1. Johrgmig, Vr. 14. Freitag, 11 September 192t. , oziald emokmt deutschen sozialdemokratischen Arbmterparte: tu der tschechoslowakischen Republik. Tttcfon 679s" nach?/ 679^.' Svztaldem°okat'Nr^'!^'">c>»Sed,ngungen: Bei 5 Postfparkassakonto S7SS4.'^* t0«- vlert.lj-hrlich 4S- Kc, halbjährig 96- Kc, g°n,iäbrig 192- ' 1 Erscheint mit Au Zustellung in? Saut oder bei Benin birtch die Dost monatlich Ist'— V>, ...- Kc. stfflt DeutschSsterreich monatlich 120-— OK, für Deutschland 16— Mk. Erscheint mit Ausnahme d-S Montag täglich früh. Sic bayrischen Schörde» schuhen Verschwörer. Aufsehenerregende Enthüllungen deS deutschen Reichskanzlers. Berlin, 15. September.(Drahtbericht des„Sozialdemokrat"). In der heutigen Sitzung deS UebcrwachungSanSschusseS des Reichstages machte der Reichskanzler aufsehenerregende Enthüllungen über das Bestehen einer von den bayrischen Bchör- den unterstützten Berschwörergesell. schaft in München. Zuerst wurde von den Abgeordneten Hermann Müller und D111 m a n n festgestellt, daß die Mörder via- reiS' und Erzbergers in Bayern Schutz gefunden hatten und daß die Brigade Ehrhardt noch immer in Oberschle. sie» ihr Unwesen treibe. Diese Mitteilungen wurden vom Reichskanzler bestätigt. Er ver- las einen Bericht des Staatskommissars für ös- scniliche Ordnung, wonach die Leiter des KapputschcS, Oberst Bauer, Major Papst und Kapitän Ehrhardt, gegen die ein Hochverratsverfahren schwebe, sich seit dem Sommer in Bayern aufhalten. Zwei Berliner Kriminalbeamte hätten festgestellt, daß sich die gesuchten Personen in der Nähe Münchens verschanzt aufhalten sollen, wo sie von Männern ihrer Gefolgschaft, zum Teil von aktiven b a h e ri s che n P o l i. zeimannschaften, durch scharfe Bewachung geschützt werden. ES sei so gut wie unmöglich, sich in ihre Schlupfwinkel einzuschleichen, weil jeder, der sich nähern würde, mit Feuer empfangen wird. Diese Leute halten sich auch jetzt noch in der Um. gebung Münchens auf. Kapitän Ehrhardt gehe im Münchner Polizeipräsidium ein und ans. Desgleichen stehe er in Verkehr mit dem bor einigen Tagen zurückgetretenen Justizmi- nister Roth. Oberst Bauer soll jetzt in Bu- dopest wohnen. Auch er ist aber in der letzten Zeit wiederholt in München gewesen und dort mit Kapitän Ehrhardt zusammengetroffen. Die vom Siaatslommissar nach Bayern eni- sendeten Beamten sind bei den dortigen Behörden auf die größten Schwie- r i g k e i t c n g e st o ß e n. Sie mußten schließ- lich zurückkehren, ohne ihren Auftrag vollstän- dig erfüllt zu haben. Gegenüber diesen Mitteilungen behauptete wr bayrische Gesandte von P r e g e r, der Ju- stizminister Roth habe ihm erklärt, daß er mit Ehrhardt nichts zu tun habe und ihn auch nicht kenne. ES fei auch nicht wahr, daß Ehrhardt von Kohr und Poch'.ler begünstigt werde und daß dem badischen Generalstaatsanwalt bei seinen Nachforschungen nach den Mördern Erzbergers in Bayern Schwierigkeiten gemacht worden seien. Zu einem Eingreifen der dicichsregicrung in München lieg« kein Anlaß «or. Der deutschnationale Parteiführer hergt, der über dir Enthüllungen des Reichskanzlers in große Verlegenheit geraten war, erklärt«, daß feine Partei mit der bayrischen Mörderzentrale nichts zu tun habe and daß die Mitteilungen des StaatSkommif- sars vorläufig nur Anuahmen, aber keine Feststellungen feien. Der Reichskanzler sprach dann noch einmal, gab zw, daß der badische Staatsanwalt in Bayern keine Schwierigkeiten vorgefunden habe. Es stehe aber fest, daß er, als Reichs- kanzlrr, von den offiziellen Vertretern der bay- rischen Regierung öffentlich beschimpft wor- den sei. ES sei u n m ö g l i ch, die bayerischen Forderungen In ihrem ganzen Umfang« und ohne weiteres anzunehmen. ES gäbe einig« Punkte, über die man sich verständigen könne. Aber der Hauptpunkt, die baldige B«s e i t i- gung deS Belagerungszustandes sei das u n u m st ö ß l i ch e Z i e l der Reichs- rcgierung. Die Beratungen wurden schließlich abgebrochen. Die Trennung von der Kirche. Monsignore Schräme! tritt in die neue Re- gierung ein. Es müsse nur noch eine Klcinig- keit den Klcritalcn zugestanden werden: Tie Schule müsse wieder konfessionell werden. Wie sagt doch der Herr Bischus Gros, unter vielem anderen auf einer der letzten Konferenzen sei- i ncr Amtsbrüdcr in Christo:„Ta die Kirche allein die von Gott gesetzte Lehrerin der Wahr- heit ist, so müssen alle Bcrkündcr dieser christ< liehen Wahrheit bis zum letzten Dorf- schullehrer herab ihre Sendung von derKirchc haben. Sobald also die Kirche irgend jemanden die Mission, die niissio cano- nica entzieht, kann er nicht mehr im Amt eines Lehrers der christlichen Wahrheit bleiben. Die Kirche muß bezüglich aller Schulen, in denen katholische Kinder unterrichtet werden, die Bürgschaft haben, daß die religiöse Erziehung der Kinder in ihrem Geiste sichergestellt ist, zu- mal wenn der Staat die Kirche als öffentlich rechtliche Körperschaft anerkennt. Eine Bc° strcitung dieses positiven A u f s i ch t s r e ch- t e s wäre eine Rechtsverletzung. Darum hat die Kirche auch das N c ch t auf Pr ü f u n g der Lehrbücher".... Also mit solchen Gedanken trägt sich der künftige Minister Schramck! Das sind so einige der Forderun- gen, die er in die neue Regierung niitbringt, in die Regierung aller tschechischen Parteien, nicht ausgenommen die der Sozialdemokraten. Widerspricht nicht Pater Schramck, selbst als Idee genommen(so weit das möglich ist) demjenigen, der einst des tschechischen Volkes glühendster Mund und reinstes Wort War u. der noch heute Symbol und Ideal ist. Die Fessel, die das mittelalterliche Papsttum um den Leib und Geist deS tschechischen Volkes geschnürt hat, brach Huß entzwei. Licht wollte er in die Finsternis tragen, in die das Papsttum im Vereine mit dem ihm Untertanen Kaisertum die Völker Europas geschlagen hat. Das tsche- chischc Volk erlitt den Feuertod seines großen Denkers in abertausenden Seelen. Aber wie eine Borahnung noch langer Leiden war sein Ringen um den Kelch. Auf dem weißen Berge wurde das tschechische Volk nicht nur von den Habsburger» sondern auch vom Papste be- siegt. Drei Jahrhundertelang ftohndete die Nation eines Huß geistig und körperlich bei- nahe bis zur Selbstaufgabc den Herren von Rom. Doch auö geschichtslosem Schlaf erwacht, wurde sie ihrer Ketten bewußt; schon die er- sten Anfänge tschechischen neuzeitlichen Schrift- tums atmen Hussens Geist. Weder die tsche- chische Philosophie, die vorzugsweise der Ge- dankeMvclt Kants, Herders, FichteS entsprich», noch die tschechisch- Dichtung trägt auch nur eine Rückerinnerung an den gewaltsam aufge- pfropften katholischen Geist. Die bedeutendsten Geister des tschechischen Volkes erstarkten im Kampfe gegen das Pfaffcntum und gegen Habsburg, feine stärkste Stütze in diesem Lande. Doch Habsburg war eS, daS gegen alles Fühlen und Denken des tschechischen Volkes, das Konkordat mit der Kirche einging, von dem sich das tschechische Volk trotz Be- freiung von Habsburg, trotz des Umsturzes noch immer nicht gelöst hat. Wie wäre es sonst möglich, daß drei Jahre nach dem Sturze Habsburgs und der Präsidentschaft Masaryks ein Pater Schramck Minister der„befreiten" Nation würde? Es war an einem der stürmischen Tage des Entstehens der Verfassung dieser Republik, als eine große Volksmenge am Altstädter Ring die Aufnahme dieses Satzes in die Ver« fassung forderte:„Die Trennung des Staates von der Kirche wird allsogleich durchgeführt." Man vertröstete die Versammelten mit der Antwort, daß diese Forderung beim Volke Hussens doch eine Selbstverständlichkeit sei. Trotz dieser„Selbstverständlichkeit" ist schein- bar dem Staate die Trennung von der Kirche HaböburgS recht schwer gefallen. Wenn man von einigen wenigen Reformen im Ehcrccht uod in den Mittelschulen absieht, ist seit drei Jahren so gut wie nichts geschehen. Die Kirche ist nicht nur im ungeschmälerten Besitze ihrer materiellen Güter geblieben, sondern hat mit Hilfe des Staatssäckels allen Einfluß auf die junge Generation, vor allem auf dem flachen Lande gewahrt. Daß der Staat die Kongrua erhöhte, beweist seine Abhängigkeit von der Kirche. Wie sonderbar ähnelt dieses Verhält- nis dem, das sich jetzt laugsam wieder zwischen Paris und Rom entspinnt. Mit Spott und Hohn wurden einst von der bürgerlich-revolu- tionärcu Gesellschaft die zarten Baude zcrris- sen, die Bourbon mit Rom verknüpften, aber das reaktionäre französische Bürgertum schließt wieder mit dem engsten Bundesgenossen des Kapitalismus, der römischen Kirche, ibren Frieden Was bedeutet ihr Rousseau und Vol- taire, wenn es«..: den Segen und die Ge- schäfte des Vatikans geht? Tic srauzösische Regierung hat unlängst wieder einen Vcrtre- ter an den Hof des Papstes gesendet und in der Stadt Hussens wird zum Geburtstag des Papstes geflaggt. Wie schwer ist die nicht vom tschechischen Volke so stürmiscy geforderte Trennung deS Staates von der Kirche geworden! Die tsche- chischc Nation dachte durch Habsburg Kelten an jene gefesselt zu sein. Jetzt ist sie der Ketten frei und kann sich von der Kirche nicht trennen. Schließt auch diese befreite Nation ih- ren Papstesfrieden? Monsignore Schramek wird Minister. Tie Agrarier werden sich„to- lcraitt" verhalten und die tschechischen Sozial- dcmokratcn können, wie Bechync versichert, doch ihre Grundsätze nicht dem Pater Schra- mck aufzwingen. Aber werden sich die tsche- chischcn Soziladcmokraten im Bcfrciungs- kämpfe des Staates von der Kirche der Majo- rität eines Bürgertums erwehren können, das jeden revolutionären Gedanken bar, die Kirche als verläßlichsten Klassengenosscn grüßt? Wahrlich, die tschechischen Sozialdemokraten sind um ihre Koalierten nicht zu beneiden! Schwer, wir fiirchten aussichtslos wird ihr Ringen um den freien Geist in dem neuen Ka- binette fein. Die dentschnationale Mördergrube. Unser tschechisches Korrespondenzbüro ist vorsichtig. Stehen doch Bürgerliche hinter ihm. Ganz so wie hinter der bayrischen Reaktion. Und eine Krähe hackt der andern nicht die Au- gen aus.- Auch wenn die eine auf Teut, die andere auf Libussa schwört. Welcher Sumpf Bah- ernS Lande gegenwärtig überzieht und die Luft verpestet, erfährt man erst aus unseren reichs- deutschen Bniderblättern. In Bayern fanden alle Bankrotteure des KaPPutscheS ein stilles, lauschiges Asyl. Zuerst als„Orgesch", dann als man diese Banden auflösen mußte, als „Arbeitsgemeinschaften". Ein scheinbar Harm- loses Wort, harmlos wie der Name.„erwa- chende Ungarn". Aber Dolch und Pistole sitzen diesen Brüdern von den^Arbeitsgemcinschaf ten" ebenso locker wie den PronahS und He'- jas. Ebenso wie den Bethyaren sind ihnen Mord und weißer Terror das rechte Mittel, das„heilige Kaisertum deutscher Nation", die „treue vaterländische Art und Sitte" auf Blut und Leichen aufzurichten. Was gilt ihnen ein Berg von Arbcitertotcn, wenn nur obenauf der Stahlhelm und das siegreiche germanische Bahonett prangt? Unter dein Schutze deS deutschnalionalcn Polizeigcwaltigen Poehner kostümierte sich Kapps verwegenste Stoßtruppc, die Marines brigade Ehrhardt, kostümierte sich die aufge- löste Orgcsch in die„Arbeitsgemeinschaft Roßbach" und ins Freikorps„Oberland" um. Poehucr hielt seine gepflegte Aristotratcnhand über sie, als blutrünstige Plakate zum Haß gegen Demokratie und Arbeiterschaft aufriefen. AlS Gareis der Wutatmofpl>ärc dieser Pla--' katc zum Opfer fiel, als sich im Schoß des EhrhardtSgesindelS der Mord auf Erzbergcr vorbereitete. Als Heinrich Schulz und Heinrich Tylesscu nach Bad Grießbach fuhren, ihre Bu» bcutat zu vollführen, und als sie nach voll- brachten! Mord nach München zurückgekehrt waren, weil sie von Kahr und Poehner nichts zu befürchten hatten. Durch ganz Deutschland ging das Signalement der Mörder. Ucbcrall wußte man, daß der eine ein mißgebildetes, Ohr, der andere eine verunstaltete Rase hatte. Aber Schulz und Tylesscu saßen unbehelligt in ihrer Münchner Wohnung. Die badifchc Staatsanwaltschaft und Polizei forschte in allen Wcltgegeiidcn. PochnerS Schergen entdeckten jeden„Roten", der ein verbotenes Flugblatt las. Aber Schulz und Thleffen saßen unbehelligt in ihrer Münchner Wohnung. Saßen dort, bis sie genau drei Tage zuvor verschwanden, ehe der badische Ober«, staatSanwalt, von Mißtrauen gegen die baye- rischen Kollegen getrieben, selbst nach München kam, nur hier nach dem rechten zu sehen. Nicht dem frech verletzten Gesetz zum Siege zu verhelfen, war die Münchner Polizei da, sie sa- dotierte jeden Auftrag ans Karlsruhe, vorhin, derte durch Passivität jede Enthüllung. Aktir wurde sie erst, als es galt, die Mörder vor dem Karlsruher Staatsanwalt zu retten! Tu warnte sie die Spießgesellen Ehrhardts init beflissener Eile, damit die Auftraggeber, die blutbefleckten Tcutschnationalcn, weiter ihr UufchuldSalibi beteuern können! DaS Nest ist leer. Aber die Genauigkeit, mit welcher Zug um Zug in diesem schauerlich wahren Kino- drama Ilapt, legt deutlichere Zeugcnschaft ge- gen Kahr, Poehner, Hcrgl und Westarp ab als zehn gefangengesetzte Mordgcscllcn. Heber- Haupt: Vor Zeugenaussagen haben die geaich- ten Spitzen deS Bürgertums jetzt unheimliche Angst, Deshalb hat sich die Berliner Polizei beeilt, eine Familie, bei welcher die Mörder Erzbergers freundschaftlich verkehrte», im Handumdrehen wieder freizulassen. Kein Be- denken der Kollissionsgcfahr oder der mög- liehen Vorschublcistung wurde in den libera» len Polizeiscelcn laut, kein Untcrsuchnngsrich- ter hat Verwahrung eingelegt. Frau Justitia ist nicht nur blind, sie ist auch stumm gewor den— wo eS um Monarchisten geht. Nicht einmal den Namen der Familie hat sie der Welt verraten. Was das alles bedeutet? Daß der„bürger- liche Rechtsstaat" die Maske voni Antlitz nimmt! Daß er nicht mehr Unparteilichkeit mimt. Daß er brutal und offen erklärt:„Es geht um Brüder aus meiner Klasse'. Diese zu retten ist mir erste, heiligste Pflicht! Ich pfeif' auf die alten Rechtsformen! Die solange Bc- trogenen, die Proletarier, glauben sie mir eh' nicht mehr! Ich rette, was noch zu retten ist!" Dieses Bekenntnis zur Klassenjustiz klingt mit erfreulicher Offenheit aus allen Handln«- gen der Münchner und Berliner Polizei. Die Herren wollen, daß man es höre. Nun, di« Arbeiter haben es gehört und werden sich da nack) zu riHtey toijbi Veite S. HL Geptemd« WStr Kihuny des Neichswirtschastsrates. Gegenstand dir gestrigen Sitzung des Reichs- virtschaftsrates war ein vom Ministerrat aus- gearbeiteter Gesetzentwurf über die ge- plante Freigabe des Ein- und Ausfuhrhandels »nd die U c b c r t r a g u n g der"Agenden des llmtcs für Austenhandel nach dessen Liquidic- hing au das Ministerium des Aeustcren. Zu diesem Gegenstände erstattete die Abgeordnete p l a in i u e k einen Bericht, in welchem sie sich zcge» die geplante Angliedernng an das Mini- sterium des"Aenßcrcn kehrte und beantragte, ts möge nach Auslassung des Anstenhandcls- imtcs die Agenda, so weit sie sich auf Ein- und Ausfuhr von Lebensmitteln und Gegenständen !>es täglichen Bedarfes bezieht, dein Bolksvcr- forailiigsmiiiistcrinm übertragen werden. Fn der anschlicstenden Debatte führte als ein- zigcr Dcbattcredner Genosse G e h o r s a m Folgendes ans:„To Paradox es klingen mag. »inst ich als Vertreter der Änschannng, dast eine Regelung und Kontrolle der Ein- und Ansnibr im Interesse der konsumierenden Be- belkernng unentbehrlich ist. der Freude darü- her Ausdruck geben, dast endlich dieses Austen- handclsamt von der Bildfläche verschwindet. Dies ans dem Grunde, weil dieses Amt während der ganzen Dauer seines Bestandes seine Aufgabe» nicht erfüllt hat. Wenn schon bei den Acmtern dieses Staates Unzulässigkeiten und Unzukömmlichkeiten an der Tagesordnung sind, so hat gewist das Anstenhandclsaint darin einen Rekord aufgestellt. Jllustrationsfaktum nebst den vielen hier im Laufe der Zeit vorge- brachten Klagen eine Begebenheit der lebten Tage: Der Reichswirtschaftsrat halte beschlos- sen, die Ausfuhr von Pflaumen zu sperren, da- mit auch den minderbemittelten Konsumenten Gelegenheit geboten wird, in bescheidenem Plaste Döst zu kaufen. In der Vorwoche wurde vom Unterausschnst des Außenhandelsamtes ein Gesuch um Ausfuhrbewilligung für 50 Waggons Pflaumen abgewiesen. Trotz dieser Entscheidung hat ein Beamte dieses Amtes die Ausfuhrbewilligung erteilt, unter anderem einer Firma in Kuttenbcrg, die mit Obst handelt, nichts zu tun hat und gleich am nächsten Tage die erlangte Ausfuhrbewilligung weiter- verkaufte. Die Folge war, dast in den nächsten Tagen der Engrospreis von Pflaumen um-10 bis 50 Prozent erhöht wurde und dast an der Prager Produktenbörse infolge der Ausfuhr- bewillignngcn Dörrpflanmcn um 25 Prozent im Preise gestiegen find. Es wäre notwendig, den betreffenden Beamten, in Disziplinar»»- terstichung zu ziehen. Wenn ich nun erklärt habe, dast wir dos Verschwinden dieses Austen- handelsamtcs mit Freuden begrasten, so nur unter der Voraussetzung, dast dessen ernbri- gcnde Agenda einem Ministerium übertragen werde, welches den notwendigen Einblick in die wirtschaftlichen Verhältnisse des Staates hat und infolge dessen geeignet ist, die Regelung und Kontrolle der Ein- und Ausfuhr so zu lci- jcn, damit die Interessen der Kuiisiimenten gc- fördert und nicht geschädigt werden. Der An- trag des Ministerrates, diese Agenda dem Mi- nisterinm des?lenstercn zu übertragen, beben- tet die Wirtschaft ans den Kovf stellen, da dieses Ministerium und feine Beamten sicherlich nicht die sachliche Qualifikation besitze», um der ihnen gestellten Aufgabe gerecht z» werden. Es dürfen nicht immer die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Politik im allgemeinen und hier der Politik d.'? Ministeriums des Aeustcren gc- opsert werden. Z» der Frage der Erteilung der Ausfuhrbewilligungen für Pflaumen gab Ministerrat Dr. Kaufmann die Aufklärung, dast diese trotz des Einspruches der Kommission ans gesamt- staatlichen Interessen erteilt wurde, da der di- plomatische Vertreter Englands deren Be- willigung verlangt hatte. Der von der Rc- gicrung vorgelegte Gesetzentwurf wurde hierauf abgelehnt. Znliwd. *. /f 3k> Tante und die Tschechoslowakei. Ter Un terrichtsminister Dr. Susta hat anläßlich der Dantefeier an den italienischen llnterrichtsmi nister und an die Bürgermeister von Floren und Navcnna Glückwunschtelegramme gcrich tet. Das Tschechische Prestburcau, welches dies meldet, fügt über Weisung des Unter- richtsministers hinzu:„Sicherlich werden die herzlichen Telegramme des Ministers Susta zur Stärkung der knltnrellcn Beziehungen, der beiden Völker beitragen." Recht schön! Man soll schlicstlich auch für die Stärkung der kul- kurcllen Beziehungen mit Italien cttvas tun. Aber, ivie wärs, wenn sich der lluterrichtsml- nistcr daran erinnern wollte, dast es eine seiner Aufgaben ist, auch die Stärkung der kulturellen Beziehungen der den Staat bewahrenden Böl- ker in Angriff zu nehmen?! Mit Schulsper- rangen allein wird diese"Aufgabe nicht erfüllt werden können. „Die politische Orientierung der deutschen Sozialdemokraten". Im gestrigen Abendblatt des„Pravo Lidu" lenkt AT—a. die schwebende Auseinandersetzung über den Eintritt der tschechischen Sozialdemokraten auf folgendes Ge- leise:„Nach einigen unfreundlichen Artikeln des Prager„Sozialdemokrat" gegen unsere Partei, zu denen der Beschluß der Vertretung unserer Partei wegen des Eintrittes in die kommende parlamentarische Regierung den Anlast gab, äußert sich nun auch die beut- mKaldemvkratische Provrnzpresse besonder? Mißfällig über unsere Kartei und ihre Politik. Diese Taktik der deutschen sozialdemokratischen Presse ist eine sehr b e q u c m c, da sie nicht versucht, an die Wurzel der Sache zu gehen und sich in oppositionellem W o r t r a d i k a- l i S Nl n S gefällt, wobei sie bei den deutschen Verhältnisse» noch den Vorteil hat, dast sie dadurch sehr gut mit dem deutschen bürgerlichen Nationalismus übereinstimmt. Dem tschechi- scheu arbeitenden Menschen, der ein jahrzchntc- langes, schweres oppositionelles politisches Le- bcn im alten Oesterreich hinter sich hat, dem wird klar, was der Ausdruck des normalen oppositionellen Standpunktes ist. der den Staat nicht geniert und lvas ein grundsätzlicher Wi- Verstand gegen diesen Staat ist. wie er sich in der gesamten deutschen Presse offne Ausnahme kundgibt... Uns bleibt vorläufig nichts an- dercs übrig, als zu warten, bis sich diese Er- n ü ch t c r» n g einstellt und die deutschen Ge- Nossen die Fehlerhaftigkeit ihrer Tak- tik einsehen. Wir wissen, dast die dann ge- schchc» wird, wenn im deutschen Lager Über- Haupt eine Ernüchterung eintritt, denn die Po- litik der deutschen Sozialdemokraten zeigt über- ans llar, dast die Intcrnationalität im Pro- gramm noch nicht die Internationale in der Tat und Praxis ist. Dast dies einmal geschieht, davon sind wir überzeugt; es wird dies früher geschehen, als der von den Deutschen ständig erwartete Umsturz der tschechoslowakischen Rc- publik."— Fetzt ist doch die Richtigkeit des Vorgehens der tschechischen Sozialdemokraten überzeugend dargctan. Das Vicrmilliardcn-Dcfizlt für das Jahr 1922 gibt dem früheren Finanzminiftcr Dr. Englisch z» folgenden Betrachtungen in der „Lidove Noviny" Anlast: Die gestrigen„Li- dove Noviny" brachten ans Prag die Mel- dnng, dast der Boranschlag für das nächste Jahr 21 Milliarden beträgt, die Einnahmen des Staates l~'A Milliarden und der Abgang 3% Milliarden. Diese Ziffern sind direkt er- schreckend. Die Meldung ist vorläufig Mangel- Haft und stellenweise wenig verständlich, aber in den Gcsamtunirisscn sehr beredt. Es ist vor- läufig nicht ersichtlich, ov in diesen Ziffern der Boranschlag für die staatlichen Investitio- neu inbegriffen ist. Wenn dies so wäre, dann würde die Steigerung der Ausgaben 23 Pro- zent betragen. Aber leider scheint es, wie aus Prag gemeldet wird, dast die 21, Milliarden noch nicht den Jnvestitionsvoranschlag bcin- halten, der Heuer mit rund 3 Milliarden veranschlagt war. Wenn außer den Investitionen der Boranschlag von 11 aus 21 Millionen ge- stiegen ist, dann ist er um 50 Prozent gcwach- sen. Dieses Wachstum des Defizits ist völ- lig unmöglich und ohne Erschütterung undenkbar... Ter einen Milliardcnabgang auswei- sende Borschlag ist eine schlechte Reklame für den Staatstrcdit. Es gibt mir eines von bei- den: Entweder werden die Einnahmen und die durch die ordentlichen Kredite nicht gedeckten Ausgaben nicht realisiert, dann wurde der Staatsvoranschlag überflüssig belastet, oder sie werden notwendiger Weise realisiert zum Schaden des neuen Kurses. Dann sind wir auf der schiefen Ebene angelangt, werden uns ständig weiter v„n einem ordentlichen Gebah- ren entfernen und die gesamte nationale Wirtschaft in eine neue, lange und schwere Alrisc stürzen. Wollen wir diese Folgen? Wir sollten doch wissen, dast die Finanz- und Wirt- schaflskonjolidiernug der letzte Kitt für die Po- litische Haltbarkeit und Konsolidierung des Staates ist. An die Folgen einer solchen Fi- nanzpolitik will ich gar nicht denken. Mit einem solchen Voranschlag soll die Politische Regierung wirtschaften? Unmöglich! Der Fi- nanzplan der staatlichen Wirtschaft für das kommende Jahr darf das Bild nicht bcinhal- tcn, wie es im gestrigen Bericht entworfen wurde, aber er muß für das Parlament ein Warnungszcichen fein, das; die letzte Stunde zur Umkehr gekommen ist und zwar zur radi- kalcn Umkehr. Mit der Demagogie, die den Staat erschlägt, nmst es ein Ende haben." Deutsche Politiker an das tschechische Volk. Unter diesem Titel hat vor einigen Tagen Pros. F l u s s c r eine Sammlung von Aussätzen samt- lichcr Führer der dcmsch-n politische» Parteien über das dculsch-tschcchischc Problem und die wich- tigsten politischen Tagcssragcn veröffentlicht. Im März dieses Jahres gab Pros. Flusser eine Schrift:„Ans Masaryks Werken" heraus, deren Zweck war, den deutschen Leser mit der litera- rischen Tätigkeit Masaryks bekannt zu machen und in der deutschen Ocffentlichkeit Verständnis ffir die tschechische Frage nach Masaryks Ansichten zu wecken. Die soeben erschienene Sammlung stellt eine Fortsetzung derselben Otrundidce dar, die Richtung jedoch ist diesmal eine umgekehrte: Die Vertreter sämtlicher Parteien der deutschen bür- gertiäK», sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien wollen diesmal die tschechische Ocffentlichkeit über die Bedürfnisse des deutschen Volkes informieren, Wünsche, Anregungen und Beschwerden vorbringen. An der Spitze dieser Schrift steht ein Aussatz des Abgeordneten Krcpel unter dem Titel:„Wicdcrgutinacbung!" und ein Auszug anS ScligerS erster ParlamentSrcde. Daran schließen sich folgende Aussätze an: Dr. Lodgmanu:„Tie staatsrechtliche Stellung der Deutschen im Tschechoslowakischen Staat"; Se «ator Prof. Spiegel:„Die tschechoslowakische Bev sossung"; Senator Pros. Pollach:„Aie detliche Sozialdemokratie und die tschechische Republik^; Abgeordneter Krcibich:„Die deutschen Kommuni- sie» und die Tschechoslowakische Republik"; Abgc- ordncter Prof. Kaska:„Die tschechoslowakische Außenpolitik": Abg. Pros. Spina:„lieber die deutsch-tschechischen Kulturbeziebungen"; Abgeordneter Warmbrunn:„Die Schule in der Tscheche- slowakischen Republik"; Abgeordneter Dr. Schal- lich:„Da8 deutsche Schulwesen"; Abgeordneter Dr. Czcch:„Der Ernahrnngsplan"; Abgeordneter Zicrhnt:„Die Bodenreform"; Abgeordneter Pohl: „Die Sozialisierung der Bergwerke"; Abgeordne- lcr Jung:„Die Sozialisierimgsproblemc"; Abge- ordncter Patzel:„Heber die deutsche Presse"; Ab- geordneter Schätzt«:„Die soziale Fürsorge"; Ab- geordneter Dr. Höllischer:„Das Erzgebirge" und Abgeordneter Wittich:„Die Slowakei." Das Werk liegt gleichzeitig auch in der tschechischen Nebersctzung vor, ist es doch zuuäcbst an den tscbe- chischen Leser und die maßgebenden Kreise adressiert. Ausland. Cinawjcw 1019»nd 1921. Bekanntlich ist Sinowjcw noch 1917 ein wütender Gegner Le- »ins gewesen, der sich später zu einem feurigen Apostel gewandelt hat. Ebenso hat der Herr Präsident der dritten Internationale mit er- stannlicher Gewandtheit seine Ansichten in den letzten zwei Jahren geändert. Im Frühjahr 1919, nach dem ersten Kongreß der kommuni- stischen Internationale, prophezeite er wie folgt: „Der Sieg des Kommunismus in ganz Teutschland ist durchaus unvermeidlich. In nächster Zeit wird es noch vereinzelte Nie- dcrlagen geben. Die schwarze Farbe wird vielleicht hier und da die rote besiegen. Ter cndgiltigc Sieg wird aber trotzdem der roten Farbe bleiben. Und das i n d e n n ä ch st c n Monaten, v i c ll c i ch t sogar Wo-- ch c n. Die Bewegung geht so schwindclcr- regend vorwärts, daß man mit Gewißheit sagen kann: nach Jahresfrist werden wir bereits zu vergessen beginnen, dast es in En- ropa einen Kampf für den Kommunismus gegeben hat, denn nach einem Ja hrc w i r d ganz Europa k o m m» n i- st i s ch sein und der Kampf für den Kom- munismus wird sich bereits auf Amerika, vielleicht auch auf Asien und die anderen Erdteile hinüberwerfen." Im Jahre 1921 klingt die Melodie freilich anders. Im August dieses Jabres, nach dem dritten Kongreß der Moskauer Internationale, sagte er: „Wir müssen das genügende Mast von Energie und Geduld an den Tag legen, um diese Aufgabe— die Eroberung der Mehr- heit des Proletariates— um jeden Preis zu verwirklichen." An die Stelle der Diktatur des Proletariats ist die Eroberung der Mehrheit der Arbeiter in jedem Lande getreten.?ln die Stelle der Weltrevolntion um jeden Preis daS Lob der Langsamkeit. Ein resignierteres Eingeständnis läßt sich nicht denken. Die vierte Internationale. Die kommuni- stische Arbeiterpartei hält zur Zeit in Berlin ihren Parteitag ab. Es soll vor allen Dingen ,,n dem 11 l t i m a t u m des Kongresses der Moskauer Internationale Stellung genommen werden, das die Verschmelzung der Kommunisten verlangt. Bisher zeigt sich auf dem Parteitag, der in der Arbeiterschaft im klebrigen nicht die mindeste Beachtung findet, weil ine KAPD. einen nocli geringere Beden- tung besitzt als die KPD., keine Steigung zur Annahme des Ultimatums. Es wird im Gc- genteil die Schaffung einer k o m m u n i st i- scheu Arbeitersnternationale gc- fordert, die auch von den Vertretern der bul- garischeu und holländischen Kommunisten verlangt wird. Ein kommunistisches Geständnis.— Der verstümmelte Funkspruch. Das tschechische Prestbüro versendet eine Nachricht, die es von der Radiostation ans dem Laurenziberg aus- London erhalten hat. Der Anfang des Funk- spruchs ist verstümmelt angelangt, doch ist dar- aus zu ersehen, dast ein Londoner Blatt eine Kundgebung der dritten Internationale, die Hilfsaktion für das hungernde Rußland ver- össentlicht und in deren zweiten, verstand- lichen Teil, wie der„Daily Telegraph" be- merkt, das Geständnis der Zersetzung der kom- mnnistischen Bewegung ersichtlich ist. Es heißt darin, dast die allgemeine Situation, in welcher sich die internationale Front des kämpfenden Proletariats(lies: kommunistischen Proleta- riats. Arn», d. Red.) gegenwärtig alles eher als glänzend sei. Von überall aus den kapi- talstarken Staaten Europas und Amerikas ge- langen Nachrichten nach Moskau über Konzes- filmen, welche die kommunistischen Führer unter dem Drucke des Weltkapitals gemacht haben und darüber, daß dieser Druck des ster- benden Kapitals immer stärker wird. Die Hauptschuld in der Stellung des Proletariats wird in dem Funkspruch auf die Führer ge- schoben, welche die in den Jahren 1919 und 1920 so mächtige, einheitliche kommunistische Front nicht aufrechtzuerhalten vermochten, wa? ein Vewess für die falsche politische Üpf* tÄ sei, die im letzten Jahre befolgt wurde. Zum Schlüsse heißt eS, daß die Arbeiter über- all auf einmal verlangen müssen, dast ihre Regierungen alle Geldsammlnngcn und Natu- ralien zu übergeben haben. Das Dokument ist von Sinowjew und den Mitgliedern des Internationalen Vollzugsausschusses, demrn- ter Bcla Kyn, gezeichnet. Der Naulyng der Ungarn. Enthüllungen der„Arbeiter- Z e i t u n g". Wie unser Bruderblatt ausführt, sollte der Ueberfall aufs Burgenland den Austakt zu einem großen karlistisch-legitimistischen Un- ternehmen bilden, für welches man in Oester- reich, Kroatien, Bulgarien und der Slowakei Freunde gewonnen hatte. Bor I u g o s l a- Wien hätte Horthy durch einen dort geplan- ten Aufstand gegen den serbischen Zentralis- mus geschützt werden sollen. Rumänien hoffte man durch die immer schärfer hervor- tretende Feindschaft gegen Rußland genügend gebunden. In der Tschechoslowakei hätten die klcrikal-monarchistischcn und die nationalbolschcwistischcn Slowaken die Geschäfte Karls durch einen separatistischen Auf- stand besorgen sollen, so dast zwei Brigaden als genügend erachtet wurden, die tschechischen Republikaner in Schach zu halten. Der K a h r-> putsch, mit dessen Gelingen Horthy natürlich, rechnete, wäre dann für die Monarchisten Tirols und Salzburgs der Anlast gewesen. Dcutschösterrcich zu zerschlagen, und in diesem Augenblicke wäre Karl in Wien eingetroffen. Dies ist der tiefere Grund, weshalb er nicht aus der Schweiz nach Spanien übersiedelte. Manche Vorbedingungen des tollen, doch nicht ganz sinnlosen Planes traten tatsächlich ein, namentlich brachte der August einen Aufstand im jugoslawischen Lim- Gcbict und die Erhebung Kahrs gegen das Reich. Hingegen stimmte die Rechnung mit Rumänien und der Tschechoslowakei nicht, was uns vielleicht vor blutigen Bürgerkriegen be- wahrt hat. Ein Ultimatum an Ungarn bevorstehend. Wien, 15. September.(Tsch. P. B.) Die großdcutsche„Teutschösterreichische Tageszei- tung" meldet ans angeblich gut unterrichteter Quelle, das; die B e r h a n d l u ng e n zwischen dem italienischen Minister des Acustern Ma^ chcse della Toretta und dem Bundes- kanzlec Schober dazu geführt haben, daß Oesterreich seitens der Entente die volle Garantie erhalten müsse, daß das ganze Burgcnland geräumt werden wird. Marchcfc della Toretta soll in diesem Sinn? einen Bericht an die Botschaftcrkonserenz aus- gearbeitet haben. Es ist daher zu erwarten, daß die Botschafierkonfercnz noch im Laufe dieser Wocbe ein Ultimatum an die ma- gyarische Regierung senden wird, in welchem auch die Zwangsmittel angeführt werden, welche die Entente bei einem eventuellen wci- tcren Widerstände Magyariens in Anwendung bringen wird. Unter diesen Mitteln ist in er« ster Linie an eine allgemeine Blockade Magyariens gedacht. Wien» 15. September.(Tsch. P. B.) Gene- ral Ferrario, der italienische Vertreter in der Oedcnbnrger Gcneralskommission, erstattete dein Minister des Aenßern Marchcse della Toretta eingehenden Bericht über die Lage in Wcstungarn und besprach mit ihm auch den neuen R ä u m u n g s m o d u s, der wahr» scheinlich schon heute der ungarischen Rc- gierung vorgelegt werden wird. Die Oedcn- bnrger Gcneralskommission wird die u n v c r- züglichc Annahme und Durchführung ihres Planes verlangen. Die Tiroler Monarchisten springen Horthy bei. Wien, 15. September.(Tsch. P. B.) Das Landespräsidium des monarchistischen„V a- t erl and ss chu tz es", welcher vom Landes- rate Stcidl geleitet wird, veröffentlicht im „Allgemeinen Tiroler Anzeiger" eine Erklä- rung bezüglich der Burgenlan dS frage, in welcher folgender Passus enthalten ist: Die österreichische Bundesregierung beruft sich bei ihren Aspirationen auf das burgenländische Gebiet unausgesetzt und einzig und allein aus den Staatsvcrtrag von St. Germain, wcl- chem sämtliche Tiroler Abgeordnete ohne Par« tcmntcrschicd die Zustimmung versagt haben, da durch diesen Bertrag Tirol zerrissen und Südtirol Italien ausgeliefert wurde. Die einfachsten logischen Gesetze verbieten es daher, einem patriotisch-bewußten Tiroler, sich auf einen' Vertrag zu berufen, welcher nach Ansicht der besonderen Vertreter des Ti- roler Volkes durch sein Diktat ein Unrecht ge- schaffen und Tirol vergewaltigt hat. Kein Ti- roler könne sich daher jemals freiwillig unter der Flagge des Staatsvertrages von St. Ger- main an einer Aktion beteiligen, durch welche ÖC! Ahast dieses StaatLv?Mga«s mqaüch gemacht Würden"" «. September 1921. Bestialitäten der„Erwachenden." Wien, 16. September.(Tsch. P. B.)?lmt- lich wird vcrlantbart: Nach einer sicheren Meldung wird bekannt, daß ein bei Kirchschlag gc- fangen genommener Wehrmann von den Ungarn erschossen, ein zweiter, der einen Kopfschuß hatte, gehängt wurde. Ein Verräter an Dcnlschöstcrrcich. Wien, 16. September.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat"). Uebcr den ehemaligen Landcsgcndarmerickommandantcn von Stei- crmark, Peinlich, hat die„Arbeiterzeitung" heute früh einige Enthüllungen gebracht, die über feine Verbindung mit dem ungarischen Putsch Aufschluß geben. Es wurde nämlich bei einem Kurier des Legitimistcnbnndcs, der wegen Spionage verhaftet wurde, ein an Peinlich gerichtetes Schreiben gesunden, worin er über die militärischen Aufstellungen von Mehring bis Wiener-Neustadt und über die Stärke der Gendarmerie gefragt wird. Im Abendblatt der„Arbeiterzeitung" werden neue Enthül- lniigcn gebracht. Danach hat Peinlich, als er noch int Dienste war. von dein ungarischen Obersten Lchar ein Auto geschenkt bekam- Ilten, welches er immer als sein Amtsauto ausgegeben, aber auch zu privaten Zwecken verwendet hatte. Als er auf Drängen der So- zialdcmokratcn pensioniert wurde, hat er die- 'es Auto um 360.000 Kronen verkauft. Die Horthhregierung sabotiert den Austausch der ungarischen Kommunisten. Die ungarische Korrespondenz„Rosta" berichtet: Entgegen den bisherigen Nachrichten, daß der erste Transport der ansztitauschendcn verhafteten ungarischen Kommunisten Anfang September abgehen sollte, wird jetzt Halbamt- lich mitgeteilt: „Tie A n s t a tt s ch a k t i o n befindet sich roch nicht in einem derartigen Stadium, daß oer erste Transport schon diese Woche abgehen könnte. In den einzelnen TctcnicruugSanstal- tcn muß vorerst die Identität der 400 K o m m u n i st c n f c st g e st c l l t werden, sodann wird mit einem jeden einzelnen ein Protokoll darüber aufgenommen, ob er nach Nußland gehen wolle oder nicht. Nach der abgeschlossenen Konvention sind nämlich die von den Russen abverlangten Kommunisten nicht verpflichtet, nach Rußland zu gehen, falls sie ans eigenem Entschluß ihre Absicht knndge- bcn, zu Hanse bleiben zu wollen. Tie Auf- nähme dieser Protokolle ist jetzt im Zuge. In- tcressant ist es, daß bisher schon mehrere Per- soncn zu Protokoll gegeben haben, sie w o l l- tcn nicht nach Rußland gehen, sie>vä- rcn nie Kommunisten gewesen, nur der Zwang der Verhältnisse habe sie unter die rote Herr- schaft getrieben. In der Liste der 400 figuric- rcn auch die Namen solcher Personen, die sich bereits auf freiem Fuße befinden oder dem- nächst frei werden. Auch diese wollen nicht nach llnßland gehen. Der erste Transport wird wahrscheinlich e r st n a ch W o ch e n nach Deutschland abgehen, wo der eigentliche Ans- lausch vor sich geht. Die V o l k s k o m in i s- s ä r c und namhafteren Exponenten der Pro- lctaricrdiktatnr reisen nach der Zusammenstel- lnng des Justizministeriums crst mit dem lebten Transport ab." Hinter den durchsichtigen Lügen der unga- rischen halbamtlichen Erklärung steckt als Tat- fache die Saboticruug der Austauschaktion. Es besteht die Gefahr, daß die ungarischen Behör- den die Verhafteten zu Erklärungen zwingen, daß sie zu Hause bleiben wollen, fügt die „Rosta" ihrem Bericht mit Recht bei. Frankreich als örandllifter. Frankreich hetzt zu einem neuen polnisch-russi- * schen Krieg. (Wir geben den folgenden Bericht der Sow- jetrcgierung mit dem ausdrücklichen Bemerken wieder, daß wir die Verantwortung für die Richtigkeit der mitgeteilten Tatsachen Herrn Litwinoff überassen.) Prag, 16. September. Der Vorsitzende der Handelsdelegation der R. S. F. S. R. in der Tschechoslowakei, Herr Mostowenko, hat folgen- des Radiotelegramm vom Stellvertreter des Kommissärs des Auswärtigen Amtes, Litwi- noff, erhalten:^ Moskau, den 14. September. In dem heute veröffentlichten offiziellen Berichte cnt- hüllen wir die neuen interventionistischen Pläne Frankreichs, welches mit der Note vom 8. September Polen durch das Versprechen großer finanzieller und militärischer Hilfe im Ratte eines Krieges mit Sowjct-Nußland, hetzt, uns ein Ultimatum zu stelle». Angesichts des Umstandcs. daß Rußland vom Kampfe jgegen den Hunger vollständig in Anspruch ge- «ommen ist, findet Frankreich den Moment für agressive Handlung geeignet. Die Note fordert die Einstellung der polnischen Demobilisation, die Uebcrgabe der höheren Hccrcslcistung der polnischen Armee an den französischen Stab Und an die Intendantur der französischen Mist ston in Warschau, Polen Verderben voraus- lagen, falls es seine russische.Politik nicht Frankreich unterwirft. Eine ähnliche Rote v-ziarv- wurde auch an Rumänien gerichtet. Frank- reich beabsichtigte, gleichzeitig mit Polen und .Numanicn ein Ultimatum zu stellen, doch ha- bcn sowohl Polen wie Rumänien diesen An- trag abgelehnt. Sie versprachen zu drohen, aber den Zusammenstoße zu vermeiden. Die Nachrichten sind durchaus glaubwürdig und werfen ein neues Licht auf den Versuch Frank- rcichs, im Moment der Kricgsvorbercitung unter der Fahne der Phitantropic nach Ruß- land seine Agenten zu schicken. Litwinoff. Die deutsche Reaktion. Soll Kohr bleiben oder gehen? Berlin, 16. September. Tie Morgen- blattet berichten aus München, daß nach'den Ergebnissen der Beratungen der bayrische n Volkspartci schon jetzt mit Bestimmtheit darauf gerechnet wird, daß die bayrische Volks- Partei an Kohr nicht mehr mit dem Ersuchen herantreten wird, auf seinem Posten zu vcr- bleiben. Ta auch die D e m o k r a t c n sich an einem neuen Kabinett Kahr nicht beteiligen würden, sei mit Sicherheit zu sagen, daß eine R ü ck k c h r K a h r nicht mehr c r w a r- t c t werden kann.(In Widerspruch zu dieser Nachricht des tschechischen Korrcsvondcnzbüros steht die?lnsicht der offiziellen Korrespondenz der bayrischen Volkspartci:„Die beste Lösung der Krise, die gefunden werden könnte, wäre die, daß Herrn von Kahr ermöglicht wird, einem an ihn herantretenden Rufe Folge zu lci- stcu." Ferner veröffentlicht die dcutschnationalc „Müttchcn-Angsburgcr Abendzeitung" unter der Spitzmarkc„Zurück zu Kahr!" eine Eut- schlicßung der Deutschen Volkspartei, die den Landtag auffordert, Kahr neuerdings zum Mi- nistcrpräsidcntcn zu wählen. An den Münchener Plakatsäulen wird von den Rechtspar- tcicn zu großen Versammlungen aufgerufen, in denen dem gestürzten Ministerpräsidenten neu- crdings das Vertrauen ausgesprochen werden soll. Es wird mit allen erdenklichen Mitteln daran gearbeitet, die Kandidatur Kahrs durch- zubringen. Nur die parteiamtliche„Süddcut- schc demokratische Korrespondenz" spricht sich entschieden gegen Kahr ans. Sie schreibt: Kahr sei das Opfer seiner Politik und Unzulänglich- keit geworden. Der absolute Mangel an staats- männischer Begabthcit und seine Sticrnackigkeit seien ihm zum Verhängnis geworden. Es wird ihm dann vollständige Blindheit und In- stinktlosigkeit in allen politischen Erfordernissen vorgeworfen.— Man sieht daraus, daß der Streit um Kahr noch fortdauert.) Eine prenßisch-bayrische Einheitsfront? Berlin, 16. September. Die„München- Augsburgcr Abendzeitung" will ans Berlin von angeblich zuverlässiger Seite gehört haben, daß die Preußische Regierung durch den Mini- stcrpräsidentcn S t c g e r w a l d die von der bayrischen Regierung und vom bah- rischen Landtag formulierte Forderung auf Acitderung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. August auf das Wärmste u n t c r st ü tz t habe, sodaß Preußen und Bayern in der Frage der Aende- rung der Neichsverordnuiig eine E i n h c i t s- front bilden. Eine Putschzentrale in Schlesien. Berlin, 16. September. Die„Freiheit" berichtet: In Schlesien ist eine Pu tsch- z e n t r a lc atisgehoben worden. Es handelt sich um eine Verschwörung einer Organisation des S e l b st s ch tt tz es, wobei die Arbcitsge- meinschaft Roßbach und das Freikorps„Ober- land" durch die vorgefundenen Dokumente schwer belastet werden. ES steht fest, daß die Führer der Arbeitsgemeinschaft mit den R c ch t s p u t s ch o r g a n i s a t i o n e n in ett- gcr Fühlung stehen, mit riesigen Geldmitteln ausgestattet sind und einen regen Kurierdienst nach Berlin. München und O st P r c u- ß c n unterhalten. Auch die von uuS vorge- brachte Behauptung, daß die Arbeitsgemeinschaft T e r r o r t r u P P e n gebildet hat, deren Aufgabe es ist. Feinde der nationalen Sache zu beseitigen, haben sich als richtig hcrauSge- stellt. In Schlesien führen diese Tcrrorgrup- Pen den Namen Jagdkommando s. Fremde dürfen nicht nach Oberschlesien. Berlin, 14. September.(Tsch.-P.) Ans Kat- towitz wird berichtet: Die interalliierte Kom- Mission erließ ein Einreiseverbot für Personen, die außerhalb Obcrschlcsicns wohnen. Die Einrciscanträge rcichsdcutschcr Vertreter größerer Tageszeitungen sind abschlägig beschicken worden wegen unwahrer Greuel- Meldungen aus Oberschlesien. Verbot linksstehender Zeitungen, Berlin, 14. September.(Tsch.-P.) Durch eine Verordnung des Ministers des Innern ist die in Berlin erscheinende„R o t e Fahne" vom 16. bis 17. September und das in Gotha erscheinende„G o t h a e r V o l k s b l a t t" vom 16. bis 22. September verboten worden. Berlin, 16. September.(Tsch.-P.) Das Vcr- bot der kommunistischen„Roten F a h n e" ist, wie das Blatt mitteilt, wegen der beiden Leitartikel„Die Kindcrmördcr von Zpern wol- len feiern" vom 13. September und„Ein neues SPitzelmaitöver Wcißmann" vom 14. d. erfolgt, in denen, wie es in der Begründung des Rcichsministcrs des Innern heißt, zu Gewalttaten gegen die Gesetze aufge- fordert und die RcichSregicrung verächtlich zu machen gesucht wird. Die Hungersnot in Nnsiland. DaS Verhalten der Sawjctregiernng. Berlin, 16. September.(Tsch. P.) Das„Berliner Tageblatt" meldet ans Riga vom 14. d.°. Der Abtransport der für Sowjetrußland bestimmten Lebensmittel ans Riga ist fortdau- crnd st a r k gefährdet, da die Sowjctrcgie- rung keine Transportmittel zur Verfügung stellt. Von den 000 lcttländischcn Waggons, die bisher nach Sowjetrnßland ab- gegangen sind,-sind nur 10 in defektem Zu- stände an Lettland zurückgelicfcrt worden. Dabei treffen im Rigaer Hafen täglich neue L c- be nsm i ttc lscndu ugc n für Sowjet- rußland ein. Berlin, 16. September. Ter Londoner Bc- richterstattcr der„New Park Times" berichtet über die ersten Lebensmittelsendungen des amerikanischen Hilf s Werkes für Rußland. Tic amerikanischen Vertreter erklärten, daß ihnen die S o w j e t r c g i e r u n g alle mögli- chcn Erleichterungen gewähre. Im ganzen Lande hätten sie feststellen können, daß die Bevölkerung mit derbols ch c w i st i s ch e n R c g i c r n n g zufrieden sei und daß unter deren Regime größere Ordnung herrsche als nn- ter dem des Zaren. Das zeige sich jetzt zur Zeit der Hungersnot. Bei ähnlichen Gelegen- heilen sei es unter dem zaristischen Regime int- mcr zu AufstandSbcwcgnngcn gekommen. (Man darf an die beiden Berichte füglich die Preisfrage knüpfen: Wie benimmt sich die Sowjctrcgiernng also tatsächlich den Helfenden gegenüber?) Der Kampf nm Irland. De Valera nicht unter den Unterhändlern. London, 14. September. Reuter meldet aus Dublin: Tic Tatsache, daß de Valera nicht zu den Bevollmächtigten des Tail Eirc- ann bei den Verhandlungen mit der britischen Regierung gehört, hat einige Neberraschung hervorgerufen. ES scheinen in Bezug ans seine Gewandtheit als Unterhändler verschiedene Ansichten zu bestehen. Vor einer Verstäiidigniigökonserenz. London, 14. September. Amtlich wird ans Dublin gemeldet: Das Tail Eireann hat heute die Antwort an Lloyd George und die Erneu- nung von 5 Delegierten einstimmig gebilligt. Tie Antwort ist noch nicht veröffentlicht worden. Enlcntckrcdile an Osterreich. Wien, 16. September.(Tsch. P.) Wie das „Neue Wiener TagblaU" in Ergänzung der Mitteilungen, die der BnndeSsiitanzministcr gestern in der Sitzung dcS Nationalrates gc- macht hat, erfährt, sollen in kürzester Zeit 2 Millionen Pfund Sterling für den österreichischen Finanzbedarf. flüssig gemacht lver- den, denen nach dem Zusammentritte des amerikanischen Kongresses 3 weitere Millionen Pfund folgen werden. Die Gewährung dieser Kredite zu den oben erwähnten Terminen steht fest._ Die Nuthciicn in Polen»argen selbst für ihre Schulen. _„Kur. E> dz. Krakow" meldet: Auf Grund eines Beschlusses des zweiten Kongresses der ukrainischen Partei in Lemberg vom 3. d. beginnen die Rnthenen, Privatvolkssckm- tcn in den Dörfern. Mittelschulen in den Stäb- ten und eine r n t h c n i s ch e Privatnniversi- tät in Lemberg zu gründen. Das Schul- w e s c n leitet eine Svczialkommission unter der Leitung des Professors Dr. Wasil Szeczu- rata, welcher gleichzeitig Rektor der Privatum- vcrsität ist. Durch einen Erlaß wurde die In- slription an der Polnischen Universität in Lein- bcrg verboten. Greueltaten der Faszisten geaen Slowenen. Graz, 14. September. Der Grazcr„Tages- Post" wird aus Belgrad gemeldet: Infolge'der Greueltaten, die italienische Faszisten liegen Slowenen in Tricnt verübt ha- ben,. hat die jugoslawische Regierung ihren Gc- schäftsträger in Rom beauftragt, bei der ita- lienischen Regierung eine energische Protest- notc zu überreichen. Tages-Aenigkeiten. Wie das Staatsbodenamt die Bodeureform fördert. In der gestrigen Sitzung der Z c n- tralverwaltungskom Mission für ® t o ß-P rag kam es zu einer längeren, leb- haften Debatte über die Genehmigung des Beschlusses der Präger Stadtvcrtretnng, gc- niäß welchem diese den Großgrundbesitz Unter- potschernitz freihändig von dem früheren Baron Derczcnyi um den Betrag von 6,200.000 Kronen ankaufen solle. Der Vertreter der deutschen Sozialdemokraten, Genosse Dr. Arthur Bloch sprach sich gegen den freihändigen Ankauf aus, indem er in Erinnerung brachte, daß vor eini- gcr Zeit die Zcntralvcrwaltititgskommission seinem Antrage gemäß beschlossen habe, die Prager Stadtvcrtretnng zu beauftragen, die im Gebiete Groß-Prags gelegenen Großgrnnd- besitze ans Grund des Bodenbcschlagnahmcgc- setzeS durch das Staatsbodcnamt für die Stadt erwerben zu lassen. Der von der Präger Stadtvertrctnng beschlossene freihändige An- kauf des Gutes widerspreche jenem Beschlüsse und bedeute überdies eine erhebliche S ch ä d i- gung der Stadt, da die Bedingt!«- ' m im Fall? der Beschlagnahme durch das , SeVe 8. Staatsbodcnamt für die Stadt bedeutend gün» stigcr wären, als beim freihändigen Ankaufe des Gutes. Genosse Dr. Bloch hielt den tschechischen Parteien vor, daß sie die moralisckc» Verpflichtung hätten, die Gesetze, die ihr? Vertreter in der Nationalversammlung angc- nvmmen hatte», zu respektieren und daß sie im entgegengesetzten Falle nicht berechtigt wären, anderen die Verletzung der staatlichen Gesetze zum Vorwurf zu mache». Die Vertreter der tschechischen Parteien, darunter auch die l s che- chischeu Sozialdemokraten Dr. Langer und S la ina belli ühteu s i ch, den Beschluß der Prager Stadt- Vertretung zu verteidigen und führten als Grund hiefür an, daß auch das Staatsbodenamt der Stadt wärmstcnü angera- tcn habe, das Gut freihändig vom bisherigen Besitzer zu kaufen, da die Beschlagnahme und Uebcrnahme des Gutes durch das Staatsboden, amt die Stadt bedeutend später und unter nn- günstigeren Bedingungen in den Besitz des Gutes setzen würde. Dieser Argumentation schloß sich die Mehrheit der Zcntralverwal- tnngskoniinission an und genehmigte den frei- händigen Gutskanf.— Das ein Staatsboden- amt, welches gesetzlich mit einem Millionen- aufwände bestellt wurde,»in die Bodenreform durchzuführen, selbst dazu rät, in einem Falle, der Gelegenheit zur Bodcnbcschlagiiahinc gibt, von der Beschlagnahme abzusehen, ist eine Er- scheinnng, die Wohl nur im tschechoslowakische» Staate möglich ist. Byzantinisches. Ans Brünn wird uns gemeldet. Schon einige Tage vor der Ankunft des Präsidenten wurden in allen Stationen Gcudarmcricabteilnngctt postiert, nm das B.chngclcise zu bewachen. Hunderttausend 'Menschen befahren alljährlich diese Strecke, aber erst jetzt hat man es für notwendig befunden, rasch verschiedene Reparaturen am Bahnkörper vorzunehmen. Ter Stadtrat hat zur Aus» schmücknug der Straßen, durch welche der Prä- sideitt fahren wird, einen Betrag von 100.000' Kronen bewilligt, doch wird dieser Betrag gc- miß um das Bielfache überschritten werden. Ans dem ganze» Wege, den der Präsident durch die Stadt fahren wird, sind drcistockhohc Flag genbäunte aufgestellt. Bemerkt sei, daß die Stadt sich in schwersten Finanznöten befindet und an jedem Ersten kaum im Stande ist, die Geldsummen zur Bezahlung der Bcamlcnge« balle aufzubringen. Bei der Fcstvorstellnng im tschechischen Theater wird es wie folgt hergehen: Die Vorstellung beginnt um präzise 10 Uhr, doch haben alle Besucher ihre Plätze nm dreiviertel 10 Uhr einzunehmen. Der Herr Präsident wird im Vestibül vom Vor sitzenden des tschechischen Theatervereines und vom Direktor des Theaters begrüßt werde». Hierauf wird er in die Loge ge- führt. Bei seinem Eintritt intoniert das Orchester des NationalthcatcrS National- Hymnen. Zur Aufführung gelangt„Die verkaufte Braut". Ter Herr Präsident ver« läßt das Theater vor Beendigung der Vor- stellnng, bei seinem'Abgang darf daher nie- mand feinen Sitzplatz verlassen. Was wohl der bescheidene Masaryk über diese Geldansgaben und all dieses Getue den- kett wird?!... Die Buchdrucker im Kampfe. Gestern abends fand im Garten des„Lidove dum" in Prag eine massenhaft besuchte'Versammlung der B it chd r n ck c re ia rb e i t e r v o n Groß-Prag stall. Ter<%uitd zur Veranstaltung war der ablehnende Standpunkt, der Bnchdrnckcrcibesitzcr gegenüber den For- dernngen der Arbeiterschaft ans E r h ö h u n g der Ten crungsb ei träge. Die For- dernngen wurden hauptsächlich mit der»ach- gewiesen st e i g e n d e» Teuerung begrün- dct. Der Vorsitzende der„Typograficla he seda", Genosse N c in<•»• c k, erstattete Bericht über den Verlauf der Verhandlungen mit den Unternehmern, welche sich zerschlugen, da die Vertreter der Unternehincr in der letzten Sitzung nicht erschienen waren. Die AuSfiih- rungen des Redners wurden wiederholt von Beifall unterbrochen. Die Arbeiterschaft vcr- harrt auf ihren Forderungen und beauftragte ihre Vertrauensmänner mit der Durchführung der Aktion. Zum Schluß wurde einstimmig folgende Entschließung angenommen:„Die am 16. September im„Lidove dum" in Prag vcr sammelten Bnchdri'.ckereiarbcitcr erklären nackt Anhören des Berichtes über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen wegen Erhöhung der TciicrnngSbciträgc, daß sie das Vorgehen ihrer Vertreter in den gemeinsamen Konferenzen gutheißen und sie sprechen ihr Mißfallen über das Vorgehen der Unternehmerschaft ans. Das Vorgehen der Vertreter der Untcrneh- mer kann man nicht anders als eine bös- w i l l i g c P r o v o k a l i o n der Buch- drnckereiarbeitcr bezeichnen. Tic Ar- beitcrschaft erklärt, daß sie hinter ihren durch- ans gerechtfertigten Forderungen steht und daß sie den Kampf für eine Erhöhung der Tcuerungsbciträgc o h n c N ii ck s i ch t auf alle Folgen entschlossen führen wird. Die Ereignisse in der Danck-Fabrik. Vor- gestern abends fand eine Vertrauensmänner- Versammlung der Metallarbeiter Groß-Prags statt, zu welcher die Arbeiter von Schlatt, Kv> niggrätz, Kladno und Inngbunzlan ihre Per- «ettc 4. trctcr entsendet hattet,. DaS Bestreben der Arbeitgeber Organisattonen nach Verschlechte- rnng der Arbeits- und Lohnvcrhältniste wurde namentlich im Hinblick auf die lebten Ereig- nisse bei der Firma Breitfcld und Danek in Karolincntal(Verkürzung der Arbeitszeit, Eni- lassung eines Vertrauensmannes, Herbeiru- fnnd der Polizei zum Zwecke der Wiedereinsetzung des verbauten Direktors Frankenberger, dessen Entlassung die Arbeiterschaft fordert) eingehend erörtert und einstimmig die Einset- zung eines engeren Komitees beschlossen, das die Taktik für das weitere Vorgehen der Arbeiterschaft festzusetzen und namentlich die Gegen- maßnahmen gegenüber der Erklärung des Nn- ternchmcrverbandes vom 14. September zu ergreifen hat.(In dieser.Kundgebung bat der Unternehmerverband Genugtuung für die von den Arbeitern aus dem Unternehmen gewicse- neu Beamten gefordert und sich mit ihrem Bor- gehen solidarisch erklärt.) Pom Schlachtfeld der Arbeit. Gestern vor- mittag arbeitete der 31jährige Gußcisenputzer Josef Novak aus Bysotfchan der Gußeisens«- brik der Elektrotechnischen Aktiengesellschaft vorm. Kolben u. Comp, in Bysotfchan mit 4 anderen Arbeitern an einer Platte, welche 27 j Zentner wog. Plötzlich schlug die Platte um und verletzte Novak so schwer, daß er kurz nach «einer Ueoerführung ins Allgemeine Kranken- paus den Verletzungen erlag. Die Leiche wurde nach polizciärztlicher Untersuchung dem ge- richtöärztlichen Institute zur Vornahme der gerichtlichen Obduktion zugewiesen. Unfälle. Ans dem Neubau in der Luxem- burggassc in Zizkow stürzte gestern der Bau- meister Josef Cisar durch das Gerüst des zweiten Stockwerkes und verlebte sich schwer am Kopfe. Er wurde in häusliche Pflege be- lasten.— In der Hnöstraße in Zizkow wurde gestern nachmittag Zdcnka Wanck von einem Magen der Elektrischen Bahn niedergeworfen. Sic erlitt einen Bruch am Unterarm der linken Hand. Sic wurde ins Weinberger Krankenhans überführt. Ein Kulturkino? Ter Verein tschechischer Journalisten errichtet in Prag in den Räum- lichkciten deS ehemaligen„Sanssouci" ein Kino, welches stch insbesondere der Pflege des Knl- tur- und künstlerischen Films widmen will. Hoffentlich wird dieses Kino auch der löblichen Absicht seiner Gründer gerecht werden. Kleine Chronik. Die endgültige Arwaer und Teschener Grenze. Prag. 15. September.(Tsch.-P.) In der Ib. und 17. Sitzung der internationalen tschechoslowakisch-polnischen Abgrcnzungskom- Mission in Mähr.-Ostran wurde am 2. und 4. Juli die definitive Arwaer und Tcsckener Grenze festgelegt. Die internationale Kam- Mission ersuchte, daß gleichzeitig die Dclimita- tionskommission der beteiligten Staaten dafür Sorge tragen, daß im Gebiete von Arwa und Tesche» die Militärabteilungcn von der De- marlationslinie an die definitive Grenze zu- rückgezogen werden. Die Grenzmarkiernng wird durchgeführt. Explosion einer Granate. Im Fort 20 in Olmütz ist am 14. d. eine russische 3 Zcnti- meter-Granate explodiert. Zwei Arbeiter wur- den getötet. Der Vorfall wird untersucht. Der Ausbau des Simplontunnels. Lon- dun, 15. September.(Radio.) Die Bohrarbci- ten in der 2. Galerie deS 21.570 Pards(ungefähr 20 Kilometer) langen Simplontunnels wurden gestern nach zehnjähriger Dauer be- endet. Ilolksniirlschaft und Sozialpolitik. Das nächstjährige Defizit im StaatShaus- halt. Wie die„Lidove Noviny" melden, wer- den die Staatsausgaben im nächstjährigen Budget 21.267,715.758 Kronen betragen. Dem- gegenüber stellen sich die Staatseinnahmen ans 17.488,892.606 Kronen, sodaß sich ein Defizit von 3.778,883.152 Kronen ergibt. Wie die Er- fahrung lehrt, sind die tatsächlichen Defizite im tschechoslowakischen Staatshaushalt stets grö- ßer als sie im Budget präliminicrt sind, sodaß wir wohl nächstes Jahr mit einem größeren e*vi*f*««***•< Defizit als 4 Milliarden zu rechneu haben werden. Soziale Reaktion in Deutschland. Wie reichs- deutsche Blätter melden, soll ein Gesetzentwurf über eine Schlichtungsordnung vor- bereitet werden. DaS Schlichtungsverfahren soll zur Voraussetzung eines jeden Streiks ge- macht werden. Wenn dem Streik ein Schlich- MngSverfahrrn nicht vorausgegangen ist, sind die Gewerkschaften zum Schaden- ersah verpflichtet(!).° Streiks in söge-! nannten gemcinnötigcn Betrieben sollen über- Haupt gänzlich verböten sein. Gleichzeitig soll ein Entwurf über die Rechtsfähigkeit der Be- rufsvcreine vorbereitet werden. Diejenigen BcrufSvcreine, die sich„parteipolitischen Be- tätigungen hingeben," sollen vom Abschluß von Tarifverträgen ferngehal- t e n werden. Das SclbstbcstimmungSrccht der Gewerkschaften wird dadurch einzuschränken versucht, daß das Stimmrecht der_ Gewerkschaftsmitglieder und ihre Wahlfähigkeit zu Vereinsämtern von einer Altersgrenze abhän« gig gemacht werde, lieber Ausschlüsse anS den Gewerkschaften entscheidet daS ordentliche Gericht. Die Gewerkschaften werden verpflichtet, die Hälfte ihres Vermögens als UnterftützungS- foiid festzulegen(Wohl damit sie eS nicht als Streikgeld verwenden können). Die GeWerk- schaftcn sollen auch den Unternehmern gegen- über die Hastung übernehmen fiir etwaige Streiks, bei denen die Vorschriften der Schlich- tungsordnnng nicht eingehalten wurden. So weit die Berichte deutscher Blätter. Der all- gemeine deutsche Gcwerkschaftsbund wird Wohl den reaktionären Bürokraten, die solche Dinge auShecken, die richtige Antwort schon geben. Die Erfastung der Sachwerte. Der Kampf um die Erfastung der Sachwerte wird jetzt in Deutschland ein schnelleres und schärferes Tempo annehmen. Die Finanzlage des Reichs wird immer schwieriger, durch die von der Regierung bisher vorgelegten Steuerplänen kann weder ihre Gesundung herbeigeführt, noch kann damit die Deckung der ungeheuren Rcparationslastcn geleistet werden. Den letzten j Anstoß dafür, daß an die Finanzprobleme mit, größerer Energie herangetreten wird, gab die i maßlose Verschlechterung der deutschen Valuta. Ist doch der Kurs für den amerikanischen Dollar an der heutigen Börse bereits aus 109 gestiegen, was soviel heißt, als daß die Entwcr- tung der deutschen Mark noch unter ihren bis- her schlechtesten Stand im Frühjahr 1920 ge- funken ist. Damit werden alle Berechnungen der Regierung über den Haufen geworfen. Eine wahnsinnige Verteuerung des Lcbcnsbe- darfcs wird jetzt eintreten, die deuffche Wirt- schaft nähert sich österreichischen und polnischen Zuständen, und die deutsche Valuta muß überhaupt zusammenbrechen, wenn man den Diu- gen ihren Lauf läßt. Es gibt nur ein Mittel, um die Katastrophe zu verhindern, das ist die Beteiligung des Reichs an den Erträgnistcn der Wirtschast. Diese Fragen wurden im deutschen Reichswirtschaftsrat erörtert, und zwar im Anschluß an einen Antrag von Mistel und Hilfcrding, der die Erfastung der Sach- werte verlangt. Wissel sagte, daß sein Antrag einen Eingriff in die Substanz der Wirtschaft bedeute. Er müstc so gestaltet werden, daß die Substanz selbst nicht geschädigt, das Wirt- schaftscrträgnis aber außerordentlich gesteigert werde. Hilfcrding betonte, daß die deutsche Wirtschaft in den letzten beiden Iahren sich wieder erholt habe, aber von ihr sei nichts ge- tan worden, um die Finanzen wieder gesund zu machen. Das bisherige Steueraufkommen sei fast ausschließlich von den Lohn- und Ge- haltscmpfängcrn getragen worden. Dem Reiche müsse jetzt ein Anteil an den Erträg- nisten der Wirtschaft und auch an den Gold- werten gegeben werden, um die Finanzen und die Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen. Die Vertreter der Unternehmer wandten sich gegen die Erfastung der Sachwerte, und sie be- haupteten, daß dadurch nur die Produktion geschädigt werden würde. Dagegen erklärten sich— und das ist besonders bemerkenswert— die Vertreter auch der bürgerlichen Angestcll- ten- und Arbeiterorganisationen fiir den An- trag. Es ist daher anzunehmen, daß der Kampf um die Erfastung der Sachwerte sich stütze« wird auf die geschlostene Front der Ar« bester und Angestellten auö allen Parteuagcrn. Der deutsch-ftanzösische Wiederaufbaut,«- trag. Die Ratifizierung des deutsch-franz» fischen Wiedcraufbauvertrags Wird voraussichtlich in den nächsten Tagen erfolgen. Die deuffche Regierung will den Vertrag so schnell wie möglich abschließen, damit seine Wirkung sich auf die deutsche Zahlungsbilanz bemerkbar mache. Danach wird auch die französische Regierung die Ratifikation vornehmen. ES fft eine neue Begegnung zwischen den Ministem Rathcnau und Louchcur beabsichtigt, um noch einige Nebenverträge fertigzustellen. Die Lage in der Metallindustrie. Wie „Pravo Lidu" meldet, Mo Mittwoch abends eine Beratung der Vertrauensmänner der Me- tallarbciterschaft Mittelböhmens statt, in der zu der bekannten Kundgebung des In« dustriellcnvcrbandes Stellung genommen wurde. Es wurde erklärt, daß in diesen Maßnahmen, Beschränkung der Arbeitszeit, Entlastung des Vertrauensmannes der Arbei- terschaft und Herbeirufung der Polizei das Bestreben der Organisation der Unternehmer nach Verschlechterung der Arbeits- und Lohn- bcdingungen sowie der Einführung des Abso- lutismus in den Fabriken zu erblicken sei. Die Lage in der Metallindustrie ist eine ernste, weil der Unternehmerverband die Dinge auf die Spitze treibt. Europas Verschuldung an Amerika. Wie das Ministerium des Acnßern mitteilt, betrug am 1. Juli 1921 die Summe der Anleihen, die Amerika den europäischen Staaten gewährt hat, 10.084,367.706'59 Dollars. Dazu kom- mcn noch die für diese Anleihe unbezahlten Zinsen in der Höhe von ungefähr einer Mil- liarde Dollars, sodaß sich die Gesamtsumme der Anleihen auf 11 Milliarden Dollars be- läuft, das sind nicht weniger als 918 Milliar- den tschechischer Kronen, eine Summe, die man sich gar nicht vorstellen kann. Ans die Tschc- choflowakei entfallen hievon 91,179.527 Dol- lars, das sind nach dem Kurse vom 14. September nicht weniger als 7.613,490.504-50 Kronen, oder annähernd?^ Milliarde Kronen. Drohende Aussperrung in Sachsen. Der Arbeitgcbcrverband der Metallindustrie Sach- scns beschloß die Arbeiter in den bisher vom Streike nicht betroffenen Betrieben ani 16. d. M. auszusperren, wenn bis Freitag früh die Arbeit von den Streike,'»""• wieder ausgenommen wird. Etwa 40.000 Ar- bciter würden von der Aussperrung betroffen werden. Der fallende Dinar. Belgrad, 14. Sep- tember.(Tsch.-P.) Das ministerielle Wirt- schaftskomitcc beschloß, der fallenden Tendenz des Dinarkurses durch Erhöhung der E i n- f u h r z ö l l e und H e r a b s e tz u n g der A u s- f u h r z ö l l e entgegenzutreten. Die Maß- nähme kann jedoch erst nach Genehmigung deS neuen Zolltarifcs seitens des Gesctzausschusscs t der Skuptschina in Wirksamkeit treten. Der Wert der Krone. Es kosten heute 100 Holl. Gulden 2631.50, 100 Mark 77.25, 100 schwciz. Franken 1441.50, 100 schwcd. Kronen 1806.50, 100 Lire 354, 100 franz. Franks 582.50, 1 Pfund Sterling 311.50, 1 Dollar 82.25, 100 belg. Franks' 577.50, 100 Peso 1186.50, 100 Dinar 136.75, 100 Lei 70.50, 100 österr. Kronen 5.45, 100 pol». Mark 2.10, 100 ung. Kronen 16.0214 ffchechische.Kronen. iu der Partei. j Die Bezirkokonsereuz deS Schönberger Bezirkes am 11. September war von 34 Delegierten be-> sucht, welche 16 Lokalorganisationcn vertraten. Aus den Berichten ging hervor, daß wohl überall die Folgen der Parteispaltung üverwunden sind. In der kurzen Berichtszcst, kurz deshalb, weil erst im April eine außerordentliche Konferenz stattgefunden hatte, wurden von der Bezirksleitung 35 Versammlungen veranstaltet, Während die tzlbgcordneten Hachenberg und Häusler außerdem in nenn Versammlungen sprachen. In der Frage der Preste, des Bildung?- Wesens, des Ausbaues der Organisation wurden wichtige Beschlüsse gefaßt. Den Parteitag be- schickt die Bezirksorganisation mtt drei Delegier- ten. Die Wahl wurde den Lokalorganisationen M BIO SVETOZOR um 3 u.%6 Uhr Ursachen und Gelaliren der Geschlechtskrankheiten mit Vortrag dci MlIDr. Jarosl. Hrdmsky. 82 Abends 8 Uhr: Der grftnratc(runtitalHchc Film Aus den Gehelmnissen des Orients. NÄ SLOVHNECH PRÄG II. Groxscx Aun.itattungrasplcl 83 Die Wege des Schreckens-zum ClDcK. ILory Dornlnl LIPO.„Die Gekreuzigte". Film-Romanettc nach Jakub A r b« s in 6 Teilen. f„Oeffnet die Augen" 1 Znn> erstenmal in Prag im 73 BIO»ILLUSION' |_t\roases sex. Drama in 7 Hkton. Hmorik. Film. 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ES wurde ferner bcschlosten, den Klub der Abgeord- ncten aufzufordern, die sofortige Einberufung del Parlamentes bei der Regierung zu betreiben, damit über den Ernährungsplan ge- sprachen werden kann. Betreffs der Arbeit S< losenfürsorge wurde der Klub der Abge- ordneten aufgefordert, bei der Regicrimg zu intervenieren, damit ersten« Arbeitsgelegenheit geschafft» wird, zweitens fft die Inkraftsetzung deS neuen ArbcitSlosenunterstützungsgesetzeS noch vor Eintritt des Winters zu erwirken. In der BezirkSkonferenz Eaaz. die Sonntag, den 11. September, in Saaz stattfand, wurden als Delegierte zum Parteitag die Genossen Schimek, Glaser und die Genossin Steh- 1 i k gewählt. Die BezirkSkonferenz Anssig-Stadt. Die Be- zirkskonferenz Aussig-Stadt, die am Sonntag, den IL September, stattfand, stellte Gen. Hieb sch im SckrctariatSbericht fest, daß das Agitation?» gebiet Aussig-Stadt durch die Spaltung der Partei verhältnismäßig sehr wenig gelitten hat. Die Organisation hat von ihren Mit- gliedern f a st nichts verloren. In der De- batte wurde namentlich die Notwendigkeit einer intensiven Agitation?- und AusklürungSarbett unter den Frauen und Jugendlichen besprochen. Der Kreisbildungsausschuß wird im Winter ver- suchen, in allen Sektionen systematische Bil- dungSarbeit zu betreiben. Genosse Belina be- richtete in seinem Referat über die Preste, daß die Kreisvertretung beschlosten habe, in der Woche vom 25. September bis 2. Oktober eine großzügige Werbeaktion für das„V o l k s r e ch t" durchzuführen. Die Kon- ferenz zeigte sich einig in der Auffassung, daß diese Werbeaktion mit allen Kräften durchzu- führen ist. Der Punkt„Stellungnahme zum Parteitag" wurde infolge der vorgerückten Zest von der Tagesordnung abgesetzt. Zur Bchand- lung dieses Punktes findet in den nächsten Tagen eine außerordentliche BezirkSkonferenz statt. Die Neuwahlen ergaben: BezirkSverttaucnSmaun Ge- nosse Müller, Stellvertreter!,, Genossin Kir- pal, Kontrolle die Genossen Itze und Mai. d o r f e r und Genossin S t e h l i k. Bezirkskonfcrenz Tacha«. Sonntag, den 25. September in Tachau. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Neuwahl der BezirkSexe- kutive, Wahl der Delegierten zum Parteitag, Vortrag über Volksbildungswesen und die Ar- beitslosenunterstützung. Kunst und Wissen. Neues Theater. Heute Freitag die neu- inszenierte Mozart-Opcr„Eosi fan Tuttc" un- ter Zemlinskys Leitzing. Sonntag nachmittag Gastspiel Richard Kubli„Boheme". „Die ScheidungSrcise" am SamStag und Sonntag 10 Uhr nachtS. Gastspiel Ida Roland. Morgen Samstag beginnt Frau Ida Roland ihr Gasffpiel als Anna in Hans Müllers„Flamme". Sonn» t a g spielt die Gastin die„Zarin" in LeghclS- BiroS gleichnamiger Komödie. Zur Beachtung. Unsere Abonnenten werden ersucht, die AbonnemcntSeinzahlung unter dem Name» z« leisten, unter welchem die Blattbeftrllung er- folgte. Die Verwaltung. Herausgeber: Dr. Ludwig Ezech und Karl Eermak. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emll Strauß Druck: Aktiengesellschaft Tribuna. Prag. BÜRSTEN, tinstreich- u. Rasierpinsel in erstkl. Ausführung nach Nürnberg. Art lief, direkt an Konsumvereine und Gewerkschaften S. ADLER. 6 Bürsten-, Pinsel- u. Holz- Warenfabrik Oes. m.b. H. Mvti Bsrastflp, MhaenmM. nnglofeiHlt inPrag,fiybenuhäul.£.5 72 Gegründet Im Jalire 1863. FILIALEN: Aussig a. E., Bottenbach, Brünn,Briix.Egcr,Falkenau,Franzensbad, lohannisbad, Kaaden, Karbitz, Karlsbad, Komotau, Küniggrätz, Leit- meritz, Lobositz, Marienbad, Olmütz, Pardubitz^ Pilsen, Prossnitz, Saaz, Teplitz, Trautenau, Weipert, Znaim. in 5 kg Postkistchen liefert zum äusserst. Tagespreise? Josef Cerven^, Klattau 4, Bahrnerwald. Erzeuser von Linoleum werden gebeten, bemusterte Offerte an den Arbeiter-Konsumverein Karbitz zu senden. Lieferanten von Ia. Eiern weiden ebenfalls gebeten, ihre Offerte, einzusenden(53 Ultimi? 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