1. Jahrgang, ttr. 4. Sonntag, 4. September 19. 1 Sozialöemokmt Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Ardeiterpartei in der tschechoslowakischen NepUhlik. Redaktion und Verwaltung: Prag II..Havlikkovo u?m. 32. I Einielvrei? 70 Heller. B e z u g 8 6 e b t n q u n n e n: Pei Zustellung in 8 Hau? oder bei Venia durch die Poii monatlich 1k>'— Kr. Xclcfon 6<96, nach» 070«. Tele gram M.Adresse: Sozialdemokrat Prag. vierteljährlich 43'— Kc, halbjahrig 90'— Kc, na»ziahria 192— Kc. FNr Dktttschlllierreich monatlich 120'— öK, sür Teutschland 16- Mk. Postsparkassakonto 67644. I Erscheint mit ZluSuahme d-8 Montag täglich früh. yentschland am Scheidewege. ^ Reichskanzler Wirth sieht das Reich am Scheidewege und Slcttiing oder Untergang als zwei nahegcrnclic Möglichkeiten. Nicht der inilcrc Cturin allein»nicht die nächsten Tage und Woche» so cntschcidnngsträchtig, sondern der verhängnisvolle Umstand, daß sich das Schicksal Oberschlesiens und damit der dcut- scheu Wirtschaft entscheiden soll, während die Parteien einander bis aufs Blut zerfleischen. In diesem Hin und Her von Zielen, von dunklen Machenschaften und geheimen Hoff, nungen den rechten Weg zu wählen, ist eine verantwortungsvolle und nur von einem Mei- sterpolitikcr voll zu bewältigende Aufgabe. Tie .Rücksicht aus die Völkerbundtagung verlangte, daß Teutschland in den Augen der Welt so vertrauenswürdig dastehe, daß selbst böser bcn. Wir sagten: mit der Ausführung hat Wille ihm die Fähigkeit, Obcrschlesicn zu ver- j es seine guten Wege, nnd dachten dabei an walten, nicht absprechen kann. Behaupten die j den Widerstand der Arbeiterklasse, der kouse- Rechtsparteien ihre Stellung und durften sie 1 gnent organisiert und durchgeführt, der Zun- ihr verwegenes Spiel mit Kontrollversamm-!ker»iarilla ohne Kaiser den Mut zum Los lnngcn, Stahlhvkiiiparaden und Prinzenrevnen schlagen gewiß nehmen würde. Weder im weiter spielen, dann ist dieses Vertrauen end- Herbst 1!M8 noch gelegentlich des.Kahr-Put- giltig verwirkt. Alle chauvinistischen Deutsch-! scheS haben die hohen Herren bewiesen, daß landfeinde der ganzen Welt beten in diesen> ihr Mut an die Größe ihres Maules heran- Stunden gewiß zn Gott, daß die Soldaten- j reicht, und so werden sie auch diesmal, wenn man ihnen die Faust unter die Nase hält, sich mit dem Tartarcngehcul begnügen. Aber einig muß die Arbeiterschaft ihnen gegen- über sein, sie darf nicht, wie in den Tagen des Umsturzes, um den konservativen Feind zn bc> chernng der Regierungsbeschlüsse in Bayern gegebenen Falls die Reichscxckntivc einzu- leiten, im„Ncberwachungsansschnß" abgelehnt und Verhandlungen mit Kahr empfohlen— die erste, verhängnisvolle Halbheit, die bittere Folgen zeitigen kann, weil sie der Junkerklasse Mut macht. Diese weiß zn genau, daß es diesmal mit Leben und Tod geht, sie wird sich mit Berserkcrwut ihrer Haut wehren, und die TollhäiislcrauSbrüchc des„Micsbacher Anzei- gcrs" lassen ahnen, daß sie auch vor Arbeiter-, Demokraten- und Judenpogromen nicht zu- rückzuschrecken gewillt ist, sobald es sich um ihre letzte Position handelt. Zwischen diesem Willen und seiner Ausführung klafft freilich nocki eine große Kluft, aber er kann, schmct- tcrnd in die Welt gerufen, immerhin genügen, um Wirth den Mut zum Acnßersten zu rarr und Jnnkerschnarize ihre alte, widerliche Frechheit bewahren und so für jede Vcrgclvalti- gung Teutschlands den erwünschten Vorwand hergeben möge. Ihnen hat die Verordnung der Reichsregiernng, welche republikfcindliche Zeitungen, Versammlungen und Paraden! zwingen, allzuviel- Konzessionen an das libc streng verbietet, einen bösen Streich gespielt, rale Bürgerin»! machen. Daß Arbeiter und Es fragt sich mir, ob dieser Hieb sich auch voll> Bürger vereint die Schanze der Nückschrittlcr auswirken wird, weil Wirth möglicherweise! stürme», ist gut und notwendig. Aber das Bedenken hegen wird, den Bogen allzu straff' muß geschehen, indem die revolutionäre Ar- zu spannen. Eiserne Energie hat den Mann i bciterschaft ihre Verbündeten nach links fort bisher eben nicht ausgezeichnet und allzu sicher> reißt, statt sich von ihnen leise nach rechts zic kann er sich auch nicht fühlen, solange der zweitmächtigste Bundesstaat, Herrn von Kahrs pechschwarzes Bayern jeden energifch-repn- blikanischeir Schritt der Reichsregiernng grund- sätzlich sabotiert. Hier an die Isar hat sich ans der Rumpeftanuuer altersschwacher Ideen geflüchtet, was immer im dunkelsten Deutsch- land davon aufzutreiben war: Jener Partiku- larismus, der bis in die Mitte des verflösse- neu Jahrhunderts sich in einem lächerlichen Duodezfiirstentnm austoben durfte; der Haß des katholischen Analphabeten gegen den „hellen" protestantischen Preußen. Anbetung der Uniform und deS„angestammten" Herrscherhauses von Gottes Gnaden; die seit den Tagen Napoleons nicht mehr verstummte, von Habsburg immer begönnerte Sehnsucht nach der Hegemonie in Teutschland: dazu die Selbstgefälligkeit des kunstverlassezrsten Spie- ßers über seine Kunststadt; sein Neid, daß er(beileibe nicht aus Ehrlichkeit, sondern aus Dummheil) den Krieg weniger fruchtbar auö- zunütze» verstand als der„Berliner Saujud", und dergleichen edle Redewendungen mehr. Aber Borniertheit, Schwerfälligkeit und Dick- schädligkcit liefern einen Wall, den Herr von Kahr für fest genug hält, um sich hinter ihm zn verschanze» und den Wirthschen Berord Heu zu lassen. Nach dieser Richtung gibt die Unterredung, welche von einem Mitarbeiter des„Berliner Tagblattes" niit Vizekanzler Bauer hatte, einiges zn denken, wenn er bei den Unabhängigen mit Genugtuung eine „Entwicklung zum demokratischen Standpunkt" feststellen zn dürfen meinte. Denn in Wahrheit hofft er damit auf eine Hinwendung der Un- abhängigen zum wahrheitssozialistischeii Bc- kenntnisse, welche die heutige keimereiche Sitna- tion ebenso verderben könnte, wie die ähnliche im November 1D18. Wir sind überzeugt, daß unsere unabhängigen Freunde diesen Weg ebenso wenig gehen werden, wie sie sich auch nicht von den Kommunisten, die bisher übrigens einiges blaß gehalten haben, in eine Abenteuerpolitik werden hincinrcißcn lassen. Auf der zielbewußten Festigkeit der Unabhän- gigcn ruht heute die Zukunft des Reiches. Nur sie kann den trotz aller Feindschaft Verbünde- ten Militaristen Deutschlands und Frankreichs die Waffe anS der Hand winden und beweisen, daß Deutschland nicht der ewige Fricdcstörcr der Welt ist, nur sie kann so Obcrschlesicn bei seinem Stammland erhalten und damit bc- wirken, daß die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands aus einem gesicherten Boden heraus ruhig und glanzvoll gedeihe. nungen zn trotzen. Er begnügt sich also nicht bloß, förmlich gegen sie zu protestieren, son- fitt'lUlöfötbfnitlQbU dtt reichst- dem läßt Offiziere weiter in jener Uniform herumlaufen, die sie durch ihre Einsichtlosig kcit am ärgsten geschändet haben; er duldet es und sorgt wohl noch dafür, daß die verbo- tcnen Mörderblätter„Miesbacher Anzeiger" und„Völkischer Beobachter" weiter erscheinen und stemmt sich mit Händen nnd Füßen gegen eine Aufhebung des bereits zwei Jahre wäh- renden AuSnahmSzustandes in Bayern. Weiß er doch, daß int selben Augenblick die von den Fesseln erlöste Arbeiterschaft, wovon eine Nürnberger Versammlung genügend Zeugnis ablegte, sein Gewaltregiinent hinwegfegen würde, und das„demokratische" Bürgertum des Reiches springt ihm, muß man fürchten, in seinem Bestreben bei. Wenigstens hat es den Antrag des Genossen Dittmann, zur Si- deutschen Nationalisten. In Berlin drei verwundete, in Chemnitz ein toter Arbeiter. Berlin, 1. September.(Trahtbericht des „Sozialdemokrat"). I» S l r a h l a u bei Berlin, das fast ausschließlich Arbeiterbevölkc- rung hat, machte sich beim Bekanntwerden einer trotz des Verbotes stattfindenden S e- d a n s e i e r eine große Erregung bemerkbar. Als einige Arbeiter de» Wirt des Lokales fragten, um was für eine Feier es sich elgent- lich handelt, erklärte dieser, daß die Leute bei ihm eine Geburtstagsfeier angeniest det hätten. Als die Arbeiter de» Saat velre- Uli. wollten, fielen sofort von hinten S ch U s s e. Die Arbeiter, die vollständig un- bewaffnet waren, holten sich aus dem Garten Zaunlatten nnd Gartcnsiiihlc nnd suchten die Revolverhelden zu entwaffnen, wobei sich eine Schlägerei entspann. Nach halbstündigem Kampfe, wobei von den Gcburlstagfcicrndcn n! i n d e st e n s.10 0 Schüsse abgegeben wurden, ergriff der größte Teil dieser Helden die Flucht. Ein Teil wurde von de» Arbei- tcrn entwaffnet. Die GeburtSiaghelden hat- ten etwa 10 Verwundete, deren Der- lehmigen nur von Schlägcn herrühren, während drei Arbeiter Schußver- lehnltgc» davontrugen, einer von ih- n c n i st schwer v c rl c tz t. Ten Gcburts- tagsheldcu wurde» G u m m i k n ii p p c l, R c v o l v c r, Schlagringe und M u n i° tion abgenommen. In Osnabrück hatte die Deutsche Voitspartci ebenfalls eine Scdanseier voran- staltet. Für die 3 0 0 Besucher hatte der Polizeidirektor 7 0 P o l i z e i b e a m t e aus- geboten. Ein Professor verherrlichte in einer ^Festrede.Krieg nnd Monarchie. Tie Arbeiter i ließen sich trotz der Provokation durch schwarz- ! wciß-rote Fahnen nicht herausfordern. In Eh c in n i tz versuchten die Arbeiter die Scdanscier in den Schulen zn verhindern. In einem Gymnasium entstand ein H a n d g e- i m enge» wobei ein Bauarbeiter von einem mit Waffen versehenen Schüler er- j|.i, j"\(. n wurde. Die Umbildung der preußischen Regierung. Berlin, 3. September. Dem„Tageblatte" zufolge hatte der preußische Landtogspräsident Leinert gestern Besprechungen mit dein Reichspräsidenten Eberl und dem Ministerpräsidenten Stegerwalb über die Frage der I Umbildung der preußischen Regierung.(Be- kanntlich wird im Zusammenhang mit dieser Umbildung der Regierung auch der Wieder- eintritt der Sozialdemokraien lebhaft erör- tcrt. Ob ein solcher, wenn er erfolgt, die Bildung einer proletarischen Einheitsfront bc- günstigen würde, darf man füglich bezweifeln. Uns handelt es sich nicht um Koalition mit den Bürgerliche», sondern um den Aufstieg des ] Gesamtprolctariats zum entscheidenden Faktor im Staate. Sliyern lenkt ein. Berlin, 3. September. Wie die Blätter mitteilen, fand gestern Nachmittag eine Be- sprechuug zwischen dem Reichskanzler Dr. Wirth, dem bayrischen Gesandten Pregcr, dem bayrischen Staatssekretär Schwcher und dem Führer der bayrischen Tcniokraicn Abg. Dr. Tirr über die Aufhebung deS A usna h- m c z u st a n d e S i n Bayern statt. Das Ergebnis der Besprechungen wird der Reichs- lanzler in der heutigen Sitzung des lieber- wachungsausschusses mitteilen. Die Blätter sind der Ansicht, daß sich die bayrische Regie- runr nicht auf einen ablehnenden Standpunkt stellen und daß ein Konflikt zwischen d e m Reiche n n d Bayern v c r m i e« den werden dürfte. Zu der Verordnung des Reichspräsidenten über die Maßnahmen zunt Schutze der Republik hat die s ä ch s i s ch c R e g i c r n n g eine Erklärung abgegeben, in der sie die Unterstützung der Maßnahmen für Sachsen zusichert. In der Erklärung wird na- memlich von allen Beamten verlangt, daß sie die sächsische Regierung in ihrem Bestreben, die republikanisch-demokratischen Einrichtun- gen zu schützen, unterstützen. Berlin, 3. September. Wie den Blättern auL München berichtet wird, ist gegen den „M i e s b a ch e r Anzeige r", wegen des am Donnerstag von ihm veröffentlichten Ar- i-keis ei» ü' e v f a l, r e n w e g e n g r o b e» 1! ii f u g S eingeleitet. Berlin, 3. September.(Trahtbericht des „Sozialdemokrat"). Im Uebcrwachiingsans» schnß des Reichstages berichtete heute der Reichskanzler über die Verhandlungen mit Bayern wegen der Aufhebung des Aus iiahinSznstandcs. Er glaubt, sagen zn dürfen, daß man in den nächsten Tagen zu einer B e r- st ä n d i g u n g kommen werde. Der unabhängige Abgeordnete U n t e r l e i t h n e r brachte darauf ein außer rdcntliches umfang- reiches Material zur Handhabung des Belage mngSzustandeS in Bayern bei, wies auf di- unterschiedliche Behandlung der Linken und der Rechten dabei hin und setzte sich die Aufhebung des Belagerungszustandes in Bali- ern ein. Der Abgeordnete Dittmann un- j ternahm einen heftigen Vorstoß gegen die Re- ! gieningsmaßnahnien Bayerns. Die unabhän- I gigcn Abgeordneten fordern in einem Antrag .die R c i ch s e x e k u t i v e gegen Bah ! e r n, während die bürgerlichen Parteien durch I Verhandlungen die Beseitigung des bayrischen ; Belagerungszustandes erreichen wollen. WirthsiZekenntnis Proletariat. B c r l i n, 3. September. Aus der gestrigen Siebe des-Reichskanzlers int lieber- ; wachuiigSausschnssc heben die Blätter mit bc- .soliderem Nachdruck die Stelle hervor» in der . Tr. Wirth erklärte, falls es zn der Entwick- j lnng:„hie Bürgertum",„hie Proletariat" käme, möchte keinen Zweifel darüber lassen, das; er auf der Seite des Proletariats stehen werde. j Demonstrationen für die Nepnblik. Kiel, 2. September. Ein mehrere hundert I Mann starker Trupp durckizeg am Nachmittag ! und Abend die Stadt und zerstörte na- ; mentlich die an den Geschäften befindlichen . H o f l i e s c r a n l c n-2 ch i l d c v. Eine schwarzweißrotc Fahne wurde von j einem Balkon heruntergerissen und verbrannt. Berlin, 3. September.(Wolfs.) Im U e b c r w a ch u ii g s- A u sf ch u f f e des Reichstages begrüßte Tr. Beycrle lbavr. Bolkspartci) die Momente der sich an bah- ii c nd c n Beruhigung in den B c z i c> Hungen z w i s ch e n 3t eich und B a y- er» und sagte, der bayrische Ausnahmszu- stand sei absolut nicht verfassungswidrig und solle, lediglich Gcwait bekämpfen, komme sie von links oder rechts. Reichskanzler Wirth erwiderte: Wir haben bereits gestern mit bc- auftragtcn Herren ans Bayern die Gesamt- läge, wie sie sich im Reiche und in Bayern ergeben hat, eingehend und sachlich durchgc- sprachen. Alle drei Herren ans Bayern haben mir mitgeteilt, daß sie gerne bereit sind, so- fort in Verhandlungen mit dem b c- kannten Ziele einzutreten. Es hat sich aber bei der Besprechung herausgestellt, daß dort eine Reihe von Mißverständnis- s c n vorhanden war. Ich habe den Herren ans Bayern angeboten, daß die bayrische Staatdregiernng zunächst auf Grund des Bc- richtcs, den die Herren in München erstatten wollen, zu dieser Angelegenheit Stellung nch men solle und daß wir dann anfangs n ä ch st c r Wo ch e hier in'Berlin wieder zu- saininciikoininen wollen, um die Vera tun- g e ii, wie ich hoffe, zu einem guten Ende zu bringen. Die bayrischen Herren haben dieser meiner Anregung zugestimmt und werden sich sp ä t c st c n s M i t t w o ch zu dielen Beratungen mit uns wieder zusammenfinden. Die deutsche BolkStzartei entscheidet sich für die republikanische Konjunktur. Berlin, 3. September. Das„Berliner Tage- blatt" schreibt zu der gestrigen Debatte im UebcrwachungSansschuß: Starkes Aufsehen machte die Erklärung des Abg. Ka h l, daß die deutsche Volks Partei zur repu- , fccitc 2. bI: kanischcn Verfassung si c h e, Ivetchc Erklärung auf Wunsch deS früheren sozialdemokratischen Prcnsiischcn Miinstcrprä- sidenten Braun vom Vorsitzenden der dent- sehen Volkspartci S t r c s e m a n n wieder- holt und offiziell bekräftigt wurde. Die „Voss. Ztg." bemerkt hiezn, ans der sozialdemokratischen Partei liege eine schwere Verant-- tuortnng, wenn sie ans unsachlichen Gründen die von der Volkspartci ausgestreckte Hand zn- rückweise in einem Augenblicke, tvo die Be- drohnng der Republik so scharfe Maßnahmen notwendig mache. Ter„Vorwärts" erklärt, die Partei des Herrn S t r c s c m a n n bat es nur ihrer widerspruchsvollen Politik selbst znzu- schreiben, wenn man in ihre Lohalitätserklä- rungen berechtigtes M i ß t r a n c n setzt. Ihre Veicncruiigen sehen darnach aus, daß die Her- reu gerne den Anschluß an die Regierung, wenn nicht im Reich, so in Preußen erreichen trollen. Die Pflicht der Proletariern! im politischen Kampf. von Luise Zietz-Berlin. Vis in die jüngste Zeit hinein wurde von den politischen Machthaber«, namentlich in den mitteleuropäischen Ländern, alles getan, »m den Frauen die politische Betätigung zu erschweren. Reaktionäre Vereins- und Versammlungsgesetze hielten die Frauen vom poli- uschni.Kampfplatz fern und die wichtigste politische Waffe, das Wahlrecht, wurde als „selbstverständliches" Vorrecht der Männer proklamiert und mit Nägeln und Zähnen gegen die, gleiches Recht für beide Geschlechter fordernden Franc» und sozialistischen Parteien verteidigt. Aber die ökonomische Entwicklung hat nicht nur die kapitalistischen Profitmöglich- leiten in schier unübersehbarer Fülle und zu ungeahnter Hohe entwickelt; sie hat damit gleichzeitig in stets wachsender Zahl die Frauen ans der Enge des Hauses hinausgeführt in das gewaltige Getriebe des wirtschaftlichen Lebens, hat sie unmittelbar Persönlich der kapilalisti- scheu Ausbeutung unierstellt. Damit waren auch sie, durch ihre warenprodnzierende Arbeit ■ i einer enormen Profitguclle für das.Kapital geworden, aber allmählich wurden sie auch sehend, erkannten ihre persönliche- und ihre '.lasscnanlage, im Gedankenaustausch mit ihren männlichen Arbcitsgenossen wurde ihr Ge- sichttreis geweitet, ihre Urteilskraft geschärft, und nun empfanden sie ihre politische Recht losigkcit alsbald als Fesseln, als unerträg- Helten Zustand. In langem, zähem Kampfe ist schließlich das Gitter zertrümmert worden, das in Gestalt der rückständigen Vcrcinsgcste die Frauen vom politischen Kampfplatz ferngc- halten. Ter Kampfplatz war erobert, aber Waffen- los hatten sie ihn betreten. Tos Wahlrecht, dieses vornehmste Staatsbürgerrccht, welches den direkten Einfluß ans Gesetzgebung und Verwaltung ermöglicht, wurde ihnen weiter vorenthalten. Alle StaatSbnrgerPflichtcn tvnr- den ihnen aufgebürdet, das wichtigste Recht ihnen ledoch unter den fadenscheinigsten und spießbürgerlichsten Borwänden weiter streitig gemacht.-> v Da kam mit den« militärischen Zusammenbruch der Mittelmächte im Weltkriege die Revolution. Die gepeinigte» und geschundenen Völker jagten ihre„großen" und kleinen gc- krönten Häupter davon, sofern sie nicht schon vorher in erbärmlicher Feigheit ans dem Land geflohen waren, und wie mit vielen anderen Gesetzen und Rechten,„die sich wie eine rw'ge Krankheit fortgeerbt" hatten, wurde auch mit der Politischen Rechtlosigkeit verfahren, sie verschwand. Aktives und Passives Wahlrecht wurde den Frauen eingeräumt, ihre Staats- bürge', schast damit offiziell anerkannt. Dieses Reiht verpflichtet aber auch die Frauen. ES verpflichtet sie nicht nur zur Ausübung des Wahlrechts, es verpflichtet sie zum eifrigen Csudium der wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge;' denn nur so können die Frauen den richtigen Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen. Geschieht das nicht, werden sie eingefangen von reaktionären Parteien, die vor den Wahlen den Wählern und besonders den loci blichen, alles mögliche versprechen, bau- end auf ihre Unwissenheit und ihr schnelles Vergessen, um nach der Wahl, wenn sie mit Hilfe der Frauen gewählt sind, deren eigene? und deren Klassenintercsse um so besser mit Füßen treten zu können. In den meisten euro- päischen Ländern, insbesondere in den süd- östlichen, macht sich zudem in wachsendem Maße die Reaktion breit. Fest und sicher fußend ans dem ehernen Boden unserer sozia- listischen Grundsätze, gilt es in kluger Taktik und mit Einsetzung der gesammelten Kraft dcS .Proletariats dagegen den. Kampf zu führen. Die Frauen, als die größere Hälfte der Be- Völkern ng und unserer Klasse dürfen bei die» fem Kampfe unter keinen Umständen fehlen. Sie, als die doppell Interessierten, als Person Sozialk und in den meisten Fällen als Mütter, die für eine lichtere Zukunft ihrer Kinder sich sorgen, müssen in den ersten Reihen der Kämpfenden stets zn finden sein. Dem Wüten der Reaktion gegenüber wird daS gesamte Proletariat. Männer und Frauen, im gemeinsamen Kampfe bald Sieger werden. Die persönliche Pflicht jeder einzelnen Frau weitet sich in diesem Zn- sammcnwirken so zu einer wichtigen gcschicht- liehen Pflichterfüllung der ganzen Klasse. Zusammengeschart in der sozialistischen Partei, als dem organisatorischen Nahmen für die Einheit des Zusammenwirkens, geistig ver- bnnden durch die gemeinsame Weltanschauung und die gemeinsame Presse, die objektiv über alle politischen und wirtschaftlichen Vorgänge orientiert, werden die Frauen bei gemein- samcr Arbeit in der Partei, für diese und für die Partei- und die Francnzcitnng, in gemein- sanier BildiingSarbeit und dem gemeinsamen politischen Kampf hoch über das Alltagsleben hinaus, gehoben. Unsere Kämpfe gegen Reaktion, Teuerung, Arbeitslosigkeit und alles, wa? uns sonst noch drückt und knechtet, wer- den erleichtert, abgekürzt, siegreicher werden, erfüllen die Frauen ihre Pflicht im Kampfe neben den Männern ihrer Klasse. Sie selbst werden geistig und moralisch emporsteigen, wie wir es überall an den Proletariern erlebt habcit in der Arbeiterbewegung, und mit vereinter Kraft werden die Proletarier beider Gc- schlechter den Weg bahnen, der uns cmporführt aus dem Dnnkck und dem Elend der Gegen- wart zu den sonnigen Höhen des inenschenbe- freienden Sozialismus. Dieser Tatsache müs- scn die Frauen eingedenk sein und V entsprechend handeln. Tschechischer tlntiottül'iMlls— Tschechische Sozialdemokratie. In der letzten Zeit hat sich der„Cas" in einer Reihe von Artikeln mit der Frage der Vereinigung der tschechischen Sozialdemokraten und der Nationalsozialisten beschäftigt. Es ist kein Wunder, wenn jetzt, da die neue parlamen- tarische Regierung gebildet werden soll, das Problem der Einigung der beiden Parteien, das seit der Entstehung der tschechoslowakischen Republik schon mehrmals aktuell war, neu auftaucht. Beide Parteien werden ihre Per- treter in der Regierung haben, beide verfechten einen mehr oder weniger gemäßigten Reform- sozialismnS, beide sind„staatscrbaltend". Die Annäherung der beiden Parteien iit bezeichnend für die gegenwärtige politische Situation, wie denn überhaupt das Verhältnis der nationalen Arbeiterbewegung zur sozialdemokratischen, die Entwicklung des Klassenbewußtseins des tschechischen Proletariats und sein Verhältnis zur nationalen Frage widerspiegelt. Die tschechische Arbeiterbewegung ist in den 70er Jahren zunächst als Anbängscl der bei- den bürgerlichen Parteien, die damals das tschechische Volk politisch repräsentiert haben, entstanden. Sowohl die konservativen Alt- tschechischen als auch die liberalen Imigtschc- che» brauchten damals zur Führung ihres staatsrechtlichen Kampfes die Massen der tsche- chischcn Arbeiter. So gründeten damals die Alttschechcn die„Dclnicke Noviny", die Jung- tschcchcn die„Delnicke Lisch", welche beide aber nach kurzer Zeit eingingen, denn schon im Jahre 1372 trennte sich die sozialistische Ar- beiterbcwegnng von der nationalen, indem der erste bedeutende sozialdemokratische Führer im tschechischen Volke I. B. Pecka den Treu- nnngSstrich zwischen sich und dem jnngtschechi- scheu Arbeiterführer Barak zog und 1873 das erste sozialdemokratiscbe Programm aufstellte. DaS Erwachen der sozialistischen Arveitcrbcwc- gung im tschechischen Volke war gleichbedeutend mit der Loslösnng der tschechischen Arbeiter von den nationalen Parteien. Ein zweitcsmal machte das tschechische Vür- gcrtnm einen großangelegten Versuch, die Ar- bciter vor den Wagen seiner staatsrechtlichen Forderungen zu spannen, als die ersten tsche- chischen sozialdemokratischen Abgeordneten in ihrer berühmten antistaatsrechtlichen Erklärung im Jahre 1897 es neuerdings in feierlicher Form albehnten, für das national politische Ziel des tschechischen Bürgertums zu kämpfen. Damals schufen die Inngtschcchcn als Kampf- truppe gegen die tschechische Sozialdemokratie die tschechischen Nationalsozialisten, deren Füh- rcr K l o f a c wurde. Tank der nationalen Einstellung der tschechischen Arbeiter, die eine Folge davon war, daß die tschechischen Arbeiter ihren sozialistischen und kulturellen Kampf gegen deutsche Unternehmer und die durch deutsche Beamte, repräsentierte Staatsgewalt führten, gewann die nationalsozialistische Par- tci größere Mengen von Anhängern unter den proletarischen»nd halb proletarischen Schichten des tschechischen Volkes, sowie im Kleinbürger- tum. Die Bewegung wurde in vcrhältnismä- ßig kurzer Zeit so stark, daß sie die Verbindung mit der bürgerlichen Mntterpartei löste und sich verselbständigte. Sic schritt sogar zur Bildung von Gewerkschaften, welche von den tschechischen Sozialdemokraten als gelbe. Gewerkschaften an- gesehen wurden, sodaß zwischen der tschechischen Sozialdemokratie und den Nationalsozialisten bald unversöhnliche Feindschaft entstand. Die tschechischen Sozialdemokraten machten trotzdem der neuen Bewegung insofern Konzessionen, ab? sie einen Teil der Ideologie der nationalen Ar- omolrat beitcrbcwegnng übernahmen. Daß die Massen der tschechischen Arbeiter nicht in die von den Nationalsozialisten begründeten Gctvcrlschaftcn eintreten, wurde mit einer der Gründe auch der Joölösniig der tschechischen sozialdemokra- tischen Arbeiter von den internationalen Gc- werkschaftcn des alten Oesterreich und hat so die Entwicklung der gesamten Arbeiterbewegung in Oesterreich dauernd bccinftußt, die jahrelange Entfremdung zwischen deutschen und tschechischen Arbeitern herbeigeführt. In der Partei der Nationalsozialisten sam- melten sich jedoch nicht nur die nationalen Elemente der tschechischen Arbeiterschaft, sondern auch ein Teil des radikal-nationalcn Kleinbürgertums. Während die tschechische Bourgeoisie zu Beginn des zwanzigsten Jahr- Hunderts Interesse an einem großen Wirt- schaftSgebict gewann und daher eher die Nci- gnng zeigte, die staatsrechtliche Ideologie ab- zustreisen, sich mit dem Bestand Oesterreichs abzufinden, war dem Kleinbürgertum, daß sich naturgemäß eine gewisse ökonomische Selbst- ständigkeit und Unabhängigkeit in dem wcitver- zwcjgten Netz des österreichischen Wirtschafts- lcbens bewährt hat, der nationale Radikalis- mns besonders gelegen. Da jedoch der Bc- stand des Kleinbürgertums von der großen Industrie immer mehr gefährdet wurde, konn- ten auch antikapitalistischc Gedankengänge im Kleinbürgertum Eingang finden und so wurde die nationalsozialistische Partei, die national und antikapitalistisch zugleich war, nicht nur die Partei der Arbeiter und Beamten, sondern auch die Partei des tschechischen Kleinbürger- tnms. Ihr Antikapitalismus war ungefähr von der Art, wie der in Wien von Bogel- sang propagierte christliche Sozialismus, so wie in Wien Sozialdemokraten und Christlich- soziale sich am heftigsten befehdeten, weil sie um die Seelen der Arbeiter rangen, so waren bis zum Ausbruch de? Krieges die tschechischen Sozialdemokraten und die Nationalsozialisten die heftigsten Gegner. Der Krieg hat alle tschechischen Parteien im Kampfe gegen HabSbnrg zusammengeschweißt, alle Klassen des tschechischen Volkes, Bourgcosie und Bauern, Kleinbürger und Arbeiter erhoff- ten vom Kriege die Befreiung ans der jähr- Hundertclangen Bedrückung durch die Habs- burgcr. Zn gleicher Zeit wurden aber die tsche- chischen Arbeiter revolutioniert, nicht nur die- jemgcu, die in den Reihen der Sozialdemolra- ten standen, sondern auch jene, die der nalio- nalsozialistischen Politik'Gefolgschaft leisteten. Unter den Einwirkungen der Kriegsvcrhältnisse vollzogen die Nationalsozialisten vorwiegend unter dem Einflüsse ihres Führers Dr. Franke eine Schwenkung zum Sozialismus und gaben sich ans ihrem Parteitag, der vom !!0. März bis zum 1. April 1918 dauerte, ein sozialistisches Programm. Als wirtschaftliche und soziale Ziele ihres Kampfes wurden angc- führt: „Durch eine eigene Staatsgewalt und den wirtschaftlich-politischen Kampf soll die tsche- chische Gesellschaft an? einer kapitalistischen in eine s o z i a l i st i s ch e umgewandelt wcr- den. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen soll beseitigt, das Lohn Wem aufgehoben, die Organisation des Wirt- schaftslcbens gemäß den Interessen der gan- zcn Gesellschaft und nicht gemäß den Jnteres- scn einzelner gestaltet werden, die Politische Gleichheit muß durch die soziale Gleichheit ergänzt werden und durch materielle Sicher- stellnng eines jeden Arbeiters seine individuelle Entwicklung und sein Glück gemäß sei- neu Fälligkeiten und Neigungen gesichert werden." Ans diesem Parteitag erklärte Klofac, daß sich die Nationalsozialisten zur sozialistischen Wcltintcrnationalc melden und der Vertreter der tschechischen Sozialdemokratie N c m e c fand den stürmischen Beifall des ganzen' teilagcs, als er erklärte:„Der völkische Kamps der tschechischen Sozialdemokratie innerhalb der eigenen Nation iit aus dem Klassengegensatz zwischen der Klasse der Ausbeuter und der Klasse der Ausgebeuteten begründet." Diese Entwicklung führte zn einem gemeinsamen Vorgehen beider Parteien in den letzten Mona- ten deS Krieges und in den Tagen, da die jahrhundertelange Sehnsucht des tschechischen Volkes, wieder einen eigenen Staat zu besitzen, Erfüllung fand. In den Monaten des nationalen Taumels, von dem das gesamte tschechische Volk in allen seinen sozialen Schichten ergriffen wurde, war die Möglichkeit der Bereinigung der bei- den Parteien so nahe der Verwirklichung wie nie vorher. Am Wcihnachtspartcitag der tsche- chischcn Sozialdemokratie im Jahre 1913 war diese Frage als eigener Punkt auf die Tages- ordnnng gesetzt, der Referent Hampel erklärte die Einheit der sozialistischen Arbeiter- bcwegnng im tschechischen Volke als unbedingte Notwendigkeit und nur die Sorge um die Reinheit der Grundsätze der Partei war es, wie Hampel sich ausdrückte, welche die Vereint- gnng nicht zur Tat werden ließ. Immerhin dauerte das enge Zusammenarbeiten beider Parteien auch im Jahre 1919 an. Beide Par- tcicn schlössen sich in der Rcvolutions-National- Versammlung zum sozialistischen Block znsam- men und noch die Gemeindewahlen im Juni 1919 sahen die beiden Parteien in holder Ein- tracht. Bei den Wahlen der Vorsteher in den tschechischen Gemeinden gingen Sozialdemokra- teer und Nationalsozialisten gemeinsam vor. Bald daran? trat jedoch eine entocgengesetzte Entwicklung ein. In einem Teil der tschechi- scheu Arbeiterschaft sing die Erkenntnis an, 4. September i9öi. sich Balm zu brechen, daß die Revolution deS Jahres 1918 an der sozialen Lage der Arbeiter nicht viel geändert habe, daß zwar der tschechi- sehe Staat anstelle des HabSbnrgerstaatcS getreten, aber die kapitalistische Gcscllschaftsord- nung in ihrem Grundcharakter dieselbe geblieben war, wie in den Zeiten der Habsburger- Herrschaft. Das stärkte den linken Flügel in der tschechischen Arbeiterbewegung, in dem natur- gemäß bald kommunistische Gedankengänge auftraten, was zur Entfremdung der'tschechi- scheu Sozialdemokraten und der Nationcilsvzia- listen beitrug. Dazu kam noch, daß die tsche- chische Sozialdemokratie ihren extrcm-nationa- listischen Flügel, der die Verbindung mit den Nationalisten am heftigsten suchte(Modracck, Hndee) ausschied. Die Stellung zur russischen Revolution schied die Geister in der tschechi- scheu Arbeiterschaft. Die Nationalsozialisten wurden die wütendsten Bolschcwikcngcgncr, und auch auf gewerkschaftlichem Gebiete gab es zwischen diesen beiden Gruppen der tschechi- scheu Arbeiterbewegung mehrfach Neibungs- punkte. Den Nationalsozialisten gelang es, das sogenannte Tcrrorgcsctz durchzusetzen, in dem die kleinen Nationalsozialist!^'-n Gewerkschaften Schutz vor den großen gcwcrlschaft- liehen Organisationen der tschechischen Sozial» demokraten zn finden vermeinten. Die Spaltung in der tschechischen Sozial- dcmokratie hat jedoch das Verhältnis zwischen den beiden Arbeiterparteien abermals geändert. Der gemeinsame Komps gegen die Kommunisten hat Nationalsozialisten und Sozialdemo- kraten einander wieder näher gebracht. Durch die Loslösnng von zwar kommunistischen, aber doch klassenbewußten Arbeitern hat die na- tionale Strömung in der tschechischen Sozial- dcmokratie abermals Oberwasser gewonnen, die Erhaltung und Festigung der tschcchoslowa- tischen Republik wurde entscheidend für die Tak- tik der tschechischen Sozialdemokraten und Na- tionalsozialisten. Aber die nationalsozialistische Partei hat nicht lange bei ihrem revolutionären und sosta- listischen Programm von 1918 ausgeharrt. So- lange die Revolution die sozialen, dem Prolc- tariat nahestehenden Schichten der Bevölkerung Beamten und Kleinbürger, mitgerissen hatte, war dieses Programm allgemein anerkannt. Aber als die Wogen der Revolution verebbten, die Aktion in ganz Europa immer mehr er- stärkte, wandtcn sich zahlreiche Schichten der nationalistischen Partei von diesem Programm ab. Die den minderbemittelten bürgerlichen Kreisen Angehörigen(Hcidler), die kleinen Ge- werkslcnte(Slavicck), die Kleinbauer(Drobny) rebellierten gegen das Zentrum der Partei, das noch immer unter der Führung des Partcigrün- derS Klofac steht und das von links her von denjenigen Organisationen angegriffen wird, die zum Großteile ans Arbeitern bestehen, wie dies im norpwestböhmischen Brannkohlcnrevicr der Fall ist, und die ihren Führer in dem ehe- maligen Anarichstcn Dr. Brbcnsky finden. Eine von so vielen Strömungen durchsetzte Partei, die die Interessen aller Klassen der tschchischen Gesellschaft vertreten soll, ist natur- gemäß wenig geeignet, in ihrer jetzigen Gestalt sich mit einer anderen Partei zu vereinigen. Dazu kommt noch, daß die Partei auch von ihrem bischen Internationalismus, den sie 1918 und 1919 markiert hat,— ihr Vertreter Dr. Franke war sogar auf der internationalen sozialistischen Konferenz in Bern 191.9 anwe- send— abgelassen hat und wieder zu ihrem allen nationalen Standpunkt zurückgekehrt ist. Ans ihrem Parteitag, der im Mai des heurigen Jahres stattgefunden hat, kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Vertretern der einzelnen sozialen Schichten, die dieser Partei angehören und allgemein war der Ruf: Zurück zu den alten Parlcitraditionen der Vortriegs- zeit. Während die Partei 1918 ihren Namen in tschechische sozialistische Partei umgewandelt hat, wird sie über kurz oder lang ihren alten Namen nationalsozialistische Partei wieder an- nehmen. In einer Erwiderung auf die Ar- tikclrcihe des„Eas" betont der Gewerkschaftsführer der nationalsozialistischen Arbeiter Tuen h, daß ein Hindernis der Vereinigung mit den tschechischen Sozialdemokraten das Fest- halten der Nationalsozialisten an nationalen Äcwcrlschastsorganisalionen sei. So ist die Wahrscheinlichkeit einer Vereint- gung dieser beiden Parteien unter den jetzigen Umständen nicht gerade groß. In der natio- nalsozialistischen Partei wären die Vorausset- znngcn dafür erst dann geschaffen, wenn sich von dieser Partei die kleinbürgerlichen Elc- mente loslösten, so daß sie eine reine Arbeiter- Partei wäre. Die tschechischen Sozialdemokra- ten hinwieder müßten ihren Nationalismus und Reformismus unzweifelhaft bekennen, was infolge der Traditionen der Partei ihnen doch einige Schwierigkeiten machen würde. Würde die Vereinigung mit den Nationalsozialisten er- folgen, dann bestünde für die tschechischen So- zialdeinokratcn die Gefahr, daß sie für den internationalen Sozialismus vollständig verloren wären. Der tschechische Sozialismus sin- det gegenwärtig in einer Reihe von Parteien, die sich alle mehr oder weniger in einem Um- Wandlungsprozeß befinden. Die wachsenden Klassengegensätze führen zur Scheidung des kleinbürgerlichen und proletarischen Flügels, der Streit um die Methode über den Weg zum Sozialismus zur Spaltung. Der KlärungS- Prozeß in den Massen wird wohl noch daS Gc- tilge mancher Partei rindern, alte Parteien zerschlagen und neue bilden.'"" l f. VepkiNlber Teilweise Nättmuug des Snrgeulaudes. Tie Aiagyaren haben offiziell die erste Zone d-:s Burgenlandes geräumt, inoffiziell treiben sich in diesem Landstrich magyarische Offiziers-- und Studentcnbandcn in feldmäßiger Adjustic- vititg mit Maschinengewehren und Bomben herum. Das beliebt der Herr magyarische Gc- sandte in Prag in einer hochoffizicllcn Erklä- r>!»g gegen die objektive Presse„Marmmcl- düngen über den sogenannte n weißen Schrecken und andere tierlcnmdcrischc Gc- riichte" zu nennen. Die zweite Zone halten die Magyaren gegen jedes Recht und gegen jeden Vertrag noch immer beseht und geben ihn nicht früher frei, bevor D.-Oesterreich den Magyaren nicht„bestimmte Bürgschaften" gibt. Wie Bndapcster Blätter zn berichten wis- sen, haben sich die Magyaren in einer Note an die Entente gewendet— was übrigens auch durch die Auslassungen des Prager ma- gyarischm Gesandten bestätigt wird— und erheben Forderungen, die im Friedensvertrag nicht aufgezählt sind,„aber deshalb" eben von Ungarn erhoben ivcrdcn. Und die Entente sieht zn, wie ein Pirat, nachdem er geraubt und geplündert bat, an den Ausgeraubten „eben deshalb" noch Forderungen erhebt. Zn Wien aber mahnen die Herren Gesandten und Botschafter die hohe» Mächte Deutschösterreich zur geduldigen Ruhe. Genosse Oito Bauer hat gestern in der Wiener blationalvcrsamm- lnng erklärt, daß es eine europäische Notweil- digkeit ist, das Horthysystem zn beseitigen.; es ist das brennendste Interesse der Tschechoslo- wakei, Jugoslawiens und Dcutschöstcrrcichs. So lange dieses Regiernngssystcm, das einen einzigen Auswuchs darstellt, besteht, ist En- ropa vor Raubüberfällen der Magyaren nicht sicher. Die verlogene Erklärung des hiesigen magyarischen Gesandten muß diese klebe r- zcngnng nur befestigen......v,:.. Oit Knezofrout der Magynre». W i c n,:!. September.(Trahtbericht des „Sozialdemokrat"). Tic Gendarmerie an der stcicrmärkischen Grenze hat ihren Vormarsch eingestellt. Ter Arnnd hiesür ist, daß ihr gegenüber reguläres ungarisches Militär steht und daß Oesterreich einen Zusammenstoß vermeiden will. Die Ungarn haben seht ihre Konzentration an der stelrischen Grenze ans- gebaut, sie sind dort mit Panzerautos, Pan- zerzngcn nnd Artillerie versehen. Ter Plan soll nämlich der sein, an der steirischc» Grenze, die durchwegs klerikal ist, auf die schwarz- gelben Bauern zn wirken, um eine Monarch? [tische Bewegung zu erzeugen. Magyarische Ncbcrfälle ans österreichische Gendarmen. Fricdbrg, 3. September. Ter Berichtes» rlter des Telegraphcn-Korrespondenzbure- »us meldet: In der Nacht vou Freitag auf Samstag wurde» in der Nähe von Ober- s i n n c r s d o r f, bei dem sogenannten Grenz« Gasthaus?, eine Gendarmeriepatronille von Freischärlern aus dem Hinterhalte beschossen, wobei zwei Gendarmen schwer vcr- wund et wurden. Die Familie dcS Gast- E o} ta t"D c in j 11 n t Feuilleton. vom Jesmtendrama)UM Kino. Ter ökonomische Charakter einer Zeit wirkt .sich in deren gesellschaftlichen Erscheinungsformen nicht nur politisch, sondern natürlich auch ful» turctl au» und die materialistische Gcschichts- aufsassung besteht erst die Probe aufs Excmpel, weil die Wahrheit ihrer Grnndlehre restlos au» allen Tatsachen des Kulturlebens hervorleuchtet. Co ist denn auch daS Theater, scheinbar eine Ausfüllung müßiger Stunden, in seinen Grund- formen den wirtschaftlichen Bcdingugcn der Zeit unterworfen. Es hat sich in den Jahrhunderten seiner neuzeitlichen Entwicklung mit der ökono- mischen Lage der Gesellschaft gewandelt und schwebt keineswegs so leicht und frei in der Luft, wie das dem oberflächlichen Blick erscheinen mag. An der Geschichte der Wiener Bühnen tritt das besonders klar zutage, weil ,wir deren Verlauf bis in kleine Einzelheiten hinein' kennen. Als die Habsburger um 1500 herum die Welt beherrschten und die Reichtümer aller Erdteile In Wien zusammenströmten, so daß sich in der Kaiserstadt ein irdisches Paradies anfzutun schien, Ha zog in die Kunst Wiens die Barocke «in. Weltliches und Uebersinnliches, Zartes und Derbste». Farben, Töne. Gestalten und Gerüche fanden sich da zu einer seltsam widerspruchsvollen und dennoch vorhandenen Einheit zusammen. Zu einer Einheit, welche die alle» vereinigende Weltstellung deS Herrscherhauses- wiedcrspiegclta und von Pracht und Prunk überströmen könnte, weil die Förderer und Beschützer dieser Kunst sich daS leisten konnten. So gingen alle Wunder des Märchens in die von den I c s u i t e n Vera»- Hausbesitzers wurde verhaftet. Die ungarischen s Freischärler, die sich zum größten Teile ans Angehörigen der Offiziers- oder Studenten- kreise zusammensetzen, sind vollkommen s c I dm arschmäßig ansger ü st e t und mit Stahlhelmen und Handgranaten versehen. Jede der etwa 16 Mann starken Abteilungen führt ein M a s ch i n c n g ew c h r mit sich. Eine Erklärung des Präger magyarischen Gesandten. Prag, 3. September. Ter magyarische Ge- sandle in Prag hat dem Auswärtigen Amte folgende Erklärung überreicht:„Eine Reihe von Blättern der tschechoslowakischen Republik hat in den letzten Tagen grundlose(!) tendenziöse Meldungen über das Verhalten der ma- gyarischcn Regierung bei der Evakuierung Wcstnngarns verbreitet. Ich bin zu der Er- klärnng ermächtigt, daß die magyarische Regierung die erste Zone des Oesterreich zngc- sprochcncn Gebietes vollständig geräumt und den österreichischen Behörden übergeben hat. Tie Uebergabe der zweiten Zone— eines alles in allem ö bis L km. breiten Gebietes— wurde vorläufig vertagt,' damit Ungarn von Oesterreich b e st i in m t c B ü r g s ch a f- t e n erhalte, welche wirtschaftliche nnd si- nanziellc Interessen magyarischer Korporativ- neu nnd Privatleute betreffen.'An jenem Falle handelt es sich hier um reine lieber- gaugsniaßnahmen. An der ersten Zone befin- dct sich nicht ein einziger magyarischer Sol dat('.), geschweige denn Militärformationen. Wenn sich die Bevölkerung der geräumten Ge- biete(nämlich HeyaS und Pronay. d. Red.) gegen die österreichische Okkupation mit Waffen zur Wehr setzen würde, könnte die inagha- tische Regierung für diese Ereignisse nicht ver- ainworilich gemacht werden. An der zweiten Jone sind von den magyarischen Abteilungen nur einige Gcndarmerieforinationen zprückge- bliebe». Ich muß daher erklären, daß alle Informationen, welche das Gerücht vcrbrei tcn, daß magyarische Truppen in den geräum- tcn Gebieten verblieben sind, j e d c r G r u n d läge entbehren(!) Es wurde auch behauptet, daß der gewesene Ministerpräsident Friedrich sich an die Spitze einer Bcive gung gestellc habe, deren Ziel es gewesen sei, das gegenwärtige Regime der Regierung Horihh zu stürzen,.Start zurückzurufe» und mit Hilfe magyarischer Truppen den habsbnrgi- scheu Thron in Wien wieder herzustellen. Alle Alarmmeldnugen über den sogenannten„lvei- ßcn Schrecken" und andere verleumderische Ge- rächte werden von gewissen Ungarn feindlichen Kreisen in der tendenziösen'Absicht verbreitet, die ernsten und loyalen Bemühnngen der ma- gyarischcn Regierung, die schweren Beding»»- gen des Friedens von Trianon ehrlich zu erfüllen, vor dem Auslände zu diskreditieren. Magyarische Rciscerschwcrung für das . Burgcnland. Budapest, S. September.(M. T. K. B.) Durch eine Verordnung des MiinsteriumZ des Innern wird die Erteilung von Reisclcgili- inationcn nach Wcstnngarn wesentlich ver- schärft. Reiselegitimationen nach diesem Ge- biete werden nur in ganz besonderen Fällen ausgestellt. stalteten t i r ch l i ch-d r a»i a t i s ch c n Spiele ein; das waren Schaustellungen fürs Volk, aber die Kosten trug die reichste Körperschaft, die Kirche, und das erklärt ihren bis heute unerreichten Luxus, die Menge der Mitwirkenden und der Bühncnmaschiiuzn. Der zweite Träger von Reichtümern, H o s und Ade t, Pflegte mit ähnlichem Aufwand die italienische Oper, deren Darbietungen nur die vornehmsten Da- men und Herren lauschen durften. Das zu einer gewissen Geltung aussteigennde Bürgertum kam in den heiteren Einlagen zu Worte, welche die feierliche Handlung der Prachtstücke fröhlich durchzogen. Echt bürgerlich ist vor allem der Spalt auf den rohen, ungebildeten Bauer, der bald das klassische' Kostüm des Wiener Spaß- machers anziehen und als„Hanswurst" über die Bretter wandern sollte. Das geschah im Kärntnerlortheater, wo Johann Antonin Stra- nitzki 1712 einzog, der geniale erste Hans- Wurst. Mit seiner Gründung bekam das Bürger- tum eine eigene Bühne, hier fanden alle Ge- liiste nnd wohl auch die Sorgen, welche die Brust des braven Spießers durchzogen, einen scharf verzerrenden Spiegel. Die geistige LoS- lösnng des Bürgers vom hohen Adel tritt am deutlichsten im langsamen Siegeszng des Sit- tenstückcs zutage. Jahrzehntelang war es nur ein Stiefkind, behauptete sich mühsam im dunklen Winkel neben Oper. Ballett und Sing- spiel, neben bunten Zauberdramen, pathetischen Ritter- und lauten Räubcrstücken, in denen frei- lich auch niemals die derbste Komik fehlen durfte. Philipp Hafner, ein genialer, früh Verstor. b-ncr Bruder Liederlich, stand mit hektisch ge- röteten Wongen an seiner Wiege, Schikane- der, der Dichter der Zanberflöte, hat c3 kraft- voll weilergeführt und in'Josef Ferdinand Kriilgsteinee fand eS einen tüchtigen Eilte scharfe Kritik ait drn Deutsch- bürgerlichen. Achnlich Ivic vor einigen Tagen der„Ret» chenberger Zeitung" liest nun die dcuischnatio- nalc WarnSdorfcr„Abwehr" der Führung der deutschbnrgcrlichen Politik tüchtig den Text, in- dem sie schreibt: Wenn seit Jahr nnd Tag die deutsche Bevölkerung über mangelnde Führung, über das gänzliche Fehlen eines zielsicheren Vorgehens namentlich in wirtschaftlichen Fragen llagie, waren die erwählten Führer stets verschnupft und beschwerten sich, daß die Bevölkernng ihren Weisungen nicht Folge leiste. Demgegenüber muß nnllmwnndeil festgestellt werden, daß in sehr vielen Fragen entweder Überhaupt leine Weisungen erfolgten und die Wählerschaft dann verschiedene Wege ging, oder daß Weisungen ausgegeben wurden, die hinterher einfach mit lausend„wenn" und„aber" widerrufen oder ins Gegenteil vcrivandclt wurden. Wohin wir da kommen, muß jedem einleuchten. Die deutsche Politik wird dadurch diskreditiert, wird zum Gcspötte unserer Todfeinde und niemand wird deutsche Wünsche und Beschwerden mehr ernst nehmen, zu allerletzt die Regierung, die ihre deutschen Pappenheimer genau kennt und jedesmal die Erfahrung bestätigt sieht, daß sie »ach an'äilglichent Raunzen schließlich dach zu Kreuze kriechen. Eine neue traurige Bestöti- gung dieser haltlosen Zustände bietet die Tele- vhonanlcihcfrage. Als das Gesetz im Parka« mente gegen die Stimmen der Deutschen beschlossen tvar, ertönte eS von allen Seiten: „Nichts zeichnen". Auch von„oben" kam diese Parole. Wenn auch bald nachher einer der „Obersten" hintenherum eine gegenteilige La sung ausgab, so spürte man d-.-ch ans dem La» ger der Untcrfe'dhcrreit„leinen Hauch". Tic Wählerschaft, die Industrie, die Gewerbetrei- benden, die Gemeinden usw. beschlossen, die Anleihe nicht zu zeichnen und durchzuhalten. Jetzt, noch lange vor Schluß der Zeichnungöfrist, wird zum Rückzug geblasen. Rcichenberg fiel um. In der Sitzung des Ausschusses zur Zeichnung der Telcphonanlrihc war auch ein Abgeordneter zugegen und er fand keine an- deren Worte als die übrigen, daß man die An- gelcgenheit dem Ermessen jedes Einzelnen über- lassen iitüsse. Auch von anderen politisch füh- renden oder den Führern nahestehenden Sellen werden Mitteilungen an die Presse perschickt, die zum so und so vieltcn Male die Ungerechtigkeit und Ungeheuerlichkeit der Telephonan- leihe kennzeichnen und darauf hinweise», daß man dabei die tschcchichen Telephonteilnehmer sehr schonend behandele, die Deutschen aber »all, allen Finessen des Gesetzes schröpfen werde lim die deutsche Iudüstrie, Gewerbe und Handel; ü vcrnschien oder wenigstens schwer zu bc- schädigen, iwev ein Wort der entschlossenen Ab- lehnung finde» wir in diesen'.Mitteilungen nicht mehr. Im Gegenteil, zwischen den Zeilen rann ma» lesen, daß die Anleihe dum doch gezeichnet werden muß.— Bei aller Würdigung der schwierigen Stellung unserer Volks- Vertreter drängt sich da unwillkürlich die Frage ans: Haben das unsere Führer nicht vor Wochen gewußt? Wenn ja, warum schwieg man, oder gab die gegenteilige Weisung? lind warum sagt ma» uns jetzt nicht frisch nnd frank die Gründe, die die Ausgabe unseres Widerstandes notwendig machen? Wenn die Herren Führer sein wollen, müssen sie eben führen. Aber der Führer muß ein sichere» Ziel haben und nnvc- irrt darauf losgehen. Dann wird das Volk folgen, Wenn er auch manchmal Fehler begeht. Ein ewiges Schwanken untergräbt das Ver- trauen: wir dürfen uns dann nicht wundern, wenn sich immer mehr und mehr verdrossen vom öffentlichen Leven zurückziehen und schließlich jeder macht, waS er will. R e i ch e n b e t f| ist umgefallen,©oblong beschloß in einer mächtigen Versammlung gleich Warnsdorf und Leipa, an dem Beschlüsse, nicht zn zeichnen, festzuhalten. Wird der Beschluß in den Städten einheitlich durchgeführt werden und wird die Mehrheit der Städte diesem Beispiel folgen? Wir gestehen offen, daß wir daran zweifeln! Es hat den Anschein, daß wir uns wieder einmal unsterblich blamiert haben. Wir wollten den Entschlossenen mimen nnd falten zum Gaudium unserer Gegner um. Und der Hauptvcrband der deutschen Industrie, mit''einem Sitze in Töplitz, der doch am beste» die Auswirkungen des Umso lies abzuschätzen weiß, der wisseil muß, daß die Tschechen nunmehr die fiskalische Ausbeulung in noch größerem Maße als vordem betreiben werden, der macht seine Haltung von jener der— tschechischen Industriellen abhängig, die natürlich gute Grinde dafür haben, einen Konflikt mit dem Steuer- ärar zu vermeiden. Daß die tschechische Iudu» stric schließlich die Anleihe zeichnen werde, das war doch vorauszusehen. Warum wurde dann aber die Rbwehraktion propagiert? Da hat jede Partei lind jede Wirtschaftcgruppc ihre Kanzleien und viel Geld wird alljährlich vertan. um„uns zu organisieren". Wir empfinden eben wieder recht schmerzlich, wir wir or- ganisicrt sind. Mit solchen Halbheiten m"ß endlich einmal ausgeräumt werden. Diese Aus- ränimlngsarbcit ist Sache des dentschparlaineii- tarischen Verbandes, ist Sache der Führung. Tic haben uns Richtung und Ziel zn weisen nnd endlich jene Organisation anzustreben, der sich das ganze Volk untcrwerscn muß. Dieser trefflicheil Kritik haben wir kein Wort hinzufügen. Spiite Erkenntnis. Wechsclvoll wie jeder Siandpunkt der Kom- mnnistcn ist auch ihre Stellung zum Parlamentarismus. An einer Erkeimlnls, zu der man durch eifriges Nachdenken gelangt ist, festzuhal ien scheint für sie ein bürgerliches Vorurteil ;n sein. Kur; nach Beendigung des Krieges entarten die deutschen Spartakisten jedem Parlament den Kampf vis aufs'Messer nnd moll Icn sich an den Wahlen in die Rationalver- ! sam.nlnng nicht beteiligen. Später schwenkten j sie um und erklärten das Parlament als Tri büne zu beilüden, auf der sie ihre Ideen vertreten. Sie schwatzten also in den Schwatz bnden" lustig mit. Nim vollziehen sie aber wie der eilte Schwenkung. Ter Herr P. S. ans Neichenberg ist es, von dem die neue Lehre ausgeht. Er schreibt ini„Vorwärts": ..Die KoiilNlunistischc Partei muß selbst parlamentarisch insofern tätig sei», als sie in Bor- schlagen, die sie der Regierung unterbreitet, Härten dem Gesetze abzuändern versucht ujn>. Gelingt ihr da» nicht, und es wird heule auch nicht gelingen, dann soll das nur Beweis mehr sein, daß die parlamentarische Tätigkeit oft von der direkten Aktion ersetzt, oft von ihr unterstützt werden muß." Der Herr P. S. gibt also das als neuesten Schlager, als nette lommn- nistische Parole ans, was wir Sozialdemokra- len feil mehreren Jahrzehnte» sagen, was ge- tan wird, seit Bebet durch seine Tätigkeit int deutsche» Reichstag von 187 1 an für das in- .crnationaie Proletariat eine vorbildliche par- lanientarische Taktik geschaffen hat. Auch hier offenbart sich der geistige Bankerott der Kom- nlnnislischen Partei, die die Arbeiterbewegung geschwächt nnd gespalten hat, um dann a!» i h r e Weisheit— die taktischen Grundsätze der Sozialdemokratie auszugeben. Pflegevater. Aver solange die verschiedenen Schichten dcS Bürgertums»och nicht allzu scharf von einander geschieden waren und der Abstand zwischen dem wohlhabenden Kaufmann und dem kleinen Handwerker sich noch in engen Grenzen bewegte, war es eine Gattung neben den anderen Gattungen auch, die wirtschaftlich einheit- liche Masse deS Spießertums bevorzugte im Gegenteil jene Arten von Stücken, die es über den 'Alltag hinaushoben. Im Spielplan der vor 1500 gegründeten Bolksthcatcr„in der Lcopoldstadl", „an der Wien" lind„in der Joscfstadt" über- wiegen denn auch die sogenannten„Bolksmär- chen" vor jeder andern Gattung, Ferdinand R a i in u n d war ihr letzter großer Vertreter. Der eigentümliche Zug von Schwermut, der seinen Werken eignet, erzählt aber dein feiner Hinhorchendcn, daß die Zeit dieser Stücke um ist. Vorbei ist, weil mit den geänderten ökonomischen Verhältnissen, mit der um 1830 eingetretenen scharfen Scheidung deS Bürgertums in wirtschaftlich verschieden starke Schichten die ein- heitliche Scelenstimmung der Zuhörer aufgehört hat und einer inneren Zerrissenheit gewichen ist. Die Wiener selbst waren sich dieses ihre» Wan- dels nicht bewußt, aber der prophetische Geist Johann Ncstroy» hat ihn dennoch erlauscht und mit unbarmherzigem Griffel festgehalten. Dieser alles zerstörende Hohn deckt auch die so- zialen Wunden und Schwären auf, an denen die Zeit krankte, und wer vom Svott abzusehen weiß, wird ans mancher Posse Nestroys einen Totengcsang für das absterbende Handwerk ver- nehmen. Der Begriff„Volk" als geistige Ein- heit war eigentlich um 1M8 herum endgültig vorbei, da» Bemühen, unter solchen Umständen da»„VolkSstück" zu retten, von vornherein zum Mißerfolg verurteilt. Ncstrohs Nachfolger trotte-. len einfach in der alten Bahn weiter und setzte»] nur Allbekanntes zn neuen Formen zusammen, Anzengr»l> e r übernahm de» tragischen Versuch, die zum Tode verurteilte Gattung mit neuem Geist zu erfüllen. Er gab dabei dichterisch nnd menschlich Großes,.setzte vor allem Nestroys soziale Kritik in seinem hinreißendsten Werk, dem „Vierten Gebot", meisterlich fort, aber das Unmögliche konnte auch er nicht leisten. Seine An regungen kamen dem„hohen Drama" zugute, die breite Ocffentlichleit siel der O p e r c t t e an- heim. Die Operette ist die eigentliche Kunst de» kapitalistischen, in Scbeinbildnng verflachten Bürgertums, seine Freude an der glänzenden Oberfläche, am Leichten, Gefälligen und Unbedeutenden spricht au» de» schwebende» Rhythmen von Offenbach bis Lehar. Die ganze, große Masse der Bevölkerung aber wurde auch von der Operette noch nicht erfaßt, da» gelang erst dctzl K i n o. Diese» vermag die Bühncnkunst auf eine ungeahnt breite Basis zn stellen, seine billigen Betriebskosten könnten es zum Felde echten proletarischen Genusses machen. Könnten — wenn nicht gewissenlose Spekulanten mit Schancrdramcn nnd Detektivromanen die Phantasie vergiften lind die Nerven aufpeitsche» wollten, so daß Volksverderbnis nnd Verbrechen ans einem Acker wachsen, der gesunde Früchte zu tragen befähigt ist. Im Kino schlummern unge- Zählte Möglichkeiten, Volksbildung und Volk»- vergnügen könnten von ihm ausgehen. Das klassenbewußte Proletariat könnte daS Kino zu seiner künstlerischen Waffe ausgestalten; der erste, notwendigste Schritt dazu ist, daß eS vor allem mit dem Lügengeist der Sensation bricht, der bisher die Kinokunst vergewaltigt.—ck. Bciic 4. ,Mchcchischdcntscher Atreit". j'ut keinem heutigen Leitartikel„Tschechischer- Tentschcr Streit" reagiert der„Benkov" das Organ deö gewesenen und voraussickitlich künftigen Ministerpräsidenten Svehla, auf die auch von unö im gestrigen Blatte besprochenen Ausführungen zur deutsch-tschechischen Frage 'Uustav S i c r» s in der„Tribuna" vom 2. d. Bemerkenswert ist, daß der„Benkov" zugibt, daß auch die Tschechen viel Schuld trifft, wenn die Deutschen die tschechoslowakische Rc- Publik nicht auch als ihren Staat betrachten »nid sich in ihm nicht zu Hause fühlen. Auch die Ausführungen der„Tribuna" gegen die tschechischen Ausflüge in das deutsche Sprach- gebiet finden seine Zustiniinnng. Ter„Benkov" findet freilich diese Schuld verzeihlich im Hin- blicke darauf, daß den Tschechen angeblich kein anderes Beispiel und Muster für die Äicglcnng der deiBch tschechischen Beziehungen zur Bcr- fügung stand, als das Programm, das die deutschen Radikalen während des Krieges für den Fall des Sieges der Zeutralmächte ansgc- arbeitet hatten, und findet es ungerecht, wenn die angeblich große Zurückhaltung der Tschechen die sie angesichts dieses deutschen Planes gegenüber den Tcntschen beobachten, nicht von dieser gewürdigt wird. Tiefe ständige Berufung der Tschechen aller Schattierungen auf daS deutsch- radikale Programm zur Bemäntelung ihres bisherigen von den auch von ihnen stets beton- ten Grundsätzen der Gerechtigkeit und Gleich- bcrcchtignng aller Staatsbürger abweichenden Verhalten übersieht geflissentlich das Brünner Programm der Sozialdemokratie, verschweigt die eingehenden Arbeiten R c n n e s zur Lö- sung des nationalen Problems und verleugnet die immer betätigte Stellungnahme der dcnt- scheu Sozialdemokratie gegen alle Vcrgcwalti- gungSversnche von dentschbürgerlichcr Seite ohne Rücksicht auf die Popularität der natio- nalistischcn.Schlager. Sozia»b»»»tra,t Tschechische Presscsiimmcn zum Erscheinen des„Sozialdemokrat". Tas Charakterbild der tschechischen Presse tvird offenbar, tvcnn man ihre Stimmen zu unserem Erscheinen bcr- nimmt. Während uns die einen in schlauer Schcinfrcnndlichlcit gar loben und unseren Internationalismus preisen, stempeln uns die anderen, nämlich die nationalistischen Zeitungen selbst zu Nationalisten. Tas Blatt des Herrn Dr. Ccrny, die„Cesko Slov. Rc- publika", bedenkt uns freundlicher Weise mit guten Ratschläge», es begrüßt unser Erschei- neu sogar, was uns natürlich sehr schmeichelt, »nd lobt unsere internationale Gesinnung; der „Narodni Politik«" dagegen kann uns bcdan- erlicherweise nicht von der„Rcichcnbcrgcr Zeitung" und vom„Trautenauer Tagblatt" unterscheiden. Wie traurig ist dieser Mangel scdwcdcn Untcrscheidnngsvermögens der„Na- rodni Politika". Auch die Lidove Novinh", das Blatt des Brünncr Chauvinisten HranSkh, läßt sich kleine Bruchteile ans unserer ersten Nunc- tner tclcvhonicrcn und überschreibt jene kurz- ivcgs mit„Nationalismus der deutschen So- zialdemokratcn". Es ist gar nichts anderes von ihr zu erwarten. Die„Präger Presse" zi- nert unsere Kundgebung gegen den Kapitalis- cnns und stellt ihm unsere Forderung des Selbstbestimmungsrechtes gegenüber. Sic sin- Jet scheinbar beide Forderungen beim deut- chcn Volke unvereinbar. Wie könnte auch die- es tschechische Regierungsblatt einen Sinn für Selbstbestimmung des deutschen Volkes haben! Vir russische Hunger- und Seuchen- Katastrophe. Moskau, 3. September.(Funk,) Ans allen vom Hunger betroffenen Gouvernements trachtet man die Kinder zu evakuieren und in Gegenden zu bringen, die besser mit Lebens- mittel» versorgt sind. Aus dem Gouvernement Saratow werden in 6 Sanitätszügcn 3000 Kinder abtransportiert werden und auf Pe- tcrSbnrg, Witcbak. Nischnijnowgorod und an- deren Städten verteilt werden. 15.000 Kinder werden in staatlichen Ausspeisesiellen verköstigt. In vielen russischen Städten werden Hilss- Wochen für die Hungernden veranstaltet, Wäh- rcnd dieser Woche liefern die Arbeiter den gan- zen Wochcnlohn zur Unterstützung ihrer hun- grndcn Brüder ab. Am 20. August fand in Kiew ein HilfStag für das Wolgagcbict statt, bei dem über 300 Millionen Rubel gesammelt wurden. Aus dem Gouvernement Saratow wird ge- meldet, daß die Zahl der Hungernden im Gou- vcrncmcnt Saratow eine Million beträgt. Im Bezirke Chlvalynk stirbt die Tartarischc Bcvöl« kcrung aus. In den Ausschcisehäusern, die im Gouvernement Saratow errichtet wurden, bc- kommen etwa 40.000 Kinder das Mittagessen. Tie Cholera nimmt im Gebiete von Saratow ab. Tagcgcn v c rb r c i t c t sich in b c d r oh- l i ch e r W e i s e der B a n ch t v P h u s. Wäh- rcnd in der letzten Woche kein einziger Cholera- fall zu verzeichnen war, erkrankten täglich 20 bis 22 Personen an Bauchtyphus._ Ans Kasan wird gemeldet, daß dort täglich bis 25 Perso- ncn an Flecktyphus erkranken. Das Rote Kreuz gegen Nansens Abmachungen mit Sowjclrußland. Paris, 3. September. Wie„New 3)ork Herald" ans Genf meldet, werden die Ä b m a ch n n g c n N a n s c n s mit der Sowjctrcgicrung vom internationalen Komitee des Roten Kreuzes nicht g e- billigt. Nansen wird die Ucbcrschreibung seines Mandats vorgeworfen/ Optimistische Berichte ans Rußland. Hclsiiigfors, 3. September. Der gestern hier eingetroffene finischc Gesandte in Moskau Oberst Gyllcnbögel bezeichnete als Nr- fache der Auflösung des a l l r n s s i- scheu H i l f s a u s sich u s s c s die Ueberzeu- gung der Sowjctrcgiernng, der Lage in den Hungergcbieten nunmehr Herr werden zu können. „Prawda" zufolge verfügt die Regierung ge- gcnwärtig über 0 Millionen Pud Getreide zur Aussaat. Sie sehe die Lage optimistisch an. Eine größere Katastrophe sei nicht zu befürchten. Tic politische Lage sei unverändert und werde durch die kleine kommunistische Gruppe durch Energie und Terror beherrscht. Tie Aufgabe ihrer Grundsätze über die Hau- delsfrcihcit sei eine Tatsache. Ter Landbesitz sei wenigstens den kleineren Besitzern zurückgc- geben worden, nur die Kaufbriefe würden er- setzt durch von den Bolschewistcn ausgefertigte. Jedermann könne beliebige Unternehmen pachten und auf eigene Rechnung bebauen. Hilfe für Rußland. B n c n o s- A i r c s, 3. September.(HavaS.) Ter norwegische Dampfer„Margit" ist mit einer Ladung von 5.000 Tonnen M c h l nach Rußland abgefahren. C h r i st i a n i a, 3. September.(HavaS.) Ter r u s s i s ch-n o r d i s ch c H a n d c! s v c r- trag wurde gestern unterschrieben. Argentinische Hilfe. MoSkan, 3. September.(Funkspruch.) Tic nach dem 5. September eingebrachte Brotfrncht Rußland, wie es leidet. Fünf Jahre Krieg haben wir erlitten, haben Renschen mit dem Tode ringend hinsinken sehen, haben gehungert und gefroren und die Kunden, die der Krieg und der„Frieden" in zen Leib dcS mitteleuropäischen Proletariats zuschlagen hat, bluten noch iinvcrnarbt weiter, ttber dieses Leide» ist. verglichen mit den Mar Hirten des russischen Volkes, erträglich und ge .°ing. Wer kann sich in seiner Vorstellung bloß »ie eine Meldung vergegenwärtigen, daß »reißigtansend Kinder, von ihren Eltern der- pvcifclnd verlassen, mit dem Hunger ringend niihcrirreii? Diese eine Tatsache ist so grauen- wtl, daß daS Herz der suhlenden Welt auf- gickcil und alles Genieße» ans ihr wie mit micin Schlag ersterben müßte. Wer will in diesem Augenblick mit den kaiincii der Gestirne, wer mit de» Mächtigen »er Erde rechten? Helfen müssen wir, retten, icistehen einem Volle, das die furchtbarste Not ictrossen! * „Was man erfährt, sind Bruchteile von Bruchteilen," sagt Arthur H o l i t s ch e r in einer Reisestndie„Drei Monate in Sowjelruß- und"(3. Fischer, Berlin). Höllischer bat vor Monaten mehr als einen Bruchteil des Wissens ibcr Rußland mit nachbanse gebracht, ein »irchdringend gcschaiitcS, von tiefmenschilichem begreifen erfülltes Werk, da? ungebunden ist an las Porgramin einer Partei.„Aus Mensch- jcitSdrcing und innerer Bedrängnis, wenn auch u Auftrage eines ZeiiiingSkonzerns, ist e? nach llußlaiid gegangen: er bat diel geschaut, und venu in ihm auch unbeugsamer Optimismus >as Schauerliche des russischen Lebens über- «nnden hat, so hat er dennoch mit Klarheit die soll nicht mehr für die Aussaat, sondern für die Ernährung der Bevölkerung verwendet werden. Bisher sind 80 Prozent des Aufbrin- gungSplanes erfüllt.—„Bjcdnota"(Elend), das Blatt itar Bauernräte, wendet sichgegen eine neuerliche Getrcideabgabe und versichert die Bauern, daß die, die ihrer ersten Ablieferungspflicht nachgekommen sind, keine weiteren Abgaben zugeschrieben erhalten werden. Den Hungernden zu helfen, sei jedoch Pflicht aller Bauern in den fruchtbaren Gebie- ten, die auch ohne geschriebenes Gesetz erfüllt werden muß.— Die Nachrichten über die Ernte aus dem Gebiete von Kiew lauten über- aus g ü n st i g(?). BncnoS-Aircs, 2. S e p t c m b c r. Der nor- wcgisckie Dampfer„Marth" ist mit 5000 Ton- nenOel für Rußland abgegangen. Hinrichtungen. Moskau, 3. September.(Funkspruch.) Die Petersburger„Pravda" veröffentlicht ein Bcr- zcichnis von 21 Personen, die wegen aktiver Beteiligung an dem Petersburger Komplotte erschossen worden sind. Bolschcwistisch-afghanistischcS Bündnis. Moskau, 3. September.(Funk.) Am 13. August hat am Hofe des Emirs Achanulli- Khan von Afghanistan der Austausch der Ra- tifikationSurkunden des BüidnisvertrageS mit Rußland stattgefunden. polen in Gärung. Während Polen sich anschickt, nach echt im- pcrialistischcn Manieren einen neuen Bissen, Obcrschlcsicn, zu verschlucken, erweist cS sich nach innen her immer tvcnigcr tauglich, daS ihm gestellte Problem einer Festigung der Wirtschaftsvcrhältnisse und der Valuta zu bc- wältigen. Gcrcchtcrwrise muß man ihm zu- billigen, daß es die Verschmelzungen zur staat- lichcn Einheit als besonders schwierige Aufgabe vor sich aufragen liattc, weil ihm drei so der- schieden organisierte Staaten wie Rußland, Deutschland und Oesterreich die Bestandteile geliefert haben. Aber dieses reiche Erbe so in Grund und Boden hinein zu verderben, ivar trötz dieser Schwierigkeiten nicht notwendig, dazu mußten sich Habsucht und Berantwor- tungslosigkeit bcr herrschenden Schichten in einem sonst ungewohnt hohen Maße ziisam- mcnfin'oen. Ihr Verdienst ist es, daß heute die polnische Mark kaum 215 tschechische Heller wert ist und daß sich Arbeiter und Angestellte, mag auch ihr Jahreseinkommen in die Hun- derttausende gehen, dcr bittersten Not gegen- übersehen. Was bedeutet auch eine Monats- cntlohnniig von 15000 Mark(soviel ungefähr verdienen gutgczahlte Arbeiter), wenn 1 Liter Ocn 60. l Zentner Kable 1200 Mark kosten? Da istS kein Wunder, daß die Postbeamten ein bis zum 15. d. M. befristetes Ultimatum stel- lcn, widrigenfalls sie in den Streik treten wol- lcn, daß die Eisenbahner in Lublin und Cholni die Arbeit eingestellt haben und daß auch die Bolschcwiti Morgenluft wittern. Wenigstens soll sich dcr Volkskommissär Dzicrzgusli seit einigen Tagen in Uliask aufhalten, wohl in dcr Hoffnung, daß aus den allgemeinen Bcr- ztveiftnngcn sein Weizen erblühe. Tic Rc- gierung nimmt all dein gegenüber den„starke» Mann" und droht unter Berufung ans die 28 Milliarden, welche die Gehaltserhöhungen angeblich schon kosten, streikenden Staatsbc- Katasirophc in ihrer unausdenkbaren Größe vor- gecchnt. Was er vor Monaten schon an Not und Elend gesehen hat, mögen die nachfolgenden Stellen seines Werkes dartun. * In Moskau sieht man viel Landbevölkerung. Sic strömt nicht nur in die Stadt, um liier Schleichhandel mit den verhungerten Ein- wohncrn zu treiben, sondern im Gegenteil: dcr Hunger ist es, dcr sie in die Stadt jagt. In dieselbe Stadt, die sie, wenn daheim die Ernte gut und üppig ausgefallen ist, gern verelenden läßt. Dieses Jahr hat manchen Gouvernements furchtbaren Mißwachs gebracht, damit distriktweise Hungersnöte, wie sie dag arme Land seit Jahrzehnten nicht erlitten hat. Staatliche Miistersarmen haben Saatkorn unter die Bauern notleidender Provinzen vcr- teilt, aber statt es zu säen, haben es die Bauern, man weiß nicht recht, aus Bosheit oder Dumm- hcit, gemahlen und verzehrt. Die Bolschewik! haben einen harten Kampf zu führen... Gegen den unsinnigen Ansturm dcr vcrclcn- beten Bauernschaft wehren sich die hungernden Städte, wie sie können. In einem Moskauer KindcrgcrichtShof wohnte ich einer mivcrgeß- lichcn Szene bei: Eine Bäuerin a»s Tula, eine schöne, stattliche Frau, war mit ihren zwei kleinen Kindern und einem Korb Acpfel, ihrem einzigen Besitz, nach Moskau gekommen. Als die Achsel verlauft waren und dcr Erlös verzehrt, batte die Miliz die armen Menschen in tun Paris des nördlichen Moskau umherirrend on- gctrossen. DaS ältere von den beiden Kindern, ein siebenjähriger Knabe, hielt sich mit Mühe ausrecht: das jüngere, ein zweijähriger, schien rosig und rund— wenn man näher hinsah, bc- merkte man'die unnatürlich gedunsenen Gelenke, Anne, Beine, Bauch, Gesicht wie Kürbisse angeschwollen— Oedcm. Dcr Frau stürzten die Tränen ans den Augen. Sic heulte vor Schmerz und Angst; man mußte sie heim nach Tula schicken, ein Exempcl war zu sta- Mieren; mein Leben lang werde ich mich an den Ton erinnern, den Laut eines armen, verenden- den Tieres. Im selben Gerichtshof waren, zwischen Bajo- netten, einige kleine Spekulanten erschienen, Schulkinder, die ihre Schule gar nicht zu schwänzen brauchten, denn sie war ja wegen Mangels an Brennholz geschlossen. Einein von diesen Kleinen, einem zehnjährigen geweckten Knaben, dem das Verhalten vor Gericht schon vertraut zu sein schien, wurden mit einer Schachtel Zigaretten 30.000 Rubel abgenommen. * Dcr Winter war gekommen und daS Leben wurde härter. In den Kommissariaten sah man Hände, die wie Hiuiimcrschcrcn aus dünnen Acrmcln hervorstachen. Die verdorbenen Hei- zungsröhrcn gestatteten oft keine, wenn auch noch so geringe Durchwärmung dcr riesigen Häuser. Viele Holzhäuser wurden abgebrochen, man passierte mitten in dcr Stadt verwüstete Gassen. Das Bauholz wurde verheizt. Abends, sobald es dunkelte, konnte man giitgcklcidetc Frauen ans diesen Trümmerstättcn Holz, Ta- pctcnfetzen und Ziegelsteine sammeln sehen. Ziegelsteine braucht man in den Zimmern, um das eiserne Ocfchcn auf sie zu stellen. Ich fragte auf dem Markte nach dein Preis eines solchen Ocfchens, daS nicht größer als ein Ziilindcrhiit war: 70.0(10 Rubel. Dies war noch spottbillig im Vergleich zu der so nötigen Röhre. Ter Preis einer solchen stieg inS Unglaubwürdige! Schon konnte man in den Straßen Menschen beobachten, die, vor kleine Handschlittcn ge- spannt, den Strick um Hüsten oder Schultern ' ü ü mtkiänn TBßJL'l j amten mit der Entlassung oder mindestens mit dein Verlust aller Pensionsansprüche. Zu- gleich vertröstet sie die Hungernden mit glän- zenden Erntcaussichten, verspricht zum hun- dertstenmalc strenge Maßnahmen gegen den Getreidewucher, als ob Witos den agrarische» Brüdern jemals weh tun könnte, und leim den Zorn des Volkes auf die Minoritäten- auf Juden und Deutsche ab. Nachdem in Lodz und im Posenschen schon längst die Deutschen mit allerlei Brutalitäten und mit den feineren, aber viel schmerzhafteren Künsten der Bcrtval- wng gequält worden sind, dringt nun auch nach dem dritten deutschen Zentrum, Ostschlc- sien, aus dem obcrschlesischcn Jnsurrcktions- gebiet hinüber die Presse Berfolgungsilmt. Alles in Polen, die wirtschaftliche Lage wie die nationalen Verhältnisse, steht eben unter Hochspannung. Finden und öffnen die Macht- aber nicht bald ein Ventil, dürfen sie sich über eine Explosion nicht wundern. Die obcrschlcsische Frage schon entschieden? Berlin, 3. September. Ter Genfer Be- richtcrstatter dcr„Deutschen Allgemeinen Zci- tung" meldet, hinsichtlich der obcrschlesischcn Frage bestehe aller Grund zu der Annahme, daß die Verhandlungen, die i n p c r s o n l i ch e n Gesprächen zwischen den Mitgliedern des Rates geführt worden sind, bereits viel weiter gediehen sind, als dies in dem gestrigen Beschlüsse zum Ausdrucke kommt und daß ein st i l l s ch w c i g c n d c s U e b e r c i n k o m m c n ü b e r d c n Vcr- lauf der Grenzlinie sichergestellt ist. Eine Gewalttat dcS obcrschlesischcn Selbst- schutzcö? P a r i s, 2. September.(Havas.) D c r b r i- t i s ch c F u n k t i a n ä r d c r i n t c r a l l i e r- ten Kommission in Oppeln, dcr am 30. d. M. mit seinem französischen Chauffeur unweit von Oppeln v on bewaffneten D c u t s ch c n v e r h a f t c t und nach Deutsch- land geschafft wurde, ist mit seinem Chauffeur gestern früh nach Oppeln zurückgekehrt. Die Angreifer haben dcr mächtigen obcrschlc- fischen Organisation angehört und damit ge- rechnet, daß sie im Falle eines Todesurteils über den Mörder des Generals Montalcgre ein Unterpfand haben Wersen. Völkerlmndstaguug. Genf, 2. September.(Havas.) Nach dem Berichte BalfourS hat dcr Bölkerbundsrat beschlossen, die Vollversammlung deS Völker- bundes zu ersuchen, sich über den P r o t c st d c r-a l b a n i s ch c n Delegation wegen Verletzung der albanischen Grenze d u r ch d i e S c r b c n und über die albanischen Grenz- fcstsctznng zu äußern. Tic albanischen Grenzen sind durch die Botschaficrkonfcrcnz ,chon festgesetzt, aber noch nicht ratifiziert. Ter Völkcrbundrat hat weitcrs einen B e- r i ch t L c o n B o u r g c o i s angenommen, der die Errichtung einer Kommission fordert, wel« che mit dem Studium dcr Möglichkeit einer Er- leichterung eines Austausches von g e i- st i g c m Besitz zwischen den einzelnen Na- tioncn, namentlich Mitteilungen und wissen-, schaftliche Informationen über die Erziehungsmethoden betraut sein soll. Gens, 2. S e p t e m b c r. In dcr gestrigen Nachmittagssitzung unter Borsitz des Ministers Bcncs wurde über die Bcstiinmiucgcn. unter welchen Bedingungen neue Zusätze in den Völlcrbundspalt aufgenommen werden können, verhandelt. Es wurde eine Entschließung an- genommen, welche zur Aufnahme neuer gewunden, durch die Stadt nach den weit draußen liegenden Friedhöfen trotteten. Auf den Schlittchcn waren Särge festgebunden; die Leidtragenden hatten sich ihrer Mutter oder ihrer Ehefrau vorgespannt, niemand regte sich weiter darüber ans. EhcrnalS waren es festliche, wcißlockierte FonrgonS, die die Leichen an ihre Ruhestatt brachten. Man sah noch viele von diesen weißen Wagen durch die Straßen rollen, indes sie dienten jetzt den Lebenden: ans ihnen häuften sich Säcke, Kisten, Fässer.— ES ver- steht sich von selbst, daß man über derartige Tinge nicht viel Tränen vergießen darf. Wohin käme man, wollte man an Derartiges viel Ge- fühl und LcbcnScnergien verzetteln? Die mibe- grciflichc Fähigkeit dcS Russen, zu dulden, zu ertragen, manifestiert sich ja ans Schritt und Tritt. Sic zeigt sich bei diesem gottgläubigen und nach Göttlichem hungernden und dürstenden Volke auch in dcr namenlosen Gleichgültigkeit gegen fremdes wie gegen eigenes Leiden. * Die Not des bedrängten Landes wirst den Noten Soldaten, sobald sein schweres Merk an dcr Front getan ist, in Bezirke, wo man seiner Kraft bitter bedarf. Es ist vorgekommen, daß in einem sehr entfernten Gouvernement Arbeits- trnppcn die Eisenbahnschienen aufreißen und sie an einen neuen Frontabschnitt befördern muß- ten, weil die Eisenwerke nicht imstande Haren, Schienen zu produzieren. Nvlstandsarbclten, die dringend auszuführen waren, wurden während einer Pause an einer Abteilung der Front er- lcdigt. AllcS frißt der Krieg, Leben, Wohlstand und Woblcrgehen. EincS aber frißt er in Ruß- land nicht, und daS ist die Seele deS BolkeS. Der Arbeitszwang, dcr für die Soldaten de? kämpfenden Armee im Ruhestand eingeführt ist, steht sich, vom Westen gesehen, Härte? uiib grau- 4. September 1921. Sozialdemokrat w -§■ Seile 6. Nachtra g e Einstim»ligkeit des Rates ober- Dreiviertel Mehrheit der Voll- Versammlung fordert. Das englische Mitglied bat Einstimmigkeit fiir> den Rat und für die Vollversammlung verlangt und sich vorbehal- tcn, diesen Standpunkt bei den Verhandlungen über diese Frage in der Vollversammlung zu vertreten. Minister Bcncs vertritt die Ansicht, daß die Bedingung der Einstimmigkeit im Rate wie in der Vollversammlung die Annahme neuer Ergänzungen fast vollständig unmöglich macheu tviirdc. Seine Meinung wird von der Mehrheit der Kommission geteilt. Frankreich erhebt neue Ansprüche an Deutschland. densvertrage die militärischen Fragen gelost, 7 nehmen die Aufforderung der Versammlung mit mehr oder weiiiger Vorbehal-- teil an, 6 nehmen sie an. Der Bericht der Kommission stellt fest, dag die Umfrage kein sehr s ch l ü s s i g c s E r g e b n i s gebracht hat. Die Kommission tritt sodann an die Be° ratung des Antrages Bourgeois de- treffend Abänderung des Art. 8 und 9 ein. Sic wird gemeinsam mit dein Ausschuß für Ab- anderungen de« Paktes und der ständig bcra- tciidcu Abrüstungskommission die' Frage prüfen. Sozialdemokratie und Laudmirtschast. Paris, I. September. Havas teilt mit: Betroffen von der grausamen Tatsache, daß Frankreich in Gemäßhcit der finanziellen Vor- schlage der interalliierten Kommission vom 19. August von der ersten deutschen Goldmilliardc nichts erhalten solle, war der Ministerrat ein- stimmig der Ansicht, daß n e u e V e r h a n d- l n n g c n u o t w c n d i g seien. Auslegungen, die sich ans gewisse Klauseln dcS Vertrages und das Uebcreinkommen von Spaa beziehen, wer- den als VcrhmidlniigSbasiS dienen. In unter- richteten Kreisen bemerkt man, baß die fran- Z ö s i s ch c ii ii d d c ii t s ch c A n s i ch t über den Wert der S a a r g r u b c n st a r k a u s e i n- andcrgchcn, eine Differenz, die unmöglich mache, diesen Wert auf das Reparationskonto zu buchen, obgleich Frankreich ein In- tcresse daran habe, die Saargruben aus seine eigene Rechnung auSzubeu- t c n. Wenn wirklich eine gerechte und endgül- tige Abschätzung zustandekommt, so würden doch die gleichen Schwierigkeiten über die Abschät- ziing der Schiffe bestehen. Man denke nicht daran, den Obersten Rat zu Hilfe zu nehmen, sondern ist der Meinung, daß die in der Frage unterrichteten Minister eine neue Sitzung in London abhalten können, auf der Doumer und LonSheur Frankreich vertreten würden. Wie „Petit Parisien" zum gestrigen Ministerrat mitteilt, wird sich Finanzimnister Doumer und wahrscheinlich auch Minister Louchcur nach- einander nach Brüssel, London und Rom be- geben, um dort die Gründe auseinander zu setzen, welche die französische Regierung zur N i chtratifizicrung des Pariser A b k o m in e n ö bestimmt haben und um mit den Alliierten neue Lösungen zu suchen. Ktiue Genciizthtit zur Abrüstung. Schweizer Kredithilfe für Deutsch- östcrreich. voll Heinrich Nitschmann(Neutitschein). Die Agrarfrage war schon vor dem Kriege durch die stets wachsende Teuerung der Lc- benSmittel für das Proletariat aktuell. Sie ist zu einem Problem der äußersten Dringlichkeit geworden, in der Zeit während und nach dem Kriege. Die Verwüstungen des;,Krieges wirken in der Frage unserer Lebenöinittelversor- gung nach. Die ungeregelte Lebensmittelversorgung ist zu einer Gefahr für die ganze Gc- Bern, 2. September. Der Bundesrat hat heute über Antrag des Bundesrates Motla die 29jährige Suspension der 23 Millionenfor- derung an Oesterreich beschlossen. Bern, 2. September. Die Eidgenossen- schaft beteiligt sich auf Grund eines Bnndesbe- fchlusscs an der internationalen Kreditaktion für Oesterreich mit einem Betrage von 22 Millionen Franks. Der Bundesrat beschloß in seiner heutigen Sitzung, der Bundesversammlung zu empfeh- lcu, den Verzicht auf gewisse G a- ranticn für die Lebeusniittelliefcriiiigen gc- währten Kredite auszusprechen, sofern die an- deren Staaten die gleiche Stellung einnehmen, nm dadurch den wirtschaftlichen Wiederausbua Oesterreichs zu bes.hleu.iwen Die Griechen scheinen doch)N stegen. London, I. September.(Reuter.)„Daily Expreß" meldet ans Konstautiiiopel, daß die Griechen vor den Toren Angoras stehen. Die K c in a l i st e n haben das Hauptquartier nach Cäsarca vor- legt. K o n st a n t i ii o p c k, 2. September. Nachrichten ans griechischer Quelle zufolge d a n- crtderKampsainSakaria mit nnvcr- niinderler Heftigkeit an. De Kenia listen leisten hartnäckigen W i d e r st a n d. Trotzdem mußten die sicherheitshalber mehrere Punkte in vorgeschobenen Posten a ii f geben. Vorbehalte und Ausreden der Völkerbund- stauten. Genf, 2. September. Die gemischte K o m m i ff i o ii s ii r R ii st n ngsbc- s ch r ä ii k n n g c n eröffnete heute ihre zweite Tagung. Der Bericht, den die zweite Unter- koinmission ablieferte, enthält die Antworten ans die Aufforderung der Versammlung des letzten Jahres betreffend die Beschränkung der Ausgaben für Riistungszwecke. 27 Regierungen haben geantwortet, 13 nehmen die Aufforderung an, einige ohne Einschränkungen, andere mit dem Vorbehalte, der in der Motion selbst vorgesehen wird, oder mit der Bedingung, daß auch andere Staaten die Aufforderung annahmen. Für zwei Staaten ist die Frage durch den Friedensvertrag gelöst worden, 2 Staaten gaben sehr unklare Antworten, scheinen nicht geneigt zu sein, der Aufforderung zu cntsprc- chen, zum Teile, weil nach ihrer Ansicht das Budget keinen Aufschluß über den militärischen Stand des Landes geben könne. Ein Staat weist auf die uns sichere internationale Lage hin. Betrachtet man nun, die europäischen Bölkerbundsniitglieder, so ergibt sich folgen- d c s B i l d: Für zwei Staaten haben die Frie- sanier an, als man ihn in Rußland selbst erkennen lernt. Die zur Arbcitsnmstcllung ge- eignet befundenen Truppenteile haben an der Front die Idee und mit ihr die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Arbeit eingeimpft er- halten. Zudem haben die Organisatoren der Armee ein kluges System der Verwendung der klrbcilersoldatcnmassen aufgebaut. Zu speziali Herten Zweigen der Fabriksarbeit kann man geschlossene militärische Formationen natürlich nicht gebrauchen, da diese sich ja auS Arbeitern der verschiedensten Metiers zusammensetzen. Aber zum Bahnbau, zu der für die Elcktrisi- Hierimg Rußlands gegenwärtig überaus wichtigen Torfarbcit, zu ähnlichen Tätigkeiten lassen sich solche Truppenkörpcr gut verwerten. Auch .sind bereits, wie Trotzki in einem Bericht aus- '.führte, qualifizierte Arbeiter zu Reparaturkolonnen geeint, in Gruppen und Kommandos an verschiedene Werke angefertigt worden. Eine 'bedeutende Rolle spielt bei diesen Arbei'ssorma ttonen die Artillerie. Landwirtschaftliche Merk zeuge, Wagen, Schlitten und Geräte oller Art gocrden durch sie repariert. Der organisierte «rbeiter-Soldat entwickelt dabei auf dem Lande !ltne intensive Ausklärungstätigkeit. ' Rußland ist für den Krieg wohl gewappnet tCS wartet auf den Frieden. Alle?, was ein großes Land zum Leben und zum Ge- chcihcn benötigt, ruht in dem Boden, ruht m den Seelen. Besiegt erst der Frieden die Müdig- feit, die heute wie eine schwere Wolke über Rußland lastet, besiegt er die Not. erhellt den i Horizont, dann ist diese» Land in zehn Jahren baß mächtigste der Erde! ellschaft geworden. Die kleinste Störung in Em Bündnis der Naiidstaatcn. K o w n o, 2. September.(LAT.) Gelcgeni lieh des Besuches des litauischen Ministerprä beuten in Kowno wurde in zwei Sitzungen über die A n L g c st a l t n n g d e S B ii Ii d- nisscs der R a n d st a a t c n E st h l a n d, Lettland und Litauen verhandelt, be sonders in Bezug, auf die geineinsamc Bcr- t e i d i g ii ii g und die gegenseitigen Wirt- s ch a s t l i ch e n Beziehungen. Tie VerHand iitiigcn, die streng vertraulich waren, I"' en 31 wichtigen Beschlüssen geführt. Tie Antwort de PaleraS. London, 2. September. Lloyd Gc ,'ree hat die irische A n t w o r t, die gestern in Gair- loch(Schottland) übergeben wurde, den M i- n i st c r n zur Kenntnisnahme na ch London übcrsaiid t. Im Hinblicke an i den Erntt der Lage wird Lloyd George eine Kabincttsitzniig auf nächsten Mittwoch nach Invcrneß einberufen, Llovd George wird dein Könige, der sich in der Nähe von Jiiverneß aufhält, einen Besuch abstatten. Tie bulgarische Regierung und das Banden- unwescn. Sofia, 2. September.(Bulg. Tel.- Ag.) Tie bulgarische Regierung hat an den Bor- sitzenden der Interalliierten militärischen Kon- trolllommission eine Note gerichtet, in der sie ausführt, daß der Mangel an Freiwilligen Bulgarien die Möglichkeit nehme, die Ordnung int Innern und an den Grenzen zu sichern. Trotzdem Bulgarien alle seine bishe- rigen bewaffneten Kräfte zur Unterdrückung von Baiideubildiiiigcn anwende, wird es be- schuldigt, solche Bandenbildniigcn im Innern des Landes zu begünstigen. Die Bevölkerung und die Beamten besorgen, daß sie ohne Schutz gegen verbrecherische Angriffe bleiben und dro- hen, ihre W o hn st ä t t c n zu verlassen. Tie Regierung bittet daher, cö möge ihr eine bewaffnete Macht gestattet werden, welche die innere Ordnung und den Schutz der Grenzen ermöglicht. Die Aburteilung der bulgarische» Kriegs- Verbrecher. Sofia, 2. September.(Bulg. Tcl.-Ag.) Nach einer stürmischen Debatte genehmigte die Na- tionalversammlniig die Aufhebung des berüch- ligtcn Artikels des Gesetzes über die Bestrafung der am Zusammenbruch Schuldigen. Tie Na- tionalversammlniig beschloß, daß die begönne- neu Prozesse in kürzester Zeit beendet»verde» sollen. Vom mar okkanischen Kriegsschauplatz. Paris, I. September.„Echo de Pa- ris" meldet ans Madrid: Gestern»vurdc bei Melilla erbittert gekämpft. Di- Aufständischen griffest unaufhörlich an. Zwei spanische Rcgi- weiltet waren mehr als eine Stunde im Nah- kämpfe, doch»vnrdcn alle Angriffe durch die Spanier abgeschlagen. Paris.ll. September. Nach einer Meldung der„Chicago Tribnna" aus Madrid hat der Kriegsminister die JahrcSklasse 1920 zum Mi- lilärdienste aufgerufen. Auf diese Weise werden annähernd 30.000 Mann unter die Fahnen gerufen der Produktion und im Verkehr mit Lebens Mitteln bringt unser ganzes Wirtschaftsleben in Unordnung, schafft Unsicherheiten in der Preisbildung der Indiistrieartikel und bringt die Finanzen des Staates und der Gemeinden in Unordnung. Eine Oeffnuiig der Grenzen iir die freie Einfuhr von Getreide und Vieh »vird heute nicht mehr die Wirlungen hervor- bringen»vie vor dem Kriege, weil auch in den Getreide und Vieh exportierenden Ländern Mangel und Not eingerissen,»vie z. B. in Rußland und den Balkanstaaien und weil aus anderen überseeischen Ländern unserer Valu tavcrhältnisse halber eine Einfuhr, die eine enkuiig der Preise verursachen würde, unmöglich ist Tie Agrarfrage ist heute eine Frage ve„ mternationaler Bedeutung gctvor den und es ist daher tvohl selbstverständlich, daß eine Partei,»vie unsere, sich mit diesem Problem eingehend beschäftigt und Richtlinien für unsere zukünftige Agrarpolitik herausgibt. Aus diesem und anderen Gründen»vird sich auch unser Parteitag mit dieser Frage zu be fassen haben. Genosse Otto Bauer hak bereits im „Kampf" Richtlinien vorgezeichnet, die als Grundlagen für eine Diskussion über ein Agrarprogramm auch in der Tschechoslowakei dienen können. Es soll in diesem Artikel nur eine Frage kurz behandelt»Verden, die be- sondere Schwierigkeiten bietet und daher auch besonders reiflich durchbcraten»verde« muß. Tic Vorschläge sind daher, ebenso»vie die Abhandlung des Gen. Bauer, nur als Diskus sioiisgrundlage zu betrachten. Wenn»vir von derRot der Zeit ausgehen, müssen»vir vor allein nach den Ursachen des Mangels und den hohen Preisen der Produkte fragen. Es ist nicht der Krieg und dessen Nach- »vchen allein, die uns in diese unhaltbare Lage gebracht., sondern es find auch Ursachen der privatkapitalistischen Wirtschaft, die schon vordem Kriege»virlsam»vareu. Es ist vor allein die Rückständigkeit des größten Teiles der Bauern und der ländlichen Arbeiterschaft, die einen Weg dazu erschwert. Tann ist es da. Privateigentum an Grund.und Boden, die zer fahrcncn Eigentumsverhältnisse am Lande, die an dieser internationalen Erscheinung Schuld tragen. Die Kiirzsicktigkeit unserer Regie- rniig, die Gesetze schafft, die alles andere, denn eine Lösung dieser Frage bedeuten, muß diese Krisis noch verschärfen. Die bürgerlichen Parteien sind dank der Zerfahrenheit der Arbeiter- bcwegung wieder nach oben gekommen und suchen nun die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden noch fester zu verankern. Die Arbeiterschaft wird daher noch eine gc- räume Weile um die Lösung dieser Frage in unseren! Sinne zu kämpfen haben. Was tut vor allem Not? Hebung der Produktion der Landwirtschaft und Viehzucht. Unser hciini- scher Boden hat schon in Friedenszeiten die Bevölkerung nicht ernährt und es mußten ge- »valtigc Mengen von Lebensmitteln ans dem Auslände eingeführt»verde». Zu dieser Zeit glaubten die Führer der Agrarier die Hebung der landwirtschastlichen Produktion erreichen zu können durch Absperrung der Grenzen, durch hohe Schutzzölle. Als Amerika noch Ge- trcidelieferant Europas»var und die Preise so stark unterbot, daß die beimische Landtvirt- schaft nicht mehr auf ihre Rechnung kam,>va- ren diese Zölle zu verstehen. Heute hat sich das Bild verschoben, heute braucht Nordamerika sein Getreide selbst. Vor dem Kriege erhoffte man sich auch eine gesteigerte billigere Einfuhr durch die Erschließung von Neuland, die Vc- sicdclnng Mesopotamiens, Kleinasiens, des russischen Reiches us»v. Diese Hoffnungen sind für lange Zeit begraben. Ebenso ist eine er- höhte Produktion in den alten Kornkammern, in Rußland, den Balkanstaatcn. Ungarn ns»v., unter den heutigen Verhältnissen anSgeschlos- seil. ES besteht sohin keine Hoffnung, daß ans dem Weltmarkte in absehbarer Zeit ein Um- schwnnge in den wirtschaftlichen Bedingungen deS Körnerbaues eintritt. ES ist vielmehr gc- radczn in Frage gestellt, oll auf dein Wege der automatischen Neubesiedlung und Kulturvcc- bcsserung und auf dein Boden der reinen Pri- vatwirtschaft die Brotfrage noch lösbar ist. Wir werden dabcr i» jedem Lande ans die Hebung der eigenen Produktion mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln, der Eigenart und den wirtschaftlichen und p n tischen Znitäuden des Landes entsprechend bestrebt sein müssen. Zie zwei»nichtigsten Fragen, die da z> lösen sind, sind die Hebung der Kultur der Landbcbancr, und die Regelung der Eigen tumSvcrhältiiisse am Laude, die einer Bodenreform hindernd im Wege stehen. Zur Frage der Hebung der Produktion können »vohl die Richtlinien des Genossen Bauer mit einigen Modifikationen auch für die Tscheche- towakci angenommen werden, als da hanpl ächlich sind: 1.) Die Schulreform, die auch die Aufgabe hat, das Landvolk zur Rationali- siernng seines Arbeitsverfahrens zu erziehen. 2.) Die Volksschule, die neben dein allgeniei» neu Unterrichte die verschiedenen Wirtschafts- Methoden und Arbeitsverfahren zu ermitteln hätte. I.) Die Ausbildung von Lehrern diesen» Zweck entsprechend theoretisch und praktisch an landwirtschaftlichen Mittelschulen. 1.) Tie Dorfschulen mit Schnläckern auszugestalten oder sie an Musterwirtschaften anzugliedern. 5.) Begabte Kinder unentgeltlich an höhere landwirtschaftliche Lehranstalten zu schicke», diese Lehranstalten modernst auszugestalten usw. Eine ebensolche,»venu nicki! erhöhte Be- dcntnng, muß auch der ztveiten Forderung bei« gemessen»verde», der Vorbedingung einer rationellen intensiveren und ökonomischeren Be- »virtschastnng, der Zusammenlegung der Bodenparzellen. Bei keinem Stande ist der Eigentinnsfana- tisninS so ausgeprägt, als bei dem kleinen und mittleren Bauern. Das ist aber leicht erklärlich und liegt in der Natur der Sacke Der kleine Landwirt muß von früh bis spät abends arbeiten. Jede Scholle seines Stück chcnS Bodens ist ihm bekannt, an jeder der- selben klebt sein Schlveiß. Je mehr wächst ei ihm ans Herz. Der Landniann ist in stetem Umgang mit der Natur selbst mit ihr form- lieh verwachsen und»vird, z. B. an einem Stück Vieh, das er von jung an ausgezogen hat, mit besonderer Liebe hängen. Schon aus diesen kleinen Zügen erklärt sich das Kleben an seiner Scholle. Je primitiver er seine Wirt- schaft betreibt, je rückständiger seine Arbeits- »-ethoden sind, desto mehr Physiscke Arbeitsfreist»vird er zur Erzielung einer Ernte bran- hen, desto mehr Zeit»vird er anstvenden müssen. Gerade bei den kleinen Bauern»vird daher»ucnig Zeit,»verde»»venig Mittel für Verständnis für die Zukunft seines Berufes. Die Bestrebungen zur Herbeiführung der Zu- sammcnlegnng zersplitterter Bodenflächen »vcrden daher stets ans Widerstand stoßen, dei von skrupellosen gegnerischen Parteien in demagogischer Weise ausgenützt»Verden wird. Wir aber sind keine Demagoge», und liegt das Wohl und Wehe des ganzen arbeitenden Volkes a>ni Herzen, wir»verde» daher den Kleinbauern in den großen neiicic WirtschafiS» plan einzuordnen und ihn dafür zu getvmnen trachten. Neben der sachlichen und sozialer. Aufklärungsarbeit des besitzenden Landprole- tariatcs»verde« daher die Bestrebungen ans bem Boden der Gesetzgebung Hand in Hand gehen müssen, die Vorarbeiten für den neuen WirtschastSplan zu machen. Es»vird uoitvnt- dig sein, von der verpfuschten Bodenreform der tschechischen Regierung zu retten,»vas zu retten ist. Der Boden de? Großgrundbe. sitzes muß den arbeitenden Bauern gegeben »verde». Jedoch muß dabei jede nicht im In- tcresse der Hebung der Produktion liegend« Zersplitterung des BodenS vermiede»»verde» Zu diesem Zwecke»raren Z w a ngsgcnos- senschaften der Kleinbauern und HäuS- lcr zu bilden, die solcke Besitze unter fachmännischer Leitung einheitlich bewirtschaften. Wei- tcr ist eine Reform des Erbrechtes noüvettdig. Jeder Besitz an Grund und Boden, der nicht ausschließlich zum persönlichen Gebrauch dient, »vie Haiisgörten usw., fällt nach dein Tode des Besitzers dem Staate zu. Die Erben haben aber das Recht, so lange als Erbpächtcr ans dem Besitze zu wirtschaften, bis eine Koma» sation und Einteilung in einheitliche Wirtschaftsgebiete in der Gemeinde durchgeführt »vird. Der Pachtzins dieser Pächter dürfte die Summe der gcgcnlvärlig geltenden Grund steuern nicht übersteigen. Alis der gemeiusan betriebenen Wirtschaft muß der Betreffend« dieselben Erträgnisse zugewiesen erhalten, all er ans eigenem Boden durch eigene Arbeits kraft bclvirtschaftct hätte. Dazu ist eine Per »valtungöreforni nötig, die sich im Wesen! lichen auf die Errichtung von K rei s- u n l Bezirk Sagrarvcrtret n ngc n uu* Behörden zu erstrecken hätte. In diesen Bcr treinngcn müssen sowohl die Arbeiter und Be amten als auch die Konsumenten und de Staat eine Vertretung baben, die ähnlich»vi bei den gemeinwirtschafilichen Anstalten z: fungieren hätten. Diesen Stellen wird vor al lern die Aufgabe zufallen, die Koinassation nac gemeintvirtschaftlichen Gesichtspunkten in di Wege zu leiten, bei der Beschaffung von lebe» dem und totem Inventar und aller Hilssniit tel mitzuwirken und die intensive Betvirtschck tnng der Betriebe zu leiten und zu überlvc chen. Die Agrarbehörden können noch Angl hörung der Vertretung zwingende Vorjchri, Seite 0. Sozialdemokrat 4. September 1931. fit erlassen über die gemeinsame Bcwirtschas- l»»g, über Auswahl des Saatgutes, Bekamp- ftutO der Pflanzenschädlinge, Uebcrwachnng des Banivesens, Förderung und lieberwachnng des Gciiosseilschaftswescns ustv. Zu dieser Re form der Agrarwirtschaft bat der Staat die Mittel beizustellen. Zur Hebung der Landivirt- schaft auf dieser neuen tlimndlage ist im'An- teressc des Staates auch auf die ökoiioinlschc AuSiiiibnng der im Anlande vorhandene» Hilfsmittel und Dnngstoffe weitestgehend Rücksicht zu nehmen. Bei der Assanierung bau Slädtcu sollen Vertreter oder Fachberater der Agrarbehördeu-.»gezogen werden, lim die Ab Wasser und de» Kloakeiidünger nutzbar zu mache». Tesgleichen ist bei der Bcrteiluugs- argauisation oder beim Bertrieb landwirt- sche.sl'ia>er Vi'odukte auch eine Vertretung die- ser Kör; erschast zu berufen 7a. Bora»geführte zeigt, das; unser Pro- granint ctlvas tvrit abgesteckt ist, und schon ans das b i' ziel, die Vergesellschaftung der Pro- duktivil zielt. Bis dabin aber sind noch viele andere A»»gaben zu bewältigen, die hier ans z» zablen zu weit gehen würde». Wenn wir;. B. die knltiirclle Reise der Landbevölkerung für diese Gemeinwirtschast anstreben, so sind die>1' deren ron»IIS programmatischen nieder zulegenden Richtlinien, wie der weitestgegendc Arbeitersciintz der Landarbeiter, das Woh nnilgvwefei! am Lande, die Besiedlungsfragc, .Nreditvcschasfnug und vieles andere nur Etav Pen,über die das Ziel erreicht werden muß. ' Leiste Nachrichten. Paris, dl. September.(Havas.) Sic Bot- schaftcrloufereuz hat den diplomaitschcn Ber- tretern der Alliierten in Budapest Weisungen zugehen lassen, worin sie ersucht werden, beim magyarischen Regierungschef Schritte zu nn- teriiehmeu, um seine Aufmerksamkeit auf die Haltung Maghariens in der wcftnngarischcn Frage zu lenken. * Wie«, Seplember. Tic nächste Sitzung des Bunde, rates findet am Tienstag, den >!. September, uiil der Tagesordnung Fric- densvertrag mit den Vereinigten Staaten von Amerika statt. Madras, 3. September. Tie Unruhen dan- crn iui.Industriegebiet an. Militär Patronil- lierc die ganze'Rächt in den Straßen. Tic Po- lizei benn.lie heute vormittags im Eingebore- nenvieriel einen Brand und begab sich dort- bin. Sie wurde von den Eingeborenen mit Steinw irse»empfange», lonnte aber doch die Manifestanten zersprengen, zwischen denen ein stampf entbrannt war, in dem sich zwei Sek- tcn gegenüber standen. Eine Anzahl von Eingeborenen wurde verhaftet. Tie Enl.iitegesaiidtcii beim Bundeskanzler. Wien, 2. Seplember. Wie die politische Korrespondenz erfährt, haben heute die Bertre- ler der Hauptmächte bei dem Bundeskanzler vorgesprochen und die Stellung ihrer Regie- rnngen i» der lveslnngarischen Frage i» dem bekannten Sinne— nämlich Testerreich bat sich in seine eigenen Angelegenheiten nicht I'iiieinznmischeii und hat zu warte»— präzisiert. Ein Ausruf des Landesvcrwcscrs. Mattcrsdorf, September. Ter Landes- Verwalter für das Bnrgcnland Dr. T a v n hat an die Bevölkerung des Bnrgenlandes einen A n s r n s erlassen, worin es heißt, daß er noch vor der Vollziehung des sormalcn Aktes der Uebergabe als Landesverwalter mit dem Heu- tigen Tage die oberste Leitung der Verwaltung innerhalb deS von der österreichischen(Gendarmerie und Zollwache besetcetn Gbeictstreifens »vernehme. Er rechne zuversichtlich darauf, das; d!e Bveöllcrung ihn und die öffentlichen Trganc vertrauensvoll nute' Zützen werden, und' gewärtige, das; sie den Anordnungen der österreichischen Funktionäre unbedingt Folge leisten. A 11 c B c w o h n e r werden u» p a r- t e i i s ch behandelt werden. Scheinamnestie für Baranha. Budapest,!!. September.(MTKB.) Ein Erlas; des Reichsverwesers verfügt, das; der am 25. Dezember 1929 heransgeegbene Amne- stieerlas; auch ans das von den jugoslawischen Truppen soeben geräumte(Gebiet bezüglich al- ler von 3l. Tliober 1916 bis zum Einzug der ungarischen Nationalarmec verübten Straf- Handlungen angewendet werde.— Bekanntlich öffnet die Horthysche Amnestie vom 25. Dezember 1929 nicht eine Kerkertür für po- litische„Verbrecher". Tages-Nemgkeiw!. Schulbeginn. Wieder össnen die Schuten ihre Tore. Neue Scharen kommen, Kindr einer neuen Zeit, aber der Geist ist der alte geblieben. Noch immer erziehen Wir unsere Jugend zu Arbeitsmaschinen, statt zu froh schaffenden Menschen, noch immer setzt sich, gleich ans die Bänke der Kleinsten, der Klassengegensatz als furchtbarer Genasse,' Pfaffen aller Konfessionen streiten um die inngen Seelen, der Meltau des nationalen Hasses'"ch sich vergiftend ans die sich eben erschließenden Blüten. Die Sechs- jährigen, die hier zum erstenmal zur Schule wandern, haben die Zeilen des äußeren Friedens, eines auch a»S notdürftigen Behagens nicht mehr gekannt, gut die Hälfte von ihnen wußte sich bei dem trauten Worte„Vater" jahrelang nichts Greifbares vorzustellen und vielen wird der Erzeuger fremd bleiben in Ewigkeit. Sind sich die Lehrer, welche diese Scharen in Empfang nehmen, ihrer schweren Verantwortung auch bewußt? Wissen sie, daß es zum Teil auch ihre Saat war, welche 1914 so blutig aufgegangen ist? Wären die Menschen damals frei und aufrecht dagestan- den, dann hätten sie nicht an Lumpen, Rar- reu und Toren ihre wichtigsten Lcbensrechte vertrauensvoll abgetreten, hätten sich nicht leichtgläubig von ihnen in Völlerbaß»nd Mord hetzen lassen. Politik im engeren Sinne bat in dcrSchule nichts zu suchen. Aber wenn die Lehrer aus den ihnen zur Hut anvcrtran ieii Kindern das schlummernde Menschentum voll und ganz heraushole», daß es sich zu rei cher, reifer Blüte entfalte, dann haben sie doch eine große, weltpolitische Tat geleistet. Junges Geschlecht, wir grüßen Dich! Wachse frank und frei damit Du die Fesseln abschnt- telsl, den Nassengeist und völkische Verbleu dnng nm Deine Väter geschlungen hat! Wir grüßen Dich in froher Erwartung, aber auch voll bitteren Bangens, weil wir viele von denen, welche Deine Lehrer sein sollen, blind und haßerfüllt nach rückwärts starren sehen, weil gerade unter Mittel- und Hochschülcrn Deinen künftigen Erziehern, die Reaktion ihre größten Triumphe feiert. Behüte das Geschick davor, ihren Lehren zu lauschen und Dich von ihnen in neuen Krieg, in neue Nvt einspinne» zu lassen! Eine» unerhörten Mißbrauch von Arbeitern haben sich einige Herren geleistet, die im Bor- stände der ehemaligen Bctricbskrankenkasse der Würbe Ii tale r Jutcspinncrei und Weberei saßen. Im Jahre 1016 haben sie ohnc Sor- standsb c schluß 11.000 Krone» Kroneiircnte verpfändet, die die Kasse besaß, und dafür 10.000 Kronen Kriegsanleihe gezeichnet, vbzwar die Kasse fast gar lein Geld zur Verfügung hatte. Man blieb auch den ganzen Betrag schuldig. Bei der Auflösung dieser Kasse wei gcrle sich»n» die Bezirlsrraistenkasse sclbstver scändlich, die Kriegsanleihe und die Schuld an das Bankhaus zu übernehme», was auch im Rc kurswege in dritter Instanz vom Ministerium für soziale Fürsorge anerkannt wurde. Run legten die Kriegsanleihemacher den Arbeitern ein Schriftstück zur Unterschrift vor, von dem man ihnen nur sagte, daß es von der Krankenkasse handle, ohne ihnen aber van dem Inhalte des Schriftstückes etwas mitzuteilen. Einige Arbeiter setzten tatsächlich ihre Unterschrift unter die Be Häuptling, daß die Arbeiter s ich mit der Zeichnung der K r i c g s a n l c i h e i in Jahre 1016 einvcrst an de n erklärt habe ii. In Wirklichkeit sind sie damals gar nicht gefragt worden und min mißbraucht man sie, um ihnen Schuld und Verantwortung ans- halsen zu könne». So stark dieses Stück ist, so wenig wird eL de» Herren nützen. 2ie, die da mals die Kriegsanleihe zeichneten, werden sie auch bezahlen müsse». Eine Präger tommuliistischc Zeitung eingestellt. Tic in Prag erscheinende kominiinistische Zei tunft„Pravda", die bisher in Prag in r»ssi< scher Sprache erschien und deren Herausgeber der Vorsitzende der kommnnistisckien Partei Stnrc war, wurde eingestellt.— So sieht die Preßfreiheit in diesem„demokratischen" Staate aus! Betrügereien mit gesälschten Postanweisungen. Vor einem Monate wurden bei der Postdirck- tion in Prag bei der Revision der ausgezahlten Postanweisungen zwei Postanweisungen mit dein Poststempel Bratislava vorgefunden, welche ans den'Rainen Franz M a s ch e k, Kgl. Wein- berge, Vyschradöka ulicc'Rr. 10 und ans den Betrag 4830 Krone» lauteten. Diese Postanwei- sungen waren gefälscht und aus) der Adressat, Welchem das Geld am 7. Juni ausbezahlt wor- den war, konnte überhaupt in dem angeführten Hause nicht ausfindig gemacht werden. Am 20. August wurde abermals scstgcstcllt, daß am 8. August auf dieselben gefälschten Postanweisungen hin dem erwähnten M a s ch e k wiederum 8850 Kronen ausbezahlt wurden. Bei der Untersuchung dieses Vorfalles erinnerte sich der Pvstttiitcrbecnntc Hadaee f, der das Geld aus die Anweisungen ausbezahlt hatte, daß er den erschlichenen Betrag nicht dem Maschck, sondern dem neunzehnjährigen Versichernngsbeainten Alois T Ii sar ausbezahlt habe, der in dem an- geführten Hause wohnt. Durch die weitere Untersuchung wurde festgestellt, daß an Stelle der mit dein Namen Tusar versehenen Postan- Weisungen, welche Hadocek nach der Auszahlung des. Geldes bei der Post abführte, andere gc- fälschte Postanweisungen auf den Namen Maschck eingelegt und die ursprünglichen Postanweisungen gestohlen worden waren. T n s a r wurde deshalb verhaftet und gab beim Verhöre zu, daß er beide Betrügereien gemeinschaftlich mit dem neunzehnjährigen AnShilfspostbeamten Bo- hmnir Snclv durchgeführt habe. Die Postanweisungen füllte Sneltz aus,, Versatz sie mit de» gefälschten Stampiglien des Preßburger Post- amteS und reihte sie unter die übrigen, bei der Post eingegangenen Anweisungen ein. Später stahl er diese ausbezahlten Postanweisungen und legte andere an ihre Stelle, damit er den Verdacht von Tusar ablenke. Bei der Hausdurch- suchung wurden bei Sneltz 3380 Kronen iiiia bei Tusar 300 Kronen vorgesiinden. Das übrige Geld halten sie schon aittgegebe». Beide wurden dem Landesstrasgerichte eingeliefert. Treibereien einer Diebsbandc. Heuer wurden in Hollcschowiv mehrere gewagte Einbrüche in Geschäfte und Auslagen mit Schnittware vcr- übt, ohne daß es möglich war, den Tätern auf die Spur'zu kommen. Erst jetzt gelang es Detektiven festzustellen, das; auf der Ueberfnhr aus Hollesthowitz nach Karolinenthal in den letzten Atonalen eine größere Menge von Leinwand- ballen von dem bei der Ueberfnhr beschäftigten Johann Z i k a verkauft wurden. Bei der Haus- durchsuchiiiig wurden Leinwandreste und Wäsche vorgefunden, welche Zika von einem unbekann- ten Manne gekauft haben will. Die Detektive stellten jedoch fest, das; sich ans der Ueberfnhr die bekannten Diebe Gebrüder Franz»nd Karl TaborSky ans Zizkow zu treffen pflegten. Beide Bruder gaben nach der Verhaftung an, das; sie eine größere Anzahl von Einbrüchen ansgejiihrt hätten. Ter angerichtete G c s a m t- schadeii beträgt Ungefähr 170.000 Ktonen. Tie Diebe wurden mit den Hehlern dem Landes- geeichte eingeliefert. Wasscrstandsbcrichi: Hoh-nfiirlh— 7, Bud- wcis—20, Tabor+10, Aloldantcin—16, Pi- sck+ 19, Kamtzk— 8, Stcchowitz— 44, Panischen am See—21, Berann—40, Modran — 81, Prag«Alte Mühlen)+10, Karolinental + 8, Pardubitz—06, Brandeis a. d. E.—07, Melnik+24, Laim—68, Lcitincritz+06, Aussig—70, Tetschcn—33.— Voraussage für den l. d. M.: Aussig—7«!, Tetschcn—81. Kleine Chronik. 260 Westvirgiuisrhe Grubenarbeiter von Militärfliegern getötet. Pari s,!!. September. Nach einer„Ma- tin"-Meldung aus London lam co in West- virginien z» neueit Unruhe» unter den Gru- benarbeitern. Ticsc wurden von Mililärslie- gen: angegriffen, wodurch ungefähr 299 Mann von ihnen getötet wurde». Eine Brandstist'nig durch Faszislen bei Trieft. 8 a i 6 a ch, 2. September.(Laib. Korr.-B.)„Slo- vensli'Rarod" meldet ans Trieft: Heute nachts sind Faszisten auf Aiiiomvbilen nach 2»eü Jvas bei Trieft gekoinicien und habe» das dortige BolkShaus in Brand gesteckt. Tos Gebäude ist bis aus den Grund niederge- b v a it u t. Der s l o w e n i s ch e n B e v ö i t c r n n g Hai sich s»r>h i bare E r r e g n n g be- mächt igt. Jugoslawischer Journalistenlongreß. Tpa- lato, 2. September. Der jugoslawische Presse- kongreß hat vor seiner Beendigung einen K o tle kt ivvcr lra gScntiv»rf mit den HeranSgebern der Blatter angenoin- inen, wcilers eine Resolniion, in der die Jour- nalisten aufgefordert werden, die Hilssak- tion f ü r R n ß l a ii d zu unterstützen, serner eine Resolution, die Regierung möge vor der Erledigung des PreßgcsetzeS eine E» q u e t e der I o n r» a! i sl e» eiiibcrnsen lind ihre Wünsche und Anträge berücksichtigen. Sodann wurde ein Antrag angenommen, daß die E i s e u b a h n k a r t e n den organisierten Jour- nalisten»nd nicht der Redaktion des Blattes ausgestellt werden sollen, ferner ein Zusatz- anirag, indem Reziprozität bei der'Ausgabe von Eisenbahnlarten ,i» i 1 der T s ch e ch o- s l v>v a k e i verlangt wird. Es wurde ein Aus- schnß gewählt, der sich mit dem Ausschuß der tschechaslolvcckischcn Joilriialislciiorgauisation in Verbindung setze» soll, um zu einem Neberein- kommen zu gelange». Dem Präsidenten Mosa- rvk hat der Kongreß ei» Begrüßiiugstelegramm gesandt. Die Teilnehmer an dem Kongreß waren während der ganzen Dauer Gäste der Stadt Spalato. Gewalt gegen Gewalt. 8t c in, 2. September. lHavaS.) F n r st X avcr B o u r b o n hat die Pächter auf seinem Gutsbesitze Schiabi c n t- lasse n. Die Bauern drangen gewaltsam in das Hans ein, in das sich der Prinz geflüchtet hatte und nötigten ihn, die Pächter wciterzu- behalten. Theateruachrichteu. Neues Theater. H c» t e nachm. Gastspiel Pepi Glöckner-Krainer„Das Sperrsechscrl". Anfang halb 3 Uhr. Abends und Donners- t a g„Tan; ins Glück", D i e n s t a g die neuen Piiccini-Einakter.„Ter Mantel",„Schwester Angelina",„Gianni Schicci". M i t t w o ch nachts 19 Uhr Nachtvorftcllnng„Rosa Altschul" Donnerstag nachm. die Operette„Blaue Maznr" mit Georg Kobcr. Sonntag nachm. Gastspiel Rich. Kubla„Kavalleria"—„Ba- jazzo".— Gerhart Hauptmanns schlesisches Bolksdrania„Die Weber" wird am M i t t- woch, den 14. September unter Mitwirkung des gesamte» Schaiispielpcrsonals neuinszeniert zur Darstellung gelangen. Spielleitung: Hans D e m c tz.— Wilhelm Schmidtb cnt it hat die Uraufführung seiner neuen Komödie „Die Schauspieler" dem deutschen LandeSthea- ler in Prag überlassen. Die tragende mann- liehe Hauptrolle wird Leopold Krämer dar- stllen. Ter Termin der Aufführung ist für S a m s t a g. den 24. September festgesetzt. Kartenverkauf für alle Vorstellungen bis ein- schließlich Sonntag. 1\\$ der Partei. Unser Reichenberger Brndcrblait„Sozial- dömotrat" hat seinen Namen in„F r e i g e i st" geändert. In diesem Namen ist ausgedrückt, daß das Blali an die Traditionen jener Zeilen anknüpfen will, in denen der frühere „Zeitgeist", aus dem der jetzt kommunistisch, „Vorwärts" hervorgegangen ist, daü Orgat der sozialdemokratischen Arbeiterschaft in Ren chenverg war. Krciskonfcrcnz Troppa». Sonntag, den 2. Dk- tober in Troppan. Neuwahl der Krcisvcrtrc- lnng. tlolkswirtschaft und Sozialpolitik Ein neues llnlernchmen der tschechischen Ar. bciicrbcwcgung. Die tschechische Großeinkaufs' geuossenschaft beabsichtigt unter Mitwirkung des Verbandes der tschechischen Genossenschaften eine genossenschaftliche Transporiversicheruiigsanstalt in Prag zu gründen. Tos Gründnngstapilal be- trägt eine Million Kronen. Zweck der Gesell- schaft ist die Versicherung von Waren beim Transport aus Bahnen und der Post im Jn> lande. Ein sonderbares Börsenuianöver. Tic ,,'Ra- rodni Politik«" hat vor einigen Tagen eine Notiz veröffentlicht, in der gesogt wurde, daß dic Regierung die Absicht Hobe, zwei Milliarden neuer Banknoten drucken zu lassen, eine An- gäbe, die freilich später berichtigt wurde. Tie gestrige„Tribnna" greift nun diese Nachricht aus und behauptet, daß die Notiz so geschrieben ist, daß immerhin der Eindruck entstehe» kann, daß an den Neudruck einer so großen Menge von Banknoten gedacht werde. Dic Meldung soll, so behauptet die„Tribnna", eine Flucht vor der Krone, das heißt eine gesteigerte Nachfrage nach Wertpapieren hervorrufen, steht also im Dienste einer Gruppe von Spekulanten, die Interesse an einem Steigen der Wertpapiere, einer Börsen Hansse tzaben. Die Folge derartiger Nachrichten kann ein weiterer Sturz unserer Krone sein, an der ein Teil unserer Exporteure Interesse Hot, denn je tiefer die Krone steht, desto größer die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie im Auslände. Die„Tribnna" weist dar- auf hin, daß es bereits das zweite Mol ist, daß die„Narvdni Polilila" in derartiger Weise schreibt und daß dieses Blatt unlängst eine Notiz über eine geheime Anleihe der Tschccho- slowakei in Deutschland gebracht hat. Bankausweis per 31. August 1921. Ter letzte Ausweis des BankamtcS des Finanzministeriums zeigt ein Ansteigen de? Bau!Notenumlaufes um K 102,603.000 auf K 11.455,175.000; ebenso Hai sich der Stand der ausgegebenen Kassenscheine in der letzten Woche nm h" 22,753.000 ans 120 Millionen erhöht. Diese Steigerung der Ber- pflichtungen des BankaintcS wird durch einen Zuwachs der Aktiva gedeckt: der Bestand an Wechseln, die das Bankaint diskontiert und wo- gegen es Noten ausgibt, hat sich um K 14,686.000 ans K 810,240.000 vermehrt, ebenso sind die gegen Hinterlegung von Wertpapieren gewährte» Darlehen auf K 2.309,536.000 angewascn. Auch der Vorrat an Edelmetallen zeigt ein Mehr von 2,539.000 K gegenüber dem 23. August und beträgt zum Moiiatsschluß K 337,000.000. Der Bankausweis zeigt, daß sich der Notenumlauf im Rahme» der durch das Gesetz vom 10. April 1010 festgesetzten Bestimmungen bewegt; nach diesem Gesetze kann der Notenumlauf über daS Ausmaß der csincrzcit abgestempelten Noten so- wie über die Hälfte der»iirognthaben bei der Oeslerreichisch-lingarischen Bank zur Zeit der Notciiabstecnpellliig nur dann erhöht werden, wenn sich eine bankmäßige Deckung ergibt, d. h. iede seither ausgegebene StaatSnote muß durch Meiall oder Wertpapiere, durch Wechsel oder durch«'luthaliungei! im Ausland gedeckt sein. Es ergibt sich nach dem Ausweis vom 31. August ein tatsächlicher Umlauf von 11 Mil- liarden 455,175.240.70 K, während die gesetzlichen Bestimmungen die Ausgabe weiterer l( 80,480.000 zulassen würden; eine Steigerung über dieses'Ausmaß oder die Notenausgabe gegen andere als bankmäßige Deckung würde eine neue gesetzliche Regelung erfordern. Di: Brauindustrie in der Tsch l.oslowakei. Im „Benkov" finden wir eine Zusammenstellung über die Brauindnstrie nach dem Kriege. Im ganzen gibt es in der Tschechoslowakei 585 Braue- rcien, welche 1919-20 5,709.294 Hektoliter Bier gebraut haben; davon entfallen auf Böhmen 403 Brauereien mit einer Produktion von 4,358.593 Hektoliter, auf Mähren 71 Brauereien mit einer Erzeugnngsmenge von 776,491 Hektoliter, Schlesien hat 18 Brauereien mit 276.215 Hektoliter, die Slowakei 19 Brauereien mit 146.710 Hektoliter, Karpathorußland eine Brauerei mit 20.393 Hektoliter. Im Jahre 1918-19 wurden im ganzen nur 3,512.217 Hello- liter gebraut, was ein bedeutendes Wachstum der Brauindnstrie seit Kriegsende erweist. An Bicrstencr nahm der Staat im ganzen 73,412.547 Kronen ein. Drei Brauereien erzeugen jährlich mehr als 100.000 Hektoliter, und zwar: Bürgerliches Bräuhaus in Pilsen 376.016 Hektoliter, Akticiibräiihaus in Smichow 246.082 Hektoliter und PilSncr Akticnbrauerei 121.486 Hektoliter. Wirtschaftliche Verhandlungen mit Griechen- land. Wie die tschechischen Blätter melden, werden in der nächsten Zeit Verhandlugen über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Griechenland beginnen. Der griechische Markt ist gegenwärtig für unsere Waren infolge der dor- ligen hohen Zölle fast unzugänglich, die Ber- Handlungen werden daher den Zweck haben, die Zölle für unsere Jndustrieariikel zu ermäßigen. Für die Einfuhr noch Griechenland kommen Textilwaren, Metallwaren, chemische Artikel, Papier, Farben, Glas- und Tonwaren in Bc- tracht, während wir von Griechenland Olivenöl, Wein und Wolle kaufen können. ^ Internationaler Auchdrnckcrkongreß. Am">.. September tritt in Wien der iittcrnalioualc Bnchdrilckerlongreß zusammen. Die Tagesordming (I.«eptcuiper löi.1 © u 31 a l b c i'.ui l v a t ^ct« i. irc'ist folgende Punkte uns: 1. Eröffnung dcö Kongresses, Wahl dcS BurcauS, Mendatprüfung und Festsetzung der Geschäftsordnung. 2. Bericht der Sekretariatskommission(christlichsoziale Bewegung). S. GegcnseitigkcitSvcrlräge(gegenseitige organisatorische und materielle Beziehungen zwi- sehen den Verbänden, Viatikum, Gegenseitig- keitZmarke, Kontrollnnmmcr, einheitliche Ba< lnta). 4. Judustricvcrband(Stellungnahme zur Schaffung bon Jndustricvcrbändcn).». Tech- Nische Entwicklung im graphischen Gewerbe, ii. Tarifliche und taktische Fragen(Bcrufsge- nieinschaft. Landes-, Regional- und Lokaltarifc, Frauenarbeit). 7. Frage der Prcsffrcihcit. 8. An- schliff; der dem Internationalen Buchdrucker- sckrclariat noch fernstehenden Verbände und Zu- sammeuschlus; der kleinen Organisationen. 9.?(„> träge der Verbände, lg. Wahl des Sekretärs, il. Bezeichnung deS Vorortes. Rekordernte in Frankreich. Aus Paris wird gemeldet: Im Ministerrat teilte der Landwirt- fchaslSminister Lcfcbore mit, dah die Getreide- ernte in diesem Jahre nach Schätzungen sich ans etwa 87 Millionen Zentner belaufen wird, ein- schließlich zweier Millionen Zentner in Elsas,- Lothringen. Das stelle einen noch nie dagewesc- neu Durchschnittscrtrag von 10.40 Zentner pro Hektar dar. Turnen und Sport. Heute spielen in Prep D. F. C. gegen Vicnnn, Wien; Slnrfa gegen S. K. Kladno ;M e i s t e r s c h a f t.) Des Länderspiel Nloderöstorrelch gegen siiddcutcchland findet heute in Wien statt. Nachkl.'lngo?ur Antwerpener Olympiade. Der C. S. S. F. richtete nn die enplisrhe Football Association und an die englische Behiodsriehtcrvorcinigung ein Schreiben, in Sem er sein Bodnuern darüber ausspricht. 3 a ss die tschechoslowakische Mannschaft beim SchluQspiel der olympischen Spiele m Antwerpen vom Spielfcldo abtrat, und teilte gleichzeitig mit. daß der Kapitän der Mannschaft vom C. S. S. F. strenge bestraft nurdc. Sparta Frag spielt auf der Bilckroiso aus Jer Schweiz in Wien am 15. September gegen I takcah, nm Iii, gegen W. A. F. Die staatliche Hilfsaktion für Russland. Frag,.7. September. In Ergänzung und näherer Aufklärung des in den Togos- Muttern veröffentlichten Aufrufes, erachtet es 3er ständige i n t e r in i n i s t e r i e 11 o Ausschuß für die Hilfeleistung in Rußland für notwendig, folgende Einzelheiten zur allgemeinen Kenntnis zu bringen: Dus Ministerium des Innern wird durch seine Organe, unter freiwilliger Mitwirkung aller örtlichen Organisationen, ahne Unterschied der politischen Partei, M Tage hindurch, und zwar vom 11. bis 25. September, auf dem ganzen Gebiete der Bepublik eine Sammln ngsaktion von Geld und Gegenständen vornehmen. Die Geldbeträge werden nach Beendigung der Sammlungen direkt dein ständigen interministeriellen Ausschüsse eingesendet werden. Die gewidmeten Gegenstände werden vorläufig bei den Vorsitzenden der Ortsausschüsse verwahrt werden. Es werden neue und alte Gegenstände angenommen, nur wenn sie nicht dem Verdorben unterliegen(Lebensmittel) und wenn sie überhaupt verwendet werden können. Es gibt heute überhaupt nichts, was nicht in Rußland irgendwie vorwendet werden könnte, auch worin es hei uns in den Haushalten nicht mehr benützt werden kann. Kleidungsstücke und einzelne De- slandfeilc, Wüsche, Schuhe, auch bereits getragene, die sich irgendwie zur Reparatur eignen, Stoffreste und I.einwand. Tisch- und Küchengeschirr, Hausgeräte, Löffeln, Gabeln, Messer, Gläser, Scheren, Nadeln, Zwirn, Bleistifte, Federn, reines Papier, Seife, Wirtschaftsgorilto(alte und neue), Schaufeln, Äxte, Bechen, Hacken. Sensen, Nähmaschinen und landwirtschaftliche Maschinen. Auch die ärmste Familie ist da- durch in die Lage versetzt, sich nn der 'Sammlung zu beteiligen. Am 25. September nach Beendigung der Sammlungen [wird das Ministerium für Nütionnlvertci- digung in Tätigkeit treten, das durch seine Organe den Transport seines gesammelten Materials zu den Eisenbahnstationen und ,von dort weiter in die Zcnlraliagcr mittels des Eisenbahnapparates vornehmen wird. In den Zentralmngazinon wird das Natio- naiVerteidigungsministern!m die Einreibung der Gegenstände je nach ihrer Art durchführen. Beschädigte Gegenstände, Kleidung. Wäsche und Schuhe wird es durch seine Handwerker reparieren lassen und alles zum weiteren Transport definitiv vorbereiten. Mit der Organisation der Sanitäts- hilfo befassen sich das tschechoslowakische Rote Kreuz und das Gesundheitsministerium unter Mitwirkung der ärztlichen Organisationen. Das Ministerium für Nationalverteidigung widmet ausserdem zwei Sani- t,ätsziigo und ein Feldkrankenhaus mit dem Personal und allen Einrichtungen. Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten wird durch seine Organe die gesamte Aktion leiten, den auswärtigen Transport des gesamten gesammelten Materials besorgen. Es stellt in ständiger Verbindung mit der Liga der Roten Kreuz- .Vereine und mit den Komitees der anderen Staaten. F.ine besondere SechvcrstiindirreTi- Iiommi3sion wird für das gespendete Geld Kleidung., Wäsche, Arzneien."Schuhe, landwirtschaftliche Geräte und Lebensmittel ankaufen, die ebne Scheden für dt» Er nührung der heimischen Bevölkerung au»- foführt werden können. Der Transnert nach In Bland wird auf Gruild des gemeinsam nit den Komitees der übrigen europäischen Staaten.unter, der Oberleitung Nansens nn Einverständnis mit den von der S o w j o t r eg i oru n g und ihr u n Organen ausgearbeiteten Planes erfolgen. Unsere Transporte werden von unseren, von der Regierung und aus den Reihen der Spender bestimmten Personal begleitet worden, das auch hei der Übergabe der Gegenstände in Rußland anwesend sein wird. Nationalisierung oder Soziaii- sierung. Vom Internationalen Gewerkschaftsbunde in Amsterdam wird uns geschrieben: In dem Absagebrief, den der Präsident dos amerikanischen Gewerkschaftshundes, Samuel Gompcrs, nn den Internationalen Gewerkschaftshnnd richtete, bezeichnete er den Kampf für die Sozialisierung als Festlegung auf revolutionäre Grundsätze, fuhr er fort, habe diese Grundsätze bund, fuhr er fort, habe diose Grundsätze stots unerbittlich bekämpft. Keine Arbeiterbewegung, die sich von demokratischen Grundsätzen leiten lasse, könne diesen Grundsätzen ihre Zustimmung gehen. Dieses Sehreihen datiert vom 5. März 1921. Seit dieser Zeit scheint der amerikanische Gewerkschaftsbund sich tiefgreifend gc wandelt, zu haben. Unabhängig von der ..revolutionären Politik" der Amsterdamer Internationale, bekennt er sich jetzt zu denselben revolutionären Grundsätzen, um derentwillen er sie verlassen hat. Auf dem amerikanischen Gewerkschaftskongreß in Denver im Juni dieses Jahres wurde von den Eisenbahnororganisationen eine Resolution eingebracht, die als die unzweifelhaft bedeutendste dos ganzen Kongresses angegeben worden ist. Diese Resolution verlangt, dnss der Gowcrkschaflsbund mit vereinter Kraft, die Gesetzgebung unter- stützen soll, die den Gemeinbesitz und die demokratische Bclriobsfühnmg der Eisen bahnen in den Vereinigten Staaten herbeiführen soll. Diese Resolution erklärte einer ihrer berufensten Vorkämpfer, liefert den echt amerikanischen Plan für dio Lösung unserer industriellen Probleme. Er ist wahrhaft demokratisch, kein importiertes Monstrum. Die Resolution fördert wenigstens für dio Eisenhahn Verwaltung die wirtscliaftlicho Demokrat!» als selbstverständliche Ergänzung der von den Vätern überkommenen politischen Demokratie. Über diesen Punkt der Resolution gab es kerne Uneinigkeit. Während noch auf dem Krongroß von Montreal 1920 eine starke Minderheit sich dem Gemeinbesitz und der demokratischen Verwaltung der Dahnen widersetzte, wurde diesmal der Vorstand des Gewerkschaftshundes beauftragt, mit. allen Mitteln innerhalb seines Machtbereiches die Eisonbalinerorganisa- tion zu unterstützen, um diese Gesetzgebung ins Leben zu rufen. So stark halten sich die Verhältnisse geändert, daß die Gegner dieser Resolution den Verdacht aussprachen, daß die Anhänger der Resolution in Wirklichkeit alle Sehlüssol-In- dustrion in Gemeinschaftsbesitz überführe« wollten. Daß dieser Verdacht nicht unbegründet ist, beweist z. 11. das Bergarbeiter- piogrnmm, das auf dem Kongreß des zweiten Distrikts in Dubois(Pcnsylvanien) nm 22. Feber 1921 einstimmig angenommen wurde. Nationalisierung der Bergwerke; Scrhsstundcntng und Fünftagewoche sind seine grundlegenden Forderungen. Diese Forderungen entsprechen der Konstitution der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas und den Forderungen, dio auf dem Allgemeinen Berga i heilet kongreß In Cleveland 1919 erhoben wurden. Ohno Zweifel sind sich dio Bergarbeiter bewußt, daß Nationalisierung der Bergwerke einen grundsätzlichen Bruch mit der bisherigen Boiriobsführung bedeutet:..Solange Gewinne das Ziel einer Industrie sind, kann •Sicherheit, nicht ihr erstes Interesse sein. Gesundheit und Sicherheit, sind die Stiefkinder rein geschäftlicher Unternehmungen. Die Betriebsleitung fühlt sich nicht in erster Linie dem Publikum und den Bergarbeitern verpflichtet, sondern den Aktionären, dio Gewinne fordern." Mit einem gewissen Hohn erklären die Bergarbeiter:„Wir halien für die Solbsbcstim- mung der kleinen Nationen jenseits des Ozeans und überall in der Welt gestritten. Ahor wir liehen noch nicht volle Selbstbestimmung für unsere eigene Grupno, für die Vereinigten Bergarbeiter Amerikas erkämpft. Wir besitzen noch nicht die Selbstbestimmung über unsere Arbeitsbedingungen." Kampf ist die Parole:„Die Internationale der Vereinigten Bergarbeiter wird nie eine mächtige Armee werden, wenn nicht die Ortsgruppen Kampfeinheiten werden— ein handvoll Wildkatzen." Diese Erscheinungen beweisen, wie gleichgültig im Kampf der Arbeiterschaft die Übereinstimmung der Ziele, die doktrinäre Einheit ist. Die wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft drängen, zumal in Zeiten wirtschaftlicher Krisen und erstarkender Reaktion. dio Arbeiter überall zu den gleichen Forderungen. Nationale Verschiedenheiten (im Sprachgebrauch des Westens bedeutet dies staatliche Verschiedenheiten. An- merk. d. Red.) in der Formierung sind selbst verständlich. Es hängt von den besonderen Verhältnissen jedes Landes ah. oh dio Forderungen mehr oder weniger weitgehend sind. Gompo,rs ist gegen ein" wachsende Opposition zum Präsidenten des amerikanischen Gewechselteftshiindos gewählt worden. Das war ein hczMcbrende.» Symptom für den neuen G»I,t in den amerikanischen Ge- wrl-«"haften. Viel wichtiger«her irr, daß die<'»-»»">»»'»>>«»»»>>0«>^«»-RnW>tl«t«-n»^ *—.,'*«•"■'**I» BT«»fTJ^ Optiker! Qmbeti25( P«rOt-Ci; TÜ.Qmuir 10 moderne Brillen, Zwicker, Reisszeuge. Celctnä 30 Für die Verwaltung des „Sozialdemokrat" in Prag werden für die deutschen Provinzstädte in der tschechoslowakischen Republik •ESST T. in ersfkl. Ausführung nach Nürnberger Art TÄHT h H u^ T t S j Äl liefert direkt an Konsumvereine und Qewcrk- ill llLl!ä!H S. ADLER, 6 UV1W Ä lL4£. Vt Bürsten-, Pinsel- 11. Holzwarcnfabrik Anstreich- n. Rasierpinsel Oes. m.b.H. Markt Eisenslein, Bölirnerwali!. gegen Provision gesucht Zuschriften nur von seriösen Bewerbern unter Chiflre ,Tagblatt' an die Verwaltung erbeten. I Bibliotheken I fr jedes Umfanges für Gemeinden, Organi- N •4 sationen, Vereine, Cewerkschaften, In-& •v dustriebetriebe, Scbuien usw. werden W 'A zweckentsprechend zusammengestellt ßj % und ergänzt durch die 26«Sk Letzte Woche! Letzte Woche! 75 cm Irische Webe SO ein Kaliko 120 cm starkes Kaliko für Bettücher SO cm Russischlcinen weiss für Daincnklcidcr. S2 cm A'.lasgradl für Bettwäsche. 120 cm Inlett, gelb 70 cm Hcindenflanell, prima.. 110 cm Kleiderstoff. Pepita... 110 ein Kleiderstoff, rein Wolle V Thcresiengasse IS. K V« Herrenhemden Zcfir, prciia W— Zcfir, hochfein gewaschen....„ oü— Damenhemden: Kaliko Kc 24— Chiffon mit Ärmeln„ 31'— Chiffon Reform„ 31"— Chiffon mit Stickerei 38'— Chiffon, liochfcin mit Stickerei..„ 42'— Hetrrenunterhosen: Kaliko mit Zug Kc 22'— Blau mit Zug„ 26'— Köper weiss mit Zug..'.'t..„ 30'— Oradl weiss mit Zug..'.:..„ 37'— Gradl weiss mit franz. Gurt>.■„ 42— Gradl weiss mit franz. Gurt verziert„ 52'— Hcrreuoberlioscnzcug 50'— Schlosser- und Monteuranzüge..„ 85'— Ferner befinden sich auf Lager: Kinderwäsche, Unterröcke und Schürzen, welche ebenfalls billig verkauft werden. 23 Wchlpossendes nehme zurück und sende Geld reltran Weberei und Wäschefabrik Otto Katz» Prag Ii, Ceietnä 14, i. Stock. New«, Zu» und Umbauten iflr Privat, Gemeinden, Industrie und Landwlrtsciiall. ProjektveiTassung u. Bauleitung ftlr alle Bauarbeiten. Baukontrolle während dor Ausführung. Revisionen der Abrechnungen tiir hier und auswärts 39 Ubernimmt Firma Robert Beutel, Baumelster Aussig, Goethestrasse 15. Telephon 691|V1II. OcgenDber der Hauptpost Wie ein Märchen ist die Arbeit bei unserer BUroeinrichtung Vladislovova ul. Nr. 13. Telephon 3312 Telephon 3312. ADREMA- ADRESSIER MASCHINEN für kaufmännische und politische Propagandazwce&e. ^ertesiget« in Drogerien und Konsumvereinen „BRILANT0L" beste Kleiderstoffarbe. Verbände, Vereine und Gewerkschaften verlanget Prospekte u.Spezialbrosckiiren ■■im—«II■—y i I IIHVilllWhM—IMWIhllhUW—MW Genossen! Leset und verbreitet euer Zentratorgau! Für alle Zwecke Spe^laW^odeile! Slawische aller Art liefert zu den günstigsten Bedingungen 16 Volksbuchhandlung Ernst Sattler, Karlsbad. Präger Mustermesse: PavIJs.on G, Stand 1514, » in PRAG. i 5 Akt.-Gcs., Prag II, Väclavske nämesti 62, S g übernimmt Lebensversicherungen ohne■ 5 ärztliche Untersuchung bis 5000 K.— 3 S mitsolortiger vollerGUItigkcit, ohne jede 8 S Karenzlrist. Bei Versicherungen mit ttrzt-■ 5 liehen Untersuchungen bietet günstigste■ 5 Bedingungen bei billigsten Prämien.■ S Vertreter werden an ollen Orten.8 ■ angestellt.———- S Htirema-Büro-AtascMesri PRAG I., NÄRODNl Tft. 23a Spezialhaus für 4 Vorhänge Ubanec liefert billigst: Misch» und Knetmaschinen, Teig-, Teil- und Siebmaschinen, Auszugdampf-Backöfen, Einschiess- Dampf-Backöfen, Rostbacköfen mit rauchloser Feuerung. Komplette Einrichtungen von Bäckereien, Erstklassige Ausführung!.. Messestand Prager Messe Nr 4142. Offerte und Abbildungen an! Verlangen kostenlos. i; Plerlna- Seni W Essig bester Qualität offeriert Libancr Presshcfe-Handcls-Gesellsch. Zentrale: Prag, Rybni iilice 13. 25 Fabrik.* Liban. zu haben in allen Konsum-Vereinen. 17 1 '--•i.