1. Jahrgang. Nr. 8. Freitag, 9. September 1921. Sozialdemokrat ocntrolorfjan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Repubiik. Tilclcm 6705"nach?/ fi7 tcr viel schlechteren Bedingungen führen, stns- besondere fiir unsere Metallindustrie, die sick> in einer schweren Krise befindet, werden die Aussichten für den Export noch schlechter, unsere Metallarbeiter werden von neuer Arbeitslosigkeit bedroht. Außerdem wird die Kalif- kraft der deutschen Bevölkerung geschwächt, unsere Ausfuhr nach Deutschland, die im Jahre 1920 30,8 Millionen Meterzentner oder 44,47°/- unserer Gesamtansfnhr betrug, tvird gleichfalls bedroht. So hat auch die tschcchoslo tvakische Volkswirtschaft die Wirkungen der deutschen Reparationsleistungen zu spüre». Aber nicht nur die Tschechoslowakei, sondern auch die Industrien allere anderen Länder, insbesondere der Siegerstaatcn, haben mit der durch den Fall der Reichsmark gewachsenen Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie ans dem Weltmarkt zu rechne». Tie deutschen Reparationsleistungen schädigen so nicht nur die deutsche Volkswirtschaft, sondern die ge samte Weltwirtschaft. * 1 Spcluilfttionciuui ol'.uc gleichen NN der Lerliiler Lörst. Berlin, 8. September.(Drahtbericht des „Sozialdemokrat".) An der Berliner_ Vörie haben sich in letzter Zeit Szenen abgespielt, die jeder Beschreibung spotten. Ter Andrang dir Käufer war so gewaltig, daß die Aufträge auch nicht annäbcriid ausgeführt werden tonnten. (Sitte S P c k u l a t i o n s w n t ohne gleichen hat sich eingestellt. Alles befindet sich auf der F l n vi t v o r d e r M a r k und auf der Jagd nach Effekten. Die Gründe dieser Bewegung und hauptsächlich in der k a t a st r o P h a- l e n Entwertung der deutschen V o- lnta zu suchen. TerMarkknrS ist gestern in New Bork auf 1.06 zurückgegangen und ans diese Weise bis in die Nähe seines bisher tiei- sten Standes gerückt. Umgekehrt befinden sich die ausländischen Zahlungsmittel in Berlin m n»unterbrochener Anfwärlsbewcgni',1 und der Dollar hat bereits eine Höhe von 96 Mark erreicht. Im Zusammenhang mit dieser neuen Balntakarastrophe haben die Börsengeschäfte einen geradezu ungeheuer! ich e n 11 in s a ii g angenommen. Tie Börse muß an mehreren Tagen der Woche ge- schlössen werden. Man hat noch den Börsen- Hof sür den Vcrlcbr hinzunehmen müssen. Es wird höchste Zeit, daß das Reich die besitzenden Klassen durch Besteuerung und Erfassung der Sachwerte zur Deckung der Reparationslafi-'n heranzieht. Denn nur wenn der innere Wert der Mar/ durch Beteiligung des Reiches an dem Vermögen und an den Einnahmen der kapitalistischen Kreise gestärkt tvird, kann eine Stabilisierung der deutschen Valuta erreicht werden. Ter jetzt schon mehrere Monate an- dauernde Rückgang des MarttnrseS ermöglicht zwar einen starken Export und wirft den Ka- pitalisten reiche Speknltaionsgewnme in den Schoß, die minderbemittelte Bevölkerung da- gegen bedroht er mit neuer, ungeheuerer Ber- teuernng ihrer bisherigen Lebenshaltung. 3n!and. Tie friedfertigen„Narodnl Listy". Die „Narodui Listy" schreiben n. a. über unsere Stellnugnabme zur tschechischen Sozialdemo- kratie:„Es'gibt sicher in der tschechischen Na- tion keinen ernste» Menschen, der sich nicht ein Einvernehmen und ein friedliches Zusammenleben mit unstrcn Deutschen wünschen würde. Es ist gewiß auch noch eine Anshel- lnng der gegenseitigen Beziehungen in mancher Hinsicht möglich. Noch manches Mißverstand» nis kann beseitigt werden, noch manche Verein- barnng über bisher strittige Frage» kann er- zielt werden. Die Bereitwilligkeit hiezn muß allerdings beiderseitig sein. Aber die Voraus- sctznng jeglicher Zusammenarbeit ist das positive Verhältnis der Deutschen im Staate und ihre Aussöhnung mit der Wirklichkeit. Daß lvir nämlich keinerlei destruktive Aktionen dnl den können und das; wir niemals in irgend etwas einwilligen werden, IvaS vielleicht unter dem B o r w a u d der Autonomie das Sekte 2» e*g«ft?uctK»lxaf Ä. September notwendige Mas; der staatlichen Einheit»nid. staatlichen Sicherheit bedrohen konnte. In dieser Richtung haben>vir unser letztes Wort gesprochen nnd e? irrt sich der, der glaubt, dag mir dieses Wort jemals widerrufen könnten." — Hiezu wäre zu bemerken, das; cS auch unter den vernünftigen Deutschen, vor allem unter den deutschen Sozialdemokraten keinen Menschen gibt, der sich nicht im Einvernehmen nnd kin friedliches Zusammenleben mit der tschechi-- scheu Nation wünsche» würde. Darin liegt so oicl Bejahung, daß die Phrase von der Irre- denta nur als das erscheint, IvaL sie in Wirk- iichkcit ist: eine nationalistische Parole. In tausend tschechischen Versammlungen wird das jüngst aufgebrachte Märchen von der nächtli- chcn Bewachung tschechischer Schulen im dent- scheu Gebiete wiederholt werden nnd das Stre- den des deutschen Polles nach Autonomie wird so lange als unerfüllbar dargestellt werden, bis das tschechische Volk auch an dieses Märchen glauben wird. Und doch wäre ihm init der Wahrheit in beiderseitigem Interesse mehr gedient. Schwchla über die Aufgaben der neuen Re- gicriitig. Mg. Tchwehla, der Führer der Agrarpartei erklärte in einer Sitzung des Exe- kntivauöschusses seiner Partei in einem Refe- rat über die neue Regierung folgendes:„In sozialpolitischen Fragen lvilt die Partei an je- der gesunden Reform mitwirken. Sie wird aber j e d c E x p e r i m c n t i c r p o l i t i k b e- kämpfe n, welche den inneren Frieden und die heimatliche Erzeugung bedrohen würde. In den Kultnrfragen wird sie, soweit es die religiösen Angelegenheiten betrifft, voll- ständige Toleranz bewahren. In na- t i o n a l c n A n g c l c g c n h c i t c n hält die Partei dafür, daß derzeit irgendwelche Mit- Wirkung einer deutschen Partei an der Leitung des Staates unmöglich ist und will bei Wah- rung des nationalen Selbstbewußtseins nnd der nationalen Würde eine Politik n a t i o- naler Loyalität betreiben."— Das ist der echte Schwchla! Alles kann er, alles macht er: gesunde Reformen, aber nur keine„Ex- pcrimcntalpolitik", in Kulturfragcn größte Toleranz, in nationalen Angelegenheiten Würde, aber Loyalität... Alles macht er, alles kann er, alles verspricht er, aber was hält er, der Schwchla?... Keine Gemeindcwahlcn 1022? Wie die „Rovnost" meldet, sollen innerhalb der tsche- chischen Parteien, insbesondere innerhalb der tschechischen Sozialdemokratie, Bestrebungen im Gange sein, die daraus hinzielen, die nächstjährigen Gemeindcwahlcn um ein Jahr zu verschieben.— Die Verantwortung für diese Meldung müssen wir dem genannten Blatte überlassen. Der Kongreß der tschechoslowakischen natio- naldcmokratischen Partei.(Tsch.-P.) Der Kon- greß der tschechoslowakischen nationaldemolra- tischcn Partei hielt unter Vorsitz Dr. K r a- m a r s ch heute eine Sitzung ab, in welcher eine Resolution angenommen wurde, worin es heißt: Ter Kongreß begrüßt, daß mich die übrigen tschechischen politischen Parteien zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß eine feste Nc- gierung und Parlamentsmajorität nur durch Zusammenarbeit aller tschechischen staatsbild- dcndcn Parteien geschaffen werden kann und die Zustimmung zum Ausdruck gebracht wird, daß die Partei in dieser Regierung vertreten sei. Es wird die Notwendigkeit ausgesprochen, sich zuerst über ein gemeinsames Regicrungs- Programm in Politischer, wirtschaftlicher, sozia- ler und kultureller Hinsicht zu einigen, in wel- chcin vor allem und einzig die Interessen der Republik und dadurch die Lcbcnsintcrcsscn aller Schichten des tschechoslowakischen Volkes und der nationalen Gesamtheit gewahrt werden. Slowakische Klagen. Die slowakischen„Na- roduie Noviuy" bringen einen Leitartikel, in dem die völlige Unzufriedenheit mit dem heu- tigcu slowakischen Schulwesen ausgesprochen wird. Statt slowakischen Lehrbüchern werden vielfach tschechische verwendet. Für den Geist, der in den Schulen herrscht, sei charakteristisch, wie man die literarische Loslösung der Slo- wakek von den Tschechen behandelt.„Wir wä- rcn sehr froh," heißt es wörtlich in den: Ar- tikel,„wenn unsere Schnlbchörden sich ent- schließen würden, diese schreienden Zustände zu beseitigen und es dem flowakischcn Geiste ermöglichen würden, in den slowakischen Schu- len zur Geltung zu kommen, als eine der er- ften Bedingungen deS Ausgleichs zwischen Tschechen und Slowaken. Wie man den Slowaken die Autonomie aus- reden will. Im„Vcnkov" schreibt Gesandter Dr. Kybal:„Die ehrlichen Slowaken erkcn- nen selbst, daß sie bereits mehr Autonomie haben als ihre Fähigkeiten reichen und alles Rufen nach der Autonomie ist bei der heutigen inneren Situation der Slowakei eine uncrnste politische Parole, welche die Regierung und die gesetzgebenden Körperschaften des Staates nicht in Erwägung ziehen können. Der Slowakei fehlen bis heute alle Bedingungen der Selbst- Verwaltung, nicht zu reden von der Unabhan- aialeil: geschlossene geographische, militärische und nationale Grenzen, die Bevölkerung einer Staatsnation nnd einer überwiegenden Religion, Gcklärtheit der politischen Parteien, auf die sich die Regierung stützen könnte, eine starke wirtschaftliche und soziale Struktur der Bevölkerung, kulturelles und nationales Bewußtsein der breiten Massen der Bevölkerung, gefestigte Organe der Selbstverwaltung". Wenn daher die tschechische Regierung ihre Bc- muten in die Slowakei entsendet, so sei das an- geblich nicht tschechischer Zentralismus, sondern die Hebung der Slowakei im Geiste der natio- nalcu Befreiung, ihre Vorbereitung zur Selbst- Verwaltung, wie sie Böhmen, Mähren und Schlesien haben.(!)— Wir glauben kaum, daß sich die Slowaken mit derartigen Argu- meuteu die Autonomie werden ausreden lassen. Ter Herr Gesandte macht auch das Gestand- ins, daß sich' die slowakischen Beamten des- wegen nicht bewahrt haben, weil sie noch stark iintcr magyarischem Einfluß stehen und vielfach Anhänger der magyarischen Irredcuta sind. Die Regierung müsse daher die slowakischen Beamten nach Böhmen und Mähren versetzen, damit sie Träger deS Staatsgedankcn werden. „Alle sentimentalen Rücksichten müssen den höheren Interessen einer ordentlichen Berwal- tuiig und der staatlichen Sicherheit untergeord- »et werden." Selbst der„Benkov" erklärt sich einleitend mit den Ausführungen des Herrn Gesandten nicht einverstanden nnd es wird wohl niemand sv leicht glauben, daß man mit solchen Grundsätzen die Slowaken gewinnt. KarvathorussischcL. Oberamtmann S ch w eich a aus Munkac wurde wegen Verdachts der Veruntreuung von 33.(300 Dollar verhaftet. Wie der„23. rijen" mitteilt, hat der Oberamt- mann aus Rozvigor namens Palh durch verschiedene Machinationen mit Getreide und Petroleum die Republik mindestens um eine Million Kronen und die Bevölkerung seines Wirkungskreises um 700.000 Kronen gcschä- digt. Ans Grund deS Einschreitens des Wu- chcramtcs wurde Pakh verhaftet und dem Ge- richte eingeliefert. Diese großen Defrauda- tionen hoher Staatsbeamter sind umso Hemer- kcnswcrtcr, als vor nicht zu langer Zeit Herr Ehrenfeld, der Gouverneur von Karpathoruß- laud bloß die Ehrlichkeit der niederen karpatho- russischen Beamten zu bezweifeln wagte. Eittlgnnqsverhandlnngenm'lt Layern. Berti», 8. September.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat".) Die B c r h a n d l n n g c n zwischen der ReichSregieru»g und den Vertretern aus Bayern sind heute forlgc- setzt worden. Ein offizieller Bericht ist noch nicht herausgekommen, es wird aber hchanp- tct, daß schon eine grundsätzliche Einigung erzielt worden sei und daß man jetzt nur noch über Form fragen diskutiere. Bayern sollen gewisse Zugeständnisse für die innere Verwaltung, besonders aber für die Befugnisse der LandcSpvlizci gemacht wor- den sein, wofür cS dann den AusnahmSzn- stand aufheben will. Die Führer der Koa- litionSparteicn des Reichstages, Zentrum, Demokraten nnd RechtSsozialistcn, sind vom Reichskanzler über die vorläufigen Ergebnisse der Verhandlungen mit den Vertretern Bah- crns unterrichtet worden. Die Parteiführer erklärten ihr vollstes E i n b e r st ä n du i s mit den-Vorschlägen der Reichsregierung, ans- genommen die Sozialdemokraten, die noch einige Einwendungen erheben, gc- meinsam mit den Unabhängigen heim Reichs- kanzlcr erscheinen und ihre Bedenken geltend machen wollen. Tie Arbeiterschaft wird sich nicht damit zufrieden geben, wenn zwar der Ausnahmezustand in Bayern ausgehoben, aber neue A u s n a h m s b c st i m m u u g c n gegen die Arbeiterschaft beschlossen werden sollen. In diesem Sinne flhmfit-mich der„Borwärt s" in der heutigen Abend- ausgäbe:„Wir verlangen, daß die Regierung sich nicht zum Narren halten läßt. Die V e r- Handlungen müssen heute e r l e- digt werden. Morgen tritt der Reichs- tagsausschuß zusammen; er möge die Reichs- regierung beauftragen, von ihrem vcrfassungs- nmßigen Rechte Gebrauch zu machen. In einer Zeit, da der Völkerbund über das Schicksal Oberschlesiens verhandelt, da von der Einheit des Reiches die Erfüllung der Reparationen und damit die Erhaltung des Rnhrgebietcs und des gesamten volkswirtschaftlichen Lebens ab- hängt,— was ist in solcher Zeit die Verderb- liche Treiberei einer Münchner Clique ande- res wert, als daß sie gründlich beseitigt wird? Die Arbeiter in Bayern und in ganz Deutsch- land haben ihre Vorbereitungen be- endigt. Wir wollen den inneren Frieden. Wer ihn stört, wird von uns mit allen Mit- teln zur Ordnung gerufen werden. Es ist hohe Zeit, die Reichsregierung mag das Wort spre- chcn, das uns zu geordneten Zuständen zurück- führt"../ Umgetaufte Orgcsch in Bayern. Berlin, 8. September.(Tsch. P. 58.) Die „Freiheit" meldet, daß die in Bayern nach der Auflösung der Einwohnerwehr unter dem Na- mcn„N o t b a n n" geschaffene neue Organi- sation, die zum Schutz gegen den Streikradita- lismus dienen soll, in Wirklichkeit eine v e r- s ch l e i c r t e Einwohnerwehr sei. Bei den München« Demonstrationen für die Re» publik ist der Notbann schon in Alarmbe- r c i t s ch a f t gewesen. Er hat also m i l i- tärischeZiele und wird von den gleichen Personen geleitet wie die bisherige Einwohnerwehr Die Rcichsrcgicrung, sagt die„Freiheit", wird nicht umhin können, sich mit dieser Organisation zu beschäftigen. Die sozialistischen Parteien gemeinsam auf der Wacht. Berlin, 8. September.(Tsch. P. B.) Wie der„P o r w ä r t s" meldet, fand am Mitt- woch eine vertrauliche Aussprache von Bcr- treten, der sozialdemokratischen Partei Teutschlands mit solchen der u n- abhängigen sozialdemokratischen Partei Deutschlands über die politische Lage statt. Man war sich darüber einig, daß sich zum Schutze der Republik ein gemeinsames Vorgehen beider Parteien empfiehlt. Im Vordergründe stand die bayrische Frage. All- seits wurde betont, daß die sofortige Aufhebung des Belag crungszu- st and es in Bayern unerläßlich sei. Am Mittwoch abend unterrichteten Vertreter bei- der Parteien den Reichskanzler nnd den Reich s m i n i st e r des Innern über ihre Auffassung, insbesondere darüber, daß ans Grund der Verordnung deS Reichspräsidenten neuerdings wiederholt k o m m n n i st is ch c Blätter verboten wurden. Sie ließen keinen Zweifel darüber, daß der im wcscnt- lichen gegen die Rechtsbokschewisten gerichtete Charakter der Verordnung des Rcichspräsiden- ten nicht durch untergeordnete Vcrwaltungs- organe vcrtvischt und nach links u m g e- bogen werden dürfe. Die Regiernngsvertretcr erklärten, wenn linksstehende Blätter zu Gc- waltanwcudnng gegen die Verfassung oder die Vertreter der Republik auffordern, so müsse die Verordnung mich gegen sie Anwendung finden. Die Besprechungen werden Donners- tag fortgesetzt werden, sobald die Beratungen mit den bayrischen Vertretern beendet sein werden. Die Franz-sen schmieden das Eisen. Paris, 7. September.(HabaS.) Andre Lcsevre weist ans die Gefahr hin, welche für den Frieden in der beständigen Stärkung deS deutschen M i l i t a r i s m u s besteht. Lcsevre schlägt nach dem Scheitern der gcplait- ten englisch-franzvsisch-amcrikanischcn Alli- a n z eine solche zwischen Frankreich und der kleinen Entente vor. Jacques Bainville schreibt in der nationa- listischcn„Aktion Fran?aise":„Heute ist Deutschland zweifellos ins Chaos g c- s il n k e n. Aus diesen, W i r r>v a r r dar es nicht herauskommen. Bon einer Oppo- sition des demokratischen Deutschland gegen das iniverialistisckie Deutschland zn sprechen, ist eitel Geschwätz.(!) Man sieht doch(!), daß in den letz- ton Tagen die Bewegung gegen Links aufgehört hat. ES ist nicht zu übersehen, daß die äußerste Rechte Anhänger gewonnen hat. Martin Spahn, der ein großes Ansehen in katholischen Kreisen genießt, ist zu den Nationalisten übergegangen, zu der Partei, die für die Ermordung Erzbergers verantwortlich ist. Noch merkwürdiger ist, daß die Volkspartei, die Parwi Strcsenianns, gegen die Linksbcwcgung eine bürgerliche Koalition ge- bildet hat, was sofort die republikanische Be- geistermig Dr. Wirths gebremst hat. Vergessen wir nicht, daß der Zieicksiag eine bürgerliche Mehrheit hat, und daß seit 1020 die Linksparteien nur 11 von 25 Millionen Wählern für sich haben." Mehryeitssoflalisien und Unabhängige unterstützen die Reichsregierung. Gestern mittags fand in Berlin eine genicin- samc Sitzung zwischen den Vertretern der rechtssozialistischen und der unabhängigen Par- tei statt. Es wurde eine Vereinbarung über die zunächst einzuschlagenden Schritte getrof- sen. Tic Reichsregierung soll in ihrem Vor- gehen gegen Bayern unterstützt werden. Sollte es bei den neuaufgenommenen Verhandlungen zwi'chcn Berlin und München zu keinem die Arbeiterschaft befriedigendem Ergebnis kommen, so werden die dann zu treffenden Maß- nahmen beschlossen werden. Die Völkerbnudslaynng. Die Kritik Brantingö und CeeilS. Genf, 8. September.(Wölfs.) In der heust- gen Sitzung, die um 10 Uhr 45 Min. vormit- tags eröffnet wurde, trat die Völkerbundsver- sammlung in die e r st e große ö f f e n t- liche Beratung des Berichtes ein, den der Bölkerbundsrat der Versammlung zugc- stellt hat. Branting(Schweden) eröffnete die Debatte mit einer längeren Rede, in der er feststellt, daß der Völkerbund noch nicht den Wünschen der W c l t st i m m u n g Rechnung getragen habe. Man habe auch vielfach den Eindruck, daß die Beschlüsse nicht von ihm, sondern von anderen Stellen gefaßt worden seien. Mit besonderem Nach- druck forderte Branting, daß der Völkerbunds- rat das Hauptorgan des Bundes bleiben müsse. Er kritisierte hierauf in sehr eingehen- der Weise verschiedene Maßnahmen, so auck, die Berichterstattung über die Alandsfragc und tadelte die Tätigkeit des Völrerbundsvertre- terS, von dem er Unparteilichkeit verlangte. Lord C e c i l hielt diesmal eine sehr gemäßigte Rede, welche verschiedene Vorwürfe Brau- tingS zurückwies und vor allem daS Sekrets- riat in Schutz nahm. Er hob bei der Bcspre- chung der Tätigkeit des Rates die geschickte und bewundernswerte Regelung der D a n z i g e r Angelegenheit hervor. Er sprach die Hoffnung aus, daß die ungemein wichtige oberschlesischc Frage auch eine gc- rechte Lösung finden möge. Er beklagte es, daß der p o l n i s ch- l i t h a n i s ch e Kon- likt bisher nicht beigelegt worden sei. Er richtet einen Appell an Polen nnd Ltihauc», denen man sagen müsse, daß die Fortdauer des Konfliktes ein internationaler Skandal sei, der den Weltfrieden gefährden würde. Besonders eingehend besprach Cccil die Mandats- rage. Er sagte, daß die Entwicklung der unter Mandat gestellten Völker eine heilige Kulturaufgabe sei. Cceil erklärte zum Schlüsse seiner Ausführungen ausdrücklich, daß er nicht Amerika kritisiere, aber die Verzögerung, die die Mandaisfragc erleide, schade nicht nur dem Rate, sondern auch den Arbeiten des Völker- bundSrates. Einen starken Ton der Kritik fand Eccil in dem Teile seiner Darlegungen, die der A b r ü st u n g gewidmet waren. Diese Frage sei noch lange nicht befriedigend gelöst worden und das bisherige Ergebnis sei noch keineswegs ermutigend. Die Versammlung müsse die Kommission drängen, die 5ZLclt könne nicht länger die jetzigen Rüstungsausgaben tragen. Cccil erinnerte an die Schlußfolgc- rungcn der internationalen Konferenz in Brüs- scl, die ans wirtschaftspolitischen Gründen her- aus die Abrüstung fordert. Bei dieser Konfe- rcnz habe sich die Lage weiterhin verschlechtert, sodaß mehr denn je der Wunsch nach Ab- rüstuug erhoben werden müsse. Mit großer Lebhaftigkeit fragte Eccil, warum man nicht a b r ü st e und die Antwort lautete dahin, weil der eine Staat vor dem anderen Staate Aug st habe. Der Völkerbund müsse daher mutig auf dem Wege der Abrüstung fortschreiten, nur dann könne er alle seine Feinde durch sein vollendetes Wer! überzeugen. Amnestie für die eingekerkerten Kriegs- gefangenen. Genf, 8. September. Der hier tagende K o n- greß für das Völkerrecht nahm eine Entschließung an, in der die Regierungen, Parlamente und der Völkerbund zn Gunsten einer allgemeinen Amnestie für die Kriegsgc- fangencn angerufen werden, die sich wegen Fluchtversuche, Gehorsamsverweigerung usw. in festländischen und Koloniakgefängnissen be- finden. Nach der Amnestie sollen die Kriegs- gefangenen sofort in ihre Heimat abbefördert werden. Ferner nahm der Kongreß eine Eni- schlicßung für die Unabhängigkeit Montenegros und dessen Aufnahme in den Völkerbund an. Eine Botschaft d'A n- n n n z i o s für die unterdrückten Völker wurde vom Kontmandanten Pogliasiadi verlesen. Die Antwort Lord George an Irland. Ein Ultimatum? Jiiverneß, 7. September.(Reuter.) Heute früh trat das Kabinett zu einer wichtigen Sitzung zusammen, um die irische A n t« Wort zu besprechen. Wie verlautet, hat Lloyd George betont, daß es notwendig sei, die Verhandlungen f o r t z u- setzen. Die Besprechungen erstreckten sich hauptsächlich auf die Frage, den Sinnfeinern für die Annahme oder Ablehnung des Regie- rnngsangcbotcs eine Z c i i g r c n z e zu stcl- len. Die Antwort der Regierung wurde einstimmig gebilligt nnd dem Kurier der Sinn- feiner übergeben, der gleich darauf nach Dub- lin abreiste. Der Text der Antwort soll mor« gen abends veröffentlicht werden. London, 7. September.(Reuter.) Es ist ein Ausschuß eingesetzt worden, der aus allen in Schottland weilenden Kabincttsmit- gliedern besteht, uni in der irischen Frage mit allen Vollmachten zu handeln, sobald die nächste Antwort de Balms eintrifft. Möglicherweise wird noch ein weiterer KabincttSrat in In- vernetz abgehalten werden. Ferner ist ein Ka- binestSauSschuß eingesetzt worden, der sich mit der Arbeitslosenfrage beschäftigen soll. Die griechischen Erfolge werde» geleugnet. Paris, 8. September.(Tsch. P. B.) Eine» Havasmeldung aus Konstantinopel zufolge be- sagen die letzten Nachrichten von der Front, daß die Griechen nach achttägiger Schlachi auf der Skariafront ungefähr 7 km. vo r- gedrungen sind. Die Verluste würden aus etwa 20.000 Mann geschätzt. Die Nachrichten von der Besetzung Angoras seien un- begründet. Gegenwärtig seien die Gric- cheu etwa 50 bis 70 km von dieser Stadt ent- fernt. Der Widerstand der Türken dauert an. Die Heftigkeit des KmuPfeS Hai neuerdings nachgelassen. ?V»•.......: JA'. 1. kr Auflösung des Allrussischen Hilfskomitees. Tic Bcgründ»!»; Radcks. Berlin, 8. September.(Drahtbericht dcö Sozialdemokrat".) Unter der Neberschrift Die Menschenfreunde" führt Karl Nadel n der„RotenFah n c" über die Auflösung cjs Allrussischen Hilfskomitees ans, es babe ich von Ansang an in dem Komitee eine K a- >c t t c n o r g a n i s a t i o n gebildet, die Po- 'tische Absichten verfolgen wollte. Der Konflikt entbrannte bei der Frage über die Entsendung einer Delegation des Komitees ins Instand. Die Regierung war mit der Delc- jierung des Komitees einverstanden, doch war nc Wahl des Augenblicks zur Entsendung von »er internationalen Lage und von der Arbeit »es Komitees in Rußland selbst abhängig zu uachen. Mit ausländischen Mächten habe nur )ie Regierung Abmachungen zu treffen, nicht »her die Komitees. Ein anderes Argument zcgen die Reise der Delegation habe in der Tat- ache gelegen, daß das Hilfskomitee richt die geringste Tätigkeit c n t- ialt e t c. Als die Regierung im Komitee den Vorschlag machte, die Reise aufzuschieben, for- Serie sie es gleichzeitig auf, seine Vertreter in Sic Hnngcrortc zu schicken, um die Organisa- tionSarbeit zu beschleunigen, die in dem Augen- blicke vollendet sein sollte, tvo allenthalben Misstonen aus dem Ausland erwartet wurden und «nr Verteilung des Getreides aus der neuen Ernte geschritten werden sollte. Tah habe das Komitee abgelehnt.— Radck kommt zu folgen- dem Schluß:„Jeder, der der Sowjctrcgierung im Kampfe mit dem Hunger helfen wird, dem wird Gelegenheit ehrlicher und nützlicher Ar- bcit gegeben werden. Wer jedoch der Sowjet- rcgicrung aus dem Hunger eine unterirdische Mine bereiten will, der wird mit demselben Sprcnggranatcn, die man unter das Gebäude Sowjetrußlands legen will, in die Luft gc- sprengt werden. Zwischen der Hilfe für die Hungernden und der Lieferung von Lolomoti- den und Maschinen besteht nicht der geringste Unterschied. Wie die Sache einmal st e h t, w c r d c n w i r m i t d c n m e n s ch c n- freundlichen Herrschaften nur über ihren Profit verhandeln, von etwas anderem aber nicht sprechen. Dazu ist soviel zu sagen, daß die S o w j c t- rcgicrung sich selb st an die Bour- g c o i s i c u m H i l f e gewendet hat. Denn hinter den Aufrufen, die seinerzeit von Maxini Gorki und den Patriarchen von Mos- kau in die Welt gesandt wurden, standen inoffiziell die Bolschewik!. Es scheint aber, als ob sich auch in der Trage des Kampfes Segen den Hunger zwei Gruppen unter e n russischen K o m ni u n i st e n gc- bildet haben und daß jetzt die R i ch t u n g R a- dck den Sieg davongetragen hat. Krieg dem Krieg. „Chemische Abrüstung". New Aork, 8. September.(Reuter.) Bei Er- öfsnung der Tagung der amerikani» f ch c n chemischen Gesellschaft, an der zahlreiche hervorragende Engländer teil- nahmen, wurde eine Entschließung angcnom- men, die im Hinblicke auf die bevorstehende Abrüstungskonferenz auf eine Erwägung einer chemischen Abrüstung drängt. Fort mit den giftigen Gasen! Edinburgh, 8. September.(Reuter.) In der Eröffnungssitzung der JahreSzusain- menknnft der britischen Associa- t i o n, die von mehr als 2000 Gelehrten besucht war, richtete der Vorsitzende Thorpcs einen scharfen Protest gegen die dro- hende Fortsetzung des Gc brau- ches giftiger Gase in der Krieg- führung, der eine Herabwürdigung der Wissenschaft und eine V e r n e i- n u n g d c r Z i v i l i s a t i o n bedeutet. Der Vorsitzende forderte die versammelten Gelehr- tcn auf, ihren Einfluß zur Beseitigung dieses Mißbrauchcs geltend zu machen. Deutschenhaß in Belgien. Brüssel, 7. September.(Tel.-Union.) Die belgische Arbeiterpartei hatte in La Laudiere eine g ewerkschaftswochc organisiert, an welcher auch Vertreter des Auslandes, darunter der Deutsche Sassen- b a ch als Vertreter der deutschen Gewcrkschaf- ten, teilnehmen sollte. Sassenbach wohnte in demselben Hotel wie die belgischen Sozialisten, führer de Brouchcre und Deman. Der Wirt des Hotels hatte aber Sassenbach gezwungen, das Hotel zu verlassen, worauf die beiden Bel- gier ebenfalls das Hotel räumten. Im Laufe des Tages haben die belgischen natto- nalen Vereine gegen die Anwesenheit e in e s de u ts ch en Dele g ier- ten durch Plakate Protest erhoben. Bei den sozialistischen Kundgebungen, welche gestern abends stattfanden, kam es zu heftigen Zu- s a m m e n st ö ß e n zwischen belgischen Patrio- ten und Sozialisten. Es gelang den Sozia, listen, den belgischen Patriotenveremen samt- liche Fahnen abzunehmen. Die sozialistische Versammlung, an der auch außer dem Deut- scheu Sassenbach ein Italiener teilnahm und in der Sasscnbach sprechen sollte, wurde m- folge andauernden Lärms und Zwischenrufen, wie„Nieder mit den Boches gesprengt. Später fanden Zusammenstoße statt, wobei mehrere Personell schwer verwundet wurden. Soziald Die sozialdemokratische Wehrmacht. SOicit, S. September.(Drahtbericht des „Sozialdemokrat"). Bei den Wahlen der Soldatcnrätc, die in den letzten Tagen stattfanden, wurden 10.000 Stimmen abgegeben. Soweit bis jetzt Stimmen vorliegen, haben die Sozialdemokraten 351 Mandate bekommen, die K o in in n n i- st c h 48. Die Christlich sozialen haben im Ganzen 178 Stimmen bekommen, infolge- dessen kein Mandat. Die Ergebnisse aus Steiermark und aus einigen Orten Nieder- Österreichs stehen noch ans, da dort die Wahlen wegen der ungarischen Ereignisse bis jetzt noch nicht stattfinden konnten. Auch Frankreich leidet an Beamtenüberssuß. Paris, 7. September.(Tsch. P. B.) Eine Unterkommission des Finanzausschusses der Kammer hat sich mit der Herabsetzung des B e a m t e n st a n d e s beschäftigt. Ans den Beratungen geht hervor, daß d'e Anzahl der Beamten am 1. I nIi 1 01 4 543.27 1 betrug und 1.154 Millionen erforderte, während deren Anzahl am 1. I n l i 1 0 21 7 3 2.9 2 6 Beamten betrug, bei einem Ko- stcnaufwande von 4.003 Millionen. Für das Jahr 1022 ist nach dem Regiernngsvorschlage eine Herabsetzung ans 600.038 Beamten mit einem Kostcnailflvandc von 4.618 Millionen beabsichtigt. Empörung der englischen ArbciiSlostn. London, 7. September.(Tsch. P. B.) Te- lcgrammc ai's verschiedenen englischen Städten melden, daß sich die Arbeitslosen in Zügen zu den städtischen Behörden begeben, »Ni von ihnen Hilfe z» erhalten. Es lind einige Z n s a m m e n st ö ß c in i t der P o lizei gemeldet worden. Heute hat eine Menge von 5000 Arbeitslosen den Verkehr in den Hauptstraßen von Liverpool unter- bnndcn. Gleichartige Zusammenstöße babcn sich in Bristol zugetragen, wo die Polizei mit Feuerwaffen eingreifen mußte. Bilinöli— künstloer Finanzminis'er? Tsch. P. B. Wien, 7. September. Die „Nene Freie Presse" meldet ans Warschan: Ministerpräsident W i t o s hat eine angcsc- heue Persönlichkeit als seinen Vertrauens- mann nach Wien entsandt,»m ein Gutachten des früheren Finanzministcrs Dr. Bilinski über die Finanzlage Polens einzuholen. In politischen Kreisen ist dos Genullt von der bevorstehenden Berufung Bilinskis verbreitet. Ausland. Irland. Der„Frankfurter Zeitung" zufolge waren die Sinnfciiicr über die der cngli- sehen Regierung zu gebende Antwort untcr einander nneins. Griffith wollte sie ans einen milderen Ton gestimmt wissen, nni eine Kon- ferenz mit Lloyd George zustande zu bringen, doch behauptete sich endlich die energischere Meinung de Valcras. Die Aussichten einer Verständigllilgskonferciiz werden verschieden beurteilt. Damit mag dos vom„Hamburger Echo" verzeichnete Gerücht zusammenhängen, daß die cnglandfrcnndlichen Nlsterlentc,»in den Sieg der irischen Rationalisten zu vcrhin- der», eine bewaffnete Gegenaktion vorbereiten nnd schon zehntausend Freiwilliger geworben haben. Auch von einem Plebiszit wird gesprochen. Lloyd George will jedenfalls, wie aus den heutigen Nachrichten hervorgeht, den Faden der Verhandlungen weiterspinnen, die geplante ultimative Aufmachung sott nur die Toren wahren. Oberschlcsicn. Die Völkerbundheratnngen über Obcrschlcnen geben zu allerlei Gerüchten Anlaß. Die einen wollen etwas von einer neuerlichen Volksabstimmung gehört haben, andere wieder erzählen, daß das Gutachten der vier beratenden Staaten auf einer neuen, von Frankreichs und Englands Meinung abweichenden Grundlage aufbaue und dafür den Vorzug habe, den berechtigten Ansprüchen Deutschlands und Polens zu entsprechen. Das Wie dieses geheimnisvolle» Wunderplanes läßt der Berichterstatter der„Wcstininster Gazette" freilich im Dunkel. Der Pölkcrbundsrat wischt mit seinen Bc- ratungen den Völkern Tag um Tag die Augen aus. In seiner letzten Sitzung verhandelte er, die Washingtoner Konferenz vorbereitend, die Abrüstungsfrage. Ter englische Bericht, der Großbritannien, Japan und den Vereinigten Staaten empfiehlt, die Rüstungen, besonders zur See, einzuschränken, weckte natürlich den Widerspruch aller anderen, geheime Absichten Englands witternden Imperialisten. Vor al- lein die Franzosen scheinen aus dem Häuschen geraten zu sein und erzielten auch, daß ihr Delegierter Roblemaire mit der Abfassung eines neuen Testes betraut werde. Ungarn. Die heutigen tschechischen Blätter beschäftigen sich wie auf Uobereinkiinft mit der ungarischen Frage.„Narodni Politika",„Ben- kov" und„Cesk. Republika" bezeichnen Magha- ricn als.den mitteleuropäischen Friedensstörer, dessen bloßes Dasein die Ruhe der Tschechoslo- walci, Jugoslawiens und Teutschösterrcichs gc- fährdc, ja, die„Narodni Politika" wirft sogar die Frage auf, ob ein Staat von solchen Aspi- rationen und solcher Illoyalität überhaupt einen Platz in der europäischen Staaienfamilie emokrat beanspruchen dürfe. Man geht wohl nicht seist, wenn ma» diese ZcitniigSvffcnsive als War- nnngsruf der kleinen Entente auffaßt, nnd da- zu paßt ganz gut die Betrachtung des„CaS" über die Wahl des ihm nahestehenden Herrn Beiies zum ersten Vizepräsidenten der Völler- bundversanimlung. Durch sie würden die Bemühungen der ungarischen Habsburg- knechte, in den Völkerbund einzutreten n»d von hier aus die Interessen Habsbnrgs zu verfechten, endgültig vereitelt, im Zweikampf Bcnes- Apponhi habe Venes gesiegt. Daß mit sol.ll weitgehenden Schlußfolgerungen einer höfischen Formsache allzngrößc Bedeutung beige legt wird, liegt auf der Hand. Der Völler bnnd ist sonst gegen Staate» mit Ränberpoiitik (man denke an Polen) nicht gar zu wählerisch. Tvekulalioiiswort ohnegleichen an der Berliner Börse. Auf den orientalischen Kriegsschauplätze» gehen die Kämpfe ununterbrochen fort. Die bei An- gora überwundenen Kemolisten leisten i>u Tale Dakaria weiter Widerstand.— Im Gebiet der Beiii Likar griffen die Maure» einen spei» scheu Truppentransport an, wobei Eingeborene wie Ne-ienlnaStruppe» schwere Verluste erlitte ,. Vraunschweig. 7. September. DaS Ts HPV. meldet: In Verbindung mit dem jüngsten D y n a in i t a n schlage ans verschieden! Gc- bände wurde» dieser Tage mehrere Kon»in- nisten verhaftet unter dem Bei dachte, daran beteiligt gewesen zu sei». Darunter auch die Kommunistin Faßhauer. Belgrad, 7. September.(Ing. Presch.) Ter jugoslawische Delegierte Ilie traf gleichzeitig mit der Enlenlekommislion in Mohacz ein und stellte dort fest, dag die Meldungen betreffs in a g» arischer Grausamkeiten der Wallr- hcit entsprechen. Die Ententekonimisslon ist bei der mag»,arischen Regierung in Budapest eilige- schritte». Sofia, 7. September.(Balg. Preßb"reau.) Gestern wurden über t'Wi Soldaten ans der bulgarischen Armee entlassen. Berlin, 8. September. In der Berliner F i l i» i„ d» st r i o ist der seit einiger Zeit drohende Streik I, c i t e ausgebrochen. Die großen Fabriken arü. ilcn nicht. 0300 F i l Nile u t e streiken. Berlin, 8. Sep'cmber, Der, Lokokanzeiger" meidet ans Speyer: Mi> Rücksicht auf die mit Gewalt ersolate B c s e tz u n g d e s P v I i z e i- gebä ii d es Hai die srani sil''e Bescitznngsbe Hörde nnnnlehr die gefai»,Polizeigewall der Stadt Speyer übernommen. London, 8. September. In der Antwort der britischen Regierung an de Balera wird an diesen die Frage gerichtet, ob er bereit sei, Iich am 20. d. an der Konferenz in Inder»est zu beteiligen, um zu ermitteln, wie die Verbindung Irlands und des brili- scheu Reiches am besten mit de» nationale» Bestrebungen der Iren in Einklang gebracht werden könne. London, 8. September...Morningpost" meldet ans Shanghai, daß die Truppen der Provinz S z e t s ch»an die Stadt I ch a n g einaenommeil und geplündert haben. Ausländische Kano- nenboote haben Truppen zum Schutze der Ans- länder ge'andet. Zwischen>: n a n n» d H npe ist ein Was sc ii stillst and ,mtict'net wor- den. „Ilunlihiiitgige" Komnuutisitn. Das tschechoslowakische Preßbüro bringt eine Nachricht ans Basel, wonach dort in abhängigen kommnnistischen Partei bcschlos senen Versammlung die Gründung einer nn- einer von der kommunistischen Partei einbcru- feit worden sein soll. Falls die Nachricht in die- lcr Form auf Nichtigkeit beruht, würde die kommunistische Partei eines weiteren Landes von der Zersetzung bedroht sein. Ter letzte Kongreß der kommunistischen Internationale hat bereits gezeigt, daß iiincrhalb der koniliiit- nistischen Parteien aller Länder zwei Strö- »iiiiigcil nm die Herrschaft ringen:— eine „opportunistische", welche sich zu der Erkennt- nis eines ruhigen Ganges der Weltrevolution durchgerungen hat und gegenüber der Renk- tion eine elastische Taktik anwenden will. Ihr trat ein linker Flügel entgegen, der die Wandlungen des Bolschewismus im letzten Jahre nicht mitmachen will, Lenin als einen Oppor- tunisten betrachtet und zur ursprünglichen Ideologie der Bolschewiki in den Jahren 1017 bis 19J9 zurückkehrt. In Deutschland findet diese Ströinmig Ausdruck in der K. A. P.(Kommunistische Arbeiter-Partei), welche die V. K. P.(Vereinigte kommunistische Partei) wütend bekämpft und ihr dasselbe Argn- ment entgegenhält, wie die Kommunisten den sozialdemokratischen Parteien. Im Zusammenhang mit den jüngsten Demonstrationen der Arbeiterschaft aller Richtungen gegen die Reaktion, die in Deutschland in den letzten Ta- gen stattfanden, warf die K. A. P. den von Lenin für Deutschland autorisierten.Kommunisten das Znsammeilgehcir mit dcic Mehr- heitssozialistcn und den Unabhängigen vor. Die K. A. P. nennt die Führer der V. St. P.„Bonzen". Auch in Holland treten die Knminuni- sten unter Führung von Pannekoek gegen die kommunistische Internationale auf und nennen Lenins Politik die der„verflachten Weltrevolution". Am bedentung^ollsten ist Seite S.' jedoch die Erscheinung, daß die K.?l. P. ans ihrem nächsten Parteitag die Schaffung eine« neuen, vierten Internationale der kommniii. stischen Arbeiterinternationalc diskutiere» tvill. Diese Bestrebnilgen tverde» i» cinei Reihe von Ländern fruchtbaren Boden sin den nnd die Arbeiterbewegung aller Lände- noch mehr zersetze», als es bisher der Fall ist sie werden aber gleichzeitig die Erkenntnis rei fen lasse», daß nicht in einer nochmalige» Spaltung, sondern in der Bereinigung da» Heil der internationalen Arbeiterbewegung ge legen ist. Tlzaes-ilenigketten. Der Fall Myneken. Es ist eine Irauric Geschichte. Dr. Gustav Wynekcn ein in sein» Art genialer Man», ein Pfadfinder im Laut der Erziehung, ist mit dem Strafgesetze in Ko. flikt geraten. Der biedere Spießer hält sr den dicken Bauch und lächelt hämisch schade» froh:„Also das sind unsere Jugendbildnr, Tie modernen Menschen, welche der alte» bewährten Lernschnlc den Garaus machen nr dafür in„Freien Schnlgemcinden" Arbeit, sreundc, Erarbeiten des Könnens und Wissen sozialen Sinn, und wie alt diese schönen Tilg schon heißen mögen, zustande bringen wollet 0 ja, in Worten sind sie groß und stark. Ur dann geht so ein Kerl, so ein Apostel der neu» Sittlichkeit, hin und umarmt nackt einen Schi ler. Pfnj Teufel, so etwas tut man doch»ich Wenn ich ein Vergnügen haben will, geh» ins Bordell. Dort zahlt-man für die Hetz»i damit Vasta. Nein, ans mein liebes Geld i« ich nichts kommen, das öffnet eine»! alle Tür^ Recht geschieht dem Kerl, soll er»nr sein Ja!» brummen! Und wie dumm er doch ist. Stak die Sache totzuschweigen, hat er»och ans Tro, schcreien hin die Selbstanzeige erstattet.>/j misch, was?! Da hätte icl> viel zu tun, wen ich mich weg!» jedes Kriegswuchers rein inj scheu wollte»— Der Kenner der Zeiten um der Menschen findet an der Sache nichts z lächeln. Er weiß, daß gerade die gewaltig!te. Jugendbildner, ein SokrateS und Pläto, ähr liche Neigungen in ihrer Brust fühlte», iveil daß diesem Triebe gegenüber der Arzt, nni der Strafrichter der berufene Sprecher ist. tl.-i vor allem sieht er, daß Wyneken von der>? samten Meute des Kulturrückschrittler z» Strecke gebracht worden ist, denen der hege stcrte, oft über das Ziel hinausschiehtende R formdrang des Atannes ein Dorn im An> tvar. Was reines Streben! was tcgeisne Liebe der Schüler! tvas Erfolge, die>'iek< Hunderten des jungeii Geschlechtes das Letz« bereicherten und vertieften! Bor ve» reaktö nären Richtern Teutschlands, die sich nie scheuten, die Ossentlichkcit ganz und gar tz kassieren, nm das Fochcngericht vollziehen zi können, tviegt die'Aussage eines zwölfiährigc» Jniigen mehr als die von einem Heer von Zeugen bestätigte reiche Lcbensernte des?tn- geklagten. Ei» Jahr Gefängnis! Georg Kai- ser, der Dichter der gewaltigen sozialen Tra- gödie„Gas", bekam, wenn wir uns recht ein- sinnen, vor nicht zu langer Frist acht Monate zudiktiert, weil er seine Hausfrau besuchten hatte. Ja, der Sittlichkeitskollcr des Herrn Spießers hat jetzt gute Zeiten. Wie kann sich der Biedere blähen und über alle Genies er- haben fühlen! Rur eines merkt er, schwer- hörig, wie er immer ist»nd tvar, nicht: Daß auch diese seltsame Hänfling von„Verbrechen" der geistig Höchststehenden mit ein Shmto», dafür ist, wie die alle Welt mit ihren Anschan- nngen von Gut und Böse, von Utecht nnd ltn- recht in die Brüche geht. Wie es überall im Gebälkc kracht, weil etwas Neues unterwegs ist. Erfreulich sind die Begleitcrschcinungeiz nicht; aber dessen, was sie anzeigen, der in vcr, borgenen wachsenden Zukunft, dürfen wir uns dennoch von Herzen freuen. Wie in nnscrcr„demokratischen" Republis deutsche Gemeinden behandelt werden. Daj tschechische Realgymnasium in Aussig de. nötigt zur Unterbringung der Klassen einig« Lehrzimnier und die Tircciion trat schon vo> Monaten an die Stadt um die Zuweisung vo» Räumlichkeiten heran. Ter Stadlrat erkannt« die Forderung oml, als gerechtfertigt a» nnd ej fanden wiederholt Verhandln»gen über dp Möglichkeit der Ränmcbeschaffnng statt. Ancl gegen eine kominissioiiclle Besichtigung der i> 'Aussig vorhandenen Schulränme erhob di Stadt keine Einwendung. Da kam eines schö neu Tages an den Stadtrat von der Direklio, des tschechischen Realgymnasiums die Verstau digung über einen Auftrag des Aiinisteriune für Schulwesen nnd Bolksausklärllng, a» Grund einer am 14. Anglist an Ort und Stell stattgefnndenen.Kommission 1 Schnlranm»n 1 Direktionskanzlci sofort für das tschechisch Gymnasium zur Verfügung zu stellen und i, Laufe des Schuljahres 1021/22 einen weitere Raum zwecks Adoptiernng zu ztvci Lehrziu mern freizumachen. Der Landesschulrat wnrk ztvar laut Erlaß ersucht, mit d e r G e m c i n d e zu v c r h«übe l n, aber das i nicht geschehen. Nur die Direktion des Gyn liasilimL verständigte die Gemeinde und frag »ach der Höhe des Mietzinses, nach den Koste der Beleuchtung und danach, ob die Gemein! ihre Möbel in der Direktionskanzlei beläßt. Gemeinde wurde als Erhalterin der Gebaut weder zur Kommission zugezogen, noch ve- handelt man weiter mit ihr, obzwar sie gege die Vorschläge gar keine» Widerstand leistet, Man sucht allo ao-abeju die Gewalt. Beine, <5stte t. kenswert ist, das; der Direktor der StaatSge! werbeschulc Herr R e i m o s e r, welcher als j „guter deutscher Volksgenosse" alle Minen z springen lieg, als die Gemeinde seine überzäh-! ligcn Wohnräume anforderte, sich seht als! frcigicbigcr Hausherr zeigte und, ohne an die i Gemeinde zu denken, bereitwilligst„seine" Lehr- ziinincr zur Bersügnng stellte.^ Ter Stadtrat j von Aussig beschlos;, diese einseitige Verfügung' nicht zur.»kenutnis zu nehmen und eine neuer- liehe Kommission im Beisein der Vertreter der! Stadt zu nerlangen. Die Gesundheitszustände in Karpatho-^ :>ins;land. In Karpatho Russsand»vütct eine^ Typhus und Scharlachcpidemic. Die Zahl! der(Geschlechtskranken ist riesengroß. Dagegen> sind die Spitäler im denkbar elendsten Zu-! stände. Tie larpalhornssischen Zeitungen! schreiben vom NagpSzöllöscr Spital: Für dir-! ses Staatsspital wurden für das laufende Jahr j 1,167.850 Kronen Präliminicrt. Bis Ende! Zun! hat es aber bloss 125.000 Kronen crhal j teil. Tic Ernährung ist die möglichst schlcch-! teste. Drei Tage lang haben die Kranken mir Kartoffeln aus dem Garten des Krankenhau- ses bekommen. Das Spital hat nicht einmal Bettwäsche zum einmaligen Wechseln. Mit sol- che» Mitteln soll gegen die Epidemie in Kar- pathoniszland angekämpft werden. Die Bcdrüngung des deutschen Schulwesens I» Troppa». Der Erlas; des LandcsschulratcS, mit welchen», wie von uns gcineldct wurde, das deutsche Schultvesen der Stadt Troppau in beispielloser Weise verschlechtert werden soll, hat in der gesamten deutschen Bcvölke- Nlng Troppaus eine ungeheure Er- r e g u n g ausgelöst. Diese Erregung kam schon Donnerstag abends, als eine znr Beratung der ganzen Angelegenheit einberufene Ge- snciiidcratssibung stattfand, zuin Ausdruck. Hunderte Menschen wollten an den Verhandlungen des Gemcinderates beiwohnen. Eine nach Tausenden zählende M e n- scheu in enge stand während der Dauer der Beratungen vordem R a t h a u s c. Das Referat erstattete im Gcmcindcrat Genossin I o k l, die das Unerhörte dieses Erlasses klarlegte. Die Vertreter sämtlicher deutschen Parteien erklärten sich mit den A>»sführungen der Reserentin einverstanden. In einer Ent- schließnng wurde erklärt, den Erlaß nicht z»»r Durchführung zu bringen, im übrigen alle !>ic ch t s m i t t c l zu ergreifen, um die Zu- r n ck n a h m e des Erlasses zu erreichen. Freitag mittags sprach eine Abordnung der deutschen Parteien bei dem Landespräsidcntcn vor und verlangte die Rücknahme des Erlas- ses. Der Landcspräsidcnt erklärte, dies mit Rücksicht auf die„Autorität" der Landesregie- rung nicht hören zu können und verwies die Abordnung nach Prag. Bezeichnend ist, daß im Gegensah zu den Angaben des Erlasses, die Landesvcrwaltungskommissions- Mitglieder von der Angelegenheit gar nichts Iv i s s e n. Also»nieder eine der vielen nnver- schämten Eigenmächtigkeiten des Schulrefcrcn- teu Senator L u k e s ch.— Freitag abends fand eine von»nchr als 3000 Personen be- suchte Versammlung unserer Partei statt. Die Referate erstatteten Genossin I o k l und Fach- lehrcr O h n s o r g, deren Ausführungen stürmische Zustimmung fanden. Abgeordneter Genosse Jokl nmcrbrcitcte der Versamm- lnng eine Entschließung, in welcher die Stadt- Vertretung aufgefordert»vird, unter keinen Umständen bei der Durchführung dieses Erlasses mitzuwirken. Tie Einschreibungen an der Deutschen Tech- »tischen Hochschule in Prag erfolgen für die neu zu immatrikulierenden Studicre»»dcn am 15., Iß. und 17. September, für bereits immatriku liertc Studierende vom 10. bis 27. September in alphabetischer Reihenfolge(Zunahmen mit mit A, B, C, D an» 19. September, E, F, G am 20. Scptcnibcr, H, I, K am 21. Septem» ucr, L. M,% O am 22. September, P Q, R am 23. September, S ain 24. September, T, ll, V, W am 26. September, 1,?), Z am 27. September) und für die Ausländer am 29. und 30. September l. I. bei den Herren De- kanen. Zur Einschreibung ist das persönliche Sozialdemokrat Erscheinen notwendig. Das Unterrichtsgeld ist für ordentliche Hörer auf 150 K für 1. Semester und für außerordentliche Hörer ans 10 Kronen für jede Wochcnscincsterstnndc erhöht, die Ausländer haben das Doppelte zu cntrich- tri». Absolvierte Ghmnasialschüler haben, so- ferne sie nicht an der chcniischcn Abteilung inskribieren, auch eine hinreichende Kenntnis der Grundlagen der darstellenden Geometrie und Fertigkeit im Freihandzeichnen durch eine Auf- nahinsprüfung nachzuweisen. Diese Prüfung »vird am 14. September, Freihandzeichnen vormittags, darstellende Geometrie nachmittags abgehalten. Näheres am sch»varzcn Brette der Hochschule. Unterschlagungen bei der Tepliher Kranken- lasse„Einigkeit". Der in Settel,z wohnhafte Jnkassist Josef L a t t i s ch hat der Privatbc- amtcnkrankenkassc„Einigkeit" in Teptitz einen Betrag von 35.512.Kronen unterschlagen. Lctt- tisch»vurde verhaftet und dem Bezirksgerichte in Tcplih-Schönau eingeliefert. Lattisch hat in mehreren Fällen Beträge, die er überweisen sollte, nicht abgeführt. Der Tat ist er gestän- big, doch will er über die Bcrtvendung des gc- stohlcncn Geldes nichts aussagen. Unfälle. Franz Hruby aus Karolincntal fuhr vorgestern durch die Jungmannstraße in der Weinberge in einem Automobil und warf den Geschäftsmann Wenzel Hartmann aus Ziz- ko»v und dessen vierjährigen Enkel Jan Hoplicka zu Vöde». Beim Bremsen des Automobils warf er mich den Bczirksrichtcr Heinrich Jahoda und dessen Frau Marie um. Hiebet wurde dem Hartniann der rechte Fuß gebrochen, der Knabe erhielt Schürfwunden und Jahoda eine schwere Vcrlcsning an der Schläfe, seine Gattin eine schwere innere Vcrlebnng. Außerdem verlor der Richter Jahoda hiebet eine goldene Uhr im Werte von 3000.Kronen. Alle Verletzten wurden von demselben Automobil in das Allgemeine Krankenhaus geschafft. Brände. In Zahorsch bei Maina brach am 3. September bei dem Landwirt Karl Stepanel ein Feuer aus, welches sich rasch auf dir vier Nachbarhäuser übertrug und sie vollständig der- nichtctc. Der Schaden ist nur unbeträchtlich durch Versicherungen gedeckt.— Vor Mitternacht am 1. September brach in den Westböhmischen Kaolin- und Chamottcwcrken m Horn! bei Pilsen ein Brand ans und verursachte einen Schaden von etwa zwei Millionen Kronen. DaS Fcner entstand wahrscheinlich dadurch, daß ein Funken auS dem Kamin in gestreute? Stroh siel. Ein großes Verdienst um die Lokalisation d«S Feuers und die Erhaltung eines Teiles der Fabrik haben die Arbeiterschaft und die Angestellten der Fabrik, welche unerschrocken an den ersten Rcttnngsarbclten teilnahmen. Der Echo- den ist größtenteils dirrch Versicherung gedeckt. Radsahrermtsall. Der Brettsägearbeiter Urbanetz Franz fuhr am 6. d. M. am Heimwege von der Arbeit von Arn au nach Döberneh in Neuschloß mit einem Motorradfahrer zusmn- men. llrbunetz erlitt schwere Kopfverletzungen und Hautabschürfungen, der Motorfahrer letch» tcre Verletzungen. Aerztlichc Hilfe mußte sofort in Anspruch genommen werden. Ursache dieses Unfalles dürfte das nnvorschriftsmäßige A n s>v e i ch e n sein. FliegeransstcNung in Olmüh. Gestern»mirde in Olmütz die von den tschechoslowakischen mili- tärischcn Fliegerwerkstätten veranstaltete Flie- geranSstcllung eröffnet. der Partei. BezirkSkonserenz Arnau. Sonntag, den 11. September in Arnau. Kleine Chronik. Die hungernden russischen Kinder. Moskau, 3. September.(Funk.) Zur Wegschassnng der Kinder aus den Hungergcbieten sind 40 Züge vorgesehen. 11 von diesen Zügen sind bereits ab gegangen. Aus vielen Orten Rußlands sind Anbote eingegangen, die evakuierten Kinder auf zunehmen. Auch Georgien hat sich bereit erklärt, einen Tcll der hungernden Kinder unterzu- bringen. Getreideschiebungen in Budapest. Budapest, 7. September.(M. T. K. B.) Die Polizei hat in Angelegenheit gewisser von der Presse gemcb dctcr Mißbrauche bei der Erteilung von Ge- trcideexportbcwilligungcn eine Untersuchung ein- geleitet. 13 Personen»vurden verhaftet, darunter der Sekretär des Ackerbau- Ministeriums Ludwig Esködt. Auch eine Hausdurchsuchung wurde vorgenommen. Eine wissenschaftliche Entdeckung TorricelliS. Das italienische Preßbiiro meldet aus Rom: Torricclli legte der Akademie Lincei einen Bc- richt über eine wissenschaftliche Entdeckung vor, welcher die G r a v i t a l i o n des ll n i v e r- s n m s bctrisjt. Die Versuche TorricelliS sollen in erheblicher Weise die Relvlonsche und La Place- Theorie von der Gravitation abändern und de» elektrischen Charakter der Gravi l a- tion des Universums dartnn. Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Die Verzögerung der Vermögensabgabe. In» „Pravo Lidu" kritisiert Dr. Klier die langsaiuc Entrichtung der Vermögensabgabe. Die Fi- nanzvertvaltnng sollte alle Anstrengungen»na- chen,»in» die Vermögensabgabe einzutreiben, damit die so erfaßten Gelder für die Ztvccke bestimmt»verde», die im Gesetze genannt sind. Es ist dies die Abtragung der Lasten,»vclche von der Ocstcrreichisch-Ungarischcn Bank über- nommen tvnrdcn,»vas dadurch geschehen soll, daß alte Banknoten, welche bei der Abstempe- lnng seinerzeit zurückgehalten»vurden, in Staatsnotcn umgeivcckisclt»verde» und das; die Tschechoslowakei die Girorcchiinngcn und Kas- scnschcinc der Bank übernimmt, sotvcit sie dazu im Sinne des Friedensvertrages verpflichtet ist. Wie Nachrichten des Fiiiaiizininisteriuiits besagen,»vurden auf die Vcrinögcns- und Vcr- mögcnszuwachsabgabc bisher 158 Millionen Kronen eingenommen,»vährcnd die in den beiden Gesetzentwürfen veranschlagten Snm»i»eu bei der Vermögensabgabe ans 4,5 Milliarden und bei der Vcrmögcnszutvachsabgabe auf 7.2 Milliarden betragen. Je länger die Ein- trcibung der beiden Abgaben hinausgeschoben wird, desto schtvercr»vird ihre Erfassung über- Haupt sein. Sonderbare Sozialpolitik. Die deutschen Bc« zirke Böhmens haben unmittelbar nach den» Umstürze auf Grund der deittschösterrcichischen Vollzugsanweisung vom 9. November 1918, St. G. B. Nr. 29, die Nrbcitsloscnfürsorge durchgeführt. Hiezn stellte die dcutschösterrei- chische Regierung den Bczirkskommissionen in Reichenberg und Komotan beträchtliche Geld- mittel zur Verfügung. Nach der Besetzung Deutschböhmcns beschlagnahmte die tschechische Regierung bei diesen Bczirkskomniissioncn die noch vorhandenen Mittel im Betrage von rilnd VA Millionen Kronen. Trotzdem»mißten die deutschen Bezirke, da die Arbeitsloscnfürsorgc deS tschecho-stowakischen Staates viel später einsetzte, sollte es nicht zu schweren Unruhen kommen, die Arbeitslosenunterstützungen weiter auszahlen und sich die hiefür nötigen Mittel durch Anleihen beschaffen. Es wäre nur recht und billig, wenn der tschechoslowakische Staat, der sich die für Arbeitsloscnfürsorgc bestimmten Mittel angeeignet hat, den deutschen Bc- zirkcn ihre bezüglichen Aufwendungen»vcnig- ftens bis zur Höhe des beschlagnahmten Bc- träges ersetzen»vürde. Nachdem die Regierung lange Zeit die Erledigung der bezüglichen Gc- suche hinausgezögert hat, erklärt nunmehr das Ministerium für soziale Fürsorge, daß die Re- gierung nicht daran denke, den deutschen Be- zirkcn die zur Fortsetzung der Arbeitsloscnfür- sorge vorgestreckten Beträge zu ersetzen. Ein Konflikt in der Metallindustrie. Der Verband der tschechischen Mctalli»»dnstricllcn hat an die beiden tschechischen Metallarbeiter- organisationcn ein Schreiben geschickt,»vorin die im Kollektivvertrag vom 14. Juni 1921 enthaltenen Bestimmungen über die Löhne ge- kündigt werden. Die bisherigen Löhne sollen bis Ende Oktober 1921 in Geltung bleiben mit Ausnahme einiger Firmen, die naincntlich ausgezählt sind und unter denen sich auch die Poldihüttc in Kladno befindet. In der Poldi- Hütte sollen die Tcuernngsbciträge um 50 Pro- zent herabgesetzt Werdern Die beiden Gewcrk- schaftsvcrbändc haben mit einem an den Jndu- striellenverband gerichteten Schreiben vom 5. September die Kündigung des Kollektivver- träges abgetvicsen. Stinneö allüberall. Rumänische Blätter melden, daß Hugo S t i n n e s demnächst in Bukarest zwecks Anbahnung geschäftlicher Be- Ziehungen eintreffen soll. Erhöhung der Bahntarise in Deutschland. Berlin, 8. September. Wie die Blätter er- fahren, soll der Güter->md Personentarif der Eisenbahnen um 30 Prozent erhöht werde»». 9. September 1921!. Der letzte Tag der Prager Mustermesse. Am letzten Tag der Präger Milstermesse wurde»» große Mengen von Textil- und Holzivarcn, so wie Massenartikel aller Art umgesetzt.™ Tic Tcrtilbranche hatte große Umsätze zu verzcich- mm, ebenso die Metallindustrie, Pelzwaren. Leder, Glas und Porzellan, svivie Sportartikel und namentlich Juwelen.. Auch im Gebiete der Chemicbranchc und Elektrotechnik kam es noch zu große»» Abflüssen, desgleichen in Ahlsikinstrumenton. Außer der Konfektion »vurden hauptsächlich Galanterie und Mcssing- waren nach Südslawien, Konfcltion nach de, Schweiz, Bernsteinwaren nach England, Zuk- kcrbäckerapparatc nach Oesterreich, Glas nach Ungar»», Schtvciz und Ew..and, Zigaretten- und Zigarrenspitzen nach Frankreich,»kriechen- land, Chile und Dänemark rtanst. Bon aus- ländischcn A»»sstcllern»verde»» sehr bedeutende Aufträge ans Galantcricivaren, besonders Lc- dcrgalantcric, elektrotechnisches Zngchör, Stöcke und Konfcktionci» aus Oesterreich, Kämme, Mcsscrivarcn und Flechtwaren aus TcutschkanG gemeldet. Knust und Wissen. Neues Deutsches Theater.„Tosca", Musik- drama von G. P n c c i n i. Das Auftreten zweier namhafter Gäste sollte der Aufführung dieser gransig.sentimcntalcn Haupt- und StaatSafnon besonderen Glanz verleihen. Es gelang nur halb. Kapellmeister I a l o>v c tz nahm die Bczcich- nuiig des Werkes als Musikdrama allzu»vörtlich und beeinträchtigte durch zu scharfe Pointicrung und überwuchtige Behandlung deS Orchesters den lyrisch-cantoblcu Charakter der Musik. DaS technische Mittel der motivischen Behandlung eines Opcrnstosfes macht noch fein Musikdrama, und der absolute Mangel dieses Werkes an echter dramatischer Linie ließe sich nur durch liebevolles Hervorheben ihrer melodischen Werte verdecken. Dieser Notwendigkeit wurde auch die Darstellung nur teilweise gerecht. Frl. San- den(Tosca) spielte die unglückliche Sängerin mit vornehmem Feuer, schien aber mit den großen stimmlichen Anforderungen der Partie zu kämpfen. Der Cavradossi des Herrn Kubla bot schauspielerisch nichts Interessantes und litt ge- sanglich unter technischen Mängeln, die der schönen Stimme des Sängers Flüssigkeit und Schmelz nehmen. Das Gleiche gilt von Herrn Kr teuer, der den Scarpia sang. Gr. Tnrnen mid Sport. S. K. Slavia gegen D. F. St. Teptitz in Prag 3:4(1:2). Beide Mannschaften führten ein hoch- klassigcs Spiel vor, das zu einem der intcrcssan- testen der Saison gehört und welches die Zu- schauer vom Ansang bis zum Ende in Atem hielt. Die Teplitzcr verdanken den Sieg ihrer. Entschlossenheit Vor dem Tor und ihrem raschen Start am Ball.— Spielverlauf: Töplitz ist zu Beginn des Spieles überlegen und erst in der 10. Minute gelingt eS der Slavia, sich ans der Umklammerung zu befreien; in der 20. Minute erringt sie durch Jansa die Führung, woraus Tcplitz 1 Minute später durch Schröder aus- gleicht. 41. Minute: Laß(Slavia) macht im Strafraum Hand, den hierauf diktierten Elfer verwandelt Hojcr. Der Stand 2:1 hält bis Ende der ersten Halbzeit an. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöht Kozcluh das Score aus, 3:1. Die Slavia erringt zeittvcilig die Führung, aber alle ihre Angriffe scheitern an der Eni- schlosscnhcit der Teplitzcr Hintermannschaft. Aus einem Gegenangriff erhöht Hojcr in der 22. Mi- nute de» Stand auf 4:1. Slavia verdoppelt das Tempo und ist in der 28. Minute durch Vanik, in der 35. Minute durch Stapel erfolgreich. 5 Mi- nuten vor Schluß wird Kozcluh wegen Bcleidi- gung des Schiedsrichters vom Spielfeld ge- wiesen. Alle weiteren Anstrengungen der Slavia, auszugleichcn, sind vergeblich. 12.000 Zuschauer. Schiedsrichter Ccjnar bis auf einige Fehlentschei- düngen gut. D. F. C. Prag gegen Deutsche Sportbrsider Prag(Meisterschaft) 4:0(1:0). Ueberlegenes Spiel des D. F. C., der viele sichere Chancen un- ausgenützt ließ. Der Tormann der Sportbrüder »vor ihr bester Mann, der sie vor einer größeren' Niederlage bewahrte. «10 SVfiTOZOR um 3 u.%6 Uhr Grund und CelaUr mit mcdisinischer Erklärung. 56 Abends 8 Uhr: GesElUccmstranKliellen and Ihre Folgen, mit Vortrag de» MUDr. Vlad. Svestka. Der Film erfüllt immer die ganze Vorstellung! NA SLOVANECH PRAG II. (neben Ernaus) „Shackletons Südpolexpedition". Herausgeber: Dr. Ludwig C, e ch und Karl C e r in a k. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. Taplltsar Piachan- u. Zaltafabrlk TepHtx-Turn 2. Tele! 245. erzeugt Wasserdichte. Pferdedecken, Regenmäntel Reparaturen u. Nachimprägnierung alter Plachcn. 28 rriririrrriHnnn in 5 kg Postkistchen liefert zum äusserst. Tagespreise 7 Josef Cerven^, Klattnu 4, Böhmerwnld. □HEEJEJQEEEJQQ Gastwirtschaft LIPO. Die schwarzen Jäger Volksdrama in» Teilen ttnd Vorapitl nach dem Uoman Rom Swoboda. Nächste Woche: Arbcs Roinancto „Die Gekreuzigte". „Lidov# dum der Genossenschalt„Ganymed" Prag II., Hybernskä 7."i I OenoMen untei-atUtaot du genooaonich. Unternehmen I Vorzüglicher Mittagstisch, Abendessen und Octrttnke. Trinkgelder aufgehoben» Kassen feuersichere Bücher- und Dokumenten- schränke, Mauer-Safes und Kassetten liefert billigst renomierte Firma s FrieiM Wiese, Bsapiniederiie, Frag Telefon 74S SenOVäznd ul. 2. Telefon 748 Erzeuger von Linoleum werden gebeten, bemusterte Offerte an den Arbeiter-Konsumverein Karbltz zn senden. Lieferanten von Ia. Eiern werden ebenfalls gebeten, ihre Offerte einzusenden.[53 Für die Verwaltung des „Sozialdemokrat" in Prag werden für die deutschen Provinzstädte in der tschechoslowakischen Republik tüchtige gegen Provision gesucht Zuschriften nur von seriösen Bewerbern unterChiffre ,Tagblatt' an die Verwaltung erbeten»