I. Ä-hrMg. Nr. zz. Montag, 27. Zeplemder 1921. Sozialdemokrat Stnlralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbetterpartei in der tschechoslowakischen WepuMiK. M*fon'6TOlT"a(!ta8 t 6TO7< 3>ifor«mm Whr.'(T^ 0 r I'i f rK#0 32' I^"itlvrri» 7V Hiller. B ezn I,» b edin„n n ge n: Bei Zustellung in? Hau? oder bei Bt,ng durch die Post monatlich 16'- fö I' naa,t8 DoM^^onVo^ Sojifllbemohat Prag. vierteli-hrlich 48'- Kc. halbjährig st«-- Kf. ganzsädrig 192 Kc. stllr D.ntschSst.rreich monatlich 120'- ÜK. sstr Deutschland 16'- MIc Postsparkassakonto 67544. Ein bestätigtes Fehlurteil. Der Oberste Gerichtshof hat Samstag das Urteil des Brünner Ausnahmsgerichtes gegen Karl Votava und Genossen in seinem ganzen blutigen Ausmaße bestätigt. Nicht bloß den fragwürdigen materiellen Teil, nicht bloß das Bcwcisvcrfahren, das gerade Unmögliches als erwiesen annimmt, sondern auch das unerhört harte Urteil des Ausnahmegerichte» hat der Oberste Gerichtshof zu wiederholen für gut be- funden: Karl Votava wurde zu zehn Jahren, Vladimir Burian zu zehn Jahren, Franz Sobotka zu acht Iah- reu Adolf Skoda zu acht Jahren, Al- fous Nemunda zu sechs und Thomas KraSny zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Monate nach den De- zemberereignisscn hat der Oberste Gerichtshof die gleiche beispiellose Schärfe des Gesetzes zur Anwendung gebracht, wie scitcS Ausnahmsgericht, das sich bestimmt erachtete, durch Abschreckung eine Wiederholung der Oslawaner Dezembcrereignisse zu verhüten. Nicht Milde, nur Gerechtigkeit konnte man von den Brün- »er obersten Richtern erwarten, aber kein git» tcr Geist hat sie bei der Fällung dieses Urteils erfüllt! Nach der Anklage haben die so grausam Ver- urteilten das Verbrechen des Aufstandcs be- gange». Ihnen wird es zugeschrieben, daß am 13. Dezember vorigen Jahres die Arbeiter- schaft von Oslawan sich gegen die Organe des Staates erhoben hat. Worin bestand dieser Ausstand? Man streikte und schaltete das clek- irische Ueberlaiidwerk ab. Und als sich dann die bewaffnete Macht in kriegsmäßiger Ge- fcchtssormation dem Arbeiterdorfe näherte und die Arbeiter zur Kapitulation zwang, wurden die Soldaten aufgemuntert, die Waffen von sich zu werfen. Man kann, und cö wurde auch versucht, diesen Tatbestand durch Einzelheiten zu ergänzen, ihn kriegSgrausig ausschmücken, aber eines kann man nicht, aus ihm den Tat- bestand des Aufstandes, den§ 68 St.-G. konstruieren. Dieser Paragraph setzt zu einem Auf- stände„die Zusammenrottung mehrerer Per- fönen voraus, um der Obrigkeit mit Gewalt Widerstand zu leisten", ein klarer einheitlicher Wille muß die Aufständischen beseelen und vor allem müssen sie dabei gewesen sein, aber weder das Erstcre noch letzteres war bei Votava und Ge- Nossen d c r F a l l. Die Arbeiter Remunda Und Krosvh zum Beispiel, die einzig und al- lein eine Rede gehalten haben und am 12. De- zcnibcr gefangengenommen wurden, sind an- geklagt und verurteilt, weil— wir folgen dem Urteil— am 13. Dezember, also i n i h- per Abwesenheit, die Soldaten cntwasf- net hätten! Und wie steht es denn mit dieser „Entwaffnung" selbst? Als erwiesen wurde bom Gericht angenommen, daß bei diesem „Aufstand"„ j c m a n d" gerufen hat:„Werfet die Waffen fort!" Gleichzeitig darauf, so sagt das Gerichtsurteil,„stürzte sich die Menge von hinten auf die Soldaten und begann sie zu cnt- waffncn.. Aber wer ist dieser„Jemand"? Und beweist nicht gerade das Auftreten dieses „Jemand", daß die Oslawaner Demonstration kein Aufstand im Sinne des Strafgesetzes war. Sollte es ein Aufstand sein, so hätten indivi- ducll-bcstimnitc Personen diese Tat vorher planmäßig ins Werk setzen, die Entwaffnung hätte gleichsam organisiert werden müssen. Aber gerade das Kriterium des AufstandeS, feine Organisation, fehlt den Oslawaner» Demon- strationen und deshalb sind sie ja kein Aufruhr gewesen. Sowohl da« Ausnahmsgericht als auch der Oberste Gerichtshof haben, wie schon diese Beispiele dartun, daS Gesetz extensiv inter- prctiert, sie haben etwas in den Strafparagraphen hineingedacht, waS in ihm nicht enthalten .ist. Die Richter selbst haben gegen den Geist des Gesetzes verstoßen. Erscheint mit Ausnahme de» Montag«»glich früh. Benesdi IKinisterpräsident. Heute Ernennung des neuen Kabinetts.- Kein Ministerium Snehla. Die für Anfang Oktober erwartete Bil- dung der neuen Parlamentarischen Regierung wird noch im Laufe des heutigen Tages vorge- nommen werden. Bis zur letzten Stunde wurde «Iber die Personen, welche in die Ministerliste aufgenommen werden sollten, tiesstes Still- schweigen bewahrt, als gälte eS, eine freudige Ucberraschung nicht vorzeitig zu verraten. DaS neue Kabinett stellt in der Tat eine Uebcrra- schung dar, wenngleich man unter den gegen- wältigen politischen Verhältnissen von einer freudigen Ucberraschung unter keinen Umstän- den sprechen kann. Die Ueberraschung besteht darin, daß an Stelle Svehlas, der bis zur letzten Stunde als Ministerpräsident in Aussicht genommen war, Dr. Benes ch, der bisher Minister des Aeuße- ren war und es auch bleiben soll, tritt. Das neue Kabinett wird nicht ein rein Parlament« rischcS sein, da als Minister deS Innern Dr. Cerny, als Minister für Finanzen der Be- amtc N o v a k ernannt werden. Die neuen Mi« nister sind folgende: Dr. Benesch^Nationalsoz.), Ministerpräsident. Dr. Benesch, Minister des Aeußern. Dr. Eernh(Beamter), Inneres. Nova!(Beamter), Finanzen. Udrzal(Agrarier), Nationalverteidigung. Tueny( Nationalso z.), Oeffcntlichc Arbeiten. Jng. Nodal(Nationald.), HandclSminister. Sramek(Klerikal), Eisenbahnen. Habrmann(Soziald.), Soziale Fürsorge. DolanSky(Klerikal), Justiz. Szobar(Slowak), Unterricht. Stanek(Agrarier), Landwirtschaft. Srba(Sozialdem.), Post und Ernährung. Brbensky( Nation aldcm.), Gesundheitswesen. Derer(ffov. Sozialdem.), Unifizierung. Mieura, Slowakei. An der Liste ist vor allem auffällig, daß der Anteil der tschechischen Sozialdemokraten an dem neuen Ministerium um ein Portefeuille kleiner ist, als angenommen wurde. Die Bestellung des Ministers des Aeuhercn zum Ministerpräsidenten ist sicher ein ganz un- gewöhnlicher Vorgang. Jedenfalls findet der neue Mann, dem unser staatliches, politisches und wirtschaftliches Schicksal anvertraut wird, bei seinem Amtsantritte rings nur Pessimismus u. Unglauben an die Erstellung seiner Sendung, obwohl das ein Jahr lange Wirken der Bcam- tenrcgierung eigentlich dazu einladen müßte, ihr Verschwinden in der Versenkung wie die Befreiung von einem Alpdruck zu begrüßen. Aber das Gefühl der Erleichterung, das man darüber empfindet, daß diese Regierung von mehr oder minder halsstarrigen, kurzsichtigen und verkarsteten Bureaukratcn endlich daS Feld räumt, wird leider durch das trübe Bewußtsein überwogen, daß auch diesmal nichts besseres nachfolgen wird. ES wechseln die Kulissen und Prospekt« und es wechseln die Aktcure, aber gespielt wird auch weiter nur das armselige, miserable Stück werden, das wir nun schon zum Ucberdruß kennen. Der Staat befindet sich im Innern in schwe- rer Krise. Er leidet an einer Krankheit, deren Keim er schon in seiner Gcburtsstundc empfan- gen hat. Das Leiden frißt immer weiter und tiefer, aber die Acrzte versuchen mit Polizei- gewalt, Staatsanwälten nnd Zensoren die Er- scheinungen der Krankheit zu beseitigen, anstatt sich zu bemühen, die Ursache des Leidens zu erkennen und es von der Wurzel auf zu heilen. Ein Pflaster auf die Wunde war die Bcam- tenrcgierung, das Mittel versagte und so soll dem Patienten eine neue Mixtur, das nationale Kabinett, Heilung bringen. Aber schon heute weiß man: das neue Elexicr wird den Kranken nicht um einen Schritt der Gesundung näher bringen, sondern eher dazu beitragen, seine Lei- den noch zu steigern. Die allnationalc Koalition, die nun verant- wortlich die Führung der parlamentarischen Geschäfte übernimmt, wir haben sie, unverantwortlich, auch schon bisher in der rühmlichst bekannten„Pctka" an der Arbeit gesehen. Wir haben ihr Wirken beobachten können, ihre mo- uatclang währenden Uneinigkeiten, die über die einfachsten Tinge entstanden sind, und so steht schon heute in voller Plastik ihr künftiges Wirken oder richtiger: Unwirkcn vor unserem Auge. Was sich ändert, ist, daß die Papier- dünne Zwischenwand, wie sie die Bcamtcnre- gierung darstellte, fällt. Sonst bleibt alles beim alten und, wie es Taaffe einst in dem gcslü- gelten Worte Prägnant ausdrückte, es wird f o r t g c w u r st e l t! Aber nicht die juristische Seite dieses Pro- zesscs, die die tschechoslowakische Strafgerichts- barkcit von ihren dunkelsten Seiten zeigt, wol- lcn wir hier beleuchten, sondern das Fehlur- teil als Politik»»«. Bewaffnete dringen in eine Stadt, stürzen sich auf eine wehrlose Versammlung, töten hier, was ihnen unter das Bajonett gerät. Diese blu- tigen Gewalttäter gehen noch heute hierzulande mit Stolz in der Brust frei umher; kein Staatsanwalt hat die Anklage gegen sie erho- bcn, nichts ist geschehen. Die Justiz hat nicht nur ihre Augen umhüllt, sie hat sich bei dieser Gelegenheit auch ihre Ohren fest verstopft. Da waren es sicherlich„Unauffindbare", die in Aussig geschossen und gestochen haben und weil es solche„Jemande" waren, weil es„die Masse" der über die deutschen Demonstranten empörten Legionäre waren, so kann man die- scr Masse nichts anhaben. In Oslawan aber greift man kühn in die„Masse" und holt sich auf Jahrzehnte wenige heraus. Die habe» es gemacht. Wo bleibt da die Konsequenz? Gibt es hierzulande zweierlei Massen: durch ihre Re- Präsentanten strafbare und straflose? Und warum wurden gegen die Untäter von Aussig nicht Ausnahmsgerichte eingesetzt, da man es im Dezember für nötig fand? So klar, wie durch die ungesetzliche, der Verfassung widersprechende Einsetzung der Ausnahmsgerichte über die Dczembcropfcr wird auch durch die Rechtssprechung des obersten Gerichtshofes der Ungeist unserer Justiz of- fenbar. Sie erfüllt durch ihre unsachliche Un- berechenbarkeit mit Grauen, durch ihre mit- leidslose Härte mit Abscheu, durch den Klas- sengeist, der ihre Urteile durchweht, mit Ver- bitterung. Das bestätigte Urteil gegen Karl Botava nnd Genossen ist ungerecht und un- inenschlich. Eine Amnestiefür die Opfer un- serer politischen Justiz muß endlich dieses trau- rige Kapitel abschließen! Die Situation unserer Eisenindustrie. Nach wie vor ist am Eisen- nnd Eisenwaren- markt die gleiche Stagnation zu vcrzcich- uen. DaS Geschäft geht flau— sehr flau und trotz aller Mühe, die sich die einzelnen Werke geben, lassen sich größere Abschlüsse nicht tätt- gen. Die hohen Preise dämpfen die Kauflust und die Balutaschwanknngci« gebieten Vor- sicht. In verschiedenen Artikeln macht sich l*- reits die ausländische, billigere Konkurrenz be- merkbar und diese Tatsache wirkt neuerlich hemmend auf die Produktion ein. Nun hat endlich das Außcnhandclsamt aus Grund der Verordnung Nr. 412 voin Jahre 1920 mit Entscheidung vom 26. August die Ausfuhr der wichtigsten tschechoslowakischen Exporterzeugnisse freigegeben, soweit im Hinblick auf die Interessen der Bevölkerung oder des Staates eine vorübergehende Beide- Haltung der staatlichen Kontrolle nichr mehr möglich ist. Zu den freigegebenen Waren ge- hören auch Eisen- und Eisenwaren(ausgcnom- inen Roheisen), Maschinen(ausgenommen alte Textilmaschine««), elektrische Maschinen, Fahr- zeuge u««d Apparate. Die hier genannten Wa- re«« können nun ohne Exportgcbühr ausgeführt werden und der Exporte««? hat lediglich die Vcrpflichtu>«g, den« Außcnhandclsamt eine Er> klärung über die Ausfuhr mit Angabc des Wertes der exportierten Waren vorzulegen. Diese Maßnahmen, die geeignet gewesen wä- ren, eine Besserung der allgemeinen Situation in der Eisenindustrie herbeizuführen, kommen leider, wie so vieles in diesem Staate, reich- l i ch spät. Bor 6 oder 10 Monaten hätte da- durch»nanchcS gebessert werden können, denn damals war unsere Eisenindustrie konkurrenz- fähiger als heute. Die spezielle Jndustriepoli- tik dieses Staates selbst hat aber seit jener Zeit dafür gesorgt, daß es immer schlechter wurde und so ist es gekommen, daß heute die großen Eisenwerke kaum noch 40 Prozent ihrer durch- schnittlichen Jahrcscrzcugung deS letzten Jahr- zehntes erreichen. Für die kleinen Werke ist die Situation noch um vieles schlechter, weil hie« meistens die technischen Einrichtungen noch recht rückständig sind. Die Ausfuhr nach Polen, Teutschöstcr reich u««d Jugoslawien ist heute mit Ausnahm« von inländischen Spezialitätci« infolge der va lutarischcn Unsicherheit fast unmöglich. All- bisher getätigten Abschlüsse konnten nicht ohm große Schwierigkeiten durchgeführt«verde« und die'Grossisten in jenen Staaten entschlie ßcn sich nur schwer, mit unserer Industrie Ge schäftc zu mache». Der Teviscninakcl unsere« staatlichen Zentralstellen von früher rächt sich nun bitter und es zeigt sich, daß unser Ansehen im Ausland zic«i«lich gesunken ist. Unterdessen haben aber auch die Werke in unseren«Heina- ligcn Absatzgebieten zu nützen verstanden haben, sotvcit dies möglich war, ihre Betrieb« ausgebaut und sich den geänderten Verhält- nisscn angepaßt. Mit der heimischen Eisenindustrie in Polen, Dentschösterrcich und Süd- slalvien kann unsere Eisenindustrie nicht mehr konkurrieren, da die Preisunterschiede viel zu groß si««d. Daß dabei die valutarischcn Ver- hältnisse eine ausschlaggebende Rolle spielen, ist klar. Die polnische Werke z. B. verkaufe» ihre Fabrikate pro 100 Kg. um rund 4600 poln. Mark, das sind z««m heutigen Kurs un- gcfähr 69 XL. Die Gestehungskosten derselben Fabrikate in der Tschcchoslotvakei betragen aber annähernd 300 Ks. Ungefähr das gleiche Verhältnis besteht aber auch bei Jugoflawien, besteht auch bei Deutschösterreich. Noch ein Bei- spiel. Die Polen zahlen heute für eine tschechische Krone 5,0 poln. Mark, die Deutschöstcr- reicher 10 dö. Kronen, die Ungarn 8 ung. Kro- neu usw. In all den Ländern, die früher un- sere Absatzgebiete Ware«, kauft man heute viel "Seite 2. lieber nach Mark und gerade der Tiefstand der Mark der letzten Wachen l>it den Abschluß grö- ßcrcr Aufträge»»möglich gemacht. Die San- der mit hochwertiger Valuta wiederum fdslic- Ken sich immer mehr gegen die Einfndr aue- saudischer Jiidustricerzeiignisie ab. den» auch jei ihnen hat die Wirtschaftskrise schau längst katastrophale Formen angenommen. Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn von den Hochöfc n in diesem Staate u ur u och wenige im Betrieb sind. Alle großen Eisenwerke haben außerdem noch taufende Arbeiter entlassen und die noch in Arbeit gebliebenen arbeiten in der Regel nur drei oder vier Schichten in der Woche. In der weilervcrarbeitenden Eisenindustrie liegen die Singe ähnlich, auch hier waren und find Ent lassungcn an der Tagesordnung, kaum die Hälfte der Betriebe arbeitet noch voll. Nach den statistischen Erhebungen des„Iuternatio- nalcn VictallarbeitcrverbandcS" wurden Ende August im deutschen Industriegebiet 2554 ar benSlose Metallarbeiter gewählt, die der ge- nannte Verband in seinen Mitgliederlisten sübn. Dabei ist aber zu bemerken, daß die arbeitslosen Metallarbeiter, die nicht, ober bei anderen Branchen organisiert sind, nickt erfaßt wurden. Ebenso werden senc Mitglieder, die vom Verband bereits ausgesteuert sind, nicht erfaßt, weil sie sich nickt mehr zur Kontrolle melden. Außerdem aber wird in dem statisti- schcn Bericht darauf verwiesen, daß einige Vcr- waltungSstcllcn keine Berichte eingesendet haben. Unter Berücksichtigung oll dieser Umstände kann die Zahl der Arbeitslosen aus der Eisen- und Metallindustrie in den deutschen Industriegebieten allein auf 5000 geschätzt werden. Siefen Schlüssel als Grundlage für die übrige Eisen- und Metallindustrie genom- men, kann man ruhig die Zahl der A r b c i t s- losen, weil die Verhältnisse in der tschcchi- scheu Industrie ganz gleich liegen, auf 2 0- bis 25.0 0 0 schätzen. Vier Fünftel davon entfallen auf die Eisenindustrie allein. Aber auch über den Beschäftigungsgrad bietet die Statistik genaue Ziffern. Ende August arbci- tetcn im deutschen Industriegebiet an 5 Tagen pro Woche 20 Betriebe mit 2800 Arbeitern, 4 Tage Pro Woche 00 Betriebe mit 3271 Arbeitern, an 3 Tagen pro Woche 17 Betriebe niit 1250 Arbeitern und an 2 Tagen Pro Woche 4 Betriebe mit 1759 Arbeitern. Ganz stillgelegt waren 12 Betriebe mit 518 Arbeitern. So lvic im deutschen Jndnstricgc- biet liegen die Verhältnisse im ganzen Staate. Wenn Blättcrmcldnngcn Glaubcn geschenkt werden darf, liegen die Dinge in der Slowakei so schlecht, daß mit der Stillegung einiger Werke gerechnet werden muß. Dabei ist aber ju beachten, daß die Verhältnisse sich nicht erst feit gestern so verschlechterte», sondern daß diese Krise schon monatelang anhält. An diesen Zuständen wird nun auch die Freigabe des Exportcs— wie wir Eingang berichteten— nicht mehr viel ändern. Soll die einst so blü- Hcndc Eisenindustrie dieses Staates wieder flo- rire», dann müssen sich die Regierenden der Tschechoslowakei schon noch zu anderen Taten aufraffen. Fürs erste wäre eine Vcrbillignug der Gestehungskosten anzustreben, doch kann hier kein Lwhnabbau in Frage kommen. Wir verweisen darauf, daß gerade in der !Eisenindustrie die Löhne nur sehr selten 10 Prozent der Verkaufspreise erreichen und es kann infolgedessen auch eine ziemlich empfind- liche Lohnreduzicrung keine merkliche Preis- scnkung mit sich bringen. Im Gegenteil, die Werke müssen nun mit Lohnerhöhung gen rechnen, denn die Arbeiterschaft kann die neuerliche Teuerungswelle nicht mehr er- tragen. Tie Gestehungskosten lassen sich aber auch auf andere Weise verringern und zwar kann schon eine merkliche Vcrbillignug durch die Beseitigung der K o h l e n a b g a b e hcrbeigc- führt werden. Kommt dazu noch eine Ermäßigung der E. i s c» b a h n f r a ch t s ä tz c, dann wäre die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Sukzession-siaaten und gegenüber Deutsch- land gegeben. Damit wäre schon viel erreicht, denn eine ganze Anzahl aller Kunden könnten wieder gewonnen werden. Wenn nun noch die verschiedenen Handelsverträge mit den einzelnen Staaten einer gründlichen, fachmännischen Revision unterzogen würden, ließen sich weitere Erleichterungen schaffen. Dann wäre es schon wieder möglich, Abschlüsse zu tä- tigcn, die Industrie bekäme wieder Leben und damit wäre auch der Kohlen- und KokSkrise Abhilfe geian. Geschieht aber auch jetzt noch nichts, dann muß die Regierung die Verant- Wartung tragen für all die Folgen, die sich aus der gegenwärtigen traurigen Situation ergeben. Genossen! Gedenkt des^onds zur Erhaltung des Zentralorgans! Sozial Inland. Ml? hlplfil das Parlampnl? Sr. Benesch, der Minister der Neuster«, hält mit den Diplomaten der Nachbarstaa- lcn wegen der westnngarischen Frage Kon» ferenzen über Konferenzen, sendet War» nungS- und Drohnoten nach Budapest, die unter Umständen geeignet sein können, die Tschechoslowakei in die schwersten Vcr- Wicklungen zu stürzen, er konferiert und sucht zu vermitteln— doch alle?, als ob er für das, was sich an Folgen daraus ergeben kann, allein verantwortlich wäre und als gäbe es keinen parlamentarischen Vcrwal- tnngskörpcr. Die Entente hat durch ihre Zerfahrenheit, wie durch die offenkundige Favorisierung der Horthvbanden. welche die Uebcrgahe WcstungarnS an Oesterreich mit blutiger Gewalt verhindert haben und nun sogar österreichisches Gebiet mit Ucher- fällen der österreichischen Grcnzschutztruppen heimsuchen, schwere Gefahren hcraufbe- schworen, sodast nun auch die Tschccho- slowakcj von den Folge» in Mitleidenschaft gezogen erscheint. Seit einer Reihe von Tagen verhandelt Dr. Bcncsch mit dem österreichischen Bundeskanzler Schober und mit dem ungarischen Minister des Neustem Baron Banffh. Man hört sogar, daß Dr. Bcncsch der ungarischen Regierung mit den Waffen drohen liest, doch von all d«m er- fährt man nur durch gelegentliche ZeitungS- notizen und die Abgeordneten, die der Be- völkcrung in erster Linie verantwortlichen Führer der Parteien, sitzen indessen beschau- lich zuhause und auch sie sind, wenn sie von dem, was vorgeht, Kenntnis erhasten wollen, ausschließlich auf Zeitungsmeldun- gen angewiesen. Das ist ein Zustand, der zum schärfsten Protest herausfordert und es muß die entschiedenste Forderung erhoben werden, daß das Parlament über die Vorgänge und Verhandlnn- gen aufS Genaue st e unter r ich- tcs und um seine Meinung l> e- fragt«verde. Was sich abspielt, das sind die ärgsten Auswüchse der geheimen Diplomatie jener Geheimdiplomatic, die man nach dem Weltkrieg endgiltig begraben glaubte und die zu verabschieden auch wie- derholt von den verantwortlichen Staats- Männern versprochen wurde. Dennoch sehen «vir sie in voller Unbckümmertheit nun wie- der an der Arbeit. Für heute Nachmittag ist endlich auf Betreiben des tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten Nömec eine Sitzung des Ausschusses für Aeustcres angesetzt. Dort must Dr. Venesch nicht nur sofort ein klares Bild der Vorgänge und einen genauen Bericht über seine Verstand- lungcn erstatten, es utnst auch dieForde- rnng nach sofortiger Einste- r n f u u g des Parlamentes et- hoben werden. Es geht möqlickierweise um Krieg oder Frieden. Darüber zu cnt- scheiden, kann einzig und allein dem Parka- mente zustehen. Iii der Sitzung des Aus- schusses für Aeustcres wird es sich er- weisen, welchen Parteien es mit der Besci- tigung der geheimen Diplomatie, die scher die Menschheit schon soviel Unglück gebracht hat, ernst ist und ob sie gesonnen sind, alles zu tun. um das Parlament in seine Rechte einzusetzen. Die Sauden planen neue Angriffe. Wien, 20. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Neber die ungarische. Van- benbewegnng wird von der Grenze gemeldet, dast die Lage noch immer sehr c r n st ist. Die ungarischen Truppen planen einen An- griff auf Burgan n»d Neubau. In dem Orte Stegerbach, der Renda»'gegenüber- liegt, ist gestern eine Militärabtcilnng crschic- nen, die Unterkunft und Verpflegung für 50 Offizien: und mehrere hundert Mann sicher- stellten. Ebenso ist die ganze Bevölkerung in diesem Gebiete zur Abgabe von Lebensmitteln »nd Bekleidungsstücken genötigt. Vorgestern wurden nördlich von Saner- brunn8 ungarische Patrouillen festgestellt, die entlang der Bahnlinie rekogno- szierte». Dabei handelt es sich um e i n e n v o n d c r E n t c n t e a l ö n c u t r a l b e z e i ch n c t e n T c r r a i n st r e i s e n! Die Meinung der Räuberhauptleutc. Budapest, 25. September. Abgeordneter L i n g a u c r erklärte einem Mitarbeiter de-Z „Az Ujsag", er b e z w c i f l e, o b e s d c r u n- garisch cn Regierung gelingen werde, W e st u n g a r n z» r ä n m c n. Soviel ich weiß, sagte er, sind die dort befindlichen Banden entschlossen, um keinen Preis und niemandem zuliebe den K a m p f a u f z u- geben. Wie kann die Entente wünschen, dast die ungarische Regierung ein Gebiet räumen soll, da» sich ihrem Imperium entzo- e mo> ra> gen lwt und wie soll sie Banden in einer Ge- grnd abrüsten, wo ihre!M a ch t b e r c i t s g c- brachen ist? Budapest, 25. September. Abg. Fried- r i ch erklärt in„Remzet lljsag", dast nach seiner Ansicht in der Ivcstuiigarische» Frage auch nach dem Einlangen der letzten Entcntenvtc keine Veränderung eingetreten ist. Ein Attentat in der Nationalversammlung. Budapest, 24. September. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung feuerte, als gerade Interpellationen verhandelt wurden, ein unbekanntes Individuum von der dritten Galeric fünf Schüsse in den Sitznngs- s a a l ab. Die Geschoß? trafen zum Glücke niemanden. Der Täter gab an Ibrahcm Ge« org K ö w c r z» heißen. Er sei 40 Jahre alt und früher Oberleutnant gewesen. Köwcr macht den Eindruck eines nicht ganz zu- rcchnungsfähigcn Menschen. Auf die Frage, weshalb er das Attentat begangen habe, antwortete er: Weil die Herren abermals Krieg haben wollen. Die Hungersnot in Nußland. Der Böllerbund verweigert die Hilfe. Genf, 25. September.(HavaS.) Der Un- t c r a n s f ch u ß für die Hilfeleistung an Ruß- land ist der Ansicht, dast die Regierungen ge- genwärtig Rußland keine Kredite bewilligen könne». Den gleichen Standpunkt nahnr der Unterausschuß bezüglich der Frage an, ob der Völkcrbundsrat eingeladen werden soll, seine Dienste zur Organisierung der internationalen Kredite, zur Administra- tion der Fondc und zur Kontrolle der rufst- schcn Garantien anzubieten, durch welche die Kredite gesichert werden sollen. Der Görlitzer Parteitag. Das Schlußwort. Görlitz, 24. September. In der heutigen Schlußsitzung des sozialdemokratischen Partei- tages erklärte Abgeordneter Wels in seinem Schlußworte u. a.: Wir machen kein Hehl daraus, daß der Reichskanzler Wirth für die sozialdemokratische Arbeiterschaft und weit über unsere Kreise hinaus in den linksstchcn- den Parteien heute der einzige popu- lärebürgcrlichcPolitikcrist, den es in Deutschland gibt. Die sozialistischen Partei- cn werden ihm nicht vergessen, daß er als bürgerlicher Kanzler den Kampf gegen die Reaktion aufgenommen und das mu« tigc Wort ausgesprochen hat, daß er im Kampfe für die Republik auf der Seite der Arbeiter- schaft. stehen werde(Lebhafter Beifall). Wer glaube, daß unsere Partei Handlangerdienste leisten wird, denjenigen, die den Kanzler um egoistischer Ziele willen beseitigen wollen, ha- bcn die Rechnung ohne die sozialdemokratische Partei gemacht. Wels betonte dann noch die Notwendigkeit der Einigung aller Arbeiter. Deue Unruhen in Albanien. Rom, 24. September.(Tsch. P. B.) Wie „Giornalc d Italia" aus Tirana meldet, haben albanische Truppen die Stellungen an der Drina, die von den Südslawen besetzt waren, angegriffen. Tie Südslawcn wurden fast von ihren Stellungen znrückgc- worfen. Tic Verluste auf beiden Seiten wa- reu schwer. Belgrad, 25. September. Die Truppen der Regierung von Tirana überschritten, tausend Mann stark, gut bewaffnet und mit Geschützen versehen, in der vergangenen Nacht neuerdings die Demarkationslinie am Schwarzen Trhm. Bei Mali Kalosanik drangen sie 3 Km. tief in jugoslawisches Territorium ein. Bor der Uebcrmacht der elbanesischen Truppen mußte sich die schwache jugoslawische Besatzung bis zum Dorfe Aras zurückziehen. Mobilisierung und Angriffe der Albaner. Rom, 25. Sept.(Havas.) Die hiesigen Blät- tcr melden, daß Albanien eine allgc- in eine M o b i l i si c r u n g angeordnet ha- ben soll, welche sehr rasch vor sich geht. Jeder Bezirk erhielt den Auftrag, 500 Mann mehr zu stellen. In den Kreisen von Tirana und Elbasan ist die Mobilisierung bereits vollen- det. Alle Abteilungen werden gegen die serbischen Grenzen dirigiert. Belgrad, 25. Sept.(Jug. Pr. B.) Aus Pod- gorica wird unter dem 24. ds. gemeldet: Tie an unseren Grenzen postierten albanischen Banden werden durch erhebliche Kontigen- te, welche gegen die Miriditcn operiert haben, verstärkt. Die albanischen Banden verhak- ten sich seit dem Eintreffen der Verstärkungen sehr herausfordernd. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß ein A n g r i f f auf UN- scrc Stellungen vorbereitet wird. Der Streit um Kleinaßen. Die Niederlage der Griechen. Angora, 24. September.(Havas.) Amtlich wird gemeldet: Die Türken haben die Hö- hen von K i r g i z d a g, 30 Km. östlich von Es- kischchir besetzt. Sic rückten bis D u m l a n- pinar vor, vernichteten die Eisenbahnlinie 27. September ISA. und unterbrachen so die V e r b i n- dnng mit der griechischen Armee. Konstantinopcl, 24. September.(HavaS.) Nach Nachrichten aus kcmalistischcr Quelle soll in der Gegend von Eski Schehir eine große Schlacht im Gange sein. Die Grie- chcn sollen versuchen, in dieser Stadt Wider- stand zu leisten. Andererseits soll General Nu- rcddin Pascha, Befehlshaber der Gruppen der Nordfront, den Befehl erhalten haben, gegen B r u s s a zu marschieren. General Ghali Pa- scha soll den Befehl erhalten haben, gegen S m y r n a vorzugehen. Griechische Stoßseufzer. Paris, 25. September.(Tsch. P. B.) Laut „Journal des Dcbats" hat der griechische De- legierte beim Völkerbünde, Frangulis, erklärt, Griechenland habe nicht dieVermitt« l u n g des Völkerbnndcs in seinem Konflikte mit der Türkei angerufen. Griechenland sei nach Kleinasien mit einem Mandate der Mächte gegangen.-Da man es in der Erfül- lung seiner Mission verlassen habe, setze es das Werk allein fort, das es mit der Unter- stützung der Mächte erfüllen zu können glaubte. Das griechische Unternehmen in Klcinasien habe den Hauptzweck, nicht nur die Griechen in Klcinasien, sondern auch die Armenier und Kurden, mit einem Worte, alle von den Tür- kcn unterjochten Völkerschaften vom otomani- schcn Joche zu befreien. Der Völlerbund habe im vorigen Jahre das Problem der In- tervcntion in Klcinasien geprüft und erklärt, daß jeder Eingriff unmöglich sei. Amerika und Europa. Washington, 24. September.(Reuter.) Sc. nator L o d g e betonte bei seiner Besprechung der Verträge wiederum seine Meinung, die Zurückziehung der anrerikani- schenTrupPen voni Rhein müsse als- bald nach der Ratifikation des Friedens bcgin- nen. Weder Italien noch Japan hätten Trup- Pen am Rhein. Senator B o r ch erneuerte seine Kritik an der Politik der Bereinigten Staaten, die praktisch auf eine Gemeinschaft mit Europa hinausliefe. Amerika, sagte er, will alle Vorteile, die sich aus dem Friedens- vertrage von Versailles erwachsen, und keine seiner Nachteile. Dieses Verhalten ist moralisch unmöglich. Es wäre besser, sich nicht in die Angelegenheiten Europas einzumischen, sonst würde das Land ge- zwnngcn werden, an den Verpflichtungen En- ropas teilzunehmen. London, 26. September.(Reuter.) Die„Ti- mcö" melden ans Washington: Die Vorbehal- te des Senates bezüglich des Friedens- Vertrages der Bereinigten Staa- ten mit Deutschland sollen folgende sein: 1. Die Bereinigten Staaten können ohne vorhergehende Zustimmung des K o n g r c s s c s in den verschiedenen inter- alliierten Kommissionen nicht vertreten sein. 2. Die Amerikaner werden a n d e n von Teutschland geleisteten Reparationen teilnehmen. Der Aufruhr in Marokko. Arbcitcrdcmonstrationen für die Entwaffnung Washington, 23. September.(Tsch.-P.) Der Arbeiterführer Gompers hat die Ar- bcitcrorganisationen, Englands, Frankreichs, Italiens und Japans gebeten, sich den Kundgebungen zu Gunsten bei Entwaffnung anzuschließen. Die Friedensverträge vor dem amerikauischet Senat. Washington, 23. September.(Tsch. P.) Dci Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten bat über den deutschen, der österreichischen und den ungarischen Frie- densvcrtrag einen g ü n st i g c n B c- r i ch t e r st a t t e t. Erfolge der Spanier. Madrid, 23. September(Tsch. P.-B.) Jt dem amtlichen Heeresbericht aus Mellila von 23. September heißt eS: Am Vormittag rück- ten die Abteilungen von Nador auf P u i s, Aograz und Tauina vor, das sie tros erbitterten Widerstandes der Rebellen, derer Artillerie- und Infantcricfeuer beträchtlich« Verluste beibrachte, besetzten. Die Vcr Inste der Spanier sind nur gering. Di« Feinde ließen eine ziemlich große Anzahl To tcr auf dem Schlachtfelde liegen. Sosort aui Nador abgegangene Züge langen ohne Zwi schcnfall in Tattina ait. In Tctuan, Cent« und Larasch ist alles ruhig. London, 24. September. Im Kanal ist n> folge dichten Nebels der Po st dampfe« „Ost ende—Do wer" mit einem Frachtoapmfo zusammengestoßen. Der Frachtdampfcr ij innerhalb vier Minuten gesunken. Von seine aus 24 Mann bestehenden Besatzung sind zeh> Mann ums Leben gekommen. 27. September 1921. eic Antwort verlegen. Auch sonst hatten die Dcutschnattonalcn in„ihrer" lwrk Wen Verlegenheiten zu kämpfen! Dn -'Deutsche Eisenbahner" hatte nnlä'ngst gc- chricbcii, daß sich die Herren Bolksbcglücler MMcr ab und zu ein Hans oder eine» I rcplib kaufen". Als Genosse Grün r nun n Versammlung fragte, wer diese Voll"' -eglncker sind. konnte natürlich niemand ant- warten. Wir vermuten, daß sich die Gelbe» diese Antwort auch für die nächste politische Versammlung aufheben, damit sie bis dahin ,»gestört ihre erlogenen Behauptungen wci- icr m ihrer Presse aufstellen können. Wenn hre Lugen dann öffentlich enthüllt werden, werden sie sicherlich,«licht ermangeln- das kennen wir zur Genüge- weiter zu lügen Manieren eines Bezirkshauptmanns. In der Notiz, die unter diesem Titel in unserer letzten Freitag-Nummer erschien, ist uns ein bedauerlicher Irrtum unterlaufen. Die von uns zitierte Zuschrift wurde nämlich nicht von der Bczirkshauptmannschaft in Krumman, sondern vom Schüttenhofener Bc- Hauptmann an da8 Sekretariat der Land- und Forstarbeiter in Krumau gesendet. Gin radiotclcphonischcs Konzert. Die ra- diotclcgraphische Station in Konigs-Wu- st c r h a u f c n bei Berlin veranstaltete Sonn- tag, den 25. d. M. von 12 bis 1 Uhr mittags, cm radiotelephonisches Konzert. Dieses Konzert wurde auch, wie die„Narodni Politika" berichtet, im elektrotechnischen Institut der tschechischen Technik in Prag angehört und machte namentlich auf die Laien, die sich unter den Zuhörern befanden, einen überwältigen- den Gindnick. Gegen zwölf Uhr begann die Etation Königswustcrhauscn elektromagneti- schc Wellen auszusenden, teilte Einzelheiten der Borführung mit und prüfte die Bcrständ- lichtest der Reproduktion. Tann wurde das Konzert mit zwei kurzen orchestralen Konipo- sitionen ernsteren Charakters eröffnet, hieraus folgten zwei Tenorsoli mit Klavierbegleitung, dann folgte ein leichterer Orchcstcrvortrag, ein Gcigensolo mit Klavierbegleitung, ein Sopran- solo und weitere Orchestcrvorträgc.— Die Reproduktion der Orchestcrvorträgc, erinnerte sehr an die phonographischc Wiedergabe. Be- sonders schön klangen die Pianissimi. Arn deutlichsten waren die Klavier- und Gesangs- Vorträge zu hören. Uni 12 Uhr 30 Min. wurde auch die Objektive Aufnahme des Wct- terbcrichtcs des„Bureau Central Mctcorolo- gique", ausgegeben vom Pariser Eifclturm vorgeführt, worauf die telcphvnische Aufnahme aus Königs-Wnstcrhansen wiederum vorgc- führt wurde. Die weder durch die Pariser Station noch auch durch die nahe Nanencr Station, welche Zeitsignalc abgab, gestört wurde. Die Vorführungen, die einen neuen großen Fortschritt der Technik demonstrierten, hinterließen bei den Teilnehmern einen mäch- tigen Eindruck. Das Prinzip besteht im We- scntlichen darin, daß die von der Station Kö- uigswustcrhauscn in der Stärke von zchnkilo- Watt ausgesandten elektromagnetischen Wellen von einer Rahmenantenne aufgefangen wurden und durch geeignete Berstärknugsvorrich- tungcu etwa fünfhundcrtmillioncnmal ver- stärkt wurden. Dadurch konnten zahlreiche Zuhörer nicht nur im Hörsaale, sondern auch in den Ncbenräumcn der Produktiven folgen. Die Durchrechnung der Dicnstjahrc bei den Ikisenbahnen. Wie wir erfahren, wird heute vom Eiscnbahnnnnistcrium die Durchrechnung der Dienstjahre und die Ernennung der Diener zu Unterbcaniten publiziert werden. Selbstmord. Vorgestern sprang von der Karls- brücke eine unbekannte Frau in die Moldau, und sank sofort unter. Tie Leiche wurde beute herausgefischt und ins pathologische Institut überführt. Selbstmordversuch. Gestern um 1412 llhr vormittags sprang bei den Odkolckmühlcn die 29iäh» rige Schlossersgatlin Antonia I a n o u s ch e k aus Libcsniy in die Moldau. Sic wurde heraus- gezogen und in das Krankenhaus geschafft. Tic Ursache deS Selbstmordversuches sind häusliche Zwistigkcitcn. Lysolvergistung. In der Karlsgosie in Zizkow vergiftete sich vorgestern abends der Schreiber Adolf P o k o r n v aus Prag mit Lysol. Er wurde in bewußtlosem Zustand in das Allgemeine Kran- kenhans überführt. Das Motiv seines Selbst- Mordes bildet unglückliche Liebe und Bcschäfti- gungslosigkcit..% In die Moldau gesprungen. Von der Karls- brücke sprang gestern um^12 Uhr abends eine unbekannte Frau in die Moldau und begann um Hilfe zu rufen. Die herbeigeeilte Polizeiwache versuchte sie zu retten, aber fand sie nicht mehr. Diebstahl. Am Freitag, den 19. September, schlichen sich unbekannte Täter mittels einer .Leiter durch das Fenster in das im ersten Stock- Werke gelegene Schlafzimmer des Pfarrers Gott- lieb Svoboda in Trzeviblib bei Leitmcritz ein. Sie stahlen ihm Kleidung und viele Wertgegcn- stände. Der Gesanitschadeu beträgt 99.000 Kronen. Die Diebe luden die gestohlenen Sachen auf einen Wagen und fuhren davon. Sozialdemokrat ^? fut Sauerstoff vollkommen zer- trummert worden ist. Mehrere Arbeiter 0°t°tet: der Materialschaden ist sehr beträchtlich. Durch die Explosion wurde die Starkstromleitung„ach Mühlhausen tut Elsaß zerstört. .„Prag, 25. September.(Tsch. P.) Wegen der Iimgstc» außenpolitischen Ereignisse hat Mi- nister Dr. B c n c s de» Vorsitzenden des A>t ß c n a n s s ch u s s c s Abgeordneten Ne- »nee um E i n b e r u f u n g des Ausschusses er- sucht,»in vor dem parlamentarischen Forum über die Angelegenheit eine Erklärung abzugc- ^eu. Ter Ausschuß wird wahrscheinlich für Dienstag nachmittags einberufen werden. Mißglücktes cm Attentat auf Pilsudski. L c m- ».erg. 25. September.(Pol,,. TA.) Ms das Staatsoberhaupt Pilsudski, der der heutigen Er- öffnnng der Lcmbcrgcr Messe beiwohnte, nach dem zu seinen Ehre» gegebenen Diner im Lein- berger Rathause in Begleitung des Lemberger Vojvoden Grabowski sein Automobil bc- stieg, wurden auf dieses drei Schüsse abge- geben, die den Vojvoden leicht verletzten. Pilsudski begab sich in das Stadtthcatcr, wo ihm das Publikum enthusiastische Ovationen bereitete. Tod des bulgarischen NationaldichtcrS Vazov. Sofia, 21. September. Wegen des Todes des NationaldichtcrS Vazov sind alle Tagesblättcr mit schwarzem Rand erschienen. In der ganzen Stadt sind Trauerfahnen gehißt, die Geschäfte sind gc schlössen. Der König hat am Sarge des Dichters einen Kranz niedergelegt. Wctterkatastrophe in Portugal und Sizilien. London, 26. September.(Laurenziberg.) Lissa- bau wurde gestern von eiiient Zyklon heim gsncht.— Auch aus Sizilien hat eine W i n d- Hose gewütet, welche in Syrakus großen Schaden anrichtete. Die Ernte ist teilweise ver n i ch t c t. Der niedriger gelegene Teil der Stadt ist vollkommen ü b e r s ch tv c m m t. Flicgertod. Paris, 26. September.(Havas.) Dem„Petit Parisien" zufolge stürzte bei Metz ein Militärflugzeug ab, wobei zwei Offiziere v c r b r a n n t e il. 35 Jahre„Dclrndw akabcrnic" Ten tschechischen Sozialdemokraten, welche gestern abends im großen Saale des Gemein dchauscs in Prag das 25jährige Jubiläum des Bestandes ihres Bollsbildungsvereines feiertet!, entbieten wir von dieser Stelle aus unsere aufrichtigsten Glückwünsche. Es kann ruhig gesagt werden, daß das Stück prolcta- rischer Erzichungs- und Aufklärungsarbeit, das die Arbeiterakadcmie seit dem Jahre 1890 geleistet hat, in jeder Hinsicht als gelungen zu bezeichnen ist, umsomchr, als eines der höch- sie» Ziele, die Gründung einer proletarischen Hochschule, bereits zur Tatsache wurde. Außer zahlreichen Führern und Abgeordneten der tschechischen sozialdemokratischen Partei waren auch Präsident M a s a r h k und der Unter- richtsministcr Susta zur Feier erschienen. Mit dem Lied der Arbeit wurde die Feier er- öffnet und beendet. Wir wollen— so wie die Genossen Taycrle, Schebel und Svccciiy in ihren Referaten ausführten— hoffen, daß es der„Dclnicla akadcmie" auch weiterhin bc- schieden sein wird, große Erfolge auf dem Ge- biete der politische» uud wissenschaftlichen Ausbildung des Proletariates zu erzielen. stcn Aufgaben des Verbandes, die nur erfüllt werden können, wenn auch die noch nicht angc- gliederten Gemeinden und Bezirke dein Ver- bände beitreten. Das Referat über die Schnlfrage crstat- tetc Abg. Professor S ch o l l i ch. Er behandelte vorerst die Art der Zusammensetzung der Be- zirksschulausschüssc. Hierauf befaßte er sich mit der Drosselung des deutschen Schulwesens und der Tätigkeit der Regierung, tschechische Schn- lcn in deutschen Gebieten gewaltsam ins Lc- den zu rufen. Deutsche Kinder wurden in weh- rcrcn Ortschaften Mährens mit Gewalt ans deutschen Schulen entfernt; den Eltern wurden Strafen angedroht. Um die Bedrückung deS deutschen Schulwesens abzuwehren wurde ein SchnlauSschu ß geschaffen, in dem alle Parteien vertreten sind, der aber allerdings von den Gemeinden nicht so in Anspruch gcnom- mcn wird, als notwendig wäre. Rcbin: gibt der Ucbcrzcugung Ausdruck, daß sich im Schul- Wesen die nationale Autonomie über kurz oder lang durchsetzen werde. Eine E n t s ch l i e ß u n g in Bezug auf die Schulsragc wurde e i n st i m m i g angenommen. In der Nachmittagssitzung sprach Abg. L o d g in a n über die Sanierung der Gc meindefinanzcn. Er legte Verwahrung dagc gen ein, daß die Regierung Gesetze in Kraft treten läßt, die der Bevölkerung gar nicht bc kannt sind. Er erläuterte die am 1. Oktober in Kraft tretenden Gesetze über die Sanierung der Gcmcindcfinanzcn und betonte, daß die bei den Gesetze den Gemeinden und Bezirken tat sächlich eine finanzielle Hilfe bringen, aber von einer Sanierung der Gcmcindcfinanzcn zu sprechen, wäre voreilig. Redner beschäftigte sich dann eingehend niit der Einlösung der Kriegsanleihe, die keine Angele g e n h c i t der Humanität, sondern zu- nächst eine Rechtsfrage sei. Die mittelbare lind unnlittelbare Pressung von Gemeinden und Bezirken zur Zeichnung von Staats- a n l c i h e ist volkswirtschaftlich v c r w c r f- l i ch. Die Sclbstvcrwaltnngskörper sind weder Erwerbsuiltcrncbniilngcn»och Bergnügungs anstaltcn und arbeiten im allgemeinen im ös scntlichen Interesse. Wegen Zeichnung oder Nichtzeichnung der Tclcpbonanleihc konnte der Verband eine Weisung nicht geben: ans Poli- tischen Erwägungen deshalb nicht, weil politi schc Erwägungen nicht maßgebend sein können, eine Entscheidung aus wirtschaftlichen Grün den müssen die Gemeinden selbst fällen. Bürgermeister Genosse P ö l z l(Aussig) er- klärte in seinen? Referat über die Regelung der Finanzwirtschaft, daß die neuen Gesetze nichtgceignet sind, diefinanzicllc S ch wä ch n n n der Gemeinden zu bc- s c i t i g c n. Pölzl kritisierte eingehend einzelne Bcstiiilmnnaen der Gesetze. Eine ari'iudliche Reform der Genicindcordiiung mit einem Ans- sichtsrccbt der Regierung, das aus das Mindest- maß beschränkt werden müsse, ist nicht zu um- geben. Es wurden hierauf einige Resolutionen vor- geschlagen, über die morgen abgestimmt wer- den wird. Kleine Chronik. giederum: Zahlreiche Arbeiter getötet. !cm„Berliner Tageblatt" wird unter dein 24. tcmbcr aus Karlsruhe gemeldet: In den trumwcrken in Klcinlaufenburg gestern eine(££ p 10) i o n entstanden, wodurch Hauptversammlung des Nerbandes der deutschen Selbstvermaltungs- Körper. Karlebad, 20. September.(Eigenbericht dcS „Sozialdemokrat"). Im großen Kurhauswal begann heute Vormittag die ordentliche Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Selbstvcrwaltungskörpcr in der tschcchoslowa- tischen Republik. Bürgermeister Dr. Wal- tcr eröffnete die Verhandlungen um halb 10 Uhr vormittags. Ivorauf im Namen der Stadtgcincindc Karlsbad Genosse de W i t t c die Versammlung begrüßte. Nach der Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Teilnehmerkarte und nach Genehmigung der letzten VerHand- limgsschrift erstattete Bürgermeister Dr. Wal- tcr(Tcplitz) einen Tätigkeitsbericht des Ver- bandsvorstandes, in dem er sich besonders mit dem Wirken des Vorstandes in der schwierigen Frage der K r i e g s a n l e i h en und der Sa- nierung der G e m e i n d c f i n a n z c n bcschäf- tigtc. Ten Kassenbericht erstattete Dr. Sei- f e r t(Teplih). Die vom Bürgermeister P a t l (Turn) beantragte Entlastung wurde cinstini- mig erteilt. liebet den A ufba u, die A ufgabe n und Ziele des Verbandes sprach Abgeordneter E e r»i a k: Die Bedeutung des Verbandes wird heute allgemein anerkannt. Sein politisches Ansehen ist ziemlich groß. Er entwickelt sich zu einem wertvollen Helfer und Berater seiner Mitglieder. Tcr Verband ist mit seiner Arbeit noch am Ansang. Er ist die Gemeinde der Gemeinden. Ebenso wie in den Gemeinden müssen die Vertreter aller Parteien hier tätig sein. Tie finanzielle Grundlage ist gesund. Tie Beziehungen zu den parlamentarischen Verbän- den sind gute. Redner skizziert dann die näch- Oie Neichslivttftrtttl der„Naturfreunde". Sonntag, den 25. ds. M. tagte in Prag die erste außerordentliche Rcichskonfcrenz der„Na- tnrfrcnndc. Schon die überaus große Anzahl der Delegierten gab davon Zeugnis, wie sehr sich auch ans dem Boden der Tschechoslowakei die Naturfrcniidcbcwcgnng bereits gefestigt hat. Doch alle anwesenden Gau- und Ortsgruppen Vertreter stimmten darin übercin, daß zur gc dcihlichcu Weiterentwicklung der Bewegung eine Zentralisation unbedingt notwendig ist. Die Konferenz wurde vom Genossen Dietl Aussig im Namen der provisorischen Landes- lcituug eröffnet. In das Präsidium wurden die Genossen D i c t l-Aussig, Helle r-Prag und M a S z n r-Prcßbnrg gewäblt. Nach einigen kurzen Begrüßungswortcn der Delegierten der Präger und Kaschaucr Ortsgruppe und einer Ansprache des Genossen H a p i s ch, der die herzlichen Grüße der deutschöstcrreichischen Na- turfrcunde überbrachte, referierte Genosse Dietl über die Entwicklung des Vereines in der Tschechoslowakei seit dem Zusammenbruche der österreichisch-ungarischen Monarchie. Er ver- wies darauf, daß cS Sache der Beratungen der Konferenz ist, sich darüber Gewißheit zu verschaffen, daß eine weitere gedeihliche Eiitwick- lniig der Bewegung»ur von einer straffen Jen tralifation abhängt, zumal das bisherige, nicht einheitliche Vorgehen in vieler Hinsicht Nach- teile brachte. Auch die Planmäßige. Durchsicht rung der Unfallversicherung sei eine Hauptauf- gäbe der neuen RcichSlcitung. TaS Anwachsen der Mitglicderzahl der„Naturfreunde" in unserem Staate führte der Referent durch Angabe folgender Ziffern vor Augen: Im Jahre 1018 bestanden in Bäh inen 15 Ortsgruppen mit 315 Mitgliedern, im Jahre 1921 27 OrtS- gruppen mit 1721 Mitgliedern, im Jahre 1918 Teste 5. waren in Mähren 4 Ortsgruppen mit 79 Mitgliedern, im Jähre 1921 0 Ortsgruppen mit 584 Mitglieder». In der Slowakei bestehen außerdem zwei Gaue in Preßburg und Käschau, die gleichfalls in der letzten Zeit einen großen Aufschwung genommen haben und den übrigen Gallen in dieser Hinsicht durchaus nicht nachstehen, lieber Schlesien kann nur gesagt werden, daß im Jähre 1918 eine Ortsgruppe mit 38 Mitgliedern bestand, üb-r die leider fast gar nichts in Erfahrung gebracht werden konnte. Im Jähre 1918 zählten die„Natur- rcundc" bei uns 22 Ortsgrupj-n mit 455 Mit- gliedern, wogegen heute die Zahl auf 30 Orts- gruppen, mit 2521 Mitgliedern(ohne Kafcha») in den drei böhmische», einen mährischen und zwei slowakischen Gaue» gestiegen ist. Hierauf erstattete Genosse G l a c s s e l-Aus- sig den Kassabericht für Böhmen. Der Beitrag ür die Reichslcitnng wird unbedingt erhöht werden müssen. Zu dem nächsten Punkt,„2ta tutcn-Acnderung" nahmen ausnahmslos alle Delegierten in überaus sachlicher Weise Stet lung. Es wurde vorderhand beschlossen, im § 1 den Namen des Vereines ans„Touristen- verein D. N. im Bereiche der tschcchoslowak. Republik" abzuändern. Ferner wurde ein neuer Punkt ausgenommen, demzufolge sich der Ver« ein in Hinkunft auch mit der planmäßigen Heranbildung der Jugend zur Touristik entsprechend zu befassen hat. Die vorgenommenen Wahlen in die Rcichsleitung ergaben zwei Mandate für Nord- Kähmen und ei« Mandat für die Ortsgruppe Prag und für den Gau Mähren. Es wurde serner beschlossen, daß die Zentralleitung ihren Sitz inAnssig hat und daß alle Ortsgrup- Pen Pro Mitglied 1 K jährlich an die Reichs- leitung als Beitrag abzuführen haben. lieber die Presse referierte eingehend Genosse Na sc-Aussig. Da ein einheitliches Mitteilungsblatt derzeit aus technischen und pekuniären Gründen nicht herausgegeben werden kann, wird beschlossen, bis auf weiteres, durch die Rcichsleitung an alle Ortsgruppen allmo. natlich eine Mitteilung herausgeben zu lassen, um über alles, was für die Weiterentwicklung unserer Bewegung unbedingt wissenswert ist, die Mitglieder im ganzen Staate stets am Lau- senden zu erhalten. An der Neichskonfcrc»; nahmen teil: Vcrtrc- ter der Ortsgruppen Aussig, Bodcnbach, Ret- chcnbcrg, Prag, Mähr.-Ostran, Käschau, Preß- bürg, Böhin.-Lcipa, Neutitfchcin, Brünn, Turn Tcplitz, Tnx, Rochliv bei Reichcnbcrg und Ruinburg. Die Znaiiucr Ortsgruppe hat ihr Fernbleibe» schriftlich entschuldigt. Als um 5 Uhr abends der Vorsitzende Ge> »ossc Dietl die Tagung als geschlossen erklärte, hatten alle Delegierten das Bewußtsein, in den sechs Stunde», die die Konferenz getagt hatte, fruchtbringende Arbeit für die Bewegung geleistet zu haben. Dies wird vor allen, auch durch die angestrebte Fahrpreisermäßigung von 50 Prozent, die den Wandergenossen schon bei einer weit geringeren Anzahl zugestanden wer den soll, alz es bisher bei 20 Prozent der Fall war, hoffentlich recht bald zu Tage treten. Tie Rcichsleitung arbeitet bereits daran, beim Eiscilbahnininisteriiim durchzusetzen, daß auch unseren proletarischen Touristen dieselben Bc- günstigungeu eingeräumt werden, die heute schon zahlreiche» tschechisch bürgerlichen Vereinen zugestanden wurden. llMsmirtschafl und Zonalpalitik. Eine Hausgcnossenschast. In Charlotten bürg waren die Bewohner eines Hauses mit dem Hausherrn in Streit geraten, weil dieser das Hans verlottern ließ und nur darauf bedacht war, aus der Mietcrschasr herauszuholen, was et konnte. Als der Besitzer in Geld- Verlegenheit kam, erklärten nun die Hausve wohncr die Mittel zum Erwerb des Hauses vorstrecken zu Wollen, bildete» eine Hausge nossenschaft und kaufte» das Haus. Der Gc- schäftsanteil jedes Mieters beträgt 3500 Mark, der bei Eintritt zu einem Zehntel einzuzahlen ist, die weitere Tilgung geht in Monatsraten von je 100 Mark vor sich. An der Spitze der Genossenschaft steht ein dreigliedriger Bor- stand. Tie Mitgliedschaft in der Genosse» schaft erlischt mit dem Verlassen des Hauses Die Zahlungspslicht der Genossen Kassiert aus der Rauiuflächc der Wohnungen, die sie inne haben. Nach diesem Maßstab werden die Kol, lengclder, die Ausgaben für Wasser, Gas, Elektrizität, Fahrstuhl, Müllabfuhr, Hausmeister aufgeteilt. Jedes Jähr wird 1 Prozent Amortisation der Kaufsilnline geleistet, sodaß das Grundstück in 100 Jahren schuldenfrei sein wird und nur noch seine Unterhaltungskosten und die Ansammlung einer Reserve für Neu bau erfordert. Kommt diese Zeit auch ers den Enkeln und Urenkeln der gegenwärtiger Bewohner des Hauses zu Gute, so haben dock die heute lebenden Hausgenossenschafter Freud, cm der gciiieinnützigcn Arbeit und sind Herrn im eigenen Hause. Das kleine Beispiel zeigt welcher Segen die Geuosseuschaftsbewegung ii der so brennenden Wohnuugsfmae werde, kann. Seite 6. Wirtschaftskrise und Riescngewwne. Die Banmwollspinnrrci in M i t t w c i d a hat in dein Geschäftsjahr 1920—21 einen Reingewinn boit 24.7 Millionen Mark pcßcn 1.95 Millio Itcii Mark tut Vorjahr erzielt. Das gesamte eingezahlte Llkticnkapital der Gesellschaft bc- tragt 5 Millionen Mark, der Remgewinn ist also fast fünfmal so gros, tvie das Akticnkapi lal. Der Rciiigcwiiin tvttrde nicht völlig»n tcr den Aktionären verteilt, 19 Millionen Mark allein wurden auf ein Wcrkerhaltnngs konto gebucht. Der märchenhafte Gewinn tvttrde in einem Jahre erzielt, in dem sich die Textilindustrie in einer schweren Krise befand Deutsch-belgisches Markabkommen. Aus der Zeit der deutschen Okkupation Belgiens im Weltkrieg liegen in diesem Lande Markbcstände itt der Höhe von Ii Milliarden, welche die deutschen Bcsahungstrnppcn dort in Umlau' gebracht haben. Wie das Berliner Tagblatt meldet, wurde nun über diese Markbeständc ein Abkommen zwischen Deutschland und Bcl gleit geschlossen, wonach sich Detitschland der Pflichtet, vier Milliarden Mark zum Kurse von 1,25 Frank Per Mark einzulösen. Die Schuld muß in 30 Annuitäten zuzüglich 2 Prozent Zinsen getilgt werden. Die verbleibenden zwei Milliarden sollen später zum festen Kurse von 9.25 Frank per Mark eingelöst werden. Damit nimmt Deutschland eine kolossale Be- lastung ans sich. Hicfiir verzichtet Belgien auf die Liquidation der unter Sequester gestellten deutschen Güter. Frcihandclskongrcs; in Amsterdam. Bor einigen Tagen hat in Amsterdam der intcr- nationale Kongreß der Freihändler verschiede- ncr Länder stattgefunden, dem bezeichnendem weise Franzose» und Belgier ferngeblieben waren. Auf dem Kongreß wurde eine Reihe von Referaten erstattet, die sich alle gegen die Hochschuhzollpolitik und den Imperialismus richteten. Bon Interesse ist der Beschluß des Kongresses, daß in einer Anzahl Länder Frei- Handelsorganisationen errichtet werden sollen und daß diese Organisationen international zusammengefaßt werden. Angesichts der im» mer stärker werdenden Bestrebungen in fast allen Staaten, die nationale Industrie und die Landwirtschaft durch hohe Zölle zu schilt- zcn, sind die Bestrebungen nach intcrnationa- lcr Zusammenfassung der Gegner des Schutz- zolles in allen Ländern beachtenswert. Lohnbewegung im englischen Maschinen- vnd Schiffsbangewcrbe. Ans London wird ge- meldet: Die Verhandlungen mit den Arbci- lern in, Maschinen- und Schiffsbaugewcrbc über die Bestimmung des Kriegsanfschlages auf die Arbeitslöhne sind nach längerer Dauer abgebrochen worden. Die Bestimmung be- dingt eine Herabsetzung um 19 Schil- ling wöchentlich für 3 Millionen Arbeiter. Eine Delegiertenkonferenz der Trade Union, die sich mit diesen Angelegenheiten befaßte, beschloß, ein Eingreifen des Arbcitsministers herbeizuführen. Vertrustung der Textilindustrie in Sowjelruß- land. Ein Funkspruch meldet ans Moskau: Der dritte allrussische Tcxlilarbeilcrkongrcß hat be- schlössen, alle großen Textilunternebmungen in Trusts zusammenzufassen und ihre Tätigkeit zu vereinheitlichen. Der Wert der.Krone. Es kosten 100 Holland. Gulden 2931 V,, 100 Mark 83^, 100 schwciz. Franken 1596)4, 100 Lire 381, 100 franz. Franke» 669, 1 Pfund Sterling 348, 1 Dollar 93J4, 100 bclg. Franken 666>4. 100 Peso 118114, 100 Dinar 170?-», 100 Lei 80)4, 100 öftere. Kronen 4.70, 100 poln. Mark 1.82)4, 100 nng. Kronen 14.90. Sotiald««orrar worden. Hücker stand an der Wiege der östettci chischen Gwerlschastabcwcgnng und wir standen, solange unser Arbeitsgebiet mit Oesterreich staat lich verknüpft war, jahrzehntelang mit Hiteber in innigster Arbeitsgemeinschaft. So hat auch unsere Gewerkschaftsbewegung a»S seiner glänzenden or- ganisatorisch»« Begabung, seinem durch tiefe Er fahrung geschärften Blick reichen Gewinn gezogen. Hueber darf stolz auf sein bisheriges Lebenswerk zurückblicken, das ihm auch einen der ersten Blähe in der Geschichte der internationalen Gewerf schaflsbcwcgung im besonderen und der intcr nationalen Arbeiterbewegung im allgemeinen sichert. Von dem stolzen Aufstieg der GeWerk schastöbewegung in Oesterreich gibt am besten die Tatsache Kunde, daß in dem kleinen Lande, das sechs Millionen Einwohner zählt, rund eine Mik lion Menschen der gewerkschaftlichen Organisation angehören, was mehr als alle Worte die nnge heuere Arbeit ausdrückt, welche die Leiter der österreichischen Gewerkschaftsbewegung, an deren Spitze Hueber steht, zu leisten hatten. Hueber vollendet sein 60 Lebensjahr in ungebrochener Frische und Tatkraft. Dem herzlichsten Glück- Wunsche für ihn schließen wir den Wunsch an, es möge ihm gegönnt sein, noch lange Jahre in gleicher Frische für die Gewerkschaftsbewegung tätig zu sein. Kechtsanskimste. Sprechstunde an jedem Montag zwischen 2 und llhr nachmittags in der Redaktion. Holzarbeiter Eisenstein. Wenn die Post die Sendung dem Zustellungsorgane der politischen Bczirksvcrwaltung übergeben hat, können Sie von ihr keinen Ersatz beanspruchen. Wir empfehlen Ihnen jedoch, den Sachverhalt der politischen Bczirksvcrwaltung in Klattau zu Händen des Borstandes schriftlich mitzuteilen und von ihm Erledigung Ihres Gesuches und Ersatz Ihres Schadens zu verlangen und, wenn dieses Ein- chrcitcn wieder erfolglos sein sollte, den Fall ein- ach der politischen Laudcsvcrwaltung in Prag zur Kenntnis zu bringen. Sekretariat Staab. Dermalen besteht leider noch nicht die gesetzliche Möglichkeit, solche ehren- werte Herren, welche die durch die Ncvcrsferti- gung der Partei gegenüber übernommenen Lcr- Pflichtungen nicht erfüllen, hiczu zu zwingen. Da edoch nicht bloß unsere, sondern alle übrigen Po- litischcu Parteien ein Interesse daran haben, daß derlei charakterlose Elemente verhalten werden, auf ihre Mandate zu verzichten, eventuell der- clbcn verlustig erklärt werden können, wurde von der Regierung in der Nationalversammlung ein diesbezüglicher Gcsetzantrag eingebracht, der wohl in absehbarer Zeit zur Annahme gelangen dürfte. Ms der Partei. Anton Hueber, seit einem Menschenalter Organisator und Führer der österreichischen Gcwerk- jchastsbcwegnng, ist gestern 60 Jahre alt gc- Kunst und Wissen. Bizet:„Djamileh"— Donizetti:„Lucia von Lammermoor." Zwei sorgfältig vorbereitete unnötige Neueinstudierungen. Man wäre zu Dank verpflichtet gewesen, wären dieselbe Mühe, dasselbe Können heute uns und der Zeit näherstehende» Werken gewidmet worden. — Die der„romantischen Oper" Bizcts eigen- tümlich Grazie und Sinnlichkeit in der Mclo- die und Klangfärbung sollen nicht geleugnet werden. Aber sicher ist, daß solche und ähn- liche Spiclopcrn, entbehren sie des Einschlages von Humor oder Komik, deutlicher orchestraler Charakteristik des Milieus, uns fremder sind als zuni Beispiel die Mozartschen. Was„Carmen" zu so unerhörter Wirkung hebt, die Bcr- bindung des Beristischcn mit Wagner und Operette, kann hier nicht wirken. So wird „Djamileh"(und mit ihr andere Spiele) zu einem Liederabend. Verbindung des Wortes mit der Musik von Picce zu Piece. Uns ist das Musikdramatischc nahe. So reizvoll in einzelnen Partien dieser Einakter ist, er wirkt historisch.— Herr Ma ch a als Harun, aus anfänglicher Befangenheit, die ihn im ersten Piano leicht distonieren ließ, erwachend, brachte(manchmal ei» wenig zu herb) Klar- heit und Höhe. Frau I i ch a, die eingcsprun- gen war, schauspielerisch und gesanglich in voll- kommener Beherrschung der Malen?. * Es folgte leider noch„Lucia von Lammer- nioor", der man bereits den ewigen Schlaf gönnen wiirdc. Unverdaulich wie der„Trom- Peter" und die„Afrikaner!»"(der nicht einmal Szcll bcikommen konnte). Auf Bravour- stückchcn aufgebaute Partitur, Paradestückchcn für die Personen des Theaterzettels. Veto- nung des Startums(von der Harfe angefangen bis zu jedem einzelnen Sänger).— Herr A l t- g l a ß, dessen Stimme anfangs etwas färb- und reizlos war, schien sich für den letzten Akt geschont zu haben, der dann überraschte. L a- bcr, Ludvik und Kric n e r fiigtett sich dem ausgezeichneten Gesamtbilde ein. Die künstlerisch höchststchcnde Leistung: Frau Ger- Hardt in der Titelrolle, meisterhaft in der Behandlung ihres schönen, unbeschwerten Ma- terials.— Und trotzdem und nochmals: wozu? H.©. S. „Urania." CröfsnungSabend: Dantc-Feier Mittwoch, den 28., 8 Uhr, mit Vorträgen, Lichtbildern und Re- zitationcn ans der„Göttlichen Komödie". Karten 6—2 Kr. Mitglicdcranmcldimgcn und Mitglieds- kartcncrncucrung(Jahreskarte 5 Kr.) täglich 10—1 und 4—7, Smctschkag. 22. Bruno Walter, Bayer. Generalmusikdirektor, dirigiert heute um 7 Uhr abends die Saksche Phil- Harmonie im Smctanasaal. OSkar Fried dirigiert am 29. ds. die Saksche Philharmonie im Smctanasaalc. Karten im Vorverkauf und bei der Kasse. Neues Theater. Heute, Dienstag„D i e Schauspiele r". Morgen Nachmittag statt „Spcrrscchscrl" die Lchar-Opcrclte„Die blaue Mazur". Donnerstag„Die Weber". Sams- tag„Die S ch c i d u n g§ r c i s c". Sonntag Nachniittag„Das Ho llan dw c ibchcn". Turnen und Sport. D. F. C. Prag gegen Viktoria ZIzkow 3:2(1:2). (Sonnlag, den 25. September in Prag.) D. F.£., durch NeucinsteUuitgeit verstärkt, zeigte sich als ebenbürtiger Gegner, ja in der zweiten Halbzeit war er sogar stark überlegen. Infolge noch man- gelndcn Znsammcnspiclcs konnte er aber diese Ucbcrlcgcnhcit nicht ausnützen. Viktoria Zizkow 27. m: führte ein gutes Kombinationsspiel vor. konnfe jedoch gegen die aufopfernd spielende Hinter- Mannschaft d-S D. F. C. nicht viel ausrichten. Schiedsrichter schlecht; 5090 Zuschauer. Spiel- verlaus: 3. Minute: Leß geht vor. schießt, der Goalmann wehrt ab. Leß schießt nach. Inzwischen pfeift der Schiedsrichter in völliger Unkenntnis der Spielregeln wegen Offsidc ab und erkennt da« Goal nicht an. In der 18. Min. erringt D. F. E. durch JcSwar die Führung: in der 20. 3)!in. Ausgleich. Hierauf wechselnde Angriffe. Eine Minute vor Schluß der I. Halbzeit läßt der D. F. E.-Tormann einen von Prokop geschossene« Vall durch die Füße durch. Der Stand 1:2 hält bis Ende der ersten Halbzeit an. In der 8. Min. bombardiert D. F. E. das gegnerische Tor, ohne daß ihm ein Treffer gelingt. In der Iv.^Min. gleicht Jcswar durch einen sehr schonen Schuß aus 20 Meter Entfernung aus. 15. Min.: Fischer bringt den Ball allein durch und sendet unhalt bar ein. D. F. E. führt 3:2. 24. Minute: Leß überspielt die gegnerische Verteidigung und der- schießt aus 6 Metern. In der 39. Minute diktiert der Schiedsrichter(unseres Erachtens un- gerechterweise) wegen Hand einen Elfer gegen D. F. E.: Prokop schießt darüber. Viktoria Ziz- kow versucht nun in den letzten Minuten den Ausgleich herbeizuführen, kann jedoch am Resnl- tat nichts mehr ändern. A. C. Sparta Prag gegen RudolfShiigrl F. E. Wien 4:0(4:0). Sparta trat mit Hojer jr.(früher Karlsbad) statt Janda an, führte jedoch trotz des großen TornnterschicdeS kein besonders gutes Spiel vor. Das Forward der Wiener kombinierte slink, zeigte aber kein Schußvermögen-, ihre Hintermannschaft hielt gegen Ende des Spieles das vorgelegte Tempo nicht aus, was die bcträcht» liche Niederlage zur Folge hatte. Goalc: Pilat, Hojer jr., Sedlaeek(2). SchicdSrick: Krause gut. 10.000 Zuschauer. T-Plltzer F. K. gegen S.«. Slavla Prag in Teplitz 4:1(2:1). Tcpliy mit zwei Ersatzleuten er- rang nach hartem Kampf einen einwandfreien Sieg über die Prager. Das Spiel artete zeit- weise so aus, daß von Teplitz Tampe, von Slavia Wilda und Cipcra ausgeschlossen wurden. Tore für Tplih: Tampe und Kozcluh je 2, jenes für Slavia Hornh. Bienna schlägt in der Wiener Meisterschaft überraschend die Amateure 1:0. Herausgeber: Dr. Ludwig C z e ch und Karl C« r m a k. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribnna, Prag. Mitteilungen ans dem Publikum. '«SffSIBaKnSK» MV, isl gut czhuoL< imniBvg/eicb. gut CAFE ELEKTRA WEINBERGE, vis-a-vis dem Museum, neben dem Deutschen Theater. 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Die verschiedenen Ausgehen dir den kleinen Handwerker, den Grosikaulmann, wie Industriellen bieten durch Ihre grossartige Ueucrslcht unerreichte Vorteile, erleichtern die Eintragungen und sichern dem Chef, der Behörde und den Steucrbcamtcn eine leichte und rasche Kontrolle PUr Erzeuger und WlederverkKuler von Luxuswaren Meiere Ich Belege zu 100 Bl. geblockt, die richtig verwendet tür Waren zum weiteren Verkaut nur der 2 Prozent!» Cen Umsatzsteuer statt der lOprozentigen(12prozentlgen) uxussteuer unterliegen. Bei Bestellungen sind genaue Angaben erlorderllch, da 6 verschiedene Sorten Steuer und 2 Sorten Lage» Köcher In deutscher, sowie in tschechischer Sprache liclcr- bar sind. Z. B.: Ein Kaufmann, der keine BUcher filhrt und 100.— KS von einem Käufer empfängt, braucht ein Steuerbuch A. SL B.; lUbrt dieser nur Luxuswaren, die Im Kleinhandel der Lnxussteuer unterliegen, braucht er Steuerbuch L. St. B.; löhrt dieser beide Waren, braucht er komb. Steuerbuch K. SL B.; ein proL Kaufmann braucht Steuerbuch P. St. B. Eine Schneiderin benötigt, aelbst wenn der Verbraucher eigene Seide bringt, lör die Leistung(Arbelt), die jetzt liixusstenerpftlchtig ist, ein kombiniertes Steuerbuch K. S t. B. Ein Friseur, der keine kosmetischen Artikel führt, be. nötigt nur ein Umsatzbuch v. B. Steuerbücher lör Aerzte, Advokaten usw, usw. zu beziehen vom Verleger und Erzeuger 114 Emil Adler, Prag IL, HovIlfkovÄ ul. 4—6. »Fabrikation; von Geschäftsbüchern und Burcau-Artlkelr 27. September 1921. Nie LlMe der englischen Ärwiterschast." @cit Ittel) r bcnu Bereits ftoTit bic Wirtschast Großbritanniens tm Z-ichen °i""c"ormcu Arbeitslosigkeit, die ihre na" tnrliche Erklärung übet in der nach Ne->,- digimg des Krieges sich allenthalben bc- merkbar, machenden Wirtschastsdepression so>r.ol)l. als auch in der Talsache, das; es auch England trotz der in seiner Industrie vorhandenen großzügigen Organisation nicht gelang die blosse„Nur-Krieg.z-Pro- biifHott hnebn* in eure FriedenZwirtschast umzustellcn. 1' 1 Zweifellos trägt der während d^s Krieges eingetretene Verlust zahlreicher Märkte an diesem Zustande her englischen Wirt- schaft und in ivcitrrcm Sinuc an der durch ihn bedingten prekären Lage der englische,, Arbeiterschaft ebenso die Schuld, wie' der allgemeine Z u s n in ni c n b r u ch der kontinentalen W i r t s ch a s t mit d^r die englische rege Wechselbeziehungen unterhielt. Insbesondere ist der Wirtschaft- lichc Znstand Deutschlands als des— nach England— bedeutendsten Industrielandes Europas nicht ohne Rückwirkung auch auf die Wirtschaft Englands geblieben Ging England mit dem Zusammenbruch der deut- scheu Wirtschast ein aufnahmefähiger e„ro- Bischer Markt verloren, so wirkte hinwic- derum der tiefe Stand der deutschen Valuta — so katastrophal ex auch für die Neichsfi- nanze» und damit für das Vermöge,, der Volksgesamtheit sein mußte— in der Mich- tung des„Dumping" auf die englische Wirtschaft ein. d. h. englische Waren wur- den in ihrem eigenen Erzeugungslande von solchen deutscher Herkunft unterboten. Die schon in Vorkriegszeiten von der deutschen Großindustrie im kapitalistischen Kon- kurrenzkampfc mit der anderer Länder gern geübte Praxis des Damping(von to dump = Schutt abladen) wirkte sich jetzt ohne be- sondcrcs Zutun fast automatisch aus. Ein ungeheures Sinken der deutschen Valuta— wie wir es soeben erlebten— mußte diese Sachlage„och klarer hervortre- ten lassen, und auch denen verdeutlichen, die dies bisher nicht in vollem Umfange bc- greifen konnten. Der durch die deutsche K mkurrenz hervorgerufenen Wirtschafts- krise im eignen Lande widmen in diesen Tagen die gltschen Zeitungen einen brei- ten Raum. Die aus diesen Ursachen er- wachsende Krise, deren Objekt letztlich und endlich nach dem im kapitalistischen System herrschenden Prinzip, die eigenen Lasten au: schwächere Schultern abzubürdcn, die eng- lische Arbeiterschaft ist, findet ihren natür- lichen Ausdruck in der großen Zahl der in England vorhandenen Arbeitslosen und in den in den letzten Tagen wiederholt gemeldeten Demonstrationen und Tumul- ten, die an verschiedenen Stellen sogar nahezu den ernsthafteren Charakter von Aufruhren annahmen. Trotzdem diese spontanen Erhebungen die zunehmende Verelendung des englischen Proletariats mit Deutlichkeit aufzeigen, gc- den die amtlichen Statistiken ein relativ günstiges Vild der Verhältnisse. So wurde die Zahl der Arbeitslosen für den 9. Scp- tembcr mit„nur" 1,052.000 angegeben, Geist und Geschichte des Mm- montanisums. Das Seelengift des Ultramontanismus ist fo gefährlich, weil es im stände ist, auch im Denken moderner Menschen ganze Bcwnßt- lcinSbezirke mit Beschlag zu belegen. Dadurch macht es die von ihm Befallenen unfähig, in ihren Erkenntnissen und ihrem Weltbild so !nm äußersten zu gehen, wie es notwendig ist, lin die alte Welt zu revolutionieren und eine neue anstatt ihrer aufzubauen. Das macht den UltramontaniSmns im besonderen dem Sozialismus gefährlich und daraus erklart sich die glühende Leidenschaft, mit welcher Sanis- tags in der Urania Gen. Karl L e u t h n e r lins Wien gegen diesen unfern zähen Feind zu Felde zog. Man muß den Gegner genau kcn- Ken, um ihn schlagen zu können, und deshalb kird im folgenden der Versuch unternommen, sie große Linie von LenthnerS Vortrag für Illc die herauszuarbeiten, denen nicht der hohe Pen,iß vergönnt war, den Ausführungen un- eres die Frage suverän beherrschenden Genos- 'Vie^Macht" des Ultramontanismus ist igcntlich ein unerklärliches Rätsel. Er vcr- vag die Seelen nur durch den Glauben zu Im- ten Glauben aber soll der fromme Katholik »n Dogmen, die dem modernen Weltbild chmirstracks zuwiderlaufen. Den die Dogmen sauen auf Anschauungen ans, die heute bereits jeden Kulturmenschen, also nicht clwanur genannten„Gebildeten", lächerlich er chei M. Jedes Stadtkind kann über die biblische Sozialdemokrat was eine Verminderung von 25.400 gegen 1 die vorhergehende Woche bedeutete Doch Wimen diese Zahle,, keineswegs als Bei- spiel für eine Besserung der Verhältnisse an- gesehen werden, denn abgesehen davon, daß c diejenige,r Personen nicht cinbcgriff. die -t verkürzter Arbeitszeit tätig sin d,. ist ''inen"'ich nicht die große Zahl der er- wcroslosen Kopfarbeiter enthalten. Die g„- lchemendc Differenz ist vornehmlich darauf zur.nlmsichren, daß etliche kleine Industrien tatsächlich eine Besse rung ihrer Wirt- Ichastslage erfuhren, während„ach wie vor m den SchlüsselindusEtien und besonders im Bergbau die Arbcitsloscnzisfer im Steigen begriffen ist. Gerade die Lage des Berg- baues als jener Industrie, die nahezu der gesamten Wirtschast Groß-Vritanniens als Boys dient, beeinflußt sehr wesentlich das Ge,amtbild der industriellen England und seiner Arbeiterschaft. Handelte es sich bei der von de» Berg- arbeiten, erhobenen Forderung der Ratio- nnlisierung der Gruben zunächst nur um das Jnslebcntrctcn einer bisher nur pro- grammatische» Formulierung, hervorgcru- sei, und unterstützt durch die nach dem Kriege und in seiner notwendigen Kon- seguenz sich all enthalben bemerkbar ma- chende Rcvolutionierung der gesamten Ar- bciterklasse— ja, waren für diese Forde- rung vielleicht auch eine Anzahl technischer Momente maßgebend, insofern, als die Gruben durch den während des Krieges getriebenen Raubbau heute nicht mehr die notwendige Betriebssicherheit aufweisen und die Zahl der Betriebsunfälle zunimmt.— so ist jetzt die Forderring„The mines for thc Nation" zu einer Magenfrage der eng- tischen Bcrgarbeitcrschast geworden, denn nur eine vollkommene Sozialisierung des gesamten Bergbaues könnte ihnen eine» annehmbaren L o h n st a n d a r d und auch die notwendige,, hygienischen und bc- triebstcchnischen Einrichtungen bringen. Es ist daher verständlich, wenn die Reihe,, der Bergarbcitcrschaft der Gedanke einer schär- fcren Zusammenfassung der bisher zersplit- texten englischen Gewerkschaftsbewegung entsproß. Die auch heute noch ans 1000 kleinen und kleineren Gewerkschaften sich zusammensetzende allgemeine britische Be- wegung hat zwar in Gestalt des ständigen bereits ein Vertretungsorgan, doch wenn, trotzdem im großen FrühjahrSstreik dieses Jahres der ans Bergarbeitern, TranSpor- tern und Eisenbahnern zusammengesetzte gewerkschaftliche Dreibund an den Interessengegensätzen der einzelnen Gruppen zer- brach, jetzt der Gedanke eines allgemeinen, für die gesamte Gewerkschaftsbewegung maßgebenden Gencralstabcs wieder auf taucht, nachdem er bereits vor JahrcSfriß diskutiert worden>var, so bedeutet dies nicht sowohl eine Abkehr von den Parlamentär!- sehen Methoden und eine Konzessio n, an die in der englischen, ebenso wie I„ der französischen und amerikanischen Arbeiter- beweg,mg vorhandenen syndikalistische» Tendenzen, sondern auch das Obwalten von Konzentratioustendenzen, wie sie nicht nur in der immer mehr Platz greifenden Idee des auf der crkstattsorganisatiou sich aufbauenden Jndttstricverbandcs und der so- genannten Gilde ihren Ausdruck finden— auch die Erkenntnis in die Tatsache, daß' ratz der Gegensätze zwischen den einzelnen Berufsgruppen, Erfolge nur gemeinsam er- kämpft werden können, mag zu der Wieder- ausnähme des Planes des„Gcncralstabcs der Arbeit" geführt haben. Eine der Hauptaufgaben dieses gewcrk- schaftlichen Gcneralstabes wird es nach dem Wunsch der Masse sein, die jetzige Ar- beitslosenfrage einer Lösung nahczubrin- gen. Auch jene oben erwähnten spontanen Ausrnhrbcwegungen, wie sie besonders in Liverpool und London zu verzeichnen waren, entsprangen demselben Wunsch der Erwerbslosen, in ihrer Existenz und in Be- zug der ihnen von staatswcgen zugesichert.!, Arbeitslosenunterstützung nicht von, Gut- dünken kommunaler Verwaltungsorgane ab- hängig zu sein. Sie verlangen, das: die Er- wcrbslosennnterstützung ans staatlichen Mitteln gezahlt wird, und noch, während diese Zeilen geschrieben werde», befindet sich eine Abordnung englischer Arbeitsloser beim kranke» Premierminister, um ihm von neuen diese Forderungen z» nulcrbrcitcn. Von den, stnntsmännischen Geschick Lloyd Georges wird es abhängen, ob er die für sich selbst und seine Regierung in der zu- nehmenden Arbeitslosigkeit in England drohende Gefahr erkennt, und ob es ihm bei dem ihm eigenen staatsmännischen Geschick gelingen wird, diese Gefahr durch wcitge- hendstcs Entgegenkommen zu beseitigen. Teste«. Run saß der arme Kriegsblinde fast allein im Wagen, murmelte vor sich hin und— weinte. Weinte aus toten Augen— o, es waren gewiß keine Segenswünsche, die die Lippen des beklagenswertesten Opfers des um kapitalistische Interessen geführten Weltkrieges für unsere Gesellschaftsordnung murmelten! Der Beamte hatte wirklich nur seine Pflicht getan. Er durfte sich ja vor seinem Ilntcrgc- bciien, dem Schafsnc?, keine Blöße geben. Ja, eS kam ihn vielleicht schwer an, insbesondere als er dem Kaprtan, der.sich ins Mittel legte, die„korrekte" Antwort gab. Vielleicht ist er Familienvater und zittert um das Brot seiner Kinder. Die„Vorschrift", das von der kapitali- stischen Unternehmung herausgegebene Bc- tricbLrcglement, muß ja so engherzig sein! Es ist ja auf Mehrgewinn erpicht,— sieht selbst in dem hilflosen Kriegsblinden einenbetrü» gerischen„S ch w a r z s a h r c r".... * Dies begab sich in Prag, SamStag, den 24. September l. I., um 3 Uhr vormittags, auf der Ivcr-Strccke, Museum— Wolschaner Friedhof. Nummer des Magens 029, Nuiumcr des Schassncrs 407. Cilly. Schöpfungsgeschichte, welche die Erde in den Mittelpunkt des astronomischen Geschehens stellt, nur noch die Achsel zucken: es weiß mit der ebenda erzählten Erschaffung der Tiere und Menschen nichts mehr anzufangen, weil uns allen, auch, wie gesagt, den Ungebildeten, seit Herders, Goethes und namentlich seit Darwins Tagen der Entwickluiigsgedanke in Fleisch und Blut übergangen ist. Für niemanden mehr ist, wenn er über Gott nachdenkt, dieser Gott ein guter alter Herr mit einem langen, grauen Bart, der über der Welt thront und die Guten lohnt, die Bösen straft. Ter GotteSbcgriff hat für den, welcher»ach ihm noch ein Bedürfnis trägt, gewiß unpersönliche Formen angenommen. In Gott vereinigen sich, wie daS die Tristen des 18. Jahrhunderts als Kern der Religion in die Anhörung hinüberretten wollten, alle die Welt bewachenden Kräfte. Gott ist Symbol, nicht Lebewesen, kam, also nicht durch Bitten bewogen, durch Opfer gewonnen werden. Gleichwohl wohnen immer „och Taufende mit Zittern und Zagen dem Meßopfer bei, wo der Priester Gott nicht nur bittet. Nein, wo er ihn zwingt, hinab- zusteigen und Hostie und Wein in seinen Leib, sein Blut zu verwandeln. Diese Vorstellung des Zwanges, des Bcschwörcns degradiert Gott von der Höhe der griechischen Götter zu der weit tieferen Stufe primitiver Dämonen. Das Meßopfer ist die sichbarste Form des katholischen Wunderglaubens, aber auch von ihm abgesehen, hat der Katholizismus die Seelen nur durch die Wunderbcrichte der Evangelien gewonnen. Christi Sittenlehre allein hätte das nicht vermocht,»var sie doch Tnges-Nemgkeiten. Tote NükM. ilte fBöinoü. Ein Kriegsblinder, von seinem Freunde geführt, flieg in die elektrische Straßenbahn. Der Begleiter mußte ihn hier verlassen und überließ de» Blinden der Obhut guter Men scheu. Da la», der Revisor. Der Blinde, der eben daS Spital verlassen hatte, begriff nicht sogleich und händigte treuherzig dein Revisor seine Ausweispapiere aus. Doch, o weh! Ans der mit seiner Photographie verscheid» Legi- timation fehlte die letzte Monats- m a r k c. Der Revisor erklärte die Legitima- tion für verfallen, konfiszierte sie und forderte den Fahrpreis, den der Blinde ohne wcitcrs entrichtete, indem er ans seinem abgc- griffencn Portefeuille dem Revisor die einzige darin befindliche 50 I5-Note übergab. Nur die Legitimation möge man ihm lassen! Vergeblich beteuerte er, auch die letzte Marke gekauft zu haben, er bätlc Zeugen hiefür, die Marke hätte sich wahrscheinlich losgelöst— er sei ja blind und könne die Legitimation nicht selbst ans ihre Richtigkeit prüfen. Oder habe ihn ein schlechter Mensch um die Marke betrogen. Oer Revisor nicinte, er könne sich ja die Legitimation bei der Direktion wieder hole»—(der weit draußen wohnende hilflose Blinde!). Nun bat ein älterer Offizier, der die ganze Szene mit angesehen hatte, den Kontrolle,', dich in diesen, gewiß be- rücksichtigeiiSwertcn Ansnahmsfallc von der buchstäblichen Befolgung der„Vorschrift" ab- zusehen, der Blinde habe ja fürs Vaterland sein Augenlicht verloren ldie konfiszierte Legitima- tion zeigte ihn nämlich in der Uniform eines tschechoslowakischen Soldaten). Der Beamte erwiderte:„Herr Kapitän, es tut mir leid, aber Sie wissen selbst, was Pflicht ist". Der Offizier schwieg und zog sich zurück. schon vor Christi bei Plato und dessen Schülern vorbanden. Zwischen Gott und Mensch mußte erst der Vermittler, der Messias(auch das Übrigens eine uralte, vorchristliche Vorstellung!) treten, er mußte durch Krankenbeilun- gen Totencrtvecfilngen, Speiscnverwandlnngen anss Gemüt wirken, um dem Christentum die Herrschaft über die Geister zu verschaffen. Das Mcnschenartige in der Christnsnihthe, das sich in der Berebriing des„heiligen Rockes" von Trier, der Gottesmutter von LourdS n. dgl. so sinnfällig zeigt, schafft erst in der Seele der Katholiken den inerlwürdigen, abgegrenzten Bezirk, in welchen die Kritik nicht hineinkann, wie modern und gebildet der Gläubige sonst auch sein mag. Es ist wie eine Muniftzierung eines Bewnßtseinsteilcs, alles übrige wächst und entwickelt sich, der eine Bezirk bleibt abgeschlossen und unverändert. Hierin birgt sich das eigentliche Rätsel des Katholizismus, nein, aller Religionen im Rahmen der modernen Welt überhaupt. Die Erklärung des Rätsels steckt so weit man sie liesern kann, in der Politischen Eutloickliiug seit ca. 1750. Damals begann die in England und Frankreich erwachsene Aufklärung, d. i. jene Weltanschauung, welche dein Verstände die Leitung und Klärung des Lebens zuweist, die Geister Europas zu beherrschen. Die Lebren der Enzyklopädisten, Rousseans und Woltaires wurden Allgemeingut. Die Gebildeten lächelten über die Wnn- der und Mythen der Kirche. Die Tage des Katholizismus scheinen gezählt, weil ihm das innere Leben abhanden gekommen war. Im Volke lebte er wohl weiter, aber dieses Voll Hyänen. Vom Hunger Entmenschte haben Hyänen gleich das Datenfeld von Oppau abgesucht, haben den Leichen die Ringe von den Fingern gezogen. Tiefer Abscheu trifft sie— aber sie trieb der Hunger, Bestie Kapitalis« mn8 hat sie vertiert. Ohne Schuld hat sie, wie wir schon gestern sagten, eine Gesellschaft zu ticfnntcrst geschlendert, die keinen' anderen Gott als das Eigentum kennt. So betrach- tct, verwandeln die Szenen, in denen Hungrige traurigste Beute machten, unscrn tiesei, Ab» scheu in tiefstes Mitleid. Das waren Hyänen in des Worte? einfacher Bedeutung: Geschöpfe, die in ihres Leibes Notdurft keine Grenzen ihrer Gier kennen. Dieselbe Gesellschaft aber, welche die einen durch Hunger entmenscht, hat noch ganz andere Hyänen geschaffen, Bc- sticn an Geist und Seele, ticferstchend als Tiere, die sich ohne Not ihres Menschentums begeben. Während die einen das Entsetzliche nützten, um ihren Magen zu befriedigen, ha- ben eS sich die anderen zum S ch a n st n ck gc- macht. Lesen wir, was sich die„Frankfurter Zeitung", ein bürgerliches Blatt— aber eines von ausrecht demokratischer Gesinnung und nienschlrch-sozialem Empfinden— über jene Hyänen schreiben läßt, die verfluchte Neugier und abscheulicher Kitzel zur linglückstätte getrieben: „... Es waren nicht viele, die am ersten Unglückstag ihre feisten Leiber in feinlackiertc Autos zwängten, in großer Toi- kette durch die Straßen dcs Unglücks rollten, die Lorgnette am. Ange, als sähe man sich eine Kinovorstellung an, aber die wem» gen genügten. Die unerhörte Taktlosigkeit solchen Tuns wurde dadurch nicht gemildert, daß diesem„D a m e n" das Bewußtsein für ihre Schamlosigkeit fehlte, mir eine Unter- Weisung mit Ohrfeigen hier eine Erschütte- rung hätte hervorrufen können, die jenes Bewußtsein hätte wecken können. Aber wa- reit denn diese armen, verachtniigswürdigen Mcnschentiere nicht eher zu bedauern? Mäh- rend der Strom der Helfer von allen Seiten heranbraustc, saßen sie in ihrem Wagen wie fühllose Puppen, ohne Teilnahme am Lc- ben, unberührt von der großen Welle, die alle wahrhaft empfindenden Menschen er- griff. War jener Arbeiter, der von morgens bis in die sinkende Nacht Sanitätsdienste leistete, nicht ein lebendiges vcrehningswür- in seiner Masse war Objekt und nicht Subjekt, nicht Träger der Kultur. Sein Denken und Fühlen kam für die Kultur tatsächlich nicht in Betracht. Tic Totengräber des Katholizismus, die Aufklärer, schufen zugleich die Ideale dcs neuen Bürgertums, der Freiheit, der Gleich- heit»nd Brüderlichkeit, sie waren also auch die Ahnherren der Revolution. Die französische Revolution öffnete der bis dahin kultn- rell toten Klasse der- Tor des Lebens. Zuerst stürmten die radikalen Elemente dieser Klasse, die Jakobiner, vor. Sic und nachher Napo- leon schienen dem Papsttum durch die Erhe- düng der Vernunft ans den Thron der Ncli- gion und durch das Exil des Papstes in Fon- tainebleau den Todesstoß zu geben, aber das s ch t c ii nur so. Denn nach der radikalen Ja- kobincrschicht der Städte trat die breite Menge des Bauerntums ans den Plan. Dieses war ra- dikal, soweit es um Befriedigung der materiellen Bedürfnisse, um die Aufteilung des Bodens n. dgl. ging. Darüber hinaus war es kon- servativ. In ihm lebte der Katholizismus noch, ans dem Volke stiegen die lebendigen Kräfte des Glaubens allmählich wieder zu der eben nach religiös toten Oberschicht der eigent- lichen Kiiltnrschöpfcr und-träger empor. Dein vom Volke gebotenen neuen Inhalt gaben diese künstlerisch fortgeschrittensten Männer die neue Form. DaS ist die eigentliche Tat der Ro- manlikcr Schlegel, Novalis, Tierck, Wacken- rodes und ihrer jüngeren Nachfahren Bornim,o und Zacharias Werner. Schon Goethe hatte sich, der„Götz" und„Faust" beweisen das, mit Volktiim erfülle und dabei, von Her. der aus den Weg gewiesen^ aufs Mittelalter Lette i. digcS Ttiick Leben gegen diese mit Seide und Pelz bedeckten Mumien, die sich an den Stät tcn des G r a u e» s dumm und albern d e« leliierten? Außerhalb des Lebens sie stellt, waren sie die die ärmsten Toten des TagcS." Viel ist dem Ton, der da siegen diese„ärm- tcn Toten des Tages" angeschlagen wird, nicht icizufügen, Nur glauben wir nicht, daß liefe Bestien, die sich a» den Stätten des Gran- ns delektierten, durch eine Unterweisung mit Dhrfcigcit in Menschen zu verwandeln wären, lud auch unser Bedauern wendet sich ihnen licht zu. Haß, unauslöschlicher Haß muß sie reffen, sie und die Gesellschaft, der sie cnt- bringen. Hier gibt es kein Mitleib mit be vucrlichcr Entgleisung, keine Entschuldigung ocgcn dummer und alberner Taktlosigkeit, Kcr gilt eö, unermüdlichen Kampf zu schüren legen eine Gesellschaft Entarteter, deren nie- richte Vertreter hoch oben in Bäumen hängen önnten, ohne daß die Welt verlöre oder Mit- ?id not täte. Die Haarprobc der.Hakenkreuzler. In der »dcnliberalcn..Bohcmia", dem Sprachrohr der assen- und klassenvcrsöhuenden Deutschdemo- raten, fanden wir SamStag folgendes niedliches snscrat. dem drei große(uns leider uuver- täudlichc) Riinenzeichen vorangestellt Ivaren: Blonde Deutsche, schließt den Bund! Ur alte Weisheit wird Euch dann kund! Blonde Männer und Frauen, edeldeutscher Rasse und vornehmer Gesinnung finden Aufnahme im Germancnvrden(Loge im Wagnerschen Geiste arbeitend). Bild. Lebcnslanf n nd Haarprobc er- bete» an die Administration des Blattes unter obigen Runcnzcichen. Lir haben uns zunächst in der Umgebung dic- !S Inserates umgesehen, ob sich nicht dort ein aar geeignete Kandidaten für diesen Genna- «norden finden. Leider können wjr ihm die inliegenden T a u b e l c s. M etzclcs, und tosenzweig nicht empfehlen. Doch kchcrz beiseite! Wir haben so eine dunkle Ah- ging, warum und wozu sich wohl diese Blond- Inge edeldeutscher Rasse zusammenschließen Zollen. Tie drci Runen sind ein sehr denk- ichcr Hakcnkrcnz-Ersab und das Einzige, da? icsc_ Logenbrüder mit ivagnerischem Geiste cmcinsam haben dürsten, ist der AntiscmitiS- ans. Die N.chtaricr unter den Schreibern, .'cscrn und Inserenten der„Bohcmia" müssen s sich ruhig gefallen lassen, daß sich in ihrem Ratte eine Pogromgesellschaft etabliert, dornt s wird dafür bezahllt und das ist doch die Hauptsache. Der crzreaktionäre„Orden", der ich da in Prag bilde» will, unterscheidet, sich lur iu Einem auffällig von ähnlichen Organ! ationcn in Berlin, B'.ünchcn, Wien usw. .Blond muß er sein!" lautet in Prag die Pa- vlc. Die Blondheit ist die erste Erfordernis, «im erst wird der Nachweis bestimmter In- jehörigkeit zur cdcldcutschen Rasse und zum -chlnß„vornehme Gesinnung" verlangt. Na, «ran wird's sicherlich nicht fehlen. Wie soll- eit auch die dciltscbböhmischcn Brüder der Rörder Gareis' und Erzbcrgers nicht vornehm ein. Ter erste Bischof her tschechoslowakischen ?atio„alkirche. In Belgrad wurde der Ar- himandrit Gorazd zum ersten Bischof der schcchoslowakischen Nationalkirche geweiht. Da nit fügt sich die neue Kirchengemeindc iu den ircis der Nationalkirchcn ein, und wenn sie «lehr Anhänger besäße, als sie tatsächlich ählt, wäre ans der Kette, mit welcher Rom >ie Seelen fesselt, wieder ein wichtiges Glied jerausgcbroche». Da? ist nun leider nicht Fall, der nationale Befreiungskampf, der >cn Tschechen Habsbnrg gegenüber glückte, ist «m Papst gegenüber in deu Auslaufen stecken Sozialdemokrat geblieben. Wie der AltkatholiziSmnS, scheint auch die tschechische Kirche ein totgeborenes Kind zu sein. Die Cache interessiert uns mehr, als oberflächliches Urteil das von einem Pfaffcngezänk wahrhaben will. Denn Rom ist eine lebendige Macht, der Nebel, mit dein es die Gemüter umhüllt, hält sie auch fest. Die reformierten Kirchen treten aus dem Nebel in die BcrstandcSklarheit und verlieren dadurch die Herrschaft über die Seelen. Als Etappc im Befreiungskampf vom klerikalen Einfluß sind die das religiöse Leben ertötenden Reform- bestrebungen ganz gegen ihren eigenen Willen unsere willkommenen Bundesgenossen. Die„angebliche" Hungersnot in Rußland. Peter Simonov, der Sowjetkonsul für Austra- licn, veröffentlicht in der Wochenschrift„Ter australische Arbeiter", die in Sidncy erscheint, einen ausführlichen Bericht über die Ernäh- rnngslagc in Sowjetrußland. Wir können es uns nicht versagen, unsere Leset mit einem kleinen Auszüge dieses Berichtes' bekanntzu- machen, weil er ein so beredtes Zeugnis für die Wahrhaftigkeit der Vertreter Sowjetrußlands abgibt. Simonov bc- richtet unter anderem: „Seit kurzem Mrd wieder viel telegraphiert und geschrieben über die n n g e b- l i chc Hungersnot in Sowjetrußland und wie gewöhnlich wird unterstellt, daß die Diktatur des Proletariates sie verschuldet habe.?lbcr wie es meist der Fall ist, haben alle diese angeblichen Informationen nur den Zweck, die Verbrechen der sogenannten westlichen Demokratie zu verdecken. Nach meinen amtlichen Informationen ist in Si- birien und dem Kaukasus, den größten Kornkammern Sowjctrußlands, die E r n- t c weit über dem Durchs ch n i t t. Im Norden und Süden des europäischen Rußlands, den nächst großen Gctreidcgcbic- ten Rußlands, ist sie kaum unter dem Durch- schnitt; in den Bezirken von Samara und Saratow beträgt sie 40 bis 50 Prozent des Durchschnittes. In diesen beiden Bezirken ist die Lage am schlechtesten. Daraus geht hervor, daß von Hungersnot in Sowjctrnß- land selbst in diesen beiden schlechtesten Bc- zirkcn nicht die Rede sein kann, wenn auch die Ernte hinter den Hoffnungen zurückgc- blieben ist. Denn auch die Bezirke Samara und Saraiolv werden genug haben, wenn die staatliche Besteuerung aufgegeben wird oder wenigstens werden sie vor dem koin- inenden Januar oder Februar keinen drin- gcnde» Mangel fühlen; und selbst in diesem Falle werden höchstens 0 bis 10 Millionen von den 150 Millionen der Bevölkerung Sowjctsrußlands davon betroffen sein. In einem so gewaltigen Lande ist es eine normale Erscheinung, daß die eine oder andere Gegend des Landes eine schlechte Ernte hat. Es handelt f t di also nicht im gc- ri»flftcii nm ein unerwartetes Ereigni§." Während also die Sowjetregierung Ausruf ans Ausruf erläßt, in denen sie die Arbeiterschaft der ganzen Welt beschwört, den Hungernden zu helfen, während in der ganzen Welt Sammlungen eingeleitet werden, um die Not des ! russischen Volles zu lind-rn,— behauptet der Sowjetkonsul in Australien,„daß von einer Hungersnot... nicht die Rede sein kann" und daß eS sich„nicht im geringsten um ein«ner- wartetes Ereignis" handelt. Mit der Wahrheit nehmen es die Herren Sowjctverircter nicht sehr genau. Tic bürgerlichen Stadtväter von Weipert in Verlegenheit. Die Stadibertrelung von Wei Pert bestand seit der Wahl vom 15. Juni>010 ans 22 Sezialdcmokraten, 0 Tentschdeinokra ten und 5 Tciitschnationalcn. Nach der Tpal tung im Frühjahr traten 0 Sozialdcinokrntcn aus der Fraktion ans und bildeten eine eigene koininnnistische Fraktion. Um Neuwahlen zu erzwingen, benützten die beiden bürgerlichen Parteien diese Gelegenheit zur M a n- da t s n i c d e r l e g n n g, hoffend, daß auch die Kommunisten ihrem Beispiel folgen werden, und daß damit die Auflösung der Stadt- Vertretung erreicht werden wird. Obzwar die sozialdemokratisch-kommniiistischc Mehrheit die Mandatsnicdcrlegniig nicht genehmigte, blic« bcn sämtliche 14 bürgerliche Mitglieder, seit dem 9. Mai d. I. allen StadtvertrctnngS-, Stadtrats- und KoinmissionSsitzungen trotz der Berhängung von Ordnungsstrafen fern. So- wohl das Bürgermeisteramt als auch die De- mokratcn legten im Juli diese Angelegenheit der politischen BczirkSvcrwaltnng zur Ent- scheidnng vor. Mit Erlaß vom 21. September l. I. Zahl 488/2 A wurde nun von der poli- tischen Behörde dem Bürgermeisteramt«: mit- geteilt, daß kein Grund zu behördlichem Ein- schreiten vorliege, und daß auch die Politische LandcSverwaltung keinen Anlaß zur Auflösung der Stadtvcrtrctung finden könne und daß die Behörde angewiesen wurde, gegen diesem- gen Mitglieder der Stadtvcrtrelnng, deren Austritt von der Mehrheit nicht genehmigt wurde, nach 8 88, Absah 8, Zahl 8 des Gc- setzcs vont 31. Jänner 1910, Zahl 75 d. Ges.- Slg> vorzugehen, wenn diese auch weiterhin den Sitzungen fernbleiben. Die Herren wer- den also für die Folge, wenn sie nicht zu den Sitzungen kommen, von der Behörde mit 20 bis 500 Kronen oder 24 Stunden bis 1 Mo- nat Arrest gestraft werden. Ihre Verlegenheit ist den Herren nunmehr, nach dem sie 0 Mo- natc allen Sitzungen fern blieben und bestimmt mit der Auflösung der Ctadtverlreliing rech- nctcn, nicht gering und eS dürfte ihnen einigermaßen schwer fallen, einen Entschluß zu fassen. Zur Bewegung unter den Eisenbahnern. Die Verhandlungen der Eisenbahnerorgani- sationen n. zw. des Verbandes der Eisenbah- ner. der Ititic, der Zcmska Jcdnota und deS Spolek haben gestern Vormittag beim Mini- sterpräsidenten begonnen und wurden nachmit- tags ini Eiseübahnministcrstim fortgesetzt. Ein Ergebnis haben sie n o ch nicht g e- zeitigt. Tie Verhandlungen werden heute um 8 Uhr morgens weitergeführt. Ncbcr die Lehrkräfte in den tschechischen Minderheitsschulen fällt der„Prazskh Vccer- nik" folgendes Urteil:„In den Lehrerkreise» be» trachtet man die Mindcrhcitsschnlcn als eine Art S i r a f I o l o n i c. Die Lehrer, welche auf Bezirkskonfercnzen sich Pathetisch ihres Pa- triotiSmus und ihrer Liebe zur Republik rühmen, wehren sich mit Klauen und Zähnen vor jeder Versetzung ins gemischte Sprachgebiet. So werden diese wichtigen Posten mit jungen» ans den Lehrerbildnngsanst^ten kaum entlassenen Kräften besetzt und es ist also lein Wunder, wenn die Bilanz nicht immer derartig ist, wie sie sein könnte und sollte". Tie Bestattung der Opfer von Oppau. Unter Beteiligung großer BevölkcrungSmaffen und in Gegenwart des Reichspräsidenten, des bayerischen Ministerpräsidenten, des badischeu Staatspräsidenten und Vertreter zahlreicher Be- Hörden und Organisationen wurden Sonntag auf dem LudwigShasener Friedhofe die Tran- j erfrier für die Opfer der Oppaucr Katastrophe i abgehalten. Die französischen Militärbchör- den ivaren durch General Deutelt als Beauftragten der interalliierten Nheinlandskom- Mission und General Tangand ats Beauftrag- ten des Militärbcfehlöhabers General De gouitc vertreten, welche beide vor Beginn der eigentlichen Trancrfeier an den Rcichspräsi- deuten und den bayerischen MinisterPräsidcu »rückgegriffen. Die Rainantiker tun das noch >iel entschiedener, ihr Bedürfnis nach ästheti- chen Reizen, ihre dekadente Freude am Selt- nmcn, Einzigartigen und Originalen macht hnen das Mittelalter auch dort reizvoll, wo S Goethe noch abstieß, in der Vorherrschast eS Katholizismus und des Papstes. Aesthc- ische Gründe, Freude an der alten Herrlich- eit und an bunten Formen, am Prunk des knltus, an Weihe auch und Gesang führen die iomantik zum Katholizismus, sie glauben licht so scbr, als daß sie sich nach Glauben ihnen. Und weil das Volk zwischen der Zeit eS„Götz"(1773) und dem„Wunderhorn" l804) in der Arena der Geschichte viel weiter «rgerückt ist, sind auch die roniantisch-dichte- ischen Abbilder des Katholizismus ganz an «rS mit Volksgeist erfüllt als jene Goethes. Das Gemüt haben die Romantiker dem tatholizismuS wiedererobcrt. den Verstand intcrwarfcn ihm Chanteaubriand. de Maistre tnd nach ihnen der alte Friedrich Scbleacl und sricdr. von Gantz. Sie restanrieren ilm vo itisch. weil sie der Ansklärnng mit Recht die 5chuld an der Revolution gaben. Um die Revolution und ihre Nachwirkungen in Na «leon abzubauen, sahen sie kein besseres Mi! ei, als dem skeptisch, anmaßenden Verstände >en Glauben gegenüberzustellen. Sie wollten ne Reaktion und Legitimität und bedurften »azu der Autorität. Diese aber erblickten sie im Papste. Oder wie de Maistre es forum- krrlr:„Fe mehr Papst, desto mehr Sonverä. «itat, je mehr Souveränität, desto mehr Ein i'c'it, je mehr Einheit, desto mehr Autorität". Japst und Kirche waren ihnen das Mittel, die wankende Welt wieder zur Ruhe und Ordnung zu zwingen, deshalb bauten sie die Macht des Papstes zum Unfehlbarkeitsdogma aus, halfen ihm, das alte römische Weltreich des Geistes, wie es die Kirche bereits im Mittelalter ein- mal besessen hatte, neu zu errichten. Mit der Verkündigung des Dogmas 1870 stand die absolute"Monarchie des Papstes aus ihrer Höhe. Die Bischöfe und Erzbischvfe hörten ans, große, selbständige Fürsten zu sein, und mußten sich mit dem Amt von Proselten und Statthaltern begnügen, alles ist mit imposan- tcr Folgerichtigkeit nach Rom zentralisiert. Das Laienelement, das in der eigentlichen kirchlichen Hierarchie nichts bedeutet, wurde durch andere Mittel gefesselt, welche die Kirche dem"Arsenal der zeitgenössischen Demokratie entlehnte. Co wie sie eS früher verstanden hatte, si-li dem Feudalismus und dem fürstlichen Absolutismus einzugliedern, ja, sich ihnen unentbehrlich zu machen,»so geht sie seit den letzten 50 Jahren mit der Demokratie. Sic schuf Zeitungen, Vereine, katholische Volks- Parteien von der imposanten Organisations- kraft des Zentrums und katholische Gcwerk- schaftc». Sie kümmerte sich um das Turnen, den Wandertrieb, den Gesang und Wissens- Hunger der Leute, schenkte ihnen eine eigene katho!''che Belletristik und vopnlarisiersicheren sogar, wenn auch wgcrnd, die Wissenschaften, selbst Darwin wie schon längst Ko.pernikus und Keppler läßt sie gelten. Nur e i» e Wissenschaft kann die Kirche nicht dulden, das ist die Wis- lenschaft von ihren eigenen Dogmen und My chen. Der Nachweis, wie alte Kulte und Vor- stellungen in Christus zusammenfließen, wie der Christusglaube ganz natürlich und menschlich ohne jedes Wunder entstanden ist, muß den Glauben auflösen und jenen geheiinniS- vollen Bezirk in der Seele des modernen Ka- tholikcn, wohin die Kritik nicht dringt, ans dem Mumienschlaf erwecken. Das mußte 1008 die Enzyklika pasccndi und der Modernisten- cid verhindern. Er wirst die Mythcnsorschcr, einen Loisy, Mure, Schell u. a. von vornhinein ans der Kirche hinaus und schreckt so ab. So unduldsam hier, so duldsam ist die Kirche ihren Politikern aus dem Laicnstand gegenüber, die nicht an den geweihten Bezirk rühren. Sic stützt sie gern durch ihre Autorität. Ihre An- Hängerschaft besteht aus den materialistisch Gläubigen, deren Frömmigkeit in der Ver- chrung von Reliquien, Skapnlicrcn und Hei- ligenbildern aufgeht, und in dem sonst moder- neu Menschen, die sich durch Erziehung, Ueber- liefernng ii. dgl. den religiösen Bezirk noch bewahrt haben. In beiden sind die tieferen Quellen des Glaubens eigentlich tot, trotzdem aber bildet der Ultramontanismns in ihren Seelen eine Unzahl von Hemmungen, die den Fortschritt der Gesellschaft in verhängnisvoller Weise hindern. Wenn die sozialen Kämpfe einmal zum entscheidenden Punkt kommen werden, können sich diese Hemmungen in ihrer ganzen gefährlichen Kraft als Feind unseres Sieges zeigen. Darum gilt eS, durch unermüdliche Erziehungsarbeit den WirkungSbe-- reich ultramontanen Teclenvergiftung immer mehr einzuschränken und endlich zu beseitigen. — cl. 27. September 1921. kn Ansprachen richteten, in warmen Worten ihr Teilnahme zum"Ausdruck brachten und Kränze niederlegten. Der Reichspräsident er- widerte ihnen mit Worten des Dankes, es bc- rühre wohltuend, daß am Grabe der Opfer dieser Katastrophe das menschliche Gefühl sich über die Landesgrenze hinwegsetzt. In glei- eher Weise dankte der bayerische Ministerpra« fibent.— Sonntag nachmittags wurde die Un- glückstätte Oppau durch den Reichspräsidenten Ebert und den bayerischen Mmistcrprasi- deuten L e r ch e n f c l d einer eingehenden Be- sichtignng unterzogen. Die beiden Herren empfingen im Werke eine Abordnung des An- gestellten- und Arbcitcrrates, der sie die wei- testgchendc Hilfe von Reich, Staat und Gc- rneiude» in"Aussicht stellten. Durch die Per- sönliche Besichtigung an Ort und Stelle fan- den die Herren die bisherigen Schilderungen über den Umfang der Zerstörung und über die Not der Bevölkerung und Arbeiterschaft von Gemeinde und Werk mehr als bestätigt. Der Reichspräsident stattete den Verwundeten, in den Lndlvigshafcner und Mannheimer Kran- kcnhäuscrn einen Besuch ab. Da sie morden— warum sollten sie nicht stehlen? Das„Hamburger Echo" brachte vor einigen Tagen eine Nachricht über die Brigade Ehrhardt, die einer breiteren Oeffcntlichkeit zugänglich gemacht werden muß, damit das Bild dieser Brigade, die der Stolz aller Ratio- italisten und Monarchisten war, nach allen Seiten abgerundet wird. Es steht fest, daß die Offiziere der M a ri n c b r i g a d e Ehr- Hardt bei der Auflösung für annähernd 1 Million Mark Heeresgerät— Pferde, Wagen, Geschirre— zwecks Aufstellung eines geheimen Putschregimcnts unterschlagen haben. Haupttäter ist Kapitänleutnant v. K i l- l i n g c r, einer der zurzeit verhafteten Teil- nchmcr an der Mordverschwömng gegen Erz- bcrgcr. Weiterhin wird die Marinebrigadc Ehrhardt beschuldigt, Betrügereien bei der Kassenführung begangen zu haben. Es wird behauptet, daß u. a. für die Besoldung entlassener Kriegsteilnehmer 0 Millionen Mark zuviel abgehoben worden sind. Ein Kapitänleutnant v. Trotha, jetzt in Flens- bürg, und ein Major R c g c n a u c r, Chef der Sicherheitspolizei in Magdeburg, sollen in der Lage sein, nähere Angaben über diese Angele- gcnheit machen zu können.— Diese Enthüllungen vollendeter Korruption passen vorzüg- lich zu dem Bilde, das man bisher von der Ehrhardt Brigade besaß. Nun wissen wir, das; sie neben dem Mordhandwerk sich auch aus Schiebungen und Betrügereien gut der- stehen. Zahlen reden für das Alkoholverbot, das; heißt für die günstige Wirkung, die es in den Bereinigten Staaten ausgelöst hat: In San Franziska ist die Zahl der Verhaftungen im ersten Alkoholverbotsjahr ans 28.047 von 49.047 im Jähre vorher gefallen. Der Poli- zcichcs von Lonisville berichtet, das; im ersten Nüchternhcitsjahr die Verbrechen um 55 Prozent gefallen sind. Für gewisse Ver- gehen betrug die Zahl der Verhaftungen von Juli 1918 bis Juli 1919 7877: im folgenden Jahre nur 1008. In der Stadt Atlantic ist die Zahl der Inhaftierten um 50 Prozent gesunken. Im Zuchthaus von Essex waren 244 Verbrecher am 1. Jänner 1919. Bis zum 1. November 1920 war die Zahl auf 102 zusammengeschrumpft. In vielen Gefängnis- sc» sind nicht genug Insassen, um die nötigen Hausarbeiten zu verrichten. Viele Gefängnisse in den Vereinigten Staaten sind zu verschiede- neu Zwecken umgewandelt worden. Einige zu Gasthäusern, andere zu Schulen oder zu Versammlungsräumen. Massachusetts berichtet, das; auf der Arbcitskolonie im Gegensatz zu 1410 im Jahre 1910 nur 243 Menschen 1920 untergebracht wurden. Selbst in New ?) o r k, wo Vorstöße gegen das Alkoholverbot an der Tagesordnung waren, in die Zahl der wegen Trunkenheit Verhafteten nur halb so gros; wie in den früheren Jähren. In der Stadt Helena, Montana, hat daZ Alkoholverbot die Anzahl der Vergehen derart vermin- dcrt, das; die Straßenverwaltung beschlossen hat, den Raum, der früher zu Polizeilichen Ver- Handlungen diente, hierfür nicht länger zur Verfügung zu stellen. Beschuldigte' lönnen leicht im Amtszimmer des Polizeichess vernommen werden. In Zukunft finden hier alle Verhöre, statt. Inzwischen ist der ver- laffcne Raum von der Feuerwehr als Turn- Halle benutzt worden! Eine Niederlage der deutschnationalcn Eisen- bahner in Tcplitz. Sonntag nachmittags fand in der Ritterburg in Tcplitz eine von der Ge- wcrkschaft deutscher Eisenbahner einberufene Versammlung statt, in der auch die deutsch- nationalen Abgeordneten Dr. Kaibl, Knirsch ""d Patzclt erschienen waren. Gleich bei der Wcchl des Präsidiums zeigte sich zur Ueber- rasch,mg der Herren, das; die Sozialdemokra- teil IN der Versammlung die Mehrheit hatten, ier Hauptreferent, der- bekannte Winter, verriet in seinem Referat nicht mehr, als seine vollige Unkenntnis der Verhältnisse, die ihm mich Genosse Grün zu er, unter dem tosen, den Beifall der Anwesenden gründlich nach. IT 1*'' ,^ e J.^geordnete Knirsch wiederum, der nach Gruiizner da? Wort ergriff, erklärte, er werde diesem„später einmal" in einer p o l c t, s ch e n B c r s ä in in l u n g ant- Worten— so sehr war er diesmal um