t Iahraang. Nr. 25. Ilach der Beschlagnahme zmeite Huflage. v°»«.r-i°z, z», Z-pi-md» issi. Sozialdemo ^ Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik. «tor' P"« Havltkkovo näm. 82. i fflnzelWtt» 70 Heller, Sezit fi* i e bin flu n nett: Bei flusteRin« in« San? ob« bei Seron durch die Post monatlich 10-- Kc. ® l° n 679B<»ach» 6797 Telegramm-Adr-lle: Sojialbewoh#« Prag, vierteljährlich 46— Ki, halbjährig 96'— Kc, ganzjährig 192 Kc. pfür De»>lchl>l>errelch monatlich 120— OK, für Teutschland 16'—„ik, Postsparlassakonto 67644. i Erscheint mit Ausnahme fceS Montag täglich früh.. Negier,nlgskrife in Österreich Wien, 28. September.^Eigenbericht des ^Sozialdemokrat".) Die Krise der Regierung «chober scheint aktuell werden zu wollen. Je- denfalls wird der Finanzminister Dr. Grimm zurücktreten, wenn auch gestern noch die Krise offiziell dementiert wurde. Im FinanzaiiS- "schul? erstattete Dr. Grimm heute über den Stand der Kreditaktion Bericht und teilte mit, das) ans die zeitweiligen Vorschüsse ein Betrag uns zur Verfügung stehe: da aber die Ver- Handlungen noch nicht beendigt sind und wir den ganzen Betrag von mindestens zwei Mil- lioncn Pfund für notwendig halten, wird der Finanzminister wahrscheinlich in den nächsten Tagen wieder in London und in Genf vorstellig werden._ Die Kreditaktion selbst ist ausschlieft« litis abhängig von der Aufhebung des Pfand- rechts durch Amerika. JSci der Beratung des Gesetze? über die Länderbank und die Anglostank führte Bundes- kanzler Dr. Schober aus, die Annahme der beiden Gesehe sei deshalb notwendia. weil ans der Ablehnung sich schwere politische Kouse- quenzen ergeben würden,-da der französische Gesandte erklärt habe, die Ablehnung würde die nachteiligsten Wirkungen fiir die Kreditaktion des Völkerbundes zur Folge haben. Der Bundeskanzler verlangte also, daft beide Gesehe noch vor dem 7. Oktober angenommen werden und stellte ziemlich unverhüllt in Au?- ficht, daft. wenn die Gesetze nicht angenom- men würden, die Reg ie r u n g stch gezwun- gen sehen würde, zu demissionieren. Der AnS- schuft vertagte,sich auf morgen, weil moraen die Groftdentschen ibre Entscheidung treffen werden. Wenn die Groftdentschen sich fiir die Annabme dieser beiden Geseke erklären wür- den. würde Wohl eine Demission der Ge'cimt- regierung verbindert werden, aber der Mnanz. minister, dessen Stellung schon durch den schlechten Stand der Kreditaktion erschüttert ist. würde jedenfalls geben. Sandemmilrlebe in Welinnyarn. Wien, 28. September. sSIgenberlcht des „Sozialdemokrat".) Heute um 9 Nhr vormit- tags wurde in einigen Dörfern WestnngarnS ausgetrommelt, daft in den nächsten Stunden Militär einrücken werde, für welche« Quartiere bereitgestellt werden müsien. Es kam- men immer mehr Nachrichten, daft nnaqrifche Banditen vorhaben, das Kohlenbergwerk Ren- feld anzugreifen und zu besetzen, da in der Nähe sich bereits ungarische» Militär und Banden versammeln. vudapest, 28. September.(BTKB.) Aus Oedenburg wird gemeldet: Heute nacht» ist e« zwischen CsalzarkSbanva und Parndorf zu einem Fenerkamvj zwischen ReichSwehrtrnvpen und Aufltändischen gekommen. Einzelheiten stehen noch auS. Die öfferoiriiifriitttfcferitiili bereis Oedenburg abzutreten? Ein« Reutermeldung. London, 28. September. Reuter zufolge > esteht Grnnd zu der Annahme, daft die öfter« relchifche Regierung vollkommen bereit fein würde, ihren Streit mit der ungarischen Re- gierung über da» Burgenland, auf der Grund« läge der Ueberkassung Oedenburg» an Ungarn beizulezen. Di- verschiedenen Regierungen der kleinen Entente haben den Alliierten mitgeteilt, daft sie bereit sind, bei alle» ZwangSmaftnah- wen, die von den Alliierten gegenüber Ungarn beschlossen werden sollten, mitzuwirken.—(Un- sere österreichischen Genossen stehen nach wie vor auf dem Standpunkt: Erst da» Burgenland räumen und dann nach dem Prinzip de» Selbst« bestimmvngtrechte» Voltsabstimmung.) Ein IDoct an ÜlasarulL Sie haben, Herr Präsident, vor einigen Ta- gen in Preftbürg in der Antwort auf eine an Sic gerichtete Beschwerde versichert, daft Sie dahin wirken wollen, daft Gerechtigkeit und Menschlichkeit zur Richtschnur de» Handelns der Behörden werde. In Ihren Worten liegt die Bestätigung, daft auch Sie die Notwendig- keit erkannt hat:?, daft der Schutz des Rechtes ein stärkerer werde und daft mehr als bisher die Menschlichkeit das Wirken der StaatSge- walt bestimme. Wenn Sie, Herr Präsident, Ihr Versprechen erfüllen wollen— und wir zweifeln nicht daran, daft eS Ihnen damit voller Ernst ist— dann, so glauben wir, dürfen Sie nicht ermangeln, eine Tat zu setzen, welche dazu beitragen würde, Hunderten Menschen weiteres Leid zu ersparen, bei Tausenden die Verbitterung und das Gefühl des schwer er- schlitterten RechtSbewnfttseinS z» bannen, ganz abgesehen davon, daft auch Klugheit und polt- tische Einsicht in gleichem Mafte diese Tat not- wendig erseheinen lassen. Es handelt sich um die endliche Beseitigung der Folgen der Ur- teilssprüche, die nach den Tezeniberereignissen von den eigens dazu bestellten AuSnahmSge- riasten über hunderte von Menschen gefällt wurden, von denen viele noch heute die Ker- ker füllen. Wohl können Sie, Herr Präsident, in diesem Falle die»rteilsprechenden Richter nicht mehr, um mit Ihren Worten zu sprechen, zu Gerechtigkeit und Menschlichkeit zurückfüh- ren, denn diese Richter haben bis zu den letz- ten Instanzen hinauf ihr Urteil gefällt, doch es gilt, lie bei der Rechtsprechung ihren ordent- lich-n Richtern entzogenen Menschen von den Härten und Grausamkeiten der Straffelgen zu Orte der Tat entfernt sind. Die Angeklagten Votava und Genossen wurden vom damaligen Ausnahmsgerichte we- gen des Verbrechens des Aufstandes angeklagt und zu Kerkerstrafen von sechs bis zehn Iah- ren verurteilt, obwohl das Gesetz als Voraus- setzung der Erfüllung des Tatbestandes ans- drücklich davon spricht, daft stch dieses Verbre« chenS nur jene schuldig machen, welche sich zusammenrotten, um der Obrigkeit mit Ge- Walt Widerstand zu leisten. Run war kein ein- ziger der Verurteilten, über deren Berufung jetzt verhandelt wurde, zur Zeit der Ereignisse in OSlawan anwesend, sondern sie weilten in Brünn, konnten also nicht in OSlawan„der Obrigkeit mit Gewalt Widerstand leisten". Was den Angeklagten nachgewiesen werden konnte, war, daft sie Reden gehalten haben, mit denen man die OSIawaner Vorkommnisse in Zusammenhang bringt, aber durch Reden, auch wenn sie noch so aufreizend sind, kann man im Sinn« des Strafgesetze« Wohl mehrfache Ge- setzet Verletzungen begehen, keinesfalls aber da» verbrechen de» Ausstand«», besonder» wen« die Redner viel« Stunden weit vo« sie haben auch nicht, was Volksrichter Wohl ge- tan hätien, bei der Urteilcfii'img— wobei wir auch alle übrigen Verurteilungen im Singe haben,— die Zeitumstände berücksichtigt, unter denen die inkriminierte Tat begangen wurde. Die Richter haben nicht berücksichligt, daft die Angeklagten eine menschlich mildere Benrtei- lung Verdieulen, weil sie sich der Tat in gäh- render Zeit, da manche ehedem starre Begriffe eine Verschiebung und Erschütterung erfahre» hatten, schuldig machten und sie haben nicht iu Betracht gezogen, daft ihr hartes Urteil schmerz- j lich'bcstürzcnd wirken muftte in einer Zeit, da . so manches Unrecht und manche Gewastat, die , in den letzten Iahren an Angehörigen»ud I Einrichtungen einzelner Nationen begangen i wurde, so gut wie unaesühnt geblieben ist. Und l schlieftfich haben die Richter— wir wissen: sie\ durften e« nicht tun— nicht an die Politischen' Folgen ihrer mehr als strengen Urteilssprüche gedacht, nicht daran, daft eS nicht einer einsich- tigen StaatSraison entsprechen kann, politische Märtyrer einer Partei zu schaffen, deren Wachstum nicht den Wünschen der StaatSlen- ker entlpricht. ES ist eine offcnkiind'ge Tatsache, daft eS ! gerade diese starten Urteile waren, welche weite Teile der Arbeiterschaft, vor allem der tsche- ; chischen, der kommunistischen Partei zuführten. > Ihre tiefe Kenntnis der Geschichte, Herr Vrä- ! sident, lehrt Sie, daft Verfolgung'» auf die ' Hauer das allernntauglichsie Mittel darstellen, eine Bewegung zu bekämpfen und wir rennen aewift bei Ihnen. Herr Präsident, offene Tü- ren ein. wenn wir bestaunten, daft die kommu- nistische Bewegung unter der?lrbeiterfchaft nur mit geistigen Mitteln abgegrasten werden kann und nicht mit Polizeimitteln. I* Herr Präsident, man nennt Sie den geistig stärksten Mann Istrer Nation und wir schlie- ! ften unS diesem Urteile rückstaltSloS an. Wir sagen daS nicht, um Istnen zu schmeicheln, denn aller eitle Personenkult»« liegt uns fern, wir sagen eS, weil wir darin die Vorci"Ssetzung un- serer Erwartung erblicken, daft Sie da« Vor- recht. daS Istnen Ihre Stellung verleibt, zur Auktilgung eine» Kapitels verwenden werden, das wahrlich n-cht zu den erfreulichsten in der sozialen»nd RechiSgeschicstte de» Staate» ge- hört. Sie sind Zeit Ihres Leben? der ehrlichen Ueberzeugung gefolgt, auch dann, wenn Sie sich dadurch zu nicht unerheblichen Teilen Jh- res Volke? in Gegensatz gestellt haben,.darum hoffen wir zuversichtlich, daft sich auch in die- fem Falle Ihr Bekcnnermut und Ihre Nnab- stänoiokeit von allen schlech'en Natoebern of« senbaren wird, welche, sei eS ans Kurzsichtig- keit oder politischer Voreingenommenheit Ihnen etwa in den Arm fallen wollten. Die Wahrheit ist, daft die gesamte Arbeiterschaft aller Ratio- neu wegen der noch immer währenden Wirk- samkeit der A»?nahm?gerichtSnrteile von Bit- terms erfüllt ist und daft eS ebenlo ein Ge Y, if der Ein"cht und Gerechtigkeit w! e der peli« tischen Vernunft ist. die Opfer d:-[er"usti, zu befreien. Her« Präsident, Handel« Sie!... vas Görliher Programm. Auf dem Görlitzer Parteitag hat sich die deutsche Sozialdemokratie ein neues Programm gegeben, als erste aller sozialistische» Parteien ist sie an die durch die Entwicklung der Wirt- schaft und Politik der letzten Jahre notwcndsip gewordene Programmrcvisioit geschritten. Aus den Parteitagen der sozialistischen Par- teien der verschiedensten Länder ist bereits der Wunsch nach einem den Zeiwerhältnisscn ent- sprechcndcnProgramm laut geworden, die Schwierigkeiten, die sich einem solchen Bcyiu- neu entgegenstellen, haben jedoch bisher alle sozialdemokratischen Parteien davon abgehal- ten. Die Unabhängige Sozialdemokratie Deutschlands hat sich darum auf ihrem Parteitag in Leipzig bleft ein Aktionsprogramm gegeben, das die Forderungen zusammenfaßte, die das Proletariat iu der nächste.» Zeit durchsetzen will und auch die deutschösterreichische Partei hat aus ihrem Parlciiag zu Wien ein ähnliches Aktionsprogramm beschlossen. Für die deutsche Sozialdemokratie iu der tschechoslowakischen Republik war die Frage deö neuen Parteiprogramms schon zur Zeit deö Tcplitzer Parteitages 1919 aktuell, aber auch damals ist man davon abgekommen, weil die Zeit für eilt neues Programm noch nicht gekommen schien. DaS sozialdemokratische Programm unter- scheidet sich von anderen Varteiprogrannnen dadurch, daft es nicht nur eine bloße Zusammenfassung von Forderungen einer bestimm» (cn Schichte der Gesellschaft darstellt, sondern, daft es die Anwendung der Sozial» Wissenschaft auf die Politik ist. Seit Marx den wissenschaftlichen SozialiS- nmS begründet hat, muft jedes sozialdemokratisches Programm in die ökonomisch-soziale Entwicklung der Zeit hineingestellt werden. Die Voraussetzung für die Aufstellung von For« derungen ist die Erkennst« in die treibenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kräfte der Geaenwart und die sozialdemokratische Poll- tik bestellt darin, diese treibenden Kräfte der kapitalistischen Gesellschaft, die auf den So- zialikmiiS zusteuert, zu erkennen, um sie be> wnftt-in fördern, dem Sozialismus alle Hin« dernisse ans dem Wege zu räumen, die ihm andere Gesellschaftsklassen entgegentürmen. Das Programm der Sozialdemokratie Deutsch- laud§, das aus dem Parteitag zu Erfurt 1891 beschlossen wurde, fängt demnach mit einer knappen, aber bch eingehenden Darstellung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklung an. ES ist noch beute ein Vergnügen, die klaren, einlachen und durchschlagenden Sätze zu lclen, in denen mit ein paar Strichen die Entwicklung zum Sozialismus dargestellt wird. Als Beispiel b'ene das folgende: Immer größer wird.die Zodl der Proletarier, immer massenhafter die Armee der über- schiissigen Arbeiter. immer schroffer der Gegen- satz zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten, immer erbitterter der Klassenkampf zwischen Bauraeoilie und Vroletariat, der die moderne Gesellschaft in zwei feindliche Heerlager trennt und das aemeinsame Merkmal aller Industrie- Kinder ist. Dieselben Eigeulchaftcn weist das noch heute für uns gültige Vrograniin der deutschen Sozialdemokratie Oesterreich« auf. das auf dem Parteitag zu Wien 1991 beschsollen wurde. Auch dafür diene ein einziger Satz als Bei- spiel: Da? Vroleterlat zu oroaiillleren, es mit dem V-'mcftstein seiner Lage und seiner Ausgabe zu erfüllen, eS geistig und Nst''iisch kampsfähig zu machen und zu erbosten, ist das eigentliche Pro- grckmm der sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Oesterreich, zu dessen Durchsetzung sie stch aller zweckdi-nlichen und dem natürlichen MechtSbewuhtsein des Volkes entsprechenden Mittel bedienen wird. Wenn wir mit diesen schonen und klaren, in jeder Hinsicht einwandfreien Sätzen daS neue Programm vergleichen, daS sich die Sozialdemokratie Deutschlands nunmehr stegeve« hat. können wir ein Gefübk der Enttäuschung nickst unterdrücken. DaS Vr-aramm ist matt und rstne t-'"n-na. Man statte glaube» sg"en. dost'-'nächst eine Darstellung der«&> gemeinen Entwicklungstendenzen der kaditakk- stischen Gesellschaft gegeben weichen wird und «eile L. onnn eine Darstellung der spezifischen Entwicklung der kapitalistischen Ordnung im Kriege iind nach dem Krieg- gefolgt wäre. Ans der so dargestellten Entwicklung hätten zwangSläu- ftg die Gegenwartsforderungen folgen müssen, die daS sozialdemokratische Proletariat er- hebt. Nichts von all dein! Die allgemeinen Grundlagen des Kapitalismus werde» in einem einzigen Absatz folgendermaßen darge- stellt: Die kapitalistische Wirischast ha! den Wisent, lichen Teil der durch die moderne Technik gc- waltig entwickelten Produktionsmittel unter die Herrschaft einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Großbesther» gebracht, sie hat breite Massen der Arbeiter von de» ProduktionS- Mitteln getrennt und in besitzlose Proletarier verwandelt. Sie hat die wirtschaftliche Un- glcichheit gesteigert und einer kleinen, im Uebcrfluß lebenden Minderheit Iveite Schichten entgegengestellt, die in Not und Elend ver> kümmern. Sie hat damit den Klassenkampf für die Befreiung des Proletariats zur geschieht- lichcn Notwendigkeit und zur sittlichen Forde- rung gemacht. Diese Darstellung kann mau nicht anders als armselig bezeichnen. Sie hält keinen Vergleich aus mit der wissenschaftlichen Präzision und zugleich der Glut, die in jedem Satze des Er- furtcr Programms steckt. Aehnlich ist die ka- pitalistische Entwicklung nach dem Kriege weg- gekommen. Auch da ist der Kern nicht getroffen, einige allgemeine Erwägungen werden über den Kapitalismus angestellt, die in einem Leitartikel eines-sozialdemokratischen BlatteS ganz gut Platz finden können, in ein Pro- gramm jedoch keinesfalls gehören, weil ganz nebensächliche Ding« herausgegriffen werden. So ist von der„wachsenden Abhängigkeit der bürgerlichen Presse von übermächtigen Wirt- fchaftsdiktatorcn" die Rede, was zwar eine unbestreitbare Tatsach« ist, aber in die wenigen Sätze, aus denen ein sozialdemokratisches Pro- gramm in seinem prinzipiellen Teil bestehen muß und in denen gerade nur das Wesentliche zum knappsten und klarsten Ausdruck gebracht werden soll, ganz und gar nicht paßt. Für den Geist, der die Schöpfer des Pro- grammS beseelte, ist bezeichnend, daß man sich anfangs nicht entschließen koiinic, 5aS Wort Klassenkampf in den Programmentwurf hmcinzuncbmrn. Der theoretische Führer der deutschen MebrbeitSsozialisten C u n o w wid- mete der Rechtfertigung der geplanten.Hin- «e'glassuiig einen Artikel in der„Neuen Zeit", in der er die Richtigkeit und Anwendbarkeit der Darstellung des Klassenkampfes im kom- munistischcn Manifest für unsere Zeit leugnete. Im kommunistischen Manifest heißt es nämlich:'' Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich dadurch ans, daß sie die Klassen- gegcnsätzc vereinfacht hat. Die ganze Gesell- schaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat. Eunow führt n»n daaegen an, daß in den letzten Jahrzehnten sich die Mittelschichten, welche zwischen Kapitalisten und Proletariern stehen, besonders rasch entwickelt haben und 'faß die sozialdemokratische Part-tz nicht mehr Flein auf die Vbeif«, sondern umft auf diese Schichten rcflkitierte. So richtig diese Be- Häuptling an und für sich ist, so falsch ist die Folgerung, die Eunow daraus zieht. Er sagt: „Ist unsere Partei aber keine bloße Klassen- Partei, sondern ein Gemisch verschiedener Klassen, so kann sie auch nicht mehr im frü- Heren Sinne Klassenkampfpolitik im Dienste der Arbeiterklasse treiben; sie muß not- wendig einen Ausgleich zwischen den Jnteres- sen der verschiedenen in ihr vertretenen Klas- jentcile suchen." In Wahrheit geht jedoch die Entwicklung dahin, diese Mittelschichten zu Prolctnrisiercn. Die sogenannte» Mittelschichten werden auf die Bahn des Klassen- rampfcs gedrängt, wie ihn die Arbeiter, die stets den Kern der sozialistischen Partei bilden werden, seit Jahrzehnten führen müssen. Schließlich hat man das Wort vom Klassen- kämpf doch in das Programm hincingenom- mcn, aber wie Cunow sagt:„Aendcrn wird da» an unserer Parieipolitik gar nichts." Ein sonderbares Vorhaben! Der Görlitz« Parteitag hat das Zusammen- gehen der Mchrheitssozialifte» mit den. Vcr- trctcrn der deutschen Volkspartei in einer Koalitionsregierung möglich gemacht. DaS war eine taktische Absage an die Unab- hängige Sozialdemokratie. Die Annahme des Programmentwurfs ivar eine weitere, die grundsätzliche Absage an die Unabhän^ gigcn. Aber die inehrheitSsozialistische Presse wird des eben geborenen Programm» kaum selber froh, es mehren sich die Stimmen in ihrem eigenen Lager, die weder die taktische Entschließung noch das Programm des Görlitzer Parteitages für glückliche Be- Müsse halten. DaS Görlitzer Programm ist das Programm deS reformistischen Flügels der Arbeiterbewegung. Nur durch die Ueberwindung des Reformismus wie des PutschiSmnS, können wir wieder zur Einheit und Einigkeit des internationalen Proletariats gelangen. An dem Tag-, da wir diese Eini- gzmg, die wir heiß ersehnen, erreiche» werden, Wi» die sozialistische Internatronale d-S SLr- litzer Programm begrabe». Kindern wird de? Aö-Sitzhr Mrgratznm m aller Ankunft die Ei- nigung nicht, denn nicht aus einer bestimmten Situation hervorgegangene Programme, son- dorn die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit tvird über die Zu- kunft der Arbeiterbewegung entscheiden. Inland. Die Einlösung der Kriegsanleihe. _ Daß nicht Raschi» daS Finanzportefeuille übernommen und daß sich Präsident Masarhk in Prcßburg für die Einlösung der KriegSan- leihen ausgesprochen hat, läßt die Erwartung z», daß sich der Staat seinen Verpflichtungen nicht entziehen werde. Seit nahezu drei Iah- reu steht diese Frage ungelöst zur Bcantwor- hing. Unendlicher Schaden ist durch ihr Verschleppen nicht bloß den KriegSanlcihcbesitzcrn, andern vor ollem dem Staate selbst zugefügt worden, der, wie das Ergebnis der letzten Staatsanleihe beweist, jeden Kredit eingebüßt hat. Während selbst jene Staaten, denen von den Siegern beinahe unvorstellbare Tribute auferlegt wurden, bemüht sind, ihre Kriegs- schulden zu begleichen und so ihren Kredit ge- genüber den StaatSgläubigern nicht ganz zu untergraben, glaubte man hierzulande nach dem Rezepte RajchinS die Kriegsschuldenfrage einfach so zu erledigen, daß man ihr auS dem Wege ging. Der Staat, V« die größten Aktiva aus dem Zusammenbruche Oesterreichs, 80 Prozent seiner Industrie, Kahlenberg- werke, den fruchtbarsten Teil deS Reiches über- nommen hat, cntschlug sich bis heute der Auer- kennung der Passiva. Raschin versuchte sei- nerzeit die KriegSanleihcfrage auf ein natio- naleS Geleise zu schieben, aber gerade die tsche- chischcn Banken waren«S seinerzeit, die am lautesten für die KricgSanlcihcbezcichnung ge- warben haben. Wohl ist es richtig, haß gerade diese Banken rechtzeitig ihre Krieasanlcihen abgestoßen haben, aber man dürfte^nach drei Jahren endlich daraufgekommen sein, daß nach dem Rezept„der Staat bin ich", die Tschccho- siowakei nicht die Zivnostenika banka ist.— Die Frage der Kriegsanleiheeinlösung ist trotz der Umwandlungsgelegenheit in StaatSan- leihe ungelöst geblieben, denn gerade die ka- pitalärmsren KriegSanleihebcsitzer, Menschen und WohlfahrtLanstalten, denen vielfach nichts anders geblieben ist, als Kriegsanleihe, kenn- ten sie durch Aufzählung in Staatsanleihe nicht umtauschen. Und während ein Teil der Kapitalisten sein« Kriegsanleihe in StaatSan- leihe konventiert hat, sind heute diejenigen im Besitze der Kriegsanleihe, die nicht die Möglich- keit zum Umtausch hatten. Wir Sozialdemokraten stehen auf dem Standpunkt, daß die Kriegsanleihe jo bald wie möglich eingelöst werden müsse: nicht nur dcs- halb, um taufende Menschen vor dem Untex- gang zu schützen.— Viele Kapitalisten konnten ihr Schäfchen rechtzeitig ins Trockene bringen— sondern nach dem Grundsatze, daß alle Kapitalisten für die Kriegsschulden und nicht die zufälligen Besitzer von KriegSanleiben aufzukommen haben. Die Forderung der?ln- nullierung der Kriegsanleihe ist nichts anders als ein Mittelchen der tschechischen Bourgeoi- sie, ihre Schuldigkeit dem Staate gegenüber durch and---« begleichen zu lassen. „Pravo Ädn" gegen die SokolauSssiigc ins deutsche Gebiet. Im„Pravo Lidu" schreibt E. Hoffmann, Lcitmeritz, über die tschechischen SonntagSexpeditionen in das deutsche Sprach- gebiet unter anderem folgendes:„Taktische und Verstandesgründe sprechen gegen diese Fahrten für daS Auge, welche soviel Staub aufwirbeln, jeden vor Langweile cingeschla- fencn deutschen Chauvinisten aufwecken, ebne daß die Dinge zu Gunsten der Minderheiten geändert würde. Viel nützlicher und wichtiger wäre eS, die Position auf wirtschaftlichem, Schul- und kulturellem Gebiet zu stärken." In seinen weiteren Ausführungen olaubt Hof- mann, aussprechen zu können, dass„die Leute in den Minderheiten überzeugt sind, daß eS zmu deutsch-Ischcchischen Ausgleich kommen wird." Di« Parteienverhältnisse im Parlament. Gegenwärtig sind im Abgeordnetenhaus 285 Abgeordnete, und zwar 48 tschechische Sozial- d-mokraten, 41 tschechische Agrarier, 83 tsche- chische Klerikale, 26 Kommunisten, 25 tsche- chische Nationalsozialisten, 19 Nationaldemo- kraten, 7 Gewerbeparteiler, 4 Abgeordnete der Brodeckygruppe, 3 Modraccfleute, 1 selbstän- diger Tscheche(TeSka). WeiterS 28 deutsche Sozialdemokraten, 13 deutsche Agrarier, 12 Deutschnationale, 9 deutsche Ehristlichsoziale, 5 deutsche Nationalsozialisten, 2 Deutschdemo- traten, sowie 6 ungarische Klerikale, 3 unga- rische Sozialdemokraten. Die neue Regierung verfügt daher über eine Gefolgschaft von 166 Abgeordneten, die Opposition zählt 123 Abge- ordnete. vor das ordentliche Gericht.„Rüde Pravo" veröffentlicht einen offenen Brief von sechs verurteilten Kommunisten aus Ungarisch- Hradisch, an den Justizminister, wovon ver größte Teil konfisziert ist. Aus dem nicht konfiszierten Teil ist zu entnehmen, daß die sechs Verurteilten verlangen, vor«in ordent- liches Geschwornengericht gestellt zu werden und daß das Urteil des AuSnahmtjenatS las- siert novit. Eine Jour-ealistenvorsammümg. Gestern vormittags fand im Mozarteum eine Iourn«-- «morrat listcnversammlung statt, in der Ministerpräsi- dent Dr. Bcnesch über die Bedeutung des Journalismus in etwas überschwenglicher Weise sprach. Auch Minist« H a b r m a n er- griff in dieser Versammlung das Wort. Die Tagesordnung der Vcrsankki'lung umfaßte fol- gende Punkte: DaS Dienstverhältnis der Redakteure, Journalistenkammern, allgemeine Versicherung der Journalisten und Prcßgcsetz. Nach Erstattung von Referaten und einer De- batte wurden einige Anträge des Ausschusses des Syndikats der tschechoslowakischen Tages- presse genehmigt. Der Klerikalismus als Organisator. Die Klerikalen als unsere gefährlichen Gegner zu bezeichnen, genügt nicht. Man muß die Größe und Macht ihres Organi- sationsapparates anschaulich sehen, um sich der Schwere des notwendigen Kampfes be- wüßt zu werben. Darum dürfen wir der christlichsozialen Warnsdorf«„VolkSzei- tung" dankbar sein, die unö ein den Vor- trag des Gen. Leuth»« und unser gestriges Feuilleton erschöpfend illustrierendes Zif- fernmatcrial zur Verfügung stellt. Was den schwarzen Herren Grund zum Stolz bietet, gibt uns kräftigsten Ansporn, uns ihrer mit alle» Mitteln zu erwehren. Di« WarnS- dorfer Statistik also berichtet: „Der Süddeutsche Verband katholischer Ar- beitervcreine zählte schon vor dem Weltkriege (i. I. 1911) 978 Einzelvereine mit 168.250 Mitgliedern, 681.300 Mark BereinSvermögen, 2.5 Millionen Mark Spareinlagen usw. In 776 dieser Vereine waren zur Belebung und Stärkung des religiösen Leben» regelmäßige Generalkommunionen eingeführt. AuS der sonstigen Statistik der erwähnten 978 Vereine hebe ich hervor: 1795 religiös-apologetische, 2395 sozialwirtschaftliche, 1452 siaatSbürger- kundliche und 1633 allgemein bildende Vor- träge, 356 Lichtbilderaussührungen. 497 Vereine halten in dem oben, erwähnten Berichtsjahr« 1911 eigene Büchereien, außerdem wurden vom Verbände für die Einzclvercine 23.259 Broschüren angekauft. Der Westdeutsch« Verband katholischer Arbeitervereine verzeichnete in« selben Jahre 1911: 1941 Einzelvereine, 189.989 Mitglieder, 9524 Vertrauensmänner, 1,112.259 Mark an BereinSvermögen, 4,614.116 Mark an Spar- cinlngen der einzelnen Mitglieder, 555.889 Mar! Unterstützungen an Mitglieder, ein Ver- bandsorgan mit 195.999 Abonnenten, 3585 Versammlungen! Der Ostdeutsche Verband verzeichnete 85 katholische Arbeitervereine. Ter„Verband der katholischen Arbeiter- vereine"(sog. Berliner Richtung) zählte zur selben Zeit 1299 Vereine mit 139.999 Mitglie- der». Hiezu kommen noch die christlichen GeWerk- schaffen mit 349.957 Mitgliedern, 23 Fachblät- tern. 7.983.999 Mark Vermögen, 2,442.959 Mark Unterstützungsbeträgen. Die christlichen Gewerkschaffen waren schon damals an 1122 Tarifverträgen beteiligt. Der Zentralverband katholischer JünglingS- vereine konnte einen Bestand von 1937, also fast zwei Tausend Einzelvereinen und 194.917 Mitglieder ausweisen. Dem Zentraltzerbande stauben vier Zeitschriften zur Verfügung. Eine Gesamtstatistik der katholischen Jung- frauenvemne liegt mir gegenwärtig nicht vor, aber ich glaube mich nicht zu irren, vor wenigen Jabren in einem Berichte gelesen zu haben, daß ncebr als 359.999 katbolischc Mädchen in religiösen Vereinen organisiert seien. Acbnlicb großzügig und zeitgemäß organi- siert sind Hunderttausende von Frauen im Ka- tholischen Frauenbund und in den christlichen Milttervereinen. Vor mir liegen die Klerus-Kataloge deS Erzbistums Köln und der Bistümer Trier, Münster, Paderborn, Breslau und Rotten- bürg. Diese und andere Diözesan-SchematiS- men bringen fast sämtlich auch eine lieber- ficht über die nicht-politischen katholischen Ver- eine, da an der Spitze fast aller dieser Organi- sationen ein katholischer Geistlich« als Präses oder doch als maßgebender Beirat steht, eine Tatsache, welche dem reichsdeutschen KlerNS mcbt doch genug angerechnet werden kann und zum Gutteil die solide religiöse Fundierung(!), den einheitlichen Geist und die Opfersinnigkeit der Hunderttausende Organisierten erklärlich macht. lJn WabrHeit zeigt diese Tatsache, daß die Geistlichen sich nicht um das religiöse Leben ihre« Schäfchen«, scndern um die AuLdeh- nung der Kirchenmacht kümmern. D. Red. d.„Sozialdemokrat".) Ich kann aus den erwähnten Katalogen nur Einzelnes herausheben. So z. B. verzeichnet das„Kölner Handbuch"(des katholischen Kle- rnS) außer den bereit?«wähnten BeretnSth- Pen: zehn CaritaSverbände mit je einem«ige- neu Sekretariat, 242 tätige Vinzenzvereine mit einem Generalsekretariat, einen Diözesanber- band der katholischen Männer-Fürsorgevereine (Fürsorge für gefährdete Knaben, Besorgung von Lehrstelle», Uebernechme von Bormmch- schaste» usw.).«inen Zentralveeckand katho- LS. September 1921. lisch« Kinderhorte und Kleinkinderbewahran- stalten(Sitz Bonn), 81 katholische Gesellen- vereine mit 6329 aktiven und 11.499 inaktiven Mitgliedern und 42 eigenen Häusern; eine» Verband katholischer Bcamtenvereine mit 39 Einzelvereinen und 19.999 Mitgliedern; einen Verband katholischer kaufmännisch« Vereini- gniigen mit 57 Einzelvcreincn und 5975 Mit- gliedern; einen Verband der katholischen Frauen- und Miittervereine mit 546 Einzelvereinen und mehr als 139.999 Mitgliedern; ferner Vereine für katholische Dienstboten, für HandwcrkLgchilfinnen, für Hausbeamtinnen, Sozialbeamtinnen, für katholische Akademiker, deS weiteren 1935 BorromäuS-Büchervereine (Verbandssitz bekanntlich in Bonn), mit 193.339 Mitglieder». Hierzu kommen noch die Ortsgruppen deS BonifatiuS-Vercines, der MissionSvereine, d-S rund 799.999 Mitglieder zählenden VolkSvoiieincS(Sitz M.-Gladbach), die Zahlstellen der politischen ZentrumSorgani- sation usw. D« Schematismus der Diözese Münster verzeichnet für diesen kirchlichen Sprengel: 179 Jugendvcreine, 153 marianische Kongregationen, 89 Gcscllenvcreine, 41 kaufmännische Vereine, 179 katholische Arbeitervereine, 47 Knappenvereine, 195 Männcr-Kongrcgatio- nen, 19 Arbeiterinnenvoreine, 9 Dienstboten- vereine, 415 christliche Müttervercine; zu die- sen Organisationen wären noch die verschle- denen kirchlichen und carilativcn Vereine zu zählen. An WohltätigkeUs- und sozialen Anstalten bestehen in dieser einen Diözese allein: 23 eigene Häuser der Jugendvereine, 43 Ge- sellenhätlser(zumeist mit Hospiz), 19 Arbei- terinnenvereinshänser, 19 Mädchen-Hospize, 7 katholische Anstalten für Fürsorgezöglinge, mehrere Hunderte Hospitäler und ErziehnngS- anstalten klösterlicher Kongregationen. AuS dem Personal-SchcmatiZniuS der Diö- zefe Paderborn für das Jahr 1913 errechne ich folgende Daten: Katholische JünglingSvereine 399, Jungfrauenvereine 392, Gesellenvereine (unter Einbeziehung der sog. Joscfsvereine) 89; Arbeitervereine 432. In Dortmund allein bestehen und wirken: 11 katholische JünglingSvereine, 19 Jungfrauenvereine, 16 katholische Arbeitervereine; in Bochum: 11 ka- tholische JünglingSvereine, 13 katholische Ar- beitervcreine; in Gelsenkirchen 11 katholische Jiigendvereiiie, 11 Jiingfraiiciivcrcine, 3 Ge- sellenvereine, 13 katholische Arbciterorganisa« tioncn.(Nicht gerechnet sind hier die christli- che» GcwcrkschaffSvereine, die BorromäuS- Ortsgruppen usw.) Ueder eine ähnlich rcichgcgliedcrte kirchlich- earitativc und soziale Geincinschaftsarbcit be- richte» die Schematismen aller übrigen Diözesen. Die Früchte dieser mühsamen, ausdau« ernden, aber auch dancrwcrtigen Arbeit sind fast in jedcin katholischen Pfarrsprcngel zu spüren: gute Wahlen in die kommunalen und gesetzgebenden BerirctnngSkörPer» ein geHove- nes Bildungsniveau in Bezug aus religiöses und.Profanes Wissen, stete Belebung deS inne« ren KcdankcnlcbenS. häufiger Sakrament?- empfang(man beachte die köstliche Mischung von Politischem.Geschäft und frommem Gesal- bader, die da dem erbaulichen Berichterstatt« miwnterlänst. D. Red. d.„Sozialdemokrat"), und Kirchenvcsuch, rege Anteilnahme an den caritativen und sozialen Schöpffingen der«in- zelnen großen und kleinen Organisationen, Opferst»» für jedes als notwendig anerkannte gemeinnützige Werk usw.". Einen unerwarteten Bundesgenossen finden die katholischen in den evangelischen Pfaffen mit und ohne Ornat. Auf dem letzten Kirchentag in Stuttgart beschlossen nämlich die Vertreter des„Evangelischen Kir- cheubundes", für die konfessionelle Schule ein- zutreten. Damit treten Ultramontan« und Lutheraner in eine Kampffront und werfen sich der Forderung der Lehrerschaft und eines guten Drittels der Elternschaft, soweit eben diese sozialdemokratisch gesinnt ist, als einheit- liche reaktionäre Masse entgegen. Der religio- sen Triebkraft beraubt» sind die Protestanten eben auch nur Pfaffen. Die russische Hungersnot. Der Völkerbund für Rußlandhilfe. Genf, 27. September.(HavaS.) Die 6. S.om> Mission(für politische Angelegenheiten) befaßte sich mit der Frage der russischen Hungersnot. Motta legte einen Antrag der Unterkommis- sion vor, in welchem konstatiert wird, daß die Situation Rußlands unstreitig ernst und rasche Hilfe dringend notwendig sei. Die Unterkom- niission fordert, daß an alle privaten HilfSor- ganisationen eine dringende Aufforderung ge- sendet und gleichzeitig der Wunsch auSgesPro- chen werde, daß die Regierungen aller Länder, die Unternehmungen der privaten Hilfsorgan!- sationen moralisch und finanziell unterstützen. Die Debatte wird morgen fortgesetzt werden. Nansen an Tschitschni«. London, 28. September. Nansen hat Tschit- scherin telegraphisch um Mitteilung ersucht, ob die Nachrichten, daß 14 Mitglieder de? Mrnssi. scheu Hilfskomitee» zum Tod« verurteilt war- den seien, den Tatsache« entsprechen. Ein« Dnt- wart auf diese» Telegramm ist fnS& niSt sn- gegangen. September 1921. Vayern nnd das Reich. /Die deutschen Blätter melden, daß der Kon- likt Bayerns niit dem Reiche beigelegt sei. Die Linheit des Reiches ist durch das freundliche Entgegenkommen des neuen bayerischen Mi- /nisterpräsidentcn, des Grafen Lerchenfeld, gerettet, der sich schon durch seine weniger bahe- rischen Umgangsformen don Herrn von Kahr, seinem Vorgänger, wohltuend unterscheide. Der AnLnahmSzustand werde am 6. Oktober mit der Wirkung vom 15. Oktober aufgehoben und somit ist alles wieder gilt eingerichtet. Wohl schmachten zu Hunderten die Opfer der Ausnahmsgcrichtsbarkcit in bayerischen Ker- kern und dieser Staat beherbergt ganze bewasf- nete Kolonnen von ausgesprochenen Feinden der deutschen Republik, aber formell liegt vom Standpunkt der künftigen Regierungsparteien nichts im Wege, Alles, was, das Reich durch Wochen in äußerste Spannung versetzt hat, zu vergessen. Der Reichstag, der vorerst nur zu einer kurzen Sitzung zusammengetreten ist, wird sich jedoch auch gegen den Willen der Parteien, die begreiflicherweise auf das trau- «tge Kapitel der Ncichsciiihcitsbcdrohung durch Bayern nicht zurückkommen mächten, mit den bayerischen Umtrieben bcfasien müssen. Mit der Verkleistcrung deS Bruches, der in dem eigenmächtigen, staatsfeindlichen Treiben KahrS zum Ausdruck kam, ist nichts getan. Der Reichstag wird dem Ucbcl auf den Grund gehen müssen; er wird die Kräfte zu prüfen haben, die gegen die Einheit des Reiches sind und diejenigen, die seine Einheit auch mit scharfen inncrpolitischcn Känipfen erhalten wollen. Nach der Verfassung der deutschen Republik ist Bayern weit mehr als ein auto- nomes Staatsgebiet Deutschlands, eS ist tatsächlich ein Staat im Staate und in den Hän- den eines Kahr ein Staat gegen den Staat. Die ersten großen und prinzipiellen Debat- ten des Reichstages werden sich mit dieser Le- bensfrage des Reiches befassen; denn Bayern, wie eS heute besteht, ist die Keimzelle der beut- schcn Reaktion, die Ausfallfcste der Wittels- bacher gegen die deutsche Republik. Die Bor- liner„Freiheit" nimmt Dienstag zu diesen Problemen Stellung und schreibt u. a.: Der Schutz der Republik, die wir gegen die Monarchisten verteidigen, obwohl wir im hef- tigsten Gegensatz zu ihrem heutigen kapilalisli- schen Charakter stehen, kann sich nicht auf Vcr- ordnungcn des Reichspräsidenten gründen. Was not tut, ist eine durchgreifende Umge- staltung dir Gesetzgebung, und die Unabhängige Fraktion des Reichstages hat in dieser Erkenntnis der Volksvertretung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der In erster Linie eine grundlegende Reform der Justiz in Strafsachen, die Rechtsprechung nur durch Gc- schworcne und die Wahl der Geschworenen durch dai Volk fordert. Der des weiteren der Regie- riing eine Handhabe gegen diejenigen Beamten geben will, die monarchistische Auffassungen öffentlich vertreten oder in der Ausübung ibrcs Amtes bekunden, und der endlich noch die Kon- fiskalivn de» Vermögens der früheren landesfürstlichen Familien verlangt. Bei der Beratung diese» Gesetzentwurfes wie bei all den anderen Debatten, die sich an die Vorgänge der letzten Zeit knüpfen, wird sich herausstellen, ob ei im Deutschen Reichstage eine Mehrheit gibt, die nicht nur ein billiges Lippenbekenntnis zur Republik abgelegt, son- dern ernsthaft entschlossen Ist, das Nötig« zu tun, um sie gegen die Umtriebe ihrer Feinde zu sichern. Mit großer Spannung er- warten wir die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien und besonders derjenigen Fraktion, die neuerdings von Rechtssozialisten für bünd- niisähig erklärt worden ist. Die Resolution von Görlitz stellt zwar als Vorbedingung der Koali- tion mit der Deutschen Volkspartei die republikanischeZuverlässigkeitder Freund« de» Herrn Stresemann auf. Unsere unabhängigen Genossen äußern sich deS weiteren sehr zweiflerisch über die fernere Entwicklung im Reiche. Die Republik ist trotz der Reglerungskoalition, vielleicht gerade durch ihren fraglichen Bau, noch immer be- droht. Die Debatten über Bayern und das Reich werden vielleicht schon Klarheit darüber bringen, daß der Entschluß der RechtSsoziali- sten auf dem Gärllher Parteitag, mit den BolkSparteilern in die Regierung zu gehen, ein fehlerhafter war. Die Hoffnung einer baldi- gen Wiedervereinigung deS deutschen Proleta« riatS ist so gut wie begraben. Und nur auf der geeinigten Kraft des Proletariats«cht die deutsche Republik. Äufhebun» der wirtschaftlichen Sanktionen. Am» 0. September. Pari», vs. September. Ministerpräsident Briand alS Ersitzender de» Obersten Rate? hat dem deutschen Botschafter Dr. Mayer heut« «tttag»«in« Rote überreichen lassen, in der «itgeteflt wird,>-aß die wirtschaftlichen Sankt»»»«» mit Wirkung vom SO. Sozialdemokrat September aufgehoben werden.(Die militärischen Sanktionen, die gegen jedes Rcchtsgefühl und gegen den Friedensvertrag von Versailles verstoßen und Deutschland si- nanziell ruinieren, bleiben jedoch aufrecht. D. Red.) Rucktritt des Polizeipräsidenten Poehner. Berlin, 23. Septeinber.(Eigenbericht de* „Sozialdemokrat".) Der Münchner Polizei- Präsident P o e h n e r ist endlich znrückgetre- ten. Er erklärte, daß die Verhältnisse es noch nicht gestattet hätten, die bewährten Bcstim- mungen des bayerischen AusnahmsrcchtcS preis zu geben, znmal fiir die nächsten Monate die schwersten Erschütterungen des Wirtschaft- lichcn und politischen Lebens bevorstehen. Unter diesen Umständen sei er außer Stand«, die Verantwortung fiir die Aufrechterhaltnng von Ruhe und Ordnung weiterhin zu über- nehmen und er habe heute um seine Enthe- bnilg gebeten. Das letzte Wort Poehnerö war. daß er die Verbreitung der Berliner „Freiheit" fiir seinen Bezirk verbot. Die Begründung seines Rücktrittes soll den Dentschnationalen nur Gelegenheit sieben, um eine neue Hetze gegen den Reichskanzler W i r t h zu entfesseln. Daß der Staatsan- Walt gegen Pochner eingeschritten ist, well er vor aller Ocffcntlichkeit beschuldigt wird, steck- brieflich verfolgte Hochverräter begünstigt zu haben, ist noch nicht bekannt geworden. Die neu« deutsche RegierungSkoalltwn. Berlin, 28. Septeinber.(Wölfl.) In einer gemeinsamen Besprechung der demokratischen Fraktionen des Reichstages und des preußi- schcn Landtages war man einmütig der An- sieht, daß die breite Koalition don der Mehr- heitssozialdcmokratie bis zur deutschen Volks- Partei die einzige Grundlage ist, auf der«ine stetige Politik aufgebaut werden kann. Die Versammlung gab weiter der Meinung AnS- druck, daß die Regierungsbildung tm Reiche nur ein Kabinett Wirth sein könne. verbot einer reaktionä-m Veranstaltung. Berlin, 23. September.(Wölfl.) Der Polizei- Präsident von Berlin hat aus Grund der Ber- ordnung des Reichspräsidenten vom 29. August l. I. die für den 2. Oktober im Sportpalast geplante„Heerschau Schwarz-Weiß-Rot" der- boten. Die Veranstalter^der gePlanten Heer- schau gehören den gleichen Kreisen an wie die Veranstalter des sogenannten Frontkämpfer- tages. Vie-Linanzkrise. Berlin, 28. September.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Zu der durch die lata- strophale Entwertung der Valuta herbeigeführten weiteren Verschlechterung der Finanz- läge des Reiches schreibt die„F r« i h e i pst „lieber der Geschichte der deutschen Finanzen steht seit Kriegsausbruch das verhängnisvolle Wort„zu spät". Alle Maßnahmen sind der- spätet getroffen worden und deshalb Wirkung?- los geblieben, und das gilt auch für das vor- läufig letzte Kapitel. Seit der Annahme des Ultimatums im Mai ist nichts geschehen. Statt das Parlament, wie eS ursprünglich beabsichtigt war, möglichst lange beisammen ju halten, oder wenigstens die Steuerausschüsse perma- ncnt arbeiten zu lassen, wurde der Reichstag in die Ferien geschickt. Bei seinem Pusam- mcntritt findet er aber noch immer kein defi- nitiveL Finanzprogranim vor. Die Gescheut- würfe stecken im ReichswirtschaftSrat und ReichSrat. denn der ganze Apparat der Gesetz« gcbung ist so schwerfällig geworden, daß Gc- setze überhaupt nicht mehr sertisi werden. Aber selbst wenn Steuergesetze vorgelegt wer- den könnten, so sind Fe durch dl« Kursstürze der Mark bereits völlig ungenügend geworden." Mit derselben Frage beschäftigte sich eine Tagung deS Reichsverbandes der deutschen Industrie in München. Der VerbandSdorsitz zende Dr. Sorge wies darauf hin, daß man sich hinsichtlich der Erfüllung des Londoner Ultimatums auf den Boden realer Tatsachen stellen und ernstliche Versuch« machen müsse, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Industrie sei bereit, ihr« ausländischen Kredite zu Gunsten d«S Reiche» nutzbar zu machen unter der Voraussetzung, daß sich an der Aktton die Landwirtschaft, die Bankwelt und der Handel beteilige und die Regierung alle» tue, um das Risiko der Zerstörung de» letzten Restes der Wirtschast zu verhindern, in- dem sie nämlich Ordnung in den Etat bringe. Der Wiederaufbauminister Ratbena« nahm dann da» Wort und erklärte, daß der neue Kur» der deutschen Währung die Unmöglichkeit bewiese« habe, die deutsche Repa- rationsverpslichtung lediglich durch Devisen abzulösen. Da» Problem sei der Ersatz von Geld— durch Sachleistungen. Sicherlich sei dabei der. Widerstand der französischen Jndu- strie zu überwinden,«» vertrete aber der französische WIederaufbauminisjer selbst die Anschauung, daß sich die französische Industrie ins eigene Fleisch schneide, wenn sie ihre ganze Tätigkeit auf die Wiederaufbauliekerun- gen einstelle. ,.üzM Versuchte Vernichtung der Lrüuuer deutschen Mhne. Der Stadtrat von Brünn, der durch Eingc- mcindung mehrerer tschechischer Ortschaften in seiner Majorität tschechisch gemacht wurde, hat beschlossen, d e n V c r t r a g mit dem Thcntcrvcrciiic auf ztv ei malige B e""t h u n g des Stadttheaters i r d' ochc zu kündigen. Diese Ta!. in.;...telbar nach der Abreise Masaryk.> unter dem Einfluß der nationalistischen D: monstrationcn gesetzt wurde, bedeutet nicht tve nigcr als den Versuch der vollständigen Vcr- nichtung der deutschen Schauspielkunst in Brünn. Sie bedeutet eine Kampfansage des nationalen Thauvinismns, von dem die Mw jorität de? Brünncr GcmeindcratS erfüllt ist, an die gesamte deiitsche Kiilturgciileinschast Mährens. Schwere Tage hat die Brünner deutsche Schaubühne seit dem Umstürze zu überdauern. Trotzdem den Deutschen Brünns bei der Uebcrgabe der Stadtgcmcinde a» eine Revolu- tionskörpcrschaft von ihrem ältesten Mitglieds, Herrn Dr. StrnnSky versprochen wurde, daß dem deutschen Theater ein dreimaliges Mit bcnützungsrccht in der Woche gewahrt bleibe, wurde dieses Versprechen einfach gebrochen. Langer Verhandlungen bedurfte es, bis den Deutschen die zwei thcaterschwächstcn Tage der Woche, Montag und Dienstag, zur Benützung deS Stadtthcaters eingeräumt wurden. Ei» Neiner, für Theatcranffühningen beinahe nn- geeigneter Saal, die Rcdoute, sollte ihnen das große Haus ersehen. Die Subvention, die die Brünncr Stadtgcmcinde dem deutschen Theater gewährt, ist verhältnismäßig so spär- lich, daß in dieser für Schaubühnen so kriti- schen Zeit das Brünner deutsche Theater bei- nahe auf sich selbst gestellt ist. Die Brünncr Tschechen haben sich für das Theaterspicljahr 1920/21 nicht weniger als 1 M i l l i o n 000.000 Kronen bewilligt. Ailßerdem erhält das Brünner tschechische Theater große Zu- Wendungen seitens deS Landes und deS Ma« sarykfonds. Dem deutschen Theater wurde nach langen Verhandlungen ein Achtel der tschechischen städtischen Subvention 200.000 Kronen bewilligt. Und zu alledem kommt jetzt noch gleichsam der Delogierungsauftrag! Es Ist ausgeschlossen, daß das einzige große Theater Mährens in zwei für größere Büh- nenwerke ungeeigneten Saallokalitäten weiter bestehen kann. Wenn dem Theater auch noch die letzte Wirklingsmöglichkeit genommen wird, muß eS zu Grunde gehen. Wenn dies auch die Absicht der Brünncr Chauvinisten ist, so können wir kaum glauben, daß sich mit ihnen auch die neue tschechische Regierung, die doch ein einträchtiges Zusammenleben mit den Deutschen dieses Staates ermöglichen will, identifiziert. Die gänzliche Vernichtung der hunderte Jahre alten Brünncr deutschen Bühne würde, diesem Staate mir viele Tau- sende neue Feinde schaffen. Dies kann doch nicht die Absicht dieses übereilten, gleichsam aus einer Siraßendcmonstration geborenen Beschlusses sein. ES besteht keinerlei Nötigung, den Deutschen Mährens eine ihrer letz- ten Kulturstätten zu nehmen. Die tschechische Schauspielkunst in Brünn hat bei ihrem Heu- tigen Anteil an Räumlichkeiten die Gewähr vollster Entfaltuna. Nicht weniger als 19.000 Zuschauern kann sie in einer Woche die Möglich- keit des Theaterbesuches geben. Diese Zahl ist relativ so groß, daß es ihr noch auf zwei Spieltage im Stadtthcater wohl nicht an- SeSe» konimt. Ebenso klar ist eS, daß-durch die Fort- nähme dieser zwei Spieltage die deutsche Bühne ruiniert ist. Schon aus kulturellen Motiven darf die Kündigung des Brünner Geiliciuderats nicht zur Tat werden! Ans de Costcrs Til Nenspiegel. MS der Kaiser Karl einmal vom Kriege heimkam, ftagte er, warum sein Sohn Philipp nicht zu ihm käme und ihn begrüße. Der erzbischöfliche Erzieher des Infanten er- widerte, dieser habe nicht gewollt, sondern er- llärt, er liebe nur Bücher und Einsamkeit. Der Kaiser erkundigte sich, wo er sich im Augenblick aufhielte. Der Erzieher meinte man müsse ihn irgend- wo im Dunkeln suchen, und das taten sie denn. Sie wanderten durch eine reichliche Menge von Zinnnern und kamen schließlich in eine Art Verschlag ohne Fußboden, der nur durch eine Lücke Licht bekam. Dort sahen si« im Boden einen Pfahl stecken, an dem am Leibe anfge- hängt eine zierliche Neine Aeffin hing, die man Seiner Hoheit von Indien geschickt hatte, um 6t durch ihr« lustigen Streiche zu ergötzen. inten rauchten noch glimmende Holzscheite, und tm Verschlag roch e» nach verbranntem Haor und verkohlter Haut. DaS Tierchen hatte so viel leiden müssen, daß sein Neiner Körper nicht dem eines We- senS glich, das einmal gelebt hatte, sondern wie ein Stück derknollter und getvundener Wurzel aussah. Sein Mund, der wie zum TodeZschrei geöffnet schien, ließ blutigen Schaum sehen, und feuchte Tränen benetzten sein Gesicht. „Wer hat da» hier gefan?" fragt« der Kaiser. Der Erzieher wage nicht z« antworten, und beide blieben stumm, traurig und zornig. plötzlich hörte man in dieser'Stille einen leisen Klang, wie Husten aus einer tief ver- chatteten Ecke hinter ihnen. Seine Majestät (£ni Vergessener. 88 Jähre alt ist der auch in sozialistischen .•eisen nicht unbekannte Forscher Eugen ü h r i n g, einsam und von der Mitwelt i.iugst vergessen, gestorben. DaS erste Auftreten diese« Mannes, der in einer Reihe von Wissen« schaften bewandert war, glich einem Meteor, zu Hunderten drängten sich die Studenten in seine Vorlesungen. Zu Beginn der 70er Jahre erschienen s-inc Schriften:„Kursus der Philosophie",„Kursus der National- und Sozial ökonoinie", und„Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Soziatismus", in welchem er ein neues wissenschaftliches Sy« stcrn des Sozialismus entwickelte. Selbst auf einen Teil der sozialistischen Arbeiter, ja, der sozialistischen Presse, blieben diese Bücher nicht ohne Einfluß, da die Sozialisten von damals wissenschaftlich noch nicht gefestigt toaren und das Marx'sche System von ihnen geistig noch nicht verdaut war. Daher wurde eL notwendig, vom Standpunkte des Marxismus zu Düh- rings Schriften Stellung zu nehmen, eine Aufgabe, der sich kein Geringerer als Marxens treuer Mitarbeiter und Freund Friedrich Engels Hfiterzog. Seit Anfang 1377 erschienen im Leipziger „Vorwärts" sortlaufende Artikel, die dann später gesanimclt als Buch unter dem Titel: „Herrn Eugen DühringS Umwäl- zung der Wissenschaft" hcrausgege- ben wurden und viele Auflagen sowie Heber- setzungen in eine ganze Menge von Sprachen erlevien. Eine ganze Generation von Soziali- sten hat einen großen Teil ihres Wissens aus dem angeführten Buche von Friedrich Engels geschöpft. In seiner Kritik der Dühringschen Schriften geht Engels schonungslos mit deren Vcrsasser zu Gericht, mit der Engels eigenen Ironie und seinem beißenden SarkasmuS voll- zieht er an Dühring eine wissenschaftliche Hin- richtung. Dühring war damals nur ein„Th- pus von„Gelehrten", die allcS zu verstehen glaubten und vom hohen Roß ihres Stand- Punktes jede andere Ansicht in Grund und Bo- den verdammten. Engels selbst charakterisiert diese Richtung der Wissenschast wie folgt: „Herr Dühring ist einer der bezeichnendsten Typen dieser vorlauten Pseudowisseuschast, die sich heutzutage in Deutschland überall in den Vordergrund drängt und alles übertönt mit' ihrem dröhnenden— höheren Blech. Höheres Blech in der Poesie, in der Philosophie, in der Politik, in der Ockonomic, in der GcschichtS- schrcibung, höheres Blech auf Katheder und Tribüne, höheres Blech überall, höheres Blech mit dem Anspruch a»f Ucberlegenheit und Ge- dankcnttefe im Unterschied von dem simpeln, platt-vulgärcn Blech anderer Nattonen, höhe», res Blech, das charaktcristtschste und massenhafteste Produkt der deutschen intellektuelle« Industrie, billig, aber schlecht, ganz wie ander« deutsche Fabrikate, neben denen eS leider in Philadelphia nicht vertreten war. Sogar der deutsche Sozialisinus, namentlich seit dem gn- ten Beispiel des Herrn Dühring, macht neuer- drehte sich um und bemerkte dort den Infanten Philipp in ganz schwarzer Kleidung, der an einer Zitrone saugte. „Don Philipp", sagte er,„komm her und be- grüße mich". Der Infant rührte sich aber nicht und blickte ihn mit furchtsamen Augen an, aus denen keine Liebe sprach. „Warst du das", ftagte der Kaiser,„der hier dies Tierchen auf diesem Feuer verbrannt hat?" Der Infant senkte den Kopf. Darauf der Kaiser:„Wenn du grausam ge< nug warst, das zu ttin, so sei auch mutig genug, eS zu gestchen". Der Infant antwortete nichts. Da riß Seiner Majestät ihm die Zitrone aus der Hand, warf sie zu Boden und begann ihn zu schlagen, und seilt Sohn pinkelte vor Angst. Aber der Erzbischof hielt ihn zurück und flü- sterte ihm ins Ohr:„Seine Hoheit wird einst groß werden durch Berbrenncn der Ketzer". Der Kaiser lächete, und beide gingm fort und ließen den Infanten allein bei feinem A ffen. Aber eS gab auch andere, die keine Asten waren und doch^ den Flammentod fanden. Damals traten zum anderen Male die In- quisitoren und Theologen vor Kaiser Karl und stellen ihm vor: die Kirche gehe zugrunde; ihre Autorität werde mißachtet; wenn er soviel ruhmreiche Siege errungen habe, so danke er das den Gebeten des Katholizismus, der seine kaiserliche Macht aiiftecht erhielte. Ein spanischer Erzbischof forderte, er soll« zu sehen. Stile Damen und'Herren des HcheJ sechstausend Köpfe, abhauen oder" ebensoviel Veite L dings recht erklecklich in höherem Blech und Produziert diesen und jenen, der sich mit„Wis- senschaft" brüstet, von der er„wirklich auch nichts gelernt hat." ES ist dies eine Kinder- krankhcit die die beginnende Bekehrung des deutschen Studiosus zur Sozialdemokratie an- zeigt und von ihr unzertrennlich ist, die aber bei der merkwürdig gesunden Natur unserer Arbeiter schon überwunden werden wird." Aber die EngclS'sche Kritik ist nicht»nr negativ, sondern, was dem Buch den eigentlichen wis- senschaftlichen Wert verleiht, auch positiv, En- gels zeigt nicht nnr die folgerichtige Anwen- dnng des Marr'schen System? auf die Philoso- phic»nd Sozialwissenschaft, sondern greift auf alle Wissensgebiete, beispielsweise die Natur- Wissenschaft, über, sodass Engels' Buch eine Fülle wertvoller Kenntnisse vermittelt. Vielfach wurde später gesagt, das> Engels über das Ziel in seiner Kritik hinausgeschossen und Dühring nicht unrecht gehabt habe. Dem- gegenüber ist festzuhalten, das; Dühring nicht nur völlig unhaltbare wissenschaftliche Theorien formulierte, sondern das; er auch von einem ganz ungewöhnlichen Größenwahn erfüllt war. Seine Eigenliebe macht seine Bü- cher fast ungenicssbar. Eiitige Proben mögen genügen:„M eine GcschichtSzeichnnng g r o- ßcn Stils", oder„nur in denjenigen sozialen Gebilden, welche ich i» m eine m Kurse der National- und Sozialökonomie gekennzeichnet habe, kann ein echtes Eigen an die Stelle des bloß scheinbaren und vorläufigen' oder aber gewaltsamen Eigentums treten." So sehr er sich selbst lobte, so verdammt er oft die groß- ten Geister, die das 19. Jahrhundert der Menschheit geschenkt hat. Marx beispielsweise wirft er Ohnmacht der ordnenden Fähigkeiten und Unförmlich!«! des Gedankens und des Stils vor. Der scharfe Kampf, den er gegen eine Reihe anderer, vom Staate anerkannter und in Amt und Würden eingesetzter Gelehrten und Univcrsitätsprofcsiorcn führte, bcwog die Berliner Universität, ihm die Privatdozentur wegzunehmen und man miis> es Engels, der fein wissenschaftlicher Gegner war, hoch anrech- ne», dasj er hiebe! Dühring in Schuh nahm. In den letzten Jahrzehnten war Dühring blind, sodass das Schicksal de? nicht unbegabten, aber eitlen und grösscnwnhnsinnigcn Gelehrten voll Tragik war. Seither lebte er in völliger Zurückgczogenhcit nnd Einsamkeit: das beute lebende Geschlecht hat ihn beinahe gar nicht gc- kannt. Tages-Nelügkeiten. Ehrenmann JanowSlY. Die Krnmmancr Kommunisten, mit denen wir uns schon ein- mal bcfassten nnd denen wir schon damals einen ganz besonderen Play in der kommnni- stischcn Parieigeschichte verhicsscn, bcSveisen immer deutlicher, wie stolz sie aus ihre Vcr- traucnsmänner sind. Einer von ihnen, Spar- kassendirigent IanowSky, wurde von uns als Valutenschicber an den Pranger gestellt. Die Direktion der Sparkassa der Stadt Krum» mau hat uns in einer besonderen Zuschrift nn- sere Feststellung der Valutenschiebungcn ihres Dirigenten bestätigt, der dem Unternehmen einen Schaden von 20.000 Kronen verursachte. Diese Erklärung der Direktion muhte die „Südböhmischc Arbeiterzeitung", deren Ehren- haftigkcit von uns seinerzeit auch entsprechend gewürdigt wurde, in ihre Spalten aufneh- Leiber verbrennen, um in den Niederlanden die boshafte lutherische Ketzerei auszurotten. Sei- ner Heiligen Majestät bcdünktc, daS fei keines- Wegs genügend. So sah Ulcnspicgel allesithalben, wo er hinkam, voll Entsetzens»nr'Häupter auf Pfäh- lcn, junge Weiber, die in Säcken lebend in die j^üssc geworfen wurden; nackte Männer anfs Rad gespanm und mit schweren Eisenstangen geschlagen, Frauen in Gräber geworfen, mit Erde bedeckt nnd Henker, die darauf herum« tanzten, um ihre Brust zu zertreten. Aber die Beichtiger derer, so zuvor bereut hatten, der- dienten in jedem Falle zwölf Batzen. In Löwen sah er die Henker dreißig Luthe- rische gleichzeitig verbrennen, und der Holzstoß wurde mit Schiehpulvcr entzündet. In Lim- bürg sah er eine ganze Familie, Männ-er, Frauen, Töchter und Schwiegersöhne Psalmen singend zur Hinrichtung gehen. Nur der Va- tcr, der schon alt war, schrie, während ihn die Flamme» erhaschten. Und Ulenspiegcl wanderte voll Angst und Schmerz Meiler über diese arme Erde. #* J: Philipp hatte Marie von Portugal geheira- tet, deren Güter er seinem spanischen Herr- schertum angliederte; mit ihr zeugte er Don KarloS, den grausamen Narren. Aber er liebte feine Frau nicht. Die Königin litt an den Folgen der Geburt. Sie hütete ihr Bett und hatte ihre Ehrenda- men nm sich, unter ihnen die Herzogin von Alba. Philipp ließ sie oft allein, tili Ketzer brennen taten es ihnt nach. So auch die Herzogin von Alba, die edle Mochcnhüteri» der Königin. Soziald man. Aber die Krummauer Kommunisten und ihre Presse sind eben so stolz auf ihren Janowsky, daß sie sich mit ihm sogar dann solidarisch erkläre», wenn er eine Lumperei be- geht. Sie tun das ans ihre eigene Weise, in- dem sie die Tatsache einfach zu leugnen vcr- suchen. In d..':selben Nummer der„Südböh- mischen Arbeiterzeitung", in der die amtliche Erklärung der Direktion über die Valu- taschiebnngcn Janowsky steht, befindet sich auch ein Bericht über die KreiSkonfercnz der südböhmischen Kommunisten und darin heißt es unter anderem: „Genosse Janowsky, der in den letz- ten Tagen von den Sozialdemokraten in der infamsten Weise als Valntaschieber verlemn- det worden war, wurde als Kreisvertrau- enSinann wieder gewählt, da die Kreislei- tung ebenso wie znvor eine Krummaner Ber- trancnSvcrsammlung festgestellt hatten, daß sich Gen. Janowsky keiner unehrenhaften und eigennützigen Handlung schuldig ge- macht hat." Wir wissen nicht, was die kommunistischen „Vertra»cnS"-männer dieser Konferenz einge- redet haben, so daß sie ihnen auf den Leim ging. Wir stellen nur fest, daß sie Janowsky, den wir unwidersprochen und amtlich bestätigt als Valntaschieber erklärten, neuerdings zum Kreisvertranensmann wählte. Hicmit ist Ja- nowskyS Ehre zweifellos reingewaschen und wir empfehlen den Kommunisten, es auch mit den T r z n b S k y S nnd L c g l c r S ähn- lich zu halten. Sic brauchen ja nur„bcschlie- ßen", daß beide„in infamster Weise verleumdet" wurden und nichts steht mehr im Wege, sie zur ständigen Erinnerung an den Raub- mord von Chodau zu Funktionäre der kom- mnnistischen Partei zu wählen. Die sieben Garnituren der„Vereinigten". Der sonderbare Länterungsprozcß, der in der Vereinigten kommunistischen Partei Deutschlands seit eben dieser Vereinigung vor sich geht, nnd mit dem jüngst erfolgten Austritt Adolf Hoffmanns«nd Gntst DäumigS in eine neue Phase getreten ist, wird von der Berliner„Freiheit" in sieben Bildern festgehalten,die das traurige Chaos in der V. K. P. D. init gelungenem Scherz widerspiegeln. Nachdem Adolf Hofstitann, der bisher zu den Ilntcrgedncktcn zählte, und Ernst Däumig, der sich den schwankenden Gestalten angeschlossen hatte, wild geworden und ans der Partei ausgetreten sind, ergibt sich sol- gettde Zusammenstellung: 1. Die Moskauer: a) die Unentwcg- ten: Remmele, Fröhlich; b) die Abgesägten: Stocckcr, Höllein, Konten. 2. Die Leviten: Lcvi, Malzahn. 3. Die Nauegeworfenen: Reich, Düwell, Geyer jr. 4. Die Ausgetretenen: H. Tcubcr, Marie Wackwitz. 5. Die Untergedtickten: Zetkin, Vlettncr, Eckardt, Braß, Bartz, Hei- bemann. 0. Die schwankenden G c si a l t e n: Dr. Kerzseld, Geyer sen., Berthclc, Eich- Horn, Thomas, Fries. 7. Die Wildgewordenen: Ernst Däumig, Adolf Hoffmann. Die„Freiheit" bemerkt etwas stgrk fatyrisch, daß sie neue Veränderungen im Bestand der vereinigten kommunistischen Fraktion laufend registrieren Ivird— aber die Satyrc ist treffend: wir glauben, daß die„Freiheit" bald Gelegenheit zu neuer Registratur, haben wird. Damals ergriff das Offizial einen flämischen Bildhauer, einen römischen Katholiken, weil ihnt ein Mönch den vereinbarten Preis für ein Mutter-Gottcsbild aus Holz verweigert hatte und jener darauf mit seinem Meißel daS Antlitz des Bildes zerschlagen hatte: denn, sagte er, er wolle lieber sein Werk zerstören, als es zu einem Schandpreise hergeben. Er wurde von dem Mönch als Bildnisschän- der angezeigt, ohne Mitleid gemartert und zum Feuertode verurteilt. Matt hatte ihnt während der Folterung die Fußsohlen verbrannt, und er schrie auf dem Wege vom Gefängnis zum Scheiterhaufen— bedeckt mit dem„Sattbenito":„Haut die Füße ab! Haut die Füße ab!" Und Philipp hörte mit Genuß von weitem diese Schreie, eher er lachte nicht. Die Ehrendamen der Königin Marie der- ließen diese, nnt sich die Hinrichtung anzusehen, nnd ihnen lief die Herzogin Alba nach, weil sie den flämischen Bildhauer hatte schreien hören nnd daS Schauspiel mit ansehen wollte. So ließ sie die Königin allein. Philipp, st 1"-' hohen Diener, seine Fürsten, Grafen, Stallmeister und Damen waren zugegen, als der flämische Bildhauer mit eittec langen Kette an einem Pfahl befestigt wurde, der mitten in einem brennenden Kreise von Strohbündeln und Rciserhanfen stand, so daß der Verurteilte langsam geröstet werden nnd sich, beim Psahl, der schärfsten Glut fernhalten konnte. Man blickte ihn neugierig»n, wie er, nackt oder doch fast nackt/ versuchte, feiner Seele Kraft gegen die Glut des Feuers zu gcbm.— Genau zu dieser Zeit hatte die Königin Marie Du'lt in ihrem Wochenbett. Sie saß eine mokrat Hutnperdinck gestorben. Aus Neu-Strelitz wird gemeldet: Der Komponist Humperdinck ist im hiesigen Karolincnstift an den Folgen eines Schlaganfalles, zn dem eine Lungcnent- zündnng hinzutrat, gestorben.' Seine Leiche wird nach Berlin überführt werden. Ein neuer Erfolg der freigewerlzchaftlichen Angestelltenorganisation. Vor Kurzem ist der G e h i l f e n a u s s ch u ß der Handelsangc- stellten in Eger bei den letzten Gehilfenwah- len in die Hand des Zentralverbandes der Angestellten in Industrie, Handel und Verkehr, Sitz Teplitz-Schönau gelangt. Nunmehr konnte die freigewerkschaftliche Angestellten- organisation einen weiteren Erfolg erringen, indem auch in M a r i e n b a d bei den Gchil- fcnwahlen der/Handelsangcstclltcn die Kandidaten der Märienbader Ortsgruppe des Zen- tralverbandes der Angestellten in Industrie, Handel- und Verkehr einstimmig gewählt wor- den sind. Dieser neuerliche Erfolg der freige- werkschaftlichen Angestelltenorganisation ist die treffendste Antwort auf die von gegnerischer Seite immer wiederholte Behauptung von einem angeblichen Rückgang des Zcntralver- bandcs der Angestellten. Der dentschnationale Handliingsgehilfenverbanö(D. H. 33.), der insbesondere in der letzten Zeit eine wütende Agitation gegen den Zentralverband der An- gestellten führte und kein Mittel scheute, um gegen die freigewerkschaftliche Angestelltenor- ganisation anzukämpfen, mußte sich in Eger als geschlagen bekennen nnd sich in Marien- bad mit der cinstiinmigcn Wahl der Liste des Zentralverbandes der Angestellten abfinden. Der Erfolg in Marienbad ist ganz besonders hoch anzuschlagen, weil die dortige Ortsgruppe des Zentralverbandes der Angestellten noch jung ist nnd bor noch ganz kurzer Zeit, der be- nichtigste Festvesoldetenratschwindel und' D. H. V.-Klüngel alles beherrschte. Die neuen Er- folge der freigewerkschastlichen Angestelltenor- ganisation beweisen, daß die Gelben nunmehr auch bei den HandelSangestellteit ausgespielt haben. DaS Elend der Kinder im russischen Hnnger- gebiet. Die„Prawda" bringt einen Bericht über die schreckliche Lage der Kinder an der Wolga. Die Kinder sind vom Elend am schwer- sten betroffen. Alle Kinderheime sind über- füllt, trotzdem findet täglich ein neuer Zufluß aufsichtsloser Kinder statt. In de» Straßen Samaras werden täglich bis 200 verlassene Kinder aufgelesen, für die es an Wohnung, Nahrung, Bekleidung'mangelt, 40 Prozent von ihnen find haulkrank. Die Sterblichkeit ist sehr groß. Ohne Aufschub muß Außerordentliches geleistet werdet!, nm ein schreckliches Sterben ^u verhindern. Die Kinderernährung in den Kinderheimen wie auch bei den Eltern ist sehr mangelhaft. Die bisher geleistete Hilfe ist ttnzurcichend. Die Kinderschtttzkommission bei der Allrussischen Exekutive bat dem amerikanischen Hilfskomitee über die schreckliche Lage der Kinder im Hnngcrgebiet Mitteilung ge- macht. Im Tschuwaschengebiet sind fast 300.000 hungernde Kinder und 7000 Säug- linge. Das Gouvernement Wjatka und das Mariergebiet haben über 500.000 hungernd« Kinder;— die Tataremepublik 1,500.000, Gouvernement Ufa über 500.000. Auf den Straßen Ufas werden täglich bis 150 Waisen aufgeleseit. Der Hungerschrccken hat eilten noch größeren Umfang im Gouvernement Sa- mara, wo epidemische Erkrankungen austreten. Im Gouvernement Simbirsk sind fast 800.000 hungernde Kinder. In allen genann- ten Gouvernements beabsichtigt die Hilfskommission Hilfsbasen zu errichten, wohin die halbe Melone<»if einer Schüssel. Sie schleppt: sich ans dem%t\, nahm die Melone u.td ließ niclits davon übt ig. Dann begann sie dttrch die Abkühlung dieser Erfrischung zu frösteln, bekam kalten Schweiß und sank auf den Boden, ohne sich rühren zu können. „Ach",seufzte sie,„ich wäre schnell wieder warm, wenn jemand mich ins Bett trüge". Da hörte sie den armen Bildhauer schreien: „Haut die Füße ab!" „Ach", stöhnte die Königin Marie,'„heult dort ein Hund zu meinem Tode?"— In diesen: Augenblicke sah der Bildhauer um sich nur feindliche spanische Gesichter, er dachte an Flandern, das Land männlicher Kraft, kreuzte die Arme, schleppte die Kette in ihrer ganzen Läng« hinter sich, ging auf die brennenden Stroh- und Reisigbündel zu, stellte sich mit gekreuzten Armen aufrecht und rief:„So sterben die Flamländer vor ihren spanischen Henkern. Haut nicht mir, aber ihnen die Füße ab, damit sie nicht mehr mor- den gehen können. ES lebe Flandern! Flau- dern in aller Ew'ssieit". Und die Damen klatschten Beifall und rie- fett nm Gnade; als sie ihn so stolz stehen sahen. Und er starb.— Die Königin Marie zitterte am ganzen Körper, weinte, ihre Zähne klapperten von dein Frost dcS nahen Todes, und sie streckt« ihr« Arm« und Bein« und sagt«:„Legt mich in mein Best, nm mich z» wärmm". Und si« starb.— Und so säte nach Kathelines, der guten Hex«, Voraussage Philipp überall Blut, Tod und Tränen. B9. September 1021 amerikanische Hilfskommission je einen Per- treter entsenden wird.— Und da behauptet Herr Simonor, der Sowjetvertreter für Au- stralieit„daß von einer, Hungersnot... nicht die Rede sein kann"! DI«„gereinigte".Prager Polizei^. Der „Beer»" vom 27. d.«tlt mit, daß d~ Konzeptsbeamten des Nußler Polizeikommissa- riats entweder versetzt oder aus dem Dienste entlassen worden sind. Der Kommissariats- vorstand Hattasch ging in Pension. Diele Veränderungen geschahen plötzlich und, wie der„Vecer" meint, zur rechten Zeti, denn von einigen gewesenen Beamten des NuSler Kom- missariateS erzählte man sich schon längere Zeit wenig lobenswerte Dinge. Besonders bemerkenswert ist, daß behauptet wurde, daß sich die Konzcptsbeamten mit Privatan- gelegen heilen befassen, die sich keines- Wegs mit der Stellung eines staatlichen Am« teS vertragen. ES ist nötig, daß die Ocffent- lichtest über diese Angelegenheit informiert werde, die ein recht merkwürdiges Licht auf die„gereinigte" Prager Polizei wirft.— Wich- tig wäre vor allem, zu erfahren, welcher Art diese Privatangelegenheiten sind, mit denen sich die KonzeptSbeamtcn beschäftigen. Wenn darunter nur einfache Geschäfte zu verstehen wären, so müßten wir schon sagen, daß da- gegen nichts eingewendet werden kann. Man soll die Beamten eben besser bezahlen, dann werden sie es nicht nötig haben, sich einen Ne- benverdienst zu suchen, der ihre wirtschaftliche Lage bessern hilft, mag auch daS berühmte StandeSbewußssein darunter leiden. Bessere Bezahlung der Beamten wird das„Ansehen der staatlichen Aemter" mehr heben als phra- senhafte Hinweise auf ihre Würde. Wenn die Beamten aber unlautere Geschäfte trie- ben und treiben, verlangt eS das Interesse der Oeffentlichkeit, darüber Näheres zu erfahren. Passive Residenz an der Wiener Universität. Die Angestellten der Wiener Universität üben seit Montag passive Resistenz. Die Hochschüler, die sich auf der Quästur einschreiben lassen wollten, erlebten dabei eine sehr unangenehme Ueberraschüng. Schon vor 9 Uhr vormittags hatten sich mehrere hundert Studenten vor der Quästnr eingefunden. Um 9 Uhr wurde auch richtig begonnen, doch wurde so langsam ge- arbeitet, daß unter den Studenten eine allge- meine Unruhe entstand. Bald darauf erfuhr man, daß sämtliche Angestellte der Universität, mit Ausnahme der Diener, in die passive Re- sistenz getreten sind. Die Ursache liegt darin, daß ihre schon seit Jahren vorgebrachten Wünsche über eine Regelung der Gehalts- frage nicht erfüllt werden. Vor allem der- langen die Angestellten, daß sie als Staats- angestellte anerkannt werden. Eine ganze Stadt unter polizeilicher Aus- sicht. In Munkacs(Karpathö-Nußlano) wurde jüngst bei einer großzügigen allgemei- nen Razzia jeder zur Polizei geschleppt, der keine neue, mit Photographie versehene Legitimation hatte. Und da tvage jemand zu leugnen, daß in Karpathorußland eine mustergit- tige Ordnung herrscht. Streitigkelten zwischen rechtssozialistischen und kommunistischen Turnern. Vorgestern kam es zu Streitigkeiten zwischen Angehörigen des tschechi- scheu sozialdemokratischen Arbeiterturnvereines in Prag-Klcinscite und Hradschin und Mitglieder» des kommunistischen ArbeiterturnvereineS der- selben Bezirke, da beide Vereine Anspruch auf die Benützung der Turnhalle in der Schule bei St. Nikolaus in der Josefsgasse auf der Klcinseite er- hoben. Der Stadtrat hatte die Turnhalle dem rechtssozialistischen Arboitcrturnverein überlassen. Vorgestern gegen 7 Uhr abends kamen die rechts-! sozialistischen Turner unter Führung des Ob- manneS Kejzlar aus Smichow zur Turnhalle. Bor dem Hause hatten sich jedoch etwa 80 Angehörige des kommunistischen Turnvereines eingefunden, die beim. Erscheinen KejzlarS in entrüstete Zurufe ausbrachen. Die Mitglieder des kommunistischen ArbeitertnrnvercineS blieben, Währeend die an- deren Tttrncr im Hause übten, vor der Turnhalle versammelt. Kurz vor S Uhr wurde dann der BczirkSobmann Kejzlar unter Assistenz der Sicherheitswache nach Hause geführt, damit er vor den aufgeregten Leuten beschützt werde. Diese gingen dann lebhaft debattierend auseinander. Störung einer kl««lkalen Veranstaltung. Wie der Polizetbericht meldet, fand gestern um Hli Uhr vormittags bei der. Wenzelsstatue am Wen- zelsplatz ein katholischer Gottesdienst statt. Aus dem Fenster eine» Hauses sahen der Ge- schäsiSdtener Adalbert Boueek aus Pankrae, die Beamtin Marie Hrdina au» Weinberge und die Beamtin Maria Dvorak zu. Dabei unterhielten sie sich angeblich laut, fodaß die Teilnehmer an dem Gottesdienste unwillig wur- den. Einige der Teilnehmer drangen in da« HauS ein, die Polizei mußte Ruhe schaffen und die drei Zuschauet! sicherstellen. Außerdem wurden noch" einige andere Personen largen„ungehörige? Per- Haltens bei der gottesdienstlichen Handlung" angehalten. Selbstmord«lue« jungen Frau. Bon der Lc- gionärSbrücke sprang vorgestern gegen S Uhr abend» eine unbekannte, etwa 25jährige Frau in die Moldau, welch«, während sie untersank,«n- unterbrochen ri,si„Heinrich!" Di» Polizeiwache log si« mit Hilft«in,» Regionär» an». Ufer, aber dl» Wiederbelebungsversuche waren ohn» Erfolg. Der Poltzeirat konstatierte den eingetretenen Tod und die Leiche wurde, behuf» Bornahme der ge- richtlichen Obduktion ins pathologische Institut gebracht,~: -»sz.'alvVM»»»'«'» Gewegung der CisenbOner. ES wird weitervethandelt. . Die Verhandlungen der Vertreter der Nah- menorganisationen, und zwar der Genossen G r ü ii z n c r und C z c ch für den„Verband der Eisenbahner". Brodeck y und S t a n e k für die„Unic zcl. Zamcst.", sowie der Herren Pro chazka und Ne jcdly für die„Ied- nota zrizencst drah", Ravratil und P o- korny für den„Spolck ceSk. uredniku zel,", mit dem ScktionSchcf Dr. Jng. Bürger, in Vertretung de« neuen EiscnbahnministcrS P. Sromei, Sektionsihef Dr. Novotnv und ScktionLrat Dr. E e r n y, wurden am 27. d. fortgesetzt und währten bis in die Nachtstunden ohne zu eiiicnr befriedigenden Ergebnisse zu sichren. Erschwerend für ei» gedeihliches Weiter- schreiten der Dnrchbcratiing der brennenden Fragen hat der inzwischen eingetretene Regie- riingswcchscl gewirkt, da hicbei auch ein Wcch- sel in der Person des EiscnbahnministerS ein- getreten ist. Da in allen Punkten das Eisen- bahnministerium nicht kompetent ist, sind noch weitere Verhandlungen mit der Ge- samtrcgicrung erforderlich, wofür bis zum Ab- lause des gestellten Ultimatums, d. i. bis 29. d. M., die beiden Tage Mittwoch und Don- nerötag in Aussicht genommen sind. Für den letztgenannten Tag, d. i. heute den 29. d., haben die die Wtion führenden Rah- menorganifationcn auch bereits ihre Vertrau- ensniänncr der Provinz, und zwar: für Böhmen nach Prag, Mähren und Schlesien nach Brünn und der Slowakei nach Sillcin zur Entgegennahme dcS Berichtes über das Er- gcbnis der Verhandlungen und Beschlußfassung über die weitere Stellungnahme, einbe- rufen. Von der Entscheidung der Probinzvcrtrau- ensniänncr in ihren heutigen Beratungen in Prag, Brünn und Sillcin wird es abhängen, ob der für den 30. d. M. von 11—13 Uhr anberaumte Proteststreik auf allen Eiscnbah- nen der Republik zur Durchführung gelangt. Die wichtigsten Forderungen, um die es sich in dieser Wtion vorwiegend handelt, sind: Die endliche und restlose Durchführung der beiden Geseke vom 7. Oktober 1919 und 9. Avril 1920 über die Regelung der Bezüge und die Durchrechnung der Dienstjahre, die Ein- Haltung der Bestimmungen des Gesetzes über die achtstündige Arbeitszeit bei der Erstellung der Dienstcintcilungen, bezw. Turnusse unter Heranziehung der Vertrauensmänner des Per- fonals, die Einstellung der in letzter Zeit platz- gegriffenen ungerechten Entlassungen älterer Arbeiter, die Wicdcreinstcllung der vom Militärdienste zurückkehrenden ehemaligen Eisen- bahner, die Stabilisierung der Arbeiter und Arbeiterinnen im Sinne der früher getroste- nen Vereinbarungen der Rahmenorganisatio- neu mit den Eiscnbahnministcrinm bezüglich Qualifikation, Prüfungen und ärztlicher Un- tcrsnchiing. Die Behebung der durch die Aus- schaltung aus der staatlichen Brot- und Mehl- Versorgung entstandenen Schädigung, sowie i!. f"V»ff V—« Die Botschafterkonf-renz würde keine Ein. wände gegen ein Ssterrelchisch-nngarlsche» Abkommen erheben. Pari», 28. September.(Hava") Die Bot- schaftcrk. nferenz beschloß heute Vormittag, keine Einwände in Angelegenheit de« Abschlusses eines Abkommens zwischen Oesterreich und Magyaricn zu erheben, wenn Oesterreich auf die Anerbieten einer Vermittlung eingeht, mit dem Vo-beyalte, daß die strittigen Komitate in- nerhalb der durch die lebte Rote der Botschaf- tcrkonfcrenz festgesetzten Frist geräumt werden. Die Botschäfterkonfcrenz beschloß weiter, daß die Sachverständigen nächste Woche den Schlußbericht über Albanien erstatten. Meinungsverschiedenheiten der Grenz- berichligungS-Kommission. Zala-Egerzeg, 27. September.(Magyar. Korr.-Bureau.) Nach den aus den besetzten Gebieten hier eingelangten Nachrichten ist die Ar- belt der GrenzberichtigungSkommission ins Stocken geraten. Zwip-en den italienischen und japanischen Mitgliedern der Kommission einerseits und den französischen und serbischen anderseits find Gegensätze entstanden, sodaß der serbische Delegierte nach Belgrad abreiste, uni von seiner Regierung Informationen ein- zuholen. Infolge dieser Vorfälle konnte in Also- Lendva die Volksabstimmung'nicht durchge- führt werden. Die Magyaren wollen ans Habsburg nicht verzichten. Genf» 27. September. Graf Apponyi, der Führer der ungarischen Abordnung in Genf erklärte cineni Pressevertreter, daß mit der Zu- rückzichung des AufnahmSgcsuchcS Ungarn nicht etwa ein Unrecht im burgenländifchcn Konflikt zugegeben habe. Ungarn sei bereit, den Verpflichtungen deS Vertrages von Tria- non nachzukommen, aber eS hätte gehofft, daß die verschiedenen Entschädigungsforderungen, die eS gegen Oesterreich geltend zu machen habe, wie auch die Forin der Uebergabe des BurgenlandeS vorher geregelt worden wären. Ungarn fei keineswegs Verpflichtungen cinge- gangen, auf die Wiederherstellung der Hab?» bnrgerdvnastie zu verzichten. ES werde nie eine s^che Verpflichtung eingeben. Die Frage der Wiederherstellung der Dynastie selbst wolle er nicht berühren, aber an dem Grund- satze müste Ungarn unbedingt fcstbalten, an dem Grundsätze seiner nationalen Souverän!- tät und dem Grundsätze, daß dem Friedens vertrage von Trianon keine neuen Verpflich tmigen hinzugefügt werden dürfen. Lieber wolle Ungarn Überhaupt ans den Ewtritt in den vSkkervnnd verzichten, als diese Grund sähe aufgeben. Die Äliriillungskomödie. (Mpvwu.iy VVV««I<• aus der staatlichen ÄckleidnngSaktion und die Unifikation der Bezüge der Bediensteten in der Slowakei und bei der Kaschau-Odcrberger- Eisenbahn. Die Meldungen einiger Präger bürgerlichen Blätter über einen unmittelbar bevorstehenden Streik der Eisenbahner sind zu mindesten? verfrüht. Ob ein 2stündigcr Nroteststrcik zu führen ist, wird erst heute entschie den werden. Westlwgarn. Reim österreichische Gendarmen verschleppt. Wiencr-Reustadt, 27. September. In Au am Lcithaberg wurden neun Gendarmen, die in Ruhestellung lagen, während sich ihre Ka- moraden auf Streifung befanden, von ungarischen Banden Überfallen und verschleppt. Wie amtlich mitgeteilt wirb, hat die österreichische Regierung sofort energisch« Schritte eingelei- tet, um die Freilassung der auf österreichischem Boden Überfallene» Gendarmen zu erwirkkn und Sühne für diesen Zwischenfall zu der langen. Die Nein« Entente bereit, den Trianon« Frieden durchzusehen. London» 27. September. Reuter erfährt, daß die Alliierten die Antworten der rumä tischen und der südslawischen Regierung er- halten haben, in denen die Bereitwilligkeit die- ser Länder ausgedrückt wird, in wirtschaftlicher und sonstiger Znsammenarbeit die Ausführung des Trianon« Vertrages sicherzustellen und den Frieden durchzuführen. Das Unter- nehmen wird gemeinsam mit den guten Die». Pen der«schechosiowakischen Regierung als au- ßerordentlich wichtig angesehen, da die Not- wendigkeit besteht, daß die klein, Entente den allgemein» Plan der Austechterholtung- de» -in dielen Länder« Are. HM. leiht. Genf, 27. Septeniber. Die dritte Kommst sion für Abrüstung und Blockade lasr heute der Schauplatz einer großen Debatte über da« Abriistungsproblem. Lord Cecil(Südafrika) brachte eine Resolution ein, in der die temporäre gemischte Konimission für Rü- stungSbeschränkungcn aufgefordert werden soll, einen Präzisen Antrag auf RüstungSbcschrän- kungcn auszuarbeiten, der in Form eines An- träges oder einer anderen schlüssigen Form vom Rate der nächsten Versammlung zii° unterbreiten wäre. Der englische Delegierte Fisher und der französische Delegierte Ressnauld sprachen sich gegen ein solches Projekt aus, solange die Vereinigten Staaten und Rußland ini Völkerbünde fehlen, das schwierige Problem der Abrüstung könnte nur nach und nach gelöst werden, man müsse mit positiven Anträgen bis zum nächsten Jahre warten. B r a n t i n g(Schweden) hält es für gefährlich, die Frage wieder um ein Jahr zu verschieben. Ceeil hebt hervor, daß alle Untersuchungen noch keine Abrüstung bcdeu- tcn und noch nicht bewirkt hätten, daß auch nur ein einziges Bataillon weniger auf der Welt fei. S ch a n z e r(Italien), der zu vermitteln suchte, ist der Ansicht, daß di Versammlung in irgend einer anderen Weise zum Probleme Stellung nehmen müßte. Er erklärte sich gegen den Vorschlag EecilS, weil er die temporäre gemischte Kommission in ihrer gegenivär- tigen Zusammensetzung für die Ausarbeitung eines allgemeinen' Abrüstungsplanes für. ungeeignet hält. Räch«in« län- geren Debatte stimmte Cecil dem Vorschlage Nansens zu, demzufolge die temporäre gemischte Kommstsion nur ganz allgemein« Vorschläge für die Beschränkung der nationalen Rüstungen ausarbeiten wird. Cecil begründete seine Zustimmung damit, daß eS vor allem darauf ankomme, daß der Völker- bund überhaupt eine ZlbrüstungSpolitik betreibe. Außerdem wird gefordert, däß die temporäre gemischte Kommisston»«stärkt werden soll. Die Entschließung wurde mit 22 Stimmen bei einigen Stimmenthaltungen angenommen. Eine Mhrungskonftrenz. London, 27. September. Wie Reuter mel- det, nehmen die Borberatungen für die Ab- .Haltung ein« international» Währungskon- Ijewnz in London anfangs Dezember gut» Fortgang. Die Konferenz wird von bekannten englischen Fincinzautoritäten in die Wege ge- leitet, nm die ganze WährnngSfrage zu prüfen und ein Programm für die Maßnahmen zu entwerfen, durch welche die Währungen der verschiedenen Länder wieder hoch gebracht wer- den und die Goldwährung wieder hergestellt werden soll. Die Regierungen der einzelnen Länder sind zur Entsendung von Delegierten anfgcfordcrt worden. Zustimmend haben sich bereit? die Vereinigten Staaten. Frankrcicki, Deutschland, die Niederlande, Schweden und Dänemark oeänßerl. Deutschland bewalie ganzlich ent- waffnel. London, 28. September. Das Rentersche Bureau erfährt, daß den letzten, maßgcben- den britischen Kreisen eingegangenen Berich- teil zufolge, die interalliierte Kontrsllkommis. sion ihre Aufgabe der Entgegennahm« der zur Zerstörung bestimmten von Teutschland ausgelieferten Waffen so out wie beendet hat und sich jetzt mit der Kontrolle der verschiedenen Boll- zeitrnppen besaßt. BiS Mitte September feien nur noch 102 Geschütze zur Vernichtung übrig« geblieben, nachdem 3230 Geschütze bereits zer- stört worden seien. Es müsse» noch eine Mil- lion Tonnen geladener Granaten zerstört wer- den, 34 Millionen feiert bereit? vernichtet worden. ES seien nur noch 180 Grabcnmörscr vor- Händen, deren 110.340(?) bereits zerstört wor- den sind. 2852 Maschinengewehre seien noch unversehrt, nachdem 33 580 zerstört wurden. An Mliniti-n für steine Massen seien zerstört: 355 Milli-nen Patronen, 90 Millionen seien noch vorhanden. Es seien noch 103.000 Gewehre übrig.?lnsgelicfcrt und zerstört wurden 4,100.000 Gewehre. Hilft für die Gppauer Gpftr. Berlin, 28. Septeniber.(Wolfs.) Ini Reichs- tage wurde auf Grund einer sozialistischen In- terpcllation die Katastrophe von Oppau bcspro- chcn. ReichSarbeitSministcr Braun erklärte, daß über die Ursache der Explosion eingehende Un- tersuchlingen unter Hinzuziehung der Wirtschaft- lich zuständigen Stellen stattgefunden hätten und auch weiter stattfänden, daß aber ein end- gültiges Ergebnis noch nicht bekannt gegeben werden könne. Hilfe für die Opfer werde wei- ter mit größter Beschleunigung und im größt- möglichsten Untsange geleistet werden. Ratifikation der Friedensverträge durch Amerika. Waffiington, 28. September.(Havas.) Wik- son hat die Senatoren der demokratischen Partei zur Beschlußfassung über die Stellungnahme zur Ratifikation der Friedensverträge mit Tcnischland und Oesterreich einberufen. Antwort Lloyd Georges an de Lalera. London, 28. September.(Reuter.) Die Vlät- ter melden, daß die Antwort Lloyd Georges ^an de Valera heute nach Irland telegraphiert i wurde, jedoch in London nicht veröffentlicht wird, bevor nicht die Bestätigung eintrifft, d«ß sie vom Irciifiihrer empfangen worden ist. In der Note wiederholt der Premier die Einladung zu einer Konferenz in London. Englisch-rnssisch« Notenwechsel. Moskau, 28. September. Die russische Rote auf die englische Note, wegen Nichteinhaltung der Bestimmungen des Handelsabkommens ist in London eingetroffen. Die Note versichert, daß die russische Regicrimg von der Unstichhäl- tigkcit der englischen Vorwürfe überzeugt fei, daß aber genaue Nachforschungen angestellt werden, nm auch in den Einzelheiten fcstziistcl- len, daß sich die Organe der Negierung keiner englandseindlichen Handlung schuldig gemacht haben. Rußland will den Friedensvertrag mit Polen erfüllen. Paris, 28. September.(Funk.) Aus War- schau wird vom 27. dS. M. berichtet: Titsche- rin habe ans die polnische Note geantwortet und von der polnischen Regierung einen Ans- schnb don wciilgen Tagen verlangt, um die Verpflichtungen des Friedensvertrages zu er- Mm. Industrielle Krise in Nordamerika. Paris, 28. September. Der„Daily Te- legraph" meldet aus Newyork, daß sich in der industriellen Lage der»«einigten Staaten dl« Krise mit großen Schritten nähere. Die nächste Woche müßte entscheiden, ob eS zn einem furcht- baren Kampfe kommen wird, darunter zum Streik der Sisenvahner, Berg, leut« und anderer Arbeiter oder zu rin« Regelung im Guten und zur Annahme der Lohnvermindernngen d.'.'.ch die Ar- beiterschaft. Lei den Eisenbahnern sei eine überwältigende Mehrheit für«inen Streik. Der neu« ZentrumSsührer. Berlin, 28. September. Di« Reichstags- fraktion d« Zentrumspartei bat anstelle des verstorben» Trimbs» bin Abg. Marx-um «st» Aorsttz»nd» gewählt.- Seite 0. Kleine Chronik. Eine ganze Stadt unter dem Hammer. Es dürste sich bisher wohl nach nicht ereignet haben, daß eine ganze Stadt unter den Hammer kommt. Dieser Fall wird aber demnächst in der englischen Stadt R c i g a t e, i» der Nähe von London, Wirklichkeit. Eine der größten Londoner Bcrstci- gcriingsfirmcn wird während dreier Tage die ge» samte Stadt zur Versteigerung bringen, so das Rathaus, Hotels, Banken, zahlreiche Läden, Garagen, Kinos, Wohn- und Land hänser, endlich im bcbanlc Grundstücke, so daß man tatsächlich van der Veranstionierniig einer ganzen Stadt sprechen kann. Ein Elcsaiit, der seinen Alst lötet. In dem Zoologischen Garten in Rom wurde der Arzt Dr. Eamezza bei dein Versuch, an dem größten afri- konischen Elefanten de? Garten? einen Abszeß zu operieren, gclölcl. Dr. Eamczza, der vertretungsweise die Tiere de? Zoologischen Gartens behau, delt, hatte kürzlich einen großen Orang-Utang operiert, der augenscheinlich Verständnis dafür besaß, daß ihm nur zu seinem Besten Schmerzen zugefügt wurden und daher rnbig ans dem Ope- rationStisch lag und alles mit sich geschehen ließ. Der Arzt nahm an, daß der Elefant ebenso viel Klitgbcit beweisen würde, aber als er den dritten Einschnitt mochte, riß der Elefant seinen Kopf von den Wärtern loS, die ihn niit Fesseln hielte», warf den Arzt nieder und trat in voller Wut ans ihm herum, sodaß jeder Knochen in seinem Kör- per zerbrochen wurde. Darauf nohni der Elefant den lcblos-m Körver des Arztes in seinen Rüssel und schlenderte ihn noch mit voller Wucht gegen die Eiscnstangen dcS Käfigs. Brand eines großen Pariser Warenhause«. PariS, 28. September. Im Neubau des großen Warenhauses P r i n t e m p s ans dem Boulevard HauSman ist heute früh ein Brand ausgebrochen, der das ganze Gebäude ergriff. Um 9 Uhr früh stürzte die Front ein. Alle Pariser Feuerwehren sind an der Brandstätte erschienen. ES gelang, den alten Bau zu schützen. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Brand dürfte infolge Kurzschlusses entstanden sein. General Ungcrn-Stcriibiirg nicht erschossen? Berlin, 28. September. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" läßt sich an? Genf berichten, daß General U ngcrn-Ztcrnbnrg noch nicht erschossen worden sei. Nichtig sei, daß er zur Vor- Untersuchung nach Nowo-Nilolajewsk gebracht wurde, von wo er durch einen besonderen Sowjet- kommissär nach Moskau geholt wird, nm vor Ge- richt gestellt zu werden. Verurteilte Sowjetbeamle. M o? l a it, 28. September.(Funk.) Zehn Angestellte des BollSge- snndheitsamtcS waren vor dem Moskauer Revo- lntioiiSIribiinal bedeutender Unterjchlcife ange- klagt. Vier Angeklagte wurden zum Tode durch Erschießen, die übrigen zu Kerker- strafen verurteilt. Wolgaslcber. M o S k a n, 28. Septeniber.(Funk.) Aus Zaryzin wird gemeldet: Daß Wolga- ficber nimmt im Gouvernement die Formen schwerer tropischer Malaria an. Die Kranlhcii führt häusig, besonder? bei Kindern, zum Tod. In der Stadt nimmt die Zahl der Erkrankungen an rückkchrcndcm Typhus und an Flecktyphus zu. Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Der tschechoslowakische Außenhandel im Fever 1921. Rr. 2 der„Statistischen Ueber- sichten betreffend den auswärtigen Lande! der „Tschechoslowakischen Republik" gemäß betrug die Wareneinsuhr während des Monates Feiet 1921 im ganzen 3,776.207 Zentn«, die Ausfuhr dagegen 6,719.503 Zentner Ware. Davon entfällt der Menge der eingeführten Ware nach das Meiste auf Deutsch- land(2,054.348 Zentner), auf Oesterreich 292.338 Zentner, aus die Vereinigten Staaten von Nordamerika 274.784 Zentner, auf Magyaricn 207.794 Zentner usw. Der höchste Posten der Warenausfuhr der Menge nach entfällt auf Deuts ch land(2,927.478 Zentner), auf O c st e r r e i ch 1,934.504 Zent- ner, ans Magyaricn 799.222 Zentner, auf Polen 405.530 Zentner usw. nach Rohstoffen. Fabrikaten und Halbfabrikaten, nach Produk- tionSgrupPen geordnet: Die Einfiihr beträgt im ganzen 2,317.312 Zentner nd außerdem 253 Stück Rohstoffe, 258.831 Zentner Halb- fabrikate und 099.504 Zentner und 23.894 Stück Fabrikate. Mas die Ausfuhr anbelangt, entfallen auf Rohstoffe 5,041.863 Zentner, auf Halbfabrikate 483.352 Zentner, ans Fabrikate 594.302 Zentner und 209.007 Stück. Welche Waren werden bei uns eingeführt und was wird ausgeführt? Dem„Eeskoslo- vensky Bestnik" entnehmen wir, daß die groß- tcn Einfuhrposten im Jahre 1919 bil- detcn: Mehl und Getreide(22.3 Prozent des Einfuhr-Gesamtwertes), Baumwolle, Garne . und Waren daraus(10.9 Prozent); Fette(10.4 ^Prozent; Wolle, Woll- und Wollwaren(8.0 Prozent); im Jahre 1920: Baumwolle, Ga»e und Waren daraus(19.0 Prozent); Getreide, Mehl usw.(11.8 Prozent); Wolle, Wollgarne und Wollwaren(7.4 Prozent); Petroleum, Feite. Die bedeutendsten Ausfuhrposten entfielen im Jahre 1919 auf Zuck«(24.9 Pro- zent des AuSfuhr-Gc samtwertes); Kohle und ,«»l-(18.0 Brozentl: Obst. Gemüke. Pflanzen V? M Seite 6. tl»d Pflanzenteile(1S.7 Prozent); GlaS- und GlaSwaren(6.7 Prozent) ferner Wolle und Wollwaren, Eisen und Eisenwaren; im Jahre 1920: Wolle und Wollwaren(20.6 Prozent), GlnS und Glaswaren(16.6 Prozent, Zucker (16.7 Prozent), ferner Kohle, Solz, Baum- wolle, Garne und Waren daraus: Wenn man den Wert unseres auswärtigen Handels nach den Ländern inS Singe saht, befanden sich an der Spitze der Einfuhrländer(Hcrkunftslän- der) im Jahre 1919: die Vereinigten Staaten don Nordamerika(25.9 Prozent des Gesamtwertes unserer Einfuhr), Deutschland(14.2 Prozent), ferner Italien, Oesterreich, die Schweiz; im Jahre 1920: Deutschland(23 5 Prozent, die Ziereinigten Staaten von Nord- amcrika(13.6 Prozent), Oesterreich(11.7 Pro- zcnt), ferner die Niederlande. Die bedeutend- sten Wcrtpostcn unserer Slusfuhr entfallen auf folgende Bestimmungsländer: im Jahre 1919 auf Oesterreich(29 Prozent des Gesamt- wertes unserer Ausfuhr), Deutschland(19.9 Prozent), Frankreich(10.6 Prozent), ferner Pole» samt dem Plcbiszit-Gcbiete; im Jahre 1920 Oesterreich(35.4 Prozent), Deutschland (15.5 Prozent), Frankreich(9.3 Prozent), fer- ner Magyaricn, Italien. Eilt Hausangcstclltengcseh in Deutschland. Die deutsche Regierung legt dem Reichstag einen Negicrnngscntwnrf enthaltend ein neues Hausangestclltenrccht vor. Der Entwurf zeigt, daß er von reaktionären Beamten ausgearbei- tct ist. Eine geradezu unglaubliche Bestim- ninng lautet, das; Kinder unter 14 Jahren nicht länger als drei Stunden beschäftigt wer- den dürfen. Es können also Kinder nnter14JahrenalsHausgehilfen angestellt werden! Die Begründung dieser reaktionären Bestimmung ist bcmerkcnS- wert. Sie lautet:„Es liegt im Jntcrcsie der Kinder, die durch die verhältnismäßig leichte HaushaltSarbeit in den Stand gesetzt werden, früh etwas zu verdienen, ohne doch Schaden zu nehmen".— Die Höchstarbeitszeit ist pro Woche auf 56 Stunden festgesetzt, dagegen spricht aber da? Gesetz von einer IZstündige» „Arbeilsbcreitschaft", die nichts anderes sein kann als eine Ilcbertrctung des Achtstundentages. Nach neun monatlicher Beschäftigung im gleichen Haushalt steht dem HauSangestcll- ten alljährlich ein Urlaub von mindestens einer Woche zu. Der Lohn wird monatlich ge- zahlt, doch kann die Landesbehörde in Orten init weniger als 5000 Einwohnern die Zeit bis zu drei Monaten verlängern, was einfach un- gehenerlich ist. Der Hausangestellte kann so- fort entlassen tverden, wenn er einen„unsitt- lichen Lebenswandel" führt, was wieder eine lautschuknrtigc Bestimmung ärgster Art ist. si 29 behandelt die Arbeitsbescheinigung, die ein jeder Hausangestellte hat.— Wie zu sehen ist, enthält da» Gesetz eine Reihe von Bestim- mungen, die für die Slrbeiterschast anzunehmen ganz unmöglich ist. Die Nachtarbeit der Bäcker. Im§ 8 des Gesetzes vom 19. Dezember 1918(Gesetz über den Slchtstundcntag) ist ausgesprochen, das; die Slrbcit in der Nachtzeit(daS ist von 10 Uhr abends bis 5 Uhr früh) verboten ist, wodurch der langjährigen Forderung nach der Aushe- bung der Nachtarbeit der Bäcker entsprochen wurde. Ein Teil der Bäckermeister versucht »un wieder zur früheren Nachtarbeit ihrer Gehilfenschaft zurückzukehren. Deswegen haben die Bäckcrgchilfen in einigen Städten einen Kontrolldienst eingerichtet, um alle jene Meister und Gehilfen ausfindig zu machen, die trotz des gesetzlichen Verbotes, bei der Nacht arbeiten. Es wurde nun festgestellt, daß in vielen Fällen Nachtarbeit verrichtet wurde und eS wurden die Schuldigen zur behördlichen Slnzcige gebracht. Insbesondere im Tcplitzcr Bezirk hatten sich, die Fälle gehäuft und es wurden nun acht Meister zu ziemlichen Strafen verurteilt, darunter drei zu je 1000 Kronen Strafe für die systematische Regierung der gesetzlichen Vorschriften. In der letzten Zeit ist auch in Kreisen der Bäckermeister die Meinung aufgetaucht, daß diejenigen Meister die ohne Lehrling und Gehilfen zu arbeiten gewillt sind, in der Nacht backen zu können. DaS ist jedoch nicht der Fall, denn das Ministerium für so- ziale Fürsorge hat in einer Verordnung be- stimmt, daß die Erzeugung von Waren bei Nacht unter den im§ 8 genannten Ausnahmen untersagt ist, mithin mich derjenige Meister keine Arbeit verrichten darf, der allein oder mit seinen Angehörigen die Erzeugung bewcrkstel setzlichen Vorschriften aufrecht erhalten werden. Ein rührendes Bild internationaler Soli- darität. Das Versicherungswesen auf dem Gebiete der Slowakei'wird jetzt„nationalisiert". DaS slowakische Geschäft der Ersten Ungarischen Allgemeinen BcrsichernngSgesell- schaft würde übernommen von einer neuge- gründeten flowakischen Gesellschaft mit 6 Mil. Kronen Aktienkapital, deren Gründer die Erste Ungarische Allgemeine VersichernngSgesell- schaft in Budapest, die Erste Böhmische Wechselseitige Versicherungsanstalt in Prag und die Erste Slowakische Versicherungsgesellschaft in Prcschurg sind. Bei der konstituierenden GründungLvcrsammlung der neuen„Slowa- kischen Versicherungsgesellschaft A.-G. in Bra- tisflawa" haben Ungarn, Tschechen und Slo- Waken einander um die Wette gelobt. Im VerwalttingSrat, in der Direftion und im Auf- sichtSrat sitzen neben den Vertretern deS un- garischen, böhmischen und stowakischen Kapitals auch die Führer deS flowakischen politl scheu Leben«, z. B. der bevollmächtigte Mini stcr der Slowakei Dr. Martin Micura, Der Ministerialrat Dr. Joses Kallay usw. Der heilige Prosit löst die nationalen Gegensatz« in Harmonie auf. Statt Agrarreform— nationale Kolonisa« tion. Von der Bodenreform wurde in der Slowakei bisher fast gar nicht» verwirklicht. Selbst die stowakischen Bauern haben vom Großgrundbesitze sehr wenig bekommen. Das Bodcnamt, wie es der Vizepräsident Holubek dem Mitarbeiter de«„Slovensky Dennik" mitteilte, beschäftigt sich aber mit dem Gedan- kcn, stowakischen Kolonisten aus Polen in der Slowakei Boden zu geben. Agrarpolittsche Rücksichten kommen bei der Bodenreform nicht in Betracht. Nationale Kolonisation, das ist die Hauptsache. Wer revolutioniert die Gewerkschaften? DaS Organ der sozialistischen Partei Rumäniens „Nepakarat"(Bolkswille) teilt folgenden interessanten Fall mit: Vor dem Klausenbur- ger Kriegsgericht wird«in großer Verschwö- rungSprozeß verhandelt. Auf der Anklage- dank sitzen zumeist aus Ungarn entsandt« Horthy-Slgenten. Der ein« auS Ungarn ent« sandte Slngeslagte, Andrea» Tama» sagte bei seinem Verhör:„Ich wurde nach Kronstadt gesendet, um an der dortigen Radio-Station zu studieren, aber«her noch um die Arbeiter- gewerkschaflen zu revolutionieren." Die,, Re- volutionierung der Gewerkschaften", mit die- ser Marschroute der kommunistischen Propaganda sendet Sorthy seine Agenten nach Sie- benbürgen. Der Nepakarat knüpft an diese Tatsache folgende Bemerkung:„Die Andreas Tomas sind in der Arbeiterbewegung noch immer in großer Anzahl vertreten. Sie ma- chcn die ernste Slrbeit im Interesse der Ar« beiterschaft unmöglich. Die von ihnen der- bündcte revolutionäre Demagogie wird bloß zur neuerlichen Stärkung der Reaktion führen." Englische ElsenvahnerflreikS. London, 27. September.(Reuter.) Infolge des General- streike« auf den Linien der Grcat Southern und Western Railway sind heute aste Verbindungen nach dem Süden abgeschnit- ten. Vertraulich« allerbeste Bezugsquelle. Billige Bellfedern vom GfinsezQchter! 1 kg graue Halbschlelssfe« dem ICc 18'—, halbvvelsse geschlissene XL 22— u. 24.—, weisse flaumige K£ 35*—.40.— und 60*— f Herrschafts-Halb- flaumschleiss KC 70*— u.80*—, hochfeine KC90.—.ungeschl., weisse, feine KC 62'— u. 80*—. grosse fertige Tuchente, gut rrefüllt KC 160.-. 190— und 250.—, Kopfpolster KC 40.—, 68'— u.73.— versendet gegen Nachnahme Wenael Fremuth, Deechenltz Nr. 145, Bölimerwald, Nichtpass. tausche um od. Oeld zurück. Ausführliche Preisliste gratis. 3 Kleiner Anzeiger Beamter s«cht schönes, MM Zimift mit elektrischem Ucht. Antr. unter»Genosse^ su die Verw. d. Blattes. Ü Erstklassige J KrageDbODlerin wird per 1. Oktober auf- enommen Frlßflricn Her, Znalm. im Ans der Partei. Die Vezirksorganisation Haida hielt am SS. September ihre Jahresversammlung tn Haida ab. In der Mitgliederzahl der Fraucnorganisalion ist ein kleiner Rückgang, während bei den Man» nern trotz de« Abfalles von Mitgliedern in zwei Lokalorganlsationen an die Kommunisten ein we- sentlichcr Zuwachs zu verzeichnen ist. Die Neu- Wahlen in die Bezlrksvertretung ergaben: Ob- männer: Ed. Bürgermeister, Ant. Metzner, Ferdi- nand Lichtneker, Kassier Anton Leißner, Schrift- führer Otto Wallet und Ferdinand Schlegel; Kontrolle: Josef Sperlich und Franz Freismuth. Zum Parteitag werden drei Delegierte entsendet, und zwar die Genosten Otto Walle? und Ed. B2r- _ K BC@hS@■ Koks■ Holz liefern fuhren- und waggonweise S- L. ReSmann Söhne, Prag IL, Väclavske näm. 47. Telephon Nr. 1678 und 417«. 92 germeister, ferner eine Genossin, welche die FraucnbezirkSkonferenz bestimmen wird. Di« BezirkSkonserenz GraSlitz, die Sonntag, den 18. September in Graslttz stattfand, saßte fol« gcnde Beschlüsse: Dem Parteitag ist ein Antrag zu unterbreiten, für BildungSzwccke einen Extra- beitrug in der Höhe von zwei Kroneu pro Jahr und Mitglied einzuheben.— Zur WIederbele- bung de« Parteileben« sind in allen Lokalorgani- sationcn Versammlungen mit einem Tätigkeitsbericht der Abgeordneten abzuhalten.— Als De« legierte zum Parteitag wurden gewählt: Anton Frankc-GraSlitz, Johann Baumgartl-Rothau und Marie Günzl-GraSlitz in der am SS. September stattgefundcnen Fraucnkonfcrcnz. Parlamentarischer Rechenschaftsbericht im Trop- pauer Kreis«. Die sozialdemokratischen Senatoren »nd Abgeordneten de» KreiSgebiete« Troppau er- statteten in den verflossenen 14 Tagen in einer Reihe Versammlungen Bericht über die Parka- mentarische Tätigkeit. Abgeordneter Genosse HanS Jokl sprach In den Orten: Kohlsdorf, Knnzen- darf, Notwasser, Schwarzwasser, Weihwasser, Barzdorf, Adelsdorf, Oberlindewiese, Nieder- lindewiese. Senator Genosse Link sprach in Weidenau, Friedeberg, Frciwalda«, Hntzenploh und Llebental, Abgeordneter Rudolf Heeger in OlberSdorf, Zuckmantel, Hennersdorf, PeterS- dors, Weihkirch. Fast alle Versammlungen er- freuten sich eine« guten Besuche». In den Orten Kunzendorf, Barzdorf, Freiwaldau»nd Adclsdors hatten sich kommunistische Redner eingestmden, denen von unseren Referenten überall gründlich heimgeleuchtet wurde. 20.«Mtemder 198J.' digpr Lerchenfeld» sorgte dafiir, daß da« Punkt Verhältnis Vicht größer wurde. Einmal noch raffte sich Lcrchcnfeld au die WeiSkirchlitzer„Klst' für W-isklrchlitz, welch 8 Meisterschaft behauptet.• man auch ohne„Kichern und sendet den Ball in Hieraus Schluß 7:8 damit seine Kreis- Das Spiel zeigte, daß »nd„Schmieren" guten iiiuii uiiu/^v''- ,,—,« Sport bringen kann. 3 i» Spiel war ehrenvoll für Sieger und Besiegte Am gleichen Tage wu tische Wettkämpsl längliche Vorbereitung aen auch l e i ch t a t h l e- ausgetragen. Die»nzu- und zu späte Bekannt- . Turnen nnd< S\w\. Die Meisterschaftsspiele i im 5. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportverbandes. Sonntag, den SS. SepteÄber, trafen sich in Duz die BezirkSmclster dfs 5. Kreises zum Kampf um die KrciSmeistrrschast in Schlag-, Faust- und Fußball. j Im Schlagball standet sich Ausstg-Lerchen- selb und Krochwitz gegenüber, nachdem Krochwitz in der Borrunde Kosten lescht besiegt hatte. DaS Spiel litt unter der Unfähigkeit des Schieds- richter«, der dem flotten Sjiicl der beiden Mann- schaften nicht folgen konnte. Dadurch kamen beide Mannschaften nicht ztlr Entwicklung, obwohl sie über ausgezeichnete Smeler verfügen. Resultat 82—88 für Lcrchcnfeld, welche KrciZmcistcc für 19S1-L2 sind. ES wäre zu wünschen, daß sich die Arbeiter für da» Schlagballspiel, welche» in den Anforderungen, die es ai die Spieler, stellt, und durch spannende Momente alle anderen Spiele übertrifft, mehr intercssißrcn. Im F a u st b a l l f«id nach den Vorrunden der Endkampf zwischeitz Görkau»nd Bodcnbach statt. Scharfe», technisiff gute» Spiel. Man sah, daß auch Faustball bei scharfen Gegnern blitz- schnelles Erfassen und»oße körperliche Gewandt- he» erfordert. Kreismsister wurde Görke«. Im Fußball schlag WeiSkirchlitz Lerchcnfeld 7:8. Zwei alte Rivalen standen da einander gegenüber. Die Fanatiker aber, die da glaubten, daß e« bei der bekannten scharfen Spielweise der Gegner„Sensation" Oben würde, wurden gründ- lich enttäuscht. Wir Wünschten, daß alle Spiele der Arbeitersportlcr sich in solch mustergültiger Form abwickeln würtztn, wie dieses Spiel. Aller- ding« war der Schiedsrichter(Elmerich-DrcSdeu) id nahm den Spielern im ken an ein„Sichgehcn- ch mit seiner vortrefflichen Spielverlauf: Im Anfang «fahren, sodaß Lerchenfeld ützen der Situation zwei- Beide Bälle wären zu folgte Angriff auf Angriff. '} und verschuldete knapp nd" im Strafraum. Die brachten WeiSkirchlitz zwei der Spielpause drückte mbiniertem Angriff durch r Arbeit der Lerchcnfeld er Tor durch einen scharfen 8:2.— I« der zweiten acheinander scharfe An- ß die WeiSkirchlitzer alle Müh« haben, sie kna p vor dem Tore aufzu- halten. Durch diesen Kräfteauftvand wird Ler- chenfeld matt und di, körperliche Ueberlegenhelt der WeiSkirchlitzer me st sich geltend. Die fol- genden vier Tore für WeiSkirchlitz waren schöne SpIeNelstungen«nd w jlverdient. Schöne» flache» Spiel mit ruhigem Zchgassen. Der rechte Beriet- ein gestrenger Herr vorhinein jeden Gcd: lassen". Er verdiente Arbeit ein Sonderlo spielte WeiSkirchlitz durch geschickte» Au mal einsenden könnt halten gewesen. Dan: Lerchenfeld hatte P: nacheinander zwei hiefür diktierten Eist Tore(2:2). Kurz WeiSkirchlitz in schön und konnte trotz emst Verteidigung da» drin Schuß buchen. Halbzei Halbzeit folgen rasch griffe Lerchenfeld», so auSschnß, der ja noch( war, eine Lehre sein. D da» wahre Bild Arbeiterturner. D. F. E. Prag gegen Die Mannschaft de« D. in keiner Weise gewachst: Durchschlagskraft fehlte, spielenden Half In keiner machung waren wohl S iiild daran, daß an» der Sache nicht viel wurdj. fehlten. Hochsprünge 1. sprünge 5 Meter»sw. zirkSturnfest zur Genth nicht der geeignete Ort, führung zn gewährleiste Die besten Kämpen Etabhoch 2.75, Weit- hcn wir ans jedem Be- . Jedenfalls war Duz um eine genaue Durch- Die ganze Arbeit lag ja bei 2—8 Männern, lll ige dies dem Kreisspiel raushalte, was möglich Resultate waren nicht der 5 istungSfähigkeit unserer . CT. Sparta 0:5(0:1). C. war dem Gegner DaS Forward kombi- nierte ungenau, feine Ar(risse, denen die nötige t»rden von dem schwach Weise unterstützt. Die Spartamannschaft führte ein hochklossigeS Spiel vor, wenn auch ihr Forw ird viel verschoß. Spiel fair: Zuschauer 18.000; Schiedsrichter gut. Union Ztzkow gegen Sz K. Slavta 8:1. Kunst nnd Wissen. Reue» Theater. Heute Donnerstag„Die Weber", Freitag„Salome" mit Frau Sauden als Salome, SamStag 10 Uhr nacht»„Schöne Seelen",„In Ewigkeit Amen",„Brautschau", RomanovSky al» Gast. Mitteilungen aus dem Publikum. „Urania". Poltzelrat Tartarnga-WIen. Zwei Vorträge: Montag, 8. Oktober, 8 Uhr:„Kriminaltele- pathie."— Dienstag, 4. Oktober: Weitere» au» der Polizcistube." Die Wiener Presse schreibt: „T. hat einen gewandten, fließenden Vortrag, seine Bilder auS der Polizeistube wirkten packend und erregten oft große Heiterkeit." Karten 8—8 Kronen täglich in der Urania-Kanzlei. Mit- glieder Ermäßigung. Än unsere Äbonnenlen. Der heutigen Nummer liegt ein Erlagschein hei und ersuchen wir, di« BezugSgebühr auf denselben einzahlen zn Wösten, damit tat der Zustellung kein« Unterbrechung eintritt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß di« Einzahlung unter demselben Namen erfolgen muß, unter welchem die Bestellung gemacht wurde. Die BczngSgevsihr beträgt st« 16. monatlich nnd ist st e t S i m B o r h t n«i n z u entrichten. DaS Abonnement kann täglich be« ginnen, endet aber stet» mit MonatSfchlnß und wir ersuchen, die« bei der Einzahlnng ,n berücksichtigen. Veremsmchrichteu. Zentralvcrband der Angestellte» tn Industrie, Handel und Verkehr, Ortsgruppe Prag. Donnerstag, den LS. September um 8 Uhr abend» findet im Restaurant„Goldenes Kreuzel", Nekazanka, dl« M o- natSversammlnng statt. Ta- geSordnung: Da» BetrtebSrätege- setz. Referent Kollege Karl Löwtt au» leplttz. Gäste willkommen. Herausgeber: Dr. Ludwig E> e ch und Karl E« r m a t Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. Spezialhniin ffOr 4 Spitzen. Stickerei. Tülle Vorhänge H. R. Rnucnelbücg Prag, ulke 38. Fljna 1. Sämtliche Druchaufträoe übernimmt 98 IM knltkätna IL inet a spol („Pravo LIdu") PRflQ U, Hybernskd 7. s Tel. 4999. 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