I. Jahrgang. Nr. 28. Sonntag, 85. September 1921. Sozialö emokmt ^^utralorgan verdeutschen sozialdemokratischen Arvelterpartei in der tschechoslowakischen R-ePUbiik. Telefon 6735.'"nachts".797^ T^Ienran^m.^b'tf fTr Ii«! I. TO.«'znq,bedin«»ngen: Sri Zustellung in« Sa», oder bei Be,ng durch die Voll wonnttitfi Iß'- Kc* 33oriIba rfafiatonto 5 7544' SojittIi)tmohal viert-l,Shrlich 4S- KS, halbjährig Off- KS,„anzjädrig 102 KS.?p°n°„aronr o 07044. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Oer bedrohte Friede. Ungarische Banden haben gestern früh die Reichswehrtruppen,. welche die österreichische Neue Nngriffe der Nlordbanden. Gefecht am rechten Leitha.Ufer— 2 tot« Sster> ® rcn f^. c' c{jt baltkn. mit einem dreistündi-^ reichische Wehrleute— Ungarische Eisenbahner S-nhest'gen^°schln°ugewehrfeuer ange- greisen vom Rücken an— Di« Otsterreicher griffen, sodas; sich d,e Rcichswehrtruppen eine Zeitlang zurückziehen mußten. Es ist kaum ein Zweifel darüber, daß es sich bei diesem ersten größeren, nach der Räumung West- schlagen alle Angrifft zurück. Wien, 24. September.(Eigenbericht d«S „Sozialdemokrat".) Gestern konnten die öfter- Ungarns durch Oesterreich über die Grenze^ Tt'h»®" flt_. om d-» Bu ,g-nlMd.» ilnausoeh«,™«, U ,V Ä griff um ein Vorpostengefecht hand-lt, dem wie die Banditen B a h n g- l- i s. a u f r i s- bald weitere, größere Vorstoße folgen durf- s e n. Da man erwarten konnte, daß die Ban- ten. Da man die innige Verknüpfung der. den einen Angriff unternehmen würden, er- ungarischen Banden mit dem regulären un- hielten die österreichischen Truppen den Befehl, garischcn Militär ebenso kennt, wie ihre Or- sich auf österreichischen Boden zurückzuziehen, ganisatoren, so wird man nicht annehmen Als sie das Lager bezogen hatten, griffen um können, das, es sich bei dem Angriff um die' halb 4 Uhr früh die ungarischen Banditen an. Tat einzelner verantwortungsloser El-- Ein W e h r m a n n. der das Lager alarmiert«, mente hand-lt. es erscheint vielmehr gewiß, wurde von-ine-Kugel getroffen und war so- daß der heimtückische Ueberfall der österrei- rfilffTio« Ä:«rt{tAVnii^fp Sflr» W» I tOUloC f(l)Wct bCtiC^t uud jt 0 lö chifchcn~ ru ppcn ein bewußt^at br Jr= 5 a j j, darauf. Zn gleicher Zeit wurden rangeurc der Ausstandsbewegung ist und die österreichischen Truppen auch vom Rük- ebenso den ersten Versuch eines Vorschie-. ken aus überfallen und zwar von un- bens der ungarischen Banden auf österrei-^arischen Eisenbahnern, die in chisches Gebiet, wie die Antlvort der hinter Bruck beschäftigt sind. Diese hatten nicht nur der Bandenbewegung stehenden Kräfte auf, die ungarischen Banditen in den Bahnhof ge- das die sofortige Räumung W-swngarnS lallen, sondern sie statten auch selber, v 0 n d e n fordernde Ultimatum der Entente bedeutet.lDächern der Waggons ans, auf die Während sich die Verhandlungen der österreichischen Truppen geschossen. 7« Ententemächte darüber, wie Ungarn zur Eisenbahner wurden verhaftet und und Jugoslawiens eintreten. Die Groß- mächte haben seit Monaten nichts g c- tan, um unser Recht durchzusetzen und uns vor der drohenden Gefahr zu schützen— nur die beiden slawischen Nachbarstaaten Magha» rienS haben in dieser Sache dasselbe Interesse 1 wie wir. Mag uns was immer trennen, g e- gen die Habsburgerrestauration und gegen die magyarische Unterdrückung ver- bindet unö mit der Tschechoslowakei und Ju« goflawien das gemeinsame Interesse. Nur eine Verständigung mit ihnen kann uns helfen, wenn Magyarien eine friedlich Lösung unmöglich macht. Alle, die im Herzen noch die Habsburger haben, widersetzen sich allerdings einem Bündnisse mit der Tschechoslowakei, welche? die stärkste ffeste gegen die Habsburgerrestauration darstellt. Aber deshalb auf die einzige wirksame Hilfe gegen die magyarisch- karlistische Abenteuerprolitik zu resignieren, wäre ein offener Verrat gegen die Republik. Der Ausschuß für AeußereS unterstützt Schober. Wien, 24. September.(Tsch. P. B.) Ter Ausschuß für Aeußeres setzte heute die Vera Erfüllung der Bestimmungen des Tri» 11011er Friedensvertrages verhalten werden soll, mühsam dahinschleppen, ist man in Un- gam in Kenntnis der gegenwärtigen Zer- fahrenheit der Ententcgewaltigen ebenso un nach Oesterreich abgeführt, auch der S t a- tionSchef in Kiralyilyda. ES gelang schließlich den österreichischen Truppen, die Banditen zurückzuwerfen. Gestern abends gingen ungarische Freischär bekümmert aller sanften Mahnungen, wie 1^2°"dach gegen österreichische Gen- aller grimmig tuende» Drohnoten und so- darmerie vor.^>e wurden zuruckgeschla gar des Ultimatums frischweg zur Tat ge schritten und will mit der„Zurückerobe- rung" Wcstungarns wenn möglich einen Eroberungszug nach Oesterreich verbinden. Mit diesen immer sichtbarer werdenden Plänen ist nicht nur die Gefahr neuer blutiger Wirren für Oesterreich allein in un- mittelbare Nähe gerückt, auch alle Nachbar- staaten erscheinen dadurch bedroht. Genau« Kenntnis darüber, was im Burgenland un- ter den„Aufständigen" vorgeht, ist nicht zu erlangen, doch dürfte man bei der Aus- legung der aus Westungarn eintreffenden, etwas dunklen Meldungen nicht fehl gehen, wenn man dort ein Erstarken der karlisti- schen Bewegung annimmt. Die ersten Führ«? der Bandenbewegung waren die Pronajs und Hcjas, die hinter Horthy stan- den, während gegenwärtig Ozstenburg. der Führer der Monarchisten, die Oberhand ge- Wonnen zu haben scheint., der bestrebt ist, Horthy zu verdrängen und Karl Habsburg an seine Stelle zu setzen. Da nun während der Burgenlandkrise die große Entente so deutlich ihre Schwäche gezeigt hat und man in Ungarn auch die Drohungen der kleinen Entente insoftrne nicht zu ernst nimmt, als man hofft, daß ihr nicht freie Hand gelassen ist, so halten die ungarischen Karlisten die Stunde für gekommen, ihre monarchistischen Rcstaurierungspläne in die Tat umsetzen zu können. Daß. um diese Pläne zu verwirklichen. Ströme von Blut fließen, alle Schrecken d-s Krieges, vereint mit jenen eines ununterbrochenen Bürger- krieges in weiten Gebieten Mitteleuropas heraufbeschworen werden müßten, das» ficht die monarchistischen Strauchrittcr nicht im entferntesten an. Ueber Schrecken und Mord, Tod und Leichen möchten sie Habsburg Thron wieder aufrichten, damit die schone Nangswf-nleiter wieder erstehe, die ehedem die„Hohen" und-„Niederen" sorgfaltig auseinanderschied, damit sie, die Mordoffi- ziere und Hoflakaien, die jeder ehrlichen Arbeit Welt aus dem Wege gehen, sich im Strahlenglanze des Hofes sonnen und au gen. Zu gleicher Zeit unternahmen andere Banditen von Ncustift aus einen Angriff auf Lasniz. Sie wurden ebenfalls zu- r.,.,._ riickgeschlagen. In Prodersdorf wurde^en^evoker.mg em Zu gesetzt werde. Ter festgestellt. Bei Aschau Passus„billigt das Verhalten der Regierung" Ium Görlitzer Parteitag*) Von St. Kautöky. Noch sind die Verhandlungen d-s Kon- gresses der deutschen Mchrheitssozialistc» nicht zu Ende. Aber was er bisher zutage gefördert hat, genügt, uns befürchten zu lassen, daß er nicht leistet, was er leiste» konnte und sollte. Wir konstatieren das nicht mit Schaden- srtude, sondern mit Trauer. Denn damit wurde die große Wciidung im proletari- scheu Klassenkampf Deutschlands, ja der Internationale, verpaßt, die von Görlitz hätte ausgehen können, wenn man sich der histo- rischcn Aufgabe besser bewußt gewesen wäre, die aus der politischen Situation er- wuchs. Diese Situation erheischte„ach der Er- mordung Erzbcrgcrs und nach der N-bcllion der nationalistischen Münchner Regierung gegen das Reich die größte Geschlossenheit des Proletariats, der einzigen zuverlässigen und kraftvollen Schutzwchr der Republik. Vci der S. P. D., wie der U. S. P. D. machte denn auch der(ßinigungsgcdauke in den letzten Wochen überraschende Fort- schritte. Görlitz war bestimmt, die Stim- tungen fort. Dr. Seipel beantragte nächste- 5» schaffen, die Stimmung allgemein hende Entschließung: Ter Ausschuß für Aeuße- und unwiderstehlich zu machen der es be- res nimmt de» Bericht de? Bundeskanzlers j um den Gedankenleer Enngung^m über den Stand der burgenländischen Frage zur Kenntnis und billigt das Verhalten der Regierung. Der Ausschuß ermächtigt die Regierung, auch weiterhin alle ihr erforderlich scheinenden Schritte zu unternehmen, damit endlich der von Ungarn unter den Augen En- ropas verletzte RechtSzustand hergestellt, das Burgenland von seinen Qualen erlöst und der ständigen Beunruhigung der österreichischen ungarisches Militär wurden Schützengraben ausgehoben. Nach Nachrichten, welche au? Aschau kommen, sollen zwei Angriffe auf Kirchschlag und Hochneulirchc» geplant sein. * Die„Arbeiterzeitung" über Dr. BcncschS Eingreifen. Wien, 24. September. In der Presse be- schästigt sich namentlich die„Arbeiterzeitung" im Leitartikel mit der magyarischen Krise und der Zusammenkunft Dr. Beneschs mit Bnn- deskanzler Schober. Sie spricht sich offen für ein Bündnis Oesterreichs m i t der Tschechoslo wakei und Jngosla- Wien aus. Eine Entscheidung— so schreibt das Blatt— kann nur und wird nur unter dem Drucke der tschechoslowakischen Republik die Tat umzusetzen. Die maßgebende« Wortführer der Mehrhcitssozialdcmokratic in Görlitz haben nicht nur versäumt, das zu tun. sie haben das Gegenteil getan. Um im Sinne der Einigung zu wirken, mußte mau d-n Genossen der U. S. P. ge- genüber d-u kameradschaftlichen Ton an- schlagen, der gegenüber denjenigen am Platz ist, mit denen man als Mitkämpfer zusammenwirken will. Mau mußte alles Nörgeln an der Vergangenheit, alles Aufreiße» alter Wunden vermeiden. Eine Einigung vollzieht sich ja fast nsi wurde mit Mehrheit gegen die S t i in- m e n d e r S 0 z i a l d e m 0 k r a t e n, der rest-,.^,-. ,, v, m liche Teil der Resolution einstimmig angenom-.dadurch, daß em d-r anderen in Bezug auf die Streitpunkt überzeugt, die zur inen. Italien allein interveniert nicht. Spaltung führten, sondern dadurch, daß diese Streitpunkte aufhören, praktische Be- Rom. 24. September. Wie die Blätter mel-■ beutung zu haben. Ich kenne alte Lassallca den, hat ein Ministerrat unter Borsitz des Mi-, ncr b je bis in die letzten Jahre fortfuhren, msterpyaj.beitten Bonomi nach einem Exposee erklären, sie hätte» den Eis-achern gegen- des Ministers Marcheft dclla Torretta besitzlos-, N-cht gehabt. Auf der anderen Seile scn, daß Italien ohne Teilnahme der übrigen> ff,'""ff. m„r„r r.;»... Miw lieber her En.en.e keine Tr„h e„ wls ftn wir. mit welchem Hast Bebel bis zu Mitglieder der Entente keine Truppen nach Westungarn entsenden soll. Dem„Meff saggero" zufolge habe Marchcse bell« Torretta in seinem Exposee erklärt, es sei die Möglich- feit gegeben, daß Italien nach Durchführung der Friedensverträge eine Aktion anrege, de- reu Ziel die Regelung des östcrrcichisch-unga- rischeu Grenzproblemes wäre. der Rangsleiter monarchistischen Ruhms zu Würden, Ehren und Posten emporsteigen können. Von den nionarchistischen Raubzugplänen der Friedrich und Ozstenburg erscheint in erster Linie die österreichische Arbeiterschaft bedroht, denn über Oesterreich soll die Ver- bindung mit den bayrischen Monarchisten hergestellt werden. Ist erst einmal der Durchbruch zwischen Budapest und München gelungen, dann hoffen die Monarchisten, in der Vereinigung gestärkt, mit Republik und Demokratie und in den anderen Staats- wesen aufzuräumen, die heute noch der Me- derhcrstellung der monarchistische» Reaktion einen Damm entgegenstellen. So will die karlistische Bewegung die Burgenlandkrise zu einem Vorstoß für di- Wicderaufrichtung d-r alten monarchistischen Ordnung Europas benützcn und sie wird immer hoffnungssrew- diger und dreister, je unentschlossener und zerfahrener sich die Entente gegenüber den bisherigen Versuchen der magyarischen Kor- listen, den Frieden zu stören, zeigt. Wohl hat die Entente nach Budapest ein„Nlti- matum" geschickt, aber gleichzeitig hat sie ihre Schwäche dadurch gezeigt, daß sie sich Ungarn gegenüber Oesterreich als Ver- mittler augeboten hat. Die Ungarn müßten von Blindheit geschlagen sein, wenn sie diese Schwäche nicht sehen würden, sie verschlep- Pen denn auch die Verhandlungen durch allerlei hinterhältige Züge und vollenden in- dessen ihre militärischen Rüstungen. Die von Ungarn ausgehende Gefahr wächst von Tag zu Tag, in weiterer Folge auch für uns und die gesamte europäische Demokratie. Wir werden gut tun, ihr fest ins Auge zu blicken. So wie die österrei- chische Arbeiterschaft es im entscheidenden Augenblick nicht an Festigkeit und Eni- schlossenheit fehlen lassen wird, der zum Sturm« sich rüstenden monarchistischen Re- aktion mit allen Mitteln entgegenzutreten, so werden auch wir es an Wachsamkeit ge- genüber den Versuchen der Horthysterung Europas nicht fehlen lassen. wissen seinem Lebensende der Persönlichkeit Schweitzers gegenüberstand. Aber als die beide» getrennten Parteien sich vereinigten, war der Zankapfel ver- schwundcn. Schweitzers Diktatur hatte auf- gehört und die Streitfrage, ob Bismarck ge- gen Oesterreich uud gegen die Liberalen zu unterstützen sei, war gegenstandslos gewor- den, denn Bismarck hatte beide überwunden, mit Oesterreich und dem größten Teil der Liberalen Frieden gemacht und den Kampf gegen die Sozialdemokraten beider Richtun- gen eröffnet. So sind auch heute für S. P. D. und U. S. P. D. die Streitpunkte gegenstandslos geworden, die zur Spaltung führten, die Haltung im Kriege und die Haltung gegen- über Moskau. Sich gegenseitig das wirk- liche oder vermeintliche Sündenregister der Vergangenheit vorzuwerfen, führt zu nichts, als zum Wachhalten der Erbitterung und zum Verkennen der notwendigen gemein- samen Ausgaben der Gegenwart. Das hat man in Görlitz übersehen. Die geringschätzige»nd verletzende Art, wie man dort von der U. S. P. D. sprach, konnte nicht anders wirken, wie ein absichtliches Verhindern der Einigung. Weit wichtiger noch, als diese ProSokatio- nen, die man noch als Ungezogenheiten von *) verspätet«ingelangt. Seite 2. Crfltifeni, die ifirc Worte nicht abzuivie- ze» wissen, hingehen lassen»lochte, wirkte sie sachliche Entscheidung. ^Bei oller taktischen Amuihernng zivischen 3. P. D. und 11. 3. P. D. bcfroiiD.zwischen bei: beide,,»och ein starkes trennendes Mo- ment: Die Frage der Koalitionsregierung. Eine solche widerspricht so jchr dein.Wesen des proletarischen Klassenkampfes, das? sich unter allen Umständen proletarische Maße» mir ungern zu einer Koalitionspolitik verstehen, Bei dem linken Flügel der Sozial- dcmokratie, der sich dann als U. S. P. D. konstituierte, wurde diese Abneigung noch perstärkt, zuerst dii'^d die Burgfriedenspolitik während des Krieges und nach dem Zu- sammenbriich durch die Ueberzeugung, die Koalition sei ein Mittel, die Gewinnung der Alleinherrschaft des Proletariats durch die Revolution zu bindern. Heute ist die Situation eine wesentlich andere. Das praktische Problem der Gegen- wart ist seht leider nicht die Alternative, ob Koalition oder proletarische Alleinherrschaft durch erneute Revolution, sondern, ob eine Koalition, in der proletarische Parteien etwas zu sagen haben, oder die Allcinhcrr- schaft der schlimmsten Feinde des Proletariats und der Verlust aller Errungenschas- ten der letzten Revolution. In dieser Situation begann auch in den unabhängigen Reihen die U»Versöhnlichkeit gegenüber dem Koalitionsgcdankcn nbzu- bröckeln. Man unterstützte das Kabinett Wirth, begünstigte den Eintritt von Sozial- demokratcn In ein Koalitionsministerium in Preußen und begann in manchen Partcior- gnnen sogar den Eintritt der eigenen Partei in eine Koalition zu diskutieren. In Görlitz galt es. diese Entwicklung zu fördern. Dies konnte nur dadurch gcschc- hcn, daß mail an der bestehenden Fori» der Koalition unter der Führung Wirths fest- hielt— der bisher cjnwandfreicsten und synivathischesten Form der Koalition— so- weit man gegenüber einer Einrichtung von Einwandsfreiheit und Shmpathic sprechen kann, die doch nur als das kleinere unter mehreren großen liebeln für uns in Betracht kommt. Statt dessen haben die Leiter des Partei- apparats in Görlitz den Parteitag mit einem neuen, völlig unerwarteten Schachzug über- rumpelt lind dafür auch die große Mehrheit gewonnen, der den Weg zur Koalition in ihrer abstoßendsten Form eröffnet, einer Form, die bis zum Parteitag selbst der größ- ten Mehrheit der Rechtssozialisten als un- annehmbar galt. Ob man sich wirklich in dieser Weise koalieren null oder nicht, die bloße Ankündi- gnilg der Koalition muß das Kabinett Wirth nach außen wie nach innen schwäche», Inns gerade setzt sehr verhängnisvoll werden kau». Und der Görlitzer Beschluß präsen- liert den Koalitionsgedanken in einer Form, in der er den geschlossenen Widerstand der U. S. P. D. finden wird. Der Görlitzcr Beschluß hat die sich an- bahnende Einigung, wenn auch nicht geradezu erschlagen, so ffbcf» sicher für geraume Zeit ins Stocken gebracht. Ich habe es sehr bedauert, daß zur Zeit des Kapp-Putsches meine unabhängigen Freunde die Hand von sich wiesen, die die Mehrheitssozialdcmokrntie ihnen damals zu Feuilleton. Die Schauspieler. Lustspiel von Wilhelm Sckimidtbonn, uraufgeführt zu Prag am Lt. September. Ein Lustspiel nennt Wilhelm Schmidtbvnn. ver Verfasser deS Grasen von Gleichen und des verlorenen Sohnes, sein neues Werk. Aber in ihm ist eine tiefe Tragik und kein Funken Lustigkeit: man könnte ebenso Wagners Flie- gcndcn Holländer eine komische Oper, man könnte AhaSver eine possierliche Figur in der Welt der Mythen nennen. Uncrlöst irrt der „Herr zu Pferde", wie der Held des Schmidt- baitnschen Schauspiels heißt, durch ein Leven voll Käuflichkeit und dürstet nach der wahren hingcbniigsvollcn Liebe eines Weibes._ In seinem Hanse im Gebirge lebt er mit seinen Hunden, Pferden und Knechten, seine Nlägde sind ihm zu Diensten— aber er bleibt einsam. Sein Edelstes verdorrt, seine Seele verglüht, seine Nächte sind voll Qual und Sehnsucht. „Weiß das Haar, aber blühend das Gesicht", so reitet er in den Gasthof am Rhein ein, in welchem eine Schanspiclertnippc ihr Dnartier ausgeschlagen hat. Drei Stunden lang ist er lhingeritien, um sich in das Antlitz einer Schauspielerin zu versenken. Er findet die Truppe in Nöten. Die Schauspieler sind dem Gastwirt tief verschuldet, nicht einmal ihre Koffer können sie auslösen, ein Zirkus im gleichen Ort hat der Gesellschaft von Idealisten— sie befiehl aus einem Philosophiestudenten, einem Kupferschmied, einem ehemaligen Psarrcr, der Soziall gemeinsamen Handeln entgegenstreckte. Um- somehr bedauere ich jetzt de,, noch größeren Fehler von Görlitz, da man die Wahl halte, sich mit den Volksparteilcrn oder de» Un- abhängigen zu koaliere», und die erftcten vorzog. Die Sache wird nicht besser durch den Charakter des neuen Partcivrogrammö. Zur Stunde, wo ich diese Zeilen schreibe, liegt mir noch nicht seine letzte Fassung vor. Aber wie immer sie lauten mag, sie wird stets bc- cinträchtigt werden durch das, was das wissenschaftliche Haupt der Mchrhcitssozial- dcmokratie. Cunow, in der„Neuen Zeit" über dos Programm schrieb. Er bezeichnete dort den Begriff des Klassenkampfes als falsch, denn die Tendenz der Entwicklung gehe einmal dahin, daß sich das Proletariat in verschiedene, einander bekämpfende Par- teicn spalte, und dann dahin, daß sich der Sozialdemokratie immer mehr Schichten an- schließen, die nicht der Arbeitsklasse ange- hören. Cunow betrachtet also die Spaltung nicht als eine vorübergehende, sondern als eine unvermeidliche Erscheinung. Bis zum Kriegsausbruch ging indes die Entwicklung allgemein in der Richtung nicht der Spaltung, sondern der Bereinigung der in ihren Anfängen gespaltenen sozialistischen Parteien. Erst der Krieg mit seinen Nach- Wirkungen hat die meisten Spaltungen ge- bracht, es ist aber in diesen wie in anderen Punkten sinnlos, die Abnormitäten des Krieges als neue normale gesellschaftliche Gesetze zu betrachten. Die Eunowsche' Theorie, daß die Eni- Wicklung auf fortschreitende Spaltung des Proletariats hinausläuft, ist direkter Partei- Verderb. Der Zuzug von Schichten, die nicht zur Arbeiterklasse gehören, beruht aber auf einer optischen Täuschung. Schon vor dem Kriege hat mau um solche geworben, stets ohne Er- folg. Siehe die bisherigen Ergebnisse der Bauernagitation. Der Zuzug neuer Schichten nach dem Kriege und seit der Revolution umsaßt nur solche Elemente, die tatsächlich Arbeiter ohne den Besitz ihrer Produktionsmittel sind, Lohnarbeiter, die sich aber bisher zur Bour- geoisie rechnete», Angestellte und Beamte. Der Krieg hat ihre Lebenshaltung prolctarisiert. die Revolution hat sie zu pro- lctarischcm Denken gebracht. Deshalb, und nicht als Schichten, die„außerhalb der Arbeiterklasse" stehen, kommen sie zu den so- zialistischen Parteien. Die Aufgabe, die sie uns stellen, ist nicht die, den Klassenkampf abznschwäche n, sondern die, sie in den Klassenkampf einzureihen. Noch schlimmer als die Ablcugnnng de? Klassenkampfes ist aber schließlich die Art, wie Eunow die Einfügung de? Ausdruckes in das Programm doch akzeptiert. Er meint, die Mehrheit der Genossen will von dem Wort nicht lassen, so wollen wir ihnen das Vergnügen machen und es in das Pro- gramm hineinsehen. Das würde an der praktischen Politik nichts ändern, die vom Klassenkamps wegführte. Cunow ist also bereit, in Worten den Forderungen der Mebrheit zu entsprechen, aber die Praris der Partei im Gegensatz zu diesen Forde- rungen zu gestalten. Eine nette Partcimoral des Partei- theoretikcrS. rnssiscben Studentin, einer jungen, ihrem El- ternbans entlaufenen Adeligen und einer Leb- min aus Böhmen— Elefanten haben die Musen ins Unglück der Schnldkncchtschaft gc- stürzt. Da reitet der Herr zu Pferde als Net- ter in? HauS. Und stickst Rettung.„Leiste eine von Ihnen mir Gesellschaft dies« Nacht"... Alle seine Sehnsucht ist in diesem vulgären Satz enthalten, doch die Schauspielerin wissen nichts um sein Leid...„Wir sind junge Hunde, die spielen. Anmaßling der Männer zerreißen wir übermütig.. Und da sie Geld brauchen, besprechen sie, alle drei, eine nach der anderen nachts in das Zimmer deS Herren zu kommen. Gerade im Augenblick seiner Zärtlichkeit müsse die Kollegin eintreten. Fiebernd erwartet er die Eine, erstaunt de- grüßt er die zweite und als die Tritte eintritt: erkennt er. daß er genarrt wurde. Nur sein Geld wollten sie; das wirft er ihnen hin und sinkt in sich zusammen, blicht einmal sich selbst gaben sie hin für Geld... Aber da ist eine, die mit scharfem Blick und frauenhaftem Gefühl die Tragik seiner fünfzig Jahre er- schaut und, indem sie sich ihm für eine Nacht hingibt, ihm, den daS Selbstvertrauen verlas- sc», Hoffnung zu neuem Leben nnd Lieben ein- flöße» will. Hingabe einer Fran für eine Stunde ans Güte und Größe vorlangt er— sie gibt ihm den Glauben an seine Jugend mit weißem Haare wieder. Aus Barmherzigkeit, denn als er sie als seine Lebensgefährtin auf fein HerrhauS mitnehme«, sie mit Reichtum überschütten will, folgt sie dennoch ihren ar- inen Kollegen. Herr: Gcmma! Rollende das Werk deiner Rettung". G e m m a:„Ich emotra« Leider hat Molkenbuhr in seinem Partei- tcigSrcferat über das Programm diese zwei- deilüge Haltung nicht zurückgewiesen, soweit man nach dem veröffentlichten Bericht ur- teilen kann, sondern indirekt sogar unter- stützt, indem er darauf hinwies, daß Marx im Statut der„Internationale" selbst nicht das Wort„Klassenkampf" gebrauchte. Das ist richtig. Das Wort war damals noch nicht so allgemein üblich wie heute, in England hätte man es kaum verstanden. Der Begriff deS Klassenkampfes ist aber im Statut nicht nur enthalten, sondern an die Spitze gestellt. Es beginnt mit der Konstaticrung: „daß die Emanzipation der A r b c i- tcrklasse durch die Arbeiter- k l a s s e erobert werden muß." Wie das geschehen kann ohne den Kampf der Arbeiterklasse möge» die Gelehrten der „Neuen Zeit" entscheiden. Die Ableugnung des Klassencharakters der Partei ist eine weit ernsthaftere Sache, als die Koalitionspolitik. Diese ist stets etwas vorübergehendes nnd umso ungefährlicher, je ausgeprägter der Klassencharakter der Partei ist. Sucht man dagegen diese selbst in eine Koalition zu verwandeln, so gewährt man Elementen, die nur bestimmte Interessen mit dem Proletariat gemein haben und nur in bestimmten Situationen mit ihm zusammen- gehen können, unter allen Umständen Ein- fluß auf alle seine Bestrebungen. Das muß die Sozialdemokratie zu einer ebenso halt- losen und charakterlosen Partei machen, wie es etwa die Naiionallivcralen, heule Volks- Partei, geworden sind. Indem die Programmdiskussion diese Tendenz in der S. P. D. enthüllte, hat sie der Sache der Einigung auch nicht genützt. Aber, wie schon bemerkt, damit ist die Einigung noch nicht erschlagen. Sic ist eine historische Notwendigkeit geworden und da- her wird sie sich durchsetzen. Die Entwick- lung geht nicht in der Richtung, wie En- nows Ersatzmarrisinus meint, die Klassen- gegensähe verschärfen sich, und daher werden auch die Massen der S. P. D. de» Klassen- charakier ihrer Partei irotz ihrer führenden Theoretiker immer mehr betonen. Dabei wird die Situation selbst trotz des Wider- strebens einzelner Führer, die von der Eini- gnng eine Verminderung ihres Einflusses fürchten, immer mehr gemeinsame Aktionen der getrennten Parteien erzwingen, nnd so wird sich die Einigung schließlich durchsetzen, trotz alledem. Jedoch leider nicht so schnell, wie im In- ieresse stärkster proletarischer Machtentfal- tnng zu wünschen wäre. Es scheint Elc- mcntc zu geben, die zur Einigung geprügelt werden müssen. Die bisherigen Hiebe, die die Reaktion austeilte, genügen ihnen offen- bar noch nicht. Die Geldanleihe der deG lchell Industrie. Am 31. August hat Deutschland die erste ReparationSmilliarde Goldmark erlegt und schon werden die Vorbereitungen zur Zahlung der zweiten Milliarde getroffen. Die Art der bisherigen Aufbringung dieser Ricsciibeträge hat einen Kurssturz der Reichsmark und damit bin ich. Ich muß mich selbst retten. Ich habe dir viel gegeben. Ich habe dir genug gegeben. Tank es mir, indem du gehst." Herr:„Ist es so leicht zu gehn?" G e in m a:„Dafür habe ich mein Opfer gebracht, daß du an dich selbst glaubst. Glaubst du, wie sollte eS dann nicht leicht sein, zu gehn und zu suchen!"... „Leben sie wohl alter Herr"... Der Herr den scheidenden Schauspielern nachsehend: „Wie reich sie sind, diese armen Schlucker! sronmc ich noch einmal jung mit ihnen ms Boot steigen! Jchr Verwehten, ihr AuSge- schleuderten, ihr Spreu im Wind— vielleicht seid ihr, ja, ihr müßt sein die Saat Gottes. Damit die Welt nicht erfriere im Grauen".. Das hat ein Dichter geschrieben. Bei allen Einwänden gegen die Konstruktion dieses Stückes— und es ist kein gutes Theaterstück— es ist eine Dichtung! Hier wollte einer die Tragödie Eines schreiben, dessen Jugend ohne Gegenliebe hinschwindet und der für Stunden erlöst in das Granen des Alters gestoßen wird. Hier wollte einer ein Mädchen darstellen, das durch Hingabe geadelt wird, einen herrlichen, aufrechten, opferbereiten Menschen. Vielleicht ist cS ein Mangel von Schmidtbonn, daß man so genau weiß, was er schaffen wollte und des- halb so peinlich vermißt, was er nicht gcschaf- sen hat. Er wollte ein tragisches Lustspiel schreiben, eS ist ein unhcitcres Schauspiel ge-, worden, in welchem die Ansätze von Komik— ein dürrer geiler Wirt soll ihre Quelle sein— ganz unlustig wirken. Aber Leopold Kramer, der de« Herrn zu Pferde gab, hauchte dieser Gestalt das verzehr rende Feuer des LiebeSverdürstenden ein und •j'u. September 1921. eine neue Teuerungswelle zur Folge gehabt, weswegen sich die deutschen Staatsmänner nun bemühen, einen anderen Zahlungsmodus zu finden, bei dem jene, die deutsche Bolkstvirt- schaft schwer schädigenden Maßnahmen ver- mieden werden können. Ans den Kreisen der deutschen Industrie ist nunmehr ein Gc- danke aufgetaucht, der größte Beachtung ver- dient: Die deutschen Industriellen»vollen dem Reich eine Goldanleihe gewähren, die sie im Auslände aufnehmen. Der Betrag soll sich auf 1 Goldmilliardc, also etwa 15 Papier- Milliarden Reichsmark belaufen. Banken, und Privatindustrie sind sicherlich ein besserer Schuldner als das Reich, das die Kriegsschuld verzinsen muß und etwa 8» Milliarden unge- deckten Papiergeldes besitzt. Die ausländischen Kapitalisten»verde» der Industrie eher>»nd zi» günstigeren Bedingungen borgen, als der deiltschcn Republik, zumal als Unterlagen für den Kredit landwirtschaftliche Betriebe und deutsche Aktien, sogenannte Sachwerte, in Bc- tracht kommen. Die Organisation der An- leihe wird so gedacht, daß die Industrie in einen Zwcckvcrband mit Bczirksunlcrvcrbäii- den zusaiiimcilgcfaßt wird und jede industrielle Unternehmung an der anfgenommenen Ans« landsanlcihe mit einer gewissen Quote bctci- ligt wird; als Sicherheit für diese Anleihe gilt dann der von jeder Unternehmung zur Verfügung gestellte Sachwert als Pfand. Wie hoch die Äi»lcihe sein kann, darüber gehen die Ansichten auseinander, die„Frankfurter Zci- tnng" ein bürgerliches Blatt, glaubt, daß ein bis zwei Goldmilliardc»» mühelos aufgebracht »verdcn könnten. Wenn dies geschieht, dann ist Deutschland ans 1 bis 2 Jahre von jeder Sorge um die Aufbringung der Rcparations- lcist befreit nnd könnte sich der Konsolidierung seiner Wirtschaft widmen. So„Patriotisch" das Vorgehen der deiltschcn Industrie zu sein scheint, ein hiesiges tschechi- schcS Blatt erblickte darin„den stärksten Glau- den an die Zukunft des eigenen Staates, wcl- chcr seit Kriegsende in ganz Mitteleuropa zum .Ausdrucke gekommen ist", so k ri t i s ch muß »nan aiich dieser Art von Patriotismus gc- gcnübcrstchen. Denn es handelt sich darum, »velchc Gesellschaftsklassen letzten Endes die Last der Reparationen tragen sollen, ob die Unternehmer, die im Kriege und nach dem Kriege gewaltige Reichtümer erworben haben oder die Arbeiter und Ange« st e l l t e n, die mit ihren Frauen und Kindern im Kriege gehlingcrt haben und noch jetzt nicht jene Lebenshaltung erreicht haben, auf der sie sich 1914 befanden. Um nun einen Ausgleich zn schaffen, haben die beiden sozialistischen Parteien Deutschlands im Rcichstvirtschaftsrat einen Antrag eingebracht, der die Regierung Hur Erfassung der Sachwerte, d. i. icncr Besitztümer ausfordert, deren innerer Wert mit der Entwertung der deutschen Valuta nicht gefallen ist, Grund und Boden, Fa- briksgcbcmdc, Maschinen usw. Die Erfassung der Sachwerte suchen nun die Unternehmer zu hintertreiben und der Ersatz, den sie der Rcichsregieriing für jene Summe bieten, die sonst bei der Besteuerung der Sachwerte sich zu Gunsten des Reiches ergeben würden, ist eben die im Auslände geplante Anleihe, die den Reichsfinanzen zur Verfügung gestellt würde und wofür das Reich naturgemäß Zinsen an die Unternehmer zu zahlen hätte. Die In< dnstriellen wurden damit der Er- fassung der Sachwerte entgehen und zugleich ein gutes Geschäft m a ch e ii. Das Anbot der deutschen Jndu» strie soll also dazu dienen, die große Finanzrc« form, die in Teutschland gegenwärtig geplant »vird, von vorneherein unmöglich zu machen und den bürgerlichen Parteien den Kampf gc- steigerte„die Schauspieler" zur Tragödie des Fünfzigjährigen; eine überragende Leistung. Jngebcrg A u l i ch spielte die Gennna mit vornehmer, vielleicht z»» kalter Zurückhaltung. Roman Reinhardt war ein echter wan- dernder Komödiant; ein wc»»ig mehr Schmiere hätten auch die anderen Schauspieler in diesem Stücke sein kön»ici>. Jrn»a Dierks und Hermine Medelsky ergänzten mit gutem Gelingen den weiblichen Teil der hungrigen Truppe, Wilhelm Heim war der Freund Gennnas mit glaubhafter Entrüstung. Den Humor bestritt der Wirt des Herrn Bauer. Man dankte den Schauspielern und auch Schmidtbomi, der nach Prag zu kmnmen versprach und in Berlin zurückgehalten war. Es war kein tosender Beifall. Es war auch kein prächtiges Theaterstück. Es war eine Dichtung, mit der ganz zart unsere Sehnsucht mit- schwingt... ihr müßt sein die Saat Gottes... damit t:c Welt nicht ersr'?re im Grauen... F. B. „Fidelis". ,T>t Aufführung am Freitag, die mit so viel Liebe cr»vartet wurde, ward zum Fest für Kunst, Künstler und Hörer. DaS hohe Lied höchster Fravnliebc, das wir dem Unsterblichen verdanken, erklang in solcher Schöne, verklang in solcher Feierlichkeit, daß die Erinnc- rung diesen Abend als einen der hehrsten fest- halten wird, dm diese Bühne von der Kunst empfangen und mit hoher Würde nt shre Hände ruckerstattet hol. WaZ Wunder anch. da ein Manu wie Z e>n l i n L k y, der in Prag seit zehn Jahre» 25. September 1921. ßcrt d!e gerechte Besteuerung der Kapitalisten zu erleichtern. Die Zinsen für die Industrie- anleihe niiisttcn ans Grund des alten Steuer- systems eingetrieben werden, d. h. die?lrbci- tcrschaft würde einen grasten Teil dieser Zinsen bezahlen. Damit würde ein gerüttelt Mast der Reparationslast ans die Schultern der Slrbei- tcr abgewälzt werden. Die Massen des beut- scheu Belkes haben 5 Jahre lang geblutet, seht sotten sie noch die verbrecherische Politik der deutschen Bcsitzllasse bezahlen. Der Kampf um die Art der Aufbringung )cr Rcparationk-mittiarden, ob Anleihe der Industrie im Auslände oder Erfassung der Sachwerte, sowie kräftige Besteuerung der Vermögen und KricgSgewinne ist ein Klas- s e n k a m P s zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum. Es handelt sich in letzter Linie darum, wer die entsetzlichen Folgen des Ber- brcchcnS von 1914 jahrzehntelang tragen sott: die deutsche Bourgoisic oder die deutschen Ar- bciter. Wenn die Verteilung der Lasten nicht so erfolgt dast die deutschen Unternehmer den Hauplanteil daran haben, dann ist mit einer dauernden Senkung der Lebenshaltung der deutschen Arbeiterklasse zu rechnen. Mas das bedeuten würde, wollen wir nur an ein paar Dahlen klarstctten. 1913 betrug der Verbranch in Deutschland Pro Kopf und Jähr 52 Kilo- gramm Fleisch, 1920 20 Kilogramm, 1913 125 Kilogramm Mehl, 1920 83 Kilogramm, 1913 19.2 Kilogramm Zucker, 1920 14.1 Kilo- gramm, 1913 7.2 Kilogramm Banmwotte, 1920 2.3 Kilogramm. Wenn der deutsche Ar- bester also aus seinem kärglichen Lohn noch gröstcre Lasten bestreiten soll, als bisher, noch mehr Steuern dem Reich wird entrichten müs- sen, dann wird seine Lebenshaltung erneut sin- kcn, die Zukunft der breiten Massen des deutschen Volkes wird ernstlich bedroht sein. Es ist daher die Pflicht atter proletarischen Par- tcicn in Teutschland, den Kampf um die Er- fassung der Sachwerte einem siegreichen Ende zuzuführen, die Durchführung der geplanten Steuerreform zu betreiben, denn es handelt sich hier um nichts weniger, als um das Wohl und Wehe der deutschen Arbeiter. Verliert die Ar- bciterschaft den Kampf, dann geht sie einer fortschreitenden Verelendung entgegen. D i c Einigung der Arbeiterklasse Deutschlands i st keine taktische Frage mehr, s o n d e r n eine Lebens- frage geworden. Sozialdemokrat Seite iv Inland. Die„Narodni Listy" und die nationale Frage. In ihrer gestrigen Nunimcr nehmen die „Narodni Listy" Stellung zu der jetzt geführten Diskussion über die Möglichkeiten eines deutsch- tschechischen Ausgleichs. Das Blatt schreibt: „Es ist kein Zweifel, dast die Einigung mit den nationalen Minderheiten, also auch mit den Deutschen notwendig ist. Wir wünschen ihn mch wahrhaftig. Auch wenn der tschcchoslowa- tische Staat ein N a t i o« a l st a a t ist, beben- lct dies nicht das Leugnen des Bestehens der Nationalitäten und ihrer Rechte. Sein Cha- cakter ist durch seine Entstehung und die Sorge um seine Sicherheit gegeben. Und gegen diese Tatsachen sotten sich am allerwenigsten die Deutschen stellen, welche in Europa bereits ihre Nationalstaaten haben, freilich auch mit Mino- citätcn. Wir wollen nichts, was uns nicht ge- bührt und wollen niemanden bedrücken. Aber jede Forderung der nationalen Minderheiten im Staate muß in Einklang gebracht werden mit den Bedürfnissen des Staates. Auch nn jcre Deutschen müssen einsehen, wen» sie eine vernünftige Politik machen wollen, dast ihre >cn Taktstock noch niemals anders als zur Weihe .nusi'alischer Schöpfungen und zur Begeisterung »er Hörer schwang, diesmal sein Bestes hergab rnd so sich und die Kunst am schönsten ehrte, nögcn auch die Ehrungen durch die anderen noch o sehr dem dankbarsten, aufrichtigsten Empfinden uilsprnngcn sein. Von Bild zu Bild, so wie die »ramalische Handlung und die Bcethovcnschc vtusit, steigerte sich auch die Bedeutsamkeit der Wiedergabe. Die, die droben sangen, und jene, >ie unten spielten, verband e i n Wille, dem gröst- >cn Tonkünstlcr aller Zeiten nach Möglichkeit ge- recht zu werden, um so auf ihre Art Meister Zcm- .'inSkp anfs Würdigste zu feiern. Vom Auftreten )eS Finsterlings Pizarro, der seine schnöde Rache Surch grause Mordtat nehmen Witt, bis zum Ticgcssang der befreienden Liebe im Schlustbild vilchS unter de» Händen Zcmlinskys das Meister- verk Stück uni Stück ins Riesenhafte. Drei ra- sende Säulen vor attcm stützten den Bau: die Zeonore der Frau I i ch a, der Gouverneur Ikrieners und der Rocco SterncckS. Schö- »er konnten sich die Stimmen nicht zusammen- änden, zugleich aber könnte auch der Kontrast im scistiqen Gehalt dieser Particcn nicht besser wirk- äm werden als durch Darstellung und musika- iische Wiedergabe insbesondere deS Pizarro nud >cS Fidelis. Wie ein wüstes Wetter wehte der «Herne Bariton des Herrn Kricncr gewaltigen hast, seine ganze Haltung, sein Gesang, seine Raske liestcn erschauernd den Sieg deS bösen dämons fürchten— aber wie reines Gold klang innrer lauter, immer mächtiger dieser prächtige Fidelis hervnr. Süßeste Frauenliebe ward Siege- :in über den brutalen Haß eines finsteren Man- l »erherzen». Und zwischen Haß und Liebe tönte j Forderungen auf dieser Grundlafs« aufgebaut werden müssen. Sie dürfen daher nicht: 1. die Stellung des Staates schwächen und das notwendige Mast der Einheit der Staatsverwal« lung störe»: 2. die wirtschaftliche Einheit und andere Mastnahmen, welche im Interesse der Bewohner des Staateganzcu und der einzelnen Länder sind, unmöglich machen; sie dürfen den Einflust des Staates von keinem Punkte dcs Staatsgebietes ansschliesten, waS schon mit Rücksicht aus den Schub der Minderheiten selbstverständlich ist."— Wenn die„Narodni Listy" schreiben, dast die Tschechoslowakei ein Nationalstaat ist, was die Ableugnung des Be- stehcns der Nationalitäten nicht ausschließt, so ist das ein Herumlaufen der Katze um den heißen Brei. Einen Staat, den mehrere Völ- kcr bewohnen, kann man nach allen Gesetzen der Logik nicht als einen Nationalstaat be- zeichnen. Auch wenn in die Verfassung der Republik die Worte anfgcnomnicn würden: „Die tschechoslowakische Republik ist ein Ratio- nalstaat", würde es nicht um einen Deutschen in der Republik weniger geben. Die„Na- rodni Listy" sind ja selbst so freundlich, die Existenz der Nationalitäten nicht abstreiten zu wollen, sie sind also wenigstens zu der Erkennt- Xis gekommen, dast es Deutsche in der Rc- publik gibt, was wahrscheinlich ein Fortschritt in der tschechischen chauvinistischen Gcistigkcit seil» soll. Was der Hinweis darauf, dast die Deutschen in Europa zwei Nationalstaaten haben, bedeuten sott, ist uns unerfindlich. Das Bestehen der deutschen und dcntschöstcrrcichi- scheu Republik kann doch keinesfalls ein Grund sein, den Deutschen, sagen wir vor Gericht, anders zu behandeln, als wenn es diese beiden Staaten nicht gäbe. Die Bemerkung schlief;- lieh, dast die Forderungen der nationalen Min- dcrheitcn in Einklang mit den Bedürfnissen des Staates gebracht werden müssen, ist ein sehr dehnbarer Begriff und im übrigen ein Gemeinplatz. In dieser Hinsicht scheiden sich eben die Geister. Aus der einen Seite diejeni- gen, die glauben, das; die Bedürfnisse des Staates am besten gewahrt werden, wen» der Staat allen seinen Staatsbürgern in gerechter Weise entgegenkommt, und die andere Anfsas snng, die glaubt, es bestehe ein Gegensatz zwi schon den Bedürfnissen des Staates und seiner Staatsbürger. Darüber werden wir uns Wohl mit den„Narodni Listy" nicht so leicht vcr ständigen können. Zur Diskussion über das Verhältnis zu den Deutschen ergreift in:„Kos" der bekannte tschechische Schriftsteller Dr. Edvard L c d c r e r daS Wort. Eingangs seiner Ausführuu gen betont er, dast es hoch an der Zeit sei über die Dringlichkeit des deutsch-tschechischen Ausgleichs ohne Furcht vor der patriotischen Gasse zu reden.„Die Kardinalsrage beim deutsch-tschechischen Verhältnis", so schreibt Lederer.„lautet schlicht: Ist unsere tschechoslo- wakische Republik ein Nationalstaat oder ein Nationalitätenstaat? Unsere Nationalisten be- haupten, das; sie ein Nationalstaat ist. Ich bin so frei zu behaupten, dast ein Staat, von dem ein Drittel der Bevölkerung nicht tschechoslo wakisch ist, ein Nationalitätenstaat ist und die Folgen hicvon ergeben sich von selbst. Ich bin mit dieser Ansicht nicht vcr- cinzclt, aber es sind viele Leute bei uns. wcl- che, obztvar sie meine Ansichten teilen, furcht sam nn» sich blicken und flüstern: Das i't freilich wahr, aber man darf es nicht öffentlich sagen, damit die Deutschen daraus keinen Vorteil ziehen.— Das ist dieselbe Behutsam- kcit, als ob man öffentlich nicht zugeben dürste, dast es In Europa 75 Millionen Deutsche und nur 9 Millionen Tschechen gibt, oder das; Prag, nach dem bekannten Ausspruche Nie- gers, zwischen Wien und Berlin liegt, damit die Deutschen nicht daraus Vorteil ziehen". Ferner bespricht Lederer die Meinung vieler feinet Nationsgcnosscn, wonach die Tschechen in der Verständigung mit den Deutschen nicht das erste Wort sprechen dürfen, weil sie die Sieger sind.„Wenn wir auch gesiegt habe n", sagte er, dann vergeben wir uns damit nichts, wenn wir nach dem Muster SladkovSkys den Deutschen ein wcistes Blatt Papier reichen, damit sie darauf ihre Forderungen aufschreiben, die wir doch nicht ohne weiteres annehmen ncüsicn, sondern über die wir mit ihnen ver- handeln können". Zum Schlüsse betont Lc- derer, dast die attnationale Koalition, die in der neuen Regierung zum Ausdruck kommt, durchaus nicht das Allheilmittel sei, den Ausgleich mit den Deutschen überflüssig zu machen. Um die Gauvcrfassung. Die Parteivcrtrc- tnng der tschechischen Rationaldcmokratcn hat beschlossen, sich für die Durchführung der Gan- Verfassung in der Slowakei einzusetzen, woran weiter nichts bemerkenswertes ist. Sie hat aber zugleich beschlossen, darauf hinzuwirken, das; das Gesetz über die Ganvcrfassnng in Böh- nun, Mähren und Schlesien n i ch t dnrchgc- führt wird. Angesichts dieses eigenartigen Be- schlusscs fragt die„Tribnna" ncit Recht, nach den Gründen der zwei sich widersprechenden Entschließungen. Das Blatt hält dem cntgc- gen, dast die Tschechen darnach streben, eine gewisse Einheitlichkeit in der Staatsverwaltung herbeizuführen, was die eigentliche Auf- gäbe des UnifikationsministcriumS sei. Diese Bestrebungen werden aber von einem derart!- gen Beschlust durchkreuzt. Vermutlich wünschen die Nationaldcmolraten mit Rücksicht ans die Schaffung zweier deutscher Gaue in Böh- men die Gauverfassung nicht. Dem hält jedoch die„Tribnna" entgegen, das; eS auch in der Slowakei Gaue mit bedeutendem magyarischen Einschlag geben wird. Es sei eigentümlich, dast Dr. Kramarsch seinerzeit als Ministerprä- sidcnt f ü r die Ganverfassnng eingetreten ilt, während seine Partei jetzt gegen die Durchführung des Gangesetzcs Stellung nimmt. warm und rubig der volle Baß des biedere» Kerkermeisters. Die Szenen im Gefängnis waren der Auftakt zu dem Erhabensten. Mit der unvergäng- lichen dritten Lconoren-Ouvertüre riß ZcmlinSkh auch den Letzte» mit in seinen Bann. Wenn wir sagen, daß er es damit Felix v. Weingartncr gleichgetan, mögen das beide als Ehrung cmpfin» de». Stürme von Beifall umcostcn Zemlinsky, che sich der Vorgang zum letzten Bilde hob. Im ganzen Hanse, diesseits und jenseits der Rampe, war die edelste Feststimmniig vorbereitet zu dem Ensemble„Wer ein holdes Weib errungen.. In der Feier der triumphierenden Liebe feierten alle, Künstler und Hörer, den Triumph der großen Schöpfung und der meisterlichen Gcstal- tung init. Wir können unsere Kritik nicht schließen, ohne den Fernando des Herrn L u d- w i k und die Marceline Steffi M c ck l e r s lobend zu nennen. Kleine Unebenheiten, nnbcdeu- tende Mängel der Aufführung sollen die Erinne- rung an sie nicht trüben und nur unsere Pflicht zur Wahrheit ztvingt uns, zu sagen, daß wir dem Neuen Deutschen Theater einen anderen, besseren Heldentenor wünschen. Im übrigen aber stimmen wir mit in den Jubel ein, der ans der Galerie und im Parkett ausbrach, als jich zjin« letzten Mal der Vorhang senkte— zum letzten Mal sen- ken wollte. Zcmlinskh nahm minutenlang die Spenden und den Beifall entgegen, die ihm so reich entgegengebracht wurden. Ihm, den San- gern(Solls und ChoriS), dem Orchester und der Bühne üDrhaupt sei es gedankt, daß sie uns einen Fidelis auS einem Guß geschenkt haben. —dt. Ausland. Ter„Selbstschutz in Obcrschlcsicn. Tie dcnlschcn Patcntpatriotcn benutzen n» entwegl die schwersten Gefabren, die ihrem Vaterland: drohen, um selbst allerlei Vorteile zu ernten. Der Besitz Obcrschlcsicns entschei- dct über Wohl und Wehe der künftigen dent- scheu Wirtschaft. Für die Orgcschleute aller Firmen, cb sie sich Frontkämpfer. Selbstschutz oder Stahlhelm nennen, liefert diese Schicksals- frage den willkommenen Anlast, eine»nie Stosttruppe der Reaktion zu Freikorps„Oberland". Der P hat abgeflaut, der Völkerbunds rat prüft das obcrschlesische Problem, dem Land ist eine Atempause gegönnt.„Oberland" aber organi- siert sich uncnlwcgt weiter. Leute, denen in vier Jahren Krieg Mord zum Handwerk und Lust geworden ist, strömen niassenhaft in Schlc sien zusammen. Ans den grasten Gütern haben sie ihre Waffcnlaacr, hier stolzieren sie in Ilm form, mit Orden behängt, umher und pfeifen ans die gegenteilige Verordnung des Reichs- kanzlers, hier haben sie ihre geheimen Rcgi ments-, Divisions- und.Korpsstäbe, die nur eines Winkes bedürfen, um zu marschieren. Ge- gen wc», ist den Desperados glcichgiltig. E brauchen nicht eben die Polen zu sein. Die Leiblicdcr der braven Weistgardistcn:„Heil Dir in Siegeskranz" und„Wir wollen keine Ju- dcnrcpuvlik" geben über das Marschziel gemi- gend Auskunft. DaS nlehrheitSsozialistische Hamburger Echo", das ncit diesem„Ober- land" ein neues Baltikiimabcntencr ans dem Horizont der deutschen Geschichte aufziehen sieht, veröffentlicht zum weiteren Ilcbcrfliist einen ihm zugeflogenen Drohbrief des wohl ncngegründeten„Deutschen Faszistenbnildes". All diesen dunklen Anzeichen zum Troll verteidigt es den Beschlust des Görlitzcr Parteitages, gegebenenfalls mit der Deutschen Volks- Partei eine Koalition einzugehen. Glauben die Genossen von rechts wirklich ernsthaft, das; ein Bund mit Strcscmann die Gefahr des neuen Baltikums irgendwie bannen kann? Zieht nicht das Herz Herrn Stresemann zum „Oberland"? Die Erkenntnis einer Gefahr verpflichtet, die richtigen Mittel zu ihrer Ab- stcllung zu suchen. Da aber versagt die Partei des„Hamburger Echos" in betrüblicher Weise. Zusammenkunft Senesch-Saussy. Pcrug, L4. September. Das Tsch. P. B. er- fährt, dast nächster Tage Minister Dr. B e- n e s ch mit dem magyarischen Minister des Neuster» Grafen Banffh zum Zwecke der Verhandlung der westungarischen Angelegen» heit eine Zusammenkunft haben wird. Die deutsche Neaktion. Schutz dem Stahlhelm. Berlin, 23. September.(Tsch.-P.) Ein Er- last des Ministers des Innern an den Polizei- Präsidenten von Berlin beschäftigt sich mit der Bekämpfung der Landfriedensbrüche in der Umgegend von Berlin. Minister Dominien« weist darauf hin, das; es n i ch t zulässig ist, Versammlungen und Feiern nnr deshalb zu v c r b i c t c n, weil sie p o I i- tisch anders gerichteten V o l k S t e i- len Anlast geben könnten, zu stören. Es hcistt weiter: Die Veranstalter genicstcn den Schuh der Gesetze und die Teilnehmer haben Anspruch darauf, dast die Behörden, inSbeson- dere die Polizei, gewaltsame Beeinträchtigungen der Verfassung"!- mästigen Vereins- und Versa m rn< lungsfreiheit n.'.t allen Mitteln verhindert. Der bayrische Ministerpräsident in Berlin. Berlin, 24. September.(Drahtbcricht den „Sozialdemokrat".) Heute ist der bayrische Ministerpräsident Graf L e r ch e n f e l d in Berlin eingetroffen, um mit der Neichsrcgic- rung die künftigen Beziehungen zwischen dem Reich und Bayern zu besprechen. Im Interesse der inneren und äußeren Politik hat man ans beiden Seiten den Wunsch, die noch bestehende Miststiinnlung so schnell wie möglich zu beseitigen. Alls diesem Grunde ist der Ucherwachungsausschus; des Reichs- tagcs, der sich heute wieder mit der ballri» scheu Frage beschäftigen sollte, auf nächste Woche vertagt worden. Die wirtschaftlichen Sanktionen. Berlin, 21. September.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat".) Wie das„Berliner Tageblatt" mitteilt, nehmen die Vcrhand- lungen zwischen der Neichsrcgierung und der Entente über di- Aufhebung der wirt- schaslliclicn Sanktionen einen günstigen Verlans. Tie Besprechungen zielen darauf ab. die Befugnisse der beabsichtigten französischen Kontrollkommissionen so auszugestalten, das; sie für die deutsche Regierung annehmbar sind. Die Beratungen dürften in kurzer Zeit zu einer Einigung und zur Aushebung der wirtschaftlichen Sanktionen führen. Aushebung der Rheinzollgrenze. Berlin, 24. September.(Tsch. P.-B.) Die Blätter berichten aus Paris: Die Verhandln»- gen zwischen der englischen und der französi» scheu Regierung über die neu zu errichtende Kontrollkommission zur Ucbcrwachung der Ein- und Ausfuhrlizenzen Deutschlands in der Rheinzollgrenze sind beendet. Die Franzosen haben ihre Forderung betreffend daS Vetorecht acgen die Erteilung solcher Lizenzen .fallen gelassen. Nach'Abschluß dieser ,u formen, daS| Besprechungen erklärte der englische Botschaf« »lnische Aufstand! ter, der deutschen Regierung, das; die englische Regierung dem vom Briand dem deutschen Botschafter in Baris gegenüber vertretenen Tmiidvnnkte beipflichte und daß der Beschluß des Obersten Rates nunmehr zur Durchficht rung gebracht werden könne. Sobald durch ein Dekret die Zustimmung der Deutsche» Regierung vorliegt, soll die Zollgrenze am Rhein sofort aufgehoben werden. Gegen die Schutzpolizei. Eine Noie der interalliierten Militär- Kommission. Verlin, 21. Sept-mber.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat".) Nach einer halbamtli- clccn Meldung ist im Auswärtigen Amte eine Note der interalliierten Militärkonlroll- kammissivn eingelangt, die sich_ gegen die zentrale Organisation der Schutzpolizei wendet, weil diese durch diese Organisation einen militärischen Charakter erhalte. Das verstoß: gegen die EntivassnungSbestinnnun- gen des Versnillcr Vertrages. Die Regierung besaßt sich augenblicklich mit der Note. Sic glaubt, das; es darüber zu einer Ver- ständigung mit der Entente kommen werde. Zurückziehung der amerikanischen Truppen. London, 23. September.(Tsch. P.-B.) Die Blätter melden ans Washington: Von der Re- gierung wurde erklärt, das; die a m e r i k a- icischeu Truppen ans Deutschland zu- rückgezogen werden würden, sobald der Aus- tausch der Ratifikationen mit Deutsch- land erfolgt sei. Die obcrschltsische Frage. Eine Sachverständigenkommission. Paris, 24. September. Nach einer Meldung des„Echo de Paris" aus Genf hat der Aus- schnst des Völkerbundes eine Sachverständigen- kommission nach Oberschlesien zu ent- senden beschlossen. Zwei Sachverständige, dar- unter ein Spanier, Hätten sich schon zwei Tage in Oppeln aufgehalten und seien nach Genf zurückgereist, um vor der Abreise der Sach- verständigenkommission einige Auskünfte zu erteilen.(Der Beschluß bedeutet wohl ein« neue Verzögerung der Entscheidung. D. R) Seite». Ein.Kommnnistenexzeß. Berlin, St. September.(Tsch. P. B.> Nach Blättermeldiingen kam es in tz)i ii I) 11) c t»i mit Rhei n infolge einer Versammlung, des Bereines für das Dcutschtuin im Auslände, in der Admiral S ch c e r über das Auslands- dciltschtnm sprach, zu schweren A n s schrei- t 11 tt fl c n. Etwa 30 K o in 11t u u i stc n stürzten in den Saal und schlugen mit Stöcken auf Frauen und Männer ein. Es entstand eine nneiebcnre Panik. Sie Polizei mußte mehrere Verhaftungen vornehmen. Ter Kredit für Oesterreich gefährdet? L o n- d o n, 24. September. Der diplomatische Be- richlcrstattcr des„Dailv Telegraph" meldet: Fit der Frage der Kredite für Oesterreich sei eine neue Schwierigkeit entstanden. Nu- inänie» und Serbien zeigten bisher keine Nei- gung, ihre Rechte aus die österreichischen Re- parationen auszugeben, die amerikanische Unterstützung bleibe aus wegen der Verzöge- r u u g der Annahme der Vill über die ans- ländischen Anleihen und Kredite. Tie Horthybanditcn bleiben die Alten. Wien, 24. September. Nach in Wien cinge- langten Nachrichten sandte die magyarische Re- jierntig gleichzeitig mit dem Gesuche um Vcr- mittlnng der tschechoslolvakischen Republik in der tvestuiigarischen Slngclegenheit den En- tcntcregiernngen eine Note, in der sie erklärt, daß von einer R ä u nt nngWe st Ungarns leine Rede sein könne, da Magyaricn dnrch eine revolutionäre Bewegung zerfallen würde. Magyaricn verlangt die Entsendung einer eigenen Delegation, welche die Gefährlichkeit der Situation sicherstellen soll. Magyaricn will mit diesem Schritte Zeit gewinnen, um die begonnene M o b i l i s i c r u n g zu beenden. Die Diplomaten an der Arbeit. Wien, 24. September.(K.-B.) Wie in poli- tischen Kreisen verlautet, galt die Unterredung des Bundeskanzlers Schober mit dem Mi- nistcr Dr. B c n c s ch den Möglichkeiten, die für eine Bereinigung der wcstungari- j ch c tt Situation bestehen. Ans den Mit- teilnngcn des Bundeskanzlers ergibt sich, daß das große Interesse, das in Prag dafür be- steht, eine möglichst rasche Lösung zu suchen. Auch in Budapest bemüht man sich, die ma- gyarischc Regierung auf diplomatischem Wege zu einer friedlichen Lösung zu bewegen. Ungarn zieht sein Anfnahmegesuch in den Völkerbund zurück. Genf, 24. September.(Tsch. P.-B.) Tie ungarische Regierung hat heute in aller Form den Völkerbund ersucht, ihr Aufnahmcgesuch in dieser Tagung nicht mehr zu verhandeln, sondern auf das nächste Jahr zu verschieben. Damit hat Ungarn tatsächlich das Aufnahme- gcsnch zurückgezogen ttnd die ihm von ver- schiedencn Seiten erteilten Ratschläge befolgt. Tie große Entente mit der kleine» Entente unzusrieden. Berlin, 24. September.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat"). Nach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" aus Belgrad hat das energische Auftreten der kleinen Entente den Wünschen einiger Mitglieder der großen Entente nicht entsprochen. Der i t a l i c n i- s ch c Vertreter in Belgrad hat E i n w e n- düngen erhoben. Man will aber in Belgrad nicht glauben, daß er im Namen der ganzen Entente gesprochen habe. Tic„Bossische Zeitung benierkt hiezn:„Die westungarische Frage steht im engsten Zusammenhange mit der Gcsamtlagc der europäischen Politik, was sich im Bnrgcnlandc abgespielt hat und noch GrtZllnlslliion der geistige» ZXvbcit. Von Dr. Guido Glück, Brünn. Eine Organisation der geistigen Arbeit des deutschen Volkes in der Tschechoslowakei, die Tr. G. Glück in nachfolgendem Artikel anregt, ist eine unserer kulturelle» Lebensnotwendig' leiten und ist nur durch die volitische Autonomie zu verwirklichen.(D. Red.) Tr. Friedrich Bill hat jüngst an dieser Stelle in seinem Aussatz„TaS Prager deutsche Thcalcr"(anläßlich der Ausführung von Hauptmanns„Weber") die Bemerkung ge macht, daß hier dieses Stück einem Ausschnitt städtischer, bürgerlicher Bevölkerung vorgesetzt würde, für die eS lauge nicht die Interessen- bedentung besäße wie etwa für, die Arbeiter DetitschböhmcnS, die es gar nicht zu sehen be kämen. Tiefer Gedanke rührt au ein Problem, das für alle Deutschen dieses Staates von allergrößter Bedeutung ist, au die uns drin- gend nötige Organisation geistiger Arbeit überhaupt. Wir sind seit iiuii drei Jahren in diesen Staat gestellt und nicht? spricht dafür, daß wir Deutsche zueinander gesunden hätten oder auch nur zueinander fänden oder wenigstens zu finden suchten. TaS ckuigende Band könnte natürlich nnr daS unserer geistigen Kultur sein: sie allein könnte Ausdruck unserer Einsicht sein. Wie sieht es aber tatsächlich auS? Wir wissen t a u in voneinander. Natürlich ist die? daS Ergebnis gesclüchliicher Entwicklung, die selbst wieder ein Produkt vcr- «sozial! abspielt, ist nur zu verstehen, wenn man sich der Tatsache bewußt wird, daß eS sicy dort um ein Versuchsfeld für größere Unterneh- mungen handelt, um eine P r o b e a u f den Bestand der Friedensverträge überhaupt." Vit Hungersnot in Nußland. 50.C00 Kinder in Gefahr. Kopenhagen, 23. September.(Tsw.-P.) Dem „Bcrlingske Tidcndc" wird aus HclsingforS te- lcgrasiert, daß sich in TscheljabinSk im Gouver- ncment Orenburg 50.000 Kinde r, die nach verschiedenen Orten Sibiriens weiter befördert werden sollen, i% a V* n c nt traurigen Zu- stand befinden. Die Weiterbeförderung kann wegen der elenden Eisenbahnverbindungen nicht stattfinden und in TscheljabinSk fehlt es an allem Nötigen für die Verpflegung der Kin- der. Rußland und die Ukraine verlangen die Auslieferung MachnoS. Moskau, 24. September.(Funk.) Tic Volks- kommissäre für Lleiißcrcs von Sowjetrußland und der Ukraine, T s ch i t s ch e r i n ttnd R a- k o v s k haben an die rumänische Regierung eine Note gerichtet, worin sie die Auslieferung des am 28. August nach Bcssarabien gcflüch- tctcn Bandenführers Machtto und seiner Spießgesellen verlangen. Machno hat sich in Rußland und in der Ukraine vieler Verbrechen schuldig gemacht, weshalb seine Auslieferung als gemeiner Verbrecher verlangt wird. Vit diplomatische Offensive gegen Nußland. Die„Times" sekundieren den Franzosen. London, 24. September.(Reuter.) Die„Ti- mes" heben in einem Leitartikel die unseligen Konsequenzen des englisch-russischen Handels- Vertrages hervor. Tie Regierung, schreiben sie, ist vollständig durch den Vertrag g e b u n- den. Er bietet uns nicht genügenden Schutz gegen die bolschewistische Propaganda und vcr- setzt uns gleichzeitig in eine schmähliche St- tuation, soweit es um die Reklamation der britischen Gläubiger in Rußland und um die Anleihen handelt, welche die Bolschewiken nicht anerkennen. Am Schlüsse des Artikels heißt es. daß es jetzt Zeit sei, auf die ernicdri- gende Politik, die mit dem cnglisch-rnssi- scheu Abkommen verbunden ist, zu verzichten. Vit albanische Frage. England schützt Italien. London, 23. September.(Reuter.) Tic „Morningpost" erfährt, daß England und Italien ein Abkommen getroffen haben, wodurch Mittel zum Schutze Albaniens gegen Angriffe ins Auge gefaßt und die italicnifchen Rechte im Adriatischen Meere gewahrt werden. Kämpfe albanischer Stämme gegen die Nationalisierung. Belgrad. 53. September.(Tsch. P.-B.) Tic „Tribnna" berichtet aus Skutari: Ten M a- l i s o r c n, welche sich mit den Miriditen sali- dorisch erklärt haben und die Regierung in ! Tirana nicht anerlcnncn, haben sich die Alba- ncsen-Stämme Ditkadjin und Schala ange- schlaffen. Sie unterstützen jetzt die Miriditen, überfallen die Besatzungen der Regierung?- trnvpen und konzentrieren ihre Kräfte in der Richtung gegen Skutari. Tortselbst herrscht Aufregung. Tic Regierung in Tirana schickte ihre letzten Truppen gegen die Miriditen und Maliforen. Ten letzten Nachrichten zufolge erklärte sich auch der Stamm Puket gegen die Regierung in Tirana ttnd schloß sich den Mi schiedcner Gegebenheiten und Gebundenheiten darstellt. Nehmen wir Teutschböhmen und Teutschmähren oder kürzer Prag ttnd Bri'tittt. Tiefe beiden wichtigsten Städte vertreten ja kulturell die Länder, deren Haupt sie sind. Prag und Brünn haben aus vielen Gründe» stets ein Sonderleben geführt. TaS geistig-kulturelle Zentrum der Monarchie war Wien. Wh dem Verhältnis zu ihm erklären sich Aehnlichkeitcn und Verschiedenheiten. Adalbert Stifter war es, der das berühmt ge- wordene Wort von Brünn als der Vorstadt Wiens prägte. Tatsächlich gravitierte da? gci- stige Teutschmähren vollständig nach Wien. Es ist erstaunlich, wieviele geistige Arbeiter Bläh reu nach Wien exportierte. Tie Ebner- Esche,Ibach, I. I. David, Philipp Langmann, Ricbacd Schaukal. Franz Schamann, Zifferer, Karl Laus Strödt, die meisten Journalisten von Rang und Namen, Hochschulvrosessorcn wie Gustav Adler. Beck von Managetla, Böhm Bawerk, Freud, Laurenz, Tschcrinak, Mülluer, Wiesuer, Werner, May lisch, um nur die zu nennen, Musiker(Gustav Möhler, Ig- luv, Brüll, Korngold), Maler(Hlawäischek) und viele viele andere. Tie Wiener"Universität war die der Tenischmährer, die alljährlich sichzehnhundert Studierende nach Wien sau!»- lcn, von denen die meisten dann in Wien verblieben. Prag, durch den"breiten tschechischen Gürtel vom deutschen Oesterreich getrennt. Deutsch- bahnten, anderen Stammes als die süddent- schon Oesterreicher, führte sein geistiges reges e« okrat riditcn an. Die Regier» ng 8 t r tt p P c n, welche gegen die letzteren zogen, wurden zwt- scheu Ibala und Puka geschlagen und nach Lnka zurückgeworfen, von wo ihnen alle RückzugSlinien abgeschnitten sind. (Die Nationalrcgieriing in Tirana schloß im August 1020 mit Italien den Vertrag, nach welchem dieses die Insel Sassenv behielt und Balona räumte. Dieser Besitz von Sasseno bringt it. a. Griechenland und Südslawicn in Gegensatz zu Italien, tveil er ihm die Möglichkeit bietet, das Adriatische Meer zu sperren. D. Red.) Die Niederlage der Griechen. Angara, 23. September. Amtlich. Unsere Verfolgung entwickelt sich. Die griechische n Truppen, die alle Wege über den Sivri Hisiar räumen, gehen in der Richtung ans Sa- rikö zurück. T a n s c n d c von U n b c c r- d i g t c n liegen ans den Schlachtfeldern. Paris, 23. September. Die Konstanlino- pcler Blätter geben Meldungen wieder, wo- nach das Gros der griechischen Streit- kräftc zwischen Mikalitsch und Sartkoj ttitd Sivri-Hissar eingeschlossen sei. IC Rückzugölinie des Feinds nach Westen soll abgeschnitten sein. Konstantinopel, 23. September.(HavaS.) Man ist hier der Ansicht, daß sich die G r t e-. che» in den neuen Stellungen östlich von E S k i s ch c h r nicht halten können und weiter westlich eine neue Verteidigung?- linie errichten. Die Kematisten sollen Seidg- hazi besetzt haben. Die Washingtoner Konserenz. London, 24. September.„Daily Mail" b»- richtet, es scheine jetzt, als ob die am 11. No- vcmber beginnende Washingtoner K o n f c- r c n z auf die Teilnahme der Bereinigten Staaten, Japans und des Britischen Reiches beschränkt werden solle und als objich die Erörterung nur mit den Fragen des Stellen Oze- ans und der RüstungScinschränkungen befassen würde. In England sind laut„Daily Mail" amtliche Vorstellungen vonseiten der Vereinig- tcn Staaten erfolgt, in denen nachdrücklich hervorgehoben wird, daß die Anwesenheit Lloyd Georges auf der??ashingtoner Konferenz erwünscht sei. Lloyd George habe jedoch endgültig beschlossen, nicht nach Wa- shington fahren. Es ist zweifelhaft, ob der Gesundheitszustand Dalfours diesem gestatten lvird, nach Washington zu gehen. Die F r a n- z o s e n entsenden Briand, Garrand, Jusse- rand und Viviani oder Louchenr. Wie man gegen dieAoualdemokratie kämpft. Der Suche nach dem besten Rattengifte ge- gen die Sozialdemokratie, die znbekämpfen, wie der Rcichenberger„Vorwärts" behauptet, zu „den hervorragendsten Aufgaben der Kommu- nistischen Partei gehört", widmet der„Var- wärt?" eine ellenlange Betrachtung, die der Sentimentalität nicht ermangelt, denn er ist nach langem, tiefen Nachdenken dahintergekom- inen, daß die bisherigen Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie die gewünschte Wirkung nicht gebracht haben. Welche Betrübnis die sozialdemokratischen O raanisaiioncn haben, trotzdem daß sie von den Kommunisten tau- sendmal mausetot gesagt wurden, alles Getobe und Geschrei der Kommunisten überlebt und auch die sozialdemokratischen Führer konnten weder zu wirklichen noch zu politischen Leichen gemacht tverden. Da die größten kommuni- Zischen Schmntzkübel nicht geholfen haben, so macht eine schöne kommunistische Seele im „Vorwärts" folgende Bekenntnisse und Ratschläge: Sonder leben, ihm war Berlin, war Deutsch- land näher als Wien und Oesterreich. So waren die Bezichtlngcn zwischen Prag und Brünn geringe und sind es bis auf den heutigeit^Tag geblieben. Daran hat die neue engere Siaatsaeineinschaft noch immer nichts geändert. ^ Dentschmähren hat mehr verloren. Wien ist für uns Ausland geworden. Wenn wir uns auch der innigsten Kiilturgemeinschaft mit dem deutschen Volk, für die es keinerlei staatliche Grenzpfähle gibt und geben darf, bewußt sind, wenn nnS auch nichts ferner liegen darf als verengende, kleinliche Kirchturmpolitik: die Verhältnisse haben sich tatsächlich geändert. Unser geistiger Export nach dem deutschen Tilden wird, wenn auch nicht ganz aufhören, so doch bedeutsam eingeschränkt werde», Prag ist fortab unsere Universitätsstadt, unsere neue RetchShauptstadt, wir müssen uns n m o r i cn- i iere n. Darum empfinden die Dentschmäh- vcr diesen Wechsel früher und stärker als das immer selbständigere Denischböhmen, Brünn mehr als Prag. Daraus erwächst aber für Deutschböhmen, für Prag die Pflicht, sich lei- ner erhöhte«» Aufgabe bewußt zu werden und den Zusammenschluß aller Deutschen dieses Staates aus geistig-kuturellem Gebiet zu fördern. 1 . Mit zusammenhanglosen Einzelheiten, daß ein Professor einen Vortrag hält., daß in den Theatern ein(nicht mehr wiederholtes.) Wech- selgastspiel stattfindet, ist eS nicht getan. Da muß bewußt organisiert werden. So kommt 25. Seplemver iiv». „Ohne zu schematisieren, dürfen wir sagen, di"e Kommu nisten haben bisher d c in Kampfe gegen die Führer mehr Aufmerksamkeit gewidmet, als dem Kampfe um die Gewinnung der Massen. Sie haben die großen Massen und deren nnmittel- barsten Bedürfnisse gewissermaßen vernach- lässigt und den Kamps z u^ sehr als einen solchen gegen die sozial- demokratische und GewerkschafIs- bürokratie geführt. Sie glaubten, de» Kontakt mit den Masten dadurch am sichersten bewahren zu können» wenn sie die Führer bei der Gurgel fasten und nicht loslassen. Die Er- fahrungen des letzten Jahres— und der Moskauer Kongreß hat ja bloß diese Ersah- rungen zusammengefaßt und konkretisiert— haben bewiesen, daß diese Auffassung eine ir- rige war. Der Moskauer Kongreß hat hieraus die Konsequenzen gezogen und für den Kampf der Kommunisten neue Richtlinien festgestellt. Zu den Massen— heißt im Sinne dieser neuen Richtlinien, daß man die Sozialdemokratie nicht totschlägt, indem nian sich ausschließlich oder fast ausschließlich daraus beschränkt, durch mehr oder weniger scharfsinniges Kritisieren der Ereignisse und Kämpfe die Führer in den Augen der Masten zu diskreditieren. Um die Sozialdemokratie totzuschlagen, muß man die Axt an die Wurzel legen, muß man hinabstci» gen in die Tiefen, ans denen die Sozialdemo- kratic ihre Kräfte schöpft. Diese Kräfte haben nichts Geheimnisvolles an sich, sie können also durch keine noch so teuflischen Bannflüche, durch keinerlei Beschwörungsküuste vernichtet werden. ES sind durchaus reale Kräfte, auf die die Sozialdemokratie sich st ü tz t: die aus dem alltäglichen Leben der großen Masten herauswachsenden Bedürsniste, Sicherung der Existenz, Sicherung je besserer Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse. Diese Bestrebungen haben freilich kein beson- dcrs revolutionäres, umstürzlcrischcS Aussehen, aber sie bewegen die große Masse, für die auch die Revolution, der Umsturz na- turgemäß leine marxistisch-wistenschaftliche, son- dern eine wirtschaftliche, vulgär gesprochen, eine Magenfrage ist." Obwohl die schöne Seele eine Ahnung da- von hat, welch ehrendes Zeugnis sie den So- zialdcmokraten ausstellt uiib welch vernichtendes Urteil sie über die für die Arbeiter frucht- lose, demagogische Phrasen- und Schimpfpoll- tik der Kommunisten fällt? Der„Vorwärts" bekennt: die Konunnnistische Partei hat für die„aus dem alltäglichen Leben der großen Massen herauswachsenden Bedürfnisse, Siche- rung der Existenz, Sicherung besserer Arbeits- bedingungen und Lebensverhältnisse" nichts getan, sie hat die Massen nur damit zu gewin- neu gehofft, daß sie„die Führer an der Gurgel faßte und nicht losließ". 916er die„Gurgel" — welch eine reizende Terminologie'.— erwies sich für die Wünsche der Kommunisten als zu widerstandsfähig und die Massen, welche er- kannten, daß die Kommunisten nur leeres Phrasen- und Lügenstroh dreschen, wollten sich nicht einsangen lassen. Also will es die in der Schmieduug neuer Parolen viclcrfah- reneKoniinunistische Partei mit einer neuen Walze versuchen und hat darum, um vielleicht doch noch die Massen zu gewinnen, für die„all- täglichen Lebensbedürfnisse der Mafien" ihr Herz entdeckt. Die neue Parole bedeutet aber vor allem: die Hoffnungen auf die so oft als„un- mittelbar bevorstehende" Wcltrcvolution haben die Kommunisten nun selber aufgegeben und versprechen, vorläufig der sozialpolitischen Gegcnwartsarbeit sich zu widmen, also das- selbe, was die deshalb tausendmal geschmähte Sozialdemokratie zum Wohle der Arbeiterschaft seit je tut. Wem fällt beim Lesen des Bekennt- nisses dieses Baulcroüs der bisherigen kommn- nistischen Phraseologie nicht das bekannte Volkswort ein: Matthäi am letzten! es nur zu geringfügigen Einzeltinlernchimin- gen wie lokalbcwnßten, mehr trennenden als als vereinigenden Zeitschriften z. B., die nach kurzer Frist zum Tod verurteilt sind, zu kleinen Ansätzen, die, kaum am Wege, schon ermatten. Man müßte kein Deutscher sein, um Eigen- art und Eigenentwicklung nicht zu schätzen: ihr Gutes muß bewahrt, ihr Schlechtes aber cnt- fernt werden. Böhmen, Mähren und Schle- fien: noch immer sind die Deutschen dieser Län- der Böhmen, Mährer und Schlesien Sic sollen es weiter bleiben, doch sich dessen klar be- wüßt werden, daß sie als Schicksalsgeinem- sehnst in diesem Slaatc eine neue Einheit bil- den, die sich in der weiten Welt als die Deut- scheu in der Tschechoslowakei darzustellen hat. Der Anfang möge dahin gemacht werden, daß w«r voneinander wissen, daß wir uns dessen bewußt werden, was deutscher Geist, deutsche Kultur in diesem Staate leistet, daß wir alle Kräfte sammeln, alle Quellen zufam- menleiten zu einem zielbewußt und nnhcmm- bar rauschenden Strom, über den man nicht sichtlos hinüber kann. Masaryk hat bei seinem jüngsten Besuch in Brünn das Wort Adalbert »ttfterS aufgegriffen und hinzugefügte a»S der einstigen Vorstadt Wiens ist die zweite Groß- stadt unseres Staates geworden. So liegen die tatsächlichen Verhältnisse. Besinnen wir utss und gehen wir endlich daran, alle deutsche nelftfge Arbeit zusammenzufassen, zu organi- steren, um selbst vor uns selbst und vor allen ander: bestätigen! 25. September 1921. Bcr Kampf der Eisenbahner. Die Bewegung der Eisenbahnbediensteten ist infolge der bewußten Sabvticrnng der Forderungen der Eisenbahner durch die hohen üifcnlxihuburofraten tu ein Stadium des o f- sc neu Ka mpfes zwischen den Vertretern des Personals und jenen der Eisenbahnver- waltung getreten.?lm Montag, den 26 ds Vormittags, finden endgiltige Verband^' lungen der Vertreter der Rahmenorganisa- tioncn und zwar:„Verband".„Unie"., Jcd- nola" und„Spolck" unmittelbar mit dem Mi- nistcrpräsidenten und den maßgebenden Mi- nistern statt. Die Art und Weise des von den Nahmen- Organisationen angetretenen Kampfes, wel- chcr ein Planmäßiger und wohldurchdachter, dabei aber ein scharfer und u n c r s ch ii t- t e r I i ch e r ist, wurde von den Eisenbahnern, die seit Monaten einer nie dagewesenen Provo- kation seitens der Eiscnbahnbürokratcn ansge- seht Ivarcn, mit spontaner Freude und kämpf, entschlossener Bereitwilligkeit gutgeheißen und wird von den organisierten Eisenbahnern mit allen Kräften unterstützt. Die Kampfesbercit- schaft jeder einzelnen Kategorie ist wohlorga- nisicrt und bis ins kleinste Detail vorbereitet. Direktiven für die allernächsten Tage. Die Vertrauensmänner in DisPositionSsia- Hotten werden von ihren Organisationen schriftlich verständigt, an welchem Orte sie sich am Donnerstag, den 99. dS. M., Vormittags, einzufinden haben, wo sie genaue Wei- jungen erhalten werden. Am Demonstrationsstreik, welcher für den 30. ds. M>, in der Zeit von 11 bis 13 Uhr, für den Fall, dich die Verhandlungen zu keinem Resultat führen sollten, festgelegt wurde, haben sich nicht zu beteiligen: Bedienstete bei der Dampskesselwartung, Feuerwachen, Bahnpoli- zei und Sanitätsdienst. Alle anderen sind vcr- pflichtet, falls bis dahin von den Nahmenorga- nisatwncn keine anderen Weisungen heranöge- geben wurden, am genannten Tage präzise 11 Uhr die Arbeit einzustellen und bis 13 Uhr in Ruhe und Besonnenheit auf ihren Dienst- Posten und Arbeitsplänen zu verbleiben, inso- weit es sich nicht darum handelt, daß ein Teil dieser Zeit nicht in die Mittagspause fällt. Eisenbahner! Wartet in Ruhe das Ergebnis der Verhandlungen Eurer Organisationslci- tungen ab und richtet Euch im gegebenen Mo- ment nur nach der ausgegebenen Parole En- rer verantwortlichen Organisationsvertretung! In der Solidarität und im gc- schlössen-» einheitlichen Auftreten liegt Kraft und Sieg! Die Arbeiterliewegmtg in der Podkarpatska ttufj*) Bedingungen der ruthcnischen sozialdemokratischen Bewegung im alten Ungarn.— Die Rcvolutioiis- zeit.— Gründung der ruthcnischen sozialdemo- tischen Partei.— Tic Unabhängige sozialdemo- kraiische Partei der Podkarpatöka RuSj, Ursachen der Gründung(Verhältnis zum Kommunismus). — Die Erneuerung der Gcwcrlschastöbewcgung. Solange die österrcichisch-ungarischc Monarchie bestand, konnte von einer ruthcnischen so- zialdcmokratischcn Bewegung in unserem Lande keine Rede sein. Ties war einerseits die Folge der sehr schwachen Entwicklungsstufe dieses kleinen Bruchteiles des ruthcnischen (ukrainischen) Volkes, andererseits aber Folge der ungarischen Gewaltherrschaft..War doch in Ungarn alles, was an dm nationalen Charakter der ungarischen Rulhenen erinnerte, strengstens verboten, wie z. B. die ruthcnische Schule, Amtssprache usw. Nur in der Kirche vermochte, unter dem Deckmantel der kirchlichen altslawischen Sprache, der nationale Charakter der Bevölkerung Zuflucht finden. Aber die ungarischen Machthaber wußten auch *) Bezüglich der Benennung unseres Landes möchten wir daraus aufmerksam mache», daß in der deutschen Presse der Republik eine falsche Terminologie sich eingebürgert hat: Karpatho- rußland, Karpathorusscn. Dieser Fehler resul- ticrt aus der falschen Boraussetzung, daß Podtar- patska RuSj und ibre Bevölkerung ein Ausläufer dcS russischen Territoriums, bezw. Nationalclc- mcutcS gegen den Westen sind. Ohne uns in die ethnographischen und philologischen Einzelheiten einzulasse», sei nur bemerkt, daß cv cm schieden unrichtig und unwissenschaftlich ist, dem Lande einen russischen Charakter zuzumuten.~ic Völkerimg gehört, wie diejenige in Ostgalizicn und In der Ukraine, zur ruthcnischen oder ukramychcn Rationalität. Wir behalten den Namen„Podkar- PatSka RuZj" oder deutsch: Karpathoruthemen, Karpathoruthcncn. « Sozialt diese Institutionen staatsdienend zn machen, »wem sie deren Träger, die Priester, vollkom- wen magyarisierten, sodass die Kirche mit Hilfe von magyarischen Gendarmen das Volk unter- drucken half. Die tolerierten kirchlichen Schulen standen zwar dem Volke näher als die ma- gharischen, da die kirchenslawische Sprache, die gelernt wurde, dem Volke weniger verständlich war, aber sie waren unter jeder Kritik. Es wurde sonst magyarisch gelehrt— das Volk konnte sich— mit Ausnahme der Intelligenz, das Magyarische nicht aneignen, und so blieb es außerhalb der modernen Kultur, sich selbst überlassen. Der Typus des Karpathoruthenen war der arme Kleinbauer, der nach Amerika saisonweise emigriert, ein Proletarier ohne Bildung, der in seiner Armut und Unwissenheit an seiner Kirche hängt, weil er nichts an- dcres kennt. Tie damalige sozialdemokratische Bewegung unter der Arbeiterschaft des ehemaligen Un- garns rechnete mit den ruthcnischen Proletari- crn nicht. Ein Kind ihrer magyarischen Hei- mat, waren die ungarischen Genossen zu die- scr Zeit(mit seltenen Ausnahmen, die nicht ins Gewicht fallen) nationalistisch und zentra- listisch gesinnt. So geschah es, das; nur die un- garischen Proletarier Kenntnisse in der sozial- demokratischen Theorie und Praxis und die geistigen Mittel zur Hebung ihrer Lage crwer- ben konnten. Dem Aennsten aller Armen, dem ungarischen ruthcnischen Arbeiter, war al- lcs dies fremd und unverständlich— verheimlich geblieben. So blieben großen Massen der Proletarier im alten Ungarn, besonders im ruthcnischen Gebirge, außer der sozialde- mokratischcn politischen und gewerkschaftlichen Organisationen, ein Ausbentungkgcgenstand der, meistens jüdischen, Kapitalisten, ein schlechter Konkurrent auf dem Markte der Ar- bell. WaS diesen armen Proletariern vcrständ- lich gewesen wäre, die ukrainische sozialdemo- kratische Zeitung ans Ostgalizicn oder ans der Ukraine, war in Ungarn verboten; es konnte auch kein persönlicher Konialt aufrechterhalten werden, da ihn die ungarische Gendarmerie zu verhindern wußte. Trotzdem existierten doch gewisse, wenn auch sehr kleine Beziehungen zwischen den Karpathoruthenen und ihren Brüdern in Osigalizien, besonders unterhielten sie die Huzulen in den an Galizien angrenzen- den Gemeinden. Ter Krieg änderte diese Verhältnisse gründlich. Wohl brachen noch ein letztesmal die Verfolgungen seitens der magyarischen Regierung und des Militärs ans, aber die jungen Männer standen bereits unter dem Einflüsse des persönlichen Verkehres mit ihren Brüdern ans Ostgalizicn und später aus der Ukraine. Viele kamen in russische Gefangenschaft, wo sie das Lehen ihrer Brüder in der Ukraine kcu- neu lernten und viele beteiligten sich sogar aktiv an den Geschehnissen des Revolution^- jahrcs 1917. In diesem Jahre arbeitet bereits eine ganze Reihe ruthenischer Arbeiter aus Karpathornthcnicn in den ukrainischen sozial- demokratischen(auch soz.-rcvoltitionärcn) Or- ganisationcn, besonders aber im Jähre 1918. Nach dem Zerfall Oesterreichs traten viele Karpathoruthenen in den Dienst der ukraini- scheu Nationalarmce und viele andere warnt in der ukrainischen Volksrepublik auf andere Weise beim Bau des jungen StaalcS behilflich. Einige ruthcnische Arbeiter waren in den Iah- reu 1918—19 Mitglieder der ukrainischen sc zialdcmokraiischcn Organisation in Sianislau. So war der erste wichtige Schritt gemacht: die karpalhoriilhenischen Proletarier erhielten proletarische Aufklärung von ihren, schon seit langer Zeit gut organisierten Brüdern von der anderen Seite der Karpathen, es wurde ihnen aber auch gleichzeitig nationale Aufklärung zuteil. Als die Podkarpatska Rnsj definitiv an die tschechoslowakische Republik angeschlossen wurde, kehrten die schon aufgeklärten und or- ganisicrtcn ruthcnischen Arbeiter in ihr Hei- Mailand zurück und brachten die Idee der sozialdemokratischen Organisation nach Hause mit. Die Einflüsse aus ihrer breiteren Heimat, der Ukraine, sowie diejenigen des neuen Siaatszcutrnms, d. i. Prag, machten es ntög- lich, daß die Lehren und Erfahrungen der Re- volntionsjahre beim ruthcnischen Proletarier in der Podkarpatska Rnsj nicht verloren gin- gen. Bei der Neugestaltung des sonst sehr armen politischen Lebens in diesem Lande wurde auch an die Gründung der ruthcnischen sozialdemokratischen Partei geschritten, was noch im Jahre 1920 geschah. Im Frühjahr 1920 wurde ein Wochenblatt„Narod"(„Das Volk") gc- gründet, und zum Obmann der Partei wurde Genosse Jazko Ostaptschuk gewählt, ein Vor- kämpfcr der Sozialdemokratie in Ostgalizicn, gewesener Abgeordneter(gewählt im Jähre 1907 als ukrainischer Sozialdemokrat im Wahlbezirke Ternosuk-Zbaraz) im österreichischen Ncichsrat.(Gen. Ostaptschuk übersiedelte in den Zcmplcner Bezirk schon einige Jahre vor dem Kriege und hat jetzt die ischechoslowa- emokrat kische Staatsbürgerschaft optiert). Den Stamm der Parteimitglieder bildeten die jungen Ar- beiter aus Jasiuje, Byckio usw., die, wie erwähnt, Mitglieder der ukrainischen sozialdemo- kratischcn Partei gewesen waren, um nur die Genossen Klotschnrak, die Brüder Klempnsch, Mykalko, Joshptschuk, Sopovjtsch n. a. zu nennen. Tic karpathorussische Intelligenz, die im großen und ganzen magyarisch ist und erst jetzt ihr nationales Gesicht wiederzuerlangen an- fängt, bekannte sich nur ausnahmsweise, so z. B. Partciobmannstellvertreter E. Pnza, zur Sozialdemokratie. Erst in letzter Zeit nimmt die sozialdemokratische Bewegung in den Rei- Yen der jüngeren Intelligenz, der Studenten usw. zu. Gleich von Anfang an entwickelte die junge Parteiorganisation eine rege Tätigkeit unter dem ruthcnischen arbeitenden Volke und er- zielte gute Resultate. Allgemein betrachtet, sind die sozialen Verhältnisse dcS Landes derart, daß sie das Gedeihen einer Prolctarierbcwe- gnng unmöglich machen. Das Land ist ein Gc- birgsland; ausgenommen einige Großgrnndbc- sitze(wie dcS Grafen Schimborn it. a.) sind die Wälder vorwiegend staatliches Eigentum und die Bevölkerung besteht einerseits aus kleinen Bauern, andererseits ans Proletariern, die zum großen Teile noch mit dem Lande verbünden sind, indem sie ein Häuschen oder kleines Stück Boden zu eigen haben. Der gesamte Handel ist in den Händen des jüdischen Teiles der Bevöl- kernng der verhältnismäßig sehr groß ist. Tic Leute werden ausgebeutet ans eine, irgendwo anders ganz unbekannte Art. Eine aufrichtige, wahrhafte, organisatorische Hilfe findet bei diesem guten aber noch primitiven Volke immer freudige Aufnahme. Die ländlichen Proletarier sind fast ausschließlich ruthenischer(ukraini- scher) Nationalität; in der Stadt, unter dem Proletariat, im engen Sinne des Wortes, überwiegen die magyarischen, deutschen und jüdi- scheu Arbeiter, sehr zahlreich sind die denatio- nalisierten Nuthcnen, die erst jetzt die Möglich- kell bekommen haben, sich zu ihrer National!- tat, in ihren nationalen Arbeiterorganisatio neu zu bekennen. Obwohl die Jndnslrialisation der Podk. Rnsj noch sehr primitiv ist, existieren doch schon ei nige Industrien, vor allem die Holzindustrie, in der die meisten Arbeiter beschäftig sind, dann die chemische Industrie, Staatssalincn usw. Dazu kommen die Eisenbahner it. a. Angestellten des Staates. So gibt es Zentren, in denen die rnthenischen Arbeiterorganisationen sich sehr gut entwickeln können wie: ltzhorod, Terctschyn, Swaljawa, Ticllschewo, Sololwy- na usw. Die rillhenische sozialdemokratische Partei begann ihre Tätigkeit am Lande und übertrug sie dann in die Stadl. Es entstand eine ganze Reihe von Organisationen und das Parteiorgan wurde zu einem der meist gclesc neu Blätter der Karpathoruthenen. Im No- vembcr 1920 beteiligte sich eine größere Dclc- gaiion der ruthcnischen Sozialdemokraten am Parteitage der Tschechoslowak. Sozialdemokratie, unter Führung des Gen. Ostaptschuk. Hierauf folgte eine frößere Konferenz der Partei in Uzhorod, die am Februar 1921 abgchal- ten wurde. An derselben nahmen gegen 00 Delegierte teil und man sah schon, daß die Partei auch unter dem städtischen Proletariat an Be- dcntiing gewinnt, denn unter den Delegierten war eine ganz ansehnliche Zahl der Arbeiter aus den Industriezentren und Städten. Unterdessen bereiteten sich aber gewisse Tat- fachen vor, die einen entscheidenden Einfluß auf die weitere Entwicklung der soz.-dcm. Bc- wegtutin der Podkarpatska Rnsj nahmen. Im April d. I. kam es zur Gründung einer„tili abhängigen Sozialdemokratischen Partei der Podkarpatska Rnsj"; die Partei stellt sich gegen die zweite, aber auch gegen die dritte Int«- nationale, und umfaßte Arbeiter aller Ratio- neu. Die einzelnen Nationen bilden also inner- halb der Partei ihre nationalen Gruppen. Es ist eine in der Arbeiterbewegung in Oester- reich-Ungarn wie auch im gewesenen Rußland Wohl bekannte Form der Organisation. Ale. Obmann der Parle! blieb Genosse Ostaptschuk; der Sekretäre sind zwei: Gen. Klotschnrak sei- tens der rnthenischen, Genosse Tomas seitens der magyarischen Sektion. Es werden zwei Organe herausgegeben: in der ukrainischen Sprache„Bpcrcd" und in der magyarischen „Elörc".(Beides bedeutet: Vorwärts.) Um dieses letzte Stadium in der Entwick- lung der sozialdemokratischen Bcivcgiing in der Podkarpatska Rnsj gut verstehen zu können, müssen wir das Verhältnis der rnthenischen zu den magyarischen sozialdemokratischen Arbci- lern und zum Kommunismus kurz auszeichnen. Wir haben schalt erwähnt, daß die c'«'»ia ligc magyarische sozialdemokratische Partei recht nationalistisch und zcntralistisch war. Nach der Zergliederung der Podkarp. Rnsj an die Tschechoslowakische Republik konnten sich viele der magyarischen Sozialdemokraten lange an die neuen Verhältnisse nicht anpassen. Die damals noch nicht gctcilic magyarische Sozial cLcnr 6. demokratie betrachtete, meistens vom nationa- istischcn Gefühl der einmal herrschenden ma- gharischen Nation beeinflußt, die rntheiiische ozialdcmokratische Bewegung als etwas sciud lichcS. Einmal hieß es, daß die ruthcnische Bewegung vom ruthcnischen Nationalisinns ge leitet werde und die geschlossenen Reihen der Partei brechen wolle, ein andermal wieder, das; es unter den Organisatoren der rnthem- scheu Partei keine rechten Sozialdemokraten gibt, ivas man auch vom Genosse» Ostaptschuk behauptete! Besonders die späteren Führer der kommunistischen Gruppe der magvarischcn Partei waren es, die am meiste» aktiv ans traicn wie Dr. Gaty v.. a. Tic rnthenischen Genossen führten aber ungeachtet dessen ihre Arbeit fort. ES kam die Spaltung in den Rei Yen der ungarischen Genossen, welche sich so vollzog, das; der Großteil kommunistisch wurde, während einige wenige, konsequente Arbeiter über Bord geworfen wurden. Die Zeit der kommunistischen Vorherrschaft brachte viel Schaden besonders der gewerkschaftliche» Arbeiterbewegung der Podl. Rnsj. Tie rnthc- nischen Genossen verblieben als eine kleine Po- litische Gruppe, beim allen Programm, obwohl auch im Organ der Partei„Narod", tut Frühjahr 1920, da die Redaktion in unberufenen Händen ruhte, eine gewisse Wendung zum Kommunismus zu bemerken war, was aber bald beseitigt wurde. Eigentlich konnte man von einer kommunistischen Richtung unter der ruthcnischen Sozialdemokraten nicht re- den: das, was man die ruthcnische kommunisti- sche Partei nannte, war eine Gruppe der ma- gharischen Kommunisten, bestehend ans ma- gyarischcn und denationalisierten, rnthenischen Arbeitern, hauptsächlich aber Intelligenzler», wobei der Einfluß von auswärts(die s. g. ukrainische kommunistische Partei) auch eine wichtige Rolle spielte. Die üblen Folgen die- scr Vorherrschaft und der weiße Terrror in Ungarn waren für die nicht verblendeten und wahrhast proletarisch fühlenden Arbeiter eine Lehre ohnegleichen. Daß die demagogische Mc- thodc der Kommnnistcn eine vollkommene Vernichtung der Arbeiierorgansiation mit sich bringen werde, diese Besinnung kam ehe noch alleS verloren war. Eine kleine Gruppe der rnthenischen Genossen entschied sich, verhandelte mit den rnthenischen und die Folge war, das; man an die Gründung der unabhängigen sozialdemokratische Partei der Podk. slinsj schritt. Die rntheiiische Partei ist unter der Landarbeiterschaft und den Holzarbeitern stark, die ungarischen Genosse» haben eine Reihe von aufgeklärte» klassenbewußte» Proletariern in den Städten. So vereinigten die ungarischen und rnthenischen Genossen ihre Kräfte zu ge- mcinsamcr Arbeit. Ten ungarischen Arbeitern kamen die Wiener so;ialdeiuotratischcn Emi grauten unter Führung des Genossen Knufft mit gutem Rai: mit den neugeschaffenen politischen Verhältnissen zu rechnen und zu schau- cn, der Arbeiterklasse möglichst viel behilflich zn sein» da die Verhältnisse in der Tschechoslow. Republik einer Praktischen Arbeit unter dem Proletariat verhältnismäßig günstig sind, während in Ungarn die jetzige feudale Gewalt- Herrschaft jede Organisationsmöglichkeit vcr- nichtct hat. Im Laufe des Frühjahres und des Som- merS d. I. schritten die Genossen in der Podk. Rnsj an die Erneuerung der gewerkschaftlichen Organisationen, was ihnen in vielen Industrie- orten desto mehr gelingt, als die Arbeiter sich schon früher von den.Kommunisten abzukehren anfingen. Man könnte die, jetzt in der Partei cingclrenc Periode als eine Periode bczeich- neu, wo die Partei, ihren nationalen Sektio- neu die national politischen Angelegenheiten der rnthenischen bzw. magyarischen Arbeiter- schasi überlassend, an den"Ausbau der Gewerkschaften geschritten ist, um die Schäden, die die- scr Bewegung durch die KriegScreignisse, die früheren Verhältnisse in der ungarischen Hälfte der gewesenen Monarchie und durch den Kommunismus zugeführt wurden, gutzuma- chcit. Die neugeschaffene Organisation der soz.- dem. Arbeiter hat sich au die Wiener Arbeits- gcmeinschaft tdie s. g, 2M Internationale) angeschlossen. Ob die Organisation in der heute bestehenden Form weiter fortgeführt werden wird, kann man heule nicht voraussagen. Si- chcr ist aber, daß die Form den Bedürfnissen der Arbeiter selbst angepaßt werden soll; so lange die beiden proletarischen Gruppen, die rntheiiische und die magyarische schwach sind, werden sie in dieser Form der Organisation Stärkung finden, vis die Möglichkeit gegeben sein wird, die politische sozialdemokratische Be- wcgnng in scbstäudigcn nationalen Parteien, der ruthcitüchcu(ukrainischen) der magyarischen usw. weiterzuführen. Selbstverständlich würde da? ruthcnische Proletariat die Bildung einer J- Arnationalc in der Republik als einen wichtigen Schritt zur Wiederau'"Ab,'tig der De liulernaiionale aus das frauc Seite Iß. Teuerung und Arbeitslöhne. Das staatliche statistische Amt hat, wie bereits berichtet, vor einigen Tagen die Index- Ziffer der Kleinhandelspreise für die erste Hälfte des Jahres 1921 veröffentlicht. Bon Jänner bis Juni hat sich die Indexziffer wie folgt bewegt: 1343, 1423, 1450, 1456, 1445, daß heißt, im Juni war die Lebenshaltung in der Tschechoslowakei vierzehn einhalbmal so teuer wie i m I u l i 19 14. Nehmen wir also an, daß im Juli 1914 ein Arbeiter mit 75 IC Wochenlohn langte, oder ein Angestellter mit 309 IC ein bescheidenes Da- sein führte, so müßte derselbe Arbeiter, wenn er auf dieselbe Lebenshaltung Anspruch erhe- bcn würde, dermalen 1 933,75 IC in der Woche, der Angestellte 4.9 3 4 IC Monat- l i ch verdienen. Nun zeige man uns den Durchschnittsarbcitcr oder den Durchschnitts- angestellten, der einen solchen Lohn oder Ge- halt in Wirklichkeit erhält! An den beiden Zahlen kann man erst ermessen, wie sehr die Lebenshaltung der Arbeiter und Angestellten herabgcdrückt wurde, wie sehr heute die Mas- seit der Bevölkerung verelendet sind. Dazu konimt noch, daß wir in den nächsten Wochen und Monaten mit einer w c i t c r e n bedenk- saincn Steigerung der Indexziffern zu rechnen haben, weil die Freigabe des Ge- treidehandels die Kosten für Brot und Mehl in die Höhe treiben werden, und weil die neue Lprozentige Umsavsteucr überhaupt alle Le- bensmittcl und Gebrauchsartikel verteuern wird. Wenn also im Winter ein Arbeiter oder Angestellter so leben will, wie jemand, der 1914 ein Einkommen von 399 IC monatlich gehabt hat, dann müßte er mm mindestens 5 990 IC monatlich verdienen. So schaut die Wirklichkeit aus! Und dabei wagen es noch die Unternehmer, von einer Herabdrückung oder Stabilisierung der Löhne zn reden. Die Stabilisierung der Löhne, ein Schlagwort, das schon endlich aus der öffentlichen Diskussion verschwinden sollte, würde keine anderen Fol- gen haben, als eine vollständige Verelendung der Bevölkcmngsmassen der Tschechoslowakei herbeizuführen. Sozialdemokrat Tages-Neuigkeiten. „Der Mensch Ist gut". Das ist ein Dichter- wort aus traurigen Herzen heraus. Leonhard Frank hat es sich unter Schmerzen abgerungen, als eben die Menschen wie wilde Tiere gegen einander rasten. Mitten in den Greueln des Weltkrieges stand es als Trost, Erhebung und Zuflucht vor seiner gemarterten Seele, weil er den Greuel die Güte gebären sah. Ein Kell- »er, dem die blinde Kugel den einzigen Sohn gemordet hat, trägt begeistert den neuen Heils- ruf„Ter Mensch ist gut" unter seine von glci- che» Qualen zerrissenen Brüder und Schivc- steril. Ein armes Weib, dessen Gatte scheiden mußte, ohne die Geburt seines Kindes erleben zu dürfen, tritt dem Kellner als Verkündigen» seiner Wahrheit entsagungsvoll zur Seite, wie eine Lawine wächst das Wort, allen Haß und Neid vernichtend wird es einem bitter schwer, daran zn glauben, und wie frevler Hohn klingtS uns in den Ohren. So heute, wenn man die Nachricht liest:„Bald nach dem Unglück in Oppau haben sich gewisse Elemente eingcfun- de», um zu plündern. Auch Leichenräuber trieben ihr Unwesen, zogen den Toten Ringe von den Fingern und raubten Wertgegcn- stände." Also auch vor der Majestät des schauerlichsten Todes macht die Habsucht vcr- sicrter Menschen nicht halt? Indes tausend gebrochene Augen in stummer Anklage zum Himmel starren, während der Fenerregen von Zodain und Gomorrha grause Wirklichkeit wurde und ein einziger Augenblick, ein voll reiches Dorf von der Erde fegte, in dieser sei ben Minute konnte sich in einem Augenzeugen des Unheils die Hyäne cmporrcckcn, daß er hinging und den toten Bruder beraubte? G u t ist der Mensch?! Wolf und Tiger und Aas- geicr sind besser denn er! O, glaubt das nicht! Gebt nicht dein Menschen die Schuld, welche die Zeit und die Gesellschaft tragen! Nur der Widersinn des Lebens, der Glcichgcborcncn in Arme und Reiche teilt, der die Ausbeutung mit Gesetzcsmacht umkleidet und die Arbeit uni ihre Früchte Prellt, nur dieser Widersinn hat Gut in Böse verkehrt, hat den Ncspckt vor Blut und Tod in den Seelen erstickt und das Unausdenkbare des Lcichenraubcs zur Tat- fache gemacht. Die Welt, die das Eigentum zn ihrem einzigen Gott erhob, zeugte die Wut der Habsucht. Der Hunger, den das Gesetz der Gesellschaft fast jedem Neugeborenen als Ge- schenk in die Wiege legt, tötete in manchem die Seele, che sie noch recht zum Leben erwachte. Bon der Gesellschaft entseelte Larven haben die Leichen von Oppau beraubt, nicht Menschen. Denn der Mensch, der Mensch geblieben ist, dieser Mensch ist gut. Trotz allem und allem! Glaubet daran! Tie Katastrophe von Oppau. Im Reichsar- ieitsministerium in Berlin fand gestern, Samstag, unter dem Vorsitz des Rcichsar- öeitSministcrS die Konstituierung eines 5 i l f s a u s s ch u s s e s für die Betroffenen bei der Katastrophe in Oppau-LudwigShafen statt. Ter Minister, der soeben von seiner Reise nach der Unglücksstelle zurückgekehrt war, machte Mitteilung über den furchtbaren Anblick der Schäden. Die Arbeiter, die die Katastrovhe überlebt haben, sind erfreu- lichcrweisc im Augenblicke nicht brotlos, da sie genügend mit den Anfräumungsarbei- ten und später mit dem Wiederaufbau deS Werkes beschäftigt sein werde». Oppau sieht aus wie eine einzige Ruine und auch die Schäden in Lndwigshafen, Frankenthal und Mannheim sind ungeheuer groß. Der Mini- ster erkannte die E h r c n P f l i ch t d e S Reiches zur Wiederherstellung und erklärte, daß zu den Maßnahmen des Reiches eine private Hilfe notwendig sei. Es wurde dann das Hilfskomitee unter dem Namen „N e i ch s h i l f s a n s s ch u ß f n r O P P a n" konstituiert, zu dem sämtliche beteiligten Vcr- bände, insbesondere auch die Vertreter der Arbeiter, gehören. Tie Zahl der Toten wird in dem Berichte auf 350, die der Schwcrvcrletz- ten auf 399 angegeben. Ans Mannheim wird gemeldet: Nach einer bisher durch das Ludwigshafencr Bürgermei- stcranit veröffentlichen Liste sind 235 Tote ge- meldet, die mit' Namen einwandfrei festgestellt sind und außerdem 75 Tote, die unerkannt dem Friedhofe übergeben wurden. Seitens der Angehörigen sind bis gestern abends 59 P e r s o n e n als v c r m i ß t gemeldet worden. In den Krankenhäusern der Pfalz, Mannheim, Heidelberg usw. sind 519 Verwundete aufgenommen worden. Der Streit NM Konopischt. Durch den Vcr- sailler Friedensvertrag sino an die Tscheche- slowakci alle Güter der Mitglieder der Faun- lie Habsburg-Lothringen übergegangen. Das Gut Konopischt bei Bencschan dagegen ist nach dem Tode des Erzherzogs Franz Ferdi- nand auf seine Kinder, die Hohenberge, über- gegangen. Deshalb war zur Konfiskation des Gutes eine Ergänzung zum Gesetze über die Enteignung der Habsbnrgischen Güter zn Gunsten der Tschechoslowakei notwendig. Das Gesetz ist vom Abgeordnetenhaus und Senat erledigt ivorden und harrt der Unterschrift des Präsidenten der Republik. Nun ist es aber, so schreibt die„Tribuna", nicht sicher, ob der Gesetzentwurf vom Präsidenten unterschrieben werden wird, weil der bisherige Vormund der Kinder des Franz Ferdinand, ein Thun-Ho- henstcin, Protest gegen das Gesetz erhebt und darauf hinweist, daß die Konfiskation den Friedensverträgen widerspricht. In den Frie- dcnsvcrträgen wird nur von der Enteignung der Habsburger gesprochen, die Kinder des Franz Ferdinand sind aber keine HabS- burger. Im Jahre 1999 hat sich Erzherzog Franz Ferdinand für alle seine Nachkommen der Ansprüche auf die Hcrrschastsrrchtc begeben und nach dem Tode Kaiser Franz Joseph ha- bcn die Hohenberge Kaiser Karl als den recht- mäßigen Herrscher anerkannt. Die tschcchi- scheu Juristen behaupten nun, daß das tsche- chischc Staatsrecht eine morganatische El,e nicht kenne, weswegen die Hohenberge als rechtsmäßige Nachkommen der Habsburger be- trachtet werden und ihr Eigentum daher der Tschechoslowakei zufalle. Falls daS Gesetz vom Präsidenten nicht sanktioniert wird, wird die Sache vor das Oberste Vcrwaltungsgcricht kommen. Ein mehrhcitSsozialistischcs Institut für so- statistische Forschungen. Im Anschlüsse an die Programmarbeitcn des Görlitzer Parteitages beabsichtigt die,sozialistische Partei ein J n st i- tut für s o z i a l i st i s ch c Forschung cn, etwa nach der Art der englischen Fabiergcscll- schuft oder der deutschen katholischen Görrcs- gcscllschaft ins Leben zu rufen. Die vorberei- tcndcn Arbeiten liegen in den Händen von Eduard Bernstein, Dr. Alois Köster, Professor Ncidbruch und Heinrich Schulz. Das altehrtviirdige Rathaus in Lcitmerih, das in gotischem Stile gebaut ist und zn den merkwürdigsten Baudenkmälern Deutschböh- mens gezählt werden kann, soll nun endlich wieder hergestellt werden. Der Mittelkraft dieses historischen Gebäudes ist im Jahre 1919 zusammengebrochen. Für und Wider die Erhaltung wurde viel gestritten. Die Kommission für die Erhaltung von Baudenkmälern setzte sich für die Wiederherstellung des alten Baues ein und die Gewährung eines Staatsbcitrages ermöglicht nun den Wiederaufbau des einge- stürzten Mittelteiles. Erdrosselt. In dem Walde längs der Straße von Dnbenctz nach Wilantip(Bezirk Königinhof) wurde Dienstag vormittag? die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, in welcher da« aus Vrchowitz stammende, 17 Jahre alte Dienstmädchen Franziska Hnik sichergestellt wurde. Wie die Ilntcrsnchuiig der Leiche ergeben hat, ist Fran- ziska Hnik erdrosselt worden, und zwar allem An- scheine nach im Schlafe, sodaß eS sich hier also zweifelsohne um einen Mord handelt. Als der Tat verdächtig wurde der Sohn eines Landwirtes verhaftet. Vom Auto überfahren. Gestern um KS Uhr nachmittags fuhr durch die KvnigSstraße in Wy> sotschan ein Automobil. Hinter der Mcisncrischen Fabrik fuhr in derselben Richtung ein Lastwagen. An diesem Wagen hielten sich hinten drei Kna- bcn an, unter ihnen auch der nenn Jahre o'ie Kart 2 wob oda ans Bysotschan, Gerade in dem Augenblicke, als da« Automobil vorfuhr, sprang Swoboda vom Wagen herab und lief di- reft unter das Automobil, welches ihm den Schädel zerschmetterte. Er wurde ins paihologische Institut zur Vornahme der geeicht- lichen Obduktion geführt. DaS Automobil wurde der Polizeidircktion übergeben und der C h a u s- f e u r verhaftet. In die Moldau gestürzt. Gestern gegen 5 Uhr nachmittags begab sich in etwas angeheitertem Zustande der Arbeiter I. I. ans Podol nach Hanse. Am Libuscha-Uscr in Podol schlief er ein und fiel in die Moldau. In der Nähe befindliche Schwimmer zogen ihn jedoch heraus und er c n t- kam unbehelligt der©£laHr. Ein bctriigrischer Chauffeur. Der 87 Jahre alte Chauffeur Johann Skodepa ans Ncu-Wyso. ,schau führte für die Hostivarcr Mühlen Brot und kassierte dafür den Betrag von 3285 Kronen ein. Diesen Betrag behielt er für sich, ließ die Pserde und den Magen mitten aus der Straße stehen und erklärte dann, er sei überfallen und um das Geld bestohlen worden. Da diese Angabe nicht glaubwürdig erschien, wurde er verhaftet und gab dann an, er sei betrunken gewesen und wisse nicht, wie er um das Geld gekommen sei. Er wurde dem Landcsstrafgcricht eingeliefert. Der Verkauf von fsoghurt und Schlagobers wird freigegeben. Das Ministerium für Volks- Verpflegung teilt mit, daß das Verbot der Erzen- gung und deS Verkaufs von Aoghurt und Schlag- obers unter der Bedingung freigegeben werden wird, daß die bisher für Groß-Prag geltenden Milchprcisc, nämlich 3 K 69 h für den Liter pasteurisierter Milch und 3 K 40 h für den Liter nichtpasteurisierter Milch im Tctailvcrkauf nicht erhöht werden. Wasserslandsbericht. Hohcnsnrt'+ 9, Budweis 24, Tabor+ 16, Moldantein+ 4, Pisck+ 22, Kamhk+9, Stechowitz—30, Panischen a. S. — 18, Berau»—42, Modran—78, Prag Mte Mühlen+ 20, Karolinental+15, Pardubitz — 96, Brandcis a. d. E.— 53, Mclnik+ 22, Laun—69, Lcitmeritz+44, Aussig—70, Titschen—74. Voraussage für den 2. Scplembcr: Aussig—72 und Tetschen—80. Kleine Chronik. Wcttcrkataslrophe in Spanien. Madrid, 24. September.(Havas.) Wolken- brüche verursachten in verschiedenen Provinzen große Schäden. Die Ernte wurde voll- st ä n d i g vernichtet, viele Brücken weg- gerissen, 59 Häuser zerstört und viel Vieh ertrank. Taufende Pcrsoncn sind o b- d a ch l o s. Schisssunglück. Paris, 24. September. l.Ha- vas.) Bei dichtem Nebel stieß der belgische Dampfer„Jan Brcydcl" bei den Goodwininscln mit dem norwegischen Dampfer„Salin a" zusammen, welcher fünf Minuten nach dem Zu- sammeiistoße sank. Der belgische Dampscr ist abends niit beschädigtem Bug in Doovcr einge- langt. Er hat einige Schiffbrüchige gerettet. Ins- gesamt sollen sieben Personen u in S L e- b c n g e k o in in e n sein. Fliegertod. Pari S, 23. September.(Havas.) Der Flieger Romanet erlitt bei den Vorproben zn den Wettflügcn»m den Becher„Deutsch de la Meurthe" einen tödlichen Sturz.— ft open- hagc u, 23. September. Auf dem Flugplätze Malmö ereignete sich»achmitlags ei» schweres Flicgerungliick. Bald nach dein Ausstieg des Flug- zcuges, in dem sich zwei Flicgcroffizicre befanden, explodierte der Motor und das Flugzeug stürzte zu Boden. Die Leichen der beiden ganz v e r- kohlten Offiziere wurden unter dem Flug- zeug hervorgeholt. Ranbiibersall au? einen Personenzug. Wie „Gaulois" meldet, ist i» Rumänien ein Personenzug in der Nähe der Station Waschantzi(?) von Nänber» mit Gewehrschüssen und Handgranate» angegriffen worden. Ter Z n a f ü h r c r wurde getötet, aber der Heizer gab Volldampf und es gelaug so, den Zug zu retten. Zwei N c i- sende wurden getötet, mehrere ver- lebt. Ein Rubel= lO.ftgg Rubel. Moskau, 24. September.(Funk.) Der Sowjet der Bolkskom- missäre hat beschlossen, neues Geld aiiszn- geben, das die Aufschrift tragen wird: Ei» Rubel gleich 10.000 früherer Rubel. Ein Eisenbahnnnsall bei Schottwien, der sich mn Freitag der Vorwoche ereignete, wird erst jetzt von der Wiener Presse gemeldet. Ans der Südbabn- strecke bei der Station Klamm-Schottwien streifte ein Grazer Personenzug an den abstehenden Kuppstock eines haltenden Güterzuges. 24 Per- sonen wurden hicdnrch verletzt. Tesche«. Eine Tragikomödie. Städte haben ihre Schicksale. Die verfchie- denen Wege, die der Handel im Lauf der Jahr» hunderte ging, führten Earthago oder Bendig von stolzer Höhe zum Dahinduseln ftt tatenloser Halbdämmerung, dem Schlafumsponne- nen Brügge bat ein Kind der Stadt, Georges Rodenbach, eme wehmütige Dichtung gewid- met. In den Sturz des lateinischen Weltim- periums wurde Rom mit Hineingensien, Wien bezahlt das Verbrechen seiner Habsburger mit Qualen und dem aussichtslosen Ringen um eine widernatürlich geworden« Existenz. Der große£»» der Geschichte hat all die genannten Städte, wie eS nicht anders sein konnte, mit in seine Bahn gezogen und deshalb erscheint ihr Schicksal traurig, doch begreiflich. 26. September 1921. DaS Geschick TcschenS hingegen ist einfach grotesk. Nicht die Geschichte hat eS ehern zn- rechtgchämmert, sondern Pfuscher haben e» jämmerlich zusammengeschustert. Em grüner Tisch, besetzt mit sachunverstandigen Leuten, als Fallt»! einer Stadt war noch nicht da. Franzosen. Japaner. Belgier und Engländer beschlossen, daß Tesche« nach tauscndl°hrigem Bestände nicht mehr dasein solle, und es ver- schwand. Mit Zanberkiinstlerschnelligleit ver- wandelte es sich in ein PolSki-CicszYn uiid i» ein Ecsky-Tcsiii. ein einziger Federstrich machte ein mathematisches Wunder wahr und setzte 1—2. Es gibt auch kein ciiifachcrcs Mittel, zwei Streitende zu versöhnen, als den Zank- apfcl zwischen ihnen zn verteilen, oder wie das Goethe und Schiller mnstcrgiltig fonnnlierten. Sieben Stö': stritten darum Homer ge- boren zu haben. Nun da der Wolfs ihn zerriß, nehme sich jede ein Stück. Die Tschechen^ sagten, st« brauchten die Stadt. Ohne sie hätten sie kerne ungestörte Bahnverbindung nach der Slowa- lri. Die Pvl.'n sagten, sie liebten die Siadt und ihre Ehre bange daran. Denn ein Den.-» mal ihres ältrstcn Fürsteiigcschlccht^. der Pi- asten izwar ist das bloß eine Sage und die Pi- asten haben mit dem nach ihnen getauften Turm nichts zn tun) kröne die Stadt Also be- kamen die Tschechen den Bahnhof und die Po« len ihren geliebten Turm. Grenze wurde ein kleines, vcrlehrsgeographisch völlig gleichgültiges Flüßchcn, die Olsa. Wie die Bewohner sich in dieser massakrier, ten Stadt einrichten würden— und immerhin waren es an 25.999— darüber zerbrachen sich Japaner, Franzosen, Engländer und Belgier nicht weiter den Kopf. Auch die Polen und Tschechen nicht. Deren erste Sorge war es, „ihre" Stadthälfte vom„Feinde", rein, vom „slawischen Bruder", zu säubern. Wehe dem tschechischen Staatsbcdienstetcn, der in Polski- Cieszyn wohnte! Innerhalb 24 Stunden flog ihm ein Zettel des Wohnungsamtes ins Haus, daß er seine Wohnung binnen 3 Tagen räu- inert müsse. Verhandlungen, Betteleien, Auf- schnb auf 14 Tage. Dann aber rumpelte der Möbelwagen unerbittlich vors HanS. Natur- lich erfolgte Revanche von tschechischer Seite. Tie Stadt glich einem Bienenhaus. Nur die Arbeitsfreude der eifrigen Tierchen fehlte. Statt deren herrschte bei den Hin- und Herge- worfenen Verzweiflung und dumpfe Erbitte- ruug. Denn ein neues Hein fanden sie nicht. Tschcchisch-Tcschcn ist zu klein, neue Parteien auszunehmen, und nach Polnisch-Teschen strömte aus Galizien und Kongreßpolen ein ganzes Heer von Beamten, Offizieren, Sol- baten, Dirnen, Patrioten, Greise, Kranke, kinderreiche Proletenfamilien mußten ihnen Platz machen, der Möbelwagen als Wohnhaus Obdachloser wurde im Straßcnbild der Städte ein gewohnter Anblick. Jede paar Wochen gabs zwischen den beiden Wohnungsämtern einen Vertrag, weil sie sich nicht mehr zu helfen wußten, dann begann der Kleinkrieg, Welver Wolilstand und Bebaglichkeit Hunderter ohne rechten Grund vernichtete, aufs Neue. Gegenwärtig hat er sich auch ans die Arbeiter auS- gedehnt, die in dem einen Staat wohnen und im andern beschäftigt sind, und manchmal wsi- tet ein Wohnungsamt auch gegen die Bürger des eigenen Staates. Die sinnlose Gewalt dieser Teilung hat eben alle Willkür der im Innersten grausamen Bürolratensccle entfesselt, es kitzelt so angenehm, mit Wohl und Wehe des„Untertanen" nach Gutdünken um« springen zu können! Der Möbelwagen ist sozusagen das neue Wappenbild der unfreiwilligen Toppclstadt. Das zweite könnte der Schlagbaum sein. An allen Brücken droht er, die über die ominöse Olsa führen. Wciß-rot links und Weiß-blau rechts- und willst du zwischen den beiden hin- über, mußt Du ein wohlgestenipeltes Doku- ment in Händen tragen. Beliebt es den Her- reu Zollwächtcr», die sich hüben und drüben niedliche Zollhäuschcn errichtet haben, darfstt Du dich in einem ganzen Schwanz von Auge- stellten eine halbe Stunde lang herumquet- scheu, mußt Dich abtasten, mußt Deine Fran sich von einer höchst zweifelhaften Beamtin bis aufs Hemd ausziehen lassen. Wohnst Du aber gar 5 Kilometer diesseits oder jenseits der Olsa, so ist deren gegenüberliegendes Ufer ohne Paß und Bifum(Preis rund 199 IC für einen Uebergang) für sich ein ebenso verbo- tenes Land wie der Garten Eden für Adam nach dem Süiidcnsall. Man kann sich vorfiel- len, daß die Ostschlcsicr längs der Also sich wie Tiere im Käfig vorkommen: abgesperrt von der Freiheit des Verkehrs, unterbunden in zahrzchntclang dauernden wirtschaftlichen Beziehungen, von ihrer Arbeitstätte und ihren nächsten Angehörigen abgeschnitten, von der Benützung altgewohnter Bahnverbindungen ausgeschlossen, ihrer Schulen beraubt. Die Deutschen und auch die Polen des tschechischen Teiles haben nämlich keine höhere Schule, kci- neu Friedhof, kein Elektrizitätswerk. DaS Gaswerk umgekehrt liefert feine Ware zn Prei- sen, welche der polpifche Stadtteil der Valuta- fpannung weg«, nicht bezahlen kann, kurz, die gesamte Lebensfühning ist durch die wider- sinnig gezogene Zollgrenze ein cinziaer auf- reibender, grausam lächerlicher Kampf. Die Wirkung sollten, wenn auch.die Lust an der Sckalnr eine unvcrächtliche Triebkraft ist, die--chlagbänme doch wohl nicht auslösen. SB. September 1921. sondern vor allem soffen sie den Schmuggel verhindern. Na, Prosit Mahlzeit! In Wahr- Veit ist an« Tesche» die Hälfte seiner anstän- digen Bewohner verschwunden, um dafür Pa- schern. Schiebern und Wucherern Raum w inadjctt. die auch nicht. So bequem stoben onst da« hochvalnt.ge Tschechien und das bau- kcrottc Polen nirgends aneinander, in tschechischen Kronen umgerechnet, kosten ein Kilo ,vlnfch in Polen doch nur 4, 1 Liter Milch kaum 2, ein Ei gar ein Drittel tschcchischcKro- ncn. Da lohnt es schon, sich auszustopfen. Schuhe mit Doppelsohlcn zu tragen, Knaben und arme Weiber anzustellen, die nachts die Olsa durchwaten, n. dgl. Schliche mehr. Nach Polen wieder brachte oder bringt man Zucker, Stoffe, den vielgeliebten Spiritus, Tabak und schliesslich und endlich wandern manche Wc>- reu fortwährend herüber und hinüber, ja nach- dem das Ans und Ab der Palntaspannnng das rätlich erscheinen läßt. Ein besonderes Kapital verdienen dabei die Ein- und Ausfuhrbewilligungen, die sich in Tcschen zum regelrechten Handelsartikel aus- gebildet haben. An dem verdienen alle; die Bewerber, die Vermittler, die Fürsprecher, die auSsteffcndcn Beamten, nur der Konsument weih nicht mehr, wo ihm der Kops steht. Denn ist es in Polen überall teuer— in Tcschen ist es beinahe am allcrtcuersten.„Ich bitte Sic", können die Kunden jede Weile vom Kaufmann hären,„gehen Sie einmal auf die tschechische Seite hinüber und fragen Tic nach den Preis!" Durch die Grenznahe also hat hier die polnische Mark vielfach nicht mehr innere als äußere Kaufkraft. Die Wirkung auf die tschechischen Kanflcntc ist noch eigen- tümlicher: Auf polnische Kundschaft können sie nicht rechnen, die stschcchischc ist, weil doch nicht alle und alles schmuggelt, auf sie ange- wiesen._ Also sehen sie höhere Preise als z. B. die Ostrauer an, weil die Summen im Verhältnis zu den phantastischen polnsichen Ziffern lein Anzug bis 30.900 Mark!) noch immer niedrig klingen... Eine einzige Welle des Unsoliden, des Knltnrrückgangcs, der nie aussetzenden seelischen Depression ist von der Teilung Tcschens ausgegangen. Freude an ihr hat niemand, die glücklichen Erwerber nicht und nicht die Bewohner. Aber der geschehene Unsinn bleibt bestehen. Warum? weil die Herren am grünen Tisch ihre Ruhe haben »vollen und iveil der Neid der beiden Strci- tenden dem andern keinen Fugbreit des ein- mal gewonnenen Bodens gönnen»vill. Die Novelle)um Gesetze über die Umsatz- und Fnrnssteuer. Das in der Sammlung der Gesetze und Vcr- ordnungen(im 72. Stück unter Nr. 321) am 8. September l. I. publizierte Gesep über die Uni- satz- und LuxuSsteucr, welches bereits am 1. Ok- tober 1921 in Wirksamkeit tritt, enthält eine Reihe wesentlicher Abänderungen des bisherigen Gesetzes über die Steuer von Gnterübertragungen und Arbeitsleistungen und die Lnxusstcncr. Bei der einschneidenden Bedeutung dieses Gc- sctzes für das gesamte Wirtschaftsleben erscheint es angezeigt, wenigstens ans die»nichtigsten dieser Abänderungen aufmerksam zu machen: 1. Die Steuer von Umsätzen und Arbeits- leistungeu beträgt vom 1. Oktober 1921 an bis auf die nachstehend angeführten Ausnahmen ztvci Prozent des Entgeltes. Der bisherige Steuersatz von 1 Prozent»vurde bei den unent- bchrlichstcn Bedarfsartikeln des täglichen LcbcnS beibehalten, nämlich bei Lieferungen von land- »virtschaftlichcn Produkten(mit Ausschluß der Lclfrüchtc, Sämereien, des Hopfens und des aus- ländischcn Obstes), ferner bei Lieferungen von Mahlproduktcn, Zuckcrwaren, vegetabilische» Speisefetten, Fleisch und Fleischerzeugnissen(mit Ausnahme von Fischen und Wildprct). Diese Bestimmung haben besonders jene Kauf- Tente zu beachten, welche Artikel von beiderlei Art führen, da sie vom 1. Oktober ab ihre Steuer- aufzeichnungen entsprechend einzurichten haben. Nähcrc diesbezügliche Weisungen wird die Dnrchfiihrungsvorschrift enthalten, jedenfalls müs- sen jedoch die der cinprozcntiaen Steuer unter- liegenden Losungen abgesondert von ji'.ien gc- bucht werden,»vclchc der zivciprozcntigcn Steuer unterliegen. 2. Eine tvcitcrc»nichtige Neuerung ist auch die Bcstimmniig, das, der Verkäufer dem Käufer die Steuer abgesondert verrechnen kann und hiczu über Verlangen des Käufers sogar verpflichtet ist. Zu beachten ist auch, das, die zweiprozentigc Steuer cktich von jenen Lieferungen zu entrichten kommt,»vclche vor dem 1. Oktober vereinbart, cvent. auch fefjnjj bezahlt wurde», welche iedoch erst nach dem 30. September vollzogen werden. Ter Verkäufer ist jedoch in diesen Fällen bc- rechtigt, die Steuerdifferenz dem Käufer nach- träglich aufzurechnen. 3. Sämtliche Unternehmer haben sowohl die Umsatzsteuer als auch die Luxusstcner viertel- jährig ohne amtliche Aufforderung von den im betreffenden Vierteljahre erzielten Losungen bin- neu sechs Wochen nach Ablauf desselben z» ent- richten. Bei versvätcter Zahlung werden 10 Prozent Verzugszinsen berechnet. Wichtig ist die Bestimmung, wonach die Ab- schlagszahlungen für das erste, zweite und dritte Vierteljahr deS IabreS 19?1 bis zum 15. November 1921 eingezahlt werden müssen. ES er- scheint dringend geboten, auf diese Verhältnis- mäßig bedeutende Zahlung bedacht zu sein. Sozialdemokrat 4.^cr Begriff des steuerpflichtigen Unter- neymers ist im neuen Gesetze bedeutend erwei- tert, sodass nunmehr unter denselben ,zahlreu,c ÄiiBjcIte falten, die früher für ihre Leistungen und Lieferungen leine Steuer zu zahlen hatten: dies gili insbcsondcrS von allen Sporlvcrciuen mnsichtlich der bei Spielen und sonstigen Beran« staltungen cingchobencn Eintrittsgelder. 8. Ter Steuersatz der Luxussteuer»vurde unverändert gelassen. Hingegen wurde das Verzeichnis der luxns- steuerpflichtigen Gegenstände erweitert, die für die Lnrnscigcnschafl maßgebenden Wcrtgrenzcn namhaft erhöht und die Einhebung der Steuer bis auf»venige AnSnahmssällc zum Erzeuger verlegt. Im Kleinhandel bleiben versteuert Pelzivaren, Möbel, Beleuchtungskörper, Tiere, Antignitäten, Briefmarkensammlungen, künstlerische Reproduktionen, Bilder, Plastiken, Musikinstrumente, Juwele», Uhren und Naturblnmen. Diese Aufzählung der?lböndcrunaen des ur- sprünglichen Gesetzes ist atle-dinas nicht er- schöpfend. Abdrücke deZ Gesebcs sind bei Staats- druckcrci in Prag III erhältlich. Die Entscheidung über die Coline im nordböhnnschen Dan gewerkt. Tie Entscheidung des Lohnschicdsgcrichtcs über die Löhne der nordböhmischen Banarbei- tcr ist in der am 23. Sepien,der 1021 durch- geführten Verhandlung erfolgt. Den Anlast zur Anrufung des Gerichtes gab das Vorgehen der nordböhmischen Baumeister, weil diese ab 4. Juli die Löhne der Bauarbeiter einseitig herabgesetzt hatten. Die Bauarbeiter beantivor- tcten dieses Vorgehen der Unternehmer mit dem Streik und im Verlaufe des Streiks wnr- de von den Bauarbeiter» die Streitfrage dem Präger Lohnschiedsgerichkk zur Entscheidung vorgelegt. In der Verhandlung am 3. August machte der Vorsitzende den Parteien den Vor- schlag, das; der Streik aufgehoben und die Ar beit vorläufig zu den herabgesetzten Löhnen auf- genommen»verdcn soll. Hingegen sollen die vom Schiedsgericht festgesetzten neuen Löhne rückwirkend vom Tage der Arbeilsanfnahme Geltung haben. Entsprechend diesem Vor- schlage empfahl der Banarbcitervcrband seinen streikenden Mitgliedern die Arbeitsaufnahme. Das Vorgehen der Verbandslcitung löste bei den Mitgliedern alles andere als freudige Zu- stimmnng aus. Tie übergroße Mehrheit der beteiligten Bauarbeiter handelte in mnstergil- iigcr Disziplin nach dein Rate der Organisa- tionsleitung. Die am 3. August staitgefnildenc Verhandlung des Lohnschicdsgcrichtes»vurde wegen der Einholung vvu Gutachten vom Vcrpflcgsinini- stcrium und vom Ministerium für soziale Fürsorge vertagt. Diese höchst dürftigen Aensternii- gen beider Ministerien lagen in der Vorhand- lttiig vom 23. September vor. Das Ministe- rinnt für Ernährung stellte fest, das; in Rei- chcnberg die Kosten für Ernährung um angeblich nur 5 Prozent höher seien als in Prag. Das Ministerin»! für soziale Fürsorge erklärt einen Unterschied in den Löhnen der uordböh- mischen Bauarbeitern und jenen von Prag mit Rücksicht auf die höheren Preise in Rei- cheuberg für begründet. Auch die sozialen Vcr- Hältnisse seien für die nordböhmischen Bauar- bester ungünstiger. Inwicferne dies durch hö- herc Lohne ausgeglichen»verdcn solle, könne das Ministerium aber nicht sagen, weil es au- stcrstande sei, diese ungünstigen Umstände zif- fcrnmästig zu erfassen. Gegenüber diesen Gutachten vcrtvicscn die Vertreter der Bauarbeiter auf die von der»virtschaftlichcn Station fest- gestellten Indexziffern. Die Indexziffer für Nordböbmcn ist um 10 Prozent höher als in Prag. Nach diesen Zahlen sei nicht»nr die Wiederherstellung der alten Löhne begründet, sondern darüber hinaus noch eine Lohncrhö- hung. Die Vertreter der Banark>iter bcan- tragtcn ans die alten Löhne eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Falls das Gericht diesen An- trag ablehnt, stellten sie den Eventualantrag, für 1922 eine Erhöhung der allen Löhne fest- zusetzen. Die Vertreter der Baumeister stellten sich ans den Standpunkt deS Lohnabbaues. Da seit Februar bei einer Reihe von wichtigen Ar- tikcln eine»vesentlichc Preissenkung eingetreten wäre, sei eine vierprozentige Lohnherabsetzung zu wenig und da der Ausspruch des Gerichtes eine hohe Geltung hätte, beantragen sie eine höhere als'vierprozentige Herabsetzung. Nach einer längeren Beratung verkündet der Vor- sitzende das Erkenntnis, wonach statt der vier- prozentigcn Herabsetzung der Löhne nur eine zweiprozentigc eintreten soll. Diese Löhne sol- lcn rückwirkend ab vom Tage der Arbcitsanf- nähme bis auf ein Jahr Geltung haben. Der derzeitige Stundenlohn von 0 Kronen in der 1. Ortsklasse erhöht sich damit auf K 0,10. Dem entsprechend hauen sich alle übrigen Lohnsätze ans. Diese Entscheidung deS Gerichtes kann die Banarbeiterschaft nicht befriedigen. Der Angriff der Unternehmer auf die Löhne ist zum Teil gescheitert, abcr d.-* Gericht hat den Wirt- schafllichcn Tatsachen nicht Rechnung getragen. Auch die ganze Erledigung solcher Lohnfragcn, »vclche das Wohl und Wehe von zehntausend Arbeitern und deren Familien berühren, for dcrt die schärfste Kritik heraus. Dieses Gericht bietet nach seiner ganzen Einrichtung keinerlei Gewähr für eine richtige Beurteilung der komplizierten Verhältnisse. Es liegt uns ferne, die zur Entscheidung berufenen Mensche» hie- für allein verantwortlich zu machen. DaS liebet liegt vor allein an der Einrichtung selbst. Dieses Schiedsgericht soll fa vor allem eine Einrichtung zur V c r h i n d c r n ng von L o h n e r h ö h u n g e n sein. Die Praxis des Gerichtes verschärft aber das Nebel »och mehr. Dast lediglich amtliche Auskünfte vom Ministerium zur Beurteilung von Ar» beiterfragci, bestimmend sein sollen, ist im Gesetz nirgends vorgeschrieben, scheint abcr der Grundsatz dieses Gerichte zu sein. Das Mini- stcriuin für soziale Fürsorge sagte i» seinem Gutachten, die sozialen Verhältnisse der nord- böhmischen Bauarbeiter seien ungünstiger als in Prag, es könne dies abcr nicht ziffernmäßig im Verhältnis der Löhne znnt Ausdruck brin gen. Ein Vertreter der Bauarbeiter wollte dem Gerichte durch Vorlage eines statistischen Ma tcrials, welches dem Gerichte»vichtige An- Haltspunlte bieten konnte, darüber Ausschluß geben. Der Vorsitzende des Gerichtes findet diese Ausführungen überflüssig und ersucht damit die Ausführungen des Arbcitervertrcters abzuschneiden. Das Gericht könne daS nicht berücksichtigen. Weil es leine Auskunft des Mi- nisterinins ist? Schon formell»var die Bemerkung des Vorsitzenden»mznkässig, sachlich»var sie sehr sonderbar. Es ist ohneweitcrs zu- gegeben, daß eine Beweiserhebung über die sozial ungünstigen Verhältnisse der nordböhini- scheu Bauarbeiter sehr schwierig und die gc forderten Bclvcise nicht ein»vandfrci sei»»nö- gen. Abcr unmöglich»var sie doch nicht. Wenn in einem Zivilprozesz obfcltivc Betveismittcl fehlen, dann müiscn schließlich durch Befragung und Einvernahme der Parteien wichtige Umstände klargestellt und somit eine ausreichende Grundlage für das Urteil gesucht»Verden. Der Vorsitzende ist dem anS dem Wege gegangen, ja er vcrsnchte das Vorbringen der Parteien zu beengen. Für das Lohnschiedsgericht gilt das Rechisverfabrcu»vir für Gc- »verbegerichte. To ums; man»vünschc», das; die für de» Bagatellprozeß vorgesehenen Rechlssormcn und Garantien der Rcchtssin- düng auch beim Lohnschicdsgcricht aiigclvciidct »verde». Man soll nicht übersehen, es handelt sich hier um die Entscheidung von Prozessen von größter Tragweite und auch ökonomisch iiiu große Summen. Die vom Gerichte zngc sprochene Nachzahlung macht für den einzel- ncn Arbeiter»oenig, für die Gesamtheit der Arbeiter eine Vicrlcliiiillion Kronen ans. Der Prozeß geht um Millionen überhaupt. Bei der Bedeutung solcher Prozesse ist es außerordentlich peinlich, die Wahrnehmung machen zu müssen, daß die Rechtssicherheit für zehntausend arbeitende Menschen jedem Zufall an hcimgestcllt ist, wcihrekld der kapitalistische Schieber in seinen Prozessen von allen Fi- »essen der Rechtsordnung Gebrauch machen kann und bei den gelehrten Richtern hiefür mehr Verständnis findet. a— a Volkswirtschaft und SoMpolitik. Der größte deutsche Konsn»iiverein in der Tschechoslowakei ist nach der Verschmelzung mit den Konsumvereinen Neudck und Platten der Konsumverein Altrohlan bei Karlsbad. Dem Jahresbericht dieses Vereines, der das Jahr vor der Vereinigung umfaßt, ent nehmen»vir. daß der Ilmsatz im vergangenen Jahr über 31 Millionen Kronen betragen hat, das ist gegenüber dem Jahre vorher eine Ttci- gernng von nicht tveniger als 14 Millionen Kronen. Am Schlüsse des Geschäftsjahres setzte sich die Mitgliederzahl aus 8042 Familien mit einem Bcrpflcgsstandc von rund 30.000 Köpfen zusammen. Das Bctri^--kapital der Genossenschaft hat sich in den letzten Jahren ebenfalls bedeutend vergrößert. Tic Geschäfis- antcilc betragen K 777.8.15.— gegenüber Iv 331.805.— im Vorjahre. Der Reserve- fonds beträgt X 572.805.—. Die Spareinlagen erreichten bis Jahresschluß eine Höhe von über 2 Millionen Kronen und es sind in den letzten Jahren 1.7 Millionen neue Spareinlagen ein- gezahlt»vordcn. Ans diesen Ziffern geht hervor, daß das Vertrauen der Mitglieder zur Genossenschaft ständig im Wachsen begriffen ist. Das Warenlager in den 40 Verkaufs- stellen und in der Zentrale in Altrohlan be- trug am Tage des Geschäftsabschlusses 0.9 Mit- lionen Kronen. Das bedeutendste Ereignis in der Geschichte des Vereines im vorigen Jahre »var jedoch die bereits crtvähnte V c r s ch m e l- z u n g mit den Konsumvereinen Neudck und Platten, die im Juni durchgeführt wurde. Der Mitgliedcrstand deS so geschaffenen Großkon- sntnvereiucs beträgt gegenwärtig 12.000 Familien mit einem VcrPflcgSstandc von 50.000 Köpfen und 52 Verkaufsstellen. Die Entwicl l»ng des Vereines bedeutet einen gewaltigen Ansschlvuug der GcnossenschastSbewegung in Westböhmcit. Internationale gcnosscnschastlichc Frauen« konfcrcnz. In Basel hat im Anschluß an den internationalen Gcwcrkschaftstag eine Frauen konfercnz stattgefunden, die vö» 40 Franc» besucht war. Den Vorsitz führte Genossin F r c n n d l i ch. Wien, die auch ein Referat über die Verbindung der genossenschaftlichen Fraucn-Jntcrnationalc mit der genossenschasl lichen Allianz hielt. Die Konferenz nahm sol gcn.de Entschließung an:„Die erste internatio- nale genossenschaftliche Francnkonsercnz »vünscht eine rege Verbindung zlvischcn den Frauen aller Länder aufzurichten, um die Arbeit und die Begeisterung für die Ziele auszunutzen, die die internationale Allianz anstrebt. Die Konferenz hofft aus die volle Un- terstützung des Internationalen Bureaus. Dic Francnkonfcrciiz begrüßt es, daß im Interna- tionalen Blircan auch Frauen vertrete» sind, und hofft, daß das Burca» auch bei der Neu« Wahl des Exekutivkomitees dic Vertretung dci Frauen berücksichtigen wird, denn je enger dic Znsainmcnarbeit zwischen Mann und Frau und je größer die Glcichbcrcchktigung dci. Frauen in der Bewegung ist, desto schnelle, »Verden wir unsere genossenschaftlichen Ziclc erreichen." Ferner wurde beschlossen, einen ständigen Ausschuß der genossenschaftlichen Frauen internationale zu wählen. Zur Präsi- deutiii dieser Organisation»vurde Genossin Fre,indli ch. zur Sekretärin dic englische Gcnosscnschaslcrin E»f i c l d bestimmt. Vor einem Kamps der Landarbeiter in Mähren. Durch die Ernähruitgsverordnungen für da? heurige Jahr»vurde ein großer Teil der Arbeiter ans Tagclohn aus der öffentliche» Versorgung ausgeschlossen. Dic Organe dce staatlichen Vertcilnngsdienstcs»vcigcr» sich da her auch, dic landloirlschaftlichen Arbeiter zu verpflege» und sagen, die landwirtschaftliche» Arbeiter solle» durch ihre Unternehmer verpflegt werden. Da aber diese Verpflichtung in der Verordnung käncSlvcgs ausgesprochen ist, weigert sich die Mehrzahl der Unternehmer in Mähren, den landwirtschaftlichen Arbeitern Brot und Niehl;» geben. Sie erklären sich hoch stcns bereit, die bei ihnen beschäftigten Arbei tcr, abcr nicht deren Familien zu verpflegen. In den diesbezüglichen Verhandlungen sind nun die Arbeiter nicht darauf eingegangen, wodurch der Konflikt zlvischcn de» Arbeitern und Unternehmer» in Mähren akut gewordc» ist. Die Agrarier wollen möglichst»venig ab- liefern und möglichst viel verdienen, abcr ihre Arbeiter zu verpflegen, das fällt ihnen nicht im geringsten ein. Falls die Unlcrnehnier»vei> ter halsstarrig bleiben, dürfte es in Mähren znin Kampfe komme». Sitzung des RcichöwirtschastbrateS. In de» gestrige» Sitzung des Reichstvirtschaftsrates »vurde eine ausführliche Debatte über dic Tcuc- rnng auf dem Büchermarkt abgeführt. Es »vurde beschlossen, eine Engncte über Bücher- tcueruilg einzuberufen. Außerdem»vurde eint Entschließung gefaßt, wonach der mit 33 Pro- zent erniedrigte Tarif s ü r F i s ch c»vcitcr ausrecht erhalten bleiben soll. Tie Ansniihung der Wasserkräfte in Oester- reich. Tie Gemeinde Wien genehmigte gestern i« einer außerordentlichen Sitzung den zwi- scheu der Gemeinde Wien und einem Wiene» Bankenkonsortinm abgeschlossenen Vertrags betreffs Durchführung des Projektes zu, Ansnütznng der Wasserkräfte i» Oesterreich und Versorgung Wiens mit elektrischer Euer- gic. Es»vird zu diesem Zwecke eine Aktiengesellschaft mit einem Aktienkapital von 500 Millionen Kronen begründet. Von diesem Betrage entfallen auf jede Partei 250 Millionen. Dic Kosten des Projektes»verde» ans 10 Milliarden Kronen berechnet,»vclche durch Obligationen der Gesellschaft beschafft»verde»», für welche die Gemeinde Wien dic Bürgschaft und Ainortisicruiig übernimmt. Die„D»»»asticn" der neuen Welt.„Die Macht der Gelddffnastien ist heute größer als die aller Königs- und Herrscherhäuser. Sie haben die Gewalt über Leben und Tod auf der ganzen Welt. Es gibt eine Petroleum- T»»nastic und eine Kupfer-Dynastie, eine?»»• nastie des Rindfleisches und eine der Kohle, Stahl- und Eisenbahn Dynastie, die Dynastie des elektrischen Lichtes und des GaseS, Tyna stielt von Tabak n»d Gummi, von Zucker, kurz D»»nastie», die all jene Stoffe in- ihren Händen haben, dic für das Leben des Volkes nnbe- dingt notwendig sind." Diese Sätze finden sich in einem soeben erschienenen Buch von Mr. Henri» H. Klein, das den Titel führt:„Das diyiastische Ameuka und die, die es regieren". Klein, der erste Vorsitzende der Einschätznngs- kommission Nc»v»,ork hat in daS Vermögen der Dollarlvnige einen tiefen Einblick getan und beantwortet auch die Frage nach den reichsten Männern der Welt. DaS vermögen Rockesel- lers gibt«r»nit 2400 Millionen Dollars an. , Seite S. Außerdem enthält fein Buch nocfi genaue Anna den übet 175 amerikanische Ricscnvermö- aen> die alle mehr als lll Blillionen Dollars umfassen. Die größten Vermögen, die nach Rockefellcr in Amerika gesammelt wurden, »Verden von Klein folgendermaßen angegeben: Andrew"Carnegie mit 300 Millionen Dollars, ..rederill Wkyerl«G'scr mit ebenfalls 300 Mil- lionen Dollars, William Waldorf Astor mit A>0 Millionen. Dollars, Charles H. Harkneß mit 170 M!..ionen Dollars, Oliver P. Payne mit 160 Millionen Dollars. Carnegie crivarb sein Vermögen durch Handel mit Stahl, Wae- r-erhansen durch Handel mit Holz, die Astors verdienten ihr Vermögen durch Terrainspeku- lationen, Harkneß und Payne durch Handel mit Petroleum. Ter eigentliche„O et tönig" Rockefellcr aber steht an der Spitze aller dieser Dynastien. Er ist nach dem Worte Klents„der wahre Koloß von Rhodos, zwischen dessen gc- spreizten Beinen die Welt liegt." Die Roth- schilds in Europa, deren Vermögen mif 2 Millionen Tollars geschätzt wird, die Guggcn- heims, Du Pontes, Vanderbilts und Astors, deren Familien jede zusammen ungefähr eine halbe Million Dollars ihr eigen nennen, sind nichts gegen Rocfeseller mit seinen fast 2Y Milliarden Dollars. Ocn„Naturfreunden" zum Grus:! Am heutigen Tage versammeln sich in Prag, im„Goldenen jlreuzel", die Delegierten des Arbeitertouristcnvercines„Die Natur- freunde". Im vorigen Jahre waren es 26 Fahre, daß in Wien von einem kleinen Kreis ideal veranlagter Arbeiter die Zentralgrappc unseres Touristenvcrcincs gegründet wurde. Dr. Renner, damals noch Student, der Metallarbeiter Rohrauer, dessen Sohn(ebenfalls ein Student) und einige änderet lVenoficu fanden sich zusammen, um den Grundstein zu einer Organisation zu legen, die, aus der kleinen Wiener örtlichen Gruppe herausgewachsen, heute ein großes, achtrmgSgebietendes interna- tionales Werk der Arbeiterklasse geworden ist. Im ersten Jahre traten an 200 Genossen und Genossinnen dein Vereine bei, aber bald vcr- breitete sich sein Wirkungskreis. In Steyr wurde die erste Ortsgruppe gegründet, im Jahre 1800 jene in Turn, die heuer ihr 26- jähriges Jubiläum feiern konnte. Bald cnt- standen in Ungarn, Bosnien, in Deutschland, in der Schweiz, ja selbst in Amerika Natur- sreunde-GruPPen. Im Jahre 1914 zählte der Verein schon 27.000 Mitglieder, da gebot der Krieg der Entwicklung ein jähes Halt. Genau so wie bei den anderen Arbeiterorganisationen >i: nun in den KricgSjahrcn die Mitglieder zahl ab, doch schon 1910 war der Tiefstand mit 1,1.000 erreicht. Von da an ging es wieder langsam auswärts. Als beim Zusammen- bruch allcS heimeilte, waren auch gleich die Pioniere unserer Touristenbew^gling zur Stelle. In überraschend kurzer Zeit stieg die Milglicderzahl um Bedeutendes, die rcichs- deutschen Gruppen gingen vorbildlich voran Bei der 7. konnte der alte Präsident Rohrauer mit Stolz berichten, daß 70.000 Genossen und Genossin- neu zu den„Naturfreunden" zählen. Heute ist die Zahl bereits auf 80.000 in über 700 Ortsgruppe» gestiegen, fast täglich finden Neu- griindungcn statt. Durch' den Umsturz Waren auch die tschechoslowakischen Ortsgruppen gezwungen, cncen eigenen Verein zu gründen. Zur besseren Ar- dcitStcilung winde das ganze Gebiet in Olaue geteilt. Aber es fehlte die Zusammenfassung, die einheitliche Leitung, großzügiger Initiative. Deshalb wurde die heutige RcichSkon- ferenz sämtlicher Gaue und Gruppen nach Prag einberufen. Ilebcrall in den anderen Ländern hat die Natnrfrcnndcbcwegung einen großen Fortschritt zu verzeichnen. Auch in der tschechoslowakischen Republik hat sich die Zahl der„Naturfreunde" seit dem Zusamnien- brache verfünffacht. Doch in Anbetracht un- scrcr hochentwickelten Arbeiterbewegung ist das zu wenig. In jedem Orte, wo heute ein Turn-, Gesang- oder Radfahrcrvcrein sich befindet, soll auch der Sitz einer Natnrfrenndcgrappc sein. Unsere Arbeiter, die an den Wochenta- gen in den stickigen und dumpfen Räumen der Betriebe Hansen, sollen hinausgeführt werden in die freie Natur, sollen erzogen wer- den zum Nätnrgenuß, sollen freie und denkende Menschen werden. Auch die Touristen- bcwegnng der Arbeiterschaft ist ein Glied in der Kette aller jener Organisationen, welche sich als Ziel die Befreiung vom wirtschaftli- che«, Politischem und geistigen Joche gesetzt haben. Darum sei all denen, die heute in Prag bei der Konferenz der„Naturfreunde" weilen, unser Gruß entboten. Möge ihre Ar- beit von Erfolg begleitet sein und möge hier der Grundstein zum Wachstum der Bewegung in der Republik gelegt werden. Ans der Partei. Eine Seliger-Gedenkfeier veranstalten die Kreisorganisation Teplitz- Saaz und die Bczirlsorganisation Töplitz am 21. Oktober, dem Jahrestage der Bc- erdigung unseres unvergeßlichen Führers. Die Gedenkfeier findet um halb 8 Uhr abends im großen„Jmpcrator"-Saale in Turn statt. Das Tcplitzcr Kurorchester wird sie mit dem Vortrag von„Siegfrieds Tod" und dem Trancrmarsch eröffnen, dann folgt der Chor„Weihelied" von Fcch- ner, gesungen von den Arbcitersängern des Tcplitzcr Bezirkes. Abgeordnete Genosse Dr. C z c ch hält sodann die Gedenkrede, woraus mit dem Uthmannschen Chor:„Es flammt eine Lohe" und einer Phantasie von 2B. Kicnzl die Feier beschlossen wird. Der Eintritt ist nur politisch oder gcwerk- schaftlich organisierten Arbeitern gestattet. Ein Eintrittspreis wird nicht eingehoben. Die benachbarten Brudcrorganisationen und alle Partcikorperschastcn werden zur Teib nähme an dieser Gedenkfeier besonders ein- Hauptversammlung in Salzburg geladen. Zur FrauenreichSkonserenz! Wie wir aus verschiedenen Berichte» der Partciprcssc ersehen, haben schon einige Orga- nisationcn die Wahl von Delegierten zur Frauen- reichSkonfcrenz vorgenommen, ohne daß ordnungsgemäß die Anmeldung der Teilnehmerinnen bei uns erfolgt wäre. Wir machen an dieser Stelle alle Bezirks- und Kreisorganisationcn, ebenso die Fraiienkomitecs nochmals darauf auf- merksam, daß die schriftliche Anmeldung der Delegierten stets sofort nach vorgenomme- ner Wahl im Sekretariat des Francnreichskomi- teeS, Teplitz-Schönan, Scilerstraße Nr. 1, zu erfolgen hat. Weilers bitten wir alle jene Delegierte, die m Bodenbach übernachten müssen, ssch wegen B e- schaff« nn einer Wohnung an den Genossen Emil Arnberg, Bodenbach, Poststraße Nr. 813, zu wenden. Dos Sekretariat dcS FrancnreichskomiteeS. Der Bezirlökonferenz Freiwaldau, die Sonn- tag, den 18. September im Bohmischdorfcr Werks- Hotel stattfand, wurde berichtet, daß die Bezirks- organisation seit der letzten Maikonferenz einen starken Aufschwung genommen hat. Bier Orts- gruppen wurden neu aufgebaut, die bestehenden gefestigt, sodaß von der kommunistischen Zerstö- rnngsardeit schon wieder viel gutgemacht ist. In die Bezirksleitung wurde Genosse Franz Josef, Obcr-Waidcnan, zum Bczirkskassicr Gen. Wasser« berg gewählt. Beschlossen wurde, eine Werbe- Woche für Presse und Organisation zu veranstal- tcn und eine Bezirkspartcischnle abzuhalten. AIS Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Alfred Rnckert und Heinrich Tentschcrt gewählt. Kunst und Wissen. 10 volkstümliche Sonntagskonzerte NM Y4 in der Produktenbörse. Die Ausgabe der Abonnc- ments zn]{ 44, 00, 02 und 115 für alle 10 Konzerte inkl. Steuer wird täglich bei Wetzler fort- gesetzt. Gencralprogramm ebendaselbst. Saksche Philharmonie. Heute Sonntag um Yi Uhr nachmittags wirken bei dem Philhanno- Nischen Konzerte im Smctanasaale die russischen Künstler Belonsov und Borovsky ncit. Heule Sonnlag um YS Uhr abends dirigiert L. V. Cc- lanskh die Saksche Philharmonie im Smetana- saalc. Programm: L. B. Cclansky: II. Trilogic. Dvorak: V. Symphonie.— Bruno Walter Bayer, Gcncralmnsikdircftor und Operndirek- tor ani Nalioncckthcatcr in München, dirigiert 27. ds. um 7 Uhr abends Mozarts E-dnr Symphonie und Möhlers D-dur Symphonie. Karteen im Vorverkauf und bei der Kasse. Neues Theater. Heute nachmittags 2Y Uhr Hauptmanns„Webe r", abcnds ncnstndicrt „D j a m i l e h" und„Lucia von L a m m e r- m o o r c". Morgen Montag„Tanz ins G l ü ck". Dienstag„Die Schauspiele r". Mittwoch Nachmittag(Feiertagl„Das Sperr- scch scrl". Donnerstag„Die Weber". Sanis- tag„Die Schcidnngsrcis e", nächsten Sonntag Nachmittag„Das H o l l a n d w e i b- ch c n".— Richard R o m a n o v s k y wird Samstag in den Einaktern„Schone S e e l n' von Galten, n E w i g k e i t A m e n" von Wildgans,„D r a u t s ch a u" von Thonia(Nacht .v.twzbr JOS* 28. September 192t Vorstellung 10 Uhr) und kommenden Dienstag als Mcnelaus in der„Schönen Helena gastiere». Urania. Erössmmgsabcnd: D a n l e-F e i e r. Mittwoch, den 28. September, 3 Uhr. 1. Fnedrich Adler: Dantes Persönlichkeit"-..Gottliche Komodle (mit Lichtb.,. Z- Riccardo Finzi: Rezitationen ital.), 3. Chefred. Wesselski:„Dante in der Legende", 4- J°neN G e l d e r n(Deutsches Theater), Rezitationen(deutsch): a)„Das Hollen- tor", b)„Francisca bei Nimmt". Karten 6—3 K. Rcgicrnngsrat Tartarng a-Wien zwei Bor- träge: Montag, de» 3. Oktober, 8 Uhr:„Krum- naltelepathie". Dienstag, den 4. Oktober„Hei- leres aus der Polizeistube".—' ,?J m Bilde durch die Welt", 10 Lichtbildervorträge ,cdcn zweiten Sonntag Nachmittag. Beginn 0. Oktober: Forschiingsreisender Kurt Hielsche r-Berlin „Das unbekannte Spanien"(mit 100 Lichtb.). Weitere Themen:„Nürnberg und Rothenburg", „Eine Reise durch Island",„Im Lande der Pv- ramiden". Abonnement 30.Kr. Für die 10 Volks- tümlichen Sonnlag-Nachmitlagskonzcrle in der Produktenbörse und für den Dortrag Ludwig Hardt(1. Oktober) steht den Mitgliedern eine Anzahl ermäßigter Karten in der Urania-Kanzlri zur Verfügung. Mitglicdsanmeldungcn und Mit- glicdskarteneraenerang(Jahreskarte 6 Kr.) tag- lich Urania-Kanzlet 10—1 und 4—7 Uhr. Turnen nnd Sport. S. K. Slavia gegen S. K. Kolin 3:0. Slavia mit 6 Ersatzleuten, legte eine deutliche Ueber- legenbeit an der Tag. E. K. Pardubitz gegen S. K. Hagibor 0:2(2:2). In den ersten Minuten gelingt eS Hagibor, die noch nicht eingespielten^Pardubitzer durch zwei aufeinanderfolgende Tore zu überraschen und die Führung bis zur Hälfte der ersten Halbzeit an sich z» reißen. Die Pardubitzer finden sich hieraus zurecht, gleichen in der erste» Halbzeit aus und siegen durch ihr rasches Spiel und präzise Kom- bination, dem die Hintermannschaft des Hagibor nicht gewachsen war. In der 15. und 10 Minuten vor Schluß werden je in Spieler von Pardubitz ausgeschlossen. Heule spielt in Tcplitz S. St. Slavia gegen D. F. K. Teplitz. In Prag spielen: D. F. C. Prag gegen VMo» ria Zizkow, A. E. Sparta gegen Nudolfshügek Wien. Vereinsnachrichteu. Zentralverband der Angestellte» in Industrie, Handel und Verkehr. Ortsgruppe Prag. Donnerstag, den 29. September um 8 Uhr abends findet im Restaurant„Goldenes Kreuzel", Rckazanka, die M o- natSversammlung statt. Ta- gesordnung: Das BetriebSrätege- setz. Referent Kollege Karl Löwit auS Teplitz. Gäste willkommen. Herausgeber: Dr. Ludwig Czech und Karl Cermak. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribnna, Prag. ?>3 | Zichorienmeister. s ^ Tüchtiger Fachmann in Röstung, Präparierung, Vermahlung, Sortierung, Verpackung, La- ^ gerung etc. wird für eine neu errichtete Fabrik ^ i.d. Nähe Prags zum sofortigen Eintritt gesucht. Offertf unter Angabe der G^.ialtsansprQche unter ^ Chifjre„Fachmann" an die Verwaltung des Blattes.^ jßlelner Riueiaefl Erstklassige wird per 1. Okiober aufgenommen. Chemisclie Reiniguoo Frei» Hölscher, Znaim. 102 zu haben in allen Konsum-Vereinen.*7 Bücher nnd Broschüren aller Art liefert zu den günstigsten Bedingungen 16 Volksbuchhandlung Ernst Sattler, Karlsbad. Gastwirtschaft „Lidov^- dum" der Genossenschaft„Ganymed" Prag II., Hybernskä 7.% i Genossen unterstützet das genosscnsch. Unternehmen! Vorzüglicher Mittagstisch. 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