T" 9 Hl t. Iahrgmrg.^tr. M Sonntag, 11. September 1921. Sozialdemokrat Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik. R* d(i T t ton« nd Vc rwnl t« ng: Prag ll. öavll?kodo näm. 82. I Ewzekprei? TO Hrller. B ez«(t# 6 f b I n n ti n gen: Bei ftuReVuiift in? öftit? ob« bei VeM durch die Voll monallich 10»»»!>7- Tele,oii G795, nacht» 0797. Telenramm-Ndrefle: Sozialdemokrat Prag. vierteljährlich 48-— Kc, halbjährig 90- Kc, gan,jährig 192— Kf. grdt Dentschllsierrelch monatlich 120-— ÖK, slir Deutichland 10- Mfc. Pojisparkalsakonto 57644. I Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh. Verschärfung der bayerischen Krise. Ablehnung des Kompromisses durch den baye» rische» Ministerrat.— Gefahr eines monarchistischen Putsche». Berlin, Ii). September.(Drahibericht des„Sozialdemokrat") Die bayerische Krise hat sich versch!irft, so daß noch mit dem Ausbruch eines offenen Konfliktes zwischen der Reichsregierung und der Regierung K a h r zn rechnen ist. Der bayerische Minister» rat hat noch am Freitag daS in Berlin abge» schlösse«?' Kompromiß abgelehnt. Die Demokraten sind fiir daS Kompromiß und vielleicht auch die Bauernbündlcr, die mit 10 Mandaten vertreten sind. Die beiden RechtS- Parteien haben im Landtage 85 Stimmen, die Linken 73. E3 wird sich nun fragen, ob die Regierung Kahr, gestützt ans ihre gering« par» lamcntarische Mchrbcit, die sich leicht in«ine Minderheit vcrlvandcln kann, sich gegen die NeichSrigierimg auflehnen darf, hinter der die Mehrheit des deutschen Volkes steht. Vorlän- sig aber scheint cs die bayrische Reaktion ans den Konflikt ankommen lassen zn wollen. Die bayerischen Rechtsparteien drohen offen mit einem monarchistischen Umsturz und ihre Presse weist darauf hin. daß Kohr mit Kronprinz Rnpprecht in Verbindung steht. Nm das Bürgert»in sehe» zn machen, werden die nngehenerlichsteu Meldungen über angeb» liche Putschversuche der Arbeiterschaft verbrei- tet. Unter diese» Umständen mnß man mit der Absicht Kohrs, nicht nachzugeben, rechnen. Wenn die Regierung jetzt neue Berhandlnn- gen mit de» bayerischen Hochverrätern beginnen sollte, so würde sie ihnen nur Zeit und Gelegen- hcit geben, ihre Vorbereitungen zn vollenden. Die„R reihet t" schreibt:„Die Reichsregie» rung ist bis an die äußerste Grenze des Entge- gcnkommcns gegangen. Die Führer der bayc- rischen KvalitlonSparteien haben der getroste« nen Vereinbarung zugestimmt. DaS bayeri» sche Zentrum und die bayerischen Demokraten haben mit ihrer gefügigen Unterstiihung der Regierung Kahr ohnedies die schwerste Schuld auf sich geladen. Jetzt aber ist das Maß dieser Regierung übervoll. Wenn die bayrische Re- gierung sich den bescheidenen Anforderungen der NeichZregiernng nicht fügt, dann mnß die- sc» monarchistischen Umtriebe» ein Ende ge- macht werden." Der„Vorwärts" schreibt: „Wir müssen es ablehnen, mitzumachen, daß Die deutsche Schmach. Schicksalsschwere Stunden erleidet Deutschland, die Republik, und mit ihr das ganze deutsche Volk. Seine Feinde lauern nicht allein außerhalb der Staatsgrenzen, er- pressen nicht nur aus Deutschlands Mar? bis zur Erschöpfung des Staates letzte Kraft, die Feinde des Reiches stehen mitten ini Lande und treiben Schindluder mit der Staatlichkeit, die sich das deutsche Volk aus den Trümmern des Hohenzollcrnkrieges ge- schaffen. Die Kreise, die sich einst als Stützen des alten Reiches ausgaben, Ossi- ziere, Bürokraten, Kriegsgcwinner und an- dere Ordcnbcsütc. sie, die den Kavp-Putsch in Szene gesetzt haben, und die des Reiches Ansehen tijjd Sicherheit seit Monaten und nahezu Jahren schon untergraben, sie sind zur Stunde die blutigsten Feinde de3 beut- scheu Volles. Herr Kahr und seine bahn- scheu Regierungskollegen aber, die— wie ans den letzten Nachrichten hervorgeht— wirklich ernsten und unverrückbaren Sinne? zu sein scheinen, den Bau des Reiches um ihrer Herrschgclüsie wegen zu sprengen, sie sind der Ausdruck der zusammengeballten Reaktion gegen den Willen des deutschen Volkes zu einem Aolksstantc. Herr Pöhner, der Polizeipräsident von München, der jede Mordtat der Hakcnlreuzler vertuscht und eine wahre Hetze gegen jeden Oppositionellen veranstaltet, Herr Pöhner, unter dessen Amtsführung aus München Horthypest wurde, und Herrn PölmerS Gehilfen in der bayrischen Provinz, sie sind die blutigsten Feinde eines VolleS, das wahrlich mehr Feinde als nötig hat. Und ivie hat die deutsche Justiz die Schmach gesühnt, mit der die deutsche Neak- tion den Namen dcß neuen Deutschlands befleckt hat? Ennordct wurden: Rosa Luxem- bürg, Karl Liebknecht. Kurt Eisuer, Gustav Landauer, Karl GareiS, Hans Paasche und viele, viele andere. Dreihundertvicrzchn er- schlagen, zerstampft, zcrprügclt bis zum Todesröcheln, ins Wasser geworfen,„auf der Flucht" erschossen, an die Mauer ge- stellt— und alle Tode blieben beinahe unge- sühnt! Dreizehn Straftaten der Koimnuni- ,(W r a„ u, stcn wurde,, von der gleichen Justiz durch das Reich weiter verhöhnt werde. Wo kein 8 Todesurteile und 176 Jahre und 10 Mo- Wille ist, ist auch kein Weg zur Verständigung, nate Kerker gerächt, 314 schaurige Morde der Dann mnß eben für das Recht der Republik Reaktion entsühnten 31 Jahre Freiheits- gekäuipst werden."| strafe und eine lebenslange Festungshaft— ; für jeden Mordbuben also etwas über einen Dienstag Beratungen. j gjj 0nnt Gefängnis! Ja. diese Justiz ist blind. Deutschböhmens der Ton des„Miesbachcr Anzeigers" bemächtigt? Klingt nicht auch— um eines der Blättchen zu nennen— aus dem Dürer„Tag" das Mordio der basuvari- scheu Kämpen, sind die Herren Bacrcm, Kallina und Konsorten nicht eines Her- zens und eines Knüppels mit den Helden um Kahr? Es ist für unser Bürgertum bc- zeichnend, daß es sich zu keiner der großen republikanischen Parteien Deutschlands geistig hingezogen fühlt, sondern daß es dort Anschluß sucht, van wo aus Deutschlands Zusammenbruch betrieben wird: daß es zum Hackenkreuze schwört. Den» die deutsche Re- publik zertrümmern, heißt auch das deutsche Volk dem Unglück der Kleinstaaterei und der jahrhundertelangen Knechtschaft Frankreichs auszuliefern. Der wahnwitzige Versuch, das Kaisertum gegen den Willen der gesamten Arbeiterschaft Deutschlands und gegen den Willen der Sieger wieder aufzurichten, muß selber kämpfen. Vielmehr bildet auch in diesem Kriege wie bei fast allen blutigen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte die nationale Ideologie lediglich den Vor- spann, um großkapitalistisch-imperialistische Berechnungen ans Ziel zu führe», und die Griechen und Türken sind in Wahrheit nichts anderes als die Landsknechte der großen europäischen Imperien und der nach Ausbreitung ihrer Grundsätze dürstende» Sowjetmacht im Streit um den Orient. Wie seinerzeit die Fürsten ihre„Schweizer" mit Gold entlohnten, so verheißt jetzt die curo- päische Großbourgeoisie ihren bonrgeoisen Söldlingen Laudstrcckcn, die Volksinasscn speist sie mit der Aussicht aus„nationale' Ehren" ab. Die scheinbare„Neutralität"- der Entente, deren Mitglieder übrigens di- ploniotisch, finanziell und als Lieferanten von Kriegsmaterial durchaus aktiv eingegriffen haben, sowie Sowjctrußlnnd mit Kc- In Ströme,, deutschen Blutes zusammen- j mal Pascha ein förmliches Bündnis schloß, brechen. Der Versuch, den die Hcickcnkreuz-, vermag nur den Oberflächlichen zu ver- ler mit der Pendanteric und Patzigkeit des j wirren. Letzte» Endes geht es doch einer- zusammengebrochenen Militarismus vorbc-lsefls um die Interessensphären der tünch» retten, er ist der willkommene Anlaß zum machte in Vorderasien, wie sie der Frieda Einbruch Frankreichs in das von ihm so bc- von Sövreö mit dem Hackmesser abziigrcn- gehrte Saargcbict, die Ursache der Vernich- zcu versucht hat, und anderseits um den tung deutscher Produktivität. Wenn Teile Versuch Mostaus, die Kraft des Islams des reichsdentschen Bürgertums diesen Ge- zum eigenen Vorteil gegen den Gedankeit des englische» Wefliuiperiums aufzubieten. De» Vertrag von Sävres, eine iikjn* fahren blind gegenüberstehen und so dem französischen Chauvin geradezu das Stich- wort geben müßte„.an annehmen, daß r|(f)C Mßgebui't wie das V-rsaill-r Mo».' wenigstens die Aiisfanddcuffcgcii ans£l j strurn, zeugten im Mai 1920 die alte und M ihrer Nation die Irrweg d r d ntscben! unbegründete Abneigung gegen den Nationalisten kritisch beurteilen. Nichts da-j„kranken Mann am Bospo- von ist aber in der Presse unseres national listiscben Bürgertums zu merken. Im G& genteil: Sie halte» eS mit Kabr und Pöh- ner, mit den Zerstücklcrn des Reiches, sie halten es mit der zerbrochenen falschen Kaiferhcrrlichkcit, mit pflichtvergessenen Richtern, staatsgcsährlichen Staatsanwälten und frechstlriilge» Mördern, und vergesse» dnrob die Zuklinkt des deutschen Volles. rus", hemmungslose Raubsucht der Sieger- floaten und das Bedürfnis, den kleinen grie- chischeu Bundesgenassen nach Möglichkeit auf fremde Kosten zu belohnen. So wurde dt: Türkei in ein ohiiinächtiges, niiatolischcs Sultanat verwandelt, das ans Siiihrna und' Thrazien zugunsten der Grieche», den Jta» liencrn zuliebe auf Eilieie» verzichten und Am Dienstag werden neue Beratungen zwi« scheu der ReichSregierung«nd den drei Ber« trctern der Regierungspartei stattfinden. Ge- gcnstand der Besvrcchniig wird die innerpoli- tische Lage sein.' Man hofft bis Montag im Besitz einer Entscheidung der bayrischen Regie« rung zn sein. Die nächste Sitmng des lieber- wachnngSauSschusseS des Reichstages, di« sich mit der' bayrischen Frage beschäftigen wird, sin- det Montag Mittag statt. Kahr lehnt ei« Kompromiß ab. München, 10. September. Nach der «Münchrn-AugSburger Abendzeitung" hat der Ministerrat gestern in später Abendstunde beschlossen, daS'von Berlin vorgeschlagene Kompromiß dem Landtage zur Annahme «i ch t zu empfehlen. Heute nachmittags tritt der ständig« Ausschuß des Landtages zukam- men, in welchem die Regierung eine entspre- chend« Erklärung abgeben dürste. Verschärfung deS AuSnahmSzupaudes in Nordbayer«. wo deutsche Richter über ihresgleichen zu urteilen haben, so blind, daß sie nicht die Grundfesten deS Reiches wanle» sehen; 519 Fahre erhielten die Münchner kommunisti- scheu„Hochverräter" und eine Todesstrafe wurde vollstreckt, die Kappleute sind frei aus- gegangen! Und wie sieht es im Reiche deutschen politischen Schrifttums aus? Roch nie war die bürgerliche Presse— wenn man von eini- gen großen Blättern am Rheine und in Berlin absteht— so erschreckend tief gesun- ken wie heute. An dem geistigen Tod Ludwig Thomas in der Redaltion des„MieShacher Anzeigers" kann man den Verfall eines Teiles deS deutschen Bürgertums erlcnnen. Seit Menschengedenken ist der Tagespressc deutscher Zunge dieser sittliche Verfall, dieser Verzicht auf jedes geistige Ringen fremd geblieben und fremd bleibt diese Wandlung auch einem Teil des deutschen Bürgertums. Aber diese Pogrompresse, di- Der Kampf um Kleinasien. Die letzten Tage brachten eine Unzahl einander widersprechender Nachrichten von der Einnahme Angorus. Bald hieß cs, diese Hauptstadt Anaivliens, der Sitz der Keinalregierung, sei in der Hand der Grie- che». Dann wieder wurde gemeldet, daß die türkische Nationalarmee sich dort behaupte. Und neuerdings sah sich der griechische Ge- sandte in Rom, Metaxa. genötigt, einem Mitarbeiter der„Epoca" gegenüber die Einnahme der Stadt ausdrücklich zu de- menticren. Wo immer innerhalb dieser Ae- richte die Wahrheit stecken»löge, soviel ist gewiß, daß der griechisch-türlische Krieg an einen entscheidungsvollen Punkt gelangt ist und ein Einvernehmen zwischen den beiden Streitern das einzige Vernünftige wäre. Muß doch derselbe Metaxa den Stoßseufzer von sich geben, daß die„Interesselosigkeit der Ententemächte den Konflikt zu vcreivi- gen drohe". Und umgekehrt versichert Kenia! Pascha, dessen Nachrichtenburean übri- gcnS den angeblichen griechische» Sieg in eine Niederlage mit 30.000 Toten und mit «- d*m z j" WM STÄ« m ic'r o„ha'| CI1^ stellen mußte. Kurdistan, Armenien und grab nt^.culschlandS. Arabien wurden sebständig, die Scheinherrschaft über Aegypten, den Sudan, Tunis, Trivolis, Cypern und die cignischen Inseln Hörle auf, Konstanllnopel und die Darda- ' neilen wurden einer zchngliedrigen intcr- nationalen Kommission unterstellt. Diese barbarische Operation rief die Nationalisten unter Kemal Pascha auf die Bahn. Sic or- ganisierten von dein schivcr zugänglichen anntolischen Hochland aus den Widerstand und cg gelang ihnen, um die Milte des vori- gen JahreS bis zu den Dardanellen und dem Mariiiaramcer vorzustoßen— wohl zur stillen Genugtuung der Franzosen, die den Engländern die Sorge um Mesopotamien gewiß herzlich gönnten, um so in Europa desto ungestörter hausen zu können. Noch mehr kam im November 1020 den Franzosen der Sieg des Königs Konstantin über den bisherigen griechischen Diktator Veni- zeloS zupaß. Gab er ihnen doch Gelegen- Bett, unter dem Vorwande, der Deutschen» freund Konstantin müsse bestraft werden, Englands Schützling, Griechenland, uni eilten Teil der Beute zu prellen. Sie hoff» ten, das widernatürliche Bündnis des Feudalinilitaristen Kemal mit Moskau da- durch lösen zu können, daß sie dein erfolg- reiche» türkischen General in einer Revision deS Vertrages von Siwrcs Kurdistan und Berlin, 10. September.(Eigenbericht d«S| Herr Pohner verbietend"eiwrnscheinvn „Sozialdemokrat".) Während in Berlin über, läßt, ist in seiner Offenstchtlichkelt wohl das die Aufhebung des Slnönahmszustandcs ver- erschreckendste Symptom der Wandlung eines handelt wird, haben die bayrischen Behörden&(?n xeilS b C g reichSdcutschen Burgerden Ausnahmezustand in Nordbayern n och mm?. verstärkt. Sämtliche Druckerzeugnisse mus-^ xoichvdeutschm Bürgertum» allein? !?r r g e> Hat sich nicht auch der nationalistischenPresse einem Rückzug über den eben erst gcnomme-, vv vuii 0VUlWl lull nen Sakaria mndichtet, daß er entschlossen, hieben maßgeblichen Einfluß in dem eben sei, de« Kampf um das Recht der Türken/ oriechifch gewordenen Smyrna anboten. - noch jahrelang zu fuhren. j England und Italien, um de« ungestörten Wo man sich rechts und links derart der Genuß ihrer Deute besorgt, nahmen wohl Endlosigkeit gegenüber sieht, müßte eine oder übel die französische Anregung günstig Verständigung unschwer zu erreichen sein/auf. umsomehr, als England auf die G«» Dieser Logik der Tatsachen steht nur der"""" I «ine schwerwiegend« Umstand entgegen, da Griechen und Türken keinetweg» sük st fühle seiner zahlreichen mohammedanischen Untertanen eine gewisse Rücksicht nehmen muH. K-inal aber ging auf d'en Antrag nicht an. Ebensowenig war er für Griechenland tnnehmbar, weil es den einzigen großen oafen Kleinasiens, eben Smyrna. dessen Bc- stz cS zuin Herrn des ügüischen Meeres und iniit größten Levantehandelsstaat macht, deder aus der Hand geben will noch kann, fcw begann der Krieg, der unter wechselnden Rückschlägen im Frühling 1021 den griechischen Sieg bei EZki Schehir und im weite- !e,l Verlauf den hellenischen Vormarsch nach stngora brachte, wohin das türkische Ratio- lialparlainent nach der ersten argen Nieder- kage verlegt worden war. England ist am Sieg der Griechen leben- lügst interessiert. Es braucht sie in.Kon- stantinopel, weil ein griechische? Konstan- linopcl soviel wie ein englisches ift und weil ohne die sichere Herrschaft über die Meeren- gen auch die anntolische Bahn ungeschützt ist. Dieser anatolischen Bahn aber bedarf England als Schlüssellinie zu Indien und dem persischen Golf. Deshalb kann es die Türken in Anatolien? Hanplltadt Angora nicht brauchen, deshalb hat ez trotz seiner „Neutralität" die Griechen ausgerüstet und finanziert. Frankreich aber will von Syrien ans den kleinasiatischen Norden durchdrin- gen, es hofft darüber mit.Kemal einig zu werden, so wie e? ihn schon dazu vermocht hat, vertragsmäßig die Angriffe auf Eilicien einzustellen. So oft die Griechen Erfolg hatten, wurde das Auftreten Llovd Georges im Großen Rat fester. Die Eroberung An- goras könnte, so innig hängen heute die Vor- gänge der Welt miteinander zusammen, OberschlcsienS Schicksal zugunsten Deutsch- lands entscheide«, weil die Franzosen dann ein Mittel, England zu ängstigen, au? ihren Shtzlockhändm verloren hätten. London. 0. September. Reuter meldet, daß die griechische Ofsnsive am Sakaria zum Stillstand gekommen zu sein scheine. In den letzten vier Tagen fanden heftig« Kämpfe statt. Es bestehen sogar Anzeichen für einen griechischen Rückzug. Genaue Einzelheiten fehlen noch. Die griechische Armee hält gc- genwärtig Stellungen 60 Kilometer südwest- lich von Angora. ' K o n st a n t i n o v e l, 0. September. Weitere Berichte auZ Angora besagen, daß ein Gegenangriff am 6. September den griechischen Vormarsch nach Angora zum Stehen gebracht habe. A n g o r a, 0. Sept.(HavaS.) Wir haben s ä m t l i ch c Angriff c, welche auf die Umgebung der Frontflügcl amSakaria- f l u s s e abzielten, abgeschlagen. Di? Verluste d c r G r i e ch e n sollen sich auf 3 O.O 0 0 3)1 a n li belaufen. Hortist; entdeckt wieder eine loWrtUKUistischc Verschwörung. Budapest, 10. September.(M. T. K.?.) Die Polizei v c r h a f t e te 18 Personen, die eine Organisation„I u n g a r b c i- t c t" ins Leben gerufen hatten. Tic Organisa- tion betreibt unter den Lchrjungcn einzelner Fabriken k o in m u n i st i s ch c P r o p a- g a n d a. Tic Fäden dieser Organisation sich- Yen nach Wien, von wo der gewesene BolkS- kommisiär Ländler größere Geldbeträge nach Budapest sandte. m>euiwatwu a» ru i»i»>«vn.-« den d'c ursprünglich für Oberschlcsicn bestimmten i t a l i e n i s ch en T r n p p c n vorläufig a u s w a g g o n i c r t und bleiben in Wie- ncr-Renstadt,»m nötigenfalls in Westungarn, eingesetzt werden zn können,(Zerit es die Lage in Wcstungarn erfordern sollte. Jedenfalls wurden, wenn die Entente das Mandat zur Besetzung des Landes erteilt, die Italiener die Eyekutoren dieses Mandates sei». Insgesamt sind gegenwärtig italienische Truppe» in der Stärke eines Bataillons in Wiener- Neustadt. Schürft MMchmtit der Entente gegen Ungarn? R-1!>', 0. September. Die italienische Press« drück« ihre vorbehaltlose Zustimmung zn dem a»f italienische Anregung in Budapest un- tcrnomnlenen energischen S«britt a»S, der Ungarn zwingen soll, die Grenzverletzungen einzustellen, die ein Chaos in Mitteleuropa cnt« fesseln.„Corricre d'Italia" erfährt, daß die Consiilta ihren Vertretern in Paris nnd Bn- dopest die encraischcttcn Instruktionen habe zukommen lassen. Der italienische Delegierte in der B o t s ch a f t e r k o n fe r e n z habe ans Grund dieser Instruktionen die Not-' wendigkeit einer energischen Intervention in Budapest betont, um die magyarische Regie- rung zur strengen Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen. Der italienische Antrag wurde von den Sllliierteii angenommen, sodass die Intervention gegen die Budapest« Regierung einen außerordentlichen strengen Charak- ter angenommen habe, der seine Wirkung nicht verfehlen körnt«. Die römische„Tribuna" sagt: Es sei nötig, unerbittlich stark, einig und streng zu sein, um nicht morgen wegen der verderblichen Folgen einer unverstandenen Be- nevolenz getadelt zu werden. Energische Schritte Italien». Berlin. 10. Sept.(Tsch. P. B.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet, daß der römische Korrespondent dcS„Secolo" im italienischen Außenministcrium die Nachricht bestätigt erhielt, daß Italien in Puda- Seite 4, Sozialdemokrat IL September 192L pe st einen äußerst energischen Schritt unternehmen werde, um Ungarn zu veranlassen, von den militärischen Angriffen an der w c st u n g a r i s ch c n Grenze a b z u- sehen. Auch Schober hofft das Beste. Wien, 10. Sept.(Tsch. P. B.) Bundes- kanzlcr S ch o b e r erklärte gegenüber einer Abordnung der Bewohner des Burgcnlandcs, nach seinem Dafürhalten werde in der nächsten Zeit eine günstige Eni- s ch c i d n n g bezüglich Wcstnngarns erfolgen und cS sei ein bewaffne tes Einschrci- t e n Italiens zu erwarte». Von Oester- reich könne nicht verlangt werden, das Leben der Gendarmen einer Gefahr auszusehen, und deshalb sei der Entente erklärt worden, daß O st erreich die Gendarmerie auS dem Burgenlandc abberufe und ein Einschreiten seitens der Entente selbst notwendig sei. Doch Osztcnlmrg rückt weiter vor... Budapest, 9. Sept.(Tsch. P.B.) Nach einer Meldung des Ung. T. St. B. auS Oldenburg hat Major Osztenburg seine Bor- Posten auf die Linie Brennberg-LepeSsalva vorgeschoben. Ungarn bleibt vom Völkerbund ausgeschlossen. P aris, 9. Sept.(Tsch. P. B.) Die Repu- blique Francaise erklärt in einem Leitartikel -über die Arbeiten dcZ Völkerbundes, das An- suchen der ungarischen Regierung um Zulassung zum Völkerbünde habe keinerlei Aussicht auf Erfolg, da der Widerstand Ungarns gegen die Durchführung des Vertrages von T r i a n o n und in der Frage der w c st u n g a r i s ch c n Komitate den ungünstigsten Eindruck in Genf gemacht habe. Der Ucbcrfall aufö Burgenland. Die„Arbeiterzeitung" knüpft an die Zurückziehung der Gendarmen auch aus der Zone l sehr ernste Betrachtungen an. Sic fürchtet, daß jener Teil der Bevölkerung, der sich deutlich zu Dcntschöstcrrcich bekannt habe, nunmehr allen Grausamkeiten der Horthhban- dcn ausgesetzt sei, und ist auch uni daS Wie- ncr-Ncustädtcr Industriegebiet besorgt, wcl- cheS nun die Magyaren unmittelbar in angc- nehme Nachbarschaft bekommt. Die Arbeiter- schaft müsse in solcher Gefahr ruhig Blut bc- wahren, aber auch Gewehr bei Fuß Mache hal- tcn. DaS Kräftcspicl, das hinter den Kulissen uni die Intervention in Budapest begonnen hat, wird scharssichtig aufgedeckt: Tschechien und Jugoslawien wollen intervenieren, um das Bnrgenland als Brücke zu einander zu bc- nützen. Um das zu verhindern, möchte Jta- licn am liebsten selbst einmarschieren. Eine solche Demütigung dcS braven Horthh Paßt wieder den reaktionären Franzosen nicht und darum bremsen sie. Und um solcher Schacher- scclen willen müssen Menschen sterben, muß ein friedliches Land Furchtbares leiden! Auch das ist eine Illustration zum Kapitel„Völ- kcrbuiid." Hilfe für Rußland. Ein TranSvortschiss unterwegs. Berlin, 10. Sept. Die Blätter melden aus Stettin: Tort ist der Dampfer„Triton" eingetroffen, der die deutsche HilfScxpc- dition nach Rußland bringen soll. DaS Schiff jührt die Flagge vorn Roten.Kreitz und hat eine Ladung im Werte von mehreren Mit- lionen an Nahrungsmitteln und M c- dikamcnten an Bord. Die Hilfsmittel soll die Expedition s e l b st ä n d i g v e r t e i- I cn. Das Schiff wird in PetcrSburg stationiert bleiben. Nansens Resolution. Genf, S. September. Bölkcrbundversamm- lung Schluß.) In seiner Rede brachte N a n- sen am Schluß seiner Rede folgende Rcso- lution ein: Die Versammlung überweist einem Ausschuß das Problem der Hungersnot, richtet einen dringenden Aufruf an die Regierungen, damit Jic die notwendigen Kredite geivährcn und for- dert den Völkerbund auf, internatio- nale.Kreditorgau isationen zur Verfügung zn stellen, zum Zwecke der Bcrwen- dnng der verfügbaren Summen und der.Kon- trolle der von der russischen Regierung als 'Garantie und Bürgschaften gelieferten Psän- der. Die russische Hungersnot. Das internationale Hilfswerk gefährdet. London, 10. September.(Reuter.) Nach einer Mitteilung von zuständiger Seite liegen tu London Hinweise darauf vor, daß die Wei- gerung der Sowjctregiecung, dem alliierten Unterstütznngsaiiöschussc eine Prüfung der Verhältnisse in Rußland zu gestatten, ans der Absicht der Sowjetregicrung beruhe, eine Hilfe seitens der Alliierten ad zu- lehnen. London» 10. September.(Reuter.)„M o r- niug Po st" kommentiert die anmaßende Antwort TschitschcrinS auf die Note des Präsidenten der Internationalen Hilfs- kommission, Nonlcits, und fügt hinzu, daß die Alliierten vor dieser U n n a ch g i c b i g k e i t nicht zurückweichen könnten. DaS Blatt erblickt in den Vorschlägen Nausens kci- n e r l c i bestimmte Bürgschaften dafür, daß die Hilfe des Roten Kreuzes den Bedürftigsten zuteil werde. ES sei klar, daß die B o l- schcwikcn die Aktion zn politischen Zwecken ausnützen. London» 10. September. Reuter erfährt, daß die Mitglieder der interalliierten H n n g c r s n o t k o nt m i s s i o n für Ruß- land bzw. ihre Vertreter zusammenkommen werden, nm die Antwort der Sowjetregicrung ans ihre Vorschläge zu erörtern. Es bat den Anschein, als ob die Antwort der Sowjetregie- rung die A u fl ö s u n g d cr K omm i ss i o n nach sich ziehen würde. Die schwarz Internationale. P a r i s, 0. Sept. Die„Agenee Havas" mcl- det aus Rom: S t a r t o, der politische Sekrc- tär der Voltspartci, und drei Abgeordnete der Volkspartei begeben sich nach Deutschland nm mit führenden Persönlichkeiten des katholischen Z e u tr u m S über interna- tionale Abkommen unter den Katho- l i k c n Europas zu verhandeln. Zu dem gleichen Zwecke werden sich dann Starte und seine Freunde auf ihrer Rückreise in die Tschechoslowakei, nach Oesterreich und Ungarn begeben. Das Schmerzenskind von Portorose. Rom, 10. September.(HavaS.) Die Kon- fcrenz in Portorose, auf welcher die Beziehungen der Nachfolgestaaten Oesterreich- Ungarns geregelt werden sollen, wird an- sangS Oktober zusammentreten.(Zeit wär'S und notwendig wär'S auch. Aber die Eifersucht der Nachfolgestaaten läßt uns ernst- lich daran zweifeln, ob die so oft verschobene Konferenz nicht wieder verschoben werden wird.) DcrVölkerlmnd über künstigeüriege. Wasch mir den Pelz.... (Tsch. P. B.) G e n f. 9. Sept. In der ge- strigen Sitzung nahm der Ausschuß für Ab- ändcrungen des Bölkerbundpaktes eine Entschließung an, welche die Tragweite und den Sinn d:S Artikels 10 des Bölkerbundpaktes genau umschreiben soll. Sie hat folgenden Wortlaut: ES ist n i ch t d c r Z w e ck d c s A r t. 10, die territoriclen und politischen Organisa- tionen, besonders wie sie zur Zeit der jüngsten Friedensverträge bestanden und aufgerichtet wurden, z u v c r c w i g e n. Art. 10 des Paktes stellt den Grundsatz auf, daß in Zukunft die Kulturwelt keinen Angriff mehr dulden könne als Werkzeug der Veränderung des territorialen Besitzstandes und der politischen Nnab- liäugigkcit der Staaten der Welt. Deshalb ha- bcn die Mitglieder an erster Stelle die Per- pflichtung übernommen, die territoriale Integrität und gegenseitige politische Un- abhängigkcit aller Mitglieder zu achten. Zweitens— haben sie sich verpflichtet, die Integrität und Unabhängigkeit gegen jeden äußeren Angriff von seilen eines MitglicdstaatcS oder eines NichtmitglicdS z u a ch t c n. Zum Zwecke der Ausführung die- ser zweiten Verpflichtung hat der Rat Mittel im Auge und zwar nicht nur im Falle des vollendeten Kampfes, sondern auch im Falle der Angriffsgcfahr oder AngriffSdrohung. Er wird diese Aufgabe dadurch erfüllen, daß er den Mitgliedern Ratschläge erteilt, die jeweils am zweckmäßigsten sind, unter Berücksichtigung der Art. 11, 12, 13, 1ö, 16, 17 und 19 des Paktes Die Reaktion in Rumänien. Bukarest, 9. Scpt(Tsch. P. B.) Durch eine Entscheidung der U n i f i k a ti o n S k o m- Mission wurde wiederum die Zensur samt- licher Blätter in Transvlvanien eingeführt. Minister Groza hat diese Maßnahme mit schar- fen Angriffen eines gewissen Teiles der Presse, durch welche die Konsolidierung des Staates bedroht ist, begründet. Eine Wirtschaftskonferenz der Randstaaten mit Rusiland. Berlin, 10. September. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung meldet ans Rcval: Die für September geplante Wirtschaftskonfc- renz FinlandS, Lettlands, E st h- l a n d S und Litauens unter Teilnahme S o w j c t r n ß l a n d ist auf Ottoberver- schoben worden. Tie Sowjetpresse bringt der Konferenz reges Interesse entgegen und veröffentlicht das Programm der russischen Delegation. Die Sowjetdelcgation will u. a. den Vorschlag machen, einen ständigen Wirtschaftsausschuß zu schaffen, der die Wirtschaftstätigkeit der interessierten Staa» ten vereinheitlichen soll. Reden in der Völkerbund- Versammlung. Genf, 10. September.(Wolfs.) Zu Beginn der heutigen Sitzung der BölkcrbitndSversantm- lung ergriff der österreichische Delegierte Meusdorfs zum crstcttmalc das Wort. Er dankte dem Völkerbünde und den Bereinigten Staaten für die Oesterreich gewährte Hilfe, vor allem auch für die Snspcndiernng der Hypo- theken. Er wies auf die Eile des unternom- menen Hilfswerkes hin, da sonst wieder gefährliche Ermutigung im österreichischen Volke platzgrcifen würde, das sich wieder der Arbeit und der Erfüllung seiner Verpflichtun- gen zugewandt have. Hierauf hielt Spalaiko- witsch(Jugoslawien) über die Frage des Schutzes der Minoritäten und den Konflikt mit Albanien eine Rede. Er wies die albatti- scheu Proteste im Völkerbünde gegen Jugoslawien lebhaft zurück. Nach der Rede Spalai- kowitschs ergriff Balfonr(England) zu einer großen politischen Rede das Wort. Er cntgcg- nete Spalaikowitsch und tadelte ihn, daß er in der Debatte die Aufnahme Albaniens crör- tcrt habe. Es habe keinen Zweck, alte Streitig- ketten wieder aufzurollen. Balfonr gab ein kurzes und klares Exposce der verschiedenen Proteste Albaniens beim Völkerbünde, ohne auf deren Inhalt einzugehen und wies mit großer Entschiedenheit die Kritik zur ü ck, die B r a n t i n g an der Tätigkeit des Rates geübt habe. ES bekümmere ihn tief, daß ein so allgemein geschätzter und geachteter Mann wie Branting dem Rate vorwerfe, daß er den Eindruck mache, da§ Organ einer Mächtegruppe zu sein. Die Enttäuschung Eccils über die geringen Fortschritte der A b r ü st u n g seien berechtigt, doch hät- ten die Länder Mittele uro Pas ihre Ab- rüstung begonnen und auch andere Län- der beginnen damit. Man müsse bedenken, daß der Völkerbund mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Wer könne behaupten, daß die Abrüstung weiter leicht möglich sei, wer dürfe erklären, daß cS keinen Krieg mehr gebe? Daher sei eS schwer, entscheidende Arbeit zu verrichten. Auch rech- nete man bei der Gründung dcS Völkerbundes auf den Beitritt aller Staaten. Da- durch, daß verschiedene Staaten dem Völkerbünde nicht angehören, entbehre man nicht nur der Ratschläge dieser Staaten, sondern auch der Autorität, die ihre Mitarbeit im Völkerbünde verlangen dürfe. Der Völkerbund könne auch nicht abrüsten, wenn Staa- ten, die ilun nicht angehören, die Abrii- st n n g nicht vornehmen. Dasselbe gilt für die Fabrikation und den Verkauf von Mu- nition. Nach dieser Anspielung ans A m e- r i k a, dessen Name nicht genannt wurde, wachte Balfonr die Krititer im Völkerbünde darauf aufmerksam, daß eine bedeutende Arbeit vollendet sei. Ter Völkerbund habe viele Konflikte geregelt, er re- giere über Gebiete, er habe den interna- t i o n a I e n G c r i ch ts h o f gegründet, er bc- kämpfe die Geisel der Krankheiten usw. Mit großem Nachdruck warf Balfonr die Frage auf: Wenn morgen der Völkerbund abgeschafft wird, wer sollte sich mit allen Werken befassen, die er in Genf vollbracht hat? Er schloß unter starkem Beifall mit einem Appell zum Wieder- aufbau der Welt.— Zur Frage des i n t e r- nationalen Hilfswerkes für R tt ß- land machte der Präsident der gemischten Roten Krcnz-Kommission, Abor, längere Ausführungen über das internationale Hilfs- werk für Rußland und schloß sich dem Appell Na n s e n S an. Er sei überzeugt, daß, wenn die russische Regierung ihre Verpflichtungen loyal ausführe, das Hilfswerk zum Er- folge führen könne. Er verlange die abso- lute Garantie, daß die geplante Untersuch u n g S k o m m i s s i o n in Rußland ihre Arbeiten ungehindert ausführen könne. Er betonte den unpolitischen Charakter der Un- tersuchungSkommission. ES würde den Tradi- tionen dcS Roten Kreuzes widersprechen, wenn es sich zur Unterstützung irgendeiner politischen Tendenz hergeben sollte. Ador schloß mit dem lebhaften Ausdrucke seines absoluten Vertrau- enS in die Zukunft des Völkerbundes. Lenin:„Wir werden unser wirtschaftliches Betätigungsfeld einschränken." Berlin, 9. September.(Tsch. P. B.) In einer Sondernummer der„Pratvda" ergreift Lenin nochmals das Wort zu dem neuen Kurs in der Politik der Sowjetregicrung. Gegen die Menschewiki wie auch gegen die Links- kommunistcn polemisierend führt er auS: Wir werden große Zugeständnisse machen. Sie sind nicht gefährlich für ein Proletariat, das sich in der Stellung der herrschenden Klasse befin- det. Wir werden die Einsammlung der Natu- ralsteuer beschleunigen. Wir werden solche Un- ternehmungen verpachten, ohne die wir aus- kommen können, und wir werden nicht mit Konzessionen für ausländische Kapitalisten sparen. Ein Block des pro- letarischcn Staates und des Staatskapitalis- mus ist notwendig als Gegengewicht gegen das Kleinbürgertum. Er muß in einer dnrchge- dachten und vorsichtigen Weise verwirk- licht werden. Wir werden unser Wirtschaft- lichcs Betätigungsfeld beschrän- k e n, aber gleichzeitig alle unsere Kräfte ans dem so verringerten Felde zusammenfassen. Die Sowjetregicrung steht zur Zeit vor einer besonders schweren Aufgabe. Sie muß den Austausch zwischen Landwirtschaft und Jndu- stric organisieren. Eine neue Schimpferei SinowjcwS. Das Exekutivkomitee der Moskauer Jnter- nationale, gezeichnet hat Sinowjcw, veröffentlicht einen offenen Brief an die kommunistische Arbeiterpartei, in der er sie zum Zusammen- schlich mit der kommunistischen Partei ermahnt. Nachdem die Führer der Sozialdemo- kratcn beschuldigt werden, daß sie die Arbeiter an den Imperialismus ausgeliefert hätten und Hilferding und Erispien, die Führer der Unabhängigen, als Verräter an der Revolu- tion beschimpft werden, sagt Sinowjew:„In den Zeiten des Ringens zwischen Proletariat und Bourgeoisie, dieses Ringens auf Leben und Tod, kann die Herrschaft der Arbeiterklasse nur erobert, gehalten und immer wieder aufs neue gehalten werden durch die in der koin- mnnistischcn Partei organisierte Kraft der be- wichtesten, kühnsten, aufopferungsfähigsten und rücksichtslosesten Teile des Proletariats. Auch ihr seid berufen, diese Aufgabe, die schwerste und die hehrste der Geschichte zu er- füllen, und darum rufen wir euch zu: Macht euch frei von jenen, die euch an der Erfüllung dieser Aufgabe hindern wollen. Macht euch frei von den Borurteilen, die euch selber Hein- wen und fesseln. Haltet euch vor Augen die Tatsache, daß eure Theoretiker dort, wo sie die Politik der kommunistischen Internationale kritisieren, stets im Wesen dieselben Argumente bringen wie die elenden Verräter von Men- schcwiki und ähnlichem Gesindel: In der Frage der Gewerkschaftstaktik, in der Frage der Zentralisation der Partei, der Partei- vder .Klassendiktatur,.Kronstadts usw. Wir bezwci- sein nicht einen Augenblick den ernsten, revo- lutionarcn Willen dieser Genossen." Nach die- ser Theorie ist also nicht mehr die Arbeiter- schast als Klasse die Trägerin der sozialen Revolution, sondern lediglich ein„kühner" und „entschlossener" Vortrupp und die kommnnisti- schc Sekte darf die Diktatur ausüben. Das ist Anarchismus und Putschismus vom rein- stcn Wasser! Inzwischen spalten sich die Kommunisten in Deutschland weiter. Tic kommunistische Ab- geordnete Frau Wackwitz ist aus der komm»- nistischen RcichStagSfraktion ausgetreten und bleibt vorläufig als„Wilde" im Reichstag. Ten gleichen Schritt hat bereits vor einiger Zeit der kommunistische Abg. Teuber unternommen, so daß es jetzt drei kommunistische Richtungen allein im Reichstage gibt, und zwar: die eine Richtung verkörpern die vier ans der kommunistische!. Partei ansgcschlosse- neu Abg. Levi, Geyer, Düwell und Reich, die zweite wird von den beiden kommunistischen „Milden" gebildet und in der dritten Rich- tnng verbleiben die übrigen.Kommunisten, zu denen noch der Abg. Herzfeld(Mecklenburg) gehört, der von seinem Wahlkreise vor wenigen Wocben als unfähig zur Bekleidung öffentlicher Acmtcr erklärt wurde. Graz, 10. September.(Tsch. PB.) Tie„Graz« Tagespost" meldet ans Belgrad: Ter Mi- nisterrat erörterte daS Budget für 1922. ES wicS zuerst 7 Milliarden Dinars Ausgaben gegen 4J4 Milliarden Einnahmen auf. Der Minister- rat nahm verschiedene Streichungen vor, so daß sich die Ausgaben auf fünf Milliarden belaufen und das Defizit eine halbe Milliarde beträgt. Paris, 10. September. tTsch. PB.) Nach einer HaVaSmeldnng aus Warschau haben die Polen ein umfassendes bolschewistisches Komplott, daS in Warschan organisiert wor- den war, entdeckt. In de» revolutionären russischen Kreisen sind ungefähr 20 Verhaftungen vorgenommen worden. London, 0. September.(Tsch. PB.) Gestern kam es in D n n d e e zn neuen A n S s ch r e i- tun gen. Fast alle Schaufenster wurden zertrümmert. Die ganze Polizciinacht mußte auf« geboten werden. Melilla, 9. September. s.HavaS.) Die Spa- nier haben den Angriff gegen die befestigte Stellung in Odihamcdlchnschi abgeschlagen. Die Stamme in der Umgebung von Melilla haben um Frieden gebeten.. Schulreform. Durch die Macht wirtschaftlicher Tatsachen und neuer sozialer Gestaltungen werden über- lieferte Ideologien zerstört, weil ihnen die sachliche Grundlage entzogen wird. Wie bei Lebewesen Organe durch Mißbrauch funk- tionslos, zu Störungen im Gesamtorganismus werben und im Interesse von dessen ungcstör-, Sozta!d»molr ae 10. September 1921. ict(Timlhon entfernt werden müssen, so mich im Ball und Leben des sozialen und staat lichen Organismus. Die Schule hat nach dein titelziticrien Worte fürs Leben zu er. ziehen, also sozialorganische Funktionen zu erfüllen. Dem wird sie heute nicht gerecht. Die Schulmeister, nicht durch eigene Schuld haben übersehen, das, das Leben inzwischen ein' anderes geworden ist, das; die grvs,e Gewalt der wirtschaftlichen Verhältnisse und der mit ihnen znsan F.'nhängenden sozialen Verände- rungen neue, bisher u>,gekannte Probleme ge- stellt hat, die an die Ueberlieferung nichtan- knüpfe n, sondern sie z e r st ö r e». Auf die Schule von gestern Halten die Mächte von ge. stern Beschlag gelegt. Die Kinder zu braven Dienern der Kirche, zu folgsamen Sklaven der Grundherren zu machen, war das. was die Zeit, da Kirche und Großgrundbesitz herrsch, ten, von der Schule, soweit sie schon bestand, erwartete.„Für die Sklaven, die das Land bebauen, ist eS zuträglich, das; sie st a r k a m K ö r p e r, a b e r s ch>v a ch a m B e r st a n d e sind. So werden sie nützlicher sein für die Be- arbeitung des Landes und nicht an.Sarten in Umtriebe Wider ihrc Herrc n." Diese Worte, welche Thomas von Aquino in einem Kommentar zur Schrift des Aristoteles über Politik schrieb, drücken den Standpunkt der mittelalterlichen Machtllasjen zur Jugend- erziehung aus. Die Jugend sollte zu Bürgern des Gottesreiches gemacht werden, sie sollte, aus der Ideologie in die Wirklichkeit über- fetzt, willig und untertänig werden einem diesseitigen Kirchen- und Großgrundbesitzer- reiche. Die Kinder der herrschenden Stände freilich mußten schon damals mehr lernen, um die Herrschaft ihrer Bäter übernehmen zu können. Grundsätzlich hat an diesem Verhältnis die bürgerliche Gesellschaftsordnung nicht viel geändert Tie Schule wurde allerdings nicht mehr in den Dienst der Kirche und ihrer so- zialen Verbündeten gestellt, sondern der neuen Herren. Auch war natürlich die Ideologie weltlicher geworden. Ter moderne ÄapitaliS- Inns forderte von seinem Sklaven, daß sich sein Gehirn auf neue Begriffe einstelle. Im Namen der„Freiheit" wurden die Kämpfe um die neue Schule geführt, im Namen der „Weltanschauung" u. des„BildungSidealS". An der Abhängigkeit der Schule von den Zwecken, die die neuen Herren der Schule setzten, ist ihre weitere tatsächliche Unfreiheit zu erkennen. Auch das neue„BildungSideal", in dessen Dienst die bürgerliche Presse die Schule gestellt wissen will, ist so sinnlos geworden wie ihr ganzes Gesellschaftsideal. Der unwissende Arbeiter ist auch als AuSbeutungSobjelt des In- dustriekapitaliSmuS historisch und ökonomisch unmöglich geworden. Nicht weil die Bürger- lichen das Unrecht eines Bildungsprivilegs empfinden oder des„sozialen Ausgleichs" we- gen, wie sie behaupten, müssen die Nutznießer der privatkapitalistischen Produktionsweise den Arbeitern ein größeres Wissen und eine höher organisierte Schule zugestehen(im Innern denken sie noch so mittelalterlich wie Thomas von Aqnino), sondern weil die Nolle des Ar- Leiters im modernen Produktionsprozeß auch für ihn ein größeres Wissen nötig macht, mag cr auch sonst nur die Last der Ausbeutung zu fühlen bekommen und von den Vorteilen der Nutznießung ausgeschlossen sein. Nicht nur in der Produktionstechnik, auch in der sozialen Technik machen sieh die Besitzenden die Errun- genschaften der Wissenschaft zu eigen. Mcn- schenökonomie, bessere Ausnutzung der mensch- lichen Kräfte, Ziele, die für die Organisation der sozialistischen Gesellschaft überaus srucht- bar sind, die auch in Svwjetrußland ernste Erörterung finden, sind zu einem Ideal der Schulreform im Nahmen der bürgerlichen Welt geworden. Den Nutzeffekt der Einzel- lcistungen auf ein Maximum zu bringen, ist auch in der bürgerlichen Gesellschaft ein Schulrcformziel geworden, um dessentwillen sich diese für die Umwandlung unserer völlig unzulänglichen Schule in eine EinheitS- und Arbeitsschule interessieren. Ist dies für die Sozialisten ein Grund, die- seS Schulideal zu verwerfen? Keineswegs, son- dern ein Antrieb, den guten Gedanken seiner privatkapitalistischen Ausnützung zu entreißen, ihn dem Aufbau der sozialistischen Gesellschaft dienstbar zu macken. Durch die Dialektik der Geschichte wird die bürgerliche Gefellschaft in die Rolle gezwungen, vieles zu tun, wodurch sie Werkzeug von ihr feindlichen Gestaltungen wird, durch die sie den Boden ihrer eigenen Herrschaft untergräbt. Je mehr ihre eigenen Arbeitssklaven, um den Anforderungen der kapitalistischen Produktion gerecht zu werden, lernen müssen, desto inehr Massen zum Kampfe wider diese Gesellschaftsordnung bekommen sie in die Kant,. Durch alles, was die burger- liche Klasse im eigenen Klasseninteresse zu tun gezwungen ist. gräbt sie ihr eigene» Grab.- Sie muß ihren Klassengegnern selbst die Waffen gegen sich in die Hand drücken. Mit der Schule, die sie auch für die Arbeiter zu fordern ge- zwuncicu ist,>,ni den immer ausgedehnteren Apparat der kapitalistischen Produktion zu versorgen, ftgt sie den Ast ab. auf dem sie sim. Aus diesem Grunde ist cS nicht beunruhi- sr C"r nach der EinheitS- und Arbeitsschule, worin sich im allgemeinen der gnific moderne Schulreformgedanke ausdrückt, nicht bloß von Sozialdemokraten erhoben wird, sondern stärksten Widerhall findet bei den Pä- dagegen und Politikern bürgerlicher Willens- rcchtung. Die strenge Scheidung zwischen Volks- und Mittelschulen, die Sonderling zwischen den ein- zelneu Mittelschultypen selbst, die dabei den Begabungsrichtungen gar nicht parallel gehen, mc Unkenntnis und Uninformierthcit der Schule über die wichtige Frage des Bedarfs an Menschen der einzelnen BernsSgruPpen, die Belastung deL Unterrichtes mit einem veralte- ten, einem überwundenen BildungSideal ent- nomineller Stoffe, das Fehlen lebenswichtiger Gegenstände in unserem Lehrplane, die Lücke einer BemfSberatungSstelle, in die Menschen aus Schule und Leben eintreten sollen und noch andere Mängel im LebenSorganiSmus unserer Schule können nicht rasch genug be- hoben werden. Die schädliche Wirkung der- selben müssen sich in einer Zeit multiplizieren, in der die Vernichtung zahlloser Menschenleben den ökonomischen und sozialen Wert je- des einzelnen erhöht hat. Oesterreich Latte nach dem Kriegszusammen- bruche das Glück, daß Männer, Ivel che die un- geheure Bedeutung der Schulreform für den Wiederaufbau der Gesellschaft erkannten, zu großein politischen Einfluß kamen. Sie haben unter größten Schwierigkeiten ein Werk der Schulreform begonnen, dessen gewaltige Konzeption für andere Staaten als vorbildlich gel- ten kann. Ans der Not der durch Kriegs- und Nachkriegszeit verringerten Kinderzahl in den Wiener Schulen haben sie die Tugend ihrer Schulreformbestrebiingen gemacht, zu der sich jetzt die Lehrerschaft begeistert bekennt. Es sind meist Sozialisten, die das vollbracht haben. Das ist ja auch der Grund, warum die Christlich- sozialen die Sache, die trotz allem keine bloße politische Parteisachc ist, mit ihrem Hasse ver- folgen und zu zerstören suchen. T a Z sozialistische S ch nk- und Er- z i e h n n g s i d e a l erschöpft sich natürlich nicht in einer Umorganisation des Schulwesens. So wichtig die Aufgabe der EinheitS- und Arbeitsschule auch ist, da sie den richtigen Menschen an die richtige Stelle bringen, die Begabungen rechtzeitig erkennen, mit den rich- tigsten Mitteln fördern, da sie auch ein Wim- schenk werter AuSleseapParat werden und je- dem das seiner Begabung Zukommende geben will, der Sozialismus will von der S ch u I c n o ch m e h r. Er will ihr den Stempel seines Geistes aufdrücken, sie zum Gefäß seines großen Kultur- und MenschheitS- gedankenS machen. Er kann dies nicht mit einemmale und nicht sofort. Doch wäre e? ein Verbrechen daS Gute von heute wegen des Ves- seren von morgen zu vernachlässigen, dem pro- letarischen Kinde muß in seinem schweren Da- seinskampfc die unmittelbar nötige Waffe einer besser organisierten Schule werden. Solange der Sozialismus nicht herrscht und nicht sein ganzes"Schiilideal gestalten kann, müssen in den Dienst speziell sozialistischer ErziehnngS- arbeit die Einrichtungen gestellt werden, die sich die Partei selber geschaffen hat, ihre Bil- dungsorganisatioilen, die heute schon von den Kinderfreundevereinen hinaufreichen bis zur Volksschule, und an denen die tultiirpoli- tisch interessierten Genossen mit Freude und Erfolg arbeiten. Damit werden sie ergänzen, wa§ auch die EinheitS- und Arbeitsschule dem sozialistischen Ideal im Zeitalter der bürger- liehen Gesellschaft schuldig bleibt. ! Agrarische oder soüalistischc Bodenreform? Von Wenzel Jaksch. Für heute, Sonntag, hat der tsehechoslowa- tische Verband der Landarbeiter eine Viani- festation der Arbeiter und Angestellten des Großgrundbesitzes nach Prag einberufen, da- mit sie fiir eine Berücksichtigung ihrer Existenzfragen bei der Durchführung der Boden- reform demonstrieren. Diese Veranstaltung ist Wohl als Gegen kundgcbung gegen den P f i n g st a il f in a r s ch der t s ch e ch U s ch c n Agrarier gedacht, die damals durch einen MassenauSflug nach Prag ihren Einfluß im Bodenamte und in der Regierung noch der- stärken wollten. Wir wünschen, daß die Knnd. gebung der tschechischen Landarbeiter und Gü- terbeamten einen imposanten Verlauf nehmen möge, wir bezweifeln aber, ob selbst in diesem Falle die beabsichtigte Wirkung erzielt wird. Die Größe der Gefahr, die aus der ge- genwärtigen Durchführung der Bodenreform der Landarbeiterschaft und dem gesamten Pro- letariat erwächst, erfordert ganze Maßnahmen. ES ist schon längst kein Geheimnis mehr, daß die sogenannte Bodenreform im tschecho» slowakischen Staate nicht im sozialistischen, sondern im agrar-kapitalistischen Sinne durchgeführt wird, daß sie keine Maßnahme für den Sozialismus, sondern eine Aktion g e- gen den S o z i a l i s m n s ist. DaS Ziel der tschechischen Agrarier, die da im engsten Bündnis mit ihren deutschen Standesgenossen vorgehen, ist, durch die Zerstückelung deZ Großgrundbesitzes eine weitgehende Mehrung des großbäuerlichen Eigentums herbeizufüh- ren und ihr großer Einfluß iin Bodenamte sowie im Staate rückt die Verwirklichung die- ser finsteren Pläne in bedrohliche Nähe. So hat zum Beispiel jüngst ein Herr Dr. V o z e- n i l e k, der als die„rechte Hand" des Präsi- deuten des Bodenamtes gilt, im„Benkov" die agrarischen Absichten mit erfrischender Deutlichkeit wie folgt erläutert: „Wir müssen gegen die Absichten gewiss« Kreise protestieren, welche die Bildung von so großen Nestgütern ans den heutigen Hö- fen verlangen, das; auf jede, auf dem Gute beschäftigte Familie(°>—.10 Hektar Boden entfallen mögen. Diese Praktizierung möchte in vielen Millen die Reform unmöglich machen. Die Propagatoren dieser großen Neslgüter streben die Uebernahme dieser Güter durch Genossenschaften, welche anS den Angestellten des Großgrundbesitzes zu- bilden wären, in Pacht an. Die Ver- wirklichung dieses Planes, abge- sehen von anderen Fehlern, wäre ä u ß e r st ungerecht. Eine derartige L ö- s u n g nehmen wir nicht a n!" Damit ist bewiesen, das; die tschechischen Agrarier eine fast restlose Zertrümmerung der landwirtschaftlichen Großgüter anstreben. Die anS einer Ausführung dieser Pläne entstehenden Folgen für die Arbeiterklasse brauchen nicht des langen und breiten ausgemalt wer- den, sie liegen klar aus der Hand. Tatsache ist, daß bis heute, wo schon umfangreiche Parzcl- licrnngSPläne de? BodenamteS veröffentlicht wurden, und die Vorbereitungen zur Zerstückc- lung der Güter schon sehr weit gedielten sind, so gut wie gar keine B o r s o r g e für die in ihrer Existenz bedrohten Landarbeiter und Gü terbeamten getroffen werde. Bekannt ist auch, daß trotz aller schönen Versprechungen über die Berücksichtigung der Armen und Schwachen bei der Siedlungkaktion noch keine nennenswerten Geldmittel für diese Zwecke zur Verfügung stehen, sodaß bei einer Zuteilung von B-den mir das kavitalskräftige Großbauerntum in Frage kommt, das bereits die nötigen Betriebsmittel besitzt und dabei seine Kriegsgewinne in Räolwerten anlegen kann. ES besteht weiter kein Zweifel mehr darüber, daß eine derartige Durchführung der Bodenreform auch in technischer Hin« ficht einen Rückschritt bedeutet, der eine Verschärfung und jahrelange Ver- längerung deS ErnährnngSjaminerS zur Folge hätte. In politischer Hillsicht ist das Ziel der Agrarier die Vermehrung und Stärkung der konservativen Großbaneruklasse, die Vertreibung der Landarbeiter und Güterbeamten von ihren Lebensstellen und damit die Bamiuiig der toten Gefahr, auf dem Lande für alle Zu-- knnft. Die nationalen Erwägungen, die dabei mitspielen, wollen wir für heute bei- feite lassen. Alle diese Umstände zusammengenommen, wird zur Gewißheit, das; eine im agrarischen Sinne durchgeführte Bodenreform mit einem k l ä g l i ch c n F i a s k o e n- den muß, weil sie den ökonomischen Not- wendigkciten unser« Zeit zuwiderläuft; der Mißerfolg, der da jedoch auf dem Woge zu kapitalistischen Zielen erzielt würde, soll— daS steht heute schon fest— dem Sozialismus zu Lasten geschrieben werden. Die Gefahr einer soMhe» reaktionären Lösung des BedenProblemS in der Tschcchoslowa- fei wächst mit jedem Tage. Sie ist deshalb riesengroß geworden, weil sie daS zielbewußte Streben der geschlossenen Front tschechischer und deutscher Agrarier verkörpert, die Macht des- tschechischen Bürgertums noch hinzngerech- net. Die Proletarischen Parteien wurden mit ihren sozialistischen Forderungen auf diesem Gebiete darum in den Hintergrund gedrängt, weil sie im Gegensatz zu ihren Klassenfeinden, ihre Kräfte im Bniderkampf vergeuden und so den kapitalistischen Parteien Zeit ließen, ihren Triumphbogen aufzurichten. Bei diesem Stande der Dinge erlauben wir uns füglich zu bezweifeln, ob die Demonstration einer Gewerkschaftsorganisation ausreicht, um den Verlauf der Aktion entscheidend zu än- dein. Wir vermuten sogar, das; irgend ein jovialer Herr aus dem Bodenamte den Demon- stranten in Bezug auf ihre Forderungen tröst- liche Versicherungen geben wird, damit sie be- ruhigt heimkehren, sonst aber wird alleS beim alten bleiben. Wenn wir den durchschlagenden Erfolg der heutigen Demonstration bezweifeln, so geben wir die Sache noch lange nicht v«loren. ES Seite 5.> gibt eine Möglichkeit, den Kurs d« Boden- resonn in ein sozialistisches Fahrwasser zu steuern, und diese einzige Möglichkeit heißt: Berst«ndignng aller Proletari- scheu Parteien über dieses Proll l e in, Z u s a in m e«f a s s u n g aller s o zialistischen Kräfte zum Kampse um eine sozialistische Lösung der Bodcufragc. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei hat schon längst die Fährnisse erkannt, die ans der Durchführung einer solchen„Reform" dem Sozialismus erwachsen. Sic hat daher auf dem Karlsbader Parteitage ein Pro- gramm zur Sozialisier ung des Großgrundbesitzes angenommen, das dem zu schaffenden Prolclarierkongres; zur Beschlußfassung unterbreitet werden sollte. Ein tragisches Verhängnis ließ den Prolcta rietkongreß nicht zur Tatsache, werden und bah« wurde Li? heute zwischen den prolewri scheu Parteien noch keine Verständigung über die brennendsten Tag-sproAeme des Klassenkampfes in diesem Staate erziel!. Die Folgen dieser Zerklüftung tonnen an dem Schicksal der Bodenreform am besten ermessen werden. Eine günstige historische Gelegenheit hätte es den Proletariern dieser Republik in die Hand- gegeben, den Großgrundbesitz a« s einem Bollwerk der Reaktion in eine Ba- stion des Sozialismus umzugestalten und sieh damit für die weiteren Klassenkämpfe unschätzbare Borteile zu sichern. Gelingt es den Agrariern ibr Reformziel, die Zcrschla- gung der Großgüter, zu erreichen, dann gehen diese Ehanzcn nnwicderbrin,glich verloren. So stehen die Dinge. Angesichts dieser dräiiiidcn Gefahren für den Sozialismus muß unsere Partei, die schon durch ihre historische und taltische Stellung zum Pionier d« pro letarischen Einigung berufen ist, nochmals den Ruf nach sozialistischer Sammlung zum Kampfe gegen die agrarische Reaktion erschallen las- sen. Nur ein sozialistischer Block, der sich über die nächstliegendsten Lösungmöglichkeiten in der Bodcnfragc einig ist, könnte den Agrarier zu rufen: Bis h i e r h c r n n d n i eh t weite r! Nur er könnte außerhalb und innerhalb des Parlamentes eine entsprechende N o v c l i e- riiilg der Bodenreforingcsetze er- kämpfen, könnte die Umgestaltung des BodenamteS in ein S o z i a l i s i e- rungsamt erfolgreich anstreben. Zur praktischen Durchführung der Reform könnten sich alle sozialistischen LaUdorganisationcn, welche die Land- und Forstarbcit«, die Güterbeacn- ten, sowie die Kleinbauern und Häusler um- fassen, in eine A r b e i ts- und Kampfes- g e m e i n s ch a f t zusammenschließe n, die sich gestützt auf die Macht des Gesamtpro- letariats, bald einen führenden Einfluß im agrarpolitifchen Fragen zu sichern vermöchte. Es wird Cache unserer Partei seilt, neuer dingS die proletarischen Parteien der Republik im Sinne dieser Vorschläge zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Agrarfrage aufzurufen. Die Parteien aber, die um ihrer Sondervor- teile willen oder ans taktischer Borniertheit weiterhin ein Zusammenwirken ablehnen, lv erden vor dem Proletariat und vor der Geschichte die V c r a n t w o r- t n n g z u t r a g c n h a b e n, wenn im Kampfe um die Bodenreform ge- gen den Sozialismus entschieden lv i t d. Bei diesem Anlas; wvllsn wib noch auf eine Tatsache hinweisen, die sich mit der bedrängten Lage de? LandproletariaieS schwerlich verein- baren läßt. Heute demonstrieren die tschechi- schon Landarbeit« ans den Straßen Prags, kämpfen in tiefer Besorgnis um ihre Existenz niid die Leitung ihrer GewerkschaftSorgamsa- iion hat dem deutschen Verband der Land- und Fotstarbeiter— anstatt ihn zu Hilfe zurufen denVernich» tungSkrieg erklärt. Der junge Dnxer Verband, der nach Kriegsende unter unsäglichen Mühen die dentsthen Land- und Forstarbeiter gewerkschaftlich organisierte, ist seit Mo- naten daS Objekt einer wüsten Hetze, er wird als gelbe, als separatistische Cr. ganisation hingestellt und der Pra- ger tschechische Verband versucht unter den, Deckmantel des Kommunismus seine Existenz zu untergraben. Seit Momwm spielt sich in den deutschen Gebieten ein widerlicher, aus- reibender Kumps um einige schwankende OrtS. gruppen ab, bei dem die kommunistischen Angreifer höchstens ewige hundert Mitgliedei „errobern" konnten, um den Preis, daß eben- soviele wieder in den JndisseWNiSymS stoßen wurden. Wir fragen die demvnstrierenden Landau beitcr, wir fragen ihre Führer, was m diese» Augenblicke wichtig« ist: Der Streit det Prager und Duxcr Verbandes itti einige Ortsgruppen oder der ge> mcinsamo Kampf des deutsche,; und tschechischen Landproleta. riatS um eine lozialistischc Bo> d e«t c j o t«£ Seite 6L Sozlald« atolr.of Ii ,September 19211 Tages-Uemgkeiten. Christlichsoziale Nächstenliebe. Ein Leitme« ritzcr Genosse schreibt uns: In Lcitmeritz be- findet sich ein Nctcrancnheini, in welchem alte, gebrechliche Hinterbliebene von verstorbenen Veteranen untergebracht sind. Diesem Heim ist ein Garten mit Obstbäumen angcschlossen; dieser sollte de» im Heini untergebrachten Per-- sonen iil der warmen Jahreszeit einen ange- nehmen Aufenthalt bieten. Das Obst sollte gleichfalls den Hausinsassen zukommen. Als Hausverwalter fungierte bisher der Präsident des Leitmeritzer BctcranenvereincS K. W. und als Hausmeister ein Herr Tictzler. Beide sind christlichsoziale Größen. Das Obst wurde aber nicht den alten Leuten gegeben, sondern wurde einfach weggeschafft. Die alten Leute durften auch im Garten keinen Aufenthalt nehmen, sondern dort durften nur die Gänse des Herrn Tictzler grasen. Auch hqt der Hausmeister die Ordnung im Hanse zum Teil von den alten Leuten machen lassen, trotzdem er selbst dazu da war Die Heiininsasscn klagten schon öfter über diese nnchristlichen Zustände, doch die beiden Herren verstanden es immer wieder, die alten ängstlichen Leute einzulullen, und es blieb immer wieder beim alten. Nunmehr wurden diese echt christlichsozialen Zustände den alten Leuten unerträglich. Der Hcimausschuß wußte zusammentreten und da er die vorge- brachte» Beschwerden, die für die Christlichso- zialen vernichtend lauteten, als vollkommen gerechtfertigt fand, beschloß er, den Herrn Haus- Verwalter samt dem Hausmeister sofort von ihren Posten abzusetzen. Es werden nun neue Verwalter bestellt und es ist zu erwarten, daß tunmchr die alten Leute den Genuß ihrer stechte gelangen. Die christlichsozialcn Prediger ivcrden aber nach wie vor ihren Mund mit der .christlichen Nächstenliebe" voll nehmen. Dr. Heinrich Mctella gestorben. Im Alter JON 07 Jahren ist vorgestern der Vizepräsident .ies LandeSschulrates, Dr. Metelka, gestor« Ken. Mctclka war einer jener Männer, die, so eifrig sie auch von ihren Konnationalcn ge- feiert ivcrden mögen, doch nur als schwere Schädlinge ihres eigenen Volkes angesehen wer- den müssen. Mctclkas eifrigstes Bestreben ging dahin, das deutsche Volk, das er offenbar krank- hast haßte, an seinem Lebensnerv, der Schule, zu treffen und so nützte er sein Amt zur Unter- drückung des deutschen Schulwesens derart aus, daß sogar der Verwaltungsgerichtshof ihm schließlich in den Arm fiel. Das Wirken Me- tclkas hat viel zur Verschärfung der nationalen Gegensätze und zur Steigerung des nationalen Fanatismus beigetragen. ES ist ihm gelungen, eine Reihe von deutschen Schulen auszutilgen, aber er hat damit gewiß beiden Nationen nur Schädliches erwiesen. Erhöhung der Tabakprcife, gleichzeitig Frci- gäbe des Verkaufes. Die in den Zeitungen wiederholt angekündigte Erhöhung der Preise mehrerer Zigarren- und Zigaretten- forte» wird nun durch eine Mitteilung des Ii- uanzministeriums bekanntgemacht. Das Fi' Nanzministerium sucht den Rauchern die Ott tere Pille durch die Freigabe des Ber- l a u f e s und durch folgende Verlautbarung mundgerecht zu machen: Heute veröffentlicht die Tabalrcgie den neuen Prcistarif für Rauchwaren, demzufolge verschiedene Cor ten von Tabatcrzcugnissen mit Gültigkeit vom 12. September 1921 neu geregelt werden. Diese Regelung der Preise hängt mit der Freigabe des Verkaufes der R auchwarcn zusammen, die gleichfalls heute kundgemacht wird. Wie aus dem Preis tarif ersichtlich ist, verbleibt die Mehrzahl der Tabak-Erzeugnisse im Preise unverändert. Es ivcrden nur mehrere Sorten verteuert, welche bis jetzt auf Tabakkartcn ausgegeben wurden und deren gegenwärtiger Preis so niedrig war, daß nicht einmal die Erzcugungskosten gedeckt wurden, so daß bei diesen Sorten die Tabakre- gie mit einem bedeuteten Verluste arbeitete. Es sind dies folgende Zigarren: Kuba, Porto rico, Brasils, B irginier, Kurze und Eigarillos, weitcrs die Zigarcttensorten: Egyptische, Sport und Zora und schließlich der g e w ö h n l i ch e R a u ch t a Ii a k. Die Ursache der hohen Erzciigungskosten dieser Sorten ist einerseits der hohe Einkaufs preis der Rohstoffe, die aus Ländern mit hoher Valuta bezogen werden müssen, andererseits der Umstand, daß diese Taoaksorten durch Handarbeit erzeugt werden, was Vergleichs, weise weit höhere Erzeugungskosten bedingt, als bei der mit Maschinen hergestellten Ware. Bis nun konnte die Tabakrcgie dieses Mißverhält- ins ertragen, da die Ausgabe dieser Sorten nur auf Tabakkarten beschränkt war, so daß auf der anderen Seite mehr die teueren Tabaksorten verbraucht wurden, von welchen der erzeugte Gewinn zur Deckung der Verluste der billigeren Sorten verwendet werden konnte. Nun aber muß bei der Freigabe des Verkaufes notwen- sdigerwcise damit gerechnet werden, daß der Verbrauch dieser Sorte» bedeutend steigt und daß dagegen nach den teueren Sorten eine ge- ringere Nachfrage eintritt, so daß der Ertrag der Tabakregie»«durch ernsth«st..bedroht wer- den könnte. ktt war daher unerläßlich, die Preise dieser Sorten wenigstens annähernd den Erzcugungskosten anzupassen; wenn diese Sor ten einen angemesseneu Gewinn ergeben soll. ten, wie dies beim Tabakmonopol erforderlich wäre, müßten die Preise noch u»l ein Beden tcndeS erhöht werden, da nicht einmal bei die. sen neuen Preisen die Erzcugungskosten bei verschiedenen Sorten gedeckt erscheinen. Dem gegenüber wird den Rauchern eine Erniäßi- guiig bei feinem Rauchtabak und feinem Ziga- rettentabak gewährt. Die Preise sind fol- gcnde: Graciosas 4 K, Rcgalia media 8 K, Havanna-Virginia 2.50 K, Trabucco 2 K, Britannica 2 K, Virginia 2 K, OpcraS 1.50 K, Kuba 1 K, Virginosa 80 h, Brasil-Virginia 70 h, Portoriko GO h, Kurze 50 h, Zigarillos 30 h. Zigaretten: Ghiubcg 1.20 K, Legst 80 h, Slavie 70 h, Dantes 70 h, Aegypti- fche 50 h, Praga 30 h, Sport 20 h, Zora 8 h. Rauchtabak: Maryland 2.50 K, amerikan. Pfeifentabak 2 K, feiner Pfeifentabak 1.50 K, gewöhnlicher Pfeifentabak 70 h. Hnngerdemonstrationen iu Neitzert. Frei- tag haben in Neitzert zwischen 4 und 7 Uhr abends Hunger-Dcmonstrationcn stattgcfun- den, an denen sich etwa 2500 Personen, darun- ter viele Arbeitslose, beteiligten. Arbeiter,»leidet Sonntags die Frlseurge- schiffte! Die Friseurgehilfen, im Emanzipationskampf des Proletariats bis jetzt wenig beachtet, befinden sich in überaus trauriger so- zialer Lage. Die Eigenart ihres Berufes, das patriarchalische Verhältnis zwischen ihnen und den Meistern, erschwert ihnen den Kamps um soziale Besserstellung. Wohl haben sich die Verhältnisse seit dem Umstürze dadurch etwas gebessert, daß sich viele von ihnen der Gewerkschaftsorganisation anschlössen. Aber gleich- zeitig setzte auch gegen die gewerkschaftliche Organisation der Friseurgehilfen der Kampf der zünflerischen Friscurgenossenschaften ein, die die neuerstandenc Organisation im Keime ersticken wollten. Eine der wichtigsteil Forde, rnngen, um deren Erfüllung die Gehilfenschaft kämpft, ist die nach ganztägiger Sonntagsruhe im Friseurgewcrbe. Aber gerade gegen diese Forderung sehen die Genossenschaften ihren ganzen zünftlerischen Apparat in Bewegung. Wohl gibt cS einige Meister,'welche die Sonn- tagsruhe in ihrem eigenen Interesse begrüßen würden. Aber gerade jene, welche im Reiche- verband der Friscitre das entscheidende Wort zu sprechen haben, beteuern immer wieder, daß die Sonntagsruhe den Zusammenbruch ihres Gewerbes bedeuten würde. Ohne diese Pro- zhezeiung näher untersuchen zu wollen, stellen wir fest, daß die Voraussetzungen für die Sonn- tagsruhe im Friseurgewerbe schon dadurch ge> geben sind, daß die Arbeiter;ctzt in der Regel chon Samstag Mittag die Betriebe verlassen lud daher noch am Samstag die Friseure auf- uchen können. Angesichts des harten Kampfes icr Friseurgehilfen um die Sonntagsruhe ist es für die Arbeiter eine Pflicht der prolctari- 'chcn Solidarität, am Sonntag die Friseurge- chäste zu meide», Die Meister sollen nicht nehr erklären können:„Meine Sonntagskund- chaft besteht vornehmlich ans Arbeiten»". Auf liefe Meise kann die breite Masse der Arbeiter- chaft den Friseurgehilfen in ihrem Kampf um die Durchsetzung der SonntagSnihe wirksame Unterstützung zu Teil werden lassen. Ein neues Stinncoblatt. Aus Berlin wird uns telcphonicrt: Vom 1. Oktober an wird in Berlin eine neue Zeitung der Dent» sehen Bolkspartci erscheinen, die bvn Heinrich Rippner geleitet werden soll. Er war bisher Herausgeber der„Täglichen Rundschau", ist aber jetzt von den Deutschnationalen verdrängt worden, sodaß seine Partei genötigt ist, ein neues Organ zu gründen. Da©Hintes die Seele der Deutschen Volkspartei ist, wird es ihm an Kapital zur Korrumpierung der öf- sentlichen Meinung nicht fehlen. Zusammenstoß mit der Elektrischen. Gestern um viertel 11 Uhr vormittags stieß ein Wagen der Elektrischen Straßenbahn der Strecke Nr. 14 an der Ecke der Heinrichs- und Herrengassc in einen Handwagen, den der Kellner H. Siepel führst. Hiebet wurde S. unter die Pferde eines BaiieniwagenS geschleudert, dessen Leu- kcr der Bauer Stephan Pitra vom Bock ge- schleudert wurde und leichte Verletzungen erlitt. Siepel blieb unverletzt. Autonnsall. Gestern gegen zwei Uhr nach- mittags waren die Passanten der unteren Jung- mannstraße in Weinberge Zeugen eines aufre- gendc» Porfalles. Bei einem Privatauto hatte der Chauffeur infolge eines Materialbruches die Steuerung über seinen Wagen verloren, und dieser fuhr kreuz und quer über die Straße. Schließlich fuhr daS Auto gegen einen Baum an, dieser brach entzwei nnd der Wagen kam zum Stehen. Hicbei wurde ein KOjährlger Mann ver- letzt, der in» Krankenhaus geschafft wurde. Scitcnlichtcrn, durch welche die Vorgänge unter dem Mgsser beobachtet werden können. Daß die nötigen Vorrichtungen vorhanden sind, mit Wasser und andere Objekte zu Prüftnigszwetstii unter Wasser auszunehmen, ist selbstverständlich. Der längste unterirdische Aquädukt. New Jork erhält jetzt eine.neue Triiikwasscrzufuhr, die in Ihrer Großartigkeit kein Beispiel ans dem Erdball besitzt. Der Schoharic-Fluß, der bislang in den Mohawk-Flnß mündete, wird jetzt abgeleitet und durch einen unter den Ä)andaken- Bergen herführenden Tunnel von nicht weniger als 29 Kilometer Länge zu dem mächtigen, fchou bestehenden Wasserreservoir von ASkohan geführt. Die Bevölkerung der Riesenstadt New Uork wächst jährlich etwa um 150.(100 Menschen nnd die jetzige Trinkwasserversorgung bat sich als nn- genügend erwiesen. Der Tagesbedarf hat durch dieses Anwachsen der Bevölkerung in jedem Jahre eine Steigerung von nicht weniger als.52 Millionen Gallonen gezeigt.— Acht Kilometer des Shaudaken-TunnelS sind heute schon voll- endet und die Arbeiten zur Durchbohrung der Bergkette sowie zum Bau des Staudammes im Schoharie-Fluß werden mit aller Energie bc- trieben, um den Wasserbedarf der Weltstadt sicherzustellen. Gefchlechtöbcsliminung bei Insekten. Geheim- rat Prof. Dr. Richard v. Hcrtwig berichtete in der letzten Sitzung der bayerischen Akademie der Wissenschaften über seine Untersuchungen in- betrefs des Einflusses der Ucbcrreife der Eier auf das Geschlecht der Schmetterlinge. Er ist dabei zu dem Resultat gekommen, daß die llebcrreife hier in entgegengesetztem Sinne wirkt, wie bei den Fröschen, indem sie die Entwicklung weiblicher Individuen begünstigt. Zu so klaren Resultate» wie bei den Fröschen ist er bisher bei den Schmetterlinge» noch nicht gekommen, was wohl mit der zunächst noch beschränkten Zahl der Bcr- suche zusammenhängt. Der Vortragende suckit das gegensätzliche Verhallen' der beiden Hilter« suchungSobjcktc daraus zu erklären, daß bei den Schmetterlingen weibliche, bei den Fröschen da- gegen höchstwahrscheinlich männliche Hetero- gainctie(verschiedene Sexualtendenz) im Gegensatz zu Homogamctic(gleiche Sexnaltendcnz) Ausbildung günstigt. des hctcrogamctcii Geschstchis bc- 179 Kleine Chronik. Das v-Boot Im Dienste der MeereSfoeschimg. Zur Vornahme von Forschungen bi» zu 100 Meter unter dem Meeresspiegel soll in Frank- reich, weiß die schweizerische Zeitschrist für Na> turwissenschasten,„Natur und Technik", zu mel> den, ein Untcrseebot von 18.8 Meter Länge, 2.3 Meter größtem Durchmesser und 50 Tonnen Wasserverdrängung in den Dienst der Wissen schast gestellt werden. Das Boot wird ausschließ lich elektrisch angetrieben; der Motor verleiht ihm«ine Geschwindigkeit»on 0 Knoten ans der Oberslüche unb 4.7 Knoten untergetaucht. Fer- jier ist das Boot mit der notwendigen Ausrüstung zur Mecresforschling versehen und init. starken Gesekeskentttnis Staatsbürgers. Was immer man am tschechoslowakischen Staate nnd an seinen Organen auszusetzen hat, einen Vorwurf kamt man ihnen fürwahr nicht machen: nämlich, daß sie allzu zurück- haltend und bescheiden in der Erlassnng von Gesetzen und Verordnungen wären. Seit den Tagen des staatlichen Umsturzes ist eine der- artige Unzahl von Gesetzen und Verordnungen ergangen, daß es wohl kaum einen noch so loyalen tschechischen Staatsbürger geben dürfte, der alle diese Produkte der tschechoslowakischen GcsctzcSmaschinc gelesen hätte, geschweige denn sie verstehen würde. Besonders zeichnete sich in dieser Beziehung der Revolutionskonvent, genannt konstituierende Nationalversammlung, ans, der bestehend lediglich ans nicht gewähl- ten Vertretern der einzelnen tschechischen Par- tcien in Abwesenheit der Vertreter aller übri- gen durch die FricdcnSdiktate von Versailles und von St. Germain diesem Staate eingcglie- dcrien Völker darauf bedacht war, so rasch als möglich alle die vielen durch den Umsturz ak- tucll gewordenen Fragen des Rechtes und der Verwaltung, aber auch viele minder wichtige Fragen der gesetzlichen Regelung zuzuführen und diese Regelung derart zu sichern, daß so- dann die gewählten Volksvertreter und nament- lich die Vertreter der des Glückes der Auf« nähme in diesen angeblichen Nationalstaat teil- haftig gewordenen„fremden" Völker nicht die Möglichkeit haben, an jenen Gesetzen Aende» rangen vorzunehmen und die privilegierte Siel- lung des Herrenvolkes zu erschüttern. So sind die in das gesamte Wirtschaftsleben so eingreifenden Finanzgesetze, das Wehrgcsctz, die Bcrfassungsurlundc und namentlich ins famose Sprachengesetz und nicht minder auch die Blldenrcforingcsetzc von dem aus ernann- ten Vertretern bestehenden NevoluHonskon- vcnte dieser„demokratischen" Republik angenommen worden, ohne daß auch nur rstics der Völker, deren Rechts- nnd wirtschaftliche Stellung in so durchgreifender Weise geregelt und geschmälert wurde, Gelegenheit fand, an der gesetzlichen Regelung durch das Herren- Volk teilzunehmen. Selbstverständlich wurden auch der getvähl- ten Nationalversammlung zahlreiche Gesetzes- antrage unterbreitet, von denen auch viele zur Annahme gelangten, immerhin bewirkte aber schon die bloße Anwesenheit der deutschen und magyarischen Vertreter, daß die Geschessabri- kationsmaschine einigermaßen in ihrer Tätig- lest gehemmt wurde. Es ist naheliegend, daß bei dieser Art der Gc- setzesfabrikation die Fabrikate oft mangelhaft und unklar sind, einander widersprechen, und von sinnstörenden Fehlern strotzen. So ist es zu erklären, daß sehr oft eiligst Gesehe abge- ändert und derlei Fehler beseitigt werden muß- ten und trotzdem wurden nur zu oft auch tschechische Gerichte und Verwaltungsbehörden förmlich zur Verzweiflung getrieben, wenn sie die in fo hastiger und oberflächlicher Weise zu- standegekommenen Gesetze und Verordnungen jur Anwendung zu bringen und durchzuführen hatten. Darauf sind zum großen Teile die sonst so unbegreiflichen und einander widersprechenden Entscheidungen iind Verfügungen der tschechoslowakischen Gerichte und Berwal- tungöbehördcn zurückzuführen. Im alten Oesterreich bestand die„schlechte" Einrichtung, daß alle Gesetze und Vcrvrdnnn- gen, welche in der deutschen Ausgabe des Neichsgcsetzblattcs publiziert wurden, gleich- zeitig oder kurze Zeit darauf in authentischen Uebersetznngen in den tschechischen, polnischen und den übrigen uichtdciltschcu Ausgaben dieses Neichsgcsetzblattcs zur Veröffentlichung ge- langten, weil eben der Staat von der Auffas- siliig ausging, daß er, wenn er seinen Belvoh- nern etwas gebietet oder verbietet, ihnen mich Gelegenheit geben muß, diese Gebote und Ver- böte lesen iytd verstehen zu können. Die tsche- choslowakischc^tcpublik gibt sich für ein dento- kratisches Staatswesen aus, sie bemüht sich krampfhaft, sich zu eiltösterrcichern, d. h. wie sie behauptet, alles besser zu machen, was iu dem alten, konservativen, ja reaktionären Oesterreich so schlecht war. Man müßte annehmen, daß gerade der demokratische Staat alle Mittel nnd Wege suchen müßte, ttrn seinen Bürgern in noch vollkommener Weise die Kenntnis seiner Gesetze und Verordnungen beizubringen, zumal er ja das Hauptprinzip des RcchtswesenS des modernen Staates, daß sich, sobald ein Gesetz gehörig kundgemacht wor- dcil ist, niemand damit entschuldigen könne, daß ihm dasselbe nicht bekannt geworden sei (§ 2 allg. b. G. B.) niid daß sich mit der Nn» Ivissenheit des Strafgesetzes niemand entschul- digcn könne 3 Str.-G.), rezipiert hat. Der tschechoslowakische Staat läßt jedoch, wenigstens was die nicht nichttschcchischen Völker anbelangt, auch diesbezüglich alles zu wünschen übrig. Anfangs, als die Entösterrcichuilgsma- nie noch nicht so wütete, erschien eine amtliche Uebersctzung der amtlichen Sammlung der Ge- setze und Verordnungen; die einzelnen Nummern dieser Ilebersetzung kamen freilich so spät heraus, daß sie für das praktische Leben ganz unbrauchbar waren. Es erschienen nur einige Nummern und dann wurde die Ausgabe ganz eingestellt; vor einiger Zeit verlautete Wohl, daß die deutschen Uebersetznngen wieder er- scheinen werden, ob dies jedoch tatsächlich der Fall sein wird, ist bis heute nicht bekannt ge- worden. Da selbstverständlich auch der deuische Staatsbürger wissen muß, was der Staat ihm gebietet und verbietet und er sich ans diesem Grunde nicht die Kenntnis der Sprache des HerrenvolkeS aneignen kann, ist er genötigt, zu privaten Ucbcrsctzungcii der Gesehe und Ber- Ordnungen zu greifen, die jedoch einerseits naturgemäß spät erscheinen und nur die wich- tigslc Materie enthalten, anderseits aber so teuer sind, daß sich nur bemittelte Personen den LiiplS der Anschaffung solcher Uebersctzun- gen leisten können. Mas für eine G e f ä h r dies für die Rechtssprechung und Ausübung derBcrIvaltnngStätigkeit, besonders im deutschen Sprachgebiete bedeutet, kann nur derjenige ermessen, der die betreffen- den Verhältnisse aus eigener Wahrnehmung kennt. Es gehört honte nicht zu den Seltenheiten, daß im tschechischen Sprachgebiete Eni- schcidnngcii und Verfügungen der Gerichte und Verwaltungsbehörden ergeben, welche sich auf frühere, seither aufgehobene oder abgeänderte Gesetze und Verordnungen stützen, Niid sohin gegen letztere verstoßen, weil eben der betreffende tschechische Richter und Verwaltungsbeamte sich einfach in dem Wust der Materie gar nicht mehr auskcnnt und nicht in der Lage ist und vielleicht auch nicht die Zeit hat, die Ar- Veiten der Legislative zu verfolgen und die amtliche Sammlung der Gesetze und Berord- nungen zu studieren. In noch schlimmerer Lage befindet sich aber der dcntsche Richter und Vcrlvaltungsbcamte, der ans nia,igelnder Kenntnis der tschechischen Sprache die genannte amtliche Sammlung gar nicht lesen kann und vielleicht von dem Inhalte derselben nur das weiß, was ihm der zufällig die tschechische Sprache beherrschende Amts- diener oder sonst eine dritte Person mitteilt. Und in Mitleidenschaft gezogen ist dann der- jenige, für welchen die betreffende Entscheidung oder Verfügung bestimmt ist. In eingeweih- ten Kreisen ist eS z. B. bekannt, daß es beson- dcrL die deutsche Bevölkerung dcS Staates war, welche die Folgen der so rigorosen Bestimmun- gen der Rasinschen Finanzgcsetze besonders hart trafen und daß viele von denen, die wegen Verletzung dieser Gesetze straf- oder gefällsge- richtlich verurteilt wurden, einfach Opfer der Unkenntnis der Gesetzessprache wurden. Auch der deutsche Arbeiter und Ange- stellte ist aus Mangel an Zeit und wegen Unkenntnis der tschechischen Sprache in den meisten Fällen nicht in der Lage z« wissen, welche Pflichten ihm der Staat auserlegt und welche iiiechte er ihm gewährt. Der Klub der deutschen sozialdentokratifchen Abgeordneten und Senatoren wird bemüht sein, sich dafür einzusetzen, daß die Gesetze und Verordnungen, wenigstens so, wie es im alten Oesterreich der Fall war, in authentischen billig zu beschaffenden Ucbersetzungen allen Bevöl- kernngSkreiscu zugänglich werden. Unsere Bar- teiblätter hüben bisher wenigstens die wichtig- sten Gesetze und Verordnungen ihrem Inhalte nach ihren Lesern mitgeteilt, um so tunlichst deren Schädigung zu verhindern. Unser Zeil- traloryan wird auf diesem Wege fortfahren und dte wichtigsten Gesetze und Verordnungen, welche die Interessen der breiten Schichten.der Bevölkerung,berühren, erläutern.""'' 11. September 1021. Sozialdemokrat (Scmctukpolitik.|I««b lind de» Vereinigten Staaten die gleichen Von einem Mitglied der Präger Gemeinde.^ fäÄÄ privatkapitalistische Gesell- crtrctnng wird uns geschrieben: Wenn m Prag die gc- ! feindlichen Unternehmungen mst unglanb- Wir s.nd m d.c Präger G-meindestube ein-'lichen Fehlbeträgen arbeiten und» schreck' ll kT. H"ffnnng, unS emem so,ia-1 l-chstcr Weise geleitet locrdcn. so liegt das nicht ist,scheu Block einzufügen, loclcher von den an der Kommunalisier,,na. londer»?i o d 5ozialreformern bis zur äußersten Linken, den entigen Konimunistcn, reichen würde. Wir ioflci, sogar, in sozialen Fragen zum winde« ,cn, ans ein gewisses Verständnis bei den sch-chischen nationalen Parteien zu stoßen, velche„ach ihrer Vergangenheit tvcit früher ,lS die deutschen bürgerlichen Parteien einac- ehe,, haben mußten, daß die kulturelle- und ilononnsche Hebung eines Volkes nicht in der iZevorzngung der oberen Zehntausend, sondern in der Ergreifung der Millionen arbeitender Menschen bestehen muß. Wir sind enttäuscht vordcn. Als mich der Vertreter einer frei,,- !>cn Gesandtschaft fragte, welche sozialen Taten die Präger Stadtgcmeindc in den lebten zwei Fahren durchgeführt habe, nnißtc ich'ihn, lci- der antworten: keine. Die Zuziehung von Vertretern der Arbeiter in die Verwaltungs- eätc und Kommissionen der städtischen Unter- »chmungcn kann nicht als erfolgreich bczc' „et werden, als erst in den letzten Wochen diese Vertreter das Recht bekamen/ auch in anderen als in Personalangelegenheiten mitzusprechen. Auch die Erhöhung der Gehalte und Löhne bedeutet eigentlich nur eine Umrechnung aus einer besseren in eine schlechtere Währung. Von einem umfassenden sozialkommnnalen Plan ist bei den übrigen Parteien nicht die Rede gewesen. Wir selbst haben in der Bnd- gctdcbattc zu Ende des Jahres 1010 einen sol- chen entwickelt, indem wir vorschlugen, es seien die Löhne und Gehälter der 12 000 Auge stell _ Kommnnalisiernng, sondern einzig und allen, an der Leitung. Es gibt kapitalistische Unternehmungen, die verkracht sind und sozia- Wüsche, z. V. die Zciswcrke in Jena, welche "rl~ glänzende Gclderfolgc haben, sondern allen Fortschritten der Technik sofort gerecht werden. Wenn die städtische Gasanstalt in der ganzen Zeit ibres Bestehens nicht einen Kreuzer für die Nckonstrnltion zurückgelegt hat. so ist das nur ein Beweis, daß im Vcrwak- tungSrate derselben nicht ein Mensch saß, welcher seine Pflicht getan hat. Das franzö- fische Angebot, welches Herr Ludila vcrinit- tclte, war ein so unglaublich schmähliches, daß eS uns ein Leichtes war. dasselbe zu Fall zu bringen. Wir haben uns dagegen den Dank der Stadt und ihrer Einwohner erworben. Dies alles zur ersten Ucbersicht für unsere Gcnosici, in der Republik. Wir hoffen, daß unsere Vertreter in den anderen Städten unS gleichfalls ein Bild ihrer Tätigkeit liefern werden, welche? zeigt, daß die dentsche sozial- demokratische Arbeiterpartei versteht, auf dem Boden der Kommunen den sozialistischen Gc- danken vorzubereiten. Ilolkswirtschast und Sozialpolitik. Ter Streit um die Goldmilliarde. Am 01. Aug,ist hat Deutschland den Alliierten eine Milliarde Goldmark bezahlt, welche zufolge eines Abkommens zwischen den Eiitciitcstaatcn, das am 13. August in Paris unterzeichnet ten und Beamten Prags— in Groß-Prag wurde, zwischen Belgien und England" cmfge- werden es über 20 000 sein— zu dreiviertel stellt worden ist. Damit hat Deutschland die- „, Form von Natnralcntlohnungcli zu einem Viertel in Geldentlohnung z„ leisten, welche letztere den Wechselnden PrciSverhältnissen angepaßt werden solle. Zu diesem Zwecke solle daran gedacht werden, auf dem von der Gemeinde zu erwerbenden Großgrundbesitzen Wirkliche Gartenstädte zu errichten, etwa mit je 600 Quadratmeter Oberfläche, 20 Höfe in der Umgebung Prags anzukaufen, welche die Lebensmittel für 20 000 Menschen liefern würden, endlich Kohlengruben zur Lieferung des notwendigen HcizmatcrialcS. Als die Gc- ,Heinde den Großgrundbesitz Motol ankaufte, beantragten wir, ans den erworbenen Gründen eine Gartenstadt für die verheirateten Auge- stellte» der elektrischen Unternehmungen an- zulegen. Diese würden ja vor allen, in der Lage sein, eine derartige Bcsicdclung auSzu- nutzen. Ein andermal beantragten wir an den Endpunkten der elektrischen Bahnen Kantincn für die Angestellten zu errichten, in welchen sie für billiges Geld die Mittagsmahlzcit und die Jause erhielten. Dadurch wäre den Frauen die unwirtschaftliche und quälende Last erspart worden, zweimal von weither ihren Männern ein inzwischen kalt gewordenes Essen herbeizuschaffen; sie wären dadurch all- mählich an den Gedanken gewöhnt worden, daß ihre Männer in der Stadt Dienste tun, während sie selbst allenfalls mit erwachsenen Kindern der Bebauung und Pflege des Gar- tcns obliegen könnten. Alle diese Anträge von, umfassendsten bis zu dem eben geschilderten kleinsten haben kxincn Nachhall gefunden. Der Gedanke der Errichtung von Garten- städten mit Einfamilienhäusern, welche allein dem Arbeiter ein menschenwürdiges Heim vcr- bürgen, haben>vir nochmals aufgenommen, bei Behandlung der Frage, was die Stadt mit den erworbenen Großgrundbesitzen anfangen solle. Obzwar ausgesprochen wurde, daß die Stadt durch den Erwerb des Grundes dem Bodcnwuchcr entgegenarbeiten könne, so er- gibt sich doch von selbst, daß bei Erbauung viclstöckiger Zinshäuser es wiederum zur Bcwuchcrung der Mieter kommen müsse. Wir schlugen deshalb vor, daß die Stadt nicht mehr den Grund und Boden, sondern einzig do.S Baurccht verkaufen solle. Es ist daS jene Form, auf Grund welcher im Mittelalter bei- nahe alle deutschen Städte errichtet wurden und die sich ja in England als building lcasc dauernd erhalten hat. Es ist hier noch nicht der Ort. über die volkswirtschaftliche Beden- tllilg dieser Einrichtung ausführlich z» jprc- chen, aber wie wenig sie gekannt ist, beweist die Tatsache, daß eine tschechische sozialdemokrati- schc Baugenossenschaft, als man ihr vorschlug, von der Stadt nicht den Grund und Boden, sondern nur das Baur-cht zu kaufen, dicZ im Vorhinein ablehnte. Wir hoffen, durch cine öffentliche Enquentc, wie sie der Justizministrr Dr. Klein über dieselbe Frage im Jahre 1000 in Wien abgehalten hat. weite Kreis- der Be- Völkern,ig über diese Einrichtung aufzuklären. Einen streng sozialistischen Standpunkt nah- wen wir auch gegenüber dem Gedanken ein — welcher sogar von tschechischer sozmldemo- kratischcr Seite unterstützt wurde— die stadti. scheu Unternehmungen an private Aktiengesell- schaften zu übergeben oder zum mindesten das '/'•i» v.«'• zr. CVit fmhi-ror sin beiden Mächten die Bcsatzuiigskosten ihrer Truppen bezahlt, während die Kosten der französischen Besetzung auf die Saargruben, die im Friedensvertrag von Versailles den Fran- zoscn abgetreten wurden, verrechnet werden. Nun ist zwischen den Alliierten ein Streit über die Verteilung der Goldmilliarde ausgebrochen. Der französische Finanzminister hat das Ab- kommen vom 13. August unterzeichnet, die französische Regierung erließ jedoch vor einigen Tagen die Erklärung, daß sie gewisse Fcstsctzun gen des Abkommens nicht anerkennen könne. Frankreich beruft sich dabei ans den Artikel 4." des Vcrsaillcr Friedensvertrages, der bestimmt, daß die Saarbergwcrke als Entgelt für die zerstörten Kohlengruben Nordsrai,lrcichs zu gelten haben. England verficht jedoch die An- ficht, daß sich das Abkommen vom 13. August auf den Artikel 233 des Vcrsaillcr Vertrages beziehe, in welchem von den Barleistungen Deutschlands die Rede ist. Frankreich bcsürch- tct, daß, falls sich die Voraussetzungen cngli- scher Volkswirtschafter über den wirtschaftlichen Znsammcnbnlch Deutschlands erfüllen sollten, »verde eben Deutschland nichts anderes als die eine Goldmilliarde gezahlt haben, die zwischen England und Belgien aufgeteilt wnrdc, und Frankreich gehe leer anS. Zn den politischen Streitfragen unter den Alliierten tritt demnach noch der Streit um die Verteilung der deutschen Reparation. Erhöhimg der deutsche!, Kohlciiprcisc. n^sch m.-n« rnng unterstützt werden, als es unter der Mi- nistcrschaft des Dr. Grnbcr der Fall tvar. Der Lohnkampf im Baugewerbe. Durch daS zweite Hanprstück des Gesetzes vom 11. März 1021, Nr. 100 d. G. S. wurden zur Regelung des Arbeits- und Dienstverhältnisses in den Baugewerbe,,, sowie in den Unter- nehmungen, die Baumaterialien erzeugen und befördern, Schiedsgerichte eingesetzt. Tie Schiedsgerichte sollten den Zweck haben, Unter- brcchungcn i» den angeführten Unternehmungen durch drohende, oder schon ausgcbrochenc Differenzen zu verhindern und auf' kürzestem Wege zu schlichten. Wie kurz ein solcher Schlichtungsweg ist, soll nachstehend dargestellt werden. Am 4. Juli l. I. reduzierten ans Be- schluß des Arbcitgcbcrbiindcs für das nordböh- mische Baugewerbe in Rcichciibcrg, die Unter- nehmer, die Baiiarbeitcrlöhne im ganzen Handelskammersprengel Rcichcnberg.' Die Bauarbeiter beantworteten diese Lohnrcdnzic- rnng mit Arbeitseinstellung. Mehrere tanscnde Arbeiter standen durch fünf Wochen in Streik. Da eine Einigung mit den Unternehmer» nicht zu erzielen war. wurde auf Grund deS tz 13 des oben angeführten Gesetzes daS Ministerium für soziale Fürsorge durch cine Eingabe er- sucht, das Schiedsgericht einzuberufen. Der Eingabe wurde stattgegeben. Es wurde eine Verhandlung anberaumt, jedoch nicht durchgc führt, weil ein Unternehmerbeisitzer des Richtersenates vorgezogen hatte, nicht zu erscheinen. ic zweite Verhandlung wurde für den 3. August anberaumt, jedoch wieder vertagt, weil die Unternehmervcrtretcr die Lohnred» zierung für vollkommen berechtigt erklärten. Tie Löhne in Nordböhmcn seien die höchsten, und außerdem sei a»S den Mitteilungen des Ministeriums für Volksernährung vom 20. Juli 1021, Z. 4768212780 ai 1021, Abt. 3, zu ersehen, daß die notwendigsten Bedürfnisse einer dreigliedcrigen Arbeiterfamilie im Mo „at Juli 1021 sich zirla um 10!M niedriger stellte als die Ausgaben im Juli 1020. DaS Lohnschiedsgericht entschied, sich die dieSbezüg liehen Informationen von den zuständigen Ministerien einzuholen, um festzustellen, ob die Lohndiffcrciiz zwischen Prag und Nordböhmcn gerechtfertigt sei. Fünf Wochen sind seitdem verflossen und trotz zweimaliger Urgcnz beim Ministerium für soziale Fürsorge ist die Ver Handlung noch nicht anberaumt. Begründet wird die Verschleppung damit, daß das not wendige statistische Material von den Mini stericn nicht zn haben sei, eine Behauptung die sehr unglaubwürdig ist, da jedermann der sich für diese Dinge interessiert, dieselben in zwei Stunden haben kann. Tie Sabotage hat bewirft, daß ein neuerlicher Streik von taufen- den von Arbeitern jeden Tag ausbrechen kann. Die Sclmld fällt auf den Vorsitzenden des Lohnfchicdsgerichtes und daS Ministerium für soziale Fürsorge. Statt Differenzen zn Mich- ten, werden solche von diesen Stellen geradezu provoziert. Die wirtschaftliche Station des statistischen StaatSamteS gibt Jndcrziffern heraus, welche eine für beide Streittcilc an- nchmbarc Grundlage zur Schlichtung von Lohnstrcitigkcilen bietet. Diese Indexziffern sagen»n», daß die Ziffer für Nordböhmcn im Durchschnitt um 307 oder um 10.23 Prozent :» diese Verbandslonfcrenz dazu dienen soll, für die nächsten Ausgabe» unseres Verbandes, in dieser wirtschaftlich schweren Zeit grundlegende Beschlüsse zu fassen und eine derartige Verbands- konferenz auch mit sehr hohen Kosten verbun- den ist, hält es der VcrbandSvorstand für uner- läßlich notwendig, vor Abhaltung dieser 2! cv- bandSkonfcrcnz zuerst volle Klarheit im Vcr- bände zu schaffen, was die Mehrheit unserer Mitglieder zu der gegebenen Situation für eine Stellung einnehme,, wird. Diese Klarheit soll sowohl durch daS Fachblatt, als durch Kon- screnzen in alle» Bcrbandsqebietcn hcrbeige- führt werden. Nachdem es nun durch die von den Kommunisten herbeigeführte Situation notwendig geworden ist, diese aufklärende AgitationSarbcit im ganzen Verbandsgebietc durchzuführen, Wird es technisch unmöglich, gleichzeitig die Vorarbeiten, Tätigkeitsberichte, Kassenberichte usw. zu machen und sieht sich der VcrbandSvorstand deshalb veranlaßt und genötigt, die Verbandskonfercnz zn verschiebe», bis über die Verhältnisse im Verbände Klarheit geschaffen ist. Der Vorstand hat durch aus nicht die Absicht, die so notwendige Abhal- tnng der Verbandslonfcrenz auch nur um eine Woche länger hinauszuschieben, als dies zur Klarstellung und zu den technischen Vorarbci ten notwendig sein wird. Sollte sich nach der Klarstellung ergeben, daß die Mehrheit unserer Mitglieder mit der bisherigen Tätigkeit n»se> res Verbandes nicht einverstanden ist und de» Willen hat, den Verband unter die Aussicht und unter das Diktat der Kommunistische» Partei zu stellen, dann wird der VcrbandSvorstand im Bewußtsein, die Mitglieder noch recht- zeitig aufgeklärt»nd vor diesem Schritte gc warnt zu haben, sich jeder Verantwortung cnt bnnden wissen und dam, der Verbandskonfe- rcnz die Wahl des freien Entschlusses ruhig überlassen." EBSHBBBBaBasBHBgm M«ufere Leser! In einige Orte kamen die ersten Nummern des„Sozialdemokrat" verspätet an. Wir hatte,,„och mit technischen Schwierigkeiten in der Druckerei und bei der Versendung zn kämpfen. Unserem energischen Bemühen ist eS nun gelungen, die rechtzeitige Herstellung und Vcr- sendnng des Blattes zu erreichen. Wir hoffen, j daß es unS auch bald gelingen Wird, das Blatt j von den Druckfehlern zu befreien. Wir bitten niiscrc Leser»in Entschuldigung und Nachsicht. Von nun an wird daS Blatt zeitgerecht und ordentlich anSgcstaitct zur?l„Sgabe gelangen. li„, 0.' September.(Tsch. P.-B.) Nachdem! durch die letzten Verhandlungen zwischen'Ar-^'/BenumS snr oillll-ctnahrung>st die Jah- beitgcbern und Arbeitnehmern im Bergbau^k.snmmc surdie notwendigsten^ cbatsSar- ab 1. September eine Lohnerhöhung von i /> bis 10 Mark pro Mann und Schicht verein- bart wurde, haben die Organe der Kohlen- Wirtschaft für das Rhein westfälische Revier eine Preiserhöhung von 21 Mark pro Tonne ausschließlich der Steuer beschlossen. Ausfuhr von Pflaumen.„Tribüne" meldet, daß bereits seit längerer Zeit mit einer cngli- scheu Gesellschaft wegen Ausfuhr von Pflaumen verhandelt werde. Trotz des Protestes des Mi- nistcriums für Volksernährung wurde die Ausfuhr von 60 Waggon Pflaumen gestattet. — Billiger werden dadurch die Pflaumen gc- .ade nicht.'Aber die Hauptfach«- ist, daß die Zwetschkcnagrarier große Profite machen. DaS Vangefetz.„Pravo Lidi," schreibt, daß das Gesetz zur Unterstützung der Baubewcgung da? Ergebnis eines unglücklichen Kompromisses gewesen sei. In diesem Gesetze werden auf die private Bautätigkeit die größten Hoffnungen gesetzt. Während die Bedingungen für den Dan von Häusern durch gemeinnützige Körperschaften verschlechtert wurden. Tic Banbcwcgung ist so gering, daß es dazu eines eigenen Gefet- zeS wahrlich nicht bedurft hätte. Soweit heute gebaut wird, geschieht dies seitens der Gemeinden„nd WohiuingSgenosienschaften, welche aber durch daS Gesetz keine besonderen Vorteile erhalten haben. In einigen Monaten erlischt die Gültigkeit des Gesetzes und sein Ergebnis ist unerheblich. Vor allem deswegen, weil die Banken, die in der Waren- und Effektcnspckn- lation viel mehr verdienen, kein Geld hergeben. Das Gesetz würde dringend einer Novcllierung bedürfen lind zwar in der Richtung, daß die Bedingungen für das Bauen von Häusern sei- tens der Gemeinden und Wohnnngsgenossen- erleichtert werden. Auch die Lösau- gemischte System einzuführen. In anderer tens de Weile will der Führer der Nationalsozialisten, schaften, Bohae, d e kommunalen Unternehmungen in ka- leihe ist mißgluckt und dw künftige parlamen- VitalisHitiSo S Hüffen in' er die Grün- tarische Regierung wird„ch mit der Wohnung?. SÄ« Äniffiii vorschlägt, welche frage ernstlich beschäftigen müssen DaS Blatt ? städtll^n Unternehmungen verwalten schlägt vor, daß eine Beratung der BeAreter solle Bekanntlich ist die Idee der Kommunali--- j der Gemeinden und Wch)nungSgcniosMschastcn siemna in Mitteleuropa am weitesten durch- stattfinden solle. Freilich mußte die Baubewe» ScfühZ worden, Währe,ch in Frankreich. Eng-! gung in ganz anderer Wc.se scttcnS der Regie- tikel einer dreiköpfigen Arbeiterfamilie im Juli 1020 mit 17 771.20 Kronen, im Juli 1021 nüt 14£83.23 Kronen ermittelt worden. Di? Senkung beträgt deshalb 0.26 Prozent. Ans Grund der von den nordböh,„ischcn Bauunternehmern gestellten Forderungen, wurde als Grundlage der Errechnung des Tariflohnes des abgelaufenen Vertrages eine Arbeitszeit für die Bauarbeiter von 2000 Stunden im Jahr angenommen. Dieses Pensum erreicht in Wirklichkeit nur ein sehr geringer Bruchteil der Bauarbeiter. Die BercchmlngSgrnndlage aber angenommen, ergibt, daß selbst in den Orten mit den höchsten Löhnen in Nordböh- inen aber aucb in Prag mit der niederen Indexziffer, nirgends ein Lohnsatz gezahlt wurde, wie er durch die amtlichen Ziffern als Mindesteinkommen bedingt ist. Der Stunden- lohn im Juli 1020 hätte 8 88 Kronen, im Juli 1021 7.44 Kronen betragen müssen. Gc- zahlt wird in Nordböhmcn als Höchstlohn 0 Kronen, in Prag 6.70 Kronen. ES scheint fast, daß diese amtlich festgesetzten Tatsachen, die Ursache der Verschleppung seien. Denn nach diesen Tatsachen, muß daS LohnschiedSgr- richt nicht bloß die Lohnreduzicrnng aufheben, sondern auch die geforderte Erhöhung der Löhne alS gerechtfertigt„nd den Talsachen entsprechend und notwendig erklären. Will daS Schiedsgericht und das Ministerium für soziale Fürsorge den Glauben an Recht und Gesetz bei den Arbeitern nicht vollständig erschüttern, soll nicht ein neuerlicher Konflikt im Baugewerbe ausbrechen, muß unverzüglich, sofort die unbegründetcrweise verschleppte Verhandlung anberaumt und die Entscheidung im Sinne der amtlichen Ziffern gefallt werden. Verschiebung der Berbandskonscrcnz der Glasarbeiter. In der nächsten Zeit sollte cine Konferenz de? ZcntralverbandeS der GlaSar» beitcr, Sitz Tannwald stattfinden. Der VcrbandSvorstand hat nun beschlossen mit Rücksicht auf die kommunistischen Quertreibereien im Verbände— am LI. August hat cine Konferenz kommunistischer Glasarbeiter stattgefunden der Partei. BczirkZorganisalion Prag. DicnStag, den 1.';. September um 8 Uhr abend? im kleinen Urania- Saal, Prag II, Snictschky 22. Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Ter Bor- marsch der Reaktion. 2. Wahl der Delegierten zur BczirkSkonserenz. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist da? Erscheinen aller Partei- Mitglieder Groß-PragS dringend geboten. BczirkSkonscrciiz Grulich-Schitdbcrg. To,,»- tag, den 18. September 1021. Auf der Tages- Ordnung steht unter anderem: Stellungnahme zum Parteitag und Wahl der T-clcgierlcn zum Parteitag. PezirkSkonscrcnz Lobositz. Sonntag, den 11. September 1021. Auf der Tagesordnung siebt unter anderem Wiederaufbau der Organisationen. BczirkSlonscrcnz LandSkro», Wildcnschwcrt, Leitomischl und Palitschka. Sonntag, den IL. September 1021 in Landskron. Vereinsnachrichten. Neichskottsercn; der Naturfreunde. Sonntag, den 25. September 1021, vormittags 3410 Uhr, findet in Prag Ik, Füg«?- rovo mm. t. im Speisesaale der Kroßeintzms»- gesellschaft, die außerordentliche ReichSkon- screnz laußervrdenlliche Ha>chtvcrjammlurg> de? TourislenvereineS„Die Naturfreunde" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rechenschaftsbericht: a) deS Vorsitzenden, b) de? Kassiers: 2. Beratung über die Statutenänderung: 8. Konstituierung und Wahlen: 4. Presse; 5. Per« bandSangelegenhciten. Zur Teilnahme an dieser Konferenz» die im Einvernehmen mit dem Z.-A. einberufen wurde, sind sämiliche GauleNunge» verpflichtet. Die Ortsgruppen in der Republik lind berechtigt, einen Delegierten zu entsende». Die Delegierung erfolgt aus Kosten des betreffenden Gaues oder der bctrcsfenden Ortsgruppe. Tie Konferenz dürfte voraussichtlich den ganzen Tag dauern. Ansprüche wegen Beislcllung von Nachtquartier lind an den Vorsitzenden der Proger Kruppe, Genosten Ernst Sernod. Prag II, tzügnerovo, zu richten. frii-r die provisorhchc LondeSleitung: Theodor D i e t t,' Jakob Hummer, Vorsitzender. Schriftführer. I ■r 0 v: ,< 1 3' 0 t c d 1 k 3 ©ctte iL S«U'if{«u'octcftt„Die Naturfreunde". Ortsgruppe Prag. 71, Fngnerovo nain. 4. Sonn- lug, den 2ki. t>. NJ. findet in Prag die 1.*.R c i d) ö- lonfetcn) de» Verbandes der Ortsgruppen in der Tschechoslowakei statt. Da für die Dcle. gierten schon seht Nachtquartiere besorgt werden ■müh'-.'u, ersuchen wir»»scre Präger Parteige- nofse», uns diesbezüglich an die Hand zu gehen und uns mitzuteilen, wer geneigt wäre, unsere Wüste aus eine Nacht bei sich zu beherbergen (ieibslverständlich gegen entsprechende Vergütung).— Mittwoch, den 13. d. M. M i t- gliederversammlung im Gold. Kreuzel um 20 Uhr abends, zu der alle zn erscheinen habe».— H c r b st w a n d c r u n g in die Dan- baer Schweiz: Liboch-Widim. Treffpunkt Sams- tag, den 17. Sepien,bcr Wilsonbahnhof, 14 Uhr. Rückkehr: Sonntag, den 18. d. M. gegen 22 Uhr. Fahrkosten K 19.—. Wegen Beschassimg von Nachtquartier sofortige Amncldnng nötig. Gäste willkommen. e«ftßUC8toU«:t Kunst und Wissen. Carmen, Cpcr in 4 Akten von Georges B i- z e t. Das Neue Deutsche Theater beweist zu Bc- ginn dieser Saison stärker denn je, daß es auf den Stil der romanischen Oper nicht kommen kann. Statt eines Tonwerkcs lodernder Leiden- schaft, verschwenderischer Melodiösität, bot man uns ein Bild railoser Zerfahrenheit, dem erst einige Akteure der Bühne Znsammenhang und Leben schenke» mußten. Das ist eine Sünde ge- fYii ein Werf, das fem Meister im tiefsten Sinne „musikalisch" schuf, darin er mit den feinsten Mitteln Wagncrschcr Technik ein Tondrama schuf, streng geschloffen und voll atemloser Stei- gcrung. Die konstruierende Tätigkeit deS Diri- gcnten vorauSgcscht, muß innigster Kontakt zwischen musikalischer und Spielleitung bestehen. Wenn es überflüssig wäre, diese Binsenwahrheit aufzutischen, wären die störenden Lücken im Flusse der Aufführung, wäre das unpassende und — leider auch—„»berechtigte Primadnnnenbe- nehmen einzelner Sänger, das ganze Treiben unseres Chors unmöglich. Auch sein ursprünglicher Bereich, der Gesang, scheint als Nebensache bc- handelt zu werden, besonders seine Aussprache. Mittelpunkt der Aufführung, nicht nur als Dar- stellerin der Titelrolle, war Aline Sauden. Die Künstlerin spielt diesen elementare», nn- glückseligen Wildling mit soviel erdenIsproßcnrr Leidenschaft, mit soviel geistreicher Noblesse, daß man darüber gewisse gesangliche Unzulänglich- keilen vergißt. Eine bemerkenswerte Leistung war auch der Don Jose deS Herrn Nachod. Der Sänger verstund eS, mit vornehmer Technik sein schweres Organ dem lprischen Charakter der Partie erfolgreich onzilpaffen. Gr. Neues Deutsches Theater: Heute nachm. die erfolgreiche Operette„Der Tanz ins Glück". Morgen Montag die unterhaltsame französ. Komödie„Mein Freund Teddy". Mittwoch Gastspiel Susanne Jicha:„Rose,,- k a v a l i c r." Dirigent: Z e m l i n s k y. Freitag Mozarts iicuinszcnicrtc Oper„Cosi fan t u t t er". Herm, ne MedelSkp. Es ist der Dvre'k- tion gelungen, Herinine Medclsky, das lang- jährige Mitglied unserer Landesbühne, auch weiterhin für das Deutsche„ Landcslheatcr zu verpflichten. Neninszenicrnng„Die Weber". Ger- hart Hauptmanns schlesischeS Bolksdrama„Die 933 c b c r" wird unter Spielleitung von Hans Demes und Mitwirkung de» gesamte» Schau- spielprrsonals Donnerstag vollständig neuinsze- niert zur Aufführung gelangen. Kartenverkauf ab heute. Gastspiel Ida Roland. Ida Roland wurde für ein mehrabcndlichcS Gastspiels ge- Wonnen, das am Samstag mit Hans Müllers Sittendrama„Die Flamme" beginnt. Sonn- tag abends spielt die Gastin die Meisterrolle der „Zarin" m Lcngycl-BiroS gleichnamiger Komödie. Gastspiel Aline Sauden— Richard St ubla. Heute abends verabschiedet sich Kam- mersängerin Aline Sauden als Santnzza-Nedda in„Eavalleria rusticana" und^33a- j a z zo". Richard Knbla singt nächsten Sonntag nachmittags den Rudolf in PucciniS„33 o- hcmc". ^lim Bilds durch die Well." 1V IIrante Vorträge am S o n n t a g n a ch in i t t a g. Für diese Art von Lichtbildervorträgen, die sich bereits im Vorjahre großer Beliebtheit er- freuten, gibt die Urania ein Abonnement für 10 Vorträge(jeden 2. Sonntag) heraus. Von den Themen seien genannt: Die hohe Tatra— Eine Reise durch Island— Rothenburg a. d. Tauber — Nürnberg— Venedig— Die Dolomiten— Dos Wunderland der Pyramiden— Ein Blick auf Sizilien.— Bon auswärtigen Vortragenden werden n. a. in dieser Reihe sprecht,!: Reiben- 11. September llSA. stein-DreSben, Direktor ZeNnka-Pilsen. I« „aischkc-Anssig, Schxlrat Simon-Brünn.— Ba ginn der Reihe: Sonntag, den 0. Oktobe, 4 Uhr:„Das unbekannte Spanien! (100 Lichtbilder). Vortragender: ForschnngSrci sendet Kurt Hiclscher-Berlin. Abonnv ment für alle 10 Vorträge: Für Ilrania-Mit gliedcr 30 Kronen, für Nichtenitglieder 3ö j< Kartenverkauf nnd Mitgliedcrcmiiicldnngcn ii der Nrania-Kanzlei. Smetschkagaffc 22(10—i und 4—7 Uhr). Turnen und Sport. Sport von hentc: S. St. Slavtn gegc, Viktoria Zizkow(Meisterschaftsspiel). S. K. Bnbencc gegen D. F. C. kombi, „irrt. Die gestern am Sparta-Play begonnene» internationalen leichtathletischc» Weit kämpfe finden heute ihre Fortsetzung Allerbeste europäische.Konkurrenz. Am zahl reichsten ist die Beteiligung aus Deutschland unt Oesterreich. A. E. Sparta Prag schlägt in Genf F. E. Gs növe 3:0. Goale: Meduna, Pilat itnd Hoher. Wiener Fußball. Rapid gegen RndolfShügei 1:0.— Amateure gegen Floridsdorfer Sl. E. 2:1 Heute findet in Paris ein leichlatbletischr» Länder weit kämpf E» glan d—F rank, reich statt. Herausgeber:: Dr. Lndlvig Ezcch und.Karl Eermak. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strang Druck: Akticngcscstschast Tribnna, Prag. elmann D C2 Cclctaa 30 FR. AG 1 »aas» p/ Cclcfriä 30 3 Caf£ ,Ro ic* KnabenanzOge von K£ 320.— Knaben-Raglan„„ 350.— Knoben-Schlicier„„ 340.— Kinder-Kostümo„„ 160.— Matrosen-Kostüme„„ 220.— Manchest.-Kostüme„„ 260.— Kinder-Höschen„ ,, 45.— Herren-Anzüge von K£ 490.— Herren-Überzieher„„-100.— Hcrrcn-Schliclcr„„ 450.— Hrn.-Kinlonornglan„„ 450.— Herren-Gummimäntel„ 360.— Impr. Watterprolmäntol„ 800.— Herren-Hosen„ 130.— Paletots, Stadt- und Wirtschaftspelze, Siadisaccos, Mikado, Breecheshosen. Sämtliche Waren aus reinen WollstoIIcn, solid und modern ausgefertigt. Eigene Werkstatte- Spezielle Massabteilung- Organisierte erhalten Rabatt. 20 ä 1 \ ptiker-'f l(iLWifcso h... ]| Önxbe*,25 JU.&cuzar f, f 10 moderne Brillen, Zwicker, Keisszeuge. 4 5 vtreisiiie Baiiipitterei aafl Mscle Ptuzerei Fer P-K- Mi»».,ff! ,55 Gastwirtschaft „Ltdov^ dflm! der Genossenschaft„Ganymed' Prag IL, Hybcrnskä 7. ! Genossen unterstützet das gcnonsensch. 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Für die Verwaltung des „Sozialdemokrat" in Prag werden!ür die deutschen Provinzstädte in der tschechoslowakischen Republik tüchtige igreMreter gegen Provision gesucht Zuschrilten nur von seriösen Bewerbern unterChiüre .Tagblatl' an die Verwaltung erbeten. i Utile Bücher, I ! Broschüren, | Zeitschriften, / wo immer wimim, Helen schnellstens I« f: BnciibüDiiliiny Freiheil, Tepliiz-SciiDDQQ y Thcresiengasse 13. Stonsumvereine ' y* sly-■>!/ s' s mzryf /"Si tr-J7"' r— ^ »i/'> 'isur m c M^rig^ross /iGZiS(er^ es