r L s? . 5— Jahrgang. Nr. 30. Sozialdemokra oeiilrftlorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen ReNuviik. Redaktl Telefon 670b, nachlS K707.^^)"0«bedin!iunqen: Bei Iustellunq in« Hau« oder bei Be,nq durch die Dost monatlich IG*— Kc, Boll»«iXronto fttt S jiaIbem0fta'?raB-°'«'el,Shrlich 48-- Kc, halbjährig Off- K6. ganzjährig 102° Kf. Mr D.utschSsterreich monatlich ,20-- öK, für Teu.fchlnnb tff- k. 1, Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich frlih. Kriegsgefahr in der Hbrla? Jugoslawische und italienische Truppenkon- Zentrierungen. Rom, 4. Oktober(Ag. Sief.) Die Blätter veröffentlichen folgende Mitteilungen der jugo- slatvischcn Gesandtschaft: »Mit Rücksicht darauf, dag die Regierung von Tirana niobilisicrt» Truppen an den Grenzen Jugoslawiens konzentriert und die Demarkationslinie verlebt, sieht sich die Re Anf demWeae zur Eiuianua.!^ keinesfalls eine mit der Deutschen J J J Volkspartei vorzuziehen. Die Unabhängigen habe,, in ihrer Antwort Die Anfrage der Sozialdemokraten an die Unabhängigen, ob sie geneigt wären, in eine RcgicrnngSkoalitiou einzutreten, und die Antwort der Unabhängigen kann in Hin- blick auf den nicht nur die Unabhängigen verstimmenden Görlitzer Parteitag als be- deutsame Annäherung der beiden Arbeiter- Parteien betrachtet werden.„Wenn die S. P. -fc. W.l..I.WIIU4IV1.1IH Uli III», ,1(1, vir 0tc»_..'—„—:.— r gi-rung des Königreiches SHS gezwungen.-?' an un8 bte" raflC stellt", so antworten die Besatzungen an den albanischen Grenzen hlc Unabhängigen,„ob und unter welchen zu verstärken, um Ucbcrraschnngen vorzu-! Bedingungen die U. S. P. bereit wäre, in beugen.", das Kabinett einzutreten, so müssen wir(die Die„Tribuna" charakterisiert die Rote als! Unabhängigen) vor der Beantwortung unglaublich und überraschend. Das Blatt j dieser Frage unsererseits fragen, ob alle sägt: Die Rote stellt ein ungewöhnlich ernstes! Koalilionspartcicn dazu bereit sind, mit der Ereignis dar. Offenbar will sich Jugoslawien U. S. P. D. eine Regierung zu bild-n, der nördlichen iote Albaniens bemächtigen, welche die Durchführung obenstehender For- aber nicht eininal Großbritannien koiinte Ter- bicn während der letzten Verhandlungen zwi lifipfl h<*11 noft/ttfim hrtf? öS OffhAttfoi derungen trachtet als ihr Mindestprogramm be Dies ist keine absolute Ableh scheu den Alliierten gestatten, das) eö Albanien,„V.'„irh C i„Th™ Z plötzlich überfalle. Wir hoffen, daß de la Tor-\ i, 9.' U r b"$ retta in den, Gespräch, welches er mit dem traten n,cht als solche empfunden. Im Ge- ocntcil! Der jniiui' i" bcarnüt dielen jugoslawischen Gesandten hatte, eine energische Sprache sübrt und ihn, klargemacht habe, das; die italienische össcntlich« Meinung einen An- griff auf die Unabhängigkeit Albaniens nicht dulden könnte.„Epoca" sagt, dag das Bor- gehen Jugoslawiens, welches die Welt vor eine fertige Tatsache stellen soll, eine Beleidigung des Völkerbundes sei. Die albanische Frage, die schon so oft den europäischen Frieden gefährdet hat, nimmt also wieder einmal ernste, ja bedrohliche For- men an. Die Ankündigung der jugoslawischen Regierung weckt in Italien die Befürchtung, daß das Königreich<3. H. S. die albanischen Unruhen benutzen will, um gegen die Schills- selhäfcn des adriatischcn und ionischen Meeres, Durazzo und Valona, vorzudringen. Dadurch sehen sich die Italiener an einem lebenswichtigen Punkte bedroht»nd so verdichtet sich ihre Sprache, die schon gelegentlich der West- ungarischen Frage des öfteren ernst genug gc- klnngen hat. zur einer scharfen Warnung. Die letzten Friedensverträge haben eben durch die Schaffung eines großscrbischcn Staates das Problem der Adria für Italien schmerzlich und brennend gemacht, mit eifersüchtiger Wachsamkeit verfolgt es den NuSdehnungs- drang des gefährlichen Konkurrenten. Für Europa fügt sich der neue Streitfall in die beängstigende Kette der Gefahren ein, die sei- uen Frieden schon genügsam in Frage stellen, ringsum sieht sich Europas Menschheit, wenn sie nach Polen, Rußland, Westungarn und Oberschlesien blickt, von lauter Kriegsmöglich- leiten umwittert. Die Arbeiterschaft der Tschechoslowakei int besonderen muß doppelt auf der Hut sein. Verbindet doch unseren und den südslawischen Staat ein weitgehender, in seinen letzten Verpflichtungen gar nicht bekannter Vertrag. Die von Bcnesch betriebene Geheimdiplomatie könnte unS binnen kurzem vor die Notwendigkeit stellen, den südslawi- scheu Ansprüchen auf die Adria zuliebe neue Kricgsgreuel über uns ergchen zu lassen. Sol- chent düsteren Ausblick gegenüber hat die Ar- beiterschast aller Nationen nur die eine hei- lige Pflicht, dem Krieg der Imperien und Ka- pitalien geeint den Krieg zu erklären. Ändernnn der internationalen gestattet nicht den Anschlich an Deutschland, der dem Selbstbestimmiingsrecht der Böller ebenso wie den wirtschaftlichen Bedürfnisse» an die S. P. Ä. Klarheit darüber verlangt, des Landes entsprechen würde. Die Passivi» ob alle Koalitionspartcien dazu bereit sind, tat des gesamten Zahlungsverkehrs mit dem mit der U. S. P. unter den von ihr erhöbe- Ausland, die jedes Jahr in die Hunderte neu Forderungen eine Regierung zu bilden. Millionen Goldkronen geht, hatte einen Die Sozialdemokraten haben ihrerseits in Kurssturz der Valuta zur Folge, der nur dem montagigcn Leitartikel des„Vor-^ noch von dem der polnischen Marl über- wärts" eindeutig geantivortct. ES wird j troffen wird. Der durch den Mangel an nun Aufgabe der Sozialdcmolraten sein, die! Nahrungsmittel und die Entwertung des bürgerlichen Parteien, Zentrum und Demo- Geldes hervorgerufene Notstand der Bevöl- kratcn, zur gleichen eindeutigen Antwort zu kcrung Deutschösterreichs hat zwar in der bewegen. Die Mindestforderungen der Un- ganzen Welt das Mitgefühl aller Kultur abhängigen sind für jede Partei, die ehrlich j menschen erweckt, ober dieses sentimentale republikanisch ist und Deutschland vor natio-s Gefühl verdichtete sich nicht zum politischen nalistischen und anderen Unruhen bewahren will, annehmbar. Es wird sich min er- weisen, ob das Zentrum und die Demokra- te>, die Selbsttäuschung, die in dein AuS» weichen vor dem Steuerprogramm liegt, einer Deutschland so nötigen Realpolitik vor Wollen, zur Gewährung deS Anschlusses a» Deutschland oder zu ausgiebiger finanzieller Hilfe der Siegerländer. Der Mangel a» Nahrungsmitteln brachte den Schleichhandel zur vollen Blüte, die Entwertung der Krone ermöglichte die tollste Börsenspekulation. gcntcil! Ter„Vorwärts" begrüßt diesen Beschluß der Ii. S. P. als ein hochbedeut sameS Ereignis. Das Zcntralorgan der deutschen Sozialdemokraten, der Berliner „Vorwärts" schreibt: ,£i darf darum nicht der leiseste Zwei fel daran bestehen, daß die Sozialdciuokra- tische Partei den Beschluß der U.S.P. mit dem größten E r n st behandeln wird, daß sie ihn keineswegs bloß als einen Zug in einem politischen Schachspiel betrachtet, der durch Gegcnzügc^nieder ausgeglichen wird, sondern daß sie in ihm ein politisches Er- e i g n i s erblickt, dem die möglichst weiteste Auswirkung gegeben werden muß. Die Mindestforderungen, die in dem Antwort- schreiben der Unabhängigen aufgestellt werden, halten sich im Nahmen des Möglichen und sind auch alte Forderungen der Sozial- demokratic. Unüberstcigbare Hindernisse für die bürgerlichen Parteien, auf sie ein- zugeben, sind nicht vorbanden: sollte man vielleicht die Sozialisierung des Bergbaues als ein solches betrachten, so wäre daran zu er- von einenl bürgerlichen Kabinett grund- inner», daß diese schon im Jänner d. I. sätzlich beschlossen worden ist, und daß der volksparteilichc Wirtschaftsminister Scholz und der volksparteilichc Schatzminister Ran- mcr damals für sie gestimmt haben! Die „ausreichende Heranziehung des Besitzes, insbesondere auf dem Wege der Erfassung der Goldwerte" ist auch für die Sozialdemo- kratischc Partei eine Bedingung für ihre Beteiligung an der Stcnerarbeit und danlit für il>r Verbleiben in der Reichsrcgioning. Sic ist im Körlitzer Beschluß und in der Entschließung unserer Reichstagsfraktion gefordert ebenso wie die Fortführung der So- zialpolitik, der Schutz der Republik, die Po- litik der Völkerverständigung. Es ist fest- zustellen, daß bisher— dies sei ohne alle Ironie bemerkt— keine Partei eine ähnlich noartrtf firtf firfi ziehen. Was die Unabhängigen fordern, vor Während der größte Teil der Bevölkerung allem die Entmonarchisicrung der Wehr- in seiner Not und in seinem Elend den aus- macht und Bürokratie und eine ehrliche Ein- Haltung des wenn auch schwcrdrückenden Ultimatums, nur das kann Deutschland von den Milliardenlasten der militärischen Sank- tionen und Aufsichtskommissionen befreien, nur das kann der deutschen Republik den moralischen und materiellen Kredit wieder- geben, den das Kaisertum beinahe bis zur letzten Mark verloren hat, und um deren Reste sie die monarchistischen Parteien noch bringen. Die Bedingungen der Unabhängigen sind die Bedingungen, unter denen Deutsch- land wieder aus seiner wirtschaftlichen Ohn- »nacht erwacht und unter denen es gesell- schaftliche Katastrophen, monarchistische und kommunistische Putsche bannt. Aber diese Bedingungen der Unabhängigen sind es auch, die in ihrer vom sozialistischen Pro- lctariat vollendeten Erfüllung die Grundlage zu einer Wiedervereinigung bilden. Wenn es zur Tat werden sollte— und wir erhoffen sie. so zweiflerisch wir werden mußten, aus ganzem Herzen— daß die bei- den großen Arbeiterparteien in der Regie- rung zusammenwirken werden, dann werden sie unter dem Zwange der Arbeitsgemein- schalt einander auch innerlich wiederfinden. Nicht nur den Baugrund zur sozialpoliti- scheu Republik Deutschland werben sie dann gemeinsam bereiten, sondern so machtvoll wie einst, gemeinsam weiterbauen. Ein soiialdemokratischtr FinmWlal!. Unter den tckidersinnigen Tatsachen,^die die Friedensverträge von Versailles und St. Germain geschaffen haben, nimmt die Vit- düng des deutschöstcrreichischcn Staates Politik Englands London, 4 Konferenzen, die der Premierminister Lloyd Georg« in Gairloch mit Sachverständigen des Handels und der Finanzen hatte, berichten ^Dally Mail", ein wichtiger Teil der Eror- Gerungen sei den deutschen ReParationSzah- ümgen gewidmet gewesen. ES bestsbt die Möglichkeit, daß Aenderungen von größerer Bedeutung in der Internationalen Politik des Kritischen Reiche« da« Ergebnis der G-nrlocher Konferenzen sein könnten. weitgehende Bereitwilligkeit gezeigt hat, sich ans den Boden des Görlitzer Beschlusses zu,.-.„. stellen, wie die Partei der Unabhängigen."!^"^ der ersten Stellen ein. Cm G>birgs- ^ I land von etwa sechs Millionen Einwohnern Nicht nur der bcstiinmte^iveck, zu dem ist entstanden mit einer Millioncnhauplstndt, die früher der Mittelpunkt eines großen Staatsgebietes war, in der das Wirtschaft- liche Leben einer Fünfzigmillionenbevölkc- rung seinen Brennpunkt fand. Die beben- tendsten landwirtschaftlichen Gebiete des al- ten Oesterreich, Ungarns Kornkammern und Böhmens Weizenfelder liege» außerhalb des neuen Staates, zum allgemeinen Rückgang der landwirtschaftlichen Probultion in den besiegten Ländern trat nach Beendigung die Verhandlungen der beiden Arbeiterparteien miteinander geführt haben, sondern auch die überaus würdige Art und der Ernst, mit dem sie geführt werden, ist ein f__ erfreuliches Symptom für ein Sichwiedcr- E B) stu den! finden der deutschen Arbeiterklasse. Die So- . Oktober.(Tsch. P. B.) Zu de»^^^okrateu identifizieren sich geradezu mit den Mindestforderungen der Unabhängigen, sie erklären ausdrücklich, daß keine Partei eine ähnliche weitgehende Bereitwilligkeit gezeigt hat, sich auf den Boden des^ des Krieges der Wegfall deS größten Teiles Görlitzer Beschlusses zu stellen, wie die Un- l des G-treidegebietes überhaupt hinzu. Fast abhängigen; und wenn wir auch diese wört-^ die ganze Bevölkerung muß von fremden liche Fassung des Beschlusses für etwas ver-I Einfuhren ernährt werden, ohne daß fehlt ansehen, so können wir aus ihn doch ! nur den Willen der Mehrheitler herauslesen, -die Koalition mit der U. S. P. zu suchen, der Export von Jndustrieartikeln diese Einfuhren decken könnte. Der Staat ist wirtschaftlich lebensunfähig, aber die Entente wältigen Journalisten das prächtigste Objekt zur Armeleute-Schildcriingcn bot, machten Schieber, Wucherer und Börscnspekulan- ten riesige Gewinne. Der Staatshaushalt ergibt jedes Jahr ei» gewaltige? Defizit, das nicht anders zu decke» ist, als durch Druck neuer Banknote», die de» Kurs de» Krone weiter htnuntertreiben, eine furcht- bare Teuerung in dem vielgeprüften Lande hervorruft, die Staatsbeamten zu neuen Forderungen an den Staat nötigt und da- durch das Defizit noch mehr vergrößert— ein Kreislauf, aus dem ein Auslveg bisher nicht gefunden wurde. Die Finanzminister, die der Staat bisher gehabt hat, mühen fiel) im Schweiße ihre? Angesichte« in ganz Europa Wohltäter zu finden, die der bankerotten Republik Geld borge». Gleich einem Bettler reiste vor kurzer Zeit Finaiizminister Grimm umher und kam— mit einem Sacl voll Versprechungen heim. Als sich nun in den lctzl-n Tage» zeigte, daß der Betrag, den die ausländischen Kapitalisten der Rc- publik borgen, kein so bedeutsamer sein werde, als man gedacht habe und als not- wendig wäre, um daS Defizit auch nur für ein Jahr zu decken, erfolgte ein neuerlicher Kurssturz der Krone. Im Laufe eine? Monates verlor die deutschöstcrreichischc Krane nicht weniger als die Hälfte ihres Werte?. Anfang September waren in Zürich 100 österreichische Kronen 0.61). Ansang Oktober 0.37 Franken Wert. Neue Teuerung, neue Herabdrückung der Lebenshaltung der breiten Massen des deiitschösterreichischc» Volkes sind die Folgen, der Finaiizminisler sieht keinen anderen Ausweg, als fein* Demission, was zwar ihn, aber nicht die Be Völkern«!» aus einer unangenehmen Lage befreit. In diesem Augenblick höchster Nol meldet sich nun die österreichische Arbeiterschaft zu Worte. Die sozialdemokratische Partei, Gewerkschaften und At'nosseilschasten haben der Regierung einen Finanzplan über- reicht, in dein sie positive Vorschläge machen, ivie das Staatsbudget ins Gleichgewicht ge bracht werden könnte, was die wichtigste Voraussetzung des wirtschaftlichen Wieder- aufbaues des Landes ist. T-'r Gedanke, von dem ausgegangen wird, ist der, wie der un- gchemmien Ausgabe neuer Banknoten gc- steuert werden kvniite, und daß di« heiml- scheu Kapitalisten gezwungen werden müssen, das ihrige zur Sanierung der Staatssiuanzen beizutragen, soll der Staat im Auslände den Kredit finden, den er braucht. Der Finanzplan, der als positive Steuerreform auch das Interesse der Sozia- listen anderer Länder hervorruft, zerfällt in drei Teile: die Vermehrung der Staatsestl- 2. Öölhton, die Einschränkung der Ausgaben dir staatliche Kreditpolitik, ve^ie Per tu e h r u n g der Staats- M n a st in c n soll vor allein durch eine organisatioil der Steuerbehörden herbei- ^gsührt werden, wodurch der schleppende Merlaus der Stcucrablieferung hintangehal- j u ÄH wird. Znr VcrinögenSabgabc wird ein stZuschlag eingestostcn, welcher der seit besetz- werdung dieser Abgabe eingetretenen Geld- t entwertung entspricht. Attirngesellschaiten haben die Vermögensabgabe i» Form von dem Staatzur Vcrfiigung zu stellcndcu Gratisaktien, Eigentümer landwirtschaftlicher Grundstücke durch Einräumung von Hypo- thcken zu leisten, wobei die AbstattnngS- fristen für die Ablieferung möglichst kurz zu bemessen sind. Die einmalige Vermögens- abgäbe wird durch eine jährliche Vcr- mögenssteucr ergänzt, die unverhältnis- mäßig niedrige Grund- und Hausklassen- geuer, welche die Agrarier in unerhörter Weise bevorzugt, auf das Hundertfache des FriedcnSwertes erhöht. Industrie, Banken und Kleingewerbetreibende werden zu Zweckverbänden zusammengefußt, welche die auf diese Schichten der Gesellschaften cnt- fallenden Steuern entsprechend aufteilen. Neue Monopole(Spiritus, Zündhölzer, Petroleum) werden geschaffen, die als gc- meinwirtschaftliche nach kaufmännischen Grundsähen zu leitende Anstalten ins Leben treten oder gemischtwirtschaftlichen Gesell- schaftcn übertragen werden, das heißt Ge- sellschaften, an denen zum Teil öffentliche Körperschaften, zum Teil das private Ka- pital beteiligt sind. An die Stelle der staat- Tieften Bewirtschaftung des Getreides und Mchles tritt ein den Arbeitern gesetzlich gc- währleisteter Lohnzuschlag, den die Unter- nehmer zu tragen haben und wodurch die Arbeiter in die Lage versetzt werden, Mehl und Brot zu Weltmarktpreisen zu kaufen. Durch die Aufbringung dieser Steuern wird e§ dem Staate möglich fein, die Härten der Personaleinkommensteuer zu beseitigen, die Erwerbsstcuer zu ermäßigen und die Zölle auf Lebensmittel. Rohstoffe und Halbfabri- kate abzuschaffen. WaS die Staats«uSgaben betrifft, muß in erster Linie der übergroße Beamten- apparat abgebaut werden, die funktionslos gewordenen Behörden müssen aufgelöst, die funktionSarm gewordenen zusammengelegt werden. Der freiwillige Austritt aus dem Bundesdienst ist dadurch zu fördern, daß der austretende Beamte durch längere Zeit die vollen Bezüge weiter erhält, selbst wenn er inzwischen eine andere Existenz gefunden hat. Alle Ausgaben aus öffentlichen Mit- teln für Kirchen und ReligionSgemeinschas ten sind einzustellen, die BundcSbetriebe (Post, Telegraph, Telephon, Eisenbahn) werde» gcmeinwirtschaftlichen Anstalten übergeben, ihre Ausgaben müssen restlos aus den Einnahmen bestritten werden. Auswärtige Anleihen kann die Re publik nur dann bekommen, wenn auch die eigene Bevölkerung dem Staate Kredit gibt In Fonn einer Anforderung von Valuten, Devisen und ausländischen Effekten wird eine Zwangsanleihc ausgeschrieben. Für die abgelieferten Wertpapiere erhalten die Kapitalisten Staatsschuldverschreibungen welche in der abgelieferten Währung zurück gezahlt werden, wodurch die früheren Be siher vor dem weiteren Kurssturz der Krone geschützt sind. Melters hat die Regierung mit allem Eifer die Verwirklichung der Au? landskrcdite zu betreiben. Innere und aus wärtige Anleihen sollen dazu dienen, ein großzügiges Jnvestitions-, Bau- und Sied lungsprogramm durchzuführen. Durch die Anleihen sollen die Baukosten neuer Woh nungeii gedeckt werden, die Amortisation rnd Verzinsung jedoch soll durch eine Woh nungsbausteuer, die eine reine Zwecksteuer ist. das heißt zu nichts anderem verwende werden darf, bewerkstelligt werden. Dies der wesentliche Inhalt des sozial demokratischen Finanzplanes Die sozialde mokratische Partei hat nun die Regierung ersucht, ihr ohne Verzug die Stcl lungnahme des Ministeriums das ist auch die der beiden RcgierungSpar ieien, der Christlichsozialen und Großdeut- sehen, mitzuteilen. Von der Antwort der Regierung hängen die weiteren Eni schließungen der österreichischen Arbeiter schaft ab. Die Christlichsozialen und Groß deutschen müssen also zu dem Programm der parlamentarischen Opposition nicht nur ihre Zustimmung geben, sondern es auch mit der Energie, die zur Durchführung jedes Fl nanzprogrammes erforderlich ist, in die Ta umsetzen, was ein in der parlamentarischen Praxi? bisher unerhörter Fall wäre. Es ist möglich, daß die bisherigen Regierung? Parteien die Sozialdemokratie auffordern bei der Durchführung des sozialdemokrw SozialDtmoitai tischen FtnanzplaneS mitzuwirken, was die deutschösterrcichifche Sozialdemokratie wohl nur dann täte, wenn die beiden Parteien ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem wohldurchdachten Programm zu gehen in der Lage wären. Dcn»it könnte Deutschöster- reich vor eine ganz neue politische Situation gestellt und für die deutschösterreichische So- ziaideinokratie würde dann die Frage des Eintrittes in die R e g i c^r u n g altucll werde». Die österreichische Sozial- dcinokratie, die seit Kriegsende schon viele Pv^fcn ihres staatsmännischen Könnens— wir erinnern nur an die unter dem Ein- drucke des KapputscheS den bürgerliche» Pfhrteicn abgezwungene Wchrgesetzes— gegeben Schritt nur dann tun. ivcnn sie in der Re- gicrung die Interessen der Arbeiterschaft wirksamer zur Geltung wird bringen kön- neu, als sie es in den letzten Monaten als starke parlamentarische Opposition getan hat. Durchsetzung des hat, wird diesen Inland. Ter Suiionsbcginn des Abgeortinicilhau- scS und dcS Senates. Tie Präsidenten To- maschck und Praschck hielten wegen des Ta« tums des Scssioncbcginncs dcS Abgeordnetenhauses und des Senates mit dem Minister- Präsidenten Tr. Bcnesch eine Beratung ab, in der beschlossen wurde, dein Präsidenten Masaryk vorzuschlagen, das Parlament zu seiner Hcrbsttcigung für den 13. Oktober ein- zuberufen. „Eine gewonnene Schlacht". So nennt die zum Loben bestellte„Präger Presse" das Ergebnis der Reise Masaryks.„Der Besuch des Präsidenten Masaryk in der Slowakei hat den Beweis erbracht, daß ein Sieg nicht nur mit Waffengewalt errungen werden kann."... Seine(Masarhks) Worte über die nationalen Minderheiten in der Republik, über die Rege- lung der Schulfrage, wirkten durch ihren lo gischen Aufbau derart aufklärend, daß sich uch die größten Skeptiker ihrer Best im in un g. Wahrheit zu sagen, nicht länger verschließen konnten."...„Der Besuch des Präsidenten in der Slowakei hat dem ganzen, großangelegten Agitation? pparat der Feinde der Republik den Nährboden entzogen."...„Masa rhks Nachlaß in der Slowakei ist ein festes, vollkommenes FriedenSgefüge: das Postament, gebildet durch Friedensverträge, Integrität, Unabhängigkeit und der Bau, gefügt aus Licht und Freihcit. Es war die zweite, die geistige Besitzergreifung der Slowakei."— Vorgestern meldete das tschechische Preßbüro, daß einem ungarischen Leutnant, der in Uniform an den Arbeiten der Grenzabmessungskommission teilnahm, von einem Teil der Bevölkerung Ovationen ver- anstaltet wurden. Ob wohl der Schmock der „Prager Presse" eine Ahnung davon hat, wie ehr er durch seine aufdringlichen Schwei chelcien gegen das Wesen und den Geist des bescheidenen und einsichtigen Masaryk ver stößt?'. Schmutzige agrarische Wäsche. Die Lostren nung der Häusler und Kleinbauern von der Partei der tschechischen Agrarier wird in der agrarischen Presse mit wüstem Wutgeschrei bc gleitet. D<:r„Bcnkov" und der„Veccr" erhöh en wohk, die Abtrünnigen dadurch zur Strecke zu bringen, daß sie sie in mehr als rustikaler Auödruckswcise als Räuber, Diebe und be- zahlte Subjekte hinstellen. Jnngr, der Füh rer der Abtrünnigen, wird beschuldigt, daß er einen mährischen Sekretär der Agrarpartci mit hunderttausend Kronen zu bestechen suchte, wenn er zur Kleinbaiiernpartei übertrete und i)aS Mitglicderverzcichnis der Agrarpartci mit bringe. Das Zentralorgan der neuen Klein baucrnpartei wirft demgegenüber den Agra riern vor, daß sie von den Großgrundbesitzern 13 Millionen Kronen für den Scclenkauf er- halten hätten. Das Blatt schreibt darüber „Wir dagegen wissen von anderen Millionen den Agrariern steht vom Verein der Rüben Produzenten, von den Znckerindustricllen Großindustriellen und jüdischen Großnntev nchmern ein Betrag von 13 Millionen zur Disposition." TaS Blatt veröffentlicht schließe lich ein Schreiben, das an 26 agrarische Se krctärc verschickt wurde, in dem sie znr All baltnng von Versammlungen unter Vcrspre chen eine? außerordentlichen.Honorars auf gefordert werden. Es fügt daran den AnSruf „Pfui über die agrarische Morallosigkeit! Dreimal Pfui!" Bis nun ging eö in dieser dra stischcn Ansdruckswcisc nur gegen die Sozial, dcinokratcn. Nun bekommen die.Herren d' Wirkung der herangezogenen Talente am eige neu Leibe zu spüren. Gegen die Zusammenarbeit mit den Deut schen äußert sich Abg. Dr. L u k a v s k h, ein führender nationaldcmokratischcr Politiker int Pilsner„TeSky Demi": Die neue Regierung soll durch Verhandlungen mit den Deutschen deren Eintritt in daS Parlament ermöglichen und den Boden für das gemeinsame Regieren mit den Deutschen in diesem Staate vorbcrei- ten.„Wir stellen fest, daß von diesem Pro- grarnm in diesem Sinne in den Verhandln»- gen mit deni Abgeordneten Scbvchla nicht die Rede war. Auf diese Weise über die Aufgabe der Regierung zu schreiben, ist verfehlt und kann nur aus einem engen Kreis von Vor- stellnngcn ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit '.»'vorgehen... Wir haben den Teusschen viel mehr gegeben als nur nach dem Friedens- vertrag verpflichtet sind. Haben wir sie da- durch gewonnen? Solche Wege müssen in die irc führen. Die Deutschen müssen eine chnlc des Anschauungsunterrichtes durchmachen. Sie haben sich mit unserem Staat noch nicht ausgesöhnt und wir haben noch sehr wc- nig dazu getan, damit sie einsehen, daß sie sich mit ihm aussöhnen müssen. Wir hatten bisher keine starke tschechische Regierung, die sich der Verpflichtung bewußt gewesen wäre, daß sie den nationalen Charakter unseres Staates verwirklichen müsse und den anderen Ratio neu nur das geben könne, was ihnen nach den Friedensverträgen gebührt. Den Deutschen imponiert nur Kraft, Disziplin, Konsequenz, Wagemut, Ordnung in der Administrative und in den Finanzen. Wenn wir sagen, daß wir uns um das Zusammenrcgieren mit den Deutschen kümmern müssen, beweisen wir nur, daß wir allein, ohne sie, unseren Staat nicht verwalten können. Damit werden wir den Mut der Deutschen gegen unseren Staat nicht 'chwächen. Dieses Nachlaufen den Deutschen, als ob sie durch ihre staatsbildcnde Kraft un- crcn Staat innerlich und äußerlich festigen önnten, ist eine unheilvolle politische Taktik und ein großer Fehler einiger unserer Leute und Blätter." Zum Schlüsse sagt Dr. L u- k a v 31 y, daß die Teilnahme der Deutschen an der Regierung unmöglich sei, solange sie ihren Standpunkt dem Staat gegenüber nicht ändern und solange der Staat in tschechischen Geist nicht gefestigt sei, im Sinne der Opfer, die die Tschechen im Kriege gebracht haben und im Sinne der Rolle, welche durch den Sieg und die Friedensverträge der tschccho- lowakischen Republik in Mitteleuropa anfer- legt seien. Die Aktion de? Herrn Bcnesch im Spiegel der„Narodni Listy". Die Botschafterkonferenz hat, indem sie Dentschösterrcich und Ungar» nach Rom lud, den Vermittler aus eigener Vollmacht, Herrn Bcnesch, recht unsanft fallen lassen. Tic„Rarodni Lisch" benutzen die Ge- lcgenhcit, um an dem Gemaßregelte» schaden« roh ihr Mütchen zu kühlen. Sie Wersen ihm vor, daß er gerade, während das Ultimatum lief, mit seiner Aktion begann und so den 'chicfcn Eindruck hervorrief, als ob die Tschc- choslowakei nicht auf der strikten Einhaltung des Vertrags von Triansn bestünde. Hämisch reiben sie ihm die Erklärung des südslawischen Ministerrates unter die Nase, die Bcnesch' Schritt als eine Eigenmächtigkeit hinstellt, ver- gleichen ihn wenig schineichelljaft mit Cadour und Metternich und geben ihm endlich zu ver- stehen, daß er sich von dem Anreger seiner Aktion, dem Grafen Szapary, habe düpieren las- scn. Die Mißstimmimg in der kleinen Entente sowie jene zwischen Italien und den Tschechen kommen niemandem zugute wie den Magya- ren, die so leichter im Trüben fischen könn- ten. Man sieht, die Vorwürfe fallen reich- lich und klingen nicht eben mild. Ihren pikan- testen Reiz aber erhalten sie durch die Erlvä- gung, daß hier das führende Blatt der koalier- ten tschechischen Nationaldemokraien, welche die wichtigen Ministerien des Handels und der Fi- nanzen in Händen haben, so heftig und erbit- tcrt gegen den Ministerpräsidenten frankiert. Ob c8 ihm auS seiner Betätigung im Innern oder im Aeußeren einen Strick dreht, jeden- falls kracht und knistert es im Mauerwerk des neuen ministeriellen Baues, ehe es noch recht in Gebrauch genommen wurde. Die Idee der „nationalen Sammlung" ist eben keine tragfä- hiae Lcitidee, nicht nur prinzipielle Gegensätze, selbst Persönliche Eifersüchteleien rütteln ein- Pfindlich an ihr. Auch in der nationalsozialistischen Partei kriselt eS. Kaum ist der Austritt eines Teiles der Kleinbauern aus der tschechischen Agrav Partei erfolgt, so wird eine andere tschechische Partei von sozialen Zersehungserscheinungen ergriffen, u. zw. sind es diesmal die National, sozialistcn, bei denen die Gewerbetreibenden gegen die Leitung der Partei rebellieren. Bor kurzem fand eine Versammlung der national- sozialistischen Gewerbetreibenden statt, in der, wie die„Zivnostcnske Listy" schreiben, folgen- dermaßen über die Leitung der Partei geklagt wurde:„In grundsätzlicher Hinsicht wird der Partci"zum Borwurf gemacht, daß sie sich vom ursprünglichen Sozialismus, der auf dem Cnt- Wicklungsgedanken fußte und der die Tcilnah- mc der Mittelschichten möglich gemacht hat, ab- gewendet bat und daß sie sich zum kompromiß- losen Klassenk"zialismuS bekannt hat, der nicht nur in der Theorie die Zusammenarbeit mit den Mittelschichten ausschließt, sondern auch in der Praxis ihr direkter Gegner ist. Diese Rich- 5.«tober 1!)L1. tung haben einzelne i n l e tz t e r Z e i t i n d i t Partei eingetretene Personen gebracht, denen es gelungen ist, die alten Par- teianhäugcr und Mitarbeiter zur Seite zn schie- bei, und die Führung der Partei a n ich zu reißen. Die alten Rationalsozialj« stcn können nicht begreifen, warum die Partei Leuten Abgcordne tcnmandate gebe, die von lich behaupten, daß sie K o m m u n i st e n sind und warum sie in da? Prager Rathaus Leute entsendet Hätz welche bis zum heutigen Tage in die Parteiorganisation nicht eingetreten sind und von sich sagen, daß sie R c a l i st e n sind. Wenn einzelne Leute die Partei direkt ins kommunistische Fahrwasser führen und andere mit der Pereinigung mit der sozialdemokrati- schen Partei rechnen, die in ihrer Klasscntaktik friedlicher ist und mehr Verständnis für das praktische Leben hat, machen sie d e n G e w e r- betreibenden das Verbleiben in der Partei unmöglich. Daß diese Rich» tung die Partei schädigen, ja erschlagen kann, fühlen heute alle alten Parteigänger und Bc- weis dessen sind die heftigen Debatten in den Sitzungen der Kreis- und Bezirksorganisatio- ncn." Slowakische Gemeindeantonomie. Die so- zialdemokratische Gcmcindefraktion in Preß- bürg hat an den dortigen Oberbürgermeister folgende Interpellation gerichtet: Wie die Lokalblätter berichten, hat der Herr Z u p a n den Direktor des städti- scheu Wasserwerkes ernannt. Die Rcpräsen- tanz hat schon früher dagegen protestiert, daß die Direktoren und Beamten der städti- schen Werke vom Zupan ernannt werden. Diese sind nämlich keine Politi- tischen Pcrwaltnngöbcamte», sondern ganz offensichtlich nnr Angestellte der Wirtschast- Tieften Betriebe der Stadt. Sie zu wählen ist das Recht des M n n i z i p a l a u S s ch u s- s e s. Wenn der Mnnizipalausschuß nicht einmal das Recht hat, Beamte bei den städ- tischen Betrieben anzustellen, dann ist die sogenannte Autonomie ein leerer Bc- griff, dann dienen wir nur als Sias« > sage des Herrn Zupans. Der Herr Präsident betonte bei seinem Besuche in der Slowakei die Wichtigkeit der Autonomie in der Verwaltung. Der bevollmächtigte Minister in der Slowakei gab auch öfters das Versprechen, daß er unsere Autonomie schützen wird. WaS beabsichtigt der Herr Oberbürgermeister zu tun, daniit diese Ver- sprechen eingehalten werden und daß der Nichtberücksichtigung der städtischen Autono- mie seitens des Herrn Zupans ein Ende gemacht werde? Die Interpellation gibt Aufschluß über die Art der Gcmcindcautonomic, wie man sie in der Slowakei versteht. Die Ernennung der Direktoren und Beamten der städtischen Werke ist zweifellos eine Angelegenheit der Stadt- Vertretung, aber was geht das den Herrn Zu- Pan an. Er nimmt über die Köpfe der Ge- mcindevcrtrcter hinweg nach Belieben Ernen- nungen vor. Das Ganze nennt man dann: Gemeindeantonomie. Führer der slowakischen Nationalpartei un- ter Polizeiaussicht. Die slowakische„Narodni Novinh" berichten: Die Vertreter der stowa- kischcn Nationalpartei, der Vorsitzende Dr. Emil S k o d o l a und der Kassier Otto S k r o- v i n a begrüßte am Montag den Minister für die Slowakei Dr. M i c u r a und wünschten ihm weitere Erfolge seiner glücklichen Hand, die er in der slowakischen Verwaltung gezeigt habe. Bei dieser Gelegenheit brachten sie ihm einige Beschwerden ihrer Parle! vor; unter anderem beschwerten sie sich über die ungc- rechte Zensur gegenüber der„Narodni No- viny". Minister Micnra las den Konfiszier- ten Teil des Leitartikels der 218. Nummer des Blattes und versprach hierauf, daß er in dieser Sache einschreiten werde. Hierauf bc- schwcrten sich die beiden Parteienvcrtrcter, daß die flowakische Nationalpartei beim Be- suche des Präsidenten Masaryk nicht vertreten (eingeladen) war. Der Minister versprach für die Hinkunft Wandel zu schaffen. Dr. S k o- dola beschwerte sich endlich, daß einige Par- tcimltglicdcr der slowakiscben Nationalpartei, unter anderem auch er selbst unter Polizei- ? u fs i ch t stünden. Der Minister entsetzte sich über diese Nachricht und versprach, der Sache energisch nachzugehen. Persönliche Interventionen in Prag. Tic „Pol. Korresp. teilt mit:„In der letzten Zeit kommen taglich nach Prag Einzelrciscndc, um £ verschiedenen Aemtern die Erledigung von Jnvauditatsangelegenheiten und ähnlichen Agenden zu urgieren. Persönliche Interven- twnen können keinen Einfluß auf die Beschleu- der Erledigung haben und sind zwecklos, denn die Gebühren werden nur durch die, Postsparkasse angewiesen. Da die Bitt- 11 w" r r! l-r!*1?" 8"vch Vrag kommen, setzen sie sick, überdies der amtlichen Hcimbc- ^nmg an? Es ist deshalb nötig, nur schriftlich mit den Aemtern zu Verkehren.. und zu warten, zu warten, zu warten, wenn man es nur auShält...°' Bf. Cttolet lvSr. Her Riß in der tschechischen Agrarnartei. Die tschechische Agrarpartei macht gegenwär- iig eine Umwälzung durch, deren Umfang und Folgen vorläufig nicht abzusehen sind: die Häusler und Kleinbauern, deren Massen bis- her die verläßlichste Hauptruppc der tschcchi- scheu Agrarpartei waren, lösen sich los und haben nicht nur eine Sonderorganisation gc- gründet, sondern sie beabsichtigen bei den näch- stcn Wahlen auch selbständig in den Wahlkampf zu trete,!. In Prag haben sie mit der Heraus- gäbe eines eigenen TagblattcS begonnen, dem in Brünn in der nächsten Zeit ein zweites folgen soll. Die LoStrennung ist noch kaum erfolgt und schon stehen die beiden auseinan- dcrgcspaltcncn Teile sich schroff und feindlich gegenüber. Als Ursache der Spaltung wird die Zurücksetzung der Häusler und Kleinbauern bei der Durchführung der Bodenreform ange- geben, sie liegt aber gewiß tiefer und ist in den nun einmal unvereinbaren Klassengegensätzen zwischen den die Führung in der Agrarpartei innehabenden Großagrariern und den Klein- dauern zu suchen. Die Führung der tschechischen Agrarpartei hatte stets nur die Interessen der Guts- und Großgrundbesitzer im Auge, während die Masse der HänSler und Kleinbauern durch nationale und patriotische Schlagwort« über ihre Klassenintcressen hinweggetäuscht wurde. Während der drei Jahre nach dem Umsturz hielt die Wirkung dieser Schlagwort« noch vor, aber nun, da die Kleinbauern zu al- lem auch noch die Ungerechtigkeit sehen, wie den großen Grundbesitzern große Grundstücke zugeteilt werden, während man ihnen selbst nur ein Paar Fetzen Land zuweist, war die gemeinsame Organisation für die beiden einan- der widerstrebenden Interessengruppen nicht mehr aufrecht zu halten. Am 28. August fand in Prag eine Zusammenkunft der Kleinbau- «rn statt, wo der Grund zur Sclbständigma- chung der K.cinbaucrnorganisationcn gelegt wurde. Wie cö heißt, sollen bereits drei bisher agrarische Abgeordnete zu der neuen Organi- sation übergetreten sein, doch werden ihre Namen geheim gehalten. Uebcr die Beweg- gründe, die zur LoSlosung von der tschechischen Agrarpartei führten, wurde bei der Tagung Folgendes gesagt: Es kamen ständig zu uns eine unerhörte Menge von Beschwerden und Forderungen, daß wir uns von den Agrari- ern loslösen und mit ihnen alle Beziehungen abbrechen. Auch Deputationen kamen zu unS — cS waren wohl an 180— welche den Wunsch nach Sclbständigmachung aussprachen. Wir hätten einen solchen Schritt nicht unter- nehmen können, wenn wir nicht wüßten, daß in den Massen die größte Unzufriedenheit herrscht und wenn wir nicht ständig aufgcfor- dcrt worden wären, uns ans eigene Füße zu stellen. Man ruft uns zu: Hört endlich auf, Handlanger der Agrarier und Großgrnndbe- sitzcr zu sein, welche das Landvolk schon seit zwanzig Jahren mißbrauchen!" Die Häusler und Kleinbauern haben der Agrariern ihre Wahlsiege erfechten helfen und bilden die stärkste Grundlage ihrer Organisation. Was haben sie dafür erhalten? Nur einen Fußtritt bei der Durchführung der Bodenreform! Dar- aus entspringt die Unzufriedenheit der kleinen Leute in der agrarischen Vartci. Es bleibt uns nichts übrig, wir müssen uns ans den Händen der agrarischen Kapitalisten, der Land- oourgeolsie befreien. Diese Bewegung soN neue Wahlen herbeiführen und bei diesen werden die zchntauscnde HäuLler und Kleinbauern den Agrariern ihren Verrat heimzahlen. ES ist an der Zeit, daß das ausbeutende Häuflein landlicher Kapitalisten, daS die Maßen des kleinen Landvolkes beherrscht, seiner Macht entkleidet wird, darum war unser Schritt not- wendig. Wir müssen den eigenen Weg gehen und ermöglichen, daß heuer oder im Früh- jähr neue Wahlen vorgenommen werden und hiebe! den Großgrundbesitzern, sowie den Pächtern der großen Höfe, die stets nur für ihre eigene Tasche arbeiten, die Herrschast ans den Händen zu winden. Tic Zertrümmerung der tschechischen Agrar- Partei hat bei den agrarischen Führern Bcstür- zung hervorgerufen. Auch daS Regierungsblatt, die„CcskosiovenSka Republik«" tadelt die Kleinbauern wegen ihres Schrittes, den das Blatt insbcsonderS deshalb für einen Feh lcr hält, weil er gerade in der Zeit der Ver wirklichung der nationalen Konzentration un ternommcn werde und eine Schwächung der Politischen Kräfte des tschechischen Volkes be- deute. Das Blatt möchte noch immer mit den alten Lcimspindcln die zur Selbständigkeit er- wachten Kleinbauern einfangen. Es spricht daraus nicht nur Naivität, sondern auch Un- kcnntnis der Verhältnisse im Lande. Eine nüchterne Erwägung müßte ihm sagen, daß der unüberbrückbare Gegensatz zwischen den ar- nie» Kleinbauern und den millioncnreichcn Großgrundbesitzern ein gemeinsames Verblei- bcu in einer Partei unmöglich macht. Es ist im Augenblick nicht zu übersehen, ob der Ab- fall von der Agrarpartei ein massenhafter oder nur Teile der Kleinbauern umfassender sein wird. Die Voraussetzungen für die Spaltung sind jedenfalls längst gegeben, man hat sie erst kürzlich durch Aenderung des Namens der tschechischen Agrarpartei in die Partei der tschc> chischen Republikaner des Landvolkes zu bau neu gesucht. Aber wenn cS auch vielleicht den Bemühungen der Agrarier gelingen sollte,— die übrigens, wie die neuen Führer der Klein dauern behaupten, auch nicht davor zurück scheuen, mit Bestechungen zu arbeiten, den völligen Zerfall der Partei aufzuhalten,— der Riß ist heute schon klaffend und ihn ganz zu heilen, wird nicht mehr gelingen. ES wird auch am Lande heute oder morgen daS geschehen, was das Produkt der natürlichen Entwicklung ist: die scharfe Trennung der Armen und Min dcrbcmittcltcn von den Großkapitalien. ßcrfjijitc und Neinec über d:c Nc- gierungsbildung. Gestern abends fand im Sophiensaalc in Prag eine von der tschechischen Sozialdcmo- kratic einberufene öffentliche Versammlung statt, in der die Abgeordneten B e ch y n e und N c in c c über die politische Lage referierten. Abg. Nemee erklärte, daß die tschechische So- zialdemokratie keinen Bürgerkrieg entfesseln könne, weil dies das Ende der demokratischen Republik bedeuten würde. Ter Eintritt in die Regierung ist unter der Voraussetzung eines bestimmten Programmcs erfolgt, das der Rc- streut erörtert. Darunter befindet sich auch die Regelung des Verhältnisses zu den Deutschen. „Wenn wir die Deutschen in der Republik haben wollen, dann müssen wir unS kümmern, mit ihnen gut auszukommen. Die Deutschen können wir nicht bezwingen, so wie Oesterreich das ei» viel stärkerer Staat war, die Tschechen nicht bezwingen konnte. Die Deutschen müssen reUich verläßliche Republikaner werden, dann wird daS Verhältnis zu ihnen ein anderes sein. Mit den deutschen Genossen pflegen wir ein reundschaftlicheS Einvernehmen, aber sie haben ich noch nicht zur tschcchoflowakischcn Republik bekannt." Abg. Bcchyne erklärte, daß die tsche. chische Sozialdemokratie keine Extrawur tanze, 'andern daß sich ihre Politik auf derselben Linie bewege, wie die der sozialistischen Parteien der anderen Länder, die alle bestrebt sind, an der Festigung des demokratischen Regimes nntzn- arbeiten und die Interessen der Arbeiterschaft in der Regierung zur Geltung zu bringen. Der Staat ist das Mittel der Transformation einer Gesellschaftsordnung in die andere. Und die. es Mittel darf nicht allein in den Händen von Kapitalisten und Bürokraten bleiben. Die tschechoslowakische Republik garantiert dem tschechischen Volke die nationale Einheit der Tschechen und Slowaken und die nationale Freiheit beider. Eine Beamtenregicrung vcr trägt sich nicht mit dem Charakter des demo kratischen Staates, sie ist ein Ueberblcibscl des autokratischcn Regimes. Tic neue Regierung wird die Regierung der Sozialversicherung, der Bodenreform und der Ordnung in der Ad- ministrativc sein. Sie wird keine neuen S t c u c r v o r l a g c n bringen, das ist eine Vereinbarung der Regierungsparteien. Sie wird die Trennung der Kirche vom Staate und die Äauversassung durchführen. Die tschechische Sozialdemokratie will die gc- troffencn Vereinbarungen einhalten und er- wartet dasselbe von den anderen Parteien, er Grundsatz der Partei ist: Die tschecho ihrer wahren Bedeutung, Sozialisterung i» diesem Sinne ist das eindeutige Ziel der au» stralischen Arbeiterbewegung. Der Kongreß nahm folgende Resolution an: 1. Zur Verwirklichung dieses Zieles sollen sowohl die industriellen wie die parlamen- tarischen Hilfsmittel ausgenützt werden. 2. In Anerkennung der Tatsache, daß die jetzige Zeit eine Acra sozialer Produktion ist, erklärt die Konferenz, daß BcrufSvcr- . bände als Waste der Arbeiterklasse, vcr» altet sind, und sie verpflichtet sich und alle ihre künftigen Vertreter, die Arbeiter in I n d u st r i c v e r b ä n d c n zu organisic- ren, in der Art, wie die Organisation«- kommisüon dieses Kongresses beschließen wird. 3. Nationalisierung des Bankwesens und der wichtigsten Industrien. Kommu- ualisierung dericnigen gemeinnützigen Bc-. triebe und Einrichtungen, die am besten m kleineren Bezirken verwaltet werden kön- nen. Zu diesem Zwecke müssen den Ge- »winden allgemeines Stimmrecht und er- wcitcrte Befugnisse gegeben werden. •1. Verwaltung der nationalisierten Jndu- strien durch Amtier, in denen die Arbeiter der Industrie wie die Gemeinschaft ihre Vertreter haben, ü. Errichtung eines wählbaren obersten Wirtschaftsrates aus der Grund- läge der nationalisierten Industrien. 0. Einrichtung von Büros zum Studium der Arbeiterfrage und Vermittlung von Nachrichten, sowie von A r b c i t e r b i l- d n n g s a n st a l t c n. in denen die Arbci- bcitcr für die Verwaltung der uationali- sicrtcn Industrien vorgebildet werden sollen." Dieses Programm soll den australischen und neuseeländischen Arbeiterparteien zur An- slowakische Republik in Mitteleuropa voran, nähme empfohlen werden. Alle, die für Arbci- die tschechische Sozialdemokratie in der tsche» terintercssen kämpfen, sollen von der australi- choslowalischen Republik voran. j scheu Arbeiterpartei zu einer Kampfeinheit zu- j sammcngcsaßt werde». Das Ausspielen einer Nene man» in üstt anflt'llli. Arbeitergruppc gegen die andere lann nur be- litut^nOüUUIlJCN III Hill nuj.llul zeMi und die Interessen der Arbeiterschaft schen Gewerkschaften. Aus dem all australischen Gewerkschaft«?»!!■ nur befördert werden durch eine Organisation, deren Aufbau allen ihren Mitgliedern in je- der einzelnen Industrie oder in allen Jndii- Fcmlletolt. In der Zelle. Von Kaspar Hauser. Der eine Gefangene: Wie die Lampen blitzen! Wie die Uhr schlägt! Der andere Gefangene: DaS sagst im jeden Abend. Jeden Abend um acht Uhr! Der Eine: Dann ist der Tag so gut wie herum— der verfluchte Tag. Der Andere: Wie lange noch? Der Eine: Noch sieben Jahre. Der Andere: Ich komme drei Tage früher heraus als du.. Der Eine: Ich habe dir schon enmial für diesen dämlichen Witz mit dem Wasserkrug den Schädel halb eingeschlagen— soll ichS noch einmal tun?^. Der Andere: Willst du noch einmal vier Wochen Dunstsarrest dafür haben? Der Eine: Hund. (Pause.) Der Eine: WaS gibts Neues? Der Andere: Die Brüder von Nummro Acht sind wieder raus. Heute morgen Der Eine: WaS? Wie stes bloß anstellen. Es ist jetzt das vierte Mal....., Ter Ändere: Wieso das vierte? Das dritte. Der Eine: Das vierte. Das erste Mal— das waren die Liebknecht-Leute. Wie laiige waren die drin? Warte mal eigentlich gar nicht. Sic kamen gleich stci, nein, st« kamen in eine andere Anstalt. Man kennt das. Bloß das arme Luder von Soldat, den die Offiziere in der Patscbe sitzen ließen— der sitzt ja wohl heute noch. Ter Andere: Und das zweite—? Ter Eine: DaS zweite Mal—: da waren hier die Stuben voll. Da haben die Slldaten in der Stadt die Offiziere eingesperrt, die atiS dem Putsch. Wir liabeu nicht viel davon er- fahren— die Aufseher lügen. Ich hatte mir ein Ei'.dchcn Zeitung geklaut. Da stand alles drin. Die Jnugcns hatten anfs falsche Pferd gesetzt, und da kamen sie. anstatt zu Aemtern und Pöstchcn, hierher. Wie lange saßen die? Der Andere: Vier Tage. Der Eine: Dann kam eine Ordre— von oben, sagte der Kalfaktor, da waren sie frei. Der Andere: und das dritte Mal—? Der Eine: Das dritte Mal warenö Basti- knmcr. Die gingen gleich wieder— einer hatte achtunddreißig Stunden gesessen. Er drohte dem Reichswchrminister mit Absetzung. Der Andere: Und diese« vierte Mal—? Der Eine: Mas die auSgcfressen haben, weiß ich nicht. Aber es muß eine tolle Sache ge- Wesen sein— denn sie waren in zwölf Stunden frei. Ter Andere: Wie stes nur anfangen—! Der Eine: Sic haben Protektion. Die hast du eben nicht. Der Andere: Aber es sind doch schwere Jungens wie wir— sie haben gemordet, sie haben Hochverrat machen wollen, sie haben den Eid gebrochen, sie haben..». greß, der vom 28. bis 2-t. Juni d. F. in Mcl-' stvic» ermöglicht, gcmcinfa m vorzugehen, bourne stattfand, triumphierte der Gedanke|>>,-„» c« notwendig erscheint. Die Schädigung der Einheit der Arbeiterbewegung über die tak-; eine« ihrer Mitglieder wird in diesem Falle tischen Gegensätze. DaS Bewußtsein, daß letzt.'- uv Angelegenheit von allen, lich die Gewerkschaften die Macht sind, von' Der Name dieser neuen Organisation soll deren produktiven, wirtschaftlichen Leistungen'„<>(» stralischcr Arbeiterverban d" der Sieg im Klassenkampf abhängt, war die{ein. An der Spitze dieses Verbandes soll der Grundlage der bedeutsamen Beschlüsse, zu> Kongreß stehen, der jährlich abzuhalten ist. Ein denen der Kongreß gelangte._ j Vollzugsrat übernimmt die Leitung von Kon- „Der Kapitalismus", erklärte der Kongreß, greß zu Kongreß. Der Vollzugsrat ist bereit? „kann nur beseitigt werden, wenn die Arbeiter! gewählt worden, um die geplante» Einrich- sich in einer klassenbewußte», wirtschaftliche!'• j„»geu für die wirtschaftliche Schulung der Organisation vereinige», um durch revotülio-! Arbeiter zu schasse». närc, industrielle und politische Aktion Besitz j Für den 18. Oktober ist zur Bestätigung die- zu ergreifen von den Produktionsinitteln und.ftr Beschlüsse ein Kongreß nach Brisbane ein- allen für die Verteilung und den Austausch er-> berufen, an dem Delegierte aller einzelstaat- forderlichen Organisationen". Unter Revolu lichcn Sektionen der Arbeiterpartei teilnehmen tion verstand der Kongreß aber keineswegs j werden. Es ist zu erwarten, daß diese Bc- bewußt herbeigeführtes Chaos und skrupellose> schlüssc die künftige Politik der australischen Gewalttat. Aber er zögerte auch nicht. den Ge-> ,,„d»eusceläudischeu Arbeiterparteien besinn- gensatz zur kapitalistischen Gesellschaft scharf zum Ausdruck zu bringen:„Revolutionäre Ak- tion bedeutet eine Aktion, die eine Vollkoni- mcnc Aenderung der Verhältnisse verbürgt, nämlich die Absckiastung des kapitalistische» Eigentums an den Produktionsmitteln— gleichgültig, der(kapitalistisch Arbeitende) nie» werden. Es find schon Verhandln»- gen im Gang, ein enges Bündnis dieser Par- tcicu in die Wege zu leiten. Sozialen Friede» erklärte der Kongreß für nninöglich ohne die Verwirklichung der Ziele der Arbeiterklasse. Ebenso wenig glaubte er an Frieden zwischen den Völker», ohne daß die allen Ländern cinheitlicki Eigentümer ein Privatmann oder der Staat s Arbeiterschaft sich in allen ist. An ihre Stelle soll das nach sozialen Ge«i organisiert.„Da der Stille Ozean vcr- sichtspnnktcn verwaltete Eigentum der ganzen mutlich zum Schauplatz des nächsten Gcmcinschast treten."! großen Krieges gemacht werden wird, Nationalisierung, verbunden mit industricl- j f 0 soll der vom Kongreß gewählte Vollzugsrat lcr Selbstverwaltung, ist Sozialisterung in; beauftragt werden, mit alieu Arbeiterorgani- Der Eine: Du vergleichst uns mit diesen Kerlen—! Du hast so wenig Ehrgefühl im! Leibe, daß du unS mit diesen Brüdern vcr i gleichst—! Mit denen da—! Du—' Der Andere: Ich meinte nur... Hilft—! Hilfe—! Laß den Wasserkrug weg—! Ter Eine: Man hat doch seinen Stolz, der- dämmt nicht noch mal—! Tu Hund—! Der Aufseher(von dranßcn):Wird da Ruhe da drin! Oder soll ich dazwischen fahren—! (Es wird still.) Ter Eine flüsternd): Niminstc das zurück? j Der Andere: Ja doch. Der Eine: Merk dir das: Und wenn die j ganze Republik die ansiedelt und versorgt— bei uns nicht'. Wir wollen anständig bleiben! Gute Nacht—! (Sie legen sich auf die Pritschen.) Jahre der neuen Zeit. Bon Walt Whitman.') Jahre der neuen Zeit! Jahre des Unvollen« deten! Euer Horizont steigt auf— ich sehe ihn schwin- den vor erhabeneren Dramen! Nicht Amerika nur seh' ich, nicht die Nation ' der Freiheit allein, sondern andere Natio neu sich bereitend, "') Aus dem Buche„Fch finge das Leben", j übertragen von Max Haysch, E. P. Tal u. Comp.! Verlag Leipzig. i Ich selic schreckliche Austritte und Abgänge, neue Vereinigungen, die Gemeinschaft der Nassen. Ich sehe diese Kraft mit unwiderstehlicher Gewalt auf der Weltbühuc vorwärts schreiten! (Haben die alten Mächte, die alte» Kriege ihre Nolle» ausgespielt? Haben die Akte ihrer würdig geendet?) Ich sehe die Freiheit völlig bcwassuel und sieg reich und sehr hochgemut, da Gesetz auf der einen Seite und den Friede» aus der anderen. Ein erstaunliches iiio, alle gegen die Fdcc der Klasse gerichtet! Was sind das für historische Enlwickeluuge», denen wir so rasch uns näher»? Ich sehe Menschen»larschicrcu und rückinar- schieren in raschen Millionen, Ich sehe die Grenzen und Abgeschlosseuheift» der alten AdclShcrrschnfleii zerbrochen, Ich sehe die Grenzmarken der europäischen Könige beseitigt, Ich sehe in diesen Tagen das Volk»um ersten Male seine Grenzmarken ziehen lalle übri- gen geben Raum)! Niemals wurden solch' scharfe Fragen aufgc- warfen wie in diesen Tagen. Niemals war der Dnrchschnilismensch, seine Seele, energischer, einem Gaste ähnlicher! Sieh, wie er drängt und treibt und die Massen ^ nicht ruhen läßi! Sein wagender Fuß ist ans dem Lande und zur See überall, im* kaTnnilit-vc heu Stillen See überall, er kolonisiert Ozean, die Inselgruppen, Gene«. sationcit Fühlung zu nchinen, besonders aber mit Arbcitcrorganisatioilcii in bcit Nachbarländern des Stillen Ozeans, um Fünftiflc Kriege zu verhindern. Mit diesem kühnen und von intcrnatio- «nalem Geist erfüllten Programm hat der au- stralischc Geiverkschaftskongreß die Initiative zn nmfasscnden Aufgaben ergriffen. Ter Vcr- such alle proletarischen Kräfte zu einer Kampfeinheit zusammenzufassen wird schon seht von kapitalistischen Kreisen erbittert bekämpft. Auch bei einem Teil der Gewerkschaften wird der scharfe Zentralismus auf einen Widerstand stoßen. In jedem Fall bc- zeichnen die Beschlüsse des Kongresses den An- fang einer neuen Epoche der australischen Ar'» bciterbcwegiing in ihrem Kampfe gegen den Kapitalismus. Tayes-Nen?gkeittn. Das Ende der Wiener Hofburg. Mau steile sich vor, es hätte cinein jemand vor dem 1. Au» gust 1 Ol4 oder auch noch vor dem Ski. Oktober 1918 gesagt, dort, wo damals die Wiener Bnrggeudarmcn standen, werden einmal gewöhnliche Konzcrtbilleteure, Gardcrobcfraucn und dergleichen ihren täglichen Dienst versehen. Es klingt heute nach so ein Bisscrl nach Mar» chcn— und doch steht die Wirklichkeit schon vor der Türe. Die Wiener Blätter bringen jetzt eine langatmige, amtliche Mitteilung über die zukünftige Verwendung der Hofburg, die man ja doch nicht als bleibende Erinnerung an den letzten Karl und seine ruhmreichen Vor- gängcr so stehen lassen kann, wie sie die von Rottes Gnaden ohne Gnade verlassen mußten. Um nicht gegen die Vergangenheit ganz nn- dankbar zu sein, verwandelt man jetzt die Räumlichkeiten mit„historischer Bedeutung" in ein„Burgmuscnm". Die übrigen Räume, die früher zu Hoffcstlichkcitcn benutzt wurden, werden jetzt Festräumc für die Republikaner, Konzert- und Vorlesungssäle. In dem großen Fcstsaal der neuen Hofburg, den man früher nur an-bestimmten Tagen der Woche, in Ehr- furcht erzitternd, für 2 Kronen sehen konnte, werden jetzt viele Taufende sich zu Vcranstal- tungcn zusammenfinden und vielleicht läßt der Treppenwitz der Weltgeschichte nicht lange auf sich warten, vielleicht werden schon bald dort, wo früher die apostolische Majestät thronte, die Majestät des Volkes zu Worte kr inen. Der amtliche Bericht spricht natürlich nicht von der Möglichkeit. Volksversammlungen in der Hofburg zu veranstalten, aber diese Ver- Wendung wäre jedenfalls mindestens so nütz- lich wie die Schaffung immer neuer Fcstränm- lichkeiten und Konzertsäle, an denen Dien doch wahrlich keinen Mangel hat. Richter anderswo. Im„Berliner Tage- blatt" erzählt Dr. A u g u st M ü l l c r, der gewesene deutsche Staatssekretär in einem An- klageartikcl über die deutsche Justiz folgendes Gegenstück aus dem Vorgehen eines englischen Gerichtes: Es handelt sich um einen Fall. der am 29. Juli in D u l i n zur Verhandlung kam und im Zusammenhang mit den revolutionä- ren Ereignissen in Irland steht. Zwei irische Rebellen, Iolm Egan und Patrick HigginS, waren vom Militärgericht zum Tode vcrur- teilt worden. Auf Grund der HabeaSkorPuS» akte legten die Verurteilten Berufung gegen das Urteil ein. Als der amtierende Richter den Fall entscheiden sollte und die Namen der beiden Verurteilten aufgerufen wurden, er- schien an ihrer Stelle ein O f f i z i e r und teilte mit, die Militärbehörde halte eS nicht für nö- Mit dem Dampfschiff, dem elektrischen Tele- graphen, der Zeitung, den großartigen .Kriegsmaschinen, Mit diesen und den weltumspannenden Nie- dcrlassungcu verbindet er innig alle Gco- graphie, alle Länder; Welch Geflüster ist dieS, o Länder, das euch voranlänft, unter den Meeren hinstreicht? Verbinden sie alle Nationen miteinander? Wird den? Erdball nur ein einziges Herz geschaffen? Bildet sich die Menschlichkeit en massc? Denn siehe, Tyrannen zittern, Kronen verdunkeln sich- Die Erde, trotzig, fordert ein neues Zeitalter heraus, vielleicht einen göttlichen Krieg! Niemand weiß, waS nächstens geschehen wird, solche Zeichen füllen die Tage und Nächte; Prophetische Jahre! Der Raum vor mir, wie ich gehe, wie ich ihn vergeblich zu durchdrin- gen versuche, ist voll Gesichten! Ungcborcne Taten, Dinge, die bald sein wer- den, werfen ihre Schatten um mich! Dieser unglaubliche Sturm, diese Glut! Diese seltsam verzückten Fieberträume, o Jahre! Eure Träume, o Jahre, wie sie durch mich hindurchdringen(ich weiß nicht, ob ich schlafe oder wache); Das vollendete Amerika und Europa verdäm- mern in Schatten hinter mir, Das Unvollendete, ungeheuer als je, schreitet heran, schreitet auf mich zu! sozial! tig, die beiden Gefangenen herauszugeben. Darauf erklärte der Richter diese Nichtachtung des Befehles für Evutcmpt of Court(Nicht- achtuug des Gerichtshofes), und obgleich der Anwalt der Militärbehörde die Zusicherung abgab, daß die Todesurteile nicht vor der Eni- schcidung der letzten Instanz des ordentlichen Prozesses vollzogen werden würden, konstatierte er einen„in der Geschichte dieses Gerichtshofes, ja in der Geschichte des britischen Rechts unerhörten absichtliche n V e r st o ß gegen die Autorität dcL Gerichtes." Der Richter erließ sofort wegen der Herab- Würdigung des-,.Gerichtshofes Haftbefehle gegen den kommandierenden General Nevil Mac Rcady, den Gouverneur des Gcfäng- nisscs. Am nächsten Tage erklärte der Anwalt auf Veranlassung der Regierung, die Gefan- genen würden sofort freigelassen, da infolge der GerichtSfcricn keine GerichtSvcr- Handlungen in Zivilsachen(HabeaSkorPuS ist Zivilsache) stattfinden könnten. Wären keine GerichtSfcricn gewesen, so würde der Fall im ordentlichen Prozcßivcg zur Entscheidung gc- langt sein; da das nicht möglich war, erfolgte die sofortige Freilassung. Der Richter hob nunmehr den Verhaftungsbefehl gegen die Offiziere und den Gcfängnisvorstehcr auf, fügte aber hinzu, er lasse dahingestellt, ob er einem Ersuchen um Aussetzung des Versah- rcnS gegen die Offiziere bis zur Erledigung des HabeaskorpuSverfahrens stattgegeben hätte. Er hätte aber auch nicht mehr tun kön- neu, als die beiden Angeschuldigten in Freiheit zu setzen, und»volle den Fall als erledigt an- sehen, nachdem die Militärs sich dem Rechte gehorsam erwiese» hätten.— Der Fall ist mich außerhalb Teutschland lehrreich. „Deutschen kann nur durch Deutsche gehol- scn werden." Dies ist die Ideologie der All- deutsche»!. Man kann ruhig behaupten, daß die Alldeutschen.reit allein, was sie taten und tun, diesen Satz selbst ans den Kopf stellen, indeni sie ihren Volksgenossen selbst dort, wo sie wirk- lich helfen wollen, mehr schaden als nützen. Einen ircsscndcn, übrigens sehr e r n st c n Vc- weis hiesür liefert die Stellungnahme der Deutschen im Reiche zu den D c u t s ch e n S ü d t i r o l s, die sich in ganz ähnlicher Lage wie wir befinden. Die Herren Schriftleiter in Deutschland und Oesterreich schreiben ohne jede Ucbcrlcgnng, ohne die geringste politische Er- wägung, über die Lage der Südtirolcr Deut- scheu und in dem Wahn, den Deutschsüdtiro- lern durch Hetzen und Schüren zu nutzen, bc- reiten sie diesem Vcklkr stamm geradezu riesige Gefahren. In der Berliner Monatsschrift „Hcimda'll" stand jüngst folgende Sieg- fricdlcrische Phrasenhänfung: „... In Südtirol lebt der feste Glaube, daß das R o i h b a r t-R c i ck> in nicht ferner Zukunft in seiner ganzen Macht und Herrlichkeit wieder aufgerichtet werden wird, wobei Süd- tirol und alle sonstigen jetzt abgetrennten deutschen Außenländer dem Reiche wieder ein- gefügt sein werden. Dieser Glaube ist kein trügender Wahn, ist Wahrheits-Schouen. Von Tirol aus wird aber dereinst vielleicht der An- stoß gegeben werden znr Erhebung der Deut- schen vom Fels bis zum Meere.'..." Unser Bozener Parteiblatt rechnet mit die- sen junkerlichen Marktschreiern, die gar nicht zu ahnen scheinen, was sie mit ihrem„Geil Sndtirol!" und der Ausnutzung dieses Schlachtrufes anrichten, gründlich ab.„Der italienische Militarismus hat." so schreibt daS „Volksrccht", seine Klanen bereits nach un- serer Jugend" ausgestreckt und wird sie in nicht ferner Zeit mit ehernem Griff in sei- nem unersättlichen Rachen verschwinden las- sen. Glaubt der Berliner Hakcnkrenzler, ihr einen Dienst erwiesen zu haben? Ist es nicht der helle Wahnsinn, in der jetzigen Zeit mit solchen Drohungen herumzuwerfen, wo alle dcut- schen Lande ohnmächtig am Boden liegen und beim geringsten Versuch, sich auf die Fuße zu stellen, einen Kolbenstoß erhalten." Auslas- jungen wie die des„Hcimdall" schaden auch den Hunderten optierenden Dcutschsüdti- r o l e r n. die von der italienischen Regierung auf Grund solcher Hetze als Irredentiftcn von der Aufnahme in den Staatsvcrband ansge« schloffen werden können und die F a 8 z i st c n lauern ja nur auf solche Ergüsse, um sich dann, mit dem Messer in der Hand, das sie gegen die Deutschen SüdtirolS zücken, bei den Siegfried- lern erkenntlich zn zeigen. Die Sozialdcmo- lratcn unter den Südtiroler Deutschen protc- stieren im Namen des arbeitenden Volke? die- ses Landes energisch dagegen, daß man ihm NebellionSabsichien importiert. ES hat in den fünf Iahren des Weltkrieges genug gelitten, eS will keine neuen Blutopfer, sondern f r i e d- l i ch e Auseinandersetzung mit seinen derzeit!« aen Machthaber». Die Deutschen Südtirols führen den denkbar schwersten Kampf, aber sie wollen ihn nicht führen, blind gegen die augenblickliche» Verhältnisse. In diesem Kampfe kommen die Hcilschreicr gerade zu . recht mit ihren Rothbartgedanken, die das Land c m o k r ai nur in Aufregung versetzen.— Deutschen kann wirklich nur durch Deutsche geholfen werden. Die künftige Beschäftigung der abtretende» Minister. Die„Tribuna" berichtet darüber, WaS die abtretenden Minister nun tun wer- den. Der bisherige Minister für Kultus und Unterricht Dr. S u st a tvill verschiedene histo- rischc Arbeiten schreiben. Gegenwärtig arbci- tct er an einem größeren Werk über Johann Iizka. Dr. Kovarik beabsichtigt wieder in Vcr Leitung der Aktiengesellschaft Kovarik& Wichterle in Proßnitz tätig zu sein. Dr. Pro- chaöka erklärte dem Fragen„Ich beabsichtige mich mit LandwirtschaftSarbeiten zu bc- schäftigen.'» Dr. P o p c l k a, der als erster Präsident des LandeSgerichtcs in Brünn bc- nrlaubt war, kehrt in nächster Zeit wieder ans diesen Posten zurück. Ter gewesene Finanz- minister H a n a c i k wird nach seiner Gene- sung daS Präsidium der Finanzlandcsdirektion übernehmen. Dr. G r u b c r kehrt als Pro- fcssor an die Rechtssakilltät der tschechischen Universität zurück. B r d l i k tvill sich dem wissenschaftlichen Studium widmen, während der bisherige Eiscnbahnminister Dr. B u r- g c r leitender Sektionschcf im Eisenbahnmini- sterium Ivird. Ter gewesene Minister für Post- und Tclegraphcnwcsen F a t k a verbleibt in Prag als Gcncralpostdircktor. General H n- s a k, der bisherige LandeSverteidigungsmini- ster, dürfte sich dem diplomatischen Dienst zu- wenden. Man spricht von seiner Entsendung nach Rom. Der HandelSministcr Dr. H o t o- w e tz, der schon vor der Demission des Gc- samtministeriumS resigniert hatte, wird sich der Tätigkeit als Präsident der allgemeinen PcnsionSanstalt in Prag widmen. Der ehemalige slowakische Minister Faynor wird wie- der Präsident der Gcrichtstafel in Preßburg. Kricgsanlcihcbesitzcr. Achtnno! Laut Mit- teilung der österreichischen Gesandtschaft in Prag können KriegSanlcihebesitzer, die die Uebcrnahme der ihnen gehörenden TitrcS in den Schnldendienst der Republik Deutsch- östcrrcich beanspruchen können, bis längstens 13. Oktober 1921 ihre Anträge stellen. Ans- kunft erteilt die österreichische Gesandtschaft Prag—2., Krakaucrgassc 11, 1. Stock. Die österreichischen Paßstellen in V r ü n n, M ä h r.- O st r a u und Prcßburg sind in Konsulate umgewandelt worden. Kommunistische Frechheit. Unter diesem sehr berechtigten Tiicl berichtet unser Karls- bndcr Partciblatt über eine Versammlung, die die Kommunisten am letzten Sonntag nach Chodau einberufen hatten! Also nach jenem Orte, der vor kurzer Zeit der Schauplatz einer von Kommunisten ausgeführten Mord- tat war. Tic Frechheit der Kommunisten wurde schon dadurch bestraft, daß ihre Ver- sammlung zum größten Teil von Sozialdemo- traten besticht war, die denn auch den Vorsitz führten. Als dann die Versammlung gar einen sozialdemokratischen Referenten(Genos- scn Hillebrand) bestimmte, zogen die Kommn- nisten(es waren ihrer nur etwa.19 biß 49) ab und die sozialdemokratische Versammlung nahm mit riesigen Beifall die Ausführungen HillcbrandS entgegen, der mit den Kommnni- stcn gründlich abrechnete.— Die Ehodaner Versammlung beweist zweierlei: erstens den alten ErsahrniigSsatz, daß er nicht gut ist, an den Ort der eigenen Schande zurückzukehren — und zweitens, daß eS mit dm Kommunisten in Westböhmen noch mehr als ander- wärts abtvärts geht. Die Vernichtung des deutschen Ostrauer Theaters verhindert. Im Gegensatz zu dem bekannten und bestätigten Gerichtsurteil, nach welchem der Raub des deutschen Landcsthca- ters bestätigt wurde, hat sich in diesem Staate ein Gericht gcftlndcn, das so viel Gcrechtig- keitssinn aufbrachte, einen neuen Raub zu verhindern. Der Oberste Gerichtshof hat in nichtöffentlicher Sitzung unter dem Vorsitze des Ratspräsidenten Havlik den Rekurs der Stadtgemcinde Mähr.-Ostrau gegen die Eni- schcidung des Berufsgcrichtcs, nach welcher die vom Bezirksgerichte in Mähr.-Ostrau we- gen Vorzeitigkeit eingebrachte Klage des Dcut- schen Tbcatervereins gegen die Stadtgemcinde Mähr.-Ostrau auf Einhaltung des Theater- Vertrages verworfen und eine zweite VerHand- lung vor der ersten Instanz anbefohlen wurde, abgewiesen und damit die Entscheidung des Berufungsgerichtes bestätigt. In der Begründung wird die Gültigkeit des Vertrages voll anerkannt und sowohl an der ablehnen- den Haltung der Stadtgemcinde als auch an den von ihr vorgebrachten tatsächlichen Ein- wänden eine scharfe, geradezu vernichtende Kritik geübt. Die Theatcrsaison wird auf Grund dieser günstigen Entscheidung, welche die finanzielle Lage des Deutschen Theaterver- eines sicherstellt, am 15. dS. eröffnet. Goethe als ReName kür ein Pelzwarenhaus. Zu welchen Geschmacklosigkeiten sich Kavita- listen und kapitalistische Presse zu Geschäfts- zwecken miwnter verleiten lassen, beweist ein riesig aufgemachtes Inserat, daS jetzt in der „Frankfurter Zeitung" erscheint. Eine große Abbildung des Frankfurter Gvethedenkmals, mitten im Weißen Felde, lenkt den Blick des 6. Oktober 1921. Lesers ans sich, der dann zu seinem Erstaunen gewahrt, daß das Bild Goethes nur dazu dient, um für einen Pelzwarenhändler Reklame zu machen, dessen Geschäft sich zufällig in der Nähe des Gocthedcnkmals befindet. Es wird sicherlich nur wenige geben, die in dieser Art Reklame eine gewisse Entwürdigung des größ. ten deutschen Dichters sehen— aber was küm- inert das den Kapitalisten, der nur auf sein Geschäft bedacht ist. was schert sich darum auch das vornehmste bürgerliche Blatt, wenn es ein paar lausend Mark verdienen kann. Abnahme der Tuberkulose dnrcki da? Alko- holvcrbot. Laut dem diesjährigen Berichte des Leiters vom Gesundheitsamt Chicago, Dok- tor Robertson, ist ein bemerkenswerter Rückgang in den Todesfällen durch Tuberkn- lose sowohl in Chicago als auch in den ganzen Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Die Sterblichkcitsziffer beläuft sich im Jahre 1929 auf 2959, d. h. 572 weniger als im Jahre 1919 und 1175 weniger als 1918. Unter den Ursachen, die zu diesem guten Ergebnis führ- ten, werden besonders reinere Luft, bessere Krankenhäuser, Wohlfahrtspflege und das Al- koholvcrbot genannt. Dr. Robertson sagt: „Nirgends im ganzen Land hat man derartige Rückgänge aufzuweisen wie hier in Chicago. Das ist zum größten Teil dem Alkoholverbot zu verdauten. Die Leute bekommen mehr Ruhe und Schlote, weil sie nicht mehr zechen. Präger Bühnenmitalieder in Wohnungsnot. Die Direktion und die Solistenorganisaiion des Deutschen LaudeStheaterS senden uns folgenden Aufruf: Tic katastrophalen WohnimaSverliciltnissc nötigen die Organisation-» der Milalicder des Deutschen LaudeStheaterS in Prag, sich an die Oellentlichkeit zu wenden mit der Bitte um werktätigste Hilfe. Eine ganze Anzahl der neu eintretenden Mitglieder sind derzeit noch ohne Unterkunft, werden von Hotel zu Hotel gejagt und lind nicht imstande, ein Obdach zu finden, ein Heim, in dem sie einine Behaglichkeit und vor allem jene Ruhe und Erholung finden, die es ihnen möglich macht, ihren künstlerischen Pflichten nachzukommen. Ein würdiger Arbeits- ranm ist tvobl das Mindeste, was ein darstelle», der Künstler für sich beanspruchen kann. ES sind ganz merkwürdige Umstände, unter denen Woh- nnng suchende Künstler abgewiesen werden, auch dort, Ivo eventuelle Wohnungen frei sind. Die Organisation des Deutschen Theaters im Verein mit der Direktion bittet herzlichst um Hilfe»nd lleberlnssnng von gecianetcn Wohnräumen, soll die Oeffcntlichkeit nicht das tranrinc Schousviel erleben, das, wertvolle Künstler Prag und sein Theater verlassen müssen, weil sie hier kein Ob- dach finden. Die Bübnenmitglieder hassen keine Fehlbitte getan zu haben und erwarten znvcr- sichtlich schleunigste.Hilfe. Diebstähle von Schreibmaschinen. Bor einigen Tagen erfuhren Detektive, das, in der Wohnung der Marie F i a l a in Nnslc eine entwendete Schreibmaschine verwahrt ist. Tntsächlich wurde dort eine Schreibmaschine ncfiindeii, und die Fialn gab an, sie habe iie von dem 29jährigen Kinooperaienr Wenzel P r o ch a z k a zum Bcr- kaufe erhalten. Außerdem wurde bei ihr Wäsche gefunden, die der Firma Pick in der Wasser- gaste von dem dort beschäftigten Josef Koeo u< r e k gestoblen worden war. Prochazka gestand nach der Verhaftung ein, eine oanzc Anzahl von Schreibmaschinen ans verschiedenen Kanzleien oestohleu und für 9000 Kronen verkauft zu haben. Prochazka behauptet, die Diebstähle allein durchgeführt zu haben, es ist aber klar, dal, er bei de» oft recht'komplizierten Einbrüchen Mit- schuldioe oebabt haben mnß. Prochazka. Koconrcl und die Fialo wurde» dem LandcSstrafgcrichie einnckiefert. Selbstmordversuch eincö Vrivaiangestellten. Vorgestern nach 10 Mir abends schoß sich der Kassier der Firma VeitiS-Kornseld Adolf P o- spichol ans Prag VIII in der Primatorska- aassc in Lieben an und verletzte sich schwer. Er wurde in das allgemeine Krankenhaus überführt. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Vergiftungsversuch einer Komvtoiristin. Inder Svatovlnk Ecch-Anlagen in Weinberge wurde vorgestern gegen M7 Uhr abends die 27'ährige Komvtoiristin H. Hncfl aus Weinberge in bewußtlosem Zustande anfaefunden. Sic wurde in das Wcinbcrger Krankenbans überführt. Es scheint sich um einen Selbstmordversuch auS un- glücklicher Liebe zu handeln. Kleine Chronik. Der Milliardenbetriiaer Dnim. Budapest, 4. Oktober.(MTK.) Die Polizei hat festgestellt daß der aus Wien flüchtige holländische Svck». laut Dnim zusetzt am 18. September in Buda- Pest weilte, wo er sich drei Tage aufhielt. Es wurde Wetters festgestellt, daß er bei der Vuda» Pcstcr Merkur-Bank ein Devot von 9,200.000 ung. Kronen bciitzt. Die Polizei hat das Depot unter Sperre gelegt. Die gesni>dhcits-i-sährlschc V'-ßllnhrtSknche. Warschau. 4. Oktober. lF""k.) Mehrere Warschauer Hochschullehrer, die sich in einer Wohl- fahrtskiichc verköstigen, erkrankten unter Vcrgif- tungscrschciuungcn. Drei derselben sind gc- storben. Täglich 700 Millionen polnische Mark nene? Vapleraeld. London, 4. Oktober.(Tsch. P.l Nach einer Meldung des„Daily Dclearaph" druckt die Warschauer Notenpresse täglich 700 Millionen Mark. Das bereits ansaegehe'.ie Papiergeld wird auf 100 Milliarden Mark geschätzt. Der französische Koiisukatssckretar in Rnstschul ermordet. Paris, 4. Oktober.(Havas.) Die Blatter melden, daß der französische Konsulats, sckretar in Ruitsch»? ermordet worden ist. Fliegertod. London.!l. Oktober. Ein großes .rlugzciig ist heute über dem Flngvlatz von Ton- stau in Brand geraten und abgestürzt. Zwei Offiziere und vier Mechaniker wurden getötet.- Rom, 4. Oktober.(Funk.l In w Nahe von Lasipol, ist ein Flugzeug abgestürzt Die beiden Insassen fanden den Tod. ß. OktvVe» 1921. „Gerechtigkeit und Menschlichkeit der Behörden." Wie da-. Tchulw.tnisteriüm n.it Humanität-, anstalten,»»springt. Dic^ Stadt L a u d S I r n u war am Samslaq der Schauplatz einer n'oftcn Demonstration Arbeiterschaft zag au» den Betrieben gc- schlössen vor die politische Bezirksverwaltuuq und forderte dort die Rückgabe der beschlaa- nahmten Ranine des städtischen.'lindergar. tenS. Die Geschichte der Beschlagnahme stellte Bnrgcrmeistcr Winter in einer Ansprache dar. Im Jahre 1920 wurde vom Laiidesschulrate die Zwang-n,icte für die ganze alte Wcbschulc ausgesprochen, in der die zwei Abteilungen des städtischen Kindergartens und vier Klas- scn der tschechischen Minoritätvschule nnterge- bracht waren, ausgesprochen. Dagegen erhob damals der Stadtrat Berufung, da für den Kindergarten— was bei der konnnissioncllcn Besichtigung auch von tschechischer Seite an- erlannt wurde— feine anderen Räume vorhanden|>lid. Nunmehr gelangte vom Ministerium für Schulwesen die Abweisung der Berufung und mit ihr die Bestätigung der Beschlagnahme herab. Auf Grund dieses Erlasses wurden nun in der Nacht zum 30. September auf den 1. Oktober die Kindergartenräume g c w a l t- s a m a u L g e r ä n m t. Samstag früh wurden den Müttern, die mit ihren Kindern erschienen waren, um sie in den Kindergarten einschreiben zu lassen, dem intervenierenden Bürger- meiste? und dem Leiter des Kindergartens, Gcnoffcn Roller von der Gendarmerie der Eintritt verweigert. Es handelt siel, also um einen brutalen Gewaltakt. Genosse Roller wies in einer Ansprache an die . Demonstranten darauf hin, das; der Kindergarten eine Huiuaiuiäteanstalt ist, die bisher von Kindern beider Nationen bc- sticht wurde. Durch den Gewaltart ist der Bc- stand der Anstalt bedroht, die Mütter der Kin- dergor'cnzöglinge sind in ihrem Erwerbe bc- hindert.' Er forderte den BezirkShauptmann auf, den Worten des Präsidenten Maiaryk gemäß, nach den Grundsätzen der Gercchtig- kcit und Menschlichkeit vorzugehen und den Gewaltakt rückgängig zu machen. Eine Ab- ordnung, die bei der politischen Bezirlsverwal- tung vorsprach, erreichte nur, das; bis zur Entscheidung durch die jetzigen veranwort lichen Männer in den Ministerien die Bc nützung der Räume für beide Parteien sisticrt wird. Eine Abordnung der Stadt begab sich gestern in die Ministerien für Schulwesen und soziale Fürsorge. Mir warten mit Interesse auf die Stellung, die die neue Regierung zu diesem Gewaltakt einnehmen wird. Vor der Spaltung der kommunistischen Partei Deutschlands Während der Reichenbcrgcr„Vorwärts" die Vorgänge in der kommunistische» Partei Teutschlands als belanglos hinstellt, gelangt Clara Zetkin in der„Roten Fahne" zu einem anderen Urteil. Sic schreibt: „Die Partei darf nicht beschaulich.Nische», bis aus der Gruppe der Sieben Siebzig, Siebenhundert und Siebentausend aeworden sind. Die Konstituierung der Fraktion der Konlmnnistischen Arbeitsgemeinschaft ist nicht zu bewerten als harmlose Privaianaclegen- nett einzelner Persönlichkeiten, die wähnten, um der koininnnistischcn Sache willen der Koin- niunistischen Partei den Rücken kehren zu müssen. Tie besagt»ich, sriedlich-schiedliche Erweiterung und Stärkung der koininnnistischcn Bewegung über die Grenzen der Partei hin- aus, durch..Mißvergnügte", aber„Swnpathi sierendc". Sie läuft in der Praxis hinaus auf Bedrohung, S ch w ä- chung, Lockerung, ja Spaltung der Partei, auf Gegnerschaft wider sie—Die Gründung der Koininnnistischcn Arbeits-wiiiem schast ist bewußt oder unbewußt, gewollt oder ungewollt, der Anfang des Versuchs, die Kommunistische Partei zu spalten oder zu überrennen." Melters sagt Clara Zetkin, daß es ja selbst- »erständlich sei und in der Natur der Dinge iiege, daß die unter Levis Führung int deut- ichen Reichstag gebildete„kommunistische ä:> leitsgcincinschaft" nicht nur eine Parlament»- tische Gruppe oder literarische Strömung wer- lc bleiben wollen, sondern daß sie zweifellos »ich ilnter den kommunistischen Arbeitern, den tisherigcn Mitgliedern der Bereinigten Kom- tiunistischen Partei Deutschlands werde An- länger finden wollen. Es scheint demnach ein kämpf innerhalb der kommunistischen Partei levorznstehen, der möglicherweise mit der Spal Ufr* A ilAM UAMiMtAiltn" OmiltltlM» iftpt? Sozialdemokrat sing der„vereinigten" Kommunisten enden »ird. Die„Bereinigung" wird also nicht sehr wge gedauert haben. instand. Tie Komödie von der Uebergabe West- Ungarns. u^ic Horthymagyaren und die hohe Gene- ralskemmission in Ocdenburg degradiere» die Weltgeschichte zum Kasperltheater. Denn anders kann man den FastnachtSschcrz, der am _ sktobcr nachmittags 5 Uhr in Ocdcnburg aufgeführt wurde, nicht charakterisieren. Ward da vom. ungarischen Fcldmarschallcntnant Paul von HcgedüS und vom französischen, englischen und italienischen General ein Brokkoli unterfertigt, laut ivelchcm die Ungar» den aufs Bnrgenland bezüglichen Vertrag vo» Trianon aiisgefnhrt und das. Land geräumt hätten. Hübsch, wie? Wäre diese Spoitgcbnrt der Lüge nicht so traurig, durfte man über den Spaß herzlich lachen. Da ziehen in Westnngarn Banden mit Maschinengewehren und Hand granaten Plündernd und sengend umher, die Bevölkerung wird geknebelt, die Jugend ins Militär gezwungen, aber die Kommission der Generale bestätigt, daß die ungarische Regie- rung ihre Aufgabe„pollstrcckt"hat! So stellt sich die große Entente ihre Pflicht vor, feierlichen Verträgen zur Geltung zu verhelfen und Rechtsbrüchc»ach Gebühr zu bestrafen! Atem- los lauschte die Welt, wie frechen Räubern Gesetz und Ordnung cindruckSvoU würden ins Bcivußiscin gehämmert werden und die Wächter des Gesetzes leisten sich eine wider lichc Farxc! Man hat von den großen Worten und von den Sittlichkcitsphrasen der Welt mächte nie ctwaS gehalten. Aver daß sich die Heldentenöre dcS Welttheatcrs als Bajazzos und Clowns aufspielen, übersteigt auch die al lerkühnstcn Erwartungen. i.iiimnPiiUHi.u'ihii. i'ii, Gedenkt des /ottds MVMWWWM» Genossen! ur Erhaltung des Zentralorgans! Ditungarlschtntiomltstischis. Bandenunwesen. ^Wieir, 4. Oktober.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Gestern hat das Unga- tische Tclcgraphcn-Korrespondcnz-Bureau mitgeteilt, das; die militärische R ä u- IN u n g der z w e l t c n westungari- schc» Zone begonnen hat. Bisher ist aber davon noch nichts zu sehe». Es wird im Gegenteil in immer neuen Orten des Burgenlnndcs reguläres Militä festgestellt. In Neu markt im Räume von Pinknfeld ist reguläres Militär in bedeutender Stärke vorbanden. Im Räume von Oberward werden die Banden beständig verstärkt. In Grafen s ch a ch e n sind zwei hundert Banditen angekommen und haben aus Wagen Munition initge- führt. Zwischen K i r ch s ch l a g und O c- d e n b u r g ist eine Trausporlliuie eingerichtet. In L a ck c n b a ch ivurde gestern für 10 0 0 Mann Quartier gemacht. Im Verlans des Nachmittags trafen auch einige hundert Freischärler dort ein. Ans Wie- s e l b u r g treffen unausgesetzt Flüchtlinge ein. Sic erzählen, daß sie geflohen seien, weil das ungarische Militär alle Man- n c r bis zu 45 Jahren zum Was- f e n d i c n st einberufen habe. Die Einberufung erfolge in alle» Geineinden unter Trommelschlag und Ansprachen im= garischer Offiziere. In vergangener Nacht war an der Grenze, vor allem bei B r u ck a. L. und N e u f c l d eine lcbhaftereGc- fechtstätigkeit als bisher. Einige österreichische Gendarincrieposteii wurden in der Nacht geräumt,, bei Tagesanbruch aber wieder besetzt. Am Abend kam ans Bruck die Nachricht, das; dort wieder eine leb- hafte G e f c ch t s t ä t i g k e i t eingetrc- tcn ist. Näheres ist noch nicht bekannt. Neue Bandcncinsällc. Wien, 3. Oktober. Amtlich wird vcrlant- bart.'Anch in der letzten Nacht haben nnga- tische Banden bei Bruck.i. L. w'cdcr c.u> österreichischem Gebiet g.schossq>i. Hielci 'st ein Wehrmann gefall'.. Die Komödie des„unabhängigen" West- Ungarns. Wien, 4. Oktober. Die Politische Korrespondenz teilt mit: Bei der österreichischen Regierung ist folgendes Telegramm eingetroffen: Fcl^r, 4. Ottober. Das Boll Westun- garns bat ans dem ini Zinne des Trianoner Friedensvertrages(!) Art. 27 Punkt 1 ge- Italiens Vermittlerrolle noch in der Schwebe? Pari s, 4. Oktober.(Tsch. P.) Eine amtliche Mitteilung besagt: Der von der Bot- s ch a s t t r k o n f e r e n z gefaßte B e s ck l n ß, die italienische Regier» n g zn beauf- tragen, mit Vertretern Oesterreichs und U» garns über die b»rgcn!ändische Frage zu vor- Handel», kau» n i ch t a l S'r n d g ü l t i g angesehen werden. Die englische Regie rniig hat ihre Zustimmung j» dem Abtom- mcn» och n i ch t g c g c b e». Ter Bock als Gärtner. Budapest, 3. Oktober. lMKB.) Heute bcaiiiiit die militärische Räumung der zweiten westun- Mischen Zone. Ucber Ersuchen der intcr alliierten Gcneralskommission verbleibt das aus einigen hundert Mann bestehende O s z t c n b n r g i s ch c G e n d a r m e r> eb a taillon sowie die Oedcnburgcr Polizei zum Zlvccke des öffentlichen Sicherheitsdienstes i n cdcnbnrg. Das Kommando über die Brachialgewalt übernimmt die interalliierte GencralSkommission, sodaß die in Oedenburg Verbleibende Brachialgewalt den Ebarak- tcr einer internationalen Behörde hadcn wird. Emil Paul Hcgcdüs verbleibt behufs Auf rcchtcrhaltung der Verbindung mit der Fntcr alliierten Gcncralskoinuiifsion auch weiter in Dodenburg. Die österreichische Regierung verlangt Ran- niiliig und dann Verhandlungen. Wien, 4. Oktober. Die„Nene Freie Presse" erfährt von informierter Seite, daß Bundeskanzler Schober gleich zn Beginn der Vene- diger Konferenz die Frage auswerfe» wird, welche Garantien Oesterreich nach der nun mehr erfolgten formellen Räumung des Bur genlandes durch Ungarn für die latsächliche Räumung des Landes und dessen Säuberung von den Banden sowie für jeden ungestörten Besitz von feiten der alliierten Mächte geboten wird, unter deren Oberhoheit augenblicklich Westungarn steht. Erst wenn dies von den Regierungen in zufriedenstellender Meise gc klärt wäre, könnte der Bundeskanzler in allge meine Verhandlungen über dir Frage von etwa zu vereinbarenden GrcnzreguUcrungen eilige Heu. Diesbezügliche mcritoxijche Beratungen könnten jedoch in Gemäßhcit der Beschlüsse des Ausschusses für Acußcres erst nach erfolg ter tatsächlicher Besitzergreifung des Burgen landes durch Oesterreich ihren Ansang nehmen. Jugoslawien rüstet gegen Ungarn. Belgrad, 4. Oktober. Infolge der»cuestcii Ereignisse an der albancsischen Grenze und der Anhäufung ungarischer Truppen an der Nordgrcnze Jugoslawiens fand gestern abends eine Konferenz zwischen dem Kriegsministcr und dem Gencralstabschcf statt, welcher die Scktionschcfs beiwohnten. Die eiligst zu unter- nehmenden Aktionen für die Sicherstellung der Grenze Jugoslawiens a» beide» Fronten wurden besprochen und beschlossen. Die Re- giernng wird noch heute über die mögliche Einberufung einiger Jahrcöklassen Beschluß fassen. öenesch auf dem Uückzug. Brünn, 4. Oktober. Die nachinittägigen „Lidove Novinh" meiden: Um Mißverständnissen und verschiedenen Kombinationen vor zilbengeii, welche ans nnrichtigen Jnfoniiatio- nen beruhen, wird n»s von gutinformierter Stelle mitgeteilt: 1.) Minister Bcncsch, der Lecke 5. StaatSvcrträgc überstürzte Liquidationen dr. Baiilsiliake» vornehmen würde. Abgeordneter Pauli?>Großdc»tschcr) erklärte niu Rücksichi ans die Mittciliingen des Sachverständigengut- achtens seinen bisherigen entschiedenen und heftige» Widerstand gegen die Nebersrcindnng nicht aufrecht erhalten zn können. Die beiden Gesetze wurden sodann mit einer Reihe van Abänderungen angenommen, welche den von den Großdeutschen gestellten Bedingungen einsprechen. II a, wurde beschlossen, daß ein an sehnlicher Teil des zufließenden ausländischen Kap'talS dem österreichischen Geschäfte zn v id. uicii ist und daß beide Gesetze gleichzeitig mit dein von den Großdcntschcn eingebrachten so- genannten Banllontrollgeschc in Kraft z» Ire lc» haben. Weitere Abänderungen bczwicken eine stärkere Erfassung der aus der Trans- altion sich ergebenden Gewinne zugunstcü des österreichischen Stcncrsiskus. ruflUriir Hungersnot. Entsetzliches Elend. Moskau, 4. Oktober. lTsck. P. B. Funk. Pravda" sct reibt: Das Wolga gcb ie durchlebt gegenwärtig fürchterliche Hungers quaken. Besonders schwer leide» die Kindel der Gouvernements Saratow In diese» Gonvernemcnt gibi es 022.079 Kinder im Al ter von 1 bis 10 Jahre»- Die Kinderheim- sind nicht imstande, alle diese Kinder oufz» nehmen und zn verpflege». Bettelei ist ai der Tagesordnung. Die Parteiorganisaiione» machen heroische Anstrengungen, um gcgci diese Zustände anzukämpfen. Ihre Bcmü Hungen scheitern aber am Umfange des Elen des. Laut Mitteilung des Polksgesnndheits amtcs beträgt die Zahl der hungernden Kin der Rußlands 4,701.00«. Die ZpphiiScrkrcin klingen im Gouvernement Zarhzin nehme» zu. In den Hungergcbietcn sind über 00.0G Menschen ertrankt- Die meisten Erkrankung« kommen an Cholera und Bauchthphus vor. um rn ermittliing in der westungarische» An- gelcgenheit ersucht wurde, beschlos; zunächst, wie es seine Pflicht war, sich über die ganze Angelegenheit zu informieren, ehe er irgend eine Aktion im Namen der tschechoslowakischen Regierung unternahm. 2.) Nachdem er bei Ein- Holling der Informationen nach der Zusam- mcnkuilft mit Kanzler Schober festgestellt hatte, daß über eine italienische Vermittlung verhandelt wurde und daß inzwischen die alli- irrte Note an die ungarische Regierung ringe- gangen war, teilte er sofort der ungarischen Regierung mit, daß er die Vermittlung nicht übernehmen könne. Griechisch-türkische Friedensverhandlungen? Konstantinopel, 4. Oktober.(HavaS. Nach einer aus Athen eingelaiiglen Meldinij wird die g r i e ch i s ch c R e g i e r>l n g in de, nächsten Tagen eine Kundgebung ver össentlichen, in welcher sie d-c Bereitwil l i g k e i t zur Einleitung von Friedens Verhandlungen präzisieren wird. Berlin, 4. Oktober.(Tsch. P.) Di' „Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet übe: London, daß K e m a l P ascha keine Frie d e n s v c r h a n d l n n g e n mit Griechen I a n d führen wolle, aber bereit sei, di> Mächte als Vermittler anzunehmen Tic Fricdeiisbedingungc» der Türken feie» folgende: 1. Vollkommene Nnabhän gigkeitdcrTürkci. 2. R ü ck g a bc alle türkischen Gebiete. 3. A n f l> e b u n g de- Friedensvertrages mit den Alliier- tcn. Die Nnruhen in Marokko. Melilla, 4. Oktober.(HavaS.) Gestern frn- hat der Kampf an einer 10 Kilometcrlanger Front begonnen. Die spanischen Truppe» sind in alle feindlichen Positionen vorgcdrun- gen. Der Feind hatte riesige Verluste. Inland. Niederlage der Kommunisten in Bulgarien. Sofia, 4. Oktober. Das bisherige Ergebnis der gestrigen Wahlen in die Gemeinderäte 130 Städten und Dörfern bildet eine vollkom» inene Niederlage der Koninuinisten. räumten Gebiete die Unabhängigkeit und Neu- tralität dieses Gebietes und seiner'Bcvolke- rung am 4. Oktober 1921 um 12 Uhr mittags proklamiert und den Oberkommandante» mit £>er Ausarbeitung eines Verfassungsentwurfes betraut. Gleichzeitig hat sich die Einwohner- schaft der Bezirke Nezsider, Kismarton, Laloin- Pak, Fesö-Palja und NemctUjvar der Pro- klamierung der Unabhängigkeit angeschlossen, worüber die mit den Unterschriften der Gc- meindevorstchcr und dem Gemcindcsiegel ver- j scheuen Protokolle an das Oberkommando ; nach Felsör eingesendet wurden. Dr. Franz { von Levatz, Schriftführer der konstituierenden | Nationalversammlung." Die Annahme deS österreichischen Länderbanl- und Anglobank-Gesetzes gesichert. Wien, 4. Oktober.(Tsch. P. B.) Der Fi- naiizauSschuß des Nationalratcs hat das Län- derbank- und Anglobank-Geietz aiigenomnicn. In der Debatte über das Länderbank- und Anglobank-Gcsctz verwies der Berichterstatter ans das Ergänziingsgntcichten der Sachverständigen, ans welchem hervorgeht, daß die Län- dcrbank infolge des Beschlusses der Wiener Banken am 15. Oktober im gegenseitigen Bor- trag Engagements zu bereinigen, zn diesem Termine Schlüsse in der Höhe von Millionen Francs zu liefern habe. Ferner wird darauf hingewiesen, das; der englische Sequester den Uli f..» unbegründeter Meise ans österreichische» Aktien einen Nachlaß von 183.000 Pfund bewilligt habe. Es sei somit zu besürch- len,'daß im Falle des Nichtzustandekoniniens , des Gesetzes der englische Sequester und Vieh i leicht auch ein französischer Sequester trotz der Belgrad, 3. Oktober. Die Albaner befestig ten sich bei Mali Kaltscherit und bombardieren seit gestern die serbischen Stellungen beim Dorfe Bras. Weitere Befestigungen der AI- bauest» sind bemerkbar. Hilfsaktion fnr Nukland. Um das Endergebnis der durch die im„Ar- beiterausfchuß des russischen HiifssondeS" vertretenen politischen Parteien, gctverlschaft- lichen und genossenschaftlichen Organisationen mit gemeinsamem Aufruf und Sammellisten durchgeführten Samiiilunaen feststellen zu können, ersucht der Ausschuß, diese Sammlun- gen beschleunigt durchzuführen und zu verrechnen. Bis zum 15. Oktober l. I. mögen alle gesammelten und noch nicht abgeführten Gel- der an die„Allgemeine Genossenschaftsbank tVseobcciia drnzstevni banka) Prag I., Krakod- voröta nlire eingesendet werden. Gleichzeitig mögen an den„ArbriteranSschnß des russischen HilfSfondeö Prag 1., Rndolfinum" alle Sammellisten eingesendet, werden. Diese Wei snngen berühren einstweilen»och nicht die durch die genossenschaftlichen Organisationen durchgeführten Sammlungen. ArbeiterauSs6?iiß des russischen Hilfsfonds Prag, Rudolftnutn. (Tie Provinzpresse wird um Abdruck dieser Nachricht ersucht« 1 Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Unklarheiten in der Praxis der Umsatz- sleuer. Da? mit 1. Oktober 1921 in Geltung getretene neue Ilmsatzsteuergesetz ermächtigt den Verkäufer dem Käufer die Umsatzsteuer OK- separat in Anrechnung zu bringen. TS herrscht jedoch völlige Unklarheit darüber, ob der Verkäufer berechtig ist, die volle Umsatzsteuer von 298 oder lediglich den neuen Zuschlag von 1 Prozent dem Käufer zu berechnen. Nach dem alten Uinsatzsteucrgcsetz war eS gesetzlich nn- zulässig, die Steuer dem Käufer zu verrechnen, es ist jedoch im neuen Gesetz nicht ausgesprochen, daß die Umsatzsteuer von 2% vom Käufer verlangt werden kann, vielmehr ist man nach dem Wortlaut des neuen Gesetzes der Ansicht, daß der Verkäufer nunmehr das Recht erhalten hat, vom Käufer der Ware daS neuer hinzugekommene 19» Umsatzsteuer zu verlangen. Seit 1.d. M. berechnen daher in allen Unternehmungen die Verkäufer eine Umsatz- stcuer zu Lasten der Konsumenten. Mcrkwür- digerwcise schlagen die einen 29», die anderen 1 Prozent zur Kaufsumme zu. Im Interesse ver ohnehin durch dieses unsoziale Gesetz schwer geschädigten Konsumenten, ist es erforderlich, daß das Finanzministerium sofort die Oes- fcntlichkeit aufklärt, daß die Verkäufer das Recht zur Verrechnung von höchstens 198 Um- satzsteucr zu Lasten der Käufer besitzen. Tie Lohnbewegung in» Möhr.-Ostraner Re- vier. Tic tschechoslowakische Gewerkschaft?- Vereinigung teilt mit: Montag mittags begab sich eine Delegation der tschechoslowakischen Gewerkschaftsvcrcinigung, und zwar die Her- ren Tapcrle, Iakubka und Ackermann, zum Ministerpräsidenten Dr. B e n e s ch, um ihm den Beschluß des Zentralrates der tschechoslowakischen Gewerkschaftsvcrcinigung über den Lohnkonflikt im Ostrauer Gebiet vorzutragen. Die Delegation stellte die Forderung auf, eS möge von der Regierung eine Beratung von Regierungsvertretern und den interessierten Gewcrkschaftsorganisationen einberufen wer- den. Der Ministerpräsident sagte die Erfül- lung dieses Wunsches zu und versprach, die vorgetragenen Forderungen einer ernsten Prüfung zu unterziehen. Die Delegation bc- tonte auch die Dringlichkeit der Angelegenheit. In staatliche» Diensten. Die tschechostowa- kischc Republik beschäftigt 155.000 Eisenbahner 53.000 Zivilbcamtc, 44.149 Angestellte, 40.000 Lehrer, 10,778 Seelsorger, 11.201 Gen- darmcn, 8000 Offiziere, 2800 Unteroffiziere, angeblich 190.000 Soldaten, 249 verschieden- artige Personen. Zusammen 524.370 Pcrso- neu. Die Ausgaben für 1922 werden angeb- lich 21.207,715.758 K betragen. Die Kosten für die neue Erspaningskommission dürften in diese Summe noch nicht eingerechnet worden sein. Die Agrarier für die Verlängerung der Ar« beitSzeit. Die„Deutsche Landpost", das Haupt« organ der deutschen Agrarier in der tschecho- slowakischen Republik, schreibt in ihrer sonn- tägigcn Nummer:„Die Vcrbilligung der Gü- tesrzetqpinG. binin iM)t in zzßter Lil^r aus dem Titel Arbeitslöhne erfolgen, sondern ist in der Verlängerung der Arbeitszeit zu suchen." Wie gut es doch die Herren Agra- ricr niit den Arbeitern meinen. Sie wollen nicht die Löhne erniedrigen, Gott behüte! Sie wolle» ipx, daß die Löhne dieselben bleiben und otc Arbeiter statt 3 vielleicht J2 Stunden arbeiten. Als ob die Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichbleibenden Löhnen nicht auf dasselbe hinauskommt, als wie die Herabset- zung der Löhne. Die Getrcidepreise steigen, die gebundene Wirtschaft hört auf, die Agrarier verdienen dick, aber alles ist ihnen nicht genug. Am liebsten würde es ihnen sein, wenn die Landarbeiter so wie vor dem Kriege von vier Uhr früh bis spät in die Nacht arbeiteten. Riesenkampf der Dresdner Metallarbeiter. Die Metallarbeiter des Dresdner Bezirkes stehen fett etwa 14 Tagen im schweren Kampfe gegen daS Unternehmertum. Wie an anderen Orten bedienen sich auch hier die Kapitalisten in provozierender Weise deL Mittels der Aussperrung, um die Arbeiter gefügig zu machen. Die Dresdner Metallarbeiter verlangten eine Anpassung an die Löhne, wie sie anderwärts, in Leipzig, Chemnitz usw. schon gezahlt wer- den. Als ihnen die Forderungen nicht diesem Gnmdsab entsprechend bewilligt wurden, griffen sie in zehn Betrieben zum Streik. Die Un- ternebmer antworteten mit der Gcsamtaus- spcrru.ng. Zirka 40.000 Metallarbeiter sind im Dresdner Bezirk davon betroffen. Am bergan- gcncn Donnerstag fanden in Dresden auf Ver- anlassung des sächsischen ArbcitSministrriumS Einigungsverhandlungen statt. Die Unternehmer zeigten sich dabei allerdings noch völlig unnachgiebig, so daß daS Ende des Kampfes bisher nicht abzusehen ist. Die aus- gesperrte Arbeiterschaft aber steht nach wie vor in einmütiger Kampfentschlossenheit. Gleich- falls am Donnerstag ward in 13 großen Vor- fammlungcn über den Stand des Streikes be- richtet und anschließend bildete sich impulsiv ein wuchtiger D c m o n st r a t i o n S z u g, an dem mindestens 15.000 Arbeiter teilnahmen. Die Entschlossenheit der Arbeiter geht aus einer einstimmig angenommenen Resolution hervor, aus der wir wiedergeben:„Die Strei- kenden und Ausgesperrten nehmen den aufgezwungenen Kampf an. Sic werden ihn kalt- blütig, mit aller Ruhe, aber auch mit aller Schärfe führen. Wollen die Unternehmer den wirtschaftlichen Frieden herstellen, so haben sie durch geeignetes Entgegenkommen die Mög- lichkeit dazu. Die Streikenden und AuSgcsperr- ten legen das Gelöbnis ab, den Unternehmern den Nachweis zu erbringen, daß die Metall- arbeiter Dresdens eine einheitliche, g e s ch l o s- sene Kampffront sind und für die Zu- kunft bleiben werden. Eine internationale Arbeitskonferenz. Am 25. Oktober wird in G e n f die dritte interna- tionale Arbeitskonferenz eröffnet werden. Sie wird ungefähr 000 Delegierte aus allen Völ- kerbundsstaaten und auch aus Deutschland und den Vereinigten Staaten vereinigen. Die Tagesordnung umsaßt eine Reihe von Fragen, die ans den Handel, die Industrie und die Landwirtschaft Bezug haben. Arbeiter und Angestellte. Die Berllner Blätter berichten aus Esten, daß beim Kon- greß des Allgemeinen freien Angestelltenbim- des(A.-F.-A.) über den Zusammen- schließ der Angestelltenverbände mit den freien Gewerkschaften verhandelt Wierde. Zwischen den Arbeiter- und Angestelltenverbänden sei ein Organisa- tionsvertrag abgeschlossen worden. ) Durch Innahme der Satzungen nach dem Bor- ' schlage des Vorsitzenden wurde der Zusam- menschlich der freien Arbeitergewerkschaften mit den freien Angestelltenverbänden voll- zogen. Lohnforderungen der Straßenbahner und Bim- deSanaestellten. Wien, 4 Oktober.(Eigenbericht deS„Sozialdemokrat".) Der Stadtsenat bat heule die E r h ö h» n g der G a S- und Strompreise genehmigt. NachmittnaS haben dann die Verhandlungen mit den Straßen- bahnern über neue Lohnfordernngen begonnen. Sie wurden noch nicht zu Ende ge- führt, sondern haben um zehn Uhr neuerdings begonnen.— Die Beratungen der Organisa« tionen der BundeSange st eilten über die der Regierung zu überreichenden Forderun- gen haben heute de» ganzen Nachmittag ge- auert. Die Forderungen dürsten morgen der. Regierung übermittelt werden. Kunst und Wisteu. Rene» Theater. Heute Mittwoch BizetS„Dja- mileh", DonizettiS„Lucia von Lamniermoore", Donnerstag„Die Schauspieler", Freitag(zweite volkstümliche Vorstellung) DellingerS Operette „Don Ccsar", SamSlag MolnarS„Der Teufel". Samstag 10 Uhr Nachtvorstellung„Scheidung«, reise". Sonntag„Das Mädchen aus dem golde- neu Westen". Aus der Partei. Eine» Kurs für BikdungSfunktionäre der sozialdemokratischen Kreisorganisatione» ver- anstaltcte die Zentralstelle für Bildungswcsen am Samstag, den 1. und Sonntag, den 2. Oktober in Prag. Von den 16 Kreisorganisationcn hatten 14 ihre BikdungSfunktionäre entsendet. Ferner nahmen daran teil ein Vertreter deS Arbeiter- sängerbundes, drei Delegierte deS sozialistischen Jugendverbandes, eine Vertreterin des Frauen- reichskomitcs, zwei Vertreter der Zentralstelle für BildungSWescn, insgesamt 27 Kursteil- nehmer. Das Unterrichtsprogramm gliederte sich in vier Grtlppeu: 1. Organisation der Arbeiter« bildung; 2. VortragSwescn— BibliothekStech- nik; 3. Fugend- und Kindererziehung; 4. Grundsätze über Festknltur. Den Unterricht deS Kurses erteilte Genosse Dr. Josef Luitpold Stern ans Wien. Eine Fülle von praktischen Vorschlägen und Anregungen wurden eingehend beraten. Zur Durchführung in den nächsten Monaten sollen der Zentralstelle vorgeschlagen werden. Die Errichtung von VerlrauenSniännerschulen in den einzelnen Kreisen, eine Vortragstournee der Genossen Dr. Julius Deutsch und Julius Brauntal aus Wien, die Abhaltung von Biblis- thekarschulen in einigen Kreisen, die Veranstal- tung von proletarischen.Kunstabenden und die Herausgabe von VortragSdiSpositionen.— Der Kurs, der ein Versuch war, die Bildungsorga- nisatoren der Kreise einheitlich zu schulen, hat alle Teilnehmer vollauf befriedigt und ist der Anfang zu einer gründlichen Organisierung des proletarischen BildungswesenS. KreiSkonserenz in Troppan. Sonntag, den 2. Oktober, tagte im„Volksheinc" in Troppau die diesjährige Kreiskonferenz. Als Delegierter der ReichSparleileilnng war Genosse Kremser aus Teplitz erschienen. Tie Konferenz wurde nach einem Begrnßnngschor des Männergesang- Vereines vom Kreisvertraucnsmann Genossen Jokl eröffnet. In das Präsidium wurde» die Genossen Trcuka(Jägerndorf), Kowalitz(Frei- stadt), Titz(Troppau) und Genossin Jilg(Wig- stabil) gewählt. Den gedruckt vorliegenden Bericht der Krcisvertrctung ergänzte Genosse Jokl, der insbesondere den in den letzten Wochen ge- führten Kampf um das ErnährungSwcscn be- sprach. Hierauf wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche die Schuld der bürgerlichen Parteien an dem heutigen Ernährnngselend feststellt und die Durchführung der Regierungs- Vorlage in uneingeschränktem Maße fordert. Neber„Presse" erstattet Abgeordneter Genosse Jokl Bericht. Es wurden Borschläge zur Wer- bung neuer Abnehmer der„Volkspresse" nnler« breitet. An den Bericht knüpft sich eine längere Debatte, in deren Verlauf verschiedene die Rcdak- tion icnd die Verwaltung betreffende Wünsche und Beschwerden vorocbracht werden, lieber „Organisation und BistzungSarbeit" berichtete ausführlich Genosse Höh»heißer(Frei- Waldau). An dieses Referat knüpft sich eine DiS- kusfion, in welcher die Redner die Nolwcndigkcit der Einsichtnahme in die zeitweilig aufliegenden Wählerlisten und der besonderen AufklärnnaS- und BildnngSarbeit unter den Frauen be- sprechen. Zum Kreisvertraucnsmann wurde auf Vorschlag eines Wahlkomitces einstimmig Gc- nosse Jokl, zum Krciskassicr Genosse Prvske ge- wählt. Heber die Vorarbeiten zur Gründung des Rcichsvereines der Kindcrfreundc berichtet Ge- nosse Kremser. Genosse Kriegisch(Troppau) rich- 8. OVvber im. irtt an dk Vertrauensmänner den Appell, die Jugendorganisationen in ihren Arbeiten zu unterstützen. Zum Parteitag werden entsendet Genossin Joll und die Genossen Abgeordneter Hccger und Senator Link. Nach Erledigung einiger Anfragen wurde die schön verlaufene Konferenz mit dem„Lied der Arbeit" geschlossen. Turnen und Sport. Eine stolze Arbeltersportorganisation. Der Ar- beiterturn- und Sportbnnd, Sitz Leipzig, hat die halbe Million Mitglieder über- schritten(52.>Hlf). Hiczu kommen noch 250.000 Jugendturncr. Der Bund besitzt ein großes eigenes Sportgeschäft und eine ständige BundcZschule zur Ausbildung von Lehrkräfte» und Tcrbrci- tnng aller wissenschaftlichen Errungenschaften auf dem Gebiete der Leibesübungen. Ter Deutsche Arbeiter-Wassersportverein wird niit dem Ar- beiterturn- und Sportbund verschmolzen, sodaß die Mitgliederzahl 000.000 erreichen dürfte. Die Leichtathletik in den nordischen Ländern steht auf einer hohe» Stufe. Davon zeugen die Meisterschaft Kämpfe in Finnland und Schwe- den, deren Resultate wir anschließend bringen: Die f i n n i s ch c n L e i ch t a t h l e t i l m e i st e r- schaffen wurden in K o t k a abgehalten und brachte» fünf Rekordleistungen, darunter drei allein von dem vorzüglichen Wilen. Ergebnisse: 100 Meier Härö-ReipaS 10,9 Sekunden, 200 Nieter derselbe 22,1 Sekunden(Rekord). 400 Meter Wilen-HelsingfvrS 49,8 Sekunden(Rekord). 800 Meter Wilen-HeliingforS 1 Minute 57 Sekunden(Rekord). 1500 Meter Järvelä-Aabe 4 Minuten 1,3 Sekunden. 5000 Meter NurmI 15 Minuten 21,5 Sekunden. 10.000 Meter derselbe 33 Minuten 2,0 Sekunden. 110-MeIer Hürde» Wilen-HelsingforS 15,9 Sekunden(Rekord). 400» Meter-Hürden Vengström-HelsingforS 57,7 Sekunden. Hochsprung Kraemer-Wasa 1,805 Meter. Weitsprung TunleS-Tannnerfors 0,95 Meter. Dreisprung derselbe 14,10 Meter. Stabhochsprung ' RauhamaS-Vibora 8.70 Meter tR-kord). Kugel- stoßen Kotro 24,98 Meter. Diskuswerfen Niith- maa 42,72 Meter. Speerwerfen Voltonen-Tam- merfors 01,04 Meter.— D i e schwedischen M e i st e r s ch a f t s k ä m P f e in Stockholm ergaben ebenfalls gute Resultate. Lilja 100 Me- ter in 10,8 Sekunden. 200 Meter in 22.0 Sekun- den. Weinarth 400 Meter in 49.8 Sekunden. 800 Meter Lnndström 1 Minute 57,1 Sekunden. 1500 Meter Lnndström 4 Minuten 2,2 Sekunden (der fünfte in 4 Minuten 7 Sekunden). 5000 Me- ter Bockmann 15 Minuten 10.8 Sekunden. 10.000 Meter Lnndström 32 Minuten 30,0 Se- künden. llO-Meter-Hürdenlauf: Ebristiernssen 15,8 Sekunden. 4X100 Meter-Stafette 43,5 Sekunden. 4X400-Mcter-Stasette: 3 Minuten 28,7 Sekunden. Kuaelstoßcii: B. Janssen 27,32 Meter (rechts 14.39 Meter). Svccrwerfcn: Lindström 103,31 Meter krcchts 59,80 Meter). Diskus- werfen: Bollhagen 70.37 Meter(rechts 42.42 Meter). Hammerwerfen: Lindl, 50.05 Meter. Hochsprung: Johansson 1,83 Meter. Weitsprung: Mraliamsson 7,04 Meter. Stabhochsprung: Tiren ; 3,90 Meter, Dreisprung: F. Jansson 14,54 Meter. Mitteilungen uns dein Publikum. „Urania." „D-mUche Kultur", Pfarrer Dr. ZIlchert. Zehnstündioer Kurs. Besinn: Morgen Donnerstag, OK Uhr. 1.„Mtztboloaie." Karten für den ganzen Kurs 30 Kr. Mitos.'Annieldnngen und Mitos.-Ernenernng täglich 10—1„»d 4—7 Uhr, Smetschkag. 22. Wir bitten die Leler das Inserat Drnzstvo eeskollod. Kreier, Prag, Narodni tr. 20, b e- sonders zu beachten. Herausgeber: Dr. Ludwig E z e ch und Karl E e r m a k. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß Druck: Aktiengesellschaft Tribuna. Prag. DRuZSTVO CESKOSLOVENSKtCH KREjCf MAISON LOUVRE PRAG, NARODNI TR/DA 20 VORNEHME HERRENSCHNEIDEREI NACH MASS AUS EIGENEN UND MITGEBRACHTEN STOFFEN SITTER E/NOANO VON NEUHEITEN TELEPHON: 7868 4M ERSTKLASS. SCHNITT UND VERARBEITUNG 142 Likör- und Essig-Fabrik B. u. L. Windholz, Brünn.= Curacao Trlple Sec-Getreldekümmel. „Spaniola Grlotte." Für Konsumvereine, Genossenschaften und gewerkschaftliche Organisationen übernimmt zu Spezialkondltionen 81 die Import- und Export-Expedition J. H. BÄSCH, PRAG Internationale und Ubersee-Transporte. Kanafasse. Inleiie, Matratzen Gradl und Damaste, für Inland u. 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