J*U^ n. 1. Jahrgang. Nr. 18.' Mittwochs 81. September 1921. der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik. Ntdattion nnd Berwaltnng: Prag II Havlickovo n-in, ns Telefon 67%, nach» 6797. Teleinamm.Al.n6e: Eozialdemokat Prag' Postjpartassatonw 67K44. Nnzelvrei? 76 Heller. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung i»S HanS oder bei Bezug durch die Voll monatlich 16'— Ke, viertel,ährlich 48-— KS, halbjährig 96'— Kc, ganziäbrig 192 Kc. stillt DeutlchSsternich monatlich 120-— ÖK, für Deutschland 16— A»k. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Änfstandsbewegnug in Westunyarn. Gegen Horthy, für Karl. Wien, 20. September.(Tfch. P.-B.) Di« „Neue Freie Presse" meldet aus Westungarn, das; die A u f st a n d S b e w e g u n g immer mehran Umfangzunimmt. Die Zahl der im Räume von Etcinamanger versammel- tcn Insurgenten beträgt jetzt schon 30.000 Mann und immer noch erhält der Aufruhr durch ans den, Innern Ungarns zu- strömende Banden neue Nahrung. Oberst Lehar nnd Oberleutnant Hejjas sind in Steina manger eingetroffen, wo sich auch Abg. Stefan Friedrich wieder aufhält, der die politische Leitung des Auf- standcs in der Hand hält. Das„Nene Achtuhrabcndblatt" meldet aus Wiener» Neu st adt: Das Pollzeilommis- sariat Wiencr-Neustadt wurde heute mitgeteilt, daß in O e d c n b u r g durch die Abg. Stefan Friedrich und Linda„er diewest- ungarisch)e Republik ausgerufen worden ist. Die„Arbeiterzeitung" bringt aus Buda« Pest folgende Meldung: Friedrich hat in Bu- dopest ein Komitee gebildet, das in jedem Ko- mitatc ein Untcrkomitee hat. Dieses Komitee hat eS sich zur Aufgabe gesetzt, Karl gegen den Willen der Entente zurückzubringen, Horthy abzusetzen und die Integrität des Landes wie- der herzustellen. Das Komitee hat am 13. Scp- tembcr in Budapest eine entscheidende Sitzung abgehalten, in der beschlossen wurde, mit Hilfe der burgenländlschen Krise ihre Pläne durch» zuführen. An dem K o m p l o t t sind beteiligt außer dem Abg. Friedrich und seiner gan- zen Partei, Oberst Lehar, ein gros;er Teil der christlich-nationalen Partei, viele Generäle und ein Teil der Opposition. Die antiHabs- bnrgischen Abgeordneten Rassay, Dozky und Ruppert sollen aus dem Wege ge- räumt werden. Die bayerische Reaktion. Abg. Fischer zu IL Monaten Kcrlerd verurteilt. Berlin, L0. September.(Drahtbericht des „Sozialdemokrat".) Am Montag hat es sich in Bayern endgiltig entschieden, daß Kahr zur Regierung nicht wieder zurückkommt. Ter gei- stige Führer der bayrischen Volkspartei, der Abgeordnete Held, hatte sich gegen Kahr er- klärt und gestern Abend ist in, Landesausschuß der Partei die Entscheidung zu Gun- st e n Heids ausgefallen. Die weitere Folge dieser Entscheidung dürfte der Austritt der Deutschnationalcn aus der Regierung sein. Ihre Presse ist über diesen Verlauf außeror- dentlich entrüstet und kündigt schon heute der neuen Regierung den Kampf an. Jnzwi- sehen hat die Kahr-Poehner-Kliane zu einem letzten Streich ausgeholt, indem sie den Land- tagsabgcordncte Fischer von der Unabhän- gigen Sozialdemokratischen Partei wegen einer Aersammlungsrcde verhaftete und vor ein Ausnahmegericht stellen ließ. Er wurde zu 15 Monaten wegen Hoch- Verrats verurteilt. ES war ihm zum Vorwurf gemacht worden, daß er gedroht habe, Nordbayern würde sich von Südbaycrn los- lösen. Alle Zeugen hatten aber bekundet, daß er davon nur in dem Sinne gesprochen habe, daß die LoSlösung erfolgen könnte, wenn die Regierung Kahr in ihrer Ablehnung gegen das Reich verharre. In Bayern werden also of- fenkundige Mörder begünstigt, dagegen Arbei« tervertreter, die auch nur eine andere Abgren- zung eines Gebietes innerhalb des Deutschen Reiches im Smne haben, unter Bruch der Im- munität zu schweren Kerkerftrofen verurteilt. Der Anteil der Presse. Die tschechische nationale Volksseele ist wie- der einmal im Kochen begriffen. Diesmal ist Brünn der Schauplatz ihrer Entladungen. Tausende Menschen ziehen aufgeregt durch die Straßen, stoßen deutschfeindliche Rufe aus und erwirken die Verhaftung von Menschen, denen ein bösartiges Gerücht irgendwelche anti- patriotische Handlungen andichtet, umstellen das Stadttheater, in den, an zwei Tagen der Woche deutsche Aufführungen vor sich gehen, erzwingen den Abbruch der Vorstellung und sie fordern in stürmischen Rufen, daß die Gc- bände der Tcutschen Technik den Zwecken der Masaryk-Univcrsität überlassen werden. Da die Menschenmenge von der Polizeiwache am Eindringen in das Theater gehindert wird, prügeln sie, da gerade kein anderes Objekt zur Austobung der nationalen Empörung Vorhan- den ist, sieben Wachleute— nebenbei bemerkt Tschechen— derart durch, daß sie, mehr oder minder verletzt, von der RcttungSgcscllschaft abtransportiert werden müssen. Tcn äußer- lichen Anlaß zu diesen Äußerungen des wieder einmal entfesselten Chauvinismus bildet der Umstand, daß ein Apotheker beim Einzug des Präsidenten eine etwa? verblaßte Fahne auS- hing. Tie weitere Ursache ist wohl in dem ! Unmut darüber gelegen, daß die Vertreter der j deutschen Parteien es ablehnten, an den Hul- digungSveranstaltungcn für den Präsidenten teilzunehmen. Aber auch damit sind diese be- dauernswertcn und die Möglichkeit einer An- Näherung der beiden Volksstämme hinausschie« bcndcu Ereignisse, die in diesem Staate leider immer mehr eine alltägliche Erscheinung wer- den, nicht hinlänglich erklärt. In diesem Falle war es die chauvinistische Notiz eines tschechischen rechtssozialistischen BlatteS— eines sozialistischen Blattes allerdings, dem die Verletzung sozialistischer Grundsätze weit ! weniger Sorgen bereitet, als die Unterlassung j der Teilnahme an einer patriotischen Kund- gcbniig— welche die Straßen lebendig wer- den ließ nnd das Signal zu den Allsschrei- tungen gab. Nnd so ist eS immer gewesen; es hat noch imincr genügt, daß irgend ein tschechisches Blatt offen oder versteckt die Straße aufrief, „Ordnung" zu machen, Rache zu nehmen oder eine„nationale Besitzergreifung" durchznfüh- rcn und schon lieferte die Straße pünktlich nach Bedarf die gewünschte nationale Empö- rung, Begeisterung oder Tat. Das mag in einer guten Organisierung der Straße nnd in einer Erkrankung der Psyche mancher Volks- teile eine gewisse Erklärung finden, restlos zu verstehen ist es doch nur, wenn man den Einfluß und das Wesen der tschechischen Presse kennt. Die jetzige Beschaffenheit dieser Presse ist ebenso wie ihr Ton noch immer eingestellt auf die Verhältnisse vor dem Umsturz, auf die Zeit, da die tschechische Nation um die Selb- ständigkcit und Freiheit rang. Ihr Ton und ihre Geistigkcit haben seither, obwohl die Na- tion nicht nur die Selbständigkeit erlangte, sondern sogar zum HcrrschaftSvolkc über an- der« Nationen wurde, keine Veränderung er- fahren und sich nicht im geringsten den neuen Verhältnissen augepaßt, welche die tschechische Nation, wohl selbst an den kühnsten Träumen gemessen, als saturiert erscheinen lassen. Das tschechische Lesepublikum ist fast ausnahmslos auf eine Presse angewiesen, welche sich gegen- seitig im nationalen Chauvinismus zu über- bieten sucht, iminer wieder den nationalen Haß aufstachelt und so da? Aufdämmern der Er- kenntniS der wahren Gestalt der Dinge und Verhältnisse verhindert. Kaum eines der tschechischen Blätter hat sich bisher auch nur zu der Erkenntnis durchgerungen, daß die Klagen der Minderheitsnationen über Unterdrückung Berechtigung haben, keines hat noch je ver- sucht» den.Klagen auf den Grund zu gehen und ihrer höchstens mit einem gewissen Maß von Spott Erwähnung getan. Diese tagliche Anfpcitschung der nationalen Instinkte und des chauvinistischen Hasses, diese tägliche Publizistische Brunnenvergistung, mußte naturgemäß im tschechischen Volke die einstmals infolge der Brutalitäten des deutschen ; Chauvinismus hervorgerufene Erbitterung aufrecht erhalten und in der mit solcher Kost gefütterten Lcscrmcngc muß die Ucbcrzeugung erstehen, daß jedes Maß von Leben-möglich- kcit und kulturellem Eigcudascin, das der beut- scheu Bevölkerung gcwabrt ist, eine unver- diente Gnade bedeutet, die bei der geringsten Ungcbärdigkcit einer ihrer politischen Parteien oder Personen auszutilgen einem tschechisch- nationalen und patriotischen Verdienst gleich- kommt. Daß der deutsche Ehanvinismns an dem Verderbnis des Verbältnisscs der beiden Nationen ein vollgcrüttclt Maß von Schuld trug und noch immer trägt, haben wir, wie unser Kanipf gegen ihn beweist, am allcrwe- nigstcn geleugnet. Aber war früher unser Kamps in erster Linie gegen den deutschen Chauvinismus, der ehedem int Staate der herrschende war, gerichtet nnd sind wir uns auch voll bewußt, daß ihn auch heute noch mancher Anteil an der Schürnng des nationa- len Zwistes trifft, so können wir uns doch der Tatsache nicht verschließen, daß es heute in erster Linie Pflicht der Mehrheitsnation wäre, ihren Anteil an der Zerrüttung des öf- fentlichen Lebens und an der Anfwühlung der Leidenschaften abzubauen. Denn so schädlich auch der deutsche Nationalismus ist, er stellt im Augenblick noch immer die kleinere Gefahr dar nnd vermag sich nur an den Ausartungen des tschechischen Chauvinismus zu erhitzen und zu beleben. Daß die Tschechen im Sicgcsianmcl nach dem Umsturz alles in rosafarbenem Lichte sahen und im BcgcistcrungSranschc die Bor- slcllung hatten, daß jede Zurücksetzung nnd Kränkung der Mindcrhcitsnationen erlaubt sei, und daß sie damals die Richtigkeit und Un- vcrlctzlichkcit unserer staatlichen und nationa- lcu Verhältnisse als Dogma betrachteten, mag erklärlich erscheinen. Jedenfalls wäre es jetzt nach drei Iahren an der Zeit,— da sie doch an dem Zustand der politischen und staatlichen Verhältnisse merken müßten, wohin die Dinge führen»— daß sie ans dem Bcgcistcrungs- rausch erwachen und die Wirklichkeit sehen lcr- neu, wie sie ist. Es könnte ihnen dann nicht verborgen bleiben, das; die sich immer wieder- holende Gewaltanwendung, die ständige Bc- drohnng der wahrlich nicht zu reichen Frcihci- tcn der Minderheiten dazu führen müssen, daß in allen Menschen, selbst bei den Einsichtsvoll- stcn nnd Ruhigsten, das Gefühl der Ohnmacht und der Verzweiflung entstehen und der letzte Rest des Glaubens an die einmal erwachte Einsicht der Herrschenden schwinden muß. Wenn man dem deutschen Volke, anstatt es mit der nun einmal bestehenden Tatsache des Bestandes des tschechoslowakischen Staates in seinen heutigen Grenzen als mit einer vor- läufig historisch unabänderlichen Tatsache zu versöhnen, die Saat für den Gedanken aus- streut, da,, die Sicherung seiner kulturellen Entwicklung in diesem Staate hoffnungslos erscheint und nur durch Aendcruiig seiner Grenzen bewirkt werden kann, so gi-ll es dafür allerdings kein wirkungsvolleres Mittel als Vorgänge, wie sie jetzt in Brünn zu sehen sind und wie sie vordem in Prag, Aussig, Tcplitz und anderen Orten sich der Reihe nach ablösten. Wir werden uns nicht wundern, wenn un- sere Mahnung zur Einkehr von der tschcchi- scheu Presse wieder nur die Auslegung erfährt, daß wir eben nur aus Voreingenommenheit und deutschem Nationalismus heraus sprechen. Dennoch werden wir nicht erlahmen, die Gift- mischereien der nationalistische« Presse, wo im-; mer wir sie finden, zu bekämpfen, wobei uns die Hoffnung trägt, daß doch einmal der Tag kommt, da die verantwortlichen Männer im Staate die Pflicht erkennen, ihre ZeitnngS- lcute, die bedenken- und gewissenlos in unse- rem öffentlichen Leben hausen wie der Elc- sant im Porzellanladen, abzurufen und so die Stimmung für einen Ausgleich zwischen den Völkern vorzubereiten, der dem Rechte aller Nationen Rechnung trägt. Möge dies gcschc« hcn, che es zu spät ist! Der Görliher Parteitag. (Fortsetzung des Berichte?.) Görtlitz, 19. September.(Tsch. P. B.) Dem Parteitage ist folgende Resolution des Partcivorstandcs, der Kontrollkommission und des PartcianSschusses über die Teilnahme der Partei an einer K o a l i t i o n s- .regier ung zugegangen: In der deutschen I Republik geht alle Regierungsmacht vom -Volke ans. Jede Partei hat die Möglichkeit, i entsprechend ihrem Anhang im Volke die Nickst- I linicn der Rcgicrungspolitik zu beeinflussen, j was an, wirksamsten durch die Teilnahme a» der Regierung geschehen kann. Ans die Teil- nähme an der Regierung der Republik wird die Partei besonders dadurch hingewiesen, daß sie die größte Partei des deutschen Volkes ist und die einzige Partei, die von jeher ohne Einschränkung und grundsätzlich auf dem Boden der republikanischen S t a a t S f o r m nnd des demokratischen Sclbstbestimmnilgsrcchtcs de? Volles steht, weil diese den günstigsten Boden für die Er- ringung der sozialistischen Gesellschaft bildet Die Sozialdemokratie dürfe daher nicht war- tcn, bis sie imstande ist, die ganze Rcgierungs- gcwalt allein zu übernehmen, sondern muß versuchen, auch vorher schon zur Sicherung der demokratisch-republikauischeu Staatsform ihre politische Macht in die Wagschale zu werfen, um so der Erreichung ihrer sozialistischen Ziele näher zu kommen. Tics ist jetzt umso not> wendiger, als die Not des deutschen Volkes die Anspannung aller Kräfte erfordert. Die So- zialdcmvkratic ist bereit, zu diesem Zwecke mit anderen Parteien im Reiche und in den Län- dern in der Regierung zus a m m c n z u a r- b c i t e n, wenn mit diesen Parteien eine Ver- ständigung über ein Arbeitsprogramm möglich ist, das folgende Grundsordcrungcu enthält: Anerkennung und Verteidigung der Republik, Sicherung des dcmolratiscbcn Selbst- bestimmungSrcchtcS des Volles im Reiche, den Ländern und Gemeinden, Demokratisierung der Verwaltung und Republikanisiernng der Reichswehr und Polizciorganc, Sicherung und Ausbau der sozialen Gesetzgebung, Politik der Völkcrvcrsöhnung, loyale Erfüllung des>Fric- densdiklates in den Grcnzxn der Möglichkeil nnd Aufbringung der dadurch bedingten La- stcn, in erster Linie durch weitestgehende Her- anziehung des Besitzes. Im übrigen soll der Parteivorstand unter Berücksichtigung der all- gemeinen politischen Lage im Einvernehmen mit den in Frage kommenden Fraktionen über den Eintritt von Parteigenossen in die Ncgic- ncng entscheiden. In seiner Begrüßungsansprache an die ausländischen Vertreter sagte der Vorsitzende W c l S:„Wir begrüßen von der tschcchoslowa- tischen Sozialdemokratie Ncmce und seine Freunde. Das deutsche Reich nnd die Tscheche- slowakci sind wirtschaftlich ans ein enges Zu« sammenarbciten angewiesen. Leider sind die tschechische und deutsche Sozialdemokratie noch gespalten." Nemec(Prag) sprach für die tschechische So- zialdcmokratie und führte auS:„Wir stehen vor größeren Aufgaben als je. ES gilt prak- tische und konstruktive Arbeit zu leisten. Wir sind daran, mit unseren Kommunisten fertig zu.werden. Seitdem sie die Partei gespalten Sozialdemokrat Leite 2. haben, ist ihre Stoßkraft vermindert und der Kapitalismus erhebt tviedcr frech fein Haupt. Es ist schwer zu sage», ob die Reaktion von rechts oder die von links die Arbeiterschaft mehr geschädigt hat. Wir sind entschlossen, in die Regierung und die Koalition wieder einzutreten. Wir sind z u st a r k. u in u n s in Opposition z u stclIc n. Wir würden damit die Republik zum Schaden auch der anderen Länder zertrümmern.(Beifall.) Berlin,-0. September.(Wolfs.) Auf dem Görlitz«' Parteitag hielt Abgeordneter Schci- d c m a n n, dessen frühere ablehnende Haltung gcgnübcr einer Koalitionsbildung der hcitSi'ozialdcmolratie mit der deutschen Bolls- Partei bekannt ist, eine viel bemerkte Rede. Er sagte 11. ei.: E:> darf nicht gesagt werden, wir geben unter keine» Umständen mit dieser oder jener Partei zusammen in eine Regierung. Zur Zeit als die Parole„Rieht mit der Deutschen BolkSparrei.. ausgegeben wurde, war dies zweifellos richtig. Wir müßten bei jeder Rc- gicrungsbilduug ein bestimmtes Mindest- Programm aufstellen. Parteien, die bereit sind, ein solches Programm anzunehmen und bestimmte Ministerien uns zu überlassen, kön- neu nicht dauernd von der Teilnahme an der Regierung zurückgewiesen werden. Zu beachten ist bei jeder Koalitionsregierung, daß cS sich n i ch t um eine G c si n n u n g S g c m e i n- schaff, sondern um eine Arbcitsge- ui c in sch a f t bandelt. Solange wir nicht eine sozialdemokratische Regierung bilden können, müssen wir uns ans eine Koalitionsregierung einrichten. * Berlin» 20. September.(Drahtbericht des '„Sozialdemokrat"). Einen Hauptpunkt der bis- herigen Beratungen auf dem(Vorüber Parteitag bildete die Frage der Koalitionsvolitik. Bisher hatte sich die Partei ganz unzweideutig gegen jede Verbindung mit der Deutschen Volkspartci erklärt, die als Stinncspartci in der Arbeiterschaft den denkbar schlechtesten Ruf besitzt, seitdem aber der Einfluß der demolca- tischen Partei immer geringer geworden iit und die Wortführer der Deutschen Volkspartci unter dem Eindruck des Mordes an Erzber- gcr erklärt ha' n, sie seien zum Schutze der Republik bereit, hat die Leitung der sozialde- mokratischen Partei Teutschlands eine Schwei,- kung vollzogen. Das kommt in den Resolutio- neu zum Ausdruck, die die Partcilörpcrschastcn dem Parteitag vorgelegt hatten und die die Möglichkeit einer Koalition mit der Deutschen Volkspartei ergebe». Schon die Debatte am Montag und Dienstag hat gezeigt,, daß die Mehrheit des Parteitages für die Annahme der Resolution sich entscheiden würde. Her- mann M ü l l c r, S ch e i d e in o. n n, Eduard B c r n st c i n, Otto B raun, S c v c r i n g erklärten sich ganz unzweideutig für eine Koa- lition mit der Deutschen Volkspartci. Opposition machten nur die Vertreter von Frank- furt a. M., Chemnitz, Göttingen, Thüringen und Schlesien. Hermann M ü l l c r meinte, man solle sich hüten, StinncS zum schwarzen Mann zu machen. Der Parteitag müsse erklären, daß die S. P. D. mit allen Parteien zusammcnar- heilen wolle, die mit ihr fedcs Attentat ans die Verfassung abzuwehren bereit sei. Otto Brau n erklärte, daß die Partei ans einer lediglich agitierenden zu einer regieren- den geworden sei, könne man sich nicht immer den Partner aussuchen, sondern man muß den nehmen, der einem durch die Wahlergebnisse aufgezwungen werde. Bernstein, der während des Krieges selbst zur Unabhängigen Partei gehört hatte, führte aus, daß eine Einigung mit der Unab- hängigen Partei unmöglich sei. weil sie eine reine Abstimnnnigspolitik betreibe. Scvcring meinte, daß die politische Ab- stinen; der S. P. T. auf die Bereinigung mit den Unabhängig» weder günstig wirken, noch sie beschleunigen würde. Die Resolution wurde schließlich in namentlicher Abstimmung mit 290 gegen(17 Stimmen angcno ni m c n. ; Die Entscheidung des Parteitages der S. P. D. über die Koalitionspoliiik wird wahrschein- lich bald ihre Praktischen Auswirkungen zeigen. An die Rcichsregierung müßte die Deutsche Volkspartci eintreten. An der preußischen Rc- gierung wird wiederum die S. P. D. teilnehmen, und wahrscheinlich kommt es auch in Bayern zu einer Koalition zwischen der Deut- scheu Volkspartei und der bayrischen Volks- Partei und der S. P.?. Ein polnisch-tschechischer Handelsvertrag. Warschau, 19. September.(Tsch. P. B.) An Warschau ist eine tschechoslowakische Kommission zur Ausarbeitung des tschechoslowakisch- Polnischen Handelsvertrages einge- troffen. Inland. Wie es gemacht wird. Die Brünncr natio- »aldemokratischcn„Lidovc Noviny" brachten am Montag in ihrer RachmittagSauSgabe einen„Unsere Vergeltung" betitelten Leitartikel, in welchem sie als Rache dafür, daß die deutschen Parteien sich an der Huldigung für Masarnk nicht beteiligten, die Wegnahme der Gebäude der deutschen Technik und des Stadttheaters an den zwei Tagen der Woche, da im Theater noch deutsch gespielt wird, an- kündigten. Das Ganze war ungefähr auf fol- gcndsn Ton gestimmt: „Manche Väter befolgen die Methode, ih- rem Buben ein paar Ohrfeigen zu geben, der ohne Ursache greint, damit er Grund zum Greinen hat. Das ist vielleicht keine pädagogisch einwandfreie Me- thode, aber sie i st wirksam. Auch die Brünncr Deutschen müssen, wenn sie schon greinen, Ursache zum Greinen bekommen. Das ist das einzige Mittel, damit sie zu greinen auf- hören." Und so weiter in lieblicher Folge. Allerdings sagt das Blatt zum Schluß, daß man diese Bc- strafung der Deutschen auf kaltem Wege am „lichten Tag" durchführen müsse und nicht durch Gewalttat, aber viele der Leser der„Li- dovc Noviny" werden schon verstanden haben, wie der Artikel gemeint ist und sie waren auch am Abend zur Stelle, um gleich am besten selbst die Wegnahme des Theaters— in dem gerade deutsch gespielt wurde— und der deutschen Technik durchzuführen, denn da dies von den„Lidovc Noviny" als eine verdienstvolle patriotische Tat hingestellt wurde, wollte na- türlich niemand von den wahren Patrioten zurückstehen und sie erzwangen durch Geschrei und blutige Berprügelung einiger nicht genug „patriotischer" Wachleute, die sie am Eindrin- gen hinderten, den Mbruch der Vorstellung. Aber nun ans einmal stiegen den„Lidove No- vinn" Bedenken auf, denn eine aufgestachelte Volksmenge, der die Bestrafung der Deutschen durch Wegnahme ihrer Kulturstätten als Herr- liche und notwendige Tat gepriesen wird, kann möglicherweise im Eifer sich noch wcller bctä- tigeu und die„Lidovc Noviny" wissen es aus Erfahrung, daß dann diese Elemente bei ihrer weiteren Wirksamkeit auch nicht beim priva- ten Eigentum Halt zu machen und auch nicht restlos zwischen Deutschen und Tschechen zu unterscheiden Pflegen. Alse mußte zum Rückzug geblasen werden und am Dienstag Früh suchte das Blatt wie folgt abzuwiegeln: „Was geschehen ist. ist eine Schmach für das tschechische Brünn und es ist die Pflicht aller verständiger Menschen, daß sich diese Schmach nicht wiederhole. Die. Teilnehmer an diesen Demonstrationen haben de» Deutschen einen großen Dienst erwiesen. Die Arrangeure der gestrigen Demonstration hatten die Absicht, sich vor allen Gewalttätigkeiten zu hüten— das Ergebnis beweist aber, wie solche und er» ant>vortlichc und anonynie Arra Ilgen r c Begebenheiten entfesseln rönnen, ans deren Verlauf sie dann keinen Einfluß haben. Werden sich die Demonstrationen wiederholen, dann wird sich die Hcse der«ladt und der Vororte hiczu gc- selten, die in jedem Gedränge sischt und der auch Plünderungen gelegen kämen. Die Heu- lific deutsche Vorstellung im städtischen Theater wird und muß sein, weit bisher der Vertrag der Stadt mit dcni tschechischen und deutschen Theater noch gilt und weil in einem Rechts» staate die nur zufällig zusammengelaufene Menge nicht die. Macht haben darf, einen Per trag zu zerreißen. Den Willen des Volkes stellen in einem demokratischen Staate die demokratisch gewählten Organe und keineswegs der auf der Gasse von Gott weiß wem aufgc- hetzte Haufe dar. Sehet euch die Haupt- s chreier bei weiteren eventuellen Straßen- kundgcl'ungcn an! Es wird notwendig sein, sie aus der Nähe zu betrachten. Die O csfcntlich I cit wird erschrecken, wenn eS gelingt, die Inspiratoren die- ser Krawalle festzustellen, über die unter den Deutschen und allen Feinden der Republik ungeteilte Freude herrscht und durch die am peinlichsten jener berührt ist, den vorgestern das tschechische Brünn gefeiert hat." Trefflich, was? Erst skrupellos hetzen und dann, wenn man vor den möglichen Wirknn- gen der Hetze erschrickt, die Ausschreitungen als Machwerk der„Feinde der Republik" hinzu- stellen! Die„Hefe der Stadt und der Vororte", wie sich die„Lidovc Noviny" ausdrücken, her- anszulocken, ist eben leichter, als sie dann dar- ans zu beschränken,„nationale Reinigungsar- bcit" zu vollbringen und nicht„im Gedränge zu fischen und zu plündern". Die so rasch wechselnden Auslassungen des tschechischen natio- naldeniolratischcn Blattes sind für einen bei uns herrschenden Geist nach mehr als einer Seite lehrreich. Neue bürgerliche Parteibildungen in der Slowakei. Die bürgerliche Politik der natio- n-llen Minderheiten in der Slowakei sst oleich- l sam ein Spiegelbild der reaktionären Mit« HorthyungarnS. Die führende bürgerliche Partei ist die christlichsoziale, eine Filiale der Christlichsozialen Ungarns. Die kontcrrevolu- tionärc Partei der kleinen Landwirte hat auch eine Bruderpartei in der Slowakei. Ein treff- lichcr Beweis der politischen Anpassungsfähig- kcit der ultramagyarischen Christlichsozialen ist, daß sie unter religiösem Deckmantel auch bei den Slowaken Anhänger zu werben ver- mochten. Eine Zeit lang marschierten sie der- eint mit der klerikalen Hlinka-Partei, vor kur- zem verschärfte sich jedoch der Gegensatz zwi- scheu den beiden Parteien. Nicht nur die Slo- Waken, auch die Juden wollen die Christlich- sozialen für ihre Politik gewinnen. Dazu dient die neue Parteibildung der„ungarischen Rechtspartei". Die ungarische Rechtspartei ist die christlichsoziale Partei ohne das konfestio- uelle Programm der letzteren, mit freiem Ein- tritt für die Anden. Der Rechtsnachfolger der alten ungarischen Tisza-Partci ist die in der vergangenen Woche in Kaschau gegründete „ungarische Bürgcrpartei". Der Libcralis- nms der sogenannten ungarischen Liberalen bestand bloß in der negativen Eigenschaft, daß sie keine Antisemiten waren. Die neue Par« tei ist, ebenso wie die ungarischen Liberalen, ein durch und durch reaktionäres Gebilde, was auch daraus ersichtlich ist, daß sie in ihrem Pro- grauim die Beschränkung des Streikrechtes fordern. Die Richtung der Bürger der Bnr- gcrpartei ist, im Gegensätze zu den Christlichso- zialcn und der Rechtspartei, eine gemäßigt op- Positionelle, die sich nicht scheut mit der Regie- rung zuweilen Fühlung zu nehmen. Kommunistischer Patriotismus. Die äußerst links stehende kommunistische„Rovnost" schreibt int Bericht über eine Fcstaufführung am Brünncr tschechischen Nationalthcatcr: „Zur Feier de? Besuches des Präsidenten der tschechoslowakischen Republik T. G. Masaryk wurde in unserem Theater Smctanas„Ver- kaufte Braut" aufgeführt. Die Aufführung der Oper war diesmal eine wahrhaft ideale. D i c B c g e i st c r u n g st r a h l t e aus jeder Note. Gerade als wären sich die Mitwir- kendcn bewußt des besonders wertvollen Be- suches Acnes, der in schweren Zeiten unsere Zuversicht war, unsere Stärkung und unser Glauben und der in dieser Zeit der allgemei- neu Bedeutungslosigkeit und des Mißtrauens für alle Zeil die belebende O u c l l c und Kraft zur Besserung neuer dauernder Levens werte sein soll." Rede MmsrOz. Der Präsident verspricht Gerechtigkeit und Menschlichkeit als Richtschnur des Handelns aller Behörden. Preßburg, 20. September.(Tsch. P. B.) Während der Vormittägigen Rezeption im Rat- hause brachten Vertreter verschiedener Par- tcicn und Gruppen der Bevölkerung ihre Wünsche und Forderungen vor, die dem Herrn Präsidenten, teilweise auch schriftlich, über- reicht wurden. Unter anderem begrüßte der katholische Pfarrer M v l n a r aus v..ibach außerhalb de« festgesetzten ProgrammeS den Herrn Präsidenten i m N amen d c r D e u t- schcn ans der Umgebung Preßbnrgs und sagte, daß er" als offener Mann einige Klagen der de u t s ch e n M i n o r i t ä t vorbringen müsse. Ter Herr Präsident antwor- tetc hierauf mit einer improvisierten Rede, die wir im Auszüge nachstehend wiedergebe«! ^ Ach war_ auf Ahrc Rede nicht vorbereitet. Sic hat auf mich Eindruck gemacht. Sic haben offen gesprochen, wie ich'es von Deutschen gewohnt war. Ich will zu Almen auch offen sprechen. Niemand hat den Krieg gewünscht: immer und auch im Anfange des Krieges war ich ein entschiedener Gegner des Militärismus und Imperialismus und habe erst später, als icki sah, daß der Krieg unvermeidlich fort- schreitet, den Entschluß gefaßt, meinem tschc- chischen Volke die Freiheit zu erkämpfen, die es nun besitzt. Der Friede ist kein vollkommenes Werk, jedes Menschenwcrk war und ist unvoll- komme». Was die Minoritäten anbelangt, so bin ich der Meinung, daß man radikal ethno- graphische Grenzen der Staaten in Europa— ■'.icht nur in einem Staate— machen könnte. Ach bin jeden?lugenblick gewillt, eine solche Grenze anzunehmen, aber die sprachlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse sind so konizliziert, daß diese unmöglich ist. Es gibt in Europa keine größeren Staaten, aber auch keine kleineren, ausgenommen die culerkleinkten, wo das möglich werden könnte, zicdcr^Staat ist ein gemischter Staat. Mit diezer Tatsache muß nian rechnen. Die Deutschen in den böhmischen Ländern haben ihre historische Entwicklung durchgemacht und sind m unseren Staat organisch eingegliedert wor- den. Ein bedeutender tschechischer Politiker — Julius G r e g r— hat den Deutschen angeboten, eine nationale Grenze zu ziehen aber ich bin der. Meinung, daß sie dies nicht annehmen würden. Denn was würde gcschc- hen. Ein Teil des sogenannten abgeschlosse- ncn Sprachgebietes würde abgetrennt, der an- » und größere Teil nicht. Es ist im Inte- resse der Deutschen, daß sie mehr Volksgenossen 81. September 1921.'% in der Republik haben, als weniger. Dasselbe gilt auch von den Magyarien. Ich will keine Rckriminationen machen; aber Oesterreich- Ungarn war ein horrendes Unikum eines Staates, in welchem in einem Teile die Deutsche, im anderen die magyarische Minder- heit die Mehrzahl der-Bevölkerung vergewal. tigte. Dieser Staat mußte zugrunde gehen. Ich will übrigens nur betonen, daß^die Min- dcrheit einsehen muß, daß dieser Staat cnd- gültig konstituiert ist.(Slawaruse.) In dem Momente, wo alle Minderheiten das begreifen und auch die wenigen Nachbarstaaten, die eine so unerhörte illoyale Agitation betreiben, (Bravo-Nufe) kann es keine Rckriminationen mehr geben. Ach verspreche und gebe Ihnen mein Wort, daß ich darauf sehen werde, daß Gerechtigkeit und Menschlichkeit zur Nicht- schnür alles Handelns der Behörden werde. (Slawaruse.) Was die Frage der Kriegs« an leihen betrifft, will ich auch offen sprc- chcn. Im Anfange, als ich von der Heimat fern war und in Frankreich, Belgien und Rußland mich aufhielt, war ich gegen die Zahlung der Kricgsanlcchcn. weil ich das wahnsinnige Blutvergießen sah. Heimgekehrt, habe ich mich überzeugt, daß die Armen und die Witwen von oben zum Zeichnen der Kriegsanleihen gezwungen wurden, wie auch jetzt noch Witwen und Waisen von Beamten und aus allen Klassen zu mir kommen und darüber klagen, daß sie den letzten Groschen her- geben muhten. Als ich dies sah, mußte ich mir sagen, daß ein Einlösen der Kriegsan- leihen im Interesse unserer eigenen Bürger sei. Seither rate ich jedem Finanzminister, den Bedürfnissen der Kriegsanlcihezeichner anfs Weiteste entgegenzukommen. Ich bin im Ernste aufrichtig bemüht, daß allen Bürgern, odne Unterschied, volle Gerechtigkeit wider- fahre.(Slawaruse.) Die Hungersnot in Nusilaud. Tschitscherin lehnt eine Untersuchung^- kommission ab. Moskau, 20. September. Tsch. P. B.) De> BolkSkommissär für Auswärtige Angelegen- hellen, Tschitscherin, hat an die Regie- rungen der Ententemächte eine Note gesendet, in der er ausführt, die russische Regierung habe erfahren, daß die internationale K o m m i s s i o n unter dem Vorsitze Noulens andere Mächte, die bisher in der Kommission nicht vertreten sind, zu ersuchen beabsichtigt, sich auch in der Kommission vertreten zu las- sen, und sich dann neuerlich an die russische Regierung wenden will, um abermals die Zulassung einer UntcrsuchnngSkommission zu verlangen. Tic russische Regierung teilt im vorhinein mit, daß sie auch diese Kommission nicht z lt(a s s c n wird. Dagegen wiederholt sie abermals ihre Bereitwilligkeit, direkt Aus- fünfte zu erteilen und weist auf das gute Ein- vernehmen hin, das zwischen ihr und den Ver- trclcrn der N a n s c n h i l f e und jener H o o« vcrs besieht, die beide wirklich die Absicht hatten, den Hungernden zu helfen und nicht andere Zwecke unter dem Borwande der Hilfe- lcistnng verfolgen. Der Streit um Kleinasien. Ter Völterbnuvrat als Schiedsrichter? London, 19. September.(Tsch.-P.)„Tally Mail" meldet, die Türken seien gleichfalls geneigt, den g r i c ch i s ch-t ü r k i s ch e n Streitfall dem V ö l k e r b n n d r a t zu unter- breiten. Der französische Militarismus. Schwarzes Kanonenfutter. Paris, 19. September. Wie Sarraut einem Mitarbeiter des„Jntransigcant" erklärte, wird Frankreich in allernächster Zeit die Militärpflicht herabsetzen und zwar dank sei- ncn Kolonien, durch die Frankreich eine neue Militärorganisation erhalten habe. Es könne mit einer Einacborcncnarmce von 300.000 Mann rechnen. Regelung der Napfrage. London, 19. September. Ter Washington« Berichterstatter der„Times" erfährt von zu- verlässigcr Seite, daß die Besprechungen zwi- scheu dem Staatssekretär Hughes und dem. japanischen Botschafter in Washington über die Napfrage zu einer für beide Teile de- sricdigenden Regelung dieser Frage geführt hatten. Tokio müsse mir noch das Ergebnis dieser. Beratungen offiziell billigen und dem japanischen Botschafter in Washington bcson- dere Vollmachten zum Abschlüsse des lieberem« kommens erteilen.(Tie Insel Pap ist für Ja- pan und Amerika wichtig als Kreuznngspunkt weherer Kabellinien.) Ter Aufruhr in Indien. London, 19. September.(Tsch. P.-B.) „Daily Telegraf" meldet aus Allahabad, daß die_ Bevölkerung gegen die Hindus den „Hell,gen Krieg" proklamiert habe, welche mit Gewalt zum Islam bekehrt werden sollen. N 11 et m b lt r befindet sich ganz in den Hän» den der Z2l u fstän d ischc it. Alle Regie u'NASgiHäude. m dieser Stadt sind rnederge-- t%.««ptmott«r rr Vre österreichische Nationalrat tritt zusammen. Wien, 20. September.(Tsch.?i Pz F.".. DoÜnerStag den 22. Sept. wurde der schuf, snr Aenßercs einberufe». Bund." ka-i-ler Schob er^wird über den Stand derwest.'tn. ganschen izrage sowie über jene Maßnalt men berichten, welche die Regierung seit der lebten T.buug diesesAnsschnßes getroffen bat. Auch der Nationalrat durfte früher zusammen- treten, als ursprünglich beabsichtigt war. Nach den lebten DiSpositioucn war der Beainn dm Herbstscssion ungefähr für dcn 10. Oktober ac- dacht. Voraussichtlich wird aber der Ration«', rat schon in der komniendeu Woche ein- Sitzung abhalten. Sozialdemokrat Cnges-llenlyKetten. Hälorl vi umorl! „Gebet! Doch ersparet cS den?lrmcn die Hand anSzustrecken." Tiderot. Wüßt Ihr was Schulden sind? Ich fi 0 ft c bereu wahrlich genug, aber keine drückt mich so sehr, wie die winzige mm 1 Kopeken, die ich gerade hente^vor 7 Jahren auf mich nahm. Am 18. September des Jahres 1014 war es. das; ich auf einen, groben Stocke humpelnd beut Sanltatszug in Kursk. Südrußland. eut- stieg, um ins dortige Lazarett gebracht zu wer- den. Es gab viele neugierige Gasser am Bahnsteig, die gekommen waren, die erste Sie- zesbente Rußlands. verwundete Oelterreicher zu sehen, jene Barbaren, von denen die zaristischen Zeitungen in große Lettern berichtet bat- tcu, wie sie dcn russischen Gefangenen die in.'s'm'r^''bestellten^ des Hauptlelegraphcn- so zitternd miterlebe», geht so weit, das; sie sich ...^AephonaultcS beschlos; in einer am Mon de» Tschechischuatioualci . f r'^ v Ulli JJ IIUl I Ulli|Ujl'U|l|U;HULUMlUlCI»|LHsUl I g abgehaltenen vertraulichen Beratung, über j freunde antrage». Ilm das Jud en.wiener Börse den Boykott zu verhängen, Tschechoslowakischen Rcvnblik ni weicher in der Weise durchgeführt werden soll, werden zu lassen, gibt der„Tag" sogar als Bündnis» udentunl in der icht allmächtig vi»«V r'.—' n'■<•••/"" i""<|•«vt.um 0"">»-"> Ii"-"»-«■»■«<» den^scheche», ' c telegraphischcn und die er sonst dutzendweise verschlingt, folgenden wlephoniiihm Verbindung ausgeschaltet wer Rat: Dem Staatsvolk wäre es wirklich besser, en wird.— Gestern gegen 12 Uhr mittags i es stellte sich endlich mit den nationalen Min iicvinnuncUcit fiel) auf dein Schotienring^ dcrheiten auf guten Ins; und bMinpste im nächst ocr Börse etwa KO( 0 bis 3000 Perso Verein mit diesen den allgemeinen Fciud alles n-».«-.,t chrlstlichsozialc Gewerkschaftler, um' gesunden Lebens,— den Inden". Also die Räumung ititb 2 eh l i e s; u n g der Herren, die sonst bei jeder Gelegenheit der die B wache, die an Ort und Stelle der Demonstranten begab sich schwerere Ausschreitungen. Eine Abordnung direttion. wo ihnen erklärt wurde, dag a teil Ungesetzlichkeiten im Spekulantcntnm eut• '■$ o r) c- n v c r l a n g c n. ic Sicherheits war. verhütete in die Polizei- Deutschen Minderheit die Jrlandspolitik emp fehlen, sie, die Deutschesten der Deutschen, lo den nun die Tschechen zu einer gemeinsamen Front gegen die Inden ein. Wir werden uns den lockenden Ruf der Dentschgelhen au die Tschechen wohl inerten, obwohl wir gan? gut nase seinem Patriotismus Ausdruck verleihend uns vom Gehsteig stieg und auf den Jahr banm, verwies, wo wir bis über die Knöchel im Schlamin versanken.„Austrjckj zabaki"— österreichische Hunde, höre ich noch heute in meinen Ohren, aber auch französische Laute bernahm ich— Rußland war ja damals gerade in der Beziehung so hoch kultiviert.„Sieh Ma- dascha, das ist ein prnssien". wies ein den höcd- sten russischen Gesellschattstreiscu angehörendes Kokctteilgcsricgcheil mir ihrem Goldlorgnon auf einen reichsdcntschen Kameraden„und das .'in antre chieu".(Anderer Hund— Antri- chien— Oesterreicher.) Ich konnte mich nicht enthalten ans dieses geistreiche Wortspiel eine echte Montmartre Antwort im unverfälschten Pariser Patois zu geben.„Merde, pntain!" Das Gouverneurs Kokettchen lies, ihr Goldlorgnon sinken, errö- tele bis über ihre geschminkte Ohren und lven- detc sich rasch ans den überhöhen Stöckeln ihrer tadellosen Lackschuhen ab. Und da geschah es. Russische Konrois(Sol- baten) mit langen aufgepflanzten Bajonetten ordneten unseren wankenden traurigen Trans- Portzug. als sich ein Proletarierweib im Kopftuch bettelhaft gekleidet, an mich hcranpresstc und mir etwas verstohlen in die Hand drückte Ehe ich mich versah, war sie im Hansen vcr- schwunden, um nicht wegen ihrer gesetzwidrigen Handlung arretiert zu werden. Ein abgegriffenes kupfernes Bierkopckenstück hielt ich in meiner Rechten. Und auch ich er- rötete vor Scham: mich— ich war Offizier— ha, ein Bettelweib mit einer Kupfermünze be- schenkt! Das Geldstück brannte mich. Ich sann und sann und die erste Freudenträne stahl sich über die Wimper— nach soviel Schaurigem und Häßlichen, das ich auf den Schlachtfeldern gesehen, nach soviel Haß und Erbärmlichkeit ein Strahl der Liebe! Du russisches Bettelwcib, bist du die arme Witwe, von der uns der Heiland der Christen erzählt? Ich küsse heute nach 7 Jähren im Geiste deine abgearbeitete, schwielige Hand. Tu hast mir nicht nur vier Kopeken geschenkt, du hast mir die Liebe zur Menschheit wiedergegeben, du hast mich so reich gemacht! Der Mensch ist doch gut! Und daher sprach ich heute morgens zu mei- nein Eheweib, die mich darob verwundert an- sah, denn der Krieg hat uns so wenig gelassen: „Wenn sie für Rußland sammeln kommen, geb ihnen, ohne mich zu fragen, was wir gerade haben". G. Hückel-Nemec. gegengetreten würde und daß zum Beispiel wissen, das; sie auch weiterhin, an die niedrig- Montag in der Umgebung der Börse 31 Win-' kelhändler verhaftet worden seien, daß aber andererseits Borkommnisse wie der heutige Versuch eines gewaltsamen Eindrin- gcns in die Börse im Auslände einen sehr üblen Eindruck machen würde. Tie Abordnung wurde ersucht, auf die Menge beruht- gend einzuwirken. Die radikaleren Elemente des Rassenhasses wurden von der Sicherheitswache zerstreut. Uebcrsall ans Journalisten im Gerichtsge- bände. Ter Journalist Otto Flögl. Heraus- geber des Blattes„Republik« Ecskoslove... führt mit dem Regierungsblatt„CeSkoslo- venckei Repnblika" schon seit TusarS Zeiten sten Instinkte appellierend, wüstesten Tschechen bas; predigen werden, den sie eben nur von Zeit zu Zeit durch Progromhetze gegen die In den unterbrechen, Die Dcutschnationalcn und Deutschnationalsoziaiisten haben kein anderes Mittel, um die wenigen Schäflrin ihrer Herde n erhalten, als die Politik des nationalen und Ihnen selbst aber ist es weder um den Haß gegen die Inden, noch um den Haß gegen die Tschechen Ernst. Sie nehmen jeden zum Gefährten, der ihnen helfen kann, ihr klägliches politisches Dasein;n fristen, sie werden'Verbündete der Tscbechischnationa- len, wenn es gilt, den'Antisemitismus zu vcr einen Kampf um die Priorität des Titels sei-; fechten und sie nehmen zu Mahlzeiten Geld von neS Blattes. Neuerdings verfiel er ans ein indischen Großkapitalisten, um die Propaganda eigenartiges Mittel, sein ausschließliches Recht zu bezahlen, mit der sie den Sozialdemokraten ans diesen Blattitcl nachzuweisen. Es pasierte 11" i': ihm nämlich zufällig, baß irrtümlicherweise ans sein Postsparkassenkouto 100t! Kronen zu- geschrieben wurden, welche Herr A. Mraz eingelegt hatte. Ta Flögl der Meinung war. daß dieser Irrtum durch die Aelmlichkcit im Titel seines Blattes mit dem dcS Regierungs- vlact> entsco.i.den sei, behob er den Betrag von 1000 Kronen, obwohl er ans seine Rech- lr.titg nicht einmal eine Forderung von 50 X stehen baue, um nachzuweisen, das; sogar amtlichen Sie'cit eine Verwechslung zwischen sei- ,. t^ ! nein ntid dem Rcaiernngsblatte unterlaufe.—' l-' u'' fl ctn,, f tCK I Wegen dieser Ha? dlnng wurde er wegen Ber- ! brcchens des Betruges angeklagt und heute, vormittags von einem vicrglicdrigen Richter-! senat freigesprochen. Der Prozeß fand unter großem Zulauf statt, und man sah im Zu-! schauerraunt auch die Mitarbeiter Flöals den ent paar Stimmen abjagen. Das; sie in ihrer Demagogie sogar die Dummheit begehen wer- de", sich offen in eine Front mit den Tsche- chi ich nationalen zu stellen, hätten wir doch nicht erwartet. Nun fehlt nur noch der tsche- chische Jude, der den Dcntschgclben bei ihrer neuesten Tcntsch tschechischen Aktion gegen Inda mit Rat^und Tat zur Seite steht. „Deutsche Speisekarte." In einem großen .Hamburger Restaurant verzeichnete dieser Tage ein„Menü" unter anderen franzö- peisen folgende Spezialitäten": Kleinpachter, Achtung! Das Gesetz über die Verlängerung der Kleinpachtungen auf tvei- tere 3 Jahre vom 12. August, Nr. 313 d. Slg. i>. G. u. B. wurde mit 6. September kundgemacht. Jeder Kleinpächter möge sofort mit- tels rekommandierten Schreibens unter Berufung auf das obige Gesetz dem Besitzer mit- teilen, daß er die von ihm gepachteten Grund- stücke für die im Gesetze vorgesehene Inst weiter in Pacht behält. Wir machen alle Klein- Pächter aufmerksam, daß die Frist hicfür am HO. September zu Ende geht. Es versäume daher niemand die Geltendmachung seiner Ansprüche. Die Wiener Delephonbeamie» boykottier«» die Mors«. Tie Organisation der christlich- Scbweinsfilet mit Pommes frites. H i n- denburg Steak garniert en Casserolle. Filetsteak mit E- und Hindernissen. N a P o- l e o n-Kirschen. Hindenburg in der französischen Casserolle dem Namen des wie einträchtig ans der Speisekarte ginn des Krieges zcß in einer Flögl nicht genehmen Weise dar-! wütender Sprackweinigni.g ihre nationale ste ten würden und um dem zuvorzukommen,>Gc;innnilg zum Ausdruck brachten..oenle vet st ü r; t c n sie sich auf die I o u r a l i- iehren sie ohne besondere Beschwerden ihr stenlog e. um die dort anwesenden Rcdak-: französisch-englisches Filet-Steak mit lgnt teure: Frau Stivin vom„Pravo Lidn", deutschem) Ei und(gut deutsche») Hindernis Redakteur M ü h lstci n vom„Ceskc Slovo",^ sen. Der Napoleon„geniert" sie gar nicht Äette v. der Hnmanilät mißbilligen werden.— Den französischen Freimaurern scheinen also durch F r a n k r e i ch die„Grundsätze der Gcrcchtig- feit und der Humanität" während des Krie- ges und nachher nirgends verletzt worden zu fein. Tiefe Pazisisten machen sich die Arbeit -wirklich leicht. Von ihren Logen ans Prodi- gen sie in jedem Lande ganz dieselbe einseitige Gerechtigkeit, mit der die Pfaffen auf allen .Kanzeln die Schwerter der eigenen Nation segnete». Ein diebischer Eitenbahnbeamter. Am l. Sep- leinber vergaß der Eisenbahninspektor Sc red» ans Königgrän im Zuge eine Reisetasche»ni verschtedeneii G.egensiänd.tt int Werte von 20.00» Kronen. Die Tasche wurde vorn Schassner ge< fluiden und im Verkehrsbiiro auf dem Denis- bahnhose abgegeben.'Als sich der Verlnstirägcr dort meldete, war die Tasche»ich! z» finde» und es wurde festgestellt, daß sie sich der Telcgraplien- beatme Karl H a v l i c c l, dem sie übergebe» worden war, angeeignet hatte. Havlieek gestand nach längerem Leugnen die Tat ein und gab an, daß er die Sachen zu seiner Schwester nach Sachsen gebracht habe, wo sie auch tatsächlich anfoefunden wurden. Havlieek wurde dem Landes- strafacricht eingeliefert. Räuberischer Einbruch. Am September drangen nach tu Uhr abends drei unbekannte, mit Revolvern bewaffnete Männer in die Wob mnig des Wenzel Schulz auf der Einschicht dcl Wolar ein und raubten 3N00 Kronen in Bar und Wäsche- und Kleidungsstücke im Werte von etwa 1000 Kronen. Vor dem Hanse hielten zwei mv dere Männer Wache.'Aach den Räubern wird gefahndet. Unfälle. Am Wrjchowitzcr Bahnhos wurde gestern um ,'A Uhr nachmittags der.'Licihrige Koiitteioehilsc der Siaatsbaviien Alois Reidl ans Wrschowiv von der Lokomotive ergriffen, wobei er beide Füße und einige Rippen brach und eine schwere Verletzung am Kopfe erlitt. Er wurde denn mit dem Automobil der Reitlings aescllschast ins Allgemeine Krankenhaus über ffif>rt.— Der 30iäbri»e.Kutirficr dcS Braniker Brauhauses Matthias H oschil snhr vorgestern abends mit einem»weisvätmigen Lastwagen von Vodol gegen Branil. P>öblich scheuten die Pferde und Hoschik k-cl Vom Wagen herab, wobei ihm der linke Fuß über deni Knöchel zerschmettert wurde. Er wurde in- Allgemeine Krankenhaus überführt.— Das Versonenanto>'-Vl l»! fuhr gestern nachmittags in der KönigSstraßc in Lic mehr. Ter„Liebe Arpad" krieg! Junge. Man er- innert sich wohl der vor einigen Tagen seitens Solvjetrnsilands erhobenen Beschuldigung, das; )w Nemec von der„T r i b u n a" und O. Friscc? von der„Narodni Lisch" durch T r o h u n g e n ei n z u s ch ü ch t c r n. Frau Flögl drang ziierst in den Raum ein und b c- lchivivfte die anwesenden Journalisten...,..,....., Als Redakteur Mühlstein erklärte, das, der die Polnische Regierung zum Bol,chewikengeg^ Raum nur für Journalisten bestimmt sei, er-> 1,ei' Sawintow uttiinc L ezichniigen unterhatte, klärten F r i t s ch und F l ö a l die gesamten Das Material Tschitschcrins scheint schwer bela- Prager Journalisten für käuflich und Frie stend zu sein. Dciin Herr Tkirmnnt hat sich fügte hinzu, das; es ihm als„anständigen ante-> bemüßigt gesehen, einen Generalstabsoffizier rikanischen Journalisten" unmöglich sei, dem> Myslowski auf die Beine zu stellen, der bereit Syndikat der tschechoslowakischen Tagespresse i, c, Wodka und der heiligen Mutter von als Mitglied anzugehören. Da be i e rg r i ff Czenstochan zu schwören, das; er alle Totti- er Btiihlstciit a n de r Kchle. meiice der russischen Regierung gefälscht und C\>. f V t. r rw...,, i lillllU UU L 1411 11 Vil V II-UVUIV l II II},»l»»W 2.» Ä lcrI C" nt^"ach diesem Anstrüt.^. Narre» Tschitscherin blamabel be vom Bra identen des Strafgerichtes Garantien---.....• für die Sicherheit der Person im Gerichlrae- j iw.7".^bc.^E"ien beperen Beiveis da;..r. tute bloßgestellt sich die polnischen Herren fühlen, können wir uns gar nicht vorstellen. Denn wie verzweifelt schlecht muß es um ihre Ausreden stehen, wenn sie sich ans die Wege des„Lieben Arpad Reich" in seinem Kampf gegen die Do- cherbeit der Person im Gerichtsc bände.^ Der Präsident versicherte, das; ähn lichen Skandalen in Hinkunft vorgebeugt wer den würde. Tie Deutschgekbeu als Schützer des tschcchi scheu Staates. Die Teutschnational-„Sozia listen", die ja dem tschechischen Staate nicht. kumente der„Arbeiterzeitung" begeben?! deshalb bekämpfen, weil er ein Klassenstaat,^„,......„..,.. sondern weil er ein tschechischer Staat ist, kön- Bothaftung etne.- russischen Koitterrevottttlo- neu sich im Haß gegen alles Tschechische nicht s'G'>~'e Agentur„^|t Erpreß meldet ans genug tun, liefern aber selber den Beweis da-; Riga: Ter in der Mongolei von Roten Trnp- für, das; ihnen auch der Nationalismus nur als gefangene Heerführer Baron ll n g e r n- Phrase dient und daß sie sogar bereit sind, ihren j S t e r n b e r g ist dem sibirischen N c v o l n- Tschechenhaß aufzugeben, wenn ihnen in irgend t i o n s t r i b u n a l übergeben worden, unter einem Augenblick die Situation hiezn günstig der Anklage, daß er die Pläne Japans vcr- iMiffiirTf hnr nntic wirklichen ivollte, nämlich einen Pufferstaat zu bilden und di<^ Republik des Fernen Ostens zu vernichten, durch Ausrufung einer Monar- chic mit Michael 2t o m a n o>v a» der Spitze. Ter Pazifismus der französischen Frcimau- rer. Ans Paris wird gemeldet: In der erscheint. Der Dnyer„Tag" enthielt vor eini- gen Tagen einen großanfaeniachten Llrtikel, be- titelt„Tschechen und Inden". Dieser Aufsatz geht von dem Streik der Bankbeamten ans, der deswegen gescheitert sei. weil die„jüdischen Banken der Regierung den Kredit verweigerten, den sie zur Auszahlung der Bezüge der Staatsangestellten von den Banken bean- spruchle. Wir erwähnen hier nur nebenbei,! Hanptversgmmlniig der dem französischen das; an der Spitze derjenigen, die die Bankbe-^ Großorient angehörenden Delegierten der amten in ihrem gerechten Kampfe bezwangen,! Freimaurerlogen teilte der Vizepräsident mit, die„Zivnostenska banka" steht,^ic von^den be-^ es lvcrde binnen kurzent eine i n terna ti o- nale Konferenz der Freimaurer nach Genf einberufen werden. Er hob die pazifistischen Wünsche des Großorienis hervor und bemerkte, an diesen Zusammenkünften könnten französische Delegierte an der Seite von Vertretern d e u t s ch e r Logen teilnehmen, wenn die letzteren die von Deutschland im Laufe deZ.Krieges begangenen Bergewalti- kannten Ariern Dr. Preis und Dr. Raschln ae führt wird»nd die überhaupt keine Juden be- schäftigt. Das wissen die Schriftleiter des „Tag" ganz gut, aber es ist ihnen merkwür- digcr Weise ans einmal darum zu tun, den tschechischen Staat, gegen den sie doch sonst so glühenden Haß predigen, vor der riesengroßen Gefahr zu schützen, die ihm durch das Juden- tum droht und die Angst, die die Deutschnatio-,... nalcn mit den Tschechischnationalen auf einmal i gungen der Grundsätze der Gerechtigkeit und ben gegen einen lütendnt Vertonen Bannt, wndiirch die darin Friedrich W a g n e r, Wein> bändlcr an Prag»nd seine Frau Olga und der Vertreter Erich K a i f a ans Lieben ans da? Slraßenvslaitcr geschlendert wurden. Kafka er- hielt eine Verletzung am Kreuzbein lind Hüft- beiii. Die Frau Ol»a Waaner erhielt eine Vcr- lct'"»» der Halswirbel. Ter Hitsall war dadurch entstanden, daß der Ehausseur während der Fahrt die Verbiiidiiiigsschranbe des Vorderrades mit dem Volaiitrii verloren hatte und daher das Automobil nicht mehr aufhalten konnte. Literatur. „Sibirien a'.s Wlrtschastöreum- Einsührung in das Leben Sibiriens" von R ichard P Ohle. Kurt Schroetter, Verlag, Bonn»ttd Leipzig 1021. Ter Verfasser gibt zunächst eine kurze Geschichte des Landes, tittt dann das ungeheuere Gebiet geographisch und Wirtschaft» geographisch im einzelnen zu beschreiben. Von besonderem Interesse ist die Schilderung des Einflusses Japans in Ostsibirien Die Schlußfolgerungen, die der Vcr sasser zieht, können kurz folgendermaßen zu- samtttcngcsaßt werden: Das Land hat vorläufig noch rein kolonialen Charakter, es hat fast gar keine Industrie und nur geringen Eigenhandel. Es ist zu ausgedehnt und wird von zu wenig Atenschen bewohnt, es hat zu wenig Arbeits- kreiste. Die Osthälfte wird vielleicht von der gelben Rasse kolonisiert tverdett, Westjibirien konnte ein KolonisatiottSland für europäische An- siedler tvcrd-n. Das Büchlein ist übersichtlich gr schrieben und informativ.*1. OperetlcnschwankcS onntag nachmittag Knnst und wissen. Frau Roland verabschiedet sich heute in der „Zarin".— Die»teilte der heurigen Uraufführungen wird Samstag mit der Urprcmicrc von Wilhelm SchmidibontteS netter Komödie „Die Schauspieler" eröffnet. Leopold Kra- tner kreiert die Rolle des„Herrn ztt Pferde". Acnes Theater.'Morgen Donnerstag die neu- inszenierte Lortzing-Oper„Zar lind 3im« ni c r m a n n". Freitag Beethovens ,.F i d e l i o". Dirigent: Zemlinikh. Samstag nachts 10 Uhr Nachtvorstellung des iicuen „S ch e i d n n g s r c i s e", die Neuinszcniernug von Hmiptmanns„W e ber". Abends neninszeuiert Bizets„D ja utile I)" nnd DonizeNis„Lucia von Lamer- m vor c". llolhßiuiitfdirtft und Sozialpolitik. Tie Zcnlralgewerlslyaftslominissio» zur Er- nährungöfrage und zur zunehmenden Teue- rung. In ihrer Sitzung am ll>. September 1021 beschäftigte sich die Zcntralgcwcrkschafts- kommission des Deutschen Gewcrkschaslsbun- des mit der gegenwärtigen Ernährungslage, und mit der durch die Eriiährnngspolitit der Regierung hervorgerufeiien Erhöhung der Ko- sten der Lebenshaltung. Einleitend berichtete der Sekretär der Zenlralgewerkschastskommis- lion, daß ans cin-elncn Gebieten und Berufs» COltf gruppen Anregungen vorliegen, in der Ernäh mngSfrage entscheidende Schritte 51t nnterneh uttit und Vorkehrungen zur Abwehr der 7vt»f gen zu treffen, die a»S den zn erwartenden Preissteigerungen aller Lebensbedürfnisse für die breiten Massen der Arbeiter entstehen müssen. In der Aussprache darüber, an der sich die meisten KonnnissionSmitglieder bctei- tigtcn, wurde übereinstimmend hervorgehoben, dag vor allem die Regierung und die bürger« liehen Parteien für die Zustände vcrantwort- ! ich sind, die ans dem völligen Zusammen- v lche der staatlichen Lebensmittelversorgung hervorgehe», weil beide inner dem Druck der Agrarier dem freien Handel auch auf dem Lebcnsmittclmarkte die Bahn frei gemacht ha- ben. Alle Warnungen der sozialdemokratischen Vertreter im Parlament wurden überhört, die bürgerlichen Parteien waren versessen darauf, so rasch als möglich die staatliche Versorgung mit Lebensmittel los zu werden und den Agrariern einen vollen Sieg in ihrem Kampfe um ,'rohere Gewinne zu sichern. Tic Wirkungen zeigen sich bereits. Ein großer Teil der !r rilerschafi ist aus der staatlichen Brot- und ' rilversorgiing ausgeschieden und auch der kleine Teil, der noch die Mehl- und Brotkarten eroäl't, muß höhere Preise als die bisher üblichen dafür zahlen. Dazu kommt noch, daß im allgemeinen eine Teuerungswelle herein- bricht, die erhöhte Warenumsatzstcuer sich in den Preisen aller Waren empfindlich bemerk- bar machen wird und die Wohnungspreise in die Höhe gehen. Einen Ausgleich kann die Arbeiterschaft nur durch Erkämpfung !) ö Acre r L ohne herbeiführen, worauf in den nächsten Wochen die Gewerkschaften ihr Augenmerk zu richten haben werden. Nach r'. gehender Beratung wird beschlossen, Mitte Oltobcr eine neuerliche Sitzung der Zentral- gewerkschastskommission einzuberufen und daran anschließend eine Borständekonferenz ab- nihalten, in der über die in der Angelegenheit der zunehmenden Teuerung zu unternehmen- den Schritte cntgültig entschieden werden soll. Tic Verbände sind dahin zu unterrichten, daß möglichst genaue Angaben ans den Kreisen der Mitglieder über die Verteuerung der Lebens- Haltung eingeholt werden, mit welchen Anga- den die Lohnforderungen der Arbeiterschaft belegt werden sollen. Gleichzeitig sind die Ge- wcrkschaftsvcrbändc ans den Umstand aufmerk- fam zu machen, daß den Unternehmern durch den Wegfall der Brotkrone mit 4. September eine Ersparnis erwachsen ist, die schon seht in bestimmten Tvälfcn zur Gewährung einer Ten- crungszulage benützt werden kann. Die Bor- ftändekonfercuz wird sich außerdem mit den nötigen Vorarbeiten zur Durchführung des Ge- setzes über die Bctricbsansschüssc zu bcschäfti- gen haben. Leider entspricht das Gesetz nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses und des Senats keineswegs den Ansprüchen der ge- wcrkscho.ftlich organisierten Arbeiter, weil es alle Betriebe mit unter dreißig Arbeitern aus- schließt und den Wirkungskreis der Betriebs- ausschüsse(Betriebsräte) viel weiter ein- schränkt, als es in den gleichen Gesetzen in Deutschland und Oesterreich geschieht. Die Gewerkschaftsverbände und ihre Vertreter werden daraus bedacht sein, daß bei Wiedcrzu sammentritt des Abgeordnetenhauses, die not wendigen Verbesserungen des Gesetzes über die BetricbSausschüssc verlangt und ditrchgcsctzt werden. Sowohl in der Frage der zunehmen- den Teuerung und der Abwehr ihrer Folgen, als auch in Sachen des Betriebsrätegesetzes ist mit dem tschechoslowakischen_ Zentralgcwerk« schaftsrat wegen eines gemeinsamen Borge- Heus in Verbindung zu treten.— In zweiter Reihe befaßte sich die Sitzung der Zentralgc- Werkschaftskommission mit den Borgängen im Arbeiterhilfsansschuß für Rußland, ans dem die kommunistische Partei ausgeschieden ist. Tie Beschlüsse der Exekutive der Zentralgc- Sozialdemokrat Werkschaftskommission, die zur Durchführung der UnterstützungSaktion für Rußland gefaßt und an die Verbände hinnnsgcgcbcn wurden, werden von der Sitzung einstimmig bestätigt. Sollten sich weitere Arndcrungen iin Arbeiter« bilfsansschnß vollziehen, so wird die Zentral- gewerkschastskommission trotzdem daran fest- halten, im Weendes internationalen Gcwerk- schaftSbundes die von den Verbänden und ihren Mitgliedern aufgebrachten Mittel ihrem Zwecke zuzuführen. Inncrc Kämpfe in den tschechischen Gcwcrk- schaftcn. In der letzten Zeit haben sich die Gegensätze innerhalb der tschechischen Gcwerk- schaftcn verschärft. Tic Präger Zentralgcwerk- schaftskommission sieht sich veranlaßt, ciiftu. Aufruf gegen die kommunistische Wühlarbeit in den Gewerkschaften zu erlassen, in dem es unter anderem heißt:„worüber ist die Zeit der Zerstörung, cS beginnt die Zeit schöpfen- scher Arbeit. Die kommunistische Partei jedoch rechnet augenscheinlich nach ihren Kundgebnn- gen und Aktionen lediglich mit der Verzweiflung. DaS kann jedoch nicht die Politik der gewerkschaftlichen Organisationen sein, denn solche Richtlinien bestimmt der Gegner, nicht aber die eigene Kraft und freie Entscheidung. Einen schlechten Dienst leistet der Arbeiter- schaft derjenige, der es ihrem Klassengegner ermöglicht, sich über ihre Schwächen zn freuen und ihre Reserven vorzeitig in der schlechtesten Zeit, aus die schwächsten Positionen hcrauszu- locken. Tic Taktik des Kampfes der Gcwerk- schaftskommission war immer eigenes Werk, das Ergebnis vertraulicher, ernster Bcratnn- gen und ängstlicher, verantwortungsvoller Entscheidung. Heute schreibt jedoch jeder un- erfahrene Verfasser von Angriffen den Gcwerk- schaftsorganisationcn vor, was sie machen sol- len. Er fühlt nicht die Verantwortung, weil die Niederlage der Arbeiterschaft für ihn neues Agitationsinatcrial darstellt. Diese kurzsich- tigc Politik wird freilich nicht nur die Gewcrk- schaftskommission, sondern auch die Arbeiter- schaft büßen müssen".— Dagegen stellte sich die Landeskonferenz der tschechischen Gcwerk- schaftcn in Mähren aus einen anderen Stand- Punkt. In den dort angenommenen Rcsolu- tioncit wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Arbeiter das Vertrauen in kleine Kämpfe verlieren und alle ihre Hoffnungen in die Masscnabwchr der Angriffe der Unter- nehincr setzen. Deswegen muß sich die Ge» wcrkschastsorganisation gemäß den russischen Methoden umwandeln. Es wird die Einbcru- snng einer allgcwcrkschaftlichcn Konferenz der- langt, in der Anträge beraten werden sollen, wonach die bisherigen gewerkschaftlichen Vcr- bände in einen Verband vereinigt werden und die einzelnen Branchen Sektionen dieses Vcr bandeS bilden. Statt der vielen Gewerkschaft^ blättcr soll ein gewerkschaftliches Tagblatt erscheinen. Außerdem wurden auf der Konferenz für die Ostraucr Bergarbeiter und für das jugoslawische Proletariat Sympathiekundge- Hungen beschlossen. Keine passive Resistenz ans den Eisenbahnen. Das NachntittagSblatt des„Rüde Pravo" hatte am Montag gemeldet, daß die passive Resistenz aus den Eisenbahnen an demselben Abend um sieben Uhr abends beginnen werde. Wie die beiden tschechischen Eiscnbahncrorganisationcn mitteilen, stehen sie mit der im„Rüde Pravo" veröffentlichten Mitteilung in keinerlei Zusammenhang. Dir Gerslcnaussnhr doch verboten? Bekannt- lich hat c>er Ministerrat vor einigen Tagen beschlossen, 1000 Waggons Gerste zur Ausfuhr zuzulassen. Damit waren aber die Mälzer nicht einverstanden und der Vorsitzende des Mälzcreivcrbandcs, der ehemalige Minister liefen nun im Interesse der Mälzer Sturm gegen die beabsichtigte GerstcnauLfnhr. Es ist ihnen auch gelungen, den Beschluß des Ministerrates umzustoßen, woraus man ersehen kann, daß sogar ein Beschluß des Ministerrates umgestoßen werden kann, wenn er den Jnter- essen eines bestimmten Kreises der Agrarier entgegengesetzt ist. Den Konsumenten könnte das, wenn irgend eine Verfügung ihren Interessen zuwider ist, sicherlich nicht gelingen. Man ersieht daraus, daß die Agrarier die mächtigste Gesellschaftsklasse in diesem Staate sind, was in der Ernennung eines der ihren zum Ministerpräsidenten auch äußerlich zum Ausdruck kommen wird. Die Teuerung in Oesterreich. Die katastro- phalcn Wirkungen der fortschreitenden Entwertung der österreichischen Krone ersieht man aus dem Preisindex, den wir dem„Oesterreich!- scheu Volkswirt" entnehmen. Es sind darin die Preise für Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnung und Sonstiges für das erste Halb- jähr 1914 und im September 1921 Vergleichs- weise zusammengestellt. Darnach betrug der Index für die Vorkriegszeit 161.13, für diesen Monat jedoch 17.278.66. Es ist also das Lc- ben in Dcutschösterreich gegenwärtig 167mal so teuer wie es vor dem.Krieg gewesen ist. Wenn beispielsweise jemand in Wien vor dem Krieg 666 K monatlich verdient hat, ein Ein- kommen, bei dem eine Familie schlecht und recht ihr Auslangen fand, so müßte dieselbe Person heute mehr als 36.666 K im Monat verdienen, was natürlich nur bei Schiebern, Wucherern, selbständigen Unternehmern und Bankdircktorcn der Fall ist. Selbst wenn ein Mensch in Wien heute ein monatliches Ein- kommen von 16.666 K bat, beträgt sein Real- lohn nur ein Drittel dessen, was ein Arbeiter oder Angestellter verdient hat, der ein Monat- lichcS Einkommen von 366 K oder einen Wochenlohn von 75 Li gehabt hat. Irischer Eiscnbahncrstrcik. Nach einer Meldung der„Humanitee" aus London ist ein Streik der irischen Eisenbahner ausgebrochen, weil sich die Gesellschaften geweigert haben, über eine von ihnen beabsichtigte L 0 h n h e r- a b s c tz u n g von 6 Schilling pro Woche für die Lagerverwaltcr Besprechung mit den Vcr- tretern des Arbcitcrverbandcs abzuhalten. Der Wert der Krone. Es kosten: 166 Holland. Gulden 2G6G54, 160 Mark 81K, 166 sckiwciz. Franken 145114, 100 schwed. Krone» 183154, 166 Lire 356, 100 franz. Franken 566, 1 Pf. Sterling.61554, 1 Dollar 85, 166 bclg. Franken 56554, 160 Peso 166154, 160 Dinar 15454, 160 Lei 85, 160 österr. Kronen 5.4754, 100 poln. Mark 3.15, 100 nng. Kronen 15.10. Ins der Partei. Lokalorganisation Prag VII. Freitag, den 23. September, Vortrag des Genossen Dr. Klei 11. BczirkSkonferen, Pilsen Sonntag, den 35. Setz- tcmbcr. Tagesordnung: Berichte, Mahl der De- legierten zum Parteitag, Presse, Mahl der neuen Bczirkscxckulivc und Allgemeines. Die Bezirkskonferenz Ncutitschcin, die Sonntag, den 18. September im Arbciicrhcim in Zauchtcl stallfand und von 16 Lokalorganisa- tioncn beschickt war, befaßte sich mit der Er- richtung einer Bezirksarbcitcrschnlc und der Bil- düng eines BezirkS-BildungSansschnsseS. Als De- legierter zum Parteitag wurde der Bezirksvcr- traucnsmann Genosse Dr. Löwv, als Ersatzmann Genosse Brichta-Ncsselsdorf gewählt. Bei de» hierauf vorgenommenen Ersatzwahlen in die Bc- zirkSleitung wurde» die Genossen H. Nilschmann, Alois Czcrnotzky, Marie Schwarz(Ncutitschcin) und Josef Schneider(Botcnwald) mitgewählt. x r_• v„■, Auf der Karlsbader Bezirkskonferenz am 11. S 011 t a g sowie der Sekretär dusies Verbau-> d. M. wurde berichtet, daß trotz der Zcrstörungs- des, der frühere Ministerialrat T a m ch h n a,| arbeit der Kommunisten und der herrschenden 21. September 1921. Arbeitslosigkeit der Mitgliederstand 11*. halten werden konnte. Den Kommunisten war cS nur in vier Orlen von 53 des ganzen Bezirke? möglich, kommunistische Zellen zu errichten. Di« Konferenz faßte folgende Beschlüsse: Die Bil^ dnngsarbcit ist im Bezirke zweckentsprechend zck organisieren, der Kamps gegen die Zerstörnngs- arbeit der Kommunisten ist energisch fortzn-j setzen, um wieder Klarheit in die Köpfe der Ar« beitcrschaft zu bringen. Die Jugendorganisation, Turn- und Gesaiigsvcrcinc sind tatkräftigst zu unterstützen. Die ErnährimgSverhältnisse sink durch das Parlament neu zu regeln, die Arbeiter, schast hat den Kampf gegen jede Verschlechterung der Lebensverhältnisse energisch aufziinehmen. Die Kindcrfrcundebcwcgnng ist überall dort, wa die Vorbedingungen gegeben sind, zu fördern und es sind Genossinnen und Genossen zn suchen.' welche sich in den Dienst der Kinderfreimde- Organisation stellen. Ein Antrag, welcher das Wablverfohrcn zur Ausstellung von Kandidaten in die Nationalversammlung und in den Senat neu regelt, wurde an den Parteitag gestellt. Zwischen Partei und Gewerkschaft soll künftig eine innigere Zusammenarbeit platzgrciscn, auch wird von den Angestellten in den Partcinnter- nchninngen(Konsumvereinen) eine tatkräftige Mitarbeit verlangt. Die Bezirkskonferenz Töplitz, die Sonntag, den 18. September, in Tcplitz tagte, war von 35 Lokalorganisationen beschickt. Ans dem Sckreta» rialsbcrichtc geht hervor, daß es den fortgesetzten Versuchen von Links und RcchtS dock) nicht ge- lang, das Bollwerk der sozialdemokratischen Ar- beiterbcwcgung im Tcplitzcr Bezirke in seinen Grundsätzen zu lockern. Keine einzige Lokalocga- nisation im Bezirke wurde an die Kommunisten verloren. Auch aus dem Kassenbericht ist zu ent- nehmen, daß die Organisation so fest wie bisher steht. Der Jugendorganisation im Bezirke ist es gelungen, 23 Gruppen teilweise zu erholten, teil- weise neu aufzubauen. Von den kommunistischen Gruppen dagegen entfalten nur noch, vier eine VcrsammlungLtätigkcit, während man von den übrigen schon seit langem nichts mehr hört. Di« Konferenz, auf deren Tagesordnung unter an- dcrcm ein Referat des Senators Genossen Dr, Heller über„die politische Lage" stand, nahm einstimmig folgende drei Anträge an: Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand und den Klub der Abgeordneten und Senatoren, eine Aktion für die Gcsctzwcrdung der Alters- und Invalidenversicherung und Witwen- und Maisenvcrsorgung einzuleiten, 2. in der nächsten Session mit allen verfügbaren Mitteln für die Trennung von Kirche und Staat und Kirche und Schule einzutreten, 3. in der Nationalversamm- lnng einen Antrag einzubringen, wonach die tschechische Sprache für alle Volks-, Bürger- und Mittelschulen als relativ obliaatcr Unterrichts- gegenständ eingeführt wird. Als Delegierte zum Parteitag wurden folgende"'enosscn gewählt: Vorbach Ehrcnfried-Tcplitz, Mittler Wenzel-Zucki mantel, Pahclt Johaiin-Tnrn, Lichwalv Anna- Mcißkirchlitz«nd Jordan Emilic-Preasseditz. Di4 Mahl der neuen Bczirksvertrctnng ergab: De- zirkSvertrancnsmann Kremser Heinrich, erste Stellvertreter!» Jordan Emilie-Prcasscditz, zweiter Stellvertreter Patzclt Johann-Turn, Kassier Aksamit Alois-Tcplib, Stellvertreter!» Kühnel Agncs-Turn, BczirkSsckrctnr Vorbach Ehrcnfried- Tcplitz. Turnen und Sport. Bczirksmcister„Gleichheit" Aussig-Lerchcnsell — Bezirksmcister Kaadcn 4:1. Halbzeit 2:1, Ecken 5:1.„Gleichheit" gewann mit Leichtigkeit das Spiel und ist dadurch zum KreiSmcistcr zweiter Stelle vorgerückt. Schiedsrichter Lyst- Lcderer-Tcplitz leitete das Spiel zur vollsten Zu- fricdcnheit. Herausgeber: Dr. Ludwig E z e ch und Karl Eerm ak. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Siran ß Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. 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Darauf ist cS wohl auch zurückzuführen, daß beispielsweise in Böhmen, wo die Arbeitsvermittlung doch schon fahrelang eingelebt ist, im Jänner 1021 von! 100 offenen Stellen nur 01.7 beseht wurden> In Deutschland, dessen statistische Ausweise über den Arbeitsmarkt au Schnelligkeit und detaillierter Darstellung nichts zu wünschen! übrig lassen, ist die Quote der befehlen Stellen gegenüber den offenen eine viel höhere und. 'Prozcutzisfcrn von 00 und darüber keine Sek- tenhcit. Die Gesamtzahl der Arbeitssuchenden betrug> im Janner 112.758, im Febcr 123.731,1,. i. um 0.7 Prozent, und im März 133.830, d. i. um 13.7 Prozent mehr als im Jänner. Die Zahl der offenen Stellen betrug im Jänner 43.833, im Febcr 50.300 und im März 50.007, also um 14.8 Prozent, bczw. 34 8 Prozent mehr als im Jänner. Pom Jänner bis März sind also 21.078 Arbeitssuchende zugewachsen, die offenen Stellen haben aber nur»m 15.220| zugenommen. Es ist sehr zu bedauern, daß Dr. Reif hier nicht mehr ins Detail geht. Er f führt an, daß die gesteigerte Intensität der An-! Meldung auch eine Vermehrung der absoluten Bcschungsziffcr zur Folge..alte, nämlich! 27.413, 20.813 und 33.140, der Prozcntsah der! Arbeitssuchenden, die untergebracht werden: konnten, hielt sich aber auf ungefähr gleicher Höhe, nämlich 24.3 Prozent,21.7 Prozent und 24.8 Prozent. Hier wäre eine eingehende sta-' tistischc Darlegung dringend erforderlich. Denn' Wim trotz der höheren Zahl an offenen Stel- len immer nur ein Viertel der Arbeitsuchenden untergebracht wird, so drückt das deutlich ans, daß bei den übrigen drei Vierteln der gesamten Zahl von Arbeitssuchenden die Gefahr besteht, daß sie langfristige Arbeitslose werden. Allerdings stellt sich die Berhältnisziffcr der offenen Stellen zu den Arbeitssuchenden günstiger als die der wirklich besetzten Posten: sie betrug im Jänner 38.8, im Fcber 40.7 und stieg im Mär; auf 44.1 Prozent. In Deutschland ist es im Juli d. I. gelungen, nahezu die Hälfte aller Arbeitssuchenden(40.10 Prozent) unter- zubringen und nahezu drei Viertel(74.30 Pro- zcnt) aller offenen Stellen zu besetzen. Mas die Vermittln,igstätigkcit der einzelnen Anstalten betrifft, so war nur bei den gcwcrbc- genossenschaftlichen die Zahl der offenen Stellen größer als die der Arbeitssuchenden, in, März sogar um 21.2 Prozent, eine Erschcinug, die mit der hohen Qualität der Arbeitssuchenden zu erklären sein dürfte. Diese Anstalten haben auch prozentuell am meisten untergebracht, Sozialdemokrat HB 45^ bis 40.0 Prozent der Arbeitssn- Ratschläge geblieben. stechende unterbringen mußten als alle anderen -uistaltcn zusammengenommen. Trotzdem ha- bei, sie 02.3 bis 00.5 Prozent der offenen Stel- len besetzt, was eine anerkennenswerte Leistung r I n~J C gewerkschaftlichen VcrmittlungSan- Italtcu konnten im Jänner noch 50.0 Prozent der offenen Stellen besehen, in, Febcr nur mehr -.4.0 Prozent, im März 20.3 Prozent. Die Ziffern über den Arbeitsandrang und die Beschaftigungsmöglichkcit in den einzelnen Branchen kennzeichnen nur wieder einmal deutlich die schlechte Lage unserer Industrie im letzten Winter._ Wir ersehen aus diesen offi- zielen Ziffern über die letzten Wintermonatc, daß z. B. in der Nahrungsmittelindustrie im Jänner auf 100 Arbeitsuchende nur 8.1 freie Posten entfielen, in der Textilindustrie in, Febcr 11.1 und daß in der Maschinen- und Vcrkchrsnlitclindustrie die Zahl der Arbeit- suchenden sechs- bis siebenmal größer war als die der offenen Stellen. Immerhin ist in einigen Branchen im März eine gewisse Besse- rnng eingetreten, so ist z. B. im Baugewerbe die Zahl der offenen Stellen auf mehr als das Doppelte gestiegen. Zusammenfassend meint der Perfasscr, daß in der Land- und Forstwirt- schaft Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, bei häuslichen Dienstnehmern ein Mangel an Arbeitskräften und in Industrie und Handel ein großer Ncbcrschuß an Arbcit- suchenden besteht. Allerdings leidet das ganze Bild an einem großen Mangel: es fehlen wichtige Details 3er territorialen Organisation. Die Schluß- Ziffern nach einzelnen Ländern znsammenge- faßt können nicht genügen. Denn alle Länder, sind auch in nationaler Hinsicht nicht einheit- llch und es drängt sich unwillkürlich die Frage ans: in welchen Städten und Bezirken vernachlässigt. Beschwerde, die von gewerkschaftlicher' Seite immer wieder erhoben wird. Wenn es nicht gelingt, aufgestellte Leitsätze in die lebensvolle Wirklichkeit»„„zusetzen, dann werden die kommenden Monate der Arbeits,narktstatistik ein umso trüberes Bild bringen müssen. Ausland. Bcamtcnclend in Deutschöstcrrcich Die Not der dcntschösterrcichischcn Bcam- tcn hat diese wieder cinnial gezwungen, an die Regierung mit Forderungen heranzutreten. Mit einem Aufwand von l'A Milliarden erhalten sie vorderhand eine einmalige Aushilfe in der Höhe des halben Monatsgehaltes, in» ganzen soll der einzelne mit 4500 K bedacht werden. Angesichts der Preise in Dentschöstcr- reich bedeutet dieser einmalige Zuschuß so gut wie nichts, der Staat aber wird bei seiner Ar- mnt durch die Höhe der Gesamtsummen schwer belastet. Schwer belastet wird das Proletariat, da es die Unkosten mit indirekten Steuer» wird tragen müssen. Tic Unmöglichkeit des Staats- gcbildcs, welches der Friede von St. Gennain gcschafen hat, kommt eben in jeder Kleinigkeit z»»,n Ausdruck. Ungarisch-polnischer Wasfenschirniggel. Bor einigen Tagen machte durch die Presse ein Brief die Runde, welcher zeigte, in welch ungeheuerlicher Menge Ungarn und Polen auch j: noch aus Teutschöstcrrcich Waffen und Munition erhalten, natürlich für die Zwecke der Gegenrevolution, des Krieges mit Rußland, um Oberschlesicn n dgl. Uberfüssiger Seife& KonzentrationSkabinetts. Ebenso kündigen ihn ie Liberalen heftigen Kamps an. Warschau, 2». September.(Tsch ,PB, Funk.) In Lemberg hat eine Versammlung der Staatsange st eilten stattgefunden, in der als n i e d r i g ft e Entlohnung für die StaatSangestellten 50.000 poln. Mark verlangt wurde. Warschau, 10. September.(PTA.) Das Mini« terinm des Aeußeren wird wie bisher von Skir» munt geleitet werden. Warschau, 10. Sepien,ber.(PTA.) Die lett« ländische Regierung verlautbart amtlich, daß Lettland in de» Völkerbund ausge- l, o m m c n wurde. Warschau, 10. September.(PTA.) Die Vcr- Handlungen der p a l»i s°"-- gegebenen Ausweise über die Zahl der Arbeits- losen bieten für die Beantwortung dieser Frage gewisse Anhaltspunkte. Es sind namentlich die deutsche» Jndnstricgcgendcii, die unter der schleichenden Wirtschaftskrise an» bittersten und — was für Maßnahmen Produktiver Arbeits- loscnfürsorge erheblich ins Gewicht fällt— am längsten leiden. Wenn über diese Erscheinung statistisches Material der Arbeitsnachweise im Detail veröffentlicht würde, so könnte die Klarheit der Ziffern nur überzeugender wirken. Bon» Standpunkt sozialer und Volkswirtschaft- lichcr Notwendigkeit würde man es vielleicht einsehen, daß der Arbeitsuchende, der schon längere Zeit— etwa ein halbes Jahr— die Türklinke in der Arbeitsverinittlung putzen muß, auch cinnial außer seiner kargen Unter- stützung einen größeren Zuschuß notwendig hat. Jetzt macht nian in Deutschland langfri- stig Erwerbslosen einmalige Anschafflingsbei- träge von 500 Mark Pro Person flüssig, aller- dings nicht in Geld, sondern in Bedarfsgegeii- ständen, wobei dort die verteilenden Stellen scharf darauf sehen, daß den armen Lc»»ten gute Ware und nicht etwa der letzte Schund gelic- fcrt wird. Eine andere Lehre, die man ans den mitgeteilten Ziffern ziehen könnte, ist die schleunige und konscgucnte Durchführung von Vorschläge sind wohl genug gemacht worden, Maßnahmen produktiver Arbcitslosciifürsorgc. aber es sind in der Mehrzahl nur gut gcincintc der Situation; und er dachte an Soldaten, an unzählige Heere, an eine kleine Wache, die auf einen Befehl wartet, an die kleine Schar, die einen Verbrecher im Gebirge verfolgt, an den Verbrecher, vereinsamtes und seltsames Wesen, das aus seiner Einsamkeit ich weiß nicht welche Ucbcrlcgenhcit schöpft, und an sich selbst: da setzte er sich auf einen Stein und schrieb, der Nacht nicht achtend, mit seiner winzigen, knap- Pen, bitter» Schrift auf ein Blatt des Notizbn- chcs: „Wesen der Organisation: Ans dir einen Körper zit machen, Du bist ein ausübender Körper, von einem fremden Willen gelenkt: fcn bist ein Teil— und also eine wesentlich abhän- gigc Sache. Den Führer erkannt habend, hast du die Motive und das Ziel, den Willen und die Entscheidung auf ihn übertragen: und es verbleibt dir nur die Passive Seele, welche du als ein Leiden empfindest." * „Gut," sagte schließlich der Kommissär,„wir umzingeln den Berg. Wir sind zwölf, und da- zu laste ich noch Gendarmen holen; wir werden zwanzig sein. Vier von uns besetzen den Fahr- weg; Sic, Herr, werden sie führen. Vier blci- bei» als Wache auf dem Fußpfad; Sie, Herr, nehmen dies auf sich. Anders als über den Weg kann sich der Mörder in der Nacht nicht fortwagen. Ich selbst steige den Fußpfad cm- por. Jemand kommt mit mir/ „Ich," meldete sich Slavik. „Gut. D-tcktiv Pilbauer begibt sich gleichzeitig auf den Fahrwed. Jemand Mutiger geht init ih»n." „Ich," meldete sich Jevisck, entschlossen die Brille zurechtrückend. „Gut. Bei der Einschichte treffen wir uns. Bis die Gendarmen kommen, bleiben zwei un- ten bei den Wegen als Wache. Mit den übrigen auch unbekannt seien ran haben wir nie gezweifelt. Wofür klappt denn die Organisation des intcrternatioiialcii Schmuggels so vorzüglich? Die polnischen und ungarischen Militärbehörden werden vermut- lich trotzdem die Wiener amtliche Mitteilung als Alibi für sich auszunutzen versuchen. Nun, wohl bekomm?. Glauben wirds ihnen ja doch kein vernünftiger Mensch. Die Thronfolge im südslavische» Königreich. Das jngoslavische Preßbüro verbreitet sich in ziemlich aufgeregtem Tone über die Mel düngen, daß der Bruder des Königs Alexander Prinz Georg, Anspruch auf die Thronfolge er- hebe und daß darnach die Verhältnisse des Staa tes recht»„gefestigt erschienen. Wir entnehmen dem offiziellen Bericht mit der gebührenden Ehrfurcht, daß dem nicht so sei und daß Prinz Georg nebst einigen anderen erbberechtigten Prinzen als erster den Treueid geleistet habe. Tic Karagcorgcwitschc schauen eben, seitdem sie im Blut der Obrenowitsche ihr inzwischen ge- waltig angewachsenes Thrönchen errichtet ba- ben, auf gute curopischc Sitten. Also lieb Va- tcrland magst ruhig sein. Bukarest, 20. September. Der Widerstand ge- gen das Kabinett Avarcscu wächst. Die Irans- sylvanischc Nationalpartei verlangt seine Dc- misston, reine Wahlen»nd die Bildung eines steigt ihr alle ans de» Gipfel des Berges zur Einschicht empor.— Antreten, meine Herren!" So ward der Berg umzingelt. Es dämmerte schon, als Kommissär Lobeda und Slavik den Gipfel des Berges erstiegen. Obgleich es dunkel und rauh regnete, Pfiff der Kommissär dünn vor sich hin Ivie ein zufriedenes Böglcin.„Was sagen Sic dazu?" fragte er auf einmal. „Ich wundere mich," sagte Slavik;„ich habe geglaubt... ich habe mir die ganze Sache an ders vorgestellt. Mich interessierte die Lösung; ich fühlte ein Geheimnis in all dem... Aber dies hier ist nur eine Jagd. Ein Bärenzng. Verfolgung eines Verbrechers." „Was andres haben Sie erwartet?" „Eine Lösung. Der ganze Fall ist maßlos dunkel. Es ist etwas Ungewöhnliches gcschc- hen. Schon der namenlose Tote,— haben Sic das nicht gleich, gleich über ihm gefühlt?" „Ja," sagte der Kommissär.„Ich weiß eigentlich nicht warum, aber— es ist so rätscl- Haft. Ich denke ungern daran." „Seit früh martere ich mich," fuhr Slavik fort.„Jedes Geheimnis ist wie eine Aufgabe, und nur darum muß ich mich damit befassen. Mich interessiert nicht, daß es ein Verbrechen ist; aber daß es so unerklärlich ist. Nur deshalb muß ich dem nachgehen." „Bis wir ihn fangen," sagte der Kommissär. „Ja." wandte Slavik ein,„anstatt daS Geheimnis zu lösen, wollen wir es nur erkunden. Einfach verhören. Das eben gefällt mir nicht. Das ist furchtbar uniutettigent. Vielleicht fangen wir ihn, aber es wird nur mehr das rohe Interesse des Faktums sein. Dos Geheimnis ist. eine Sache der Seele: jedes Rätsel ist gleichsam von geistigem Hauch umweht.•^ Nur wenn er dem Rätsel begegnet, wird sich Kommunisten untereinander« Die tschechischen Kommunisten gegen die deutschen. Das Zentralorgan der tschechischen Kommu- nisten„Rndc Pravo" bespricht ausführlich die letzte Sitzung des Parteivorstandes der beut- scheu kommunistischen Partei und knüpft da- ran folgende allgemeine Bemerkungen: „So wie der Verlauf des Moskauer Kon- gresteS, so zeigt auch der jetzige Beschluß(des Parteivorstandes der deutschen kommnnisti- schen Partei. Arn». d. Red.), daß in wichti- gen Dingen unser kritischer Standpunkt bc- rechtigt war. Darum wird eS auch nicht als störend empfunden werden dürfen, wenn wir auf dem Vereinigungsparteitag in vol» lcm Umfange»nd in voller Deutlichkeit einige Fragen zur Diskussion bringen werden (organisatorischer, taktischer, finanzieller und persönlicher?lrt), über die es nnlcr uns sehr klare Vereinbarungen wird geben müssen, sollen wir die Sicherheit haben, daß wir wirklich gute Freunde bleiben. Jeder würde sich täuschen, der denken würde, daß diese Dinge sich umgehen oder durch irgend ein Diktat erledigen lassen würden, durch eine Ucberraschilng, durch ein Stellen vor fertige Tatsachen oder eine solche persönliche Be- setzung der künftigen Körperschaften der ge- meinsamen Partei, welche den Willen und die Intentionen der t s ch c- ch i s ch c» Partei nicht genügend z n m?l n s d p, ck b ring c n würde. Ins- besondere hiniichtlich der finanziellen Dinge muß in jeder Hinsicht schon vor dem Parteitag alles klar gestellt werden. Nur so können wir der überaus unleidlichen und gleichzeitig sehr ernsten Ncberraschnng aus- weichen, welche nach der Vereinigung un- scre Jugendorganisation durchmachen müßte und die noch lange nicht überwunden und beendigt ist. Auch die Fälle von Vcrra waren in der letzten Zeit so häufig, daß wir darob nachdenklich werden müssen und daß wir auf dem Parteitag die Umstände in Erwägung ziehen müssen, unter welchen diese typisch erwachsen. Der wirkliche demokratische Zentralismus, der aus der eigenen der Mensch des eigenen Geistes beimißt; und er empfindet Zittern und Bangheit, Timor Hol.. Angst des Geistes. Der Materialismus ist überhaupt ohne Geheimnis. Ohne Angst. Ohne Mint zur Angst. Kurz, ich habe eine innere Lösung erwartet." „Haben Sie vielleicht einen Revolver bei sich?" fragte der Kommissär. „Nein," sagte Slavik verdrießlich. „Schade. Ich auch nicht." „Sic sehen, fuhr Slavik fort,„da? alles ist nur Romantik. Nacht! Berge! Und zu all- dem noch ein Revolver! Ucbrigcns haben»vir den Weg verloren! Wie ist daS alles äußer- lich!" „Nein, Herr, schauen Sic," wandte der Kommissär friedlich ein,„wir Detektive sind wahrlich keine Philosophen. Für uns ist daS eine rein technische Angelegenheit der Praxis. Glanben Sic, Herr, eine jede Praxis sieht von ferne romantisch aus. Auch der Rc- volver ist nur ein Werkzeug, genau so wie eine Zange oder ein Pslng. Uebrigens haben wir den Weg nicht verloren." Schweigend stiegen sie wieder den rauhen Weg hinan, der phantastisch bleich war unter dem dunkelnden Wald; er schien unwirklich und eilte malt ihren Schritten voran wie eine Ahnung.„Haben Sic eine innere Lösung er- wartet?" ließ sich plötzlich der Kommissär vcr- nehmen.„Aber im Aletier gibt es keine in- nerlichen'Z-sungon. Vielleicht wäre es mög- lich, ein Feld durch ein bloßes Gebet fruchtbar zu machen: aber das wäre technisch schlecht. Vielleicht sind dl? innerlichen Wege die kür- zesicn»nd direktesten von allen; aber sie sind technisch unrichtig. Vielleicht wäre es möglich, ein Verbrechen durch eine bloße sittliche Ah- Mlng zu erraten; akcr die Intuition ist unfach- ! gemäß. Alle Detektive in den Romanen ar- Seite 4. Kraft erwächst, die enge Vereinigung mit den proletarischen Massen und ihren Augenblicke intcrcssen. die rücksichtslose Zertrümmening der auftretenden Tendenzen des n a t i o- n a l c n Pols ch cwis in» s und tiefrevo lntionäre Moral sind die»»crläßlicheii Gnindlagen, auf denen die internationale einheitliche konnnunistische Partei sich gedeihlich entwickeln kann. Wir haben diese Dinge in der letzten Zeit ans bestimmten taktischen Gründe» absichtlich nicht diskutiert . aber eine g c>v i s s e A n d r n t n n gehalten wir zur Beachtung unserer(Genossen für n n bedingt n o t>v e n d i g. Die Sprache, die hier das„N»de Bravo" hegen die denlschen Koiiliimnisteil führt, ist so scharf, wie dies seit der Entstehung der kommunistischen Bewegung noch nicht der Fall ge Wesen ist. Tie Gegensätze zwischen den den! scheu und d''ii tschechischen.Komiimnisteit müs sen schwere sein, wenn das Zcntralorga» der tschechischen Kommunisten gegen die deutsche» Koiiiiiiunisten in so außerordentlicher Form Bischuldigniigen erhebt. Diese Gegensätze werden, wie das„Tndc Pravo" sagt, auf dem Bercinigiliigsparteitag zur Sprache gebracht werden und man wird dann mehr erfahre», als im„!>inde Pravo" angedeutet ist. Sicher lich spielen persönliche fragen, Ivie dies das „Rndc Pravo" selbst zugibt, eine große Rolle. Por allein der Gegensatz der Anssassun- gen der beiden Führer der Parteien, K r c i- b i ch und S m c r a l. Zart berührt sind ge- wisse finanzielle Vorgänge, die sich bei der Vereinigung der deutschen und tschechischen koiniiiinlistlschen Jugend zugetragen ha- ben. Daß da?„Nnde Pravo" mit derart heil len Dinge» in die Ocffentlichkcit slüchtet, ist beachtenswert. Roch ausfallender sind die diink len AndeutungenüberFällcvon Verrat, die sich in letzter Zeit so oft zugetragen haben, daß diese vom Organ des Dr. Sincral als typisch bezeichnet werden. Der Verrat in der kommunistischen Partei als typischer Vorgang, eine schwerere Anschuldigung kann man Wohl gegen eine Partei nicht erheben. Eine weitere schwere Beschuldigung ist darin zu erblicken, daß das„Rüde Pravo" die M oral als not wendige Grundlage der neuen Partei gegen die deutschen Kommunisten polemisch hervor hebt, was jeder nachdenkliche Leser nur so bei! tc» kann, das; die Moral der deutschen Kommu- nisten ihren tsa'jcchische» Gesinnungsgenossen als nicht ganz einwandfrei erscheint. Schließ- lich schlägt der Herr Dr. Snicral ans die n a- t i o n a l c Trommel, indem er den tschc- chischcn.Kommunisten das Gespenst eines dciitschnatioiialcn Bolschewismus an die Wand nialt. Wie man sieht, folgt der Begeisterung über die einheitliche koinuiunistische Partei der Katzenjammer, noch bevor die unter großen Tamtam angekündigte Partei jja* Licht der Welt erblickt hat. Die Kreuel der ijorlhyliiuiditen. In den letzten Tagen hat die Wiener Politische Korrespondenz den Auszug eines amtlichen Protokolls veröffentlicht, das mit dem zur Einrüctung ins Biirgcnland kommandiert gewesenen österreichischen Finanzwach- vberkommissärs Richard Strohschneider nach seiner Rückkehr aufgciiommcn wurde. Strohschneider rückte am 28. August ins Bnrgcii- land ab. Nach mehreren kleinen Bandenan- griffen, die abgewiesen werden konnten, kam r§ am 4. September zu einem großen, konzcn- beiten technisch schlecht. Allzu persönlich, allzu erfinderisch. Ihre Methode ist vcrbrcchcrhast und nicht detektivisch. Der rechte Weg ist ein andrer." „Welcher?" „Soziale Routine. Organisation. Schauen Sic, es existiert eine Technik, der Menschen- bcherrschniig,— tatsächlich eine Technik, weil sie mit dem Menschen wie mit einem Werkzeug verfährt. Darin ist ein Fortschritt; was per- sönlichc Kunst gewesen, wird zur Technik. Alles, waü wir berühren, verwandelt sich in ein Werkzeug. Auch der Mensch. Auch Sic selbst. Rur lencr oben entwindet sich uns." „Gott?" „Nein, der Mensch. Der Verbrecher, welcher sticht. Und ich bin also nichts als die zufassende 'Hand der Macht. Ich löse nichts, und je stärker ich zudrücke, desto eher erkenne ich in mir die Macht, die mich durchläuft. Nur die Hand, ,es sei; aber wenigstens fühle ich diese furcht- bare und niizögerndc Kraft, die durch mich schlägt. Die heute wieder zuschlagen wird. Die Kraft deS Gesetzes." Der Kommissär verstummte; es war schon Nacht, und es stolperte sich schwer über Wurzeln und Gestein hinan. Tatsächlich hatten sie den Pfad verloren und krochen blind den Hang empor durch rcgenspritzciidcs Gesträuch, mit den zcrpcitschten Händen sich an den Boden klammernd. Endlich fanden sie irgendein Dächlcin zum Füllern des MldcS. ES war kein schöner Ort; aber eL ließ sich da wenigstens rauchen inmitten des großen, nassen Brau- senS der Berge. In den unendlichen Ausdehnungen der Nacht strömte dunkler Regen nieder; nur ir gendwo barst ein Ast; nur irgendwo riß sich «in Stein los und stürzte über den Hang sprin gcnd wie ein gigantisches Stampscn nieder; Sozialt irischen Angriff, bei dem dir Ungarn mit Ma schinengetvehrcn und Handgranaten vorgin gen. Bor der Uebermacht des Gegners zurück loeicfy.md, wurde die Kolonne bei Bubendorf tu n de» Banden angehalten und drei Gendar nie» und sieben Finauzwachbeanitc gefangen genommen. Auf die Test erreicher, die sich er geben mußten, kam der ungarische Kommandant, ein Oberleutnant in Zivilkleidung, zu und sagte ihnen:„H i c r sc h t i hr P r o- nayl r n p P e n, i a r k o m m u n i st i s ch c s Gesindcl nt it cii vor koinm it n i sti- scheu!)t c g i c r n n g!" Als Strohschneider eine Erwiderung wagte, erhielt er vom Ober- lcutiiant zwei Ohrseigen; auch andere Finanz- lvachbeamte wurden gcvhrseigt.^ Sie mußten dann fast die ganze Bekleidung ab- legen und wurden von der 200 bis 000 Mann starken Bande bis in die Nähe der alten ungarischen Grenze transportiert. Nach dem Gefechte erklärte der Bandenkommandant: „Euch Finanzwachen und Gendarmen geschieht nichts, ihr müßtet eben eurer Regierung ge- horchen, aber euch Reichswehrlcute, die ihr Kommunist«» und Söldlinge seid, lasse ich a»'hängen! RcichSwehrleiitc machen tvir »'cht>i! Gcfaiigencn." In der Tat wurde der i ch. der beiden trotz der Beteuerung, er sei kein .iitrmuiit, ans die Seite geführt, von einem Bau'-.Mitglied an einen Baum gehängt. Der '.• Reichswehrmann mußte seine Kleider ab egeu und wurde durch zwei Gewehrschüsse getötet. Die Gendarmen und Finanzwachen durften wieder Kleider und Schuhe anziehen und wurden von einem Teile der Bandcnmit- flieber nach Obcrwarth gebracht. Am 12. September kam der Baildciikommandant in o-n Arrest, um Strohschneider anzukündigen, dciß er am nächsten Tage als Parlamentär über die Grenze zu gehen haben werde, um den Austausch der Gefangenen und Internier- tcn z» veranlassen, Der Kommandant bc- schimpfte die österreichische Regierung bei die- fer Gelegenheit als S ch W e i n c r e g i c- r n n g und K o m m n n i st c n g c s i n d e l. Ans Strohschneiders Aussagen ersieht man, wie ans die Ocstcrrcicher, die in Zlusftihrung der Befehle der Gencralsmission in Oedcn- bürg das Biirgenland betraten, von den Ungarn förmlich Jagd gemacht wurde. Tic österreichische Ncaicruiig hat es selbstvcrständ lich nicht verabsäumt, das in der Aussage Strohschneiders enthaltene Material den di- plomatischen Vertretern der Großmächte zu unterbreiten. Der Streik bei der Firma Änton Nichters Aöhuc^ Miidena^beendet. Die angekündigte Aussperrung für den Fried- länder Bezirk widerrufe». lieber die Entstehung und den Stand dieses Streikes Wurde mehrmals berichtet, so daß auf die ganze Vorgeschichte an dieser Stelle nicht eingegangen zu werden braucht. Bekanntlich bandelt es sich um den Austritt christlicher Ar- beiter aus der Union der Textilarbeiter. Die Union der Textilarbeiter bildete vor den mehr- facti berichteten Vorkommnissen die einheitliche Betriebsorganisation in dieser Fabrik. Die lokalen Verhandlungen, bei denen außer den Beteiligten auch Gewcrbeinspcktorat und Bc- zirkshaiiptmamischaft intervenierten, führten während des 4 Wochen dauernden Streiks zu feineut Ergebnis. Die Unternehmcrorgaiiisa- tion kündigte dann mit Publikation vom 8. alles übrige verschlang das breite Rauschen des Regens. Stabil lauschte bang, wie verloren im ausgedehnten und undurchdringlichen Dunkel der ganzen Welt. Da durchlief ihn ein schwaches, gleichsam elektrisches Beben; es kam immer stärker und länger wieder, und plötzlich war es ein ergreifendes, krampfhaftes Zittern. „Was ist Ihnen?" schrie Slavik ans. „Nichts," stammelte der Kommissär,„es ist nichts... Nur die Furcht... Einen Augenblick! Warten Sic einen Augenblick!" „Weshalb fürchten Sic sich?" „Ich weiß nicht... Nur das, was sie von ihm sagten... Ich wollte nicht daran denken. Sic spüren es nicht?" „Nein. Nur die Angst des Geistes." „Das ist es nicht. Etwas Schlimmeres, Furcht... Ich ertrage es nicht." „Kommen Sie lieber," drängte Slavik, dem nicht wohl zu werden begann... „Gleich... Gehen Sic voraus. Leise. Gc- Heu Sic!" Es ging nur ans allen Vieren zwischen Felsen hindurch. Vielleicht kann man nicht mehr hö- her.„Gehen Sic!" stieß der Kommissär zwi- scheu den Zähnen hervor. Sich Hände und Knie zerlöchernd, krallte sich Slavik hinan; erst als'er den Psad wiederfand, durchfuhr ihn ein Schauer des Entsetzens: Es hätte ja genügt, mit einem Fuße auszugleiten— _ Der Kommissär überholte ihn stumm und eilte über den Gipfel hin. In der Einschichte war Licht. Ter Kommissär pochte leise, und die Tür öffnete sich halb für ein Auge.„Hier die Polizei," flüsterte der Kommissär, und die Tür flog aufeinander wie in einem Hauch der Erleichterung.„Gott sei Tank." flüsterte der Hauswirt geheimnisvoll und legte, die. Büchse beiseite,„ach, Gott fei Dank," emokrat September die A u 5| p e v r n n g der Tcxlil- arbciter für den Fricdländer Bezirk an. Im Laufe der Vorwoche trat eine Wendung der Dinge insofern ein, als sich die Arbeit- gcberl?a ii p t ste ll e der Unternehmer« Organisation an unsere Z c» t ra l g e w c r k- s ch a f t S k o m m i s s i o» iitit_ dem Vorschlage wendete, eine Aussprache zwischen den beiden Zentralstellen zwecks Anbahnung neuer Verhandlungen zur Beilegung des Konfliktes zu halten. Mit der ausdrücklichen Feststellung, daß eine solche Besprechung zunächst unver- bindlicher Natur sei, sagte die Zentralgewcrk- schaftskommissivn zu und es fanden dann am Dienstag und Donnerstag Besprechungen mit Vertreter der Zeiitralgcwerkschaftskommission lvaren. M a c o n it, H ans tu ann und K i r ch h o s. Die Besprechungen hatten das Ergebnis, daß die Vertreter der Zcntralgc- werlsciio-tskominission es übernahmen, einen Vorschlag für eine neue Verhandlnngsbasis vorzulegen und den Beteiligten ans Seite der Arbeiterschaft die Neuaufnahme der Verhandlungen zu empfehlen. Die so zustande gekom- mcne Verhandlung fand am Samstag den 17. d. M. unter dem Vorsitz des Präsidenten der Arbeitgcber-Hanptsteflc, Herrn C i ch o r i u s in Reichcnbcrg statt. Sic war zusammenge- setzt ans Vertretern der Arbeitgebcr-Haupt- stelle, der Zentralgewerkschastskonimissioii, des Unionsvorstandcs der Textilarbeiter des Kreis- verbände Reichenbcrg vom Deutschen Haupt- Verbandes der Industrie, dem Bczirkssckreta- riate der Union der Textilarbeiter in Neustadt a. T., der Ortsgruppe Fricdland des Indu- striellenvcrbandcs und den PertraucnSmän- iicrn der Arbeiterschaft der Firma Anton Rich- tcrs Söhne. Macoun legte mit ausführlicher Begründung, die sich insbesondere auf die vcr- tragsrechtliche und organisatorische Bedeutung des Vorschlages erstreckte, folgenden Berhand- lungsvorschlag der Zcntralgewcrkschaftskom- Mission vor: Die in Betracht kommenden christlichen Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Anton Richters Söhne in Mildenau gehören bis zum Abschluß eines neuen Lohn- und Arbeitsvertrages für de» Fricdländer Bezirk oder bis zur Erneuerung des bestehenden Vertrages der Union der Textilarbeiter an. Im Zeitpunkte der Vcrtragsverhandlungen wird dann auch über die strittigen Organisa- tionsfragc verhandelt. Dieser Vorschlag, war dann Gegenstand der mcritorischcn Beratung. Die Vertretung der Arbeiterschaft kleidete den Vorschlag der Zentralgewerkschaftskoinmission in drei Punkte, welche dann als Grundlage von den Untcrnchmervertretcrn für ihre Ab- ändernngsvorschkäge genommen wurden. Nach langen Auseinandersetzungen kam dann doch ein Ergebnis zustande, welches in vier Punkten gipfelt, die wir nur in den wesentlichen Teilen wiederhole». Punkt 1: Zum Zwecke der Beilegung des Konfliktes wird empfohlen, daß die ausgeschiedenen christlichen Arbeiter bis zu einem neuen Vertragsabschluß der Union der Textilarbeiter wieder angehören. Punkt 2: Eine Kommission der an der Heu- tigen Verhandlung beteiligten Körperschaften hat sich vor den neuen Bcrtragsvcrhandlungcn mit der Organisationsfragc zu beschäftigen. Punkt 3: Eine zweite.Kommission unter Mitwirkung der heute vertretenen.Körper- schaftcn, zusammengesetzt ans Arbeitern der Firma Anton Richters Söhne, die einerseits der Union der Textilarbeiter, anderseits der christlich-sozialcn Organisation angehören, hat „Wann ist er gekommen?" fragte der Koni- missär hastig. „Bor einem Stündchen. Er wollte ein Nachsager. Er ist auf dem Boden." „Ich komme gleich," erscholl plötzlich von oben eine mächtige, heisere Stimme.„Ich kleide mich nur an." Mit einem Sprung war der.Kommissär auf der Stiege wie von einer blinden Kraft g sto- ßen:„Im Namen des Gesetzes!" „Gleich,"^ sprach die Stimme entfernter. „Ich bin nämlich ein wenig... erkältet." „Bewachen Sie draußen." schrie der Koni- missär hinunter,„fangen Sie ihn draußen! Laufen Sie rasch!" Slavik und der Wirt mit der Büchse fuhren heraus. Oben im Dachgiehcl das Fenster weit offen. Nichts, stille. Der Kommissär kam mit brennender Laterne heraus; da las Slavik, kaum den-Sinn begrei- send, die alte Aufschrift am Giebel: Gott, laß dem Hause Glück gcschehn, Ich hab's erbauet, weiß nicht für wen. Indessen stiegen Pilbauer und Jevisek auf dem Fahrweg den Berg hinan. Jevisek sah keinen Schritt weit und fürchtete sich ein wenig, sich zu verirren. Der Detektiv Pilbaner schritt schweigsam und ruhig vor ihm. „Kennen Sie den Weg?" hauchte Jevisek. „Ich bin niemals hier gegangen," erwiderte Pilbauer. „Wonach treffen Sie ihn also?" „Nach dem Befehl." ES war wieder still. Jevisek wollt« sich etnS summen, hörte aber auf. Ihm imponierte, daß er mit einem Detektiv ging, und er ward sehr ernst.„Da haben Sic einen falschen Schnurr- bart?" stieß er hervor, als er sich dessen selber am wenigsten versah.(Fortsetzung folgt.) 21. September 1921. sich mit dem Wiedereintritt der ausgetretenen Arbeiter in die Union der Textilarbeiter inner- halb 11 Tagen zu beschäftigen. Punkt 4: beinhallet, daß im Falle der An nähme dieser Vorschläge der Streik und die angekündigte Aussperrung cinvernchmlich aufgehoben wird. Dieses Ergebnis wurde in der am gleichen Tage noch abgehaltene» Bcrsamni- kling der Streikenden' mit eingehender Begründung durch den Vertreter der Unoin der Tex. tUarbeiter, Genossen Drbohlav diesen vorgelegt und erfolgte nach abgeführter Debatte die Annahme der Vorschläge und dann der einstimmige Beschluß ans Wiederaufnahme der Arbeit am Montag den 19. d. M. Die äuge- "kü»fdigte Aussperrung wurde inzwischen von der Arbritgcberhanptstcllc widerrufen. Damit ist dieser schwierige Konflikt mit einem an- nchinbarcn Resultate beendigt. Kleine Chronik. Eine furchtbare Grubenkatastrophe in Aufira- lic».— 70. Bergleute verschüttet. Brisbane, 19. September. Durch eine Gasexplosion in den Bergwerken bei E a i rn S wurden 70 Bergleute verschüttet. Man befürchtet, daß f a st alle tot sind. -i- 70 Bergleute verschüttet! Fast alle tot!.. j Eine furchtbare Meldung, über die das Auge keines Arbeiters hiiiwcggleitcn kann, ohne daß cS zur gleichen Zeit das namenlose Unglück schaut, das durch diese Katastrophe über so viele Prolctarierfamilicn hereingebrochen ist. Wir beklagen die Todesopfer, wir fühlen mit den Hinterbliebenen, die, obzwar Taufende Meilen von uns getrennt, unsere Brüder, unsere Schwestern sind. Die Bergleute, die da im au- stralischen Onecnsland ans dem Schlachtfeld der Arbcij fielen, wurden hingcmordct von dem System, da§ die Arbeitenden ausbeutet, ohne sie zu schützen. In der alten wie in der neuen Welt werden alljährlich Hunderte Opfer der Griibeiikatastrophen, die sich durch den Raubbau seit Kricgsbcginn noch häufen. Das entsetzliche Unglück, das ans Brisbane gemel- det wird, ist sicherlich, wie die meisten Explosionen, durch die Verantwortungslosigkeit der kapitalistischen Besitzer verschuldet, und der- stärkt so vom Neuen die Anklage gegen die bc- stehende Ordnung. Eiseiibahncrstrcit in Oesterreich. Wien, 20. September.(Tsch. P.-B.) Wie die Abend- blätter melden, sind heute mittags die Bedien- steten der S ü d b a h n in den Streik getreten, um die Auszahlung einer gleichmäßigen N o t- st a ii d s a u s h i l f e von 4.700 Li für alle Bc- dünsteten zu erwirken. Um 1 Uhr mittags hat der Streik auch ans den Ostbahnhof über- gegriffen. Im Eisenbahnministcrium finden Verhandlungen mit den Vertrauensleuten der Bediensteten zwecks sofortiger Wiederaufnahme des Verkehres statt. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, erstreckt sich der Streik ans die W e r k st ä t t c n a r b e i t e r. Die„Erwachenden Ungarn". Graz, 20. Scp- tcnibcr.(Tsch. PB.) Die„Tagespost" meldet aus Laibach: Die G r c n z b c st i m ni u n g s k o m- Mission, welche die Grenze zwischen Jugoslawien und Magyaricn bc- stimmt, sei ans ihrem Wege an die nördliche Grenze in M n r o-S z o m b a t eingelangt. Die magyarischen A g i t a t o r e n hätten au« diesem Anlaß eine große Menge magyarischer und iiiagyaricnfrcnndlich gesinnter Bauern in der Stadt versammelt, um eine D c m o n st r a- t i o n vor der interalliierten Kommission zu veranstalten. Da viele der Bauern bewaffnet waren, war ihnen die Gendarmerie cnt- gcgengctrctcn, die ihnen den Weg zum Hotel, wo die Kommission abgestiegen war, versperrte. Da die Bauern, etwa 2000 an der Zahl, die Gen- darmcriepatrouillcn zu überwältigen drohten, sei Militär auf dem Platze erschienen, das, nachdem die Versammelten' aus die Aufforderung nicht zurückgehen wollten, eine Salve in die Luft abgab, worauf sich die Demonstranten zerstreuten. Verwundet sei niemand worden. Die interalliierte.Kommission hat sich hierauf an die nördliche Grenze begeben. Die Rädelsführer der Demonstration seien verhaftet worden. Ueberschwcmmung einer spanischen Stadt. Paris, 10. September. Nach einer Havasincl- dung ans Madrid wird aus Motilladcl Pa- lancar gemeldet, daß die Stadt durch einen Gewitterregen überschwemmt wurde. SO Häuser sind eingestürzt. Zahlreiche Per- s o n e n wurden getötet. Ein Millionen-Postranb. Augsburg, 10. September.(Wolfs.) Hier ist ein Postwagen be- raubt worden, wobei NcichSschatzanweisungen im Gesamtwerte von fast sechs Millionen Mark und noch verschiedene Aktien von einem Unbekannten gestohlen worden, ohne daß der Postillion von dem Raube etwas gemerkt hatte. Ein schwere» Automobilunglilck in der Schweiz. Paris, 20. September.(HavaS.)„Echo de Pari»" meldet au» Genf, daß sich ein Automobil, in welchem 50 Kinder fuhren, auf einem Ab- hange bei EhauxdeFvnd» überschlug. Drei Kinder wurden getöte.t, 12 der- letzt.