tÄahrganz. Ar.it. Mltwoch, Z8. September ISA. Sozialö emokmt ^ cr deutschen sozialdemokratischen virdeiter partet tn der tschechoslowakischen NeZ?ablik. *1?!! böftioit nnd$erioo T t tt tt^^£ q o Ts& oll?~»..., ,^ Telefon 6795, naäjti^''Womnt.abteflei^öjJarbraohat'lprQgi I SuSlidMS^' K* SnihMbw* 1"««""'"««•* flnMitiiq In, San, ob« Be7?«»a bnrch bie"w'pft monatlick 16-- Kc Posisparkassatonto S7b44.*^ I°'"!e.ial,rit-y tg- Rf, halb,«hril, 96- Rf. flam«firl« 102 R?. ffllr DeutlckSlerrelck, monatlich 125- ÜX. für Deutschland IS'- Mk (erscheint mit Ausnahme de« Montag»«glich früh. Nie neuen Männer. .,D«e neu- Regiererci kann also beginnen: die Manner. welche von nun bis auf wei- teres die Neglerungsgefchäft- zu führen ^- fat man nach langem Suchen endlich gefunden, was bei dem vielfach zu- tagcgctretenen Widerwillen, in dieses Kabinett einzutreten und bei der Spärlichreit an ministrallen Persönlichkeiten unter den koalierten Parteien, schon keine leichte Auf- gäbe war. Worauf auch der Umstand hin- deutet, daß Svchla. d-r in Aussicht genom- mcn war, an die Spitze des Ministeriums zu treten, in der l-htcn Stunde in der Per- fenkung verschwand und mit der in den alten griechischen Schauspielen beliebten Ur- Plötzlichkeit wie der bekannte Gott aus der Maschine als Premierminister Dr. Bmesch emporstieg, gerade Dr. Benesch, an dessen Kommen am allerwenigsten gedacht worden war. Benesch, der auch weiterhin Minister des Acußern bleibt, hat, da ex wegen der Konserenzen Westungarn betreffend, fast ständig auf Reisen war, an den VerHand- lungeri über die neue Regierungsbildung nicht teilgenommen— er übernimmt also ein Ministerium, an dessen Zusammen- stcllung er ganz scbuldlos ist— und da er auch sonst viel von Prag abwesend ist. so fiel es Niemandem ein, an die Möglichkeit sei- ner Ministerprnsidcntschaft zu denken, denn man konnte nicht ohncweitcrs annehmen, daß ein Ministerpräsident sein Gewerbe auch im Umherziehen betreiben könne. Aber offenbar war man im letzten Augenblick durch irgendwelche außenhin unbekannte Vorgänge in Bedrängnis geraten, worauf, um daS Ministerium übcrbaupt zustande zu bringen, Benesch die Rolle deS rettenden Engels übernehmen mußte. Einige tschechische Blätter wollen aller- dingS wissen, daß nicht der Zufall der Ver- lcgcnhcit, sondern weise Voraussicht bei sei- ner Wahl zum Ministerpräsidenten bcstim- mend war. Dr. Benesch soll, so beteuern sie, die besondere Mission haben, den Aus- gleich mit den Deutschen durchzuführen, zu welcher Mission er wegen seiner gefestigten Stcllung in besonderem Maße befähigt sei. Wir wollen Dr. Benesch die Befähigung zur Durchführung dieser brennendsten Aufgabe nicht ohncweiters absprechen, denn es will uns scheinen, daß diese Befähigung nach- gerade jeder besitzt, der eines guten Willens ist Auf deutscher Seite sind die Verhält- Nisse für den Ausgleich sicherlich reif und es wäre Dr. Benesch schon der Ehrgeiz zu wünschen, seine politische Unabhängigkeit «ur Lösung dieser Frage zu verwenden. Er wird vorerst freilich auf Unglauben stoßen, denn die Geschichte des Memoire? III und einige andere Dinge sind noch in zu leb- hastcr Erinnerung, um so leichthin an seine freundlichen Absichten zu glauben, ab-r eS liegt im Willcnskretse Dr. Benesch, durch ehrliches, festes Wollen und guten Willen Vertrauen zu werben und dadurch die Deutschen dem Gedanken zuzuneigen, daß seine unerfreuliche Vergangenheit insofern? milder zu beurteilen ist, als er als junger Diplomat die Begriffe, Diplomatie und , UnWahrhaftigkeit zu verwechseln geneigt war Die übrigen Männer des Kabinetts, das also kein rein parlamentarisches ist, stellen zusammen eine solche bunte Mischung dar, daß durch sie die Erwartung auf Bewalti- gung größerer Aufgaben auf ein Nichts her- abgedrückt wird. Di- tschechischen Sozial- demokraten haben im neuen Ministerium, nicht wie sie beanspruchten, vier Porte- feuillez, sondern nur drei erhalten, dagegen hat der Einfluß der tschechischen National- demokraten durch die Besetzung zweier Ml- nisterstühl- mit Beamten eine wesentliche Verstärkung erfahren, der nun, obwohl sie Im ift ÄÄÄ"D«H®|"« nicht„n«s«m.«M dl. bSrotoi tsch-chlsch.» Sozial-, Em,»mm» de» Ad«,®r.® 01 a n 81 n»tun .' 0. I Iustizminifter. der wegen seiner Urbanen der Leitung des Ministeriums für Umgangsformen und seines ruhigen, freund- Mit Landesverteidigung wurde der Agrarier U d r S a l betraut, einer der führenden Män- »er der tschechischen Agrarier, der schon im österreichischen Abgeordnetenhaus- für.Halm und Ahr" kämpfte und den seine Partei da er ein immer bereiter Redner ist, und sozu- sagen repräsentativ wirkt, bei allen Rede- schlachten voran schickt. Diese Schlachten machen Udrital einzigen militärischen Ruhm aus und seine Hauptbefähigung zum Lau- dcSvcrteidigungsminister dürfte wohl in sei- nein martialischen Aeußern zu suchen sein. lichcn WesrnS auch bei Gegnern pcrfönliche Sympathien genießt. Er gehört der tschc- chilchklcrikalcn Partei an. Minister für Vereinheitlichung der Ge- sehgebung wurde der slowakische sozialdcmo- kratische Abgeordnete Dr. Ivan Derer, wozu nur zu sagen tvärc, daß die Auflassung dieses überflüssigen Ministeriums ein nütz- liches Ersparnis bilden ivürdc. Zum Postministcr und VcrsorgungSmini- ster wurde der tschechische Sozialdemokrat Anton Srba ernannt. Ein eifriger Der bisherige Ministerpräsident Lernt, kenntnisreicher Mann, der'sich gewiß auch ubernimmt die Leitung des Ministeriums'~~ des Innern. Offenbar soll er, der gegenüber den Kommunisten bisher eine so starke Hand und gegenüber«^zedierenden Konnationalcn in dieser Stellung bewähren wird. Di- Führung des Ministeriums für so- zialc Fürsorge übernimmt Abg. G u st a v H a b rm a n. Sein Wirken als Unterrichts soviel Milde und menschliches Verstehen 1 minister war kein glückliches. Es ist ihm nun zeinte, das Element der Ordnung dar- stellen. Aber da daS Ministerium auch sonst manche Belastung zeigt, ist über den Ge- schmack, ihn aufzunehmen, der durch seine Ministertätigkeit so belastet erscheint, zu staunen. Das Uiitcrrichtswescn hat man an Dr.\ Vavro Srobar, man muß schon sagen,! ausgeliefert. Dr. Srobar war bekanntlich" nach erfolgter Besetzung der Slowakei bc- vollmächtigtcr Minister für die Slowakei und hat durch die Art, ivie er das Land ver- waltete, wohl das Meiste dazu beigetragen. einige Gelegenheit geboten, seine Fehler durch nationale Unparteilichkeit gutzu machen. Der ehemalige PrckttmmfW Abg. Sta» n 6 k wurde zum Minister für Landwirt- schaft bestimmt. Seine prächtige, robuste Gesundheit würde ihn auch zur Uebcrnahme jedes anderen Ministeriums befähigen. Minister für öffentliche Arbeiten wurde der Nationalsozialist Alois T u C n h, GesundheitSminister der auf dem linken Flügel der nationalsozialen Partei stehende Abg. Dr. N r b c n s k y, welcher dafür bc- kannt ist, die parlamentarischen Gepflogen- Helten um Ohrfeigen bereichert zu haben, die er einmal einem klerikalen Abgeordnete» verabreichte. Hoffentlich wird ihm diese Tä- tigkcit bei seinem Kollegen Schramek nicht weiter schaden. Zu nennen ist noch der Minister für dir Slowakei, Dr. M i ä u r a, der wieder in das Kabinett aufgenommen wurde. Alles in allem ist eß wirklich ein Ministerium der Ueberraschungcn, wenn auch nicht der freudigen. Die größte Ueber- raschung allerdings würde darin bestehen, ivcnn dieses Ministerium wirklich etwas zus ' stände brächte. Benesiii über iBeslimsam. ........j- j.... nicht aus eigener Initiative vermittelnd auf- die Slowaken gegen die tschcchosiowakische! getreten, sondern von ungarischer Seite um Gestern hat Ministerpräsident Dr. B c- nesch dem Ausschuß für AcußereS des Abgeordnetenhauses in ausführlicher Rede Mit- ieilnng über seine Bolitik in der westungari- schcn Frage gemacht. Ter Minister erklärte, Herrschaft aufzubringen. Wie so vieles an diesem neuen Ministeriuin dem Zufall zuzu- schreiben ist, so auch die Zuweisung dieses Portefeuilles an Dr. Srobar. Alle koalier- ten Parteien waren bestrebt, das Porte- scuillc des Unterrichtsministeriums für sich in Anspruch zu nehmen und da eine Einn Vermittlung ersucht worden zu sein. Diesen Wunsch habe er im Interesse der Friedens erfüllt. Zu Befürchtungen, daß cö zu be- waffnetem Eingreifen kommen könne, sei kein Grund. Ungarn habe von der Entente ein bis 4. Oktober b c f r i st c t c s Ultima- t u m erhalten und daraufhin erklärt, die Bc- gung nicht erzielt werden konnte, gn,f m pwgungen erfüllen zu wollen. Sollte die? schließlich, damit Niemand recht e,a, p.^ t geschehen, dann allerdings könnten nach Lrobar. Man kann nur wunichcn. d y Komplikationen eintreten, dann jedoch Srobar im Unterrichtsministerium nicht so bcr Ministerpräsident nicht selbst ungeschickt haust, wie er dies in der^^- oilt'chciden, sondern die V o l k s v c r t r c- kei tat, sonst wurde dicS für da-? c,"tnng werde rechtzeitig zu den Ereignissen verhängnisvoll ai.s,chlagen. Stellung nehmen können. Den Stinnesgeist, wenigstens soweit es die Scharfmachern gegen die Arbeiterschaft.„..^^ betrifft, wird wohl der zun. Handels,,,inistcr^^cva.ie an. ,n bestellte Abgeordnete Ladislaus 91o s v ak in das Kabinett mitbringen. Er ist Ehcf der Maschinenfabrik Novak& Eomp. und hat als nationaldcinokratischer Abgc- ordneter sich bisher ausschließlich als Unter- nehmcrvertreter betätigt, indein ex allen sozialpolitischen Gesetzen zähen Widerstand entgegensetzte. Das schwierige Amt des Finanzministers wurde dem Direktor des Bankamtes, A u- g u st Novak, übertragen. Bedenklich ist, daß er von Dr. Naschin, dem die Tür vor der Nase verrammelt wurde, vorgeschlagen wurde. Da bei uns Priester in besonderem Maße die Befähigung zum Eisenbahnberuf haben, wurde Abg. Monsignore Schramek Eisenbahnmlnistcr. Schramek wird aber ge- Miß in, Ministerium sich weniger auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens als auf jenem der Schule und Politik zu betätigen suchen. Er war einer der Hauptkulissenschieber der „Pßtla", ist ein Meister des Parlamentär,- scheu Jntriguenspicls und wird bei seiner Schlaue sicher bald den stärksten Einfluß im Ministerium besitzen. Aus zähestcm Stoffe geformt, ist er ein fanatischer Klerikaler ünb wäre, in früherer Zeit geboren, zweifellos eine Art Torquemada geworden. Ein Ml- nisterium, in dem Schramek sitzt, ist zur Durchführung der Trennung des Staates von der Kirch« schlankweg unfähig. Ter Rede deS Ministerpräsidenten schloß der Genosse Dr. C z e ch die Stellung unserer Partei Präzi- sicrtc. Genosse Dr. Czech verurteilte cS inSbc- sondere, daß die Volksvertretung durch eine Gchcinidiplomatic vor fertige Tatsachen ge- stellt werde. Tie deutsche Sozialdemokratie halte an dem Selbstbestimmungsrecht der Bö!- kcr fest und sei ans Prinzip gegen jedes bcwaff- nctc Eingreifen der Tschechoslowakei zwecks Durchsetzung der FricdcnSdiktatc. Die Entente selbst möge in der Frage des BurgenlandcS, die die Folge ihrer FricdcnSdiktate ist, Orb- nung schaffen. Zum Schluß gelangte» die Erklärungen des Ministerpräsidenten zur Abstimmung, wobei sämtliche Parteien bis ans die deutschen Sozialdemokraten und Kommuni- st e n die Erklärungen Bcneschs zur Kenntnis nahmen. Die D e u t f ch b ü r g c r l i ch e n find der Sitzung ihrem AbstimmungSbefchluß gemäß ferngeblieben. Di« Rede des Ministers. Der Minister erklärt, eS fei notwendig, über die letzten Ereignisse, die mit der west- ungarischen Frage zusammenhängen, Bericht zu erstatten, um die in der letzten Zeit auf- getaucht«» Gerüchte und Befürchtungen, daß sich aus der gegebenen Situation irgendwelche Gefahren ergeben können, zu zer- streuen. Die westungarische Frage halte seit mehr als einem Monat die Oeffentltchkcit Europa? in Aufregung. Der Minister be- spricht die Bestimmungen des Friedensvertrages, denen zufolge einige Komitate B.st- Ungarns an Oesterreich zu falle» haben, die im Anglist unter Mittvirkling einer interalliierten Kommission an Oesterreich hätten übergeben werden sollen. Doch es kam. so sagte der Minister weiter, zur Reokkupation durch die Ungarn, obwohl dt« Verbündeten sich bemüht hatten, eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen Oesterreich und Un- gern herbeizuführen. Die Schuld an dem Konflikte liegt an der ungarischen Regie- rung, welche verschuldete, daß die Friedens- ! bcstiminnngen nicht erfüllt wurden. Unter diesen Umständen, besonders aber als ich aus Genf zurückkehrte und die Nachricht er- ! hielt, daß mobilisiert werde, daß in den klei- neu Grcnzgemcinden Garnisonen versam- ■ mclt werden, daß in Westnngarn einige tan- j sende Soldaten stehen und Banden sich bil- den, wurde von unserer Seite den Verbündeten eine Note übermittelt, in welcher ge- fordert wurde, daß der Friedensvertrag von Seiten Ungarns eingehalten werden müsse und in welcher darauf aufmerksam gemacht wurde, daß ans diesem kleinen Konflikt leicht eine große Frage entstehen könnte, wenn der Konflikt nicht rasch ausgetragen werde» würde. Daraufhin erschien bei mir am Mittwoch der vorigen Woche ein ungarischer Politiker, der schon früher an unseren Kon- fcrenzen über wirtschaftliche Fragen mit Un- garn teilgenommen hatte und der, als die Rede auf Westungarn kam, mich frug, ob die tschechoslowakische Regierung nicht in der wcstungarischen Frage intervenieren möchte, um zu ihrer friedlichen Austragung bcizu- tragen. Ich antwortete ihm. daß es meine Pflicht wäre, immer für den Frieden zu wir- Den, besonders deshalb, weil es bei einer uichtfriedlichcn Austragung der wcstungarischen Sache zu Z w a n g s m aß n a h>n e n kommen würde, bei welchen wir ge- zw un gen wären, zu intervenie» re». Die grundsätzliche Bedingungen bei allen Verhandlungen von unserer Seite bil- det die Dnrchsctmng der Fricdensbedingun- ge» und die Ucbergabe des Territoriums in die Hände der Generale der Entente. Hier- ans bat mich der Delegierte der österreichi- scheu Regierung, einige ungarische Detail- sorderungen vorzulegen. Ich versprach ihm, den österreichischen Kanzler Schober darüber zu informieren und ihm dann weitere Mit- teilungcn zu machen. Ich setzte sofort das Königreich Jugoslawien, Rumänien und die große Entente von meinet Information .©cttc;j. In Kenntnis, wendete mich telephonisch noch Donnerstag an den Kanzler Schober und vereinbarte, an der österreichischen Grenze zu einer näheren Aussprache mit ihm znsam- wen zu komme». Bei dieser Zusammenkunft wurde ich gewahr, das; die Bewohnerschaft Oesterreich? eine friedliche Beilegung der ganzen Angelegenheit wünsche. Der Kanzler Schober kam mit mir überein, nach Ein- Holling der Stellungnahme des Ausschusses für Aeußcres mich über alle weitere» Schritte 31, verständigen. Freitag habe ich den Staudpunkt Schobers der ungarischen Regierung mitgeteilt und nach meiner Rück- kehr nach Prag sowohl die kleine als auch die graste Entente von den Ergebnissen unsc- rer Unterredung verständigt. Am Sonntag erhielt ich vom Kanzler Schober eine Nach- rieht, in der er mich um Intervention behufs friedlicher Beilegung dcS Streitfalles ersuchte, gleichzeitig aber die Notwendigkeit von Garantien gegen das Vorgehen der Banden in Wcstungarn verlangte. Zugleich erhielt ich von unserem Botschafter in Budapest die Mitteilung, das; der Minister des Neuster» Banffy nach B r ü n n k 0 m»1 c n w i l l, um über die Si- tnation z» spreche». Inzwischen war aber der offizielle Wortlaut der Note der Alliierten an Ungarn eingelangt, welche forderte, das; bis zum 4. Oktober Westungarn bedingungslos geräumt werden müsse, andernfalls würden Zwangsmast- nahmen ergriffe» werden und falls noch ein weiteres Verhandeln nötig sein sollte, die Alliierten bereit seien, dazu beizutragen. In B r ü n n teilte mir Minister B a n f f h die Ansicht der ungarischen Regierung mit und ich bestand darauf, das; die erste Bedin- gung der Verhandlung sei, das; die Bedin- giing der Alliierten bis zur festgesetzten Frist erfüllt wird, oder aber dost es notwendig sei, daß der ganze Konflikt vorher ausgc- tragen werde. Ich erklärte mich bereit, den Alliierten und allen sonst interessierten Mäch- ten mitzuteilen, über welchen Punkt sich Oesterreich und Ungarn geeinigt hätte» und wie mir die ganze Situation in Wcstungarn erscheint. Ich versicherte ihn. dost uns an der Erfüllung des Friedensvertrages und an der friedlichen Austragung des Konfliktes gelegen sei. Minister Banffh erklärte, das; die unga- risctie Regierung der Note der Alliierten cnt- sprechen»verde, dast aber die irregulären Banden in Westungarn eben jenes schwierige Problem bilden, für das die ungarische Re- gierung bei der heutigen Situation nicht verantwortlich gemacht werden könne. Trotz- dem die Situation ernst sei, war sie niemals eine derartige, das; man unmittelbar vor einem Krieg gestanden sei. Immerhin berge sie für die Nachbarstaaten Ugarns durch die Anarchie im Burgenland, namentlich wirtschaftliche und verkehrstechnische Ge- fahren in sich. Nichtsdestoweniger habe die tectzech slowakische Regierung an keinen Krieg gedacht, auch nie ein Ultimatum gestellt, und nie war von einer Besetzung durch tschccho- slowakische Truvvcn die Rede, weil wir in dieser Sache stets im Einvernehmen mit der großen und kleinen Enteute vorgehen woll- ten und sie über alle unsere Besprechungen und Unternehmungen sofort in Kenntnis ge- setzt haben. Die Angelegenheit dürfte also bis zum 4. Oktober erledigt werden, da an- zunehmen ist, das; bis dahin West Ungarn von ungarischen Truppen geräumt werde oder aber die ungarische Regierung zu einer anderweitigen friedlichen Lösung der westungarischcn Frage im Einver- nehmen mit der österreichischen Regierung gelangt sein wird. Es ist immerhin möglich, daß auch im Falle eines friedlichen Abkom mens zwischen der ungarischen und der österreichischen Regierung das Banden- und Freischärlerunwesen in Westungarn nicht aufhöre und in diesem Falle könnte es dazu kommen, das; im Auftrage der Alliierten die österreichische oder ungarische Regierung zu Z w a n g s m a s; n a h m c 11 gegen diese Banden greifen müßte. Die Debatte. Bubnit(Kommunist) protestiert gegen__bic nicht rechtzeitige Einberufung des Ausschusses. Die Bauden in Westungarn seien organisierte Banden der ungarischen Regierung. Er stellt an den Minister die Anfrage wie Weit Aktionen der Tschechosiowatei gingen, wenn sich Aktionen als notwendig erweisen würden. Abgeordneter Genosse Dr. Czech erklärt, ge- gen die uiidemokratischen Methoden deS Außenamtes auch in der we davcst. Sie sind in Zivil gekleidet, mit Ge- wehr und Handgranaten ausgerüstet. Vom Dctachemcnt Osztcnburg sind derzeit 4- bis 5000 Soldaten in Oedcnburg. Auch bei diesen sind einige hundert Hochschulen Diese tragen meist ihre militärischen Uniformen, beteiligen sich aber zumeist in Zivil an den Bandcnuntcr- nchmungcn. In Oedcnburg ist auch A r- t i l l e r i c. Auf einer Höhe bei Ocdenburg sind drei 2 4- c m.-M ö r s c r in Stellung gegangen. Osztcnburg erklärte kürzlich, er habe in Budapest den Auftrag erhalten, entwc- der abzudanken, oder sich ans Wcstungarn zu- rückzuziehen. Er nehme den Auftrag aber nicht er n st und werde We st Ungarn keineswegs räumen, sondern es bis zum letzten Blutstropfen vertei- d i g c n. Die OSztriibnrger Formationen propagie- ren folgende Gedanken: Ungarn müsse sich deutsch orientieren und es wäre für Ungarn am besten, als völlig autonomer Bundesstaat m Deutschland aufzugehen. Da Preußen für eine Monarchie nicht mehr reif sei. müsse eine Monarchie in Bayern, Oesterreich und Un- garn geschaffen werden. Als Herrscher müsse nicht gerade König Karl in Betracht kommen, cs^könne auch ein Wittclsbacher sei». 0» Siidgral> en im Burgenland wurde die Bevölkerung von ungarischen Banden ans- gefordert, die Feldfrüchte schleunigst einznbrin- llen. In Ober-Falle ndorf und in Lacken b a ch wurden die Einwohner ge- ^zwungcm^insgesamt A.000 ungarische Kronen i 28. September 1921. Alls neue Ministerium. Begrüßung durch die tschechische Presse. ^-ie Begrüßung des neuen Ministeriums fc irch die tschechische Presse, selbst durch diesem- (ji:u Blätter, die den Parteien angehören, aus denen sich die neue Regierung zusammensetzt, ist eine a u f f a l l e u d k u h l e. Man merkt es das; sich die Schreiber der verschiedenen Artikel zwingen mußten, ein paar freundliche Begru- ßungSWorte zu finden. Tie„N a r o d n i L i st y" denken an nichts anderes, als daran, das neue Ministerium mögt: den tschechischen Kapitalisten Gelegenheit geben, in Ruhe ihre P r o s i t e e i n z n s a ck e u. Das ffiloii schreibt:„Die neue Regierung muß der Pe.re.ie: Ordnung und Achtung vor den G:- setz'» treu bleiben. Wir dürfen nicht viel und nicht überstürzt Gesetze machen, sodas; sie sich einleben können... Weg mit den Schlagwo»- ten, welche die einen aufregen, f;e anderen vor den Kopf stehen und der Entwicklung des Wirtsch. f klebens schaden. Wir gaben schon ge- nug Schlagworte und genug des Kampfes um wehende Fahnen. Regierung und Parteien müssen sich zusammensetzen, erwägen, was zweckmäßig und möglich ist. damit wir die ru- hige Entwicklung und Konkurrenzfähigkeit nicht stören, aber damit Ivir auch diejenigen sind, welche arbeiten und erzengen wollen." Die„Narodni Politika" glaubt, das; außer dem offiziellen Programm, welches der Mi- Nisterpräsident entwickeln wird, die Regierung auch ein inoffizielles Programm haben werde. „Der neue Ministerpräsident wird einen ernsten Versuch der Regelung der Ver- Hältnisse der staatlichen Minder- Helten, hauptsächlich der Deutschen zur R e» publik unternehmen. Man kann als sicher annehmen, daß zwischen den Deutschen und der neuen Negierung neue Beziehungen angebahnt werden, die vielleicht dem deutschen parlamen- tarischen Verbände die Rückkehr in die Ratio- nalversammlung möglich machen werden; es scheint, daß es zu diesen Verhandlungen sehr bald kommen wird." Merkwürdig inhaltslos sind die Erwägun- gen, die der„V e n(o v", das Blatt der Agra- rier, der neuen Regierung widmet:„Die Kraft der neuen Regierung wird der Stärke, mit der sie die Mehrheitsparteien stützen werden, ent- sprechen. Und es ist im Interesse dieser Par- teien, ja, im Juteresse des ganzen Staates, daß die neue Regierung stark sei, denn nur eine solche tann für uns die Bürgschaft einer ruhi- gen Weiterentwicklung des Staates sein, und nur eine starke Regierung kann die unerläß- lichen Voraussetzungen herbeiführen, welche der Staat zu seiner Entwicklung braucht." DaS„C e S l c Slovo" bemüht sich, seinen Lesern auseinanderzusetzen, daß die tschechischen Nationalsozialisten in die Regierung gehen mußten:„Es war nicht möglich, daß unsere Partei sich für die Opposition entschied, nie- mand könnte sagen, was dann gefolgt wäre, die Wahlen wären ein Sprung ins D u n k l e g Wesen und konnte ihr Ergebnis in einer Hinsicht vorausgesagt werden, so wäre das nur die Verschlechterung der inneren Ber- Hältnisse in der Republik. Damit war unsere Taktik gegeben. Es war notwendig, ein ehr- lichcs Kompromiß zu suchen und dahin zu arbeiten, daß die parlamentarische Arbeitsmehr- heit sich verwandle in eine Regierungsmehrheit. Es war dies kein leichtes Arbeiten, wie die ganze Geschichte der Pelka und des Endes der parlamentarischen Tagung erwiesen hat, es war dies kein erfreuliches Arbeiten, was jeder be- greifen wird, der die tiefen programmatischen Unterschiede zwischen den Parteien kennt, die gezwungen waren, eine Lösung zu finden. Aber Rot bricht Eisen." Weiters glaubt das Blatt, daß die neue Regierung keine vorübergehende sein wird, weil Dr. Benesch zu so etwas seinen Namen nicht hergegeben hätte. Nach dieser Ne- gierung kann nichts anderes als ein neues Parlament kommen, und sie kann deswegen erst dann von einer anderen Negierung abgelöst werden, bis man wird vor- aussehen können, daß sich die Partciverhältnisse in dem Maße gefestigt haben, daß Neuwahlen Ergebnisse bringen, die der Parteigruppierung der Nation auf eine Reihe von Jahren ent- sprechen." „P r a v o Lid u" betont die Notwendigkeit der Uebernahme des Ministeriums für soziale Fürsorge durch einen tschechischen Sozialdemo- kraten, weil diesem die große Aufgabe zufalle, die Alters- und Jnvaliditätsversicherung durchzuführen. Ueber die politische Situation stellt das Blatt dabei folgende Erwägungen an:„Un- sere Partei ist sich der großen Verantwortlich- keit bewußt, welche sie durch die Teilnahme an der Regierung auf sich nimmt und hat— wie die Ministerliste bezeugt— wohl erwogen, in welchem Maße sie die Verantwortung bei der heutigen Situation übernehmen kann, ohne die Interessen der Arbeiterklasse, die In- teressen des Staates und die Interessen der Partei, die sich nach heftigen innerpolitischen e«|f«ii Ärifeit in Rekonvaleszenz befindet, zu schädi- ^."'r® c" n das deutsche und tschechische sozia- nststche^ager in der Tschechoslowakei zu ge- »'einsamer positiver politischer Arbeit vereint wäre, würden die Dinge freilich anders aus- sehen. Heute müssen wir damit rechnen, das; unser Abgeordnetenklub durch den Abgang der Kommunisten um ein Drittel geschwächt wor- den ist, und das; unter den deutschen Sozialdemokraten dabei bisher die Ansicht überwiegt, es sei der deutschen Arbeiterklasse nützlicher, wei- (er auf den phantastischen Wegen einer natio- nalrevolutionären Republik zu schreiten und ihre Klasseninteressen auf ein Nebengleis zu schieben.(Das; die deutsche Arbeiterklasse die Klasseninteressen vernachlässigt, wenn sie nicht in die Regierung eintritt, ist die ganze Weis- heit des„Pravo Lidu". Anm. d. Red.). Die Frage der Parlamentsmehrheit ist bis zu einem gewissen Grade auch eine Frage der Fahl und da sehen die Dinge so aus, daß statt der beut- scheu Sozialdemokraten in die Regierung die ungefähr gleich starken tschechischen Klerikalen und statt der kommunistischen Abgeordneten die Nationaldemokraten eintreten. Ter Staat muß leben, ohne Parlamentarismus kann er nicht leben und ohne Mehrheit gibt es keine parla- mentarische Ordnung." Auch die„Tribuna" glaubt, daß durch die Berufung des Dr. Benesch auf den Posten des Ministerpräsidenten man es mit dieser Regie- rung ernst meine.„Allein, man kann nicht sagen, ob Dr. Benejch dauernd an der Spitze des Kabinetts bleiben wird, oder ob er sich nach einiger Zeit nicht auf sein auswärtiges Amt be- schränkt und den Vorsitz etwa dem Herrn S v e h l a übergeben wird. Das könnte geschehen, wenn die Auswärtigen An- gelegenheilen eine solche Wichtigkeit gewinnen würden, daß sie ungeteilte Aufmerksamkeit be- anspnichen. Sicher ist. das; ein Kabinett mit Dr. Benesch an der Spitze sich in der Fremde einer sehr günstigen Beurteilung erfreuen wird und daß seine Persönlichkeit, welche ein ernstes Programm und eine glänzende Taktik bedeutet, für uns i n n e r p o l i t i s ch e i n u n- b e st r e i t b a r e s Plus ist. Hoffen wir, da es uns gelingt, in unsere Innenpolitik etwas von den Erfolgen zu übertragen, mit denen unsere auswärtige Politik geführt wurde." „Rüde Pravo" vergleicht die neue Regierung mit der Regierung Kramarsch und schreibt: „Kramarsch hatte den Borteil, das; er eine Na- tionalversammlnng hinter sich hatte, die ans den Vertretern einer einzigen Nation bestand. Der neue Ministerpräsident hat jedoch eine starke Opposition— zuweilen Obstruktion— andersnationaler Elemente, Deutsche und Ma- gharcn und die sozialistische Opposition der kommunistischen Arbeiterschaft gegen sich. Die Revolutionsversammlung hat mit seltener Ein- mütigkeit gearbeitet. In der gewählten Nationalversammlung kann sich die Negierung nur auf die Abgeordneten von fünf Negierungspar- teien stützen und dazu nicht einmal ans alle. Der Kampf um die Ministerposten hat zur Folge, das; die Kandidaten, welche leer ausgingen, in den Klubs Führer von Gruppen bilden, die der neu eingesetzten Regierung von dem Tage ihrer Geburt Schwierigkeiten bereiten und auf ihren Sturz hin arbeiten werden. Die neue Re- gicrung kann nicht mit der überwie- g e nd e n Mehrheit der Nationalversamm- lung rechnen, ja, nicht einmal mit der bereitwilligen Unterstützung aller Regierungsabge- ordneten. Sie hat gegen sich die Opposition der Arbeiterschaft und die nationale Obstruktion." Tas einzige Blatt, welches mit Begeisterung die neue Regierung begrüßt, ist daS Amtsblatt „Ceskoslovenska Repnblika". Das ist ja der Beruf der Regiernngspresie, jeder Regierung zu dienen, dos Lob jeder Regierung zu singen, mag der Ministerpräsident wer immer sein. „Alles, was die Regierung Benesch braucht," so schreibt das Blatt",„ist die Loyalität deS Parlaments und das Vertrauen der Bewölke- rung. Wir hoffen, daß sie beides in dem Maße bekommt, wie sie es verdient, und das; ihr dies eine Stärkung zu fruchtbarer, freudiger Arbeit sein wird." Das selig im Herrn entschlafene „Wiener Fremdenblatt" hätte eine Regierung des alten Oesterreich nicht mit anderen Worten begrüßt. Die albanischen Unruhen nnd das europäische krkiftespiel. Die knrzsilbigen Berichte der Südslatven las- sen uns nur das eine erkennen, daß die Alba- liefen wieder einmal in Unruhe geraten sind, »as leidenfchaftlich-nngezährnte Bolk, dessen Siedluiigsbereich sich viel weiter ausdehnt, als die ihm heute zugewiesenen Staatsgrenzen, hat seinen verschiedenen Herren, den Byzanti- nern und(seit 1479) den Türken, fortwährend zu tun gegeben, seine Kampflust ließ es Verbindungen mit wein immer eingehen, um den augenblicklichen Gegner mit noch größerer Wucht befehden zu können. Wenn die verfchie- denen Nachbarn, die Griechen, Serbelt und «»»Irar Italiener sich in Albanien festzusetzen suchten, o lag das gewiß nicht an dem armen, im In- nern kaum zugänglichen Lande. Wohl aber reizen dessen Hafenstädte, wie Dnrazzo nnd Valona die Habgier jener Reiche, die das adri- atische nnd ionische Meer beherrschen wollen. Deshalb machte Italien nach 1911) die Albaner gegen die Türkei mobil, deshalb stritten wäh- rend des Balkan- und des Weltkrieges die der- 'chiedeueu Balkanfürsten um den Besitz des Landes. Wenn heute die Albaner gegen ih- reu nordöstlichen Nachbar, den jugoslawischen Staat ausbegehren, so leisten sie damit Italien wertvolle Dienste. Denn im adriatischen Meere sind jetzt Südslawen und Welsche die entschiedensten Konkurrenten. Auch die Un- garn dürfen sich des unerwarteten Bundesgenossen freuen. Im Südwesten gebunden, kann sich ein wichtiges Glied der Entente, dessen Be- wegnngen Italien so wie so mißtrauisch vcr- folgt, noch weniger rühren nnd muß sich hü- ten, agressiv zu werden. Die Habsburgische Reaktion kann solcherart ein wirklicher Ak- tivposten der europäischen Gegenrevolution werden, ähnlich wie die Griechenland gegen über siegreiche Türkei. Frankreichs Politik ist durch das Zusammentreffen dieser Umstände heute weit aussichtsreicher als noch vor weni- gen Wochen, man merkt daS an Englands veränderter Haltung: Es zieht plötzlich Rußland gegenüber scharfe Saiten auf, die„Times" hetzen gegen Deutschland nnd der Völkerbund- rat erwägt in Oberschlesien die Rückkehr zu einer der Sforzalinien. In der Stärkung der französischen Stellung liegt die für Italien ungünstige Seite der neuen Situation beschlos- sen, denn wie in Jugoslawien, so muß Italien in Frankreich, was die Mittelineerinteressen anlangt, einen gefährlichen Widersacher erblicken, so wie Deutschland mangels jeder Rei- bungsfläche sein natürlicher Bundesgenosse sein müßte. Ans dieser Erwägung heraus, und um Belgrad den Rang abzulaufen, mag Italien ursprünglich geplant haben, in der Frage des Burgenlandes den österreichischen Deutschen energisch beizuspringen. Jetzt ist von dieser Absicht nicht viel mehr zu spüren, die Wirren im Balkan nnd in Kleinasien wir- ken sich in ihren letzten Folgeerscheinungen deutlich»ach Europa ans. Fit ihren Schick stileu ist, wie man sieht, die heutige Welt eine eng verbundene Gesellschaft. Aber die macht- vollen Reste des feudalistischen nnd der Ge- waltban des kapitalistischen Systems dulden nicht, daß diese Gesellschaft auch die ihr ange- messene Form e-neS wivfGbnt Völkerbundes annehme. Die wcstungarische Gefahr. Friedrich kündigt„Handlungen" an. Budapest, 27. September.(Tsch.-P.) Ge- stern abends versammelten sich in Ofen vor der Wohnung des Abg. Stefan Friedrich mehre- rc hundert Demonstranten, die unter lebhaften Eljcnrufe» Friedrich zu hören wünschten. Er erschien auf dem Balkon und dankte in kurzer Rede für die Ovationen, indem er erklärte, daß die Zeit der Reden nnninehr vorbei sei und er jetzt z u h a n d e l n b e a b s i ch t i g e. Die Regierung mimt Korrektheit. Budapest, 26. September.(Tsch. P.) Ein Teil der österreichischen Presse veröffentlichte die Meldung, daß die ungarische Regierung in ihrer auf die jüngste Ententenote erteilten Ant- wort erklärt habe, nicht in der Lage zu sein, Westnngarn zu räumet), da dies die innerpoliti- sche Lage umstürzen würde. Das Mag. Tel. Kor. Bur. wird von zuständiger Seit? zu der Erklärung ermächtigt, daß die magyarische Re- giernng eine derartige Note niemals an die Alliierten gerichtet habe. Die Entente und Deuijchlnnd. Stimmungwechsel in England? London, 26. September.(Reuter.) Die„Ti- ines" veröffentlichen einen Artikel, in welchem an der Hand zahlreicher Belege dargelan wird, daß Deutschland bemüht ist, ein Heer von 899.909 Mann zu mobilisieren. In dein Artikel heißt es, Teutschland v e r- berge die Kredite für die Artillerie, die MitrtarauSrüstnng und die Militärkranken- Häuser im Zivilbndget. Es könne die Handelsprodnktion leicht in eine Kriegsproduktion umwandeln. Es weigert sich, die Mobili- sierungslisten zu vernichten, indem es vorgibt, sie zur Bezahlung der Pensionen zu benötigen. Die P c n s i o n s b e h ö r d e n sind nichts an- deres als die verkappten früheren R c k r u t i e- r u ngsburea u s. Es besteht ein nngehen- res Mißverhältnis zwischen der Zahl der Offi- ziere, der Unteroffiziere und der Soldaten. Je- de Kompagnie, Batterie oder Eskadron der Reichswehr hat die Nummer und die Abzeichen des ehemaligen Regimentes, in welchem sie disloziert sind. Deutschland denkt daran, die Sicherheitspolizei der 18^—Kchc« Staaten i» Refervearme»?orps zu Seite(. konzentrieren. Arn Schluße des Artikel? fordern die„Times" in energischer Weife, die Rechte der Militärlvmmission Nollets zu verstärken. Frankreich und England mögen ge- meinsam vorgehen, um den Keim des Milita ricinus ans dem nationalen deutschen Leben zn beseitigen. Abrüstungssorderungen. Berlin, 27. September. lTsch. P.) Die Not- der interalliierten MilitärkontrsNommission vom 9. September schliefst: Die Kommission be ehrt sich darum zu ersuchen, daß ohne neuen Verzug die notwendigen Veränderungen vor genommen wer!"»Fnm die Organisation der Polizei im Einklänge mit den B e st i m m u n g e u des Friedensvertrages und den ergänzenden Entscheidungen der alliierten Regierungen zu bringen. Sie verlangt ferner, daß ihr Nebersicht der vollständigen Stärkenach Orten iibersandt werde, wobei die verschiedenen Kategorien der Polizei anSeinanderzuhal» ien sind, besonders, dag ihr die Listen der kommunalen nnd der staatlichen Polizei s ch u- l e n nach dem Stande von 191!', und 1921 über- sandt werden. Sie dringt endlich darauf, daß alle Maßnahmen getroffen werden, um der Polizei v ö l l i g f r e i e A u s ü b u n g zu ermög lichen. Neuorientierung der deutschen Politik. Verhandlungen Wiriho. Berlin, 27. September. Reichskanzler Tr Wirth hatte gestern nachmittags mit dem Füh rer der deutschen Volkspartei, mit den Führern des Zentrums und der Sozialdemokraten eine Besprechung über die Frage der Kabinettsneu- bildnng im Reiche, lieber die Aussichten der Kabinettsumbildung äußert sich der„V o r warte" nicht besonders hoffnungsvoll. Er schreibt, daß eine Verbreiterung der Koalition zustandekommt, ist noch ganz ungewiß. Auf die Intrigen gegen Wirth lasse» wir uns nicht ein. Eine Verbreiterung der Koalition kommt nur dann in Betracht, wenn die bisherige Politik des Kabinettes Wirth dadnrcki gestärk t, nicht aber geschwächt»nd n a cki rechts abgelenkt wird. baldige Beilegung des Äoilsiikles mit Bayern. Berlin, 27. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Zwischen Berlin und München ist es zu Vereinbarungen zur Bei- legiing des bayerischen Konfliktes ge komme». Ihr Inhalt wird heute verösfeiu licht werden. Es sind gewisse Zugeständnisse gemacht worden, weil die Reichsregierung an« nimmt, daß das bayerische Kabinett eine loyale Haltung gegenüber der Reichsregicrung einnehmen wird. Die Exekutivgewalt des Reiche-Ministers des Innern soll gegenüber Bauern eingeschränkt werden, bei Konflikten zwischen dem Innenminister und dem bayeri- schen Landeszentralbehörden soll der Reichs- rat als eine Art Schlichtnngöausschnß fungieren. Eine unabhängige Zeitung in München wieder zugelassen. Berlin,'27. September.(Tsch. P. B.) Die „Freiheit" meldet: In München ist auf Ber anlassung des bayrischen Ministers des Innern das Verbot der unabhängigen„Münchner Morgenpost" vom 29. ds. ab ausgehoben w•'•Vit; Glierfchlesieu. Berlin, 27. September. lTsch. P. B.) Wie die Blatter aus Breslau berichten, holte die K o in m issio» d e s B vlkerbundsra- t e s über die oberschlesische Wasserver> s o r g u n g Informationen ein. Nach einer weiteren Blättermeldnng Hai die Kommission telegraphisch je einen deutschen nnd einen polnischen oberschlesischnt Gewerkschaftler nach Genf beordert und die beiden Vertreter sind bereits gestern abgereist. Beratungen des Völkerbundes. Die albanische Frage. Genf, 26. September.(Wolfs.) Tie 6. Kom- Mission(politische Angelegenheiten) nahm heute nach langer Debatte über die a l b a n i s ch e Frag e zwei von Eecil(Südafrika) eingebrachte Entschließungen an. Die erste Entschließung fordert die Versammlung auf, die Unabhängigkeit Albaniens anzu- erkenne». Sie empfiehlt den Albanern, die Entscheidung der Botschafterkonferenz voraus anzunehmen. Die zweite Entschließung fordert angesichts der Unruhen in Südslawie» und Nordepirus nnd gegenüber den gegenseitigen albanischen nnd südslawischen Klagen, daß eine vom Rate ernannte Kommission die G r e ii z v e r h ä l t u i s s e u n t e r s u ch t. Bei der Abstimmung über die zweite Resolution enthielten sich Frankreich, Jugoslawien und Griechenland der Stimmen. «Wfcfl. DK Frag« der Blockade. Senf, 26. September.(Wolfs.) Die Völ- kerbundsvcrsammlung widmete heute ihre ganze Sitzung der Blockadefrage, ohne zu einem Abschluß zu gelangen, sodaß die Ab- stimmung erst morgen erfolgen kann. Die Sitzung war eine der wichtigsten der bisherigen Tagung, besonders weil das schwierige, im Art. 16 des Paktes aufgeworfene Problem der Bölkcrbundsaktion gegen paktbrüchige Staaten, des eventuellen Kriegszustandes und der Wirt- schaftlichcn Sanktionen verhandelt wurde. Der Berichterstatter Schänzel(Italien) setzte den Sinn der Kommissionsanträge auseinander. ES handelt sich im allgemeinen um eine wesentliche A b s ch w ä ch u n g der Tragweite des Art. 16. Mau will den Zustand, in welchem sich der Völkerbund nach diesem Artikel einem Vertragsbrüchigen Staate gegenüber befinden sollte, nicht sogleich eintreten lassen. Man will, daß der Nat nicht sofort Maßnahmen er- greift, sondern ein Gutachten abgibt. Man wünscht endlich, die wirtschaftlichen Sanktionen u i ch t m i t ä l l e r S t r c n g e zu handhaben. Bor allem hätte der blockierende Staat Aus- nahmen zuzulassen. Auch können zu Gunsten der blockierte» Staaten Milderungen Anwcn- düng finde». Ter Abbruch der wirtschaftlichen und anderen Beziehungen soll sich nur aus die Einwohner des betreffenden Landes nicht aber auf seine Staatsangehörigen in der ganzen Welt beziehen. Auch soll die Aushungerung der Zi- vilbevölkerung nur in den äußer st cn Fällen angewendet werden. Der Delegierte der Schweiz trat vor allem für die Auf- fassung ein, daß sich die S a n k t i o n e n n i ch t ausdieStaatsan gehörigen, sondern nur auf die Bewohner des betreffenden Landes erstrecken dürfen und forderte die Universalität des Bundes» die nicht nur eine ideale, sondern auch eine praktische Forderung sei. Der französische Delegierte bekämpfte die Anträge der Kommission, forder- te ihre Nachprüfung durch die erste Kommission und trat vor allem für die Beibehaltung des Wortes„Staatsangehörige" anstelle des Wortes„Bewohner" ein. Er wies darauf hin, daß die Erfahrungen des Krieges die Not- wcndigkcit gezeigt hätten, den Feind über- all zu bekämpfen. Vor Streit nm tvilna. Ailna ist das Fiume des Ostens. Wie um dieses Italien und die Siidssawen haderten und d'Annunzio hier dem Streit durch seinen Gewnltstreich ein Ende setzte, so bildete jenes den Zankapfel zwischen den Litauern und Po fcii, bis General Zaligowski als polnischer Usurpator in die Stadt einzog. Die polnische Regierung hatte'zwar am 3. Dezember 191g die Curzonlinic anerkannt und damit auf Wik- na verzichtet, aber in Wahrheit sah sie ihrem General eben so schmunzelnd und heimlich helfend zu wie später dem Helden Korfanty. Ihr Anrecht begründen die Polen mit der Sprache der Bevölkerung, die Litauer das ihrige mit der innigen geographischen und wirtschaftlichen Verknüpfung. Zwischen beiden Streitteilen sollte nach langem Hin und Her der Völker- bund vermitteln, Hymans machte einen recht vernünftigen Borschlag: Autonomie nach ßas„PraoBF flrchiö lör O bsb I z- OBbnng uns! Milsprecliung" bringt die fiir die Allgemeinheit wichtigen Gesetze und Verordnungen, zumeist mit Erläuterungen anerkannter Fachleute, ferner wichtige Erlässe der Zentralen und eine reichhaltige Auswahl aus den Entscheidungen der obersten Gerichte. Besonders wichtig für Gemeinden, Organisationen und politische Verbände. 118 Bisher erschienene kommentierte Sonderausgaben: Das Ehereformgesetz Preis 3 Kc, Krankenversicherung der Arbeiter(Zusammenstellung des ganzen geltenden Rechtstoffes) 9 Kc, Umsatz- und Luxusstcuergesetz Preis 14 Kc, Pensionsversicherung der Privatangestellten 10 Kc, Staatsbürgerschaft und Heimatsrecht Preis 4 50 Kc, Wehrgesetz Preis 8 Kc. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und das Präger /Irchiv, Prag, Panskd 12. ffllMtMutwM Sie Schweizer Muster, eng« mlliKrifche, politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Nachbarstaaten. Der Böllerbund warf sein „moralisches Gewicht" zu Gunsten des Ver- mittlungSvorfchlageS in die Wagschale, der Er- folg war danach: Litauen und Polen beharren bei ihren Forderungen und dürften die Schluß- Handlung des Völkerbundes, der wehmütig„an Polens Weisheit" appellierte, dorthin schreiben, wohin sie ihrer inneren Kraft nach gehöre«, in den Kamin. Entente und Völlerbund ma- chen, im Burgenlande, so in Wilna, den Ein« druck jenes berühmten Greises, der auf dem Dache sitzt und sich nicht zu helfe« weiß. diplomatische Offensive gegen Rußland. TfchitscherinS Meimmg. Manchester, 26. September.(Tsch.-P.) In einer Unterredung mit dem Moskauer Bericht- erstatter des„Manchester Guardian", erklärte der Bollskommissär für«eußere» Tschi- tscherin. seiner Ansicht nach bereitet sich eine vollständige Aendernng in der allgemeinen europäischen Politik gegenüber Nußland vor. Es bilden sich n e u e W c l l e n i n t e r v e n- t i o n i s t i s ch e r P o l i t i k. in die auch Eng- land verwickelt sei. Die Note Curzons an Sowjetrußlaud läßt auf eine Aendernng der britischen Politik schließen. Ein Zwiespalt in der Schweizer Partei. Bern, 26. September.(Schw. Dep. Ag.) Der kürzlich in Luzcrn abgehaltene Parteitag der s o- zialdemokratischcn Partei der Schweiz hatte einen Beschluß gefaßt, welcher Be r- t r a n e n S st e l l u n g c n beim Völker- b u n d e oder seine Institutionen mit B e r- t r a u e n S st c l l u n g c n in der Partei f ü r unvereinbar erklärte. Der Zcntralvor- stand der Partei hatte nun entsprechend diesem Beschlüsse die Entscheidung zu fällen, daß R y- s c r, der eine Stellung beim internationalen Arbeitsamt in Genf angetreten hat, auf sein NationalratSmandat zu verzichten hat. Entgegen dem erwähnten Beschlüsse des Partei- tagcs haben jedoch die W e l s ch s ch w e i z c r i- s ch e n Vertreter im Vorstande durchgesetzt, daß die Erledigung der Angelegenheit Nhscr h i n- ausgef choben wurde. Infolge dessen reich- ten Nationalrat Grimm, der Redakteur der „Berliner Tagwacht" Vogel, Dr. Mar- b a ch und Frau Wollermann ihre D e- Mission als Mitglieder der GcschäftSleitting der sozialdemokratischen Partei ein. Tmtstnde ans Woche««dekttlo» mach«, würde.•. Italien«ort» die Slldsiaweu. Belgrad, 24. September.(Tsch. P. B.)„Po- litika" zufolge übermittelte der italienische Ge- sandte dem Ministerpräsidenten Pasitsch den Wunsch der italienischen Regierung, den Eisenbahnverkehr zwischen Fiume und Jugossawien wieder zu etntttttn. 3Jtt- nisterpräsident Pasitsch erklärte, eS könne, bevor Italien nicht das Jugossawien zugeteilte Gebiet, nämlich die dritte Zone, evakuiere, von einem Eisenbahnverkehr zwischen Jugossawien und Fiume keine Rede sein. SMom. 24. September.(Tsch. P) Die li- t a u i f ch e Kammer hat mit 2? gegen 84 Stimmen eine Resolution angenommen, m der da- HymanS-Projeki als für Litauen an- annehmbar erklärt wird. 38. September 192t. K-nnmffio« für den Abschluß eines Handels- Vertrages wurde die M e i st b e g u n st i- g u n g S k l a u f«l als Grundlage für den ab- zuschließenden Vertrag erklärt. Schließung der Belgrader Börse. Aus Bel- grab wird gemeldet: Da das neue Gesetz über den Valuten- und Dcviscnverkchr in Kraft ge- treten ist. hat die hiesige Börse unerwartet ihren Gesamtverkehr eingestellt Der Wert der Krone. ES kosten: 100 Holland. Gulden 3101W, 100 Mark 79, 100 schwe.z Fran- Fett 168654, 100 Lire 406, 100 franz. Franken 7011 Pfund Sterling 366, 1 Dollar 07!4, 106 Belg. Franken 701«, 100 Peso 1251«, IM D.nar 166K, 100 Lei 77, 100 österr. Kronen 4.27. 100 "'™ 100 ung. Kronen 14.90 tsch. Literatur. Das„Prager Archiv" bringt in der eben er- schienenen Nummer 19 die: Liguidalionsbesteue- rung(§ 96 P.-St.-©.), Gesetz und Bemerkungen. Abänderung dcS Personalstcuergesetzes, Gesetz und Bemerkungen. Direkte Stenern und Einkommen- steucr in der Slowakei. KriegZzuschläge zu den direkten Steuern mit Ausnahme der Einkommen- steusr(ausgenommen die Slowakei), Gesetz und Bemerkungen. Kriegsznschlüge zu den direkten Steuern für die Slowakei und Karpathorußland. Gebühren von Dienstverträgcn, Gesetz und Bc merknngen. Bereichernngssteuer. VermögenSab gäbe vom beschlagnahmten Großgrundbesitze. Ans zahlung von tschcchosl. Wertpapieren in Deutsch land. Freigabe tschcchosl. Wertpapiere Reiche deutscher. Gebühren in der Slowakei. Inhalt der amtlichen„Sammlung der Gesetze und Bcrord nungcn". Abänderung und Aufhebung von Ge setzen und Verordnungen seit dem 28. Oktober 1918. Die Arbeiter schützen die Höchster Farbwerke. Berlin, 27. September.(Tsch P. B. Die „Vossische Zeitung" berichtet, daß die Obcrlci- tttng der ausgesperrten Arbeiter in Höchst, die die Farbwerke beseht haben, erklärte, daß es sich nicht um eine Besetzung des Werkes nach italienisch-kommunistischem Muster handle, sondern um den allein von der Arbeiterschaft zu erreichenden Schutz der technischen Anlagen und um die I n st a n d h a l- tung jener Betriebe, deren Stillegung Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Der Kampf der Buchdrucker. Im Kollektiv vertrag der Buchdrucker ist eine Bestimmung, daß auf Wunsch cincS der beiden Vertrags teile die Teuerungszulagen einer Revision unterzogen werden können, was mindestens einmal in einem Vierteljahr zu geschehen hat. Die Grundlage der Löhne bildete die Preislage vom 1. Jänner 1920. Revisionen wurden durchgeführt im März, Juni und Dezember vorigen Jahres. Auch Heuer hat die Gehilfen- schaft eine Revision der Teuerungszulage bc antragt. Die Kommission trat am 28. August zusammen, konnte sich aber nicht einigen. Auch in einer Snbkoinniission, welche mau hernach einsetzte, konnte man zu keiner Einigung kom mcn. Am 20. d. M. wurden daher durch das gesamte Personal der graphischen Betriebe Forderungen nach Lohnerhöhung um 6 bis 25 Kronen je nach Kategorie und Alter er« hoben, am 23. fand eine Beratung der Unter- nebmer dcS graphischen Gewerbes Böhmens, Mährens und Schlesiens statt. In dem anS- gegebenen Kommuniquee beißt eS, daß die Prinzipalität nicht die Absicht hatte, die Löhne zu erniedrigen, trotzdem die Teuerung gegen den Dezember 1920 gesunken ist.(!)— Von beut Ergebnis der Verhandlungen in den ein- zclncn Betrieben hängt es ab, ob es im Buch- druckcrgcwerbc zum Kampfe kommen wird. Der tfchechisch-polnische Handelsvertrag. In der letzten Sitzung der tschechisch-poluischcn zoln. Mark Kronen. 11», und Bor« Kmist und Wissen. OSkar Fried dirigiert morgen, den: 29. d. M um 548 Uhr abends die Saksche Philharmonie. Programm: G. Mahler: IV. Symphonie. M. Ravel:„Dafnis o Chaloe." Karten im verkauf. vollsbildungskonzert des Vereines deutscher Arbeiter. Sonntag, den 2. Oktober.'Ai, Pro- duktcnbörse. Siesel von Schuch, die Opern- sönbrette des Dresdner LandeSIhcaters, dem Prager Publikum aus dem Deutschen Kammer« musikvercin wohlbekannt, singt je eine Gruppe meist heiterer Lieder von Weber, Wolf, Mahler und Strauß. Am Flügel begleitet Kapellmeister Dr. Arthur Ehitz vom Dresdner Landestheater. Sitzplätze von Kr. 6.50 bis 11.50, Stehplätze ,22 MIM Zi mm er in der Nähe des Masaryk oder Wilsonbahnhofes oder auf dem Wege von dort zum Parlament. Offerte unter„Dr. C. B." an die Verwaltung des „Sozialdemokrat". S Ich teile dem P. T. Publikum mit,■ [ dass zur Herbstsaison grössere| 5 Quantitäten Stoffe für Damen-und{ • Herrenanzüge, sowie Trikotagen j ; am Lager sind, und noch zu; ■ alten Preisen, soweit der! S Vorrat reicht, verkauft werden. S i Weberei u. Wäsdiefabrik[ Otto Katz§| { Prag, CeEetnä 14, I.Stock.: ■» SiiiiiiRiiiaiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii? im ÜMUJ.JlMm j Genoffenl Gedenket des Fondes )«r Erhaltung eures Zentralorgans. Sämtliche Uruckauf träge übernimmt 98 UM HMiina L Inpt i spol („Pravo LIdu") PRAG n, Hybernskä 7.:: Tel. 4999. Verlangen Sie überall X Kohle- Keks- Holz liefern fahren" and waggonweise 5 L. Reimann Söhne, Prag IL, Väclavske näm. 47. 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Wicklung nicht zntr, st so beruht sie darauf, das. '^vlrt sich zah au der Scholle er- hatt. Aber dies bemh: nicht darauf, das; der Kleinbetrieb in der Produktion dem Größbe- rieb uberlegen ist, sonder.i darauf, das, er mit seinen MMillenangeborigeil zum Arbeitstier herabsinkt und feine Bedürfnisse auf das aller- iiotwcndigstc eingeschränkt Werden. Jede aci- st.ge und fachliche Weiterbildung unterbleibt. Die Produktionsweise wird immer rückständiger und trotz der größten Anstrengung und Ausbeutung der Familienmitglieder müssen sie der Konkurrenz des Großbetriebes und der iiroszagrarischen Politik unterliegen. Auch die Klein- und Mittellandwirtc werden als Lohn- zrbeiter endeii. sowie der einst tüchtige n'ub 'nachtige Handwerkerstand geendet hat Gelingt es aber all die proletarischen Schichten der Landwirtschaft geistig zu heben, das; sie aus Mosscnschaftlicher Grundlage die Vorteile des Großbetriebes ausnützen können und die Führung in der Politik selbst in die Hand nehmen, bann gelangen sie durch imuier grösseren AuS- bau deS Genossenschaftswesen und den immer htcht erwachenden Gcmcinsinu, ebenfalls zuiu Großbetrieb. Die Agrarfrage ist daher auch eine sehr wich- iigc Angelegenheit der Gewerkschaften und der hseuosscnschaftcn. Je nach den Verhältnissen tvird die eine oder andere Form der Arbeiter- bewegnng in der Entwicklung der Landlvirt- schaft zum Gros,betrieb und zun, Sozialismus in Bedeutung gewinnen. Das Landvrolctariat terfällt in Lohnarbeiter und in Selbständige. Es steht für jeden Gewerkschafter fest, das; die Gewerkschaft alle Lohnarbeiter zu einer ein- «igen Kampffront tu vereinigen hat. In der Tschechosowakei trifft dies bei den, deutschen Land- und Iorstarbcitcrverband nicht zu. Der Häusler ist hier nicht als Lohnarbeiter bewcr- let sondern als Produzent den Selbständigen »ngeglied-rt iind mit dem Kleinlandwirt in kine genoslenschastlichc Bcnlfsoraanikation ein- gereiht. Der Aufbau der Organisation des randvroletariats muh so sein, das; nicht die eine Organisation der anderen ihre AoitationS- and Aktionskraft benimt. In der Tkcbechollo- wakei durchbricht diese genossenschaftliche Berufsorganisation die gewerkschaftliche Kampffront und schädigt die eigene Agitations- und Aktionskraft. Gewiss ist der Häusler Produzent, aber leb-n kann er als selbständiger Produzent Nicht. Er ist auf Lohnarbeit angewiesen. Heute arbeitet er mit den Forstarbeitern, morgen mit den Meierhofarbeitern und dann mit den Dienstboten und Inlcntcn beim Großbauern. Er bildet mit ihnen eine Arbeitsgemeinschaft und gehört auch in ihre Kainvforgauisation. Besteht auch sein Arbeitslohn nicht immer in Bargeld, fondern in Beistcllnng von Fuhr- Werk, Graserci oder Streu, so bleibt es doch Aufgabe des gewerkschaftlichen Kamvfes, auch diese Entlohnung vertragsmäßig festzulegen und zu de,bessern, und zwar gleichzeitig im Sozialdemokrat Hückcl-Ncmcc, Prag: Valuta— ölUrr. firone Zürich 0'52. Der Lebenslauf einer menschlichen ArbeitS- diene. „Au wissen sei es jedem, dcr's begehrt, Der Zettel hier ist lausend.Kronen wert, Ihm lieg, gcsichcrl als gewisses Pfand Uninciig vergossene» Bluts in Kaiser Karls Land— Damit die Wohltat allen gleich gedeihe. So stempelten wir gleich die ganze Reihe. Zehn, Dreißig, Fünfzig, Hundert sind parat. Ihr denkt Euch nicht, wie wohl's dem Volke tat. In diesem Zeichen wird ein jeder selig!" Goethe— Faust, II. Teil. kl Jahre ist er alt geworden, der verwachse- ne, bucklige Schncidcrgehilfc Arlita. Sein Leben war ein langer grauer Arbeitstag, muffig wie die Wcrkstätte eines Flickschneiders Nun»voll- ten die müden Augen nichts mehr taugen; der Lehrbub mußte ihm den Faden in die Nadel einziehen, den er bei dem Versuche einzufädeln zum Gaudium seiner Mitgcsellcn um Taumcs- breite am Nadelohr vorbcistieß. Vor 40 Jahren war er anS seiner mährischen Heimat nach der Alislehre nach Wien gekommen— wie so viele andere für die, die sonst so reiche böhmische Scholle, kein Brot trägt. Bei einem Landsmann fand er eineiig guten Posten und in dessen Ehegcsponsin, die das Regiment im Hanse führte, eine ihm wohlge- Lunte Meisterin, die jich den tüchtigen nüchtcr- m J f bcn oder Landarbeitern, ^o sollte auch aer Forstarbeiter oder Land r mh,'" eine Hütte und etwas Grund fr?; organisiert st in als wie in der Gewerk- .' v v"irnmnden ein, den Glasarbn- v:r oder deii Bergarbeiter a>iS der Gewerkschaft hv.n'.-r ArbritskoNrgcn zu reißen, wenn er auch ein' kleine Londw.rstchaft betreibt. Auch dann nicht, wenn er im Jahre die Hälfte der Schily- ten m der Glashütte oder im Schachte ver- n'nmcn tvürdc, vorausgesetzt daß es der Unternehmer zuließe. Tie Aktionskraft der Grwcrk- scbast würde darunter leiden.' Ja, er kann und U'tt Mitglied seiner Gewerkschaft seiner ge- nossenschastlichen Berufsorganisation, der Kon- stlingcnnsscnschaft und der Politischen Organi- lation sein. Aber wer die Verhältnisse und die Denkweise unserer derzeitigen Häusler kennt wird dies ernstlich nicht verlangen können. In der Landwirtschaft wird durch diesen Ausbau der Organisation nicht nur dieAkticms- kraft, sondern auch die AgitationSkraft der Land- und Forstarücitcr-Gewcrkschast gehemmt. Eine äußerst schwierige Aufgabe dieser Gc- werkschaft ist die Eingliederung der Jnlentc und Dienstboten. Diese Lohnarbeiter sind noch weit abhängiger als es vor kurzer Zeit noch die Holzhauer waren. Aus eigener Krast können sie nicht Gewerkschafter werden. Der Forstarbeiter kommt mit ihnen wenig in Bc- rührnng. Die Holzhauer leben meist in Holz- hauerdörfcrn, die sast keine Bauern mit Dienst- boten aufweisen. Mit der Forstvcrwaltnng werden eigene Verträge abgeschlossen, eben- so mit den Meierhofarbeitern. TaS Arbcits- Verhältnis ans den Bauernhöfen interessiert sie wenig. Ganz ander? der Häusler. Er hat sein Häuschen in den Banernhöfcn, steht mit den Iiileuten und Dienstboten beim Bauern in Arbeitsgemeinschaft. Auch mit ihnen muß er kämpfen und den Arbeitsvertrag gemeinsam schließen. Steht der Häusler in der Gcwerk- schaft, so dringt er darauf, daß sich die Jnlentc und Dienstboten seiner Gewerkschaft anschlie- ßcn. Er ist doch unabhängiger wie sie und seine eigene Wohnstube ist der Zusammen- kunftsort, in dem sie ihre gemeinsamen Angelegenheit beraten können. Ter Agitator für die gewerkschaftliche Organisation der Jnlentc und Dienstboten muß der Häusler sein. Er ist auch das Bindeglied zwischen diesen, den Forstarbeitern und den Meierhofarbeitern in der gemeinsamen Gewerkschaft. Als Konsument gehört der Häusler sowie der Klein- und Mittellandwirt, der ja auch zum Proletariat gehört, mit den übrigenArbeitern in die gemeinsame Genossenschaft. Wenn sein Bedarf mehr in Kunstdünger, Kraktfiitter und anderen für die Landwirt- schaft nötigen Artikeln, statt in Milch, Eier, Fett usw. besteht, so muß die Verkaufsstelle in den ländlichen Gebieten diese Artikel füh- rcn. Deshalb braucht die genossenschaftliche Front nicht in zwei Teile zerschnitten werden. Auch der Hinweis, daß es sich um Prodnzen- ten handelt, die für ihre Produktion geiws- senschastlich organisiert werden, ist nicht stich- hältig. Wir haben unsere Genossenschaft über den Nahmen einer bloßen Konsnmgenossen- schaft schon hinausgelrieben und sind zur gc- nosscnschaftlichcn Produktion geschritten. Wa- r»m soll sich nicht dieselbe Genossenschast auch um die genossenschaftliche Produktion in der Landwirtschaft kümmern. Die Erfassung der landwirtschaftlichen Prodruktc und ihre lieber- leitung in die Berkanfsstessen,»m den Zwi- schenbandel zu beseitigen, ist Anfoabe dieser Genossenschaft. Den Geinciilsinn der land- wirtschaftlichen Produzenten zu wecken und sie zur genossenschaftlichen Produktion zu bc- neu Gesessen, der fast nie das HanS verließ und sich so fürsorglich ihrer zahlreichen Nachkommenschaft annahm, nach Gcführ zu schätzen Wußte. Wenn Orlita endlich Feierabend machte, setzte er sich vors Hanstor. Auch so die Sonntag- Nachmittage. Einmal nahm ihn der Meister in den Pratcr mit, ein andermal nach Schön- brnnn. Boss Begeisterung und Staunen über ass das Wunderbare, das er dort gesehen, kam er heim und zehrte jahrelang von diesen Erin- ncrungcn.?ll§ er einmal zu Frohnlcichnciin auch den Kaiser mit leibhaftigen Augen zu sehen bc- kam. war seine Sehnsucht nach persönlichen Er- lcbnisscn gestillt. Nach Weib und Liebe dürste er kein Verlan- gen tragen. Mit diesem Höcker und diesem ungeschlachten Klumpfuß ist man ja so froh, wenn einem nur die Straßenjungen'mal ungcscho- rcn lassen. Besonders der Schustcrlchrbub aus der Nebengasse, ein rechtes Wiener Früchts, hatte es ans das„böhmische Kamcel" abgesehen. Na er hatte aber mich seinen kurzen dicken Kno- tcnstrick tüchtig zu fühlen bekommen, der Laus- bub der impertinente. Also zog es Orlita vor, zuhause zu bleiben niid immer das kleinste von Frau Meisterin Kindcrschcir, das noch nicht mitgenommen wer- den konnte, zu betreuen. Orlita sparte, sparte sich den Bissen vom Munde ab. Wenn schon nicht zum„Hausherrn,» wie sein Meister, so doch zum wohlbestallten Privatier mußte er es auf seine alten Tage bringen. Mehr als die Hälfte seines Wochenlohnes sendete er jeden fähigen, kommt ihr zu. Sic verfügt über ganz andere Mittel als ein Verband der Kleinland- ivirte und Häusler, um durch eine planvolle und großzügige Aktion dieses Ziel zu erreichen. Ihr stehen größere finanzielle Mittel und kommerziell geschulte Kräfte zur Berfü- giiiig. Sie kann Fachleute für laudwirt- schaftliches Genossenschaftswesen sich besorgen und heranbilden. Die gc»osse»schaftluhe Berufsorganisation ist gleich eine Kampforganisation gegen die Bauern. Die mittleren und oft auch die Kleiulandwirtc fühlen sich dadurch von dieser Genossenschaft abgestoßen. Es können nicht Bernfsiämpfe unter ein und denselben Mitgliedern in einer Organisation geführt wer- den, solange sie den Charakter von Klassen- kämpfen tragen. Sic wird dadurch gefährdet, zumindest in ihrer?lktionS- und Agitationskraft gelähmt. Halten wir diese Kämpfe von der Genossenschaft fern und verweisen wir sie Seite S. Ohne Sozialisierung der Landwirtschast gibt es aber keine sozialistische Gesellschaft. Die Zurückgebliebcnhcit der Landwirtschaft wird zum Hemmschuh der stürmisch vorwärts eilen- den Iildnstricarbeiterschaft. Mit ihrer Kraft muß inlil dafür gesorgt werden, die Landwirt- schaft vorwärts zu treiben. Tie Zentralge- werkschaftSkonunission hat mit aller Macht zu sorge», das; die Gewerkschaft der landwirt- schriftlichen Lohnarbeiter mit der größten Ak tiouS- und Agitationskraft ausgestattet wird und die Genossenschaft hat ihre Macht und ihren Einfluß, den sie durch die Jndustricar- beiterschast erriiiigcn bat. in den Dienst der landwirtschaftlichen Genossenschaft zu stellen. Dies ist nun eine ihrer Hauptaufgaben der sie sich nicbt entziehen darf. Am 13. November tritt der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslo-, wakei zusammen. Ein Punkt der Tagesord- innig lautet: Die Sozialdemokratie und die '(• : I in die Gewerkschaft, Ivo sie hingehören, dann! Landwirtschaft. Soll cm Agrarprogrcimm driiict unsere' Genossenschaft weit über den! geschahen werden, dann müssen wir auch Klar- Kreis der Häusler und Kleinlandwirte. Fern-beit schösse», über die beste Form der Organi- von jedem Parteistrcit, zieht die Genossen-- staion des Landprolctariats. schaft Schichten der Landbevölkerung in den s Bannkreis unserer Ideen, die wir ans einem'...... anderen Wege nicht erreichen können. Dac^slllls'>ll?l'illllliIi!l«Uss 1>C$ tiClllUtUCS Vertrauen zu unserer Genossenschaftsbewegungj v be.,Ischen^plllsslin,NisslsllNIll. ist heute schon in den Bauernstand cingcdrun- 1l'Cl.IJflJCU«UUJlUvUl InllUUJ» gen und erleichtert die Agitation. Jeder Red-! ilQVUfr. ner, der in den Banerndörsern über genossen-! schaftliche Ideen spricht und von den genossen- Karl'ss ah, 27. September.(Eigenbericht des schaftlichen Errungenschaften der dänischen„Sozialdemokrat".) Beim heutigen Vcrhand- „HuSmaend" erzählt und dabei aufzeigt wie lnngslag referierte der Bürgermeister Genosse der Zwischenhandel beseitigt wird und Arbeiter und Bauern sich ergänzen, miis; bestätigen, das; er bei den Bauern das denkbar größte Interesse findet. Ten landwirtschaftlichen Ge nosscnschaftcil der agrarischen Klopffccher steht er mißtrauisch gegenüber. Er spürt, das; sie mir so geleitet werden, daß sie der großagra- rischcn Preispolitik dienen. Das Interesse der Kleinen muß bei ihnen dem Interesse der Großen gegenüber zurückgestellt werden. Die agrarischen Klopffechter können sich auch gar nicht die Ausgabe stellen, die Landwirte zur Gcmeinwirtschaft zu erziehen bei ihnen statt den Egoismus den Gemeinsinn zu wecken und sie durch die Genossenschaft zur Gemcinwirt- schaft zu befähigen. Sie wissen, das; die Gc- nosscnschaft, wenn sie die Produktion erfaßt, zum S ch r i t t m a ch c r für den Sozialismus werden muß. Darum können ihre Genossen- schaftcn über einen bestimmten Kreis nicht hinaus. Ter Bauer begreift bald, daß eine gemeinsame Genossenschaft mit den Arbeitern viel wertvoller ist, als eine, ohne sie, aber mit den Großagrariern. Tie großen Errungenschaften der Arbeiter und ihr ziel- sicheres Vorgehen., macht ans sämtliche Landwirte den größten Eindruck und macht sie für eine mit den Arbeitern gemcinsatne wirtschaftliche Organisation sehr empfänglich. Ter Hinweis ans die dänische landwirtschaftliche Gcnosscnschaftsbcwegiiiig. die selbständig durch die„Hiisinaend" geschaffen wurde, stimmt für unsere Verhältnisse und für die Zeit nicht. Als vor ungefähr 10» Iahren in Dänemark die genossenschaftliche Bewegung cinselitc, gab cS dort keinen nennenswerten Großgrundbesitz, keine landwirtschaftlichen Lohnarbeiter und auch keine ii>d»stricllc?lr- beiterschast. Es fehlte jede Arbeiterbewegung, die eine genossenschaftliche Bewegung ins Lc- den hätte rufen können. Der Träger der genossenschaftlichen Bewegung mußte der„Hus- maciid" werden. 1k Entwicklung des industriellen Proletariats ist weit über die Entwicklung des landwirtschaftlichen Proletariats hinaus gediehen. .oniitag L^orinittag noch vor der Messe vom Favoritcr Postamt in seine Heimat. Erst einen Gulden, dann zwei, bis er es schließlich, als er Altgeselle wurde, ans fünf Gulden brachte. Und dabei blieb es viele Jahre lang. Der kleine Bauernhof, ans deiner als jüngster geboren war, als er nach Wien zog, derart mit Schulden über- lastet, das; das Anwesen gerichtlich versteigert werden sollte. Räch deS Vaters Tode erbte es sein Bruder— schuldenlos. 5000 sl. ö. W. hatte nun wohl Orlita als einzige Hypothek auf sei- ncs Bruders Gütchen, aber er darbte weiter, wollte er doch einmal von seinen Renten leben. Und so lies; er sich von seinem Meister imincr nur die Hälfte des Wochcnlohncs auszahlen und die andere Hälfte in die österreichische Post- sparkissa hinterlegen, zu welcher er unbegrcnz- tes Vertrauen hegte. Einen Gulden gab er der Meisterin au; Mittagskost für die ganze Woche; Frühstück, eine Einbrcnnsuppc mit Brotschnitten, bereitete er sich selbst ans dem wackligen Kanonöscrl, das für die Bügeleisen geheizt wur- de; das Nachtmal lies; er sich 3, später 5 kr. kosten. Gewöhnlich war es Preßwurst oder Le- bcrkäs, das ihm der Lehrbub bringen mußte. Nur Sonntags Nachmittag, wenn er das Haus hütete und der Meisterin Jüngstes betreute, gönnte er sich einen Krug„Abzug" und zwei Kurze. Dann las er mit Behagen, das„Welt- blatt", das ihm der Meister für die ganze Woche aufgehoben hatte und gönnte sich wohl auch ein Siesta-Schläfchcn. So würde es ihm alle Tage gehen bis er erst mal„Privatier" geworden sei. Was soll ich Euch noch weiter berichten? Ein G o t h(Warnsdorf) über die Regelung des SubventionLwescns der Gemeinden, wobei et auf die Finanzen der Gemeinden hinwies, die es geboten erscheinen lassen, äußerst sparsam nm,zugehen. Zu subventionieren wären: Un- terstütziliigseinrichtiiiigen, Jugendfürsorgeorga- nisationen, Landeshilfsvcrein für Lungen- kranke, Blindenschule in Aussig, das Taub- stummcninstitut in Lcitmcritz, die Organisa- tionen vom Roten Kreuze, der Deutsche Kul- turverband und im übrigen solche Institut«, die für das ganze deutsche Gebiet von Wich* tigkcit sind. Das Ansuchen ist rnrfif an die einzelne Gciiiciiidc zu richtei^ sondern an den Verbandsvorstand. Nach Erledigung der Debatte wurde die R e s o l u- t i o li Lodginaii angenommen, in der es heißt: In erster Reihe muß verlangt werden, das; mit der bisherigen Ilclmiig der Zurück- Haltung der von den Stcuerämtern cingeho- beiicn Zuschläge gebrochen und die Austeilung der betreffenden Beträge in erster Reihe nach dem Willen der Schuldner, dann aber weiter nach den tatsächlichen Verhältnissen erfolge. Tic Versammlung beschließt weiter, die E i n- l v s Ii II g der den Gemeinden- und Bezirks- sparkassen gehörigen Kriegsanleihe. Die Resolution Polzl besagt: Das Gesetz be- treffend die vorläufige Regelung der Fi- n a n z w i r t f ch a f t sei nicht befriedigend, da es die grundlegende Regelung der Finanzwirtschaft nicht beinhalte.— lieber die Bedeutung der städtischen?l r eh i v e sprach llni» versitätsprofessor Dr. Ottokar Weber, wo- raus Oberbaurat Dr. B a ch über die Woh- nungSbaufragc referierte. Hierauf sprach Be- zirkSobiiiann Dr. Tipp m a n n- über die Bedeutung der Tistriktsärzte, dann über die Errichtung einer deutschen H c b a m m c n- lchranstalt. Ein diesbezüglicher Zlntrag mit der Forderung auf Errichtung einer deut- scheu Hebammenschnle ans Kosten des Staates würde einstimmig angenommen. In die Bor- bandsleitniig wurden gewählt: 31ürgcrmeister Dr. Walter(Teplitz), illbgeordneter Cermak, Andraschke(Iägcriidorf), Fischer(Gablonz), kleiner Zwist um irgend eine Kleinigkeit, wie es schon so manchmal in den besten Familien vorkommt, veranlasste Orlita seine Hypothek beim Bruder zu kündigen. Nachdem er sich ein- gchciidst beraten, vertraute er sein Vermögen der Wiener Koniiniiiial-Sparkassa an. Er wall- tc ja Wiener werden und da selbst damals für sein Erspartes ein Hans in Wien nicht zu er- stehen ivar, so legte er wenigstens sein Geld bombensicher bei einem bodenständigen Wiener Finanz-Jnstitlitc an, für dessen volle Sicher- hcit die so reiche Gemeinde Wien bürgte, wie man ihm allenthalben sagte. Orlita war ein gar vorsichtiger Finanzier. 20 Tausend Kronen hatie er schon beisammen, als der Krieg ausbrach. Nun sparte er ans den letzten Tausender. 30 Tausend müsse» komplett sein, dann wolle er sich zur Ruhe setzen. Gab dies noch zu 4?1 eine Rente von 1200 K jährlich, wovon er behaglich leben könne. Doch der letzte Tausender wollte nicht mehr zusammen kommen. Sein alter Meister war gestorben und in den Konfektionshaus, wo er endlich unter- kam, gab Man ihm mir mehr kärglich entlohnte Flickarbeit— er arbeitete doch gar zu bedächtig und altmodisch. Bittcrc Not kam über ihn, aber er rührte sein Erspartes nicht an. Nur die Jin- fen wie es einem klugen Mann zukommt Vor einigen Wochen erregte bei den Schal- iern der Oesterr.-Ung. Bank ein verwachsenes hiiinpcliides Männchen höchstes Staunen und unliebsamer Aufsehen. Es kam mit einem Hau- fen alter Pai.c.ioteu und verlangte deren Um> Cfitc r Goth(Warnsdorf), Köhbcrgcr(NikolSbnrg), Pölzl(Aussig), Schoßnickl(Sternberg), Tipp- mann(Eger), Rcitncr(Bodcubach), Wrsina (Rninbnrg), de Witte(Karlsbad), Krischka (MieS). Ter Voranschlag für das nächste Jahr wurde einstimmig angenommen. Eben- so der Antrag, dag der Mitglied S bei- trag in der bisherige« Höbe erhalten bleibe. Nach Erledigung kleinerer Anträge wurden die Beratungen um 5 Uhr nachmittag ge- schlosscn.' Tages-ileuigkeiLen. Der Kampf gegen die Schundliteratur wird dt Teutschland in jüngster Zeit überaus euer gisch geführt. Ein überaus originelles Kampf mittel wendet das Bczirksjugcndamt Neukölln an. Um der Jugend Gelegenheit zu geben, gute Literatur zu bekommen, hat dieses Amt eine Büchcransgabcstcllc eingerichtet, von der Bü- chcr unter folgenden Bedingungen ausgegeben werden: Jedes Kind, welches einen sogenannten„Schmucker" bringt, erhält dafür ein gutes Buch nach der Wahl umsonst. Ausserdem kön- neu Bücher gegen Bezahlung von fünfzig Pfcn- »ig entnommen werden und zwar so, das; das erste Buch bezahlt wird, jedes Buch kann dann gegen ein anderes unentgeltlich bis zu sechs- mal umgetauscht werden. Man kann wohl annehmen, das; sehr viele Kinder und Jugend- lichc, angespornt durch die Verheißung, ein neues Buch zu erhalten, daheim nach Erzeug- nissen der Schundliteratur suchen und sie ab- liefern werden. Natürlich wäre es unsinnig, anzunehmen, das; durch diesen Borgang, auch wenn er überall geübt würde, die Schnndlitcra- tur merklich abnehmen konnte. Tics wäre nicht einmal zu erreichen, wenn der Kampf gegen sie überall so radikal geführt würde, wie dies die sozialistischen Jugendorganisationen von Altona besorgen. Tort vereinigten sich jüngst In- gcndvcrcinc aller Parteien auf einem Platz, wo eine von vielen Hunderten von Jugend- lichcn abgelieferte Menge von Schnndbüchern in aller Ocffcntlichkcit v c r b r a n n t wurde. Jugendliche hielten Ansprachen, und dann wurde der riesige Scheiterhaufen von Schund- literatur mit Petroleum übergössen und an- gezündet. Tiefer„Fcucr"-Cifcr gegen den Li- tcratnrschnnd, den diese Jugend entwickelt, ist überaus lobens- und nachahmenswert. Aber mit dem Verbrennen der Tetcktivromanc, der Jndiancrbücher und süßlichen, unwahren Lic- bcsgcjchichtcn allein ist cS nicht getan. Wenn das Schlechte gemieden ist. muß erst das Gute gesucht und gefunden werden. Und da scheint das Neuköllner Bczirksjngcndamt den richtigen Weg zu gehen. Tic Echnndbüchcr sollen den Jugendlichen ans der Hand genommen und gleich damit die eigentliche erzieherische Absicht verknüpft werden, sie zur Lektüre wirklich guter Bücher zu Verhalten, ja anzureizen. Tic Schmö- kcr werden nicht verschwinden, man mag ih- rcr noch so viele abliefern, eintauschen»der gar verbrennen. Aber derer, die sie lesen, kön- neu so immer weniger werdest, indem man die jungen arbeitenden Menschen zur Lektüre gn- tcr, bildender Werke und Schriften erzieht. Bölkerverhetznng ai: Massengrab. Nochmals Oppau. Diesmal von der politis ch traurig- stcn Seite beleuchtet. Tic deutschen Chauvin!- stcn haben in ihrer Beurteilung der Katastrophe ein Beispiel ungeheuerlicher Kraßheit geliefert, ois zu welchem Grade der Verrohung ihre Po- litischc Leidenschaft gediehen ist. Sic haben das Sozialdemokrat tausch in„gesetzliches Metallgeld". Als man ihm nicht willfahren konnte, schlug er Lärm und ohne Unterlaß las er vor Angst bebend, flehend und beschwörend den Text der Banknote:„Die Oesterr.-Ung. Bank zahlt über Verlangen dem Ueberbringer dieser Banknote jederzeit den an- gegebenen Betrag in gesetzlichem Metallgelde ans." Man hatte es augenscheinlich mit einem „Narren" zu tun. Vergeblich versuchten die Be- amtcn ihm seinen Irrtum klarzumachen, doch er zeigte keinerlei Verständnis für ihre doch so überzeugnngSvollcn Erklärungen, daß durch die Noteninslatation die Geldreserve der Bank nicht mehr hinreiche usw., usw., sondern bestand be- harrlich ans seinem Schein. „Diebe, Falschmünzer, Wcchsclfälschcr!" kreischte er, als ihn die„Ncttnngsgcscllschast gc- waltsani wegschleppte. Orlita war wirklich ein armer Narr, lieber 40 Jahre hatte er gefrohndet» gedarbt und ge- hungert,um sich 29.000 Kö zu ersparen— 151 Schweizer Franken. Vorgestern las ich im Wiener Lukalanzcigcr die Notiz, daß sich der beschäftigungslose Schnei- dergehilfe Franz Orlita in einem Anfall geistiger Umnachtung im Prater erhängt habe. Sei ne böhmischen Verwandten erbten nach ihm fünfzehnhundert äs. Kronen— die Frucht eines langen entsagungsvollen arbeitsreichen Lebens. . J'accnsc!— Herr Staatsanwalt ich beantrag ge die Anwendung des Gesetzes!... Unglück nationalistisch dermaßen anSgeschlach tct, daß es notwendig ist, wenigstens einen Fall aufzuzeigen, um ihr Bild zu vervollstän digcn. Tie„H a in bnrgcr N a ch r i ch t e n" brachten Donnerstag, den 22. September, eine Meldung des„Berliner 8-Uhr-Abendblattes" folgenden Wortlautes:„Dagegen bctci- l i g t e n sich die französischen T r n p Pen>v e d e r a n der Rettungsaktion noch an den Absperrungsmas;nah- m c n." Da die übrige Presse, auch die Ham bnrgs, zur gleichen Zeit entgegengesetzte Meb düngen brachte, hätte die Redaktion der„Ham> bürg. Nachrichten" erkennen müssen, das; ihre Meldung falsch war, zumindest hätte sie mit der Beurteilung der nicht erwiesenen Verwes gernng franzes icher Hilfe bei der Rettungs aktion zurückhalten müssen. Die Franzo- s e n haben t a t s ä ch l i ch geholfen, aber die„Hamburger Nachrichten" veröffentlichten ani Abend dcS 22. September einen Leitartikel, in dem'ch folgende Sätze finden: „Daß sich die Franzosen, die mit der bahe rischcn Rheinpfalz auch Lndwigshafen besetzt halten und dort überreiche Truppcnkräfte stehen haben, nicht am Rettungswerk, ja nicht einmal an den notwendigen Abspcr- rnngcn beteiligen, wer wundert sich darüber? Niemand durfte von den Franzofen etwas anderes erwarten..." Tic Franzosen verbieten das Hilfswerk mit grinsendem Z Ynis m n s... daß der Feind im Land steht und mit den Elcmcntarkräftcn im Bunde gegen die Unglücklichen ans dcut- schein Stamm wütet. Nicht einmal den eigenen Volksgenossen mit deutscher Hilfe im schrecklichen Unheil beistehen zu dürfen, ist das grausamste Los, das uns diese Tage ans französischer Hand bescheren.„Doch der Sadismus ist ja französische» Ursprungs und der Marquis de Tadc der größte Fran- zose, in dem sich sein Volk am deutlichsten verkörpert sieht." Tic deutschen Chauvinisten haben sich also nicht entblödet, die Unglückskatastrophe anszu- schlachten, indem sie das ganze französische Volk in empörender Weise beleidigten. Eine objektive Unwahrheit, die Lüge von der Nichtteilnahme französischer Truppen an der Rettung und Ab- sperrnng, war ihnen gut genug, die französische Nation aufs Tiefste zu verletzen, zum Völker- haß aufzureizen, gewißermaßen am offenen Massengrabe der Opfer von Oppau Völkcrver- hctznng zu Predigen. Tic große Not, die über das Deutsche Reich gekommen ist, hat seine „Edelsten" nicht zu wandeln vermocht. Ihr Wesen, das in unglaublicher Verrohung sich be- rcchtigt dünkt, alles Nichtdcntsche zu besudeln, soll die Welt genesen machen! Sic wollen die Welt, an deren Leid von heute sie so sehr un- schuldig sind, wiederum in die Angeln heben — sie ganz allein und die„Hamburger Nach- richten" haben das in dem besprochenen Ans- satz auch klassisch ausgedrückt. Es heißt dort: „Wenn wir uns früherer deutscher Hilfslci- ftnngcn in fremden Ländern erinnern, so v c r- langen wir keineswegs, daß fremde Völker n» S helfen, denn die- fcs Verlangen wäre doch vergebens. Deutsch- fand hat sein Empfinden und seine Nächsten- liebe für sich, von anderen werden sie nicht gc- geteilt."— Von anderen werden sie nicht gc- teilt? Die Hetzer mögen doch einmal die notlei- dcnden Kinder und Studenten fragen,«ne viel diese den Hilfsaktionen fremder Völker zu dan- lcn haben. lieber die Ursachen der Explosion in Oppau schreibt das„Berliner Tageblatt": Nach den Er- gebnissen der durchgeführten Untersuchungen steht nunmehr fest, daß die Katastrophe im Oppaner Werk der Badischcn Anilin- und Todafabrik auf die Explosiv n eines Lagers von etwa 45.000 Tonnen A m m o n s u l f a t- s a l p e t c r S zurückzuführen ist. CS haben z w c i E x P l o s i o n e n stattgefunden, zunächst eine schwächere und einige Sekunden später eine sehr starke, auf welch letztere die verhee- rcnde Wirkung der Katastrophe zurückzuführen ist. Auf welche Vorgänge die anfgetre- tcnc Explosion zurückzuführen ist, konnte bis- her nicht ermittelt werden und wird sich auch mit Sicherheit kaum ermitteln lassen, weil sämtliche, zur Zeit der Explosion in den betreffenden Bauten beschäftigten Personen der Katastrophe zum Opfer gefallen sind. Tic teil weise verbreitete Nachricht, daß die Fabrik Op pan gänzlich zerstört sei, ist unzutreffend; die eigentliche Fabrik zur Herstellung von Ammoniak und Ammonsulfat ist verhältnismäßig wc nig beschädigt, sodas; mit einer Wiederaufnahme dieser Betriebe in nicht allzu langer Zeit wie- der gerechnet werdet! kann. Aus alledem er- gibt sich mit voller Sicherheit, daß die Herstes- lung von Ammoniak nach dem Hochdrnckverfah reu der Badischcn Anilin- und Sodafabrik mit der Explosion und ihren Ursachen in keinerlei Zusammenhang steht. Das Gesundheitswesen in der Slowakei und in Karpatho-Rußland befindet sich in geradezu trostlose»! 3 ii st ande. Im großen Ko- n'.itat Zemplin gibt es bloß zwei öffentliche Spitäler..Tu den Krankenhäusern wird.mit den Medikamenten ebenso gespart wie mit den Lebensmitteln. Tie technische Ausrüstung der Spitäler ist höchst Primitiv. Das Monats- gchalt der Kreisärzte beträgt 500 bis 1000 Kronen. Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, daß Kreis- und Spitalärztcstcllen unbesetzt sind. Der Kreisarzt Alexander Ka- tona wurde jüngst ans Bustyahnza(Karpatho- Rußland) zu Gunsten eines neuerdings er- nannten Ingenieurs ans seiner Wohnung de- logiert, so das; der Kreis jetzt keinen Arzt hat. Diese Zustände erklären cS, daß die S t e rb- l i ch k c i t s v e r h äl t n i s s c in der Slowakei und in Karpatho-Rnßlcind i m m c r s ch l c ch- t c r werden. Im Komitat Preßburg war die Sterblichkeitszahl im Jähre 1910 5962, im Jahre 1920 6225. Im Komitat SaroS wuchs die Sterblichkeitszahl von 2667 ans 8699. im Komitat Turoc von 867 auf 1036. In Kar patho-Rnßland erhöhte sich die Sterblichkeit?' zahl im Jahre 1920 um 3 00 Personen! — Es dürfte sich in Mitteleuropa allmäblich einbürgern, von solchen und ähnlichen Verhält- nissen Immer nur als von„karpathorussischen Zuständen" zu sprechen. Seine kaiserliche Hoheit, General Popper, lieber den Hochstapler Wilhelm Popper, der sich in Amerika als österreichischer Erzherzog ausgab und als solcher monarchistischen Tschechen Geld entlockte, erfährt das„Pravo Lidn" weitere heitere Einzelheiten: In der Mitte des Jahres 1919 tauchte in New Port ein Mann auf. der Beziehungen zu tschechischen Kreisen suchte, indem er sich für einen Brigadcgcncral der tschechoslowakischen Legion ausgab, sich vieler' militärischer Taten rühmte und mit Auszeichnungen der tschechoslowakischen Lcgio- närc prunkte. Er erzählte weiter, daß er Kon- liktc halber während der sibirischen Kampagne im Austrage der tschechischen Regierung dcpor- tiert werden solle und sich nur einstweilen auf ein Ehrenwort hin frei bewegen dürfe. Er brauche aber einige Hundert Dollar für seinen Advokaten, der es ihm ermöglichen würde, der Deportation zu entgehen. Ein Häus- lcr in New Aurk, John Polo r n Y, lieh ihm auf Grund seiner Angaben(Popper wies übrigens verschiedene gefälschte Tokii- nicntc vor und trat in Gencralsuniform auf), 650 Dollar. Mit Hilfe der Familie Pokorny wurde er mit einer ganzen Anzahl tschechischer Familien bekannt und entlockte ihnen gegen 30.000 Dollar, indem er ihnen von einen militärischen Verdiensten, von seiner riihcren Wirksamkeit als österreichischer Abgc- ordnctcr(eine Abgcordnctcnlcgitimation hatte er sofort zur Hand) und von seiner Tätigkeit als Delegierter ans der Pariser Friedenskon- renz allerlei vorschwindelte. Später gab er 'ich als Gegner der gegenwärtigen Regierung «is und behauptete, er habe in der Tschccho- lowakci einen Pesi tz, bestehend ans Grund- tückcn, Schlössern, Bierbrauereien und Glas- abrikcn, der ungefähr 64 Millionen bc- trage. Dieses Vermögen werde ihm aber vom Präsidenten Masaryk und Minister Benesch und anderen Minister» ans persönlichen Grün- den vorenthalten. Aber um sein Recht durch- zusetzen, brauche er Geld. Da er immer wie- der Dokumente vorweisen konnte, die seinen Aussagen Glaubwürdigkeit verliehen, gelang es ihm sogar, die Tochter der amerikanischen Familie Harris zu heriatcn. Schließlich bc- hanptcte er auch, er stamme aus dem öfter- reichischcn Kaiserhaus, sei eigentlich der Erzherzog Franz Wilhelm Ferdinand, ihm gehören der Hradschin, Konopischt und andere Grundstücke der kaiserlichen Familie. Tann wieder gab er sich für einen S o z i a l i st c n ans und für einen Mitarbeiter der amcrikani- scheu Obrana und Scbcnicky. Schließlich wurde ihm der amerikanische Boden zu heiß und er reiste Ende Juni aus Amerika nach seinem Geburtsorte Bcchyne in Böhmen. Jni März aber begab er sich nach Prag und vcr- suchte auch hier, den großen Millionär zu sviclen. Er mietete eine Droschke, welche ihn 10 Tage in Prag herumführte— schließlich lieh er sich vom Kutscher 3000 Kronen aus. Der Präger Kutscher hatte allerdings nicht das unerschütterliche Vertrauen der anierika- nischen Tschechen und als der angebliche Mil- lionär nicht gleich bezahlte, ließ er ihn vcr- haften und so befindet sich jetzt der Brigade- general, Abgeordnete, Politiker, Erzherzog und Millionär Wilhelm Popper in den Händen der Gerechtigkeit. Mas mit ihm weiter gcschc- hen und ob er auch wegen seiner betrügerischen Tätigkeit"«! Amerika verfolgt wird, ist jedoch nicht bekannt. Eine Wahnsinnstat. Der Dachdecker Joses Da bor aus Pilsen besuchte am 2l. d. M. seinen Tchwicqervatcr Foscf Männer in Bschernp, um seinen dort in Pflege befindlichen vierjährigen Sohn abzuholen. Als er den Sohn auf einer Wiese antraf, nahm er ihn bei der Hand und führte ihn, ohne ein Wort zu sagen, mit sich fort. Plötzlich wandle er sich gegen seinen Schwiegervater, der ihm gefolgt war, und schoß ans ihn ans einem Revolver, ohne ihn zu tref- fen. Hierauf schoß er mit den Worten:„Seht her, Ivos ich imstande bin", seinen Sohn in die Brust, der sofort tot war. Dann scncrlc er noch zwei Schüsse gegen sich ab und sank zu Boden. Bei der Ankunft des herbeigerufenen Arztes und der Gendarmerie erklärte er, er sei unschuldig, er habe die Tat ans Zorn geaon seine Frau bcgan- gen. Dann verlor er das Bewußtsein und starb. ES ist offenbar, daß er die Tat in einem Wahn- sinnsanfall begangen hat 28. September 192t, Selbstmord. Vorgestern sprang nach 8 Uhr abends das Dienstmädchen Anna Straka aus Prag II. Havlicckplatz 18. in selbstmörderischer Absicht ans dem dritten Stock in den Hof hinab. Sic wurde in schwerverletztem Zustande in das Allgemeine Krankenhaus überführt. Das Motiv der Tat bildet unglückliche Liebe. Veruntreuung. Die Privatbcamtin Bozen« Zdtzchincc aus Weinberge wurde dem Landcsstraf- gerichlc eingeliefert, weil sie ihrem Diciistgcbcr. dem Drogisten Eugen FrcmzoS in Weinberge, 50.000 Kronen veruntreut hatte, indem sie Schecks gefälscht und Geld, das sie einlegen sollte, für sich behalten hatte. Kleine Chronik. Schnclligkcitsrckord des Fliegers Sadi Lccointe. Paris, 27. September(Havas.) Der bc. kannte F-licger Sadi Lccointe schlug den Schnei- ligkcitsrekord, indem er auf einer Strecke von einem Kilometer eine Geschwindigkeit von 830'27E Kilometer per Stunde erzielte. Ein Wort— 8 Kronen. Wien, 27. Septcni- bcr. Mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 1921 wur- den int Telcgrammvcrkchr nach Deutschland, dem Königreiche SHS, Liechtenstein, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn die Gebühren für jedes Wort eines gewöhnlichen Tclcgrammcs mit 3 Kr., eines Prcßtclcgrammes mit 4 Kr. und die Min de st gebühr für jedes Telegramm mit 80 K r o n c n festgesetzt. Die ständige Rubrik. Ans Barel(im Olden- bnrgischen) wird ein schweres Explosions- Unglück gemeldet. Im dortigen Eisenwerk kam beim Schmelzen von Eiscnschrot unglücklicher- weise auch eine Granate in den Kupolofen, die noch Sprengstoffe und Entzündcr enthielt. Es er- folgte eine Explosion, die den Ofen auseinander- sprengte und an dem Gießereigebäude schwere Schäden verursachte. Leider wurden auch nenn M e n s ch c n von dem Unglück betroffen. Zwei Arbeiter wurden schwer und sieben leichter der- letzt. Oer Kursstuy der deutschen Valuta. Berlin, 27. September.(Drahtbcricht de? „Sozialdemokrat".) Der Sturz der deutschen Valuta nimmt geradezu katastrophale Formen (in. Der Kurs für den Dollar stieg bei der heutigen Börse auf 127 Mark, englische Pfund auf 417 Mark. Die Bewertung der deutschen Mark ist also weit über den tiefsten Stand hin- untergegangen, den sie seit Jahren gezeigt hat. In der bürgerlichen Presse wird diese katastro- phalc Verschlechterung der deutschen Valuta als Folge spekulativer Ausschreitungen augc- sehen. Zugleich richten aber die rechtSstchcn- den Blätter Angriffe auf das Kabinett Wirth, weil seine Politik die Verschlechterung der deutschen Wirtschaft zur Folge gehabt habe. Tatsächlich ist aber die Verschlechterung der deutschen Valuta in den letzten Wochen immer erst als Folge der Spekulation an den deutschen Börse n eingetreten. In England führt diese Entwicklung bereits zu lebhaftesten Besorgnissen und das hat zur Rede Churchills über die Streichung der intcrnatio- nalcn Kriegslasten zu Gunsten einer Herab- Minderung der deutschen Wiedergutmachungs- Verpflichtungen Veranlassung gegeben. Dazu schreibt der„V orwärt s":„Deutschland ar- bcitct, um zahlen zu können, Teutschland führt zu Schleuderpreisen aus, um zahlen zu können, die deutsche Arbeit sinkt im Preise, je mehr wir zahlen.'DaS Ausland aber feiert, weil wir zahlen. Tie englische Industrie steht still, die amerikanische Industrie steht still. Die englischen Steuerzahler stellen ihre Zahlungen ein, weil Deutschland zählt. Die Bereinigten Staaten haben fünfmal so viel Arbeitslose, als während der Krisen der Vorkriegszeit. In England steht eö nicht viel besser. In beiden Staaten zerbricht man sich den Kopf darüber, wie die Arbeitslosenfragc zu lösen ist, man der- sucht, sich durch hohe Zollmauern vor der dcut- scheu Schleuderware zu schützen, aber die Pro- fitgicr und Undiszipliniertheit der deutschen Kapitalisten weiß auch über diese Mauer zu klettern, während die Regierungen noch immer das hohe Lied des freien Wettbewerbes der Kräfte singen." Die„F r e i h e i t" schreibt hie- zu:«Hier zeigen sich die Folgen der impc- rialistischen 3t a n b- und Gewaltpolitik. Die sozialistischen Parteien haben rechtzeitig den Weg gewiesen, der allein eine Verwüstung der Welt verhindert hätte: eine interna- ti o n ale Verständigung über den Wiederaufbau, bei der die von Deutsch- land übernommenen Verpflichtungen zur Wiedergutmachung im vollen Umfange seiner Lei- stnngsfähigkcit berücksichtigt werden können. Dieser Weg ist nicht eingeschlagen worden und so erweist sich erst recht die Wahrheit des Wor- teS, daß es nach dem Kriege weder Sieger noch Besiegte geben wird, sondern nur geschlagene Völker. Wenn die Vernunft bei den' Alliierten zu wirken beginnt, wäre das zu begrüßen, denn der Wiederaufbau der Weltwirtschaft und da- mit das Währiinßsproblem kann nur bei gleichberechtigter Teilnahme aller Völker ge- löst werden.