1 Jahrgang. Vr.8S. Montag, 4. Oktober 1921. der deutschen sozialdemokratischen .iroeiter partei in der tschechoslowakischen Nepubiild. Tele>on K735, nach» 67S7.? y.?.",* bcdinqunaen: Bei Zustellung in» San» oder bei B^ng durch die Vost monatlich MV— Kc, Postlpartastalomo b7b^ ä 0tra'?t0°-«■- Kc, halbjährig AV- Kf.„annilbria 193 Kf. Jtzflr Deuilchvstmeich m°n°Uich IS»- öK. für D«..,schland lg-- k. 11">mo DtOH I Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. vcr ÄbwelirkaiiiPf gcgen die Ncaktiou. «ine Entschließung deS Kongresses der Kriegsopfer. Wien, 3. Oktober.(Drahtbcricht des„To. zialdemolrat.") Auf dem Kongreß der Kriegs, opfcr wurde heute einstimmig eine Resolution angenommen, in der cS heißt:„Der Kongreß bcgriißt auf das Herzlichste das geknechtete arbeitende Volk von Ungarn und protestiert auf das Schärfste gegen die verbrechen d e r H o r t h y g a r d i st e n und ihrer En. tcntcspicßgcscllen, serner gegen die dunklen Pläne der Entente Sowjctrußland gegenüber und beauftragt die Exekutive, mit allen revo. lutionären Arbeiterorganisationen in Fühlung zu treten, um diese Plane zu verhindern. Der Kongreß erklärt, daß es notwendig sein kann, daß die K r i c g s o p f e r den Kampf gegen de» Krieg zurückstellen und sich an einem Abwehrkampf beteiligen, wenn es gilt, die Errungenschaften der Revolution ge« gen gegcnrcvolutionäre Angriffe zu vertcidi« gen. Als einen solchen AnSnahmSsall erachtet der Kongreß gegenwärtig die politische Span« nung zwischen der Republik Oesterreich und dem von den Wcißierroristcn beherrschten Un- garn. Der Kongreß erkennt an, daß bei einem eventuellen bewaffneten Urberfall Oester« rcichs durch Ungarn die österreichischen Kriegs- opfcr rö als ihre Pflicht betrachten, ge. mcinsam mit der österreichischen A r b e i t e r s ch a f t den Abwchrkamps zu füh- ren." Eine Entschließung deS österreichisch« ReichLarbeiterrateS. Wien, 3. Oktober.(Drahtbcricht deS„So- zialdemolrat"). Der Reichsarbeiterrat hat heute eine Resolution beschlossen, in der eS heißt:„Der Rcichsarbeiterrat begrüßt die wackeren Wchrleute, die mit Opfermut und Uncrschrockenhcit die von der monarchistischen Reaktion bedrohten LcbcnSintcressen deS Welt- Proletariats an der Front gegen Horthhungarn verteidigen. Er stellt fest, daß im Notfall die gesamte Arbeiterschaft Deutschösterreichs be» reit ist, einig«nd geschlossen mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln den Abwehrkampf gegen die Reaktion zu unterstützen. Er fordert die gesamte Arbeiterschaft auf, in dieser schweren Zeit, wo eine neue entsetzliche Etappe in der Weltwittschaftskatastrophe, die der Weltkrieg hervorgerufen hat, zusammentrifft, mit der akuten Steigerung der gegenrcvolu- tionärcn Gefahr, alle notwendigen Abwehr- kämpfe vorzubereiten und durchzuführen, bei allen Maßnahmen sich jedoch stets von dem Gefamtintcressen des Proletariats als oberste Richtschnur leiten zu lassen. So wichtig auch alle gewerkschaftlichen Einzclkäntpsc in dieser harten Zeit sind— die oberste Notwendigkeit ist gegenwärtig die Erhaltung der uneinge- schränkten Kampfkraft gegen die Reaktion und die Erhaltung der Einigkeit und Schlagfertig- kcit des GcsamtproletariatS." Karl will wieder»ach Ungarn. Wie», 3. Oktober.(Drahtbericht deS„So- zialdemolrat." Das„Abendblatt meldet, daß verläßliche Berichte aus Herthcnstcin besagen, daß sich der Exkaiser Karl neuerlich ernstlich mit der Absicht trägt, in der nächsten Zeit wie- der nach Westungarn zu reisen. Infolgedessen winde der UeberwachungSdienst auf den in Betracht kommenden Verbindungswegen in Oesterreich verschärft. Prinz Sixtus rediveuS. Wen, 3. Oktober.(Tsch. P. B.) Tie Sonn- «nd Montagszcitung" erfährt aus diplomatischen Kreisen, daß der Schwager des gewesenen Kaisers Karl, Prinz Sixtus vou Parma, seit einigen Tagen in Stcinamangcr weilt 3ütt Vorabend des4. Oktober. Heute geht die Frist zu Ende, welche dir große Entente der ungarischen Regierung zur Räumung des Burgcnlandes und zur restlosen Erfüllung des Vertrages von Tria- non gestellt hat. Kommt Horthy dm Forde, rungen der Entente bis heute nicht nach, fo— aber hier stockt die Feder und will nicht weiter. Denn um diese«.so" schlingt sich ein unentwirrbarer Knäuel von Eifer- süchtcleien der groß« und kleinen Staa- ten, von Schlichen und Ränken der Geheim- diplomatie, von Gewalt, Lüge und eisen- stinnger Frechheit. So bunt und zerfahr« heute der ganze Komplex anmutet, in seinen Voraussehun- gen ist er von eindeutiger Klarheit. Sahen sich doch die magyarischen Machthaber, als sie Ende Augnst ihr verwegenes Spiel be- gönnen, einem Vertragsgegner gegenüber, den sie sich innerlich gewogen wußten. Die große Entente, die um ihres Ansehens willen den Vertrag von Trianon schützen und Oesterreich zum Besitz des Burgcnlan- de? verhelfen sollte, schätzt, ihren weltpoli- tischen Tendenzen nach, Ungarn eigentlich als ihren Verbündeten im Kampf gegen den proletarischen Vormarsch. Pilsudski und Horthy halten vereint den Karpathenwall so gegen Rußland wie gcgen Deutschösterreich, diesen Exponenten des noch immer abcrgläu- bisch gefürchtet« Deutschen Reiches. WaZ reaktionäre.Verläßlichkeit" anlangt, läuft Magyarien sogar den, weiß Gott, durchaus nicht revolutionären Tschechen und Süd- ffawen den Rang ab. weil diese aus ihrem .heiligen nationalen Egoismus" heraus, um einen neuen übernationalen Habsburgerstaat zu verhindern, die republikanische Staatsform mit Zähnen und Klauen zu verteidig« bereit sind. Im Kampf gegen Rußland und Deutschland wären Korfanty und Haller, Pronay und Heijas vorzüglich zu gebrauchen, dezhalb ließ man bei der Ab- nistung des ungarisch« Heeres alle fünf gerade sein und scherte sich den Teufel um die genaue Durchforschung des Friedens- Vertrages. Was Wunder, daß die Dudapcsicr Grafen Mut zu ihrem Unterfangen bekamen? Wenn sie Stefan Friedrich und Ofztenburg vor- schickten und ihr« von Blut und Niedertracht stockschmutzigen Hände selbst in Unschuld wusch«, so sehte das uns durch dAnnun- zioS. ZeligowfliS und KorfantyS Beispiel gewitzigt« Zeitgenossen auch nicht weiter in Erstaunen: Einen Abenteurer, der die Ka- stani« aus dem Feuer holt und auf den man im Falle des Mißlingens alle Schuld abwälzen darf, kann jede der aus dem sittli- ch« Stahlbad des Weltkrieges hervorge- gangenen hochmoralischen Regierungen vor- züglich brauch«. Was ursprünglich als billiges Alibi ge- dacht war. sollte freilich Her« Horthy im Laufe des September in schwere Verlegen- hcit bringen. Mit Friedrichs Erfolgen wuchs seine Neigung, die eigen« Sonder- interesscn durchzusetzen, zum nllmagyarisch« Imperialismus, in welchem sich Horthy und Friedrich eines wissen, trat der KarliS- mus als ausschlaggebender Faktor hinzu. Hier kenn« sich die Wege Friedrichs von jenen des ReichSverweferk. der feinem lieben Schwiegersohn, dem Erzherzog Albrecht, in begreiflichem Familimstolz allzugern die Stephanskrone als Mitgift in die Ehe geben mächte. Ein abenteuerliches Kräftcspiel wogt also hinter den Kulissen des ungari- schon Räuberdramas, aber bei aller Rivali- fest verbunden: der imperialistische Wunsch, ausbeutendes Hcrrenvolk zu bleiben, läßt sie die durch die Abtrennung der Slowakei, sowie so bös ramponierte„Integrität des Vaterlandes" über die persönlichen Sonder- ziele stell«. Deshalb fand« sich di« feind- lich« Brüder knapp vor dem 4. Oktober wieder zu der bewährten.Alibipolitik" zu- samm« und inszeniert« den durchsichtig« Schwindel von der selbständig« wcstun- garisch« Republik. Nun darf Horthy daS Ultimatum der Entente ruhig annehmen. E r räumt das Burgenland. Daß der schlimme Max, pardon, Stefan Friedrich, dem Auftrag nicht folgen will, dafür kann der brave Horthy nicht. Um die F r ü ch t c allerdings wcrd« sich beide, der Max und der Moriz, teilen. Und als lachende Tafel- runde gedenkt daö ganze schwarze und be- treptc Habsburgergesindcl an dem Mahl« teilzunehmen, das sich jetzt, mit dm, famosen Briesschrejb« Sixtus von Parma an der Spitze, in Steinamanger versammelt. Und, müssen wir fürchten, vielleicht lachen die Fcudalenherrschaften mit gutem Gnmd. D«n so einheitlich sie in ihrem letzten Ziele zusammenstehen, so bunt streben ihre Geg. ncr auseinander. Weil ihnen die wahre Liebe zum ohnmächtig« Oesterreich fehlt, kennen sie bloß ihre eigen« Interessen. Das zeigte sich vom ersten Augenblicke an, als die Entente den Dcutschösterreichcrn verbot, ihre Wehrmacht gegen die Banden einzu- setz«, und steigert« sich mit der Eifersucht zwisch« der großen und der kleinen Entente, zwischen Jugoslawien und Italien, zwisch« Italien und Frankreich von Tag zu Tag. Dem Wafsengcrasscl des kleinen Bundes setzte Rom ein energisches Veto entgegen. Also packte Bcnesch die Sache von hinten herum an und versuchte eS, um ob« zu bleib«, mit einem freundschaftlich« Ver- mittlcramt. Der Arme; auch diese Ehre will ihm della Torretta nicht gönnen und ver- weist den Wortführer der gernegroß« kleinen Entente in den Winkel. Denn nichts anderes als daS besagt die neue Meldung, daß Schobers und Banffys Abgesandte über Auftrag und unter den Äuspizim des Bot- schafterrates in Ron, mit einander verhau- dcln sollen. Herr Bcnesch war den Mächti- gen der Erde zu vielem gut. Aber weil er sich zu groß gedünkt, lassen ihn die Mächti- gen der Erde unsanft fall«. Die Tschecho- slowakei soll wissen, daß sie eben nur— die Tschechoslowakei ist. Aber aus e i n h e i t- l i ch e m Will« der groß« Entente geschieht auch dieser Schritt nicht. Die Agcnce Havas verbreitet eben heute geflissentlich einen Ar tikel von Pertinax im.Echo de Paris", der Belgrad und Prag als die einzig möglichen Vollzieher des EntenbeultimatumL bezeich net. Frankreichs Neid auf Italien will also auch nicht verstimm«, wo es um Europas Fried« geht. Drnn so viel ist klar: je Heft, ger die große und die kleine Entente jede unter sich und beide untereinander rivalisie- r«, desto kühner werden Horthy und Fried- rich auf ihrem Willen besteh«, desto leich- ter kann der Funke inS Pulverfaß Mitteleuropa fliegen und all die ungeheuerliche Spannung der letzten Woche zur furchtbaren Explosion bring«. Die Arbeiterschaft aber muß seitwärts stehen und zuschauen, wie Gchcimdiplomatie und kapitalistische Skru- pellosigkeit die Welt an den Abgrund brin- gen. PZanim? Weil der Nationalismus auch bis tief ins klassenbewußte Proletariat hin- ein sein Gift getragen hat und so breite Massen zu seinen Werkzeug« erniedrigt, statt daß sie, international verbunden, den ! grausen Spuk für immer aus der Welt jagen Genossen! Gedenkt des^onds ?ur Erhaltung des Zentralorgans! Zersetzung in der franM scheu kommunistischen Partei. Es ist bekannt, daß die Spaltung der französischen Sozialdemokratie, die ans de», Par- teitag zu Tour» eingetreten ist, die völlige Lahmlegung der Arbeitcrbewe« gung Frankreichs und damit die Stär- kung der französischen Reaktion, die die größte Gefahr für Europa ist, zur Folge hatte. Die französischen Gewerkschaften sind dezimiert, die politischen Parteien des französischen Prvle- tariates, sowohl die sozialdemokratische als auch die kommunistische, einflußlos. Nachdem es den französischen Kommunisten gelungen ist, die Arbeiterbewegung so zu schwächen, wirkt die zersetzende Tätigkeit der Koinmuni sten in der eigenen Partei weiter und man kann schon heute drei Strömungen in der kommunistischen Partei Frankreichs unterscheiden. Die eine Richtung ist die sogenannte Rechte, der dieselben Vorwürfe gemacht werden, wie den Sozialdemokraten überhaupt. Die zweit? Strömung, das Zentrum, hat die Leitung der Partei inne, ihr bedeutendster Kopf ist der Generalsekretär der kommunistischen Partei Frankreichs Frossard, die dritte Richtung sind die L i n k s k o m in u n i st c«,_ welche nunmehr daran gehen, sich als geschlossene Opposition innerhalb der Partei zu konstituieren. Sie werfen der Parteileitung vor daß sie bei den letzten parlamentarisch« Nach Wahlen als Parole die Sammlung aller lin- ken Elemente in Frankreich herausgegeben hat und daß sie als die bedeutendste Aufgabe der kommunistischen Partei die Schwächung des sogenannten nationalen(bürgerlich-rcaktionä- ren) Blocks ansieht. Weiters wird gegen die Parteileitung inS Treffen geführt, daß sie di? Mobilisation der Jahresklasse 1919 geschehen ließ, ohne aktiven Widerstand zu verzückten. Frossard hat in einem Artikel, betitelt„Di? Stund« der Schwierigkeiten" auf die kritisch» Lage hingewiesen, in der sich die kommunistische Partei befindet. Nachdenklich stimmt ihn insbesondere die Stagnation der Partei. Er sagt:...eine Partei, deren Bestand stationär bleibt, verliert an Boden. Wir ritz- kieren, Boden zu verlieren. Unsere Sektions- Versammlungen sind dünn gesäct. Man be. zahlt seine Beiträge, man besucht nicht die Parteiversammlungen. Gewiß trägt die Iah' rcözeit dazu bei, aber der M a n g c l a n g e i< st i g c r Kost erklärt diese bedauerliche In- tcresselosigkeit viel mehr". Frossard sieht sogar ein, daß viele Anhänger der kommunistischen Partei vom Sozialismus keine Idee habe»: „Wie viele unter uns sind zum Sozialismus gekommen durch den Haß gcgen den Krieg, an- gezogen durch ein Ideal, das sie nicht immer in Gedanken klar erfaßten, das sie aber durch seine sympathischen Züge verführt?' Man kann von ihnen alle Opfer verlangen, sie werden keines verweigern, sie, die mit den höchsten Opfern die Verteidigung der feindlichen Äiasse bezahlen mußten.(Gemeint ist jedenfalls der Krieg. Anm. d. Red.) Das, was man von ihnen nicht verlangen kann ist die geistige Sicherheit, die ein wichtiges, grundsätzliches Wissen voraussetzt, das unaufhörlich vermehrt und an den Tag gelegt wird". Frossard hat auch den Mut ein- zusehen, daß sich die Entwicklung der sozialen Revolution in Europa nicht so rasch vollzieht, wie man es bis vor kurzem in der kommunistischen Partei noch geglaubt hat. Er drückt dies folgendermaßen aus:„Die Arbeitszeit vollzieht sich mit einer Laugsauikeit, die uns manchmal zur Verzweiflung bringt, es kommt uns zu, sie zu beschleunigen; aber es liegt n i ch t in unserer Macht, alle Etappen zu überspringen". Die Lage in der Partei wird schließlich folgendermaßen charakterisiert:„Und allmählich ist die Krise zur offenen geworden. Die Krise, oder viel- mehr die Krankheit. Malt ist unruhig, m a n hat die geistige Sicherheit verlo- r c n, man sucht nach dem Weg, man hat den Eindruck eines tastenden Marsches in der Nacht, man zögert, man fragt." Bemerkenswert ist schließlich, daß Frossard mit der ihm Seite 2. eigenen Offenheit de» völligen Bankrott der kommunistischen Politik in Tvvoiitvotch bekennt: „Wir baden bieder weder eine?Irbeiterpotitik, noch eine Gewerkschaftspolitik, Iveder eine>^e nhssenschaftspolitik. noch eine'Agrarpolitik, weder eine parlamentarische Taktik, noch eine Parlamentarische Taktit". Nim sage man. ob daö noch eine Partei ist, der alles feblt, was Frossard aufzählt. Intaud. Tas Parlament soll am Ii?, oder 10. Ü( t-.'ber zusaniinrnlrelen. Ob gleichzeitig auch der Senat seine Tagungen aufnehmen toird, soll sich erst in den nächsten Tagen entscheiden. Tie Obmäiinerloiisercnz des Abgeordnctctihanses tvird am 10. de. abgehalten werden. Auch die einzelnen Klubs werden in den nächsten Tagen zusammenkommen. Tie Teutschbnrger licheu, die wohl einsehen, in welche Sackgasse sie durch die ihnen von den jugendlichen dcntschnationalcn NichtsatsloSgehern aufgezwungene Abstinenzpolitik geraten sind, wer- den voraussichtlich beschließen, die Parlaments sitznngen wieder zu besuchen. In der ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses wird der Mi- nisterpräsidcnt das Programm der neuen Re- gicrnng darlegen.'Auch soll die Vorlage des Budgets für dos Jahr 1052 erfolgen. Schönsärbereicn im Auslände. Je mehr der bisher betriebene unglückselige Kurs die Nationen im Staate einander entfremdete, und die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterte, desto eifriger waren alle bisherigen Regierungen bemüht, im Auslände durch Rühren der Reklametrommel den Ruf unserer innerstaatlichen Verhältnisse auf den Glanz herzurichten. Tas kostet Wohl viel Geld und die Unsummen, welche das Budget für den Auslandpropagandadicnst aufweist, geben dar- über einige Aufklärung, aber es hat wirklich zur Folge gehabt, dag das Ausland, dem ständig ein blauer Tunst vorgemacht wird, von unseren innerstaatlichen Verhältnissen keine Ahnung besitzt. So tvird es schon notwendig sein, einmal gründlich über die Sache zu rc- den und den ständigen Schönfärbereien durch wahrheitsgetreue Darstellungen unserer Zu- stände entgegenzutreten. Jede Zeitung im Ausland, die nur irgendwie dein Propaganda- dienst erreichbar ist, tvird für die StimmuugS- mache benützt. Ta lesen wir beispielsweise in der„N e n e n Züricher Z e i t u n g", die früher den Ruf eines unparteiischen Blattes genoß, Artikel über Artikel, die immer aufs neue das Lob unserer, der„Konsolidierung entgegengehenden" Verhältnisse und der angeb lich bei uns betriebenen„Politik der Loyalität" singen. Tic Deutschen werden als der schwarze Mann hingestellt, die stets nur Demagogie treiben und eS noch immer nicht einsehen tvol- len, wie herrlich es ihnen hier ergeht. In dem Artikel über da? neue tschechoslowakische Ka- binctt wird von Dr. Bcncsch als dem„bewährten Außenminister" gesprochen, dessen„Raulen und Programm Gewähr bieten für die Stabi- lisicrnng der tschechoslowakischen auswärtigen Politik". Cernhs Verbleiben int Amte wird freudig begrüßt und vom wiedcrcrnannlen Mi uistcr Srobar wird behauptet, daß seine Er- nennung zum Untcrrichtsnnnistcr eine„weiige. hendc Konzession an die Slotvakcn zur Entfall tung ihres Schulwesens" bedeutet. Wenn das die Slotvakcn lesen würden, die würden Air gen machen! Auch für alle anderen neuen Mi nister hat der Berichterstatter der„Neuen Züricher Zeitung" nur Lob. Stanek und lldrzäl nennt er die„größten farblichen und politischen Talente der Agrarier", kurz, es ist nach ihm ein Ministerium der größten Leuchten und Kirchenlichter. Und alle diese Lobhudelei und Schönfärberei muß die Bevölkerung bezahlen, Benesch und kein Ende? Die„Lid. Novinh" schreiben u. a. über die neue Regierung: „Es scheint, daß es nicht nur zur Eigen- art des jüdischen Volkes gehört, heute„Ho stanna" und morgen„Kreuziget ihn" zu ru» fcn und daß man bald dieses strittige Pro blcm zwischen den Parteien der Mehrheit auswerfen könnte, das selbst Bcnesch mit seiner ganzen Persönlichkeit nicht lösen könnte. Könnte noch nach ihm Schwehla oder ein anderer Ministerpräsident kommen, der sich trauen würde, mit diesem Parla mente ein solche? Problem zu lösen? Wenn ein derartiger Konflikt mit einer Parka mentskrise ende» würde, wäre dies eine in nerpolitischc Krise, die nicht obne Fnsaen ans seine Machtwirknng als Außenminister bleiben könnte. Die Krise dieser Rc gierung würde einen schweren .StaatSkonflikt bedeuten, der bei der Ernennung Beneschs zum Ministerprä deuten sicherlich mit allen seinen Folgen vorausgesehen wurde. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Konflikt nicht mit dem Sturze Beneschs, son dern mit einer Krise und Neu w a h l e n e n d c n würde. Das ist die zweite starke Seite des Kabinetts Benesch, oaß«tan sich bewußt wird, daß es um einen letzten Wunsch geht, mit diesem £ Sozialdemokrat Parlamente z n regieren. Diese Regierung wird nicht abgelöst werden von einer Beamtenregierung und dnrcb den Fall Penesch?. Darin besteht die wahre Starke des Kabinetts Benesch, daß es fähig ist, das Leben des Parlaments länger zu erhalten, ais eS eine andere vermöchte, aber n i ch t einmal diese große Kraft ist sä- h i g, d i e K r i s c d c s P a r l a m c n t S zu beheben, die in seiner Zu sa m- m ensetznng schlu m m c r t." Aehnliche Gedanke» macht sich das„Präger Abendblatt„PrazSky Veeernik". Das Blatt der Klerikalen schreibt unter dem Titel„Ein letzter Versuch": „WaS kann nach der Regierung Benesch kommen? Welches Shstein könnte man dann anwenden, wenn die Mchrhcitsparteien in dieser SchicksalSprobe, der wir gegenüber- stehe», aneinander geraten würden? Ein Bcamtciikabinett? Die Länder mit anSge- sprochcncm Sinn für den Parlameniaris- nins lehnen diese Lösung als Nonsens ab. Oder eine tschechische rot grüne Koalition? Dieses Gespenst ist schon endgültig begraben. Oder die Ausnahme der Deutschen und Ma- gyaren? Unseren heutigen feindlich gesinn- teu Deutschen, der beutigen nach Pest schie- lenden Magyaren? Wir haben diese beiden Tagesstimmen ans- gezeigt, um darzutun, wie weit»och das tschechische Bürgertum von der Einsicht in das Wesen und in die Bedürfnisse dieses Staates ist. So lange nicht der natürliche Grundcharakter der Tschechoslowakei als eines Natiouali- tätcnstaaies von den derzeit Herrschenden er- kannt sein wird, müssen die besten Kabinette von einer Krise in die andere wanken. Biel- leicht jedoch ist eS ein gutes Vorzeichen für die endliche Erkenntnis, wenn sich die tschechische Presse die Frage vorlegt:„Was dann?" Ein neues Kabinett oder Neuwahlen sind doch wieder nur Ausflüchte. Sonderbare Betrachtungsweise. Der natio- nalsozialistische„Pondclnik" bespricht die Spaltung in der A g r a r p a r t e i und iührt sie— ans die bestehende Wahlordnung zurück. Tas Blatt sagt, daß über die Wahl eines bestimmten Kandidaten nicht der Wille der Wähler entscheidet, sondern die Reihenfolge auf der Kandidatenliste. So kommt es, daß nicht nur einzelne Kandidaten benachteiligt werden, sondern auch ganze Gruppen in den einzelnen Parteien, wie es eben bei den Klein baucrn der Fäll war, die von den Großagrari- cru dadurch in den Hintergrund gedrängt wur- den, daß ihre Kandidaten als die Letzten in der Liste ausgestellt waren und daher nicht ge wählt wurden.— Eine solche Auffassung ist o oberflächlich, daß wir eS für nottvcndig Hab tcn; sie hervorzuheben. Tie Entstehung und das Vorgehe» von Parteien kann auf nichts anderem gegründet sein, als auf ökonomischen Vorgängen und die dadurch bedingte Klas- s e n s ch c i d n n g der Gesellschaft. DaS Wachstum der Klassengegensätze auf dem Lande bedingt nicbt nur, daß die Landarbeiter in wachsenden Scharen das Gefolge derAgra- rier verlassen, sondern auch, daß die Kleinbau- ern den Agrariern die Gefolgschaft aufsagen. Mit den technischen Bestimmungen der Wahl- ordnnng hat das blutwenig zu tun. Eine neue Partei. Der„Eas" meldet, daß sich eine neue Partei der„Nationalen Intelligenz in der tschc ch oslo wa- kischeu Republik" gebildet hat, die alle Kategorien der Intelligenz einläd in die eben gegründete Partei einzutreten. Interessant ist, daß diese Partei der tschechischen Intelligenz auch die Beamten deutscher Nationalität orga- nisicrcn will. Der betreffende Aufruf ist von einem gewissen Vohumil I o h u s l a v unter- zeichnet. Wir sind bereit. Der„Berliner Börsen- Kouricr", ein politisch nickst ehe» bedeutsa- mes Blatt, orakelt über den Ncgicrungs- Wechsel: Die Deutschen, die in dieser Ncaierung nicht vertrete» sind, haben keinen Grund, ihr a priori mit Mißtrauen gegenüber- zustehen. Im Gegenteil ist ilmcn ieht Gelegenheit geboten, ihre Taktik, an de- ren Acndernng unter dem bisherigen S»>- stcm nicht gedacht werden konnte, einer Revision z« unterziehen. und sich bereit zu halten für alle Initiativen, die von der neuen Regierung zweifellos anSge- hen werden. Gelingt es Bcnesch an Stelle deS bisherigen einseitig tkchechi- sehen Regimes ein Reaime der Gcrcch- tiglcit zu setzen, dann ist die wahre Eni- österrcichung der Republik vollzogen, die „neue Konzeption", von der Bcnesch ehemals bei seinem Antritte sprach, per- wirklicht. Die deutschen Sozialdemokraten sind schon in höchster Bereitschaft, die Iniiia tiven der neue» Regierung zu empfangen. Ob sie wohl kommen werden? Zutreffender als das zitierte Blatt bcur- teilt wohl der Pariser„Temps" da? neue Kabinett, indem er schreibt:„Die Beibehal- tung des Portefeuilles des Aeußeren durch Dr. Bcnesch und W Ministeriums deS Inner» durch Herrn Ocrny zeigt klar an, daß in Bezug ans äußere und innere Politik gegenüber der früheren Regierung nichts geändert wird."— Was auch unsere Mci- nung ist. st Schwere Anschuldigungen gegen die tsche- chische Agrarpariei. Die Führer der von der tschechischen Agrarpariei abgesplitterte»„Toni ovina erheben gegen die tschechischen Agra- rier schwere Beschuldigungen. So werfen sie ihnen vor. daß die Agrarpariei über einen Dispasitionsfond von 13 Millionen verfüge, den sie von Großgrundbesitzern zur Bestechung einflußreicher Personen erhalten hat, damit sicki die„Domovina" von der Agrarpariei nicht ablöse. Der Sekretär der Agrarpariei 0 l c s n i k soll dem Führer der„Domovina" 1 a r o n s ch versprochen haben, daß er und noch einige andere je 1ÖO.OOO Iv bekommen, wenn die„Domovina" bei der Agrarpariei bleibt. Das Organ der Agrarier bestreitet je- doch, daß dieses Gespräch stattgefunden hat. Zur Spaltung der tschechischen Agrarpariei. Wie die„Domovina,,, das Blatt der tschechi- scheu Kleinbauern schreibt, haben sich bisher zur neuen Partei drei, bisber der Agrarpariei angchörige Abgeordnete gemeldet. Ans takti- scheu Gründen werden ihre Namen nicht an- geführt. 4. Oktober 1921. tigkeü? Es gebe keine interalliierte Regierung die aus Gründen eines umfangreichere» Verkehres die Wiederaufnahme der Wirtschaft- lichcn Tätigkeit auf Kosten Frankreichs begün- stigcn wolle, denn das wäre Verrat. Die deutschen Armeen hätten ihr wildes Vernich- tungswcrk, das heute Frankreich feiner lcgiti- inen Mittel zur Gütcrcrzcngnng beraube, nur vollbracht, um Frankreich zu schwachen, um ihm die Rückkehr zum allgemeinen Wettbewerb zu erschweren. Deshalb bekämpft Clc- mcnccan das Abkommen von Spaa, will von einer Verringerung der Reparation nichts wissen und bezeichnet jeden Versuch einer sol- che» als Erschütterung von Frankreichs Sicherheit. Das Vaterland", dessen hohes Lied er in gellen Tönen singt, ist ihm noch zu wenig zum Kriege gerüstet, Deutschlands„Verbrechen" noch zu wenig„bestraft". Solange Giemen- ceans Geist, darf man nach dieser Rede sagen, über Frankreich noch eine Spur von Gewalt hat, ist es ein Wahn, ans einen Frieden Euro- pas zu hoffen. Es wird Sache der Arbeiter aller Länder sein, die in solchen Rede» auf- blühende Giftpflanze des Chauvinismus in ihren Ländern mit der Wurzel auszurotten. Kopenhagen, 30. September. kW. T. B.) Nach Meldungen bolschewistischer Zeitungen ist es in Baku zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Truppen und der Bevölkerung gekommen. Meh- rere hnndcrt Personen sind getötet worden. Ausland. Die Auguren des Völkerbundes. Am 1. d. M. beriet die Bölkerbundvcrsamm- lnng die Rüstungsbeschränkungen. Es fielen schöne Worte in Menge. Der südafrikanische Delegierte Lord Robert Cecil bekämpfte die Anwendung giftiger Gase und empfahl einen Plan für Rüstungsbeschränkungen, welche die Regelung des Waffenhandels, die Zerstörung von Waffen und Munitionslagern u. dgl. um- fassen soll. Der australische Delegierte erklärte die Versorgung Europas mit Rohstoffen für Jnr politischeu Situation in Sach sen. Bon nnscreni sächsischen Mitarbeiter. Dresden, den 30. September. Vorigen Donnerstag trat der sächsische Landtag zu einer Sondersitzung zusammen, die um deswillen von Bedeutung ist, weil sie zur Klärung der Politischen Verhältnisse Sachsens beitrug. Auf der Tagesordnung standen die Grund- und G c w e r b e- st cnergesctz entwürfe der Regie- r ii n g. Von ihrer Annahme hängt der Bc- stand der gegenwärtigen Regierung ab, weil wichtiger als alle weittönrnde Zukunftsmusik, die Einnahmen unbedingt gebraucht werden, und mit ähnlicher Bescheidenheit empfahl j Schon einmal war um der beiden Vorlagen Branting, lieber über den Stillstand als über j willen eine außerordentliche Sitzung cinbc den Abbau der Rüstungen zu sprechen. Wenn Ereil der Arbeiterklasse die„Durchführung der Pläne zuwies, so enthält das, der Partei- stellnng Brantings ungeachtet, ein erkleckliches Stach Pharisäertum. Wälzen doch so die mäch- tigen Herren des Völkerbundes eine verant- wortnugSschwere Aufgabe von sich auf eine ihnen selbst gelnebelte Klasse über. Aehnlich pharisäisch sprach der französische Delegierte Roblcmaire, weshalb ihm auch die Versainiu- lnng begeistert zustimmte. Zuerst entlockte er der Friedensschalinei die sanftesten Töne, gab vor, Gefühle und Tapferkeit auch beim Gegner zu achten, und stellte es als seinen innigsten Wunsch hin, neben einem friedlichen und freien Frankreich ein ebenso geordnetes Deutschland zu sehen. Dann aber benutzte er die inneren Wirren in Deutschland, um mit einem ob der„erschütternden Tragödie" gerührten und mit einem schlau lächelnden Auge zu versi- chern, daß die Deutschen, ganz anders als die lammweißen Franzosen,„moralisch noch nicht abgerüstet" hätten. So lange heiße es, dem Frieden zu liebe„Gewehr bei Fuß" stehen, und nun sang er unentwegt das wohlbekannte Lied von den„Wiedergutmachungen" und„Si- cherheitcn", von der Fortführung der bisherigen Kontrolle usw. In all dem erblickt Noble- inairc nicht Militarismus, sondern Abwehr künftiger KriegSgreucl, weshalb er niit der prächtigen Fanfare glaubte schließen zu dür- fcn: Ei vis pacem, Para pacem. Aber hinter dem Schafpelz schaut die alte WolfSpranle„Ei vis Pacem, Para bellum" blutig genug her- vor. Fifljer(England) und Lord Cecll deuteten anschließend ein paar schlichterer Zweifel über Frankreichs Pazifistische Methoden an und sprachen ihre Sympathien für die demokrati- schcn Kräfte Deutschland aus, dann schloß die Sitzung mit löblicher, weil zu nichts verpflichtender Einmütigkeit. ElcmeneeanS Rachegeist. Der greise„Tiger" Elcmcncean will ins politische Leben zurückkehren. Bon welchen Ideen er sich dabei leiten lassen will, erhellt aus der Rede, die er bei der Enthüllung des ihm selbst in St. Hermine in der Bandde ge- setzten DenlmalcS hielt. In den drei Jahren feit Deutschlands Niederlage hat Clemcneeau nichts gelernt und nichts vergessen, noch im- mer hüllt er in humanitäre Phrasen eine unstillbare Räch- und Herrschsucht ein. Deutsch- land ist bei ihm nach wie vor von„Hcrrschafts- gelüsten" geleitet, die„Sicherheit Frankreichs" noch ebenso gefährdet. Deshalb solle die Ver- tcidigung Frankreichs allen Mächten höher stehen"f? daS Problem des Stillen Ozeans, deshalb dürfe Amerika sich nicht auf der Wa- shingtoner Konferenz als an Europa uninter- «ssiert erklären. Gebe es jemanden, der nicht erkenne, daß eine finanzielle Niederlage Frankreichs in diesem Äugenblicke für Frank- reich die gleichen Folgen wie eine Niederlage der Massen haben würde? Neberstrahle das wirtschaftliche Leben nicht alle Zweige der Tä- rufen worden, und zwar im Juli. Damals mußten aber die Beratungen vertagt werden. Die Kommunisten lehnten die Steuern ab und die Bürgerlichen hatten den Gewinn davon. Hofften es wenigstens. Denn die Vorlagen hätten den Wünschen der Bürgerlichen entspre- chcnd, verschlechtert werden müssen, wenn sie mit deren Hilfe aiigcnomnien werden sollten. Die Bürgerlichen nützten aber natürlich die Situation überdies noch aus, um sich der Rc- gierung gefügig zu machen, bczw. um sie zu sprengen. Aber die Regierung war gewillt, an das Land zu appellieren und Neuwahlen auszuschreiben. Inzwischen aber hat anscheinend den Kom- innnisten ein wenig gedämmert, wie unver- antwortlich und im Grunde reaktionär ihr Gebahren ist. Wenigstens konnte man das ihr-n jüngst stattgcsnndcnen Landcspartcitag entnehmen, ans dem diejenigen, die die Regie- rungöstürzerei um jeden Preis betreiben möchten» in der Minderheit blieben. Die Mehrheit will„den psychologischen Moment" abpassen, in dem die Arbeiterschaft den Rc- gierungssturz„begreifen" würde. Aber da muten die Kommunisten nun einmal der sächsischen Arbeiterschaft zuviel zu! Diese ist rückständig genug, nicht einsehen zu können, weshalb eine Machtposition— die ohne Zweifel die sächsische Regierung darstellt, denn selbst die Kommunisten geben das zu— zugunsten der Orgeschiten ausgegeben werden soll. In Wahrheit liegen die Dinge so, daß die Kommunisten nur das völlige Versagen ihrer Theorien verschleiern möchten. Sie sind grundsätzlich Anti-Parlamentaristen, unterstützen aber trotzdem seit Anbeginn die gegen- wärtigc sozialistische Regierung. Die Wirklich- kcit steht so sehr in Kontrast mit der kommuni- stischen Auffassung, daß die Arbeiterschaft re- bekliert. Sic versagt den Kommunisten die Gefolgschaft. Daher die kommunistische Neu- Orientierung. Die Kommunisten haben Furcht, sich in Neuwahlen vor der Arbeiter- schaft verantworten zu müssen. So stimmten sie denn in der Sondersitzung des Landtages den Stcuervorlagen der Regie- rung zu. Dadurch konnten die bürgerlichen Verschlechternngsanträge abgelehnt werden. Das Bürgertum ist mächtig enttäuscht. Ihm sind, wie so manchmal schon, die Felle davon- geschwommen. Aber diese Enttäuschung wird nicht wenig zur Aufklärung über die bisher von den Kommunisten verfolgte Taktik, die ja nicht aufgehoben, sondern nur ans einen ge- eigneten Zeitpunkt verlegt worden ist, beitra- gen. Die kommunistischen Arbeiter werden zum Nachdenken über Theorien angeregt wer- den, die in ihrer Anwendung den Interessen der Arbeiterschaft direkt ins Gesicht schlagen. Und sicher werden wiederum viele bisher kom- mun'cstisch orientierte Arbeiter sich zuverlässigere Vertreter ihrer Interessen suchen, als es jene, sind, die jeden Moment durch angeblich revolutionäre, in Wahrheit zumeist reaktio- näre Handlungen dem Bürgertum zum%*¥ umph verhelfeil können. 4. OTtobct 1921. Sozialdemokrat Seite 3. Die westu»Mlsche Gefahr. Die Räumung. Prag, g. Oktober.(Tsch. P. V.) Die Un. garische Regierung hat heute nachmittags de», Ministerin», dcS Aeutzcrn offiziell die Miltci- lung an die Botschaflcrkonscrcnz zur Kenntnis gebracht, das; sie gemäß dem Wortlaute der Rote der Alliierten die>vcst,i»garis»en Komi, täte innerhalb der festgesetzte» Frist räumen werde. Der Botschafterrat für direkte Verhandlungen. Paris, 2. Oktober.(Havas.) Tic Botschafter- konfercnz hat unter dem Vorsitze des italicui. scheu Botschafters Boin Longarc den itallcni» schcn Vorschlag angenommen, wonach die Ka- binctte von Wien und Budapest eingeladen werden, Bevollmächtigte nach Rom zu eutsen- den, um unter dem Vorsitze des italienischen Ministers des Acußern ein Uebercinkoinincn in der wcstungarischcn Frage zu schaffen,^ic Vertreter der Alliierten i» Ocstcrr-ch»nd Un- «arn werden die nötigen Schritt- unteriich- nie». Lssiziclle giänmung des BurgenlandcS. Wien, 3. Oktober.(K.-B.) Allem An- schein nach werden die ungarischen Truppen das Bttrgcnland heute räumen. Die interal- liierte Gencralsmission soll zum Schutze der Bevölkerung OedcnburgS dort bleiben und das Bataillon Osztcnburg unter dein Kommando eines französischen Offiziers als internationale Truppe dort gelassen werden. Der ungarische Bevollmächtigte Hcgcdüs und der österreichische Bev-'^mächtigte Generalkonsul Heim werden bis auf Weiteres in Ocdenburg verbleiben. Bandcnkämpfe. Graz, 3. Oktober.(Tsch. P. 33.) In der Nacht ans den 2. Oktober brachen ungarische Banden über die ungarische Grenze bei Hart- bcrg ein. Ein Teil der Freischärler überfiel ein Haus und raubte Gegenstände im Werte von 150.000 K. Zwischen der Gendarmerie und den Banden fand ein heftiges Fcucrge- fecht eine Stunde lang statt. Deutschösterreich lehnt eine formelle Uebcr- nähme Ocdcnburgs ab. Wien, 2. Oktober. Wie die„Politische Kor- respondcnz" von maßgebender Seite erfährt, scheint die ungarische Regierung die Absicht zu haben, dem Ultimatum der Botschaftcrkon- ferenz dadurch Rechnung zu tragen, daß sie ihre Truppen und Gendarmerie aus dem Bur- genlande abberuft und das Ucbcrgabsprotokoll an die alliierte Gencralsmission in Ocdenburg am 3. Oktober unterzeichne» will. Eine dies- bezügliche Anfrage der Interalliierten Gene» ralsmission, ob die österreichische Regierung gc- neigt sei, ihren Vertreter in Ocdenburg zu beauftragen, das Ucbcrnahmsprotokoll zu un- tcrzeichnen, un, zur Besetzung des Landes zu schreiten, hat die österreichische Regierung dahin beantwortet, dag eine solche Uebergabs- formalität vollkommen illusorisch sein muh. so- lange sich das Land in den Händen der Ban- den befinde. Die österreichische Regierung kann sich keinesfalls mit einer formellen Uebergabc begnügen, sondern sie muß die es- fcktivc Uebergabc verlangen sowie die bc- kannten Garantie» für die tatsächliche Sänbc- rung des Bnracnlandcs von den Banditen und für den zukünftigen ungestörten Besitz. Sie sei daher nicht in der Lage, unter den gcgenwär- tigcn Un,ständen ihren Repräsentanten zur Fertigung des UcbcrnahmSprototollS anzuweisen, ebensowenig könne sie zur Besitznahme dieses Landes schreiten. Eine andere Haltung Oesterreichs kann angesichts der wirklichen Verhältnisic in Ungarn von keiner Seite er- wartet werden und es ist undenkbar, daß eine österreichische Regierung nach den gemachten Erfahrungen ohne die erwähnten Garantien den Versuch, das Land in Besitz zu nchnien, erneuern würde. Im Sinne der Friedens- Verträge, sowie des Ultimatums ist es Pflicht der alliierten Mächte, das Land an Oesterreich zu übergeben. Ein Aufruhr in Portugal. Paris, 2. Oktober. Nach einer Havasmel- dung aus Lissabon wird von dort halbamtlich mitgeteilt, daß ein AusstandSvcrsuch unternom- men, aber gescheitert sei. Der Ministerrat soll unter Vorsitz des Präsidenten der Republik zusammentreten. Die Ordnung sei endgültig sichergestellt. Der Aufruhr in Albanien. Ein Neberfall der Albanesen. Belgrad, 2. Oktober.(Tsch. P. B.) Einer Meldung aus Podgorica zufolge übersielen die Albanesen serbische Besatzungen in Gösch und Krsteniee, nördlich vom Skutarisee. Albancsi- sche Banden bereiten einen Angriff gegen ZNava vor. Der Aufliand in Indien. Moslems gegen Hindus. London, 2. Oktober. Reuter meidet a»s Ealicut: Die Lage in Milattu gestaltete sich sehr ernst. Die Aufständischen stellen den Hin- dus die Alternative: Tod oder Islam. Wenn |te zöger», wird den Opfern befohlen, ihr Grab zu graben, und wenn sie sich noch weiter weigern, den Islam anzunehmen, werden sie er- lchosscu. Es wurde vollständige Homerulc pro- klamiert. Tie den Hindus gehörige Ernte wurde beschlagnahmt. Tie Hindus flüchten. Mehr als 2000 Flüchtlinge befinden sich in Oeriiltalmanna. vom Völkerbund. Abkommen über die Danzigcr Eisenbahnen. Genf, 2. Oktober.(Tsch. P. B.) Das 33i.il- kcrbnndssclretariat beröfscnlicht eine ausführ liehe Mitteilung über das Abkommen, das auf Grund der direkten Verhandlungen vom 23. September zwischen der Danziger und der pol- nischcn Telcgation in Genf zustande gekommen ist. ohne daß es notwendig war, den Völker- bund erst anzurufen. Danach gehören die den Hafen bedienenden Eisenbahnen dem Hasen- rat. Ter Hafcnrat und die Frcistadt Tanzig unterhalten Vertreter bei der polnischen Vcr- waltnng. Tas Eigentum und die Verwaltung der Straßenbahnen und der schmalspurigen Eisenbahnen wird Tanzig zugesprochen. Tas Eigentum»nd die Leitung der anderen Bah- ncn, sowie die Gebäude der Hanpteiscnbahn- Verwaltung fallen Polen zu. Tie polnische Verwaltung muß sich den Polen und den Tan- ziger Beamten gegenüber der deutschen Sprache bedienen. Tie polnische Sprache kann, wenn es für den Betrieb unbedingt notwendig ist oder dem polnischen Publikum gewünscht wird, angewendet werden. Tic Bekannt- machui'gcn aus den Bahnhöfen müssen in dcnt- scher Sprache abgefaßt sein. Tie offizielle Währung in der Eisenbahnverwakttlng ist die dent'chc Mirk. Polnisches Geld ist nur in Ueberciilstimmnug beider Beteiligten zuzulas- sen. Tie anderen 33cstin'"»li,gcn d"i Abkommens beziehen sich ans Tieuern»nd Gebiih- reu, ans die Versetzung von Beamten und Ar- bester», auf das Versicherungswesen, sowie ans die Renbeschnng srcig,-wordener Stellen, bei denen den Tciuz-gcru grundsätzlich die Priori- tät zugesichert ist. Schließlich verpflichtet sich Polen, Tanzig für die vorläufige Verwaltung des Bahnnetzcs öl) Millionen Mark zu zahlen. Tas Abkommen sieht für eine Reihe von Fra- gen, die noch offen sind, weitere Vereiilbarun- gen vor. Der griechisch-turkische Krieg. Die Griechen weiche«. Paris, 1. Oktober.(Havas.) Ans Angora wird amtlich gemeldet: Die Griechen haben an der Front Afiuu Karshissar, Eai»nd Bula- vadin geräumt. Tic Türken er'-'' n die Linie Paschakcj Scmakli(?). Furchtbarer Kamps zwischen Bolschewiken und Moölemimö. London, 3. Oktober.(Reuter.) Zwischen russischen Bolschewiken und Moslemen kam es zu einem Kampfe, wobei einige tausend Personen getötet und verwundet worden sein sollen. Die roten Abteilungen eröffneten ein Feuer aus den Schiffen am Kaspischen Meer. Nach erbittertem Wider- stände räumten die T a r t a r c n B a k u, um dessen Vernichtung hintanzuhalten. Die Bolschewiken hätten sich bereit erklärt, zu un- (erhandeln. Der sozialistische Wahlsieg in Schweden. Stockholm, 3. Oktober.(Tsch. P. B.) Nach dem endgültigen Ergebnis der Wahlen zur zweiten Kammer haben die S o z i a l d e- m o k r a t e n 3 3 Mandate, die Konservatl- den 62, die Liberalen 41, der Banernbund 2t, die Linkssozi allsten G, die Kommunisten 7 Mandate erhalten. Die bürgerlichen Parteien haben an die sozialisti- scheu und kommunistischen Parteien 2 4 M a n- dateverloren. Gorki prophezeit das Ende des Sowjet- regimes? London, 3. Oktober.(Renter.) Maxim Gorki erklärte dem russischen Korrespondenten der „Daily News", er sei überzeugt, daß das Sow- jetregime in Rußland verschwinden werde, trotzdem sein Einfluß in den Reihen der Arbei- terschast andauere. Wahrscheinlich würden die Sowjets durch eine sozialistische oder durch eine demokratische Republik ersetzt werden. Die Rivalität der Italiener und Süd- slawen. Belgrad, 2. Oktober.(Tsch. P. B.) Blätter- Meldungen zufolge ging gestern«in schriftlicher Bericht des Ministerpräsidenten Pasitsch au den König über die innere und äußere Lage ab. In dem ausführlichen Berichte über die äußere Lage hebt der Ministerpräsidcnl beson dcrs die ungarische und die albanische Frage, wciterS die geheime Verständigung zwischen Italien und England bezüglich Albanien- und die unfreundliche Haltung des italienischen Gesandten bei der Botschafterkmiscrenz gegen> über Serbien in dieser Frage hervor. Tie in- goslawische Regierung wird gegen diese Ver ständigung Verwahrung einlegen, weil eine solche ohne Befragung der kleinen Entence»n- zulässig sei. TlMg-Nenm knien. ?! n unsere Leser! Infolge einer Betriebsstörung im Präger Elektrizitätswerke war der Betrieb der Druckerei unseres Blattes gestern spät abends durch das Versage» der Licht- und Stromleitung fast eine Stunde lang stillgelegt. Die heutige Nummer des„So- denwkrat" konnte daher nur 1 Seite» stark zur ?liisgabc gelangen. ?l»S dem?lrmccbcfehl dcS nen'n Ministers für Nationalvcrtcidigung. Ter neue Mini ster für Nationalvcrtcidigung Udrzcil hat an Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten einen Antrittsarmcebefchl erlassen, in dem zunächst festgestellt wird, daß der Ausbau der'Armee fast vollendet ist.'Aus dein übrigen Teil des Befehls zitieren wir folgende Sätze:„Das Mi- nisterinm für Nationalverteidigung hat... die technischen Vorbedingungen eines gemein- same» Borgehens der verbündeten Wehr- mächte für den Fall geregelt, daß sich die Not- weudigkcit ergeben sollte, mit Waffen die durch so viele Opfer des Weltkrieges erkaufte Ordnung zu schützen.—'Aus den übereinstimmenden Kundgebungen aller Teilnehmer au der Inspektionsreise ohne Unterschied ihrer politischen Zugehörigkeit schließe ich zuversichtlich, daß unsere gesetzgebenden Körperschaften alle Maßnahmen treffen werden, um unseren Truppen, den Hütern unserer Selbständigkeit und Treibest-», die schwierige Auf- gäbe der Valcrlandsvcrtcidiger nicht zu er- schweren.— Ich begrüße und heiße die Blüte der Jugend, welche soeben o h n c R ü ck s i ch t aus die p o l i t i s ch e und» a tionale Zugehörigkeit unter die Fahnen tritt, tv i l l k o in m e u. Nach den Worten unseres Präsidenten ist uns jeder, damit uns ans dem Boden der Republik steht, gleichermaßen herzlich willkommen. Wir erachten die Wehrpflicht als S ch u l e d e r B ü r- g c r t u g c n d c n, tvobei niemand von uns der Letzte bleiben will."— Um dem Zensor sein schweres?lnit zu erleichtern, bitte» wir unsere Leser, diese Zitate selber mit dem nöti gen Kommentar zu versehe». Der Bäckerstrelt in Prag wurde gestern nachmittags beigelegt. Tie'Präger werden also heute früh schon wieder Brot und Sem- mein erhalten. Ans dem hungernden Rußland. Roch einem Fnnlspruch a»S Moskau lind im Monate August aus den.Hnngcrgebicten 304.000 Arbeiter, «51.000 Flüchtlinge, 1107 Kriegsgefangene, 1410 Auswanderer und 5500 Invaliden abg e schn- b c n worden. Im Sevtember wurden 37.000 ?lrl>eiier und 17.000 Flüchtlinge abgeschoben. Im Zeiträume Juli—September sind vom Bolls- kommisiariat zur Zlbpropiiioniernng uuter anderem 14,333.000 bstid Saatgetreide, 1.178.000 Bud Getreide, 33.000 3! vd Bohnen, 7".ono B»d Eier, 300 Pud Zucker und Salz in das Hunger- gebiet gesandt worden. Eine Niederlage KrcibichS in Zwitta». Tie Kommunisten, welche sich um die Zwittancr ?lrbe!tcrschaft bisher vergeblich bemühte», Hai- ten für den letzten Freitag eine BolkSversanim- lnng einberufen, in welcher Krcibich als 3ie- fcrcnt erschien. Die kommunistische Bezirks- lcstnng hatte auch den Genossen N o h e l zur Liersammlilitg geladen, in der Hoffnung, da- durch ihren Bombenerfolg zu erhöhen. Sie erlebten jedoch eine ganz ungeheuerliche Enttäuschung, wie sie ähnlich weder ihnen noch Herrn Kreibich jemals passiert sein dürste. Tic Be- sncher wareil in Massen erschienen, sa daß sich das Lokal des SchießstäitcsalonS als viel zu klein erwies. Tas große. Interesse an dieser Versammlung zeigte sich in dem zahlreichen Zuspruch unserer Genossen und Genossinnen, unier denen das kleine Häuflein Kommunisten, welches ans dem ganzen Bezirke zusaiumenge- trommelt worden war. förmlich verschwand. Herr Kreibich hielt ein„sachliches Referat" über die geschichtliche Entwicklung des Sozialismus, bei dem er nicht verabsäumte, die zweite Internationale und die sozialdemokrati- scheu Führer zu verleumden. Genosse Rohel rechnete mit dem Redner gründlich ab und der „große Kreibich" wurde immer kleiner und kleiner, als er bemerken mußte, daß seine Phra- sen keinerlei Wirkung auf die Zuhörer äußer- ten. In serner nochmaligen Entgegnung war seine Erregung so gestiegen, daß er sachliche I Momente überhaupt nicht mehr vorzubringen im Stande war. Es bedurfte der ganzen Energie des Genossen Nohel, um zu verhindern, daß die Versammlung, empört über das'Verhalten Kreibich'.», diesen nicht an die Lust setzte. Es regnete ans der Versammlung förmlich Zwischenrufe, deren Trefflichkeit Herr Kreibich nichts entgegenzusetzen wußte. Wie eine Bombe wirkte ans die Versammluiigstcilnch mer die'Aenßernng KieibichS, daß der Kommu- »Ismus Hunger, Krieg, Zerstörung und Lahm- iegiing der ganzen Wirtschaft bedeute und daß mit einer Dcrbe'serntig augenblicklich nicht z» rechnen sei. Räch dem Schlußworte KrcibichS kam Genosse Ratzel auf besonderen'Wunsch der Versammlung»och einmal zu Worte. Es war eine moralische Hinrichtung, die dieser au Kreibich vollzog. Tie vorgebrachten Lügen nn-> Entstellungen wurden in einer Weise zcr- pflück!, daß angesichts der donnernden Zustimmung, die der Redner fand, Herr Kreibich und auch sein spärlicher'Anhang nicht mehr aufzumucken wagte. Tiefe denkwürdige Ver- sainmlnng, die sehr deutlich zeigte, wie es um die Kommunisten steht, wird den Konnnuni» sten und auch Herrn Kreibich wohl lange in Erinnerung bleiben. Tie„kommunistische" Versammlung fand ihren Abschluß mit einem begeisterten Hoch ans die Wiener Arbeitsge meinschaft. Eine Kundgebung der Staatsbeamten und -'Angestellten in Komota». In Komotan fand Sonntag eine imposante Kundgebung der Staatsbeamten und'Angestellten für ihre Fvr- dernngcn statt. Nach einer lebhafte»'Aus- spräche wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die heute am 2. Oktober 1021 in Komotan versammelten Staats»nd öffentlichen Angestellten, Lehrer und Ruhe- ständler stellen, gezwungen durch ihre von Tag zu sag steigende Notlage folgende Fordern» gen auf: 1. sofortige Durchführung der Sin bilisierung der Gehälter bei Volt kommcner G l e i ch st e l I u n g s ä m t l i ch c r P ensioni st e n mit den'Aktiven nach dem Entwürfe Panels; 2. unbedingte'Aufrecht e r h a l t» n g der Parität für die Volks- und Bürgerschullehrerschaft; 3. vollständige Novellicrung d e s? u r ch r e ch- » n n g s g e f e tz c s und Aufhebung der dem Wille» des Gesetzgebers widersprechenden Durchführungsverordnung: Perdoppel- lu» g der N o t a ii s h i i s e als Entschädi g ii» g für die durch die Entziehung der Brut* und Mehlkarten und die zunehmende Teuerung aller Bedarfsgegenstände entstandene Mehrbelastung; 3. Gewährung einer einmaligen, den gegenwärtigen Verhältnissen an- gehaßten A n s cha f f nngSbeitrag e s; t!. Verschiebung der?l b,z ü g c der Ra- ten für die Staatsbekleidiingsaktion. Zlom Schnellzug getötet.'Ans Aussig Ivird gemeldet:'Als Donnerstag nachmittags der Bierkutscher Wies» er mit seinem Wagen von Großpriesen elbeanswärls fuhr, Ware», als er in Waltirsche zur Bahniibersetziing kam, die 3lahnschralikcn nicht geschlossen. Er fuhr über die Geleise. In diesem Moment kam der Schnellzug der Oe. N.-W.-B. und fuhr in de» Wagen hinein. Ter Wagen wurde zcrtrnm inert, der Kutscher sofort getötet und ein Pferd leicht verletzt. Das andere Pferd blieb nnbe- schädigt. Ter Bahnwächter gibt an, daß die Schranken geschlossen waren. In der gestrigen Präger Geineindernlssitzung wurde Genotz'e Josef Winternitz(Bank- bcaniter) in den?l n S s ch u ß der st ä d t i s ch e n Sparkasse gewählt. Srhalschc Philharmonie. A. B a r l a k dir!« giert am 4. Oktober um 358 illir abends im Smctonasaal die Schakschc Philharmonie. Programm: Tebussy: Tas Meer, Liadov: 33aba Iaga und die I. Svmphoiiic von Bojacek(zum ersten Male in Prag). „Urania." Heute 8 Uhr: Polizeirat T ait a- r ii g a-Wicn„Heiteres ans der Polizeistnbe". ?!ach dem großen Erfolg des ersten Abends bringt T. heute sehr komische und drastische Vorfälle mit echt Wiener Typen, die er meisterhaft dar zuslellen versteht. Karten 8—Z Kr. Urania- Kanzlei und an der Abendkasse, Sinelschkag. 23. —„D euts ch e K u l t u r." Pfarrer Dr. Z i I• chert. Zehnstündiger Kurs. Beginn: Donnerstag, den(i„ 0 A Uhr. 1.„Mythologie." KurSkarten 30 Kronen. ■UMatwimw"«mw■ w——i—-v-iuwwiupw• Kleine Chronik. Tie Meldungen über den Tniin-Skandal be sagen, daß die Summen, in» die eS sich dabei handelt, immer größer werden. Tic bereits be saunten Peiräge belaufen sich ans 2A Milliarde». Stnrinkatasiroph« in Kanada.? o n d o n, 3. Oktober. cRentcr.)„Dailp Mail" meldet aus ?Aontreal, daß ein besilaer Sturm in ganz Ka- nada eine Reihe von Unglücksfällen und erheb- lickie Schäden angerichtet bat. Ein großer Fabritöbrand. Leeds, 3. Ol tobcr. iReiitcr.) Eine große Seifenfabrik wnide dnrch eine» Brand vernichtet. Der Schade» ivird auf 230.000 Pfund Sterling geschätzt. Ein Flugplatz von riesigem Umfang soll, wie die Blätter melden, in der nächsten Zeit in der Ilingcbilng der Stadt Mailand errichtet werden. Ter Flugplatz wird 2? Gebäude umfassen, welche gegen.",00 Flugzeuge aufnehmen werden. IBdSefc Volkswirtschaft und Softalpolltlk. v«garbciterstrelk im Aakonitz« Sohlen- rcvicr. Im ganzen Rakonitzer Steinkohlen, «vier brach gestern früh beim Schichtcnwcchscl ein Bergarbeitcrstrcik aus. Bis jetzt streiken -500 Arbeiter. Die Ursache des Streikes bildet der ablehnende Standpunkt der Regierung, insbesondere des Finanzministers. die Kohlen- stener in gerechter Weise zu regeln. Ter Streik im Berliner Gastwirtgewerbe dauert unverändert weiter an. Am Sonntag waren fast alle größeren Betriebe geschlossen. »Verschiedentlich kam es zu Ausschreitungen. Bauarbciterstreik in Paris. Die Bauarbeiter von Paris und Unigcbung habe» beschlossen, wegen Lohnstreitigkciten in den Ausstand zu treten. Streik der spanischen Eisenbahner. Die Lon- douer Blätter melden aus Madrid: Die spani- schen Eisenbahner, deren Forderung nach Ein- snhwng einer achtstündigen Arbeitszeit ab- schlägig bcschicden wurde, drohen mit dem G e- n e r a l st c c i k. welcher auf einem Teile der Hauptstrecke bcrcitsau«gebrochen ist. Der Wert der Krone. Es kosten: 100 Holland. Gulden 3111100 Mark 78, 100 scbwciz. Franken 108114, 100 Lire 380, 100 franz. Franken 683J4, 1 Pfund Sterling 362, 1 Dollar 9714, 100 belg. Franken 08114, 100 Peso 122C.J4, 100 Dinar 101)4, 100 Lei 85, 100 östcrr. Kronen 1,07)4, 100 poln. Mark 1.70, 100 ung..Kronen 14.15 tsch. Krone». vercinsnachrichten. Eine Sitzung der Zentralstelle für das Bil- dungswesen fand im Anschluß an den KurS für Vildungsfunktionäre in Prag statt, in der die Vorschläge des.Kurse« zur Beratung standen. Die Vorschläge wurden angenommen und mit der Durchführung die Zentralstelle beaustragt. Versammlungen in Lstböhmen. Am 1. und 2. Oktober sanden in WcckclSdors, Braunau und Halbstadt Versammlungen statt, in welchen Gc- uosse Dr. Heller referierte. Alle Versammln»- gen waren sehr gut besucht. In B r a u n a» waren zwar Kommunisten auwcscnd, meldeten sich jedoch nicht zum Wort. Der Antrag, dem Klub der deutschen sozialdemokratischen Abgcord S»zi«lde«okr»? treten und Senatoren das vollste Vertrauen aus- zusprechen, wurde einstimmig angenommen.— In Halbsladt sprach der Kommunist Inst recht konfuses Zeug, das zu widerlegen nicht schwer war. Kunst und Msseu. 10 volkstümlich« Konzerte, l. Konzert 9. Ok« tobcr, A4, Produktenbörse. Mitwirkend Georg S z e l l, Dr. Rudolf Teller, Paul S ch o- b ert und die Akadcmieproscssoren Schwei da, A l t und Tomtschitschek. Das auS Werken Franz Schuberts bestehende Programm enthält außer dem berühmten Forellenqnintclt und anderem die prachtvollen As-Dur-Varia- tionen und die Militännärsche zu vier Händen, welche, obzwar nie öffentlich gespielt, doch zu den herrlichsten Eingebungen deS Meisters ge- hören. Abonnements von Kr. 10 bis.Kr. 100 für alle 10 Konzerte. Einzclkarlen von Kr..1 bis .Kr. 12 und Steuer bei Wetzl«. Neues Deutsche» Theater. Heute Dienstag „Die schöne Helena" mit RomanovSky. Sonntag„TaS Mädchen aus dem goldenen Westen". Turnen und Sport. Ergebnisse der Herbstserienspicle im I. Bez., V. Kreis de« Arbeiter-Turn- nnd SporiverbandeS .(am 2. Oktober in Prödlitz). Fan st ball: i Ausüg—Tchönscld 90:109. Prödlitz-WiNitz 94:97, Prödlitz—Tschocha» 94:82, Tünnitz—Glashütte 80:92, Schrcckrnstein-Prödlitz 87:82, Lerchenfeld— Aussig 89 00, Glashütte—Schrcckenstein 75:75, Pokau—Schrcckcnstcin 55:90, Tschochan—Lerchen- seid 59:80, Tschochon—Glashütte 53:72, Wiklitz— Lerchenseld 50:81, Prödlitz—Pokau 87:03, Wik- litz—Polau 77:45, Tschochan—Pokau 01:39, Tschochau—Schrcckcnstcin 42:70.— Schlagball: Schönfeld—Aussig 57:34, Lerchenseld— Aussig 80-20, Glashütte— Türmitz 37:44, Tür- mitz—Schönseid 33:37. Aussig trat nur mit neun Mann an. in vielen Mannschaften fehlten die Besten infolge Einrückung zum Militär. Trotzdem diirchweg-5 schöne Spiele mit zufriedenstellen- der Technik. Fußball. Freundschaftsspiel. Türniitz la gegen KrciS- nicister V. Kr. Wciskirchlitz 3:3(3:5). Türmitz scheint ein ernster Rivale des KrciSmcistcrS zu werde«. Im Anfang Ware« beide Mannschaften etwas nervös, fanden sich aber bald zusammen. Nach einigen Angriffen gelang es Türmitz, durchzukommen nnd der Ball saß im Netz. Bald darauf verschuldete Türmitz Hand im Straf- räum,„Elser" WeiSkirchlih zieht hiedurch gleich. Halbzeit 1:1. Dann wurde die Sache recht heiß, doch hielten sich die Spieler in den vorgeschrie- denen Grenzen. Die Torwarte beiderseits hatten tüchtige Arbeit z» leisten, Türniitz sendet nach schönen Durchbrüchen zweimal ein, die Weis» kirchlitz« Angriffe, die nun schnell anfeinnnd« folgten, zerschellten an der Türmitz« Vertcidi- gung, doch gelang es durcli zwei elegante Flügel- angriffe auszugleichen. Ein schönes, technisch hochstehendes Spiel. Schiedsrichter Kassier gut. — Vorher spielten Türmitz ll>—Klcischa 1b 1:1. Zuschauer 2000 Personen. Deutsch« Fußballklub Prag gegen Teplitzer Fußballklub 1903 in Teplitz 1:1(Halbzeit 1:1). Der Teplitzer Fußballklub, der sich in letzter Zeit mit seinen hervorragende» Resultaten gegen in» und ausländische Vereine den Ruf des besten deutschen Fußballklubs der Republik erwarb, ging Sonntag mit mehr Ehancen in den Kamps.— T. F. K. hat Anstoß, ist in den ersten Minuten überlegen und erzielt durch den linken Flügel (Tampc) das einzige Tor. D. F. E. kommt bald auf und erzwingt nach aufopferndem Spiele in d« 5>0. Minute den Ansalcich(Fehler des rech- »cn Verteidigers des T. F. K.). Knopp vor der Halbzeit stellt der Sckücdsricht« einen Mann vom D. F. C. a»L. Gleich darauf karamboliert der rechte Flügel der Teplitzer mit dem D. F. C.- Goalmann, wodurch dieser spiclunsähig wurde. — In der zweiten Svielliälftc tritt der D. F. E. mit 10 Mann an, während der T. F. K. für den verletzten Göring als Ersatz Habcrstroh einstellt. Trotzdem ist D. F. C. den Tcplitzcrn überlegen und hätte den Sieg verdient. Der D. F. C. kann auch mit dem erzielten Resultate zu- frieden sein, zumal der T. F. K. nacki der Pavicr form die bessere Mannschaft stellte, die jedoch in der zweiten Halbzeit eine mindere Leistung bot. Schiedsrichter gut: Publikum nervös, wie es bei Spielen D. F. C. gegen T. F. K. immer der Fall ist. Bestich scbr gut. A. C. Sparta Prag gegen Viktoria Zizlow 3:0 (2:0). Sparta ohne Kada, Viktoria ohne Seifert. Die erste Halbzeit waren beide Mannschaften aus gleich« Höhe und überboten sich im Drüber- und Dancbcnschicßcn, wobei sich besovders Pro- ». Oktober ISA. z top(Viktoria) und Sroubek(Sparta)-uszeich. ncten. DaS erste Tor resultierte auS ein« Ecke, die Mazal verwandelte, da« zweite mochte Ianda, dem der Ball von Mazal gut vorgelegt wurde. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war Viktoria Zizkow überlegen, ihre Angriffe verliefen jedoch erfolglos, ebenso ein Penalty, den Steiner ver- schoß. Die Sparta fand sich hieraus zusammen nnd erhöhte in der II. Minute durch ein scköneS Kopfgoal das Score ans 3:0.— Der restliche Teil der Spielzeit war mit wechselnden Angriffen erfüllt, die entweder durch die Hinlcrmannsckiaft aufgchaltcn wurde» oder im Out endeten. Den beiden Tormännern war in der zweiten Halbzeit nicht viel Gclegenbcit geboten, ibr Können zu zeigen. Spiel scharf. 9000 Zuschauer. Schiedsrichter Zcnischck. Heransgeber: Dr. Ludwig Ezech und Karl Ccrmal. Verantwortlich« Redakteur: Dr. Emil Strauß. Druck: Zlktiengescllschast Tribuns, Prag. Mitteilungen aus dem Publikum. Anzeige. Allen den Tausenden unserer Kunde«, welche bei uns Anzüge zu Kr 550.— besorgten und den Wunsch aussprachen, den Be- darf zu decken, teile,i wir höflich mit, daß für die Hcrbstsaison eine große Auswahl aller Sorten von Anzügen vorhanden sind, und laden wir daher die P. T. Kunden zur Beschau unserer Lager erstklassig verfertigter Anzüge ein. A. Bayer& Cie., Prag, vis-5- vis dem Pulvcrturm. 06. Erste Marke der Welt! Rcmington Standard-- Schreibmaschinen mit vollständig frei sichtbarer Schrift und modern- llen Einrichtungen. Neueste Modelle B.-rführungcn allerorten kostenlos und undcr- bind'::!,. Nomin-'ton Sckireibmaschincngcsell- scvalt ui. b. H., Prag l., Cclctna nl. 35, vis-ü- vis dem Obccni düm, Telephon 2371. 107. Tclbstschrcibcnde BurronghS«AdditionS« Maschinen der Firma Glogowski