1. Äxhrgmg.#t. 17. VIensIag, 20. September 192t. ^Ä ei£ ra* 0röa J l der deutschen sozialdemokratischen Aroelterpart et in der tschechoslowakischen Republik. Telefon'k?^' nai^s*0707 j"le nrnmm.WhteU®°S°!ialdim°°k«t'm»-' I^Ämln* 7°ip^ e,I vx? V,. b 1".5"" fte ,"'\®(' stu|Mu«<* in» San? oder bei Bcmq durch die Vo9 monatlich 1 H~kF. fflöUtparfafafonlo 67644 3?caß- Vl«ttlj«hrllch 48'- Ki, halbjährig 96- Kf, goitiM 192 T vinct'Sbildiliig abgelehnt. Tie reaktionä. bcn Kreis: gehen jcdo'> mit dem Gedanken nm, Ihn als Staatspräsidenten mit weitestgehenden Befugnissen wie- der erstehen zu lassen. Dies bedeutet eine neue H e r a n S f o r d c ru n g der R«i ch s- regierung. Dem Reichskanzler wird nicht« anderes übrig bleiben, als mit den Verhandlungen Schluß zu machen. Eine Entscheidung über Bayern muß endlich fallen, in Arbeiter- kreisen ist man nicht gewillt, sich noch länger hinziehen zu lassen. Die Hungersnot in Rußland. Gefährdung des amerikanischen Hilfswerkes. Rom, 18. Sept.(Tsch. P. B.) Ta die A u s- p l ü n d e r n n g d c s ersten Z u g c ß, der amerikanische Lebensmittel für die Kinder in die russischen HnngcrSgcbicte bringen sollte, sich bestätigt hat, ordnete die Rc- gierung der Bereinigten Staaten die vor- läufige E i n st e l l u n g jeder Hilfe- I c i ft lt it o an. Die Lage im russischen Hungergebiet. Die Russische Handelsdelegation in London gibt ans Grund von Berit'-n, die sich auf die Ernteergebnisse der Frühjahrksaatcn in Nuß- land beziehen, eine statistische Tarstellung der Lage in den Hungcrgebicten. Man findet sie den;„Rosta" veröffentlicht und wir entnehmen ihr, daß in dem genannten Gebiet Lebensmittel für 58,553.000 Personen fehlen. Lcbensmittelmengen und°HilfSaktioncn. Moskau, 10. September.(Tsch. P. B.) Bis ium 10. September sind über 26 Millionen Pud Getreide eingegangen, darunter als Na- tionalstcuer 10 Millionen Pud. In der Ukraine wurden über 7 Millionen Pud geerntet. In Petersburg wurde die c r st c a m e r i k a n i» schc Spcischalle für 000 Kinder eröff- uct, denen zweimäl täglich reichliche Nahrung verabfolgt wird. Ter Vertreter Nansens, Webster, teilt mit, daß er im Gouvernement Seratow Spcisehallcn für 10 0.0 0 0 Kinder einrichten wird. Finnische Hilfe. Moskau, 10. September.(Funk.) Der sinni- sche Neichsrat hat das finnische Rote Kreuz er- niächtigt, für die Hungernden Rußlands durch sechs Monate Sammlungen zu veranstalten. Die Franzosen räumen die besetzten Gebiete. Berlin, 10. September.(Wolfs.) Die franzö- sssche Regierung hat der deutschen Regierung am 17. September folgende Note übersandt: Die französische Regierung hat die Zurückver- legung der im Mai ds. I. in die besetzten Ge» biete gesandten Truppen nach Frankreich bc- schloffen. Die Truppenbewegung soll am 15. ds. M. beginnen und vor Ende des Monats bc- endet sein. Eine Tendenznachricht. Warschau, 10. September.(Tsch. P. B.) Aus Moskau wird gemeldet: Die Moskauer außer- ordentliche Untersuchungskommission hat die Mitglieder des HungcrhilfSkomiteeS z u m Tode verurteilt. Das Zentralkomitee der Sowjets hat die Urteilsvollstreckung si> stiert und die Vorlage der Akten verlangt. Der Äufruhr in Indien. Simla, 10. September.(Reuter.) Die Situation ist ständig eine ernste. Die Mo- plas haben bisher zweiBezirke besetzt. Die Verhaftung des indischen Führers©Hau» hts Ali hat in Bombay eine teilweise Em- Lung hervorgerufen. Masnrykvereljrnng. Masarhk reist. Er besucht das erstemal seit Gründung dc8 tschechoslowakischen Staats- Wesen« Mähren und die Slowakei und wird überall in jener Weise gefeiert, die man ehe- dem als„fürstliche Ehren" bezeichnete: Tri- sein Leben dankt, eines Staate?, der vorläu- fig noch nicht durch die Liebe und das Ber- trauen seiner Bewohner, sondern durch Gc- wehre und Bajonette zusammengehalten wird und in dem Sclbstbcstimmungsrccht und Gleichberechtigung, trotz aller gepriesenen De- i mokratie leere Begriffe geblieben sind. Und sie, umphbogen, Flaggcnbäume, Kanonenschüsse, die diese Zustände geschaffen und hüten, brü- nttftfnvtfriu» cmxvjr.......<«v. 1... militärische Paraden, weißgekleidete Mädchen, Ansprachen, Hütcschwenkcn und B'umen- sträuße. Aber das mögen die tschechischen Re- publikaner und Demokraten, denen das repu- blikanischc Gewand noch nicht recht sitzen will und die mit schier bewundernswerter Natur- treue die monarchistischen Gebräuche kopieren, mit sich selber ausmachen, wenn sie nur an« dcrc in Ruhe lassen und ihnen das Recht zubil stcit sich mit ihrer Verehrung und Begeisw rung für Masarhk, obwohl die wahre Mascu rykhuldigung doch darin ihren Ausdruck finden müßte, daß seine Anhänger bestrebt sein niüß- tcn, in seinem Geiste zu handeln. Aber ist es nicht wie bei jenen Schein- und Lippcnchristcn, die Sonntags mit frommem Augcnanfschlag zur Kirche lausen, die Woche über aber ihre Mitmenschen fromm und bieder übervorteilen, I sein, daß nicht jene im Geiste Masarhks hau« ! dein, die seinen guten Nanien als sonntäglichen | Aufputz verwenden, während sie werktags alle j sittlichen Ideen von Gerechtigkeit und Freiheit schänden, sondern jene, die gegen Siegcrübcr- mut und ChanvinismnS kämpfen, für das Sclbstbcstimmungsrccht der Nationen und für ein wirklich demokratisches Staatswesen. ligcn. von Demokratie und Republik den ihren> lästern und bedrücken? Tic aufdringlichen Mci abweichende Vorstellungen zu haben. Aber ge-! sarykverchrcr,— lebt unter ihnen auch nur ein rade das ist cS. was sie erregt und von dem Funken seines Geistes und seiner Gesinnung? sie behaupten, daß es ihre Empfindungen ver-! Waren sie einst offen gegen ihn. so stehen sie j letzt. Ihre Zeitungen und Redner sind noch! ihm trotz Flaggen und Rcisiggirlandcn noch immer verärgert darüber, daß nicht die Staats-; immer äußerlich wie innerlich ebenso fremd angchorigcn aller Nationen, vor allem die; und feindlich wie ehedem gegenüber, denn es Deutschen, an den Hnldigungsknndgcbungcn^ist bezeichnend, daß Masarhk einer Partei an- teilnehmen, sie werfen ihnen Unverträglichkeit gehört, die eine so verschwindend kleine Grup- »nd börkartigcn Nationalismus vor. der nicht pc umfaßt, daß sie nicht imstande ist. auch nur einmal vor der verchrungswürdigcn Perion, ein einziges Mandat im Parlamente 511 gcwin- Masarhks Halt machen will. ja. sie ziehen in neu und sogar von der Aufstellung von Kan- ihren Tadel sogar die denlschen Sozialdemo-! didatcn absehen muß. Tic politischen Ideen traten mit ein. obwohl doch genügend bekannt Masarhks haben unter all seinen Lobkündern sein sollte, daß deren Rauhbcinigkeit sie seit je! noch immer keine Heimstätte gefunden, sowohl für monarchistische wie für schcinrcpu blikanischc Huldiguugsvcraiistaltnngcn untaug« lich erscheinen läßt. Dennoch richtet sich auch gegen diese ihr heftiger Tadel und sie meinen, wenn man schon niit den Verhältnissen unzu» frieden sei und zum Staate in Opposition stehe, so dürfe nian dies die Person Masarhks nicht entgelten lasten, den an diesen Zuständen doch keine Schuld treffe. Sogar ein tschechisches rechtssozialistisches Blatt bemüht sich, feinen Lesern auseinanderzusetzen, daß Masarhk doch Daß Masarhk den tschechischen Ehauvinisten nur daS glänzende?l»§Hängeschild ist, während Zug um Zug ihres Wesens und Treibens sei- ncn Anschauungen schreiend widerstreitet, das zu beweisen haben sie nicht einmal während der Festtage verabsäumt. Der RevolntionS-Vcr- waltungSauSschuß von Brünn hat seinerzeit durch die Einverleibung von 21 oft stunden- weite entfernten Ortschaften eine ebenso künst- lichc wie gcwaltsaine Majorisicrung der dent- scheu Bevölkerung der Stadt herbeigeführt; tcin Diktator sei und daß die Gestal.mh, der; Fall ste^ n.^^üh^r d^ T.nge ,m Staate dem Parlamente obsiege, das», f*^ Stadt,-in Herr Professor £ M.Ä I«|M«f» MM MM. dl. wolle. Und es folgert daraus, gleich der tschc chisch-bürgcrlichcn Presse, daß eigentlich, da eö sich nur unt den großen Menschen, Philosophen und Wahrheitssucher Masarhk handle, alle herbeizueilen hätten, an den Huldigungen teil- zunehmen. So sind sie, die Herrschenden und ihre frei- willigen Helfershelfer: Sie haben ein Gewalt- regime aufgerichtet, quälen und verletzen die anderen, sperren nach Belieben Schulen und niißachten alle sprachlichen Rechte der Minder- heiten. Das ist gewissermaßen WerktagSbc- schästigung geworden. Aber an den hohen na- tionalcn Fest- und Feiertagen, wie es auch Masarhks Reisetage sind, soll plötzlich alles ander? geworden sein: Da müstc, so folgern sie, alles zurückgestellt, alles Trennende und Böse begraben und vergessen werden, denn Masa- ryk sei ein edler, vornehm denkender Mann, der gegen alle Bewohner de? Staates gerecht zu sein sich bemühe. Gewiß, das haben auch wir stets rückhaltslos anerkannt und es scheint uns die Erinnerung am Platze, daß Masarhks Streben und Wir- ken bei uns Verständnis, er selbst bei uns Zu- flucht fand, als ihn jene, die ihn heute, feit- dem er Gründer des tschechischen Staates ge- worden, noch schmähten, vcrfchmtcn und selbst auö ihrer gesellschaftlichen Gemeinschaft aus- schloffen. Die persönliche Wertschätzung Masa rhkS hat bei nn? auch seither keine Verwinde •_«. vi... k.«.".!*.., Anwesenheit des Präsidenten zu benütze», sich dieser Gewalttat zu rühmen, indem er in der Begrüßungsansprache an Masarhk vom„an- deren Brünn,, sprach, das Masarhk betrete, vom„befreiten Brünn". Dieser Verhöhnung der deutschen Bevölkerung ließ der Bürgermci- stcr in der Festsitzung dcS Gcmeindcratcs die Ankündigung folgen:„Tie tschechische Mehr- hcit kann der deutschen Minderheit den gegen- ! wärtigen Stand ihres Schulwesens nicht ver- bürgen, eS kann auch mit der Erfüllung ver- schicdencr sprachlicher Forderungen der Deut- schen nicht vorgegangen werden." In Brünn hat die tschechische Mehrheit mit einem Schlage 31 deutsche Cchulklasscn gesperrt und der tschc- chischc Bürgermeister benützt just die Anwesen- hcit dcS Ethikers Masarhk, um weitere Anschlä- ge gegen daö deutsche Schulwesen anzukündi- gen. Die tschechischen Chauvinisten erwarten, wie sie beteuern, als Vorbedingung gemeinsamer Arbeit im Staate, mit Sehnsucht das Erwa- chcn der deutschen Chauvinisten aus bösem Traum, wobei sie unter die deutschen Chauvi- nisten auch alle gegen das tolle Treiben der Machtpartcicn, für Gleichberechtigung und na- tionales Sclbstbcstimmnngsrccht Werbenden einreihen. Sie sehen nicht ein, daß ihr Macht- Wahn und ihre Gewaltpolitik dem deutschen Chauvinismus, der nach dem verlorenen rung erfahren, aber die nun Vorwürfe darüber; Kriege ohnmächtig am Boden lag, mit vollen erheben, weil Masarhk auf seiner Reise Backen neues Leben einblasen und ihn von überall nur Angehörige der einen, der Herr schenden Nation zu sehen bekommt, die vergcs- scn, daß Masarhk nicht kommt als Mensch und Tag zu Tag mehr erstarken lassen. Einsichtige Tschechen— es gibt wirklich solche— erkennen das und warnen. Auch Musaryk zählt zu ihnen. Philosoph und Wahrheitsfreund, sondern eben Aber ihre Warnungen verklingen ungehört nur als Repräsentant und Oberhaupt des j Diesen Wenigen unter den Bielen wird viel, "ster Form ein bürger- 1 leicht auch besimiungslosesten Imperialismus Staates, der in schroffster Form ein bürger-! leicht auch längst die Erkenntnis aufgekeimt licher Älassmstaat ist, ober auch eines Staates, j der dem b-kimiunaslokesten Nmverialismu« Der Parteitag der deutschen Sonaldcinokraten. Görlitz, 18. September. In der Stadthalle wurde der diesjährige Parteitag der sozialdc- 1 mokratischen Partei mit einem Begrüßung?- , abend eröffnet. Tic 2500 Personen fassende j Halle war überfüllt. Als Gäst aus dem Par- I tcitag wurden begrüßt: N cmcc aus der Tsche- choslolvakci(Prag), aus Ungarn B u ck, i n g e r, aus Georgien T s ch c i d s e, der vor den Bol- j schcwiken flüchten mußte. Wels kritisiert aus diesem Anlaß scharf das Verhalten der Bol- schcwiken. Tschcidse entrollte drastische Bilder über das bolschetvistischc Treiben in Georgien, wo die Arbeiter einem Zuchthausrcgimcntc j unterworfen seien. Heute gebe es in Georgien ' nur Spekulanten. Schieber und Gauner.—- Zu Vorsitzenden des Parteitages wnr- den Wels(Berlin) und T a u b a d l(Görlitz) gewählt. Ter ehemalige Reichskanzler Her- manu Dt ü l l c r erklärte, die sozialdemokrati- > schc Partei sei noch immer die Partei der ! M äffe n. Er richtete die schärfsten Angrisse gegen die Kreise, die hinter den Mördern Erz. bcrgcrs standen und gegen die dcutschnationale Partei. Er forderte, daß die Sozialdemokraten den Weg in die preußische Regierung hinein- finden müßten. In Besprechung der äußeren ; Politik kritisierte er scharf die Nichtaufhcbuna der Sanktionen. Unser Weg. sagte er, ist der des aktiven K a m p f c« für die Republik, das wäre auch der Weg zur Einigung der Arbeiter- schaft. Berlin, 10. September.(Tsch. P.-B.) Das Berliner„Tageblatt" berichtet aus Görlitz: Man kann heute ungefähr den Verlauf der Verhandlungen des Parteitages zur Hauptfrage, ob die deutsche Volks Part ei als k 0 a l i t i 0 n s f ä h i g angesehen werden wird übersehen. Aus der Resolution, die den Par- tcien über daS Zusammengehen mit anderen Parteien vorgelegt werden soll, ist der Satz: daß die deutsche Bolkspartec nicht als koalitionsfähig angesehen werden darf", gestrichen worden. Wie der Berichterstatter des„Tageblatt" berichtet, wird selbst S ch e i d c m a n n, der bisher auf dem linken Flügel der Partei l stand, in seiner Rede eine Brücke zur Per» l st ö\\ d i g u n g mit der deutschen Volks- Partei offen lassen. * Der Parleivorstand der deutschen sozialdemo. kratischcn Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei hat an de» Parteitag folgendes Bcgrüßungs- schreiben gesendet: Werte Genossen! Ihr geschätztes Schreiben vom 16. August haben wir erhalten und danken Ihnen für Ihre freundliche Einladung zum Parteitag in Görlitz am 18. September. ES ist uns nicht möglich, einen Vc'Urcier dorthin zu entsenden, weshalb wir uns gestalte», auf diesem Wege den Beratungen und Beschlüssen des Par- tcitages den besten Erfolg zu wünschen. Die immer dreister werdende nationalistische Rc- aklion hat in der jüngsten Zeit niit elementarer Gewalt die gcmcinsanic Allion der sozialistischen Parteien Teutschlands bewirkt. Mit regem Interesse, mit größter Spannung verfolgen wir Eure schweren Kämpfe. Im Interesse des ge- samten europäischen Proletariates, dcS sieg« reichen Fortschreitens auf dem Wege zum So- zialismuS hoffen und wünschen wir, daß die AktionSgcmcinschaft der sozialistischen Parteien Deutschlands gefestigt wird, sich dauernd ge> staltet. Möge aus Eure» gemeinsamen Kämpfen und gemeinsamen Erfolgen die mächtige Organi- sation des geeinigten sozialistischen Proletariates Deutschlands wiedererstehen. Ectte e o j t a 19«w o 11«t so. September 1931. Demonstrationen in Driuin. Aus B v>! n II Iviid»ns^cidiviobrit: Eiller Reihe von Hetznotizeu, welwe die„2iui; So- zialismn", das Brünncr Blatt der ischechischcii Rcchtssozial's.en brachte. üi cs zu daikei:, das; es am Sonntag unmittelbar nach der Abreise des Präsidenten Masm.vi zu deutschfeindlichen Demonstrationen kam, die, wie befürchiel ivird, noch einen größeren Umfang annehmen Wer den. Ter Hebe dh°, Ctvaz Sozialismii" ging am Freitag nachmittag. inimiltelbar uacli dem i Einzug des"äräsidcuteii ein kleiner•; fraßen| lärm voran.', den eine Anzahl Personen vor! dem Hause de» Apotheker» Sonn ag machte, ivcil dort eine Fahne angebracht>var, die den Kenten mißfiel, nie„Lid. Roviny" bchaup- sie wäre zerrissen, andere Blätier, sie wäre nicht rein und zu klein gewesen, jedenfalls wurde die Fahne über Verlangen entfernt und nach einiger Zeit durch eine neue, lauge Fahne ersetzt, aber auch die mußte herunter, weil die »nn einmal in Stimmung befindliche Gruppe sie als zu spät angebracht erklärte. Am Sani?« tag setzte nun die„Str. Z." ein und gab einem der wilden Gerüchte Raum, die zu erzählen wußten, daß der„Apotheker Sonntag" ider übrigens verreist ist!) während der Vorbeifahrt Masaryks sämtliche Fenster geschlossen hielt, während er selbst mit dem Rücken am Fenster gestanden wäre. Empört frng das erstaunliche rechtssozialistische Blatt:„W a s w ä r e u n S geschehen, wenn wir bei einem Besuche Frau; Josefs so geschrieben hätten, wie die deutschen Blätter, oder wir uns in ähnlicher Weise(wie Sonntag) verhalten hätten? Und doch behaupten die Deutschen, sie wären unter- drückt". Ten Apotheker Sonntag bezeichnete das Blatt als„bekannten Teutschnationalcn", oblvohl er, wie schon erwähnt, gar nicht in Brünn war und auch sonst jedem Partcilcbcn fernsteht. Tatsächlich schrieben die montägigc „Lidove Roviny":„Durch die behördliche Un- tersiichung wurde festgestellt, daß Sonntag die Fenster seiner Wohnung bei der Vorbeifahrt des Präsidenten nicht durch eigene Absicht schloß sondern daß die Schließung der F c ii st e r von einem Polizei bcam- te ii aufgetragen wurde, welcher beob- achtet hatte, daß die Personen in den Fenstern des Hauses Sonntag auf die Menge aufreizend wirkten." Tadurch nun, daß sich das rechts- sozialistische Blatt in seinem übertriebenen Patriotismus zum Sprachrohr des Gerüchtes her- gab und seine nicht mißznvcrstehcnden Bctrach- hingen daran knüpfte, bewirkte es, daß es am Sonntag vor dem Hause des Apothekers und an anderen Stellen der Stadl zu erregten De- iionslrationen kam..Kaum war Masarhk ab- gereist, so begaben sich einige tausend Menschen vor das Haus Sonntags, das sie zu stürmen und mit Steinen zu lombardieren drohten. Schließlich erschien ein Auto, ein Polizeikom- missär und zwei Legionäre drangen ins Hans, ii"!: da ne den„Apotheker Sonntag", nicht san- den, verhafteten sie dessen Sohn, der, von der Menge wild bedroht, zur Polizeidirektion gebracht würbe. Obwohl von den Gerüchten fei» ues die geringste Bestätigung fand, wurde Sonntag junior dem Laiidcsgcrichte eingeliefert. Die Menge veranstaltete dann noch lär- Utende Knndg-'nngcn vor der Redaktion des „Tagesbote" und bor der Wohnung des Abg. Dr. Baeran u. auf dem Spielbergc, da die De- nionsiraiitci! glaubten, daß der junge Sonntag ii LPiciberg.'.i'öugnis interniert sei. AbcitdZ J eiedcrlwll.'n sich bie Lermszcnen. doch war die scilnalime an ihnen gering und eigentlich nur urch einen stark angeheiterte» AmtSdiener 'vorgernfeii. Auf dem Rolladen der Apotheke t sei? peslern ein Zettel angebracht, der stau-; ig uWingert ist und der in tschechisch":' spräche lautet:„Tschechen kaufen hier nickit u!" T.ädu.sche Polizeiorgane stehen dabei und w die Ordnnng ausrecht. T h c a t c r u n d T c ch» i l i n G e f>n h r. Brünn, Hl. September, 9 llhr abend?. lDrahtl cricht des„Sozialdemokrat.) Zur Stunde Häven sich taufende Menschen beim Deutsche» Theater zusammengerottet. Tie Tschechen, auigcrcizt vo: allem durch einen Artikel der licntigen„Lidove Rovinh", wollen den Deutschen das Theater voll» st L n d i g w c g ii c h m c it, das ihnen bisher an zwei Abenden der Woche zur Verfügung stand. Dies würde die Ausführung deutscher Opern in Brünn überhaupt unmöglich machen, daö ganze deutsche Thcaterwcsen Brünns wäre dadurch in Frage gestellt. Tic tschechische Presse hetzt ausnahmslos. Am ärgste» treibt cö die„Straz Sozialismu", das Organ der NcchtSsozialisten, de.S uiilcr anderem einen sehr gehässigen antisemitische» Artikel brachte. Tie„Lidovc Robiity" verlangen honte, daß in die Räume der deutschen Technik die philosophische Fakultät der Masaryk-Univcrsi- lät verlegt werde. Tic Erfüllung dieser Forderung würde den Untergang der B r ii iincr deutschen technischen H o ch| ch ii l c bedeuten. Brün n. 1k>. September, Uhr nachts. sDrahtbericht des„Sozialdemokrat".) Die B o r st c l l u n g im Deutschen Theater wurde nach dem 3. Akte abgebrochen, die Besucher wurden unter sicherem Geleite hin- ausgeführt, worauf sich die angesammelte Menge zerstreute. In dem zweiten deutschen Theater Brünn?, im Schaust,»ielliauS sDcut- schcS Hans) wurde ruhig zu Ende gespielt. Dieser Umstand beweist, daß man den Deut- scheu das wegnehmen will, was ihnen die Ge- meindeverwaltung eingeräumt hat und nur deshalb, weil die Huldigung für Masarhk un- tcrblicb. Inland. Femüeton. Der Lerg. Von Karel Eapck.(2) Derselbe Fremde erschien abends in einem Wirtshaus des Städtchens, ließ sich ein Zim- iner heizen und Essen bringen. Später klopfte der Wirt a».„WaS ist?" schrie der Gast cnt- setzt auf,„Ter Herr ist Tourist?" erkühnte sich der Wirt.„Ich möchte einen guten Fuh* mann empfehlen; man nennt ihn,„Mit Gottes Hilfe"; vielleicht daß der Herr—"„Ich werde mir es überlegen", sagte der Gast und schlug die Tür zu. Räch einer Weile rief er die Treppe hinunter:„Bestellen Sic mir diesen Fuhrmann auf fünf Uhr morgens für den ganzen Tag". Heute zeitlich früh war er also abgereist: es war ein als Tourist gekleideter Herr, riesenhaft, schrecklich und mit verhülltem Gesicht.„Wir alle fürchteten uns vor ihm. Wir waren hier unten wie abgestochen".(Aus sage des Wirts.) .„Er ist am Fenster gestanden wie ein Denk mal, den Kopf bis zur Decke, Er hat nichts gesagt, nur geröchelt. Ich weiß nicht, warum mir so bang war".(Aus dein Verhör mit dem Kellner.) „Was nun", fragte Slavik den Kommissär. Ter Kommissär zuckte mit den Schultern; vorderhand ließ er die Frau„Mit Gottes Hilfe" holen und vertiefte sich selbst in die llarte der Umgegend. Slavik ward ständig «rrcgter. Mein Golk, marterte er sich in äugst sicher Spannung, was ist das für eine Spur! Welch ein Entsetzen! Was ist da Ungewöhw /iches geschehen? RichtS mehr als ein Mord? Das halbamtliche Liigcnblatt. Das Regie- rungöblatt„CeSkoslovcnska Rcpnblika" schreibt in einer„Polemik" gegen uns:„Ter Vergleich hinkt etwa?. Denn in etwas unterscheidet sich doch die Huldigung des Präsidenten von den Huldigungen Franz Josefs: Es waren bei ihr die Führer der deutschen Sozialdemokraten mit gekrümmten Rücken und roten Nelken in den erackiaschen nicht anwesend".— Wir wollen kurz sein und fordern das seine, mit Verdacht!- gungcn neckisch spielende Regierungblatt auf, klar und deutlich zu sagen, wann und Ivo je- mals deutsche sozialdemokratische Führer an HnldigungSvcranftaltnngcn für Franz Josef teilnahmen. Bleibt uns das Blatt die Antwort schuldig, dann weiß alle Welt, daß es in Vertretung der Regiernngsintcresscn die Lüge für ein erlaubtes Mittel hält. Kramarsch redet. Seit einiger Zeit tritt der Führer der tschechischen Nationaldcmokraten, Dr. Kramarsch, ans seinem Schmollwinkel, in den er sich zurückgezogen bat, hervor und hält an allen Ecken und Enden der Republik große Reden. So hielt er am Sonntag in Pardubitz eine Rede, bei deren Lektüre man wieder beob- achten kann, wie kurzsichtig dieser sonst begabte und kenntnisreiche tschechische Politiker ist. Zu- nächst verbreitet er sich über die soziale Frage und erklärte die Zeit nach dem Kriege für eine Epoche des Kampfes zwischen JndividualiS- mns und Soziansmus, in dem der Jndivi- dnalismuS den Sieg errungen habe. Weil die i;>!7 begonnene soziale Revolution ans einige Zeit abgeebbt ist und die Reaktion überall ihr Haupt erhebt, glaubt Kramarsch, daß der große .Kampf zwischen Kapitalismus und Sozialis- iniis endgiltig zu Gunsten dcS Kapitalismus onsa iainn sei. Tic nächsten Fähre der sazia- I.'N Entwicklung werden den Herrn Dr. Kra- marsch wich, eines Besseren belehren. Als die beste Parole gegen den Sozialismus erscheint ihm die„soziale Solidarität der Rationen." Tic Tschechen hätten es nicht nötig, nach links auf die Deutschen zu schicken und von einer zweiten Schweiz zu„phantasiere n". Tie tschechoslowakische Republik müsse ein nationa- lcr, tschechoslowakischer und slawischer Staat sein. Auch hier beweist Kramarsch seine Kurz- sichtigkeit, indem er die Zukunft der tschechischen Republik auf die Herrschaft einer Nation über die anderen setzt. „Tie Zensur und der Präsident". TaS„Rüde Pravo", das der Zensor in öfteren Konfiska- tioncn über die bei uns herrschende Freiheit ausgiebig bekehrt, bringt von S. K. Neumann einen Artikel„Tic Zensur und der Präsident", in dem eS schreibt:„Ter heutige Stand dieser „Präsidciitcnfragc" ist in Wirklichkeit folgen- der: Die herrschenden Parteien stehen zum Präsidenten in einem unaufrichtigen Verhält- nis. das sie nach Außen durch ByzanthinismuS und großmäulige Loyalität maskieren, während sie bei den Gegnern des heutigen Regimes jede aufrichtige Kritik durch die Zensur nntcrdrük- kcn. Tic herrschenden heuchlerischen Schwätzer gebärden sich Hhpcrlohal; die ehrliche Kritik der Opposition soll zum Verstummen gebracht werden. Mit Blindheit geschlagen sind immer jene, welche ihre Sache moralisch längst verloren hoben... Tie Komödie, welche sie heute mit der Person des Präsidenten spielen, untergräbt nur ihre eigene Position. Tic Zen- sur und die Porselution, welche sie zu Hilfe genommen haben, der lächerliche Byzaiithiiiis- mns, den sie in ihren Zeitungen pflegen, weckt nur einen heftigen Gegendruck und erhellt die tatsächlichen Verhältnisse. Wir, die wir Ma- sarpks Worte und Tun nicht vergessen haben, durch welche der gegenwärtige Tschcchoslowaki- schc Präsident die Achtung und Sympathien aller ehrlichen, denkenden Menschen zur Zeit Oesterreichs sich erworben hat, wir wissen, daß die Ursachen, welche sie geboren, nicht nur für Oesterreich galten und nicht an den Grenzen der früheren Monarchie endeten, daher auch heute Geltung besitzen,— auch für die Tschechoslowakische Republik, wenngleich sie in ihr auch wenig gelten mögen. ES ist eine traurige Erscheinung, daß alles das, was Professor Masarhk zur Zeit der Monarchie über die Zensur, die Diplomatie, die Prosekution, die Revolution und die politische Moral kühn verkündigt, von brutalen Füßen, raffgierigen Händen und unreinen Mündern gerade in jener Republik am meisten entweiht wird, deren Präsident Masarhk geworden ist. Aber darum hat das damals Verkündigte noch nicht seinen Wert verloren und uns wird daber die heutige herrschende Klik politischer Abentcuercr es nicht Tas ist dunkel. Unsinnig. Zum Staunen un- sinnig. Inzwischen verhörte der Kommissär das Weib des Fuhrmannes; sie wußte nichts und versuchte trotzdem, aus dem Instinkt deS Volkes heraus, zu leugnen. Pilbaucr las ruhig eine alte Preisliste, die er aus dem Fenster ge- fluiden halte. Es ist dunkel und erschreckend, betrübte sich Slavik. Etwas Unbegreifliches ist geschehen. Schritt für Schritt können wir die Spuren des Grauens verfolgen. Aber wir warten nur. Ohne Ende warten wir. Ohne Ende zogen Wetterwolken über den stumpfen Nachmittag der Kleinstadt dahin die ein chronischer, hartnäckiger Regen näßte, lieber den abgestorbenen Marktplatz läuft der Kommissär auf da? Tclegraphcnamt. In der Transe trommelt das Wasser, und Slavik scheint es, als tickte da irgendein Morseapparat endlose und sonderbare Steckbriefe und Nap- Porte. Unmöglich, sich darin auSznkcnncn. Ter Fall schleppt sich trüb und wirr hin. Sla- viks bat sich eine verdrießliche Ungeduld be- mächtigt. Es ist schon spät. Endlich lief der Kommissär von der Post heran. Soeben habe er ein Telegramm ans der Nachbarstadt erhalten, daß dort„Mit Gottes Hilfc"stockhagelbcsoffcn im Wirtshaus sitze; er erzähle den Leute», daß er morgens einen riesenhaften Passagier gefahren habe, der das Gesicht mit einem Tuch verhüllt gehabt und kein einziges Wort gesprochen hätte. Auf hal- bem Wege schon habe es der Fuhrmann vor Grauen nimmermehr aushalten können und habe den Reisenden aussteigen lassen und sei ihm davongefahren. Wo das gewesen, wisse er nicht. vermehren können, daß wir in dem Kampfe den Professor Masarhk in Oesterreich mit Za- higkcit begonnen und durchgeführt hat und ans den er als Präsident freiwillig oder nnfreiwil- lig verzichtet hat. im Geiste der heutigen Zeit niid trotz alles Treibens der Zensoren, Poli- zistcn und Richter fortschreiten". Die Festgciicralversamniliing deS Prcß- bnrgerS Stadlanöschiisfes unterbliebe». Nach der' bekannten Stellungnahme der deutschen und der ungarischen sozialdemokratischen Par- tci beschlossen die leitenden Kreise, von der Ab- Haltung der zu Ehren deS Präsidenten zu vor- anstauenden Fcstgeneralversammliing Abstand zu»Climen. Die Reaktion in Deutschland. Herr von Pochncr arbeitet. Berlin, 19. September.(Tsch.-P.) Nach eine Meldung des„Lokalanzeigers aus München, wurde dort in der Nacht auf Sonntag eine kommunistische Bczirkskonfcrcnz aus- gehoben(!). Etwa 50 Personc n, darunter der würtembcrgische Kommunist Hemke, Brn- der deS früheren badischcii sozialistischen Mini- stcr des. Innern, wurden im L a st a u t o zur Polizeidirektion gebracht. Ein Attentat auf Stresemann? Hagen, 19. September.(Tsch. P. B.) Wie die„Hagener Zeitung" aus Lüdenscheid meldet, wurde während der gestrigen Abend- Versammlung des Parteitages der deutschen B o l k s p a r t e i in der Schützcnhallc von außen durch ein Fenster ein N c v o l v c r s ch u ß auf die Ncdiicrtribiinc abgegeben. Abgeordneter Stresemann Halle gerade die Rednertribüne verlassen und dem Abgeordneten Hugo den Platz überlas- sc». Es wurde niemand getroffen.(Wir ge- ben die Meldung mit der durch die heutige Stimmung gebotenen Reserve wieder. Tcnn die Vermutung liegt nahe, daß sich hier die Rechtsparteien ein kleines Gegenstück zum Erzbcrgcrmord arrangieren, weil es ihnen peinlich ist, ganz allein als organisierte Mör- verbände dazustehen. T. Red.) Tie Frage der Aushebung der Sanktionen. Berlin, 19. September.(Wolfs.) Gegenüber einer Meldung des„Tenips" wird von zu- ständiger Stelle mitgeteilt, der deutschen Rc- Pierling sei nichts bekannt, daß eine Einigung zwischen England und Frankreich in der Frage der Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen erfolgt ist. Es wird unter den Beteiligten wei- tcr verhandelt. Der Kampf um kleiuaslen. Die Griechen weichen zurück. London, 17. September. Reuter meldet aus Tmyrna: Wegen Bermittlnngsschwicrigkciten sind die Griechen genötigt, sich auf das westliche llfcr des S a k a r i a zurückzuziehen. Weitere Kampfhandlungen bei Angora sind unwahr- scheinlich. Konstantinspcl, 13. September.(Tsch.-P.) Ergänzenden Nachrichten zufolge, die gestern in türkischen Kreisen ankamen, haben nach den ersten Erfolgen, die kcmcckistischcn Streitkräfte die Verfolgung des Feindes aufgc- nomine». Ter Gegner wurde gezwungen, sich auf das rechte S a k a r i a n f e r zurückzuzic- hen und eine große Menge Kriegsmaterial und Munition im Stiche zu lassen. An einigen Stellen gingen die Türken schwimmend über den Fluß und man begann den Bau von Brük- ken. Aller Wahrscheinlichkeit nach rückten die Abteilungen des griechischen linken Flügels bis Aber da ist wenigstens eine Richtung. Als glitte eZ über das gewundene Band des WegcS dahin, stürzte das Automobil mit dem Kommissar zur Nachbarftadi hin. Slavik selbst hatte keinen Maßstab für die Geschwindigkeit; aber eine blinde physische Beklemmung, irgendein Anreiz zum Weinen oder Erbrechen, ein Gefühl, als wäre die Lust ein furchtbar kalter fester Pfropfen, durch den Mund bis in die Brust hineingetrieben, zwischen die schmerz- lich palpitiercndcn Lungenflügel, dies alles nötigte ihn zu denken, daß das Automobil mit der höchsten erträglichen Geschwindigkeit fliege. Ohne zu wissen warum, hingerissen, krampf- Haft die Scitenwand der Karosserie umfassend, spürte er zwei große, primitive Gefühle in sich entstehen: Stolz und Granen. Und Plötzlich: Stopp! Ein Zeichen mit dem Tuch: Halt!„Ich habe Ihre Maschine er- kannt," sagte hastig irgendein Bote;„ich laufe gerade um die Gendarmen; bei uns in St. AgneS, ist etwas geschehen." Am Morgen sei hier ein Wagen mit scheu gewordenen Pferden und ohne Passagier vorbeigcjagt; dahinter kam zu Fuß irgendein Koloß und„fiel auf den Stuhl wie ein Block"; dann ließ er sich ein Zimmer heizen und verschloß sich darin. Nach- mittags klopften sie bei ihm an, ob er etwas wolle. Er schrie, er werde jeden hinnnterwer- fen, der sich hinaufzukommen erdreiste. Nie- mand wage sich jetzt an ihn heran! Er sei auf der Stiege erschienen, den Kopf mit Handtü- chern umwickelt und habe mit den Fäusten ge- droht. Schon seien auch die Heger gekommen, aber sie wissen sich keinen Rat; ein maßloses Grauen gehe von ihm aus. Und da» Automobil flog zu St. Agnat hin; das ist ein kleines Bad am Fuße des höchsten BcrgeS dieser Gegend, berühmt durch Wunder- bare ganzjährige Regenfälle. Aber als sie dort ankamen, mußten sie hören, daß der unbekannte Riese etwa vor einer Stunde die Treppe heruntergekommen sei, die Rechnung Verlangl und sich auf dem Fnßvfad. welcher zur Einöde auf dem Gipfel des Berges cmporführe, entfernt habe, während neun Männer in dem ab- gesperrten Räume darüber berieten, wie man an ihn herankäme. Nur das Stubenmädchen hatte ihn Weggehen sehen und war davonge- laufen. ^2»ie neun Männer umringten den Kommis- sär; eS waren Heger, Sommergäste, Hausleute und ein schmächtiger, bebrillter Mensch, welcher Slavik um den Hals fiel; es war der Geiger und Tonsetzcr Jcvisck. der hier den Sommer verbrachte, vor Langweile umkommendd in dem ererbten Häuschen, wo er geboren war. „Warum habt ihr ihn gelassen," schrie der Kommissär. „Wir hatten keine Zeit." „Wir konnten uns irgendwie nicht einigen." „Wir hatten Angst vor ihm," hauchte Jcvisel vertraulich. Ter Kommissär neigte sich zu Slavik:„Sic waren, kurz gesagt, nicht organisiert." — Der Berg an dessen Fuße sie jetzt standen, ist eine in den Wäldern untergetauchte Fels- tafel, steil nur auf zwei Wegen erreichbar: einem Fahrweg und einem Fußpfad. Oben ist etwas Feld und die Einschichte; sonst fällt uberall die kahle Felswand steil ab. (Fortsetzung folgt.) 20. September 1921. ,u der Befestigung von Arditsch vor. Es gc- lang ihnen, der drohenden N in fassuna zu entgehen, sie konnten nach der Sudschlcife des Sakariaflnsses zurückgeführt werden und cnt- gingen dadurch der Gefahr, in die Salzwüste geworfen zil werden. Im Süden gingen Kavallerieabteilungen mit Unterstühung von Infanterie erfolgreich gegen den Rückzug'des Feindes vor. Ein griechischer Gegenangriff. Athen, 19._ September.(Havas.) Ter See- rcsbcricht besagt, das; durch einen griechischen G e g e n a n g r i f s die türkischen M i l i t ä r- abteilungen, welche den Sakaria überschritten haben, verjagt worden sind. Ein französisch-türkischer Vertrag? London, 1«. September. lTsch. P. B.) Tic „Times" melden ans Konstantinopel: Ter französische Vertreter Franclin Bouillon ist mit dem Wortlaute de« f r a nz ö s i s ch- k e in a l i st i s ch e n V e r t rage s nach Angara abgereist. Alan erwartet, das; die Nationalist!. sehe Regierung den Vertrag bald vollziehen wird. Mit Franklin Bouillon sind drei französische Offiziere»ach Angara gereist, die, wie in türkischen Kreisen gerüchtweise verlautet, die Einzelheiten einer militärischen Konvention zwischen Frankreich und Angora erörtern sollen, deren Bestimmungen aber nicht veröffentlicht werden dürfen. Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt den„Times" zufolge noch nicht vor. Westungarn. Standrccht gegen die Anschlußfreunde. Wien, 19. September. Die„Arbeitcrzci- lung" meldet ans Wicner-Neustadt: Im Ko» mitate Eiscnstadt sind Plakate angeschlagen worden, die besagen, das; das Standrecht für jene verkündet wird, die auschluszfrcnndlich sind und das; alle Wehrfähigen unter die Was- fen gerufen werden. Unterzeichnet ist das Pla- kat mit„K ö n i g Kar l". Das Blatt erfährt weiter: Hinter der 2. Z o n e in Wcstungarn wurde in den letzten Tagen sehr viel r c- antares M i l i t ä r gesehen und außerdem viele Leute, die weiße Armbinden niit der Aufschrift„W e st n n g a r i s ch e B n r g c r- wehr" tragen. Märchen auf der Völkerbunds- tagung. Gens, 10. September. In seiner in der Völker» bundsvcrsammlung gehaltenen Rede sprach der tschechoslowakische Gesandte Dr. O s u S k n über die M i n o r i t ä t e n f r a g e. Auf Ersuchen Lord Robert CccilS gab er eine Statistik über den Stand der Dinge in Karpathoruhland unter nia- gyariscbcr Verwaltung und gegenwärtig, sowie eine Analyse der verfassungsmässigen Bürgschaften dieser Territorien. OsuSky gab ferner genaue Iis- sem über die Schulfragc in der Tsckicchoslo- wakei sowie über den M i n d c r h e i t S s ch n tz durch die t s ch c ch o s l o w a t i s ch e V c r- sassnng. Die tschechoslowakische Negicrung habe mehr getan, als ihr die internationalen Verpflich» Inngen auferlegen könnten(!). Ebensowenig habe sie irgend ein unterschriebener Text verpflichtet, ein solches Verhältnis, wie das bestehende, in den Schulen der nationalen Minderheiten zu gc- währen. Für die Wahlen sei nicht das Maioritäts» system angewendet worden, das in vielen Ländern herrsche, indem das Gebiet in so viele Bezirke ge» teilt wird, als Abgeordnete gewählt werden sollen. Ostisky erläutert hierauf das tschechoslowakische Wahlrecht, verschweigt die Wahlgcomctrie, und behauptet schliesslich, das; die Tschechen wcitcrgc- gangen seien, als sie vertraglich verpflichtet wurden. Was die Verkehrsfrage betrifft, führte Osuskh aus: Der Wagenpark des gewesenen östcrrcichisch-ungarischen Reiches wurde von den Siegern genommen. Wenn bei uns ein beladen« Waggon das Land verlassen soll, wird er nicht über die Grenze gelassen, wenn dort nicht ein ähnlicher leerer Waggon zum sofortigen Austausch bereit steht. Wenn wir nicht diesen unmittelbaren Austausch hätten, wäre es schwer, den Wagenpark zu kontrollieren, da er früher der gleichen östcrreichisch-migarisckicn Verwaltung gehört hat. Diese Frage ist jedoch durch Art. 319 des Friedensvertrages von St. Germain gelöst. Der Wagenpark ist nach folgende» Grundsätzen geteilt: nach der Länge der Strecken, nach dem Inventar des auf diesen Strecken vorbanden gewesenen Wagenparkes, nach der Anzahl der Züge, welche vor dem Kriege auf diesen Linien verkehrten. Dieser Vertrag wurde vor zwei Iabren ilntcr^ickmct, aber bisher nicbt durchgeführt. Wir sind dafür nicht verantwortlich. Nun einige Worte über den Wasserweg. Vor dem Kriege hatte» unsere WasscrtranSportmiUcl eine Leistungsfähigkeit von 1,309.99» Tonnen, wovon Rumänien und Jugoslawien sich 45.999 Tonnen nahmen. Jetzt werden unsere Wassertransportmittel für den .Handel in der Befürchtung nicht verwendet, daß die Schisse, welche die Grenze überschreiten, von den Nachbarn bcschlaanahmt werden._ Zum Glück haben wir auch hiesür eine Lösung in der Form eine? Schiedsspruches durch den» amcrika- nstchen Schiedsrichter gefunden. Wenn die Roh- stoffe in unsere Fabriken kommen, ist zu ihrer Verarbeitung Kohle notwendig, deren Erzeugung in Europa so gesunken ist, das, sie im Jahre 1919 nur 90% der Vorkriegsproduktion betrug. Dieser Kvhlenhüng« ist» Im Folge der ProduktionSver- Soziale Minderung in Oberschlesteig welche ungesähr ein •ittlicl beträgt. Es darf nicht vergessen werden, dag die gegenwärtige» politischen Unruhen und Revolutionen ein weiteres Sinken der Kohlen- Produktion zur Folge haben. Reben diesen Hr- sttc-jeit der wirtschaftlichen Depression gibt es übrigens auch andere Gründe, die jedoch nicht nur für Mitteleuropa gelten, sie gelten für die ganze 'Welt, und eilte:- der Hnuptclcmcnte dieses Siau des der Dinge ist die Verminderung der Kohlen- Produktion. Vergleichen wir die Brennstofspra- duktil», des Jahres 1919 mit der Produktion im Jahre 1918, so sehen wir eine Verminderung um ungefähr 08%. Kein Wunder kann dieses Proolem lösen, keinerlei Wunder kann diese Produktion vergrößern und wir müssen dessen eingedenk sein, das; wir nicht leben können, wenn wir»ich! produzieren. Tie fragwürdige Rede Lsnöln?. wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall mtfge- nomine». ?r!nnd. Reu« Notenwechsel zwischen Lloyd George und de Valero. London, IS. September.(Reuter.) Premier minister L l o h d G e o r g e hat aus die letzte Botschaft d c B a l e r a s geantwortet: Ich habe Ihre Mitteilung erhalten, die Sic mir gestern abends depeschiert haben. Ihre Delegierten als^ Vertreter eines unabhängigen und sou- veräuen Staates zu empfangen, würde eine formelle und amtliche Anerkennung der T rc it- u u u g Irla u d s vom Königreiche bedeuten. Das würde Ihnen in Wirklichkeit das Recht geben, wenn Sic es angebracht finden, einen freundschaftlichen Vertrag mit dein Kö- nig abzuschließen. Es würde Ihnen aber auch das R c ch t geben, dies aus irgend einem Grunde nicht zu tun und zu einem gegebenen Augenblicke die Konferenzvcrhandlnngen abzn- brechen, um Kraft eines Rechtes, das wir Ihnen selbst anerkannt haben würden, einen Vertrag zwischen Irland und einer fremden Macht abzuschließen. Wenn wir mit Ihnen als mit einem souveränen Staate verhandeln würden, so hätten wir kein Recht, uns zu beklagen, wenn andere Mächte unserem Beispiel folgen würden. Das wären die Folgen, wenn wir einwilligten, Ihre Delegierten als Ver- treier eines souveränen Staates zu empfangen. Wir sind bereit, in Anwendung der Ausdrücke meines Schreibens vom 17. d. mit Ihnen die besten Mittel zu diskutieren, um unter Berück- sichtigung der nationalen irischen Bestrebungen eine Verbindung zwischen Irland und der Ge- mcinschaft der Völker, die das britische Reich bilden, herzustellen. Wir könne» aber nicht in den von Ihnen verlangten Verzicht einwilligen, selbst wenn dieser Verzicht nicht den geringsten amtlichen Charakter trüge. Solange Sic also darauf bestehen, wird eine Konferenz zwischen uns unmöglich sein. De Balcra hat Llohd George geantwortet, das; die Sinnfcincr das einzige Ziel hätte», eine Konferenz ans der Grundlage der Mahr- heil und Wirklichkeit zu veranstalten, die allein zu dem von beiden Völkern heiß ersehnten Er- folg führen können. Das neue polnische Ministerium. Warschau, 18. September.(Laurcnzib.) Po- nikowski, der designierte Ministerpräsident, er- klärte gegenüber Vertretern der polnischen Presse, er werde im Hinblick darauf, daß es den Klubs des Abgeordnetenhauses nicht gc- lnngcn sei, ein parlamentarisches Kabinett zu bilden, ein Beamtcnkabinctt bilden. Sein Ka- binctt werde ans hervorragenden Fachinän- ncrn bestehen. Im Laufe des morgigen Tages werde die Ministcrliste zusammengestellt sein. Ponikowski ist der Ansicht, daß die N e u w a h- l e n für das Abgeordnetenhaus ehestens, spä- tcstcnS bis zum 1. I ä n n c r 1922 vorgcnom- men werden müssen. Ten Hauptpunkt seines Regicrungsprogramms werden f i n a» z i- ellc und wirtschaftliche Fragen, vor allein die Einhebung von Steuern, die He- bung der industriellen Produktion, eine erhöhte Sparsamkeit in der staatlichen Administration und die Aufhebung aller überflüssigen Aemtcr bilden. Bezüglich der auswärtigen Politik tvird die enge Freundschaft mit Frankreich ausrecht erhalten und die freundschaftlichen Beziehungen mit den En- tcntcmächten befestigt werden. Desgleichen müssen die friedliebenden gutnachbarlichen Beziehungen mit den Nachbarstaaten erhalten bleiben. Trohki warnt die polen. Moskau, 19. September.(Funk.) Auf der Tagung der Sowjetgewerkschaften und Fa- briksrätc von Odessa sprach T r o tz k i über die internationale Lage der russischen Republik, wobei er u. a. erklärte: Wir wollen keinen Krieg, d» uns vor allem der Wirtschaft- liche Wiederaufbau des Landes am Herzen liegt. Wir müssen jedoch unsere S ü d tv e st- g^cc n z c schützen. Wir rufen der ganzen Welt zu, daß wir genügend stark sind. Wenn jemand wagen sollte, uns anzugreifen, würden wir ihm einen derartigen Schlag ver- setzen, daß die Grenze nicht mehr dort ver- laufen würde, wo sie heute geht. molrai Vit Unruhen in Marokko. Madrid, 18. September.(AH.) Amtlich wird mitgeteilt, daß die spanischen T r n p v e n N a dar besetzt haben. Madrid, 18. September.(AH.) Der Mini- sterpräsident teilte mit, das; die spanischen Truppen bei Melitta die Offensive ergriffen haben. Rom, in. September.(Tsch.-P. Fnin.) Laut französischen Nachrichten ivnrde eine sranzö- und verloren hiebet 70(1 Mann und reichliches fische Kolonne von Marokkaner» überfallen Kriegsmaterial. Deutsche Metallarbeitertagung. Die Einigkeit bewahrt.- Eine Kompromiß- rcsolution. Berlin, 19. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Der Deuts ch e M c ! a l l a r b e i t c r v e r b a n d, die größte Ar bcilerorganisation der Welt, beendigte heute seinen diesjährigen B e r bandst a g. T ie Bcrhaiidlnugcn hatten eine Woche lang ange dauert. Tr--P des Bestehens dreier Fraktionen. S. P.?., U. S. P. und K. P. D. war doch das Bestreben vorhanden, zu einer Zusammen sassung der Kräfte zu gelangen. Als Richtlinie für die künftige Arbeit wurde am Sonntag eine Komproimßresolution mit den Stint men der Unabhängigen und der Rechtssozia listen angenommen, worin als Vorbedingung für die künftige Arbeit des Verbandes erklärt wird: Die Znsaminensassnng aller Kräfte ohne Ansehen der politischen Gesinnung, aller die das Verbandsstatut als Richtschnur ihrer ac werkschafrlichcn Tätigkeit anerkennen und jede Weisung von Stellen ablehnen, an denen der Verband keinen Anteil hat. Die zur Ausrichtung der gewerkschaftlichen Einheitsfront gc trofscncn Maßnahmen des Borstandes und des erweiterten Beirates haben im Sinne des Ver- bandsstatutcs zum Ausdrucke gebracht, das; wegen seiner politischen Auffassung niemand von der Mitarbeit im Verband ausgeschlossen werden soll, sondern nur wegen Schädigung des Verbandes, wie dies bei einigen Kommunisten geschalt, die auf Weisung ihrer Partei- zentrale eine Sprengung des Verbandes ver- suchten. Diese Resolution wurde mit 619 Stimmen der RcchtSsozialisten und Unabhän- gigcn gegen 127 kommunistische Stimmen a u- g c n o m m e ii. Auch bei den Borstandswah- lcn ergab sich eine Uebereinstinnnung zwischen den S. P. D. und den Unabhängigen, die ans der Grundlage 6: 5 eine gemeinsame Vor- schlaaslistc eingereicht hatten. Als Vorsitzender wurde gewählt von den Unabhängigen D i t t- m a n n und Brandes, von den Sozialde- mokratcn R c i ch c l t und Eckert voraeschla- aen. Der nächste Vcrbandstag findet 1928 in Cassel statt. Die Südslawen fürchten fiir ihre albanische Grenze. Belgrad, 16. September.(Tsch.-P.) In Bc- sprechung der bevorstehenden Beratung des Völkerbundes über die Besetzung der endgültigen Grenzen A l b a n i e n s und über die Haltung der Verbündeten gegenüber Ingo- slavicns in dieser Frage— schreibt die radikale „Tribuna": Unsere Antwort ans die feindliche Halt n n g Frankreichs, Englands und IIa- licns in der albanischen Frage muß vollkom- men klar und entschieden sein. Keine Macht kann uns vergessen machen, daß unser Süden die ganze Zukunft unseres Staates bedeutet und daß Albaiiieiis Grenzen für unseren Staat das wichtigste sind. Wenn wir auch bezüglich Barciiyas nachgaben, so dürfen und werden wir hier, wo ein stets offener Krieg durch gerecht gezogene Grenzen beendet werden soll, nin unserem Lande die Freiheit zu sichern, nicht nach- geben. Unruhen in Belfast. Paris, 19. September.(Havels.)„Peilt Parisien" meldet, neue Unruhen in Belfast, bei welchen 8 Personen verletzt wurden. Die deutschöstcrreichische Steuerschraube. Wien, 18. September.(Tisch. P. 23.) Tie Regierung wird die Bedeckung für die Fordcriin- gen der StaalSangcstcllteii in einer Erhö- h ii n g d c r E i n n a h in c n d c r S t a a t s- betriebe suchen müssen. Wie eine Lokalkor- rcspondcnz meldet, werden die E i s e n b a h n- t a r i f e, und zwar die Pcrsoncntarifc, wci- tcrS die Postgebühren, Weilers die Preise der Tabakfabrikate und die Zollgebühren erhöht werden. Die Erhöhung wird sich ans etwa 50 Prozent stellen. Tages-Neuigkeiten. Der Staatsanwalt hat durch die Konfiska- tion unserer sonntägigen Ausgabe gezeigt, wie man sich bei uns das„Entösterreichern" offen- bar vorstellt. Der Beschlagnahme verfiel der Bericht über den Tod eines Familienvaters in Dürnholz in Südmähren durch einen Blind- gänger, der von den letzten Militärschicßiibun- gen auf einem Felde geblieben war und der nun bei einer Berührung den Tod des armen Mannes herbeiführte. Wir haben den Bericht der unkonfiszierten Mähr.-Schönbergcr „BolkSwacht" entnommen und daran aller- dingS in Erfüllung unfern publizistischen Seite 8. Pflicht Bemerkungen goknnpst, welche die Mi- litärvcrwaltiing bestimmen sollten, in Hinkunft Vorsorge zu treffen, daß derartige Unglücksfälle sich nicht Wiederholen. Unsere Kritik mag Bitterkeit enthalten haben, doch das wieder- holte Vorkommen solcher Fälle läßt diese Bit- tertcit getviß begreiflich erscheinen. Aber der Zensor ist schon so„entösterrcichcrt", das; er in einem sozialdemokratischen Blatte das Won „Militarisnms" nicht sehen kau», ohne ncr- vöS zu werde», und nicht bedenkt, daß eine derartige Kritik schon deshalb notwendig ist um ähnliche Unglücksfälle i» Hiulnnft zu ver meiden und er konfiszierte die ganze Notiz, was, da es mehr als sraglicv ist. ob ein« ähnliche Konfiskation im alten Oesterreich möglich gewesen wäre, schon mehr einer „Uebcrenlöstcrreichcrniig" gleichkommt. T ie gleiche nervöse Empfiiidlichteit legte der Her: (Zensor gegenüber einer Notiz an de» Tag welche die Reise Masarnts behandelte. Hier ist es dirci: nnersindlich, auf Gnittd welches Gcsetzesparagravheii. selbst bei der kntsckmk- artigen Dehnbarkeit der strafgcsctzlichcn'Bestimmungen, der Zensor die Konfiskation vor nahm. Eine Beleidigung Masaryks war darin selbstverständlich nicht enthalten, wobei noch zu bemerken ist, das; weder das Strafgesetz noch das Preßgesch die Konfiskation einer Zeitung wegen Beleidigung des Präsidenten gesetzlich gerechtfertigt erscheine» ließe. Der Inhalt der Noti; war lediglich eine Ironisierung gewis- scr Begleitumstände der Reise, eine Ironisch- riing, die nur gegen die Veranstalter nicht im entfernteste» aber gegen Masarhk ge- richtet war. Doch die„Entöstcrrcichisicriing" ist bei uns nun schon so Weit fortgeschritten, daß es nicht nur, dem Staatsanwalt zufolge, eine Ehrfiirchtsverletzung für das Staatsobcr- Haupt, sondern auch schon für die unterschied- lichen Zercmonienmeister gibt. In dieser'Beziehung hat der Herr Staatsanwalt zugelernt während er sonst, wie seine Praxis zeigt, vom alten österreichischen Geist nichts vergessen bat. Die sich immer mehr häufenden Kon- siskationcn sind jedenfalls eine treffliche Illustration zu den gelegentlichen schönen Reden über Freiheit und Demokratie, die uns angebe lich im Gegensatz zu früher, jetzt in so reichen. Maße zuteil geworden sind. Demonstration der Frcudcnthaler Arbeiter gegen das Ernährungsclend.'Am 15. d. M hatten die Arbeiter aller Branchen in Freuden- thal die?lrbcit eingestellt und zogen an! den Marktplatz, um gegen die Brotkarteneni- ziehung und gegen die Wucherpreise für Bröl und Mehl zu protestieren. Senator Genosse Link sprach in scharfen Worten über da. Er- nährungselcnd, das von der Negicrung und von den Agrariern aller Nationen mit Hilfe aller bürgerlichen Parteien heraufbcsck worc» worden ist. Es wurde eine Abordnung zur Bezirkshailptmannschaft gesendet, tun d e Aus Hebung der Verordnung und die'Ausgab? von billigem Vrot und'Mehl zu verlangen. Während der Vorsprache der'Abordnung gab die Versammlung ihre Empörung über das Em nährnngswesen kund, zog zu den Geschäften ocr Fleischhauer und Protestierte dort, gegen den Fleischwucher. Die Negicrung wird sich wohl bald bemühen müssen, die ärgsten Fehler ihrer Ernährungspolitil zu beseitigen und Brot und Mehl zu billigen Preisen herbeizuschaffen, wenn sie im Lande Ruhe Halen will. Eine tschechische Arbcitcrmittelschule. Im „Ecske Slovo" berichtet'Abgeordneier Anton Nhlir über die Bestrebungen, Arbeiterminel- schulen zn gründen. Als Probcschnle wird eine Arbeitcrmittclschule in P r a g gegründet und zwar eine Vorbcrcitnngsklasse für die Aufnahmsprüfung in eine obere Mittelschule. In dieser Vorbcrcitiingstlasse wird der Stöfs vorgetragen, der es den Absolventen von Bürgerschulen ermöglichen soll, die Prüfung in die 5. Klasse einer Mittelschule abzulegen. Ein Streik der Aussig« Bühnenarbeiter. Die Bühnenarbeiter des Aussig« Staditheaters stellten am vergangenen Samstag, in» dreiviertel 7 Uhr abends,'also knapp vor Beginn der 23orftelluiig, das Verlangen, den- K o l I c k t i v v c r t r a g sofort zu u n t e r s ch r e i- den ohne eine Klausel, die strittig war»nd welche die Leistung von'Arbeiten, bei den an'-- wältigen Gastspielen des Theaters betrifft. Natürlich halte niemand die Kompetenz, im Augenblick den Vertrag zu unterschreiben. Die Bühnenarbeiter beantworteten die'Ablehnung ihres Verlangens. durch die Direktion mit dem Streik und verhinderten auch das übrige Personal an den notwendigen Bühnenarbeiter. Die S a m s t a g-Borstellniig und die Nachmittag s-Vorstcllniig und Sonntag wurden dadurch unmöglich gemacht. Der Konflikt wurde am Sonntag beigelegt, svdns; die'Abend- Vorstellung stattfinden konnte. Der'Ausfall der beiden Vorstellungen bedeutet einen Scha- den von 15—18.000 Kronen.— Das Vorgehen der?lussiger Bühnenarbeiter, die im Dienste einer von S o z i a l i st c n verwalteten Gemeinde stehen, ist durchaus nicht zn bil- ligen. Ihre Forderung hätte zumindest zn einer Zeit vorgebracht werden müssen, wo cm Verhandeln möglich war, wodurch sich ein Ent- fall an Vorstellungen und der dadurch entftan« den? Schickten sicherlich äüttt Permeiden lMn, Seite 4. Mnrtcilnngen wegen Kriegswuchers. In der Zweiten Hälfte des August wurden von» Wucher- gericht i» Prag wegen Verbrechens des Krieg«- Wuchers elf Personen zu Kerkcrstrascn im Gc- samtausmaße von 66 Monaten strengen Ker- lcrs und zn Geldstrafen von im ganzen 110.666 Kronen verurteilt. Das Material wurde de- tchlagnalnnt. Von de» Verurteilten waren zwei Kanfleutc, vier Fleischer, ein Bauer, die übrigen gehören anderen Berufen an. Wegen Ucbertrc- lnug de? KricgswncherS wurden acht Personen zn strengem Kerker von 11 Tagen und zn einer 'Geldstrafe von 500 bis 1000 Krone» verurteilt. Ein neues Theater in Vöhm.-Lcipa. In Vöhm.-Lcipa wird Ende dieses MonatS ein neu» gebautes Theater eröffnet werden, das innen wie oußcn ganz vorzüglich ausgestattet ist. Betrügereien eines Kridatars. Der einund- dreißigjährige Geschäftsmann Josef Sochor a»S Weinberge war in finanzielle Verlegenheit ge» raten, aber anstatt den Konkurs anzusagen, be- stellte er bei verschiedenen Firmen Waren im Werte von ungefähr 180.000 Kronen, ohne sie z» bezahlen, und verkaufte sie unter ihrem Werte. Tann verschwand er.?lm 14. September kam er zum Inspektor der Zivilwachc FenerciSl und verlangte von ihm, er möge auf privatem Wege von seiner Geliebten in Smichow Einlagbüchel von 100.066 Kronen beschlagnahmen, die ihr von ihm anvertraut worden seien und die sie ihm nicht herausgebe» wolle. Da er eine Strafanzeige nicht machen Wollte und dem Inspektor 5006 Kronen anbot, damit er die Beschlagnahme ohne Anzeige durchführe, wurde er verhastet und als der ge- suchte Betrüger Sochor erkannt. Bei seiner Ge- liebten wurden tatsächlich 101.060 Kronen kon- iisziert. Sochor wurde dem Landesstrafgcrichte eingeliefert. SitllichkcitSverbrcchcn an zwel Schulmädchen 'verde» dem Schuhwarenhändler Karl Kirchhofs aus Böhm.-Leipa zur Last gelegt. Die VcrHos- i»ng Kirchhofes, eines 50 jährigen, ledigen Mannes, rief in der Stadt ziemliches Aussehen hervor. Im Streite erschlagen. Am 11. d. M. abends gegen 11 Uhr begleitete der Arbeiter Josef Ko< var aus Svojonov feine Braut von der Tanz- Unterhaltung nach Hanfe. Auf dem Wege noch Vilejic gesellte sich zu ihnen ein Mann namcnS Josef Riha auZ Alt-Svojanov, der mit Kovar in Streit geriet. Plötzlich stieß er dem Kovar ein Messer in die Brust und lies davon. Kovar erlag bald seiner Verletzung. Der Mörder wurde von der Gendarmerie in seiner Wohnung fcstge- nommen. Obwohl seine Kleider blutig waren, sein blutiges Messer in der Nähe seiner Woh- nung gesunden wurde, er auch.fein Alibi nicht nachweisen konnte, leugnet er beharrlich die Tat. Selbstmord. In der Fibichgasse in Smichow wohnte der Student der tschechischen Technik G. N. Da er seine Wohnung seit dem IL. d. M. nicht mehr verlassen hatte, wurde sie am 17. d. M. obcndS polizeilich geöffnet. Im Bette .fand man in bereits vorgeschrittenem Vcr- wesungSstadium die Leiche de» Studcntcn, der allem Anschein nach sich vergiftet hatte. Opfer der Arbelt. Der Heizer Josef Lcder aus Zizkow fiel vorgestern abends bei der Arbeit auf dem Wilsonbahnhofc auS unbekannter Ursache in der Wcrkstätte von einem Kran herab und verlor das Bewußtsein. Leger wurde von der Nettnngsstation in bewußtlosem Zustand inS Allgemeine Krankenhaus gebracht. Nach dem Urteil de? Arztes erlitt er eine Gehirnerschütterung und zahlreiche innere Verletzungen. Sozialdemokrat Kleine Chronik. Ein schweres Unglück bei einem Müuchener Feste. München, 15. September. Bei einem Feste aus der Thcresicnwiese brach heute nach- mittag der Boden der mit Menschen dicht ge- füllten Plattform eines Turmes durch. Mehrere Personen stürzten vom Turme in die Tiefe. Wie verlautet, sind gegen 60 Persali en, niehrere sehr schwer, verletzt worden. Eisenbahnunglück bei Drontheim. Dront- h e i in, 18. September. Ein Sonderzug, der Teilnehmer einer Festlichkeit südwärts brachte und Drontheim um 11.45 Uhr abends verließ, stieß ans unbekannter Ursache am Südcndc eincS Tunnels mit dem fahrplanmäßigen Zuge zu- isammcn. Die, ersten beiden Wagen deZ Sonder« zugeS wurden vollkommen zertrümmert, sechs Personen fanden den Tod, viele wurden verletzt. Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Tic Auflassung der Bezirkswirtschastöriite. Ter Reichswirtschaftsrat hat an das Ministcr- präsidinm ein Mcmorandum gerichtet, in dem gegen die Herabsetzung des Präliminares für die Wirtschaftsräte von 2,060.000 auf 350.000 Kronen entschieden Verwahrung eingelegt wird. ES wird darin aufmerksam gemacht, daß mit der Auslassung der BczirkswirtschaftSräte ein Hemmnis für das Steigen der Preise schwindet, daß die Wirtschaftsräte ein Dorn im Auge denjenigen sind, welche Vorräte an- häufen, die Preise aller Lebensmittel in die Höhe treiben und alle Verordnungen übertre- tcn wollen. Es wird hierauf im einzelnen auf die Verdienste einiger Bezirkswirtschaftsräte hingewiesen und betont, daß seit 1019 die prä- liminiertcn Beträge unverändert geblieben sind.— Wir fürchten, daß auch dieses Memo- randum dc§ Rcichswirtschaftsratcs von gerin- geni Erfolg begleitet sein wird. Die Regierung will ihre' Sparmaßnahmen zunächst bei den Volksnotwendigkeitcn zur Geltung bringen. Sic schafft die BczirkswirtschaftSräte, bei den Krankenhäusern streicht sie nicht wem- gcr als 30 Millionen. Daß sie beim Militaris- muS etwas streichen wird, wird niemand hos- scn, der die Tschechoslowakische Republik kennt. Die GerstenauSfiihr. Wie wir bereits ge- meldet haben, hat das Ministerium die SluS- fuhr von 1500 MaggonS Gerste bewilligt. DicL bedeutet einen weiteren Schritt zur völligen Auflösung der staatlichen Ernährungswirt- schaft, denn es ist ganz klar, daß die Regierung das vorgeschriebene Getrcidckontingciit von 40.000 Waggons Korn»nd Weizen nicht auf- bringen wird und es wäre wenigstens Aussicht vorhanden gewesen, daß die Konsumenten ein wenig billigeres Gcrstcnmchl bekommen. So wird aber beim Versagen des staatliehen Er- nährungsdicnstes nicht einmal Gerstenmchl vorhanden sein, was den Preis des Korn- und Weizenmehles noch mehr in die.Höhe treiben wird. So wie die Ausfuhr von Fleisch und Obst eine bedeutende Teuerung in diesen Pro- dnkten hervorgerufen bat, so wird öS auch bei der Gerste der Fall sein, Schritt für Schritt arbeitet die Regierung bewußt auf die völlige Zerstörung des bißehcns staatl cher Ernährungswirtschaft hin, das uns noch geblieben ist. Der Achtstundentag in Deutschland. Wäh- rcnd der Achtstundentag in der Tschechoslowakei auf einem in der Revolutionsnationalver- sammmlung beschlossenen Gesetze beruht, gab es bisher in Teutschland nur zwei B« r o r d- n u n g c n des DemobilisicningsamteS vom 23. November und 17. Dezember 1918, womit die Arbeitszeit mit acht Stunden bemessen wird. Der Achtstundentag gilt demnach in Deutschland bisher bloß für die Zeit der wlrt- schaftlichen Demobilmachung, welche nach einer im Fcbniar dieses Jahres erschienenen Ver- ordnung mit 31. März 1922 als beendigt onzu- sehen ist. Damit wird eS notwendig, ein Gesetz über den Achtstundentag zu schassen. Ein Entwurf für dieses Gesetz liegt bereit? vor. Der größte Mangel dieses Entwurfes ist die übermäßige Anzahl von Ausnahmen, die der Entwurf statuiert. Das Korrespondenzblatt des Allgemeinen Deutschen Gcwcrkschaftsbun- des erklärt, daß daS gesamte in diesem Ent- Wurf angeführte Ausnahmcregister einer schar- scn Nachprüfung und erheblichen Einschrän- kung bedarf, wenn„die Ausnahmen nicht zur allgemeinen Regel und der Achtstundentag nicht selbst zur Ausnahme werden soll". Das Gesetz wird Wohl der Gegenstand harter Kämpfe im deutschen Reichstag werden. Internationaler Tcxtilarbeiterkongrcß. Ge- stern hat in Pari? der internationale Textil- arbciterkongrcß begonnen. Die vorläufige Tagesordnung sieht den Ausbau dcS interna- tionalcn Sekretariates, der internationalen Streikunterstützung und des internationalen KorrespondcnzblateS vor. Von den italieni- scheu Textilarbeitern liegt ein Antrag vor, die 48 Stundenwoche als längste Arbeitswoche und den 7 Stundentag als längste Arbeitszeit für Schichtarbeiter zuzulassen. Holland bean- tragt sogar, eine lebhafte Propaganda für die 45 Stundenwoche, die dort Gesetzeskraft hat, zu entfalten. DaS Ergebnis der Wiener Messe. Der „Wiener Sonn- und Montagszcitung" zufolge beträgt der Gcsamtimilauf der Wiener inter- nationalen Messe 10 Milliarden österreichischer Kronen. StinneS auch in Prag?„Lidovc Rovinh" meiden, daß sich unter denjenigen, die die Fi- nanzierung des Neubaues der Prager GcSan- statt in die Hand nehmen wollen, Hugo St!n- ncS befindet. Der Wert der Krone. E? kosten 100 Holl Gulden 2051.50, 100 Mark 84.75, 100 schweiz. Franken 1440.50, 100 schweb. Kronen 1821.50, 100 Lire 350, 100 franz. Franks 597.50, 1 Pfund Sterling 313.50, 1 Dollar 84.75, 100 bclg. Franks 595.50, 100 Dinar 100.75, 100 Lei 66.50, 100 östcrr. Kronen 5.80, 100 Pol". Mark 2.30, 100 ung. Kronen 15.90 tschechische Kronen. luö der Partei. KreiSkonscrenz Teplitz-Saaz SamStag, den 20. und Sonntag, den 30. Oktober in Komata». Auf der Tagesordnung stehe» außer den Berichten noch folgende Punkte: Die Arbeitsmethode» unserer Organisation, die politische Situation, Neu- Wahlen und Wahlen der Delegierten zum Partei- tag. Aus der BczirkSkonferenz Aussig-Land am Sonntag, den 18. d., wurde berichtet, daß das Berichtsjahr zu den arbeitsreichsten seit dem Be- stände der Organisation gehört. Trotz der Spal- tungsarbcit der Kommunisten beträgt die Mit- glicdcrzahl daS Zwcieinhalbfachc der Borkriegs- zeit. Die Bcsirkükonsercnz in Freistadt, die am 8. September stattfand, war von den Vertretern aller Lokalorganisationen, mit Ausnahme einer einzigen, beschickt. Die BczirkSorgcinisation zählt rund 1000 Mitglieder. Während der Konferenz konstituierte sich eine Bezirksgruppo sozialistischer Lehrer»nd Lehrerinnen. Mit der polnischen Partei wird in der nächsten Zeit engere Füh- lnng gesucht werden. Es solle» gemeinsame Exe- kntivsttzungcn abgehalten»nd bei allen Aktionen gemeinsam vorgegangen werden. Kunst und Wissen. Deutsches Theater. Gastspiel Ida Roland. Heute wird statt„Schloß Wcltcrstcin" Hans Müllers „F lamm e" mit Frau Roland wiederholt. Morgen, Mittwoch, verabschiedet sich Frau Ro- land alS„Zarin" in Lcngtzcl-BiroS gleich, namigcr Komödie. Kartenverkauf an der Tageskasse. Die Uraufführung von SchmidtbonnS „Die Schauspielcr" findet SamStag statt. Leopold Kramer, zugleich(Spielleiter des Abend?, tritt dabei in einer neuen Rolle vor das Publikum, nämlich als der„Herr zu Pferde". In den übrigen Hauptrolle» sind die Damen Aulich, DierkS, Fischer, MedclSky und die Herren Groß, Bauer, Heim, Reinhardt beschäftigt. Der Dichter SO. September 1921'. dürste, einer Einladung der Direktion Folgt wohnen. Sonntag bietet die Oper Neucinftudie- rnngcn von BizctS„Djamileh" und Dom- zctti«„Lucia von Lamermoorc" unter Spielleitung Hermann Bayers in vollständig neuer Besetzung. Die musikalische Leitung von „Djamileh" hat Dr. Heinrich Jalowetz. von „Lucia" Paul Pella.— Alexander Zcm- l i n S k y wird ebenso wie am Abend seines vor 10 Jahren erfolgten Eintrittes in den Verband des Deutschen LandcStheatcrS Freitag Beetho- vcns Oper„Fidelis" dirigieren(209-1). Neues Theater. Donnerstag abends statt „Schloß Wetterstcin" die neneinstudierte Dar- tzingS Oper«Zar und Zimmermann". Samstag nachts 10 Uhr der Opcrettcnschwank „Die SchcidnngS reise". Sonntag nachm. Hauptmanns„W e b c r". Die Zarin. Lcngycl und Biro haben der Zarin Katharina sowohl für die Heldin als auch für ihre Opfer eine ebenso angenehme wie sympathische Ideologie zurechtgelegt: Katharina war nicht nur die Herrscherin, sondern auch die Freundin, die Geliebte aller Reußen. Ida R o- land, um die die erotische Haupt- und Staats- aktion geschrieben zn sein scheint, versteht eS geradezu unnachahmlich, ihre Zarin mit dem Weibe, eiserne Härte mit glühender Leidenschaft, zu verschmelzen. Auch im Wiener Volksthcater traten alle anderen Gestalten diese? ansonsten recht kilsckngcn Stückes hinter Rolands Zarin zurück. Hier wäre nur der Alexis des Herrn N c n h a r d t und der intrigante Kanzler dcS Herrn H c i m lobend z» erwähnen. F. B. Turnen und Sport. A. E. Sparta gegen Rapid Wien 4:1(2:1). Tore: Mazal, Janda, Pilat, Sroubck. Tor für Rapid: Eigentor der Sparta.— Die Mannschaft der Sparta war wie ans einen, Guß: daS For- ward, welches von der Halfrcihc kräftig unter- stützt wurde, vermochte seinen Angriffen die nötige Durchschlagskraft zu verleihen, die wir bei Rapid vermißten. Ter beste M->nn der Sparta war wieder Kada, der die Bälle meisterhaft ab- nabm und verteilte. Die Hauptstützen bei Rapid waren Knthan, Ilrzidil»nd Brandstötter: die übrigen Spieler waren nicht ans ihrer gewohn« tcn Höhe. DaS Spiel wurde scharf geführt, be- wegte sich aber in fairen Grenzen. Fünf Minu- tcn vor Schluß wurde Mazal nach einer Kontroverse mit dem Schiedsrichter vom Spiel- selb gewiesen. D. F. K. Aussig gegen Ec'-ky Lcv Pilsen in Pilsen 2:1— Karlsbader F. K. gegen D. F. E. Prag 3:2(Liga-Mcistcrschaft).— Tepliher F. K. gegen Meteor Vincchrady 3:0. Das Länderwcttspicl Finnland-Deutschland, welches in HclsingforS ausgetragen wurde, cn- detc 3:3. .Herausgeber: Dr. Ludwig Ezcch nnd Karl Eerma k. Verantworllickicr Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribnna, Prag. Mitteilungen uns dem Publikum. Vcrtriuliclic tllcrbeslc Bezugsquelle. 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