€ Iahrgimz. St, 32. FreSag,?. KKIoder ISA. ZeMnUorgan der deutschen sozialdemokratischen Ärbe»terpartei in der tschechoslowakischen Republik. ^»"fliüL*-«1L„Q{, g l? t">».|«fcfchritü mit»utaahme de« Montag täglich früh. Oktober.(Wolfs.) In dem heut« lern Dr. Rathenau Posifparkaffakont« 67644. Nie Ellchliefenmgm m Frankreich. Einigung zwischen Rathen«, Mtd Loucheur. Berlin, K. Oktober.(W zwischen den Ministem und Loucheur in Wiesbaden, nen Hauptabkommen über die CachNe- llä)en fcrungen an Frankreich bekunden die beiden Regierungen ihren Willen, den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs durch Lieferung von EinrichtungS- und BcdarsSge- genständen und von Baustoffen in möglichst großem Unlfange zu bewirken. Die Durch- führung der Lieferungen soll auf beiden Sei- ten durch Privatrcchtliche Organisatio- B t n erfolgen. Die Lieferungen der deutschen Organisationen laufen neben den Lieferungen ses Reiches aus Anlage 3(Schiffe), Anlage K (Kohle und Kohlenprodukte) und Anlage K (Farbstoffe und chemisch-pharmazeutische Pro- dukte) zu Teil 8 des Friedensvertrages. Für die Lieferungen aus dem Abkommen gilt die Einschränkung, daß sie Frankreich lediglich für Zwecke des Wiederaufbaues vertuenden darf. Zu den Lieferungen ist die deutsche Or- ganisation nur insoweit verpflichtet, als sie mit den Produktionsmöglichkeiten Deutsch- landö den Bedingungen seiner Rohstoflverfor- gung und den inneren Bedürfnissen seines sozialen und wirtschaftlichen Lebens vereinbar sind. Der Gesamtwert der Leistungen und der Lieferungen auf Grnnd des Abkommens soll bis zum 1. Mai 1V26 7 Milliarden Gold« mark nicht überschreiten. Die Lieferungen sollen erfolgen durch unmittelbare freie Vereinbarung der deutschen und französischen Or- ganisationen. Die Zahlungen an die deutsche LiefcrungSorganisation geschehen durch die deutsche Regierung. Dieser wird der Wert der Lieferungen auf das ReparationSkonto gutgeschrieben. England und daS Wiesbadener Abkommen. London, 6. Oktober.(Reuter.) DaS von Loucheur und Rathenau abgeschlossene tlebcreinkommen wird von englischen Sach« derständien geprüft. AuS politischen Gründen kann England keinen Einwand gegen daS llebereinkommen erheben. Jeder Plan, der Frankreich beim Wiederaufbau seiner verwü- stcteien Gebiete unterstützt, soll so wenig wie möglich Widerstand finden. Bis jedoch eine eingehende Prüfung des Abkommens stattge- fundcn hat. ist es möglich festzustellen, wie weit das Abkommen die Verteilung der Re- Parationen unter den Alliierten in Mitleiden- schaft zieht und ob eS mit der ReParationS- Kommission in Einklang zu bringen ist. Ob- gleich Loucheur und Rathen«, erneut zusammentreffen, um das Abkommen zu unterzeich- nen,-wird es dennoch erst in Kraft treten, wenn eS die Billigung der Reparationökom- Mission gefunden hat. Amerika als Gläubiger. London, 6. Oktober. Die„Morningpost* meldet aus Washington. Amerika Hab« nicht die geringst- Absicht, die Kriegsschulden der«lli- ierten zu streiche» oder auch nur herabzusehen. Das Weiße Haus hat amtlich mitgeteilt, daß jedem Versuche, diese Frage auf der Washing- toner Konferenz aufzuwerfen, von den ame- konischen Delegierten kräftiger Widerstand ent- gegengesctzt werden würde. London, 6. Oktober. Laut„Daily Mail* wächst auf beiden Seiten deS Atlantischen Ozean« die Überzeugung, daß die gegenseitigen Schulden die wirtschaftliche und politische Lage verwirren und daß daher eine Zusammenkunft der Schuldner und Gläubiger England» not- wendig sei. Es verlautet, daß die amerikanische Regierung nicht für eine Erörterung dieser Art sein würde. London, 6. Oktober.(Tfch. P. B.) Die ame- rikanische Regierung stellt die Meldung in Ab- rede, daß sie bei der englischen Regierung aus sofortige Bezahlung deS den Vereinigten Staa- Erziehung zur Revo« lutionsromanttt. Es ist Pflicht von marxistischen Arbeiter- führern, die Massen über die Tatsächlich» keiten der wirtschaftlichen und gesellschist- Lage und Entwicklung zu unter- richten, auf Grundlage de» Sei- enden die werdende Welt ausbauen zu helfen. Aber gleicherweise ist es heiligste Aufgabe des sozialistischen Arbeiter» führerö. die Massen mit dem Geist de» Sozialismus, der alles andere wie romantisch ist, der Opfermut, nie erlahmenden Optimismus und Kämpferfreude voraus- setzt, zu erfüllen. Das System des Kapita- lismuS überwindet sich nicht selbsttätig— wenn aus ihm nicht gleichzeitig seine über- winder geboren und erzogen werden. In tausendfältiger Kleinarbeit müssen die Heere der Klassenkämpfe! formiert und geschult werden, die das Wesen des Kapita- lismuS erfassen und seinen Produktion»- apparat beherrschen lernen. Aber darüber hinaus müssen sie mit der ethischen Gedan- kenwelt deS Sozialismus erfüllt werden. Wie haben nun die Kommunisten— und wir denken, um ein Beispiel anzuführen, an unsere eigene„deutsche Abteilung* dies« zweiteilige Aufgabe erfüllt? Haben sie allen jenen, die sich als Neulinge im Lager der kämpfenden Arbeiterklasse ihnen angeschlossen haben, über den wahren Stand der wirtschaftlichen und gesellschaft- lichen Tatsachen unterrichtet? Oder haben sie nicht diese Tatsachen nach ihren Wün- sehen eigenwillig umgedichtet? Und haben sie nicht dann auf Grund ihrer volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dichtungen den Massen mit der Barrikadenromanttk d-r Jugendjahre deS Proletariat» zugesetzt? Die Folge ihres Tuns war dann die Spal- tung des deutschen Proletariat« in diesem Staate und gleichsam als Reaktion auf die Tiraden der Kommunisten der Jndisseren- tismus, der sich eineS nicht unbeträchtlichen Teils des Proletariats bemächtigt hat. Auch der letzte denkende Arbeiter ist sich darüber heute klar, daß alles das, was von Radek bis Kreibich über den unmittelbar' bevorstehenden Zusammenbruch des Kapi» talismuS mit dem Brustton der absoluten Gewißheit erzählt wurde, einfach bewußte Selbsttäuschung war. Wenn diese Sache von den Bolschewiken im Interesse der Er- Haltung ohne Herrschaft verbreitet wurde, wenn in jedem Lande Europa« und Ame- rikas die Mähr von dem Zusammenbruche des Kapitalismus im Nachbarreiche durch den Mund der Kosta umging, so ist dies vom Standpunkt der russischen Außenpoli- tik verständlich. Wenn aber europäisch« Po- litiker angesichts der kapitalistischen Ent- Wicklung der Siegermächte und unserer ab- sohlten wirtschaftlichen Abhängigkeit von ihnen, die unmittelbar« Sowjetisierung Mitteleuropas als einziges Heilmittel unse- res Wiederaufbaues priesen, so muß dies heute angesichts des grenzenlosen Verfalls Rußland« als geradezu verbrecherisch hin- gestellt werden.„Verräter am Prole- tariate* ivurden seinerzeit von Kreibich die- jenigen genannt^die zu bezweifeln wagten, daß uns Sowsetnißland Mehl und Hülsen- fruchte in Hülle und Fülle liefern könne. DaS war zu einer Zeit, als auch schon der Hunger in Rußland umging. So etwa waren di« volkswirtschaftlichen Kennwisse beschaffen, die die Kommunisten d«n Massen auf ihren Weg zum Kommunismus mit- geben wollten. Aber wie sonderbar waren erst die Jd-ab Im" dränge. Gerade das. begriffe, mit denen sie ihre Anhänger er- Sgffl ld L ff l sMm! fM di° d» I.- gend, die sie als den Grundstock ihrer Partei gewinnen wollten, für„revolutionäre* Lehren beibrachten, gehört einfach in das Kapitel gesellschaftlicher Berirrungen; wenn wir aber beispielsweise nachlesen, was der Reichenberger„Vorwärts* über Hölz zu schreiben für zweckdienlich fand, werden uns erst Gedankenreihen klar, die nicht anders» wo als beim Chodauer Mord enden konn» t«n. Der„Vorwärts* schrieb damals: „Hölz, ist ein echter Revolutionär und eS stände gut um die Sache des Proleta- r i a t S, wenn Charaktere von der Ent- lchloffenheit und Opferbereit- f ch a f t eines Hölz nicht allzu selten wäre. Genosse Max Hölz wurde verurteilt. Ein Revolutionär, der, wenn er in vcrgan- genen Jahrhunderten für die Interessen der Bourgeoisie gekämpft hätte, heute in LebcnS- größe in den Schlössern der Schwarzenberge als Urahne gezeigt und mit Stolz betrachtet würde. Ein Klassenkämpfe!! Wenn jene Taten heute als Einzelerscheinungen in ihrer Art ausfallend verdammt werden, so sind sie dennoch in der Phase, jeder Rcvolu- tion während der Aktionen M a s s e n r r- f ch e i n u n g e n, die wir als unabwendbar erkennen. Während die ganze marxistische Welt eine Identifikation mit dem phrasengeschwolle- nen Räuberhauptmann Hölz mit Ent- rüstung ablehnte, fand daS Zentralorgan unserer Kommunisten verherrlichende Worte seiner Mordtaten. Hat diese Partei heute ein moralisches Recht, die Folgen ihrer„re- volutionierenden* Erziehung abzuleugnen, und sich so zu stellen, als ob sie immer rot derraten hätte, als eS um„Taten* ging? Und dennoch: der Abgeordnet« Kreibich hat den traurigen Mut. in einer langatmigen, historisch ausholenden Artikelserie„Spitzel- tum, Verbrechen und Revolutionsroman» tik* die Schuld natürlich immer den ande- rcn zuzuschieben. Er, der TypuS des revo- lutionSlitarischen Romantikers, theoretisiert: „Unvermeidlich ist eö aber auch, daß in eine revolutionäre Partei Leute kommen, deren Beweggrund nur die Revolu» t i o n S r o m a n t i k ist. Mit denen ver- hält eS sich so wie mit denen, die aus bloßer Neigung zur Gewalt Revolutionäre sind. In beiden Fällen handelt eS sich um Mcn- scheu, die sozusagen von Natur aus Nevolu- tionäre sind; un, trotzige, kühne, uncrschrok- kcne, um kraftcrfüllte, tatendurstige und leicht bcgeistcrungSfähige Menschenkinder, denen in der Regel zwei für einen Rcvoln- tionär unerläßliche Eigenschaften fehlen; klare Erkenntnis, kühle, nüchterne Erwä- O, Vorsicht und Besonnenheit wie stbeherrschung und Disziplin. Eine re- volutiopäre Bewegung darf diese Menschen nicht abstoßen, als revolutionäre Partei müssen wir sie zu gewinnen trachten, weil wir sie in der Zeit revolutionärer Kämpfe brauchen werden.* Wir halten fest: di« kommunistische Par- tei braucht diese tatendurstigen Nurrcvolu- tionsromantiker, sie muß sie sogar zu ge- Winnen trachten, weil sie sie brauchen wird. Nun haben aber diese Nurrevolutionsro- mantiker, ohne die man einfach nicht aus- kommen kann, fast immer die Eigenheit, Verbrecher zu sein. Und „... in der Hitze deS Kampfes ist der Kämpfer, der aus Nebcrzeugung und Be- geistcrung kämpft, nicht von der V e r b r e- ch e r n a t u r zu unterscheiden; solche Na-! turen zeigen sich in der Stu-de deS Kamp-! fes. besonders oft kühn und tapfer, ohne daß 1 man gleich erkennen würde, daß ihr Mut' nur auf daS Fehlen gewisser innerer mora- lischer und sittlicher Hemmungen zurückzu- führen ist. die der ehrliche Revolutionär bei jeder notwendigen rücksichtslosen Kampfbc- Handlung überwinden muß. So können Verbrcchernaturen sich in solchen Kampf., situationen großes Vertrauen erringen und' auf wichtige Post«« gestellt werden."' Im Chodauer Falle beispielsweise haben gleich ein paar Parteisekretäre an wichtigen Kampshandlungen teilgenommen und sich großes Vertrauen erworben. Aber unter den Verbrechern, die da irgendwie in die kommunistische Partei hineinkamen, gehören gleichsam als integrierender Bestandteil der „jungen revolutionären Organisation, deren Führern und Vertrauensmännern die Ed» sahrung* fehlt, die Spitzel. Von ihnen weiß Kreibich zu berichten: „Besonders schwierig ist der Kamps gegen das Spitzeltum in einer jungen revolutio- närrn Organisation, deren Führern und Vertrauensmännern die Erfahrung auf diesem Gebiete fehlt. Da kann nur eines Helsen: große Borsicht und unbedingtes Mißtrauen gegenüber jedem, der als Genosse in die Organisation kommt, mitar« beitcn will und den nian nicht genau selbst kennt oder der von einer anoeren Organ,- sation einwandfrei als guter, verläßlicher Genosse bezeichnet worden ist. Besondere Borsicht aber ist gegenüber solchen Partei- Mitgliedern notwendig, die sich durch allzu große Neugierde auszeichnen und fort- während alles wissen möchten, waS da oder dort, wo sie nicht selbst dabei sind, beschlossen oder besprochen worden ist. Am vcrdäch- tigstcn aber sind natürlich jene, die allzu unersättlich im äußersten Radikalismus sind und stets von nichts anderem als von ra- dikalstcn Taten schwätzen. Bor- bereitungen revolutionärer Aktio- nen, Bewaffnung des Proletariats unt illegale Organisation sind selbstvev- stündliche Erfordernisse und Pflich- ten jeder kommunistischen Partei, darüber gibt eS keine Diskussion, die Beschlüsse und Thesen der Kongresse sprechen da eine un- zweideutige Sprache für den, der die Rot- wcndigkcit dieser Dinge für eine kommunk« stische Partei nicht von selbst einsehen wollte. Aber die praktische B e s ch ä f t i- gung mit diesen Aufgaben kann nur Sache der besten und vertrauenswürdigsten Ge« nassen sein. Am wenigsten und am ver- dächtigsten sind gerade in„dieser Hinsicht Schwätz« und Maulhelden... Der Schluß versöhnt: am wenigsten 6er- döchtig sind die Schwätzer und Maulhelden; am begehrtesten aber die RevolutionS- romantiker, am gefährlichsten die Neugi«- rigcn mit unersättlichem Radikalismus, mit dem sich praktisch nur die„vcrtraucnsivür- digen Genossen* beschäftigen dürfen, sofern sie sich nicht in nachhinein als Verbrecher entpuppen. Diese Einleitung der kommuni- stischcn Partei entnehmen wir dem gclahr- ten Essay Karl Krcibichs. Es scheint uns aber, daß auch den Kom- Mlinisten von der RevolutionSromantik, mit der sie sich geheimnisvoll umgeben haben, langsam schwül zu werden beginnt Nichts ist banaler als entschleierte Roman- tik. Und deshalb kehren die Kommunisten langsam, der RevolutionSromantik ent- sagend, zu jener Wirklichkeit zurück, in die sich viel früher schon die tschechischen.Kommunisten hineingefunden haben. Dieser ideologische Rückzug vollzieht sich natürlich nicht ohne heftigste Schimpfkanonaden ge- gen die„sozialdemokratischen Bonzen*. Die Reichenberger haben etwas noch nie Da- gewesenes entdeckt:„den Befreiungskampf setzt, sofort durchkämpfen oder in Schmach und Elend untergehen*. Und das Motto zu dieser grandiosen Entdeckung heißen sie „revolutionäre Kleinarbeit". Die wolle» sie nun leisten. Aber zu ihrem Leidwesen be- treibt doch die Sozialdemokratie seit ihrem Anbeginn revolutionäre Kleinarbeit. Ist die "kut Entdeckung nicht doch schon etwas ver- alte? Sind nicht di- politischen, gewerk- schafthchen und genossenschaftlichen Riesen- organisationen. ist nicht die ganze Sozial- Gesetzgebung Europas, in vielen Ländern der lebensmögliche Stand des Proletariats Veite I. Früchte revolutionärer Kleinarbeit? Doch der„Vorwärts" vertröstet gleich:„Lossen wir uns nicht davon abschrecken, daß eine solche Tätigkeit einen stark„sozialdcinokra- tischen" Anstrich hat und gar nicht„rcvolu- tionär" aussieht..." Als Gefangene ihrer eigene» Ncvolutionsroinantikcr werden sie auch dann nicht fruchtbare Kleinarbeit lci- steu können, wenn alle Objekte ihrer Nevo- lutionsromantik Zerstoben sind. Das sicherste Mittel, so sagt der dienstä- gige„Vorwärts", die Massen den sozialde- inokratischcn Führern zu entreißen und sie zu Kommunisten zu machen, ist die D i s- k u t i e r u n g der T a g c s f r a g c n, die offene Besprechung all der Gr- scheinungen und E r e j g n i s s e. über die die sozialdemokratischen„Führer" bisher nur„unter einander" zu sprechen pflegten.— Wenn das letztere aus dem Munde von Menschen, die sich selbst vom Moskauer grünen Tisch aus kommandieren lassen, ein bißche» verfehlt klingt, so glauben lvir, daß gerade die Diskussion der Tages- fragen, die sachliche Besprechung aller Erscheinungen des Tages den wahren Charakter der Rcichenbergcr Kommunisten und ihrer Nachläufer endgiltig und restlos enthüllen wird: das? sie zum grasten Teil aus„unverdächtigen Schwätzern und Maul- Heldra", zum kleineren aus sehr geschätzten romantischen Nauscrn bestehen. Silland. Grundsähe, aber.... Auf einem Bezirks- vcrbandStag der Dcutschgclbcn wurde über die Frage, ob die Deutschen an den Vcrhandlun- gen des Präger Parlamentes teilnehmen sol- lcn, verhandelt. Das Ergebnis kann man darin zusammenfassen: sie möchten gar so gerne als die Unentwegten erscheinen, sind aber doch für die Rückkehr ihrer Abgeordneten ins Parla- mcnt. So meinte denn der Vorsitzende in sei- nein Schlußworte, daß sie„g r u n d s ä tz I i ch" auf dem Standpunkte der N i ch t t c i l- n a h m c an den Beratungen des Parlamentes stehen, da die Teilnahme„für das deutsche Sudctcnvolk keinen praktischen Wert" hat, de n n o ch a b c r g l a u b c n s i c, einem „unbedingten Auszüge der deutschen Ab- geordneten ans dem Präger Parlamente nicht das Wort reden zu können." Der Abgeordnete Patzel kam zu demselben Schlüsse: Tic Teilnahme der Deutschen sei wohl„z i c m I i ch nutzlo 5", dennoch ist er für die Teilnahme. — Wenn die Teilnahme der deutschbürgcr- lichcn Abgeordneten„leinen praktischen Wert" besitzt und„ziemlich nutzlos" ist, warum sie dann doch zurückkehren? Erübrigen wir uns die Mühe, die Ticfsiunigkcit dieser Politik zu ergründen und nehmen wir die Tatsache zur Kenntnis: sie werden mit den„Grundsätzen" ln der Tasche ins Parlament zurückkehren. An die Adresse der Katastrophcnpolitiker nn ter den Deutschnationalen richtet sich ein Artikel des Senators Icsser im nationalsozialen „Tag" über„Dentschöstcrrcich, Teutschland und wir." Nachdem Jesser auseinandergesetzt, daß auf Teutschland nicht gerechnet werden kann, daß cS eine Politik machen werde, die es in starken Gegensatz zu den gegenwärtigen tschechischen Machthaber!, stellen würde, sagt er: „Wir müssen die Zukunft vorbereiten, dürfen aber die Gegenwart nicht übersehen. Wir müssen ein- si.r allemal daran festhalten, daß wir uns vollständig den Bedürfnissen des größeren Teiles tes deutschen Volke? unter- ordnen müssen. Taz» gehört eine gewaltige Dosis aufopferungsvoller nationaler Ucberzeu- gung. Deutschland hat augenblicklich nur ein Bedürfnis: Ruhe, Ruhe und aber- m a l S R n b e in der Entwicklung. ES kann ohne militärische Machtmittel und ohne starke Verbündete nicht mit der franst ans den Tisch schlagen, eö kann daher heute auch seine äußere Politik nicht ans unsere Befreiung einstellen, sondern nur aus die Lockerung der gewaltigen Mächte-Koalition... Die'größte politische Tugend ist die G e- d u l d. Entwicklungen'gehen langsam vor sich — mit Katastrophen diirsen wir nicht rechnen — jedenfalls sind wir nicht stark genug, sie herbeizuführen, und in Deutschland und DeutschSsterreich ist keinerlei Neigung dafür vorhanden... Wir dürfen den allmählichen Abbau deS NachkricgeS nicht störe'» sonst laufen wir Gc- fahr, daß über unsere Köpfe h i 11 w c g, sogar auf u n s c r e K o st c n da? Ein vernehmen zwischen Deutschland, Deutschvst erreich und der Tscheche- slowakci geschlossen wird, lins droht die Gefahr, als Kaufpreis gezahlt zu werden.. Man überschähe doch um Gottcswillen die an sich so erfreulichen Shmpnthien reickiSdentscher Akademiker und kleinerer Gruppen von Poli- tikcrn nichts Solange die breiten Massen klein- deutsch, ja partiknlaristisch denken, so lange werden die Politischen Vertreter dieser Massen klemdeutsche Politik machen. Abermals betonen wir: Fortsebung der Aufklärung und Erziehung— abr' Politik auf dem Boden der Tatsachen, mögen sie noch so unerfreulich sein. Man wird unS diese Offenheit vielleicht verübel» und Wied van Egcr auS neue»„Blinkfeuer" auf unfern<>2 er- Vozialt rat am deutschen Volke" lenken— wir haben tropdcm den Mut, auch nach unten nn- scre Meinung offen auszusprechen. Wir schließen mit dem Gedanken, den wir schon oft ausgesprochen haben: Unser Ziel muß sein: Ein dcutsch-tschechischcr Bundesstaat, der sich allmählich an eine mittele uropäis ch c Staaten- und Wirtschast S-K onfö- dcration angliedern soll. Ganz vernünftig gedacht, aber wo bleibt die diesen Anschauungen entsprechende Politik. Das Parlament und der Pctrolenmskandal. Wie die„Tribuna" meldet, wird in Pariamen- tarischen Kreisen die Borlagc des Vertrages der tschechoslowakischen Regierung mit der Standard Oil Company verlangt werden. Ins- besondere stellen die sozialistischen Parteien diese Forderung aus. Eigentümlich ist, daß die Regierung bis heute keine ausreichende Erklärung für ihr Verhalten gegeben hat. Kurswechsel der slowakischen Klerikalen. Wie die„Tribuna" behauptet, befindet sich die slowakisch-klcrikalc Partei in einem Umwand- lungsprozcß. Einer der Gründe hiezu ist die Entstehung einer christlichsozialcn Konkurrenz- Partei in der Slowakei. Da das klerikale Pro- gramm beider Parteien dasselbe ist, blieb den slowakischen Klerikalen, deren Führer H l i n- k a ist, nichts anderes übrig, als im Kampfe gegen die Christlichsozialcn das flowakisch-na- tionalc Moment hervorzuheben. Eine Zeit lang schien cS, als ob die Hlinkalcute sich mit den Christlichsozialcn, deren Führer ein ge- wisscr T y r d y ist, vereinigen würden. In der letzten Zeit jedoch ist die Kluft zwischen den beiden klerikalen Parteien immer größer geworden. Im„S l o v a k" widerlegte längst Hlinka die Klagen der Magyaren über die na- tionalc Unterdrückung. Er schreibt:«Das vermeintliche Unrecht, das den Magyaren und den mit ihnen fühlenden nichtmagyarischen, nur durch künstliche Mittel entfremdeten Ele- mcntcn geschieht, läßt sich nur damit erklären, daß die Magyaren noch immer in dem alten Fahrwasser segeln und noch immer vergcbli- chen Hoffnungei in die Zukunft im Sinne der Unteilbarkeit der St. Stephanskrone setzen". Demgegenüber betont Hlinka den nationalen Charakter seiner Partei:„Die slowakische Na- tion findet in dieser Republik und in ihrem Rahmen die Erhaltung ihrer nationalen Ei- gcnart, ihrer Individualität, ihrer volitischen und artonomcn Rechte." So verkündete es Hinka in seiner Rede bei der Begrüßung deS Präsidenten Masaryk. Es tvird sich zeigen, ob diese neue politische Einstellung Hlinkas, der schon viele Wandlungen durchgemacht hat, lange anhalten wird. Ein kommunistischer Sekretär ans der kommunistischen Partei ansgctrctcn. Im Mähr.» Ostraner„Tuch Casu" veröffentlicht der KreiS- sekretär der kommunistischen Partei in Ostrau, Wenzel B i k t o r a, einen Artikel, in dem er der Ostraner kommunistischen Arbeiterschaft mit teilt, daß er ans der Partei austrete. Der Grund ist der, daß in dem Sekretär die Er- kenntnis erwacht ist, daß der Kommunismus s ir die Arbeiterschaft schädlich ist, nicht der Kom- munismus von Karl Marx, wohl aber„die verbrecherische Taktik der heutigen kommunisti- scheu Führer." Die Kvmmmsten im Wiener Arbeiterrat. Es ist immer und überall das gleiche frevel- hafte Spiel. Auch in Wien versuchen die Kommunisten eine große und notwendige proletarische Institution, dem Kreisarbciterrat und damit die Räteorganisation selbst zu zcr- trümmern. Sic scheue» kein Mittel, Ver- lcnmdung und Entstellung nicht, um das Boll- werk der Einigkeit des österreichischen Prole- tariats zu zersprengen, die relative Einigkeit des österreichischen Proletariats in absolute Uneinigkeit und Ohnmacht zu wandeln. Der Arbcitcrrat der österreichischen Arbeiterschaft ist eine Errungenschaft der Revolution. Als in Oesterreich beim Umsturz gleich- sam Alles ins Wanken geriet und>in Trüm- wer ging, da waren es nur die sozialdemolra- tischen Organisationen, die den festen Halt in der Wirrnis der Haltlosigkeiten nicht verloren haben. Ter Arbcitcrrat mit seiner Kreis- und Bczirksorganisation wurde als Räteor- ganisation des klassenbewußten Proletariats geschaffen. Ja ihm war die proletarische In- stitution inS Leben gesetzt, die die Aufgabe hatte, sich den wechselvollen Bedürfnissen der Nachumstnrzzeit anzufassen. Diese Ausgabe hat der Arbcitcrrat trotz allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich ihm. in gähnender Zeit entgegengesetzt haben, befriedigend gelöst. Bis jetzt hat er auch seine wesentlichste Aufgabe erfüllt: er war ein gc mcinsamcs Forum des Proletariat?. Aber die Kommunisten sind aber daran, diese Errungenschaft der österreichischen Arbeiterschaft zu vernichten. Ihr„geistiger" Führer, der unrühmlich bekannte Dr. Frey stellte.in der letzten Sitzung des Wiener Krcisarbcitcrrats einen die.Würde der Versammlung beleidigen- den Antrag und nach dessen Zurückweisung zo- gen die Kommunisten ihre Vertreter aus der Exekutive und aus der Obmännor-Konfercnz zurück. Da sie keine andere Vertreter nomi-- niert haben, wurden an Stelle der A>-sgeschic- denen zwei andere Mitglieder, Sozia lv-mokra-- ten, gewählt. In dieser fitt daS Wien« Prp- ««»Irai lclariat so überaus kritischen Zeit hat der KrciSarbeiterrat zu wenig Zeit, sich mit den kommunistischen Krcuzköpfen und talinudi- schcn Spitzfindigkeiten der Fricdländer und Frey abzugeben. Eö wird sich nun erweisen, ob die Gruppen, die hinter diesen Leuten ste- Heu. die Vcrdcrblichkcit der Frcyschen Politik erkennen oder ob sie vollends in Bann der RcvolntionLromantiker stehen. Wenn das letztere der Fall sein sollte, dann werden die Kommunisten aus dem österreichischen Arbei- terrat, in dem sie eine unbedeutende Minor«- tät sind, ganz ausscheiden. Wohl tvird auch dadurch dem Gcsamtproletariatc geschadet, aber immerhin ist die Mitarbeit der Kommu- nisten in di?s>.r Institution wie in vielen an- deren ein fraglicher Gewinn gewesen. Der Kamp? um die Koalition in Deutschland. Die Meinungen von Freund und Feind der Mchrhcitssozialistcn gehen darüber weit aus- einander, ob ihre Anfrage an die Unabhän- gigen, unter welchen Bedingungen diese zum Eintritt in eine Koalitionsregierung bereit seien, rein sachlichen Erwägungen oder einem taktischen Bedürfnis entsprang. Welches immer aber auch der Beweggrund zu der Anfrage ge- Wesen sein mag, soviel steht fest, daß sie die Klärung der Meinungen in ungeahnter Weise beschleunigt hat. Denn sie nötigte die bürger- lichcn Bundesgenossen der Mchrhcitlcr im Reiche, sich angesichts der maßvollen, doch klas- scnbcwußtcn Antwort der Unabhängigen der eigenen Klasscnintcrcsscn unvcrhüllter anzu- nehmen, als sie das bisher der Koalition zu- liebe getan hatten; und das wieder gab der Deutschen Bolksparici den Mut, ihr wahres rcaktionär-bonrgeoises Antlitz hinter der eben noch vorgebundenen fortschrittfreundlichen MaSke hervorzustrcckcn. Gebärdet sie sich doch so, als ob die Sozialdemokratie ohne Strese- manns Beihilfe rettungslos verloren und als tvcnn dieser Herr allseits tvie ein Helfer in der Not umworben wäre. Das von den Unabhän» gigen als Bedingung aufgestellte Stcucrpro- gramm wird von der„Nationalliberalen Korr." mit der Feststellung abgetan,„daß sich die deutsche Bollspartci daran nicht beteiligen könne," und im Anschluß daran wird der MehrhcitSPartei hämisch zu Bewußtsein gc- bracht, daß in Preußen die Demokraten und das Zentrum keinesfalls zu einer nach links erweiterten Koalition zu haben wären, wie sie die Mehrheitler fürs Reich planen. Ter Hin» weis trifft, wie auch der Berliner„Vorwärts" zugeben muß, tasächlich eine sehr Wunde Stelle, weil eS wirklich schwer angeht, im Reich mit denselben Parteien verbündet zu sein, mit welchen man in Preußen um die Macht ringt. Nach dieser Antwort haben Zentrum und De- mokraten, das ist auch dit Schlußfolgerung des „Vorwärts", nur noch die eine Wahl, sich entweder dem Zug ihres bürgerlichen Herzens folgend, zu Stresemann zu bekennen oder den Weg nach links einzuschlagen. Die Minderheit des Görlitzer Parteitages hat so von der Bolksparici her unerwarteten Snkknrs bckom- men, der Opportunismus um jeden Preis muß, da die in Aussicht genommenen Bundes- genossen sich derart großschnauzig gebärden, c>idl'ch verstummen. Tic Genugtuung darüber leuchtet hell aus den Ausführungen Ströbls in der„Chemnitzer Volksstimme" hervor, wenn er u. a. schreibt: „Die sozialdemokratische Partei darf nicht den leisesten Zweifel darüber lassen, daß es für sie nach der Erklärung der USP. mir noch eine Koalition gib!, die Koalicrung nach links, eine Regierung, in der Zentrum, Demokraten, SPD. und USP. vertreten sind. Jeder Gedanke an ein Zusammengehen mit der DVP. ist von vornherein mit eindeutiger Schärfe ab- zulchncn! Es würde, von allen anderen Mo- inente» abgesehen, den Unabhängigen den Eintritt in die Regierung unmöglich machen und somit nur die Koalition nach rcchtS, die reaktionäre Orientierung der ganzen Rcgicrnngs- Politik bedeuten. Und solche Erklärungen muß- tcn nicht nur von Parteileitung und Frak- tianen abgegeben, sondern durch Massenmnd- gedungen im ganzen Lande erhärtet und nnter- strichen werden!...Die Frage steht so: soll die sozialdemokratische Partei sich zum Handlanger und Komplizen jener ausgesprochen kapitalisti- schcn Klasscnpolitik ernicdern, die ihr Zentrum und Demokraten mit ihrer Einladung zu einer Koalierung mit der StinneS-Partci zumuten, oder sollen sie unverrückbar darauf bestehen, daß die Koalition nur durch den Eintritt der Unabhängigen verbreitert werden kann? Wer die Forderungen der Erfassung der Sachwerte, der Demokratisierung und. d-r Sozialisiernng nicht mir als dekorativen Anfpnb für die Agi- tation, sondern als die Grundlagen und Vor- anSsehnngen jeder Politik der Volkswoblsahrt betrachtet, kann sich über die Antwort keinen Augenblick im Zweifel sein. Aber wenn Zcn- trum und Demokraten ebenso hartnäckig auf ihrem Standpunkt verharren? Wenn sie kate- gorisch erklären: entweder Einbe>iclmna der Volkspartci in die Koalition odn überhaupt keine Koalition mit den Sozialsten? Nun, dann sollten die sozialdemokratischen Führer und Massen ebenso kategorisch erklären: schön, so nehmen wir den aufgedrungenen Kampf ans!. Bildet ganz nach Belwben rein bürgerliche Regierungen und versucht einmal, wie'Veit ihr 7. Oktov^. damit innen- imd außenpolitisch kommt! Wir Sozialisten trete» dann in die Opposition und werden nicht ermangeln, alle nichtkapitalisti- schen Bevöikerungsschlchten über die Wohltaten eures Negierens einmal gründlichst aufzuklären." Mag sein, daß die Mchrlftitler durch ihre. Anfrage an die Unabhängigen, wie das die „Leipziger BolkSzcitnng" vermutet, beweisen wollten, daß sie die von ihnen stetS gescholtene prinzipielle Vcrbohrthcit der Unabhängigen kein anderes Bündnis als nach rechts hin zu- lasse. Die llngc und Pflichtbewußte Haltung der Unabhängigen aber zwingt umgekehrt die Bürgerlichen, Farbe zu bekennen, und dadurch wieder die Mchrhcitspartei, sich ihrer proleta- rischcn Aufgaben voll und. ganz bewußt zu werden. Was Görlitz zu verschütten schien, kann so frohe Wirklichkeit werden, wenn nicht alles trügt, ist die Einheit der Arbeiterschaft auf dem Marsch. '* Die Koalition gefShrdct. Berlin, 6. Oktober.(Eigenbericht des„So- zialdelnokrat".) Auf die Anfrage der sozial- demokratischen Partei an die beiden anderen Koalitionsparteien, ob sie unter den von den unabhängigen Sozialdemokraten aufgestellten Mindestforderungen bereit seien, mit ihnen zusammen eine Regierung zu bilden, habe» die Demokraten und das Zentrum übcrcin- stimmend zurückgcfragt, ob die Unabhängigen auch einer Erweiterung der Koalition nach Rechts, also der Einbeziehung der Deutschen Volkspartci, zustimmen würden. Da sowohl die Unabhängige Partei, wie die Deutsche Volkspartci erklärt hat, daß keine von ihnen mit der anderen zusammen in einer Regie- rung sitzen wolle, so ist diese Frage bc- rcits erledigt und die Rückfrage der bei- den KoalitionLparteicn soll mir ihre Absicht verschleiern, mit der Stinncspartei in eine Koalitionsregierung einzutreten. Dazu er- klärt der„Vorwärts", daß unter diesen Um- ständen nicht abzusehen sei, wie zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Par-' tcicn eine Einigung über die Erweiterung der Koalition erzielt werden solle. Diese Formn- licrung läßt erkennen, daß auck, bei den R e ck t s s o z i a l i st c n der Wunsch, sich mit der Stinncspartei zu koalieren, erheblich a b g e s 6) w ä ch t ist. Ein Steckbrief. Leipzig. 6. Oktober.(Tsch. P. B.) Der Ober- rcichSanwalt erließ einen Steckbrief Wege» Hochverrates gegen Gcncrallandschaftsdirektor Kapp ans Königsberg, den Major a. D. Papst» den Oberst a. D. Bauer, den Arzt und Volks- Wirtschaftler G. W. Chile aus Naumburg a. Saale, den Schriftsteller Karl Schnittler, den Schriftsteller Trcbitsch-Lincoln, den General der Infanterie a. D. Frciherrn von Lssttwitz und den Korvettenkapitän Ehrhardt. Die Rcichsrcgierung hat eine Belohnung bis zu 50.000 Mark ausgesetzt für denjenigen, der zur Aufklärung des Sachverhaltes oder zur Er- grcifung eines der Angeschuldigten beitragt. Deutsche Fricdcnsgescllschaft und Reichswehr. Bochum, 6. Oktober. Heute hielt die dcut- sche Fricdcnsgescllschaft als Auftakt zum Pazi- fistcnkongrcß in Essen ihre Hauptversammlung ab. Unter anderem brachte ein Vertreter der Berliner Ortsgruppe einen Antrag auf Abschaffung der Reichswehr ein, die ein Heer der Reaktion sei und die Arbeiterschaft provo- ziere. Herr von. Gerlach trat energisch gegon den Berliner Antrag ein. Jede Regierung müsse sich auf eine bewaffnete Macht stützen lönucn, weil uns sonst die Gefahr reaktionärer und revolutionärer Putsche zwingen würde, die Schutzpolizei noch mehr als bisher zu milita- risicrc». Bei der Abstimmung über den Antrag ergaben sich 134 Stimmen für den An- trag und 4L dagegen. Professor Quidde er- klärte hierauf, daß er nicht mehr in der Lage sei, sein Amt weiterzuführen und Gerlach schloß sich ihm mit einer ähnlichen Erklärung an. Die Versammlung endete unter großer Unruhe. Neue Zoten der FasMm. Paris, 5. Oktober.(A. H.)„Petit Iour. nal erfahrt ans Rom. daß in Modama Man- tua und BrcScia Zusammenstöße zwischen FaS- zistcn und Komninnisten stattfanden, wobei 2 Personen getötet und 10 verwundet wurden. Durch die Explosion einer Bombe bei Trieft wurde die Eisenbahnlinie Triest-Pola bcschä- digt. Laibach, 6. Oktober.(Jugosl. Preßb.)„Slo- venskh Narod" meldet ans Görz, daß gestern vormittags Faszisten in die Filiale der Lai- bacher Kreditbank eingedrungen sind und sie vollstänoig demoliert haben. Es wurden einige Bomben in die Bank geworke«. 2« Achat« ist-ungeheuer grob. 7. Oktober 1921. SfterreichWes ParisMe«. JB-wn, 6. Oktober.(Eiae»bcr!ck>t hi ift bic Icfatc Sottcnino in uottett©chörfc nicht wirksam. Wc.n. aber t(ii! r C/? c^cttoorrat und das Bis- che» Mehl„das noch heute vorhanden ist aiisgcbraucht rc tII werden, wirb c« so i c F wie uns dagegen wehren, j„ den Stilb- C11.w^eichcinlich zu großen Vcx- w e i flungsausbrüchen der B c- volkerung kommen. - 3fb9'^ r r V"dU ch beantragte, aufzufordern, sofort die Ein- süllung der^.lehausfichr durchzuführen und d-in Bundesminister für Landwirtschaft die Mißbilligung auszusprechen. Bei der Ab- stinnnung wird der elfte Sah des Antrages Mit 1 lt) gegen 12 Stimmen angenommen, woran? die Abg. freundlich erklärt, das; darin ichon eine Mißbilligung der Per- sugung des Ministers ausgesprochen sei und sie ziehe den zweit-n Teil des Antrages zurück. Vor der Anfrage wurde das Bank- gefeh verhandelt. Dabei kam Genosse Eldersch auf den sozialdemokra- tischen F i n a n z p l a n zu sprechen und erklärte, er mache darauf aufmerksam, das; -'s zwölf Uhr geschlagen habe und das; wir nicht mehr länger zusehen können wie unsere Volkswirtschaft in den Abgrund gleitet, aus dem wir nicht wieder heraus- kämme» zu können befürchten müssen. Der Bevölkerung hat sich Verzweiflung bemäch- tigt, eine Panik sagd die andere. Sehen Sie zu, das; Sic nicht zu spät kommen. Wir lehnen für das, was kommt, die Vcrant- Wartung ab.» Karl oerlM die Barome! Ein Protest per Sozialdemokraten. Wien, am 6. Oktober.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat",) Der„Sozialdemokra- tische Verband" hat heute wegen der A d e l s v c r l e i h u n g e n durch den che- maligen Kaiser K a rl eine Anfrage an die Regierung gerichtet. Es wird barin darauf verwiesen, daß mit diesen Adelsverleihn»igen offenbar die finan zicllen Mittel für die Propa- g a n d a in der Republik und für die Vor- bcreitung eines m o n a r ch i st i s ch c n V Ii t f cfi c§ aufgebracht werden sollen. Karl habe in den sehte» Monaten eine Reihe von Personen, namentlich z a h- l u ii g? f ä h i g e K r i e g z g e w i n n e r jüdischer Abkunft in den erblichen F r e i h e r r n st an d erhoben, darunter den an? unsauberen Preistrcibcrciafsären wnhlbelaiiiitcu jüdischen Kleiderfabrikaittc» Wilhelm B e ck, der in den erblichen Freiherrnstmid erhoben wurde. Wir halten es für unerträglich, das; Kriegsgewinner, deren Ucbermut keinen anderen Weg zur Verschleuderung de§ dem österreichischen Volk geraubten Vermögens zu finden weis;, der monarchistischen Agitation auf diese Weise Beistand leisten und fragen die Re- gierung, was sie zu verfüge» gedenkt, um diese unverschämte Verhöhnung der Republik und damit verbundene Schä- dignng ihres Bestandes wirksam a b z u- wehren und die daran Beteiligten der entsprechenden Bestrafung zuzu- führen?" Die Banditen gehen vor. Trost Verbotes: weitere Rüstungen der Horthysten. Wien. 6. Oktober.(Tsch. P.) An mehrere« Stellen der steirtschen Grenze sind ungarische Banden auf österreichisches Gebiet vorgedrungen. Es kam zu Zusammenstößen mit dem österreichischen Grenzschutz, über deren Verlauf bis zur Stunde Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Nach hierher ge- langten zuverlässigen Nachrichten dauern die militärischen Vorbereitungen in Ungarn an. Das Verbot d-r Bot s ch aft erkauf e r e n z. das sich gegen die Absicht der ungarischen Regierung richtet weitere 20 000 Mann einzuberufen, scheint demnach bisher keine Wirkung ausgrubt zu haben. Nach zuverlässigen Mellingenaus Budapest werden im dortigen Moiitnrdcpot täglich mehrere hundert Zivilisten militärisch ausgerüstet. Weitere Verbreche». Wien. 6. Oktober. Amtlich wird gemeldet: Die ungarischen Banditen halten seit gestern morgens nicht nur unsere TrnPPe^wllun^m Brvtz«. sondern auch gegen ltdeS V»«er> Sozialdemokrat" «cht und menschliches Empfinden die offene •itadt Bruck andauernd unter Gewehr- und Maschinengcwchrfcuer, wodurch die friedliche Zivilbevölkerung unausgesetzt auf das schwerste gefährdet ist. Wie das„Tel.-Korrb." erfährt, hat die österreichische Regierung diesen neuer lichen besonders krassen Bruch des internatio- nalcn Rechtes sofort den Mächten zur Kenntnis gebracht und in energischer Weise gegen die sich immer wiederholenden Völkerrechtöbrüche Protest erhoben. England erlaubt Italien, zu vermitteln. Rom, G. Oktober.(Tsch. P. B.) Dem„Cor- rierc d'Italia" zufolge soll die offizielle Justin,- inung Englands zur Vermittlung Italiens i» der westungarischcii Frage gestern in Rom ein- gegangen sein. London, t!. Oktober.(Reuter.) Die englische Regierung hat dem Vermiltlungöantrag dclla Dorrcttas in der burgenländischcn Frage nicht abgelehnt, die Ergebnisse der Vermittlung niiis scn jedoch der Botschafterkonscrenz vorgelegt werden. Die Konferenz wird auch entscheiden, wie lange die magyarische Gendarmerie im Burgcnlandc bleiben darf. Die englischen Kreise haben keine allzu optimistische Anssaisnng über die Resultate der Beratungen von Venedig. Die österreichische Minister- Eise. Roch keine Lösung. Wien, G. Oktober.(Eigenbericht deö„So zialdcmokrat".) Die Ministerkrise ist noch immer nicht gelöst. Den gestern mitgeteilten Blair babcn die Großdcutschen abgelehnt, da sie nicht wünschen, das; zwei Christlichsoziale in der Regierung sind. Auch der Bnndeskanz- ler wehrt sich gegen den starken parlamcnla- r°ischen Einschlag, ES dürfte an Stellt des Finanzministcrs der christlichsozialc Abgcord- iictc Professor Gürtler komnien. Dafür dürfte der christlichsoziale Hccresminister Bangonir zurücktreten, an dessen Stelle ein Offizier kommen soll. Beratung über die Geldkrise in Österreich Wie». 6. Oktober. Die l c i t c n d en Funktionäre der Wiener Ran k c n hielten beim Bundeskanzler Schöbe eine Konferenz ab, um der paniartigen Verteuerung der fremden Zah lungSmitteln und der Wcrtvcrnich tung der österreichischen Krone eine Grenze zu sehen. Abgesehen von spekulativen Um triebe» tragen momentan die panikartigen Käufe de? legitimen Devisenbedarfes von Handel und Industrie wesentlich zur Krips aus dem Valilteiimarkte bei und es steht deshalb eine Anregung in Erwägung für kurze Frist ein M o r a t o r i u in für A u S l a n d s z a h l u n g e n in Geltung zu sehen. t Sie VöKerlMZwersüimnlmig Die zweite Tagung dcS Völkerbundes ist zu Ende. Präsident Karncbcck hat sie nnt einer feierlichen Rede nach Monatsdauer geschlossen. Der Rückblick, den er gab, ist bescheiden. Der Rückblick des außenstehenden Proletariers kann nicht anders als bitter ausfallen. Das gilt von den Formen, in welchen sich die Beratungen bewegten, von diesen steif pathetischen, wort- reichen Berichten, hinter denen nichts grcifba- res zu fassen ist. Und gilt in noch höhcrem Maße vom Inhalt der Beschlüsse. Sic bauten ab, was Wilsons schlapper Idealismus dem Bunde als Basis zugrunde gelegt hat, und ge- stalten das als Band der Völker gedachte Or- gan zu einem Machtinstrument der Entente aus. Sic stehen den Problemen der Abrüstung, der internationalen Gerichte und der Blockade für Fricdensbrecher obmnächtig gegenüber und erwehren sich dafür nur noch schwach der Gchcimdiplomatic und der Gefahr von fricdcnbcdrohcnden Sonderbiindnissen. Eine Versammlung von niodcrn und demokra- tisch frisierten Mandarinen, von harten Vcr- irctcrn kapitalistischer und imperialistischer Interessen hat in Genf getagt, nicht ein Rat freier Volksvertreter, aber deshalb darf die Arbeiterschaft diesen Völkerbund doch nicht vcr- ächtlich übersehen. Einmal deshalb, weil er trotz allem eine Unsumme von Gewalt in sei- neu Händen vereinigt, und dann, weil er die Keimzelle zu etwas ganz anderem werden kann, als waS er heute ist. Das Wcltprolctariat hat ein Interesse daran, dag überhaupt eine Staa- tenorganisation besteht. Eine existierende Forin mit neuem Geist zu erfüllen ist leich- tcr, als Form und Geist erst schassen zu müsse». Wenn es den Arbeitern gelingt, ihre Staaten im sozialistischen Geist umzugestalten, werden sie auch sofort den Apparat in Händen haben, der die Staaten zu einander in Beziehung hält. er Völkerbund ist immer Instrument der die Staaten leitenden Kräfte, er kann und wird also auch unser Instrument werden. Des- halb gilt es, ihn zu erhalten, damit er dereinst in unserem Sinne ausgestaltet Warden kann. Die Schlus;tagimg der Völterbundsver- sammkung. Gens, 5. Oktober.(Wolfs.) Die zweite Tagung der Völkcrbundsvcrsammlung war beute abends um<> Uhr zu Ende, nachdem sie genau einen Monat getagt und neben zahlreichen Kominissionssitznngen Voltsitzungen abae allen hatte. Der Präsident der Versammlung, r. vau Karncbcck, holländischer Minister des lcnßern, hielt die Schlußrede: Zweifellos, jagte er, werden diejenigen enttäuscht sein, die ein Wunder erwartet-'», aber die besten Ab iclilen»lugten sich vor der Wirtlichkit beugen und vor de» Hindernisse», sie die Böller selbst chasse». Nichtsdestoweniger müsse zugegeben werden, das; der Gedanke der internationalen Vereinigung nnd Zusammenarbeit, gleichviel wie seine auswärtige Form sei, ein endgilllges Gut der Menschheit geworden, daß der Völker vundgedanke konsolidiert nnd das; fruchtbare Arbeit geleistet worden sei. Unter den Ergcb nissen der diesjährigen Tagung zählt der Prä ident die Maßnahmen zur Bcläinpjung des OPinmgcnusses und des Mädchen- und Kinder Handels und die Versassungsarbcit der ersten Kommission auf, die oft bedeutsame politische Fragen berührten. Außerdem habe der Völkerbund die Zahl seiner Mitglieder vermehrt und das Tor für die offen gehalten, die zu ge gcbencr Stunde sich ihm anschließen und das Haus der Völker vervollständigen werden. Auch in der Abriistungssrage glaubt van Karncbcck, Fortschritte verzeichnen zu können, will aber ihre Bedeutung nicht übertreiben» denn der Weg sei lang und das Problem verwickelt. Immerhin bezeugen die dokumentarische» nnd statistischen Arbeiten, die geleistet wurde», sowie die Anregung sür die Kontrolle des Waffenhandels, den Willen zur allmählichen Pflichterfüllung im Nahmen des Möglichen in einer noch unruhigen Welt und in einem noch nicht universellen Völkerbünde. Endlich sei die Er- Achtung des Internationalen Gerichtshofes zu erwähnen. Während die Versammlung ihre Ar- bellen abschließe, tage der Bölkerbundrat wei- tcr. Morgen werde er sich nill der albani- scheu Frage befassen und auch in der vbcrschlc- sischen Frage befänden sich die Arbeiten der vier RatSmitglieder, denen die Vorprüfung dieses wichtigen Problems anvertraut wurde, auf gutem Wege und ständen nahe vor dem Abschluß. DaS wesentlichste Ergebnis aber sei der Geist, der die Arbeiten beherrsche, der Im- pondcrabilicn, die den Glauben in die Zukunft des Völkerbundes rechtfertigen.^ .. Sekt« 8 Tie Sozialdemokralen fürs Parlament. Agrnm, 5. Oktober.(Tsch. P. B.) Einer Meldung des„Cozor" aus Belgrod zufolge, forderte du- sozialdemokratische Klnb die Regie- ruiig auf. mit Rücksicht auf die Seitens der Arnantcp nnd der Magyaren drohende Gefahr die Nationalversammlung einzubernfeit. Wunsch»ach Schassung einer internationalen Kommission. London.>1. Oktober.(Reuter.) lieber den wei leren-^ttval! des Berichtes der amerikanischen Haiidelskmnmcrn meldet„Dailv Mail" aus New Viert: In dem Berichte wird erklärt, das; sich weder Ost noch Zcntraleuropa ohne die aktive Hilfe der Vereinigten Staaten dauernd erholen könnten. Tic Bereinigten Staaten müßten sich an den Arbeiten der Reparationslomnlijsivncn und dee übrigen Koimnissionen beteiligen, welche i> nanzielle und wirtschaftliche Fragen erörtern. Schließlich wird die E r r i ch t n n g einer internationalen K o»t m ission bean tragt, bestehend ans Vertreter» der sinanzicllc» und Handelswclt, die mit der Reparationskoin- »lissioil pisanimenarbcite» solle». Harding für Zahlungserleichtcrnngc». London, t>. Oktober.(Reuter.) Der amer'cka- Nische Korrespondent des„Daily Mail" sagt: Bezüglich der Zahlung der Schulden der Alli- icrien tvüuscht Harding, der Kongreß möge die Regierung ermächtigen, den Schnldncrstaa tcn die Zahlungsbedingungen zu erleichtern. Harding hofft, der Kongreß werde ein solches Gesetz genehmigen, das seiner Anficht nach die finanzielle Situation Europas bessere nnd oncy die Vereinigten Staaten in eine bessere Situation bringen werde. F■: MW ZL5 Ski Moskau, 0. Oktober.(Funk.) In der Sit- zu»g des allrussischen Vollzugsausschuß be- richtete Kalium, das; die Lage in den Hunger- gebieten sich verschärft liabe. N e u II Gouvcrncin c n ts habe» sich mit dem Ersuchen um Hilfe an den Zentralausschuß gewendet, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Bevölkerung zu ernähren. lieber zwanzig Millionen Mcvschcn sind vom Hunger be- droht, darunter acht Millionen Kinder. Die autcrikanische Hilfsaktion. Moskau,(!. Oktober.(Funk.) Die Arne- rikancr habe» am 28. September in Sa- n, a r a die A u S s p e i s u n g in de n Kinderheimen begonnen. Sie arbei- teil im engsten Kontakt mit de» Sowjetbe- Hörden. Ihre Vorräte an Lebensmitteln werden ans dem im Anrollen befindlichen 900.000 Pud ergänzt. Der amerikanische Professor Keslock, der die Gouvernements Samara und Kasan bereist hat, gab der Neberzeugung Ausdruck, daß es dank den Maßnahmen der russische» Behörden gelingen wird, die Folgen der Hungersnot zu mildern. Angriffe der Maltesen. Agram, G. Oktober.(Iug. Presch.) Nach einer Meldung der„Njcc" aus Belgrad konzentrie- r«n sich die Arnautcn an der Demarkationslinie. Jugoslawische Truppen haben die An- griffe der Amanten, die Verstärkungen erhielten, energisch zurückgewiesen. Aus Podgorica wird gemeldet, daß die Arnautcn Denia Sa- lia besetzt habxn. Umformung der Regierung. Belgrad, 5. Oktober.(Tsch. P. B.) König Alexander kehrt wahrscheinlich am 15. Oktober zurück. Ministerpräsident Pasitsch»vird dem Könige sofort die formelle Demission des Ka- binettes unterbreiten. Damit die Kabinetts- krisc nicht lange dauere, haben heute zwischen den Delegierte» der parlamentarischen Haupt- gruppen, der radikalen und der demokratischen Partei, Verhandlungen begonnen. Bei den tzauptansschü'sen beider Parteien herrscht der feste Wille, dieLoalition weiterhin aufrecht zu erholten Tic Arbeitslosigkeit in England. London, 5.Oktober.(Tsch. P. B.) Tie Mit- glicder des neu gebildeten GciirralratcS, drei- ßig an der Zahl, hatten heute eine dreiviertel stündige Unterredung mir Lloyd George über die Arbeiisloscnfrage. Unter anderem nahmen daran teil: ClyncS, Smillic und Gosling. Lloyd George schlug vor, daß eine Anzahl von Arbeiter-Vertretern mit ihm nnd seinen Kollc. gen über praktische Maßnahmen gegen die äußerte nationale Notlage beraten sollen. Die Aushebung des bayerischen Ausnahmezustandes. Wie dem B. T. B. aus München gcmelde! wird, wird die bayerische Regierung gemäß ih> rcr Verabredung mit der RcichSrcgiernng mor gen eine Verordnung herausgebe», durch die der Ausnahmezustand in Bayern vom 15. Ol- tober an ausgehoben wird. Noch keine Entscheidung über Oderschlesicu Paris, 5. Oktober. HavaS zufolge erklär! man an amtlicher Stelle, daß alle Nachrich- t c u über eine Teilung Obcrschlcsicns verfrüht sind und daß die darüber unelauscn- den Gerüchte als Phantasie bezeichnet werden. Kleine Chronik. Großes E i s c n b a h n u ngl ii ck in Frank, reich. Paris.«>. Oktober. Im Tunnel von Batignole stieß heule abends der ans de. Fahrt von Paris nach Versailles begriffene Per. sonenjiig aus einen anderen, der im Tunnel hielt. Durch die Explosion eines Gasdehn l- t c r s geriet der eine Zug in Brand. In der Nähe des Bahnhofes 31. Lazare sind bis zwei Uhr morgens kl! Toie gc;iihlt worden. Dir meisten Leichen sind infolge Verbrennung nicht m:hr zu erkennen. Außerdem wurde» etwa hundert Verletzte, darunter 20 Schwerverletzte, festgestellt. Hohe Temperatur in Franlreich. P a r i L, 0. Oktober.(Havas.) In Frankreich herrscht dieser Tage eine ungewöhnlich hohe Temperatur. In Paris zeigte das Thermometer gestern 28.2 und in Biarritz 33 Grad. Eroberung von Wladiwostok durch die Boische- wiken. Pari?, fi. Oktober.(A.©.) Nach Be richten ans Riga bestätigt es sich, daß die Boljchc- wiken Wladiwostok eingenommen haben. Das„stärkste" Heer der Welt. Wie der Washing toncr Korrespondent der„Chicago Tribüne" be richtet, steht amtlichen Ziffern zusolgc Frankreich mit einer aktiven Heercsstärke von 1,021.00(1 Mann an zweiter Stelle in der Welt da, China an erster Stelle mit 1,370.000 Man», Deutschland mit 100.000 Manu an letzter Stelle. Die Heercsstärke Englands beträgt 710.000 Mann. Tie Vereinigten Staaten kommen mit 110.000 Mann an vorletzter Stelle. Eine Kiste mit bulgarische» Banknoten geraubt. H a m b n r g, 0. Oktober, Gütcrräubcr habe» zur Nachtzeit ans dem Bahnhofe Hamburg-Sud einen Waggon erbrochen, ans dem sie eine Kiste raub- teil, die 22.000 bulgarische Leinöle» neuester Aus» gäbe enthielt. Es handelt sich um Banknoten, die sich noch nicht im Umlause befinden, daher selbst in Fachkreisen»och nicht bekannt sind. Von solchen Roten befanden sich im Waggon weitere große Kollis. Vor Annahme der Banknoten wird ge- warnt. Die gestohlenen Serien tragen die N»»i- nicrn von 100.000 bis 120.000. Kommunistische Demagogie. Der Konflikt in der Metallindustrie und die Kommunisten. Ans Kreisen der tschechischen Metallarbeiter- schaft erhalten wir folgende Zuschrift: In den letzten Wochen führte die kommunistische Presse, insbesondere das..Rüde Pravo", eine scharfe Knmpegnc gegen die stärkste Arbeiteraraamia, H finn, den Metallarbeitervcrband. Echan nach dem großen Kampfe der Metallarbeiter im mittleren Böhmen im Monate Juni d. I. er» öffnete das„Rüde Pravo" starke Angriffe auf die Metallarbeiterorganisation, der es Schwäche vorwarf, obgleich diese Organisationen voll» ständig den Angriff der Kapitalisten äuf die Arbeitszeit und die Löhne der Arbeiter abgeschlagen und sogar nach Verbesserungen, besan- derS in der Frage des Urlaubs und des Weih- nachtsbeitrageS, erzielt hatte. Ans allen diesen Angriffen war die Absicht zu ersehen, die Mo- tallarbeiterorganisatian, deren Führung in s o» zialdemokratischcn Händen liegt, zu diskreditieren.?llS dirS nicht gelang und die Arbeiterschaft offenkundig ihrer Mißbilligung über diese Angrifft auf die Fachor- ganisation Ausdruck gab, unternahm das„Rüde Bravo" anläßlich des Konfliktes der Arbeiter- schast der Firma Breitfeld, Dane! u. Comp, in Karolinenthal einen neuen Angriff auf den Mctallarbeiterverband. Die Ursach« dieses Kon- fliltes bildeten nachstehende Begebenheiten: Die Verwaltung der Danekfabrik zeigte der Arbei- tcrschaft an, daß in einigen Abteilungen die Arbeitszeit um 12 Wochenswnden werde herabgemindert werden. Die Arbeiterschaft unter- warf sich dieser Anordnung nicht. AIS dann zwischen den Vertretern der Arbeiterorganisa- tionen und dem Untcrnehmerverband eine Vev- Handlung über diese Angelegenheit eingeleitet werden sollte, kam es in der Fabrik zu einem Konflikt, bei welchem der Direktor deS Unter- nehmens und der Sekretär des Industriellen- Verbandes mißhandelt wurden. Hierauf der- langte der Jndustriellcnverband von den Ar- bciterorganisationcn Genugtuung und erklärte außerdem, daß einige Mitglieder des Arbeiter- ausschusies, besonders aber besten Vorstand, aus der Arbeit entlasten werden müsten. Dieses Verlangen motivierte er damit, daß der Ar- bciterauSschuß, der bei der Verhandlung anwe- send war, die Mißhandlung nicht verhinderte, wodurch er gezeigt habe, daß er nicht am Platze sei. Die Arbeiterorganisationen und die Vertrauensmänner gewährten die Genugtuung dadurch, daß sie erklärten, daß sie die Mißhand- lung nicht billigen, die zweite Forderung aber wiesen sie ab. Sie erklärten, daß niemand von den Vertrauensmännern aus der Arbeit ent- lasten werden dürfe und verteidigten konsequent diesen Standpunkt. Als dann trotzdem die Verwaltung der Fabrik verkündet«, daß am 30. September d. I. drei Vertrauensmänner aus der Arbeit entlassen werden, faßte der Vor» fitzende des BertrauenSmännerausschusses, Hauer, freiwillig den Entschluß, aus dem Unternehmen auszutreten, was er unter voller Zustimmung der übrigen Mitglieder des Ar- beiterausschusses tat. Von den weiteren Vor- kchrungen muß noch angeführt werden, daß der Betriebsrat zu resignieren beschloß und seine Zustimmung erteilte, daß von seinen bis- herigen Mitgliedern nur die Hälfte gewählt werde. Ueber diese Ereignist« schrieb das „Stüde Pravo", daß der Vertrauensmänner- ausschuß seine Zustimmung zur Entlastung des Vorsitzenden deS Betriebsrates gegeben habe. Diese unwahre Behauptung deS„Rüde Pravo" stellte der Betriebsrat der Danekfabrik, der in seiner überwiegenden Mehrheit lommu- uistisch ist, in einer öffentlichen Kundmachung richtig, in der er loyal konstatierte, daß die Ar- beiterorganifationen und die BertrauenSmän- ner zur Entlastung HauerS ihre Zustimmung nicht erteilten. Diese Erklärung mußte mich das„Rüde Pravo" veröffentlichen. Um seine Niederlage zu verschleiern, unternahm das „Rüde Pravo" einen neuen Angrist auf die Fachorganisationen, als die Verwaltung der Danekfabrik dem Arbeiterausschuste mitteilt«, welche seiner bisherigen Mitglieder nicht mehr in den Arbeiterausschuß gewählt werden dürften. Die Arbeiterorganisationen wurden jetzt vom„Rüde Pravo" deS Verrates beschuldigt, obgleich der Arbciterausschuß selbst resigniert hatte und seine Zustimmung dazu erteilte, daß die Hälfte seiner Mitglieder nicht wiedergewählt werden. Es ist klar, daß die Angriffe auf die Fachorganisaiionen in den kommunisti- schen Blättern von politischer Vorcingcnom- menheit diktiert werden und daß sie einzig und allein die Zertrümmerung der Fachverbände verfolgen, die sich zum Werkzeug der kommunistischen Expcri- mente nicht hergeben wollen. Durch diese An- griffe will offenbar das„Rüde Pravo" den sinkenden Einfluß der kommuni- schenPartci unter der Mctallarbciterschast wiederbeleben, die Ruhe aber unter den Me- tallarbeitern beweist, daß sie sich nicht mehr zum Werkzeug kommunistischer Aspirationen hergeben wollen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik. Die Unternehmer Nagen schon wieder. An- läßlich der Reichenberger Messe hörte man Jubelhymnen über den Erfolg dieser Vera» staltung und eS wurde erzählt, daß insbeson- dere unsere Textilindustrie auf ein halbe« Jahr mit Aufträgen versehen sei. Infolge dieser von den Unternehmen! selbst zugestandenen gün- stigen Konjunktur kommen nun die Arbeiter dieser Branche mit Forderungen. Angesichts dieser Lohnbewegung aber reden die Unter» nehmer plötzlich anders. Sie sagen, eS habe sich leider gezeigt, daß die Bestellungen nicht so groß sind, wie mau gedacht hatte und daß die gute Konjunktur höchstens bis Weihnachten anbalten wird. Dazu komme noch das Steigen der Baumwollprcise aus dem Weltmarkt, die Entwertung der Währungen der umliegenden Länder, die die Produktionskosten der Textll- industrie erhöhen und ihre Konkurrenzfähigkeit untergraben, so daß Lohnerhöhungen die Kon- junktur der Textilindustrie gefährden würden. Ein so unernstes Verhalten der Unternehmer, erst marktschreierische ReName für die Reichen- berger Messe und Erzählungen von guter Kon- junktur, dann wieder Ableugnen der Kon» junktur, wenn die Arbeiter mit Forderungen kommen, wird auf die Arbeiterschaft keinen Eindruck machen. Die Textilindustrie hat so« wohl in Zeiten der Krise, als auch in Zeiten besserer Konjunktur solche Ricsengewinne gemacht, daß sie den Arbeitern die höheren Löhne, die sie verlangen, zahlen kann. Der neue Zolltarif. Gegenwartig finden bereits Konferenzen von Fachleuten statt— es werden hiezu bezeichnenderweise fast nur Unternehmer geladen— die sich mit den Sät- zen des neuen Zolltarifs befassen. Wie es heißt, sollen die beabsichtigten Zölle ungeheuer hoch sein, wozu freilich bemerkt werden muß, daß die Vertreter der Konsumenten, die sozio- listischen Parteien im Parlament, wohl noch ein Wörtchen dazu zu sagen haben werden. Das auswärtige Handclsamt erklärt zwar, daß der autonome Zolltarif geeignet sein wird, die Handelsbeziehungen mit dem Ausland auf das innigste zu gestalten, aber die Erfahrungen, die man bisher mit diesem Amt gemacht hat, berechtigen nicht gerade zu den kühnsten Hoff- nungen. Das Amt hat eine selbständige Ab- teilung errichtet, in deren Kompetenz alle Vor- arbeiten für den Zolltarif fallen und mit de- ren Führung Ministerialrat Dr. Franz P e- routka betraut wurde. Handelsvertrag Oesterreich-Rumänien. In Wien wurde dieser Tage der Handelsvertrag zwischen Rumänien und Oesterreich unter- zeichnet. Der Bertrag gilt ein Jahr mit still- schweigender Verlängerung und tritt erst nach Genehmigung durch die beiden Parlamente in Kraft. Polnisch-tschechische VerWjrSftagen. Bereits seit einigen Tagen finden in Krakau tschcchoflotvakisch-polnischc Beratungen über BcrkehrSfragen statt. Gestern wurde über die Regelung deS Transitverkehrs auf den Bahnen beider Staaten beraten. EL wurde ein grundsätzliches Einvernehmen dar- über erzielt, daß der tschcchoflvwakische Tran- sit über polnisches Gebiet nach Rumänien und daL polnische über die Tschechoslowakei nach Magyaricn zugelassen werden wird. Die bis- herigen Verhandlungen zeitigten gute Er- gebniffe. „Solide" Geschäfte der Wiener Banken. Ve- zeichnend fiir die Moral im Wiener Geschäfts« leben ist der Vorfall des holländischen Speku- lauten Du im, eines gerissenen Schwindlers, dem die Banken nur deswegen aufgesessen sind, weil er ein Holländer war, also der An- gehörige eines Landes mit hochwertiger Va- luta. Die„Frankfurter Zeitung" berichtet über die Verluste der Wiener Bankinstitute bei diesem„Geschäft" daS Nachfolgende: Geborgt haben dem Schwindler die BerkchrSbank 400 Millionen Kronen, der Wiener Bankverein 200, die Länderbank, die Anglobank und die Unionbank je ISO, die Neue Wiener Bank- gesellschaft 100, Merkur 60, die Crntralban! der deutschen Sparkassen 30 und die Boden- krcditanstalt 20 Millionen Kronen, daneben eine Reihe Wiener Privatbankfirmen mit Stimmen zwischen 20 und 40 Millionen, insgesamt sollen etwa 60 Banken und Firmen in Betracht kommen. Die Valuta der Kriegsentschädigung. Die Reparationskommission verbreitet folgende Note: Im Verlaufe der letzten Sitzung hat die Reparationskommission eine Entscheidung über die Umrechnung in Goldmark der Be» satzungSkosten vor dem 1. Mai 1921 getroffen. Sie beschloß, die Umrechnung zum Durch» schnitWurse der Vierteljahre vorzunehmen, in denen die Ausgaben geleistet wurden. Besserung der wirtschaftlichen Lage Italiens. Die römische„Epoca" meldet, daß sich die Zuckerproduktion in Italien heuer gegen das vorige Jahr nahezu verdoppelt hat. Deshalb wird heuer keine Einfuhr notwendig sein. Auch die Getreideernte übersteigt den letzten Berichten zufolge in erheblicher Weise die vor- jährige Ernte, wcShalb die Getreideeinfuhr um mehr als die Hälfte herabgesetzt werden durfte. Dieser Umstand werde einen erheb- lichcn Einfluß auf die Währung ausüben, da Italien auf diese Weift 3 Millionen Pfnnd Sterling für Zucker und 71.5 Millionen Dol» larS für Getreide werde ersparen können. Auch in Frankreich Umsahstuer. Der fran- zösische Finanzminister Doumer erklärte vor der Finanzkommission der Kammer, daß das Defizit für 1922 2,000.000 Franken nicht über- steigen wird, und schlug zur Deckung vor, die die Umsatzsteuer zu verdoppeln. Der Wert der Krone. Es kosten: 1 Doz. Dr, Fürth Dreistünd Kurs. Beginn: Freitag, vcii 14. Oktober, 6 Uhr. KurSkarle' 10 Kr.— Milgl.'Anmeldnngen und Mitgl.-Erneuernng täglich Uranm-Kcmzlci von 10—1 und 4—7 Uhr. Staust aal Wissen. Neues Theater. Heute Dcllinners Operette „Don Ccsar", morgen Camstag Molnars„Ten» sei" mit Leopold Kramer in der Titelrolle. Urania. „Im Bilde durch die Welt". 10 Sich,» bikdervorträge jeden zweiten Sonntag Nach, mittag. Beginn: 9. Oktober,«4 Ubr. Kurt H i e l s ch e r-Berlin„Das unbekannte Spanien" SIO Lichtb.). Abonnement für NichtMitglieder 35 onen, für Mitglieder 30 Str. Einzelkarte 4.Kr. „Musikalisch-deklamatorischer^ Abend". Mitw.: Gusti Veidl-Hactcl— Dr. fljeodor Vcidl. Frei« tag. den 14. Oktober,«8 llkir. Karten 15-4 Kr. Mitglieder Ermäßigung.„Moderne Experiments!» Ein RÄeM-TMeMlmder für das Jahr 1922, der allen Ansprüchen Ncchnung trägt, die cm ein solches Buch gestellt werden können, wird vom Partcivorslaiid der Dcutschcn sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik herausgegeben. Der Verlag und die Auslieferung des Kalenders wurde der Buchhandlung„Freiheit", Teplitz-Schönci», Thcrcsiengasse 18, überleben. Trotz de« verhältnismäßig niedrigen reiscS von 6 Kronen enthält der Tafchenkalender, der gut gebunden ist, eine Fülle Wissenswertes. Außer einem Ko» lcndarium, einem Tagebuch und den für ge- wcrkschaftlich und politisch organisierte Arbeiter Wickligen Adressen findet man in diesem Hand- buch für Vertrauensmänner^ so darf man diesen Kalender Wohl nennen, Aufsätze über daS Staats- bürgcrrccht und das Hcimatrccht, über die Ge» meindewahlordnnng, über das Entgelt, die Krankenversicherung, das Ebcreformaefth, die Arbciterbüchcrei, ferner Winke für Redner und Ratschläge für Zuhörer, Erläuterungen von nc P Schlagwortern de? Tages. Ein Bild unseres nn« vergeßlichen Führers Josef Seliger schmückt da« handliche Büchlein, das wohl jedem Vertrauens- mann, ja jedem Genossen überhaupt, unentbehr» lich ist. Bestellungen sind, da die Auflage bald vergriffen sein dürfte, sofort durch die Verwal- tungen der Arbeilerblätter sowie die Organis» tionen zu richten an die Buchhandlung„grab heit", Töplitz-Schönau, Thcrcsiengasse 18. Ein unentbehrliches Hausbuch, daS in keiner Arbeiterfamilie fehlen darf, ist da« „ZreiHeif-ZaHrbach 1922 für daS arbeitend« Volk, daS in den nächsten Wochen im Auftrage deS Parteivorstandes der Deutschen sozialdemokra- tischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik erscheint. Gerade das Beste ist für die Arbeiter gut genug! Kein minderwertige« Ge- dicht, keine seichte Erzählung fand deshalb Auf- nähme in dieses proletarische HauSbuch. Der Leser findet darin nur die besten Namen des deutschen und ausländischen Schrifttums.— In allznviclcn Arbeiterfamilien findet man leider noch immer die süßlichen„Familienkalen- der" mit ihren verlogenen, faden„moralischen" Geschichten. Arbeiter, die stolz darauf sind, ihre proletarischen Pflichten zu erfüllen, die kein» bürgerliche Zeitung in ihrem Heime dulden wür» den, kaufen gedankenlos irgend einen dieser von geschäftstüchtigen Unternehmern auf den Markt geworfenen Kalender oder kümmern sich nicht darum, was für Bücher solcher Art ihre Frauen nach Hause bringen. DaS muß«mderS werden! In seinen Feierstunden, wenn er im Kalender blättert, soll der Arbeiter nur schöne, wertvoll« Erzählungen, gehaltvolle Dichtungen, gediegene Aufsätze finden. Die aber bietet ihm in üben- reicher Fülle das„Freiheit"-J a h r b u ch". Sein Auge wird erfreut durch den reichen Bilden- schmnck, vor allem durch die schönen ganzseitigen Illustrationen. Die Genossen, die unseren allzu» früh verstorbenen Genossen Seliger kannten und liebten, wird eS besonders freuen, daß dem Kalender ein ganzseitiges Bild Seliger? auf K n n st p a p i c r beigegeben ist, das gewiß mancher Genosse einrahmen und als Zimmer- schmuck verwenden wird. Trotz des reichen In- haltcS und der vorzüglichen Ausstattung kostet daS ,.Frciheit".Jahrb»ch nicht mehr als 7 Str. Der Preis wurde so niedrig bemessen, um eS je- der Arbeiterfamilie zu ermöglichen, sich dieses wertvolle Hausbuch anzuschaffen. Mit dem Berlage und der Auslieferung deS Jahrbuches wurde die Buchhandlung„Freiheit", Teplitz-Schönan, Theresiengasse 18, betraut. Bestellungen über- nehmen setzt schon die Kolporteure unserer Parteiblätter und die Vertrauensmänner unserer Organisationen. Herausgeber: Dr. Ludwig E z e ch und Karl Germar. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß Druck: Aktiengesellschaft Tribuna. Prag. BIO UDO Ab Freitag, den 7.—13, Oktober, S«od 8 Uhr abaoda. ROTHKOPF VAGABUND Daaa in 5 Aktm mit HARRT CORCY in dar TttaMla. Amerikanische NevitXtt kdb 6 Ubr ahcndi: GESCHLECHTSKRANKHEITEN Vortrag Oma. Dr. MAX POPPER. SVETOZOR Henny Porten In ihrem neuen schönen Film QEIERW ALLY. Effektvolles Alpendrama in 9 Akten. Reserviert für: MERL& WEISS FACHMANN. BÜRO-EINRICHTUNGEN PRAG, NÄRODNf 23a. 141 Ebermanns Mundwasser— Zahnpulver das BESTE und BILLIGSTE zur täglichen Zahnpllege. 64 Erhältlich in Apotheken, Droguerien, PariOmerien und Konsumvereinen. Dr. Ebermann, Prag; 619-1. LetasüßiüiraipotatWIBBli' in Wien sdiliesst vorteilhaft alle Arten von insbesondere Versicherungen ohne ärztliche Untersuchung bin zu KE 10.000"— mit sofortiger— auch für den Kriegsfall— uneingeschränkter Gültigkeit ab. Vertreter werden zu günstigen Bedingungen angestellt Anfragen. Angebote n. dgt sind zu richten i das rilialbflro für Oross-Prag, Prag II., Väclavskd näm. 47, an Genossen! Gedenket des Fondes Schaltung eures Zentralorgans. IS Start.Mm Prag II., Nekäzanka 7. Bürgerliche Köche, ersfkl, Biere n. Weine. Sehenswürdigkeit Prags:„Kreuzelkeller". EGGER& CO., PRAG-KARLIN, Krdlovskdi Ö. 14. FilBRII PHABMACEUTISCBEB ZUCKEBVAHEI. ®2jers Milch- und Kaffelmraniellsiii Eggern 140 er Peppennlnt 87 In allen Konsumvereinen erhäl tlich. Verlangen Sie überall ÄUS MARIENBAD. Generalrepräsentanz für die Csl Republik: Banfe fOrBrauIitdustrle, Prag H. - HavHfikovo Q6m. Nr» 33. 7. Oktober 1921. Msere Etellungnahme U? AoZZszzresgrm. Bon E. Stecker(Jägerndorf). In mehreren Aussätzen unseres Zentralor- gancs wurde die Notwendigkeit der Schaffung eines klarumschriebenen, auf dem Boden so' zialistischer Weltanschauung Menden Agrar- programmeS dargelegt. Tie Auswirkungen der durch die kapitalistische Entwicklung gcgc- denen desolaten tvirtschaftlichcn Verhältnisse, allen Phasen des Wirtschaftslebens zutage treten, lassen ein solches Beginnen für unum- bänglich notwendig erscheinen. Die program- matische Festlegung unserer Partei auf bestimmte agrarsozialistischc Grundsätze kann je- doch erst dann erfolgen, wenn innerhalb der Partei selbst eine ausgesprochene Zielsicherung in der Beschreitung des zu begehenden Weges herrscht. Diese so notwendige BorauSsetziing ist dermale» noch nicht gegeben, im Gegenteil, die unklarsten und widersprechendsten Ansichten sind augenblicklich Gemeingut des Grobteils unserer Parteigenossen. Diese Tatsache auszusprechen ist notwendig, die sagt uns nur, das, bei allem raschen Hau- dein Vorsicht und Umsicht am Platze sind. Wenn sich auch die Entwicklung des kapitalilti- schen Wirtschaftslebens für die eheste' Festlegung agrarsozialistischer Thesen ausspricht, so kann diese nicht von heute auf morgen erfolgen, sie bedarf trotz dringender Notwen- digkeit einer gewissen Vorbereitung. Wir be« nötigen vor allem Richtlinien, ein AN tionsProgram in. welches die Erfassung und Programmatische Verwertung aller Agrar- fragen vorsieht. Dieser Meinung wurde be- rcits im Zentralorgan Ausdruck gegeben. Dieses am Tetschener Parteitag zu bildende Aktionsprogramm wird sich in besonders er- höhtcm Masse zu init der Bodenreform zu be- tigcn haben. Die Bodenreform ist der Tragpfeilcr jedtvedcn Agrarso- zialismuS, mit ihr gedeihen oder fa^en alle jene Bestrebungen, die auf eine Sozialisie- rung der Landwirtschaft hinauslaufen. Eine Frage ist für uns in der Beurteilung der Bodenreform von prinzipieller Beden- tuug: Haben wir nnS für den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb oder für den landwirt- schaftlichen Großbetrieb zu entscheiden? Massgebend in der Beantwortung dieser Frage muß die Erkenntnis sein, bei welchem Ar- beitsprozess und der Anwendung der gleichen Arbeitskräfte ist ein grösserer Produktions- ertrag verbürgt? Obwohl für heute jede nä- here Begründung hiefür erspart sei, sprechen wir uns für den landwirtschaftlichen Grossbetrieb ans, denn unzäblige stati- stische, einwandfreie Erhebungen und tanlende praktische Verglcichkergebnisse sind die über- zcugcndsle Sprache hicfür. Entscheiden wir unL für den land- und forst- wirtschaftlichen Grossbetrieb, müssen wir 11118 einmal zunächst ans nationalökonomi- st i s ch e n G r ü 11 d e n gegen die Präger Bodenreform wenden. Diese B denre- form trägt produklionsvcrminderude Folgen in sich, hängt unö den ohnedies kargen Brot- korb noch höher, bringt uns in ein noch grö- ssereS Abhängigkeitsverhältnis zu den ausländischen Answucherern; sie bedeutet ferner die Lahmlegung landwirtschaftlicher Industrie- zweige, sie untergräbt die Existenz taufender Arbeiter und Angestellten und ist in technischer Beziehung in absehbarer Zeit ganz einfach nicht durchführbar. Doch wenn auch die technische Unmöglichkeit und die volkswirtschaftlichen Schäden, die der Bodenreform des tschechoslowakischen Boden- amtes zu Grunde liegen, unberücksichtigt bleiben, so sind wir als Sozialisten auch aus Poli- tischen Erwägungen gegen diese Bodenrc- LiÄW« Wzmgniber in seiner Zeit. Bon Wilhelm Bolin(Hclsingfors). (Schluß.) Von der Bühne verdrängt, sah sich Anzen- gruber auf die Pflege der Erzählung angewiesen. Daran hatte er schon gedacht, als ihm gehörige Beachtung War. Aber gediegene Lei- stungen fordern Zeit zum Ausreifen und glück- liche Stimmung, und war ihm Solches ver- gönnt, kam es zu Meisterwerken. Aber zwi- schcndurch musste der Alltagssorgen halber vir- les der Feder abgerungen werden, das in der Tagespresse unterzubringen war. Für diesen Zweck wandte sich Anzengruber den sozial- ethischen Fragen zu. denen er eine Menge kleinerer Erzählungen widmete. Sie gelten alle den unzähligen Vorkommnissen im Grossstadt- leben, wie er in dem gelungensten seiner bürgerlichen Dramen berührt und in einem grosseren Roman darzustellen gedachte. Alles hier- hergehörende Material besteht in durchaus von einander unabhängigen Skizzen, die jene gro- ssere Arbeit vorbereiten sollten. Sie tragen alte das Gepräge des halbfertigen, wurden unter bedrückter Stimmung hergestellt und von ihm soztald form. Mehr und lang als gemig wurde in den letzten Jahren der Völkerverhetzung das Wort gesprochen, es ist hoch an der Zeit, dass Ver- Uttllft und Einsicht dem Völkcrhasse einen lamm setzen, jedoch Vernunstsgründe müssen wir vergeblich in dem Machwerk des Präger BodenamtcS suchen. Dieses ist nur geeignet, die nationalen Leidenschaften zur Siedehitze zu bringen, den nationalen Haß in den von ihm noch weniger erfaßten Gebieten zu tragen, .ras krampfhafte Bemühen des Prager Revo- lutioustribunals, das seine Gesetzesmaschine dem national staatlichen Charak- t c r der Republik dienstbar machte, kommt auch >n dieser„Bodenreform" brutal zur Geltung. Die ist ein T s ch e ch i s i e r u n g S i n st r u- m c 11 t, welches jede Volkswirtschaft- liche Nutzanwendung ausschließt. An dieser Feststellung ändert auch nichts der Um- stand, daß die Bodenreform den zum Gutteil berechtigten Wünschen dcS landhuugrigen Vol- kcS entsprechen soll. Wenn die Bodenreform nur zum Zwecke der Güterzcrstückelung ge- schaffen worden sein sollte, so müssen wir uns doch fragen, welche Häusler und.Weinbauern sollen durch diese Reform in ihren Wünschen befriedigt werden? Wenn wir den Blick vom Wortlaut des Gesetzes wcglenken und dorthin schauen, wo die praktische Auslegung aller Gesetze der tschechoslowakischen Republik ihre gebührende Erörterung finden, erhalten wir bestätigt, dass wir allen Grund haben, dieses Gesetz aus politischen Gründen zu bekämpfen. Was schreibt z. B.„Ceskc Slovo"? In einem Aufsatz, betitelt:„Enteignet sie!" schreibt ge- nanntes Blatt wörtlich: „Wenn irgendwelche Großgrundbesitze in deutscben Gegenden enteignet werden sollen. i' muss dies in einer Weise geschehen, dass wir als Nation daraus Nutzen haben. In gebirgigen Gegenden könnte man den deutschen Bewohnern die Felder überlassen, in Gegenden in einer Höhe von 200 bis 400 Meter könnte eine tschechische Kolonisation erfol- gen." Des weiteren führt das Blatt eine grosse Anzahl Orte und Bezirke an. wo planmäßig unter dem Deckmantel der Bodenreform die „Kolonisation" durchzuführen wäre und nennt bicbci die Orte Luditz, Jcchnih, Kriegern, Podersam, Tuschkau, Neumark, MieS, Klad- rau, Bischofteinitz, Staab, Saaz, Postclbcrg, Brüx. Oberleu tenodmcf, Dux, Teplitz, Leitmc- ritz, Lobositz, Wegstädtl, Tauba, Hirschbcrg usw. Wie gesagt, die Bodenreform dient einem nationalchanvinistischen Raubzug und wird dadurch zum Erreger des schärfsten nationalen Gegensatzes zwischen Deutschen und Tschechen. Eine Bodenreform, die dem Volks- oder Staatsganzen eine Niihanwendung nach jeder Richtung bin bringen soll, und die auch jeder Partei- oder staatspolitischer Grundlage ent- bchren muss, kann nicht in der Zertrümmerung des Großbetriebes ihre Lösung finden, wie das Ausmaß des jeweiligen Besitzes über- Haupt eine untergeordnete Rolle spielt. Die Träger und die Olebieter über die Produktion des Großgrundbesitzes müssen in Zukunft die dort bedienstelen Arbeiter und Angestellten sein. Der landwirtschaftliche Großbetrieb darf nicht im privatkapitalistischen Interesse geführt werden, sondern dessen Nussniesser muss die Allgemeinheit sein und in deren Auftrag haben die Angestellten das Verfügnngsrecht über die Produktion und über die Verwendung der erzeugten Güter. Eine Bodenreform in diesem Sinne durchgeführt, würde produk- tionsfördcrnd wirken und das.Halardiercn mit einem so ernsten volkswirtsck'aftlichen Pro- blem, wie es die Bodenreform ist, unmöglich machen. Mir verschließen nnS nicht der Ansicht, dass der Häusler und Kleinlandwirt in seinem schweren Existenzringen durch eine Bodenzu- selbst als Ergebnis eines ihm aufgezwungenen MüsscnS bezeichnet. Die hier folgende Uebcr- schau von Anzcngrubers kleineren Zeichnungen sozialcthischen Inhalts zeugt'von einem ent- gegenkommcnden Verständnis, daS zu deren ge- rechter Würdigung führt. Verstimmend wirkt nur die unvermeidlich sich einstellende Gewiß- hcit, dass die geplante Verwendung des Aufgc- zeichneten zu einem künstlerisch ausgeführten Ganzen dem Dichter durch dessen vorzeitiges Ableben versagt wurde. Alles was sich auf dies Ereignis wie auch auf die übrigen LebenSvorgängc des Dichters bezieht und dem zwei längere sachgetrcue Ka- pitel des Buches gehören, möge hier ttbergan- gen werden. Besondere Beachtung verlangt daS Kapitel, worin die Dorfromane vom Stand- Punkte der Sexualethik betrachtet werden. Sol- ches ist namentlich zulässig bei der letzten dieser Schöpfungen wie auch bei mehreren der Heinere« Erzählungen. Beim ersten Roman„Der Schandfleck" liegt es nahe, führt aber, wenn ausschliesslich dabei eingehalten, zu einer Auf- fassung, die von einer richtigen hinwegleitet. Die für das Schicksal der jungen LiebcSleute entscheidende Katastrophe läßt sie sich als Ge- schwistcr erkennen. Der Müllerssohn, von Ver- zwciflung ergriffen, geht daran zugrunde. Mag- dalene Rcindorfcr dagegen zeigt eine Beson- nenheit, die dem Kritiker nicht zusagt. Nach Kleinberg hätte sie, auf das von ihrer ersten emorrac tcikung eine Erleichterung erfahren soll, abrr diese Bodenzuteilung dars nicht auf Kosten der Produktionsvermiuderung landwirtschaftlicher Erzeugnisse erfolgen. Weit mehr wie durch eine oftmals technisch unzweckmäßige Bodenzuteilung kann der Kleinbauer durch die g e n 0 s- s e n s ch a f t l i ch e Bewirtschaftung seine Besitze lebensfähig gestalten. Die ge- nosscnschaftliche Bewirtschaftung des klein- bäuerlichen Anwesens ist ans dem Wege zur Sozialisicrung ein guter Schritt nach vorwärts und haben wir den eininal getan, können wir niit Genugtuung und Freude behaupten, dass wir wohl das größte Stück menschlicher Selbst- sucht und verbohrtesten Egoismus gebrochen haben. DaS Ziel liegt so nahe, die Vernunft greift nach ihm; lehren wir den bodenbebauen- den Menschen soziales Denken und wir werden in absehbarer Zeit eine Bodenreform begrüßen, die unserem Willen entspricht, die lausende Menschen anS Sklaventetten befreit und die der arbeitenden Menschheit von Nutzen sein wird. Fäulnis. Vor den Wiener Gerichten stand kürzlich eine Trödlerin unter der Anklage des Wuchers, weil sie für irgend einen HauShaltungSgegen- stand gleich einen Zuschlag von sechzig Prozent berechnete und als Grund dafür angab, daß die Käuferin den Kaufpreis nicht in tschechischen Kronen bezahlte. Ein Wuchcrprozcss, der wahrhaftig keine besondere GcmütSerrcgung hervorgerufen bat. Ein Wuchcrprozcss mehr Vr v liger, daran wird vorübergegangen, ,■; es zum allgemeinen Bewußtsein l»mit, daß gerade dieser läppisch alltägliche Bewuchcrungsvcrsuch blitzlichtarlig die Fäul- niSerscheinungen der beinahe ans Null enlwer- teten Währung des armen Deutschösterrcich beleuchtet. Die Trödlerin ist ein armer Sckiclin, wel- cher gerade deswegen gehängt wird, weil er erwischt wurde, weil sich ein Kläger gesunden hat. Wie sehr aber die Sucht, fremde Valuten an Zahlungsstatt zu erhalten, eine alltägliche Erscheinung geworden ist, erhellt am besten daraus, daß sich dem Neigen, den der Buch- Handel eröffnet hat, bis heute eine ganze Reihe von Branchen, wie zum Beispiel der grössere Modcwarenhandel, der Handel in photographi- schen Artikeln, der Handel in Musikinstrnmen- tcn und eine ganze Menge anderer Geschäfts- zweige angeschlossen haben und für ihre Maren ausschliesslich oder fast ausschliesslich Mar? oder tschechische Kronen verlangen. Wo bleibt da der Staatsanwalt? Wenn diese Tatsachen mit zu den Ursachen der gerade in der letzten Zeit in ein Wahn- sinnöteinpo geratenen Entwertung der deutsch- österreichischen Krone gehören, so darf eine weitere Tatsache nicht übersehen werden, die die gleiche Ursache und die gleiche Wirkung hat, die aber nicht mit dem gleichen, vollen Rechte als gewinnsüchtige Baliitenhamsterei bezeichnet werden darf. DaS ist der Ucber- gang eines beträchtlichen Teiles dessen, was als Sparkapital bezeichnet wird, zu den Käu- fern der fremden Valuta. Kleine Gewerbetreibende, Angestellte, Geschäftsvertreter Pflegen ihre Ersparnisse, so weit sie solche machen können, nicht in die Sparkasse zu tragen oder in Ctantspnpieren anzulegen, ziehen vielmehr den Ankauf von halbwegs wertbeständigen fremden Währungen vor, nachdem die phan- tastischc Höhe der Effektenkurse der Wiener Börse diese GrnPPcn von der Effektenspcknla- tion ausgeschlossen hat. Sie haben den Zu- samnicnbruch der Rentner infolge der Valuta- Zerrüttung vor sich gesehen, und eS mag dahingestellt bleiben, ob sie die Aussicht auf die Möglichkeit, Gewinne zu erzielen oder die Liebe erhoffte Glück verzichtend, diesem eine heroische Entsagung während ihres ganzen übrigen Lebens entgegenzusetzen. Damit wäre die Erzählung zu Ende und das Mädchen mit einem Starrsinn ausgestattet, wie er ihrem Halbbruder eigen. Ter Dichter führt sie durch- weg als eine ungesunde Natur vor, erfüllt von ihrer Verehrung für den Nährvatcr, dem sie ihre Treue und Dankbarkeit zeigen will, ganz ini Gegensatz zu seinen eigenen Kindern, die nur schnödeste Eigensucht ihn fühlen lassen. Ihr Verhalten zum alten Rcindorfcr bildet ihren wahrhaften, von frühester Kindheit an in ihr aufgesammelten Dcnkinhalt, dessen Olediegen- heit sie durch ihr ganzes späteres Leben be- währt. Um daS zu können, muss sie in Verhält- nisse kommen, die sie dabei fördern. Solches wird ihr an der Seite eines Mannes, dessen erstes Licbesglück auch zertrümmert worden. Dem Einwand, dass es nur eine angestückelte zweite Novelle gäbe, fehlt jede Berechtigung, weil es dem Dichter auf die Beziehungen zwi- schen Magdalene und dem alten Reindorfer ankam, die dem ganzen Roman seine künstlcri- schc Einheit geben. Weit entfernt, hier eine Unfehlbarkeit zu beanspruchen, mag eS leicht der Fall fein, daß der Autor für seine Ausführungen bei etlichen seiner Leser Zustimmung findet, da bekanntlich der Dichter schon bei der anfänglichen Ver- öffentlichung seines Romanes von verschiede Sekte 8. Hoffnung, durch Erwerb von Börsenpapieren oder fremden Valuten sich gegen eine Wert- Verminderung ihrer Ersparnisse zu sichern, der Börsenspekulation in die Arme getrieben hat, Sicher ist, dass die Spekulation Kreise ergriffen hat, die vorher die Börse kaum den Namen nach gekannt haben. Das bedeutet nicht weniger und nicht mehr als die Außerkurssetzung der deutschösterreichi- scheu Krone auch im Jnlande, die beginnende Fäulnis des Staates, dcS kapitalistischen Staates. So lächerlich auch der Gedanke klingt, so wahr ist eS, dass der buntbedruckte Wisch, Geld genannt, im Stande ist, den monumentalc.c».. Bau, den die gcgenlvärtigc Wirtschaftsordnung geschaffe n hat, zu erschüttern. Tages-Neuigkeiten. Eine Fahne für die Burgwache. Unter die. ser Spitzmarke fanden wir gestern in einem Präger Abendblatt- eine Notiz, eine ganz kurze Notiz, die aber eine Fülle Erinnerungen: und Betrachtungen 11t 11118 wachrief: Donnerstag, den 13. Oktober, wird Präsident Masaryk der Burgwache in feierlicher Weise eine Fahne überreichen.— Eigentlich wäre ja dagegen gar nichts Besonderes einzuwenden. Warum soll die Präger Burgwache keine Fahne haben und warum sollte auch Prag keine Burgwache haben? Es war doch so wundervoll im al- tcn kaiserlichen Wien mit seinem Burgparadcn- zauber, mit seiner weltberühmten Burgmusik, mit der stolzen, schwarzgelbcn Fahne am Burg- hos, die jeder vorübergehende Soldat und Os« fizier in höchster, ja in allerhöchster Stramm- hcit zu grüßen hatte, widrigenfalls ihm schwerste Strafe drohte. Warum sollte das alles die tschechoslowakische Republik entbehren müssen? Eine Burgwache haben wir schon lange— nun wird sie au chdie unumgängliche Fahne erhal- tcn.— Residenz Prag ist komplett. Solte daS vielleicht schon eine Tat der neuen Regierung sein? Wenn ja, dann lassen wir allen Pessi- mismus fahren, den wir dem Kabinett Benesch je entgegenbrachten. Ein wenig versöhnt Ware« wir schon gestern, als wir sahen, dass man uns einen Springbrunnen mit Goldfischen bietet: nun sind wir ganz zufrieden. Jeden Tag kön- neu wir nnS jetzt durch den Anblick des hehrsten Wahrzeichens Prags davon überzeugen, dass wir in einer freien, ganz freien Republik leben und dass wir trotzdem nichts von alledem ent- bchren müssen, was das alte Oesterreich so... so... na, wie sagen wir nur schnell?... so lieb machte. „Kehret z« Eurem Glauben und zu Eurem Kaiser zurück!" In den nicderösterrcichischen Grenzgebieten und im Burgenlande wurden Flugzettel folgenden Inhaltes herabgeworfen: „Ocsterreicher! DaS Oberkommando der Landesverteidigungsorganisationen in West- Ungarn begrüßt die christliche Bevölkerung Oesterreichs und hält es für notwendig, ihr seine Ziele aufzuklären. Wir sind keine Feinde des nationalen Empfindens Oester- reichs, sondern wollen im Gegen eil zu Oesterreich, mit welchem wir fünf Jahre als treue BundeSgem ssen gegen eine Welt von Feinden gekämvft haben in fr, undliche Beziehungen treten Wir kämpfen aber gegen Euer StaatSstistem, das ist gegen daS Svstcm des Bolschewismus, duich welches Ihr ins Verderben getrieben werdet. Wtr wollen Euch nicht als Feinden gegenüber- stehen, sondern v-oll-n Euch aus dem Sumpfe und der Gewtittätigkeit tu bolschewistischen und terroristischen Banden retten. Wir wollen, daß ei Euch der revolutionäre Oleist aufhöre und die Staatsgewalt in legi- tim Hände gelange. Die Julei nationale Ist ncn Seiten getadelt wurde, dass er Magdale- iiens spätere Schicksale nicht tragisch hatte ver- laufen lassen. Ebensowenig kann ich der Ansicht beistimmen, die das Buch anläßlich des letzten Bauerndramas,„Der Fleck auf der Ehr'", ausspricht. Ter Stoff, heißt es, sei eigentlich episch und in dramatische Form gebracht bei ermattenden Kräften. Mein Eindruck, der nur auf Lesen sich gründet, verspürt eine wunder- bare Frische, die eine weitere Entwicklung der dichterischen Begabung erwarten lässt. Die grosse Kunst, die der Dichter dabei entfaltet, ist, für mich, seinen besten Dramen ebenbürtig. Schon allein die Figur deS Hnbmaher, der eigens für das Stück erfunden worden, gehört zu den vorzüglichsten, die der Dichter geschas- feit und bietet dem Bühnenkünstler eine glän- zende Aufgabe. Das Ganze besitzt unstreitig die lebendigste Bühnenunmittelbarkeit. Daß der tragische Ausgang der Erzählung, der peinlich wirkt, gemieden worden, halte ich für einen Vorzug des Dramas, weil es den Lehrzweck begünstigt, den Anzengruber bei seiner Schrift- 'tellerci in Sicht hielt. Nur so, dünkt mich, war die Unschuld des braven Mädchens und daß ihm widerfahrene Unrecht, nur so daS an ihr gutzumachende Recht zu veranschaulichen, wo- ran es die herrschende Rechtsordnung fehlen lässt, wenn sie sichs am Buchstaben des Ge- letzes genügen lässt. statt alle in der Wirklich- feit gebotenen Umstände genau zu berücksich- Cefle t die größte Lüg:. Erwacht eitflldj an? Euerer Gleichgültigkeit, werfet cie Euch van den Inden au.-gezwungenen Feffcln ab und kehret Wiederau zn Eure»'. Glauben und Eurem Kaiser zurück. In bi« fem Sinne- begrüßen wir Euch alle Arb.i'cr, Bauern und Bürger, urit einem h rzlicbcn„G o t! erhalte!" Das r" b> rkommando der Landesvcrteidigllilgs-Orgaiusativncil für Wcstungarn." Die Melodie der ungarischen Monarchisten «st ,a nicht neu, aber so oeu'l'ch, glauben wir, war sie bisher denn dreh«'che zu vernehmen. Es gehört eine unglaubliche Kübnheit dazu, als Generalkommando flu Banditen- und <4was anderes ist doch dieses i.'cstungaristhe L berkommando nicht— von den bolschewistischen und terroristischen Banden Oesterreichs zu sprechen. Die„freundlichen Beziehungen mit Oesterreich"— das ist die Bereinigung Ungarn und Oesterreich unter den Habsbur- gern, die ja sicherlich dafür Sorge tragen würden, daß„der revolutionäre Geist auf» höre".— Ein herzliches„Gott erhalte!" die- em westungarischcn Oberkommando. Es orgt dafür, daß die Arbeiter die Monarchist!- che Gefahr keinen Augenblick außer Acht äffen. Soldatenschindcrcicn in der Reichswehr. In die Reichswehr des republikanischen Teutschland wurden— dies niag sich Noske als Son- derverdicnst anrechnen— auch ein großer Teil jener Soldatcnschindcr des Hohenzollcrnhccres Übernommen, von deren Scheußlichkeit seiner- zeit im Reichstag so viel gesprochen wurde. ES ist traurig, daß diese allcrschlimmsten Konimiß- knöpfe, für die die Beseitigung eines mißlicbi- gen Kameraden oder Untergebenen durchaus nichts Außergewöhnliches ist, auch in der republikanischen Reichswehr ihr Unwesen fort- setzen dürfen. In M i n d e n hat sich jüngst ein Mißhandlungsfall ereignet, wie ihn die Au- genzeugcn, alte Soldaten, unter den« wilhelmi- nischen Militarismus nie erlebt haben. Diese Mißhandlung eines Reichswehr- s o l d a t e n durch Kameraden unter den Augen der Vorgesetzten wird folgendermaßen geschildert: Es war 3—4 Uhr, da hörten wir auf den» Bastionshosc, wie ein Reichswehrsoldat ge- schlage» wurde, es klang gerade so, als ob nian jemandem mit einem harten Gegenstand über den Schädel schlug— darauf ertönte ein Schrei. Wir sprangen auf und beobachteten, wie vier Rcichswehrjoldaten von einem Unteroffizier zum zweiten Mal im Lausschritt hinter die etwa 75 bis 100 Meter entfernte Hindcr- uiSwand gejagt wurden. Hier wurde einer von den Vieren von seinen Kameraden in furcht- rarer Weise mit den Fäusten, Gewehrkolben und Seitengewehr gegen den Kopf und Ober- lörpcr geschlagen und getreten. Dieses schmach- volle Bild wiederholte sich«in drittes Mal, jetzt brach der Mann zusammen. Was nun seine netten Kameraden mit ihm vornahmen, konn- ten wir nicht genau scheu, doch soviel sahen wir, daß er>v i c d c r g c s ch l a g c n wurde. Als die Rohlinge zurücktraten, lag der arme Mißhandelte wie leblos ans dem Gesicht, auch seht bekam er noch Fußtritte. Als der Acrmstc sich daraufhin nicht erheben konnte, wurde er von zwei dieser Bestien an den Händen gefaßt und wie ein krepiertes Stück Vieh unter wiederholtem Ausstoßen des Kopfes auf die Erbe etwa 25 Meter weit geschleift und hier liegen gelassen. Nun blieb der Mann etwa eine Viertelstunde liegen und keiner kümmerte sich darum. Der Unteroffizier schnauzte weiter wie in Vorkriegszeiten. End- lieb kamen drei Vorgcsebte, darunter der Unter- Offizier und allem Anschein nach ein Arzt. Der Arzi, wenn cS einer war, hielt es aber nicht für nötig, sich zu dem Mißhandelten zu bücken, sondern dieser wurde von einem anderen Rcichswehrsoldaten in die Höhe gerissen und wir sahen, wie er immer in die Knie und vorn- über zusammensank. Nur wenig gestützt, mußte Soziald-m-ktcki. tigen, die sich nur zu leicht der gebührenden Aufmerksamkeit entziehen. Der aus voreiligen Tugenddünkcl ihr gemachte Vorwurf wie auch die gedankenlose Rede„geseffcn hat sie doch," zerflattern sofort, wenn ihre Grundlosigkeit nachgewiesen wird. Die dem Mädchen werden« de Rechtfertigung gehört zum künstlerisch gefor« derten Abschluß, der vom Dichter mit großer Umsicht vorbereitet wird. Nur diese beiden Einwände habe ich zu er- heben. Tie Möglichkeit einer Irrung meiner feite will ich nicht bestreiten. Aber um endlich zu bleiben, darf ich diese Bedenken nicht zurück halten. Auch sie entsprechen dem Interesse, wo mit ich die von innigster Verehrung und Be- wunderung für Anzcngrubers Dichtcrgröße eingegebene Arbeit gelesen habe, noch bevor sie an die Oeffcntlichkcit gelangte. Den Kenner der hierher gehörenden Literatur spricht sie über- dies noch besonders an durch die eminente Bc- lesenheit Klcinbcrgs aus dem Gebiete der öfter rcichischen Dramatik, die durch Anzengrnber auf die Höhe künstlerischer Vollendung gehoben wurde. Ich kann nur wünschen, daß meine Freude an der verdienstvollen Leistung allen venen werde, die sie nunmehr in Buchform zu Augen bekommen. der Acrmslr seinen Weg zurücklegen, um viel- leicht hinter vcrschloffencr Tür neue Mißhandlungen über sich ergehe» lasten zu müssen. Dieser Vorfall erklärt vielleicht den vor etwa vier Wochen erfolgten Selbstmord eines Reichs- wchrsoldaicn derselben Kompagnie. Man fragt sich, wie ist es möglich, daß sich ei» so unerhörter Fan ereignen konnte. Die Erklärung ist einfach: An der Spitze dieser Schinderkompagnie steht ein stramm dcutschna- tionaler Hauptmann, der jeden mißhandeln läßt, der nicht nach der monarchistischen Pfeife der Hakenkrenzler tanzt oder gar im Verdachte „roter" Gesinnung steht. Diese Reichswehr ist eine Schmach für Deutschland, dessen Reichs- wchrministcr ohnmächtig ist, solche Kreaturen, wie den Schindcr-Hauptntann von Minden und seine Prügel-Uniergcbencn aus dem Heere zu entfernen. Wiederum ein Lbcrführter kommunistischer Verleumder. Der Saazer Kommunist K ö- ch e r t hatte im vorigen Jahre unserem Gcnos- sen Legat bei einer Schicdsgerichtssitzung vorgeworfen, Legat habe Arbeiterkrenzer unter- schlagen. Wegen dieser schweren Beschuldigung hatte sich Köchert vor Gericht zu verantworten und sollte den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen antreten, der ihm allerdings nicht gelungen ist. Es stellte sich heraus, daß die gc- gen Genossen Legat erhobenen Anschuldigungen nichts anderes waren als Verleumdungen und der Ehrabschneider Köchert wurde daher zu uns Tagen Arrest, umgewandelt in kl) Kronen Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil brach- tc Köchert die Berufung beim KrciSgerichte Brüx ein. Am 31. März dieses Jahres sollte die Bcnifungsverhandlung durchgeführt wer- den, wurde aber ans Antrag des Staatsanwal- tes in Brüx vertagt. Köchert hatte nämlich, wie die Tcpliher„Freiheit" berichtet, inzwischen Gcnoffcn Legat neuerlich bei der Staatsanwalt- chaft in Brüx denunziert, indem er Genossen Legat der Vorschubleistung beim unberechtigten Bezüge von Arbeitslosenunterstützung beschul- digte. Auf Grund der von Köchert gemachten Anzeige wurde nun gegen Gcnoffcn Legat die Untersuchung wegen Bc- lnig eingeleitet. Auch diesmal crtvics sich daß Genosse Legat ganz grundlos denunziert worden war und daS Strafverfahren gegen Ge- noffcn Legat mußte eingestellt werden. Endlich konnte nun die Berufungsverhandlung durch- geführt werden. Das e,r st r i ch t c r l i ch c U r- teil gegen Köchert, der sich von dem a r b c i- terfcindlichen deutsch nationalen Rechtsanwalt Dr. Zinke verteidigen ließ, wurde vom Kreisgericht vollinhaltlich b e st ä t i g t. Der Parteitag der Unabhängigen wurde, wie die Berliner„Freiheit" meldet, vonr Zentralkomitee für den 1. Jänner nach L c i p- z i g einberufen. DaS Kino als Verführer. Im November vorigen Jahres tvnrdc in Berlin die bejahrte Witwe Emilie Gillert von dem 17jährigcn Rieding unter Beihilfe des 22jährigen Arbei- ters Böhnle ermordet. Rieding habe i n c inem K i no-S cha ner stück„Der Würger" gesehen, wie eine Frau von c i n c m Verbrecher in wc n ig e n Sekunden zu Tode gcwürgt wur- de. Er beschloß, es ebenso zu ma- ch e n und eine alte Frau umzubringen und zu berauben. In einer Kaschemme lernte er den Böhnkc kennen und dieser war bereit, an dem Unternehmen sich zu beteiligen. Als Opfer wurde die alte Frau Gittert ausgesucht, die Rieding kannte. Es gelang ihnen, am 22. November, vormittags gegen 12 Uhr, bei Frau Gillert Einlaß zu erhalten. Diese ist dann in der grausamsten Weise ermordet und beraubt worden. Während Rieding gleich nach der Tat durch Nachbarn der Ermordeten fest- gcnomincn werden konnte, gelang es Böhnke zu entfliehen; er konnte auch erst nach einem Tage verhaftet werden. Während der jugend- liche Verbrecher den Böhnke als seinen Ver- sichrer schilderte, behauptete dieser, daß er von dem Verbrechen zurückgetreten und schon vor Begehung der Tat aus dem Hanse geflohen sei.— Rieding wurde seinerzeit zu 12 Iah- reu Gefängnis, Böhnke dieser Tage zum Tode verurteilt. Fluchtversuch aus dem Olmützer Kreis- gericht. Sechs Insassen einer Zelle im dritten Stockwerk des Olniützcr Kreisgcrichtcs brach- ten Dienstag nachts einen lange vorbereiteten Fluchtplan zur Ausführung. Die Häftlinge hatten sich aus Leintüchern ein Seil gedreht, an welchem sie sich herunterlassen, den Hof über- klettern und so ins Freie gelangen wollten. Die Gitter, der im dritten Stockwerke gclege- »c» Zelle bogen sie mit äußerster Kraftan- strcngung auseinander, so daß ein Mann knapp durchkriechen tonnte. Dann knüpften sie das Leintüchseil an das Gitter, worauf als erster der Sträfling N a n d o r— ein wegen mehrfacher Verbrechen bestrafter Häftling— aus dem Fenster kletterte und sich hinunter- ließ. Dabei ist zu bcmerlen, daß Nandor Kriegsinvalide ist, indem ihm ein Bein durch eine Schiißvcrlctzung völlig steif wurde, so daß er sich nur mit. einem Fuß um das Sell klam- ! mein konnte. Als Nandor ungefähr In der i Höhe des zweiten Stockwerkes angelanat war, riß daS Seil und Nandor stü«te in die Tiefe. Durch den entsetzlichen Schrei NandorS und den dumpfen Fall seines Körper« auf den Boden des GcsangniShofes alarmiert, eilte ein Wächter herbei, der die Polizeiwache herbei- holte. Nandor war mit dem Leben davonge- kommen. Bloß den rechten Arm hatte er sich gebrochen. Trotzdem besaß er noch so viel Kraft und Energie, während der Zeit, da der Wächter die Polizei avisierte, über die Mauer in den zweiten Gefängnishof zu klettern, wo er sich dann auf den Boden niederlegte, so als wäre nichts geschehen. Die Wächter mit der Polizei vereint, brachten den Mann in Sicher- heit, worauf sie zunächst in die Zelle eilten, aus der Nandor entfliehen wollte. Sie fanden die sechs Sträflinge auf ihren Lagerstätten liegen, anscheinend im festen Schlafe, um den Wächtern vorzutäuschen, daß sie an dem Aus- bruchsversuche nicht beteiligt waren. Der Kampf gegen die Schundliteratur in Deutschland. Die Unabhängigen haben der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden Dringlichkeitsantrag unterbreitet: „Die Stadtverordnetenversammlung wolle be- schließen, den Magistrat zu ersuchen, sofort eine großzügige Aktion zur Bekämpfung der Schundliteratur zu unternehmen. Es sind so» fort 100.000 Mark bereitzustellen, um in allen Bczirksjugendämtern Bücherverteilungsstellen einzurichten, die Berliner Schulvcrwaltung hat sofort aus dem Wege der Schulordnung den Schülern zu verbieten, in Buchhandlungen zn kaufen, die Schundliteratur zum Verkauf brin- gen und Buchhandlungen zu empfehlen, die nur gute Literatur führen. Der Polizeipräsident ist zu ersuchen, durch Polizcivcrordnung sofort allen Produktcngcschäflen jeden Bücher- verkauf zu untersagen." Eine HanSdicdin. Dem Landesgcricht wurden Josefa Micßncr ans Stupov bei Prcßbnrg und ihr Geliebter Josef Lipsch aus Novnov bei Raudnitz eingeliefert. Die Micßner hatte der Geschäftsfrau Marie Sckilcmmcr aus Prag ans einem verschlossenen Koffer in verschiedenen Teil- betrögen ungefähr 10.000 Kronen gestohlen. Das gestohlene Geld gab sie ihrem Geliebten, bei welchen bei der Hausdurchsuchung 3100 Kronen gefunden wurden. Autounfall. Gestern um y,5 llhr nachmittags überfuhr der Ehanfseur Alois Pieck in der Pa- lackhstraße in Wrschowitz den I3jährigcn Schüler Joses Bohata aus Wrschowitz mit einem Militär- automobil. Der Knabe erlitt einen Beinbruch über dem.Knie des rechten Fußes und wurde in dos allgemeine Krankenhans überführt. Das Automobil wurde der Polizcidircktion übergeben. -f% Oktober 192t neu, 1917 aus 18 Kronen, 1918 auf 24 Kr» neu, 1919 auf 30 Kronen, 1920 auf 36 Kro- neu. Der E inlagerungSzinS ist daher nach der Ansicht des Sachverständigen um einige tausend Kronen überschritten worden. Löwy hatte nach der Anklageschrist Ursprung- lich eine Rechnung auf 23.934 K 03 h ausgestellt' Löwy, der seinerzeit die volle Berant- Wartung für die Angelegenheit übernommen und tatsächlich der PanHans Lagcrprcis samt Versicherungsprämie in wuchcrartiger Weise vorgeschrieben hatte, wurde wegen Verbre- chens de« Wuchers verurteilt und ihm eine Strafe von 6 Monaten strengen Arrest, außer- dem eine Geldstrafe von 1000 Kronen, im Nichteinbringungssalle weitere 3 Tage Arrest, und der Verlust des Wahlrechtes zuerkannt. Auch ein KommuM! Der Briixer kommunistische Stadtverordnete Löwy wegen Wuchers zu 6 Monaten Arrest verurteilt. Brüx, 6. Oktober. Gestern vormittags fand beim hiesigen Wiichergcrichtc die Hauptvcr- Handlung gcg'n Arthur Lötvh wegen Berge- hcns gegen das Wuchcrgesctz statt. Ter Senat war zusammengesetzt ans dem Oberlandesgc- richtSratc Lampl, als Vorsitzenden und ans den Laienrichtern Josef Hüblcr-Malthcucrn, Josef Peihig-Wscl,Schlad, Anton Wanka-Saaz und Wilhelm Küßllr-Dux. Vertreter der An- klage: Staatsanwalt Otto Müller, Vertcidi- gcr des Angeklagten: Advokat Dr. Bandler, Brüx. Ter Anklageschrift lag folgender Sach- verhalt zn Grunde: Im Jahre 1912 wurde die damals in Kopitz in Stellung gewesene Postmeistcrin Rosa PanHans nach Weixdorf bei Fricdland versetzt. Da sie in ihrem neuen Dicnstorte keine Wohnung finden konnte, deponierte sie am 1. Jänner 1912 ihre Möbel im Lagerhausc der Speditionsfirma„Schick", gegen einen vereinbarten Zins von 10 Kronen und einer Krone als Versicherungsprämie auf unbestimmte Zeit. Im Monate Oktober 1920 erhielt Frau PanHans eine Rechnung der Firma Schick für Lagerzins im Betrage von 18600 Kronen für die Zeit vom 1. Juni 1912 bis 1. November 1920. Wegen dieser Rechnung wurde die GcschäftLinhaberin Ca- milla Schick vor das hiesige Kreisgericht gela- den, wo sie angab, daß nicht sie, sondern Ihr Bruder Arthur Löwy, diese Rechnung gcschrie- ben hat. Löwy erklärte bei dieser Einvernah- mc, daß er die ganze Verantwortung übernehme. Infolgedessen wurde gegen Arthur Löwy von der Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Verbrechens des Wuchers erhoben. Bei der Hauptverhandlung aber leugnete Löwy, die Rechnung ausgestellt zu haben, er habe lediglich seine Schwester nach dem Tode ihres Manne« in der Geschäftsführung unterstützt. Frau Rosa PanHans, Postmeisterin in Pension, die den Eindruck einer armen durch Not und Kummer abgehärmten Frau machte, bei ihrer^Einvernahme als Zeugin weinend, daß sie nicht in der Lage sei, die geforderte Rechnung zu bezahlen und daß es ihr wegen ihrer elenden finanziellen Lage und mangels einer Wohnung nicht möglich war, die Möbel zu sich zu nehmen. Nach dem Sachvcrständi gen-Gutachten der Firma Ferdinand Kasper ans Komotau betrug der übliche Einlagerungszins für ein Zimmer oder eine Küche in den Jahren 1912 bis 1915 10 Kronen, iin Jahre 1916 15, Kronen, im Jahre 1917 33 Kronen, im Jahre 1918 40 Kronen, im Jähre 1919 46 Kronen, im Jahre 1920 5,3 Kronen; die Bcrsichcrungszinsen beliefern sich im Jahre 1912 auf 6 Kronen, 1913—191S aus 12 Kro- Sammlmgs-Ausweis des ArbeiterhilfSfondeS für Rußland. (Vom 24. bis 29. September 1921.) „Selbsthilfe" Pölitz a. d. Met. 200.—, Konsum- genossenschaft Böhm.-Aicha 300.—, Graphische Genoffenschaft Prag 20.—, Arbeiterkonsumverem Schumburg 1000.—, Produktivgcnoffenschaft de« Bildhauer und Stukkateure Zizkotv 50.—, Spar- und Hilfskasse der Beamten der A.-G. für Metall- Warenindustrie Smichow 50.—, Wirtschaft!. Mieter- und Svargcnossenschaft Horelitz 07.—, Allgemeiner Konsnmvcrem Luhatschowitz 350.—, Konsumverein Bvstritz 200.—, Arbciterhans Kö- niggrätz 100.—, Konsum-, Produktiv-, Bau- und Spargcnossenschaft Lomnitz 500.—, Verpfleg«- verein„Sklar" Kyjow, Mähren 300.—, Einkaufs- und WirtschaftLgcnoffenschaft der Eisenbahnan- gestellten, Gcccrsbcrg 450.—,„Einigkeit" Libusin 1000.—, Zentral.Arb.-Kons.-Ver. Jescily 250.—, Edition Cadence, Smichow 50.—,„Brüderschaft" Vrutky 780.—,„Einigkeit" Zahorschowitz 150.—, Produktivgcnoffenschaft der Dachdecker Prag 87,—, Wirtschafte-, Mict-, Spar- und Bange« nossenschast Deutsch-Kopist 50.—, Wirtschafte-, Miet-, Spar- und Baugenossenschaft Maleschitz 50.—. Erzcugungs- und Handclsgcnoffenschast Zizkotv 200.—,„Zukunft" Jglau 100.—, Bau-, Einkaufs- u. Prodnktivgenossenschast Gablonz 850.—, Erste Einkaufs- und Produktivgenosscn- schaft für Artzeitcrschuhwcrk in Pilsen 100.—, Ar- bciterhauS Jglau 100.—, Konsmngenoffensch. der Eisenbahnangestellten Wesseln 500.—, Wirtschafts- Mict-, Spar- und Baugenossenschaft Lyssa a. d. E. 50.—. Erzcugungs-»nd Einkaufsgenossenschaft der Sattler-, Riemer- und Taschncr-KricgSinva- liden Prag II 46.—, Wirtschafte-, Mict-, Spar, »nd Bmigcnoffcnschaft Hcrrndorf 57.—,„Jcko" gcnosscnschostl. Geschästsägentur Prag II 100.—, „Selbsthilfe" Zamosti 50.—,„Selbsthilfe" Nachod 300.—, Erzcugungs-, Einkaufs- und Äerkanfsge- nossenschast für Obst und Wirtschaftsartikel Kock 50.—, Geiiosienschaflsbindcrei Prag 225.—, Allgc- meiner Konsumverein Untcr-Stepcinov 450.—, Erzcugungs- und Einkaufsgenossenschaft der Sat'ler-, Riemer-»nd Tajchncr-Kricgsinvalidc» Prag 17 5,!.—, Prodnktivgenossenschast der Flci- scher und Sclchcr Witkowitz 85.—, btto. 250.—, Allgemeine Konsum- und Spargcnossenschaft Ko- (in 500.—, Konsum-, Erzengungs-, Bau- und Spargenissen schaft Radotin 150.—, Konsumqc- nossenjitzast Svbieslau 200.—, Interessengemeinschaft Zirowi'itz 500.—, Zenträlvcrein der?lr- bcilcrkvnsuiiigcnossenschast Pardubitz 3000.—, Ein- kauss- und Prodnktivgenosienschast der tschechi« sckicu Sozialisten Brczove Hory 100.—, Lebens« mittclvcrcin Kunsladt 200.—, Arbeitergenossenschaft für Erzeugung und Reinigung von Wäsche Prag VII! 200.—, Zentralarbeiterkonsum Ehlu- mev 050.—, Konsumgenossenschaft Bczno 100.—, Arbciterlcbensmittclgcnossciischaft Klein- Weiß- Wasser 150.—, Mlgemeine Konsum- und Produk- tivgciwsscnschaft Prora» 12.000.—, Produktivge- nossenschast für Schuhwaren Hostoinitz 100.—, „Die Biene" Wischa» 000.—, Konsumgenossenschaft in Nizncj-Tlavej 50.—, Sozialdemokratische pol. Org. Wcltrus 130.—, Karl Maschck, Kop- slimvorcmsboamtcr, Kiralyhaza-Uzhorod 54.—, Markowitz Johann, soz.-dcm. pol. Org. Lowe- schitz 543.—, Union der Bergarbeiter, Turn- Teplitz 24.150.20, Pol. soz.-dcm. Org. Radwanitz 52.—, Franz Zavoral, Wiska 12.—, Arbeiterschaft der Firma Walter, Jinonitz 2470.—, Arbeiterschaft der Firma Agrar. Masch.-Fabrik der Ceska Banka 2208.87, Verband der Angestellten der Tabakrcgie. Ortsgruppe Zwittau 000.—, btto. Ortsgruppe Sternberg 425.—, dtto. Ortsgruppe Prag 85.—, Gewerkschaft der Tabakarbeitcrschoft St. Joachimstal 170.—, Pieck Wenzel, Pvdhra- ditz 170.—, Soz.-dcm. pol. Lokalorg. Olmütz 700.—, Pol. soz.-dem. Org. in Eiste 07.—. Pol. Lokalorg. der tschsl. soz.-dcm. Arbeiterpartei Eho- bot 159.—, Blazek Johann, Smrzovko 07.—, Pol. soz.-dcm. Org. Strczowitz 32.—, Franz Hrc- bck' r Retuitz 100.—, Niznosauer Konsumgenossenschaft 24.—, Lebensmittel- und Produktivgcnosscn- schaft Komarov 500.—,„Selbsthilfe" Haje 150.—, „Selbsthilfe" Wcstopowitz 50.—.„Lovena", Bück,. scinnachergenossci,schaft Prag Ii 225.—, Konsum- m rc! n 100.—, Konsumgenossenschaft 9tiieic 100.—, Landwirtschaft!. Lebensmittel Gr nossenschast Untcr-Bludowitz 20.—, Arbeiterschaft ?r C ir,^ ma Kolben, Wysotschan 34.972.—.Org. m Dobris 138.-, Ad. Zika, Tepl 170.50, Org. tschsl. Soz. Mühlhauscn 181.—, Lad. Brau- film, Svihov 80.20, Karl Krviipicka, Betriebsrat, Uiiter-Nenies, Svetcc 027.—, Bcz.-Org. Wildstem ö;„yz*-i-i'*.. jv,^-vz.-oem. nxmci ornmm iefr. der Textilarbeiter Reichen« berg-00.000—, Arbeiterschaft der Fa. Novak und Jahn, Prag VII 1192.-, Pol. Org. tschsl. S°z..Dcm. Rima-Sobot 301.-, Wirtschafte-, Miel« Spar- und Baugenossenschaft Dux 132.-, Nrbe,ter.Scbensmittelaenossciischaft Katharinen- b itte 500.—,„Arb.-HauS Böhm.-Trüban 100.—, Prodilktivgenoffenscbaft der Bildhauer und Stnk^ latente Zizkotv SOCh—, Produktiv- und Einkaufs- gcnogcnschaft der Schneider Prag 250 Wirt» .Mietc-Spar- und Baugenossenschaft ^ber-Berkowih 50.— tsch. Kronen. Rest von der tsch^Kronen''^-003.18, im ganzen 1,268.043.10