Nr. iS MMvoch, ft. September 1921. , ozialöemokmt ^ cr deutschen sozialdemokratischen tt dmterparter m der tschechoslowakischen Republik. Redaktion und Verwaltung: Prag U Savliökonn«-- ,,„ Telefon 6795, nacht, 6797 Telegramm.Adresse: Eozlaldemvkrat'Praa 6„ e„ b'» gungen: Bei Zustellung in« Saus oder bei B-,»g bittdi die Post Postsparkassakonto 57244. viertelzahrltch 48— Kc, halblährig Off— Kc, gan,iSl>ng 192— Kc. Für D-utschSsterreich monatlich 120— öK, für " Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh monatlich 10'— Kc, Deutschland 16'— Mk. 0ic Mörder Cr)bergers ermittelt. Zwei Bube» aus der Ehrhardt-Brigade. Berlin, 13. September.(Drahtbericht des„Sozialdemokrat^. Nach einer Wolff-Mel- dnng aus München hat die badische Staatsan. waltschaft beide Mörder Erzbcrgers ermittelt. Es handelt sich nm den 28jährigen Kaufmann Heinrich Schulz aus Saalfeld a. d. Saale und um den 27jährigen Studenten Heinrich Till essen aus Köln-Lindenthal, die beide der Erhardt-Brigade angehörten. Diese Er- Hardt-Brigade ist das berüchtigte Freikorps, das den Kapp-Putsch im März 1320 durchge- führt hat, scheinbar aufgelöst ist, in Wirklich, lcit aber immer noch im Geheimen weiter be- steht. Die Mörder selbst sind noch nicht der- baflct. Man nimmt an, daß sie a u ch a n d e m Morde des unabhängigen Abge» ordnete» Aareisbeteiligt sind. Die Berliner Polizei hat eine ganze Familie in Berlin festgenommen, bei der sich beide Mör- der anfangs August aufgehalten haben. Es ist dort Material beschlagnahmt worden, das so- vohl die Mörder als auch die Familie schwer '«lastet und aus dem hervorgeht, daß die FS- >cn bis nach München zu rechtSra- ikalenKreisenreichen. Es muß noch «merkt werden, daß die badischen Behörden ici ihren Nachforschungen in München auf den mtschicdcnen Widerstand der bayri- ,chen Polizeibehörden stießen. Es ist »»zunehmen, daß die beiden Mörder sich auch jetzt noch in Bayern befin- den. Leschlüsse des Völkerbundes. Genf, 13. September.(Tsch.-P.) Die dritte 'Kommission für Blockade und Abrü- st u u g setzte heute nachmittags unter dem Bor- sitze von Branting(Schweden) in öffentlicher Sitzung ihre Beratungen über die praktische Durchführung sowie der Anwendung der Blok- lade gegen ein vcrtragsbrüchiges Mitglied des Völkerbundes fort. Die Debatte drehte sich um Auslegung und Anwendung des Artikels 16. Die meisten Redner waren sich darin einig, daß fegen den Vertragsbrüchigen Staat nicht sofort r i e g c r i s ch c M a ß n a h m c n angelvcn- det werden sollen, sondern der Krieg durch wirtschaftliche Maßnahmen, durch die Blockade hinausgeschoben oder verhindert wer- den soll. Zu einem Beschluß über die Bor- schlage der einzelnen Untcrkommissionen kam es vorläufig n i ch t. Genf, 12. September.(Tsch.-P.) Die zweite Kommission des Völkerbundes(Verkehrswesen und Transit) beschloß:„Die Versammlung nimmt davon Kenntnis, daß der beratende und technische Ausschuß für Verkehrswesen Transit einen Sachverständigen für die Eisen- bahn ernannt hat, der einen Donauufer- st a a t angehört. Sie fordert die Kommission auf, einen oder mehrere Sachverständige, die den Donalluferstaaten angehören sollen, für die verschiedenen einschlägigen Fragen zu er- nennen. Der Lörsentaumel in Berlin. Berlin, 13. September. Wegen der cnor- rncn und unter den derzeitigen Verhältnissen nicht mehr täglich zu bewältigenden Ans- dehnung des Börsengeschäftes bleibt die Fondsbörse diese Woche Mittwoch, Freitag und Samstag geschlossen. Am Donnerstag findet der Börsenverkehr statt. Die Börse wird um 10 Uhr geöffnet. D°r Handel beginnt anstatt wie bisher um 12 Uhr bereits um 11 Uhr. Die Devisenkurse werden je- den Tag um 12 Uhr festgesetzt. Austritt der S. X P> v. aus der 3. Zuleruationale. Berlin, 13. September. Di«„SM« Fahne" meldet den Austritt der K. A. P. D.(Kommunistische Arbeiterpartei Deut ch- lands) aus der kommunistischen Int«- nationale. Arbeiter und Arbeiterinnen! PaclBioB r i"^en, üBinmiimBn! 4.« fünfjährige blutige Krieg hat der Arbeiterklasse neben allen anderen uncrhor- tcn Opfern eine Ernährungünot gc rächt, wie sie in früheren Jahrhunderten kaum gekannt wurde. Um den Krieg weiterführen zu können, die Bevölkerung nicht völlig verhungern zu lassen, mußte der Staat die Verteilung der Lebensmittel vorzunehmen versuchen. Nach dem Kriege sind die Lebensverhältnisse der Vorkriegszeit durchaus nicht wiedergekehrt. Die Verwüstung der menschlichen Arbeitskraft und der sachlichen Produk- twnmittel haben die Ergiebigkeit des Bodens geschwächt und insbesondere in den besiegten Ländern erwies sich die Einfuhr von Lebensmitteln aus dem Auslände notwendiger denn je. Zu den Transportschwierigkciten, zur Störung des Weltmarktes kam hinzu, daß die Wahrungen der besiegten Staaten gewaltig entwertet wurden, diese Staaten zu arm geworden waren, um soviel Lebensmittel im Auslande kaufen zu können, als notwendig gewesen wäre, um die breiten Massen vor dem Hunger zu schichen. Die Sozialdemokratie ist seit Kriegsende mit ihrer ganzen Macht für einen geordneten, staatlichen Ernährnngsdicnst, für eine Ucbcrgangswirtschaft, ans dem Krieg in den Fric° den, eingetreten. Unsere Abgeordneten haben im Parlamente den bekannten Ernäh- rnngsantrag Seliger verfochten, der den öffentlichen VcrsorgnngSdicnst von der bürokra- tischen Verwaltung befreien und sie ans die organisierten Produzenten und Konsumenten stellen sollte. Wir sind im Abgeordnetenhaus- mit diesem Plane nicht durchgedrungen, die deutschen»nd tschechischen Agrarier, die nur die maßlose Erhöhung ihrer Prosite im Auge hatten, haben sich damit gar nicht befaß«. Wir waren mit den tschechischen Sozialdemokra- tcn einer Meinung, daß wir für ein Ernäh rnngSsystcm kämpfen müssen, durch das der allmähliche Abbau der staatlichen Zwangswirtschaft vollzogen, gleichzeitig aber die Ernährung der breiten Massen des arbeitenden Volkes sichergestellt wird. Wir sind im Ernährungsausschuß dafür eingetreten, daß der Kreis der zu vcrsor- genden Personen derselbe bleibe, wie bisher, was die tschechischen n n d d e n t s ch c n bürgerlichen Parteien aller Richtungen einmütig a b g e l c h n t hatten. Tie Verhandlungen im Ernährungsansschusic d^z Abgeordnetenhauses standen aber bereits im Schatten der Bildung einer n c u c n R e g i e r n n g aller tschechischer Parteien Um diese Regierung zu ermöglichen haben die tschechischen Sozialdemokraten und Ratio- nalisten zu Gunsten der Agrarier darauf verzichtet, daß der Ernährungsplan erledigt wird, nach einer stillen Vereinbarung aller tschechischer Parteien im Parlaincntcrsatz der Tschcchosiowakei, in der Pctka, wurde der Regierung bewilligt, den Verordimngswcg zu beschreiten. Die Regierungsverordnung vom 30. Juni seht die Menge des staatlich bewirtschafteten Getreides auf 40.000 Waggons fest, also ungefähr auf ein Drittel des vorjährigen Kontin- gents. Die eine Verordnung setzt eine gewisse Einkommcnsgrcnzc fest, bis zu welcher Personen mit Brot und Mehl noch staatlich versorgt werden, die andere Verordnung macht die Versorgung von den bereitstehenden Vorräten abhängig. Die größere Hälfte der Bevölkerung wird anS der staatlichen Versorgung überhaupt ausgeschieden, sie muß Mehl und Brot im freien Handel kaufen, eine gewaltige Verteuerung ihres Lebensunterhaltes fetzt ein. Tie andere Hälfte der Bevölkerung erhält Brot und Mehl zu einem höheren Preise als bisher, hat also gleichfalls nüt einer Verteuerung der Lebenshaltung zu rechnen. Nach den bisherigen Erfahrungen al>« ist wahrscheinlich, daß auch sie den groß- tcn Teil ihres Brot- und Mchlbedarfcs im freien Handel wird decken müssen, sodaß auch für die Arbeiterschaft die staatliche Bcrsorggung fast völlig aufgehoben ist. Die Schuld daran, daß es soweit gekommen ist, tragen in erster Linie die bürgerlichen Parteien. Sie haben seit mehr als einem Jahre den R u f n a ch dem freie n H a n- d c l erhoben und erzählt, daß wenn nur die sicialliche Bewirtschaftung des Getreides aufgehoben sei, werde alles in Hülle und Fülle billig zu haben sein. Daß die Agrarier so sprechen, kann uns nicht Wunder nehmen, denn für sie bedeutet der freie Handel talsäch- lich das Paradies, in dem sie goldene Früchte pflücken. Aber nicht mir die Agrarier haben den freien Handel herbeigesehnt, sondern auch die sogenannten bürgerlichen Stäb- t e- u n d K o n s u m e n t c n v e r t r c t c r, ob sie sich nun ch r i st l i ch s o z i a l, deutsch national, nationalsozial oder demokratisch nennen. Bei der Beratung des Budgets im Abgcordnctcnhanse haben die bürgerlichen Parteien geschlossen für eine Resolution gestimmt, in der der Freihandel mit allen bisher staatlich bewirk- schaftctcn Lebensmitteln verlangt wird. Dieselben Parteien scheuen sich freilich nicht, jetzt Versammlungen abzuhalten, in der sie gegen die mangelhafte Ernährungsweise Sturm laufen. Wir Sozialdemokraten haben uns durch das demagogische Geschrei der bürger- lichen Partei nicht abhalten lasten, den Kampf für die Beibehaltung der Bewirtschaftung des Getreides weiter zu führen. Wenn trotzdem jetzt die Arbeiter zu Taufenden aus der öffentlichen Versorgung einfach hinausgeworfen werden, so haben sie dies den Abgeordnc- ten der bürgerlichen Parteien zu danken. Aber auch die Regierung hat sich in ihrer ganzen Arbcitcrfeindlichkcit geoffenbart. Sie hat nicht einmal die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses respektiert. Der ErnährungS- auSschuß hat beschlossen, die Höchsteinkomnicnsgrcnze der noch zu Versorgenden mit 2200 Kronen zu bemessen, in der Regierungsverordnung vom 16. August ist die Einkommens- grenze mit 2000 Kronen festgesetzt. Der Ernährungsausschuß hat bestimmt, der Preis des bewirtschafteten Weizenmehles soll vier Kronen betragen, die Verordnung schreibt fünf Kronen vor. Ter Ernährungsausschuß hat die Regierung verpflichtet, durch Ankauf aus- ländischen Getreides dafür zu sorgen, daß die durch die Verordnung umschriebenen Per- soncn das Mehl auch wirklich erhalten, die Durchführungsverordnung vom 17. August macht jedoch die Verordnung von der erfolgten Anlieferung abhängig das heißt, die Re- gierung verpflichtet sich zu gar nichts, liefern die Bauern etwas ab» bekommen die Arbeiter z« essen, wenn nicht, können die Arbeiter die Wucherpreise bezahlen. Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die Zentralgc- Werkschaftskommission des deutschen GewerkschaftsbundcS und der Borstand des Verbau- des deutscher Wirtschaftsgcnossenschaften haben in einer Vorsprache den Ernährungsmi- nister noch einmal auf die drohenden Folgen der jetzigen Ernährungsanarchie aufmerksam gemacht. Die Abordnung hat verlangt, daß wenigstens für den kleinen Kreis der in staatlicher Versorgung Verbleibenden der Bezug auf die Art sichergestellt werde, daß die seh- lenden Mengen eventuell im Auslande aufgekauft werden. Sie hat darauf hingewiesen, Westnngarn und wir. Der Streit ums Burgenland weckt schwer lastende Erinnerungen. Ter unselige Juli 1014 steht allzulcicht wieder vor unserer Seele. Auch damals war es ähnlich. Eine gralisigc Tat war geschehen, ein Mord, der, begriff man, die Näherstehenden erschüttern mußte. Aber was man nicht begreifen wollte und was den- noch kam, war, daß diese Tat eine ganze Welt in ihren furchtbaren Bann zog, weil niemand das rechte Mittel fand, ihre Wirkungen ans den Kreis der unmitctlbar Beteiligten zu be- schränken. Wie eine schwärende Wunde fraß damals der Brand um sich. Volk um Volk wurde, es wußte selbst nicht, wie, hinemge- zogen und mußte die Kraft seiner besten Ju- geud im Scheiterhaufen der Kricgsfuric auf- lodern sehen. Solch ein verhängnisvoller Atem des Schicksals scheint auch den Streit unr West- Ungarn zu umwittern. Neben Dcutschösterreich und Magyaricn recken sich nunmehr auch schon Italien, die Tschcchoflowakei und der südslawi- schc Staat drohend auf, ein frech provoziert« Grcnzkonflikt wird zum Zankapfel zwischen waffcnstarrcudcn Mächtegruppen. Wir wollen und können nicht an die Gefahr eines uwnittel- bar drohenden Krieges glauben. Aber die Ge- witterschwüle, die heute darum nicht weniger drückend über Europa liegt, verdammt schon zur Genüge das Hortyschc System der Lüge, der Gewalt und der Hinterlist und verdammt ebenso die zweischneidige Politik der Entente, die erst Horthys Vorgehen ermöglicht hat. Die Magyaren beugten sich dem Frieden von Tria- non, weil sie überzeugt waren, ihn nie ganz Hai- tcn zu müssen. Ist doch der stärkste Exponent der Entente ans dem Festland Frankreich und im Kampf gegen den Bolschewismus weiß sich Horthy als Briands verläßlichsten Bruder. Sollte dieser selbe Briand ihn ernstlich zwin- gen, das Bnrgenland dem sozialistisch verseuch- tcn Dcutschösterreich abzutreten? Das war nicht zil befürchten und so wurden Stefan Friedrich und Hcjas beauftragt,„auf eigene Faust" die Geschäfte Horthys zu besorgen und die Ucbergabe des Burgenlandes zu verhin- dcrn. Eine verdammt kluge Rechnung, und sie hätte auch gestimmt, wenn es nur auf Frankreichs Willen angekommen wäre. Beweis da- für der Auftrag an Deutschösterrcich, das von Ungarn geräumte Land nur mit Gendarmen zil besetzen; Beweis dafür das Verbot, mit der Bundeswehr den Widerstand der Magyaren zu brechen, und ebenso die vielen großen Worte der Entente, denen auch nicht eine ein- zige Tat folgte. Dem hochverdienten Vertilg« Bcla Kuns mit Energie entgegenzutreten, scheint kein ernster Wille vorgelegen zu haben, aber man scheint sich im Kreise der Entente seltsamer Weise auch darüber nicht im Klaren gewesen zu sein, daß die Nachbarn der Macht- «Weiterung der gcwalttägigcn Betyarcn nicht ruhig würden zusehen können. Jeder Erfolg Horthys bedeutet ja auch einen Erfolg der habsburgischcn Staatsidee und damit einen Nagel zum Sarge der selbständigen Nachfolger- staatcn. So rief das Versagen der großen au- tomatisch die kleine Entente auf den Plan, mit einer zögernden Note Banssys kreuzt sich eine vorwärts drängende Note des Außenministers Bcnesch. An beiden Schriftstücken ist nicht der Wortlaut das Wichtigste. Banssys Lügen wol- lcn bloß beschwichtigen und Zeit gewinnen, weil der Sturm der Ereignisse, hofft«, in wenigen Tagen eine Situation schaffen kann, die es ermöglicht, den Raub zwischen den gie- igen Zähnen zu behalten. Und für Bcnesch mag es das Wichtigste sein, die Fühler aus- zustrcckcn und zu prüfen, wie seine im Tone energischen, im Ziele absichtlich unklar gehakte- neu Beschwerden und Mahnungen im eigenen Land, von den Brüdern der kleinen Entente und namentlich von Italien aufgenommen werden. Denn Italien hat deutlich zu vcrste- Heu gegeben, daß das Burgenland nicht für die Seit- 8. Südslawcn ei» tvMomnicncr Anlas; werden darf, die eigene Stellung auszubauen und so ein noch unangenehmerer Nachbar zu werden, als es an und für sich schon ist. Eine Rivalität entzündet sich drohend an der anderen, zu HorthhS Freude, uns zur Warnung. Wir dür- seu nicht ruhig zusehen, wie sich„Zwangs- lagen" entwickeln, die ihr eigenes folgcnschwc- res Gewicht in sich seil,er tragen und die von der zünftigen Diplomatie nicht anders gelöst werden können als durch einen blutigen Was- scngang. Wir kennen keinen ärgeren Gegner als Horthy, wir hassen ihn als die bluttriefende Verkörperung alles HassenSwertcn: des lcibhaf- tigcn Rückschrittes, der schwärzesten Monar- chie, des Feudalismus, der unversöhnlichen Arbciterfcindschaft. Wir Nüssen, das; sein Uebcr- fall auf Dcutschöstcrrcich und da? Burgenland einen frevelhaft-wohlüberlegten Versuch dar- stellt, das Banner der Reaktion vorwärts zu tragen und es im Bunde mit Polen und Bay- eru womöglich in ganz Mittel- und Osteuropa aufzupflanzen. Aber wir wissen auch, das; Horthy mit unblutigen Mitteln zur Umkehr gezwungen werden kann. Die Mächte müssen den Willen haben, dann haben sie auch die Kraft, ihn zu beugen. Nicht um„Intervcn- !ion" geht die Frage, sondern um„Intervention" im Einverständnis oder in eigensüchtiger Rivalität. Ein Streit mit? Recht, um die Ein- Haltung eines feierlich besiegelten Fricdcnsvcr- trage? darf nicht für Dritte Gelegenheit zum ziucrlaubtc» Gewinn sein. In diesem Sinn haben tvir die äussere Politik unseres Staates sorgsam zu überwachen. Unsere Parole ist: G c- g c u Horthy! Aber nicht zum Borteil der Tschechoslowakei! Deshalb stehen tvir dem Bcr- suchsballon des Herrn Bcncsch mit berechtig- iem Mißtrauen gegenüber. Deutschbnrgerliche Demagogie Für und gegen den freien Handel. Breite Massen der Bevölkerung beginnen lchon seht einzusehen, das; die fast völlige Aufhebung der staatlichen Getreidewirtschaft .ine neue Verteuerung ihrer Lebenshaltung jttr Folge haben wird. Sogar die bürgerlichen Parteien, in deren Gefolgschaft sich noch Ange- stellte und Beamte sowie Kleingcwcrbetrei-- bende befinden, protestieren gegen die Ausschal- tung dieser Kreise aus der staatlichen Bersor- gung. In letzter Zeit fanden große Kundgebnn- gen der Denlschnationalen, Christlichsozialcn und Nationalsozialisten in Frciwaldan, Drop- pau und Wcgstadtl statt. Wir wollen die De- magogic, die die bürgerlichen Parteien mit derartigen Veranstaltungen treiben, aufzeigen, indem wir diese Herrschaften, die glauben, das; die Bevölkerung ein kurzes Gedächtnis habe, nur an ein paar Tatsachen erinnern, die klipp und klar zeigen, das; diejenigen, die heute gc- gen die Auflassung der staatlichen Wirtschaft protestieren, s c l b st den freien Handel verlangt haben. In einer dringlichen Interpellation im Abgeorduetetihansc. die die Nummer 277 trägt, stellen einzelne Abg"ord- nele an den Ernährnngstninistcr die Anfrage: „1.) Ist der Minister geneigt, mit dem 15. August 1020 die staatliche Bewirtschaftung von Getreide und Kartoffeln aufzuheben und mit diesem Tage den vollständig freien Handel und Verkehr tuit diesen Erzeugnissen einzuführen und sämtliche Zentralen aufzulassen? 2.) Ist der Herr Minister geneigt, mit dem 15. Ati- gitst 1920 die bisherigen Höchstpreise für sämtliche landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus. zuhcbcn?" Daß die Agrarier, Heller, Mayer, Kaiser usw. diese Interpellation unterschrieben haben, nimmt uns nicht wun- der. Aber die Interpellation ist noch von fol- gcndcn ch r i st l i ch s o z i a l e n„Konsumen tcnvcrtretern" unterfertigt: B ö h r, Dr. Fei- c r s c il, B u d i g, S ch ä l z k y, B o b c k, Dr. L u s ch k a, Dr. P c t c r s i l k a, durchwegs Herren, die nicht etwa um die Stimmen der Bauern allein geworben haben, sondern sich auch als die Vertreter von Beamten, Angestell tcn und städtischen Kleingewerbetreibenden aufspielen. Auch die Denlschnationalen, die jetzt Bersanintlmtgen gegen die Aufhebung der -Zwangswirtschaft veranstalten, haben vor nicht !langer Zeit anders geredet. Ter dcutschnatio ttale Abgeordnete Lehnert führte in der Kl. iSitzung des Abgeordnetenhauses am 4. Febcr -1921 folgendes ans:„Wenn heute der Bauer ! nicht weiß, ob er die Ernte frei verkaufen kann !„nd wie teuer, dann kann man sich vorstellen, baß er nervös wird und unzufrieden, daß er weniger anbaut als er sonst anbauen würde. Wenn der Händler nicht weiß, ob er etwas verlausen darf und wie teuer, kann ich mir ganz gut vorstellen, daß er unruhig wird und an seinem Geschäft keine Freude mehr hat. Der Konsument kann erst recht nickt zufrieden fein, weil er zu fortwährendem halbem Hungern verurteilt ist." Daß die notionolsozialen sogenannten Arbeitern eietreter in diesem Reigen -nich t We» können, versteht sich von selbst. Der Sozialdemokrat. daß die Beschränkung der staatlichen Bewirtschaftung gerade in einem Augenblicke erfolgt, da die Wirtschaftskrise auf der Arbeiterschaft lastet, wie schwer die Verringerung der Quote, insbesondere die Arbeitslosen und die Kurzarbeiter trifft und die Rc- gierung aus ihrer verfehlten Anordnung für alle Folgen verantwortlich gemacht. Der Sieg des freien Handels ist entschieden und es besteht keine Hoffnung mehr auf ausreichende staatliche Versorgung der Massen der arbeitenden Bevölkerung. Die neue Regierung, die uns in kurzer Zeit beschicken sein wird, ist auf der Basis gebildet, daß in der Ernährungsfrage weiter nichts geschieht. Der freie Handel ist da? nnanSge« sprochcnc RcgierungSprogramm. Bon dieser Regierung ist eine Besserung in der Ernäh« rungslage nicht zu erhoffen. Der Arbeiterschaft bleibt nichts anderes übrig, als eine Verbesserung ihres LcbenSnn- tcrhaltcs mit jenen Mitteln zu erkämpfen, die sie auch vor dem Kriege erfolgreich ange- wendet hat. Sic muß die Höhe der Arbeitslöhne der verringerten Kaufkraft de? Geldes anpassen. Wenn die Agrarier für ihre Produkte Weltmarktpreise verlangen, verlangt die Arbeiterschaft für ihre Arbeitskraft Weltmarktlöhne. Die Unternehmer haben bereits in die Warenpreise der nächsten Zeit die Brotstencr eingerechnet, die sie nunmehr ersparen. Für diese Beträge und darüber hinan? werden die Unternehmer Teuerung3zu- lagen bewilligen müssen, damit die Arbeiterschaft auch nur notdürftig existieren kann. Die Arbeiterschaft muß aber auch den politischen Kampf gegen die Ursachen der Er- nährungsnot, die Teuerung und ihre Nutznießer in der Erkenntnis führen, daß sie in die- fem Kampfe auf den erbitterst?» Widerstand der ibrc Profite verteidigenden bcrrschcndcn Klasse stößt. Die Kraft de? Widerstände? dieser Klassen muß die Arbeiterschaft anspornen ihre Bemühungen zu verdoppeln, den Kampf gegen alle wareitpertcnorndcn Zölle zu führen, die Eisenbahn- und Schiffahrtstarife, sowie alle Zweige des Stcucrsvstems in den Dienst einer, die Warenausfuhr und-einfuhr, sowie die Beschäftigung der Arbeiter, fördernden Wirtschaftspolitik zu stellen. Die Arbeiterschaft muß aber auch erkennen, daß die Teuerung den Bankerott und die Unfähigkeit der auf Privatwirtschaft aufgebauten Ord- nung aufzeigt. Erst die kapitalistische Wirtschaftsordnung, in der alles darauf abzielt, die große Masse der Menschen zu Gunsten einiger Weniger auszubeuten und der Aufbau einer planmäßigen Ordnung, in der nicht das Profitbedürfnis, sondern die Bedürfnisse der arbeitenden Menschen entscheiden, wird der Arbeiterschaft ihre wirtschaftliche Befrei- ung bringen. Prag, int September 1921. Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Herr Abgeordnete P a h c l t führte in der 28. Sitzung des Abgeordnetenhauses ain 1. Dezent- bcr 1920 folgendes ans:„Sie(die Regierung) wird nur erreichen, daß selbst Bcvölkcrttttgs- teile, die früher anders dachten, der freien Wirtschaft immer mehr zuneigen, da man sehen muß, daß nicht? anderes helfen kann, als die Ernährung der pri- vatcn Initiative zu überlassen." Dieselben Herren also, die, wie tvir nur an wenigen Beispielen nachgewiesen haben, seit Beendigung des Krieges den freien Handel als den Messias betrachtet haben, der uns ans Er- nährungsnot und Teuerung herausführen wird, veranstalten jetzt Protestversammlungen gegen die Auflösung der staatlichen Bcwirt- schaftuug. Die Arbeiterschaft kann an diesem unwürdigen Verhalten wieder einmal die grcn- zcnlosc Demagogie der bürgerlichen Politiker und Abgeordneten erkennen. Inland. Verschiebung der Kabinettsbildung. Wie die „Tribuna" meldet, wird es zur Bildung des neuen Ministeriums erst in einigen Wochen kommen. Insbesondere gestalten sich die Bcr- Handlungen des Abg. Schwehla mit den Natio- naldcmokraten schwierig. Die Vereinfachung der Verwaltung. Die „Narodni Listy" kommen in ihrem Leitartikel auf die Schrift des Ministers für öffentliche Ar- besten, Dr..Ko batik, zu sprechen, die von der Wirtschaftlichkeit in der Staatsverwaltung handelt. Kovarik schlägt eine eigene Organi- sation hiezu Vor. In jedem Ministerium müßte beim Präsidium ein bewährter Organisator und Kontrollor cingestellt werden, dessen Aufgabe es wäre, in seinem Ministerium die Wirt- schaftlichkeit aller geleisteten Arbeit zu prüfen. Die Organisatoren aus allen Ministerien würden ein gemeinsames Kollegium bilden, an dessen Spitze ein dreigliedriges Präsidium, bc- stehend aus den Vertretern des Ministerpräsi- diums, des Obersten Kontrollamtes und des Finanzministeriums stünde. Das Kollegium müßte wöchentlich zusammentreten und den einzelnen Ministerien Reorganisationsvor- schlage machen. Auf dieses Kollegium gestützt, könnte eine Ersparungskommission die notwen- digcn Reformen durchführen. Bor allem müßte die vecwandte Agenda vereinigt werden. Der Staat verträgt nicht 15 Ministerien. Das Mi- nistcrium für Gesundheitswesen könnte in eine Sektion des Ministeriums für soziale Fürsorge verwandelt werden. Sämtliche Transportan- gclegenheiten könnten in einem Berkehrsmini- sterium vereinigt werden, welchem die Gene- ralpost- und Generaleifcnbahndircktion unter- stünde. Es hat keinen Sinn, in den Ministe- ricn beständig neue Abteilungen zu errichten. Wozu muß es in jedem Ministerium eine sta- tistische Abteilung geben, da es doch ein staut- lichcs statistisches Amt gibt? Warum könnte nicht im Finanzministerium eine einzige Kasse sein? Tie Beamtenschaft muß es sich zum Grundsatz machen, daß Zeit mehr als Geld sei und für die Erledigung gewisser Eingaben müßte eine Frist gesetzt werden. Eine freundliche Einladung. Die„Nova Du ha", das Pilsner Organ der tschechischen So- zialdcnu'kratcn beschäftigt sich in ihrer Nuin- wer vom 11. September mit unserem Artikel, in dem wir zu dem Beschluß Stellung genom- - W.MMch? Sozi qldxm o- kratic ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Regierung erklärt bat. Dabei macht sie folgen- des Geständnis:„Wir haben nicht den gering- stcn Grund zu leugnen, daß wir tatsächlich national fühlen und daß uns an der Wohlfahrt der tschechoslowakischen Republik gelegen ist. Dabei aber gönnen wir zum Unter- schiede von den deutschen Genossen auch den anderen, was wir für uns selbst verlangen und wir anerkennen daher, daß auch sie den?ln- sprnch auf nationales Fühlen haben und daß auch ihnen an dem Erfolg der deutschen Sache in unserem Staate gelegen ist." Wir danken der„Nova Toba" für ihre freundliche Einladung, aber wir werden ihr nicht folgen. Das beständige Betonen des„nationalen Gefühls" der tschechischen Genossen zeigt, daß sie sich— zum Unterschiede von uns— die nationalistische Terminologie schon ganz zu Eigen gc- macht haben. Nicht in dem ständigen Hervor- heben nationaler Momente, sondern in dem klaren Herausarbeiten des sozialen Gegen- satzcS, in dem sich die Arbeiterschaft zur Bonr geotsie befindet, liegt das Wesen der sozialen Aufklärungsarbeit. Die Post politisiert schon wieder. Die Pra acr Post- und Tckegraphendirektion hat einen Erlaß herausgegeben, in welchem angcord nct wird, daß von der öffentlichen Briefpost- befördernng alle Postsendungen ausgeschlossen sind, ans denen die national gemischten Gebiete der Tschechoslowakischen Republik derart be- zeichnet sind, daß damit der Anschein erweckt wird, als ob es selbständige.Staatsgebiete wä- ren. Es handelt sich insbesondere um die Bezeichnung„Dcutschböhmcit",„Böhmerwold- gnu",„Dcutsch-Südmähren",„Sudeteuland" und„Sudetengau", durchwegs Benennungen, welche, wie der Erlaß sagt, erst durch'die dentschvsterrcichischetl Vcrfassiitigsgcsctzc am Schlüsse des Jahres 1918 und anfangs 1919 geschaffen wurden. Gegen die geographische Bezeichnung„Sudeten", das ist Sudetcnge- birgc, gibt es keinen Einwand, ebenso wie ge- gen den Sammelnamen„Sttdctenländer", un- tcr denen ma'n die von diesem Gebirge durch- zogcncn Länder, also Böhmen, Mähren«nd Schlesien versteht. Ferner werden von der Pvstbcsördcrnng Sendungen ausgeschlossen, welche mit Vignetten mit den Bildern der deutschen Herrscher, Staatsmänner(Bismarck), Heerführer(Hindcnburg, Ludendorff), sowie mit Bignetten verschen sind, welche andere Bil- der und Aufschriften tragen, deren Sinn gegen den Staatsgedanken gerichtet ist. Alle derar- tigon Sendungen werden, soweit sie bereits zur Beförderung angenommen wurden, als nnbe- stellbar betrachtet. Die vom„Bund der Deut- scheu" ausgegebenen Ansichtskarten sind nicht zulässig. Alle diese Vorkehrungen werden mit der Rücksicht auf die öffentliche Ordnung oc° gründet.— Mir sind der Ansicht, daß zur Auf- rcchtcrhaltung der öffentlichen Ordnung die Gendarmerie, Polizei, Staatsanwälte und Richter berufen sind, daß aber die Post ledig- lieh zur schnellen Postbcförderung hier ist. Ilcbcr den Staatsgedanken sollen sich andere Leute den Kopf zerbreche» wie Briefträger. Und über die Zulässigkeit von Ansichtskarten haben nicht Postfräulein zu entscheiden. Älls nnbe- stellbar bat nur das zu gelten, was tatsächlich unbestellbar ist. Es wäre besser, wenn der -Herr Postdirektor um das bessere Fnnktionie- ren der ihm unterstellten Anstalten als um eine Verzögerung der Bricfbeförderung durch eine postalische Zensur besorgt wäre. In allen K u l t n r st a a t e n setzt die Post ihren Stolz darin, beinahe unleserliche adressierte Sendun- gen zuzustellen; bei uns jedoch, die leserlichen auS^uschlteßess,-'* 14. September 1921.' Weitere Verschleppung der bayrischen Krise. Berlin, 13. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Der Rücktritt des bahn- schon Gesamtkabinetts hat die L a g- nicht gc- klart, sondern eher noch verschärft. Ein- flußrciche.Kreise in der bayrischen Bolkspartei unter Führung Dr. Heims arbeiten mit Hoch- druck gegen den Abgeordneten Held, dessen Bc- mühungen die Annäherung an die Reichst egie- rnng zu danken war. In der Fraktion der deutschen Bolkspartei haben sich erregte Szenen abgespielt. Ein Teil der volkspartcilichcu Zugeordneten verlangte, das; Kahr sein Amt bc- halten solle. Die Dcntschnationalcn behaupten bereits, daß sie einen vollen Erfolg erzielt hat- tcn und daß der in der nächsten Woche zusammentretende bayrische Landtag die Rückkehr KahrS beschließen werde. Es ist aber kaum anzunehmen, daß sich im Landtag eine Mehrheit für diese offene Herausforderung der Reichsregierung finden wird. Vielmehr ist damit zu rechnen, daß sich eine Regierung der Mitte ans Bolkspartei. Bau- e r n b ti n d und D c m o k r a t e n bilden wird/ die möglicherweise auf die Neutralität der Rcchtssozialen spekuliert. Der„Vorwärts" sagt zu einer solchen Regierung:„Die Sozialdemokratie wird ihre Stellung zu ihr je nach ihrer Zusammcnsct- ztntg und nach ihrem Verhalten einrichten. Eine zuverlässige republikanische Regierung würde jedenfalls mit ihrer Unterstützung zu rechnen haben."- Heute vormittags hatte der Reichskanzler eine Besprechung mit den Führern der Regierungsparteien des Reichstages. Er erklärte, daß die Rcichsregicrnng zu den Forderungen des bayrischen LandlagsanSschuffes bisher noch keine Stellung habe nehmen können, weil ihr noch keine offizielle Mitteilung darüber zugegangen sei. Sic könnte ihre prinzipiellen Bedenken besonders gegen die Forderung der Ucbcrlas- sung der Exekutive an die bayrische Landes- Zentralbehörde nur dann zurückstellen, wenn in Bayern eine Regierung am Ruder sei, von der man die loyale Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten voraussetzen würde. Zu Herren von Kabr habe sie dieses Vertrauen nicht. Seine Rückkehr in die bayrische Regie- rnng würde nur eine Verschärfung und bedenkliche Zuspitzung des Konfliktes bedeuten. Die bayrischen Reaktionäre haben also wenigstens vorläufig eine weitere Verschleppung der Krise erreicht. Die Vertreter der sozialisti- scheu Parteien und die Gewerkschaften werden jetzt dafür zu sorgen haben, daß die Absicht der bayrischen Reaktionäre durchkreuzt wird. Der Völkerbund bleibt passiv. Der Notenwechsel zwischen Oesterreich und dem Bölkcrbundrat. Genf, 13. September. In seiner heutigen .Sitzung pruste der Völkerbundsrat die österreichische Note, in der angesichts des ungarischen Vorgehens im Burgenlande daS Eingreifen des Völkerbundes verlangt wird. Mit Rücksicht darauf, das; die öfter- reichische Regierung eine ähnliche Note an den Botschasterrat gerichtet hat, beschloß der Völkerbundsrat, vorläufig nicht einzugreifen, da übrigens der Botschaftcrrat in der Frage der Aus- führung des Vertrages von Trianon hcson- dcrs zuständig sei. D-r österreichische Vertreter Pflügl erklärte sich mit dem Beschlüsse einverstanden, fügte aber hinzu, das; sciue Regierung sich vor- behalte, vom Neuen au den Völkerbund heranzutreten, falls die Angelegenheit durch die Botschafterkonfercnz nicht völlig gelöst wird. Heber den Notenwechsel zwischen der österreichischen Regierung und dem Volker- bundsrate wird mitgeteilt: Am 11. Scp- tember richtete Graf Meusdorfs an den(/ie- ncralsekretär einen Brief, in welchem er auf die Grenzverletzungen in Kirchschlag und Umgebung hinwies und im Auftrage seiner Regierung auf Grund der Art. 1t), 11 und 17 des Völkcrbnndsvaktcs vom Völker- bundsrate sofortige Maßnahmen zur Si- cherheit der österreichischen Integrität gc- gen jeden Angriff verlangte. Am 10. Scp- tember teilte der zweite Delegierte Oester- rcichs, Pflügl, dem Generalsekretär mit. daß die österreichische Regierung sich auch an die Botschasterkonserenz gewendet habe, weil ihr die Ausführung des Vertrages von Trianon obliege und daß die Bot- schgfterkonfcrenz eine Note an Ungarn gc- richtet habe. Der Völkerbundsrat beauf- tragte Vieomte Jshii, über die Angelegen- holt Bericht zu erstatten. Auf Antrag Ishiis richtete der Rat an dm Grafen Mensdorff ein Schreiben, das den oben dargelegten Entschluß enthält, der folge»- dermaßen lautet: Der Völkerbundsrat wird die Angelegenheit mit der größten Auf- merksamkeit- verfolgen und gern von der österreichischen Regierung die in der zwei- ten Note angekündigten Mitteilungen ent- gegennehmen, die eine Entscheidung über den einzuschlagend?» Weg'«-«*«- Mff. 'Ff». September 1921. kliigariis Ri>,il>)»g. Frankreichs Ausflüchte.~ 13. September.(Havas.)„Petit Pa- rinen bemerkt, das;, wenn die Entscheidung Uder die Ungarn gegenüber einzunehmende Haltung u ochuicht getroffen sei, dies n i ch t r(i u t r c i ch z u r L a ft falle, das in dieser ,yrngc nicht ohne Zustimmung feiner BerMn- bete« entscheiden könne. Insbesondere in Mit- telcuropa inögc es zur Kenntnis genommen werden, das; Frankreich die Durchführung der Friedcnsvertrge verteidige und eine rasche Lösung des wcstungarischcn Konfliktes fordern müsse. Die grosse Entente schiebt die Entscheidung hinaus. Genf, 13. September.(Havas.) Der Pol- kerbnndrat beschloß in der Frage des m a g y a- rischeu Einfalles ins Burgenland die Sorge um die Durchführung des Friedensver- träges von Trianon der B o t s ch a f t c r k o n- ferenz zu überlassen. Schärfere Sprache in London. London, 13. September.(Reuter.) Wie Reuter hört, hat die Antwort der ungari- schen bicgierung auf die Rote der Botschafter- konfcrenz in maßgebenden Kreisen Londons einen ungünstigen Eindruck gcmacht. Man habe das Gefühl, daß es notwendig sein wird, durch G e w a l t m a ß n a h m c n Un- garn zur Erfüllung seiner Verpflichtungen zu zwingen. Horlhy gibt nach? Budapest, 13. September.(M. T. K. B.) Die ungarischen Truppen haben die ganze Z o n e A geräumt. Die in den Gemeinden der Zone A für einige Stunden eingerückt ge- wcscnc ungarische Gendarmerie wurde in die Zone B zurückberufen. Strafverfahren gegen Putschisten. Wien, 13. September. Bon den vom Kreisgerichte Wicner-Rcustadt wegen Spio- nage, Hochverrat, Raub und Mordversuch nach Wien eingelieferten 19 Personen sind, wie die Blätter melden, 39 aus der Haft entlassen und der Polizei überstellt worden. Die Anklage- behordc hat auf eine weitere Verfolgung dieser Personen auf Grund des Ergebnisses der bis- herige» Erhebungen verzichtet. Unter den iin Wiener Landcsgcricht in H a f t b l e ibcn- den Personen befindet sich der ungarische Agi- tator Dr. Egan, der als Bandcnführcr wc- gen Mordversuches in Untersuchung steht. Meinungen über BanssyS Note. Wien, 13. September. In Budapest trat auf die Ententedrohung mit Slraffanktionen hin der Ministerrat zusammen, welcher den ursprünglichen Text der magyarischen Antwort wesentlich geändert hat. Unter dem Drucke der in Paris überreichten Entente- notc sah die magyarische Regierung von ihrem Standpunkte in der Garantie- frage ab und entschied sich für die b e d i n- gnngslose Räumung Westun- g a r n s. Um den diplomatischen Rückzug zu sichern, wurde nur c i n Antrag angenommen, demzufolge die Entente durch Vermittlung der Ocdcnbnrger Kommission unter Teilnahme magyarischer und österreichischer Vertreter einen ftcucn Uebcrgabsplan ausarbeiten soll. Ter fiZcrichterstattcr des„Neuen Wiener Tag- stlattes" erfährt Weilers, daß die in der ma- gyarischen Antwort kundgegebene Anschauung die Pariser politischen Kreise trob_ ihrer Nachgiebigkeit nicht befriedigt. Die En- tcntc sei entschlossen, auf der v o r b e h a l t- losen R ä u m u n g Westungarns zu bc- harren, und werde ehestens in scharfer Form die magyarische Note beantworten. Wie», 13. September.(Tsch.-P) Der italienische Minister des Aachen« Marchese dcila Torctta hatte gestern eine Beratung mit dem Bundeskanzler Schober und mit den E n t c n t c v e r t r c t c r n in Wien. Eine Entscheidung in der westungarischcn Frage, namentlich in der Frage der Entsendung italienischer Truppen nach Westun- garn, ist bisher nicht erfolgt. Leere Worte Leo» Sonrgeois'. Genf, 13. September.(Havas.) In feiner gestrigen Rede vor der Bvllcrbiindsversammlung beschäftigte sich L. Bourgeois mit dein ge- 'genwärtigen Stande der Gesellschaft der Na- tioncn und mit den Gründen, welche einerseits zur Hoffnung berechtigen, andererseits Bcfiirch- Rurigen erwecken. Eine gewisse Beunruhigung er- !gibt sich aus der Nichtbcteiligung der Bereinigten Staaten und daraus, daß seitens diesen die Abrüstungskonferenz nach Washington berufen wurde. Bourgeois begrüßt «3 mit Freude, daß sich die Bereinigten Staaten init de? AbrüstlMgsfragc beschäftige», einem Kiel, feiS die Gesellschaft der Nationen ebenfalls fbersmgt. Die Gesellschaft der Nationen blicke vertrauensvoll in die Zukunft. Nene Mitglieder wachsen zu und von den ihr bis zum^schliche der letzten Plenarversammlung ireugebliebenen ist kein einziges ausgetreten. Ter Antrag emcs ständigen internationalen GerichishoseS begegnet allgemeiner Zustimmung. Schwierigkeiten kann der Umstand bereiten, daß F o r t s ch r 11 l Sozialdemokrat h"'Wicklung der Gesellschaft . Nationen langwierig sind. Die Vtndernissc zeigten sich bei der Verwirklichung vrS ProgrnnmicS und bei der Beilegung gewisser Streitigkeiten. Der charakteristische Beweis der 'edeutenden sittlichen Autorität, der sich die Ge- lellschasl der Nationen erfreut, ist darin z» er- v.nken, daß der Streit»in Oberschtesicn von den Hauptmächten it,r zur Entscheidung vor- gelegt wurde. Dieser Entschluß erweitert aller- dmgs die Pflichten des Rates der Gesellschaft der Nationen, welche nicht zulassen kann, daß sie bei der übernommenen Aufgabe versagt. Bo»r- gcois umschrieb dreierlei Ztvcckc, aus die die Ge- scllschaft vor allem hinzuarbeiten hat: 1. Errichtung cincS internationalen Gerichtshofes, 2. S ch u tz des Friedens vor allen Gefahren und.'!. Interna- tionale Organisation des Staats- lcbcns. In Besprechung der Abrüstung er- klarte Redner, daß Frankreich nicht vom Wege der Friedensliebe abgewichen sei, den es auf der Friedenskonferenz eingeschlagen. Bourgeois setzt sich dafür ein, daß die Entscheidungen der Ge- scllschaft der Nationen der Ocffentlichkcit mög- liebst zugänglich gemacht werden, daß die Bc- schtüssc des Rates klar begründet und der Oeffciitlichkcit in ihrer Gänze bekanntgegeben werden, und zwar nicht bloß durch die Presse, sondern direkt durch die Pa r l a in e n t c, denen die Verhandlung dieser Entscheidungen zu ermöglichen wäre. Die Rede Bourgeois' wurde mit großer Be- gcislcrung aufgenommen. Österreichs FiimnMt. Wien, 13. September.(Drahlberickit des„So- zialdcmokrat".) Im Finanzausschuß erstattete heute der Finanzminister Bericht über seine Reise nach Paris, London und Genf. In der Debatte führte Genosse Dr. Ellenbogen ans, daß die Mitteilungen des Finanzministers seinen Optimismus nicht rechtfertigen. Der Vorwurf, daß die Regierung wie hypnotisiert nur aus die Kredite als das einzige Hilfsmittel blicke, besteht noch immer. Nach wie vor mangelt es der Regierung an einem klaren Programm zur Beseitigung unserer Finanznot. Der Kredit von ö Millionen Pfund sei nur ein Teil dessen, was unsere Staalswirtschast brauchen werde. Tic Einstellung unserer Finanzpolitik ans die Krc- ditc bildet auch eine wirksame Unterstützung der Valutaspekulation. Unsere Oefscntlichkcit muß nachdrücklich darauf hingewiesen werden, daß die Sanierung unserer Volkswirtschaft ein müh samcs Werk von sehr langer Dauer sein wird. Die Kredite können nur ein Hilfsmittel der Sa nicrung sein, niemals aber ein Kardinalmittcl. — ES wurde dann beschlossen, der Regierung ein B n d g e t p r o v i s o r i u m bis Ende des Jahres zu bewilligen. Ter österreichische Parteitag. Wien, 13. September.(Drahtbcrichi des„So zialdcmokrat".) Der Parteitag der Sozialdemo- kratie in Deiitschöstcrrcich wird für Samstag, den 29. Oktober und die folgenden Tage»ach Graz einberufen. Auf der Tagesordnung stehen außer den Berichten folgende Punkte: I. Die Weltlage des Sozialismus»nd unsere nächsten Aufgaben, 2. die wirtschaftliche Lage und die Finanzpolitik der Republik, 3. die Jntcrnatlo- uale Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Parteien. Her Freiheitskampf der Ire». Zwei wichtige Dokumente liegen vor: Die Note Lloyd Georges an de Valcra und ein Telegramm der englischen Gewerkschaften an den Premier nebst dessen Antwort. Beide zci- gen, daß es diesmal ninS Ganze geht, und daß jener Zeitpunkt gekommen ist, wo der Versuch schwächlicher Kompromisse eine gewaltsame Entladung zeitigen kann. In der Antwort Englands auf de!« Brief de Baleras vom 30. August, der die britischen Vorschläge ablehnt, heißt es: England kann nicht als praktische Grundlage einer Konsc- renz die Anwendung deS Grundsatzes„Regie- rnng mit Zustimmung der Regierten" anneh- tuen, welche England allen Forderungen aus- liefern würde, die die Sinnfeiner unterbreiten könnten, bis zu den, Grade, daß sie eine die Krone verwerfende Republik errichten würden. De Valcra muß sich darüber klar sein, daß eine Konferenz auf solcher Grundlage unmöglich ist. Sie würde den Bau jedes dcmokratischeii Regimes untergraben und die Zivilisation wie- der zurückwerfen in die Zeit der Stämmehcrr- schast. Die Regierung kann nicht glauben, daß die Iren auf der Zurücklveisuiig ihrer Bor- schlage ohne Prüfung in einer Konferenz bc- stehen würden. Wenn sie ablehnen, ein Ab- kommen zu erörtern, das Irland volle Frei- heit der nationalen Entwicklung innerhalb des Imperiums gibt, so kann das nur bedeuten, daß die Iren ihre Ergebenheit gegen die Krone und ihre Mügliedcrschaft im britischen Reiche verneinen. Wenn ein solcher Schluß aus ihren« Verhalten gezogen werden kann, so kann durch eine weitere Erörterung kein nützlicher Zweck erreicht werden. Wenn sich das Kabinett in dieser Schlußfolgerung täuscht, und der irische Vorwurf gegen die britischen Borschläge dahin geht, daß die Regierung Jr- land weniger bietet als die von der Regierung gekennzeichnete Freiheit, so kann die Konferenz diese Vorwürfe prüfen. Tie Regierung verlangt eine endgültige ob die Iren bereit sind, in eine Besprechung einzutreten, um darüber klar zu werden, wie die Bereinigung Irlands mit dem britischen Imperium am besten mit den nationalistischen Aspiratio- neu in Einklang gebracht werden kann. Die Note schlägt darum vor, daß die Konferenz am 20. September in Jnverncß zusammen- treten soll. Der englische Gewerkschaftskongreß, der ge genwärtig in Eardiff tagt, hatte an Lloyd Ge- orge ein Telegramm gerichtet, in dem er darauf hiinvics, daß das englische Volk einen neuen Feldziig gegen die Sinnfciuer niemals gutheißen würde und daß sich die Arbeiterbewegung einem solchen Kriege aufs heftigste widersetzen werde. Darauf hat Lloyd George geantwortet, niemand widersetze sich mehr dem Blutvergießen als die englische Regierung und am meisten dem brndcrinördcrischcn Kriege zwischen den Bürgern desselben Reiches. Jedoch das Zeugnis der größten demokratischen Staatsmänner in der Geschichte bestärke ihn in dem Glauben, daß selbst Blutvergießen in,- mcr noch besser sei als das Anscinandcrrcißen eines lebendigen politischen Organismus, dessen Stärke und Einheit wesentlich sei für die Freiheit der Welt. Uou unserer Papierindustrie und ihrer Arbeiterschaft. Wie zu Beginn dieses Jahres fast alle Industriezweige in eine schwere Absablrise ge- rieten, blieb auch die Papierindustrie hicvon nicht verschont. Abgesehen von den Einflüsse», welche die Wcltmarltlage, die Absich- und Preisgestaltung auf dem Weltmärkte auf unsere Papierindustrie ausüben mußten, wurde die Krise in der Papierindustrie unmittelbar ans gelöst durch die im Jänner dieses Jahres unter dem Drucke der Zcitnngsvcrlegcr erfolgte Preisherabsetzung für Rotationsdrnckpapicr. Dieser Preisherabsetzung folgte naturgemäß eine völlige Stockung der Nachfrage in anderen Papicrsortcn, da der Konsument sich ganz richtig sagen mußte, daß wenn das Zcitungs- Papier billiger wurde, auch andere Sorten im Preise sinken müssen. Es kann nicht verhehlt werden, daß im Vorjahre die ganze Papierindustrie es vortrefflich verstanden hat, unsere Isolierung vom Auslände zu einer gewaltigen stetig fortschreitenden Erhöhung der Papier- preise auszunützen und es kann deshalb gar nicht verwundern, wenn beute der Konsument, der sich bisher von der Papierindustrie wider- spruchslos bitteren lassen mußte, in der Erter lung von Aufträgen mehr als sparsam und vorsichtig ist. Die Situation bat sich für die stolze« Pavicrindustriellen gewaltig geändert. Wäb rcnd sie vor wenigen Monaten noch die Preise diktieren konnten, erleben sie es beute, daß die Preisherabscbnng fortschreitet, bc- sonders deswegen, weil ihre eigene Nervosität bof.it führte, daß eine Firma die andere im Preise unterbot, um eben nur'Aufträge zu erhaschen. Tie Papierindnltricllcn sind g enau dieselben Kabitalistcn wie die aller anderen Branchen. Es kann uns daher gar nicht verwun- der», wenn sie den Eintritt der Krise sofort bc- nützen, um ihrer Arbeiterschaft bearciflicki zu inachen, daß sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten geändert bähen. Die einzelnen Fa- brisen begänne«« mit Kurzarbeit, einzelne Be- triebe wurden ganz eingestellt»nd der Trieb der Indilltriellen ging dahin, unbeschränkt Ar- beitcr entlassen zu können. Hier griff die Or- ganisation der Papicrarbciter ein und setzte auf Grund des bestandenen Kollektivvertrages durch, daß. bei Kurzarbeiten die Arbeiter eine Entschädigung für den Lvhnentgang und bei allenfalls nicht zu vermeidenden Entlassungen, welche erst dann erfolgen könnten, wenn die Bedingungen über Betriebscinschränkungeii erfüllt worden sind, der Arbeite-schaK eine Eni schädiauug gezahlt werden muß. Durch diese getroffene Vereinbarung war es möglich ge Wesen, troll der immer heftiger austretenden Krise die Arbeitslosen in der Papierindustrie ans eine verhältnismäßig geringe Zahl einzu- dämmen. Aber da kau« an« 15. Juni der Ablauf des Kollektivvertrages und die Unternehmer hüteten sieh, dessen Erneuerung zu betreiben, sa die mehrfach von den Organisationen der Ar- bcitcrschaft schon in« Mai geforderten VerHand- lnngen wurden von der Arbeitgebcroraaiiisatioii der Papierindustrie direkt sabotiert. Der plan- mäßigen Verschleppung der Verhandlungen konnte erst dann ein Ende bereitet werden, als über Ersuchen der Arbeitcrvcrtrcter das Mini- stcrinm für soziale Fürsorge intervenierte. Vis dorthin, das beißt von Mitte Juni bis Mitte Juli lebten sich die Papierindnstriellen ans. Es kamen Fälle vor, wo eine Firma erklärte, es sei vcrtragsloscr Zustand, sie aner- kenne daher keine Vertrauensleute mehr. An dere Firmen gingen sogar daran, eigenmächtige Lohnkürzungen vorzunehmen. Nur der euer- gischen Haltung der Arbeiterschaft und ihrer Organisation ist es gelungen, ein weiteres Um sichgreiscn der reaktionäre» Anschläge zu verhindern. Tic cndgiltigci« Verhandlungen für den Abschluß des Kollektivvertrages wurden am 13. Juli begonnen nlid am 21. Juli beendet. Es gelang den Kollektivvertrag nach überaus schwierigen Verhandlungen unter annehmbaren Bedingungen für die Arbeiterschaft abzuschließen. Die Unternehmer hatten einen Seite 5.^-_ empfindliche» Lohnabbau und schwere Prinzi- Hielte Verschlechterungen des Vertrages für die Arbeiterschaft gefordert. Es ist ihnen nicht gelungen, dieselbe durchzusetzen. Vielmehr wurden die Löhne in derselben Höhe erhalten wie im alten Vertrag und auch die Verschlechterung der prinzipiellen Bestimmungen des Vertrages konnte verhindert werden. Das Manuskript des Vertrages wurde»och am 21. Juli fertiggestellt und vom Sekretär der Arbeitgcberorgauisation unterfertigt. Wenn aber die Arbeiterschaft glaubte, damit sei der Vertrag cndgiltig erledigt gewesen, so vcsand iie sich in einen« Irrtum. Denn schon wenige agc nach dem'Abschluß, nachdem auch die' notwendigen Erläuterungen z»»« Kolli! tivvertrag vereinbart waren, erklärte die Unternchmerorgaiiisation, der Be?ti4g sei»och nicht in Rechtskraft, weil der Präsident ihrer Organisation den Vertrag noch nicht unter- schrieben habe. Tic Unternehmer gingen mittlerweile daran, ihre alten Absichten;>« verwirklichen und forderten trotz Vertrag für ganze Industriegebiete einen direkten Lohnab- bau. Ter abgeschlossene Vertrag ivurde sabotiert. Nach vielem Drängen der Arbeiterver- treter rückte die llnternchmerorganisation Mitte'August mit einer ganz präzisen For dcrung auf neuerliche Abänderungen des Kollektivvertrages zum Schaden der'Arbeil- schast heraus. Die Arbeiter i,->>s',en sich oi>- sp:n Bestreben widersetzen und, da die Unter- nehm er von ihrem Verlangen nicht abgehen trollten tvurdc neuerdings oas Ministerium °iir soziale Fürsorge um Imervention ersucht, damit der Kollektivvertrag endlich zur Erledi gnng komme. Es kam denn auch am 2. Scp- tcncbcr beim Minister»!!!! zu einer Verhandlung unter Vorsitz eines Regierungsvertreters, wo die Papicrindnstricllcn sich genötigt sahen, zu erklären, daß sie den abgeschlossenen Kollck tivvertrag für Papierindustrie als verbindlich anerkennen. Gleichzeitig wurde auch der Vertrag vom Vizepräsidenten der Unternehincror ganisation unterfertigt. Ter harte.Kampf um den Vertrag tu der Papierindustrie ist ein Beispiel für die schweren Aufgaben der Gcwcrkschaftc n in der Zeit der Wirtschaftskrise. Wenn die Unternehmer sich mit derselben Tatkraft, mit welcher sie sich gegen die'Arbeiter stellen, gegen die Desorganisation in der Industrie und in« Absatz wenden würden, so wäre es möglich, daß auch sie wie in Teutschland, wo die Preise fast niedriger, die Löhne aber bedeutend höher als bei uns find, ihre Betriebe vollbefchäftigen könnte».'Aber der Kampf gegen Errungen» fchnjtcn der Arbeiter ist ihnen eben wichtiger. Kleine Chronik. Demi die Elemente hassen... Ein heftiger Sturm riß das Kirchendach in Koskclbcrm cBcl> gie») herab. Zwei F r a» c» wnrdeii g e« lötet, zwei Mädchen verletzt.— Havas mctdei ans Rom: Ein heftiger Sturm wütete in der Provinz Fassari. Zahlreiche Brücken sind ein gestürzt, viel Bich ging zugrunde., Pulver»nd Blei gegen Verzweifelte. Lun« d o n, 13. September.'Aach einer Meldung aus Liverpool versuchten Arbeitslosc, ge- Waltsain in eine Gemäldegalerie einzu« dringen. Die Polizei feuerte. Dabei tvur- den verschiedene Personen vor>v n u-, bei; eS wurden zahlreiche B c r h a f t u n ge u vorgenommen. Blutiger Kamps zwischen einer Schifsamann» schast und Zoltwächlcrn. Rom, 13. September.! (Funlenspritch.) In'New Park kam es zwischen der Bemannung des griechischen Dampfers „Alexandra", die sich der zollamtlichen Unter- snchung des Schisses durch amerikanische Finanz! organe widersetzte,»nd Zollwächtcrii zu einemj Kainpsc, in dessen Verlans mehrere Personen ge«; tötet oder verwundet wurden. Volkswirtschaft und Sininlplitih. Der Petroleunlslandal. Tic Frage der Vergebung eines Petrolenmnionopols an eine amerikanische Gesellschaft wächst sich nachgerade zu eine»« politischen Skandal aus. Die„Tri-, bilna", die in erster Linie den Kamps gegen, ein Privatmonopol in der Pctrolcnmprodut- tion und in« Petrolcumhandcl führt, fährt in der Darstellung der unglücklichen Petroleum- Politik der Regierung fort. Sic erzählt: Zur Zeit des magyarischen Einfalls hat die Regie- rnng die heimischen Pelrolcmnraffiucrien aufgefordert, um jeden Preis Petroleum und Ben zin zu importieren, damit der Bedarf des Mi- litärs gedeckt sei. Daraus erwuchsen große Verluste, welche die Regierung zu tragen ver- sprach. Dieses Versprechen aber zögerte die Regierung später einzulösen. Sie hatte ein Interesse daran, daß die entwertete» Borrätc abverkanft werden und ordnete die Einschrän- ktlilg der Einfuhr an. Diese Anordnung wurde aber von den eigenen Organen der Regierung nicht durchgeführt und große Mengen von Pc- troleun« und Benzin kamen ins Land. So lvar die Situation, als zu Beginn des Jahres das Ministerium, für öffentliche Arbeiten die Einfuhr von Rohware und Fertigprodukten mit einer Suriaxc von 1 K per Kg. belegte. Tiefe Verfügung lvar unverständlich. Der Schutz der heimischen Industrie wird dadurch erzielt, daß die Suriaxc nur vom Fertigprodukt ent- richtet wird, sodaß die heimischen Raffinierten, die die Rohprodukte ohne Erlag der Surtaxe einführen, dem Auslände gegenüber kontnr Seit? K. »nzfähig bleiben. Durch die Entrichtung der Slirtaf-e anch von den Rohwaren sind jedoch die Pctrolenmraffinerien geschädigt worden, sie mußten die Produktion einschränken und Ar- bciter entlassen. Ter ArbcitcrsabriksauSschnß der Firma Brcitfeld, Danck u. Komp. in Karolinenthal versendet nachstehende Erklärung: Gegen die Awu der Verwaltung des genannten Nntcrnch- nie»-, ausgegebenen Kundmachungen vom 9. ds. M., denen zufolge die Arbeitszeit um zwölf Wochcnstnnden verkürzt werden soll, prote- stierte die Arbeiterschaft bcrcchtigtermaßen, denn diese Kundmachung war nicht dem Kol- lektivvertrag gemäß tags vorher ausgehängt morden. Als die Verwaltung des Ilntcrneh- mens sah, daß sie einen Fehler begangen hatte, ordnete sie an, daß Samstag gearbeitet werden solle, am Montag jedoch nicht. Montag, den 12. ds. M., trat jedoch die Arbeiterschaft voll- zähtig zur Arbeit an und verlangte von der Verwaltung des Unternehmens, daß die Ma- schinen in Gang gebracht werden, damit mit »er Arbeit begonnen werden könne. Hiebet wurde angeführt, daß die ganze Angelegen- reit den Arbeiterorganisationen und dem Un- »wnehnierverband zur Austragung übergeben werden soll. Ter Zcntraldirektor des Unter- nehmcns berief den Sekretär des Unternehmer- ocrbandcs und der Arbcitcrausschuß die Ver- tretet der GcwcrkschaftSorganisationen, um die strittige Angelegenheit auszutragen. Kaum tiattc der Vertreter des Unternehmervcrbandcs, Ingenieur Hrdlieka, die Räumlichkeiten der -scntraldirektion betreten, verkündete er vor einer Gruppe versammelter Arbeiter:„Mit diesen hier tvcrde ich nicht verhandeln!", wobei er dadurch, daß er eine besondere Bewegung »lachte und eine herausfordernde Stellung ein- »ahm, die Anleitet reizte, welche, da sie in die- sein Benehmen eine Beleidigung erblickten, den Ingenieur Hrdlieka ans der Kanzlei hin- ausführten. Auf dem Gange vor der Kanzlei und auf dem Fabrikshofe wurde der Ingenieur Hrdlieka mit Rücksicht auf seine beleidigenden Aussprüche von der Arbeiterschaft kritisiert, wo- bei es bei der Aufregung der Arbeiterschaft auch zu schärferen Austritten kam, aus welcher .age er dann durch Einschreiten des Arbeiter- Ausschusses befreit und ihm Schutz gewährt bürde. In derselben Situation und unter wachsender Anfügung wurden aus dem Unter- nehmen noch ein Arbeiter und ein Werkführcr hinausgeführt, welche durch ihr Benehmen zu )er aufgeregten Stimmung beigetragen hatten. Tic Schuld an diesen Begebenheiten trifft hauptsächlich die Direktion des Unternehmens, welche, da sie die Lage kannte, die Möglichkeit hatte, anzuordnen, daß die Arbeit aufgcnom- inen werde und die Schlichtung der Angelegen- hcit der Beratung der Arbeiterorganisation mit dem Uutcrnchmcrverband überlassen werde. Die Erbitterung der Arbeiterschaft hatte ihren Grund anch darin, daß bis vor kurzem in cini- gen Abteilungen Ucbcrstundcn gemacht wnr- den und jetzt Plötzlich die Arbeitszeit um ganze 32 Stunden wöchentlich verkürzt werden soll; Weilers, weil der Lohntaris des Kollcktivvcr- träges in drei Mciallarbcilcrunternchmungcn gekündigt und in den anderen Untcrnchmnn- gen bloß bis Ende Oktober verlängert wurde, was dein Kollektivvertrag widerspricht. Die Arbeiterschaft nimmt mit Recht an, daß in die- scr Erstrccknng des Lohntarifs bis Ende Ok- tobcr das offenbare Bestreben und Untcrnch- Sozial!»« mokrat wer erblickt werden muß, den Arbeitern in einer Zeit, wo es die wenigste Arbeit gibt, den Lohn zu entziehen, obwohl die Preise der Le- bcnsbedürfnisse außerordentlich steigen.?llle diese Ursachen bewirkten die Aufregung, welche durch die letzte Vorkehrung der Verwaltung der Danck-Fabrik, die so schwer die Lcbcnsbe- dingungen aller Angestellten verletzte, aufs Acußcrste gesteigert wurde und jene Erschci- nungcn herbeiführten, an denen die Vcrwal- ticng des Unternehmens die Schuld trifft. Die Glasarbeiter des BöhmerwaldcS gegen Moskau. Sonntag, den 11. Septcnibcr 1921 fand in Budwcis eine Konferenz der GlaSar- i bciter des ganzen BöhmerwaldcS statt, in welcher über die kommunistische ZcrstörungSar- bcit verhandelt wurde. Der Vertreter des Vcrbandsvorstandcs Genosse Nenmann referierte über die bisherige Haltung des Glas- arbcitcrvcrbandcS. Er erklärte, daß am aller- wenigsten die Glasarbeiter eine Ursache zu Scparatkonfcrenzcn gehabt hätten, da der Glas- arbcitervcrband sich bisher immer neutral ver- halten hat. Im Fachblatt wurden keine Ar- tikcl gegen die Kommunisten veröffentlicht und trotzdem wurden von den Kommunisten Res» luttoncn gegen die Schreibweise des Fachblat- tcs eingesendet. Man kann daraus ersehen, daß überall nach dem Diktate des kommuni- stischen Gcwcrkschaftsbüros in Rcichcnberg gc- arbeitet werden muß, auch dann, wenn keine Ursache vorhanden ist. Die vom Verbands- vorstand vorgelegte Resolution, daß die Kein«- zellcnbildner aus dem Verbände ausgeschlossen werden sollen, wurde in namentlicher Abstim. mung mit 29 gegen 4 Stimmen angenommen. 9 Delegierte enthielten sich der Abstimmung ein allgemeiner. Die Pariser Morgcnblättcr melden, ist der Generalstreik in der Gegend von Lille ziemlich allgemein zur Durchführung gekommen. Die Zahl der Streiken- den wird ans 75.999 geschätzt. Anch die S t r a- ß e n b a h n e r haben im Laufe des gestrigen Tages die Arbeit eingestellt. Es wurden zahl- reiche Versammlungen abgehalten, die ruhig verliefen. Ter Arbcitsministcr hat gestern Vertreter der industriellen Verbände einpfan- gen, wobei die Industriellen dem Minister die wirtschaftliche Lage auseinandersetzten, die es ihnen nicht erlaubt, die L o h n h c r a b s c t- z u n g von 29 Centimes wieder rückgän- gig zu machen. Die Unterredung hatte also keinerlei Ergebnis. Der Minister hat für mor- gen Vertreter der Arbeitgeber und Arbciweh- mer zu sich geladen, um nochmals einen A u s- g l c i ch s v e r s u ch zu unternehmen. Das Streikkomitee hat im Laufe des gestrigen Tages den Arbeitern bestimmter, besonders l c b e n s- wichtiger Betriebe die Wiederaus- nähme der Arbeiter gestattet. Der Wert der Krone. Es kosten: IM holländ. Gulden 2639, IM Mark 78, IM schwciz. Francs 1431«, 100 schweb. Kronen 1781«, 100 Lire 353, 100 stanz. Francs 591«, 1 Pfund Sterling 310«, 1 Dollar 83«, 100 belg. Francs 587«, 100 Pesos 1080«, 100 Dinar 125«, 100 Lei 00«, 100 öftere. Kronen 0.15, IM poln. Mark 217«, 100 nng..Kronen 17.10. Äns der Partei. NcVer die Tätigtest der dentschen sozialdemokratischen Abgeordneten im Parlament bcrich- test Abgeordneter Genosse H i l l c b r a n d am 11. d. M. der B e z i r k s k o n f e r e n z in ^........™.. ,. c..-Rendel, die außerordentlich stark besucht und erklarten, erst die Mitglieder ihrer Gruppe wen: und den Bericht mit einmütiger Zustim- hierüber entscheiden zu lassen Durch diese^un zur Kenntnis nahm. Vorher bereits hat Abstimmung ist wieder eine sichere Hoffnmig^„osst.Hillebrand in stark besuchten Bcrsamm- lungcn in L u d i tz und W i l d st e i n den glei £4. Septembsv 13fiT. erstattete der Kreisvertrauensmann seinen Bericht, aus dem hervorgeht, daß die Bewegung im Kreise seit der Paricispaltung wieder emen bedeutsamen Ausschwung genommen hat. Den Kasabcricht erstattete Gen. Gunther,^ über die Partcidrnckcm referierte Genosse Rcvzl, für die Kontrolle sprach Genosse Fische r-Tcichstatt. Ferner wurden noch Referate erstattet vom Genossen Goth über den Ausbau der Presse ,ind vom Genossen Krem- scr über Organisation und BildungSarbeit. Zum KreisvcrtraucnS m a n n wurde abermals Genosse Reyzl gewählt. An die Konferenz, die den crstcnlichen Beweis gehe- fcrt hat, daß es im Krcisgcbict vorwärts geht, schloß sich eine Besichtigung der neuen Partcn- druckerei durch die Delegierten. KrciSkonseren, MicS Sonntag, de» 30. und Montag, den 31. Oktober in Tachan. BezirkSlonfercuz Wallern Sonntag, den 18.. September. Knust und Wissen. Reue« Deutsches Theater. Heute Mittwoch Gastspiel Susanne Jicha^yötzl„Der Roscn- kavalie r". Dirigent Zemlinsky. Morgen Donnerstag Hauptmann? Volksdrama„Die Weber". Freitag Mozarts„Cosi fan tuttc". Sonntag nachmittags„Boheme", Gastspiel Kubla.., » der Kommunisten zuschandcn geworden. Sie glaubten eine Mehrheit unter den Glasarbci- tern des Böhmerwaldes zu haben, müssen aber durch diese Abstimmung sehen, daß ihre Zcr- störungsarbcit bei den Glasarbeitern keinen Anklang findet. Der Kollektivvertrag bei Skoda abgeschlossen. Wie die„Nova Doba" meldet, ist nach lang- wicrigcn Verhandlungen der Kollcktivverstag in den Skodawerken abgeschlossen worden. Die bisher gezahlten Löhne gelten weiter bis zum 31. Dezember 1921. Der Urlaub wird von sechs ans acht Tage verlängert, Weihnachten erhalten die Arbeiter einen Wochenlohn als Aushilfe. Zur Entscheidung über aus dem Vertrage hervorgehenden Streitigkeiten wird eine Paritätslommission eingesetzt. Große Streiks in Frankreich. Paris, 13. September.(Havas). Der Minister für öf- fcntlichc Arbeiten empfing die Vertreter der Lillcr Textilarbcitersyndikate, welche die Erklärung abgaben, es sei ihnen nicht möglich, dem Beschlüsse betreffend die Lohnhcrabsetzungcn, beizutreten. Der Minister ersuchte die Delegierten, mit Ver- tretcrn der Unternehmer zu einer Konferenz zusammenzutreten. Eine zweite Meldung aus dem Strcikgcbiet selbst besagt: Nach der in der Textilindustrie erfolgten Lohnherabsctzung wurde in zahlreichen Fabriken die Arbeit ein- gestellt. Da zwischen Unternehmern und Ar- beitcrn keine Vereinbarung erzielt wurde, wurde heute der Generalstreik erklärt. In Ronbaix streiken die Metallarbeiter, die Stadlangestclltcn und die Bäcker. Es arbeiten weiter die Arbeiter des Elcktrizitäts- und des Gaswerkes und die Angestellten der elektrischen chen Bericht erstattet, der bcdattelos und mit großem Beifall aufgenommen wurde. Bezirkskonfcrenz in Bodenbach. Unter dem Vorsitze des Genossen K ö g l e r tagte am 11. September in der Volkshallc in Bodenbach die diesjährige Bczirkskonferenz unter starker Bc« teiligung der Organisationen. Referate erstat- teten die GenossenArnberg, Abg. Genosse C e r m a k, der über die politische Lage referier- te und Abg. Genosse S ch w e i ch e r t, der einen parlamentarischen Bericht erstattete. Wir ver« öffentlichen die Ausführungen des Genossen Eermak an anderer Stelle. Die Bczirksorga- nisafion Bodcnbach hat trotz der komnmnisti- schen Absplitteningen ihrcMitglicdcrzahl gegenüber dem Vorjahre noch erhöht. Diese be- trägt 4919 männliche, 1985, weibliche Mitglic- der in 37 Lokalorganisationcn. Der Kassabe- richt weist 134.923 K 90 b, Einnahmen und und 119.183 K 39 h Ausgaben ans. Hervorzuheben ist aus dem Berichte, daß im ganzen Bezirke Tetschcn durch den Einfluß der Sozial- dcmokratcn die Schulärzte in allen Gemeinde eingeführt wurden, denen noch Schulschwcstcrn zur Seite stehen.— Besonders erfreulich ist natürlich anch, daß in diesem industriell so hoch entwickelten Bezirke, in dem der diesjährige Parteitag stattfinden wird, die kommunistische Bewegung keinerlei Bedeutung er- langt, trotzdem die deutsche Abteilung zwei Se- kretäre bezahlt. Turnen und Sport. Tin KrciS-Spicl- und Sporttag im 5. Kreis. Auf Drängen der BczirkZ-Spicllcitungcn hat sich die Kreisleitung des 5. Kreises int Verein mit der Krcisspiellcittcng veranlaßt gesehen, am 25. September d. I. in D u x einen Kreis- Spiel- und Sporttag abzuhalten, ans dem unsere heurigen Krcismeistcr hervorgehen sollen. Die Veranstaltung umfaßt an Spielen für Turner: Schlagbnll, Fanstball, Fußball, für Turnerinnen: Fanstball und Ball über die Schnur. Außerdem werden einige leichtathlctischc Disziplinen ausgetragen, die für Turner Hoch- sprung, Weitsprung, Diskus, 100-Meter-Lauf, Spcerwurf und Stabhoch, für Turnerinnen 75- Mclcr-Lanf, Hochsprung und 5-Kilogramm- Kugelstoßen umfassen. Da eS auch im leicht- athletischen Wcttkampfc um den Besten im Kreise geht, werden die Vereine ersucht, wirklich nur solche Wettkämpfer zu senden, die schon über cm gewisses Können verfügen. Die Teilnahme ist nur an einer llebnngsart gestattet. Teilnehmer haben sofort bei Genossen Franz Er d, Beamter in Hostomitz a. B., Name, Berein und Ncbungi- art bis zum 24. ds. zu melden. Der Wettkampf beginnt Sonntag, den 25. um 8 Uhr früh. Ab 10 Uhr beginnen die Vorrunden für die Spielen und es beteiligen sich da nur diejenigen Mann- schastcn, die durch die Sericuspiele die Bezirks- besten wurden. Es sind dies bei den Turnern im! Fanstball Lcrchcnfcld, Görkau, Saaz und Boden- bach, im Schlagball Lcrchcnfcld und Krochwitz. Der 2. und 4. Bezirk hat noch je eine Fanstball-- Mannschaft zu bestimmen, die bei dem Bezirks- turnfest die beste war. Desgleichen der 2. Bezirk im Schlagball. Im Fußball werden die Bor- runden schon jetzt in den Bezirken ausgespielt, sodaß nur der EntschcidungSkampf am 25. stattfindet. Die Entscheidnngskämpfe sind nachmit- tagS. Für die Spiele der Turnerinnen gilt daS- selbe: hier hat der Bezirk die beste Mannschaft! zn bestimmen. Jeder Verein, der sich an irgend Kreiskonferenz in Warnsdorf. Sonntag fand einer Konkurrenz beteiligt, ist verpflichtet, zwei ein r vi.^ i'iy?... V.i f i jr.."y#r« i.v£ 1««... ei«rr,«•• iD ,er.'w<,*• K in Warnsdorf die diesjährige ordentliche .K r c i s I o n s c r c n z statt, die vom Krcisvcr- trancnsmann Genossen Reyzl eröffnet wurde. Als Vertreter des ParteivorstandcS Straßenbahn. In Tourcoing streiken die nahm Genosse K r c m s c r an den VerHand- Böcker und die Metallarbeiter. Die übrigen lungcn teil. Nachdem zum Vorsitzenden Ge- Arbeiter arbeilen. In Watrclos ist der Streik, nosse Goth-Warnsdorf gewählt worden war, Schiedsrichter zu stellen. Die Veranstaltung wird bei jeder Witterung durchgeführt. Herausgeber: Dr. Ludwig Ezech und Karl Eermak. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. ££ 5C)ff Gastwirtschaft „Lidov# dum 1 der Genossenschaft„Ganymed" Prag II., Ilybernskä 7. Genossen unterstützet tlns Rcnossensch. Unter- I nehmen! Vorzüglicher Mlttnf-stisch, Abendessen und Getriinke, Trinkgelder aufgehoben) tmerik. Roll-Flachpulte, Registraturen, Kassen, Regale, Vcrkanfspulte, Gnsthausmöbel etc. offeriert den p. t. Gewerkschaften und Genossenschaften zu Vorzugspreisen 2 st. Krnninilt, Prag IL, SÄ 1- VF VA Spezialhaus für 4 Spitzen, Sütel M Vorhänge n. R. Rmsehelberg Prag, ulice 28. 1. E. 62 Bei der Egerländer Bruderlade in Falkcnau a. wird infolge Einrückens eines Beamten eine Aushilfskraft aufgenommen. Bewerber um diese Stelle müssen buchhalterische Kenntnisse besitzen, flotte Stenographen sowie der deutschen und tschechischen Sprache in Wort und Schrift vollkommen mächtig sein. Gesuche sind a. d.»Verw. d. Egerländer Bruderlade in Falkenau a. E.« zu richten. BÜRSTEN, Anstrcich- n. Rasierpinsel in erstkl.Ausfiihrung nach Nürnberg. Art lief, direkt an Konsumvereine und Gewerkschaften S. ADLER, b Bürsten-, Pinsel- u. Holzwarenfabrik Ges. m. b. H. Markt Eisenstein, Böhmerwald. Gegen Ratenzahlung verkauft Herren-, Knatzen- n. KinderUnziige. Herren- u. Damen-Mäntel jul. Werner, Teplitz-Schönau, 8 Badegasse beim Kurgarten. Konsumvereine führet nur Bacher nnti Broschüren aller Hrt liefert zu den günstigsten Bedingungen 16 Volksbuchhandlung Ernst Sattler, Karlsbad. Für die Verwaltung des„Sozialdemokrat" wird für Prag ein tüchtiger & Zentrale: Prag, Rybnä ulice 13. 25 Fabrik: Liban. CAFE ELEKTRA WEINBERGE, vis-a-vis dem Museum, neben Deutschen Theater. TREFFPUNKT DER GENOSSEN. Telephon 4854. 9 gegen Fixum und Provision gesucht Zuschriften nur von seriösen Bewerbern an die Verwaltung erbeten. Espcrantovcrcin„verda stelo" Prag II.,§tepanskä 40|II. Esperanto-Korse Vorbesprechung heute 8 Uhr abends Kleiner Uranlasaal,, SmeCkagasse. 70 I Schrei bmas chinen JJSSSSlS? yAW*"büüS?" . BRÖS'«w Ir W1HIT ftflaTLiBfailiKSH 1 j n•........ Lucerna Vervielfältiger ■ vimiiviii wwawa Lieferanten d. Grosscinkaufsgcsellsch. für Konsumvereine, Prag, f 14.-September 1921. ®»r neue» Kämpfen. c 9icöc des Genossen Abg. Cermak. «cno, ffc bCE f?l. Cäirf#fo, UfcrCn3 Bodenbach hielt ucncfje Cermak eine interessante R-ho bk tl,itf;ti0f ö-e- 4',,, s® ci™0« n 8« des Klassen. «'S* werden wir auf dem Wege „mm Sozialismiis vorwärts schreiten. ..acg dem^.ltkr.cgc haben wir eine crschüt- tische Wi"tschaktg^ b°lt°h-"de priva.kapitali- i-!f!x». U"Ö vorgefunden. Ter Krieg Ivn.de damit beendet, das: die herrschen, den Klassen der mächtigsten kapitalistischen n w< Englands, Frankreichs, nicht zermurbt, sondern stärker 1" i C. nil? tM hervorgingen. wer Krieg hat durchaus nicht mit dem Zusammenbruch der kapitali ti! schcn Wirtschaftsordnung gccn- "s o r Ucr,f bc" Sicgerstaaten. In Deutschland, Oesterreich, auf dein Balkan lind dort"w?RK,'' b-x 6C' iC0' n," rbc"' nDfr«"ch bort, Wo Volker ihre natioale Freiheit erlang- tcu. wurden nur die alten Politi- scheu-h steine beseitigt. Mehr als in den Siegerstaaten ist die kapitalistische Ordiinna in den besiegten Staaten erschüttert. Aber trotz de.. Krieges leben wir wieder in der Keil der w-estwirtschaft. Staaten und Völker sind ans die-crbindung und die Zusammenhänge im- tcreinaiidcr angewiesen. Darin liegt eine>ve. sentlichc Ursache dafür, das; der Wiederaufbau möglich wurde. Tie kapita. S t- Öc f' c 0 tc" Mitteleuropa ,tnVfCrc" Bundesgenossen als die Sjß!S l J< ¥ B-ft l,eu bfV l-KUnct'en Entente. nicht lozialistert. die soziale Gesetzaebniia bettangsmiit wird, das; selbst Rußland gezwm, .,ut wurde, de», Kapitalismus Konzessionen M machen, beweist die Stärke der fapi.ä?isti Ichen Klasse», vor allein in den Siegerstaaten ! U|i° Uf bic kapitalistischen Klas- stii Mitteleuropas. Die Mctbode des wismusjst in Rußland gescheitert. Dankst aber»,ch. der Sozialismus gescheitert Wir sind nun die Einzigen, die in der Arbeiterschaft den Glauben den Sozialismus mtvJt cryoHcn.o»„c„, weil wir de» Irrt».» bZ Bolschewismus nicht»'.ligemacht haben. Auf dem Boden dieses Staates fällt uns die Ans gäbe zu, das Vertrauen der Arbeiterschaft zum Sozialismus zu verankern.?iach einer Tarstel- lung der ökonomischen Verhältnisse in Nnß- land, in dem die landbcsitzcnden Panern sich auch zur ausschlaggebenden Politischen Macht einwickeln, loinuit Genosse Cermak zu dem Schluß, daß sich Rußland ans dem Wege der Cntwilklnng zn einer d e in o l ra t isch c n B a u e r n re publik befindet. Das ist die einzige glückliche Lösung aus de», tzolschcwi stische» Abcntener. Eine gewaltsame Liquidie- rilng des Aolschcwisvnis wäre ei» Unglück für den Sozialiöuius und würde uns in Mitleidenschaft ziehen. Gestützt auf die wirtschaftliche Macht ist uii» iu Europa die Reaktion crwachi, wer- de» die konterrevolutionären M ächte lebendig. Die niederträchtigen Reaktionäre, die sich im Oktober 1918 verkriechen mußten, kommen jetzt wieder hervor und erfahren durch das Anwachsen des Nationalis- m»S neue Stärkung. Tie Arbeiterklasse in Teutschland kämpft einen schweren Krieg ge- gcir die Reaktion. Ter Druck der reaktionären .Kräfte ist dort so groß, das; sich die Mehrheit«- sozinlisten und die Unabhängigen wieder in einer AktionSgemeinschaft vereinigt Habe». Der Kampf ist in erster Linie gegen Bayern gerich- tet, in dem, begünstigt durch daS Experiment einer Räterepublik, die Reaktion ungeheuer er- stärkt ist. Tie Stärkung der Reaktion darf aber kein Anlaß sein, den Mut sinken zu lassen. Un« ter dem Drucke der Gegner werden auch die Arbeiter zu einer stärkeren Macht zusammen- gepreßt, um so auf dem Wege zum Sozialismus in neuen Formen welterzuschreiten. Zur Stärkung der Reaktion trägt in allen Staaten die stete Beunruhigung durch den na- «oziald tionalen Streit der Völker bei, der durch die Fehler, Verbrechen und Dnmmhei- t c il, die in den Pariser Friedens« Verträgen stecken, neue Nahrung gefunden hat. Teutschöstcrreich wird von den Horthy- Banditen wegen des BurgenlandcS schwer be» unnihigt. Wenn diese Probleme auch gelöst sein werden, wird sich zeigen, daß die Besinn- mungeii des Friedensvertrages undurchführbar sind. Entweder die Friedensverträge wer- den abgebaut, revidiert, oder Europa versinkt in ein ChaoS. Von dieser Perspektive an? beleuchtet Genosse Cermak die Verhältnisse in der Tschechoslowakei. Gegenüber anderen öffentlichen Staaten befindet sich die Tschccho- slowakci in verhältnismäßig konsoldierten WirtschaftSverhältnisscn. Aber in diesem Staate können die Arbeiter nicht zur Entfaltung ihrer Macht kommen, weil er falsch aufgebaut ist und ihm der Wcchsclbalg der nationalen Kon stille in die Wiege gelegt wurde. Solang« der staatliche Aufbau nicht dem Willen der Völker entspricht, werden wir eS mit einer ständigen Staats-, Parlaments« und Regierungskrise zu tun haben. Wir stehen vor einer neuen Re g i e r u n g, die das Produkt der Parka- mcntSarbeit des vergangenen Sommers ist. Das Programm der Regierung ist die Erhaltung des Staates in der heutigen Form, Ver- Hinderung aller grundlegenden Aendcrnngcn, die Fortführung und Aufrechterhaltung der Fiktion des nationalen Staates. Das heißt aber nichts anderes, als die Fortführung der bis- herigen Wnrsteleien. Für uns ergibt sich dar« aus, daß wir im Herbste mit erneuter Kraft unsere schweren politischen Kämpfe wcitcrfüh- ren müssen, in Massenaktionen und im Parlamente. Die Macht, die wir bei den letzten Mahlen erreichten, wirkt dort fast mechanisch weiter. Jedes Gesetz, das zustande kommt, ist der Ausdruck der politischen Macht- Verhältnisse. Wir brauchen nach keinen neuen Kaiüpstnitteln zu suchen, denn, wenn wir die erprobten Nüttel nicht anwenden, so werden wir mit denselben Mitteln von unseren bürgerlichen Gegnern geschlagen werden. Unsere Ausgabe wird es sein, kräftig.lud tapfer zuzn- schlagen, wenn sich der Gegner anschicken sollte, Front gegen die Sozialdemokratie zu machen. Wenn die Gelben und die Deutschbürgerlichen vermeinen, daß ihre Zeit gekommen ist, so müssen wir ihnen diesen Irrtum tüchtig aus- treiben. Helfet dem rnsMtil Golste. Bekämpfet die Rcaktiow. Die Zciitralgewcrkschaftsko»»iiissioii des deutsche» GewcrkschaftsbuiideS in der Tscheche' slowatci versendet einen A n f r» f an ihre Mitglieder, in welchem sie das Treiben der europäischen Reaktion, vor allein in Deutsch- land aufzeigt und das Proletariat zur Kampf- bcrcitschast und HilfSsrcudigkeit für das leidende russische Volk aufruft. In dem Aufrufe heißt es n. a.: „Die Gefahr besteht, daß die Hilfe für das hungernde russische und georgische Volk in den von der Mißernte betroffenen G,e bieten von de» Feinden der russischen Revoln- tion in Rußland selbst wie in Westeuropa zu Machenschaften txmutzt wird um die Sowjet regicrnng zu stürzen. Der Sturz der Sowjet regiernng wäre nur das Signal zum Entschci- dniigskampf der Gegenrevolution. Zu hni'.dcrttansenden sterben die Kinder in Rußland, Millionen erwartet das gleiche Schick sal, wenn nicht rasch, ohne versteckte Absichten, geholfen wird. Der»ach Rußland entsandte Vertreter des roten Kreuzes, Nansen, bestätigt die Nachrichten von den furchtbaren Zuständen in den Hungergebiete». Soll diese»»beschreib liche Not zu gcgenrcvoliltionnrei, Intrige» mißbraucht werden? An alle mitsühlciide» Mensche» in Europa wenden, sich die Führer de» russischen Volkes. Aber niemaiiden geht die Not in N u ß l a nd mehr an, niemand wird bereitwilliger geben als die Arbeiter, ohne Unterschied der Politischen Richtung! Die Einheit de» Proletariats erweist sich als eine lebendige Kraft, sobald eine Katastrophe wie die Hungersnot die proleta- rischc Solidarität wach ruft, sobald Bluttaten wie die Morde in Deutschland die Gefahr der Reaktion und den Wahnsinn des Bruderkamp- fcs grell beleuchten. Tic Hilfsaktion für Rußland»»iß zn einer machtvolle» Kuiidgebnng des ganze» Proleta- rialS werden— eine Warnung an seine Feinde. Mit selbstloserem Opfers!»» als je müssen die Arbeiter die Sammlung der Gewerkschaften unterstützen, mit denen der Internationale Gr wcrkschaftSbund den bedrängten(Genossen in Rußland und Georgien Hilfe bringen null. Kameraden! Bewährt Eure proletarische Treue. Bekämpft die Reaktion! Helft deni Russischen Volk!'' Beiträge zum russischen Hilsasondo. erlegt bei der Wgemeinen Genossenschaftsbank in d v Woche vorn 2. bis 7. September. (Vierter vusweis.; Gewerlschstl der Tabatarbeiiecinnen und Ar- beiter d. tschsl. Rep. Siernbcrg, Olksgruppe Tachan 300.—-, Beamte der Bezirkskrankenkasse in ArandeiS u. E. 300.—. Fan Trkal, Ziegelei- «maltet «ficitcr, Cerean PO—, Arbeiter der Fa. Novak ». Iftbn, Prag vit 051—, Gewerkschaft her Tabatarbciteriinien»nd Arbeiter. Sleriibcra Ortsgruppe Ski. FoachimSial 2b?.—, Vcrg- arbc.lcrlniion(denisch) in Tiirn.Tcplip 03.017 60 Arbeucrtur,.vereinig. Olmijtz.Clyvalkoiv!.. 50—' Bezirkssekretariat der dentschen soz.-dem Ar- Ii 10r)0— Z-nlralvcrband fV»s,»- C o' 0' 1 verschiedener Gewerbe und Industrien, Ortsgruppe Jaromer 00—, Arbeiter °er Fa. b. Hclman, Prag vii 153—, Arbeiter Fa. Johann Prakopee, Weinberge 70!>— (««», b r Ct.L 0," b" n' Senatoren, Prag 1000.—,' »^,. niu' Unter-Mecholnp 77—, Jos. So- nicef, Shota, P. Libcan bei Königgräp 80.40 yur die foz.^bcrn. pol. Organisation Jos. Krei' car, Königgratz 640—, Gewerkschaft der Tabak atbeUftiniicn nnd Arbeiter Sternbcrg, Ortsgr soz.-dem. Organ. iraß^Lochoivit, bei Rokytzan 27—, So; dem pol. Crg. Pranst 225—, Jos. LInzmeicr für die !»rfa m r-"? Eisenstraß. Renen, 114— B die BezirkSorg. der Kleinbauer» n„d Hansler. Neuer,. 100—, Ortsgruppe der so,.- dem. org Tabakarbeilcrschafi Jglou 510—, P. ^'d>ch, Tabakfabrik LandSkron 1512—, Tauber Masch,«sichrer Preßburg, Neustadt 351—,?tr- mitcr der Fa. Dauck, Karoliuemal 7153—?lr bester der Fa. Waldes». Co., Wrschowib 3328.13 Binn deutschen soz.-dem. Abgeordneten Prag V4V0—. Gruppe der Metallarbeiter in Turcl -.t. Martin 3,1—. Angestellte der Fa. Svitak, Karolinental 144.40. Arbeiter der Fa. Pokou,, ÄI' 1, 321^ 0'• q,Ub"'chech. sozialistischen Abgeordneten Prag 7500-, BerbandSgruppe der chcm. Fabriksarbeiter Lnzcc a. d. Moldau 064.30. Ja. Jordan Pchery 50—, Org. der tschechischen Sozialisten Prager Borstadl. Königgrätz 100—. Beamte und Angestellte der Krankenkasse Karo lmental 300.—, Am. Novolny, Lissa Nr. 303 '-Icpanek. PcrtranenSmai», der forden,, hol.^ rg. Prunn Bohiischowitz 53— isch..Orotuu. Jm^nntizcit 150.365.87, Nest von der vorigen Woche 16-,.035.37, in, ga»;e» 321.410.34 Isch'ech Kronen. Uoch einmal der Chodaner Mord. Das Treiben der kommunistische!! Presse Zloin gt»Iis, UNS noch einmal mil der Chodaner Mordtat zu beschäftige», denn wenn sie in de» erstenTagcn nach Aufdeckung der Mordtat nnd da sich herausgestellt hatte, daß hervorraarnbe koimii,inistische Verlraiiciislenle an ibr initbe lciiigt sind, die Sprache verloren:u haben fchic», so gebärdet iic sich„»r umso dreister und mochte auch noch- ein Gipset der Unvcr schamtheit— die Sache zur Hetze gegen die Sozialdemokratie ausschroten. Natürlich geht der./t eichen berger„Vorwärts" darin allen anderen kommunistischen Zeitniigei, voran. Er ließ in der Druckerei die allergrößten und aller fcttcslem Lettern hera»ss,tcheii nnd stürzte sich nun fettdrncktriefend»nd wie ein'Berserker schreiend ans die-Sozialdemokratie:„Die So zialdemokratir mit der tschechische» Kontcrre- volntion im Blinde!".„Will die Sozialdemo Iraiic die sionterrevolntion ankpiit'che»?" Mit anagesilchte» Schinipsercicn lieblich gemengt get» es so in angenehmer Folge weiter. Daß die sozialdemokratischen ,Zeitungen auch der Verleumdung bezichtet werden, wird bei dem besinnungslos schreienden nnd lobenden Blatt nicht weiter befremden. Es macht sich die Sache allerdings spielend leicht. Zur Zeit, als die'Behörden den ko»imuiiislisch-.'>, Sekretär -eryznv.-lv nnd twi, an der Mordtat nnmiltel- bar beteiligten'Müller noch suchte, hieß es in allen Beri»,ieil darüber, dag Trvzilbsky und Müller flüchtig seien. Das ist eine Verleumdung, schreit der„Vorwärts", den»:„Der Tryzilbsky ist weder ans der Flucht, noch wurde er verhaftet, wie das Pressegesindel schreibt, sonder» er hat sich in Reichenbrrg freiwillig gestellt»nd wurde dem.Preisgericht ei» gel Resort." Wo da die„Verleumdung" sein soll, wird nicht einmal der, wie wir übri gen» anerkennen, wirtlich in schwerster Verle gnchcit befindliche„Vorwärts" zn sage» ver mögen. Nach diesem.'lirzepl ist die ganze fette Aufmachung des„Vorwärts" gestaltet. Er selbst nliis; bekennen:„Das, was bis jetzt über den Chodaner Vorfall verösfenilicht lourde, bc- weist, daß tatsachlich einige verbrecherische Na- tnrcn, denen es geliiiigeii ist, sich in die tom mnnistischc Partei hineinz»schm»ggeiii, in diese Assare verwickelt sind." Was anderes haben wir geschrieben, als was der„Borlvärts" nun selbst zugeben muß? Auch mir haben nur bc hanptet, daß die.stoiniministcii Berbrecherna- tnrcn als Sekretäre in Verwendung genommen haben. Daß die kommunistische Partei die Biordtat begangen oder für sie n n in i t t c l» bar verantwortlich gemacht werden kann, ha- ben wir selbstverständlich nicht behauptet. Allerdings haben wir niis erlaub«, a» die Ver suche des„Vorwärts", diese Verbrcchcriiati,- ren niliiniehr glatt abziischütteln, einige ihm schm.:liche Venicrkiliigeii zu knüpfen, denn wir meinen nun einmal, daß eine Partei, die tag- sich den Terrorist»»« predigt, ebenso allerlei Wirrkäpfe wie Gewaltmenschen anlocken in n ß. In diesem Sinne werden wir auch in Ankilnft nicht ermangeln, die Arbeiterschaft vor einer Partei, in der sich die entlarvten Vertrauens- männer nur so hänfen, ausgiebig zu warnen. Wenn der„Vorwärts", oder richtiger die ReichSerekutive der kommunistischen Partei, welche daS Geschrei verantwortlich zeichnet, die Tatsache, daß wir die Mordtat nicht nnt ehr- furchtsvollen Schweigen hingenommen Hoven, als c,nen Beweis dafür ansehen will, daß die Seite 8. Kommunisten die sozialdemokratische Partei, wie„sie cS nie wußten", in einem„hohen Grade zermürbt" haben, so kann das in dem Augenblick, da die kommunistische Bewegung Überall im Verkrachen begriffen ist. nur sral>- liche Heiterkeit erwecken. Ebenso heiter muß es stimmen, wenn der„Vorwärts" zu dem alten. abgebrauchten Trick greift: Wenn ein An- gehöriger der sozialdemokratischen Partei irgendwo in der Welt etwas sagt oder tut, dann ist die sozialdemokratische Partei der gan- zen Welt dafür verantwortlich, wenn es sich dagegen um ein Mitglied der kommunistischn Partei handelt, dann geht das die Kommunistische Partei gar nichts an. da»» ist sie in je- dem Falle ilnschiildig wie ein frischgewaschener Engel und wehe dem, der dessen auch nur Erwähnung tut, er ist ein Konterrevolutionär, ein Meißgardist, ein Sozialverräter, ein Pv!i- zcispitzel. Man kennt die Weise und man kennt den Tcjst. Die konimunistischen Schwindeleien und Verdrehungen werden in der Arveiterscho'it nachgerade so bekannt tlnd verüch'.igt. daß sie bald jede ausdrückliche Feststellung entbebrüch machen werden. Die Dreistigkeit, mit der her „Vorwärts", bezichnngslveise die Parteie' Ni« tioc die Mordtat auch»och gegen Sic sozialvcz »lokratischc Partei ausnützen möchte, wird nicht gut bekommen und c§ wäre ihm dal,- 1 dringend Zli widerraten, in dieser Tonart p i« zufahren. Er empfindet wohl selbst die Be, drängnis, in welche seine Partei geraten in« denn in faustgroßen Lettern verkünde! er: „Kein ernstes bürgerliches Blatt beteiligt sich an der gemeine» Hetze gegen die kommunis»»»« Partei".'Ans einmal entdeckt der„Vorlväris"» das; es auch„ernste bürgerliche Blätter" nivt. Das ist ebenso neu, wie die Drohungen b:$. „Vorwärts" mit den bürgerlichen Gerichten. Ja, die Herrschaften entdecken sogar, daß es auch ernste»nd würdige bürgerliche Zeitungen gibt, wenn sie um deren Sch'nnng winseln und sie lausen eilfertig zum Kadi, wenn ihnen da* Wasser in die Stiesel rinnt. Daß die bürgerliche Presse die Chodaner'Mordtat i» aller Stille abtut, sie. die jede Verfehlung eines sozialdemokratischen Funktionärs im entlegensten Orte mit hamisch-schniunzelndem Behagen breittritt, war nach dem Wohlivolten, das sie auch sonst den Kommunisten spendet, voraus ziiselzcn. Tic hat an» ihrer geheimen Liebe für die Kommunisten, welche zur Freude der 'Bourgeoisie die Einheit der Arbeiterbewegung zerschlagen habe», nie ein Hehl gemacht nnd seit ie druckt sie die Schimpfereien der kommunistischen Blätter ans die Sozialdemokraten be« geistert nach. Die anssallende^Schonung, welche die bürgerliche Presse gegenüber den Komm»« ! nisten auch diesmal zeigt, wird man sich darum ; wohl anders auslegen müssen, als es der„Vor- j wörts" tut, der nun plötzlich von der„ernsten i bürgerlichen Presse" ganz gerührt ist.'Abc, j es sei nach dem„Vorwärts" gerne neidlos(est- ! gestellt, daß in der Benrlciliing der Chodane, Biordtat die„ernste bürgerliche Presse" mil dem„Vorwärts" ei» Herz nnd eine Seele ist Ner verdandstag der Jugendlichen. Schlußsitzung. Die Verhandlungen des Bcrbandstageö wurden Montag früh mit der Debatte übet den Punkt„Iugendiniernationale" wieder auf« genommen. Es sprachen nur kurz die Genossen Paul und Hochsont über den Antrag ans A nschl n ß an die I u>>' r» a l i o» a 1 1 A r- beitsgeinei n s cl> a s! sozialistischer In- gendvcrbändr. Der'Antrag wurde vom Ver- bandstag e i n st i>»»> i g angenonnncu. Dann erstaltete l'-lenosse H o s v a n c r den Bericht Sc, Kommission zur Ucbcrprnsung des Programm- entwurscs. Da» Programm wurde mil einer Reihe unbedeutender Abänderungen vom Vcrbandvtag e i n st i in in i g a n g e n v>»« nie». Dann erstattete Iugeiidgenosse Horte« Bodenbach Berick» über die wirtschaflli- che» F r a g c n de r'.'l r b c i t e r j u g e» d. welcher Krieg n. Revolution noch größere Ver elrndnng gebracht haben. Tie'Arbeiterjugend im ischcchoslolvat. Staate leidet mii dem ge< samten Proletariat niiter der Arbeit»!nsigkeit, die Forderungen nach Abschaffung der Nachtarbeit und des Sonntags-»nd'Abenduiiter- richte« sind noch immer nicht restlos erfüllt. Unternehmer nnd'Meister lause» gerade gegen die Gesetze, die diese furchtbarste Ausfall' tnng der proletarischen Fugend verhüten sol- len, ständig Sturm. Redner besprach dann ausführlich die drei hauptsächlichsten Fordernn- gen der'Arbeiterjugend, deren Erfüllung die Voraussetzung einer Besserung ihrer wirlstbafi- liche» Lage ist, nämlich Schutz der Lehrlinge. Nnigesialinng der Gewerbeschulen und allgc meinen Jugcndschntz. Im Vordergrunde des Ka Misses der Jugendlichen steht die Forderung nach dem O-Stundentage nnd nach gesetzlichem Urlaube, eine ausreichende Slrbeitslosennnter- stützung und die Verbesserung der Lage der Landjugend und der Hausgehilfin n c ii. Die sozialistische Arbeilersugend fordert ferner» aktives und passives Wahlrecht in die Betriebsräte. Nach dem mit gro- ßem Beifall anfgenomnienen Referat Hortes ergriff'Abgeordneter Genosse Schäfer(.Jen- tralgelverlschaftskouiniissivn) das Wort, der eafc 4. outet anderem ausführte:„Sic haben in ihrem Programm eine Reihe von Forderungen aufgestellt, die nur mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen, andere, die nur durch Gesetz- Wendung erfüllt werden können. In diesem Staate ist leider derzeit ans diesem Gebiete nur wenig zu erreichen. Ans die tschechischen Sozialdemokraten, die in der kommenden Regie- tung vertreten sein werden, können wir ja tut geringe Hoffnung sehen. Die bürgerlichen Parteien waren und sind in den sozialpoliti- che» Fragen nur sehr wenig zu Zugeständnis cn bereit. In diesem Staate ist sogar eine 8 e r s ch l e ch t c r u n g der Lage der Arbeiterjugend eingetreten. Heute herrschen in man- che» Gewerben Zustande, wie sie in der V o r- k r i c g s z c i t n ich t ärger waren. Es ist al- so gerade in der Frage des Jngcndschuhcs in der Tschechoslowakischen Republik ein grosses Stuck Arbeit zu «ofltalfccKott«* werden dafür leisten. Die Gewerkschaften _ tragen, daß Ihren For- dcruugcn größte Aufmerksamkeit geschenkt wer de. Sic haben Ihre Beratungen vorbildlich ernster Weise geführt, Sic haben sich ein Pro- grainm gegeben, mit dessen Hilfe Ihre Orga- nisatiou gewiß weiter gute Fortschritte nta- che» wird. Sic haben die ärgste Krise Überwunden, Ihre Organisation ist wieder im Aufstieg begriffen, es braucht Ihnen also um ihre Eist- Wicklung wirklich nicht bange zu sein. Die Gewerkschaften machen eine ganz ähnliche Krise durch, wir würden dasselbe Schicksal erleiden, das Ihre Organisation erlitten hat, auch die Gewerkschaften würden zerschlagen werden, ° wenn.sie sich nicht bei Zeiten zur Wehr sehten gegen jene Treibereien, die ans Anordnung Moskaus von den Kommunisten verübt wer- den. Alle Teile der Arbeiterbewegung werden die schwere Krise überwinden, die die Koni murnsteu über sie gebracht haben. Die Gewerkschaften werden de» Sozialistischen Jugcndver- band in jeder Weise nach Kräfte» unterstützen." Es sprachen dann in der Debatte noch Gcnos- sc T h a l l c r-Wien, der in längerer Rede die unübertroffenen Erfolge der österreichischen so- zialistischen Jugendbewegung erläuterte und Genosse Welker t-Karlsbad. Nach dem Schlußworte H ockes wurde vom Verbands- tage der Antrag der Gruppe Sternbcrg ans Herausgabe einer Broschüre über Gewcr- bcschulreform und Lchrliugsschnh dem Vor- bandsvorstande überwiesen, und der Antrag der Kreisorganisation Karlsbad ans Vil dnng eines Lehrlmgsschutzkomitccs angenommen. Dann folgte ein cinstündiges Referat des Ge- Nossen Paul über„ll n s c r c künftigen A ufgabe»", die er in organisatorische, Kampf- und Bildungsaufgaben unterteilte. Er begründete zunächst ausführlich die Notwen- digkcit der Erhöhung des Mvnatsbcitrages und besprach dann die vom Exekutivkomitee der Internationalen Arbeitsgemeinschaft beschlof- scnc Abhaltung einer Internationalen I n g c n d w o ch e v o m 24.—30. Oktober dieses Jahres. In diesen Tagen will der Per- band für die Ideen der Arbeitsgemeinschaft unter der gegnerischen und der indifferenten Proletarierjugend werben. In allen Bezirks- städlen sollen am letzten Tage der Wcrbewoche größere Versammlungen zur Hebung des in- ternationalen Gedankens und außerdem künst- (erstehe Feiern, die derselben Idee dienen, vcr- anstaltct werden. Redner besprach die Schaf- fung eines Internationalen Kampsfondes, wie er vom Exekutivkomitee der Arbeitsgcmein- schaft beschlossen wurde, entwickelte dann, zu den Kampfanfgaben übergehend, ein Aktions- Programm für den Kanipf gegen den M i l i- t a r i s m u s und begrüßte das Versprechen der Gewerkschaften, den Verband in seinem Kampfe um Erfüllung der w i r t s ch a f t l i- che» Forderungen der Arbeiterjugend zu un- »«stützen. Mit aller Energie muß die Arbeiter- jugcnd die Errungenschaften des Verbotes der Nachtarbeit und des Sonntags- und Abend- »ntcrrichtcs zu erhalten trachten. Wenn es not tut, muß zum letzten Mittel gegriffen und der Gewerbcschnlstreik proklamiert werden. Redner beschäftigt sich dann noch mit dem Kanipf ge- gen den Nationalismus, gegen die gegnerischen Jugendorganisationen und gegen die Bolksscu- chcn. Von der Besprechung des Kampfes ge- gen Alkohol und Nikotin, gegen Schnndlitera tur und Kino leitete er zu den Bildungs ausgaben über, für die er theoretisch ein allgemeines Programm entwarf; die Bespre- chnng der praktischen Durchführung muß der Verbandstag infolge der vorgeschrittenen Zeit dem neu zu wählenden Bcrbai'dsvorstcmd über- lasten. Dem beifällig aufgenommenen Referate des Genossen Paul folgte eine lange Debatte, an der sich die Genossen L i c b s ch e r Kaaden, T o tz a« e r-KarlSbad, H o ch s a m-KarlSbad, M a r z i n- Tcplitz, Schwarz- Bottenbach Woldschmid t-Prag(als Gast), Genossin P u ch e r-Karlsbad, Jaks ch-Komaiau und Jhme-Bodenbach beteiligen. Fast alle Red ne? beschäftigten sich mit dcni M i I i t a t i s • jttus, dem sie— es ist erfreulich, dies zu bc richten— den energischen Kampf ansagten. Die Diskussion war äußerst lebendig und zeig- tr den Kampfgeist, der in unserer Jttgendbe- wcgnng lebt. Nach den, Schlußworte Pauls wurde der Antrag des Verbandsvorstandes aus Erhöhung des MonatSbcitrageS von t K 60 auf 2 K mit allen gegen fünf S t i m m e n a ic g c n o nt m e n. An genommen tvnrde ferner unter anderem ein Antrag der Bezirksorganisation Brüx zur Schaffung einer S ch r i f t c n a b t c i- I n n g(Büchersparkassa) und ein Antrag der Gruppe Weipert ans Schaffung von KreiSju gendschulcn. Der VerbandStag beschloß sodann einstim nttfl folgende Entschließung zum K a n> p f gegen den Nationalismus: „Die im Sozialistischen Jugendverband vereinigte Arbeiterjugend erblickt im Nationalist mus eines der größte» Hinderniste im Be> freinngskampfc des Proletariats. Ausgehend von der Ilebcrzengnng, daß ein friedliches Ncbeneinanderlebcn der Nationen nur dann möglich ist, wenn jedem Volke die volle irn< tionalc Ailtonomie getvährlcistet wird, E»c. trachtet es der Sozialistische Jngcndvcrband als seine Aufgabe, gegen den nationalen C h a n v i n i s in n s, zu dem besonders die Jugend mißbraucht wird, mit allen Mitteln der Ausklärimg zu kämpfen." Der Verbandstag wählte sodann folgende Jngcndgcnosseil in den Berbandsvorstand: P a n l-TePlitz(Obmann), S k o u t a j a n-Aus- sig, H o f b a n e r-Tcplitz, Genossin Mahner Aussig, M a l l h-Tcplitz, H o ck c-Bodenbach, H o ch s a m-Karlsbad, Weiler t-Karlsbad, M ü l l e r-TcPlitz, ll! o b c Tcplitz, Langer- Troppatt, Barth- Trautcnau. Kontrolle: G o l d b a ch Aussig, Walte r-Bodenbach, Schneide r-Graupen, S ch r a m m e r-Tcp- litz, I a k s ch-Komotau, Z c t t e l-Neudek und P i P a l Brünn. Nach Erledigung einiger freier Anträge Ivar die Tagesordnung erschöpft. Vorsitzender Gen. Mall h schloß um 544 Uhr nachmittags den Vcrbandstag mit einem kurzen Appell und einem dreifachen Hoch auf die Proletarische Jugendinternationale. Die Delegierten stimm- ten stt das Hoch ein, erhoben sich von den Sitzen und feierlich wie zn Beginn der Tagesordnung klang auch zn ihrem Abschluß die„Internationale" durch den Saal. * ES ist nicht möglich, die gewaltige Arbeit, die unsere Jugendlichen in den drei BerhandlungZ- lagen geleistet haben, in wenigen Sätzen ent- sprechend zu würdigen und wir behalten uns darum vor, diese Tagung noch besonders zu besprechen. Als wichtigstes Ergebnis des Vcr- bandstagcs ist die Schaffung eines vorzüglichen Programms hervorzuheben, mit dessen Befolgung unsere jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, die nun der I n t c r n a t i o- n a l e n Arbeitsgemeinschaft angehören, sicherlich erfolgreiche Arbeit werden leisten können. Wir grüßen sie, die künftigen Träger des proletarischen Klassenkampfes, und wünschen ihnen den Erfolg, den ihre reiche, unermüdliche Arbeit auf ihrem ersten ordentlichen Kongrcßc versprochen hat. Tages-Neuigkeiten. Die Krummauer Kommunisten können wirk- lich stolz auf ihre Vertrauensmänner sein. Un- crc Leser wissen bereits, daß der erste Bürger- mcistcr von Krummau, H i r s ch l, der übri- gcns auch Mitglied des kommunistischen Partei- Vorstandes ist, beschuldigt wird, an der Flucht eines Mitbeteiligten an dem Mord von Chodau mitgewirkt zu haben. Heute wollen wir unsere Leser auch etwas von dem zweiten Bürger- meister von Krummau, dem Sparkaffadirigen- ten und Kreisvertranensmann der kommunisti- ichen Partei, Hans Janovskh, hören lassen. JanovSky hat in der Wiener Postsparkasse! auf das Konto der Krummauer Spartassa Gelder einlegen und sich die Beträge in gleicher Höhe in tschechoslowakischer Währung aus- zahlen lasten. Bisher wurde ein Betrag von 21 Mg Kronen festgestellt, die ans solche Weise verschoben waren. Bei weiteren 6.000 Kronen wurde dem Janovsky von den anderen Bcam- ten die Auszahlung verweigert und dem Direk toriuiu Mitteilung gemacht. In der Spar- kasta, die bisher einen Schaden von rund 20.000 Kronen erlitten hat, wird jetzt eine strenge Revision durchgeführt werden. Für- wahr, Krummau kann auf seine zwei Bürger- meister, die kommunistische Partei ans ihre Se- kretäre und Vertrauensmänner stolz sein. Die kommunistische Partei hat übrigens auch alle Ursache, sich der Ehrenhaftigkeit ihrer„Süd- westböhmischcn Arbeiterzeitung" höchlich zu rüh- men. Dieses Blatt schimpfte nach dem Streik- putsch am 12. Juli d. I. den sozialdemokrati- scheu Kreissekretär in Krummau, Leopold W i«t in e t, einen Arbeitervcrräter, weil er mit den Unternehmern über die Abwürgung des Demonstrationsstreikes verhandelt habe. Genosse Wimmer klagte wegen Ehrenbeleidi- gnng und wurde nun verständigt, daß der Herausgeber und verantwortliche R e< d a k t e u r der„Südivestböhtnischen Arbeiter Ieitiing", Adolf Hampcl, in der Tschcchoflo> ,watet überhaupt nicht existiert,«rn Mann dieses Namens sei vor längerer Zeit nach Nußland ausgewandert und cS sei von ihm schon lange keine Nachricht eingetroffen. Es hat also in der ganzen kommunistischen Par- tei niemand den Mut, für das, Ivas in diesem Blatte geschrieben wird, seinen Namen herzu- geben. Alle? in Allein kann man wohl sagen: Der Name Krummau wird für alle Zeiten in der Geschichte der kommunistischen Bewegung mit goldenen Lettern eingetragen bleiben. Die magyarische„Nationalchre". Der Ma- gistrot der Hauptstadt Budapest hat in jüngster Zeit jüdische Fachlehrer und-Lehrerinnen entlasten, ferner jüdische Cchnldircltoren de» gradiert und jüdische HaiidclSschulprofcssorcn ohne Angabe von Gründen an Bürgerschulen versetzt. Die Zahl der von diesen Maßnahmen Betroffenen beziffert sich auf etwa 400. Am Sonntag veranstaltete der demokratische Teil der Gemeindevertretung gegen diese Berfn- gungcn eine Protestversammlnng, in welcher der ehemalige Minister Gabriel Ugron und Abgeordneter Polonhi sprachen. Sic erklärten, daß eS sich in dieser Frage n i ch t n rn eine jüdische Angelegenheit, sondern um eine Frage der magyarischen Na- tionalchre handelt. Wir finden es recht schön von den Budapester Demokraten, daß sie sich der ohne Grnnd, ans reinem Antisemitismus gemaßregcltcn jüdischen Lehrer so wann annehmen, aber die Berufung ans die magyarische Nationalchre ist denn doch zu lä- cherlich, zumindest tragi-komisch zn nennen. Was bedeutet die Maßregelung 400 jüdischer Lehrer, so schreiend dieses Unrecht auch ist, ge- genüber den taufenden Mord- und Gewalttaten, die die heutigen Führer der tnayari- scheu Nation und ihre Handlanger in den letz» ten Jahren ans ihr Gewissen geladen haben! Finden die magyarischen„Demokraten" nicht, daß die Ehre ihres Volkes durch das ruchlose Treiben der Horthybanditen schon hunderte Male mehr geschändet wurde als durch das Unrecht an den jüdischen Lehrern, das diese änderbaren Demokraten ans einmal das Wort ergreifen läßt? Präsident Masaryk tritt am Iii. September seine Reise nach Mähren und der Slowakei an. Es begleiten ihn unter anderen Ministcrpräsi- beut Ecrny und Außenminister Tr. Bcnesch. Zur Präsidcntenrcise wird uns aus Ol- m ü tz geschrieben: Wie in Brünn ist auch in Olmütz an die deutsche sozialdemokratische Frak- tion des Gemeindcausschnsses die Einladung zur Teilnahme an einer HuldignngSsitznng ergangen. lieber Anfrage, ob in der Sitzung An- schauungen und Wünsche geäußert werden könnten, wurde erklärt, daß außer HuldigungS- ansprachen keinerlei politische oder andcrwei- tige Beschwerden vorgebracht werden dürfen und der Wortlaut der Ansprache der Siaithal- terei oder der KabinetiSkanzlei vorgelegt wer- den müßten. Die sozialdemokratische Fraktion lehnte darauf ab, an der Sitzung teilzunehmen. Tie tschechische Presse ist darüber sehr entrüstet. Wir werden es ihren„dcinclratischen" Aufjak- jungen nie recht machen. Die Verteilung der Arbeitersamnllungen für daö hungernde Rußland. Ein gcwerkschaft sicher Vertrauensmann schreibt uns: Bei der Durchführung der Sammelaktion wurde nur oft die Frage vorgelegt, durch welche Körper schaften die Verteilung vorgenommen werden würde und es wurden Zweifel darüber ansge sprachen, ob die Möglichkeit einer unparteiischen Verteilung gegeben sei. Immer wieder wurde eine Gewähr verlangt, daß die Verteilung un abhängig von den Sowjctorgancn, durch un- parteiische Leute vorgenommen werde, da sonst die Sammlungen schlecht ausfallen würden. Wer, wie ich, in Rußland gewesen ist und die Beschaffenheit mancher Sowjcttommissäre kennt, der weiß, daß bei einer Beschreitung die- scs Weges das hungernde russische Proletariat sehr wenig von diesen Sammelgeldern und Produkten und von unserer Hilfe überhaupt wahrnehmen würde. Nm die gerechte, der Bedürftigkeit der Einwohner entsprechende Ver- teilnng zu sichern, darf die Verteilung nicht in die Hände der Organe einer einzelnen Partei gelegt werden, sondern es hätte das Hilfskomi- tee Männer zn entsenden, welche mit den dor- »igen Verhältnissen vertraut sind und es wären örtliche Komitees zu bilden, wobei zu achten wäre, daß keine Partei einseitig vertreten ist. Auch hätte die Ablieferung ländcrweise zu er- folgen und eine Zentralstelle müßte fiir die planmäßige Anstellung sorgen, das wären die Gewerkschaften, welche auch die Sammlungen durchführen. Die Vorschüsse der Verteilung hätte dem Internationalen Gcwerkschaftsbnnd zu obliegen. Nur so kann allen hungernden Menschen in Rußland geHolsen werden. Die hohen Fleischpreisc in den Prager Gast- wirtschaften und Selcherläden. In der gestri- gen Sitzung der Zentralverwaltungskoinrnission für Groß-Prag brachte der Vertreter der beut scheu Sozialdemokratie Genosse Dr. Arthur Bloch zur Sprache, welche hohe und den ge- sunkenen Viebvreiscn nicht entsprechende Preise für Fleischspeisen in den Prager Gastwirtschaften und für Selchwaren in den Selcherläden gefordert werden. Die agrarische Presse weise ununterbrochen darauf hin, daß die Konsumenten von dem Sinken der Biehpreise gar keine» Vorteil hätten, da die Gastwirte und Solcher ihre Kreise nicht ermäßigen, sondern die Tis 14. Septeviber 1ÄSO ferenz einfach als Gewinn einstecken; die hohen Preise der Fleischspeisen in Prag hätten die fremden Besucher der Prager Mustermesse in Erstaunnng gesetzt, Seinerzeit verlautete, daß! gegen eine Anzahl von Selchern das Strafverfahren wegen Wuchers eingeleitet worden sei; da scdvch über das Ergebnis dieses Verfahrens nichts bekannt wurde, sei mit ziemlicher Gewißheit anzunehmen, daß daS Verfahren eingestellt wurde oder sonst ergebnislos gcwe- scn' sei. Zum Schlüsse ersuchte Genosse Dr. Bloch den Vorsitzenden. Bürgermeister Tr. Baxa, er solle energische Schritte einleiten, damit die ganz ungerechtfertigte Teuerung der, Fleischspeisen und Selchwaren beseitigt werde, und daß er sich zu diesem Bchnse auch mit dem' Präger Wucheramtc und mit dem Reichs» Wirtschaftsrate ins Einvernehmen setzen wolle.! Den Ausführungen des Genossen Dr. Bloch pflichteten die Redner dor tschechischen Parteien bei; aulli der Vorsitzende, Bürgermeister Dr.! Baxa, gab die Berechtigung der erhobenen Be- schwcrde zu und versprach, dem Ersuchen des Beschwerdeführers Rechnung zu tragen und auch den Magistrat als Gcwerbcbchörde zw beauftragen, die entsprechenden Schritte gegen die unlwgründct hohen Preise einzuleiten. Hoffentlich wird den Prager Selchern und Gastwirten endlich in Erinnerung gebracht werden, daß es auch ein Wnchcrgcsctz gibt, welches Strafkolonien und ähnliche zweckentsprechende Einrichtungen eingeführt hat. Ein mysteriöser Todessall wird aus Ig kau gemeldet. Am letzten Freitag logierte sich in! einem dortigen Hotel ein Paar ein, das sich! gleich nach seiner Ankunft zu einem Jglcuicr' Arzt begab. Der. Arzt pumpte der Dame aust ihr Verlangen den Magen an«, dann begab sich das Paar wieder ins Hotel. Noch in der Nacht entfernte sich der Mann und gab dem Personal den Auftrag, die Dame, falls sie nicht vor sieben Uhr läute, nm diese Zeit zn wecken. Am Morgen fand man nun die Dame im Bette tot vor, ihr Körper war ganz schwarz. Der Arzt erklärte bei der Einvernahme, der Begleiter der Dame hätte' ihm gesagt, er sei im Eisenbahnwagen von ihr ersucht worden, sie zu begleiten und ihr Beistand zu leisten, sie habe Arsenik genom- in c n. Die Dame, die ans der Znaimcr Gegend stammt, war schwanger, ihr Begleiter,' der sich als Arzt legitimierte, stammt aus Igln». Es ist noch ungeklärt, ob es sich hier um einen Mord oder Selbst inord handelt. Der„Vigbert" in Trieft eingetroffen. Camstag abends traf in der Tricster tschccho- slowakischen Hafensektion daS Schiff„Vigbert" mit 1558 Gefangenen und Kolonisten aus Sndrußland ein. Darunter befinden sich 451 tschechoslowakische S t a a t s a n- gehörige. Das ischechosiowakischc General- konsillat in Trieft beförderte sie Sonntag vor- mittags mit deni Sanitätszuge Nr. 27 in die Tschechoslowakei. Zum größeren Teil.trafen tschechoslowakische Staatsangehörige ein, welche vor dem Kriege in Rußland, insbesondere in Balu, Armawir, Jckaterinodar und Rostow ansässig waren. In dem Sanitätszuge reisen 264'Männer, 102 Frauen, 61 Kinder und 3 Kranke. Ter Streik der Prager Malergehilfen hat sich auf alle Betriebe ausgedehnt, da es gestern zu keiner Einigung gekommen ist. Eine halbe Million veruntreut. Bei einem großen Präger Geldinstitut veruntreute der Beamte Josef B r o u c c Wertpapiere im Werte von ungefähr 520.000 Kronen. 41.000 Kronen sind durch das Vermögen des Täters gedeckt, der Rest ist versichert. Noch eine Veruntreuung. Der Teilhaber und Buchhalter der Filmvcrleihgcsellschaft Sla- via veruntreute durch wiederholte Betrügereien ungefähr 50.000 Kronen, die er falsch buchte. Er wurde dem Strafgerichte eingeliefert. Arbeiierrisiko. Gestern um 5411 Uhr vor- mittaas stürzten beim Baue des Prager Wasserbeckens in der Belcredistraße am Hradschin vom 2 Meter hohen Baugerüst der 38jährige Maurer Josef S 6) a s r a n e k aus Holleschowitz und der 26jährige Bctonarbcitcr Franz P e t r t y l ans Zizkow ab. Die Verletzte» wurden von der Net» Inngsgesellschaft verbunden und in häuslicher Pflege belassen. Durch den gestrigen Sturm wurden in Lieben und Wysotschan mehrere Bäume, Zäune und Tclegraphcnstangen umgeworfen, wodurch auch die t c l e p h o n i s ch e Verbindung g e- stört wurde. Wasserstandsbericht. Hohenfurt—6, Budwcis — 22, Tabor 4-14, Moldautcin—5, Pisek+ 12. Kamhk—4, Stechowitz—54, Porschitz—15, Beraun—48, Modran—88, Prag(Alte Mühlrnl 4-14, Karlin 4-10. Pardubitz—32. BrandciS—50, Melnik 4-24, Laim—71, Leit- meritz 4-53, Aussig-73, Tctschen-83.- Voraussage für den 14. September: Aussig—73. Tetschen—84.' Brand auf einem Wiener Bahnhof. Sonntag nachts brach im Franz Iose f-B ahnho f im Lagerraum einer Firma ein Brand aus und dehnte sich auf die Staatsbahnmagazine aus. Infolge des heftigen Windes gelang eS nur mit großer Mühe, den Brand zu lokalisieren. Der schade ist erheblich. Der Streik der Angestellten der Stadt Ber- ^ Berlin, 13. September.(Tsch. P.-D.) Der Ausstand der städtischen A n g c- st e l l t e u und Arbeiter ist 6 e e n d c t. Elek> trllche- S' ,md Gas werden wieder gelie- sert, Tie eiraßenbahnen verkehre« wieder.