t I-Hrzimz, Bt. 35. »tenstaq, II. ÖBfefobtt W?t- Sozialdemokrat 5 entralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen NepubUK. Geplante Teilung Ober WWens. Berlin, 10. Oktober.(Eigenbericht des„Sozialdemokrat"). Aus vielen, einander Wider» sprechenden Meldungen aus Genf geht so viel hervor, dag der Plan einer Teilung Oberschle. slens bereits feste Gestaltung angenommen hat. Schwierigkeiten scheinen seht nur noch dadurch entstanden zu sein, das, England Ein- Wendungen dagegen erheben will, daß Königs- Hütte und Kattowitz a» Polen fallen, nachdem Lloyd George sich dafür eingesetzt hatte, das, unzweifelhaft deutsche Gebiete bei Deutschland bleiben sollen. Inzwischen werden die Mit- glicder des Völkcrbundrates sowohl von dcut- scher, wie von polnischer Seite ununterbrochen bearbeitet. So haben kürzlich deutsche Arbeiter- bertrcter den Vorsitzenden des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas ersucht, den Völkcrbundrat darauf aufmerksam zu machen, daß im Falle einer Zuteilung des Industrie- dreiccks an Polen, die obcrschlcsischen Arbeiter der Vorteile der deutschen Sozialgesetzgebung verlustig gehen, ohne Gegenleistungen dafür zu empfangen. Thomas hat dies auch dem Völ- lerbuudratc mitgeteilt. Weitere Verzögerung. Paris» 9. Oktober.„Havas" meldet aus Genf: Der Bölkerbnndsrat sei noch nicht in der Lage, sein Gutachten über die oberschlesi- sche Frage abzugeben. Die Schlußfolgerung der vier nicht standigen Mitglieder, die mit der Prüfung der Frage beauftragt seien, sei dem Völkcrbnndsrate noch nicht unterbreitet war- den. Dieser wird anfangs nächste Woche in einer Vollsitzung davon(wovon? von der Schlußfolgerung oder von deren Nichtunter- breitung? D. Red.) Kenntnis nehmen. Jas WlesbaiienerAbkommen Treibereien gegen Rathenau und Wirth. Berlin, 10. Oktober.(Eigenbericht des„So- zialdcmokrat.") In der rechtsstehenden Presse liest man Mitteilungen aus Kreisen der beut- scheu Großindustrie, nach denen das Wicsba- dener Abkommen außerordentlich ungünstig zu beurteilen sei. Es soll der Versuch Frankreichs sein, zur politischen Hegemonie Europas auch die wirtschaftliche zu gewinnen, es könne Deutschland noch den Nest der politischen und industriellen Handelsfreiheit nehmen, die ihm bisher geblieben sei. Hinter diesen Pessimist!- schen Mitteilungen verbirgt sich der Wunsch, den Außenminister Rathenau und den Reichs- kanzler Wirth als die Verantwortlichen für das Abkommen, zu beseitigen und der von diesen beiden den kapitalistischen Kreisen zugedachten Aufbringung von Mitteln für die Reparation zu entgehen. Krachs in Wien. Wie», 10. Oktober. Laut Bekanntmachung an der Wiener Börse sind die Bankgeschäfts- firmen Baumwald& Co, Sebastieni und Schreiber insolvent erklärt worden. Außerdem verlautet in finanziellen Kreisen, daß einige große Wiener Textilfirmen mit riesigen Pas. siven in Zahlungöstockungen geraten sind. ES soll sich um drei Firmen handeln, die mit 700 bis 800 Millionen passiv sind infolge der Preis- peigerung der fremden Valuten. Finanz-ZwangSmahnahmen in Oesterreich. Wien, 10. Oktober. Der neue Finanzminister Dr. Gürtler wird die Notwendigkeit außeror- dentlicher Zwangsmaßnahmen, für deren Durchführung er sich bereits die Zustimmung des Nationalrates gesichert hat, morgen abends in der Sitzung des Finanzausschusses begrün- sten. Für die beschleunigte Durchführung der Zwangsmaßnahmen ist die Vermehrung de» BanknotenumlaufeS im letzten Monate maßge- bend. die für die vierte Septemberwoche allein einen Betrag von«ehr als fünf Milliarde« Krone» ausmacht. Briand» Verteidigung. Die französischen Staatsmänner sehen sich, wenn sie ihre großen Reden halten, immer aus der Weltenbtthne stehen. Da» leiht ihren Wor- ten das volle, klingende Pathos, stets haben sie etwas voni Antonius, der im Angesicht von Casars Leiche das begeisterte Volk mit sich fort- reißt, an sich. Man stelle sich nur einmal Cle- mcnccau vor seinem eigenen Denkmal in St. Hermine vor! Wär'S nicht, als glitte der mo- Verne GcsellschaftSanzug von ihm ab und die Toga des Tribunen flatterte um seine Schul- ter, da er flammend die großen Tage seiner Regierung pries, in denen Teutschland vor ihm auf den Knien lag, da er die Sünden sei- neS zahmeren Nachfolgers rügte und schwarze Wetterwolken drohenden Unheils am Zukunft- Himmel aufzeigte?! Und nach ihm Briand beim Bankett in St. Nazaire. Wieder FcsteSstim- mung, begeisterte Hörer, die an den Lippen ihres Heros hängen, Suggestion von ihm zu ihnen, voll ihnen zu ihm. Aus dieser Hülle des Feierlichen muß man die Rede heraus- schälen, wenn man zu ihrem Kern vordringen und wissen will, wie Briand sein bisheriges Handeln rechtfertigt und sich sein zukünftiges vorstellt. So angesehen atmen seine Worte eine be- achtenswerte Ernüchterung, der Politik des Rausches scheint die der respektierten Realitäten folgen zu wollen. Diese Gegenüberstellung hält mit zwei Worten den Gegensatz zwischen Clcmenceau und Briand fest. Das Bewußtsein, auf dent Boden der Wirklichkeit zu stehen, gc- staltete dem heute verantwortlichen Leiter Frankreichs, hie und da ganz leicht die Note der Ironie anklingen zu lasten und die Verteidi- gnngSredc gegen seinen ruhmbedeckten Ankläger nach dem Grundsätze einzurichten: Ter Hieb ist die beste Parade. Clcmenceau sang noch immer daS alte Lied von Teutschlands ungeminderter Herrschsucht und von Frankreichs schwer bedrohter Sicher- heit, Zugeständnisse schienen ihm der gröbste Fehler. Das sind Argumente, die ans die Masten wirken und ihrem Vcrkündcr billigen Erfolg versprechen. Politisch klug sind sie, wie Briand nachwies, nicht. Uncntwcgtheit ohne Maß und Ziel entfernt Frankreich immer mehr vom friedlichen Schassen, dessen es trotz aller Siege bedarf und droht vor allem, es ob sei- nes Starrsinns den Bundesgenossen zu ent- fremden. Auch der Friedensvertrag ist nur Menschcnwerk mit allen Bedingtheiten eines solchen, über seinen Einzclbestimmungcn steht der Zweck, den er als Ganzes verfolgt. Um dieses Endzweckes willen, zu dem sich Briand bekennt, während er die Berantwor- tung für den Vertrag selbst dessen Urheber Cle- menceau zuweist, wagte er bescheidene Zwei- fel über den Vorteil der militärischen Sanktio- nen am Rhein auszusprechen und mit aller Entschiedenheit das Abkommen von Spaa ynd Wiesbaden zu verteidigen. Die„deutschen Hun- nen", die Belgiens und Frankreichs Wohlstand zertreten haben, dauernd im Staube zu schen, ist ClemcnceauS letzter, heiligster Wunsch. Nur übersieht er dabei, anders als der kühle Bri- and, daß diese Racheglut auch Frankreich zum Unheil ausschlagen müßte, weil ein Wirt- schaftlich totes Deutschland ihm nichts zu er- setzen vermöchte. Briand will beileibe nicht Teutschland wieder in den Sattel heben, in dem es vor dem Kriege saß, doch steht er ihm im- merhm so weit kühl und sachlich gegenüber, um die wunde Stelle in Clemenceau» blinder Rachsucht herauSzusPüren und anzugreifen. Und daS gleich« Bedürfnis, seinen Widersacher zur Strecke zu bringen, schärft« seinen Blick für die unlösbaren Zusammenhänge der Welt- Wirtschaft, ja er betont diese selbst auf die Ge- fahr hin, daß den Deutschen aus ihnen ein Bor- teil erwachse. Statt der hysterischen Angst vor dem ganzen deutschen Volk lebte in Briand noch die vor dem Revancheträume spinnenden deutschen Großkapital, und darum räumt er der Welt das Recht ein, außer an Frankreichs Sicher- heit auch noch an den stillen Ozean und an andere der Lösung bedürftige Streitfragen zu denken. DaS stellt sein Wollen und Meinen sozusagen positiv auf die Konferenz von Washington ein, während Clemenceau sie nur schroff zu verneinen gewußt hatte. Und es läßt ihn den Gedanke der Entente trotz aller Reibereien der letzten Monate noch immer bc- jähen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Ein- heit der Alliierten den Franzosen auch man- che» bitteren Tropfen aufnötigen könne. Genau genommen, war'S also keine Festrede, die Briand in St. Nazaire hielt, sondern eher eine ernste Mahnung an daS siegverblendetc Bürgertum seines Landes, mit Hoffnungen und Begierden nicht allzu kühn auszugreifen. TcS- halb auf eine Entspannung der Weltlage int sozialistischen Sinne zu hoffen, geht dennoch nicht an. Im Gegenteil: Je leichter sich die Regierungen des siegreichen Kapitalismus ans einer mittleren Linie treffen, die ihren In- tcrcsscn zur Not entspricht, desto eher stabil!- sicrt sich ihre Welt, die nicht unsere ist. England, Amerika, Italien und auch das bourgcoise Deutschland, sie alle wissen, wie sie Brands Worte zu lesen baben. Die Zeit der Hitzköpfe ist vorbei; die Sonne der Geschäfte- machcr geht auf. Tie Arbeiterschaft tut gut daran, auf ihrer Hut zu sein. Der neue olrafgcsrjK'Kiiuuts. Das geltende Strafgesetz stammt ans dem Jahre 1803. Im Jahre 1332 wurde dasselbe Gesetz mit einzelnen Abänderungen für daS ganze Kaisertum Oesterreich kundgemacht. Schon im Jahre 1832 lvurdc das Strafgesetz als veraltet angesehen und man dachte an die Schaffung eines neuen. Seit der Entstehung des Gesetzes sind nahezu 120 Jahre vcrgan- gen, die wirtschaftlichen, politischen und sozia- len Verhältnisse baben sich von Grund aus verändert, die wissenschaftlichen Begriffe der Strafrcchtslchre sind ganz andere geworden. So erscheint dieses Gesetz wie ein Denkmal anS einer längst vergangenen Zeit und doch wird noch heute»ach diesem Gesetze über Men- schen gerichtet, Taten alz verwerflich und straf- bar erklärt, die es nach dem allgemeinen sitt- lichcn Bewußtsein des Volkes(der einzigen wahren Quelle des Strafrechtes) nicht mehr oder nicht mehr im gleichen Maße sind und umgekehrt. Strafbcstimnmngcn, welche zum Schutz des absolutistischen PolizcistaateS erlas- sen wurden, werden noch heute in der dcmo- Irakischen Republik angewendet, zahlreiche Handlungen, die mit Kriminalität nichts zu tun haben und bloße Polizciübertrctungcn sind, werden noch heute in der demokratischen Re- publik zu deren vermeintlichem Schutze angc- wendet, zahlreiche Handlungen, die mit Kri- minalität nichts zu tun haben und bloße Po- lizciübertrctungcn sind, werden noch heute vom Strafrichter geahndet. Schon seit dem Jahre 1832 dachte man in Oesterreich an eine Reform deS Strafgesetzes, c» wurden seither eine kaum übersehbare Zahl von Entwürfen ausgearbeitet, die aber nie- mals Gesetz wurden. Noch im Jahre 1913, also kurz vor dem Ausbruche des Weltkrieges, wurde ein sorgfältig ausgearbeiteter Entwurf eine» neuen Strafgesetzes vom Herrenhanse verabschiedet, kam aber nicht mehr zur Ver- Handlung in» Abgeordnetenhaus. Nunmehr ist die Reform des Strafrechtes eine unaufschiebbare Angelegenheit geworden. Auch die Justizverwaltung der tschechoflowa- tischen Republik hat dies erkannt und das Ju- stizministerium versendet zwei Entwürfe, den allgemeinen. Teil eine» Gesetzes über Berdre- che» und Vergehen und den allgemeinen Test eines Gesetzes über Ucbertrctnngcn. Der all- gemeine Teil enthält die Bestimmungen über die allgemeinen Voraussetzungen der Strafbar- keit, über die Formen des Verschuldens, der Zurcchnungsfähigkcit, das Erlöschen des staal lichcn StrafanspruchcS, die Arten der Strafen, den Vollzug der Strafen uflv. Mit diesem Ent Wurfe des allgemeinen Teiles wird sich vor al lein die wistcnschaftlichc Kritik, die nicht die Aufgabe dieser wenigen Zeilen sein soll, zu befassen und sich darüber zu äußern haben, ob das Werk den Ergebnissen der kriminalistischen Wissenschaften entspricht. Obwohl nicht zu verkennen ist, daß der bor- liegende Entwurf moderne und humane An- schauungen seiner Verfasser zum Ausdrucke bringt, so wird ein endgültiges Urteil über das Wesen des ganzen Gesetzes erst möglich sein, wenn der Entwurf des besonderen Teiles, der die einzelne» strafbaren Handlungen und die Höhe der Strafen enthält, vorliegen wird. Erst aus diesem wird zu scheu sein, welche Interessen des Einzelnen und der Allge. nieinheit als fchutzbedürftig gelten sollen und ob die Beurteilung der einzelnen strafbaren Handlungen mit dem allgemeinen sittlichen Empfinden übereinstimmen wird. Der vorliegende allgemeine Teil kann im Ganzen und Großen als eine brauchbare Grundlage des künftigen Gesetze? bezeichnet werden, obwohl man von Originalität deS Werkes oder schöpferischer Genialität, wie sie die großen deutschen und französischcu Gesetz- gcbnngswcrke des 19. Jahrhunderts auszeichnen, bei diesem Entwürfe nicht sprechen kau» und gerade gegen einzelne Stellen des Ent« lvnrfcs, die neue gesetzgeberische Gedanken ver- wirklichen sollen, müssen ernste Bedenken er- hoben werden. Dies gilt vor Allem von der beabsichtigten Abstufung der strafbare» Hand- lungen nach ihrer Schwere. Die Dreiteilung in Verbrechen, Vergehen und Ucbertretungeu ist beibehalten. Die Entscheidung aber, ob eine Tat als ein Verbrechen oder als ei» Ver- gehen beurteilt werden soll, soll dem Richter überlasten werden, der dabei auf die Gcsin» nung des Täters, die Beweggründe seiner Handlungsweise zu sehen haben wird. Ist der Richter(beim Schwurgerichte die Geschwore- neu) der Ansicht, daß die Tat aus grober Ge- winnsncht, ans Rohhcit, Arbeitsscheu, Scham- losiglcit, Böswilligkeit oder einem anderen niedrigen Beweggrunde verübe wurde, so hat er die Tat als Verbrechen zu erklären und Kerker zu verhängen und es tre- ten für den Täter die schweren diffamieren» den Wirkungen der Verurteilung zu einer Kcr- kcrstrafe ein, im anderen Falle ist Gefängnis zu verhängen, die Tat ist bloß ein Vergehen und die schweren diffamierenden Wirkungen treten für den Verurteilten nicht ein. Bedenkt man, welch weitreichende Freiheit hiedurch dem Richter bei der Qualifizierung einer Tat eingeräumt ist, bedenkt man, wie unbestimmt und allgemein der Begriff„niedrige Beweg gründe" ist, bedenkt man weiter, daß über Nie- drigkcit des Beweggrundes unter einzelnen In- dividncn, ja sogar der einzelnen Schichten des Volkes verschiedene Auffassungen bestehen kön- nen und daß der Richter, mag er noch so ob- jckliv und gewissenhaft sein, doch nur in gc- wissen Anschauungen seines Milieus befangen ist, dann muß man zu dem Schlüsse komme», daß diese Art der Abgrenzung verfehlt ist und keinen Fortschritt bedeutet gegenüber der Bc- stimmung des alten Strafgesetzes, das nur das- jenige als Verbrechen, Vergehen oder Heber- tretung behandelt und bestrast werden kann» wa» in demselben ausdrücklich als ver- brechen, Bergehen oder Uebertretung erklärt wird. Das neue Gesetz soll ein allgemeine^ Strafgesetz sein in dem Sinn, baß eS für das ganze Gebiet der Republik aeftflfa. WM-*** ewte& In der Slowakei an Stelle des dort noch gel- tendcn ungarischen Strafgesetzes treten, andc- rerseitS i» de», Sinn, das; eö für alle Bctvoh- »cr des Staates, also auch für Militärperso- nc» gelten soll. Ein besonderes(Gesetz wird bloß für gelvissc Verbrechen zur Kriegszeit und ~ erfreulicherweise— auch ein besonderes Strafgesetz für jugendliche Personen, d. s. Per. soiicu bis zu 18 Jahren, angekündigt. Bei die- ser Gelegenheit sei bemerkt, daß als Grenze des KindeSaltcrs nach dein Entwürfe das vierzehnte Lebensjahr(bis jetzt das zehnte) gel- tc» soll. STas Gesetz soll rückwirkende Kraft haben, d. h, auch auf jene Handlungen angewendet werden, die noch vor seiner Wirksamkeit bc- gangen wurden, allerdings nicht zum Nachteile des Täters. Begrüßenswert ist die hu- maiic Bestimmung des Entwurfes,»ach wcl- cher bei früheren Verurteilungen nach dem alten Strafgesetze wegen einer Tat. die nach dem neuen Gesetze nicht mehr strafbar ist, das Ge- licht auszusprechen hat, daß das Urteil nicht !>n vollstrecken ist. Ans die näheren Bcstim- inungcn des Entwurfes über die Schnldformen r.'lbsicht, bewußte Schuld. Fahrlässigkeit), über die Strafbarkcit des Versuches, über Irrtum, ZnrcchnungSfähigkeit, Notwehr, Not, Straf- ausschlicßnngsgriindc usw. näher einzugehen, verbietet der Raummangel, lieber diese Fragen wird die Kritik der Fachkreise abzuwarten sein. In einem zweiten Artikel soll noch von den Strafmitteln, die der Entwurf einführen will, und den Bestimmungen über den Strafvollzug gesprochen werden. Gleichzeitig mit dem Entwürfe versendet das Justizministerium auch den Motivcnbcricht. Er enthält manches Interessante, obwohl zu tvünschcn gewesen wäre, daß Einzelnes mit größerer wissenschaftlicher Prägnanz motiviert würde. In einer Vorrede zum EntWurfe werden auch die Mitarbeiter genannt, durch- Wegs tschechische RechtSgelehrtc und Ministc- rialbcamtc(warum wurden nickst auch Vertreter der psyaiologischen und psychiatrischen Wissenschast bcigezogcn?), jedoch kein einziger Deutscher. Aber man erkennt es bei der Lck- türc des Entwurfes und der Motive klar, daß man es nicht verabscheut hat, in wcitgchen dem Maße die wissenschastlicheu Ergebnisse der deutschen Kriminalistik zu verwerten. Brians« ProgrammreL?. Paris, 0. Oktober.(Tsch. P.-B.) Minister- Präsident Briand hielt heute Nachmittag bei einem zu seine» Ehren veranstalteten Bankette in Saint Nazairc eine Rede. Er sagte n. a.: Ich liebe die Polemik nicht. Einige Kritiken muß ich jedoch widerlege», weil der Ministerpräsident Frankreichs seine Autorität nicht vermindern lassen kann. Alle Angelegenheiten die ix im Namen der Nation erledigt, sind Weltangelcgcnhcitcn. Man habe gesagt, trenn er. Briand, gctvisse Konzessionen verweigere, dann könne Frankreich einen besseren Nutzen aus seinem Siege ziehen. Frankreich habe die größten Opfer gebracht. Es habe ein Anrecht ans volle Reparation seiner Schäden. Er habe aber gedacht, daß Frankreich nach einem Siege ein Anrecht auf Frieden habe und ein Anrecht darauf, in der Weit einen ersten Platz einzunehmen. Wäre das nicht so. dann waren die Männer, die Frankreich regieren, nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Er habe die Regierung übernommen in der Absicht, den Frieden für Frankreich sicherzustellen. Das sei viel- leicht keine Politik, die die Massen begeistere, aber sie führe wenigstens nicht zu Eventualitäten, ans denen die Länder oft ruiniert heraus- käuten^ Während der Friedensverhandlungen habe Frankreich Konzessionen machen müssen. Wenn also die guten Franzosen, welche die Friedensverhandlungen geführt hätten, ge- zwiingen waren, sich damit abzufinden, dann müßten es die, die elementare Intelligenz bc- sitzen, begreifen, daß er, der er erst zwei Jahre nach dem Abschluß des WasseiistittstaudcS zur Regierung gelangte, kein vollkommenes Werk habe schassen können. Wie sei» Vorgänger habe er. um die Ausführung des Friedensvertrages möglich zu machen, im vollem Einver- ständnis mit Frankreichs Alliierten handeln müssen. Ohne diese Solidarität wäre die Ausführung des Vertrages unmöglich. Aber niemals könne Frankreich alles verlangen, was man ihm schulde, weil es Dinge gebe, die man nicht bezahlen könne. Um den schlechten Wik Icn des deutschen Militarismus zu besiegen, habe seine Regierung die Best tz n n g von Düsseldorf, Duisburg und Rnhrortcn beschlossen Das seien Ereignisse von großer Bedeutung, die der Regierung nick» aus das Aktivlonto ge bucht würden, während man von ihrem Debet großes Aufheben mache. Wenn man an 1871 erinnere, so vergesse man, daß der letzte Krieg alle finanziellen und wirtschaftlichen Borstel- lungen umgestoßen habe. Man vergesse auch, daß die Forderungen Frankreichs durch das Schwanken des Wechselkurses ungeheuer der- mehrt worden feien. Wie könne man da be hauptcn, die Forderungen Frankreichs seien verstümmelt worden und die Regierung habe nicht ihre Schutdixckeit getan? Frankreich muß gerüstet bleibe», jolapge seine Sicherheit nich »«ztalv gewährleistet sei. Frankreich habe ein Anrecht auf Reparationen und ans seine Sicherheit. Tic französische Regierung hat Vertrauen zu der gegenwärtigen deutschen Regierung. Wenn ein genialer Geist das Geheimnis besitze, alles besser zu machen als er, so werde er ihm so- fort den Platz räumen. lieber die sich aus dem Friedensverträge er- gebenden wirtschaftlichen Fragen sagte Briand u. a.: Wenn Deutschland als Staat auch arm ist, dürfe man nicht vergessen, daß es dortselbst viele reiche Einzelpersonen gibt, welche sich aber weigern, die Schulden ihres Landes zu bezahlen. Sicher ist, daß Deutsch- land arbeitet. Es erstehen dort neue Fabri- ken, ferner werden Eisenbahnen und Häfen geschaffen. Auch Frankreich müsse ein Land angestrengter Tätigkeit sein, da nur hievon ei» Heil zu erwarten sei. Der Friedensvertrag ist nach BriandZ Defi- nition ein Kollektivvertrag, welcher die abso- lntc Solidarität der Alliierten bei der Durch- führnng des Friedensvertrages festsetzt. Es gilt dies nicht bloß, für die Vorteile, sondern auch für die, ans deni Friedensverträge sich ergebende» unangenehme» Folgen. Sobald diese Solidarität verletzt würde, würde der Vertrag i»S Schwanken gerate» und undurchführbar werden. Nach den wohlbekannten, ebenso schönen wie leeren Phrasen über den revolutionären und den Freiheitsdrang_ des uneigennützigen Frankreich erklärte Briand, Frankreich»verde an die auf den Schlachtfeldern geweihte Brüderlichkeit nickt vergessen. Im Namen der Regierung erklärt Briand feierlich, daß er an diese Brüderlichkeit nie- mals, selbst nicht in den kritischesten Augen- blicke» einer unvermeidbaren Diskussion zwi- scheu den Alliierten, vergessen werde. ZnlanN. lieber die Rückkehr der Deutschbürgerlichen in daö Parlament äußern sich die tschechischen Blatter in verschiedener Weise. Während die nationalistische Presse der Meinung ist, daß sich hiedurch die Negicrungspolitik gegenüber den Deutschen nicht im geringsten zu ändern brauche, bemühen sich die gemäßigten tschechi- schon Blätter darzutun, daß aus diesem Schritt den tschechischen Parteien gewisse Pflichten erwachsen. Die„Tribnna" sieht die Hauptbc- dcntniig der Angelegenheit darin, daß die na- tionalislische Strömung unter den Tcntschbür- gerlichen der gemäßigten unterlegen ist, was nicht ohne Einfluß ans die tschechische Mehr- heii des Parlaments sein kann, die die Mog- lichkcit hat, dem abermaligen Erstarken des lodgmaiischcn Einflusses zu wehren. Dem- gegenüber schreibt der ehemalige Gesandte in Rom Leo BorSky, der in letzter Zeit in der „Narodni Politika" eine Reihe nalionalisti- scher Artikel veröffentlichte, in diesem Blatte: „In der Rückkehr der Deutschen sehen wir eine bloß augenblickliche Ernüchterung, ein äugen- blicklichcs Sichnnterwcrfen unter unveränderliche Verhältnisse. Die Deutschen kehren ans den Boden des Parlamentes in einer Zeit zurück, da eine feste tschechische Mehrheit be- steht, die stark genug ist, die Regierung zn stüt- zen und unseren Staat zu führest. Die Deut- scheu kehren also bloß in ihrem eigenen In- terrsse zurück, denn unsere Mehrheit könnte rc- gieren, auch tvenn die Deutschen außerhalb des Parlamentes blieben. Damit ist unsere Si- tuation gegenüber den Deutschen gegeben. Ihre Rückkehr darf kein Grund zu einer Ber- änderung der Politik sein, die durch die allna- tionale Koalition gegeben ist. Durch diese Koalition sind wir stark genug, die Rückkehr der Deutschen einfach zur Kenntnis zu nehmen, aber sie nicht höher zu bewerten, als ibr tatsächlicher Wert ist." An anderer Stelle schreibt die„Narodui Politika" noch schärfer, daß die Frage des parlamentarischen Verbat- lens gegenüber den Deutschen eine überflüssige Sorge ist.— Man sieht also, wenn die Ratio- nalisten einer Nation einmal einen lichten Augenblick haben, gleich sind die Nationalisten der anderen Nation da, um das Feuer auss neue zn schüren. Ende der tschechischen Kleiiibonernbewegnug? Wie der„Vcccr", das Abendblatt der tschechi- scheu Agrarpartei an leitender Stelle mitteilt, hat die Sezzion der in der„Domovina" organisierten Kleinbauern aus der agrarischen Par- tei dadurch ein Ende gefunden, daß sich der Führer der neuen Kleinbancrnbewegung Em, I u n g r als ein von großagrarischen Jnteres- sen vorgeschobenes Jndividum entpuppt hat, dessen Aufgabe es war, durch-die Zersplitterung der Kleinbaneriiorganisation und sonstige Manöver die Bodenreform zu vereiteln. Diese Dinge wurden dem„Becer" zufolge durch eine Hausd»rchsuchiiilg aufgestellt, welche die Poli- zei über ein Einschreiten der Zentrale der „Domovina" in der Wohnung nnd Kanzlei Inngrs durchgeführt hat. Hiebe! wurde nicht nur administratives Inventar und zu Propa gandciztvecken bestimmtes Material als Eigen- tum der„Domovina" erkannt und konfis- ziert, sondern auch ein Geldbetrag von ungc- fähr I l- Millionen Kronen vorgefunden, der Junge zur Förderung seiner Bewegung, wie der„Becer" behauptet, von Leuten zur Berfii- gliug gestellt wurde, die an der Vereitelung der Bodenreform interessiert sind._ Infolge dieser Hansdurchsuchung sagten sich die beiden anderen Dissidenten der„Domovina" E. Pav- loi und Franz Iarons von Iuugr los und erllärjcn, aus dem von AungrMr den V. Dt-, CK*C««« tober einberufenen Dissidenten-Bertraiicns- männer-Kongreß, sie seien getäuscht nnd miß- braucht worden, zu einer Aktion, von der sie vermeinten, daß sie der Beschleunigung der Bodenreform diene, die aber tatsächlich ans deren Verhinderung abziele. Die Vertrauens- mänuervcrsammlung nahm dann auch eine Resolution an, in der sie erklärte, treu zur tsckechostowakischen Agrarpartei zn stehen. Ein Konfusionsrat. Der agrarische Abgeordnete Prof. Franz Spina behandelte in der Wanderversammlung des„Deutschen land- und forstwirtschaftlichen ZcntralverbandcS" in einem Vortrag das Thema:„Wir(d. h. die Agrarier) und der Sozialismus." Nun mag ja der Berichterstatter der„Deutschen Laudpost", die diesen Bortrag abdruckt, von Spinas Aus- fuhrungen so wenig verstanden haben, daß er in seinem Auszug lauter Unvernunft verzapft, jedenfalls mengt der nn? vorliegende Bericht Falsches, Irriges und Schiefes in unheimlicher Weise durcheinander. Schon das einleitende Ionglcurknnslstnck mit denf Worten„soziali- stisch",„Sozialismus" und„Sozialdemokra- tie" schmeckt bedenklich nach Bauernfängerei. Will man nnS und unsere Grundsätze wider- legen, so darf man das nicht mit cthhmologi- scheu Ableitungen tun» denen jede Beweiskraft fehlen muß, weil Marx aus einem Wort des landläufigen Sprachgebrauches einen terminus tcchnicus gemacht hat. Wie wenig Spina von: Marxistischen Sozialismus versteht, geht aus den Heiden„Schulbeispielen" hervor, die er für das praktische Mrsagen der Sozialdemokratie anführt, aus der staatlichen Kriegswirtschaft und dem russischen Bolschewismus. Er müßte wissen, daß die Zcntralenwirtschaft mit dem Sozialismus, wie wir ihn meinen, d. h.»lit der Ucberführung der Produktionsmittel in den Besitz der Allgemeinheit, weniger als nichts zu tun hatte, da sie lediglich die Pro- dnktion mit durchaus kapitalistische» Mitteln in den Dienst eines kapitalistischen Krieges ge- stellt hat. Und er müßte ferner wissen, daß die„Diktatur des Proletariates" innerhalb der sozialdemokratischen Theorie nur Ueber- gangsfnnktionen versieht, insofern sie die dem Sozialismus widerstrebende Bourgeoisie zu zwingen hat, ans ihre angemaßten Vorrechte zugunsten der Allgemeinheit zu verzichten. In- nerhalb der so herausgeführten sozialistischen Gesellschaft soll aber nicht nur der„Klassen- cgoismus des industriellen Handarbeiters" Herr- scheu, wie das Spina der Sozialdemokratie nn- tcrschiebt, sondern jede produktive Arbeit, auch die der leitenden und disponierenden Köpfe, soll in ihr die verdienten Früchte ernten, und was die Sozialdemokratie ausschalten will, ist bloß daS arbeitslose Einkommen der Droh- neu der Gesellschaft. Daß das einen„Zusam- menbruch unserer Kultur" nnd den„Sturz in Barbarei" bedeuten müßte, ist eine kühne Be- hauptung, es sei denn, daß man„Kultur" nnd das Lotterleben der obersten Zehntausend, die ihr lcblang nichts tun als genießen, mit einan- der gleichstellt. Barbarei und Unkultur sind freilich vorhanden. Aber geschaffen hat sie die kapitalistische Gesellschaft, die das Verbrechen des Krieges vom Zaune brach, nnd Spina als einer ihrer Vertreter sollte sich hüten, dem Sozialismus ein„völliges Versagen" vorzu- werfen, weil er sich weigert, die Erbschaft der kapitalistischen Kriegssünder unbesehen anzn treten. Die Welt zn vernichten und dann vom andern zu verlangen, er solle sie reparieren, ist ebenso billig wie verantwortungslos. Die Argumente endlich, die Spina für die angeb- Hetze Bauernfeindschaft der Sozialdemokratie anfübrt, können nur lächeln machen. Nicht weil der Fabriksarbeiter mit toten, der Bauer mit lebenden Dingen zu tun hat, sind wir Feinde der grünen Internationale. Sondern weil diese die Not der proletarischen Massen ausnutzt, nni da? ganze Nationalvermögen an sich zu reißen. Aber wohl gemerkt, wir nn- tcrscheiden gut zwischen agrarischen Ausbeuter und Bauer, wir wissen sehr wohl, daß letzterer im Produktionsprozeß ein unentbehrlicher Be- standteil geworden ist, und es fällt uns nicht ein, ihm den Ehrenname» eines„Arbeiters" ahznjprcchcn. Bielleicht lvird Herr Professor Spina die Liebenswürdigkeit haben, nächstens einmal die Bauern ohne Konfusion über die Ziele der Sozialdemokraten aufzuklären. Freilich dürste es ihm dann etwas schwerer fallen, uns im Handumdrehen vor denkenden Hörern zn erschlagen. AuslanN. Stefan Friedrich in deutschnaiionaler Beleuchtung. Zwei Seelen wohnen— ach— in der Brust unserer Dentschnationalen.„Soweit die dent- sche Zunge klingt", am liebsten von Bern bis Riga, von Prcßbnrg bis Metz, muß das große Baterland sein. So wenigstens hörten wir es. Aber da ist Horthy-Nngarn, das Ideal aller dentschnationalen Ordnungsmenschen. Und Horchh-Ungarn führt mit Oesterreich einen Kampf um das deutsche Bnrgcnland. Zwar besteht über den deutschen Charakter des Nur- 11. Oktober ISA. gcmlandeS, daS bekanntlich auch nach dem Spruch der Entente zu Oesterreich gehören soll, kein Streit, indessen ist die Liebe unserer Deutschnationalen zn den Horthh-Mordban- ditcn derart groß, daß sie plötzlich ihr ganzes deutschnationales Bewußtsein vergessen und Burgenland dem Hvrthy nnd seinen Banden geben wollen. Nur so erklärt es sich, daß die deutschnationale„Deutsche Tageszeitung" die Zuschrift eines in Westungarn ansässigen ehe- maligen deutschen Offiziers veröffentlicht, in der nuter Beugung der Wahrheit behauptet, lvird, daß die Bewohner Westungarns, d. i. des Bnrgenlandes, eigentlich gar keine Deut-! sche. sind'und daß. selbst wenn sie Deutsch sind, sie auch ungarisch sprechen können. Und dann kommt das Hauptargumcnt: „Die sogenannte Bandcnbewcgung, ans der die österreichische Presse eine„Banditcnbcwc- gung" gemacht hat, ist ein heroischer Freihcits- kämpf ideal gesinnter junger Leute, die sick» ans Westungarn nnd dem übrigen Ungarn zusammengefunden haben, um mit selbst vcr- leugnendem Idealismus die Abtrennung Wcstnngarns zu bekämpfen. In den Reiben dieser'sogenannten Banden befindet sich diel Blute der gebildeten Jugend Westnngarns, zahlreiche Adelige. Reserveoffiziere, Profcsso-. rcn, Lehrer, Studenten, die alle aus reiner Liebe zur Sache gekommen sind und sich von niemanden haben zurückhalten lassen". Diese Sccleiigcmcinschaft mit den Banditen, deren„heroischer Freiheitskampf" von der glei- chcn Art ist wie der„heroische Freiheitskampf" der Baltikumcr und des Freikorps Oberland, ist es dann auch, die den ehemaligen deutschen Offizier und die„Deutsche Tageszeitung" der- anlaßt, sich für Horthy-Ungarn in§ Zeug zu! legen und— um mit den üblichen Worten der. „Deutschen Tageszeitung" zu reden— in lan- desverräterischer Weise den Entcntcmachtha^ bern Material zu liesern, um vielleicht ihre! erstmalige Entscheidung in der Frage des Bur- gcnlandcs zu revidieren. Die sozialistische Regierung in Thüringe«. Ter Regierungsbildung gingen zwischen den drei sozialistischen Parteien Verhandln»- gen voraus, die vor allem durch die Stellung- nähme der Unabhängigen und Kommunisten interessieren und die zugleich als Echo der Thü- ringer Mchrheitlcr aus Görlitz Bedeutung ha- den. Die Verhandlungen, die Mittwochs in Weimar stattfanden, waren von Anfang bis Ende getragen von dem Gedanken, unter al- len Umständen eine sozialistische Regierung zu schassen. Grundlage der Verhandlungen bildete das M i n i m a l p r o g r a m m d c r U. S. P. D. Im Namen der RcchtSsozialisten gab der Abg. Leber die Erklärung ab, daß seine Partei dieses Minimalprogramm im Großen und Ganzen annehme. Ihm folgte der Abg. Ten- ncr(Komm.) mit der Erklärung, daß auch feine Partei die Bildung einer sozialistischen Regie-' rung wünsche. Diese Erklärung ging dem Rcchlssozialistcn nicht weit genug. Sie verlang-! ten auch eine Beteiligung der Kommunisten a«! der Regierung. Ihnen antwortete Könen (Zentrale der K. P. D.), daß sich die Kommu- nisten an einer Regierung nicht beteiligen, da für sie nur die Räterepublik in Frage käme. Daraufhin verlangten die RcchtSsozialisten von den Kommunisten Garantien in bezug auf ihre Stellung zu Stenerfragcn und zum Etat: Remmele(Zentrale der K. P. D.) versicherte, seine Partei werde einer sozialistischen Regie- rnng die Mittel bewilligen, aber nur so lange, als deren Gesamtpolitik proletarische Inter- essen nicht verletze, wie sie auch die sozialistische Regierung im Kampfe gegen die herrschenden Klassen unterstützen werde. Tennen(Komm.) fügte bei, seine Partei werde gegen eine sc» zialistischc Regierung keine kleinliche Politik- betreiben. Aber sie verlange, daß daS Mnimal- programm der U. S. P. D. nicht nur die Grundlage für die Regicrungspolitik sein soll, sondern daß auch für seine Durchführung ge- sorgt wird. Namens der U. S. P. D. bezeichneten der Abg. Hermann die Erklärungen der Komnul« nisten für seine Partei hinreichend nnd die Rechtssozialistcn schlössen sich dem an. Man sieht: Trotzdem Kommunisten nnd Mchrheitlcr die Unabhängigen nicht hart genug zu schelten wissen, greisen sie doch, wo eS um praktisch« sozialistische Arbeit nnd nicht um Schnlgezänk geht, zu ihrem Programm. ?tcuerlich< Verschiebung der Konferenz von Portorose. Rom. 10. Oktober.(Tsch. P.-B. Funk.) Di- plvmatischc Kreise glauben, daß infolge der Konferenz von Venedig die Konferenz von Portorosc zwischen den Nachfolgestaaten der allen Oesterrcichisch-Nngarischen«Monarchie eine Verzögerung erfahren wird. Belfast, 10. Oktober.(Reuter.) In der Stadt wurden einige Verbrechen begangen nnd mehrere Geschäfte geplündert. Englische Ver- st ä r k n n g e n wurden hicher entsandt. Stockholm, 10. Oktober.(HavaS.) Branting wird ein n e»e s Kabinett bilden. Santiago, 10. Oktober,(Reuter.) Au? Peru hicher gelangten Meldungen zufolge ist in den -Provinze» Piura und Tumbez die Revo- lution ausgebrochen,' 11. Oktober 1921. eogtadcmolrai Veite 5. Die mitteleuropäische Kriscnstimmung löst allerlei abenteuerliche Äonlbinativncn aus. Aber so irr sie scheinen, die Unsicherheit der gegenwärtigen Verhältnisse leiht ihnen einen gewissen Eirad von Berechtigung. Ter Streit ums Vurgcnlaird, den Ungarn unter christlicher Flagge ficht, deckt die Aspirationen der nia- gyarischcn Habsburgcrkncchtc auf Oesterreich auf und die bisher nur äußerlich überwundene Kahr-Krisc zeigt, wie schwach das katholische Bayern mit dem sonst vorwiegend Protest»»- tischen Reich zusammenhängt. In Italien wirbt Fcldmarschall Sankt für die„Rückkehr zu den alten Verhältnissen" und für die„Be- tätigung alttirolischcn Geistes", der berüchtigte Landesrat Dr. Steidl hat 10 000 Mann Tiroler Heimatwchrcn mobilisiert, jeder murrt, weil der italienische Lire in nächster Nähe seine Kaufkraft bewährt, über die d. ö. Krone. 'All das gibt dem„Rüde Pravo" den Anlaß, allen Ernstes die Möglichkeit eines katholischen Staates Ungarn-Oestcrreich-Baycrn zu crör- kern, und je heilloser die österreichische Ba- luta zusammenbricht, je mehr sich die Aus- sichten Deutschlands auf den Anfall Obcrlchlc- sicns verringern, desto stärker ruckt das Phan- tasicgcbilde iu de» Bereich des Möglichen. Was seine Verwirklichung bedeuten würde, sieht jeder: Den weißen Schrecken in allen einst habsburgischen Staaten, Krieg zwischen dem neuen Reich und der kleinen Entente und in dessen Gefolge einen nicht auszudenkenden Zusammenbruch. Auch unser väterlicher Herr von einst, der Knabe Karl, kann sich in hcl- lcn Stunden die Verwirklichung seiner Pläne kaum anders vorstellen. Aber was kümmert ihn das Wohl„seiner geliebten Völker", wen» es gilt, das erlauchte Geschlecht lvicdcr auf den Tbron zu bringen? Für die Arbeiterschaft aber sind derlei Phantastereien eine ernste Mahnung zur Vorsicht und zur Einigkeit. Die Zeit ist voller Gefahren. Zwischen den Klip- Pen unversehrt hindurchzukomnicn. dazu be- darf cS eines kühlen Kopses und einer festen Hand. In der gestrigen Sitzung de» allrussischen' Sowjets eine sowjetfeindliche Tätigkeit auf Vollzugsausschusses berichtete Zamaschko, daß Grundlage des Programmes Sawinkows und gegenwärtig die ganze Republik frei vo n l Pctljuras entfallen, auszuweisen. Das Er- Cholera sei. Doch bedeute die Hungerkata« gcbnis dieses Abkommens war die erste ge- strophe eine ständige Gefahr für das Wieder- meinscbaflliche Konferenz der polnisch-russi- scheu Ncpatriieruugskommission in Moskau. Bukarest, 0. Oktober. Die Nachricht, daß Rumänien Vorbereitungen zum Kriege gegen Sowjctrußland treffe, werden kategorisch de- menticrt. erscheinen von Seuchen, namentlich von Flcck- und Bauchtyphns. Verhütungsmaßregeln müssen unbedingt ergriffen tvcrdcn. Einreiseerlaubnis für eine offizielle Kommission. London, 10. Oktober.(Tsch. P.-B.) Krassin! erklärte in einer Unterredung mit einem Ver> tretet des„Observer"; es hänge von dem j Charakter und der Zusammensetzung der even> lucll von der Brüsseler Konferenz zu criiLii j ucnden K o m m issiou zur llnlersncstting 1 Brünn, 10. Okiober. t-rsch. P.-B.l Heute der Lage iu Rußland ad. ob sie von der russi-! fand in Mähren der eintägige Proteststreik der scheu Regierung die E i n r c i s c c r l a u b- im Taglohn stehende» landwirtschaftlichen Ar n i s erhalte. Wenn die Kommission den beiterschaft statt. Es luuvbe aber nicht überall Hungcrlcidcndcu in Rußland wirklich helfen j gestreikt, da auf vielen Großgrundbesitzen die in WWren. wolle, statt Rußland auszukundschaften, dann lvollc er alles tun, um ihr den Weg zu ebnen. Krassin sagte dann weiter, die iu Rußland im Frühjahr begonnenen wirtschaftlichen und sozialen Reformen würden durch die nervöse Atmosphäre einer drohenden Intervention aufgehalten. MehrheitZbiiölNls ivDeutsch- MchrheiilicheMmmM gegen GsM. Die Stimmen der Einsicht bei den Rechts- sozialistcn mehren sich erfreulich und beweisen, wie sehr mau in Görlitz alle Realitäten ignoriert und in welche verhängnisvolle Sack- gassc die rechtssozialistische Partei sich verirrt hatte. So schreibt unter der Ucbcrschrift: „Schluß niachen!" die rechtssozialistische „Dresdner Volkszcitung", welche bis zum Görlitzcr Parteitag zu den entschiedensten Ver- scchtcrn einer Koalition mit Stinnes gehörte und wiederholt sogar für eine Ausschiffung der USP. aus der sächsischen Regierung und Aufnahme der bürgerlichen Parteien ein- hließlich der Partei Stinnes eingetreten war, ke von Zentrum und Demokraten an die iPD. erteilten Antworten nieder und bemerkt »zu wörtlich: „Das Verhalten der Deutschen Volkspartei zeigt, daß die weiteren Erörterungen über die Regierungsumbildung ietzt völlia zwecklos sind. Die bisherigen Diskussionen haben bei allen Schäden doch Klarheit darüber geschaffen, daß die Bolksparteiler nur dann in eine bürgerlich- sozialistische Reichsrcgierung biueingehen wollen, wenn der sozialistische Einfluß iu der Koalition auf ein solches Minimum reduziert wird, daß die Beteiligung für uns keinen Zweck mehr hat. Es wird unter diesen Um- ständen nichts weiter übrig bleiben, als es im Reich bei dem jetzt bestehenden Zustande zu belassen, selbst um den Preis, als es nicht möglich sein sollte, den Ein'ritt der Sozial- deinokratie in die preußische Regierung durch- zusetzen. So wünschenswert es uns zu sein scheint, daß recht bald wieder unsere Partei in die preußische Regierung hineingeht, mit der Erfüllung der dcntschvolkspartcilichen Sehn- sucht wäre der Eintritt der Sozialdemokratie kauft" Regierung viel zu teuer er- Und in einer vom Unterbczirk Chemnitz der iechtssozialisten gegen eine einzige Stimme ^genommenen Resolutton, heißt es u. a.: „Die Chemnitzer Parteigenossen erblicken deshalb in der Auslegung des Görlitzer Beschlusses. der zweifellos eine Verbindung mit der Volkspartei vorbereiten sollte, eine schwere Gefährdung der Einheitlichkeit und Stoßkraft der Arbeiterschaft. Insbesondere aber rügt die Versammlung die Art, wie der Parteivorstand diese schwerwiegende Frage über die Köpfe der Mitglieder ohne jede Vorbereitung in der Parteipresse oder in den Versammlungen au den Parteitag heranbrachte und so das freie Mitbestimmungsrecht der Mitglieder in einer ohne Vorgang in der Partcigeschichtc dastehen- den Weise verletzte:" Die russische Hungersnot. Not und Seuchengefahr. Moskau, 10. Oktober.(Tsch. P.-B. Funk.) « Lage im U r a l g c b i e t ist k a t a st r o- f a l. Es ist nicht ein einziges Stück Brot :hr vorhanden. Ganze Dörfer wandern ich der Ukraine aus. Die deutsche Volkspartei soll doch in die Koalition. Berlin, 10. Oktober.(Eigenbericht dcS„Sozialdemokrat.") Am Mittwoch werden die Verhandlungen über die Erweiterung der Regie- rungskoalition von neuem beginnen. Die Par- tcilcitung der sozialdemokratischen Partei hat iu ihrem Aufruf gesagt, daß es an den andc- reu Parteien läge, zu bestimmen, wie sich die sozialdemokratische Partei zu ihnen stellen würde. Wählen sie die Demokratie und die Republik, so könnte man mit ihnen zusammen- gehen, sonst würde die Sozialdemokratische Partei den heftigsten Kampf gegen sie eröffnen. Das wird in der bürgerlichen Presse so ausgelegt, als ob die Sozialdemokratische Par- tei nach der Absage der Unabhängigen nun- mehr mit der deutschen Volkspartei die Regie- rnng bilde» will. Stresemann hat sich auf dem niedcrrheinischen Parteitag der deutschen Volkspartei ziemlich entgegenkommend ausge- sprvchcn. Er sagte, daß das Programm für die breite Koalition bereits fertig sei, nur in der Frage der Aufbringung der finanziellen Mittel bestohcn noch Differenzen mit der SPD., die aber nicht unlösbar erscheinen. Er erklärte weiter, daß seine Partei zwar das Londoner Ultimatum abgelehnt habe, jetzt aber stände sie ans dem Standpunkte, daß alle Anstreng»«- gen gemacht werden müssen, um so viel zu leisten, wie die deutsche Wirtschaft herzugeben Arbeiterschaft sich Übcrhanvt nicht oder nur teilweise beteiligte. Tie Biehfntterung und das Melken besorgten größtenteils die streifenden Arbeiter selbst, in einigen Fällen das Auf- sichtspersonal. An zahlreichen Orten wurden Protestvcrsaiiniiluiige» veranstaltet, iu welche» »ach Referaten der Redner eine Resolution angenommen wurde, welche n. a. die Bersor- gütig der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft mit Getreide oder Mehl direkt von den Groß grnndbesitzcu, tvcitcrs Akkordlöhne bei der Rn- bcncrntc und die Auszahlung eines Bellet- dungsbcitragcs gefordert wird. Die- Ruhe und Ordnung wurden nirgends gestört. Flucht durch den Zuruf aufgehalten habe:„To? ist eine klare Sache, Panlaude!" Dieser habe daraufhin sich an die Mannschaft gewendet und sie zum Gegenangrijs gesammelt. Ter Zeuge ist. von der dose» Wirkung der Aussage Panlauds vor dem Kriegsgerichte überzeugt, aber er schiebt. die größere Schuld aus den Obersten Pinnotca», der schon im vorhinein die Zahl der Abzuurteilende» bestimmt habe. Ter Angeklagte leugnet jede Schuld an der Panik, erklärt aber, sich ans. die Einzelheiten nicht mehr zu erinnern. Er de hauptet, er sei erst in der zweiten Linie imstande gewesen, die Soldaten aufzuhalten. Bei Gericht habe er der Wahrheit gemäß ausgesagt, es se> auch wahr, daß der Oberst im vorhinein die Stm ,alü der Leute bestimmt habe, die erschossen wer veu müsse», er selbst aber habe niemanden ange geben. Oberst Piiinotcau. der al? Zeuge einver- nominen wird, erklärt, er habe die Anzahl der zu Verurteilenden darum schon im vorhinein an- gegeben, um dadurch größeren Hinrichtungen vor- zubcngen. Die übrigen Zeugen, von denen eine große'Anzahl hauptsächlich aus einfachen Soldaten besteht, jagen widersprechend aus. Einige be- Haupte», die Panik sei plötzlich entbanden, andere wieder, daß der Beseht zum Rückzug gegeben worden sei, wieder andere, daß dieser Be» selil von Panlaude selbst ausgcganaen sei. Tic meisten Zeuge» bchauplcn die vollständige Un- schuld der Erschossene». Große Aufregung erregt« die Aussage des Li v b e D» b o r g, den det Oberst am Tage vor der Hinrichtung aufgc- fordert hatte, IL bis LI Plann, welche er» schössen werden sollten, mit der letzten Oelung z» verschen.— Spät am'Nachmittage endete der erste Vcrhandlnngstag. Eine Zchissskalastrophe. Lond o n, 0. Oktober. (Reuter.) Der Dampfer„81 omau" ist auf der Fahrt von Glasgow nach Dublin in Port oi Elhde bei dichtem Nebet nacheinander mit zwei Dampfern znsanniicngestoßen und unter ge- gangen.' Nach hier eingelaufenen Berichten hatte der Dampfer 37 Mann Bcsatzuna und über 10» Fahrgäste an Bord. LI Mann der B satzung und i>." Fahrgäste wurden gereitet. Bon den Fahrgästen sind nach der Rettung noch zwei gestorben.— Nach einer amilichen Meldung aus Glasgow halte der untergegangene Dampfer „Roman" öl! Fahrgaste n»d 37 Mann Besatzung an Bord. Vermißt werden drei Fahrgäste und 13 Mann der Besatzung. Falschmünzer. Budapest, Ii). Oktober. Tie Budapestcr Polizei verhaftete gestern den Bankbeamten Beta Z ch ö n, welcher einige g c fälschte Dollarnoten in der Bank um Manschen versuchte. Auf der Polizei gab Schön zu Protokoll, daß er die gefälschten Noten von einem Vörseiikoimnissioilgr erhalten habe, dessen Namen er iedoch der Polizei bisher verschwieg Tie Budapestcr Polizei bat die Wiener Polizei direktion ersucht, sofort den Wiener Kauftnann Josef W c i ß im II. Bezirke zu perhasten, da er hinter sich eine ganze Bande von Falschmünzer» habe und die Anregung zur Nachilahmnitg der Dollarnoten gegeben haben soll. KneMußiz in Fmuftelch. in der Lage sei. Diese Ausführungen klingen ganz anders, als mau es bisher aus dem! I» den„Lidove Novit»," lesen wir: Das Ende Munde der Volksparteiführer zu hören bekam, I^w'beil./pielt sich jetzt ......, r Y J 1' J. ln einer Vernanduuia vor beut.UvicoSacricw in und cv ist deshalb anzunehmen, daß eine Er. t5lerniont Ferrand ab, welche das blinde Wüten tvciteruug des Kabinetts mit Stresemann zu des Militarismus gegen seine unschuldigen Opfer Stande kommen wird. in grauenvollster Welse zeigt. Diensiag, den 4. Oktober, begann die Verhandlung gegen den Lcnt- Die Enthüllungen der„Münchner Post" über i ,:,ml Paiilande, der deschnldiat wird, durch seine einen geplanten Rechtspntsch. Aussage vor dem Kriegsgerichte die am 3. De Berlin, 10. Oktober.(Eigenbericht des„So-^ zialdcmotrat.") Die„Pkünchncr P-ost" setzt die Enthüklnngen über die Beziehungen zivischen den Rechtsbolschewisten in Oberschlesien und Oberbahcrn fort. Sie berichtet, daß der ver- leistete Privatdozcnt Dr. Arnold Rngc an einer Führerbcsprcchung in München tcilgc- nominen hat, iu der die Rolle der Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Freischärler in einem für November gcplan'en Rechtspntsch festgelegt winde. Es sollte zunächst ein Linksputsch vorgeschützt werden, woraus dann die Rcchtsbol- schewisten einzugreifen hätten. Die Griechen flüchten. Konstant inopel, 8. Oktober.(HavaS.) Der türkische Heeresbericht meldet, daß das türki- schc Militär iu den Abschnitten Äfiliin-Kara hissar trotz unaufhörlichen Zicgens das flüch- tcnde griechische Heer verfolgt. Die griechi- schen Angriffe nördlich von Eskischchir wurden znrückocschlagcn.?5 englische Gefangene, unter ihnen Oberst Rawlinson und.na statigefundeiie Verurteilung und Hinrichlniig voit secbs Soldaten wegen Feigheit vor d->» Feinde hcrbeigefübrt zu hade», odwohl diese Leute vollkoliiinen»ttschnldig waren. Tie Vorgeschichte des Prozesses ist folgende: Am Abend des 27. November IUI> gelang es den Deutschen l>ei Vingre nach vorhergegangenem Vombardeinciu der vorderen französischen Stcl- lnnaen an einer Stelle in den französische» Schützengraben zu dring'», wo i-ch der vierte Zug der IN. Kompagnie des L!>3. Insantcri-reai- mentcs befand. Sofort entstand dprt eine Panik. Die Leute cil'-n in die rückwärtigen Slellnngen und rissen auch die in der Nachbarschaft ansae- stellte Mannschaft mit sich fort. linier den Flüch- tenden befand sich o»ch der Leutnant Pan- 1 a n d e, der seiner Behanvtnno lwch von d-n Flüchtenden mitgerissen wurde. Erst in d-n rück» wältigen Schützengräben beruhigte sich die Mannschaft und erober-c unter Führung Paulandcs spielend wieder ihre alten Stellungen. Scheinbar war damit die Anaelegeub-ii erledigt, aber das Regimentskommando, das Oberst Pinnoteau sübrle, zeigte den Vorfall bei'» Kriegsgerichte an, dos dann tnicht. anders als in Oesterreich! einen Unt-rossi'ier und fünf Mann wegen Feigheit vor dem Feinde zum Tode verurteilte. Dieses llr- teil wurde auch s o a l e i ch vollstreckt. In der Anklageschrift wird hervorgehoben, daß noch vor dem Zusammentritt des Kriegsgerichtes der pitän Mitchell, sind in Imcbol eingetroffen, wo Negiineittskommandailt und Kriegsgcrichisbor Gefangene' ausgetauscht i«'«cnbc Oberst Pinno'ean bestimmt hatte, sie für werden. türkische daß zum abschreckenden Beispiel ein ganzer S cii w a r m niederges cd o s s e n>v e r den soll e und erst ans einen Zuruf des Leutnants Pan lande hin habe er sich entschieden, statt IL Soldaten nur sechs niederschieße» zn lassen. Nach der Aussage des Panlaude habe dann da« Ge- richt olme iede tveitere Aussprache den Antrag ° l seines Gerick'tshernl angenommen.(Für das EnWmmmg Wischen NO fand und Walen. Warschau, 8. Oktober.(Tsch. P.-B.)„Ku lucnnu-m rtcr Warszawszki teilt mit. Gestern unter- stillen von Todesurteilen war also in Frankreich zeichneten Karachan und Vizeminister Doinbs- wie in Oesterreich der S'andpnnkt des Gerichtski das Abkommen betreffs Ebnung der Pol- Herrn für die Kriegsgerichte maßgehend. Am», nifch-russischen Spannung. Nach diesem Ab d. Red. d.„Svziald.", Später stellte sich Heraiis, kommen erhält die polnische Regierung als daß diese s e et, s Leute voll! g n n s ch u l d i g erste Zahlung 10 Millionen Rubel in Gold dcn Tod erlIlten hatte». Mail hob das Urans Recknuna der durch die Sotviets im tcif 111,0 b"" Toten tvnrden nachtraglich alle militärischen Ehre» erwiese». Panlaude wurde Neichs^ertrage u^cvnommencll x erpfllchtun- Antlaqe nestetlt und desckttldiqt, durch seine gen. Die Polnische Reglerinig verpsllch- A.lSsage dos Gericht getäuscht zu habe». Unter tet sich weiters, aus dem Staatsgebiete eme de» ersten Zeugen wandte sich d« Leutnant Pan- Reihe von Personen, die nach Meinung der pier scharf gegen den Angeklagsen, den er auf der Volliswirtschaft und Zonalpolitik. Teilweise Beendigung der Streiks in Reuth- schein. Ans Neutitschein wird gemeldet: Die Arbeiter der Fabrik„Gnom" sind vollzählig zur Arbeit zurückgekehrt, Entlassen wurde nie- maiid. Ebenso wurde die'Arbeit bei der Fir- nia Joses Rotier aufgenommen bis auf zwei Arbeiter. Die Arbeiterschaft der Firma Brn- der Böhm, etwa 80», streikt und erklärt die Arbeit solange nicht anzutreten, als die Firma die Entlassung dreier Vertrauensmänner nicht widerruft. Ter Streik der Niemeser Lederarbeiter beigelegt. 14 Wochen dauerte der Streik der?ttc- ineser Lederarbeiter gegen ihre Unternehmer. Er entstand dadurch, toeil sich diese weigerten, in ein Vertragsvcrhältnis einzugehen und die Vertrauensleute der Arbeiterschaft anzuerkennen. Durch die 14wöchentliche Kaiupfcsauss daner der Lederarbeiter war es möglich, den Starrsinn der Unternehmer zu brechen und die ausgestellten Forderungen restlos durchzusetzen. Bis auf einen Unternehmer schlössen sich die übrigen alle dein Vertragsverhältnis an. Die Arbeiter bei dieser Firma stehen somit noch im Kampfe und werden den Kamps noch solange weiterführen, bis auch dieser Herr von der Notwendigkeit des Bertragsverhältnisses überzeugt ist. Ende des französischen BanarbeiterstreikS. Paris, 0. Oktober. Wie„Populaire" mitteilt, ist gestern beschlossen worden, den Bauarbeiterstreit abzubrechen und die Arbeit■ wieder aufzunehmen. Hand- und Kopfarbeiter. In der letzten Zeit wurden zwei Beschlüsse gefaßt, die davon Zeugnis ablegen, daß die Erkenntnis der Not- wendigkeit des Zusaiiimengehens zwischen Hand und Kopfarbeiter von der Arbeiterklasse immer mehr erkannt wird. So hat der Intcr- nationale Kongreß der Bauarbeiter, der jüngst in Innsbruck stattgefunden hat, dem Wunsche nach Schaffung einer einheitlichen intcrnatio- nalen Organisation Ausdruck gegeben, welche alle Hand- und Kopfarbeiter, die im Bange- werbe beschäftigt sind, umfassen soll« Auch' ans dem unlängst stattgesundenen englischen Gewerkschaftskongreß in Eardisf, sowie während der belgischen Getocrkschaftswoche beton- tcn die Redner die Notwendigkeit des Zusam- mcngehens mit den Technikern. Ausschreitungen des Schutzzollsystem». In welchen Uebertreibnngeit da« Schutzzollsystem führt, zeigen die neuen Zolltarife von Ingo- slawieu und Rumänien. In diesen Tarifen sind eine Reihe neuer Zölle vorhanden, welche den Volten Wert der Ware wesentlich übersteigen. Ter Patriotismus des Finanzkapitals. In der ganzen Knlturwelt ist man bestürzt über die wirtschaftliche Katastrophe des österreichischen Staates. Ter Finanzminister Oester- reichs fährt in der ganzen Welt umher, um Kredite zu holen, die die österreichische Krone vor einem weiteren Fallen schützen sollen. Wie sehr jedoch die Großbanken dieses Bemühen erschweren, zeigt ein.Artikel des österreichischen Wirtschastsblattcs„Tie Börse"— also eines „bürgerlichen Blattes"—, welches gegen die Großbanken die Klage erhebt, durch forcierte Verkäufe von Kronen, deren Kurs zu zerstö- rcn. Das Blatt schreibt unter anderem:„In dem Moment.>no die sorttoährenden Schwan- klingen des Kroneninrses anshören oder wo überhaupt ein organisch gewachsener Finanz-' plan dem Valntaetend ein Ende macht, werde» die dickbäuchigen Tcvisengewinnc vcrschwin« dcii... Schon die Theorie, daß das Hcnid näher steht al-- der lliock, zwingt die Banken und überhaupt das Finanzkapital zu einer An- tikronenpolitit und zn Gegnerschaften gegen alle Versuche, die größten Gcsahrquellcn für die Wertbeständiglcit des Geldes zu beseitigen. 1 Wir leben eben in der sonderbarsten aller Wcl- ten, wo der. eine, Teil-der. BMöllemyg.pctn^o jSSerbenttmiimg fcW und her ,-utbm Teil durch die Wcfticuftv.crimtfl stirb!." Trotzdem hoffen sich die Bourgeois für die beste»» Na- trwlen. solche. Graphische Darstellungen, Phowgra- Phien und statistische Tabellen erleichtern da« Verstehen landwirtschaftlicher fragen. Der Abschnitt„Akutter ,»nd Kind" wird vielen ^Einc russische Reichöbank. Moskau, 10. Muttern ein Ratgeber sein. Ein Lehrbuch fiir -^llobrr. l, Funkspruch.) Die Reichsbauk wird! Landwirte, Bringcr heiterer und genußreicher ihre Tätigkeit spätestens am lß. November auf- Stunden und ein lieber Genosse dem kleinen nehmen. Zur Bildung des Grundkapitals Landwirt: alldies ist das kleine Buch, daö wir werden ans dem Staats schab zwei Milliarden allen Kleinlandwirten bestens uupsehlen Rillte!, angewiesen.' können. Ter Wert der Krone. ES kosten:.100 bolländ. Nnlbftt 3061J4, 100 Mark 76%, 100 skliwci',. fvranfeu 1671.'«..100 Lire 076, 100 franz. Frau- reu üto;:, I Psund Sterling 857s£, 1 Dollar !'!. 100 lu-lii. Franken 6701«, 100 Peso 1201K, 100 Dinar 152J4, 100 Lei SO«, 100 bfterr. Kronen 0.25, 100 pol». Mark 2.20, 100»ng. .'krönen 34.40 tfeft. Kronen. Kunst und Wissen. ?ke»es deutsches Theater Prag.(Neueinstu dicrung des„Mädchens auc- dein goldenen Westen" von Giac. Puccini am 9. Oktober.) — Eine Opernbühne wie die dcS Prager beut- .— frfK)t 3ch catcr§( der als kunswerantwortlicher (tut ÜtstleitDCf für Älcittlaitotflftle.*) Tpernchef ein Alex, von Zcmlinöky vorsteht und die ohnedies fast alle bedeutenden Puccml- Opern zu iltrcm Repertvirbesitz zählt, hat eS Wir werde« unseren Begriff vom„Bauern kokender", der ansonsten ebenso geschmacklos wie „frumau" ist, revidieren müssen. Der erste Ka- lender für Kleinlaudlvirte, den der Z e n t r a l- verband deutscher Kleinbauern Ii n d H ä ii s l c r herausgegeben und den Ge- uosic Josef S ei) w cichhart redigiert hat. ist geradezu das'Muster für eine» schönen, un- tcrhaltsamen, lehrreichen und Praktischen Baüenikalcnder. Schon äußerlich unterscheidet sich das für Jahr 1929 bestimmte Büchlein wohltuend von der für den Landwirt bestimm nicht notwendig, auch diese schwächste Buhnen- schöpfung des gegenwärtig größten italienischen Operistrn ihrem Spielplane durch mühevolles Ncucinstudicren wieder einzuverleiben ES wäre denn, nian wollte Frl. Else Klepncr wie- der einmal Gelegenheit geben, in einer„Glanz- rolle" auszutreten: deren eS aber in unS näher- stehenden Opern bessere und würdigere gibt. Puccinis zwischen Ecusationssucht und Kino- romannk balanzierendeS„Mädchen auS dem goldenen Westen" ist auch rein musikalisch tcn„Literatur". Sämtliche Illustrationen. j fin g«ndlina besierer westlicher Musikvaluta. d<>runter auch Bilder von Thoma, Nocsclcr, bleib' al-einzig verständlicher Grilnd fiir die Walter Erane, Kaulbach u. a. beweisen, daß Djederwabl dieser Oper die GeschmackSrich- dieser Kalender mit Geschmack zusammcnge unseres Publikum-, das wir allerdings stellt wurde. Aber weit über den Rahmen des I5-f t als nicht bester geartet, denn anderwärts landläufigen Baucriikalcnders wird das Bück erkannt haben. Die Aufführung selbst unter durch den zielklaren Zug herausgehoben, der es vom ersten bis zum lebten Blatt durchzieht. In einer prograinniatischen Einführung wird die ökonomische und gesellschaftliche Situation der Kleinbauern aufgezeigt und hierauf die Ziele der Strcitschaft— denn eine solche will auch der Kalender sein— auseinandergesetzt: Er kämpft gegen alles, was das arbeitsame Landvolk drückt und Peinigt, er will es wach- rütteln zu Selbstbewußtsein und Zusammen- gchörigkcit, er will beitragen zum Ausbau der Organisation und so das machen, was auch tvir Sozialdemokraten»vollen: einen Zustand herbeiführen, wo cmch Grund und Boden den arbeitenden Menschen allein gehört, wo alle Drohnen beseitigt sind und jeder Fleißige sich wirklich seines Lebens freuen kann.„Fallen sollen dir geistigen, künstlich aufgerichteten Schranken zwischen dem arbeitenden' Volke in Siadt und Land, gemeinsam soll und muß der Befreiungskampf gegen die Drohnen der «Gesellschaft geführt»Verden." Bon dieser Idee ist der ganze Kalender erfüllt. Ein literarisch hochwertiges Gedicht August E l l i n g e r s ruft die Schläfer in der Gesellschaft zum Kampf für die Erlösung ems Bedrückung, Verse Marta Elbachs künden auch dem Landarbeiter die Zeit ihrer baldigen Reife und Ernte an, Ge- nosic H mini ch hat dem Kalender eine län- gcre gemütvolle Erzählung gewidmet. Reichhaltig und überaus volkstümlich gehalten ist der landwirtschaftlich-thcoreti« s ch c Teil des Kleinlandtvirtc-KalendcrS. Mit großem Intcrestc liest man lehrreiche und praktische Aufsätze über die. landwirt- s ch a f t l i ch e Produktion in der Tsche- clioslowakci, über rationelle Düngung und über die Erreger der Manl- und Klaitcn- ') Herausgegeben vom Zentralverband deutscher Kleinhänser und Häusler, Teplitz- Schöna«, Schlangcnbadstraße 1612. Preis 10 Sirenen. Wiederverkäufe? erhalten entsprechenden Rabatt. Dr. Zalowcv innsikalischcr Führung war der Leistungsfähigkeit unseres OpcrnensembleS entsprechend, umsomchr als auch die kleineren Rollen crstllassig beseht waren. Ausgezeichnet war vor allem Frl. Else K l e p n e r in der Titelrolle der Minni und Herr K ri« nerals Theriff. Herr Nachod war darstellerisch ein vorzüglicher Näubcrhanpttnann, hat aber in Partien melodischen GrundzugeS und sinnli- chen GesangstilcS immer einen schweren Stand. Die Regie Herrn Ludwigs klappte, aber es fehlte ihr die Lebendigkeit und realisti- schc Rote, die dieses Stück mehr als alle andern Opern braucht.— ek. S«miete„Vetter ans Dingsda". SamStag et die Premiere der im Berliner Rollen- dorftbcater mit großem Erfolge aufgeführten Operette„Der Vetter an? Dingsda" mit der Musik von Eduard Könneke statt. In den Haupt- rollen ist das gesamte Opcrettenpersoncil be- schäftigt. Spielleitung Karl Fischer, Dirigent Hcllsried Schrott. Erste Wiederholung.Sonntag abends.(Beide Abend« bei aufgeh. Ab.) Kastspiel Schwestern Wiesenlhal. Das graziöse Schwestcrntrio Bertha, Martba und Elsa Wiesen- thal wird Donnerstag im Neuen Theater eine neue Folge von Tänzen nocli Kompositionen von Havdn, Gounod, Huber-Wiesenthal, Johann Strauß vorführen. Als Ergänzung de? Abends wird der interesiantc Einakter„Satans Maske" mit Leopold Krämer als Henry Mai- trejcn gegeben. Kartenverkauf täglich. Premiere„Geständnis". Drama„DaS Geständnis" von Sidney Garrick wird m der beut scheu Nebcrtragung von L. Bayda morgen Witt »noch zum ersten Mal in Szene gehen. Die Hauptrollen liege» in Händen der Damen Me- gclSkp, Restel, Boß und der Herren Geldern, Mühlbcrg, Reinhardt," Hans Demetz.((22.1-1117 Neues Theater. Heute tenschtvank„Die EcheidungSreise"(221-1V), Frei tag erste Wiederholung der neustudierten Pur» cini-Oper„DaS Mädckien a»S dem goldenen Westen"(226-11), Sonntag Nacbmittag Verdis ^Draviata". Aus der Psriei. Versammlungstätigkeit in Ostböhmen. In den ostvöhmischcn Industriebezirke» haben in lehter Zeit in einer Reihe von Orten öffentliche i et» sainmlungen stattgefunden, in denen i'bcr die po- litisch« Lage und über die Arbeiten im Parka- me»t gesprochen wurde. In Arn an, Inn buch, L a m p e r d o r s und.Freiheit l clt die Genossin Abgeordnete Kirpal a»S Aussig geordneter Genosse Schäfer über die politischen Vorgänge in der Tschechoslowakei sprach, vcr« suchicn wiederum die Kommunisten, sich vi- merkbar zu machen. Die massenhaft erschienenen Arbeiter und Arbeiterinnen von Freiheit unv Marschendorf lehnten es jedoch mit allen.gegen siebe»(!) Stimmen ab, den kommunistischen Wortführer au« Trautenau, der gerade aus Breslau zugereist war, anzuhören. Betroffen von dieser Absuhr verhielten sich dann die Komm«- nisten bis zum Schluß der Versammlung maus- chenstill. Nicht ein Zwischenruf war mehr von ihnen zu hören.- In Starkstadt bei Braunau, wo Genome Schäfer uno Gcnosw Merkel auL Braunau über OrgamsationS. fragen sprachen, dann in GrinSdorst Wer- getSdors, Ober-Adersbach und Ar na n verliefen die Versammlungen in vollster Ein- mütiakeit— ein Beweis dafür, daß in Ostböhmen bis auf vereinzelte Orte die Reichen- berger Kommunisten jeden Anbong verloren haben. Nur in N e u s ch l o ß bei Arnau waren in der Versammlung einige Kom- munisten auS dem Orte Döber,ich anwesend, deren unpassende Zwischenrufe jedoch die sachlich geführt« Aussprache über die Politik der den! scheu Sozialdemokratie in der Tschechoslowakei nicht stören konnten. In allen Versammlungen wurde von den örtlichen Vertrauensmännern berichtet, daß die Kommunisten zwar überall durch ihr Treiben die politischen Organisationen ge° schwächt haben, daß aber nicht die Kommunisten, sondern die Dentschnationalcn und in einigen Orte» die Christlichsozialen den Vorteil von den unseligen Slänkereien der Moskauer haben. Im übrigen weisen die meisten Loknlorganisalionen jetzt schon wieder eine aufsteigende Bewegung in ihren Milgkiederzahkeu auf.— Für die nächsten Tage sind noch Versammlungen mit dem Abg. Genossen Schäfer vorgesehen in den Gemeinde» Altenbnch, Nied«r-Altftadt, Dentsch- P r a n ß n i tz und Ratsch. vezirkSorgcmisation Prag. Heute findet mn 8 Uhr abends im Bezirkssekretariat, Smetschka- gasse 27,«ine Sitzung der BczirlSvertre'.nng statt. Areiskonsrren, TcpNtz-Saa, verschoben. Die KreiSvertrewng hat in ihrer Sitzimg am 5. Ok- tober beschlossen, die Abhaltung der.Kreiskon- sennz in Komolan aus Wichligen organisatorischen Gründen zu verschieben. Die Krciskonfe- reni> findet also nicht am 29. und!!0. Oktober, sondern erst am Samstag, den 26. und Sonntag, den 27. November im Nestau- rant„Logerkeller" in Koinotau mit der gleichen Tagesordnung statt. tt. rattrftw trn. Offfibe« übersah er. ebenso, daß ein von yes- inarv abgegebener Schuß an die:\unenplatde des Dresdner Tore« ging, was nach den Fußball- regeln Goal bedeutet. Resultate von vorgestern: A. C. Sparta gegen S. K. Kladno 7:0.— Slavia gegen ts. K. Bube- nctfch 0:0.— Da Tcplitz Sonntag gesperrt war entfiel da?> mit Spannung erwartete Wettspiel gegen D. F. 5t. Aussig.— Stadtekampf Berlin- Basel 2:1. Mitteilungen ans dem Publikum. Dr. „Urania." „Moderne Experimentalphysik." Doz. Fürth. Dreistündiger Kurs mit zahlreichen Ei- perimenten. Beginn: Freitag, den 11., 6 Uhr. 1. Vortrag: Anwendung der Elektrizität in der Technik(Erzeugung von.Kraft, Licht. Winne usw.).— 2. Vortrag: Drahtlose Telegraph»: und Tclcphonic.— 3. 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Orofä Die Alters- und 3n«idm° Versicherung. T™ d" alte österreichische Staat zusammen- mach und die„demokratische" Republik errichtet wurde, konnte man annehmen, das; der A»S- bau der Sozialversicherung baldigst erfolge», bie invaliden- und Altersversicherung zur(sin- fichtting gelangen würde. Tic Alten und In- validen haben gleich wie im alten Oesterreich auch hier nur Enttäuschungen erlebt. Auch in der tschechoslowakischen Republik versteht man es ausgezeichnet, die Sache hinzuziehen. Dr. Winter hatte eine Vorlage ausgearbeitet, der vielleicht viele Mängel anhafteten, die aber den großen Vorzug hatte, die Frage der Kran- k c n- und U n f a l l v c r s i ch e r u» g sofort Praktisch zu losen und für die Invaliden- und Altersversicherung Rahmenbestimmungen brachte, die bei einigem guten Wissen in der entsprechenden Zeit hätten in die Dctailbcstim- mnngcn nnigcarbeitet werden können. Das wäre umso leichter gewesen, als man ja vor nichts ganz Neuem steht und in der reichs- deutschen Versicherung ein Vorbild hat. Das Ministerium G r u b e r ist darauf nicht cingc- gangen, weil ein ganzes, bis in alle Details durchgearbeitetes Werk als Vorlage gebracht werden sollte. Am 13. März 1921 hat das Mi- nisterium Grnbcr die Erklärung abgegeben, das; eS beabsichtige, eine Kommission von Fachleuten einzusetzen und nach deren Gutachten eine Regierungsvorlage über die Sozialversicherung auszuarbeiten. Die Kom- Mission ist gebildet worden, Gutachten sind er- stattet worden. Auf Grund dieser Gutachten hat nun das Ministerium die Kommission er- gänzt und für die weiteren Beratungen fol- gcnde Leitsätze herausgegeben: 1. Die Ein- führung der st a a t l i ch c n Versicherung ist aus staatsfinanziessen Gründen nicht möglich und kann nur die Sozialversicherung in Be- tracht kommen. 2. Aus den gleichen Gründen kann einstweilen die Einführung der staatlichen Arbeitslosenversicherung nicht in Betracht kommen und muß es bei der Arbeits- loscnvcrsicherung nach dein»Center System verbleiben. 3. Neben der Versicherung der Ar- heiter ist es nötig, an der Vcrsick) cr u n g der selbständig c r tv c rb ä t i g e n Personen(Kleingewerbetreibenden, Häns- sler) zu arbeiten. 4. Nach Tunlichkcit ist die 'Gleichheit des Begriffes der Vcrsichcrnngs- Pflicht für alle Zweige der Sozialversicherung bei allen u n s c l b st än d i g erwerbstätigen Personen sicherzustellen. Bei den selbständig erwerbstätigen Personen kann sowohl die Statuierung der Vcrsicherungspflicht nur bei der Altersversicherung, allenfalls noch bei der In- validcnvcrsichernng in Betracht kommen, ö. Er- Haltung der Arbeiter>» n fallversichc- r u n g, insoweit die materielle Seite in Bc- tracht kommt, Auflassung, der gcgcnwär- tigen Arbeiter- U n f a l l v c r s i ch c- ru n g s a n sta l t c n, die als zweite Instanz im Nahmen der allgemeinen Nnsallvcrsichc- rung umzuwandeln wären. 6. Erhaltung der Pcnsionsvcrsi chernng für An- g c st e l l t c nach der materiellen Seite, Auf- lassung der Landcsstcllcn und Umgestaltung der allgemeinen Pensionsanstalt in den Gesamt- reichsträger der allgemeinen Sozialversichc- rung. 7. Die B r» d c r l a d e zu belassen, c r- scheint unzweckmäßig, wenn es zum Ausbau der allgemeinen Sozialversicherung komnit. 8. Eine eigene Versicherung der See- leute»st mit Rücksicht auf den Charakter des Ciiri« Mallenta. 51 Von I. I. David. Und wie der Bube nur pfiff! Das war ein Wunder. Die verwickelst- Weise, die er nur einmal gehört, saß fest in ihm. Auf seinen» ein- samen Gängen pfiff er sich immer etwas vor und sprach vicsseicht so a»»s, was ihn innerlich beschäftigte. Denn ohne Gcsessigkeit, war er gern für sich. Später kaufte er sich für sein erspartes Geld eine Ziehharmonika. Die hatte er bald weg, daß der blinde Jindrak ein Stümper neben ihm war. Und er lebte doch davon! Wen Ciriss a>» einem linden Sommer- abend von der Schaluppe seiner Mutter saß und sich mit seinen» Blasebalg vergnügte, so verweilten sich die spazierenden LiebeSPqrcheu vor ihm, standen»»mhcr und horchten. Die lGeige aber macht' er nicht lernen, obwohl ihn der Herr Lehrer, der für einen feinen Künstler 'galt, umsonst darin unterweisen wollte. Er .las kein Buch. Asses flog ihm zu. i»nd ihm blieb unverloren, was er jemals horte. Zu Schreibereien ließ er sich wissig verwenden und schlug manchmal Aeirdcrungen vor, die «inen ganz guten Sinn hatten. Und so ver- gingen die Jahre. Schon regte sich mit der Anerkennung sei»»er Gaben das Bedauern, das; er so gar'keinen rechten Gebrauch davon machen wollte. Dann war er zum Militär genommen wor- den. Seine Ziehharmonika ging mit, und er 'Welte beim Abschied den anderen auf dem Sozialdi Staates nicht nötig. 9. Die Anmeldungen der Versicherten sind nach Möglichkeit bei der un- irrsten Instanz(Bezirksstcllc) zu zeulralisiercn, desgleichen der Großteil der Evidenz der Ver- sicherten. Der zweiten Instanz(größere Ganor- ganisation oder Landcsorganisalion) würde die Vorbereitung des erforderlichen Materials für die Bemessung der Dauerrcuten obliegen. Die dritte Instanz hätte über die Danerrcnten(In- validen- und Altersrente») z>» entscheiden. Der dritten Instanz würde ferner obliegen, die Ausweise über die Gesamtversicherung zu ver- arbeiten und über die Vermögenswirtschaft al- lcr Organismen der Sozialversicherung zu eilt- scheiden. 10. Die Festsetzung der Ver- s i ch c r u n g s g r u n d l a g e bei den nicht sclbstständig erwerbstätigen durch Lohn- klaffen. Den wirklichen Lohn zur Grund- läge der Versicherung zu nehmen, wäre aus Praktischen Gründen undurchführbar. Es wird auch nicht möglich sein, einen Einheitssatz als Grundlage der Versicherung festzusetzen, ob- wohl das ideal wäre. Bei den selbständig er- wcrbstätigen Personen wird eS sich empfehlen, einen DurchschnittSsatz zu wählen und alles andere der freiwilligen Versicherung zu über- lassen. Die Festsetzung einer Grenze, bis zu welcher die Zwangsbersichcrung der fclbstän- big erwerbstätigen Personen gezogen werden sollte, vielleicht unter Benützung der objckti- vcn Merkmale des UmfangeS des gewerblichen oder landtvirtschaftlichcn Betriebes(die Ein- kommen- oder Steucrgrcnzc) würde sich nicht empfehlen. 11. P r ä in i c n b c st i m m u n g für die Versicherten und Arbeitgeber und die Art ihrer Einhebung. Bei den»»»selb- ständig erwerbstätigen Personen käine die Zahlung eines gewissen Teiles der Prämien durch die Versicherten selbst, der Rest durch den Ar« bcitgcbcr in Betracht Für die Un f a l l v e r- s i ch c r u n g würden die Prämien ans« schlief,U ch durch den Arbeitgeber, für die übrigen Zweige der Versicherung vielleicht zur Hälfte vom Versicherten, zur Hälfte von» Ar« bcitgcbcr zu tragen sein. Die Einhebung hätte bei de»» Versicherten für den auf ihn cntfal- lcuden Teil durch Lohnabzug zu erfolgen. Hin- sichtlich der selbständig erwerbstätigen Perso- neu konnte vorläufig ein praktischer u»»d durch- führbarer Grundsatz nicht formuliert werden. Es wäre die Einhebung der Prämien durch die Gewerbe- und Agrargenossenschaften, die zweckmäßig auszubauen wären, z»» empfehlen. 12. Die Regelung deS Verhältnisses zu den ärztlichen Organisationen ist nötig. DaS Einvernehmen mit den ärztlichen Organisationen soll schon im Stadium der Vorberatung über die Grundsätze der Sozialversicherung gepflo- gen werden. 13. Tie autonome Verwaltung der Vcrsichcrungsinstitttte, die Teil- n a h in c der Arbeitgeber an der Per- waltnng und der Einfluß des Staates. Auf die autonome Verwaltung ist besonderes Gc- wicht zu legen, doch wäre es erwünscht, daß nach Tunlichkcit die direkten Mahlen im all- gemeinen Interesse und im. Interesse einer stabilen Verwaltung der Versichcrungsinsti- Inte eine Beschränkung erfahren würden. Die weiteste Autonomie bei den Bczirksstcllcn, hin- gegen für die zweite und dritte Instanz direkte Telcgicrtcnwahl aus den Verwaltungen der unteren Organismen. Tic T c i l„ a h in c d c r Arbeitgeber an der Verwaltung wäre in das Verhältnis zur Zahlung der Beiträge zu bringen, je höbcr die Bcitragsgnote der Ar- bcitgcbcr, desto stärker ihre Vertretung. Im all- gemeinen»miß die Notwendigkeit eines cntsprc- chcnden staatlichen Einflusses auf die traurigen Marsch zur Stadt darauf vor. daß sie übermütig wie richtige Rekruten in ihr auf- zogen. Tic anderen seines Jahrganges waren ver- abschiedet worden. Mallenta hatte es damals schon, nach drei Jahren, zum Feldwebel gc- bracht, und man erzählt Wunder, in welcher Gunst er bei den Herren Offizieren stünde. So war er auch in der Ferne eine wichtige Per- son und der Gegenstand mancher mütterlichen Sorge. Er kain nicht cimnal auf Urlaub heim. Ohne Unterbrechung diente er weiter. Volle zehn Jahre blieb er in der Fremde. Seine Mutter war darüber gestorben, und wenn nicht imincr Neue zu feinen» Regiinent eingerückt wären, die Kunde von ihm brachten, so wäre er für das Dorf völlig verschollen. Denn zu einem Brief schwang er sich nicht auf. An wen denn? Endlich kain er heim, den Anspruch auf eine Versorgung in» Staatsdienst in der Tasche. Er richtete sich in der Hütte seiner Mutter ein. Was er da wollte? Ja, sich anSrilhn nach der vielen Schinderei be» de»» Soldaten. Das sei keine Kleinigkeit mit all dem dummen Volk. Ob er hier zu bleiben gedenke? Kaum. Oder doch eine Zeit. Je nach dem eS ihm gefallen werde. Er hatte sich in allen du» Jahren wenig ver- ändert. Er sah sehr jung aus. Denn er hatte strohblondes, zerzaustes Haus, wie einer, der einmal da und wieder dort schläft, auch ganze Nächte durchlumpt, sich am Mühlbach wäscht und mi» den Fingern käinmt. Er hatte etwas mokrat Versichentngsinstitute hervorgehoben werden. Die Frage ist aber noch nicht gelöst, ob die Ausübung dieses staatlichen Einflusses bei der zweiten und dritten Instanz durch Ernennung von Fachleuten zur Mitwirkung an der Verwaltung oder durch direkte Bestelln»»g von Staatsbeamten zur Mitcntschcidnng(insbcson- dere bei Zuerkcnnung von Dauerrcuten und der Art der Verwaltung des Vcrinögcns) er- folgen soll. 14. Die Entscheidung über die Ver sicherungsleistungen und der Instanzen- z u g. Es hätten zu entscheiden: Die Bezirks- stellen über die Leistungen der Krankcnkasie und kurzfristige Krailkenrcntcn(nach schein Muster). Ter Rcichsvcrsichcrnngsträgcr hätte über die Invaliden- und Altersrente zu entscheiden. Instanzen kämen drei in Betracht und zwar 1. Bezirk, 2. Can, bezw. das Land, 3. das Reich. 15. Versichern ngsgerichtsbarkeit. Die Versiehe rungsgerichte wären an» Sitze der Versiehe- rungSinstiiute zu errichten. Den Versiehe- rungsgcrichten stände die Entscheidung über die auszuzahlenden Versicherungsleistungen zu. 16. Die Bedeck u n gsfragc. Der Staat wird gezwungen sein(wenigstens für den An- fang) die V e r w a l t u n g s a u ö l a g e n zu decken. Es wäre zu erwägen, welcher Alter- native einpfohlcn werden sollte und zwar ob eine Pauschalierung ckdcs staatlichen Betrages zur Deckung der Altersrenten oder eine be- stimmte Prämicnguotc für die Altersrente." Wie schon gesagt berät in» Ministers»»»» die erweiterte Fachkommission über diese Grundsätze der Regierung. Es»nuß dringcudst gefordert werden, das; die Beratungen in ein»nöglichst rasches Tempo gebracht werden. Ist ja dann noch der Weg bis zur Fertigstellung der Rc- gicrungSvorlage, Einbringung in der Ratio- nalvcrsammlung, Beratung und Beschlußfas- sling durch die Parteien ein sehr weiter. Mini- ster für soziale Fürsorge ist heilte ein Sozialdemokrat. Die arbeitende Bevölkerung erhofft und fordert dringlichst die endliche Einfüh- rung der Alters- und Invaliditätsvcrsiche- rung. Wird auch der Minister H a b r in a» n eine Enttäuschung bringen? Im Interesse der ungezählten Alten, Siechen und Jnvali- den hoffen wir, daß dies nicht der Fall sein wird. TiMS-NeMMy. Die Gemein de Wahlen in Frei- Waldau.— Eine Niederlage der K o m m u»»i st c n. AnS Troppau wird uns folgendes Ergeb- nis der Gemeindewahlen in Freiwalda», die am Sonntag stattfanden, gemeldet: Tic Man- date verteilen sich nach dem bisherigen Refill- täte folgendermaßen: 11 Tculschnationale, 8 Christlichsoziale, 8 Nationalsozialisten, 6 Sozialdemo traten und 2 K o n» in u- n i st e n. Die Sozialdemokraten haben also dreimal soviel Stimme» als die Kommunisten anf sich vereinigt. Dieser Erfolg ist umso höher au- zuschlagen, als Freiwalda» als die Hochburg der Konlinnnisten in Schlesien galt. Durch den scincrzcitigcn Itcbertritt Zorns, des bekannte- sten Vertrauensmannes der FrciwaldaucrAr- beiterschaft, von der sozialdemokratischen in die konlinuilistischc Partei, hatte die sozialdemo- kratische Bewegung in diesem Gebiete eine bc- deutende Schwächung erfahren. Das Ergeb- Zierliches von Gestalt, und man sah ihm seine »lngemcine Kraft nicht an. Darum machte es ihm Spaß, einen Raufbold erst mit Schüchtern- heit zu ermutigen, che er ihn plötzlich anfiel und niederwarf. Er hatte ein breites, fahles, bartloses Gesicht. Tie Augen aber staken voll Spitzbüberei, und welches Mädel er damit an- sah, das mußte rot werden. Dazu kanr, daß er unter den Burschen, die doch meist unter ihm gedient, einen großen Anhang hatte. Sie zogen mit»hm um. Er ließ sich jeden gefallen und wußte von ihnen alles, ohne sich einen» zu offenbare». Nachdem er seine Hütte verkauft, richtete er sich nirgends mehr ein, sondern zigeunerte nur, so wie ein richtiger Zigeuner. Und zu allerhand Nieder- trächtigkcitcn lernte er sein Gefolge an. Um keine Arbeit kümmerte er sich. Zum stetigen Baucrnwcscn taugte er nicht. Fürs Tagewerken war er sich zu gut. Er ging viel in die Stadt und zu Gericht, angeblich in feinen eigenen Sachen. In der Umgebung aber spotteten sie. Ganz Zahle»,owitz hatte der Zapletal aufgefressen. So hätten sie nur noch einen einzigen Bauern darin. Und das Dorf sei so arm, das; sie jetzt mit einem einzigen Hahn gcnllg hätten) mit Cirill Mallenta. *** Einige Zeit„ach seiner Heimkehr hatten die Beziehungen des Feldwebels zu Kajetan Za- Plctal wieder begonnen. Es hatic sich inzwischen der Großbauer zu»» andcrnnial verheiratet. ©eor* nis der Wahlen zeigt nun, daß diese Scharte jetzt schon ausgewetzt ist. Die Niederlage der Frciwaldaucr Kommnilistcn kann als ein Symptom des immer»nehr abnchmeilden Ein- flusscs der Kommunisten und ihrer Phraseo- logie aus die Arbeiterschaft angesehen»verde»». Blindgänger. Die„Frankfurter Zeitung" brachte Sonntag eine kurze Notiz, in der sie eine der wichtigsten und schwierigsten Ausga- bei» bespricht, die die„Lignidation des Krieges" am Orte der Kampshandlungen und in den Elappenräunicn hinter den beiderseitigen Fronten mit sich gebracht hat: die Sammlung und Vernichtung der allenthalben herumliegenden Munition, insbesondere die Unschäd- lichmachung der sogenannten„Blindgänger", der Geschosse, die sozusagen ihren Beruf ver- fehlt haben, indem sie nicht zur Explosion gc- langten. Die Technik der Mnnitionscrzeugung ist eben trotz aller Errungenschaften noch nicht so»vcit, das; nicht doch immer»vicder Geschosse auf den Kriegsmarkt kämen, die beim Ver- brauch versagen. Blindgänger gibt eS in jedem Kampsc. Während aber im Kampf der Waffen, im Kampf gegen Pulver und Blei und giftige Gase, der Feind nur sehr beschränkte Möglichkeit hat, die Geschvße des anderen un- schädlich zu machen, und es nicht sein Verdienst ist,»venu so und soviel„blindgcht", haben un- serc Gegner, unsere Feinde im Klassenkampf, die Möglichkeit— und sie machen davon gründlich Gebrauch— aus unseren sehr sorg- fältig monticrlc» Geschossen mit brutaler Gc- »valt Blindgänger zu machen. Sic montieren die Geschosse, während sie noch sozusagen in der Luft schweben, einfach ab, sodaß ein Kre- Pieren ausgeschlossen ist. Der Monteur, mit dem es die sozialistische Presse i» ihrem Kai,»Pf gegen den Kapitalismus und den kapitalisti- scheu Staat zu tun hat, ist der Zensor. So- bald er nur im Geringsten spürt, daß irgc»»d eines unserer Geschosse ein»vcnig Bresche in die Ordiiiing,»vie er sie»vollen soll und muß, schlagen könnte, kommt er sofort mit dem Blau- stift und montiert ab. Dabei hat er anschci- ucnd seine genauen Richtlinien. So ist zun» Beispiel die kleinste, harmloseste Notiz, die vom Militarismus handelt, schon im Vorhinein zum Blivdgängertum verurteilt. Ter Milita- risinus f in der Tschechoslowakei ein„Noli nie tang..e", ein Ding„Rühr' mich nicht an". >nd wer es»vagt, trotzdem daran zu rühren, ist unbarmherzig den» Monteur Zensor ans- geliefert. Erst Sonntag hat er»vicder abmon- ticrt, unsere SonntagS-Nummer ivurdc wegen einer Notiz„Ein Wort an die jungen Solda- tc»»" beschlagnahmt. In der Notiz, die kein Wort über den tschechoslowakischen Militarismus enthielt, stand nicht mehr und nicht»vc- nigcr, als das; die jungen Arbeiter, die jetzt als Rekruten in die Armee eingetreten sind, auch als Soldaten Sozialisten bleiben mögen. Aus diesen» Geschoß, das; doch den Bestand des tschechoslowakischen Staates»vahrlich nicht gcfähr- dct hätte,»vcnn eS auf den Boden gefallen wäre, auf den es abgezielt ivar, hat der Zeil- sor einen Blindgänger gemacht! Und dieser tüchtige Montmr ist bei einer Firma aiige- stellt, in der drei tschechische Sozial- dcmokraten sitzen. Sollen»vir, weil sie ihre Waffen rosten lassen, uns ctlva auch das Schießen abgc»vöhnci»? Die Untersuchung in der Chodancr Mord« affäre nimmt ihren Forlgang und liefert tag- lich neues Material. Der Karlsbader„Volks- »ville" berichtet darüber unter anderem Fol« Seine erste Frau hatte er rein des Geldes tvcgcn genommen, und die Kinder waren ihnen weggestorben. Nun bei Jahren und kränkelnd, freite er ganz nach seiner Wahl. Er»var allerdings wohl zu alt für sein neue? Weib. Wenn man aber viele und beständige Schmerze» hat, so liebt mau doppelt ein hüb- schcs und freundliches Gesicht, bei dessen An- blick man ihrer vergißt. Tic Beine»volltcn nicht mehr mit. Sic machten ihm ein schivercS Kreuz, und die Doktoren schmierten so an ihn» herum. Er mußte auch viele Tage z>» Bett liegen, aber sein Geist blieb frisch, und seine Geschäfte trieb er,»vie der Jüngste. Er hatte etwas gehabt und einiges crhcira- tct. Und das»var unter seiner Hand gcwach- sen durch Biehhandel und durch glückliche Spc- kulationen. Da hatten die Bauern auf sein Betreiben eine große Mälzerei gegründet,»vie sie audcrtvärts bestanden ,»nd guten Ertrag gaben. Wozu erst die Gerste verkaufen und den Deutschen den schönen Nutzen gönnen, den sie aus dem Malz zogen.— Wurde nicht jeder reich/ der am Handel damit beteiligt»var? „Wie Brüder»vollen»vir miteinander sein,»nie Brüder!" Als aber die ersten Jahre nicht gleich den großen Gewinn brachten, den man sich erhofft, als man gar Nachzahlungen for- dertc und tvirklich eintrieb, da erschraken die kleinen Leute und warfen ihre Anteile hin Zapletal aber bückte sich um jeden einzelnen und las ihn auf. Seit damals habe er Kreuz- schmerzen, spotteten die Leute, lind über Nacht»var er der alleinige Herr des Untcrneh- Seite 4. flcnbca: Es handelt sich jetzt darum, den Mör- ocr Müller zu finden und genaue Anfklä rnngen darüber zu verschaffen, wie das ge raubte Geld verteilt wurde. Freitag, den 7. rftolicr wurde Hermann-Ilvanolv, der in Wirklichkeit B i n k o v heißt, i?4 Jahre alt und Sohn eines Bürgerschnldirektors in Südsla- Wien ist, nach Chodan gebracht, Er schilderte bor dem Untersuchungsrichter Dr. H ö u i g f ch in i d t, lvic er Vau Müller aufgefordert worden fei, mit nach Chodan zu fahren, wie er das erste Mal ablehnte, aber am zweiten Samstag dach mitfuhr. Unterwegs klärte ihn Müller über fein Vorhabe» auf. I» der Nähe des Schachtes angekommen, versteckten sie sich iil ein Gestrüpp, wo Müller den Hermann- Jwanow-Binkov auf den Flangcr aufmerksam machte, der hier vorbeikommen müsse und in einer gelben Federtasche 80.0t») IL trage. Aiüllcr meinte:„Das wäre Gelb für unsere Partei: w i r>v e r d e n i h n e m p f a n g c n". Er gab dem Viukov gestoßenen Pfeffer, doch lehnte Binkov dessen Per- Wendung gab. Er meinte, Flanger könnte um das Augenlicht kommen, Straßenstaub erfülle den gleichen Zweck. Als Flangcr zu den Bei- dcit kam, rief Müller„Hände hoch!" Binkov war aber im kritischen Augenblick außerstande, Flangcr unschädlich zu machen und da der Ucberfallcnc Anstalten machte, zu entrinnen, schoß ihn Müller kurzerhand nieder, entriß ihm die Geldtasche und forderte Binkov auf, mit ihm zu fliehen. Unterwegs sagte er:„Jetzt sind wir auch noch Straßenränder geworden. Sollten wir aber verhaftet werden, dann dnr- fcn wir nicht eingestehen, daß wir Kommuni- stcn sind, sondern daß wir ans eigenem Antrieb gehandelt haben!" Wäre Hcrinann-Jlvanow- Binkov gleich das erste Mal mitgegangen, wä- rcn ihnen 80.000 IL in die Hände gefallen. Daß die Tasche gerade am Mordtage nur 24.000 K enthielt, war ihnen unbekannt. Auf den Bor- halt des Untersuchungsrichters, doch anzngc- den, woher ihnen bekannt war, daß Flangcr diesen Weg gehen müsse, erwiderte Binkov: „Ich bin Kommunist und werde niemals verraten, wer uns das gesagt hat. Lieber werde ich sterben, che ich die Chodauer Kommunisten verrate. DaS tue ich der Parle! nicht an." Binkov gab weiter an: Als er am 17. Juli früh in die Wohnung der Franzi kam, war Trizubsky bereits anwesend. Er fragte ihn, wie die Sache in Chodan gcga n gen sei, worauf Binkov erwiderte:„Fa. es ist geschehen". Dann fuhren sie nach Joachims- 1ha l, um das Geld zn verteilen. Vorher erhielt Binkov 1000 IL zum Ankauf eines Anzuges, später nochmals 1000 iL zur Flucht nach Wien. Gleichzeitig mit Hermann-Jwanow-Binkov wurden die beiden kommunistischen Agitatoren D ü r s ch in i d t und Bach m a n n ans Joa- 'chiinsthal nach Chodan gebracht. Dürschinidt ist ein gebürtiger Chodauer. Der Untersuchungsrichter fragte ihn, ob er Geld bekommen habe. Dürschinidt leugnete das, worauf ihm auf den Kopf zugesagt wurde, daß nach dem Geständnis Triznbskys D Ü r s ch in i d t und Bach in a n n von der geraubten Beute viermal je 250 K, in Summe also 1000 Kronen bekommen haben. Dürschinidt erwi- dcrtc darauf, daß es sich um Agitations- s p c s c n handelt. Dürschinidt hat nach der !»brcisc Triznbskns von Joachimsthal das Partcisckrclariat übernommen und seine erste Aufgabe darin erblickt, alle im Parteisekreta- riat befindlichen Schriften zn verbrennen. So- loohl Dürschinidt als auch Bochmann sind berufsmäßige Arbeitslose und die engsten Frcnn- de Triznbskys. Sic wurden vorige Woche ans der kommunistischen Partei ausgeschlossen, trn- gen jedoch bei der Vorführung stolz den Sowjetstern, bilden sich also noch etwas darauf ein. die kommunistische Partei in Verruf zn brin- gen. Die Behörden sind nun bestrebt, jene Personen zn ermitteln, die die beiden Mörder auf ihr Opfer aufmerksam machten. Sozialdemokrat mens, das nun durch seine Klugheit mächtig gedieh. Er lebte aber immer ganz wie ein Bauer. Ertrug die roten Lcderhosen und den runden Hut. Das erweckt Vertrauen, und man offenbart sich lieber einem seinesgleichen, als einem »Fremden. Auch war er durchaus kein Wucherer. Silber er lieh eigentlich erst dann, wenn der Schuldner schon verloren war. Er tat den letzten Hieb, der den wnrzelschwachcn Baum umwarf. Er hatte seinen Vertrauten beim Grundbuch und knickerte nicht. Er wußte von jedem, wie er stand und wie viel sein Besitz unter jeder möglichen Bedingung wert sei; wie viel im ganzen und wie viel, wenn man ihn zerschlug. Und so hatte ihm keine Miß ernte etwas an. Im Gegenteil: ein schlechtes Jahr trieb ihm manchen ins Garn, ans den er anders noch lang hätte lauern können. Ter brauchte Saatgut: der Zapletal bezog es in der besten Gute und lieh ohne Zinsen und gegen einen ganz bescheidenen Anteil an der Ernte. Der mußte seinen Vichstand verkleinern und wollte nicht verkaufen, Ivo eine Kuh nicht chesscr bezahlt wurde, als sonst ein Kalb: der Zapletal half. Gehörten ihm aber, auch nur die Hörner eines Ochsen, da war bald das ganze Tier sein. Er war ein ausgezeichneter Rechner. Und er. hate ein unerhörtes Gedächtnis. Ohne eigentliche Auszeichnungen kannte er sich in allen seinen sehr verwickelten Unternehmt!»- Deutsche Mädchen, hütet Euch vor...! In unserem Nürnberger Parteiorgan, der„Fränkischen Tagespost", lesen wir: «Der Techniker H a n s B e i>, einer der Führer der D c» t s ch v ö l k i s ch c» und N a- lionalsozialistcn(Antisemit), war am Moniag vor der Strafkammer Nürnberg we- gen Sittlichkeitsverbrecfieus, begangen an Kindern, angeklagt. Tic Verhandlung fand unter Ausschluß der Oesfcntlichkeit statt. Beb mar angeklagt, sich an einem elfjährigen Mädchen unsittlich Vergangen zn haben. Er machte mit dem Kind eine Kabnpartie am. Dntzcndtcich, dabei beging er unsittliche Handlungen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen SittlichkeitsverbrecheilS zu 0 Wonatcn Gefängnis." Wie wär's, wenn der Dnxer„Tag" und alle übrigen dcnlschgclbcn und dcntschnationalcn Blätter diese'Tatsache ihren Lesern vorsetzten, da diese Blätter doch sonst nicht laut genug von der schwarzen S ch w a ch und dem eutsitt- li ch^N Judentum sprechen können. Paul Ken— Austauschgesangener. Ans Budapest wird berichtet: Hier sind ans Ruß- land zwei Namcnslistcn eingetroffen, die sich ans den Austausch der kommunistischen Ge- fangcncn gegen die ungarischen Geiseln bezie- heu. Auf beiden Listen befindet sich der Name des im Tisza-Prozcß zum Tode verurteilten Paul Keri. Ans der französischen Partei. Die Soziali- stcn des Seinedepartemcnts haben beschlossen, für eine Nachwahl zum Munizipalrcitc in Paris nicht, wie vorgesehen, den früheren Abge- ordneten M a y c r a s, sondern einen weite- rcn Verurteilten von der schwarzen Mccrflottc. Badina, der jetzt seine Strafe verbüßt, als Kandidaten aufzustellen. Henry Barbusse, der bekanntlich bei dem Kricgsbeschädigtcnkongrcssc in Wien weilte, ist dort au einer Rippenfellentzündung erkrankt, befindet sich aber auß er Gefahr. Sckiwarzgelbc Schmerzen. Ans Wien lvird gemeldet: Die„Bereinigung der FrontkämP- fer" überreichte der Kommission zur Sicher- stellung von KriegSdelikten einen Antrag, cS möge gegen den gewesenen sozialdemokratischen Staatssekretär für Heerwesen Dr. Julius Deutsch, der im Kriege Reserveoffizier war, ans Grund seines Werkes„Militärpolitische Erinnerungen" das Verfahre n eingeleitet und das Material dem Genera lstaatsanwalte zum Zwecke der Erhebung der Anklage über- geben werden. Eine internationale FLlschcrbande. Aus Wien wird uns tclcphonicrt: Die Wiener Po- lizci ist einer internationalen Fälschcrbandc ans die Spur gekommen, die in allen Haupt- städten Europas mit gefälschten Chccks ans nicht existierende Häuser große Summen bei Banken und Privaten herausschwindelte. Der Führer der Baude ist ei» Ungar namens H o r- v a t, der unter dem Namen eines brasiliani- scheu MilitärattachecS mit gefälschten Empfch- lnngcn operierte. In Wie» hat er von einer Bank mit einem falschen Ehcck auf eine nicht existierende Niederlassung einer Lyoner Bank in Luzern gegen sieben Millionen Kronen herausgeschwindelt. Die Spure» der Bande führen auch nach Prag und Brünn. Heilte wird aus Genna telegraphiert, daß dort der Häuptling mit einer Anzahl von Komplizen verhaftet wurde. Gicßhiibl-Tancrbrnn» an Holländer der- lauft? Wie dem Karlsbader„Boltswillc" mitgeteilt wird, wurden die Kuranlagen von Gießhübl-Sanerbrunn samt allem Zubehör um den Betrag von 20 Millionen Kronen an ein holländisches Konsortium verkauft. Die Veruntreuungen in der Tcplilzer Bc- zirkskrankenlassc. Wie die Teplitzer„Freiheit" berichtet, tagte Freitag in Turn abermals eine von der sozialdemokratischen Bezirksorganisa-- tion und dem Bezirksgewerkschaftskartell ein- berufene Vertrauensmänner- Versammlung, welche den Bericht des Vorstandes der Be- zirkskrankenlässe Teplitz-Schönan über die gen aus. Und gar nicht stolz wurde er.„Mas bin ich anders, wie ein Bauer. Nur mehr Sorgen Hab ich." Man kam ihm um Rat, und er gab ihn gern und weitschweifig, wie man ihn eben hören will.„Siehst du, Bauer! So mußt du dieses machen!" Wenn das alsdann dem anderen doch zu Schaden geriet, so war Zapletal höchst erstaunt und bekümmert, ob- wohl es durchaus nicht seine Schuld war. Jeden Sonntag, wenn es ihm möglich war, ging er zur Kirche. Und wenn der Klingel- beute! ninging, so kam ein großer Augenblick. Denn der Zapletal tat immer etwas, was sonst nur noch der Graf tat: er warf immer einen blanken Silbcrgulden hinein. Die ganze Gemeinde wartete förmlich ans diesen Mo- mcnt, schielte nach dein Gulden, reckte die Hälse, ob es richtig wieder auf Zaplctals Platz feierlich und hell vorlcnchte. Das machte doch im Jähr, wenn man alle Feiertage dazu rech nete, nahe an hundert Gulden! Alle waren sie stolz auf diesen Reichen. Er aber tat kci- ncswcgs ans Protzerei so. Er fühlte sich mir in feinem Gewissen verpflichtet, seinem Gott, der ihn so reichlich gesegnet, auch wieder das Seinige zukommen zu lassen. Er fuhr oftmals zur Stadt. Aber nur, wenn er sich mit der Familie da sehen ließ, durfte die noble Britschkn mit Federn angespannt werden. Auch eigentlich nur, weil Annetschka den Korbwagen gar nicht sehen mochte, so bunt war er gemalt. Sic war eben etwas Feineres. durch den Angestellten Schönpflug verübte De- frandation entgegen nahm. Ten Bericht er- stattete Abg. Genosse C c r m a k, welcher das Ergebnis der vom AufsichtSratc eingesetzten Unterfilchungskommission mitteilte, ans wcl- chein>l. a. hervorging, daß die K a s s e Wohl schwer geschädigt, aber in ihre>n B c st a n de nicht gefährdet ist. Tics geht ins- besondere daraus hervor, daß trotz des Bcr- lnstes, den Schönpflng der Kasse zufügte, der Reservefonds von einer Million auf ganze zwei Millionen erhöht werden konnte! Die UnteisuchnngSkoinnlifsion konnte ferner fest- stellen, daß kein einziges M i t g l i c d des Personales der Bezirkskrankenkassc an dem Betrüge beteiligt ist und deshalb in die Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit des Personales nicht der geringste Zweifel gesetzt werden kann. Die Kommission stellte fest, daß die Räumlichkeiten der Kasse dem unge- hcncrcn Partcicnverkchr nicht entsprechen-, es muß an deren Ausgestaltung geschritten werden. Auch die technische Führung des großen Betriebes wird einige bedeutende Aendernn- gen erfahren müssen, fodaß ähnliche Vorkomm- nissc künftig Wohl unmöglich fein werden. Ein Postbeamter, der die Briese ausmacht. Freitag wurde auf dem Postaintc am Masa- rykbahnhof der 23jährige Postpraktikant Vre- tcSlav Pilik dabei ertappt, als er drei Briefe aus Amerika sich aneignete. Bei der Hausdurchsuchung wurden in seiner Wohnung noch 03 Briese ans Amerika vorgefunden, die schon geöffnet worden waren. Pilik gestand ein, daß er in den Briefen etwa 13 Dollar gefunden habe, welche er gegen 1300 IL umgetauscht habe. Bei ihm wurde ein Revolver und 011 Kronen gesunden, die wahrscheinlich ans einem Diebstahl herrühren. Er wurde dem Landes- strafgcrichte eingeliefert. Anspruch aus öffentliche Brolvcrsorgiing. Amtlich wird vcrlautbart: Dem Ministerium für Volkscrnährung kamen wiederholt Beschwerden zu, daß die Angehörigen bestimmter Bcvölkc- rnngskategorien von der öffentlichen Versorgung ausgeschlossen sind. Dos Mliiistcrinm erachtet es für erforderlich, neuerdings kategorisch daraus aufincrksam zu machen, daß bei Beurteilung des Anspruches auf die öffentliche Versorgung ans- schließlich sachliche Gründe gemäß den geschlichen Bestimmungen über die Regelung der össcntlichcn Versorgung mit Getreide und Mahlprodnktcn in der Wirtschastspcrivdc 1021—102? maßgebend sind/ Keineswegs aber dürfe» irgendwelche Poll- tische Rücksichten ausschlaggcbend sei». Gleich- zeitig wird im Hinblick ans die erhobenen Bc- schwachen in Erinnerung gebracht, daß in Fällen, in denen zufolge einer Ac nd cru n g in den E r w c r b S v e r h ä l t n i s s e n sich nachträglich genügend Haushalte, die Anspruch auf öffentliche Versorgung haben, melden, Über solche Gesuche mit größtmöglicher Beschleunigung entschieden werden müsse. Die Wiederaufnahme der internationalen Prcßbeziehungen. Ans Bern lvird gemeldet: Der kürzlich ncngcwähltc Vorstand des Vcr- eines der schweizerischen Presse stimmte in seiner ersten Sitzung der Wiederaufnahme der internationalen Prcssebcziehnngcn zn, wobei sich die einstimmige Auffassung kundgab, daß dieses Ziel durch die Wiederbelebung belli n i o» Internationale in Paris anzustreben sei. Die neue» sozialpolitischen Gesetze sind in dem soeben erschienenen Hefte Nr. 10 des„Präger Archiv für Gesetzgebung und Rechtsprechung" enthalten. Das Heft enthält das Gesetz über die Betriobsausschüssc, die Novelle zum Pcnsionsvcr sichcrungSgcsctzc(mit Erläuterungen), die Novelle zum UnsallvcrsichcriingSgcsctzc(mit Bemerkungen), die Gesetze über die Arbcitsloscnnntcr- stühnng, das Gesetz gegen den Terror(mit Bc- Merklingen),, die Novelle zum Gesetze über die Teilnahme der beim Bergbau Beschäftigten an der Grubenvcrwaltiing, den Erlaß des Ministeriums für soziale Fürsorge über die Krankender- sichernng der Heimarbeiter und der landwirt- schaftliche!! Arbeiter. Bestellungen beim Verlage des„Präger Archiv", Prag, Panska 12. Preis deS Heftes 6.— Isch. Kr. Gewerkschaften und Vereine erhalten bei Bestellungen von mehr als 10 Exemplaren 25% Rabatt. das Kind. Und man wollte doch auch höher mit ihr hinaus. To was merkt ein Fratz gar bat». Und wenn sie zwischen den Eltern saß, dcnr hageren, erregten und immer von Plänen übersprudelnden Vater, dem sie so spät geschenkt w-rdcn war, so spät, daß wie eine Uebcrraschnng und ei» Wunder gewesen, und der schönen, ernsthaften Mutter, die breit wie eine rechte Bäuerin ihren Platz füllte, und ihr blondes Haar flog, und sie klatschte in die Hündchen, und»ahm gar für ein kurzes und völlig ebenes Stückchen das Lcitscil und guckte sich selig nach den beiden um, so suhlte Kajetan Zapletal sein ganzes Glück. Eins fehlte dazu. Er strebte es mit der Zähigkeit eines Bauern und der Qxbaxmun^-- losigkeit eines Menschen an, der da weiß, daß man mit Ruhe und Bedacht manche? erreichen kann, das Hastigeren unzugänglich bleibt. Auch das anscheinend Unmögliche. Es war eine Phantasterei. Und niemand wußte darum, nur Annetschka, die sie nicht verstand, und Wallcnta, der ihn begriff. Er haßte den Gutsherrn. Ohne eigentlichen Grund, denn der Graf>var gutmütig und ahnte in seinem nradligen Selbstgefühl sicher- lich nichts von diesem Groll, der da gegen ihn minicrte. Er hatte dem Bauern wahrhaftig nichts zuleide getan. .' lFortsetznng folgt). lt. atobex 1921. Sprechende Filme. Photophon wird die gcniale schwedische Erfindung genannt, die die pholvgrapbische Wiedergabe der-Handlung und Bewegung mit der phonographischeii Wiedergabe der Stimme vereinigt. Wie d>e..TltNeS beruh- lc», rechnet man vorerst mit dem^.crt dieser Er- sindnng mehr a»f dem Gebiete der Ausnahmen historischer Ereignisse, denn ans dem AeSicw d S Kiuvwesens. Der staunenswerte Erfolg des y-itms als Unterhaltungsinillcl ist darauf znrnckzn- führen, daß das photographische Bild eine int«- nationale Sprache führt. Hingegen kann ein sprechender Film nur von emcm Publikum vel- standen werden, das der Sprache des Films kun- dig ist. Ader die Erfindung des Phvtophons de- sitzt insofern einen unschätzbaren Wert, als he crinöglicht, daß die Reden und die äußere Erscheinung berühmter Männer und grauen dauernd erhalten werde». Ein echt Pilsen« Amerikaner. Am ürotirng, den 3. Oktober, fand auf der Sophienmsel eine Unterhaltung der Präger Köche statt und dabei erregte ein junaer Mann die Aufmerksamkeit, der sich für einen Amerikaner ausgab, von Amerika erzählte und mit Dollars protzte. Der junge Mann unterhielt sich vortrefflich, tanzte ununterbrochen und schenkte den Musikern 2000 Kronen und es erweckte auch keinen Verdacht, als er sich mit einer 50-Kroncnnote die-Nase ab- wischte, denn die-Anwesenden waren alle der einheitlichen Meinung, daß ein reicher Ameri- kancr sich alles erlauben könne. Gegen morgen bestellte der Amerikaner ein Automobil und führte zuerst alle seine Tischgcnosscn nachhausc, dann aber ließ er jeden nachhause führen, der ihn darum ersuchte. Um ein wenig nüchterner zu werden, begab sich der Amerikaner mit einigen Personen im Automobil auf den Weißen Berg und dann fuhr er noch ins Case Astoria auf dcni Obstmarkt, wo er Champagner kredenzen ließ. Von dem freigebigen Amerikaner und seinem Auftreten bei der Unterhaltung der Köche erfuhr aber der Bczirksinspcktor Bubnik, dem dieses vcr- schwenderische-Austreten verdächtig vorkam. Er konstatierte, daß der Amerikaner m einem Hotel auf der Slllstadt wohne und als dieser am Mittwoch in der-Nacht mit einem-Automobil zum Hotel kam, verhaftete er ihn. Bei dem Unbekann- ten wurde ein scharf geladener Browning vorge- sunden und weiter? der Betrag von 7000 Kronen und 4 Dollars. Außerdem wurden bei ihm vcr- schiedenc Dokumente ans den Namen des Schnei- der! Albert P c ck a ans Ekcvcland vorgefunden und ans Grund deren festgestellt, daß das Geld von einem Diebstahl herrühre. Ter Verhaftete entpuppte sich als der 21 Fahre alte Schlosser Wilhelm P n c c l i k au» Pilsen, der über- Haupt niemals in Amerika war. Nach längerem Leugnen gestand Pucclik, daß er in der Nacht aus den 3. Oktober dem genannten Pccka im Hotel Start in Königgrätz, wo er mit ihm zusammen übernachtet hatte, 20.000 Kronen, 30 Dollar, 1 goldene Uhr mit Kette, 1 goldene Busennadel und Scidcnwäschc gestohlen habe. Bis ans das Geld wurden diese Sachen bei ihm vor- gesunden. Den größten Teil des Geldes hat Pn> celik innerhalb zweier Tage angebracht, um die Tollars wurde er bcstohlen, als er nämlich mit den Gasten im Automobil fuhr, zogen sie sie ihm ans der Tasche heraus. Darum wurde auch ein Kellner ans dem Kaffeehaus Astoria verhaftet, dem der Diebstahl der Dollars nachgewiesen wurde.. Pucelik trat sehr frech ans, und wie sehr ihm die Leute glaubten, davon zeugt der Um- stand, daß ein Zahntechniker, dem gegenüber er sich beschwerte, daß die Tschechen den Amerikanern gegenüber kein Entgegenkommen zeigen, ihn zu sich zum Nachtmahl einlud, das seine Frau eigen- händig zubereitete und dem A m e. r i k a n c r echt tschechischen Kaffee und Buchtel n vorsetzte. Pucclik wurde dem Strafgerichte eingeliefert und alle Besucher des Balls der Köche werden lange an ihn denken. FdcniilätSnachweiS bei FahrpreiSermäßigllN' gen. DaS Eisenbahnministerium macht darauf aufmerksam, daß jene Personen, denen eine An- Weisung für freie oder ermäßigte Fahrt zuerkannt: Wurde, welche den Ausdruck trägt„Prokazati sc", verpflichtet sind, den Revisionsorganen ihre Identität mittels Photographic nachzuweisen. Reisende, die diesen Nachweis nicht erbringen können, sind verpflichtet, den vollen Fahrpreis zn entrichten. ZligSziisammenstoß am Bodcnbachcr Bahnhos. Samstag vormittags ereignete sich ans dan nördlichen Gelände des Bodcnbachcr Bahnhof-Ter- raüis ein Zusammenstoß zwischen dem von Dres- den kommenden Personenzug und einer rangierenden Laslzngsgarniinr. Der Personenzug fuhr durch falsche Wcichcnstellung in die Lastzngsgarni- tur hinein, zerspaltete die Garnitur und verursachte die Zertrümmerung von 3 Eisenbahnwagen des Lastzuges. Der dritte zerstörte Waggon' war ein Topsivage» mit Schwefelsäure. Durch einen Gliicksnmstand ist die Zertrümmerung des Wagens ans dem(Gelände des Bahnhofes südlich der Brücke geschehen, sodaß die auslaufende• Säure niemanden verletzt hat, wie überhaupt trotz der ganz bedeutenden Materialschäden des Zugszusammciistosies und trotz der Wucht de? Anpralles niemand zu Schaden kam. Die Ursache dc»_ Zusammenstoßes liegt in der falschen Weichenslellung beim Lastzüge. Ein Waggon deS Lastzuges wurde durch den Anprall aus dem Ge- leise gehoben und über den Abhang des Bahn- dammcs hiuausgeschlcudcrt. Schadens»!« in der Leilmcrih« Akticiiziegelei. Fn der großen Lcitmcriper Akticiiziegelei brach sanistag vormittags in der offenen Feldscheuer der Ockonomie ein Schadenfeuer aus. Dan Feuer rieten die Strohvorräte der Gesellschaft und Kvei Wagen zum Opfer. Die stehengebliebenen Pfeiler mußten umgeworfen werden. Das anstoßende Gctreidcmagazin mit dem dort lagernden Getreide konnte gerettet werde». lieber die Ursache des Brandes bestehen nur Vermutungen. Tic Windstillc crinöglichie die Lokalisierung. Im Ziegeleibetricbc Ivnrde durch de» Brand keine Störung verursacht. Zc»l-akverbn»d der Angestellte» in Industrie, Handel und Verkehr, Ortsgruppe Prag. Don- nerSiag, um halb 8 Uhr abends im Verein beut- scher Arbeiter wAHtige AnSschußsitzung.