L llahrg-iiz. Nr. 26. Freitag, 30. September 192t. Sozialdemokrat oeirtralorflan her deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik. ZÄestM^M»^ I?^."^^tnaunaen:»et siusielliina in, Anns oder«ei Ve.»i durch die*o* monatlich Kc, Postsportassatonto 57544. ä Prag. vierttlMrllch 48— Kc, halb,«hrig 06— KP. gamulfiiia 102 KP. pffir TtiitWS n fr T fMi monatlich 120— öK, für Teutschland 16'-.', k. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Uorläufig kein fisenbahncr- slreih. lUeifgre flerhQndlunggn. Die Vertreter der Rahmenorganisationen der Eisenbahnbediensteten beim Ministerpräsidenten Dr. Bcnesch. Da alle Bemühiliigen der Rahmenorganisa- iioncn. vom gewesenen Eisenbahnminister Dr. Jng. Bürger eine Sichcrstellung für eine entsprechende Durchführung der dnrchbchandcl- ten Gesetze zu erwirken, versagten, begaben sich gestern, den 29. d?., die Vertreter der»Nahmen- Organisation u. zw.: des„Verbandes der Eisen- bahncr", der„Unie zcl. zamcstnancu", der „Jcdnota zriz. drah", und des„Spolek ccsk. zclz. urcd." unter Führung der Abgeordneten Grünzncr, Brodccky. Bnrival und N a v r a t i l zum neuen Miilistcrpräsidcutcn Dr. B e n c s ch. um nochmals, im letzten Mo- mcnte auf die offen gebliebenen strittigen Fra- gen, deren Erfüllung die Rahmenorganisationen beim ehemaligen Eiscnbahnminisler Dr. Ing. Bürger, dessen Unnachgicbigkcit die Ursache der bedenklichen Bewegung unter den Eiscnbabn- bedienstcten war, vergeblich angestrebt hatten, mit allem Nachdruck hinzuweisen. Tie Verirr» tcr der Nahmenorganisationcn machten den Ministcrprässdcnten Dr. Bcnesch auf die Gc- fahr und die katastrophalen Folgen, welche durch die Oichterfüllung der berechtigten For- dcningcn entstehen würden, aufmerksam. Der Ministerpräsident versicherte, daß die neue Regierung alles daran setzen werde, da- mit die Forderungen der Eiscnbahnbcdienstc» tcu, welche den verfassungsgcmäß genehmigten Gesetzen entsprechen, durchgeführt werden und zwar schnell und derart, daß sie dem Geiste der Gesetzgeber entsprechen. Der Ministerpräsident ersuchte zu diesem Zwecke um weitere Bc r h a n d t u n g c n mit den Parlamentär!» scheu Vertretern der Nahmenorganisationcn. Die Vertreter der Nahmenorganisationcn sahen nach diesen Verhandlungen keine Ursache, an dem ernsten Millen der neuen Regierung, welche die gerechten Forderungen erfüllen will, zu zweifeln. Nachdem zur Durchführung der Erklärung des Ministerpräsidenten Dr. Benesch eine gewisse Frist erforderlich ist, cm» Pfehlen die Vertreter der Rahmenorganisatio- nen, die Erfüllung der Verbindlichkeiten, welche mit der Regierung vereinbart wurden, abzuwarten. Die Erklärung der Solidarität des Gesamtpersoiialcs sowie dessen Entschci- dung mit einem zweistündigen Streike zu de» monstrieren, hat nach Anschauung der Vertre- ter der Nahmenorganisationcn für diesen Zeit- Punkt seinen Zweck erfüllt und entfällt daher der für den 39. dS. anberaumte zwei- stündige Demonstrationsstreik. Für den 15. Oktober l. I. werden die Ver- traucnkmänner der Bediensteten neuerlich einberufen, um auf Grund der gemachten Pro- Positionen der Regierung über die weitere Taktik zu beraten und zu entscheiden. Für: den„verband der Eisenbahner" Ernst Grünzncr, Max Cech; die„Unie zelez. zamestnaneu" Franz Stanek, Wilhelm Brodccky; die„Jednota zrlzene« drah" Gottfried Prochazka, Franz Bnrival; den„Spolek eesk. zelez. uredniku" vlastimil Pokorny, Ottokar Sefcik. Schon wieder Konfisziert! Die neue Regierung, das so vielgepriesene Konzentrationsininistcriuni, war erst etwa vor 24 Stunden ernannt worden und schon beeilte es sich durch die Konfiskation unserer gestrigen Ausgabe die Visitenkarte bei uns abzugeben. Es war dies gleichsam die erste Aktion deS „neuen KitrstS" und man kann danach recht erfreuliche Schlüsse auf Art und Richtung dieses Kurses ziehen. Wir standen früher fahr- zchntclang im Kriege mit der österreichischen Zensur, aber ein ähnlich starkes Gegenstück zu der gestrige» Konfiskation, die. wenn sie Sy- stein des„neuen Kurses" würde, die völlige Vernichtung des letzten Restes von Preßfrei, hcit bedeuten würde, suchen wir vergebens in unseren Erinnerungen. Kaum einer selbst der allcrbornierlcstcn Zensoren in Altösterreich hätte eine solche, Beschlagnahme gewagt, wie sie hier der neue Kurs durch den tschcchoslowa- tischen Zensor gleichsam au die Spitze seiner neuen RcgiernngStätigkcit stellen ließ. Es ist wahrlich nicht unsere Schande, wenn wir im- mcr wieder zu Vergleichen mit den reaktionä- ren Verhältnissen in Oesterreich gereizt werden und dabei zu der traurigen Konstatierung gc- langen, daß diese Vergleiche so oft und so gründlich zu Ungunsten der tschechoslowakischen „Demokratie" ausfallen. Zu Oesterreich wurde in den letzten zwei Jahrzehnten gewiß auch viel konfisziert, aber es gab lauge Perioden, in denen der Rotstift des Staatsanwaltes fast vollständig ruhte, die Zeitungen eine Mci- nuugüfrciheit genossen, die wie eine richtig gehende Prcßfrcihcit aussah und die Zensoren wurden gewöhnlich erst wieder t ervös und gegen freie Meinungsäußerungen empfindlich, wenn die Lage eine für die jeweilige Regie- rung kritische wurde, oder die Regierung inS Wanken kam. Die Zensoren dagegen, denen wir jetzt ausgeliefert sind, kennen nicht einmal die- sc Unterscheidung in freiheitlichere und weni- ger freiheitliche Zeitläufte, sie sind immer ncr- Vvs und sie fassen ihre Aufgabe nicht dahin auf, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit etwa bloß zum Schutze einer verkrachenden Rc- gicruug ins Merk zu setzen, sondern diese Un- tcrdrückung des freien Wortes ist ihnen i rch- gk'-'de Selbstzweck geworden und sie werden nicht erst am Sterbebette eines abgelebten Mi» nistcriums lebendig, sondern sieben rotstift- bc'—>hrt sch-m au der Schwelle jeder neuen Reolernna und machen die Veruicht»na der Prcßfrcihcit zur selbstverständlichen Erschci- r.ung des Alltags. In dem besonderen Fall der gestrigen Koa- siskation wird aber selbst daö landesüblich gc- wordene Unmaß der Unterdrückung der Mci- nungsfreiheit noch überschrieen Ter Beschlagnahme verfielen zwei größere Stellen in dem Artikel„Ein Wort an Masarh k". Wir gestehen, daß. wenn auch unsere Meinung über die tschechoslowakische Zensur nicht die beste ist. wir es doch schlankweg für unmöglich gc» halten habe», daß der Zensor es wagen könn- tc. wenn es das Zcntralorgan einer großen Partei für notwendig findet, ein Wort an den Präsidenten des Staates zu richten, sich einzu» mengen, dieses Wort zu konfiszieren und so zu verhindern, daß es zur Kenntnis des Prä- j sidentcit gelange. Darin liegt nicht nur eine ! unerhörte Bedrückung der Bewegungsfreiheit einer Partei, das Vorgehen des Zensors kommt auch einer Bevormundung des Staatöobcr- hanvtes gleich. Man stelle sich vor. wir hätten in Oesterreich einmal in einem offenen Briefe ein Wort an den Kaiser zu richten für not» wendig befunden, ob es ein Staatsanwalt ge» wagt hätte, diese Aeußcrtmgen. auch wenn sie nicht ganz nach seinem Geschmack gewesen wa- ren, zu unterdrücken— eine Vorstellung, die jeder für völlig unmöglich erklären muß. In dem Vorgehen des Zensors liegt eine umso ärgere Anmaßung, als es der Präsident selbst war, der jüngst in Preßburg/ als ihm der| schaftlich schwächsten Kleinstaaten eigen ist. Die- Vertreter einer Abordnung Beschwerden eines. scr Paragraph 204 und die folgenden, aus Teiles der Bevölkerung vortrug, für die Offen-, Grund welcher diese famose Ucbcrwachungs hcit, mit der diese Beschwerden vorgebracht| kommission eingesetzt wird, verpflichtet Deutsch- Ivnrdcn, ein anerkennendes LobcSwort fand.| land, die Alliierten und Assoziierten— 27 an Tcr Präsident deS Staates zeigt sich erfreut,! der Zahl!— in keiner Form ungünstiger zu wenn ibm Beschwerden mit aller Offenheit,: behandeln, als die Erzeugnisse irgendeines an- wie es bei Menschen, die nicht niedrige Krie-. deren Landes. Etwaige Einsnhrsvcrbote müs- chcrscclcn sind, üblich ist, vorgetragen werden,| fett sich gleichmäßig auf alle Staaten bezichen, aber was nützt cS. der Zensor ist anderer Mei- 1 Und alle handelspolitischen Vergünstigungen, nnng und erweist sich als mächtiger, als der die Dcntsch'and irgendeinem Staat gewährt, indirekt ausgesprochene Wunsch des Präsiden-!„treten gleichzeitig und bedingungslos tcn nach Offenheit derjenigen, die sich an ihn ohne besonderen Autrag und ohne Gegen- wenden! Die gestrige Konfiskalion zeigt wieder einmal, wie tief wir trotz aller Schein- und Lippcndcinokratic im Geiste des altöstcrreichi- } scheu Vormärz stecken und wie groß die Aufgabe aller wahrhaft freiheitlich Denkenden ist, leistnng für sämtliche alliierten und assozi- irrten Staaten in Geltung." Tic Sieger knüpf, tcn nun an die Aushebung der wirtschaftlichen Sanktionen die Bedingung, daß Teutschland die Erfüllung dieser Paragraphen kontrollieren lasse. Teutschland, so weiß es die französische gen. Oje /null des Siegers. zu erträglichen Zuständen zu gelangen. Jeden-! Presse zu berichten, bat an diese Bedingung j falls irrt der Zensor, wenn er glaubt, unsere mich seinerseits„Dedinguugen" gestellt, was 1 Mahnung an Masaryk, die Opfer der Tezem-! keineswegs Wunder nimmt, wenn die absicht- ! bcrjustiz zu befreien, dauernd unterdrücken zu kich unklar abgefaßte EntcntcnPc von der sran- können und er sei übcrzcnat. daß. s-wic es uns wüschen Presse so ausgedeutet wurde, daß der !gelungen ist. die österreichischen Zensoren zu Entente eine intime Einmischung in europäischen Sitten zu erziehen, es dem Rechte die deutsche Zollverwaltung und ein Veto» i und der KJafirTicit octincou wird, auch dem recht für u n be q u c me L ize n ze n zu- , tschechoslowakischen Zensor Raison bciznbrin- stehe. Was für ein verwerfliches Spiel die ' französische Diplomatie auch mit ihren eng« tischen Kollegen treibt, geht aus einer Meldung des? ndouer Korrespondenten der„Frankfurter Zeitung" hervor. Dieser berichtet:„Die Franzosen hatten jene F rmcl für die Bedin- Die wirtschaftlichen Sanktionen gegen gunge» in französischer Sprache so abgefaßt, Teutschland sind aufgehoben werden, aber tvic daß sie nichts und alle« bedeuten konnte. In nach einer schweren Krankheit bleibt auch hier der Eile scheint niemand Anstoß daran genvm- ein Nebel zurück: das UcberwachungSkomitec. tuen zu baben und heute, ins Englische über- Nicht Teutschland allein regelt fernerhin nach tragen, liest man, die Kommission solle die Lt- praktischen Erwägungen seine Ein- und ÄuS- zenzett„kramine and dclivcr."„Prüfen und fuhr, sondern dieses Ncberwachungskomitce der erwägen." In das Ermessen der Ueberwa- Entente wird in Wirklichkeit Ein- und Ans- chungskommission ist also nicht nur die lieber fuhrscheine an französische Händler und Schie- wachling der Einhaltung des Fricdcnsvertra her austeilen. So wird Teutschlands Wirt- gc«, sondern einfach die Ein» und AnSfub, schaft„überwacht" werden! der deutschen Industrie gestellt. Es gellt wi« i Schon die Einführung der wirtschaftlichen ein H"hn. wenn man von der Aufhebung de, und militärischen Sanktionen gegen Deutsch» Strassanktrnen hört. Tic fünfzigprozentig, ' land bedeutete eine extensive Auslegung, einen Exv^rtabgabc hat sich zur Knebelung Deutsch Bruch des Vertrages von Versailles. Einer di» land' als unwirksam erwiesen, denn dich ' rcktcn Anncktion deutschen Gebietes kam aber fünfzig Prszent wurden vom deutschen Fabri- die Verlegung der französischen Zollgrenze kanten und Händler auf den ausländische» über das belebte Gebiet bis an den Rhein Verbraucher überwälzt, aber der gewaltsame, gleich. Teutschland bat hierauf das Ultimatum Lizensieruna der Einfuhr steht die deutsch' der Entente angenommen und sogar einige Wirtschast einfach ohnmächtig gegenüber. Tage früher, als von den Alliierten gcf rdcrt> Auf dem Mannheimer Ausgang der Lud wurde, die Goldmilliardc den Siegern«berge» migshafencr Rheinbrückc halten Neger Wache bcn. Aber erst heute, nach Wochen, werden Niemand anderen Wußte die französische Re die wirtschaftlichen Sanktionen aufgehoben und nnblik dort aufzustellen, niemand anderer sok die militärischen, die Teile des Reiches zu b; e französische Herrschaft den Deutschen gegen einem Exerzierplatz der Entente und Tcutsch- versinnbildlichen. Tie Neger werden i, land zu einem Zabler dieser militärischen frrz ann r-. C tm auch bleiben, trot-'v»m die Wirt Mätzchen machen, bleiben bestehen. Aber nicht gastlichen Sanktionen anfaehobcn wurden genug daran, daß französische, belgische und Hst Faust des höhnenden SieocrS lastet uner englische Offiziere das Rheinland durch ihre träglich aus dem wehrlosen Deutschland. bcdürfnivolle Anwesenheit„sanktionieren", soll l' auch fernerhin der französische Ehampagncr- und Parfümcriewarcnhändlrr Unterstützung finden, wenn er seine Bedarfsartikel für| Schlemmer und Konsorten nach Berlin brin- gen will. Das„Loch in, Westen", das. Deutsch- lands wirtschaftliche Kraft unterhöhlt, seine j Valuta ruiniert, wird nur noch weiter anfge- rissen. Denn die Hemmung der deutschen AuS- fuhr, die durch die fünfzigprozentigen Sank- tioncn verursacht wurde, hatte eine, wenn auch mähige Abnahme der Einfuhr zur Folge. Jetzt Die Aufhebung der Sanbttonen. Verlin, 29. September. Die Mitteilung de Aufhebung der Sanktionen ab 39. Scpicmbe besagt iit ihrem zweiten Satz: Die Alliierte laden die deutsche Regierung ein, möglichst bat ihre Delegierten zu bezeichnen, die zusaittinc mit den alliierten Sachverständigen hie Mi dalitätcn festsetzen werden, nach denen d ,,..,.. r, u. Lizenzen geprüft und ausgestellt werden. I aber faNcnauch d.esc mbmdemHaßvon der Übereinstimmung mit der Entscheidung d, Entente selbst aufgerichteten Schranken und'" 1; a_ durch das gewaltsam geöffnete Reich kann AI»^? cr Jj cn^ Ö°'"_^^ u f u^' leS daS einströmen, was, von Parasiten ge»„Berliner-.agblatt sieht darin«inen Bewe« nossen, Deutschland wirtschaftlich vernichtet. daß die Aufhebung der Sanktionen nicht«tw | Der Teil der wirtschaftlichen Bestimmungen wie es das französische offiziöse Kommunlq, deS Bcrsaillcr Diktats, der die Handclöbczic» darstellt, nur dadurch zustande gekommen s« Hungen des Reiches mit der übrigen Welt re- daß Teutschland restlos vor der französisch, gelt, raubt Deutschland in der Tat auch den Ausfassung kapituliert hat. , letzten Rest von Souveränität, der selbst wtrt-1— Seite L. eogUlbcMVItat 80. September 1921. Inland. Eilige« Lob. Ehe noch die neue Regierung, außer einigen Konfiskationen, zeigen kann, Iva» sie vermag, regnet auf sie eine Flut von Lorbeer herab:— in Deutschland hat man derart vorzeitig ekkoinvtiertc Ruhinestaten Vorschußlorbeeren genannt. DaS halbamtliche„Präger Abendblatt" nennt das Kabinett ein„Friedenskabinett", was daran erinnert, daß man Franz Josef als den„Fric- denskaiser" betitelte, der dann das Signal zum Weltkrieg gab,— es nennt es ein„Kabinett der Stabilisation und Konsolidation", Herrn Dr. Benesch einen„glänzenden Taktiker" und was dergleichen Lobspriiche mehr sind. Na- türlich schwelgt auch die„Prager Presse" in Wonne und Glück und sogar Take JoncSeu ist „der Erfolge sicher", die Bencsch erzielen werde, sodaß sich Herr Jonescu schon„im Voraus freut". Die Freude soll ihm nicht' schaden. Hoffentlich übersehen die neuen Minister ob dieser Lobeshymnen nicht, daß es im Staate auch Leute gibt, die, bevor sie Lob spenden, erst die entsprechenden Taten sehen wollen. Für den nationalen Frieden. Das Abendblatt des„Pravo Lidu" vom 29. ds. M. wendet sich im Leitartikel an alle ernsten tschechischen Kreise, Wiederholungen beschämender nationalistischer Ausschreitungen nicht mehr znzulas- scn und sich nicht von Demagogen, die für den reaktionären Umsturz arbeiten, verheben zu lassen, als ob die nationale Existenz des tsche- chischcn Volkes irgendwo bedroht wäre. Der Name des Ministerpräsidenten Benesch biete eine genügende Gewähr dafür, daß, was den Schub der revolutionären Errungenschaften nach der nationalen Seite hin betrifft, keinerlei Befürchtungen nötig sind.— Tie tschechische Sozialdemokratie halte es für ihre Aufgabe, im öffentlichen Leben und in der Negierung dahin zu wirken, daß die Gefahr einer chau- vinistischcn Regelung der nationalen Frage vermieden werde. Tic führenden Männer der bürgerlichen Parteien in der Regierung, be- sonders von der agrarischen und katholischen Partei, sind ke^ceswegS chauvinistisch gesinnt. Aber die Wählermassen sind den Einflüstern»- gen unterirdischer reaktionärer Elemente, die mit Recht glauben, durch Aufpeitschung der na- tionalen Leidenschaften ihren Zielen zu dienen, noch sehr zugänglich. Aber das Ziel aller Gut- gesinnten muß die Beruhigung der nationalen Leidenschaften bilden, und die erste Bürger- Pflicht unter der neuen Regierung bestehe da- rin, alle Versuche, neue nationale Unruhen hervorzurufen oder antideutsche Kundgebungen — wo immer es sei— zu arrangieren, abzuwehren. Soll der Staat unter der neuen Re- gicrung gedeihlich vorwärts kommen, dann vc- darf es im Gegenteil einer Annäherung der Tschechen an die Deutschen, insbesondere einer Annäherung des tschechischen und deutschen arbeitenden Volkes. Und davor fürchten sich eben mit meisten die Gegner des Sozialismus und die Feinde der Arbeiterklasse." Sitzung des Reichswirtschaftsrates. Erklärung des Ministers Srba. Zu Beginn der gestrigen Sitzung des Reichs- wirtschaftsratcs erklärte der Leiter des Ernährungsministeriums Srba, daß das Ernäh- rungsministerinm im Rahmen der staatlichen Gesamtinteressen die Interessen der Konsumenten zu vertreten habe, welcher Aufgabe er sich Wohl bewußt sei. In absehbarer Zeit werde man zur A u f l ö s u n g dieses Ministeriums als ciucS selbständigen Staatsamtes kommen, denn die Kompetenz die- ses Ministeriums verringert sich je mehr wir zu normalen wirtschaftlichen Zuständen getan- gen. Ter Minister ist zwar der Meinung, daß es im Interesse der Konsumenten und des Staates gewesen wäre, die Freigabe der Gc- treidcwirtschast um ein Jahr später dnrchzn- führen, aber die Mehrheit der Bevölkerung hat sich durch ihre Vertreter in der National- Versammlung für cinc UebergangSwirtschaft schon im Henrigen Jahre ausgesprochen. Zur Liquidation des Ministeriums kann c§ jedoch erst dann kommen, wenn c? seine Aufgabe, die Verpflegung der unbemittelten Schichte» der Bevölkerung mit billigem Brot und Mehl im Sinne der Regierungsverordnung durchführt. Man müsse achten, daß nicht an Stelle l»cr früheren Zentralen große Privat kar> teile treten, die die Produkte verteuern könn- ten. Wie groß die Gefahr ist, sieht man beim h.urigen KartoffelPrciS, der um 150 Prozent höher ist, als der vorjährige. Zum Schluß bat der Minister den Reichswirtschaftsrot um seine Unterstützung. In der Debatte wiesen die Beamten des. versorgungsministeriumS Sahn und H a s e k die gegen die Wirtschaftsräte erhobenen An- schuldigungen zurück. Genosse Gehorsam betonte, daß so lange ein Teil der staatlichen NrnähnmgSwirts chaft ausrecht erholt« bleibe. IU(I) die BizncktwirtfchoftSrgte weiter bestehen müssen. Wenn die Regierung sparen wolle, so könne sie daS inSbesonderS im Nationalvcrtcidi- gungSministerium. Nach Erörterung einiger kleinerer Angelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen. Defiliert der enyeljwatlichen Politik in Deutschland. (Bon unserem sächsischen Mitarbeiter.) Dresden, den 24. September. O. Ii. gegenwärtigen Zeit, die vom Fcldgcschrci der Nationalisten wider die Rc- publik und vom Abwehrakarm der Arbeiter- klasse durchbraust wird, gewinnt in Deutsch- land die Frage der sozialistischen Betätigung in den Ländern immer größere Bedeutung. Die einzelstaatliche Politik trat bisweilen an- gcsichls der großen Probleme der Rcichspolitik in den Hintergrund und das ist sclbstvcrständ- lich. Es entspricht durchaus nicht unserem Prinzip, einen üblen P a r t i k n l i s m u s zu pflegen. Im Gegenteil waren wir Soziali- stcn stets bemüht, dem Unitarismus als dem Prinzip des Fortschritts die Wege zu cb- neu. Soweit z. B. S a ch s c n in Betracht kommt, braucht man sich nur zu erinnern an jene während der Revolutionstagc unter dem Einfluß der B. S. P. erlassenen Kundgebung der sächsischen Bolksbeanftraglcn, in der die Hoffnung Ausdruck fand, daß die Einzclstaatcn liquidiert werden mögen und daß zugunsten eines einheitlichen Reiches ans Wahlen zum Einzellandtage verzichtet werden könne, um zu wissen, daß die Forderung nach einem einigen Teutschland mehr als eine theoretische Würdi- gung in der sozialistischen Politik gefunden hat. Aber die Revolution hielt ni ,t, was sie vcr- sprach. Die Einzclstaatcrci versank nicht im Zusammenbruch des Monarchismus. Und wenn Deutschland auch nicht mehr 20 Bundesstaaten zählt, wie vor dem 9. November 1918, denn die thüringischen Zwcrgstaatcngcbildc schlössen sich zusammen und Kobnrg ward Bay- crn einverleibt, so sieht doch die politische Landkarte Teutschlands noch immer bunt genug ans. Freilich hat es auch in der nach- revolutionären Zeit an Versuchen nicht gefehlt, das Ucbcrgcwicht des Reiches über die Einzel- staaten zu hebe». Viele Befugnisse sind zur Zeit Reichssachc, die ehedem landeshoheitlicher Regelung unterlagen. Erinnert sei nur an die Neichssteuergesetzgebung, die den Ländern daS System der direkten Steuern nahm. Erinnert sei ferner an die„Berreichlichung" der Eisen- bahnen und der Post, oder an die Schukpara- graphen in der Reichsverfassung. Alle diese Versuche, den Einfluß des Reiches zu stärken, fanden im Bürgertum geteilte Aufnahme. Ab- gesehen von den Partiknkaristen per cxzcllenz entschied sich das Bürgertum nach reinsten Zwcckmägigkeitsgründcn. In der ersten, leider nur zu kurzen Epoche der Revolution, als im Reiche noch cinc s o z i a l i st i l ch e Regierung vorhanden war, fürchteten die Bürgerlichen Taten, die den kapitalistischen Interessen bat- lcn gefährlich werden können. Vor staatlichen Eingriffen in das privatkapitalillische Wirt- schastssystem z. B oder, um ein anderes flagrantes Excmpel zu nennen, vor dcr Vcr- weltlichung der Schule» Packte sie derart daS Entsetzen, daß sie vor Versuchen nicht zurück- schreckten, Teile des Reiches, u. a. die Rhein- Provinz, vom Reiche abzulösen, bezw. diese hochverräterische Drohung gegen die sozialisti- scheu. Pläne auszuspielen. Nachdem aber dann in Weimar dcr Kurs des ReichSschisscS wieder entschieden kapitalistisch eingestellt worden war, hielt man bei jeder Gelegenheit den wenigen, noch sozialistisch regierten Bun- dcSstaaten die ReichSgesctze vor. Mit sozialistischen Bundesstaaten ist man im neuen Deutschland niemals zimperlich umgc- gangen. Erinnert sei da nur an die verschie- denen Erpeditionen, die die Reichswehr sei- nerzcit gegen Bayern, Braunschweig und an- dere Gebiete unternommen hat. Dabei bestand der Streitfall durchaus nicht immer in dem Streben der Arbeiterschaft des jeweiligen Lande?, eine Räteherrschaft zu errichten. In Gotha wurde im Gegenteil der Konflikt sei- nerzcit durch die Reaktion direkt provoziert, um die Herrschaft der verfassungsmäßig zustande gekommenen sozialistischen Regierung zu brc- che». ' Bald aber ward der Kurs verschiedener Bun- dcSstaaten reaktionärer als der des Reichs. Ter typischeste Fall ist Bayern. Aber auch Preuße» steht, besonders in dcr letzten Zeit, nicht all- znsehr dem KahrparadieS nach. Da sind es nun wieder dieselben Bürgerlichen, die diese Län- der gegenüber der Reichspolitik unterstützen. Obwohl doch wahrhaftig nicht allzuviel Anlaß gegeben ist! Denn nach wie vor braucht die Rcichspolitik den Kapitalisten keine sonderliche Furcht einzuflößen. Der gegenwärtige Reichs- fcnzler, der Zentrumlmaml Dr. Wirth,«ich. ief zwar oft recht entschiedene und anerkennen?- wert beherzte Worte an die Adresse der Reak- tion, aber als Bürgerlicher vermag er sich doch nur im Rahmen dcr Politik seiner Partei zu bewegen. Stcgerwald, dcr preußische Minister- Präsident, dcr sich in dcr Rolle des jungen Mannes dcr Deutschnationalcn gefällt, und gegen Wirth dieser Tage anläßlich dessen Ans- einandcrsctzung mit der bayrischen Komorra frontiertc und Oswald, der bayerische Orgcsch- minister, sind gleichfalls Zentrumsanhänger, und man mag an dieser Tatsache crntcsscn, wie- so nach so vielen Worten, die die konterrcvo- lutionärc Gefahr zeigten, den Verhältnissen entsprechende Taten vergeblich auf sich warten lassen. In diesen Zeiten gesteigerter Gefahr wächst aber die Bedeutung der Tatsache, daß in eini- gen Bundesstaaten trotz allem noch sozialistische Regierungen am Ruder sind. In Betracht koni- inen zur Zeit hauptsächlich Sachsen und B r a u n s ch w c i g. Aber auch Thüringen hat durch die jüngst dort stattgefundenen Wah- lcn eine proletarische Mehrheit erhalten, und auch dort ist also die Möglichkeit dcr soziali- stischcn Regierungsbildung und-bctätignng gc- geben. Die genannten Länder stellen gewisser- maßen den Gegenpol zu den Reaktionsherden dar. Ist es also verwunderlich, daß die Kapita- listen und ihr journalistischer Anhang alles versuchen, die sozialistische Betätigung in den Ländern zu diskreditieren und den sozialisti- scheu Regierungen da-? Leben so sauer als mög- lich zu machen? Sachsen sowohl als Braun- schweig können davon ein Lied singen. Das ist natürlich kein HinderungSgrmtd, die im Rahmen der Verhältnisse möglichen Taten durch- zusetzen. So steht gegenwärtig in Sachsen die Frage der Gcmeindercform ans der Tagesord- nung. Wird der Entwurf der Regierung Gc- setz,— und alle sozialistischen Vertreter wer- den sich mit Schärfe dafür einsetzen,— dann ist ein großer Sehritt vorwärts getan. Zahl- lose tätige Kräfte können in den Dienst dvc Republik gestellt werden, dcr Bcamtcnfronte kann mit Erfolg begegnet werden und eS ist die Möglichkeit geebnet, gewissermaßen auf breitestem soliden Fundament,.sozialistisch aufzubauen. Schon dieses Beispiel zeigt die Wichtigkeit der Frage, ob in den Einzelländern Sozialisten oder Reaktionäre an der Spitze stehen. Gewiß, die Funktionen in den Ländern sind außerordentlich beengt. Ginge eS nach den Kom- m u n i st c n, so würde in den einzelnen Staa- ten das Regieren den Bürgerlichen überlassen, „weil doch nichts erreicht wird". Aber diese Auffassung ist absolut verfehlt»nd entspringt mir dem agitatorischen Bedürfnis der K. P. D. Ucbrigcns schwankt das Charakterbild der Kommunisten in der Zeiten Wirbel haltlos hin und her. Ans ihrer vor 14 Tagen abgehalie- neu Landesversammlung in Sachsen entschie- den sie sich dahin, der sächsischen Regierung so- gar die vorher versagten Grund- u n d G e- wcrbestcner n, die diese zu ihrer Existenz braucht, zu bewilligen. Die Kommunisten un- tcrstützten bisher die sozialistische Regierung— unterstützten sie ans rein o p p o r t u n i st i- s ch e n Gründen— weil sie sonst die O.nittiing der Arbeiterschaft empfangen würden, die es nie verstehen könnte, daß eine M a ch t P o s i- t i o n, wie eS die Regierung eines Einzel- landcs zum allcrmindesten in Bezug ans die Ausführung und Auslegung der ReichSge- sehe und hinsichtlich der Sicherung der Repu- blik darstellt, mühelos den Orgeschitcn über- lassen würde! Wir sehen an der Spitze deS Reiches eine Regierung, durchaus isichi homogen in der Eni- schlossenheit, der Reaktion zu begegnen, durch- aus nicht im Besitze der Macht und der Kraft, den Augiasstall der Monarchie einigermaßen gründlich zu säubern. Die RcichSregiernng hätte die Pflicht, sich die nötige Macht zu c r- kämpfen. Diese Macht ist gegeben. Die deutsche Arbeiterklasse ist berufen, die rcpnblika- nischen Errungenschaften zu verteidigen. Sie ist auch willens dazu, denn sie weiß, daß sie für ihren Aufstieg, für die Erreichung ihrer sozia- listischen Ziele Belätignngsmögllchkciten braucht. So sehr gerade die deutsche Republik die Arbeiter enttäuscht hat, so sehr sie bisher da- rin um den Preis einiger formal politischer Freiheiten betrogen wurden, um ihr vornehm- stcS Rocht, die Anarchie dcr kapitalistischen Ockonomie in sozialistische Ordnung umzu- werten, so wenig sind doch die Arbeiter bereit, die kärglichen Errungenschaften dcr Revolution preiszugeben Und als bedeutsames Mittel im Kampfe für die Sicherung erworbener Rechte und zum Ausbau, zur Erreichung vrolctari- scher Freiheiten dient dcr Arbeiterschaft die praktisch'sozialistische Betätigung in den dent- sehen Einzelstaaten, soweit dazu die Möglichkeit gegeben ist. Genosstn! Erdenkt des Fonds zur Erhaltung des Zentralorgans! Regierungskrise in Österreich. Mißtrauensvotum der Sozialdemokraten. Wien, 29. September.(Drahtbcricht des „Sozialdemokrat"). Die Ministerkrise in Oesterreich ist noch nicht ausgebrochen, da die Großdciltschcn heute noch keinen ondgiltigcn Beschluß über ihre Abstimmung zu den beiden Bankgesetzen gefaßt haben. Sie haben die Eni- scheidung ihrer NeichSPartcilcitung überlassen, die erst am Montag zusammentritt. Infolge- dessen wurde der BudgctauSschuß auf Dienstag vertagt. Doch soll der Finanzminister bereits gestern seine formelle Demission überreicht haben, die aber erst nach Erledigung der Bank- gesetzt angenommen werden wird, denn die Stellung des Finanzministers ist bereits seit längerer Zeit unhaltbar. Im Außenausschuß haben die Genossen Dr. Bauer und Scitz ihre ablehnende Haltung kimdgctan. Seitz führte aus, daß es sich um cinc rein politische Frage handle, bei der die Parteien entscheiden müsse», ob sie das Vertrauen zur Regierung haben, daß sie bei den Verhandlungen alles herausgeholt hat, was für Oesterreich herauszuholen ist, und ob die politischen Einflüsse von dcr Regierung richtig abgeschätzt wurden. Diese Frage können die Sozialdemokraten nicht bejahen. Dr. Bauer führte übrigens aus, daß der geringfügige Bc- trag, um den eS sich jetzt handelt, auch ans dem Besitz der österreichischen Kapitalisten her- auszuholen gewesen wäre. Daß dcr Entente- Imperialismus seine ganze Macht aufbietet, um die Interessen des Entcntekapitalismus durchzusetzen, entspricht dem Wesen des Jmpe- rialismus überhaupt. Es widerspricht der Würde des Landes, wenn die Regierung und die bürgerlichen Parteien so tun, als ob sie mit den"beiden Gesetzen, die uns die Entente aufzwingt, die Interessen Oesterreichs wahren würden. Ein AngnffHejjas' auf Druck a.d.D. W i c n, 29. September.(Drahtbericht des „Sozialdcmolrat".) Gestern nachts wurde ein Angriff ungarischer Freischärler ans Bruck a. d. Lcitha, dcr in dcr Richtung a»f die Lager- brücke geführt war» von den Grcnztruppen a b g c w i c s c n. Die angreifenden Jnsurgcn- ten standen zweifellos unter dem Kommando von Hejjas, dcr de» Befehl über große Bandenverbändc sührt, die in Parn- dors konzentriert sind. Aus österreichischer Seite wurde ein Wchrmann vcrwun» d c t. Gegen Morgen zogen sich die Banden zu- rück. Eine starke Bandcnabtcilung versuchte cinc» U c b c r f a l l auf das Wirtshaus „Blnmau", der aber von Gendarmerie der» e i t c l t wurde. Roch rin Ultimatum au Ungarn. Paris, 29. September. Havas meldet, daß der Minister des Acußern, Briand, dem ungarischen Delegierten Prazsmovsky eine Note habe übergeben lassen, in der die Note vom 20. September zur Kenntnis genommen wird, durch die die ungarische Regierung wissen ließ, daß sie ans cinc Verständigung mit Oesterreich rechne. Tic Mächte weisen aber darauf hin, daß sie nichtsdestoweniger die Note des Bot- schaftcrrates vom 22. ds. M. aufrechterhalten, in dcr die Räumung dcr wcstungarischcn Gc- biet« binnen 10 Tagen gefordert wird. Sic ständen auf dem Standpunkt, daß die Vcrmitt- lung einer dritten Macht der Ausführung des Friedensvertrages nicht hinderlich sein dürfe. Ungarn müsse also seine Verpflichtungen ans dem Vertrage, die es übernommen habe, aus- führen. Ein Dementi. Wien, 29. September. Das Korr.-Burcau meldet: Gegenüber Blättenneldungen, wonach Oesterreich bereits in eine Avlrctung Oed«»- bnrgS eingewilligt habe, muß festgestellt wer- den, daß in den Unterredungen betreffend die Anbote einer Ententegroßmacht und des tsche- choslowakischcn Außenministers die Frage ter- riiorlaler Konzessionen nur als Möglichkeit gestreift wurde. Oesterreich, das stets zu Un- terhandlungen bereit ist. weil keine Möglichkeit außer acht gelassen werden darf, die wcstunga- rischc Frage zu bereinigen, begehrt in voller Ucbcreinstimmung mit dem Standpunkte der Botschaftcrkonfcreuz, daß vor den Verhandln», gen im Sinne dcr unternommenen Mcdiatio- neu die klaglose Ucbergabe des Burgenlandes «folgt sein müsse. Auf Grund der bisher ge- machten Erfahrungen wurden aber von Oesterreich gegenwärtig zum crstcnmalc die Frage der Garantien aufgeworfen, durch deren Anwcn- dung vor Eingehen in die Verhandlungen die klaglose Uebernahme und für die Zukunft der ungestörte Besitz des Gebietes gesichert werde« 80. September l'.v; ~/'tM.'Ur. 1- rnuptr-f^.tu:. Hort!)y foll gegen die ctocncit ttnb die knrlistischen Landen einschreiten. London, 23. September. Neuter zufolge xicht ans in London eingegangenen Rachrich- teil hervor, daß die ungarische Regierung mit- lcns ist. dem ans Räumung des Burgenlandcs gerichteten Ersuchen zu willfahren. Sollte ie- doch die ungarische Regierung irreguläre Bau- den im Lande zurücklassen, so wurden die Alliierten daraus bestehen, das, Ungarn diese Banden nötigenfalls mit Ecwa.lt vertreibt. Tic Botschasterkonfercnz für eine Vermittlung nach Räumung des Bnrgenlandcö. Paris, 23. September. Tic gestern unter dem Vorsitze von Jules E a m b o n znsam mengetretcne Botschafterkonfcrenz nahm die Not e z n r.st e n n t»i s. durch welche die ungarische Regierung bekannt gab, dag sie das B c r m i t t l n n g s a n g c b o t a n g e n o m m c n habe und zu einem E i n- v c r n c h m c n mit Oesterreich zu ae- langen hoffe. Tie Botschafterkonfcrenz nahm zur Kenntnis, das, die ungarische Regierung den guten Willen habe, sich in se dc in o I(c der Entscheidung der M ä ch t c n n t c r z n o r d n c n. Tic stonsercnz werde keinerlei Einwände erbeben, wenn zwischen Ungarn und Oesterreich Abmachungen getroffen werden, fmfS Oesterreich die angebotene Vermittlung annimmt, jedoch mit dem Vorbehalte, daß die vorläufige Räumung der w« st n n g a r i s ch c n K o m i t a t c innerhalb der durch die lebte Note der Botschafterkonfcrenz vorgesehenen Zeit durchgeführt werden sollen. Banlnotenilmtausch mit Abzug. Budapest, 20. September.(M. st.-B.) Eine Verordnung des Finanzministers verfügt, das, die mit der ungarischen Abstempelung vcrsthc- nen Noten der östcrrcichisch-ungarischcn Bank zu lO.ngO und 1000 stronen mit einem Abzüge von 75 Prozent und die Noten bis zu.100 stro- nen mit einem solchen von 50 Prgzcnt in der Zeit vom 1. bis 81. Oktober gegen neue Staats- notcn umgetauscht werden. Nach dem 01. Oktober sind die alten StaatSnolcn nngiltig. EJcritficlicninflwu ttovbfriuikvcidis. Paris, 28. September. kHavaS.1 Ter Ans- schuh für die befreiten 0'cb'ete ist beute zu- sammengctreten und hat die Mitteilungen LonchcurS über die Vereinbarungen in Wies- baden entgegengenommen. Lonchenr bemerkt, daß die Franzosen das Recht der W a b l hat- ten und nicht gezwungen seien, die von Deutschland eingeführten Banstoffe zu nehmen. Diese würden zum französischen Durckisckilii'ttSpreisc verrechnet, der durch drei Persönlichkeiten, eine französische, eine deutsche und eine dritte, die vom Präsidenten der Schweiz bezeichnet werden soll, best'mnit wer- den. Dieser dritte Sachverständige solle jedoch nur vermitteln, falls sich Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden anderen crge- bcn. Der Wert der gelieferten Baustoffe wird ans das Reparationskonto geschrieben werden. Eine Art EinkaufSbnreau würde in St. Qncn- tin errichtet werden, wo aste Bestellungen von deutscher Ware zusammenlaufen sollen. Der Minister hofft, das, diese Vereinbarungen durch die deutsche Regierung zwischen dem 5. und 0. Oktober ratifiziert werden würden und daß sie vor M"natsablanf in straft treten können. Baldige Lösung der oberschlcsisihcn Frage. Sozialdemokrat Gründen sei eine solche Frag: notwendig, denn solange die U. S. P. den Eintritt in eine Regierung ablehne und lediglich durch Phrasen und Zeitungsartikel die politische Laae zu meistern gedenke, s? lange sei sie nicht berechtigt, an einem Beschluß der S P. D. Kritik zu üben, der ihr vielleicht mehr Vorteile bieten könnte, c.TS den rechtZsteben- Oeiltschlaild. Die Koalition und die N. S. P. Berlin, 20. September.(Drahtbericht de« „Sozialdemokrat".) Gestern abends haben Besprechungen des N c i ch s k a n z- lers mit den Führern der Par- tejen der neuen Koalition im Beisein des Reichspräsidenten begonnen. Es wurde die inner- und außenpolitische Lage und die Steuerreform erörtert. Zu Er- gcblilssen darüber, wie das Kabinett aus- gestaltet werden soll, haben die 23crTinnb- lnngcn bisher noch nicht geführt. Jedoch wissen einige Blätter zu melden, das, eine Einigung der vier Parteien auf cj» gemein- samc? innen- und außenpolitisches Pro- gramm sattgefnnden habe und daß am Sonnabend voraussichtlich die neue Koali- tionSregicrung ins Leben treten dürfte. Dr. Wirth soll Reichskanzler l>lci- den. Tie Preußen haben offizielle Per- Handlungen über die Neubildung der preußischen Regierung begonnen. Voraus- sichtlich wird S t e g e r w a l d auch im neuen Kabinett den Vorsitz innehaben. Während der Görlitzer Beschluß der S. P. D. bereits seine Wirksamkeit in der Frage der Koalitionsregierung zeigt, wird in rechtssozialistischen Blättern noch ausge- führt, daß der Beschluß die Möglichkeit bie- ten sollte, auch die Unabhängigen an der Negierung zu beteiligen. Die S. P. D. be- vbsichtige, die Unabhängige sozialdemokra- tische Partei im Reichstag zu fragen, ob sie bereit sei, in«ine AoalitisnSregie» tu«.fl einzutreten. Schon aus taktischen den Parteien. Die„Freiheit" bemerkt dazu, daß sie einer solchen An frage mit Gelassenheit entgegensehe. Zur Regierungsbildung im Reiche und Preußen. Berlin, 20. September. Reichskanzler Tr. W i r i l, baitc gestern abends mit dem prenhi- scheu Ministerpräsidenten Stcgcrwald. den Führer der stealitionsvarteieii und dem Abg. S t r c s e m a n n Besprechungen über die RcgicrnngSncnbildnng im Reiche und in Preußen. Fn einer Sitzung der Reichstage fraktion der deutschen Volkei'ariei kam zum Ausdruck, daß die Fraktion dem Eintritt der Partei in die Reichsreaierung zustimme, daß j icd-ch kein Anlas, gegeben sei. ans eine schnelle ! Erled-onng der Frage zu dränecn. ES sei da- I her nicht ausgeschlossen, daß die Regie- > r n n g s n in b i l d u n g i in Reiche n o ch ^längere Zeit beanspruchen werde, da- ' regen dürfe man für Preußen ans eine schnei- lere Erledigung der Angelegenheit rechnen. Mithilfe der Industriellen bei der Wiedergutmachung. Berlin, 20. September.(Drnhtbericht de? „Sa-ialdemokrat".) Ter Rcichsverband deutscher industrieller hat auf seiner Münchner Tagung seinen einstimmig ange- nommene Entschließung sich bereit erklärt nach allen.Kräften d i e R c g i c r n n a b c i der Dur ch f ü brung der S a cd l c i- st u n g für die W i c d c r g n t m a est u n g z u u n i c r st ü tz c n. Tiefe Sachleistnn- acn sollen noch Möglichkeit durch die bc- stehenden Fach- und Landes"erbände ans- gebracht werden. So weit mit Rücksicht aus die besondere,, Verhältnisse einzelner Industriezweige die Bildung von Leistnnas- "crbäi'dcn notwendig werden sollte, soll sie freiwillig erfolgen. Diese Bereitwilligkeit sich an der Wiedergutmachung zu beteiligen, cntfvrinat nicht etwa patriotischem Pflicht- aesiihl sondern dem Wunsche der kavitalisti- scheu Kreise, de«? RcgierungSztvang zu entgehen. flauem m:d das Heid). Berlin. 20. Sevtcmbcr. Wie die..Bossilchc Zeitung" hört, ist gestern die offiziöse Z u st i in in» n g der bäuerischen Regierung bem zwistben beut Reichskanzler und dem Ministerpräsidenten Grasen L c r ch c n f e l d getroffenen Bercinbarnngcn in Berlin eilige- troffen. Laidi^t fölnua dtrober- fdilcfifßeit Fraae. Das Fiidnstricgcblet an Deutschland?^! London, 23. September...Evening Stadard" zufolge wird erwartet, daß die vier MItglie- der des Bölkcrbni'dratcs, denen die oberschle- sische Frage unterbreitet worden ist, binnen 1-1 Tagen ihren Bericht erstatten werden. Tie Entscheidung wird wahrscheinlich in der Hauptsache ,u Gunsten des Bestrebens Eng- lands-md Italiens ausfallen. das Industrie- gebiet Deutschland zu überlassen. Ein Tscheche und ein Schweizer Jachverstän- dige. 0!enf, 23. September. Wie ans Völkerbund kreisen mitaeteilt wird, sind mit der Unicrsn chicna in Oberschlcsic» ein Schweizer und ein Tschcchoslovake betraut worden. Beide Sachverständige sollen bereits wieder zu- rückgekchrt sein. Ni'.fllllnd bereitet fiti) auf etilen Angriff der Nandlwnttu vor. Stockholm, 23. September.„Aftonbladet" meldet ans Moskau: Alle früheren Offi- ziere und Unteroffiziere bis zum 55. Lebens- jähre sind mobilisiert worden. Die rns- fischen Trnppenansammlnngcn an der cstbni- scheu Grenze dauern an. Von Petersburg wurden mehrere Divisionen an die rumänische Grenze entsandt. Am 20. September gingen 0 Divisionen in die Umgebung von Odessa ad. Die Sowjetregiernng bat ans Furcht davor, daß die Entente eine Offensive der Randitaaten gegen Rußland untestrützen wird, den Bcfcbl gegeben, die befestigten Anlagen längs der Grenze und im Petersburger Gebiet in Ber- teidigungszustand zu setzen. Die Tschreswitscheika verhaftet einen deutsche» Industriellen. Berlin, 29. September. Wie der„Lokalan- zciger" meldet, ist ein Industrieller, und zwar ein Herr Wagner vom„Europa-Asien Industrie» und Handelshause" in München, der sich auf Grund de» deutsch-russisch« Abkommens Nack» Moskau bsgobe» h"tte. d>t von d-'r all russischen anßorordentlichen Ksmmission verhaftet worden. Tie Tschrcöwitscheila tötet de» Schriftsteller Cznprynka. Wien, 28. September, der ukrainische Vre- scdienst meldet ans stiem: Die Bolschcwisten haben in sticw den ukrainischen Dichter H r h c j Cznprynka erschossen. Eznprvnka wurde von den Sowjetbehörden der Teilnahme der gegenrevolutionären Ber schwornng beschuldigt und ohne formet les Gerichtsverfahren von der Kic- wer außerordentlichen Kommission zur Be- j kämpfnng der Gegenrevolution juscisiziert. strasii» in London. Berlin, 20. September. Wie die Blätter ans London berichten, ist de? Vertreter der Sowiclreaiernng strassin dort cing/'lrofken. Äll!itnisch-cttü!isl1'e Lerllliudlgung über AlblUtien. Berlin, 20'ber. TaS„Berliner Tageblatt" l aus Nonn„Durch daS eben abgcscblesic. italienisch englische Abkom- men würde Albanien erreichen, was es erstrebt bat. Albaniens Unabhängigkeit und Integrität werden von England und Frankreich verbürgt und Albanien crbält die von den Griechen beanspruchten Distrikte storiba und Argpr^kasiro. Ter Schutz Alba- nicns gegen etwaige griechische oder jngosla- wische llebergriffe kommt dem Völkerbünde, als dessen Vertreter Ftalien fungieren wird, zu. Mit die'em Ahf-mmen dü'iie man in Rom hoffen, das, die Hindernisse für eine weitere englisch-italicnische Orientverständignng beseitigt seien. Die Albanesen riillcn zu einem Einfall in Serbien? Velgrav. 28. September. iTsch. V.B.) Tie »encsten Meldungen ans Tibra bestätigen die OZcrücbte über die in Albanien anacordnete Mobilisierung. Tic mobilisierten albanischen Truppen, welche längs der serbischen Grenze konzentriert werden erhielten den Befehl, z n m E i n s a l l e in das serbische Territorium bereit zu sein. Einer Meldung aus Podgoriea zufolge ist eine lebhafte Bewegung der albanischen Truvven gegen die ser bische Grenze bemerkbar. Sie schoben ihre Abteilungen südöstlich der Anhöhe Belehika vor und zerstörten dabei die s c r b i s ch e n T c l e p h o n v c r b i n d n n g e n. Vit griechische Niederlage. stonstantinopel, 23. September. Nach einem amtlichen Berichte ans Angora ist die gricchi schc Armee bis Eski Schehir verfolgt worden. Ihre Nachhuten wurden zum R ü ck z n g c gezwungen. Tie türkische Armee operirrt hinter verschiedenen Gruppen der feindlichen Armee. Dum Mikerlnüid. Tie Abriistnngokomödie. OZenf. 23. September.(Wolfs.) Fn der dritten.Kommission für Abrüstung wurde ein Vorschlag Lord Robert Geeilt(Südafrika) n ii g, c ii o in IN c II. Tarnach sollen die Völ- kerbniidsmitglicder von neuem aufgefordert werben, während der nächsten 2 bis 0 Fahre ihre'Ausgaben für militärische Z tv c ck e n i ch t z u e r h ö h c it. Außerdem sollen die Olelehrten der ganzen Welt ersucht werden, ibre Entdeckungen über giftige Gase zu veröffentlichen, damit deren Anwendung in einem künftigen.Kriege beschränkt werden könne. Andere Vorschläge bezogen sich ans die Propaganda zu Gunsten der Abrüstung. 9! e g u a u l d(Frankreich) erklärte demgegenüber, daß eine derartige Propaganda nicht über die Bestimmungen des Paktes hin ausgehen dürfe, denen zufolge Abrüstungen mir soweit zu geschehen brauchen, als sie mit der nationalen Sicherheit zu vcr- einbaren sind. Wie Minderheiten vom Völlerbund geschützt werden. Genf, 23. September.(Wolfs.) Die erste Kommission lRechts- und Versassungssrageii) beschäftigte sich heute mit dem Antrage des Professors Vuray(Südafrika), der die Schaf- fnng einer ständigen Kommission verlangt, die für die Entgegennahme der stiegen der Minderheiten und die Untersuchung an Ort und Stelle zuständig wäre. Ter Bericht der Unterkommission über diesen Antrag hält dagegen eine Entschließung des Rates vom 25. Oktober 1020 für ausreichend, um das Ziel Bnrah's zu verwirklichen. Nach jener Eni- schlicßung sollen der Präsident und zwei von ihm ernannte Ratsmitglicder mit der Prüfung jeder Zuschrift an den Völkerbund über Vcr- letzungcn von Minderheitsklanseln betraut werden. Die erste Kommission schloß sich dieser Auffassung an. Der Ausverkauf Oesterreichs. Innsbruck, 29. September. Wie die„Inns- brucker Nachrichten" meld«,, mußt« gestern«n hiesiges großes Kaufhaus vorübergehend Teste 8. phtkß'N,»m von den Ausländern, besonder? Zlal'uutn, nicht ausgekauft zu n erden. Tic meisten Geschäfte geben Waren nur mehr m b'schränster Stückzahl ab. MetellarbeiierauSsperrnng in Thüringen. Grs,::!, 20. September. In sämtlichen, den,. Verbände Thüringischer MetastindustriAler an geschlossenen Betrieben ist heute früh die Aus- sperrung erfolgt, nach dem die Streikenden ge stern nicht zur Arbeit zurückgekehrt sind. Tan,es»Hemyke'lien. Zum Gedenken Engelbert HumperdinckS. Fn den Kinderstuben unserer Fol.rlinnderte ist wenig Raum für Märchen. Tausende und Abertausende deutscher Proletarier wachsen beran. in frühester Fugend tägliche Augen zeugen von Not und Elend, unberührt von dem Goldglanz des deutschen Märchen:. Glücklich das Arbeiterkind, das in einer Stadt lebt, in der ein gutes Theater den Durst der Fugend nach Romantik zu stillen versucht, denn in unseren Tagen vermag nur die Schaubühne vielen Kindern das Wunderland des Märchen« anfzntun. Man muß es selbst erlebt, selber als Zehnjähriger den geheimnisvollen Raum des Theaters zum ersten Male betrete» haben, um„Hansel und Gretcl" zu schauen und zu hören, wie es Engelbert Hnmperdinck geschah seit, der nun, ein Halbvergesicner, ins Grab sank. Tic jugendliche Seele hatte keine Ab innig von Dasein und Name» de? Märchen komponisten. aber die Erinnerung an den Abend, da man daZ„Brüderchen, komm, tanz mit mir" und das„Ein Männlein steht im Walde" zum ersten Male singen hörte, bleib, gewahrt bis ins reise ManncSaltcr, daS dann auch befähigt, dem nunmehr toten Humper dinck reichsten Tank abzustatten. Mit der Schöpfung des MarchendrainaS„Häusel und Gretcl" hat der Rheinländer Hnmperdinck, der bis dorthin die Kunst nur als Schmuck de? eigenen Lebens liebte, dem deutschen Volke das Märchen musikalisch wiedergewonnen. Mit einem Schlage erwarb sich der schlichte, doch hochgeachtete Musiker nach der Weimarer Ur ansfiihrnng(1801) seines MärchcnspielS, das er sich selber erst als gefällige Gelegenheit-ar best für die Weihnachtsfeier seiner Schwester ! kindcr gedacht hatte, Westrich»!. Sein kindlich naiver Sinn für musikalische Voltspoesie, die schlicht-heiteren Volkslieder, die Art, wie er die Stimme des Waldes und der ganzen Na- titr in Tönen auffing, war damals unerhört, ist heute noch unübertroffen, und sichert Hunt perdiiick Unsterblichkeit. Ein gelehriger Sckin ler Richard Wagners hat er auch in dessen Geiste Tert und Rezitation behandelt. Aber sein„Häusel und Grete!" trägt dennoch des stoinpoilisten ureigensten Ton, er bat das Ge- mütvolle. Volkstümliche des deutschen Aiar- clieiiS in ficT) empfunden und wiederzugeben verstanden, wie seiner vor und nach ihm. Was Hnmperdinck später geschaffen, seinö zarte, innige Oper„Heimchen am Herd", sein Mew- dram„Königskindcr", seine übrigen Rcär chcnspiclc und Kompositionen, waren trotz allcr Reize nur Mittelmäßigkeiten, die die deutsche Bühne nicht in ihren bleibenden Bestand ans- nahm. Aber der Ruhm seiner ersten großen Schöpfung, dem er selber später niemals mehr nahe kam, bleibt unvergänglich. Seine stin derlicder, seine so überaus sangbaren Weisen sind in den Schab des Volkes eingegangen. Solange man Kindern unsere Volksmärchen erzählen und spielen wird, solange wird das Gedenken Engelbert Humperdincks bestehen und wir wollen, daß unsere Fugend, die Fugend des arbeitenden Volkes, immer und mehr als heute sich an dem reinen Quell des Mär chcns laben möge. Das kommunistische Dunkel in Krnmman. Ter kommunistische Bürgermeister von strunlman. Hirs ch l. hat Donnerstag d c missioniert. Die Meldung von dieser Demission kommt durchaus nicht überraschend. Tie Zusammenhänge, in denen in legier Zeit Hirschl genannt wurde, machen es nicht schwer, die Erklärung für diese Plötzliche Abdankung zu finden, die keineswegs politische Ursachen zu haben scheint. Der Raubmord von E h o d a n war cS, bei dem zuletzt der Name Hirschls genannt wurde. Hirschl war damals — wie die„Nova doba" berichtete— von Hermann, einem der beiden Raubmörder, i» der Redaktion der„Südböhinischc» Arbeiter zcitung" angetroffen worden und hatte später einen unterschriebenen und mit der Gemeinde stampiglie versehenen leeren Hciniatschein in die Redaktion geschickt, wo er für Hermann ausgefüllt wurde. WaS Hirschl sich beimißt aufs Gewissen geladen hat. läßt sich natürlich nicht feststellen, aber daß seine Demission durch das allzugroße Näherkommen an kommnnisti sche Dunkelmänner verursacht ist, wird klar, wenn man die ganze kommunistische Beloc gnng in Südböhmen und die Männer, die sie führe», betrachtet. In einer Organisation, die den notorischen Balutenjchieber$« o id« kh mit ihrem Namen deckt und trotz seiner Seite 4. Lumpereien wiederum zum KrciSvcrtraucns- man» wählt, sind allerhand Dinge möglich. Vielleicht kommt durch die Demission des Bürgermeisters von Krummau doch einige« Licht in das Dunkel, in dem die dortigen Kom- munisten Legitimationen und Valuten schiebe, vielleicht erfährt man auch sonst Nähe- res über die Tätigkeit HirschlS als Bürger- meister und darüber, warum gerade jetzt und so Plötzlich seine Demission erfolgt ist. 114 Tote. Tie vierte Totenliste von Opsiau weist 14 Namen auf, sodaß die Zahl der jetzt festgestellten Toten 414 beträgt. Die Zahl der noch nicht erkannten Leichen beträgt 75. Vermißt werden 199.— Ter französische Chemiker C l a u d e, der nach seiner Ansicht über die Katastrophe in Oppau befragt wurde, nimmt an, daß die Katastrophe eine furchtbare War» n u n g vor der Anlage von Kolossalfabriken ist, weil die Aufspeicherung von großen Men- gen gefährlicher Stoffe eine ständige Gefahr für die Einwohner und die Umgebung bildet. Es sollten lieber hundert kleine Fabriken ge° baut werden als eine große. Auch der fran- zösische Chemiker PorPhye ist der Meinung, daß das Bindemittel, um das es sich handelt, sehr leicht in Explosivstoff von größter Kraft umgewandelt werden kann. Hanbelöniinister Jng. VladiSlav Nodal cm« Vsängi Dienstag und Freitag von 9 bis 18 Uhr in allen Angelegenheiten seines Ressorts(Han- delsministerium und Anßcnhandclsaml) in sei» nein Büro im Handelsministerium Prag III, Waldstcinpalais. Teilweise Sperrung der Wiener Börse. Der Wiener„Mittag" teilt mit, daß die Börse vor- läufig an drei Tagen in der Woche gesperrt sein wird. Wenn diese Einschränkung des Börsenhandels nicht genügen sollte, um die Spekulationen zu verhindern, wird die Börse vollkommen gesperrt werden. Garnitur 2, 3, 4 und 7 der„Bereinigten". Wie gemeldet wird, haben sich die bisherigen MeichStagsabgeordneten der Bereinigten kom- mnnistischen Partei Teutschlands Levi, Malt- zahn, Reich, Düwell, Geyer jr., Marie Mack- witz, Ernst Däuinig und Adolf Hoffmann im Reichstag zu einer eigenen Gruppe, der Kom- mnnistischen Arbeitsgemeinschaft, zusammenge- schlössen. Vom Auto überfahren. In der Primatorska trida in Lieben wnrde der Studierende der Leh- rerbildungsanstalt Jaroslav Pruichek, als er dem Wagen der elektrischen Straßenbahn ausweichen wollte, von einem Auto überfahren, welches der Chauffeur Franz Stolar aus Weinberge lenkte. Er wurde ins Allgemeine Krankenhaus über- führt. Der Chauffeur soll an dem Unglück nicht schuld sein. Brand. Gestern gegen 1 Uhr entzündete sich auf. dem Grundstück des Hofes des Adalbert Fried in Chodav bei Hostivar ein großer Strohschober. Da in der Umgebung sich kein Master befindet, mußte daS Stroh geopfert werden und die Ab- wehr sich daraus beschränken, die Ausbreitung des Feuers z» verhindern. Der Schaden beträgt ungefähr 80.000 Kronen.• Sozialdemokrat Regierung nicht bestätigt worden war, fand Mitt- woch die Neuwahl des Gemeindepräsidiums statt. Der Advokat Dr. Ludwig Perie(Sozialdemokrat) wurde zum Bürgermeister und der Lehrer Ambrosie(Nationalsozialist) zum Bize- bürgermeister gewählt. Schisssnngliick aus der rumänischen Donau. Am 25. d. nachts ist nach einer Kestelexplosion bei Palanka in Rumänien der Dampfer„Szent Jstvan" gesunken. Der Besitzer des Transports, der frühere Baron M e i n b» r g und nenn Mann der Besatzung konnten nicht g e- rettet werden. Der Dampfer war mit 25 Waggons Mehl für die Gemeinden Baden«nd BöSlau und mit vielen anderen wertvollen Le- bensmitteln für das Wiener Kinderhilfs- werk beladen. Schießerei bei einem Begräbnis. Belfast, 20. September. Bei dem Begräbnis eines Pro- testanlen, der kürzlich erschlagen wurde, wurde ans den Trauerzug Feuer eröffnet, wobei einige Personen verletzt wurden. Kleine Chronik. Ein Taifun in Japan. Osaka, 29. September. Durch einen Taifun, der das mittlere Japan heimsuchte, wurden viele Häuser überschwemmt und zerstört. An- ßerdei» wurden Erdsenkungen hervorgerufen und viele Fischerboote und andere Fahrzeuge vernichtet. Da die Telephon- und Telegraphen- leitungen zerstört sind, fehlen Einzelheiten. Die Zahl der Toten soll beträchtlich sein. Die Heimbeförderung an« Rußland. Das tschechische Preßbüro meldet aus Stettin, daß dort Dienstag 124 Tschechoslowaken aus Rußland eingetroffen sind. 69 Hänser niedergebrannt. In der Ge- tncinde Ealaja(Preßburger Gau, Senetzer Bezirk) wurden 69 Hänser durch einen Brand vernichtet. Die Hälfte der Genieindebewohner ist obdachlos. Die Ursache des Brandes ist bisher nicht aufgeklärt. Ein Sozialdemokrat Bürgermeister von Lai- dach. Da die bei der Konstituierung des Laibacher Gemeinderates erfolgte Wahl des Ratio- nalsozialen Peschek zum Bürgermeister von der Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Der Konsumverein Vilin gibt über sein 13. Geschäftsjahr für die Zeit vom 1. Juli 1929 bis zuin 39. Juni 1921 einen Geschäftsbericht heraus, dein wir entnehmen, daß der Verein gegenwärtig 1517 Mitglieder zahlt. Der Iah- resunisatz beträgt 4,224.113.32 Kronen, der Ueberschuß 42.933.56 Kronen. So wie die Krankenkasse in Bilm schon früher in einer Reihe graphischer Darstellungen die Entwick- lnng der Kasse seit ihrem Bestehen veranschaulicht hat, so zeichnet sich auch der vorliegende Geschäftsbericht des Biliner Konsumvereines durch eine g e r von der Dresdener Staatsover, besten vorjähriger glänzender Erfolg beim Prager Pu- bliknm nnvergesten ist,„heitere Lieder aus alter Zeit", ein Programm, das in unzähligen beut- scheu Slädten stürmisch bejubelt wurde»nd oft wiederholt werden mußte. Am Flügel begleitet Rüdigers schöpferischer und beratender Mitarbei- ter Kapellmeister Dr. Arthur Chiv von der Dresdener Staatsoper. Karten von Kr. 4.40 bis 11.50 bei Optiker Deutsch, Graben 25, Kl. Bazar. Mitteilungen uns dem Publikum. „Urania." „Denische Kultur." Kirchenrat Dr. Zilchert. 10 Vorträge. Beginn 0. Oktober, 014 Uhr. Kar- ten für den ganzen Kurs 30 Kr. Urania-Kanzlei, täglich 10—1 und 4—7 Uhr. Herausgeber: Dr. Ludwig E z e ch und Karl C e r rn a L Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. Vertraulictie«dlerdeste ve/uxsquelle. Billige Bettfedern vom GänsezQcliter! 1 leg Kraue Hilbschlclisfe- dern Kc 18'—, halbwcisse geschlissene Kä 22*— u. 24.—, weisse flaumige Kf 35'—,40.— und W—, Hcrrschafts-Halb- flaumschleiss K£ 70'— u.BO'—; hochfeine KcW.—, ungeteilt., weisse, leine KJ 62'— u. 80—, grosse Fertige Tuchente,(ruf Erfüllt K4 160.—, 190.— und 250.—, Kopfpolstcr Ki 40.—, 58— 0.73.— versende»(feiten Nachnahme Wentel Fremuth, Deschenltz Nr. 145, BOhmerwald. Nichtpass. tausche um od. Qeld xurflek. Ausführliche Freisliste gratis. 3 1 Kleiner flnzoiaer Beamter sucht schönes, Bülte Buers mit elektrischem Licht Ante, untmr„Ocnossa" »n die Verw. d. Blattes 1 Erstklassige 1 KragenhUglerln wird per 1. Oktober aufgenommen. Chemische Beinionna FrleM iwer, malm. 103 X Kohle- Koks» Holz liefern fuhren- und waggonweise S. L. 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