Jahrgang. Hr. 25. Donnerstag, 29. September 1921. Sozialdemokrat Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik jfrdaKIa««nfc i Prag 11.. SavNclovo näm. SS.> Einzelpreis 70 Heller. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» San»»der bei Bezug durch dl- Voll manatltrb I»- Kc. Telefon 6795, nacht» 6797. Telegramin-Adrefie: Sozialdemokrat Prag.^ vierteljährlich»»— Kc, halbjährig 96'— Kc. ganzsährig 192 Kc. fsNr Deutlckwlerrelch monatlich 120— üK. für Deutschland 16'— Mk, Posisparlassal onto 67544. I Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh. Regierungskrise in Osterreich Wien, 28. September.(Eigenbericht d«S „Sozialdemokrat".) Die Krise der Regierung Schober scheint aktnell werden zu wollen. I«- dcnfalls wird der Finanzminister Dr. Grimm zurücktreten, wenn auch gestern noch die Krise offiziell dementiert wurde. Im FinanzauS- schuh erstattete Dr. Grimm heute über den Stand der Krcditaktion Bericht und teilte mit, daß auf die zeitweiligen Vorschüsse ein Betrag uns zur Verfügung stehe; da aber die Ver- Handlungen noch nicht beendigt sind und wir den ganzen Betrag von mindestens zwei Mjl- lionen Pfund für notwendig halten, wird der Finanzminister wahrscheinlich in den nächsten Tagen wieder in London und in Genf vorstellig werden. Die Kreditaktion selbst ist ausschließ- lich abhängig von der Aufhebung deS Pfandrechts durch Amerika. Bei der Beratung des Gesetzes über die Länderbank und die Anglobank führte Bundes- kanzler Dr. Schober aus, die Annahme der beiden Gesetze sei deshalb notwendig, weil auS der Ablehnung sich schwere politische Konse- qucnzen ergeben würde,», da der französische Gesandte erklärt habe, die Ablehnung würde die nachteiligsten Wirkungen für die Kredit- aktion deS Völkerbundes zur Folge haben. Der Bundeskanzler verlangte also, daß beide Ge- fetze noch vor dem 7. Oktober angenommen werden und stellte ziemlich unverhüllt in Aus- ficht, daß, wenn die Gesetz« nicht angenom- men würden, die Reg ie r u n g sich gezwun- gen sehen würde, zu demissionieren. Der Aus- schuß vertagte sich auf morgen, weil morgen die Großdeutschen ihre Entscheidung treffen werden. Wenn die Großdeutschen sich für die Annahme dieser beiden Gesetze erklären wür- den, würde wohl eine Demission der Gesamt- regierung verhindert werden, aber der Finanz- minister, dessen Stellung schon durch den schlechten Stand der Kreditaktion erschüttert ist, würde jedenfalls gehen. Dandenumtriebe in Westungarn. Wien, 28. September.(Eigenbericht deS „Sozialdemokrat".) Heut« um 8 Uhr vormit- tags wurde in«inigen Dörfern Westungarns ausgetrommelt» daß in den nächsten Stunden Militär einrücken werde, für welches Ouar- ticre bereitgestellt werden müssen. SS komme« immer mehr Nachrichten, daß ungarische Banditen vorhaben, das Kohlenbergwerk Neu- feld anzugreifen und zu besetze», da in der Nähe sich bereits ungarisches Militär und Bande« versammeln. Budapest, 23. September.(VTKB.) AuS Oedenburg wird gemeldet: Heut« nachts ist«» zwischen Csaszarköbanya und Parndorf zu einem Feuerkmnpf zwischen Reichswehrtruppen und Aufständischen gekommen. Einzelheiten stehen noch auS. Die österreichische Degkernng bereit, Gedenbnrg abzutreten? Ein« Reutermeldung. London, 28. September. Reuter zufolg« besteht Grund zu der Annahme, daß die öfter« «ichisch« Regierung vollkommen bereit sein würde, ihren Streit mit der ungarischen Re- gicrung über da» Burgenland, auf der Srund« lag« der Ueverlassung Oedenburg» an Ungarn (beizulegen. Die verschiedenen Regierungen der (flehten Entente haben den Alliierten mitgeteilt, daß st« bereit sind, bei allen gwangSmaßnah- «en, die von den Alliierten gegenüber Ungarn ^beschlossen werden sollten, mitzuwirken.—(Unsere österreichischen Genosse» stehen nach wie vor auf dem Standpunkt: Erst da» Burgentand räumen und dann nach dem Prinzip des Selbst- bestimuumgsrechteS Volksabstimmung.) Ein Marl an masaryL Sie haben, Herr Präsident, vor einigen Ta- gen in Prcßburg in der Antwort auf eine an Sie gerichtete Beschwerde versichert, daß Sie dahin wirken wollen, daß Gerechtigkeit und Menschlichkeit zur Richtschnur deS Handelns der Behörden werde. In Ihren Worten liegt die Bestätigung, daß auch Sie die Notwendig- keit erkannt haben, daß der Schutz des Rechtes ein stärkerer werde und daß mehr als bisher die Menschlichkeit das Wirken der Staatsge- walt bestimme. Wenn Sie, Herr Präsident, Ihr Versprechen erfüllen wollen— und wir zweifeln nicht daran, daß eS Ihnen damit voller Ernst ist— dann, so glauben wir, dürfen Sie nicht ermangeln, eine Tat zu setzen, welche dazu beitragen würde, Hunderten Menschen weiteres Leid zu ersparen, bei Tausenden die Verbitterung und das Gefühl deS schwer er- schüttelten Rcchtsbewußtscins zu bannen, ganz abgesehen davon, daß auch Klugheit und Poli- tische Einsicht in gleichem Maße diese Tat not- wendig erscheinen lassen. Es handelt sich um die endliche Beseitigung der Folgen der Ur- teilssprüche, die nach den Dezemberereignissen von den eigens dazu bestellten Ansnahmsge- richten über hunderte von Menschen gefällt wurden, von denen viele noch heute die Ker« ker Men. Wohl können Sie, Herr Präsident, in diesem Falle die urteilsprechenden Richter nicht mehr, um mit Ihren Worten zu sprechen, zu Gerechtigkeit und Menschlichkeit zurückfüh« ren, denn diese Richter haben bis zu den letz- ten Instanzen hinauf ihr Urteil gefällt, doch es gilt, die bei der Rechtsprechung ihren ordent- lichcn Richtern entzogenen Menschen von den Härten und Grausamkeiten der Straffolgen zu befreien, die Urteile außer Kraft zu setzen, de- ren Furchtbarkeit vielfach seinerzeit allen nicht voreingenommenen und gerecht denkenden Men- schen das Blut in den Adern erstarren ließ und eS gilt, die Verurteilten, die wahrlich alles eher als geineine Verbrecher sind, ihrer Arbeit und ihren Familien zurückzugeben. Was wir, Herr Präsident, von Ihnen erwar- ten, ist nicht Gnade, sondern die Bestätigung der Einsicht, daß es bei diesen Urteilen nicht länger bleiben kann, die schon dadurch nicht als der Gerechtigkeit entsprechend angesehen wer- den können, als sie nicht von den zuständigen Richtern, von Richtern auS dem Volke, geschöpft wurden, sondern von AusnahmLsenatcn, deren Einsetzung allein schon dem Rechtsgefühl der weitesten Volksschichten widerstritt. Und erst die Urteile, ihre Schärfe und ihre Begründung! Erst jüngst hat die Verhandlung beim Obersten Gerichtshofe über die Berufung mehrerer wegen der Oslawaner Vorkommnisse Verurteilter die schmerzhaste Erinnerung sowohl an die Grausamkeit der gefällten Strafen, wie an die be- deutliche Art des Beweisverfahrens wachgeru- fen. Die Angellagten Votava und Genossen wurden vom damaligen Ausnahmsgerichte we- gen de» Verbrechens des Aufstandes angellagt und zu Kerkerstrafen von sechs bis zehn Iah- ten verurteilt» obwohl das Gesetz als Voraussetzung der Erfüllung de» Tatbestande» auS- drücklich davon spricht, daß sich dieses Verbre- chen» nur jene schuldig machen, welche sich zusammenrotten, um der Obxigkeit mit Ge- Walt Widerstand zu leisten. Nun war kein ein- ziger der Verurteilten, über deren Berusttng jetzt verhandelt wurde, zur Zeit der Ereignisse in OSlawan anwesend, sondern sie weilten in Brünn, konnten also nicht in OSlawan„der Obrigkeit mit Gewalt Widerstand leisten". WaS den Angeklagten nachgewiesen werden konnte, war, daß sie Reden gehalten haben, mit denen man die OSIawaner Borkommnisse in Zusammenhang bringt, aber durch Reden, auch wenn sie noch so aufreizend sind, kann man im Sinne des Strafgesetze» Wohl Mehrfache Ge- setzeSverletzungen begehen, keinesfalls aber das Verbrechen de» Aufstände», besonders Juenn die Redner viel» Stunden weit vom ! Orte der Tat entfernt sind. Der Oberste Ge- | richtshof ist dennoch und wie wir überzeugt i sind, entgegen der klaren Fassung deS Gesetzes, dazu gelangt, das Urteil in der Frage der . Schuld zu bestätigen und was das Auf- regendste und Unfaßbarste ist: das Oberste Ge- richt hat trotz des mehr als fraglich erwiesenen Tatbestandes das Urteil in Bezug' r vom ersten Gericht gefällten furchtbaren Urteile in vollem Umfange bestätigt! Herr Präsident, es hat keinen gerecht denkenden Menschen gegeben, den die oberstgerichtliche Bestätigung des Fehl- urteileS nicht erschüttert und mit tiefer Hoff- nungslosigkeit über die Einsicht dieser Richter erfüllt hätte! Die Richter sollen, Herr Präsident, so ist ihnen geboten, nach dem Buchstabe» deS Gesetzes urteilen. DaS haben sie nicht getan und sie haben auch nicht, WaS Volksrichter Wohl ge- tan hätten, bei der Urteilsfällung— wobei wir auch alle übrigen Verurteilungen im Auge haben,— die Zeitumstände berücksichtigt, unter denen die inkriminierte Tat begangen wurde. Die Richter haben nicht berücksichtigt, daß die Angellagten eine menschlich mildere Veurtei- lung verdienten, weil sie sich der Tat in gäh- render Zeit, da manche ehedem starre Begriffe eine Verschiebung und Erschütterung erfahren hatten, schuldig machten und sie haben nicht in Betracht gezogen, daß ihr hartes Urteil schmerz- lich bestürzend wirken mußte in einer Zeit, da so manches Unrecht und manche Gewaltat, die in den letzten Jahren an Angehörigen und Einrichtungen einzelner Nasionen begangen wurde, so gut wie ungesühnt geblieben ist. Und schließlich haben die Richter— wir wissen: sie durften es nicht tun— nicht an die politischen Folgen ihrer mehr als strengen Urteilssprüche gedacht, nicht daran, daß es nicht einer einsich- tigert Staatsraison entsprechen kann, politische Märtyrer einer Partei zu schaffen, deren Wachstum nicht den Wünschen der Staatslcn- ker entspricht. Es ist eine offenkundige Tatsache, daß es gerade diese harten Urteile waren, welche weite Teile der Arbeiterschaft, vor allem der tschc- chischen, der kommunistischen Partei zuführten. Ihre tiefe Kenntnis der Geschichte, Herr Prä- sident, lehrt Sie, daß Verfolgung-» auf die Dauer das alleruntauglichste Mittel darstellen, eine Bewegung zu bekämpfen und wir rennen gewiß bei Ihnen, Herr Präsident, offene Tü- ren ein, wenn wir behaupten, daß die kommu- nistische Bewegung unter der Arbeiterschaft nur mit geistigen Mitteln abgegraben werden kann und nicht mit Polizeimitteln. Herr Präsident, man nennt Sie den geistig stärksten Mann Ihrer Nation und wir schlie- ßcn uns diesem Urteile rückhaltslos an. Wir sagen das nicht, um Ihnen zu schmeicheln, denn aller eitle Pcrsonenkulws liegt uns fern, wir sagen eS, well wir darin die Voraussetzung un- serer Erwartung erblicken, daß Sie das Vor- recht, da? Ihnen Ihre Stellung verleiht, zur Austilgung eine» Kapitel» verwenden werden, da» wahrlich nicht zu den erfreulichsten in der sozialen und Rechtsgeschichte des Staates ge- hört. Sie sind Zeit Ihres Lebens der ehrlichen Ueberzeugung gefolgt, auch dann, wenn Sie sich dadurch zu nicht unerheblichen Teilen Jh- re» Volles in Gegensatz gestellt haben, darum hoffen wir zuversichtlich, daß sich auch in die- fem Falle Ihr Bekennermut und Ihre Unab- hängigkeit von allen schlechten Ratgebern of- fenbaren wird, welche, sei eS aus Kurzsichtig- keit oder politischer Voreingenommenheit Ihnen etwa in den Arm fallen wollten. Die Wahrheit ist, daß die gesamte Arbeiterschaft aller Ratio- nen wegen der noch immer währenden Wirk- samkeit der Ausnahmsgerichtsurteile von Bit- lentis erfüllt ist und daß e» ebenso ein Gebot der Einsicht und Gerechtigkeit wie der poli- tischen Vernunft ist, die Opfer dieser Justiz zu befreien. Herr Präsident, handeln Sie!. Das Görliher Programm. Auf dem Görlitzer Parteitag hat sich dt deutsche Sozialdemokratie ein neues Progranur gegeben, als erste aller sozialistischen Parteien ist sie an die durch die Entwicklung der Wirt, schaft und Politik der letzten Jahre notloendig gewordene Programmrevision geschritten. Auf den Parteitagen der sozialistischen Par- tcien der verschiedensten Länder ist bereits der Wunsch nach einem den Zcitbcrhältnisscn ent- sprechcudeuProgranim laut geworden, die Schwierigkeiten, die sich einem solchen Begin- nen entgegenstellen, haben jedoch bisher alle sozialdemokratischen Parteien davon abgehal- ten. Die Unabhängige Sozialdemokratie Deutschlands hat sich darum auf ihrem Partei- tag in Leipzig bloß ein Aktionsprogramm ge- geben, das die Forderungen zusammenfaßte, die das Proletariat in der nächsten Zeit durch- setzen will und auch die dcutschösterreichische Partei hat aus ihrem Parteitag zu Wien ei» ähnliches Aktionsprogramm beschlossen. Für die deutsche Sozialdemokratie in der sichecho- slowakischen Republik war die Frage des neuen Parteiprogramms schon zur Zeit des Teplitzer Parteitages 1919 aktuell, aber auch damals ist man davon abgekommen, well die Zeit für ein neues Programm noch nicht gekommen schien. Das sozialdemokratische Programm unter- scheidet sich von anderen Parteiprogrammen dadurch, daß es nicht nur eine bloße Zusam- menfassniig von Forderungen einer besttmm- ten Schichte der Gesellschaft darstellt, sondern, daß es die Anwendnng der Sozial- Wissenschaft auf die Politik ist. Seit Marx den wissenschaftlichen Sozialis- mus begründet hat, muß jedes sozialdemokra- tisches Programm in die ökonomisch-soziale Entwicklung der Zeit hineingestellt werden. Die Voraussetzung für die Aufstellung vou For- dcrungen ist die Erkenntis in die treibenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräfte der Gegenwart und die sozialdemokratische Polt, tik besteht darin, diese treibenden Kräfte der kapitalistischen Gesellschaft, die aus den So- zialiSmus zusteuert, zu erkennen, um sie be- wüßt zu fördern, dem Sozialismus alle Hm- dernisse aus dem Wege zu räumen, die ihm andere Gesellschaftsklassen entgegentürincn. DaS Programm der Sozialdemokratie Deutschlands, das auf dem Parteitag zu Erfurt 1891 beschlossen wurde, sängt demnach mit einer knappen, aber doch eingehenden Darstel- lung der wirtschastlich-gcsellfchaftlichcn Ent- Wicklung an. Es ist noch heute ein Vergnügen, die klaren, einfachen und durchschlagenden Sätze zu lesen, in denen mit ein paar Strichen die Entwicklung zum Sozialismus dargestellt wird. Als Beispiel diene das folgende: Immer größer wird die Zahl der Proleta- rier, immer massenhafter die Armee der über- schüssigen Arbeiter, immer schroffer der Gegen- sah zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, immer erbitterter der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat, der die moderne Gesellschaft in zwei feindliche Heerlager trennt und das gemeinsame Merkmal aller Industrie- ländcr ist. Dieselben Eigenschaften weist das noch heute für tinS gültige Programm der deutschen So- zialdcmokratie Oesterreichs auf, das auf dem Parteitag zu Wien 1991 beschlossen wurde. Auch dafür diene ein einziger Satz als Bei- spiel: Das Proletariat zu organisieren, es mit dem Bewußtsein seiner Lage und seiner Aufgabe z» erfüllen, es geistig und physisch kampffähig zu machen und zu erhalten, ist daS eigentliche Programm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Oesterreich, z» dessen Durchsetzung sie sich aller zweckdienlichen und dem natürlichen Rechtsbewußtsein dei Volkes entsprechenden Mittel bedienen wird. Wenn wir mit diesen schönen und klaren, in jeder Hinsicht einwandfreien Sätzen das neue Programm dergleichen, da» sich die So- zialdemokratie Deutschlands nunmehr gegeben hat, können wir ein Gefühl der Enttäuschung nicht unterdrücken. Da» Programm ist matt und ohne jeden Schwung. Man hätte glauben sollen, daß zunächst eine Darstellung der all- gemeinen Entwicklungstendenzen der kapitali- itfff&SH KMüIutf iRMflMt tairfc tlSth Seite 2. dam, eine Darstellung der spezifischen Enttvick- Iu»g der ropiialistischcn Ordnung int Kriege und»och dein Kriege gefolgt wäre. Ans der so dargestellten Entwicklung hätten zwangsläufig die Gcgcnwortsfordernngcn folgen müssen, die das sozialdemokratische Proletariat er- hebt. Nichts von all dem! Die allgemeinen Grundlagen des Kapitalismus werden in einem einzigeil Absaft folgendermaßen borge- stellt: Die kapitalistische Wirtschast hat den wcsent. lichcn Teil der durch die moderne Technik gewaltig entwickelten Produktionsmittel unter die Herrschaft einer verhältnismäßig kleinen Zahl von ltlraßbesihern gebracht, sie hat breite Massen der Arbeiter von den Produktionö. mittel» getrennt und in besitzlose Proletarier verwandelt. Sic hat die wirtschaftliche lln. gleichheit gesteigert und einer kleine», im Ucberssnß lebenden Minderheit weite Schichten entgegengestellt, die in Not»nd Elend vcr- kümmern. Sic hat damit den Klassenkampf für die Befreiung des Proletariats zur geschieht- lichcn Notwendigkeit und zur sittlichen Forde- rung gemacht. Diese Darstellung kann man nicht anders als > cmselig bezeichnen. Sie hält keinen Vergleich aus mit der wissenschaftlichen Präzision und zugleich der Glut, die in jedem Safte de? Er- surter Programms steckt. Achnlich ist die kapitalistische Entwicklung nach dem Kriege weg- gekommen. Auch da ist der Kern nicht getros- sen, einige allgemeine Erwägungen werden über den Kapitalismus angestellt, die in einem Leitartikel eines sozialdemokratischen Blattes ganz gut Platz finden können, in ein Pro- gramm jedoch keinesfalls gehören, weil ganz nebensächliche Dinge herausgegriffen werden. So ist von der„wachsenden Abhängigkeit der bürgerlichen Presse von übcrmächtinen Wirt- schaftsdiktatoren" die Rede, was üvar eine unbestreitbare Tatsache ist, aber in die wenigen Sätze, auS denen ein sozialdemokratisches Pro- gramm in seinem prinzipiellen Teil bestehen muß und in denen gerade nur das Wesentliche zum knappsten und klarsten Ausdruck gebracht werden soll, ganz und gar nicht paßt. Für den Geist, der die Schöpfer des Pro- grainms beseelte, ist bezeichnend, daß man sich anfangs nicht entschließen konnte, bas Wort K l a s s c wt a m p s in den Programmentwurf hineinzunehmen. Der theoretische Führer der deutschen Mchrheitssozialisten C u n o w wid- .niete der Rechtfertigung der geplanten Hin- weglassung eine» Artikel in der„Neuen Zeit", in der er die Nichtigkeit und Anwendbarkeit .der Darstellung des Klassenkampfes im kam- muuistischen Manifest für unsere Zeit leugnete. Im kommunistischen Manifest heißt cS nämlich: Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich dadurch anS, daß sie die Klassen- gcgensäbe vereinfacht hat. Die ganze Gesell- jchast spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. Cunow führt nun dagegen an, daß in den letzten Jahrzehnten sich die Mittelschichten, .welche zwischen Kapitalisten und Proletariern stehen, besonders rasch entwickelt haben und daß die sozialdemokratische Partei nicht mehr allein ans die Arbeiter, sondern auch ans diese Schichten reflektierte. So richtig diese Bc- Häuptling an und für sich ist, so falsch ist die Folgerung, die Cunow daraus zieht. Er sagt: „Ist unsere Partei aber keine bloße Klassen- parte!, sondern ein Gemisch verschiedener Klassen, so kann sie auch nicht mehr im frü- Heren Sinne Klassenkampfpolitik im Dienste der Arbeiterklasse treiben; sse muß not- 'tvcndig einen Ausgleich zwischen den Jnteres- sen der verschiedenen in ihr vertretenen Klas- scntcile suchen." In Wahrheit geht jedoch die Entwicklung dahin, diese Mittelschichten zu prolctarisiercn. Die sogenannten Mittel- schichten werden auf die Bahn des Klassen- kampfes gedrängt, wie ihn die Arbeiter, die stets den Kern der sozialistischen Partei Hilden werden, seit Jahrzehnten führen müssen. Schließlich hat man daS Wort vom Klassenkampf doch in das Programm hineingenom- men, aber wie Cunow sagt:„Aendern wird das an unserer Parteipolitik gar nichts." Ein sonderbares Vorhaben! Der Görlitzer Parteitag hat das Zusammen- gehen der Mehrheitssozialisten mit den Vertretern der deutschen Volkspariei in einer Koalitionsregierung möglich gemacht. DaS war eine taktische Absage an die Unab- hängige Sozialdemokratie. Die Annahme des Programmentwurss war eine weitere, die grundsätzliche Absage an die Unabhän- gigen. Aber die mehrheitSsozialistische Presse wird des eben geborenen Programms kaum selber froh, eS mehren sich die Stimmen in ihrem eigenen Lager, die weder die taktische Entschließung noch daS Programm des Görlitzer Parteitages für glückliche Bc- fchlüffe halten. Da« Görlitzer Programm ist das Programm des reformistischen Flügels der Arbeiterbewegung. Nur durch die Ueberwindung des Reformismus wie des PutschismuS, können wir wieber zur Einheit und Einigkeit des internationalen Proletariats gelangen. An dem Tage, da wir diese Eini- gung, die wir heiß ersehnen, erreichen werden, wird die sozialistisch« Internationale daS Gör- litzer Pro«««« begraben. 4»i«d«* wird da« Horlitzer Programm in aller Zukunft die Et- Soziald uigllng nicht, denn nicht ans einer bestimmten Situation hervorgegangene Programme, sondern die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit wird über die Zu- kunft der Arbeiterbewegung entscheiden. Inland. Einlösung der Kriegsanleihe. Daß nicht Raschln das Fiuanzportcfeuille übernommen und daß sich Präsident Masaryk in Preßburg für die Einlösung der KriegSan- leihen ausgesprochen hat, läßt die Erwartung z», daß sich der Staat seine» Verpflichtungen nicht entziehen werde. Seit nahezu drei Iah- reu steht diese Frage ungelöst zur Beantlvor- tung. Unendlicher Schaden ist durch ihr Vcr- schleppen nicht bloß den Kriegsanleihcbesitzern, pudern vor allem dem Staate selbst zugefügt worden, der, wie das Ergebnis der letzten Staatsanleihe beweist, jeden Kredit eingebüßt hat. Während selbst jene Staaten, denen von den Siegern beinahe unvorstellbare Tribute auferlegt wurden, bemüht sind, ihre Kriegs- chulden zu begleichen und so ihren Kredit ge- genübcr den Staatsgläubigern nicht ganz zu untergraben, glaubte man hierzulande nach dem Rezepte Raschins die Kriegsschuldenfrage einfach so zu erledigen, daß man chr aus dem Wege ging. Der Staat, der die größte» Ak- tiva aus dem Zusammenbruche Oesterreichs, 80 Prozent seiner Industrie, Kohlenberg- werke, den fruchtbarsten Teil des Reiches über- nommen hat, entschlug sich bis heute der Auer- kennung der Passiva. Raschin versuchte sei- uerzcit die Kriegsanlcihesrage auf ein natio- nales Geleise zu schieben, aber gerade die tsche- chischc» Banken waren es seinerzeit, die am lautesten für die Kricgsanleihebczeichnung ge- worden haben. Wohl ist es richtig, daß gerade diese Banken rechtzeitig ihre Kriegsanleihen abgestoßen haben, aber man dürfte^nach drei Jahren endlich daraufgekommen sein, daß nach dem Rezept„der Staat bin ich", die Tschechoslowakei nicht die Zidnosteitska banka ist.— Die Frage der Kriegsanleiheeinlösung ist trotz der Unilvaiidlungsgelcgeilheit in Staatöan- leihe ungelöst geblieben, denn gerade die ka- pitalärmstcn KriegSanleihcbcsitzer, Menschen und Wohlsahrtsanstalten, denen vielfach nichts anders geblieben ist, als Kriegsanleihe, konn- ten sie durch Aufzählung in Staatsanleihe nicht umtauschen. Und während em Teil der Kapitalisten seine Kriegsanleihe in StaaiSan- leihe konveniiert Hot, sind heute diejenigen im Besitze der Kriegsanleihe, die nicht die Möglich- feit zum Umtausch hatten. Wir Sozialdemolraten stehen ans dem Standpunkt, daß die Kriegsanleihe so bald wie möglich eingelöst werden müsse: nicht nur des- halb, um tausende Menschen vor dem Unter- gang zu schützen.— Viele Kapitalisten konn- ten ihr Schäfchen rechtzeitig inS Trockene bringen— sondern nach dem Grundsatze, daß alle Kapitalisten für die Kriegsschulden und nicht die zufälligen Besitzer von Kriegsanleihen aufzukommen haben. Die Forderung der An- nülliernng der Kriegsanleihe ist nichts anders als ein Mittelchen der tschechischen Bourgeoi- sie, ihre Schuldigkeit dem Staate gegenüber durch andere begleichen zu lassen. „Pravo Lidu" gegen die SokolauSflüge ins deutsche Gebiet. Im„Pravo Lidu" schreibt E. Hoffmann, Leitmeritz, über die tschechischen SonntagSexpeditionen in das deutsche Sprachgebiet unter anderem folgendes:„Taktische und Berstandesgriinde sprechen gegen diese Fahrten für das Auge, welche soviel Staub auswirbeln, jeden vor Langweile«ingeschla- fenen deutschen Chauvinisten auswecken, ohne dah die Dinge zu Gunsten der Minderheiten geändert würde. Viel nützlicher und wichst- ger wäre eS, die Position aus wirtschaftlichem, Schul- und kulturellem Gebiet zu stärken." In seinen weiteren Ausführungen nlaubt Hof- mann, aussprechen zu können, dass„die Leute in den Minderheiten überzeugt sind, daß es zmu deutsch-tschechischcn Ausgleich kommen wird." Die Partelenverhältnisse im Parlament. Gegenwärtig sind im Abgeordnetenhaus 285 Abgeordnete, und zwar 48 tschechische Sozial- demokraten, 41 tschechische Agrarier. SS tschechische Klerikale, 26 Kommunisten, 25 tschechische Nationalsozialisten, 19 Nattonaldemo- kraten, 7 Gewerbeparteiler, 4 Abgeordnete der Brodeckhgruppe, 8 Modracekleute, 1 selbstän» diger Tscheche(ZeSla). WeiterS 28 deutsche Sozialdemokraten, 13 deutsche Agrarier, 12 Deutschnationale, 9 deutsche Christlichsoziale, 5 deutsche Nationalsozialisten, 2 Deutschdemokraten, sowie 6 ungarische Klerikale, 3 ungarische Sozialdemokraten. Die neue Negierung verfügt daher über eine Gefolgschaft von 166 Abgeordneten, die Opposition zählt 123 Abge- ordnete. Vor daS ordentliche Gericht.„Rttde Pravo" veröffentlicht einen offenen Brief von sechs verurteilten Kommunisten aus Ungarisch- Hrodisch. an den Jusstzminister, wovon der größte Teil konfisziert ist. Aus dem nicht konfiszierten Teil ist zu entnehmen, daß die sechs Verurteilten verlangen, vor ein ordent- liches Gcschwornengericht gestellt zu werden und daß das Urteil des AuSnahmssenatS las« siert werde. Ein« Journalisteuversammlung. Gestern vormittags fand im Mozarteum eine fftovma* «mokrat listenversammlung statt, in der Ministerpräsi- dent Dr. Benesch über die Bedeutung des Journalismus in etwas überschwenglicher Weise sprach. Auch Minister H a b r m a n er- griff in dieser Versammlung das Wort. Die Tagesordnung der Versammlung umfaßte fol- gende Punkte: Das Dienstverhältnis der Re- dakteure, Jourualisteukammern, allgemeine Versicherung der Journalisten und Preßgesctz. Nach Erstattung von Referate» und einer De- batte wurden einige Anträge des Ausschusses dcS Syndikats der tschechoslowakischen TageS- presse genehmigt. Der Klerikalismus als Organisator. Die Klerikale» als unsere gefährlichen Gegner zu bezeichnen, genügt nicht. Man muß die Größe und Macht ihres Organi- sationsapparatcs anschaulich sehen, um sich der Schwere des notwendigen Kampfes be- wüßt zu werden. Darum dürfen wir der christlichsozialen Warnsdorfer„Volkszei- tung" dankbar sein, die uns«in den Vor- trag des Gen. Leuthner und unser gestriges Feuilleton erschöpfend illustrierendes Zif- fernmaterial zur Verfügung stellt. Was den schwarzen Herren Grund zum Stolz bietet, gibt uns kräftigsten Ansporn, uns ihrer mit allen Mitteln zu erwehren. Die Warns- dorfer Statistik also berichtet: „Der Süddeutsche Verband katholischer Ar- beitervereine zählte schon vor dem Weltkriege (i. I. 1911) 978 Einzelvercine mit 168.250 Mitgliedern, 681.300 Mark Vereinsvermögen, 2.5 Millionen Mark Spareinlagen usw. In 776 dieser Vereine waren zur Belebung und Stärkung des religiösen Lebens regelmäßige Generalkommunionen eingeführt. Aus der sonstigen Statistik der erwähnte» 978 Vereine hebe ich hervor: 1795 religiös-apologetische, 2395 soziallvirtschaftliche, 1452 siaatsbürger- kundliche und 1633 allgemein bildende Vor- träge, 356 Lichtbilderaussührnngen. 407 Vereine hallen in dem oben erwähnten Be- richtssahre 1911 eigene Büchereien, außerdem wurden vom Verbände für die Einzelbereine 23.259 Broschüren angekauft. Der Westdeutsche Verband katholischer Ar- beitervereine verzeichnete im selben Jahre 1911: 1041 Einzelbereine, 189.980 Mitglieder, 9524 Vertrauensmänner, 1,112.250 Mark an VercinSvermögen, 4,614.116 Mark an Spar- einlagen der einzelnen Mitglieder, 555.380 Mark Unterstützungen an Mitglieder, ein Ver- bandSorgan mit 165.000 Abonnenten, 3585 Versammlungen! Der Ostdeutsche Verband verzeichnete 85 katholische Arbeitervereine. Der„Verband der katholischen Arbeiter- vereine"(sog. Berliner Richtung) zählte zur selben Zeil 1260 Vereine mit 130.000 Mitglic- der,». Hiezu kommen noch die christlichen Gewerkschaften mit 340.957 Mitgliedern, 23 Fachblät- tcrn, 7,083.000 Mark Vermögen, 2,442.950 Mark Untcrstiitzuugsbcträgen. Die christlichen Gewerkschaften waren schon danials an 1122 Tarifverträgen beteiligt. Der Zentralvcrband katholischer Jünglings- vereine konnte einen Bestand von 1937, also fast zwei Tausend Einzelvereinen und 194.017 Mitglieder ausweisen. Dem Zentralverbande standen vier Zeitschriften zur Verfügung. Eine Gesamtstatistik der katholischen Jung- sranenvereine liegt mir gegenwärtig nicht vor, aber ich glaube mich nicht zu irren, vor wenigen Jahren in einem Berichte gelesen zu haben, daß mehr als 350.000 katbolische Mädchen in religiösen Vereinen organisiert seien. Aehnlich großzügig und zeitgemäß organi- siert sind Hunderttausende bon Frauen im Ka- tholischen Frauenbund und in den christlichen Mütterdereinen. Vor mir liegen die Klerus-Kataloge des Erzbistums Köln und der Bistümer Trier, Münster, Paderborn, Breslau und Rotten- bürg. Diese und andere Diözesan-Schematis- men bringen fast sämtlich auch eine Ueber- ficht über die nicht-politischen katholischen Ver- eine, da an der Spitze fast aller dieser Organi- sationcn ein katholischer Geistlicher als Präses oder doch als maßgebender Beirat steht, eine Taffache, welche dem reichsdeuffchen KleruS nicht hoch genug angerechnet werden kann und zum Gutteil die solide religiöse Fundierung Möglichkeit bewiesen habe, die deutsche Repa- rationSverpflichtung lediglich durch Devisen abzulösen. Das Problem sei der Ersatz von Geld— durch Sachleistungen. Sicherlich sei dabei der Widerstand der französischen Jndu- strie zu überwinden, e» vertrete aber der französische Wiederaufbauminister selbst die Anschauung, daß sich die französische Industrie ins eigene Fleisch schneide, wenn sie ihre ganze Tätigkeit auf die Wiederausbauliesemn- gen einstelle. emokrat Versuchte Vernichtung der Ärüuner deutschen Sühne. Der Stadtrat von Brünn, der durch Einge- inciildulig mehrerer tschechischer Ortschaften in seiner Majorität tschechisch gemacht wurde, hat beschlossen, d c n B c r t r a g mit dem Theater vereine auf zw ei malige B e-sitznng deS S t« d t t h c n t e r s i u di oche zu kündig e u. Diese Tat,''• um;.ttelbar nach der Abreise Masaryko unter dem Einfluß der nationalistischen. monstratioucil gesetzt wurde, bedeutet nicht tue- nigcr als den Versuch der vollständigen Ver- nichwng der deutschen Schauspielkunst in Brünn. Sic bedeutet eine Kampfansage des nationalen Chauvinismus, von dem die Ma- jorität des Brünn« GemeindcratS erfüllt ist, an die gesamte deutsche KnUurgemeinschaft Mährens. Schwere Tage hat die Brünn« deutsche Schaubühne seil dem Ilmsturze zu überdauern. Trotzdem den Deutschen Brünns bei der Uebcrgabe der Stadtgcmcindc au eine Rcvolu- tionskorperschast von ihrem ältesten Mitglicde, Herrn Dr. StranSky versprochen wurde, daß' dem deutschen Theater ein dreimaliges Mit- benütznngsrccht in der Woche gewahrt bleibe, wurde dieses Versprechen einfach gebrochen. Langer Verhandlungen bedurfte es, bis den Deutschen die zwei theatcrschwächsten Tage der Woche, Montag und Dienstag, zur Benützung des Stadtthcaters eingeräumt wurden. Ein kleiner, für Theatcranfführungen beinahe un- geeigneter Saal, die Redoute, sollte ihnen das große Haus ersetzen. Die Subvention, die die Brünn« Stadtgemeinde dem deutschen Theater gewährt, ist verhältnismäßig so spär- lich, daß in dieser für Schaubühnen so kriti- schcn Zeit das Brünn« deutsche Theater bei- nahe auf sich selbst gestellt ist. Die Brünn« Tschechen haben sich für da« Thcatcrspieljahr 1929/21 nicht wenig« als 1 M i l l i o n 699.999 Kronen bewilligt. Außerdem erhält das Brünner tschechische Theater große Zu- Wendungen seitens des Landes und dcS Ma- sarykfond». Dem deutschen Theater wurde nach langen Verhandlungen ein Achtel der tschechischen städtischen Subvention 299.999 Kronen bewilligt. Und zu alledem kommt jetzt noch gleichsam der Dclogicrungsaustrag! Es ist ausgeschlossen, daß das einzige große Theater Mährens in zwei fiir größere Bich- nenwerke ungeeigneten Saallokalitäten weiter bestehen kann. Wenn dem Theater auch noch die letzte WirkungSmöglichkeit genommen wird, muß es zu Grunde gehen. Wenn dies auch die Absicht der Brünncr Chauvinisten ist, so können wir kaum glauben, daß sich mit ihnen auch die neue tschechische Regierung, die doch ein einträchtiges Zusammenleben mit den Deutschen dieses Staates ermöglichen will, identifiziert. Die gänzliche Vernichtung der hunderte Jahre alten Brünner deutschen Bühne würde diesem Staate nur viele Tau- sende neue Feinde schaffen. Dies kann doch nicht die Absicht dieses übereilten, gleichsam au» einer Straßcndcmonstration geborenen Beschlusses sein. Es besteht keinerlei Nöti- gung, den Deutschen Mährens eine ihrer letz- ten. Kulturstätten zu nehmen. Die tschechische Schauspielkunst in Brünn hat bei ihrem Heu- tigen Anteil an Räumlichkeiten die Gewähr vollster Entfalttina. Nicht wenig« als 19.999 Zuschauern kann sie in ein« Woche die Möglich- keit des Theaterbesuches geben. Diese Zahl ist relativ so groß, daß es ihr»och auf zwei Spieltage im Stadtthcater wohl nicht an- Aus de Costers Til Rlenfpiegel. Als d« Kais« Karl einmal vom Kriege heimkam, ftagte er, warum sein Sohn Philipp nicht zu ihm käme und ihn begrüße. Der«»bischöfliche Erzieher des Infanten erwiderte, dieser habe nicht gewollt, sondern er- klärt, er liebe nur Bücher und Einsamkeit. Der Kaiser erkundigte sich, wo er sich im Augenblick aufliielte. Der Erzieher meinte man müsse ihn irgend- wo im Dunkeln suchen, und das taten sie denn. Sie wanderten durch eine reichliche Menge von Zimmern und kamen schließlich in eine Art Verschlag ohne Fußboden, der mir durch eine Lücke Licht bekam. Dort sahen sie im Boden einen Pfahl stecken, an dem am Leibe aufge- hängt«in« zierliche kleine Aeffin hing, die man Sein« Hoheit von Indien geschickt hatre, um sie durch ihre lustigen Streiche zu ergötzen. Unten rauchten noch glimmende Holzschelte, und im Verschlag roch eS nach verbranntem Haar und verkohlt« Haut. Da« Tierchen batte so viel leiden müssen, daß sein klein« Körper nicht dem eine» We- sen» glich, da» einmal gelebt hatte, sondern wie«in Stück derknollter.und gewundener Wurzel aussah. Sein Mund, der wie zum Todesschrei geöffnet schien, ließ blutigen Schaum sehen, und feuchte Tränen benetzten sein Gesicht. „Wer hat da» hier getan?" ftagte d« Kais«. D« Erzieh« wage nicht zu antworten, und beide blieben stumm, traurig und zornig. Plötzlich hörte man w dieser Stille einen leisen Klang, wie Husten aus einer tief ver- chattete» Ecke hinter Ihne». Seme Majestät Seit« 3. konimt. Ebenso klar ist es, daß'durch die Fort- nähme dieser ztvci Spieltage die deutsche Bühne ruiniert ist. Schon aus kulturellen Motiven darf die Kündigung dcS Brünn« Gemeinderats nicht zur Tat werden! Ein Vergessener. 88 Jahre alt ist der auch in sozialistischen .eisen nicht unbekannte Forsch« Eil gen ü hring, einsam und von der Mitwelt ; iiifist vergessen, gestorben. Das erste Auftreten dieses Mannes, der in einer Reihe von Wissen- schaffen bewandert war, glich einem Meteor, zu Hunderten drängten sich die Studenten in seine Vorlesungen. Zu Beginn der 79« Jahre «schienen seine Schriften:„Kursus der Philo- sophic",„Kursus der National-»nd Sozial- Ökonomie", uud„Kritische Geschichte d« Na- tionalvkonomie und des Sozialismus", iu welchem er ein neues wissenschaftliches Sy- stein des Sozialismus entwickelte. Selbst aus einen Teil der sozialistischen Arbeiter, ja, der sozialistischen Presse, blieben diese Bücher nicht ohne Einfluß, da die Sozialisten von damals wissenschaftlich noch nicht gefestigt waren und daS Marx'sche System von ihnen geistig noch nicht verdaut war. Daher Ivurde es notwendig, vom Standpunkte des Marxismus zu Düh- rings Schriften Stellung zu nehmen, eine Auf- gäbe, der sich kein Geringerer als Marxens treuer Mitarbeiter und Freund Friedrich Engels unlerzog. Seit Anfang 1877 erschienen im Leipzig« „Vorwärts" fortlaufende Artikel, die dann später gesammelt als Buch unter dem Titel: „Herrn Eugen D ü h r i n g s U m w ä l- zung der Wissenschaft" herausgege- den wurden und viele Auflagen sowie Heber- schlingen in eine ganze Menge von Sprachen crlcv.en. Eine ganze Generation von Soziali« sten hat einen großen Teil ihres Wissens aus dem angeführten Buche von Friedrich Engels geschöpft. In seiner Kritik der Dühringschen Schriften geht Engels schonungslos mit deren Verfasser zu Gericht, mit der Engels eigenen Ironie und seinem beißenden SarkaSmus voll- zieht er an Dühring eine wissenschaftliche Hin- Achtung. Dühring war danialS nur ein„Ty- pus von„Gelehrten", die alles zu verstehen glaubten und vom hohen Roß ihres Stand- Punktes jede andere Ansicht in Grund und Bo- den verdammten. Engels selbst charakterisiert diese Richtung der Wissenschaft wie folgt: „Herr Dühring ist einer der bezeichnendsten Typen dieser vorlauten PseudoWissenschaft, die sich heutzutage in Deutschland überall in den Vordergrund drängt und alles übertönt mit ihrem dröhnenden— höheren Blech. Höhere? Blech in der Poesie, in der Philosophie, in der Politik, in der Oekonomie, in der Geschichts- schrcibimg, höheres Blech auf Katheder und Tribüne, höheres Blech überall, höheres Blech mit dem Anspruch ans lleberlegenheit und Ge- dankentiefe im Unterschied von dem simpel«, platt-vulgären Blech anderer Nationen, höhe» reo Blech, daS charakteristischste und Massen- haftest« Produkt der deutschen intellektuellen Industrie, billig, ab« schlecht, ganz wie andere deutsche Fabrikate, neben denen es leid« in Philadelphia nicht vertreten war. Sogar der deutsche Sozialismus, namentlich feit dem gu- ten Beispiel des Herrn Dühring, macht neuer- drehte sich um und bemerkte dort den Infanten Philipp in ganz schwarzer Kleidung, der an einer Zitrone saugte. „Don Philipp", sagte er,„komm her und begrüße mich". D« Infant rührte sich aber nicht und blickte ihn mit furchtsamen Augen an, aus denen keine Liebe sprach. „Warst du das", fragte der Kaiser,„der hier dies Tierchen auf diesem Feuer verbrannt hat?" Der Infant senkte den Kopf. Darauf der Kaiser:„Wenn du grausam ge< mig warst, daS zu tun, so sei auch mutig genug, es zu gestehen". Der Infant antwortete nichts. Da riß Seiner Majestät ihm die Zitrone aus der Hand, warf sie zu Boden und begann ihn zu schlagen, und sein Sohn pinkelte vor Angst. Aber der Erzbischof hielt ihn zurück und flüsterte ihm ins Ohr:„Seine Hoheit wird einst groß werden durch Verbrennen der Ketzer", Der Kaiser lächete, und beide gingen fort und ließen den Infanten allein bei seinem Affen. Aber es gab auch andere, die keine Assen waren und doch^ den Flammentod fanden. Damals traten zum anderen Male die In- quisitoren und Theologen vor Kaiser Karl und stellen ihm vor: die Kirche gehe zugrunde; ihre Autorität werde mißachtet; wenn er soviel ruhmreiche Siege errungen habe, so danke er das den Gebeten des Katholizismus, der seine kaiserliche Macht aufrecht erhielte. Ein spanischer Erzbischof forderte, er solle zu sehen. Alle Damen und Herren des Hofes sechstausend Köpfe abhauen oder" ebensoviel Veite a. bings recht erklecklich in höherem Blech und Produziert diesen und jenen, der sich mit„Wissenschaft" brüstet, von der er„wirklich auch nichts gelernt hat." Es ist dies eine Kinder- krankhcit, die die beginnende Bekehrung dcS deutschen Studiosus zur Sozialdemokratie an- zeigt und von ihr unzertrennlich ist, die aber bei der merkwürdig gesunden Natur unserer Arbeiter schon überwunden werden wird." Aber die Engels'schc Kritik ist nicht nur negativ, sondern, was dem Buch den eigentlichen wissenschaftlichen Wert verleiht, auch positiv, En- gcls zeigt nicht nur die folgerichtige Anwcn- dnng des Marx'schcn Systems ans die Philoso- phie und Svzinlwissenscbaft, sondern greift auf alle Wissensgebiete, beispielsweise die Natur- Wissenschaft, über, sodass Engels' Buch eine Fülle wertvoller Kenntnisse vermittelt. Vielfach wurde spater gesagt, dass Engels über das Ziel in seiner Kritik hinausgeschossen und Dühring nicht unrecht gehabt habe. Dem- gegenüber ist festzuhalten, das> Dühring nicht nur völlig unhaltbare wissenschaftliche Theo- ricil formulierte, sondern daß er auch von einem ganz ungewöhnlichen Größenwahn er- füllt war. Seine Eigenliebe macht seine Bü- cher fast ungenießbar. Einige Proben mögen genügen:„M eine Gcschichtszcichnuug g r o- ss c n Stils", oder„nur in denjenigen sozialen Gebilden, welche ich in m eine m Kurse der National- und Sozialökonoinie gekennzeichnet habe, kann ein echtes Eigen an die Stelle des bloß scheinbaren und vorläufigen oder aber gewaltsamen Eigentums treten." So sehr er sich selbst lobte, so verdammt er oft die gröss- ten Geister, die das 19. Jahrhundert der Menschheit geschenkt hat. Marx beispielsweise wirft er Ohnniacht der ordnenden Fähigkeiten und Unförmlichkcit des Gcdaiskens und des Stils vor. Der scharfe Kampf, den er gegen eine Reihe anderer, vom Staate anerkannter und i» Amt und Würde» eingesetzter Gelehrten und Univcrsitätsproscssorcn führte, bcwog die Berliner Universität, ihm die Privatdozentur wegzunehmen und man nnch es Engels, der sein wissenschaftlicher Gegner war, hoch anrcch- neu, dass er hiebe! Dühring in Schutz nahm. In den letzten Jahrzehnten>var Dühring blind, sodass da» Schicksal des nicht nslbcgabtcn, aber eitlen und größenwahnsinnige» Gclcbrtcn voll Tragik war. Seither lebt: er in völliger Zurückgczogcnheit und Einsamkeit: da? heute lebende Geschlecht hat ihn beinahe gar nicht gc- kannt. Tages-Nemgkeiten. Ehrenmann Janowsky. Die Krummaucr Kominunisten, niit denen wir uns schon ein- mal befaßten und denen Svir schon damals einen ganz besonderen Platz in der kommuni- stischcn Parlcigcschichtc vcrbicßcn, bcivciscu immer deutlicher, wie stolz sie auf ihre Ber- trauensmänuer sind. Einer von ilmcn, Spar- kasscndirigent Janowsky, wurde von uns als Balutcnschicbcr an den Pranger gestellt. Die Direktion der Sparkassa der Stadt Krum- man hat u»S in einer besonderen Zuschrift un- sere Feststellung der Balutcnschicbnngcn ihres Dirigenten bestätigt, der dcsn Untcrnchinen einen Schaden von 29.999 Kronen verursachte. Diese Erklärung der Direktion mußte die „Südböhmische Arbeiterzeitung", deren Ehrenhaftigkeit von uns seinerzeit auch entsprechend gewürdigt wurde, in ihre Spalten ausuch- Leiber verbrennen, um in den Niederlanden die boshafte lutherische Ketzerei auszurotten. Sei- ner Heiligen Majestät bedüuktc, das sei keines- Wegs genügend. So sah Ulcnspicgcl allenthalben, wo er hin- kam, voll Entsetzens nur'Häupter auf Psäh- len, junge Weiber, die in Säcken lebend in die Flüsse geworfen wisrdcn: nackte Männer aufs Rad gespannt und mit schweren Eisenstangcn geschlagen, Frauen in Gräber geworfen, mit Erde bedeckt und Henker, die darauf herum- tanzten, um ihre Brust zu zertreten. Aber die Beichtiger derer, so zuvor bcrcsst hatten, verdienten in jedem Falle zwölf Batzen. In Löwen sah er die Henker dreißig Lssthc- rische gleichzeitig verbrennen, und der Holzstoß wurde mit Schicßpulvcr' entzündet. In Lim- bürg sah er eine ganze Familie, Männer, Fraisess, Töchter und Schwiegersöhne Psalmen singend zur Hinrichtung gehen. Nur der Ba- tcr, der schon alt war, schrie, während ihn die Flammen erhaschten. Und Ulenspicgcl wanderte voll Angst und Schmerz weiter über diese nriue Erde. Philipp.hatte Marie von Portugal gchcira- tet, deren Güter er seinem spanische» Herr- schert::::: angliederte! mit ihr zeugte er Don KarloS, den grausame» Narren. Aber er liebte feine Frau nicht. Die Königin litt an den Folgen der Geburt. Sie hütete ihr Bett und hatte ihre Ehrcnda- men um sich, unter ihnen die Herzogin von Alba. Philipp ließ sie oft allein, um Ketzer brennen taten es ihsn nach. So auch die Herzogin von Alba, die edle Wochenhüterin der Königin. Soziald men. Aber die Kruminauer Kommunisten und ihre Presse sind eben so stolz auf ihren Janotvsky, daf> sie sich mit ihm sogar dann solidarisch erklären, wenn er eine Lumperei bc« geht. Sie tun das auf ihre eigene Weise, in- dein sie die Tatsache cissfach zu leugnen versuchen. In derselben Numnscr der„Südböh- mischen Arbeiterzeitung", in der die amtliche Erklärung der Direktion über die Balu- tasckiicbuugen JanoSvsky steht, befindet sich auch ein Bericht über die KrciSkonfcrenz der südböhmischen Komnmnisten und darin heißt es unter anderem: „Genosse Janowsky, der in den letz- ten Tagen von den Sozialdemokraten in der infamste» Weise als Balutaschicber verleum« dct worden war, wurde als KrciSvertran« cnSmann wieder gewählt, da die Kreisle!» tung ebenso wie zuvor eine Krummaucr Ber- trancusvcrsammlung festgestellt hatten, daß sich Gen. Janowsky keiner nnchrenhastcn und eigennützigen Handlung schuldig gc- macht hat." Wir wissen nicht, waS die koinmunistischen „Vcrtraucns"-männer dieser Konferenz eingc- redet haben, so daß sie ihnen auf den Leim ging. Wir stellen nur fest, daß sie Janowsky, den Svir»nSvidersprochen slsid amtlich bestätigt als Balsitaschiebcr erklärten, tiesserdings zum KreiSvertraueusniaun Svähltc. Hicinit ist Ja- nowSkys Ehre zSveifellos rcingeSvaschen und Svir empfehlen des: Kommunisten, es auch mit den Trzubskys und Seglers ähn- Sich zu halte». Sic brasschess ja nur„beschließen", daß beide„m infamster Weise verleum- dct" wurden ssssd nichts steht mehr im Wege, sie zur ständige:: Erinnerung an den Raub- nwrd von Chodau zu Funktionäre der kotn- munistischen Partei zu wählen. Die sieben Garnituren der„Vereinigten". Der sonderbare LäuterungSprozcß, der in der Vereinigten kousnmmstischen Partei Deutschlands seit eben dieser Bereinigung vor sich geht, und niit dem jüngst erfolgten Austritt Adolf H o f f m a u n s und Ernst D ä u m i g s in eine neue Phase getreten ist, Svird von der Berliner„Freiheit" in sieben Bildern festgehalten,die das traurige Chaos in der V. K. P. D. mit gelungenem Scherz Svidcrfpiegcln. Nachdem Adolf Hofsmann, der bisher zu den Untcrgeducktcn zählte, und Ernst Täumig, der sich den schwankenden Gestalten angeschlossen hatte, wild geworden und aus der Partei ausgetreten sind, ergibt sich fol- gendc Zusannncnstcllung: 1. Die Moskauer: a) die UnentSvcg- ten: Ncmmele, Fröhlich; b) die Abgesägten: Stoccker, Höllcin, Koeucn. 2. Die Leviten: Lcvi, Malzahn. . 3. Die R-a usge wordenen:. Reich, Düsvell, Geyer jr. 4. Die Ausgetretenen: H. Tcuber, Marie Wacksvitz. 6. Die Untergcducktcn: Zetkin, Nlettncr, Eckardt, Braß, Bartz, Hei- demann. 6. Tie schwankenden Ge st alten: Dr. Herzfeld, Geyer sen., Berthele, Eich- Horn, Themas, Fries. 7. Die Wildgewordenen: Ernst Däumig, Adolf Hoffmann. Die„Freiheit" bemerkt ctSvas stark satyrisch, daß sie neue Veränderungen in: Bestand der vereinigten kommunistischen Fraktion lausend registrieren wird— aber die Satyre ist treffend: Svir glauben, daß die„Freiheit" bald Gelegenheit zu neuer Registratur haben wird. Damals ergriff das Offizial einen flämischen Bildhauer, einen römischen Katholiken, weil ihm ein Mönch den vereinbarten Preis für ein Muttcr-Gottesbild auS Holz verweigert hatte und jener darauf mit feinem Meißel das Antlitz des Bildes zerschlagen hatte: denn, sagte er, er Svollc lieber sein Werk zerstören, als es zu cincsn Schandpreise hergebe». Er Svurde von dem Mönch als Bildnisschän- der angezeigt, ohne Mitleid gemartert und zum Fcuertode verurteilt. Man hatte ihm während der Folterung die Fußsohlen verbrannt, und er schrie auf dem Wege vom Gefängnis zum Scheiterhaufen— bedeckt mit dem„Sanbcnito":„Haut die Füße ab! Haut die Füße ab!" Und Philipp hörte mit Genuß von weitem diese Schreie, aber er lachte nicht. Die Ehrendamcn der Königin Marie vcr- ließen diese, um sich die Hinrichtung anzusehen, und ihnen lief die Herzogin Alba nach, iveil sie den flämischen Bildhauer hatte schreien hören und das Schauspiel mit ansehen Svolltc. So ließ sie die Königin allein. Philipp, seine höhen Diener, seine Fürsten, Grases:, Stallmeister und Dasucn Svarcn zugegen, als der flämische Bildhauer mit einer langen Kette au einem Pfahl befestigt wurde, der mitten in einem brennenden Kreise von Strohbündeln und Rciscrhauscn stand, so daß der Verurteilte langsam gerostet werden und sich, beim Pfahl, der schärfsten Glut fernhalten konnte. Mau blickte ihn neugierig an, wie er, nackt oder doch fast nackt, versuchte, seiner Seele Kraft gegen die Glut des Feuers zu geben.— Genau zu dieser Zeit hatte die Königin Marie Du'ckt in ihrem Wochenbett. Sie sah eine mokrat Humperdinck gestorben. Aus Reu-Strclitz wird gemeldet: Der Komponist Humperdinck ist im hiesigen Karolinenstift an den Folgen eines Schlaganfalles, zu dem eine Lungencnt- zündnng hinzutrat, gestorben. Seine Leiche Svird nach Berlin überführt werden. Ein neuer Erfolg der freigeSverl-chaftlichsn Angestelltenorganisation. Vor Kurzem ist ocr Gehilfenausschuß der Handclsangc- stellten in E g e r bei den letzten Gchilfenwah- len in die Hasrd des Zentralverbandcs der An- gestellten in Industrie, Handel und Verkehr, S:tz Teplitz-Schönau gelangt. Nunmehr konnte die frcigcwcrkschaftlichc Angestellten- organisation einen weiteren Erfolg erringen, indem auch in M a r i e n b a d bei den Gehil- fenwahlen der Handclsangestclltcn die Kandi- datcn der Maricnbadcr Ortsgruppe des Zcu- tralverbandes der Angestellten in Industrie, Handel und Verkehr einstimmig gewählt worden sind. Dieser neuerliche Erfolg der freigc- werkschaftlichen As:gestelltcnorganisation ist die treffendste Antwort ans die von gegnerischer Seite immer wiederholte Behauptung von einem angeblichen Rückgang des Zentralver- bandcs der Angestellten. Der dcntschnationale Handlungsgehilfcnvcrband(D. H. V.), der insbesondere in der letzten Zeit eine wütende Agitation gegen den Zentralverband der An- gestellten führte und kein Mittel scheute, um gegen die freigcSvcrkschaftliche Angcstclltenor- ganisation anzukämpfen, mußte sich in Egcr als geschlagen bekennen und sich in Marien- bad mit der einstimmigen Mahl der Liste des Zentralverbandcs der Angestellten abfinden. Der Erfolg in Maricnbad ist gasig besonders hoch anzuschlagen, Sveil die dortige Ortsgruppe des Zentralverbandcs der Angestellten noch jung ist und vor noch ganz kurzer Zeit der bc- nächtigte Fcstbcsoldetenratschwindcl und D. H. B.-Klüngel alles beherrschte. Die neuen Er- folge der frcigctvcrlschaftlichen Angcstclltcnor- ganisation beweisen, daß die Gelben nunmehr auch bei den Handclsangestclltcn ausgespielt haben. Das Elend der Kinder im russischen Hunger- gebiet. Die„Prawda" bringt einen Bericht über die schreckliche läge der Kinder an der Wolga. Die Kinder sind von: Elend am schwer- stcn betroffen. Alle Kinderheime sind überfüllt, trotzdem findet täglich ein neuer Zufluß aufsichtsloser.Kinder statt. In den Straßen Samaras werden täglich bis 299 verlassene Kinder aufgelesen, für die es an Wohnung, Nahrung, Bekleidung mangelt, 49 Prozent von ihnen sind hautkrank. Die Sterblichkeit ist sehr groß. Ohne Aufschub muß Außerordentliches geleistet werden, um ein schreckliches Sterben zu verhindern. Die Kindcrcrnährnng in den Kinderheimen Svie auch bei den Eltern ist sehr mangelhaft. Die bisher geleistete Hilfe ist unzureichend. Die Kinderschutzkonunission bei der Allrussischen Exekutive hat dem amcrikani- scheu Hilfskomitee über d:e schreckliche Lage der Kinder im Hungcrgcbiet Mitteilung ge- macht. Im TschuSvaschengebiet sind fast 399.000 hungernd« Kinder und 7000 Säug- linge. Das Gouvernement W j a t k a und daö Mariergebiet haben über 500.000 hungernde Kinder;— die Tatarenrepublik 1,599.999, Gouvernement Ufa über 500.000. Auf den Straßen Ufas werden täglich bis 150 Waisen aufgelesen.. Der Hnngerschrccken hat einen noch größeren Umfang im Gouvernement Sa- snara, wo epidemische Erkrankungen auftreten. Im Gouvernement Simbirsk sind fast 800.000 hungernde Kinder. In allen genann- ten Gouvernements beabsichtigt die Hilfskom- Mission Hilfsbascn zu errichten, wohin die halbe Melone»ick einer Schüssel. Sie schleppt: sich aus dem Bett, nahm die Melone und ließ nichts davon üb: ig. Dann begann sie durch die Abkühlung dieser Erfrischung zu frösteln, bekam kalten Schweiß und sank auf den Boden, ohne sich rühren zu können. „Ach",seufzte sie,„ich wäre schnell wieder warm, wenn jemand mich ins Bett trüge". Da hörte sie den armen Bildhauer schreien: „Haut die Füße ab!" „Ach", stöhnte die Königin Marie,„heult dort ein Hund zu meinem Tode?"— In diesem Augenblicke sah der Bildhauer um sich nur feindliche spanische Gesichter, er dachte an Flandern, das Land männlicher Kraft, kreuzte die Arme, schleppte die Kette in ihrer ganzen Länge hinter sich, ging auf die brennenden Stroh- und Reisigbündel zu, stellte sich mit gekreuzten Armen aufrecht und rief:„So sterben die Flamländer vor ihren spanischen Henkern. Haut nicht mir, aber ihnen die Füße ab, damit sie nicht mehr mor- den gehen können. Es lebe Flandern! Flau- der» in aller Ewigkeit". Und die Damen klatschten Beifall und rie- fen um Gnade, als sie ihn so stolz stehen sahen. Und er starb.— Die Königin Marie zitterte an: ganzen Körper, weinte, ihre Zähne'klapperten von dem Frost des nahen Todes, und sie streckte ihre Arm« s:nd Beine und sagt«:„Legt mich in mein Bett, um mich zu wärmen". Und sie starb.— Und so säte nach KathclinöS, der gutes« Hexe, Voraussäge Philipp überall Blstt, Tod und Tränen.•. LS. September 1921'. amerikanische Hilfskommission je einen Ber« trcter entsenden Svird.— Und da behauptet Herr Simonor, der SoSvjctvertrcler für Australien„daß von einer Hungersnot... nicht die Rede sei» katm"! Die„gereinigte" Prager Polizei. Der „Bcccr" vosn 27. d. teilt niit, daß die Kos:- zcptsbcamten des Nußler Polizcikommissa- riatS entweder versetzt oder aus dem Dienste entlassen svorden sind. Der KommissariatS- vorstand Hattasch gisig in Pension. Diese Veränderungen geschahen plötzliche ussd, w:e der„Veccr" meint, zur rechten Ze:t, denn von einigen gcSvcscnen Beamten des Nußler Kommissariates erzählte man sich schon längere Zeit wessig lobenswerte Dinge. Besonders bcmerkenssvcrt ist, daß behauptet wurde, daß sich die Konzcptsbcamtcn mit Privatan- g e l c g c n h e i t c n befassen, die sich keines- soegs mit der Stelltnsg eines staatlichen Amtes vertragen. Es ist nötig, daß die Oeffcnt- lichkcit iiber diese Angelegenheit informiert Svcrdc, die ein recht merkwürdiges Licht auf die„gereinigte" Prager Polizei wirft.— Wich- tig Sväre vor alles», zu erfahren, welcher Art diese Privatangclegeschciten sind, mit dessen sich die Konzeptsbcamtcn beschäftigen. Wenn darunter nur eissfachc Geschäfte zu verstehen Svären, so müßten Svir schon sagen, daß ba- gegen nichts'eingewendet werden kann. Man soll die Beamten eben besser bezahlen, dann Svcrdcn sie cS nicht nötig haben, sich einen Ne- bcnvcrdieust zu suchen, der ihre wirtschaftliche Lage bessern hilft, mag nnch das berühmte StassdcsbeSvußtsein darunter leiden. Bessere Bezahlung der Bcasnten wird das„Ansehen der staatliche» Acmtcr" mehr heben als phra- senhafte HinSvcisc auf ihre Würde. Wenn die Bcasnten aber unlautere Geschäfte trie- ben und treibest, verlangt es das Interesse der Oesfcntlichkeit, darüber Näheres zu erfahren. Passive Residenz att der Wiener Universität. Die Angestellten der Wiener Universität üben seit Montag passive Resistenz. Die Hochschüler, die sich auf der Qnästur einschreiben lassen wollte::, erlebten dabei eine sehr unangenehme Ueberraschung. Schon vor 9 Uhr vormittags hatten sich mehrere hundert Stssdentcn vor der O.uästur cingefnndcn. Um 9 Uhr wurde auch richtig begonnen, doch Svurde so langsam ge- arbeitet, daß unter den Studenten eine allgc- »seine Unruhe entstand. Bald darauf erfuhr tnan, daß sämtliche Angestellte der Universität, mit Ausnahme der Diener, in die passive Re- sistcnz getreten sissd. Die Ursache liegt darin, daß ihre schon seit Jahren vorgebrachten Wünsche über eine Regelmsg der Gehalts- frage nicht erfüllt Sverden. Bor allem der- langen die Assgestelltcn, daß sie als Staats- assgestcllte asserkasmt Svcrdcn. Eine ganze Stadt unter polizeilicher Auf- ficht. In Muukacs(Karpatho-Rußland) Svurde jüngst bei einer großzügigen allgcmei- nen Razzia jeder zur Polizei geschleppt, der keine neue, mit Photographic versehene Legitimation hatte. Und da ivage jcnsassd zu leugnen, daß in Karpathorssßlassd eine nusstergil- tige Ordnung herrscht. Streitigkeiten zwischen rechtssozialistischen und kommunistischen Turnern. Vorgestern kam es zu Streitigkeiten zwischen Angehörigen des tjchechi- schcn sozialdemokratischen ArdeitcrturnvcreineS in Prag-Klcinseite und Hradschin und Mitgliedern des kommunistischen ArbciterturnvercineS der- selben Bezirke, da beide Vereine Anspruch auf die Benützung der Turnhalle in der Schule bei St. Nikolaus in der Joscfsgassc auf der Klcinscite er- hoben. Der Stadtrat hatte die Turnhalle den: rechtssozialistischen Arbciterturnvcrcin überlassen. Vorgestern gegen 7 Uhr abends kamen die rechts- sozialistischen Turner unter Führung dcS Obmannes Kcjzlar ans Smichow zur Turnhalle. Vor dem Hause hatten sich jedoch ctSva 80 Angehörige des kommunistischen Turnvereines eingefunden, die beim Erscheinen Kcjzlars in entrüstete Zurufe ausbrachen. Die Mitglieder des kommunistischen Arbeitcrturnvercincs blieben, Svährccnd die an- deren Turner im Hause übten, vor der Turnhalle versammelt. Kurz vor 9 Uhr wurde dann der Bezirksobmann Kcjzlar unter Assistenz der Sicher- heitSwache nach Hause geführt, damit er vor den aufgeregten Leuten beschützt werde. Diese gingen dann lebhaft debattierend auseinander. Störung einer klerikalen Veranstaltung. Wie der Polizeibcricht meldet, fand gestern tim'All Uhr vormittags bei der WenzelSstatue am Wen- zelsplatz ein katholischer Gottesdienst statt. Aus dem Fenster eincS Hauses sahen der Ge- schäftsdiener Adalbert Voneck ans Pankrac, die Beamtin Marie Hrdina auS Weinberge und die Beamtin Maria Dvorak zu. Dabei unterhielten sie sich angeblich laut, sodaß die Teilnehmer an den: Gottesdienste niNvillig wurden. Einige der Teilnehmer drangen in das HanS ein, die Polizei mußte Ruhe schaffen und die drei Zuschauer sicherstellen. Außerdem Svurdcn noch, einige andere Personen wegen„tntgehörigcn Verhaltens bei der gottcsdienstlichcn Handlung" an- gehalten. Selbstmord einer jungen Frau. Van der Sc- gionärsbrückc sprang vorgestern gegen 9 tlhr abends eine unbekannte, etwa 25jährige Frau in die Moldau, welche, während sie untersank, nn- unterbrochen rief:„Heinrich!" Die Polizeiwache zog sie mit Hilfe eines Legionärs ans Ufer, aber die Wiederbelebungsversuche waren ohne Erfolg. Der Polizeirat konstatierte den eingetretenen Tod und die Leiche wurde behufs Vornahme der ge- richtlichcn Obduktion ins vathologisch« Institut gebracht.-- W, September 1921. Geweyung der Elsenbahner. ES wird weiterverhandelt. Die Verhandlungen der Vertreter.der Rah- menorganisationen, und zwar der Genossen Grünzner und Czech für den„Verband der Eisenbahner", Brodeckh und Stanek nir die„Unie zel. Zamest.", sowie der Herren Prochazka und Nejedly für die„Jcd- nota zrizcncst drah", Navratil und Po- iorny für den„Spolel cesk. urcdnikn zel", nit dem Sektionsches Dr. Jng. B u r g e r, in Vertretung des neuen Cisenbahnministers P. Sranick, Sektionsches Dr. Novotnv und ScktionSrat Dr. Co ruh, wurden ain 27. d. fortgesetzt und währten bis in die Nachtstunden ohne zu einem befriedigenden Ergebnisse zu führen. Erschwerend für ein gedeihliches Weiter- schreiten der Durchbcratnng der brennenden fragen hat der inzwischen eingetretene Regie- mngswechsel gewirkt, da hiebe! auch ein Wcch- jel in der Person des Eiscnbahnministcrs ein- getreten ist. Da in allen Punkten das Eiscn- vahnministerium nicht kompetent ist, sind noch Weitcrc Verhandlungen mit der Ge- samtregicrung erforderlich, wofür bis zum Ab- laufe des gestellten Ultimatums, d. i. bis 29. d. M., die beiden Tage Mittwoch und Don- nerstag in Aussicht genommen sind. Für den'lctztgcnannten Tag, d. i. heute den 29. d., haben die die Aktion führenden Rah- mcnorgonisationen auch bereits ihre Vertrau- enSmänner der Provinz, und zwar: für Bäh- men nach Prag, Mähren und Schlesien nach Brünn und der Slowakei nach Sillcin zur Entgegennahme des Berichtes über das Er- gebnis der Verhandlungen und Beschlußfas- sung über die weitere Stellungnahme, einbc- rufen. Von der Entscheidung der Provinzvertrau- enSmänner in ihren heutigen Beratungen in Prag, Brünn und Sillein wird es abhängen, ob der für den 30. d. M. von 11—13 Uhr anberaumte Proteststreik auf allen Eiscnbah- neu der Republik zur Durchführung gelangt. Die wichtigsten Forderungen, um die es sich in dieser Aktion vorwiegend handelt, sind: Die endliche und restlose Durchführung der beiden Geselle vom 7. Oktober 1919 und 9. April 1920 über die Regelung der Bezüge und die Durchrechnung der Dicnstjahrc, die Ein- Haltung der Bestimmungen des Gesetzes über die achtstündige Arbeitszeit bei der Erstellung der Diensteintcilungen, bczw. Turnusse unter Heranziehung der Vertrauensmänner des Personals, die Einstellung der in letzter Zeit platz- gegriffenen ungerechten Entlassungen älterer Arbeiter, die Wiedereinstellung der vom Militärdienste zurückkehrenden ehemaligen Eisen- bahner, die Stabilisierung der Arbeiter und Arbeiterinnen im Sinne der früher getroffc- ncn Vereinbarungen der Rahmcnorganilatio- nen mit den Eiscnbahnministerinm bezüglich Qualifikation, Prüfungen und ärztlicher Untersuchung. Die Behebung der durch die Aus- schaltung aus der staatlichen Brot- und Mehl- Versorgung entstandenen Schädigung, sotvie die Inangriffnahme der Durchbehandlung der schwebenden UnisormierungSfrage, die Auf- Schiebung der Ratenzahlungen auf die Kredite aus der staatlichen Bcklcidungsaktion und die Unifikation der Bezüge der Bediensteten in der Slowakei und bei der Kaschau-Oderbcrgcr- Eisenbahn. , Die Meldungen einiger Prager bürgerlichen Blätter über einen unmittelbar bevorstehenden Streik der Eisenbahner sind zu mindesten« verfrüht. Ob ein Zsiündiger Proteststreik zu führen ist, wird erst heute entschie» den werden. Westungarn. Neun Ssteneichische Gendarmen verschleppt. Wiener-Neustadt, 27. September. In Au am Leithaberg wurden neun Gendarmen, die in Ruhestellung lagen, während sich ihre Ka- meraden auf Streifung befanden, von unga- rifchen Banden überfallen und verschleppt. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat die österreichische Regierung sofort energische Schritte eingelei- tet, um die Freilassung der auf österreichischem Boden Überfallenen Gendarmen zu erwirken und Sühne für diese« Zwischenfall zu ver- laugen. Dt«»leine Entente bereit, den Trianoner Frieden durchzusetzen. London, 27. September. Reuter erfährt, baß die Alliierten die Antworten der rumS- bischen und der slldstawischen Regierung erhalten haben, in denen die Bereitwilligkeit die- ser Länder ausgedrückt wird, in Wirtsöstlich« und sonstiger Zusammenarbeit die AussUH» inug de» Trianoner Vertrages sicherzustellen bnd den Frieden durchzuführen. DaS Unter- nehmen wird gemeinsam mit den guten Dien- sie» der tschechoslowakischen Regierung als au- ßerordentlich wichtig angesehen, da die Rot- wendigkeit besteht, daß die kleine Entente den allgemeine« Plan der Aufrechterhaltimg des Nrwd«» in dies« Ländern ihre Hilfe leiht. E o ji o I) Die Botschafterkonferenz würde keine EI», wände gegen-In österrelchisch-ungarlscheS Abkommen erheben. 28. September.(Havas.) Die Bot- siiaftcrkonferenz beschloß heute Vormittag, keine Einwände in Angelegenheit des Abschlusses eines Abkommens zwischen Oesterreich imd Magyarien zu erheben, wenn Oesterreich ans d-e Anerbieten einer Vermittlung eingeht, mit dein Vorbehalte, daß die strittigen Komitatc in- nerhalb der durch die letzte Note der Botschaf- terkonferenz festgesetzten Frist geräumt werden. Die Botschafterkonferenz beschloß weiter, daß die Sachverständigen nächste Woche den Schluß- bcricht über Albanien erstatten. Meinungsverschiedenheiten der Grenz- berichtigungs-Kommission. Zala-Egerzeg, 27. September.(Magyar. Korr.-Burecm.) Nach den aus den besetzten Ge- bieten hier eingelangten Nochrichten ist die Nr- beit der Grenzberichtigungskommission ins Stocken geraten. Zwischen den italienischen und japanischen Mitgliedern der Kommission einerseits und den französischen und serbischen anderseits sind Gegensätze entstanden, sodaß der serbische Delegierte nach Belgrad abreiste, um von seiner Regierung Informationen ein- zuholcn. Infolge dieser Vorfälle konnte in Also- Lendva die Volksabstimmung nicht durchgeführt werden. Die Magyaren wollen a»s HabSburg nicht verzichten. Genf, 27. September. Graf Apponyi, der Führer der ungarischen Abordnung in Genf erklärte einem Pressevertreter, daß mit der Zu- rückziehung des Aufnahmsgesuchcs Ungarn nicht etwa ein Unrecht im burgenländischcn Konflikt zugegeben habe. Ungarn sei bereit, den Verpflichtungen des Vertrages von Tria- non nachzukommen, aber es hätte gehofft, daß die verschiedenen Entschädigungsforderungen, die es gegen Oesterreich geltend zu machen habe, wie auch die Form der Ucbcrgabe des Bnrgenlandes vorher geregelt worden wären. Ungarn sei keineswegs Verpflichtungen einge- gangen, auf die Wiederherstellung der Habs- bttrgerdyitasiie zu verzichten. Es werde nie eine solche Verpflichtung eingehen. Die Frage der Wiederherstellung der Dynastie selbst wolle er nicht berühren, aber an dem Grund- satze müsse Ungarn unbedingt festhalten, an dem Grundsätze seiner nationalen Souvcräni- tat und dem Grundsätze, daß dem Friedens- vertrage von Trianon keine neuen Verpflich- hingen hinzugefügt werden dürfen. Lieber wolle Ungarn überhaupt ans den Eintritt in den Völkerbund verzichten, als diese Grund- sätze aufgeben. Die Äbriiitnnqsllomödie. Genf, 27. September. Die dritte Kommis- sion für Abrüstung und Blockade w->r hcntc der Schauplatz einer großen Debatte über das Abrüstungsproblem. Lord Cecil(Süd- afrika) brachte eine Resolution ein, in der die temporäre gemischte Kommission für Rü- stungsbcschränknngcn aufgefordert werden soll, einen präzisen Antrag auf RiistungSbefchrän- klingen auszuarbeiten, der in Form eines An- träges oder einer anderen schlüssigen Form vom Rate der nächsten Versammlung zii° unterbreiten wäre. Der englische Delegierte Fisher und der französische Delegierte Renn an ld sprachen sich gegen ein solches Projekt ans, solange die Vereinigten Staaten und Rußland im Völkerbünde fehlen, das schwierige Problem der Abrüstung könnte nur nach und nach gelöst werden, man müsse mit positiven Antrögen bis zum nächsten Jahr- warfen- Branting(Schweden) hält es für gefahrlich, die Frage wieder um ein Jahr zu verschieben. C e c i l-hebt hervor, daß alle Untersuchungen noch keine Abrüstung bedeu- ten und noch nicht bewirkt hätten, daß auch nur ein einziges Bataillon weniger auf der Welt [ei. S ch anze r(Italien). der zu vermitteln suchte, ,st der Ansicht, daß di Versammlung in rngend einer anderen Weise zum Probleme Stellung nehmen müßte. Er erklärte sich ge- ge» den Vorschlag Ceclls, weil er die tempo- rare gemischte Kommission in ihrer gegenwär- tigen Zusammensetzung für die Ausarbeitung eines allgemeinen Abrüstungsplanes für ungeeignet hält. Nach einer län- geren Debatte stimmte Cetil dem Vor- schlage„Nansens zu, demzufolge die temporare gemischte Kommission nur ganz all- gemeine Vorschläge für die Beschränkung der nationalen Rüstungen ausarbeiten wird. Ereil begründete feine Zustimmung damit, daß c§ bor allem darauf ankomme, daß der Völker- bund überhaupt eine Abrüstungspolitik be- treibe.^ Außerdem wird gefordert, daß die temporare gemischte Kommission verstärkt werden soll. Die Entschließ..,ig wurde mit LS Stimmen 6er einigen Stimmenthaltungen angenommen. u Eine tvahrungstionferen). London, 27. September. Wie Reuter mel- det, nehmen die Vorberatungen für die Ab- Haltung einer internationale» Währungskon- serenz in- London anfangs Hezeenbee ggte« e m o k r a. Fortgang. Die Konferenz wird von bekannten englischen Finanzautoritäten in die Wege ge- leitet, um die ganze Währungsfrage zu Prüfen und ein Programm für die Maßnahmen zu entwerfen, durch welche die Währungen der verschiedenen Länder wieder hoch gebracht wer- den und die Goldwährung wieder hergestellt werden soll. Die Regierungen der einzelnen Länder sind zur Entsendung von Delegierten aufgefordert worden. Zustimmend haben sich bereits die Bereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland, die Niederlande. Schwede» und Dänemark geäußert. Deutschland beinahe gänzlich entwaffnet. London, 28. September. Das Rcutersche -Bureau erfährt, daß den letzten, maßgeben- den britischen Kreisen eingegangenen Berich- ten zufolge, die interalliierte Kontryllkomims- sion ihre Aufgabe der Entgegennahme der zur Zerstörung bestimmten von Teutschland ansp.e- lieferten Waffen so gut wie beendet hat und sich jetzt mit der Kontrolle der verschiedenen Poll- eitruppen befaßt. Bis Mitte September e.en nur noch 102 Geschütze zur Vernichtung übrig- geblieben, nachdem 3280 Geschütze bereits zer- stört worden seien. Es müssen noch eme M'l- Eon Tonnen geladener Granaten zerstört wer- den, 34 Millionen seien bereits vernichtet wor- den. Es seien nur noch 180 Grabe,»norser vor- Händen, deren 110.340(?) bereits zerstört wor- den sind. 2852 Maschinengewehre seien noch unversehrt, nachdem 83.530 zerstört wurden. An Munition für kleine Massen seien Morl- 355 Millionen Patronen, 00 Millionen seien noch vorhanden. Es seien noch 103 000 Gewehre übrig. Ausgeliefert und zerstört wurden 4,100.000 Gewehre. Hilfe für die Oppancr Opfer. Berlin, 28. September.(Wolfs.) Im Reichs- tage wurde auf Grund einer sozialistischen Jn> terpellation die Katastrophe von Oppa» besprochen. Reichsarbeitsminister Braun erklärte, daß über die Ursache der Explosion eingehende Un- tersiichungen unter Hinzuziehung der wirtschas- lich zuständigen Stellen stattgesunden hat en und auch weiter stattfänden, dag aber ein endgültiges Ergebnis noch nicht bekannt gegeben werden könne. Hilfe für die Opfer werde w ter mit größter Beschleunig',»!, und im größtmöglichsten Umfange geleistet werden. Ratifikation der Friedensverträge durch STutctlfö» Washington, 28. September.(HavaS.) Wilson bat die Senatoren der^-akratischen Partei zur Beschlußfassung über die Stellung- na nie zur Ra.isika.ia» der Friedensvertrage mit Teutschland und Oesterreich einberufen. Antwort Lloyd Georges an de Balera. London, 28. September.(Reuter.) Die Blat- ter melden, daß die Antwort Lloyd Georges an de Balera heute nach Irland telegraphiert wurde, jedoch in London nicht. ver°sse.itltcht wird, bevor nicht die Bestätigung eintrifft, daß sie vom Jrensührer empsangen werden ist. In der Note wiederholt der Premier die Ein.adiiiig zu einer Konserenz in London. Englisch-russtscher Notenwechsel. Moskau, 28. September. Die russische Note auf die englische Note, toegen Nichteinhaltung der Bestimmungen des Handelsabkommens ist in London eingetroffen. Die Note versichert, daß die russische Regierung von der Unstichhal- tigkeit der englischen Vorwürfe überzeugt sei, daß ober genaue Nachsorschnngen angestellt werden, um auch in den Einzelheiten festznstel- len, daß sich die Organe der Regierung keiner englandseindlichen Handlung schuldig gemacht haben. Rußland will den Friedensvertrag mit Polen erfüllen. Paris, 28. September.(Funk.) Aus Warschau wird vom 27. ds. M. berichtet: Titsche- rin habe auf die polnische Note geantwortet und von der polnischen Regierung einen Ans- schub von wenigen Tagen verlangt, um die Verpflichtungen de» Friedensvertrages zu er- Men. Industrielle Krise in Nordamerika. Pari?» 28. September.. Der«Daily Telegraph" meldet aus Newyork, daß sich in der industriellen Lage der«ereinigten Staaten die Krise mit großen Schritten nähere. Die nächste Woche müßte entscheiden, ob es zu einem furcht- baren Kampfe kommen wird, darunter zum Streik der Eisenbahner, Berg- lenie und anderer Arbeit« oder zu einer Regelung im Gute« und zur Annahme der Lohnverminderungen d: ch die Ar. beiterschaft. Bei den Eisenbahnern sei eine überwältigende Mehrheit sür einen Streik. Der neue ZentrumSsührer. Berlin, 28. September. Die Reichstags- fraktion der Zentrumspartei hat anstelle des verstorbenen Trimborn den Abg. Marx zum erste» gewählt- Seit« 6. Kleine Chronik. Eine ganze Stadt unter dem Hammer. Es dürfte sich bisher ivohl noch nicht ereignet hohen, daß eine ganze Stadt unter de» Hammer kommt. Dieser Fall wird aber demnächst in der englische» Stadt Reigate, in der Nähe von London, Wirklichkeit. Eine der größten Londoner Berste!- gerungssirmen wird während dreier Tage die ge samte Siadt zur Versteigerung bringen, so da« Rathaus, Hotels, Banken, zahlreiche Läden, Ga- ragen, Kinos, Wohn und Landhäuser, endlich un bebaute Grundstücke, so daß man tatsächlich von der Veraiiklioiiicriing einer ganze» Sladi sprechen kann. Ein Elefant, der sei»«« Arzt töiel. F» dem Zoologischen Garten in Rom wurde der Arzt Dr. Eamczza bei dem Versuch, an dein größten afrikanischen Elefanten des Gartens einen Abszeß zu operieren, getötet. Dr. Eainczza, der vertretungsweise die Tiere des Zoologische» Gnriens behau- delt, hatte kürzlich einen großen Orang-Utang operiert, der augenscheinlich Verständnis dasür besaß, daß ihm nur zu seinem Beste» Schmerzen zugefügt wurden»nd daher ruhig ans dem Ope- rationstisch lag und alles init sich geschehen ließ« Der Arzt nahm an, daß der Elefant ebenso viel Klugheit beweisen würde, aber als er den drillen Einschnitt machte, riß der Elefant seinen Kopf von den Wärter» los, die ihn mit Fesseln hielten, warf den Arzt nieder und trat in voller Wut auf ihm herum, sodaß jeder Knochen in feinem Körper zerbrochen wurde. Darauf nahm der Elefant den leblosen Körper des Arztes in seinen Rüffel und schlenderte ihn»och mit voller Wucht gegen die Eifenstangen des Käfigs. Brand eines großen Pariser Warenhauses. Paris, 28. Scpiembcr. Im Neubau des großen Warenhauses P r i n t c in p s auf dem Boulevard Hausman ist heute früh ein Brand ausge- broche», der das ganze Gebäude crgrisf. Ilm 9 Uhr früh stürztc die Front ein. Alle Pa- riser Feuerwehren sind an der Brandstätte erschienen. Es gelang, den alten Bon zu schützen. Personen sind nicht z» Schaden ge kommen. Der Brand dürste infolge Kurzschlusses entstanden sein. General Ungern-Steruburg nicht erschossen? Berlin, 28. September. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich aus Genf berichte», daß General U n g e r n-S t c r n b u r g noch nicht erschossen worden sei. Richtig sei, daß er zur Bor- Untersuchung nach Notvo-Nikolafewsk gebracht wurde, von wo er durch einen besondere» Sowjet- kommifsär nach Moskau geholt wird, um vor Gericht gestellt zu werden. Verurteilte Sowjetbcamte. Moskau, 28. Scp- tembcr. Pflanzeittcile(19.7 Prozent); Mos- und Glaswaren( zirkSturnfest zur Genüge, jedenfalls war Duz nicht der geeignete Ort, um eine genaue Durch- führuug zu gewährleisten. Die ganze Arbeit lag ja bei 2—3 Männern. ML« dies dem Kreisspiel, auSschuß, der fa noch herausholte, was möglich war, ein- Lehre sein. Die Resultate waren nicht das wahre Bild der Leistungsfähigkeit unserei Arbeiterturn er. D. F. C. Prag gegen Hj; E. Sparta 0:5(0:1) Die Mannschaft des D. Fi C. war dem' Gegnei in kein« Weise gewachsen.^ DaS Forward kombi- nierte ungenau, seine Anschisse, denen die nötig» Durchschlagskraft fehlte, wurden von dem schwach spielenden Half in kein« Weise unterstützt. Di« Spartamannsibast ftihrte-ein hochklassige» Spiel vor, wenn auch ihr Forwärd viel v«schoß. Spiel fair; Zuschauer 18.000; Schiedsrichter gut. Union ZIzkow gegen S. S. Slavla 3:1. Tnrnen und Sport. Die Meisterschaftsspiele im 5. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportverbandcs. Sonntag, den 25. September, trafen sich in Duz die BezirkSmeist« des 5. Kreises zum Kampf um die Kreismeisterschäst in Schlag-, Faust- und Fußball. Im Schlagball standen sich Aussig-Lcrchen- feld und Krochwitz gegenüber, nachdem Krochwitz in der Vorrunde Kosten leicht besiegt hatte. Das Spiel litt unter der Unfähigkeit des Schied» richterS, der dem flotten Spiel der beiden Mann- schaftcn nicht folgen konnte.? Dadurch kamen beide Mannschaften nicht zur Entwicklung, obwohl sie über ausgezeichnete Spiclcr ncrfügcn. Resultat 82—29 für Lerchcnfeld, welche Krcismeister für 1221-22 sind. Es wäre zu Musischen, daß sich die Arbeiter für daS Schlagballspiel, welches in den Anforderungen, die es an die Spieler stellt, und durch spannende Momente alle anderen Spiele übertrifft, mehr interessiere^ Im Faust ball fand nach den Vorrunden der Endkampf zwischen GLrkau und Bodenbach statt. Scharfes, technisch gütcS Spiel. Man sah, daß auch Faustball bei scharfen Gegnern blitz schnelles Erfassen und großjj körperliche Gewandt heit«fordert. Krcismeistep wurde Görkau. Im Fußball schlug Weiskirchlitz Lerchcnfeld 7:3. Zwei alte Rivalen»standen da einander gegenüber. Die Fanatiker«bcr, die da glaubten, daß eS bei der bekannten«Harfen Spielwcise der Gegner„Sensation" gebcnxwürde, wurden gründ- lich enttäuscht. Wir wünuhlen, daß alle Spiele der Arbeitersportler sich bin solch mustergültiger Form abwickeln würden, Kie dieses Spiel. Aller- dingS war der Schiedsrichter(Elmnich-DreSden) ein gestrenger Herr und Awhm den Spielern im vorhinein jeden Gedanke« an ein„Sichgchen- lassen". Er verdiente sichttnit seiner vortrefflichen Arbeit ein Sonderlob.«Äielvcrlaus: Im Anfang spielte Weiskirchlitz zerfahren, sodaß Lerchenseld durch geschicktes AuSnüHn der Situation zweimal einsenden konnte. Weide Bälle wären zu halten gewesen. Dann fingt« Angriff auf Angriff. Lerchenseld hatte Pech und verschuldete knapp nachcinandn zwei„Hat®" im Strafraum. Die hiefür diktierten Elfer«achten Weiskirchlitz zwei Tore(2:2). Kurz vor der Spielpause drückte Weiskirchlitz in schön ko ibiniertem Angriff durch und konnte trotz emsige: Arbelt der Lerchenseld« Verteidigung das dritte Tor durch einen scharfen Schuß buchen. Halbzeit 3:2.— In d« zweiten Halbzeit folgen rasch r ichcinand«. scharfe An- griffe Lerchenfelds, sode> die Weiskirchlitz« alle Mühe haben, sie knaps vor dem Tore aufzu- halten. Durch diesen! rüfteauswand wird Lerchenseld matt und die örperliche Ikeberlegenhcit d« Weiskirchlitz« mack sich geltend. Die folgenden vi« Tore für i ieiskirchlitz waren schöne Spielleisttmgen und wohlverdient. Schöne» flaches Spiel mit ruhigem Zupassen. Der rechte Vtttei- Kunst und Wissen. Neues Theater. Heule Donnerstag„Die Weber", Freitag„Salome" mit Frau Sonden als Salome, Samstag 10 Uhr nachts„Schöne Seelen",„In Ewigkeit Amen",„Braulschau", NomanovSkh als Gast. Mitteilungen aus dem Publikum. „Urania". Polizeirat Tartarnga-WIen. Zwei Vorträge: Montag, 3. Oktober, 8 Uhr:„Kriminaltele- pathie."— Dienstag, 4. Oklob«:„Heitere» au» der Polizeistube." Die Wiener Presse schreibt: „T. hat einen gewandten, fließenden Bortrag, seine Bilder aus der Polizeistube wirkten packend und erregten oft große Heiterkeit." Karten 8—3 Kronen täglich in der Urania-Kanzlei. Mit- glieder Ermäßigung. An unsere Abonnenten. Der heutigen Nummer Negt et» Erlagschein bei und ersuchen wir, die BezugSgebllhr ans denselben einzahlen zu wollen, damit in der Zustellung keine Unterbrechung eintritt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die Einzahlung untrr demselben Namen erfolgen muß, unter welchem die BesteNung gemacht wurde. Die BezngSgebvhr beträgt K8 16. monatlich und ist st e t s I m v o r h i n«i n z« entrichten. DaS Abonnement kann täglich beginnen, endet aber stets mit MonatSfchlnß und. wir ersuchen, dies bei der Einzahlung zu berücksichtigen. Vereinsuachrichtev. Zentralverband der Angestellte« in Industrie, Handel und Verkehr. Ortsgruppe Prag. Donnerstag, den 22. 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