1. Jahrgang. Nr. 19. Vonnerstaz, 28. September 1981. 3entralorgan verdeutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Äepubiik. ^öta« II SböHcIobo nÄm. 82. I Einzelvrels 70 Heller. Be,»n»bedinaunu«n: Bei ssustellunc, in» Sau, od» Bei Bemo durch dl- Pos« monatlich 18-- Kc. Telefon btJO, nach»^"? Tkl-ssramm.Adress-: Sozialdemokrat Prag. vi-rt-ljShrlich 48'- Kc. halbjährig SS— Kc. gan,iäbrig 102 Kc. Für DeuttckSllerrelck monatlich 120- üK. für Teutschland 18- Mk. Postsparkassakonto 57544. Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh. Ein polnisches Ultimatum® eöt w- Fun?.) s/» rt.«Wiestnik meldet: Gestern hat der polnische NN itnjunno. Vertreter ein bis zum 1. Oktober befristetes Herr Vncrnd steht am Räderwerk, das den Gang der Welt in Bewegung seht. Und Ultimatum betreffs der schwebenden Fragen i'iberreicht und mit dem Abbruche der Bezic- Hungen im Falle der nicht rechtzeitigen Gr- füllnng der Forderungen gedroht. Rußland Nun braucht aber das alte HauS eine neue,(Ctita ftR htC DClttfchCtt; Fastade. die Regierung braucht nach außen> doch so etwas wie ein Programm, eine tragen- de Idee. Und da stch die verschiedensten Massen und Parteien des tschechischen Volkes, zusam mcntiln. um eine Regierung zu bilden, die Großbourgeoisie und das Proletariat, klerikale war stets bereit, die Bestimmungen des Frie- Kleinbürger und antiklerikale Freigeister, Sau a O p M«v /*_*. n#._...... U 1' densvertragcs zu erfüllen. Es verlangt nur von Polen ein Gleiches und wünscht die Einstellung der Unterstübung der Gegen- rcvolution Sawinkows. Die polnische N.lc von gestern verlangt von Rußland nicht nur mehr, als der Friedensvertrag vorsteht, son- dcrn weigert sich auch, Sawinkow auszu- weisen. Polen schlägt nur vor, über die Mittel gemeinsam zu beraten, die, verhindern sollen, daß Bande» die Grenze überschreiten. Derartige Mittel sind aber zwecklos, wenn nicht in Polen der Herd der Bandcnbildung ausgehoben werde. Die Note macht den Eindruck, das; P i l s u d S k i auf jeden Fall den Bruch mit N u st l a n d herbei- führen will. jedes Rad greift genau in die Kerbe ein, lic der Meister ihm vorschreibt. Polen wird ,nm neuen Angriff auf Rustland komman- >iert und es gehorcht. Die Zeit ist günstig, her Hunger geht um im Moskowitcrrcich, lic Körper der roten Soldaten sind von der htot zermürbt, der Groll gegen die leitenden Männer, welche das Reich so furchtbarem Elend zugeführt haben, fristt an den Seelen. Äas ist die Rechnung. An ihrem Ende siebt der ersehnte Sturz der Proletarierrepublik lind der damit automatisch einsehende Welt- kämpf des Kapitals gegen die Arbeiterklasse. Aber die Rechnung kann und wird ein Loch ihabcn. Denn die Stosttruppe, die da auf !dcn russischen Kolost geheht wird, ist krank .bis ins Mark hinein. An allen Grenzen Po- nens droht ein Feind, jedem Nachbar hat e? sich durch mastlose Ansprüche verhaßt ge- smacht. Mit Deutschland hadert es um Ober- 1 t>cc schlesien. mit den Litauern um Wilnn. mit.Dsx 3d CClllOflrtUClt ßl3 Jott.. Regierung. die alle tschcchi'cbcn Vartcicn um- der Ukraine um Ostgalizien, mit den Tsche-|- I--- .tftcu um Ostschlesien. Und mögen atlch diese Gegner durch Schwäche oder durch Entente- chcn mit einer jahrelangen parlamentarischen bände heute und in Zukunft am Losschlagen Tradition wie in England oder Frankreich, «gehindert sein—: mitten in einem Meer der eine neue Regierung die politische Bühne bc Mistgunst den Kampf aus Leben und Tod tritt, dann harren alle politischen Kreise ge Die Rede, die der Präsident Masaryk vor- gestern als Antwort ans die Begrüstungsan- spräche einer deutschen Abordnung, die auch Klagen der deutschen Minderheiten vorbrachte, improvisiert hielt, ist, auch wenn man ihre Bedeutung angesichts der wirklichen Machtvcr- hältuissc im Staate in ihrer Wirkung nicht zu überschätzen geneigt ist. unleugbar bedeutsam.' Sie war wohl unmittelbar als Autwort auf die vorgebrachten Klagen gedacht, reicht in ih- rem Inhalte aber weit darüber hinaus und kommt sicher einem au die gesamte» Deutschen des Tschechoslowakischen Staates gerichteten Worte gleich. Der Präsident entwickelte darin, wenn auch nur andeutungsweise, seine Anschauungen über die Lösung der nationalen 'auszufechten, ist noch niemandem geglückt. jDem starken Deutschland im Weltkrieg nicht. ■Wie erst dem unseligen polnischen Staat, sbessen Verwaltung Unfähigkeit und Korrup- tion völlig zerrüttet haben; dessen niederge- chrochenc Valuta neun Zehnteile der Bcvöl- kerung zum langsamen Hungertod verur teilt; wo ein übermütig verschärfter Gegen sah der Klassen und Nationen eine Siede- glut des Hasses, der Verzweiflung und des wahnsinnigen Misttrauens gezeitigt hat' .Ein schwacher Stost genügt, um in diese,a '.Hexenkessel ungeahnte Stürme zu entfesseln. Die polnischen Machthaber wissen nicht, was sie tun. Weil ihnen Frankreich im Sireit um Wilna mit energischen Worten beispringt, sind sie bereit, mit verbundenen Augen dem Abgrund entgegenzutaumcln. Die polnischen Sozialisten tanzen wohl den aberwitzigen Todcsreigen mit: wo es um Nationalismus und Patriotismus geht, ha- bcn sie bisher immer die Besinnung per- laren, auf ihren Widerstand zu hoffen, hat keinen Zweck. Nun ist ja ein Ultimatum noch lange kein Krieg und namentlich die Polen schießen gern mit den Worten des schwersten Kali- Hers. Nichtsdestoweniger seht mit derartigen Pronunziamentos doch gern die söge- Inannte Zwangsläufigkeit des Geschehens ein, welche den vermeintlichen Steuerleuten das Steuer ans den Händen reistt und das blinde Geschick an die Stelle eines Ziel- willens setzt. Und überdies gibt die allge- ineine diplomatische Offensive gegen Ruß- stand den ernstesten Befürchtungen Raum. 'So muß man. bei aller Hoffnung auf eine 'unblutige Lösung, sagen: Der Friede der 'Welt steht auf des Messers Schneide. Ruß- land gilt es zu erwürgen. Aber zugrundegehen können wir alle. Denn das notdürftig zusammengeflickte Europa verträgt jetzt keine Erschütterung, es müßte im Chaos versinken. ! Dieser Aussicht gegenüber ruhig zuzu- -sehen, die Hände im Schoß, und die Dinge an sich herankommen zu lassen, ist ein furcht- barer Gedanke. Eben darum soll ihn ,eder Proletarier schaudernd bis ans letzte Ende denken. Dann wird er begreifen, wie brennend uns die Einigkeit nottut. Vereint kon- nen wir jedem Unheil wehren. Zerrisseii bleiben wir die Marionetten des skrupelslosesten Kapitalismus. Agrarier und Städter, Anhänger des Frciha» dcls und der gebundenen Wirtschaft, bleibt nichts anderes übrig als die„a l l n a t i o n a- l e" Idee. Dem ist die Pspchc dcS tschcchi- scheu Volkes noch am ehesten zugänglich. Die allnationalc Idee hat— so vermeinen viele— den Tschechen die staatliche Selbständigkeit gc- bracht, alle Klassen der tschechischen Bcvölke- rung haben die nationale„Revolution" des Jahres 1918 durchgeführt, die allnatimalc V* r" r...-....„ I lU'UllllMJ'tU iivvc».'IV^V|»||}| wv Idee, die langst zur. m p e r, a l, st i s ch e n Strei'sraoen. Die Rede atmet den Geist der entartet ist, die innere Festigung der Rcvublik. Versöhnlichkeit. Masarpk war von jeher das. .den Ausgleich der Nationen«mnSglich ge- ch, cn modernen Europaer nennt nnd macht hat. dafür fehlt den tschechischen Polit.- cr u, n, cincr jcucr wenigen Tschechen, die sich kern augenblicklich daS Verständnis. Im Ge-! bQm o nf, cr b c§ Chauvinismus freigehalten gcntct!! Die tschechischen StaatSämter sehen in fifl6cn gr fo„ b baT, cr nU(T) gerade zu der Zeit, der Entwicklung von Tnsar bis Svebla. von bn o c„ hlt milMich seiner Reise gegen der Regierung der„Bauern nnd Arbeiter" zur. b^ Wort wütete, in Brünn und Preß- Regierung, die alle tschechi'cbcn Vartcicn um- u ,,^hvo"e Knndacbl'nncn der deutschen Wenn in anderen Staaten, besonders in sol-' f°.^ e j" C"^ M'teijt die.Motod-„, bcm Notstifte verfielen, für die Of- ' m Politika in ibrcm gestrigen Leitartikel:> s^heit. wie er sie von den Deutschen gewöhnt „Und diese Neuigkeit, die allnationalc Rc-. i c; c;„ frennd'ichcS Wort. Dieses Wort deS gf°nmg^ ist..n"S das wertvollste Akiwiim der^^ gleichzeitig eine Verurteilung der spannt des Programms, in dem die Regierung ihre Pläne und Absichten enthüllt. Dadurch soll sich gerade eine parlamentarische von einer Beamtcnrcgicrilng unterscheiden. Bcamtcnrc- gicrungcn, wie wir sie im alten Oesterreich durch Jahrzehnte am Werke sahen, brauchen kein Programm. Sic sind in der Regel dazu bestimmt, die Rcgicrnngsgcschäftc weiterznsüh- reit, die in der Verfassung vorgesehenen Mini- stcrpojtcn auszufüllen, die notwendigen Vcr- antwortlichkcitcn zu schaffen. Wir erinnern nur an die Regierung Clam-Martinitz im Kriege, da der Ministerpräsident seine politischen Ab- sichten in die vier Worte zusammenfaßte: Mein Programm ist Oesterreich, worauf ihm mit Recht entgegengehalten wurde, daS sei ein Gc- nicinplatz, denn das Programm cincr österreichischen Regierung könne gewiß nicht lauten: Mein Programm ist China. Von einer parla- mcntarischen Regierung jedoch, an deren Zu- standekommcn bereits ein halbes Jahr gcar- bcitct wird, sollte man mehr erwarten. Die beiden sozialistischen Parteien, welche in die Regierung ihre Vertreter entsenden wer- den, haben ziemlich gleichlautende Forderun- gen aufgestellt, unter denen sich gewiß manches Schöne und Gute befindet, dem wir unsere Zu- stimmuug nicht versagen können. Aber das Verständnis, auf das diese Forderungen gc- stoßen sind, ist nur ein geringes, trotzdem man bei der Bildung einer neuen Regierung von bürgerlicher Seite mit Versprechungen nicht geizig zu sein pflegt. Das Blatt dcS künftigen Ministerpräsidenten, der„Vcnkov", war sichtlich unangenehm berührt, daß es jemanden eingefallen ist, überhaupt ein Programm auf- zustellen. Er schrieb vor einigen Tagen, die Ausstellung von Programmen durch die an der Regierung beteiligten Parteien sei nicht der richtige Weg, um die Bildung des parlamen- tauschen Ministeriums zu erleichtern. Wenn man in eine Regierung hineingehe, an der vcr- schieden« Parteien beteiligt sind, müsse man vom heiligen Geist dcS Entgegenkommens er- füllt sein, man müsse politische Gegner, mit denen man auf einige Zeit denselben Weg zu- rücklcgen will, Zugeständnisse machen. Am liebstn wäre es wohl dem schlauen Unterhänd- lcr, der die Regierung schon wochenlang zu- sammcnstellt, gewesen, wenn die Parteien und damit ihre Regierung gar kein Programm auf- stellen müßten, mit der Programmlosigkeit ließe sich sicher am leichtesten regieren". neuen Situation. Wir erblicken im Siege des!^^ifrigen Staatsanwälte. die nach österrci- Prinzips der Regierung aller tschechollowaki-,....'vir sagen, daß es in der Schweiz eine Sprachen- frage gibt. Alle Sprachgruppen leben freundschaftlich nebeneinander, jede weiß, daß ihre Ansprüche dann geschickt sind, wenn sie die Rechte der anderen respektiert. Die Sache ist allerdings ein bischen teuer, aber eine andere Lösung ist nicht denkbar. Wir würden nnS nichts sehnlicher wünsche», als wenn die Ge- nossen in der Tschecheslowakei sich ein Beispiel an der Schweiz nähmen. Alle Nationalitäten würden dabei gut bestehen."— DaS Blatt der Tschechoslowakischen Gewerkschaftskommission, dem wir diesen Brief entnehmen, meint hiezu, daß die in der Schweiz geltenden Grundsätze auch für uns selbstverständlich seien, obwohl gewiß die Verhältnisse in der Tschechoslowakei bezüglich der Zusammensetzung der Bewohner- schafi ein wenig abweichend seien, besonders in den gemischten Gebieten. Oer Görliher Parteitag. Görlitz, 20. September.(Tsch. P.-B.) Ter sozialdemokratische Parteitag nahm einen An- trag betreffend die Bildung einer e i n h e i t- lichen proletarischen Partei an. Alle weiteren Anträge, die sich auf die V e r- eiiliguilg mit der unabhängigen sozialdemokratischen Partei beziehen, sind da- mit erledigt. Angenommen wurde auch ein Antrag, der das Schreiben über parteitaktische Fragen in bürger- lichen Blättern verbietet. Der Antrag Lobe auf Schaffung eine?' republi» kailischen Abzeichens wird angenoni- men. Abgelehnt wird mit großer Mehrheit ein Antrag, wonach zur Partei nicht gehören kann, wer Mitglied eines Krieger- oder Militärvereines ist. Darauf erstattete Abgeordneter Hoch den Bericht der Reichstagsfraktion. Eine Rede des Belgiers de Bronguere. Görlitz, 21. September.(Wolfs.) Zu Beginn der heutigen'Nachmittagssitzung des sozialdemokratischen Parteitages ergriff de Brou- quere das Wort., um namens seiner belgi- scheu Parteigenossen zu betonen, daß die Be- Ziehungen zlvischen den belgischen und dent- sehen Parteigenossen sehr eng seien. Als gegen einen Führer der deutschen Sozialisten bei sei- ner Reise durch Belgien von nationalistischer Seite eine Kundgebung geplant worden sei, hätten 15.000 belgische Arbeiter durch Verlassen ihrer Werkstätten dagegen demonstriert. Auch für die belgischen Arbeiter sei eine ein- heitliche Arbeiterbewegung wichtig. Die beut- scheu Sozialisten seien die Verteidiger der Re- publik. Dies sichere den Frieden und fördere die internationale Versöhnung. Das Wirt- schaftliche Wohlergehen Deutschlands ist auch für Belgien von Bedeutung, linier lebhaftem Beifall'betonte schließlich de Bouquere die in- »emotionale Solidarität. II. scher (fli Ungarn rüstet weiter.- 23 i e n, 21. September.(Drahtbericht des „Sozialdemokrat".) Nach den Nachrichten, die aus dein Burgenlande kommen, werden die Banden immer mehr durch r e g u- läresMilitärver stärkt. Das regu- Türe Militär führt zahlreiche Offiziere und stellenweise auch?lrtillerie mit sich. Tie Leitung der Banden befindet sich in Steina,na,iger. Weitere Nachrichten besagen, das? dir militärische» Jahrgänge 1895 und 1897 durch einen eigenen Einbe- rufnngsvefthl z» m W a f f e n d i e n st herangezogen wurden. Ein Ultimatum der Botschafterkonferenz. London, 21. September. Reuter erfährt, daß die'Botschafterkonferenz ein Ultimatum an Ungarn vorbereitet, worin Ungarn eine Frist von 10 bis 14 Tagen zur Räum n>, g des Bnrgenlandes gesetzt wird. Sollte diese Frist nicht eingehalten werden, so sollen die s ch ä r s st e n M a ß n a h m e n gegen Un- garn ergriffen werden. In britischen Kreisen wird eine wirtschaftliche Blockade als nicht ge- nügend wirksam betrachtet, aber über die Eni- sendnng von Truppen ist ein Entschluß bisher nicht gefaßt worden. Eine Erklärung des ungarischcn Ministerpräsidenten. Budapest,*21. September(MTKB1„Uj Rem. zedef" bringt eine Erklärung des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen, der bezüglich Westungarns betonte, daß sich diese Frage in keinem schlechtere» Zustande befinde als früher. Tie ungarische Regierung sei sich darüber klar ge- Wesen, daß ihr Vorgehe» im Anstände nicht dem entsprechenden Verständnis begegnen werde. Es sei m ö g l i ch, daß in der n ä ch st e n Zu« fünft ine ernstliche Wendung eintreten werde. Man Hube jedoch Grund zur Hoffnung, daß man gewisse Ergebnisse erzielen werde, hauptsächlich dann, wenn das Land Verständnis »nd Einheit bekunde. Die ungarische Regierung wolle sich keinesfalls der Vollstreckung des Frie- densverlrages enthalte», eS bestehe jedoch die Möglichkeit, daß nach der Vollstreckung des Frie- d-nsverlrages gewisse Ergebnisse erzielt werden könnte». Die s i n a n z i e l I e Lage sei eine sehr er» st e, da die an das Finanzprogramm geknüpfte» Erwartungen nicht in Erfüllung ge- gangen seien. TieS bedeute jedoch keine Kala- strophe. Nach einem solchem Zusammenbruche können die Finanzen nicht in kurzer Zeit geord- «et werde». Ter Staat werde allerdings be- müßigt sei», übergangSweise wieder zur No» t e n p r e s s e Zuflucht zu nehmen. Dieser Uebergang könne aber nur einige Monate dauern. Bezüglich der in der lebten Zeit aufgedeckten Mißbrauche werde die Regierung mit vollster Strenge einschreiten, um den guten Ruf(!) und die Ehre(!) des Landes auch fernerhin makellos zu erhalten. Diplomatische Offensive gegen Sowjetrußland. Englische Beschwerden. London, 20. September. Reuter verbreite, folgende Mitteilung: Seit Abschluß des eng- l i s ch- r u f s i s che n Handelsabkommens enthielt sich die britische Regierung loyal jeder feindseligen Haltung gegen die russische Re- gierung. Tagegen hat die Sowjetregierung die UnWahrhaftigkeit und Feind- s e l i g k e i t gegen die britische Regierung in ganz Mittelasien und Afghanistan verschärft. Die britische Regierung ist entschlossen, ein solches Borgehen nicht zu dulden. Sie hat demgemäß eine in scharfen Worten abgefaßte Note nach Moskau gerichtet, in der sie die Aufmerksamkeit aus diesen schweren B r« ch d e s Vertrauens lenkt und Auf- klarung verlangt. ^ Die englische Presse sekundiert der Offen- sive Lord Burzons, erklärt den Handel mit den Bolschewiki für ein Phantom und diese selbst ,edes Vertrauens und aller Unterhandlungen für unwürdig. Die„Times" hoffen, daß da- mit das Irrtum der Regierung endgültig uberwunden sei. Polnische Verdächtigungen. Warschau, 20. September.(Tsch. P.-B.) Di> Blatter,neiden, daß der Ve rtreter Sow- letrußlands Jgnatiens mit drei Mit« gliedern der Sowsetgesandtschaft Montag abend aus Warschau abgereist sind. Sie wurden zur Abreise g e n ö t i g t, da sie in säTfcnw t0tta 8 ca ff®*e kompromittiert 82. September 1921. Hlinlm und Ärtfnri)li. Mö,acl}C über bic Autonomie der Slowakei. Roscnbcrg, 21. September.(Tsch. P B) Unter begeisterten Ovationen traf der Präsident zu kurzem Llufcnthaltc hier ein und wurde zunächst vom Bürgermeister mit einer An- spräche begrüßt, für welche er danltc. Sodann hictt der Abgeordnete Andrej H l i n k a an den Präsidenten eine Begrüßungsansprache, in welcher er ausführte: Ich begrüße Sic als ersten und größten Sobn der Slowaici und wir begrüßen Sic gleichzeitig als die Repräfentan- ten und Vertreter der Obersten katholischen Kirchengcmeinde in dem Bewußtsein, in Ihnen nicht nur den Gründer des Staates, fem- dcrn auch den Beschützer und den Hort aller Vereins-, Politischen, nationalen und kultn- rellen Rechte zu erblicken. Das Christentum und insbesondere der Katholizismus haben immer und überall Arbeit, Autonomie der Gc- sehe und Ehrlichkeit bedeutet. Das slowakische Volk findet in dieser Republik und in ihrem Rahmen die Erhaltung seines nationalen Cha- raktcrS, seiner Individualität und seiner voli- tischen und autonomen Rechte. In Ihnen, Herr Präsident, erblicken wir den obersten Hüter und Schützer der Gerechtigkeit, des Rechtes und der Gesetze. Ter Präsident erwiderte n. a.: Ich danke Ihnen für Ihre freundlichen Worte. Ich bin tief ergriffen und freue mich ob Ihrer Ansprache. Sic betonen das Recht und die Gleichberechtigung der Religion und aller übrigen gesellschaftlichen Komponenten. Torin schließe ich mich Ihnen vollkommen an. Seien Sic überzeugt, daß ich an den Grenzen mci- ncr verfassungsmäßigen Rechte die Gleichbc- rechtignng aller dieser Kräfte, die das Volk und der Staat notwendig haben, schützen werde. ES ist natürlich, daß Sie als Führer der Volkspartei das Wesen des Christentums und des Katholizismus hervorheben. Oos Christen- tum bedeutet schon durch das Wort allein die Allgemeinheit, die sittliche Gemcinschaftlichlcit. Herr Abgeordneter, ich teile diesen Grundsatz mit Ihnen. Oer große Kirchenlehrer, der hl. Augustin, hat uns eine goldene Regel gegeben: „In neeesariis unitas, in dubiis libcrtas, in omnibus caritas." Einheit darin, was notwcn- dig und fest ist. Uns sind also der Staat und die auf Gerechtigkeit begründeten StaatSein- richtnngen politisch notwendig. Tarin muß die Gesamtbevölkcrung dieses Staates, vor al- lcm aber wir Slowaken und Tschechen, vcr- einigt sein. Freiheit haben wir darin, worüber die Meinungen auseinandergehen, über die Wege und Mittel. In jeder politischen Partei ist nicht nur die Kritik, sondern auch die Op- Position frei, selbstverständlich die Opposition gegenüber der Regierung, nicht gegen den Staat und seine Grundlagen— und schließlich )ic Liebe in allen unseren Handlungen. Es freut mich, daß Sic das staatsschöpferische Mo- ment Ihres Programms und Ihrer Partei hervorheben. In jedem Staate sind Zentra- Iismus und Autonomismus zwei Hauptkräfte, aber es wäre ein Fehler, wenn der Zentralis- mus den Autononlismus überwiegen würde. Tic staatliche Autonomie beruht darin, daß die Autononlisierung der ganzen Gcscllschaftsord- nung und des Lebens ständig mehr fortschrci- tet. Unsere Verfassung für die Slowakei und für den ganzen Staat hat die Grundlage der Autonomie in der Gaucinrichtung niedergelegt und verfassungsmäßig bereits gesichert. Da- durch wird die Autonomie auf die weitesten Schichten erstreckt. Tie Aufgabe der neuen Re- gicrung wird es sein, diese Autono- misicrung ehestens durchzuführen. Kultu- reife Arbeit im weitesten Umfange ist notwcn- dig und soweit es sich um die Politik handelt, eine tatsächlich kulturelle Politik. Tann wird unser slowakisches Volk seine Individualität und Eigenart befestigen und vervollkommnen. Gebe es Ihnen Gott! Abg. Glinka bestieg ebenfalls den Zug und jchloß sich dciu Gefolge des Präsidenten an. Die deutsche Keaktion. Graf Lerchenfeld, der Nachfolger Kahrs. München, 21. September. Wie die Korres- pondenz Hoffmann erfährt, dürfte die Nomi- aierung des Grafen von L c r ch e n f e l d, zur Zeit deutscher Gesandter in Tarmstadt, zum Ministerpräsidenten durch die bayrische Bolkspartei erfolgen. Graf Lerchen- feld hat bereits zugesagt, sich für das Amt zur Verfügung zu stellen. Er war heute nachmit- tags in der Sitzung der Fraktion der bahn- lchen Bolkspartei erschienen und hielt dort eine kurze Programmrede. Er bekennt sich zu einer 6»|UUi guten bayrischen Politik im Rahmen unentwegter Reichstrcuc und Vcrtretuna dcr christlichen Grundsätze. Tic Wahl zum Ministerpräsidenten wird in dcr Plenarsitzung hm 5 Uhr nachmittags erfolgen. In letzter Stunde wird gemeldet: München, 21. September.(Wolfs.) In dcr Plenarsitzung des Landtages fand heute die Wahl des neuen baherischcn Ministerpräsidenten statt. Tic geheime Abstimmung ergab folgendes Resultat: lllras L c r ch c n s e l d 80 Stimmen. Tie bayerische Mitlelpartci hatte mit?a Stimmen Iii? den bisherigen Ministerpräsidenten R ah: votiert. Die sozialistischen Parteien gaben 30 weiße Stimmzettel ab. Ter Prändent stellt« fest, daß Gras Lerchenseld zum Ministerpräsidenten gewählt sei, der erklärte, daß er die Wahl an- nehme. Tic bayrische Bolkspartei bricht»nii den Dentschnalionalen. Berlin, 21. September. Wie die BläUer aus München melden, hat die bayerische V o l k s p a r t e i den Abg. Or. Z a h n b r c- ch e r, den F ü h r e r der O r g a n i s a t i o u gegen die Politik des Parteivorsitzenden Heidt lind unentwegten Anhänger Kahrs, wegen groben Vertraucnsbrnches ans dcr Partei a u s g c s ch I o s s c n. Zahnbrcchcr hatte gc- stcrn früh in dden deutschnationalen Münchner Zeitungen s ch a r f c Angriffe gegen die Parteileitung gerichtet, Neuwahlen vcr- langt und die R ü ck b c r u f n n g K a h r S gefordert. Oer Aufruhr in Marokko. Mißerfolge dcr Spanier. Baris, 21. September.(Tsch. P.-B.) Ter „Matin" bringt einen amtlichen Bericht ans M c l i l l a, wonach zwei st a r k c spani- s ch c Abteilungen, die am IL. d. Melitta verlassen haben, uin die Insurgenten nördlich und südlich von Gnrngn zu vertreiben, nicht an ihr Ziel gekommen sind. Sic mußten mit schweren B e r l u st c n wieder nach Me- lilla zurückkehren. Das Artilleriefeucr dcr Rist'lcute ü't intensiver geworden. Melitta wird mit Granaten bombardiert, die in das Zentrum dcr Stadt fallen und unter dcr Bc- völkcrnng Opfer fordern. Die Mkcrlmndstagung. Die Abriislnugokomödic. Genf, 21. September.(Tsch. P. B.) Tie dritte Kommission(Abrüstung und Blockade) begann heute die Debatte über den Bericht dcr vorläufig gemischten Kommission für R ü- st u n g s b c s ch r ä n k n n g c n. Lord Robert Cccil verlangte eine umfassende Propaganda gegen den Nüstungswahnsinn. Im übrigen äußerten sich die Kommissionsmitglicdcr sehr skeptisch über das System der Umfragen bei den Regierungen. Nach dcr Ansicht Fishers (England) würden die Regierungen dem Völ- kcrbnndc niemals Mitteilungen über ihre Rüstungen machen, da sie diese ihren cigc- neu Völkern verheimlichen. DaS englisch: Programm siir die A.briistiings- konscrcnz. London, 21. September. Reuter meldet ans Washington, daß dcr Programinentwnrf dcr Re- gicrung für die Abrüstungskonferenz den Teilnehmern dcr Konferenz übermittelt wurde. De» in Frage kommenden Mächte» wurde mitgeteilt, daß das Programm im wesentlichen nur Ann- gungcn enthält und daß es Abänderung?.- und Znsatzanträgen unterworfen ist. Tas Programm enthält folgende Punkte: 1. Beschränkungen der Rüstungen zur See und Ailsfübrungsbestimmun- gen, 2. Kontrollbcstimmungen für neue Regeln der Kriegführung, 3. Beschränkung dcr Rüstungen zu Lande, 4. Fragen betreffend China, 5. Fragen betreffend Sibirien»nd gleichartige, China bc- treffende Fragen, fi. die Mandate über die In- sein.— Reuter erfährt, daß das Programm in gutunterrichteten britischen Kreisen nicht als irgendwie bemerkenswerte Förderung der in Frage kommenden Punkte betrachtet wird, da die der Crörtcrung unterliegenden Fragen insgesamt zu unbestimmt gefaßt seien. Es mache sich in gc- wissen Kreisen starker Widerspruch gegen die Cr- örterung dcr Landrüstungen geltend»nd es sei zweifelhafi, ob dieser Punkt zur Erörterung kommen wird. . Der Streit nm Sleiimlien. Ein SicgeSbericht Kemels. Konstantinopcl, 20. September.(Tsch. P.-23.) Mustapba K cinal erließ einen Aufruf an die Rationen, in dem er erklärte, daß die g r i e ch i s ch c A r m c c, die Angara habe besetzen wollen, geschlagen und über den Sakaria zurückgeworfen worden sei. Die tür- kische Armee sehe die Verfolgung fort, Ter einzige Wunsch sei, das D a s e i n d c r T ii r- k c i zu sichern und die Unabhängigkeit durchzusetzen. Vor dem Ende des österreichischen Eisenbahnerstreiks. Auf der Süd-, Ost- und Wcstbahn sind gegen den Willen der Vertrauensleute wilde Streiks ausgebrochen. Tie Streikenden bemühen sich, itzi»»krat auch die Angestellten dcr Franz Joses:- und dcr Rordwcstbähn hineinzuziehen. Grund: Tie Vcrkehrsangcstelltcn forderten für jeden Bc diensteten eine Zulage von 4500 K. Tic übri gen Bedienstctcnorganisationei! wollten eine einmalige Zulage in der Höhe des halben Monatsgehaltes. Die Regierung benutzte die ab- weichenden Wünsche dcr beiden Gruppen,»m die Verhandlungen hinauszuziehen. Endlich einigten sich Montags alle Angestellten ans die feste Summe von 4500 X, die Regierung war dem Nachgeben nahe. Sie fand es bloß für gut, statt der nunmehr von allen An- gestellten geforderten 4500 IS die halben Gehalte zu bewilligen. Das brach dem Faß den Boden ans.»Tie Eisenbahner, deren niedrigste Katcgori'n bei dieser Lösung zu kurz kamen, traten Dienstag in den Streik. Für die Herren Schober und Grimm Anlaß genug, ihr Zurück- weichen vor den Angestellten solange hinaus- zuschieben, bis die Streikenden die„Autorität" der Regierung anerkennen und zur Arbeit zu- rückkehrc». So haben die Eisenbahner, indem sie den Rat der Vertrauensleute mißachtete», den nahen Erfolg ihrer Sache unnötig hinaus- geschoben, der Regierung zu einer billigen Herrenhose verholfen und die Stoßkraft der Or- ganisation geschwächt. Verzweiflung i't im Lohnkämpf der übelste Berater, llin kühler Kopf und fester Zusammenhalt erzielen jeder zeit mehr. » Wien, 21. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Oer Streik der Eisen- bahncr dürfte morgen zu Ende gehen. Heute vormittags zog ein Teil der streikenden Süd- bahncr und Ostbahner von einem Bahnhof zum anderen und es gelang ihnen, a u f sämtliche» B a h n Höfe n(mit Ans- nähme der Aspangbahn) den Anschluß an den Streik durchzusetzen. Vom Franz Joscfsbahnhof zogen sie dann zum Parlament und wählten eine A bordnun g. die sich nn ter Führung der Abgeordneten? ö m a s ch i k und Fritz Adler zum BundeSkanz- l c r begaben. Oer Wahl dcr Abordnung gin- gen st ü r m i f ei) c Szenen voraus, da unter den Streikenden sicli auch K o m in u n i st c n befanden, die verlangte», daß die Forderungen abgeändert werden und daß man nicht, wie dcr Beschluß lautete, 4500 X, sondern außerdem noch 50 Prozent des Gehaltes verlangen solle. In die Abordnung wurden zwar leine Kommunisten gc- wählt, sie erhielt aber das gebundene Mandat, diese Forderungen vorzubringen. Ter Bnn- dcslanzlcr erklärte, er könne sich ans eine Abänderung nicht einlassen, daß aber, wenn die Arbeit aufgenommen würde, sofort die 4500 X ausbezahlt werden würden. Die Ab- ordimiig nahm diese Mitteilungen zur Kennt- nis und teilte sie den draußen wartenden Streikenden mit. Es kam wieder n in zu st ü r in i s ch c« Szene n. Die K o m in n- nisten bedrohten T v in s ch i k. Schließ- lich aber zerstreute sich die Menge. Tic Vertrauensmänner der Süd bahn er beschlossen heute abends, ohne den Beschluß des ZentralauSschusses dcr Organisation ab- zuwarten, der abends»in 9 Uhr zusaminenge- treten ist, den Betrieb morgen wie- der a n f z n n c h m e». Vorher findet jedoch noch eine Betriebsversammlung statt. Eine Betriebsversammlung der Ost bahn er, die noch heute um 7 Uhr abends zusammentrat, beschloß ebenfalls einstimmig, morgen den Betrieb wieder a n f z u n c h m c«. Es sind heute bereits drei Züge a b g c- lassen worden. Tie Vertrauensmänner der Franz Iofefs-Bahn und die der Wcstbahn haben beschlossen, auf den Beschluß des Zen- tralausschusscs zu warten und sich nach die- sein zu richten. Vor der Aufhebung dcr wirtschaftlichen Sanktionen. London, 20. September. Reuter meldet: Dem Vernehmen nach schreiten die die Sanktionen und die Auslegung dcr im August getroffenen Entscheidung des Obersten Rates betreffenden B e r h a n d l u n g c n zwischen der britischen und der französischen Regierung und zwischen de» Alliierten und Deutschland befriedigend fort. Das Todesurteil an Baron Ungcrn-Stcrnbcrg vollzogen. Berlin, 21. September. Tic Abendblätter bc- richten aus Moskau vom 21. ds.: Tie Sowjet- regicrnng gibt bekannt: In Rowo-Nikolajeivsk hat eine öffentliche Gerichtsverhandlung gegen den weißgardistischen Führer Baro» Ungern- Sternbcrg stattgefunden. Taufende Arbeiter und Soldaten der Noten Armee wohnten dcr Ge- richtsvcrhandlittig bei. Baron Ungern wurde zum Tode verurteilt. Das Urteil ist vollzogen Wörde n. Die Zlnklagc wurde gegen chu erhoben wegen Unterstützung dcr räuberischen Pläne Japans gegen die Sowjetrcgicrung, 2. wegen Vorbereitungen zum Sturze der Sowjet- macht und zur Errichtung dcr Monarchie in Sibirien»Itter Michael Romanow, 3. wegen des Massenmordes an russischen Bauern und Soi- daten in Sibirien und wegen der Ermordung chinesischer Revolutionäre. Seit«(f. Tayes-ReuuMiten. Was konfusen Kommunisten alles passieren kann. Fand da am Montag in Asch eine Volksversammlung statt, ans deren Tagcsord- nung„Kommunismus und Sozialdemokratie" stand und die mit ihren Anhängern ,zit füllen, die.Kommunisten alles aufgeboten hatten. Sic hatten dort die überwiegende Mehr- heil, sie stellten das Präsidium, sie be< schnitten dem Genossen Hillebrand die Rede- zeit, sie brachten selbstverständlich ihre Revo- Iniion zur Annahme— und holten sich trotz- dem in der Hibc des Nedegcfechtcs, in denen die ganze Ascher Garnitur antreten mußte, eine gründliche Blamage.— Einer der streit- baren Konfusen hetzte gegen die Zahlimg von Partcibciträgcn. Ret, vielleicht gelingt es den Kommunisten wirklich, ihre Organisation mit Luft und Phrasen auszubauen. Wer daran zweifeln sollte, weiß auch, daß sich solche Ideen ja nur gegen die s o z i a l d e in o l r a- t i s ch c n Parteibeiträge und gegen die Ge- hatte sozialdemokratischer Vertrauensmänner richten, die ja sann und sonders korrupt sind. Ein zweiter kommnnistischer Redner hielt auch nicht hinterm Berge und behauptete, in der Sozialdcinolratie seien eine'Menge Leute, die wegen nnlautcrcr Gcldgeschichtcn ins Krimi- nai gehören. Sosort aufgefordert, Rainen zu nennen, geriet er natürlich in Verlegenheit und blieb die Antwort schuldig. Vorläufig wissen die von'Asch also doch noch nicht, wer von uns denen von Chodan Gesellschaft im Kriminal leisten soll. Tie Affäre Chodan be- ratete ihnen in dcr Versammlung natürlich auch Unannehmlichkeiten. Sie wußten nicht aus und nicht ein, als festgestellt wurde, daß jener Spiel a, der die Teilnahme von Kommunisten an dem Ehodancr Mord angezeigt Halle und dcr nach ihrer Darstellung schon im I n n i als„Spitzel entlarvt" wurde, n o ch im Angnst in Asch kurze Zeit als Parteisekretär tätig war. Kurzum — Blamage häufte sich ans Blamage. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie folgende Gc- genüberstelllliig ans die Versammlung gewirkt haben mag: Kommunist Bitek behauptete, die S o z i a l i s i c r u» g sei im kapitalistischen Staate unmöglich— und Genosse Hille- brand stellte gleich darauf sest, daß die tschcchi scheu Kommunisten im Prager Parlament T o z i a l i s i e r u» g s a n I r ä g e gestellt ha- den.— Wie lange wohl, werde»» bei solcher Konfusion die Kommunisten ihre Hochburg 'Asch noch halten können? Es wäre gut, wenn sie sich ei» wenig an ihre Entwicklung in Jon- ch i m c> t a l erinnerten. Dort stimmten im Dezember 1920 in einer Massenversammlung unter Trizubskys Leitung nur 10 Personen, für die Sozialdemokratie— heute zählt die Sozialdemokratie in dieser ehemals fast ganz kommunistischen Stadt bereits über 000 Parteimitglieder. Wenn wir richtig orientiert sind, dürste es von Ioachimstal nach Lisch nicht allzu weit seilt! Wie das Briefgeheimnis in dcr Republik gewahrt wird. Die Geschäftsstelle Olmütz des Verbandes der deutschen Sclbstvcrwal- tllilgskörpcr hatte ans Konzeptpapier eine Briefhülle augcscrligt, gut vcrtl-bt und zur größeren Sicherheit auf der ganzen Adreßseite mit einem weißen Blail Papier überklebt. Auf diesem Weißen Papier war die Adresse mit Maschinenschrift angebracht worden. Während dcr Postbcsörderung wurde nun dieses weiße Papier losgerissen und der verletzte Brief»!»- schlag neuerlich mit der Adresse von fremder Hand versehen. Es handelt sich also nm cinc unverschämte und unvcrhülltc Verletzung des Briefgeheimnisses, wie sie übrigens der gc- nannten Geschäftsstelle bereits mehrmals»vi- verfahren ist. Tie bisherige» Beschwerden hatten keinen Erfolg. Vielleicht nimmt das Postministerium doch wenigstens jetzt Anlaß, dieser durchaus nicht zufälligen Wiederholung von Verletzungen des Briefgeheimnisses sein Augenmerk zu scheuten. Die staatliche deutsche Aibliothckarschnle in Aussig wird mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 1921 errichtet werden. Tic Veröffentlichung dcr provisorischen Statuten dieser Schule wird in einer dcr nächsten Nnninicrn dcr Mitteilungen dc-s Ministeriums für Schulwesen und VolkSknltur erfolgen. Tic deutsche Bibliothe- karschulc in Aussig ist bestimmt zur Ausbildung von Buchwartcn im Hauptamte für Städte von nichr als 10.000 Einwohnern. AufnahmSbedingungen: Ablcgnng dcr Reise- Prüfung einer Mittelschule oder erworbene Erfahrungen im Büchcrcifach. Anfnahms- gesuche sind an die Volksbücherei in Aussig zu richten. Eine ukrainische Privatiinivcrsität in Seilt- bcrg. Tie Blätter melden, daß in den näch> sie» Tagen in Lemberg die ukrainische Privat- Universität eröffnet werden wird, Bis jetzt haben sich 9000 Hörer gemeldet. Tie Bor- lesungcn werden im Saale des ukrainischen Nationalhauses stattfinden. Tie Universität lvird mit der a m c r i k a n i s ch c n An l e ih e auf welche amerikanische Ukrainer bisher 000.000 Dollars gezeichnet haben, erhalten werden.— Diese Meldung zeigt, wie es um das Recht der ukrainischen Minderheit in Po- ten bestellt ist. Diese Minderheit ist so stark, Eette 6. Sozialdemokrat 22. September 1921V hnfl sich int erste» Austritt» schon 3000 Hörer zum Hochschulstudium melden. Trotzdem hält es die Polnische Regierung für überflüssig, den Ukrainern eine Universität zu geben. Den wohltätigen Spenden amerikanischer Lands- lcnte verdanken es die Ukrainer Polens, wenn ihre Söhne und Töchter Hochschulstudium ge- niesten können. Keine Sperrung der Wiener Börse. Ans Wien wird gemeldet: Mittwoch hat eine Plc- narsitzung der Börsenkammcr stattgefunden, in welcher die gestrigen Demonstrationen zur Sprache gelangten. In der Sitzung ist erklärt worden, dast zu einer Sperrung der Börse kein Anlast vorliegt, zumal die verantwortlichen Kreise erwarten, dast die Ruhe und Ordnung leine Störung erfahren werben. „Tic ultramontane Politik der Gegenwart", lieber diesen Gegenstand hält Samstag, den Tl. September, um 8 Uhr abends im grasten Saale der Urania, Prag—2., Smetschkagasse 22, Abgeordneter Genosse Karl L c u t h n e r- Wien als Gast der deutschen sozialdemokrati- scheu Bezirksorganisation Prag einen öf- s e n t l i ch e n V o r t r a g. Schlafwagen dritter Klasse beabsichtigt, dem Beispiele der nordischen Länder folgend, die Neichsbahnvcrwaltnng Deutschlands auf vielbe- sahrencu deutschen Babnstrcckcu möglicherweise schon zum Fahrplanwcchscl am 24. Oktober versuchsweise in den Dienst zu stellen. Dieser neue Schlafwagen, von dem zurzeit zehn Stück im Bau sind, wird in zwölf sogenannten Halbabtcilen 86 Schlafplätze enthalten. Die Schlafplätze, drei übereinander angeordnete Liegestätten, werden mit Licgepolstern und Keilkissen ausgerüstet, während die Reisenden für Decken und Bett» Wäsche sorgen müssen. Vom Zchlachtsetd der Arbeit. Gestern um 1411 Uhr vormittags siel der Dachdcckcrlchrling L a d i s l a u s H l n s ch i ck a aus Libcznitz vom Dache des Hauses Rr. 50 in der Palackqstraße in Holcschowitz, wo er Reparaturen ausführte, und verletzte sich tödlich. In hoffnungslosem Zustande wurde er ins Allgemeine Krankenhaus geschafft, wo er starb.— In der Ringhosfcrschcn Fabrik in Smichow wurde gestern um 149 Uhr vormittags von der elektrischen Berschiebescellc in die Mouticrungswerkstättc ein Waggon abgc- lassen. Zur selben Zeit ging der 55jährige Schlosser Joses A l b r c ch t aus Smichow über das Geleise und geriet zwischen die Puffer, welche ihm den B r u st k o r b zerdrückten. Er wurde, tödlich verwundet, ins Allgemeine Krankenhaus geschafft, wo er bald seinen Verletzungen erlag.— Auf dem Wilsonbahnhose lud gestern um Uhr nachmittags der Gcschästsdicncr Joses T v p i c aus Prag neunzehn Säcke mit Holzschuhen im Gewichte von sieben Mclcrzcntcrn auf einen zweirädrige» Handwagen. Als er ihn in die Höhe heben wollte, rutschten die Säcke herab, überschütteten ihn und verletzten ihn sehr schwer. In bewusttlosem Zustande wurde er ins Allgemeine Krankenhaus gebracht. Schwer verletzt wurde gestern gegen 2 Uhr nachmittags die 0-Ijährigc MctallqrbciterSgattiu Marie Prochazka aus Lieben, die von einem Wo- gen der Elektrischen Nr. 14, den sie infolge ihrer Schwerhörigkeit nicht kommen Hörle, in der Fügncrftraßc in Lieben niedergeworfen wurde. Sie erlitt sehr schwere Verletzungen am Kopse und wurde von der Rettungsstation ins Allgemeine Krankenhaus überführt. Arbeitseinstellung. Gestern früh stellten fünfzig beim Ncubane dcS Sportplätze? des Trabrcnn- llubs(Klusackv klub) am Bclvcdcrc beschäftigte Arbeiter die Arbeit ein. Die Streikenden Verlangen eine Lohnerhöhung von sieben auf zehn Kro- neu für die Stunde. WasserstandSbcricht. Sohcnfurt—2, Budwcis — Lti, Tabor+ 8, Moldautcin— 1, Pisek+ 16, Kamyk+ 9, Stechowitz— 80, Poritsch a. Sa. — 24, Beraun— 42, Modran— 78, Prag+ 20, Karolinental+10, Pardubitz—92, Brandcis — 51, Melnik+25, Laun—71, Lcitmeritz+63, Aussig—58, Tctschcu—73.— Voraussage für den 22. d. M.: Aussig—68, Tctschcn—75 Zentimeter. Kleine Chronik. Blutiger Zusammenstoß mit FaSzisten in Bo- ze». InnSl> r u ck, 21. September. Der Inns- brucker„Tiroler" meldet: In Bozen kam es letzten Samstag gelegentlich der Eskorte von Faszistcn, die eine Bauernfrau zur Herabsetzung der behördlich festgesetzten Brotprcise zwingen wollten, zu einem blutigen Zusammenstoß. Einem der Faszistcn tvurde von der Menge ein Stock entrissen, worauf er einem Machmann mit einem Peitschenstiel einen Hieb über den Kopf versetzte. Ein zweiter Polizist machte von der Seitcnwaffe Gebrauch und verwundete den Faszisten durch einen Hieb über den Kops. In dem darauf cnt- standcnen Tumult mißhandelte die Menge die Faszistcn, die dann die Flucht ergriffen. Der Trientiner Gencralkommissär ord- nete die E i n st c l l n n g der Tätigkeit der Polizei auf drei.Tage an. Karabinicri ver- sehen den Sicherheitsdienst, während im Rat- hause Militär untergebracht wurde. Statt Brötchen— Bleikugeln für Arbeitslos«. Der„Matin" meldet vielsagend aus N e w.>. Spalt 100 g„ Hemd, Original.. 30 » Prima„ 38 „ Unterhose, Original 24 .. Prima„ 29 HEMDS EMIL GRIMM, OLM0TZ 10. ^ Glirislbaumscbmuck S ^ Reichhaltiges Sortiment schöner ^ Neuheiten versendet von Kc 259 hj aufwärts an Wiederverkäufer 3 Wilhelm Opiatka, hJ PRAG I., Mlkulasska 7. S Bijoalerie, Celluloid- und Glaswaren-FaUrik. Vertrauliche allerbeste Bezugsquelle. Billige Bettfedern vom Gänsezuchter! 1 kg grnue Halbschlclsstc- dem K£ IS*-—, haltnvelssc geschlissene Ki 22— u. 24.—, weisse flaumige K£ 35*—,10.— und S0—, Herrsclialts-Haib- flaumschlciss KC70*—u.80*—, hochfeine KJ90.—.unßcschl., weisse,feine KC62*—u.80—, •rrosse fertige Tuchcnte, gut -füllt KC 160.-, 190.— und ___'-SO.—, Kopfpolster Ki 40—, ... SS*—u.73.—versendet gegen Nachnahme Wenzel Fremuth, Deschenltz Nr. 145, Böhmerwald. Nichtpass. tausche um od. Oeld zurück. Ausführliche Preisliste gratis. 3 Gastwirtschaft 5« X Kehle• Koks• Holz liefern fuhren- und waggonweise 5 L. Reimann Söhne, Prag II., Väclavske näm. 47. KautscbuK-Sfamplgllen- erzeugt schnell, gut und billig Franz Chmel, Prag lt. NeKazanKa 18. 92 Ii amerik. Roll-Flachpulte, Registraturen, Kassen, Regale, Verkauf spulte, Gasthausmöbe! etc. offeriert den p. t. Gewerkschaften und Genossenschaften zu Vorzugspreisen ü. Kominih, Prag II., „Lidov^ dum der Genossenschaft„Qanymcd" Prag II., Hybernskä 7.* Genossen unterstützet das genossentch. Unternehmen 1 Vorzüglicher Mittagstisch, Abendessen | und Gctrünke, Trinkgelder aufgehoben t ABADIL Die nächste Prämien-Berteilung erfolgt am 30. Oktober 1921. 10000 Prämien 59 imWcrte von K£ 250.000 gelangen an ABADIE- ü;" tHV. ucl 2 er zur Verteilung. Letzter Termin lur die Einsendung der Rcklamemarken und Ziga- rcttenpapier-Umschlage 15. Oklobor 1021. »t, J j'i s« U c'' filz' 11- 4? s PrätnlenbureAU der f),„ vu. i C W* Responsabilltd Limite, Prag VIII., Llpanski 361. Tetephon 3832. Verlangen Sie überall Ä US MARI EN BAD. Generalrepräsentanz für die Csl. Republik: Bank fQrBrau!ndusfrle,Praa IL Havlfikovo ndm. Nr. 25. 22. September 1921. Die diinnij tu SuMett. rc!t c"'? ö Ä tctt nus I"dicn besagen, laß die Aufständischen den„heiligen Krieg" icgen die Hindus eröffnet beiden. Trifft das m p sind die Engländer auf gutem Weg. den Heber so wie so nicht ernstlich gefährdeten Bell, des Landes wieder fest in die Hand Soztaldemolrar lekommcn. Denn zittern müßten'sie erst, renn die eingeborenen Bewohner sich zn gc- ticinsamcn Händeln gegen die Zwingherren lervanden. Solange die Briten mit dem alt- säniischcn Leitsatz„Teile und herrsche" aii-zu- onnnen vermögen, steht ihre Sache günstig Tiefes„Teilen" machen ihnen die bunten hcvölkcriingS- und Religionsv-cm Ganges und dessen bedeutendsten Neben- stlß. dem Dschamna, spendet der Boden krüchte in ungemessener Fülle und mit dem licichtum eint sich der Zauber einer seltsamen ropischcn Schönheit. Zwar sind von den nebr als•!'- Millionen Quadratkilometer der Güsten, Gebirge und sumpfigen Dschungel oegen nur rund 50 Millionen Hektar bebaut, Iber von diesen deckt England 70 Prozent sei- «er Reis- und 18 Brozent seiner Weizenein- tchr. Baumwolle, Jutte,.Kaffee, Tee, Tabak, >nnm. vorzügliche Hölzer, von Ticrproduktcn sedcr, Wolle und Seide, dann Perlen, Gold, diamanten und Rubine bilden starke ErPort- crtikel, gesucht sind auch die Teppiche, Seiden- md Baumwollgcwebe, welche die Juden mit feinsten Kunstsinn verfertigen. Die starte Ausbeute, welche das Land seinen siroberen versprach, lockte früh Fremde dort- An. Zwar der Zug Alexander d. Gr. und die Nissiouswandcrung des marokkanischen IS- anivcrkilndcrs Jbn Batuta gehören mehr in Sas Reich romantischer Abcntcucrfahrtci' Sann aber drang der Islam auch erobernd und beherrschend vor. Noch realere Ziele verfolg- tcu die von Basco de Gama um 1500 ringe- leiteten Seefahrten der Portugiesen, die ein Jahrhundertlaug das Land ausbeuteten, um Sann, durch die Verbindung mit Spanien in Ihrem Lebensnerv getroffen, die weitere Aus- nntznng der englisch-indischen Kompagnie(seit t0vv) und der holländisch-indischen Handels- Gesellschaft notgedrungen zu überlassen. Wie diese Gesellschaften geplündert haben mögen, zeht ans den jährlichen Gcwinnstziffern von 100 bis 200 Prozent hervor und um dieses wichen Profites willen war auch der Kampf (wischen den beiden Handclsunternchmungen iah genug. Von Faktoreien aus, zu bereu Gründung der Großmogul sich die Erlaubnis ablocken ließ, geschah die„friedliche" Erobc- nmg des Landes. Rücksichtsloseste Gewalt, Usi und Betrug mußten den Briten herhalten, um die verschiedenen Konkurrenten, Holländer, ^"ucn und die gefährlichsten, die von Colbcrt auf die Spur gebrachten Franzosen/ zu vcr- drangen und um nach und nach Bengalen, Be- narcs und Maisnr zu erobern, wie das um 1770 Lord Clive und Warren Hastings glückte. Bezirk um Bezirk wuchs der Ostindische Koni- Päonie, bzw. der englischen Regierung, die 18o8 nach einem gewaltigen indischen Aufruhr an deren Stelle trat, zu, so daß Großbritanicn heute 214 Millionen Quadratkilometer in Bor- derindien sein eigen nennt und außerdem über einige hundert Schutzstaatcn mit weite- reu W Millionen Quadratkilometer gebietet. Als Schatzkammer von Lebensmitteln und Rohstoffen wie als ungeheueres Absatzgebiet, dessen 315 Millionen Menschen die Hälfte der gesamten britischen Produktion konsumieren, für England die Schlagader des materiellen Lebens, kann Indien vom Herrenvolk ans mit allen Mitteln der klugen Berechnung in Bot- Mäßigkeit gehalten werden. Tie Hindus haben sie sich gewonnen, indem sie die Großzahl der kleineren VcrwaltungSbeamtcn ihren Reihen entnehmen. Den Musclmanncn schützten sie die Vorrechte, die sie als Eroberer den Hin- dus gegenüber besaßen, sie unterstützten ihre militärischen Neigungen und liehen ihnen gern den Glanz ihres freundschaftlichen Verkehrs, so daß sich die Muslinen wenigstens in dem Wahne wiegen konnten, noch die Herrenkaste unter den Einheimischen zu sein. Ihre geringe Neigung zu Studien kam den Briten erst recht zupaß. Die 00 Prozent analphabetischen Männer und die 00 Prozent analphabctischcn Frauen in Indien sind gewiß eine der besten Verankerungen englischer Herrschaft. Des- halb müssen wir es als den ersten Schritt zur Selbstbestimmung der Inder bezeichnen, daß diese sich seit 1835 zu einem alljährlich abge haltencn„Allindischen Nationalkongrcß" zu sammenfanden, der neben Wünschen und Be- schwerdcn an die Regierung auch die Frage der Volksbildung sich zum Ziele setzte. Die Muslinen vereinigten sich von 1800 ab zu einer„Erzichnngskonferenz", ließen sich die Errichtung einer Mittel- und Hochschule angc legen sein und emanzipierten sich von Jahr zu Jahr mehr von englischen Einflüssen, bcson. dcrs seitdem sie sich 1000 zum altiudischen muslinischcn Verband erweitert hatten. Bis 1012 konnten sie noch als die verläßlichsten Gefolgsleute der Regierung gelten. In die sein Jahr bekannten sie sich zum erstenmal deutlich zu den nationalen Idealen, die bisher die Hindus vertreten hatten, und begannen gleich diesen das„Swaradsch", die Sclbstver- waltung, zu verlangen. Während des Krieges vereinigten sich die beiden großen Einhcimi- schengruppen 1015 zu gemeinsamem Vorgehen und nötigten so ihren Herren die ersten ein- schneidenden Zugeständnisse ab: Zwischen 1017 und 1010 wurde eine indische Verfassung geboren, zwar die Spottgeburt einer solchen, die aus ein Drittel Prozent der Bevölkerung mit dem Wahlrecht bedacht, aber doch^eine Verfassung und ein Parlament! Der Stein war im Rollen. Gemäßigte_ Forderungen verstummten, immer lauter ertönte der Ruf nach Unabhängigkeit. Die erste Phase der Rc- Volutionen, die nationale, steht in Indien viel« leicht nahe vor der Türe. Sic hat ihren Schlachtruf in der von Karamchand Gandhi eifervoll-prophetisch verkündigten„Non-Koo- peration" gefunden. Dieser nmSlamische Tol- stoj meint damit die völlige Bopkottiernng aller britischen Waren und will, daß sich Indien industriell ganz ans eigene Füße stelle. Das ist nun freilich, weil dazu so viele Voraus« sehungcn fehlm und weil das von Gandhi gc- Priesen« Spinnrad nun einmal nicht die Maschine ersetzen kann, eine naive, unserem ökono- mischen Denken schnurstracks zuwiderlaufende Forderung. Gewiß aber hat die Zahl der clek- irischen und Wasserkraftanlagen, von Stahl- und Eisenwerken beträchtlich zugenommen, Maschinen werden im Lande erzeugt, Inte und Baumwolle hier in weit bedeutenderem Um- fang verarbeitet als vor einem Jahrzehnt. Feuilleton. Vcr Serg. der (t) große Bon Karl Capck. „Nein, wozu?" wunderte sich Rann. „Sic sind also nicht als jemand verkleidet?" „Nein, daS bin ich selbst," sagte der Detektiv leschciden. Jevisek empfand mit einem Schlage sine Zuneigung zu dem traurigen und stillen Ranne.„Ist es schwer, Detektiv zu sein?" tagte er ihn. „Das nicht. Es hängt vom Charakter ab. kind Sic nicht Musiker? DaS ist ein weit lichterer Beruf." „Q, glauben Sie nicht", rief Jevisek aus. Zum Beispiel eben jetzt... Ich komponierte .ämlich etwas Größeres, ein Quartett— kurz, ich konnte nicht weiter. Ich weiß mir einen Rat mehr. Es ist mir entglitten." „Sic müssen ihm nachforschen," meinte der Detektiv. „•£), der Künstler sticht immer. Das ganze kebcn hindurch. Aber jetzt hat es mich ansge- chöpft Darum bin ich mit Ihnen gegangen, im ein wenig zu vergessen, um mich zu er- dichter»."„,. „Ich glaubte, Sic waren aus Neugierde ge- langen, wie der andre Herr." „O nein, ich bin eigentlich ohne Interesse ,«gangen. Ich freute mich, daß ich etwas ehen werde, etwas Ungewöhnliches und Anfre- icndcs. Manchmal braucht man eine Ersehnt- rrung. Ach, nehmen Sie nicht öfter mit sich. „Recht gern," sagte der Detektiv ernst,„falls schnei» befohlen wird, zn gehen. Aber ohne stefchl gehen Sie nicht. Es ist nicht gut, einen Renschen zn verfolgen." In Jevisek regte sich das Gewisien. i|i ja ein Mörder," verteidigte er sich. „zcndicn den Jndicrn!" ist der Grundgedanke all dieser Erscheinungen, der PanislaniismuS »igt sich ihm als willkommene Waffe ein. Er wurde, wie wir wissen, durch die Niederlage des SiiltanS im Weltkrieg mächtig angefacht, denn die indischen MuSlineu fühlen sich durch den Sturz von Mohamcds Nachfolger schwer getroffen. Ein kriegerischer, leidenschaftliche» Stamm wie die Moplahs, die Träger der gc- gcnwärtigcn Erhebung, könnte aus dieser Er- bittcrnng heraus ganz Wohl zur Empörung getrieben werden. Denn diese Handvoll Men- "chen(sie zählen im ganzen eine Million und leben an der Küste von Malabar) hat sich mit dem Gedanken, der Briten Untertan zn sein, nie vertraut machen können, so 1800 wie 1850 haben sie den Europäern blutige Schachten ge- liefert, Fischer, Schiffer und Bauern von Be- ruf, verkörpern sie den Trotz und den stolzen Unabhäitgigkeitsdrang. Ein soziales Motiv mengt sich ihrem Handeln mit ein: als kleine Pächter werden sie von den großgrundbesitzrn- den Hindus nach allen Regeln der Kunst ans- gebeutet. Das erklärt uns auch, weshalb sie gegen die Hindus den„heiligen Krieg" vcr- künden. So sehr man die Empörung der Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter begreifen und begrüßen darf— der Freiheit dienen die Moplahs mit ihrem neuen Kampfruf dennoch nicht. Sic sprengen die Einheit der Bcvöl- kerung dem noch ärgeren Ausbeuter, England, gegenüber und geben diesem so die willkommene' Gelegenheit, alle Ansätze der Befrei- und wieder zu verrichten. Allzuwahrscheinlich ist das freilich nicht. 300 Millionen Menschen sind zum bewußten Eigenleben erwacht. Das muß weitcrwirlm, weiter bis an? Ziel. Die kapitalistische Welt und ihr gewaltigster Vcr- trctcr, England, kann im Lauf d:r Entwick- lung von Indien auS einen erschütternden Stoß erhalten, der auch dem ganzen kapitalisli- scheu System gefährlich werden kann. Seite 1 gen noch vor einer BcrständigungSkonscrenz. Vermutlich waren die Herren der Welt der Meinung, daß ein recht lauter Schreckschuß, wie Lloyd Georges Brief, genügen werde, um ein ganzes, verzweifelt für die Freiheit kämp- fendeS Volk in die Knie zu zwingen. Der Satte begreift nun einmal die Not des Hungernden nicht. HorthyS Dcmcntierspritzc. Budapest, 2l. September.(U. T. K.) Die Berichte der Wiener Blätter über die A u S- rnfnng der westungarischenRe« publik sind ebenso ans der Luft gc- griffen>vic die bereits wiederholt deinen« tierten Nachrichten über eine angebliche Mo- bilisierniig in Ungarn. Tic ans die Person des Abg. F r i c d r i ch und L i n g a u c r Be zug habenden Mitteilungen sind umsomehr os fenknndige Erfindungen, als Stefan Friedrich bekanntlich über Aufforderung der Regierung W e stu nga r n schon seit längerer Zeit vcr- lassen hat und sich seither in Budapest auf- hält. Lingauer ist gleichfalls nach Budapest abgereist. Donnerstag beginnt die National- Versammlung. Der Detektiv nickte mit dem Kopf.„Ja, es ist nicht gut, einen Menschen nicht zu verfolgen." „Was soll man also tun?" „Nichts. Alles ist gleich ungut. Schlimm ist es, zu schlagen und nicht zu schlagen, zu nr- teilen und zu vergeben— Alles, hat seinen Schatten und seine Schuld." Jevisek sann eine Weile nach.„Was tun Sie eigentlich?" „Ich tue nur, was ich muß. DaS Vernnns- tigste ist, zu gehorchen. Sich dem Befehl zu unterwerfen." „Und der, welcher Befehle gibt?" „Der fehlt, Herr. Ungut ist es, zu befehlen! und die ärgste aller Berirrungen." „Und doch soll man gehorchen?" „Freilich. Das wär^ dann kein Befehl, wenn man ihn nicht befolgte." „Sie können keine Kunst machen," staunte Jevisek. „Nein," sagte der Detektiv.„Die Kunst ist zu eigenwillig." „O, auch die Kunst hat Regeln, die man er- füllen muß." „Befehle?" „Nein, Befehle sind es nicht." „Also sehen Sic," brummte Pilbancr. Jevisek war verwirrt:»hin kamen alle Nn- sichcrhciten, alle quälenden Zweifel in den Sinn, die er in seiner Kunst zn ertragen hatte; um wieviel besser wäre ihm, wenn ihm irgend- eine höhere Stimme einfach anordnete, was und wie— Entfernt und melodisch erstand ihm das Motiv der höheren Stimme. Still folgte Jevisek dem großen, finsteren Manne, welcher mit absoluter Sicherheit in» Dunkeln einen Weg fand, den er nicht kannte: während er, Jevisek, der hier zn Hanse lvar, sich hun- dertmal verwirrte und stolpernd eine Wegbie- Ansilllld. Der Freiheitskampf der Iren. In London scheint man gewillt zn sein, die Iren mürbe zu machen. De Valera hat die letzte Note Lloyd Georges dahin beantwortet, daß der Dail Eircann Unterhändler jederzeit zu schicken bereit sei, wenn er dadurch nicht von vornherein seine Stellung festlege und also «rotz der Entsendung freie Hand behalte. An der ursprünglichen Forderung gemessen, Irland wolle mit England wie ein souveräner Staat mit dem anderen verhandeln, bedeutet das gewiß ein beträchtliches Entgegenkommen. Aber die englische Presse zeigt sich„enttäuscht" und befürchtet den Abbruch der Verhandln»- gung suchte, welche nicht war, oder die Rich- tuiig dort, wo der nächste Schritt ihn vom Felsen stürzen würde. Wie sind sie ihrer selbst sicher, dachte er nach. Slavik, der voll Erkenntnis ist; der Kommissär der befehlen darf,— welche Sicherheit ist dem Menschen die Macht! Und Pilbancr, von Unterwürfigkeit erfüllt; wie sind sie sicher, während ich keine Ruhe habe— Tie Schönheit läßt mich nicht schlafen und läßt mir keine Ruh; niemals, niemanden gibt sie Gewißheit. Lieber ein Detektiv sein, schwirrte es bang durch Jcviscks Kopf; und wenn schon suchen, also wenigstens nichts Uebermenschliches, das dem Menschen entfliehen muß! Ich verfolge ja auch, fiel ihm ein,— hie und da finde ich eine Spur oder erhorche ein Echo; ach, den ewig sich entfernenden Widerhall von etwas Vollkommenem! Eines Engels, welcher singt! „Was singen Sic da?" fragte Nilbaner aus einmal. Jevisek erschrak und Hitze durchströmte ihn: „Ich habe gesungen?" „Gesungen. Gesummt. Etwas sehr Schö- nes." Jevisek durchströmte eine neue, freudige Woge:„Wirklich! Ich danke Ihnen! Ich hatte gar keine Ahnung— wie war c§ eigentlich?" „Es war— es war— ich weiß nicht mehr. Es veränderte sich fortwährend, anders und anders— Ich erinnere mich nicht mehr. Schön war's." Inzwischen näherten sie sich dem Gipfel des Berges. Jevisek sann nicht mehr nach und sang auch nicht. Pilbancr führte ihn schwci- gcnd und sicher vorwärts.„Jemand läuft, bleiben Sie stehen," flüsterte er plötzlich. Jevisek spannte das. Gehör an, aber vernahm nur die Orgel der Berge.„Still,"wiederholte der Detektiv. Gens, 20. September, lisch. PB.) Die 0. Koni- Mission(Politische Angelegenheiten) beriet heute Über die A 11 fnahme Litanc n?. Sie wurde gegen die Stimmen der Polen und Rumänen be- schlössen. Moskau, 21. September. Ter Vertreter de? Deutschen Reiches, Wicdcrfeld, hat gestern seine Beglaubigungsdokumcntc überreicht, wobei zwt- schen ihm und dem Vorsitzenden des allrussischen ZentralvollzugSanSschnsses Kalinin die üblichen schönklingeuden Reden ausgetauscht wurden. ilciic Zngend. Aus schweren Wirren der Kriegs- und Nach- kriegSze.it hat sich unsere Jugend zu Weg- und Zielklarheit durchgerungen. Nach dem Zusam- mcnbruch der alten Ordnung, jener Ordnung, unter der auch sie viel gelitten, strömten die jüngeren Arbeiter den sozialdemokratischen In- gendorganisationcn zn, in solchen Massen, daß es unmöglich war. sie sofort zu schulen, sie sofort zu planmäßiger sozialistischer Bildnngs« arbeit zu sammeln. Groll über erlittene Drangsal, Haß gegen die gesellschaftliche Qrd» nni'.g, die zarte Jünglinge unter die Despotie des KricgsleistungSgesetzes stellte und ans die Schlachtfelder trieb, und überschwängliche Be« geisterung für eine neue Welt, die sie sofort mit ausbauen zn können hofften,— sie machten große Massen junger Arbeiter zu radikalen Sozialdemokraten, die sich mit bciviindcrnngs- würdigen» Fleiß, in zäher, opferwilliger Arbeit eine Organisation bauten, die knapp zwei Jahre nach dem Kriege gegen drcißigtansend Mitglieder zählte. Aber diese jungen Radika- fei» waren ebenso eifrig, wie sie am Bau dieser Organisationen gearbeitet hatten, zu ihrer Zcr» störnng bereit, als ihnen dies, zur raschen Her» bciführniig der„Wcltrevolution" notwendig erschien. Auf diese gärende Menge, auf diese tatendurstige, Wunderwerke von der eigenen Kraft und vom eigenen Willen erwartenden Jugend, die so gern über all? Schwierigkeiten des Weges hinwegsah, weil sie eben Jugend war,— ans diese Jugend mußten die kommu- Im Regen stürzte vor ihnen, wälzte sich, sprang die riesige Masse eines menschlichen Körpers nieder und verschwand in der Fin- sternis. Jevisek, furchtbar überrascht, machte sich ohne Laut hinter ihr her aus irgendeinem jägerische» Urtrieb heraus. Pilbancr lief ihnen nach, aber der Nebel verschlang sie; da winkte er mit der Hand und machte sich auf den Weg zu der Einschichte. « Inzwischen hate es schon zu regnen aufge- hört und es siel Nebel ans die Gipfel der Berge. Ter Himmel tvurde rein, und der Mond durchstrahlte die dichten Nebel mit mit- chigcr Helle; die weite Landschaft hüllte sich in weiche und fast süße Stille. Jevisek eilte der fliehenden Masse nach, so rasch er nur vermochte; es war ein wildes Sichschlängcln über den Gipfel des Berges, stumm und hartnäckig. Jevisek ging der Atem aus.„Ich kann nicht," hauchte er und stand still. „Auch ich kann nicht," ertönte auS dem Nebel eine ferne Stimme. Jevisek setzte sich aus einen Ticin und at- mete heftig. „Einen Kranken jagt ihr," sprach die Stim» nie heiser und stark.„Ihr habt ihn vom Lager getrieben und ihm das Obdach geraubt. Ist euch das nicht genug? Habt ibr mir wenig getan?" „Sie sind krank?" rief Jevisek. „Was wollt ihr noch?" klagte die Stimme. „Das ist unmenschlich! Widerwärtig! Laßt mich endlich!" „Sie können nicht fortgehen," sagte Jevisek beunruhigt.„Sic würden Sie fangen...• sie haben den Berg umzingelt." „So viel? seid ihr?" sagte die Stimme mit erhöhter Bitterkeit.„Das ist eine Schande! Seite 4. ®o jurbemolt at » m I I nistischcn Schlagwortc ltiiflciitctn verführerisch lüivfcit. War die Verheißung nicht lockend, den „Alten" voranzugehen, ihnen zn zeigen, tvic nian's macht? Mußte es nicht auch der fugend- lichcn Eitelkeit fchineichcln, der ganzen Klasse voranstürmrn zu können. Kein Wunder, daß ein sehr großer Teil der Jugend den kommunistislhen Phrasen erlag, dein Anschluß an die kvnmumistische Jugend zustimmte und daniit den Verband sprengte? Den» ein großer Tri! ging von allem Anfang an den Weg in die Irre nicht mit, wurde, weil er sozialdemokratisch blieb, ans dem kommnni stisch getvordcncn Verbände aufgeschlossen und gründete darauf eine neue Organisation, den „Sozialistischen Jugendverband".—' Aber auch kein Wunder, daß der kommunistische Verband in der selbe» Zeit, da die sozialdcmo- kratische Organisation erstarkte und sich festigte, an Mitgliedern und Gruppen verlor und in vielen Gebieten, die er noch vor einem halben Jahre vollständig beherrschte, zur Bedeutungslosigkeit herabsank. Tie so leicht bc- geistert waren, waren ebenso leicht enttäuscht, als nichts von dein geschah, was ihnen verkün- dct worden war, die Revolution ausblieb und alle die großen Aktionen, zu denen s i c bcru- sc» sein sollten. Mit Phrasen haben die Kom- munisten die Jugend gefüttert und— überfüttert. Sic wurde bald der großen Worte müde, verlief sich wieder zn Spiel und Tanz, oder tauchte plötzlich— bei den Tcutschnatio- nalen ans, sodaß als bedeutsamster Erfolg der kommunistischen Tätigkeit unter der Jugend die Zunahme des Jndifferentismus fcstzustel- lcn ist. Tie im„Sozialistischen Jugendverband" vereinigten Jungproletaricr blieben vor solcher Enttäuschung bewahrt, wurden nicht früh bla- siert, weil sie im Kampfe gegen die kommnni» stifchcn Phrasen gereift waren, in diesem Kampfe erkannt hatten, daß nicht die Jugend allein, nicht Wille und Kraft allin zur Revo- lution genügen, daß dazu sich gesellen muß das Wissen und die Erfahrung, daß Tatkraft und BegeisternngSfähigkeit der Jüngeren sich paa reu müssen mit der kühleren Erwägung des Erwachsenen. Als ihre besondere Aufgabe, aber auch als ihr Glück und ihre Freude sehen sie es deshalb an, zu lerne n. Es wird wirk- lich gelernt in unserer Jugend! Vorträge und Tiskussioncn in den Gruppen geben die Anlei tungen, aber die wichtigste Aufgabe des„So zialistischcn Jngcndbcrbandcs ist wohl die, den Willen zum Lernen in der Jugend zu wecken,, den Willen zur Arbeit an sich selber, die jeder Einzelne leisten muß, für sich und doch in der Gemeinschaft. Darum legt das neue Programm, das sich der Verband gc geben hat, so großen Wert ans die Selbst- crziehung. Tic Jugendlichen sollen bewußt an sich selber arbeiten solle» versuchen, schon innerhalb der kapitalistischen Welt nach sozialistischen Grund sätzcn zu leben. Das aber heißt, in der Ge, mcinschaft leben, für die Gemcinschast leben, den Egoismus zurückdrängen, seine Handln» gen durch das Interesse der Gesamtheit bc- stimmen lassen. Es heißt, den Kampf anfneh- nie» gegen die Einflüsse der kapitalistischen Umwelt, bewußt ande r s sein wollen, als Zcr Kapitalismus die proletarische Jugend gc- stalten will. Ans diesem wahrhaft revoln- Gott, 0 Gott, was Was fange ich jetzt an? fange ich an?" . Jcvisck verharrte in schmerzlicher Verlegen- hcit. „Jesus Christus," klagte die Stimme,„was fange ich jetzt an? Sic haben den Berg um- zingclt... Christus Jesus!" Ein strahlendes Weiß erfüllte Jeviscks Herz. „Herr." begann er bebend. „Was fange ich jetzt an," zitterte im Nebel die Stimme.„Ich bin verloren! Verloren! Verloren! O Gott, wie ist das möglich!" '„Ich helfe Ihnen, Herr," rief Jcvisck hastig. „Verraten wollen Sie mich, jammerte die Stimme.„Vater unser, der d» im Himmel bist, geheiligt werde dein Name, dein König reich komme, es geschehe dein Wille... dein Wille Laß mich entrinnen! Gott, laß mich 'entrinnen!" ! Da empfand Jcvisck Schmerz, Begeisterung, Grauen,— Liebe und Verwunderung, Freude Weinen und leidenschaftliche Tapferkeit: und 'er erhob sich bebend und sagte:„Kommen Sic, sie bewachen nur die Wege. Ich gehe mit Ihnen. Fürchten Sie sich nicht." t i o n ä r c n Wellen, aber ebenso aus dem Wi» verstand gegen die Jugendverrohung, die Fol- gc des Krieges ist, entspringt der Kampf nnsc- rcr Jugend gegen Alkohol und Nikotin, gegen die Tanzwnt, die geisttötenden und die niederen Leidenschaften werkenden Gewinnspiclc, ge gen Kinoschnnd und Schundliteratur. Diese Jugend, die im Kampfe gegen Alkohol und Nikotin heranwächst, in bewußtem Widerstand gegen die Darbietungen der bürgerlichen Ver- gnügungSindustrie, die es lernt, sich einfach und schlicht zn kleiden, die an schönen Tagen wan- dert, in Feierstunden liest und lernt, die das Kartenspiel verschmäht und an Sonimcrtagen ans Waldwiesen Volkstänze tanzt, während die anderen sich in stickigen WirtShaustanzsälen herumdrücken,— diese Jugend, die im Kamp- fe mit sich selber, im Kampfe mit den kleinen und doch so großen Leidenschaften des Alltags heranwächst, ist eine neue Inge n d. Jeder mußte diesen Eindruck haben, der an dem Jugcndscst teilnahm, das die Jugcndli- chcn des Teplitzer Bezirkes aus Anlaß des Vcrbandstagcs in Eichwald veranstaltet hat- tcn. Ein Fest, bei dem kein Tropfen geistiger Geträngc zu sehen war! Keine der üblichen Volksbelustigungen, kein Vogelschießen, kein Kegelschieben. Dafür aber: Revolutionäre An- sprachen, Schaargcsängc, Volkstänze, AuMh- rnng von Jngendfcstspiclen, Vortrag von re- volutivnärcn Dichtungen. Viele der Jungens in Wandcrtracht, in Hemden, die den Hals os- fen ließen,— die Mädchen ohne steifen Sonn- tagsstaat, Blumenkränze im Haar... Eine neue Jugend wächst hier heran! Gar viele der erwachsenen Festtcilnehmer riefen es freudig aus, und ihre Augen glänzten zukunfts froh... Eine Jugend, die selbständig wird. Selber hat sie sich ihre Organisation geschaffen, sie selber in heißem Kampfe verteidigt. Selber hat sie sich ihr Programm erarbeitet, selber erzieht sie sich. Selber bildet sie ihre Funktionäre he ran, ihre Redner, ihre Journalisten. Selber gestaltet sie sich ihr Leben. Das ist Jugcndb c weg» n g! Noch wird in der Partei das, was hier im Werden ist, nicht genügend gewürdigt. Biel leicht ist es gut so. Denn es wäre möglich, daß da und dort Erwachsene, die den neuen Geist der Jugend nicht verstehen— und es wird im mcr wieder Alte geben, die der Jugend und ihren? Willen verständnislos gegenüberstehen — der Jugend ihre u Willen, den Willen der Alten aufzuzwingen versuchen würden. Nicht? aber wäre falscher als das! Unsere Jugend verschmäht nicht den Rat, die Erfahrung, die Hilfe und Mitarbeit der Erwachsenen, aber man muß ihr Selbständigkeit lassen, damit sie sich nach eigenem Willen entwickeln kann. Es ist ein Beweis des hohen Verständnisses unse rer Partei für das Wesen der Jugcndbcwc- gnng, daß sie nie störend eingegriffen hat, daß sie nie versuchte, Jugendp s l c g c— Drill und Zwang— an Stelle der Jngcndb c w e- gnng zn setzen, daß sie Vertrauen z u r I u g c n d hatte. Es gibt auch keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die Jugend den rechten Weg gehen wird. Proletarische In- g cn d b e w e g nn g kann nicht anders als sozialistisch sein. Die Jugend lebt ja, als Teil des Proletariats, das Leben der Klasse mit, nimmt teil an allen ihren Kamp- fen, erkennt früh den Klassencharakter der Gc scllschaft, im Kampfe lernt sie, ihre Kamps aufgaben führen sie zu eifrigerem Lernen, ihr Lernen schult sie snr den Kampf. Viele tüchtige Kämpfer sind der Partei schon ans den Reihen der Jugendorganisation zugeströmt, noch mehr werden ihr aus der Jugend, die heute in dieser Organisation heranwächst, erstehen: Kämpfer, Organisatoren, Arbeiter. Und sie werden, da ihnen in der geistigsten und gefühlsstärksten Zeit ihres Lebens der Sozialismus zum Erlebnis geworden, mitbringen un- besiegbaren Znkunftzg'cüben, nnanSlöschbare Begeisterung und sie, in denen so viel großes Neues lebendig geworden dereinst die Bern scnstcn sein zur Eimarng der Menschheit. Erich Bruno. Verschiedenes. Die Leidensgeschichte einer deutschen Bür, gerschule. Ans B ö h m i s ch-A i ch a wird uns geschrieben: Seit dem Jahre 1876 besteht in Böhm.-Aicha eine deutsche Bürgerschule, die „Kommen Sic nicht her", schrie die Stimme| hauptsächlich von Arbeiterkindern besucht wird. auf. „Ich gehe mit Ihnen. Fürchten Sie nicht vor mir. Wo sind Sie?" „Jesus Christus", stammelte die Stimme entsetzt.„Ich will nicht, ich will nichts von Ihnen!" Da gewahrte Jcvisck vor sich einen form losen Schatten, und fiebrischer Hauch wehte ihni wurde die fünfklassigc Schule auf eine zwei- klassige herabgesetzt und es wurde ein Orts- schulrat gewählt, in dem 11. Tschechen und 4 cntsche vertreten sind. Dieser OrtSschnlrat verlangte mit der Mehrheit der Gcmeindcver- tretung die Auslösung der deutschen Bürger- schule, obwohl Heuer 110 Schüler diese Anstalt besuchen. Da ein Gesuch um Auflassung die ser Bürgerschule nicht von Erfolg begleitet war, wollte man durch die Verweigerung der Aufnahme ortsfremder Kinder den gewünsch- tcn Zweck erreichen. Die ortsfremden Kinder stammen aber aus den unmittelbar angrenzen- den Nachbargcmcinden, die durch mehr als Ii) Jahre die Kinder in diese Anstalt schicken. Da der Landcsschulrat entschied, daß auch Kin- der, welche mehr als 4 Kilometer vom Schul- gcbände entfernt wohnen, aufgenommen werden müssen, versuchte nun der Ortsschnlrat den Unterricht dadurch zu verhindern, daß er das Gebäude, welches seinerzeit ausschließlich ans deutschen Sammlungen erbaut und dann der Gemeinde überlassen wurde, für tschcchi- schc Schul,zwecke in Anspruch nahm, sodaß die deutsche Bürgerschule obdachlos wurde. Auch wurde mit zwei Polizisten und drei Gendar- men die Uebersiihrung der eigenen Einrichtungsstücke und Lehrmittel verhindert, lieber Beschwerde der Schulleitung in Gemeinschaft mit den deutschen Mitgliedern des OrtSschul- ratcs entschied das Bczirksschnlamt Turnall, daß die sämtlichen Erfordernisse für die Bürgerschule beizustellen und die Lehrmittel in das für die deutsche Schule aus privaten Mitteln hergerichtet? Wohngebändc zu überführe» sind. Aber der Ortsschnlrat ließ diese Entscheidung einfach unbeachtet. Eine gleichlan- tcndc Verfügung erließ der Landcsschulrat, doch auch diese Verfügung wurde bis jetzt nicht befolgt, sodaß nian gezwungen war, zn Schulbeginn ans einem Gasthans 80 Stühle und aus der Fabrik Tische zu borgen, daniit der Un- terricht beginnen konnte. Die Kinder sind nnnmehr gezwungen, die Schnlrcguisiten auf den Fußboden zu legen und da die Zeichenbrett tcr ans die Tische nicht richtig gelegt werden können, muß eine Klasse, welche etwas gccig- nctcre Tische besitzt, mchrcrcmale im Tage mit den anderen Klassen übersiedeln, damit auch diese die Zeichenstunde abhalten können. Das Verlangen nach Auflassung dieser Bürgerschule würde zum größten Teile arme Arbeiterkinder treffen, da die vermögenderen Kreise ihre Kin der auswärts in Mittelschulen und Hochschu lcn ausbilden lassen. Es ist Barbarismus ärg> stcr Art was da betrieben wird und der Lau- dcsschnlrat sollte dem Ortsschnlrat endlich euer- gisch nahelegen, daß er die Weisungen der vor- gesetzten Behörde zn befolgen hat. Willkürlich: Aberkennung der Staatsbürgerschaft. Tcr Verband der deutschen Selbstvcr- waltnngskörpcr in der tschechoslowakischen Rc^ publik hat an das Ministerium des Ii-lern sott gcndcs Schreiben gerichtet:„In einer Kund- machung der schlcsischcn Landesregierung, welche über Weisung des Ministeriums des Innern erfolgt ist, finden»vir folgenden Satz: „Personen, welchen in der Zeit vom 28 Oktober 1918 bis 16. Juli 1921) die tschccho slowakische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, haben ebenfalls bis spätestens 31. Dezember 1921 ihre Staatsbürgerschaftsur künde der politischen Behörde 1. Instanz zur Bestätigung vorzulegen. Personen, die ihre Gesuche, bczw. Staatsbürgerschaftsur künden nicht bis zum 31. Dezember 1921 vorlegen, verlieren mit diesem Tage die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft und sind ab 1. Jänner 1922 Staatsbürger des- jcnigen Staates, in dem sie vor dem 1. Jänner 1919, bezw. 28. Oktober 1918 zu- ständig waren." Für den Fall, als diese Kundmachnng authentisch sein sollte, inüsscn wir daraus ver- weisen, daß die Aberkennung der Staatsbür- gcrschaft nur ans gesetzlicher Grundlage mög- lich ist und daß es nicht Sache des tschcchoslo- wakischcn Staates sein kann, einseitig zu bc- stimmen, daß ein bisheriger tschechosiowaki- scher Staatsbürger von einem bestimmten kom- mendcn Tage an Staatsbürger eines fremden Staates sein wird. Daß die bezogene Knndma- chung insbesondere auch den Artikel 1 des zwi- sehen der Tschechoslowakei und Oesterreich am 7. Juni 1920 abgeschlossenen Brünner Bcrtra- ges(Sammlung der tschsl. Gesetze und Berord- nungcn Nr. 107/1920) widerspricht, bedarf fett ncr weiteren Ausführungen. Bei dieser Sachlage stellt der Verband der deutschen Selbst verwaltungskörper an das Ministerium des Innern das dringende Ersuchen, die bezcich- netc.Kundmachnng, falls sie tatsächlich erfolgt sein sollte, sofort zurückzuziehen und den nach geordneten Behörden zu bedeuten, daß das verliehene tschechoslowakische Staatsbürger recht ein wohlerworbenes Recht mation des Verbandes der deutschen Selbstvcr- waltnngskörpcr zu diesem Einschreiten ist darin begründet, daß die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft die Voraussetzung der Hei- matsznständigkeit in einer Gemeinde der Tsche- choslowalei ist. Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit derAngelegenheit dürfen wir der Erwar- tiing Ausdruck geben, daß das Ministerium die Angelegenheit in kürzester Frist aufklären wird." Die fromme Wilhclmine. Die Königin der' Niederlande verlas am Dienstag in einer vereinigten Sitzung der Gcucralstaaten eine Thronrede, bei deren Beginn es zu einem be-! merkenswerten Zwischenfall kam. Als die Königin zu lesen begann, riefen einige Pcrso-^ ncn von der Tribüne herab:„H e r m a n n Gröncndaal muß ans dem Gefängnis entlassen werden!" Gröncndaal befindet sich seit 6 Monaten in Haft wegen seiner Mili- tärdicilstvcrweigcrniig aus Gewissensbedenkew und hatte mehrere Wochen jegliche Nahrung zurückgewiesen. Polizisten in Zivil entfernten die Demonstranten. Unter ihnen befand sich die Frau eines konimnilistischen Abgeordneten der zweiten Kamm:''. Ihre Majestät konnte! dann ungestört die Thronrede fortsetzen, in der sie gleich anfangs feststellte, daß Gott die Niederlande vor schweren Schicksalsschlägcn bewahrt habe. O, sie ist schr fromm, die Wilhclmine. Sic läßt ja. auch sicherlich nur ihrem Herrgott zuliebe, Hermann Gröncndaal im Kerker schmachten. DeinUlben lieben Gott, an den die Königin so fest glaubt, mug aber dcch wohl icncr Grone,lt aal der gefälligere erscheinen; den ihm verbietet sein Gewis« se n, das Mordhaudwi rk zn üben, das die Grundlage der königlichen Macht bildet. inS Gesicht.„Lassen Sie mich", röchelte eine Stimme, eine Hand berührte seine Brust, und plötzlich floh der Schatten mit schaukelnden Sprüngen in den Nebel hinein. (Fortsetzung folgt.) Nach dem Umsturz wurde durch Eingemein dung mehrerer tschechischer Ortschaften der Umgebung eine tschechische Mehrheit gcschas fen und seither arbeitet diese Mehrheit mit wenig lauteren Mitteln an der Austilgung die ser Bürgerschule, die ein unbedingtes Bedürs nis der deutschen Einwohnerschaft darstellt, da es im Umkreis von 3 Kilometern keine andere I darstellt, daS auf administrativem Wege nicht deutsche Bürgerschule gibt. Zuerst wurde willkürlich aberkannt loerdcn kann und daß es Böhm.-Aicha aus dem deutschen Reichender- nicht Sache der tschechoslowakischen Behörden ger Landesschulbezirkc ausgeschult und dem I ist, über die fremde Staatsangehörigkeit ir- tschechischen Schnlbczirk einverleibt. Hierauf I gend einer Person zn entscheiden. Die Legitim Wiederum eine entsetzliche Katastrophe. Explosion in der Oppau« Anilinfabrik.— Hunderte Tote und Verwundete. Mannheim, 21. September.(Wolfs.) Hente morgens gegen halb 8 li.hr erfolgten kurz nach- einander zlvei außerordentlich starke Explosionen, verbunden mit einer gewaltigen E r d e r s ch ii t t c r» n g, die weit i» der Umgebung verspürt wurde, so in Mainz, Heidel- berg, Schwetzingen, Gronstadt, Frankenthal, Ludwigshafen usw., wo überall Sachschaden angerichtet wurde. Auf der Ostscite der Hau- ser wurden zahlreiche Fcnsterschei- den durch den Luftdruck eingedrückt, Rolläden heruntergerissen, Fensterflügel ge- svaltsam geöffnet nnd leichtes Material, wie Schreibmaschinen, von den Tischen herunter- geschlendert. Die amtlichen Stellen geben ans Anfragen keine Antwort. Auch wurden zeitweise wegen der drohenden Gefahr der Wiederholling der Explosion die Telephone hier nnd in Ludwigshafcn gesperrt. Wie wir feststellen konnten, haben beim Schichtwechsel in der badischcn Anilinfa» brik in Oppau, wo die besonders gcfähr- lichcn Stickstofsvcrbindungcn hergestellt wer- den, eine Explosion stattgefunden. Der Sach- schade ist ungeheuer. Die Zahl der Toten und Verwundeten geht in die Hunderte, konnte aber bisher auch nicht annähernd festgestellt werden. Alle v«-, fiigbarcn Transportmittel wurden an die! Ungliicksstcllc beordert, um die Verwundeten zu bergen. Die Ungliicksstätte wurde gesperrt. Die französische Besatzung in Ludwigshasen hat ihre Pferde nach Mundenheim abtranspor- tiert und soll sich alarmbereit halten. Die E x« i l o s i o n s g c f a h r ist bis zur Stunde noch nicht behoben. Nähere Einzelheiten und amtliche Ermittlungen über die Ursachen und den Umfang der Explosionen stehen noch ans. Mannheim, 21. September.(Tsch. P.-B.) Die hiesigen Abendblätter bringen spal- tenlange Berichte von Augenzeugen über das Unglück in Oppau. Die Arbeiter, die gerade in die Fabrik cinsuhren, erlitten fast alle Ver- lctzungcn, In Massen strömten die Arbei- t e r aus der Fabrik, zum größten Teile b l u t ii b«r st r ö m t. Im Oppauer Werl liegen Hunderte von verletzten Ar» beitern. Zu der verhängnisvollen Stunde sollen im Oppau« Werke 820 Arbeit« beschäftigt gewesen sei», über deren Schicksal noch nichts bekannt ist. Nach dem Berichte eines Arbeiters arbeiteten von der Nachtschicht noch «t w a 800 M a n n, von denen, wie er meint, Wohl keiner lebend davongekom- men sein dürfte. Die Befürchtung einer neuen Explosion dürfte nach Mitteilung der Direk- tion jeglicher Begründung entbehren, Nach der„Neuen Badischen LandeSzeitung" sollen zur Zeit des Unglückes 6000 Arbeiter nnd An- gestellte beschäftigt gewesen sein, nach anderer Lesart 2600. „Explosionsgefahr ausgeschlossen"! Ludwigshafen, 21. September. Die D i« rektion der Anilinfabrik teilt mit, daß die Produkte seinerzeit in der Fabrik und vor der Einlagerung eingehend untersucht wurden, so daß eine Explosionsgefahr als ausgeschlossen galt.