleidung und sonstiger.Web- und Wirkwaren gewovden. Alljährlich zahlten wir mehr als zwei Milliarden Mark für Dextilrohstofte an das Ausland. Baumwolle'.nächst bei sins nicht: trotzdem bestand und besteht unsere Kleidüng größtonteftZ aus Baumwolle. Flach? und Hanf und andere Faserpflanzen waren bei unS fast verschwunden und unbekannt. Wenn wir gedankenlos einen Bindfaden zerschnitten, dachten wir gar nicht daran, daß die Fasern dieses Bindfadens von Pflanzen avS dem formten tropischen Asien stammten. WaS wir an W»ll.e verbrauchten, stammt großen- loilS aus Südamerika und Australien. Unsere Schafzucht war von blühender Höhe der 79er Jahre ständig stark gesunken, so daß sie nur einen verschtvindend kleinen Teil des Inlandsbedarfs zu decke« vermochte. Darsim mußte die Absperrung von See ber sich in de? Bekleidungsindustrie ganz besonders empfindlich bemerkbar matten. Auch von Obst und Gemüse bezogen wir außerordentlich große Mengen aus dem Auslande, namernlufi auS Amerika lAepfel), Italien(Apfelsinen, Zitronen usw.), den Balkanländern(Pflaumen, Wein). Tropische» Obst(tzkananen, Datteln, Feig««) kamen in Metraen zu sins. All die? fehlt uns setzt. Außeaaihentkich große Menge» Fleisch und Fisch liesert» uns daS Ausland und die See. Darum glaubte England mit Hilfe der klbspcrrung von allen diesen Quellen uns niederzwing«:« zu können. Daß ihm dies nicht gelungen ist und nie gelingen soll, das verdanken wir dem mächtigen Willen des deutschen Volkes, durchzuhalten. Willig hat das deutsche Volk große Einschränkungen als KrtogSnotwcndigkcit ertragen. Wenn wir das, was uns die Heimat bietet, richtig ausnutzen, dann wird England nie sein Ziel erreichen. Daß manches fehlt und an- deres knapp ist, kann unter diesen Verhältnissen nicht wunder nehmen. Zu verhungern brauchen wir deshalb nicht. Daß«die Erfassung und gleichmäßige und sinngemäße Verteilung der im Lande gewonnenen Lebensmittel und bor allem die pflegliche Bc- bnndlung derielben manches zu wünsch««« übrig läßt, das kann allerdings nickst geleugnet werden. Darum hilf dir selbst, so gut du kannst! Wenn eS an Gemüse fehlt, können uns beimische Irfld- wachsende Kräuter auSbelfen: reckst schmackhafte Gerichte geben uns die Melden, kleine Nesseln(die große Nessel soll der Faser- Nutzung vorbekalten bleiben), Hopfenschoss«, Giersch, Wegerich, Huf- lattich, Sternmiere. Hedrich, Ackersenf u. a. Als Salate sind ge- eignet Brunnenkresse, Schaumkraut, Bachbunze, Rapünzchen, Gänse- blumeublätter. Löwenzahn(„Butterblume") u. v. a. Einer Pflanze sei besonders gedacht: der Erdschocken, einer Verwandten unserer Sonnenblum«, die ffdoch nicht blüht, deren kartonelähnliche weiße Knollen ein wohlschmeckendes und nabrhaftes Gemüse ergeben da? um so wertvoll:? ist. als eS ganz obne Fett zubereitet werden kann. Der Ertrag ist außerordentlich groß (20- bis 30fach d. h. 1 Pfung Saatknollen ergöben 29— 39 Pfund Ertrag). Die Blätter sind als Ziegen- und Kaninchenftitter sehr ioertvoch Da die Knollen b:i dieser Art, die nicht verwechselt wer- den darf mit einer nahen Verwandten, die als Heliantbi bekannt ist, lange rot: Knollen besitzt und stark verwildert, alle«dicht unter der Staude liegen, verwildert sie nicht so leicht. Die Knollen läßt .man über Winter in d:r Erde. Sie balten den Frost gut aus. Wegen ihres«eggigen dichten Wuchses sind die Erdschockcn als Hecken im Kleingarten sehr empfehlenswert. Gedacht sei besonder? auch der Pilze, die uns eins wohl- schmeckende und nahrhafte Kost gewähren. Der schändliche Wucher, der auch mit«diesen Lebensmitteln jetzt ans den Märkten getrieben wird, müßte schleunigst Unterbunden werden. Auch außer der Kartoffel und dem Gettetde liefert uns die heimische Pflan«-:nw:lt M-bl zur Streckung unserer Vorräte, z B. aus«den Wurzelftöcken des Rohrkolbens, der Seerosen oder auch ans Früchten und Samen, wie Eiche, Kastanien, Schwaden, Knöterich, Trespen, u. a. Als Futtermehl können wir durchaus mit gutem Erfolae Strohmehl, Holzmehl, Heidekrautmehl u. a. verwerten. Auch Oelpflanzen bietet die Heimat::Lsin, Hanf, Mobn, Raps, Rübsen. Senf, Sonnenblumen, Walnuß, Haselnuß Buckeckern n. a. Ersatz für Kaffee liefern uns außer Getreide die Zuckerrüben, Mobrrüben. Schwarzwurzeln, Zichorien, Spavgelsamen, Eicheln, Weißdornfrucht u. b. a Am leichtesten können wir un? Teekräuter für unseren.Haus- halt sammeln: besonders luertvoll sin«d junge Blätter aller Erdbcer- arten, Brombeeren, Himbeeren, Rosen, Kirschen, die Blätter von Linden, Holunder u. v. a. Viele dieser Arten kommen auch als Ersatz für Tabak in Frage. Gewarnt sei vor Verwendung von Tabak aus Waldmeister, der nur als scharfe Beimengung zu anderen Blättern verwendet werden darf. Damit ist die Zabl der Ersatzstoffe liefernden Pflanzen unterer Heimat nickt«etwa erschöpft. Nur eine ganz kleine Auswahl ist ge- nannt. lieber die Fülle der verwertbaren Arten gibt das genaunke Buch jeden gewünschten Aufschluß. Die Bearbeitung der einzelnen Abschnitte durck besonder« Fackckenner hat ein Werk erstehen lassen, das zwar als Kriegskind geboren, dock auch in Friede*?zeite ein wertvoller Helfer und Berater in Schule und Haus bleiben wird. Daß uns die heimische Pflanzenwelt auch in ber Bekleidung?- not belsen kann, lehrt ein Blick in den Abschnitt über„Fasern" des ErsatzstoffbncheS. Diefe Fragen wurden erst kürzlich(Sonntag, den 28. Juli, Nr. 205, 1. Beilage) von Hermann Krätzig hier ein- gehend besprochen._ Leben! Erst der Krieg mußte kommen, um uns den Wert des Lebens zum Bewußtsein zu bringen! Aufgerüttelt von seiner Bestialität, entsetzt von dem Ab- grund, auf dem wir seit Jahren balanzicren, angeekelt von der übertünchten Zivilisation, beklommen von der charakterlosen Habgier unserer täglichen Umgebung, stehen wir auf Trümmern unserer hochgepriesencn Kultur— und auf Bergen von Leichen— Ach, wie schnell wird, und das Ringen inuß ja doch einmal ein Ende nehmen,— alles in seine alte Bahn kommen, mit dem Talmi der Gesinnung und dem Talmi der Versöhnung. Es kommt schon wieder ins Geleise nach außen hin. Wir werden wieder sehen, wie die Völker, die sich zer- fleischten, miteinander handeln, wie die Zeitungen rosenrote Töne anschlagen, wie die Hetzer abwiegeln und wie sich die Mon- archen auf ihren Bcsuchsreiscn wieder mitten ins Gesicht küssen werden. Nur eins fehlt, das sind die Hundert— Hundcrtauscnde, deren Blut hat fließen müssen. Warum, wofür? Und. darum. Menschen, gilt nichts höher, nichts erhabener wie das eine. Nichts erreicht es: das Leben! Nacktes Leben, bloßes Leben,— aber leben, leben, leben! Und darum Ihr, die Euch der Krieg beschützt, dürft Ihr noch jemals mit einem Finger nur den Nächsten Böses tun? Was gelten die Sorgen des Alltags, die kleine Frage der etwas besseren oder schlechteren Ernährung, wenn alles lebt? Ihr Mütter, nehmt Ihr nicht Euren Sohn zurück mit offenen Armen, wenn er auch menschlich fehlte, nur leben, leben soll er. Ihr Frauen, seid Ihr nicht beglückt zu hören. Euer Mann, gefangen ist er bei den Feinden, dock er lebt, er lebt! Ihr Kinder, kann der Vater Euch nicht alles sein, wenn ihn de? Krieges Blei auch arg verwundet hätte? Ihr Menschen alle, ach wie reich seid Ihr, nur daß Ihr lebt!■ Ihr, die Ihr nicht gegeben habt das Beste und das Teuerste, das Herrlichste und nie mehr Wiederkehrende: das Men Eurer Liebsten! Wir, die wir in Nacht versunken sind, wir, die wir bluten, bluten aus dem kummervollen Herzen, wir wissen erst und staunen's an. Wir preisen es und rühmen es laut und singen, daß es über Welten schalle .L)as hohe Lied des Lebens". R. Raphael. Notizen. — Richard D e k> m e l S Gedicht, das wir an der Spitze des„Sonnrag" wiedergeben, ist seinem KricgS-Brcvicr(er- schienen im Jnsel-Verlag) enrnominen. — Borträge. In der Urania werden bis Mitte der Woche die Vorträge zum Besten der Kvlonialkriegerspende fortgesetzt. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag:„Tie Fahrten de? Hilf?- krcuzers Wolf". — Köln kämpft u m feine Denkmäler. Die Ber- liner Sachverständigenkommission bat von der Stadt Köln die Ein- fchmelzung der Denkmäler der Kölner Mufcumsftifter und des Gesell-nvaters Kolping verlangt. Aus Anregung der Sozialdemo- kraten hat das Stadwcrordnetenkollegium einmütig dagegen pro- testiert und will nur der Gewalt weichen. Es gibt in Köln Denk- mäler van Herrschern, sogar in zwei bis drei Exemplaren von einzelnen Persönlichkeiten, die eher verschwinden könnten. Das wurde auch van der Verwaltung und bürgerlichen Rcd»ern dem Sinne nach ausgesprochen.