t- Ichrglmg. Nr. M Donuersiag, iZ. Oktober 1921- Zentralorgan verdeutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik. Redaktion und Verwaltung: Prag II.. Havlikkovo«Sm. N>.> Ein^IpreiS 70 Heller. Be,u«»bedin gun„e»: Bei gustellunq in« San« oder bei Be,uq durch die Post monatlich IG'- Kc, Telefon 6795, nachts 6797. Telegramm-Adresie: Sozialdemokrat Prag, vierteljahrlich 4S'— KL, halbjahrig 96 1— Kc, gannSbria 192 Kc. Für DentlchSsterreich monatlich 120- öK, für Teutschland 16'— k. Postsparkassakonto 67544. I Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. Die Rede ihre« Führer«. Dr. Lodgman hat am Montag in WarnS- darf über Ziel und Taktik der dentschbürger- Hchen Politik gesprochen. Er ist der bisherige Vorsitzende des Deutschen Parlamentarischen Verbandes, es lommt seinen Ausführungen also schon deshalb eine größere Bedeutung zu, als den Reden anderer deutschbürgerlicher Ab- geordneten. Aber auch seine bessere Vergangenheit und sein eine Zeitlang unstreitig an den Tag gelegtes Bestreben, sich von den durch- schnittlichcn und leider so dicht gesäten deutsch- nationalen Wald- und Wicsenpolitikcrn vor- teilhast zu unterscheiden, sichern ihm eine grö- ßerc Aufmerksamkeit, wozu in diesem Falle noch kommt, daß man darauf begierig sein konnte, zu erfahren, was der Repräsentant und Führer des Deutschen Parlamentarischen Verbandes zwei Tage nach dem ruhmlosen Ab- schluß eines ebenso unrühmlichen Kapitels der dcntfchbürgerlichen Politik über die künftige Taktik der von ihm geistig zu führenden Parteigruppen zu sagen habe. WaS nun aber Herr Dr. Lodgman in seiner zweistündigen und wie der Bericht versichert, mit stürmischem Beifall aufgenommenen Rede sagte, rechtfertigt diese Erwartungen nicht, erweist nicht, daß die letzte Blamage der deutschbürgerlichen Politiker ihm als Quelle zur Gewinnung neuer Erkenntnis diente, es bestärkte vielmehr die Meinung, daß er im Haschen nach Popularität um billiger Augenblickserfolge willen, Ernst und Verant- mortlichkcit opfert und immer mehr in die Niederungen nationalistischer Schlagwortpoli-- tik herabsteigt. Wir meinen hier nicht gewisse witzig sein sollende Einfälle, die Dr. Lodgman auf Köllen der Wahrheit seinen Zuhörern als Würze oorsctztc, auch nicht die kleineren und gröhe- "en Entgleisungen von der geschichtlichen Wahrheit, die er zu seiner Beweisführung für notwendig hielt. Denn was verschlägt eS, wenn Dr. Lodgman witzelnd den Sozialismus niit Masern oder Scharlach vergleicht und seine Zuhöret damit tröstet, daß„die schon wieder vorübergehen werden", oder was macht es »uS, wenn ihn alte, liebgcwordene Scheuklap- Pen zu der Meinung bringen, der tschechische Staat sei nicht so„organisch gewachsen, wie eS Oesterreich war", was lediglich das Staunen darüber weckt, wieso er es fertig bringt, die Zusantmcnhciralung Oesterreichs als organi- schcs Wachstum aufzufassen. Die Bedenken, die seine Rede weckt, liegen tiefer und sind darin zu suchen, daß er sich in der Verärgerung "der die Mißerfolge der deutfchbürgerlichen Politik immer mehr zum Wortführer jener nichtSalSradikalen Freibeuter rückwärts ent« wickelt, deren vernunstsloseS Treiben dem Deutschen parlamentarischen Verbände bereits einigcniale verhängnisvoll geworden ist. ES entspricht ganz dem Geiste dieser Freischar, wenn De. Lodgman die Absichten der Gcmä- ßigten unter den Deutfchbürgerlichen, mit den Tschechen zu einer Verständigung zu gelangen, dadurch zu diskreditieren sucht, daß er sie wiederholt verächtlich als„Anbiederung" und„Nachlaufen" bezeichnet. Ganz in diesem Geiste ist eS auch, wenn er auf die„Zukunft" Ivartet, alles nur von ihr erhofft, die Gegen- wart und die nun einmal bestehenden geschicht« lichen Tatsachen Übersicht, mtS Prestigegründen, weil die Tschechen daraus falsche Schlüsse ziehen könnten, davon abrät, sich jetzt schon den Kopf mit der Frage der Lösung des nationalen Problems zu zerbrechen, denn nach Meinung der Katastrophenpolitiker, in deren Fahrwasser Lodgman geraten ist, wird alles schon von selbst kommen. Das drückt cc so aus:„Nicht dadurch können wir dem SelbstbcstimmungSrechte zunt Durchbruchc verhelfen, daß wir uns bemühen, der Gegenseite mit irgendwelchen Anträgen nachzulaufen, sondern dadurch, daß wir durch eine hartnäckige Opposition den Tschechen be- Die Konferenz von Venedig. Sfterreich oerlangt die Entfernung der Banden. Beginn der Verhandlungen. Venedig, 11. Oktober.(Stcfani.) Die öfter- rcichischc und die ungarische Abordnung, die über Einladung des Ministers des Aeuße- ren hierhergekommen waren, sind im Gebäude der Präfcktur zusammengetreten. Nachdem Minister Marchcsc della Torretta ihnen seinen Willkommgruß entboten hatte, legte er den Zweck der Zusammenkunft und jeder der Missio- neu ihren Standpunkt dar. Die Bcsprechun- gen führten zu einem Einvernehinen über die Notwendigkeit, vor allem die praktischen Maß- nahmen ins Auge zu fassen, die zur Sicherung der Durchführung der Beschlüsse zu ergreifen seien, zu denen man wird gelangen können. Marchese della Toretta führt die VerHand- lungen. Venedig, 12. Oktober.(K. B.) Die VerHand- lungen in der Eröffnungssitzung wurden ge- trennt geführt, indem der italienische Minister des Aenßern Marchese della Toretta vorerst mit der österreichischen und sodann mit der un- garischen Delegation eingehende Bcsprechun» gen Pflog. Tie österreichische Delegation be- tonte in ihren Ausführungen in nachdrücklicher Weise den durch die Friedensverträge und die Entscheidungen der Botschaftcrkonfercnz beste- hendcn Rechtsanspruch und schilderte sodann eingehend die gegenwärtige Lage im Burgen- lande, wobei die Verschlechterung der Situation in den letzten Wochen festgestellt wurde. Die österreichische Delegation legte ausführlich ihren Standpunkt dahin dar, daß nicht Oester- reich irgendwelche Konzessionen machen könne, sondern daß Oesterreich der ungestörte Erwerb und Besitz des Burgcnlandcs, vor allem also • die Befreiung des Landes von den Banden zu garantieren wäre. Zu diesem Zwecke arbeitete die ungarische Delegation Vorschläge aus. Die Beratungen wurden heute noch nicht abge- schlössen, sondern finden nwrgc» ihre Fortsetzung. Die Rückkehr des Bundeskanzlers Echo- der nach Wien dürfte Freitag früh erfolgen. Die Lage an der„Bnrgenlandfront". Wien, 12. Oktober.(Eigenbericht deS„Sozialdemokrat".) Die Lage an der burgcnlän- dischcn Grenze ist heute ruhig. An einzelnen Orten, namentlich in Pinkafcld werden noch immer Schützengräben ausgehoben, und die' Bewohner von Banden terrorisiert. In der Nacht von Sonntag auf Montag gelang eS Banditen in das ärarischc Elektrizitätswerk in Bruck a. L. einzudringen. Sie erbrachen sämt- liche Schreibtische, wo sie offenbar Geld vcrmu- teten und trugen weg, was sie konnten. Der frühere Leiter, des Werkes ist am Tage vorher unter den Banden bemerkt worden. Er hat sie ossenbar hingeführt. Magyarische Banditenpropaganda in Wien. Wien, 12. Oktober.(Tsch. Pb.) Heute wurde in Wien ein monarchistisches Flug- blatt ausgegeben. Es enthält die offene Aufforderung an dir österreichischen Solda- ten, auf die Magyaren nicht zu schießen, sondern zu ihnen überzugchen. Die Entente gegen Horthh— Subkommissionen. Graz, 11. Oktober.(Tsch. P. 33.) Die„Grazer Tagespost" meldet anü Belgrad: Die jugo- slawische Regierung hat den Vertretern der Großmächte eine Note betreffend die nngari- scheu Greueltaten in den evakuierten Ge- bieten der B a r a n h a überreicht. Der eng- lische Gesandte hat in Budapest in dcrsel- ben Angelegenheit einen Schritt unternom- men und ein für die ungarische Regierung sehr belastendes Material vorgelegt. Wie aus Parts gemeldet wird, hat der Oberste Rat i.^ u b k o m m i s s i o n gebildet, die aus je einem diplomatischen und einem militärischen Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens besteht und nach der Baranya reisen wird, um die Beschuldigungen der jugo- slawischen Regierung zu prüfen. Dieselbe Kommission wird auch im Burgenlaudc eine Untersuchung durchführen. weisen, daß wir nicht willens sind, nnS eine derartige Behandlung gefallen zu lassen, wie sie unö heute zuteil Eine solche Betrachtungsweise hat unstrettig den Vorzug für sich, daß sie sehr bequem ist, aber man fragt sich vergebens, was das Wort von der„hartnäcki- gen Opposition" bedeuten soll. Die entzückten Besucher der Lodgmanversammlung mögen über die rethorische Kraftleistung und Strommheit des Redners sehr erfreut gewesen sein, aber Herr Dr.Lodgman glaubt selbst nicht daran, daß die„hartnäckige Opposition" der Nationalverbändler das Selbstbestimmungs- recht bringen werde, denn einschränkend spricht er zum Schlüsse nur davon, daß diese hart- nackige Opposition de» Tschechen beweisen soll, daß„wir nicht willens sind" u. s. w. Den Tschechen„beweisen" oder„zeigen", wie der gangbarere Ausdruck lautet, das wirkt in dcntschnationalen Versammlungen immer sehr dekorativ, denn welcher von den Unentwegten würde nicht rascher seine Pulse schlagen füh- lcn, wenn an ihn in getragener Rede die Auf- forderung ergeht, es„den Tschechen zu zeigen"! Das erfreut und begeistert jedes dcutschnatio- nale Jünglingöherz, aber der verantwortlich- Führer des deutschen Bürgertums sollte sich über die Wirkung einer solchen an die Instinkte appellierenden radikalen Schlagwortpolitik im Klaren sein. Sie„zeigten" eS den Tschechen, als sie die deutschen Rekruten zum Nichtein- ruac» aufforderten, doch die Rekruten schätzten die Machtverhältnisse besser ein als die deutschbürgerlichen Politiker und sie verhalfcn ihnen zu einem Mißerfolg, indem sie ungeachtet der Parole einrückten. Die Herren um Lodgman„zeigten" es der tschechischen Regierung wcitcrs bei der Telephonanleihe,«ber auch hier war der einzige Erfolg eine böse Blamage. Und sie„zeigten" eS den Tschechen erst recht bei dem Auszüge aus dem Parka- mcnt, WaS die Wirkung hervorrief, daß sie nun mit schmerzenden Köpfen ohne den geringsten Erfolg zurückkehren müssen. Die Erfolge der hartnäckigen Opposition der Parlamcntsvcr- bändler sind also solche, daß sie die Hoffnung, es könnte das Selbstbcstimmungsrccht durch ihre taktischen Maßnahmen errungen werden, gewaltig herabmindert. Bisher bestanden die Wirkungen jener nationalistischen Treibereien, die Lodgman mit wohlwollender Umschreibung als„hartnäckige Opposition" bezeichnet, darin, daß sie den Widerstand und die Unvernunft auch auf der Gegenseite steigerten und dadurch das Erstarken jener Gruppen unter den tschechischen Parteien verhinderten, welche Gegner der Machtpolitik sind und einer baldigen Bcr- ständigung mit den Deutschen das Wort reden. Herr Dr. Lodgmau braucht auf die Lorbec- ren, die ihm in der Warnsdorf«! Versammlung zuteil wurden, nicht stolz zu sein, denn die sind billig zu haben. Der Weg, den er zu gehen ablehnte, ist freilich ein schwerer, vielleicht sogar ein dornenvoller. Er erfordert weniger schneidigen Elan, dafür umso mehr unermüdliche Arbeit. Dennoch könnte man erwarten, daß er nach den Erfahrungen, die\ ihm der Radikalismus seiner engeren Partei- freande bereitete, zu seiner besseren Bergan- genheit zurückkehrt und erkennt, daß es ein schlechtes Beginnen ist. geschichtliche Tatsachen abzulehnen und die giftgcschwängerte Atmos- phäre noch mehr zu vergifte». .___"• Schlächter,-r de» Kapitalismus. Wer Augen hat zu schauen, der sieht, wie die grimme Nemesis hcranschreitct und die Rechnung präsentiert. Acht Jahre lang hat sie geduldig Posten für Posten mit dem warmen Herzblut Huiidcrttausender auf die dunkelsten Blätter ihres grausen Buches vertragen. Ihr Maß ist voll, sie fordert Bezahlung. Was seit Monaten in Pole» und was jetzt mit ateniraubendcr Beschleunigung in Wien vor sich geht, sind vielleicht die ersten Etappen des bürgerlichen Znsam- menbruches, ein erstes flammendes Mene Tckel, daß die kleine» Mittelchen des Bau- keroücnrs nicht mehr verfangen wollen und ebensowenig wissenschaftliche Erkenntnisse als einziger Trost. Die Volkswirtschaft- liche Einsicht, daß niit d-m Wachstum der Einfuhr: über die Ausfuhrziffer der Geld- wert eines Landes fallen müsse und daß sich im Sinken der Valuta das mangelnde Ver- trauen der kapitalistischen Welt Wieder» spiegle, ist vor lauter Wiederholung eine Binsenwahrheit geworden. Heute gilt eS nicht mehr zu erklären, wie es ward, heut« steht vor den Polen und Dcutschösterreichern die brennende Frage:„Was nun?" und ' Hunger und Not drohen aus ihren hohlen Augen. Die Wiener wolle,, sich nicht län» gcr mit Kreditvcrsprechungcu und tropfen» weisen Aushilfen narren lassen und die Wechsel auf lange Sicht, welche ihnen dt« Nationalökonomen ausstellen, bis einmal durch eine großzügige Sanierungöaltion die Produltion geregelt fein werde, taugen Leuten wenig, die nichts zu beißen und nichts anzuziehen haben. Gewiß sind die Angstläufe unvernünftig die Zug um Zug in die Geschäfte locken und die vergessenen Hamstcrsahrtcn der Kriegs» zeit neu beleben, gewiß hat das Einlagern der Kohle, von Erdäpfeln, Zucker und Mehl leinen anderen praktischen Erfolg, als di- Preise in die Höhe schnellen zu macheu. Aber die Verzweiflung war von jeher Er» wägungen der Vernunft unzugänglich, auch diesmal sieht sie nur, wie Scharen Frem- der die Not Wiens cmsbcutcn. um mit ihrem hochwertigen Geld die letzten Waren der unglücklichen Stadt aufzukaufen-, wie Schie- ber und Wucherer di« wertlosen Kronen mit vollen Händen auf den Markt werfen und dafür alles Wertvolle aus der Konkurs- «nasse Wiens zusammenrassen. „Nett?, waS du Netten kannst!" ist an- gesichtS dieses Schcmdtreibcns der Reichen und Großen der Wahlspruch jedes einzel» »en geworden, und wie der Abbrändler au? dem brennenden Hause stolz den Kanaricn- baucr hinausträgt, so beult jetzt auch der Wiener nur an die allernächste Viertelstunde, tut daS Unnötigste von der Welt und un- tcrgräbt dadurch seinem baufälligen Heim den ohnedies unterhöhlten Poden noch mehr. So wird die tolle Geldflucht zur hoffnungslosen Abkehr vom eigenen Staate und weil dem aberwitzigen Beginnen kein ordnendes Prinzip mehr zugrunde liegt, keine Hemmung entgegensteht, drohen an seinem Ende ChaoS und Anarchie. Wien und neben ihm Polen, dessen Schick- sal sich langsamer, aber stetig in den gl-i- chen Babnen zu vollziehen erhebt, sind heute die dunkelsten Posten im Schuldkonto des EntentelavitalismuS. Den einen Staat schuf er gegen alle natürlichen Voraus- fetzungeu, den anderen lenkte ex vom Wege feiner natürlichen Entwicklung ab. indem er ihm die nicht zu bewältigende Aufgabe zuwies, zugleich gegen Deutschland und Rußland den militärischen Vorposten zu Seite 2. bilden.?Nc!>! tili zufällig-:», sondern an den wesenhaft falschen Poraussctzimgeu ihrer Existenz gehen also die beiden Staaten;u stunde»nd der Kapitalismus ist unfähig, ihnen zu helfen. Müsfte er dach vorher sich selbst negiere» und, auf Prosit und Ans liützung aufgebaut, auf v"snhrc hinaus ohne sichtbare» Nutze» arbeiten. Nun wirst er, weil ihn das aut ivenigsten zu losten scheint, das obersehlesische Industriegebiet in den Holnischen Brand. Weich trostloses Begin ne»! Welch aberwitzige Zerstörung eines kapitalistischen Präzisionswerkeö, die nankende lapitalisiiscli-iinperinlistiscite Machtposition gegen tünsiland lind Deutschland zn stärken! Was ivird geschehen, wenn Polens wirtschaftliche Planlosigkeit ancli mit diesem Finne! vernünftiger Plnnwirtschas! fertig geworden sein wird? Wenn im ver- zweifelnden Wien, im erschreckten Graz das Lumpenproletariat die Herrschast der Strohe an sich reist! und alle im schaffen ermöglichenden Werte zerstört? Wenn die Arbeitslosigkeit in aller Welt, im reichen England, im übersättigte» Amerika wächst und die mächtigsten Staaten sich ge- zwungcn sehen, eitle Stundung ihrer Schul- den anzustreben? Der Ä apitalisntus bleibt die Antwort schuldig. Er legt nur nach Bnnkrotteurart seine letzten Goldstücke ans den Roulettentisch der europäischen Politik. Antwort geben kann nur der Sozialismus. Er zeigt am Ende der Jnterestenvolitik, am Ende der kleinlichen Eintreibung verfalle- ner Schulden das Chaos auf und lehrt, mit der Fülle schöpferischer Kräfte, mit der Fülle von Produktionsmitteln, welche die Menschheit auch heute»och ihr eigen nennt, eine neue, starke Welt aufzubauen. Sozialdemokrat Die Teilung Zberschlesieus. Eftchiittemug des Kabinetts Wirth. 3ttM. Generalversammlung des ischechojlowalischen Nationalrats. Am 28. Oktober findet nach einer Meldung, die wir dem„Prcwo Lid»" ent- nehmen, die Generalversammlung des Ischecho- slowakischen Nationalrates stall. Man erwartet eine rege Beteiligung ans Böhmen, Mab- reit, Schlesien, der Slowakei, Karpathorußland und beut Auslände. Fit der Gciicralvcrsamm- lttng tvird vor allem über die Erfolge und Ar- beit der Zentrale Prag und der Sektionen Brün», Troppau, Preßburg und llzhorod sowie über die nationale Arbeit der Ausland- tschechen referiert werden. Recht sonderbar niiniiit sich die Aiifforderiing im„Pravo Lidn" ans, daß es erwünscht wäre, diesen Tag auch außerhalb Prags durch g e in e i n s a m o II in- Züge ohne Unterschied der Partei zu feiern. Nähere Weisungen wird der Nationalrat noch erteilen. Und so wird matt erleben, daß die „revolutionäre" tschechisch" Sozialdemokratie einen Tag im Fahr ihr Klastenkcimpfprogrcnmn ans den Nagel hängt und sich in Gemeinschaft mit Agrariern, Klerikalen und Bourgeois ver- gniigett wird. Gcsetzcrcforin. Im Justizministerium wird an einer Reforni der verschiedenartigsten Gesetz- komplexe gearbeitet. Nach der Neukodifizierung oes Strafrechtes und der Strafprozeßordnung, ntcr die w.e schon kurz derichi?- hzr-.n, gel» dc.6 Iiistizmiiiistiviii!» an eine Reform des bürgerlichen Gesetzbuches. An dieser Reform arbeiten fünf Kommissionen, und zwar drei tschechische und zwei deutsche. Es sind dies die Kotnmissioit Professor Svoboda für das Erbrecht, die Kommission Professor Kre- mar für den allgemeinen Teil des & ii rgcrlichcn Gesctzbuche s, die Kom- missio» Profcstor Kafka für das Fami- ' i e ii und E h c r e ch t, die Kommission Professor Weiß für das Obligationen- : c ch t und die Kommission Professor S t i e- i c r für das Sachenrecht. Die Arbeiten dieser Kommissionen sind schon so weit vorge- schrillen, daß die erste Redaktion der Entwürfe bis Ende dieses Jahres fertig sein dürfte, so daß wahrscheinlich schon int Frühjahr die voll- indeten Entwürfe dem Parlamente vorgelegt «erden können. Das Justizministerinm bereitet lerner eine tt c tt c G ru n dbu ch s o r d- du it g vor. ES tvird ferner an der definitiven kledaktion der E x e k u t i o n s o r d n u n g ge- Arbeitet. Speziell bei diesem Gesetze müssen die lngarischen und österreichischen Gesetze ancin- »ndcr angepaßt werden. In der Zivilpro- seßordnung werden ebenfalls Reformen wrgcnommen. Die Todeserklärung und Ent- »iiiidung sinjb durch österreichische und unga- fische Gesetze geregelt, die oft wesentlich ver- chiedene Bestimmungen enthalten. Diese müs- ru beseitigt und durch neue erseht werden. Leiters arbeitet das Ministerium an einer de- knitiven A d v o k a t e n o r d n« n g. Eine An- iaht Gesetzentwürfe liegt bereits dem Paria- jtcittc vor, so das A u t o r e n r c ch t, der Entwurf über das Verlagsrecht und das Gesetz ber die F i d c i k o m m i s s e. Auch bezüglich jer Reform des Handelsrechtes, sind Justizministerium vorbereitende. Arbeiten geleitet worden. Beim W c chs e l r e ch t clt es sich um die Vereinheitlichung des- n. Hier liegt ein Antrag Dr. Ra'sinS lote. Ebenso wie für dieses wurde auch für das ewe Sonjerqiz wm**, Bvioub und Llovd George sind einig. der nüchternen Erwägung der Tatsachen leiten c!T-■ „icut|(iic.!llg., iCitimg meldet NN'..^bN-i^ demokratischen Minister verlangen, daß das don: Dac- englische Auswärtige Amt c t= j.^ a bj lt ctt die Demission gebe. Wenn die Eni- klärl das in Berlin verbreitete Gerücht, wo-! sttyeiditttg über Oberschlesien für Deutschland nach England beabsichtigen fall, einer de»ist, ungünstig sein sollte, wie es nach den bis- Polen günstigen Lösung da aberschlesischsn herigen Meldungen den Anschein hat, will das Frage Widerstand entgegenzusetzen, für j ATn b i tt c tt zurücktreten, da es die Erfüllung durchaus»»begründe«. Amtlich wird-r- des Wiedergtttniachttttgsultimatuinsntchtttber. Briand und Lloyd Georg- hätten nehmett zppkannen glaubt. Auch dt- Vertreter !--ie na,II Böl-! der Fiidiistrtelle» haben erklart, daß sie ibr Kreditangebot zurückziehen, da sie es unter den llnr sicii darüber verständigt, das; die vam irrbnnde nelrossene Entscheidung BonReiben j ncfle6cnci t; Verhältnissen fiir nicht erfüllbar an- Machten gebilligt werden sali,.lunlich wird j.„stißten. Die sozialdemokratische P a r- ferner betont, daß jeder seitens Deutsch-!,^^ner Besprechung mit dem fand nniernammene Versuch, düng de-? Völkerbundes mit gegenznlrclen, ebenfalls mit hindert werde» sali. ...», i... hat in eiltet Bes, die Entschet-! Reichspräsidenten und dem Reichskanzler vor Gewalt c„t-> übereilten Schritten gewarnt und geraten, Gewalt vcr-' zunächst eine offizielle Mitteilung der Be- I schlösse des Pölkerbnndrates abzuwarten. Bon . der demokratische Presse bewahrt nur die Gerüchte über die Grenze.!„P o s s i s ch e Z c i t tt tt g" die Rttlie. Fhr Gens, 11 Oktober.(Wolfs.) Wenn man den- Ehesredaklenr Georg Bernhardt sagt, die Ent- hier vorliegenden, natürlich rein privaten. In-! scheidung über die Schritte d-e zu unierne i- !..NIIal!oiI,.I»>.»«-» I-»». d-m,"nd.& '-----> mchr tili 3'ccifct«--üb» um«.««II«7,&,!! i|l:„3 n- 5 4 I«-»1 1 i»• der Bolkerbundrat tatsächlich die~ eil tt tt 9 i„„„^«. nmß zunächst damit gerechnet OberschlesienS und zwar auch des In du-1 merbeu, daß die Entscheidung feststeht und daß str iege biete s beschlossen bat. Ueber die. six für Teutschland wenig günstig ist. Dürfen dem Obersten Rate vorzuschlagende Grenz-: mir uns deshalb der Verzweiflung überlasten linie ist naturgemäß nichts Sicheres und nichts- und aufhören, vernünftige und nüchterne Po- Eiidgnltiaes zu erfahren. In Kreisen, die dem I litik zu treibe» und die Katastrophe, die durch Völlerbnndrate nabesteheit, verlautet aber mit die Annahme des Ultimatums vermieden war- Bestimmtheit, daß die Grenze ein K o m p r o- den ist selbst herbeiführen wollen? Wenn die • c.; f j-,'„^„ ,3; f..,.(: Fcmflclontficn, die ttt Berlin leider auch polt- "'". c r!' 1'' J 1"" f™. t° J\ tische Leitartikel schreiben, ihre Nerven ver- nien darf eist Dar.iach sollen>°vPolen ,al- im&^.„akratische Minister sich wieder leii: Z.hbnik, Pleß, der in den Kreis z leß hin- einmal der Berantwartuitg entziehen wollen, einigende Siidzlvfcl des Kreises Hindenbi'rg, ift c j„(ez n ,„t,; pas peitsche Volk in Gefahr zu bringen? Plan versuche erst eine Aende- rnng der Entscheidung herbei zuführet'." Sie fährt dann fort.„Es würde eine reine Ge- fi'hkspoliltk propagiert, ans Sorgen und Eni- rüstung heraus, die alle? verdirbt und nichts reiten kann. Es sind dieselben demokratischen Politiker, die seit Annahme des lkltimatnms wi-derh-.lt daraus binaewieken ballen, daß ohne Schrill nicht nur Obersch'esten. sondern auch das Ruhrgeviet verloren wäre." Austritt der Sozialdemokraten ans der Regie- rung? Kottewitz, 11. Oktober. Die in der sozialdemokratischen Partei Obers ch l e- fielt 8 organisierten Mitglieder stellten au Kaiiowltz, Stadt und Land, der Ostteil deS Landkreises Benthen ohne die Stadt und Teile der Kreise Tarno'.vit; n. Lnbtinitz ollne die Städte. Mas die rein deutsche samtdefizit von 1(35,819.335 Kc. Zur Dcckn»! dieses Tesizites beschloß die Regierung du Einhebung eines Landesznschlages zu den staatlichen Steuern für das Jahr 1921 in folgen- der Höhe zn gestatten: Zur Landesabgabc aut Weingärten, Gärten und Wäldern 250 Proz, zur Hausgrundsteuer 200 Proz., zur HauS- zinsstener 80 Proz. und zn den übrigen Sien- er», bei denen ein Zuschlag eingehoben werden darf. 150 Proz. Tie Regierung beauf- tragtc das Finanzministerium, die nötigen Vorbereitungen zur Einhebung dieser Landes- zuschlage zn treffen. beitswerten, Kulturgütern, von deutschem Fleiß und deutschem Geist geschaffen worden ist, vom Reiche losgetrennt und unter Fremdherrschaft gestellt. Diese Loslösung würde nicht nur von der Mehrheit Oberschlesiens, sondern auch von dem gesamten deutschen Bolle als Vergewaltigung und bitteres Unrecht empfun- den werden. Nicht friedliche Entwicklung, son- dern unablässige Beunruhigung und Zwistig-! stimmen. Dein wirtschaftlichen Ctzaos, das zu trage it vermag. -!- Die Gerüchte der letzten Tage weichen mm endgiltig fester geformten Berichten, welche alle in der Auslieferung der Kreise Pleß, Ryb- nik, Kattowitz und Königshüttc und von ländlichen Bezirken der Kreise Beüthen, Tar- nowitz und Lnbliititz au die Polen überein- keiten würden die Folge sein. Dein deutschen Wirtschaftskörper würde eine unheilbare Wunde geschlagen werden. Zusammenfassend erklärte der llleichSkanzler: Falls die Entschci dung so fällt, wie zu befürchten ist, so wäre mit der Teilung des Landes hereinzubrechen droht, soll eine dreigliedrige Kommission Mäh- rend einer auf 10 Jahre festgesetzten Ueber- gangszeit zu steuern suchen. Sie wird die Aufgabe haben, trotz der Politischen Trennung eine neue Lage geschaffen, welche die Boraus- l die Einheitlichkeit des Wirtschaftskörpers aus setznngen einschneidend beeinträchtige» könnte,! recht zu erhalten. Auf dem Papier und in unter denen die gegenwärtige Regierung die der Theorie nimmt sich solch eine Aufgabe Geschäfte des Reiches übernommen und ge- recht harmlos aus, in der rauhen Wirklich- keit des nationalen Haders, der erbitterten Eifersucht tvird sie sich niemals auch nur halbwegs befriedigend leisten lasten. Ein Ge- spann, besten hantiges Pferd nach rechts und dessen sattliges nach links zieht und ziehen muß, kann von keinem Kutscher gebändigt Die Treibereien gegen die Regierung Wirth. werden und weder Entente noch Völkerbund Berlin. 12. Oktober.(Eigenbericht des„So-!^^h-r als Meister in der Kunst zialdcmokrot.") Es dürfte jetzt feststehen, daß-° eä als Verkörperung zielbewußter nach Abgabe des Sachverständigengutachtens, C„ r 0 IC erwiesen. Als Bismarck mit Oester des Völkervnndrates dahin geht, führt hat. Eine abschließende Entscheidung wird das Kabinett erst dann treffen können, wenn der Spruch des Obersten Rates amt- P-ll vorliegt. Der Reichskanzler stellte dies ' einmütige Auffassung des gesamten Ka- oi->ettcs fest. die Absicht Oberschlesien politisch zu teilen und das wich tigste Stück des Industriegebietes Polen zuzn- weisen. Die wirtschaftliche Einheit soll da durch erhalten werden, daß eine gcwiste Ueber- gangSzcit in der Verwaltung, den Emrichtun- gen, der Währung eintreten und auch die Si- cherheit gegeben werden soll, bei den sozialen Einrichtungen nichts verändert werde. Die rechtsstehende Presse versucht, diese Entschci- dung nicht mir zur wüsten Hetze gegen den Völkerbund und die Entente auszunützen, son- der? sie verbindet damit zugleich auch Angriffe auf das Kabinett Biitta. StsttM aber vonäwpgktv, reich zum Krieg kommen wollte, verein- barte er mit dem aufs Korn genommenen Gegner die gemeinsame Verwaltung Schleswigs. Die Entente, die gewiß keinen Krieg zwischen Polen und'eutschland vorzubereiten bcabsich- tigt, führt d.e beiden Staaten dennoch auf den Weg Bismarcks. Das darf man sagen, trotz- dem noch nicht die Einzelheiten der Teilung und die komplizierten wirtschaftlich-technischen Bedingungen bekanntgegeben wurden. Bis da- hin müssen wir auch mit einer Darlegung der öio-wmrsch« Folge» de» TÄMgSbeschwsseS Tie deutsche Presse über Obcrschlcsien. ES läßt sich begreife», daß die nahe und wil e8 deutlich den Anschein hat, ungünstige Enb scheidung über Oberschlcsicn alle reichsdcuti scheu Zeitungen in Atem hält. So ziemlich alte sind der Meinung, daß eine Fortnahlnz wichtiger Industriezentren die Einhaltung des Friedensvertrages und des Wicsbadcnct Abkomineits unmöglich machen und viele, na> mciitlich die bürgerlichen Organe, leiten dar- aus die Notwendigkeit von Wirths lllncktriti ab. Der„Lokalanzeiger" weiß von einer Ein« stcllnng der Krcditaktion, namentlich seitens der ausländischen Finanzleute zu berichten, das„Berliner Tageblatt" weist einen bcträcht- lichcn Teil der Schuld dem Gutachten dc-Z tschechischen Sachverständigen zu. Aus dem Chor der Stimmen heben sich die„Vostische Zeitung" und die Berliner unabhängige „Freiheit" insofern ab, als sie ein Zusammen- gehen der Regierung mit dem Parlament for- dern und sich gegen jede selbstherrliche Haltung des Ministeriums verwahren. Die„Freiheit" schreibt z. B.: „Es ist eine rein dekorative Politik, die da wieder einmal netrieben wird, ein Rückfall in Wilhelminische Methoden und Gepflogenheiten. ~ IC l C r Ministerstürzerei ohne parlamentarische Entscheidung ist in Wirklichkeit eine Verleug- nnng des parlamentarischen Systems. Im übri- gen findet auch die„Freiheit", daß noch in letzter Stunde die deutsche Regierung durch eine ernste und sachliche Darlegung deS Sach- Verhaltes den entscheidenden Mächten den Stach- weis erbringen soll, daß alle diese komplizierte» fül>rbar°seien Hungen praktisch undurch, lleberblicken wir also die Situation, so er- kennen wir, daß die oberschlesische Frage für die Rechtssozialisten die günstige Gelegenheit (Haffen soll, den Gorlitzer Beschluß auszu- fuhren, und für die Deutsche Bolksvartei. daS Kabinett Wirth zur Strecke'zu bringen. Wie die unabhängige Sozialdemokratie ,11 der lebt« gen Regierung steht, das hat sie in ihrem letz« ten Schreiben an die S. P. D. zum Ausdruck gebracht. Daß sich ihre Stellungnahme ändern £"rde. wenn m.t oder ohne Wirth die Deutsch« Volkspartei in die Koaution eintreten(ollte. braucht nicht weiter ausgeführt«* 13. Oktöbe, 1921. Zerreißen sie auch die Arbeiter-Turn und Sportbewegung? Tic„Arbeiter-Turn und Sportzeitung" brachte in ihrer lebten Nummer einen Lcit- artikcl, dem sie als Titel die bange Frage gab: „Und doch?" Tiefe zwei Wörtchen sind schlichte Propheten des Schicksals, das nun auch nnse- rer Arbeiter-Turn und Sport-Bcwcgnng zu drohen scheint, das Schicksal nämlich der Spat tnng durch die Moskauer Zerstörer. Unsere Arbcitertnrner haben bisher alle Kraft daran gescbt, ihre Bewegung einig und so stark zu erhalten, um der immer mächtiger werdenden bürgerlichen Turn- und Sportbewegung wirk- sam entgegentreten zu können. Nun aber haben die Kommunisten auch an diesen Zweig der Ar- beitcrbewcgung die Art angelegt. Anläßlich der Tagung des Weltkongresses der dritten Zntcr- nationale, des Kongresses der Noten Gcwcrk- schaftcn und der kommunistischen Jugend in Moskau versammelten sich die dort weilenden Arbeitersportler zur Gründung einer R o t e n S P o r t i n t e r n a t i o n a l e. In dem Bericht, den die rcichsdeutschen Kommunisten- blättcr über diesen Kongreß veröffentlichen, nehmen den breitesten Raunt die verleumderischen Angriffe gegen die zweite Internationale und die Internationale des Arbeitersports ein, die seinerzeit in Luzern gegründet wurde. Nicht nur die physische Erziehung des Proletariats, sondern um den Kampf gegen die Sozialdemokratie handelt es sich den in der Arbcitcrsportbcwcgnng ganz iliibekannten Männer», die in Moskau das Arbeitsprogramm der Noten Cportinternotionale beschlossen. Zum Beweis hicfür genügt ein einziger Sab ans dein erwähnten. Bericht. Es heißt dort: „Die in der zweiten Internationale sich bildenden selbständigen Arbeiter Tportvcrbände, die jahrzehntelang von den Sozialdemokraten unbeachtet blieben, und die Führer der Ar- bcitersportbetvegung, die fast in jedem Lande um die physische Erziehung kämpfe» mußten, gegen Partei- und Gewcrkschnstsbürokraten, tvnrden in der Epoche der Spaltung der Arbeiterbewegung willkommene Gäste der wen schewistischcn Arbeiterführer." Tic Wahrheit ist, daß überall, auch ln^zn- landc. die Arbciter-Sportvcrbändc stets in eng- stcr Fühlung mit der sozialdemokratischen Partei und mit den Gewerkschaften arbeiteten, nur daß eben die Sozialdemokratie physische Erziehung der Arbeiter durch die Turn- und Sportbewegung niemals zu Parteizwecken ge- brauchte oder mißbrauchte. Dies aber ist die Absicht der Roten Sportinternalivnale, die sich folgendes Arbeitsprogramm gab: 1. Förderung der physischen Kultur der Ar bcitcrschaft. 2. Eroberung der Arbcitcrsportvcrcinc für die proletarische physische Kultur. 3. Organisierung der noch in bürgerlichen Organisationen vorhandenen Arbeitersportlcr in den ArbeitcrsprKtvcreiiicn. 4. Einstellung des Arbeitersports in den Dienst der Proletarischen Revolution. 5. Revolutionier»»» der Arbeitersportvereiiic zu physischen Portrupps des Proletariats. 0. Kamps gegen die menschewistische Luzerner Sportinternational«. 7. Befreiung der proletarisdi-physischcn Kultur vom bürgerliche» Geist und dessen Met ho- den. Grundlegung für die zukünftige— mit der proletarischen geistigen Kultur gleichberechtigten — proletarisch-physischen Kultur. Die Konferenz wühlte unter anderen zum Mitglied des geschäftsführcndcn Ansschusscs auch den Reichenbergär Kommunisten Ha in- PeT, von dessen sportlicher Betätigung bisher noch niemand jemals cttvaS gehört hat. Er wird nun, wie die„Arbeiter-Turn- und Sportzeitung ganz richtig voraussagt, natür- lich gegen die„mcnschcwistischen" Sportvcr- bände nach den: von ihm mitgeschaffcnen Pro- gramm los zielen und es wird sich das liebliche Schauspiel wiederholen, daß alte treue Turn- genossen, die auf Grund ihrer ehrlichen politi- schen Neberzeugung nicht in die Moskauer Po- saune stoßen, plötzlich Sozialverräter, Sozial- Patrioten usw. tituliert werden. Das Verbandsblatt ruft darum bei, kom- Mllnistischen Turngenosscn zu:„Heraus mit der Farbe! Steht Ihr nach diesem Moskauer Kampfruf noch weiter fest und treu zu unserem Bund oder werdet Ihr nach den Thesen von Moskau, denen ja mit der bekannten Energie der Moskauer Führer der nötige Nachdruck verliehe» werden wird, Euch Verl, Gen und die„Zellen" und„Eroberungstheori:" in rn- screin Verband praktizieren. Da gibt es kein Verstcckenspielcn, Klarheit auf jeden Fall. Wenn es die Genossen der dritten In eriiatio- male schon für absolut notwendig halten, den unheilvollen Riß auch durch die Arbeitersport- organisationen zu ziehen, so sind wir zu schwach, dieses aufzuhalten. Der Kampfruf von Moskau wird selbstredend eine Gegenwirkung der nichttommunistischcn Turngenossen, die in der übergroßen Mehrheit sind, auslösen, es To z kalt wird ganz bestimmt auch ein guter Teil unserer zur kommunistischen Partei stehenden Turner nicht den Machthaber» der„Roten Sportinternationalc" nachlaufen. Ten„Un- entwegtcn" aber sagen wir offen heraus, wenn es Euch in unserer bewährten Sportorgani- salion, der Ihr nicht die geringste«»proletarische Handlung vorwerfen könnt, nach Her- ausgabt der Moskauer Sportthesen nicht mehr paßt, so sucht Euch ein anderes Betätigung? seid für Eure Minierarbeit, tvir werde» nicht zulassen. daß unser ans eigener Kraft gefchaf fetter Bund zum häßlichen Kampsfeld politi scher Fanatiker und„Eroberer" werde." K l a r h e i t ans jeden Fall! Das v« sc» auch wir, obwohl tvir überzeugt sind, daß nicht viel mehr der Klärung bedarf. Mit der Gründung der„Roten Sportinternationalc" ist die traurige„Klarheit" schon gegeben worden: die Arbeiter-Turn- und Sportbewegung soll zerrissen werden und es ist nur selbstverständ lich,' daß unsere Turngenosscn nicht zugeben werden, wie man ihre Organisation durch Nu terwühlc» und häßlichen Kampf zerbricht. Ter Kreisverband der Arbeiter- Turnvereine Reichen berg hat für den 2a. November einen außerordentlichen Kreisverbandstag ein berufen, auf dessen Tagesordnung auch die Frage der Einigkeit des Tnrncrbundcs steht. Tie kommunistischen Turner werden dort und hoffentlich auch bald in Konferenzen der übri- gen Krcisvcrbände Farbe bekennen müssen. Tie sozialdemokratischen Mitglieder des Perbandes haben alles getan, um seine Einigkeit zu erhalten. Nun von Moskau ans das Zer störungswerk in Szene gesetzt wurde, wögen die Kommunisten auch nicht erwarten, daß man das schleichende Nebel ruhig wird wn chcrtl lassen. Vegen die Ausbeulung üunii den raeRlidien Kapitalismus. Tas Abendblatt des„Pravo Lid»" vom 12. C ttober wendet sich im Leitartikel gegen dieMachcn schastcn maßgebender Kreise des westeuropäischen und aiiierikanischrn Finanzkapitals, welche in ihrer unersättlichen Gewinnsucht aus den Ruin Mitteleuropas hinarbeiten. Tic mit raffinierten Mitteln herbeigeführte Entwertung der Valuta und der dann einsehende Massenauflauf der für die Länder mit hochwertiger Valuta billigen Waren werde auch die Tschechoslowakei nicht verschonen, deren Valuta trotz aller Bemühungen, Ordnung in den Staatshanshalt zu bringen, keine neuen Banknoten zu drucken, Friedcnspoli tik zu treiben und die Ausgaben für das Heer herabzumindern, ständig sinke.„Das Schicksal Oesterreich-?, das tvir klar vor Anaen baben, da? Schicksal Polens, dem Oesterreich in seiner Dra- gödic bald nachfolgen wird, richtet nicht nur an uns, sondern an die ganze Welt seinen War- nnnasrnf und diktiert insbesondere dem Prolc- tariat, seine Existenz und seine Rechte im Ab- Mehrkampf gegen die Krallen der Kapitalisten zu verteidigen, welche die Uneinigkeit und die Zersplitterung des Proletariats dazu benutzen, um sich wie Geier auf die sterbenden, verzweifelnden Völker zu stürzen. Gerade in diesen schweren Augenblicken ist es notwendig, daß die Solidarität aller Stationen erneuert werde, weil die Al- tio» der Vampyre der westeuropäischen Siaalen, welche Oesterreich erwürgt haben, nicht zu Ende ist, im Gegenteil, rücksichtslos vorwärtsschreite, indem sie der ganzen Welt mit Verderben droht. In diesem Augenblicke sehen wir klar, was die Kommunisten angerichtet haben, als sie die Reihen der Arbeiterschaft zersplitterten. Eine umso größere Aufgabe fällt darum auf die Schultern der Sozialdemokratie, welche allein dazu berufen ist, das Proletariat in einer einzige» Front zu vereinigen, um aus ihm ein geeignetes Elc mein zu machen, welches imstande ist, die i» der letzten Zeit einsetzende Offensive de? Kapital!? »ins zu brechen." Wir registrieren diese Stimme des„Pravo Lidu", insbesondere den Ruf nach endlicher Einigung de? Proletariats, mit Ve sricdinuilg und würden es bcarüßen, wenn die tschechische sozialdemokratische Partei aus ihrer wirtschaftlichen Erkenntnis die nötigen Folgen ehcbaldigst ziehen würde. Tie Einigung des Pro- lctariats, vor allem des tschechischen, kann jedoch nick» früher zustande kommen, bevor vor allein die Presse der beide» tschechische» Arbcitcrpar- teicn, der sozialdemokratischen sowohl als auch der kommunistischen, den rechten Ton findet und dieser Bereinigung vorarbeitet. Die Deutsche Koalition. Ein Glaubensbekenntnis der Volkspartei. TaS Dräligcn der Demokraten und des Zentrums auf eine Verbreiterung der Ncgic- rungskoalition im Reich durch ein Einbczie- hen der Deutschen Volkspartei erhält eine in- tcrcssailte Beleuchtung durch die folgende Er- klärnng der„Nationallibcralcn Korrespondenz", des offiziellen Organs der Deutschen Volkspartei: „In der rechtsgerichteten Provinzprcsse tvird der Feldzug gegen die Deutsche Volkspartei systematisch fortgesetzt. Zu der bereits als lü- geilhaft gekennzeichneten Behauptung, Dr. Strescman» befände sich in Meinungsvcrschic-- dcilheiten mit der Fraktion, tritt jetzt die Mel- dung, die Deutsche Volkspartei sei bereit, der sogenannten Erfassung der Goldwerte zuzu- stimmen. Auch diese Nachricht wird von einer ganzen Anzahl von Provinzblättern gebracht. Zie ist aus der Luft gegriffen, da, wie alle imokrat gemein bekannt ist, die Deutsche Volkspartei in der von der Sozialdemokratie beabsichtig- tcn Erfassung der Goldwerte keine a n n e h m b o r c Form der B e s i tz st c n e r erblickt." Mit anderen Worten: Tic Deutsche Volkspartei ist gegen die Erfassung der Goldwerte. Und da Zentrum und Demokraten dies wis- sen, trotzdem aber ans einer Verbreitung der Koalition durch diese gleiche Volkspartei be stehen, ist nur der eine Schluß möglich, daß auch Zentrum und Demokraten gegen die Er sassung der Goldwerte sind. Und das sind die Blockgenossen der RechtSsozialisten. Palm und RManV. Mähr.-Ostrau, 12. Oktober. Polnischen Blättermeldnnaen zufolge ist in M o s k a u der! Kurs der polnischen Mark gesunken. Für eine Million Sowjet r u b e l werden, anstatt wie bisher 2>).000 bis 25.0(10, 10.000 polnische Niark gefordert. Tic polnischen Blätter melden, daß die B o> s ch e w i l c n die Bcrcsinnlinic befestigen. Tie Befestigungsarbeiten sind in vollem Zuge. An der ganzen Grenze ist eine lebhaste Bewegung der Sowjettruppen zu beobachten. Es sind starke Kavallerieabteilungen eingetroffen. Tie Grcnzdörfer sind von Infanterie und Artil- lerie besetzt. lTie Meldung steht zu den'Aach richten der letzten Tage, daß die Mißhelligkei len zwischen den beiden Staaten beigelegt seien, in bezeichnendem Gegensatz.^ Polen und Rußland in ihren heutigen Staatsformen k ö n n c n eben uickit friedlich neben einander leben. T. Red.) PolnisKesFwanzprogramm. Widerstand der Sozialisten. Warschau, 11. Oktober. In der heutigen Landtagssitznng wurde die Debatte über die Er klärnng des Finanzmiinsters fortgesetzt. Die polnische Volkspartei und der völkische Ratio- nalv^rband erklärten, die Finanzplcinc M i chalskis zu unterstützen. Es scheint, daß n uv die polni s ch e s o z i a l i st i s ch e Partei gegen d e» R! i n i st e r opponieren wird. TaS ukrainische Blatt„Golos" meldet, daß im Kreise S a in bo r de r A n s n a h m e- z» st and erklärt wurde. Kabinett Brantin,. Stockholm, 12. Oktober. tLaurenzi.) Brau- ting hat bereits gestern sein Kabinett zusam- iiiengestellt. Er wird als Ministerpräsident das Außenministerinm übernehmen, da für das sozialdemokratische Kabinett vorläufig keine andere geeignete Persönlichkeit des Außenministers gefunden werden kann. Hermann L i n d g n i st, Vorsitzender der zweite» Kammer und der populärste Mann der schwedischen 'Arbeiterbewegung, übernimmt das Portefeuille für soziale Fürsorge. Er tvird für den geeignetesten Mann zur Regelung der schtveren Probleme der'Arbeitslosenfrage und zum Ab- schlnß von Handelsverträgen gehalten. Tie Mehrzahl der übrigen Minister gehört dem früheren Kabinette BrantingS an. Der Mailänder Parteitag. Wien, 12. Oktober.(Eigenbericht des„Sozialdemokrat".) Der Kongreß der„Svziälisti- schen Partei Italic n s" trat Montag in Mailand zusammen. Nachdem Vertreter' der kommnnistischen Partei Frankreichs, Belgiens und des IllgendberbandeS gesprochen hatten, ei slallcte Sekretär V a c e i den T ä t ig k e i t s b c- richt der Parteileitung. Er führte aus, daß die Verhandlungen mit den Faszistcn ohne Wissen der Geschästslcitung von einigen Abgeordneten eingeleitet lvurdeii. Tie Leitung trat erst dann in Verhandlungen ein,.als ernste Garantien zur Verständigung vorbanden waren. Am zweiten Tage sprach der Maximalist V a- r a i o» o gegen die.Reformisten, die noch wäh- rend der Wghl gegen die Teilnahme an der Rc- gierung waren, jetzt aber dafür seien. Dann sprach Klara Zetkin als Vertreterin der kommunistischen Partei Deutschlands und der Exekutive der Moskauer Internationale. Sie bat um Annahme-der Moskauer Bedingungen, die den Ausschluß der Reformisten fordern. Die Partei müsse wählen zwischen KanlSkh und Lc- uin. Ter Reformist Treues führte an-?, der Grund für die kritische Lage der Partei liege in der Spaltung. Der Faszismus könne mir durch die Teilnahme an der Regierung bekämpft wer- den. Lazzari erklärte, die Einheitlichkeit der Aktion sei nur möglich, wenn die Reformisten ausgeschlossen werden. Seilte Nachrichten. Vereitelte Versammlung eines Orgesch- Agitators. Aussig, 12. Oktober.(Drahtbericht des„So zialdemokrat"). Ter Orgcschmann Walter Lambach, Reichstagsabgeordneter aus Berlin, den unsere Bcdeubacher Genossen vorgestern' ans eine nnf"»willige Weise in seine Heimat zurückexpedierten, hatte das Bedürfnis, gestern abends int Rahmen einer vom Deutschen Handliingsgehilfenverein einberufenen öffent- lichen Versammlung zu Provozieren. Unsere Aussiger Genossen hatten die Parole au»gcge. >««, daß sich die gesamte Arbeiterschaft an die- ««** rr. ser Versavtmlung beteiligen solle. Als die Dcutschnatioiialen diese Bereitschaft der Arbeiter sahen, wählten sie den größeren Teil der Tapscrleit und sagten die Versammlung im letzten Augenblicke ab. Es dürfte die deutsch- nationalen Herrschaften aus dein Reich nicht mehr so bald gelüsten, wieder in der Tsche- choslotvakei ihre Orgeschpläne betreiben zu wolle». Explosion eines Wagens mit Handgranate». Wie», 12. Oktober.(Eigenbericht des..So zialdeniolrat".) Heute um acht Uhr früh itt im Prater ein W a g e n in i r H a» d g r a» a ten in dir Luft geflogen. Der Wage» sollte zur Tchießstättc nach Kapran fahren. Ter .Kutscher verfehlte de» Weg:'Als er nmtehrcn wollte, explodierten die Handgranaten, der Kutscher wurde in Stücke gerissen, ebenso beide Pferde, der Wagen ist vollständig vcrschwun de», einzelne Leichenteile wurden bis zweit»,» dert Schritte weit geschleudert. Ans dein Pro terslcrn sind die Fenster zum großen Teil zertrümmert, Ter Wagen sollte zu einer Ucbnng eines alpenländischen Bataillons fahren. Tic Ursache ist noch nicht bekannt. Es ist ein Zu satt, das; das Unglück nicht noch größer wurde. Wenn der Wagen einige Schritte früher explodiert wäre, beim Eisenbahnviadnkt oder gar ans dem Pratersteru, hätten viele Personen 1 getötet werden können. Teitiissionsabsichlc» Wirtho. Berlin, 12. Oktober.(Tsch. Pb.)^ Ter N e i ch s k a» z l c r hatte»ach Schluß der heutigen ersten KabnietlSsttziing cine längere li Ii t e r r e v n Ii g m i t de» sozialdemokratischen Arbeite r f ii hrcr n Schcidcmanil, Hermann Müller, Wels und dem Rcichstagsprnsidentcn Loche über die Flage seiner Demission. Um 1 Uhr wurden dann die KabinellSberatungeil fort- gesetzt. Eine Jndlistrictoiiferciiz i» Wie». Wie»,>2. Oktober. Heute vormittags fand im Hauptvcrbaiide der Jildiiftrie iilitcr dem Vorsitze de? Bundesministers Dr. Bauer vom Ministerium für soziale Verwaltung die F ii d li st r i c k o Ii s e r e» z statt. An der Konferenz nahmen Vertreter aller Ministerien, Vertreter der Industriellen, der Arbeiterschaft und der in- diislricllcn Bezirkskolillllissioiicn teil. Die Konferenz wird zwei Tage daneni, und zwar soll am ersten Tage die Frage erörtert werden, die Arbeitslosen.und zwar^ be- sonders die 10.0 0 0 arbeitslos e n Metallarbeiter durch staatliche ! N o t st a ii d s a r b e j t c n zu unterstützen. Am morgigen Tage wird die Frage erör- tert werden, ob die Z w a n g s e i n st cl» l ii ii g von Arbeitern, die im Gesetze bis zllill 5. November d. I. vorgesehen ist. beibehalte» werden und ob und inwieweit dieses Gesetz Aeildcrtlilgcn erfahren soll. Die irländische Republik. London, 12.Oktober.(Reuter.) Richter, Anwälte, Angeklagte und Publikum waren heute z» r e r stc n ö sfen tl i chi c n rc- p u b l i ka n i s ch c ii Gerichtssitzung in der Stadt D n b l i il vereinigt. Die Fälle, welche zur Verhandlung kamen, betrafen Rahrungsmittelfälschungen. Alle er- hoben sich.von den Sitze», als im Namen der irischen Republik die Sitzung für er- öffnet erklärt wurde. Tie Wicdcrgutiiiachnngspslicht Ungarns. Paris, 12. Oktober. l'A. H.) Die Rcpara tionSkommifsion veröffentlicht folgende offizielle Mitteilung: Tic Kommission lwt der ungarischen Regierung zur Kenntnis gebracht, daß jeder Vertrag, betreffend die Aktiven Ungarns, der eine Vcrfügungsmaßnabme enthalt, die nach Ansicht der Kommission die Fälligkeit Ungarns, seiner Wiedergntmachnngspflicht zu entsprechen, beeinträchtigen könnte, nur dann von der Kommission anerkannt werden wird, wenn er der Kommission vorgelegt und von ihr genehmigt wird. Das englische Kabinett beratet über die Reparationszahlungen. London, 12. Oktober.(Wulff.) Heute vor« mittags wurde unter dem Vorsitze Lloyd Geor- gcs eine Sitzung des KabinetteS abgehalten, in der Vorschläge zur Aendernng der Form der deutschen Reparationszahlungen erörtert wurden. Meine Chronik. „Preßireiheit" in Italien. I nnSbr n ck, 12. Oktober. Wie die Blätter melde», wurden am Montag sämtliche Siidtiroler Tagesblälter wegen eineS von ihnen veröffentlichten Artikels betreffend die Stellungnahme der deutschen Siidtiroler Abgeordneten zum Königsbcsuche beschlagnahmt. Aus bisher unbekannter Ursache... Wien.' 12. Oktober. Das Atpenjägcrrcgimcnt Nr. 7, das auS Anlaß der buraenländischcn Frage nach Wien verlegt worden ist, hat für heute Vormittag eine Hebung auf der Militärschießstätte ange« sagt. Zu diesem Zwecke wurden vom Arleaal 2W, «efhfR. Handgranaten angefordert, die van einem Mmtt ionSwagc» der Wehrmacht zur Schießstätte ge- ,'iibrt werden sollten. AnS bisher nnde- l a n n te r IT r f n et) c flog der Wagen in die Luft. Der den Wagen begleitende Wehr- mann wurde getötet, drei Personen verleb t. Durch die Explosion wurden sämtliche Fenster und Spiegelscheiben in der Umgebung zertrümmert. Ein Dementi. Pari s, 12. Oktober. Die ser» bische Gesandtschaft widerlegt in aller Form die Gerüchte, wonach König Alexander daran denken soll, zugunsten seines Bruders Georg abzudanken. Enztakdemorrert Ein Aröciter-Taschenkalender siir das Jahr 10212, der allen Ansprüchen Rechnung trägt, die an ein solches Buch gestellt werden können, wird vom Parteivorstand der Dcnifchen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik herausgegeben. Der Verlag und die Auslieferung des Kalenders wurde der Buchhandlung„Frei- tzcit", Teplip-Schönmi, Thcresicngassc 18, übergeben. Trotz des verhältnismäßig niedrigen Preises von 6 Kronen enthält der Taschenkalcnder, der gut gebunden ist, eine Fülle Wissenswertes. Außer einem Ka- lendarium, einem Tagebuch nnd den für gc- tverlschaftlich und politisch organisierte Arbeiter wichtigen Adressen findet man in diesem Hand- buch siir Vertrauensmänner, so darf man diesen Kalender wohl nennen, Aussätze über das Staat? oiirgerrecht und das Heimatrecht, über die Gc mcindcwahlordnnng, über da? Entgelt, die Krankenversicherung, daS Ehcrejormgcsctz, die Arbeiterbücherei, serner Winke s»r Redner nnd Ratschläge fiir Zuhörer, Erlonlcrungcn von Schlagwörtern dcS Tage?. Ein Bild unsere? un- vergeßlichen Führers Josef Seliger schmückt das handliche Büchlein, da? wohl jede!» Vertrauen? mann, ja jedem Genossen überhaupt, unentbchr lich ist. Bestellungen sind, da die Auflage bald vergriffen sein dürfte, sofort durch die Verwal> timgc» der Arbciierblättcr sowie die Organisa tionen zu richten an die Buchhandlung„Freu heil", Tcplib-Schöna», Thcrestengassc 18. Volkswirtschaft«nd Sozialpolitik. Verbot der Verarbeitung gesunder Kartos» scln. Mit Regierungsverordnung vom 5. Oktober wird die Verarbeitung gesunder Kartoffeln ans der heimischen Ernte verboten. Verarbei- tet dürfen mir fehlerhafte Kartoffeln, die sich für den menschliche» Genuß nicht eignen, wer- den. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis von einer Woche bis drei Monaten bestrast, ausserdem können Geldstrafen von 50 bis 2000 Kronen verhängt werden. Wenn die verarbeiteten Kartoffeln jedoch einen Wert von mehr als 500 Kronen haben, steigt die Gefängnisstrafe bis zu sechs Monaten, die Geldstrafe bis -,n 20.000.Kronen. Ausländische Kartoffeln können nur dann verarbeitet werden, wenn der ausländische Ursprung nachgewiesen wer- den kann. Sitzung deS RcichSwirtfchastSrateS. Zu Beginn der gestrigen Sitzung dcS RcichSwirt- schastsratcS gab zunächst ErnährungSminister Zrba eine Erklärung ob, aus der hervorging, daß die öffentliche Versorgung auf erneute Schwierigkeiten gestoßen ist. Die Gesellschaft, die mit den Aufläufen betraut ist, verfugt nicht über dir notwendigen Mittel nnd es iverde» gegenwärtig Wege gesucht, um der Gesellschaft entsprechende Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Weitrrs gab der Minister die Anre- gung, es möge beim Wucheramt eine.Kalküls» lionsabteilung errichtet werden, die eine dauernde Einrichtung werden könne und de» ren Gutachten für die Urteile der Wuchcrge- eichte entscheidend sein sollen. Der Reichswirt- schaftsrat beschloß der Errichtung dieser Abtei- lung zuzustimmen.— Weitere Protestierte der ReichSwirtschaftSrat gegen die Festsetzung der Zuckerprcise, die über alle Maßen hoch sind und ek> wurde auch Verwahrung dagegen eingelegt, daß man dem ReichSwirtschaftSrat die Kalkulation nicht vorgelegt habe. Endlich wur» de auch über die Holsen Hutprcise verhandelt, wobei von Interesse ist, daß der Referent ins- besondere auf dir Preistreibereien der un- rühmlichst bekannten Firma Höckel in Reutti- schein hinivicS, die mich im ständigen Kampf mit ihren Arbeitern liege. ES wurden vcrschie- dene Maßnahmen zum Zwecke der Vcrbilli- gnng der Hüte in Aussicht genommen. Arbeitslosigkeit und Staatsverwaltung. ZluS Friedland wird unö geschrieben: Als"Mtonnt wurde, daß in der Nationalversammlung ein Gesetz über die Verbesserung der Arbeitslosenunterstützung in Beratung stünde, da atmeten auch in unserem Bezirke die Arbeitslosen er- leichtert aus, obwohl wir ja von dieser Ge» sctzeSfabrik, wie sie arbeitet und ftinktionicrt, nicht besonders gewissenhafte und segenbrin- gcnde Arbeit erwarten können. Daß aber ganz besonder? in diesem Gesetz ein Schachzug gegen die Arbeitslosen geführt wurde, wie nie zuvor, ist für jeden, der nur irgend ein Quänt- chcn Denkvermögen und soziales Empfinden besitzt, klar und muß zur größten Erbitterung der Arbeiterschaft führen. Obwohl doch für einen jeden, der an diesem Gesetz mitgewirkt, klar sein mußte, daß diejenigen, welche derzeit noch in Unterstützung stehen, wohl alle über ein Jahr schon in Unterstützung standen, daher der Absatz 1 des 8 3 diese? Gesetze? ein direkter Hinanswnrf nnd dem Elend preisgeben aller dieser Unglücklichen sei. Oder nahm man tat- sächlich an, daß durch den 8 4 eben dieses Ge- sehcs wirklich eine soziale Maßnahme geschaf- fen wurde? Wenn auf der einen Seite Hun- deric einfach hinausgeworfen werden, um dann einem einzelnen 2 oder 4 Kronen mehr geben zu können, so ist dies ein Werk, welches wir garnicht mit Worten bezeichnen»wollen und es bleibt jedem einzelnen selbst überlas- sen, sich daS richtige Urteil zu bilden. Wenn der Absatz 1 dcS 8 3 Wert haben sollte, so hätte man beifügen müssen, daß alle Arbeiter, die von dieser Maßnahme betroffen werden, von den Unternehmern ausgenommen werden müssen, selbst auf die Gefahr hin, daß hiedurch an- dcre entlasten werden mußten, denen ja dann aber doch der Unterstützungsanspruch zustand. Man hätte hier können erstens daS Ueberstnn- denwescn beseitigen, wodurch einzelne Arbei- ter, nur für die Profitsncht des Unternehmers 10 bis 11 Stunden arbeiten müsten, und sind es in einzelnen Betrieben immerhin eine Zahl, die schon beachtenswert ist, und zweitens hätte man einmal jenes Argument, daß Personen, die wohl noch rüstig sind nnd arbeiten kön nen, sich aber auS anderen Dingen ein Ein- kommen schaffen, welches ihnen den Lebensun- tcrhalt garantiert und nur die Unterstützung nebenbei beziehen, auS der Welt schaffe« kön- nen. Hier ist eS aber trotzdem noch nötig, daß ehestens Vorsorge von Staatswesen getroffen wird für die Alten und Invaliden, damit nicht gerade jene, die ihre Kraft und Gesundheit dem Kapital geopfert haben und verbraucht sind, Hungers sterben müsten oder ihren Le- bcnSabend durch Selbstmord infolge Not be- schließen müsten. Auf alle Einzelheiten dieses Gesetzes einzugehen, würde zu viel Platz in Anspruch nehmen. Nur kurz sei gesagt, daß es Sisyphusarbeit ist. Wenn wirklich gespart werden soll, so möge zuerst an dem ungcheu ren Nagetier deS Staates, dem Militarismus, dann aber auch an der Verwaltung des Staa- tes, wo ein überaus großer, überflüssiger Be- amtcnapparat besteht, angefangen werden Wir wollen hier nur einen einfachen Fall her auSgrcifcn. In Hermsdorf, Bezirk Friedland, führt dir benachbarte Grenzgemeinde Reiche« nau i. Sa. einen Erweiterungsbau ihrer Was- crlcitung durch, bei welchem 40 bis 50 Ar- beitslose eingestellt werden. Nun kommt aber da« hiezn benötigte Handwerkszeug, als da in Betracht kommt: Spaten, Hacke und Schubkar- ren nicht herein und eS muß hiezu erst Prag die Erlaubnis geben. 40 bis 50 Arbeitslose müssen noch mehrere Wochen warten, bis die Einfuhrbewilligung von Prag eingelangt ist, um nur wegen derartigen Dingen einigen De- amtcn mehr Beschäftigung zu geben. Handwebrrstreik in Rumburg. 3« Rum« b n r g sind die Handweber wegen Lohndiffe- renzen in den Ausstand getreten. Es arbeiten nur die Weber bei drei oder vier Fabriken, welche die höheren Löhne bereits bewilligt ha- ben. In allen übrigen Betrieben stehen die Handwebcr im Ausstande. Buchdruckerstreik in der Slowakei. Infolge des in der östlichen Slowakei anSgebro» chcnen allgeemeinen Streikes des technischen Druckercipersonals, welches eine 20prozentige Gehaltserhöhung fordert, sind in Kaschau blS auf den„Slovenöky Vychod" und daS magyarische Tagblatt„Szabasad" keine Zeitungen erschienen. Internationaler Landarbeiterschntz. Da? internationale Arbeitsamt schlägt der internationalen Konferenz besonder« Schutzmaßnahmen für landwirtschaftliche Arbeite r vor. E« unterbreitet eine Konvention, wonach icdeS Mitglied der internationalen Arbeitsorganisa- lion sich verpflichtet, den landwirtschaftlichen Ar- vettern die gleichen Vereins- und Koalition?- rechte wie de» industriellen Arbeitern_ zuzugestehen sowie eine soziale Versicherung einzurich- ten, die derjenige» der Industrie- und Handel?- arbeiter wenigsten? gleichkommt»nd die Gesetze nnd Verordnungen, welche Entschädigung bei Unfällen während der Arbeit sichern, auf die Landwirtschaftsarbeilcr ausdehnt. Wwthrkartell der Händler in Deutschland. Wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, hat eine Reihe von Gruppen des Einzelhandels, darunter auch die Warenhäuser, ein Abwehr- kartell im deutschen Einzelhandel gegründet, an dessen Ausgestaltung weiter gearbeitet wird und daS den Auswüchsen des Kartell- und Konventtonswcsens auf Seiten der Fabri- kanten und des Großhandels entgegentreten soll. DaS Abwchrkartell richtet sich in erster Linie gegen die Berkaufsbedingunge», durch die sich der verkaufende Fabrikant einseitig die Festsetzung wichtiger Vertragsbestimmungen vorbehält, durch diejenigen Klauseln, in denen Vorbehalte des Verkäufers fiir die Prcisfcst- setzung und die Lieferungsfristen enthalten sind, denen gleichartige und gleichwertige Rechte der Abnehmer nicht gegenüberstehen. Außerdem tritt das Abwchrkartell gegen eine andere Gruppe von Konventtonsbedingungen von Fabrikanten auf, nach denen die Fabrikan- ten bei direkter Lieferung an Einzelhändler oder deren Einkaufsvercinigungcn(Waren- Häuser und Konsumvereine) verpflichtet sind, unbeschadet der Größe der Aufträge erhebliche Aufschläge auf die den Großisten gestellten Preise zu berechnen. Diese Bedingungen sind bisher einer Monopolisierung des Großhandels gleichgekommen, weil nur bestimmte Fir- men die sich hieraus ergebenden Vorteile ge- nostcn haben und es ist das Interesse auch der GenossenschaftSbewegung, dieses Monopol des Großhandels zu brechen. Als Mittel, die Kartelle zu bekämpfen, ist die neue in Deutschland entstehende Organisatton der Abwehr gegen die Kartelle von großem Interesse für die Massen der konsumierenden Bevölkerung. Kampf um den Schweizer Zolltarif. Bern, 11. Oktober.(Schweiz. Dep.-Agent.) lieber den neuen erhöhten Schweizer Zolltarif finden im Lande große Debatten statt. Die Land- *3. OSokx"? iSSt vmr+e industriellen und Gewerbetreibewnm stmm-n d-m T--II I». w-W-d di° Parteien ihn ablehnen. Im Tarif soll cot Preisschutz für Inlandsproduktc enthalten{cm. Die Arbeitslosigkeit in dcr tschcchoflowaNschcn Republik im Monat September 10.1..In.der ersten Sälftc dcS MonalS September 1021 wur- iiifolnc der Statistik de? Ministeriums für soziale Fürsorge in der tschechoslowakischen Republik im ganzen 20.000 Arbeitslose.'"'^rstiiht. nnd zwar 21.000 Personen an? Böhmen, an? Mal,ren»nd Schlesien 3800"»d auSder■&o- mnfet 1200 Personen. Außerdem wurden 16.000 zum Teil arbeitslose mit 8000 QauÄ,altungSge» nossen Unterstützungen ausgezahlt. Die Anzahl der Arbei,«kosen, die Staats,..,lerstutzungen er- hielten, sank gegenüber dem Vormona.(20.000 im August) aus die b.Sher niedrigste Zahl Im September de? vorigen Jahres wurden 2E.736 Personen unterstützt. Der Wert der Krone. Es kosten: 100 Holland. Gulden 2061 24, 100 Mark 73M, 100 schwciz. Franken 1676)4, 100 Lire 3622*,_ 100 stanz. Franken 67424, 1 Pfund Sterling 35b«, 1 Twllar 02°/,, 100 belg. Franken 66624, 100 Peso 1231 />, 100 Dinar 145«, 100 Lei 7624, 100 osterr. Kronen 3.47 24, 100 poln. Mark 2.05, 100 nng. Kro- nen 14.0224 tsch. Kronen. Kunst und Wissen. Neues Theater. Heute Donnerstag Tanz- abend der Schwestern Wicsenthal, Fre>- tag„DaS Mädchen aus dem goldenen Westen", SamSlag„Der Vetter von Dingsda". „Urania." Heute, 6)4 Uhr. Kirchenrat Dr. Zilchertt „Deutsche.Kultur/ Zweiter Vortrag:„Germania de« Tacitu?". Einzelkarte 4 Kr. Mitgl.-Anmel- düngen und Mitgl.-Erneilerung täglich Smelschka- gasse 22, von 10—1 und 4—7 Uhr. „Modern« Experimentalphysik." Ueber dieses Thema hält Doz. Fürth in der„Urania" drei Vorträge mit Vorführungen zahlreicher Experimente. Erster Vortrag: Freitag, den 14„ 6 Uhr, Phvsi kalt s che? Institut„An- Wendung der Elektrizität in der Technik"(Erzen- gung von Kraft, Licht, Wärme usw.). Knrskarten 10 Kr. Einzelkarte 4 Kr.„Urania-Kanzlei nnd vor dem Vortrag. Herausgeber: Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß. Dr. Ludwig E z c ch und Karl Cerm ak. Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. Mitteilungen ans dem Publikum. Sclbstschreibende Bnrroughs-AddttionSma- schznen der Firma GlogowSki& Comb., Prag, I., Celetna ul. 35. 80 verschiedene Modelle, für jede Branche eigene Systeme. Vorführung«nd Probestellung überall unverbindlich und ko- stenlos. Telephon 6217. 106 Erste Marke der Welt! Remington Standard-Schreibmaschinen mit vollständig frei sichtbarer Schrift und modern/ sten Einrichtungen. Neueste Modelle. Vorfüb rnngen allerorten kostenlos und unverbindlichj Remington Schreibmaschiiiengesellschast m.? H. Prag I.» Celetna ul. 33, vis-Ä-viS de« Obecni düm. Telephon 2871. 107 PELZWAREN Herren-u.Damenpelze,Pelzjak- j ketts, Krägen, Boas, Mtiffe usw.; kauft man am besten bei f. DOIOER, Prag l., Celetna 12. 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Heute vor 100 Jnhren wurde einer der /ößten Aerzte und Menschen Deutschlands lcborcn: Rudolf Virchov, der Sohn eines «mmerschcn Kleinbürgers, Ffnst tinfaßlich st die Fülle dessen, was Virchov geschaffen, rfunden und der Menschheit geschenkt hat. durch die glückliche Verbindung des Hassenden Mediziners und Anthropologen iiit dem zartfühlenden und schöpferischen Soziologen entstand eine Persönlichkeit, die !S zu Wege brachte, das Vild der Gescll- chaft der größten Städte Deutschlands im Hause weniger Jahrzehnte umzugestalten. Kchon als Berliner Student haben seine «taktisch-anatomischen Arbeiten großes ilufsehcn erregt. Aber der junge Student stand such den politischen Ereignissen seiner ßcit nicht fern. Wie es der Natur Virchovs lntsprach, beteiligte er sich an politische» Kämpfen seiner Zeit. Als sich dann 1819 sie Reaktion auch über Deutschland nieder- senkte, wurde der junge Dozent seiner Stelle tnthoben und nur auf Widerruf wieder an- jestellt. Dies veranlasste ihn, Berlin zu »erlassen und sich nach einem an ihn ergan- »encn Ri'f als Professor der pathologischen nnatomte in Würzburg niederzulassen. Dort blieb er nahezu fünf Jahre und be- »rundete durch seine bedeutenden Arbeiten den Ruf der Würzburger medizinischen Ja- chltnt. Die Berliner medizinische Fakultät bc- tief Virchov als Professor der pathologischen Anatomie zurück und der Kultusminister immte„ohne Bedingung politischer Art" er Berufung zu. Eine Darstellung der wissenschaftlichen Tätigkeit Virchovs aus seinem Berliner Jahr würde wohl ein ganzes Werk füllen. Er ist der Gründer der Zellularpathologie; die Leukämie, die Diphteritis und viele an- bere Krankheiten wurden von ihm neu bc- handelt. Als er 1859 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung eintrat, bc- Hann er das damals aus tiefer Stufe befind- liehe Sanitätswesen Verlins neu aufzu- hauen. Die Entwässerungsanlagen der Millionenstadt, Schwcmmkanalisation und die Bcricseluugsaniagcn sind ei» Werk des großen Gelehrten. Berlin war in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine der ungesundesten Städte Deutschlands. VirchovS Tätigkeit ist es zu verdanken, das; innerhalb zweier Jahrzehnte Tvvbus und Malaria fast ganz- lich aus dem Weichbildc Berlins verschwun- den sind. Berlin hatte damals nicht einmal ein städtisches Krankenhaus. Ein Kinder- spital war eine unbekannte Einrichtung. Virchov erbaute Musteranstalten. Bis dahin lag die weibliche Krankenpflege Deutsch- lands fast ausschließlich in de» Händen rc- ligiöscr Genossenschastcn. Virchov gründete die erste weltliche Krankenpslcgeschule. ES blieb aber nicht nur bei den Gründen dieser Anstalten, sondern mit schöpferischem Eifer richtete er Spitäler und Schulen ein. Der Fortbildungsschulunterricht und die Wai- senpflcge fanden in ihm einen tatkräftigen Förderer, der Handwerlcrverein einen für- sorglichen Freund. Cyrill Mollent".<> Von I. I. David. „Will ich. Wallenta." „Dann bist ein Esel, Zapletal." „Ein Esel? Wieso?" „Wcgärgern willst du ihn. Ist möglich, denn das Gut ist kein Fideikommis. Du fängst Pro- Reffe mit ihm an. Ist auch gut. Gibt nichts besseres und du hast die längere Hacke. Aber, was für Prozesse sind das? Zum Beispiel: wc- gen Uebervortcilung beim Aufteilen der Hut weide. Ist gut, weil da das ganze Dorf zu dir steht und vielleicht gar für dich schwört, weil ste's ihm noch weniger gönnen, als dir und für jeden was dabei herausschauen kann. Ist aber wieder nicht gut. Denn das geht um viele Tausender und er muß sich wehren. So aus einmal umbringen läßt sich keiner." „Ja, aber was soll ich dann denn?" „Acrgern mußt du ihn. Ihn selicren. Ihn abmartern, daß er keine Hand mehr rühren kann, wenn du ihm an die Gurgel willst. So pracht'S ein guter Raufer. Nieinals anders." „Aber wie zum Beispiel?" „Zum Beispiel: es ist eine Kuh von ihm in deinen Acker gelaufen. Dann klagst du um den ganzen Ertrag des Ackers, um so viel, daß er giftig werden muß und sich nicht ausgleichen kann. Oder es ist ein Brückerl über den Mühl- dach. Das hat er zu erhalten. Du fängst Pro- »eß an, wegen Feststellung, oder weil das Brückerl baufällig ist. Das gibt Kommissionen und wenn du Glück hast, so tut sich einmal dein Hirt was, oder er bricht sich gar dein Ochs ein Bein. Das ärgert. So was gibt's immer unter guten Nachbarn. Große Sachen nicht." „Wallenta, du bist ein niederträchtiger Kerl", jauchzte Zapletal in heller Bewunderung. Sozial» Politisch betätigte sich Virchov in seiner Jugend als revolutionärer Bürger als wahrer Demokrat. 1892 wurde er ins Preußische Abgeordnetenhaus gewählt Hier vertrat er die ncugegniiidctc Fort- Ichrittspartei. Der Ausdruck„Kultur- kämpf" stammt aus Virchovs Feder. t Anthropologische Forschungsreisen ficht« ic» ihn vom nördlichen Norwegen bis nach dem Süde Griechenlands. Drei historische Arbeite» des Gelehrten zur Geschichte sei- »er Vaterstadt Schivclbein sind der Aus- druck seines. umfassenden historischen Wissens. Als er im Jahre 1902 starb, betrauerte das deutsche Volk mit Recht eine» seiner bedeutendsten Männer. Mit tiefer Verehrung denkt die Kulturwelt heute an seinem hundertsten Geburtstage an den großen und einzigen Virchov zurück. MMUlind trmgedliebm... Prag ist die Stadt der FlüchtlingSkougressc. Erst vor einigen Tagen haben die Weißrussen unter dem Schutz der bürgerlichen Rechte die- seS Staates ihren Kongreß abgehalten und in diesen Tagen finden sich Gelehrte, Professoren und sicherlich auch mindere beflicßene Jünger der Wissenschaft aus Rußland zusammen, nni hier ihre Tagung abzuhalten. Alles, was hierzu- lande in näherer oder entfernterer Verbindung mit dem slawischen UnivcrsitätSlcben steht, hat den russischen Kongreßmitgliedern seinen Gruß entboten.„Im Namen aller, die Rußland treu gebliebene sind", begrüßte Dr. Äramarsch die Emigranten. „Die Rußland treu geblieben sind"... Dr. Kramarsch hat diese Bezeichnung aus der Geschichte der französischen Revolution in die Welt i der bürgerlichen Konterrevolutionen übertragen. Damals waren es französische Flüchtlinge, Adelige, die von Paris Vertrieben, ihre Kongresse in Mainz, Frankfurt und Wien abhielten und in ganz Mitteleuropa gastliche Salons fanden. Mit der Erstürmung der Bc>' stille fielen auch die Sonderrechte des franzö- fischen Adels, ihre Güter und Schlösser wurden von der Nation ohne Entschädigung übernom- mcit, die zahllosen Hofmänner, die Parasiten auf dem ausgesaugten Körper deS französischen Volkes, vertrieben, die Gnillotin in bln- tige Tätigkeit gesetzt. König Ludwig mit seiner Familie wurde ans der Flucht mit seiner Fa- milie gefangen gcnonimcn und eingekerkert; Ludwig und Maria Antoiiicttc guillctonicrt, ihre Kinder fremden hartherzigen Menschen überliefert. So überwand unter Blut und Hartherzigkeit das französische Bürgertum den Feudalismus. Danials waren es die adeligen Emigranten, die alle feudale» Staaten Euro- das gegen die Revolution zu den Waffen rie- feit. Sie waren„Frankreich", sie waren dem König, dem Feudalismus treu geblieben. Auch die Professoren, die heute in Prag über ihr trauriges Schicksal und über das„ihres" Rußland klagen, sind Verjagte auch über sie ist die Geschichte unbarmherzig hittweggegatt- gen, aber sie l>abeit keine Güter und Schlösser, keine Privilegien, die sie der Arbeit enthoben, verloren.?lnch im zaristischen Rußland waren sie nicht gerade glanzvoll bezahlte ArbeitSmen- scheu, und nur SchulratStitcl und Ordens- Der andere lachte:„So was man fürs Haus braucht und nicht mehr," trank aus und ging alcichgnltig. Sehr bald nach der ersten Kon- screnz aber hatte der Advokat in der Stadl eine neue Klage zu schreiben:„Punkto achtzig Gulden für ein total verdorbenes Feiertags- gcwand". Denn der Graf hatte seine Gitter streichen lassen und dem Zapletal war, weil keinerlei Warnuiigszeichen gewesen, dieS Unglück mit seinem besten Sonntagsstaat wider- sabren. Es kam freilich auch vor, daß man den Wal- lcuta durch Wochen nicht zu sehen kriegte, oder daß er hernach in einem eben nicht erbaulichen Zustand auftauchte: ganz abgeschlagen und recht kränklich von Gesichtsfarbe und durchaus nicht arbeitsfähig. Dann waren ihm seine Streifereicn und Einbrüche in fremdes Gehege übel bekommen. Er schwieg darüber, so gern der Freund etwas von diesen Abenteuern ver- nommen hätte. Denn einmal vor vielen Iah- ren war er selbst gar gern solcher Wege ge- wandelt. Nach solchen Erlebnissen kam er niemals nn- mittelbar heim. Denn er hatte eine Art Furcht vor Frau Magdalena Zapletal. Das Weib war immer so ruhig und ohne jede Erregung und hatte in den runden und schwarzen Augen eine Art Verachtung vor ihm. Und dabei war es sehr schön, schöner als eines in der Runde. Denn es war groß und stark und dennoch zier- lich. Und es trug die blonden Haare wie eine Krone gelegt und steckte gern eine Nelke hin- ein, die wie ein Pünktchen Feuer glomm und das ganze Haupt würzte. Sie war vollkommen und ohne jeden Lärm Herrin im Hans. Damit ließ sie sich's begnügen; und wenn die Män- ner in ihre Beratungen versanken, so trug sie den guten Ungarischen ans, der mit unhcim- licher Geschwindigkeit zur Neige ging, horchte M o l i a: bändchcu, nicht fette Pfründen waren cS, mit denen sie das Väterchen Zar bedachte. Aber gerade diese Professoren, die„Rußland treu geblieben", werden ausdrücklich, wie Karl Kra marsch, oder versteckt die seligen Zeiten des Zarismus zurückwünschen. Es geht nicht an, dieser Versantntlnng einfach das Stigma des KontrercvolutionärS aufzudrücken und an den Ursachen der Erscheinung einfach hinwegzu- sehen. Tie französischen Adeligen waren na- turgemäß zum großen Teil Ballast der neuen bürgerlichen Gesellschaft, mit dem Hof und König hatten sie ihre Existenzberechtigung verloren, warum mußten aber die Professoren, worunter sich sicherlich auch schöpferische Per sönlichkcitcn befinden, Ballast der proletarischen Revolution werden; warum mußten sie aus Rußland flüchten? Wir rühren an ein Grnndproblem der pro- letarischcn Revolution überhaupt: au das der Loslösung der geistigen Arbeiter aus den ge- scllschaftlicheu Banden der Bourgeosie und an die Gewinnung der geistigen Arbeit für unsere Welt. Wohl kann eine Revolution siegreich sein, aber sie selvst kann die neue Welt, die aus ihr hervorgehen sol!, um unersetzliche Schätze menschlicher Betriebsamkeit und Erfin» dung bringen. Nach den letzten Stürmen der französischen Revolution war Frankreich dem geistigen Parvenü Napoleon, war das Frank- reich eines Voltaire, oincut flachen Byzantis- imis verfallen. Diese Revolution hat eine Wirt- schastSversassnng unter großen Opfern gebro- che«. Die Grucltaten der SanscnlottcS, die Orgien der Guillotine, die Brände, die die Bibliotheken und Aialcreien von fünf Jahr Hunderten in Schutt und Asche legten, erscheinen uuö heute als überflüssige Ausschweifung der Revolution, als Verarmung der Welt, die nach ihr kam. Haben die Bolschewiken anders gehandelt? Nicht an die armen Bauern, die aus begreiflichen Gründen au ihren Guts- Herren Rache genommen haben, nicht an die Exzesse trunkener Soldaten denken tvir, sott dern an die wohlüberlegte Ausschaltung, an die Verfolgung und Minderbewertung der gci- st igen Arbeiter durch diejenigen, die au der Spitze der bolschewikischen Revolution standen. Als der Ruf nach Betriebsräten, von deren heute kein Schatten ihrer ursprünglichen Bestimmung mehr übrig ist, durch die Wcrkstät- tcn Rußlands ging, begaben sich die Bolschewiken bedenkenlos der Ingenieure, Chemiker und Betriebsleiter, verjagte man sie durch entwür ngendc Behandlung. Kaum ein Jahr darnach rief man sie zurück, versuchte man die Vernich- tetc Autorität geistiger Arbeit in den zusammen- gebrochenen Werken wiederaufzurichten. Nicht anders erging eS den übrigen geistigen Arbci- tern. Es ist nicht Schuld,, aber Irrt n in ist es, was die Bolschewiken taten. Sic haben die ideologischen Kräfte, die der politischen Revo- lntion entgegenstanden, nicht in der Umwirt- schafttttig verwendet; sie haben wrlschaflliche Kräfte brach gelegt und Politische gegen die Revolution mobilisiert. Sie haben so geistige Arbeiter in das Lager der Kontrerevoliition getrieben. Einer der Gründe der wirtschaftli- chen Katastrophe Rußlands ist in dieser Poli- tik der Geistcsfeindschaft zu Anfang der bol- schetvikischen Herrschaft zu suchen. Die heute „Rußland treu geblieben" und in der Fremde ein Weilchen, gähnte unverholen gelangwcilt und machte sich wieder an ihre Arbeit. Sic wußte: es ging um Finten und Hinter- listigkciten. Immer hatte ihr Mann dazu eine Freude gehabt, obzwar sie den Zweck nicht absah. Denn sie hatten doch genug und zu viel. ?lnnetschka mußte einmal ein Vermögen ha- ben, wie sonst niemand in der ganzen Hanna. Wozu also mehr? Aber ihr Mann war nun einmal leider Gottes ein Krüppel und die sind immer so aufs Haben niid aufs Mehr. Denn wer nicht gehen kann, der Probiert's halt mit Kriechen und kann dann unmöglich ganz sau- bcr bleiben. Der Wallenta aber? Ein Bur- sehe, dem die Welt offen stand, so weit sie ist, der stark war wie ein Baum und was gelernt hatte, besser deutsch sprach als der Dechant und klug war wie der Schwarze selbst— was tat er damit? Und wenn er einmal Spaß machte — und er hatte gute Einfälle— und sie wollte lachen, so zwang sie sich: die Freude machst du ihm nicht. Das gehört mit zu einem schmut- zigen Geschäft. Er ist ein Schmarotzer und er muß seine Herrenlent' bezahlen mit Wurste- lcien, damit sie ihn nicht satt bekommen und ihm den Stuhl nicht vor die Tür stellen. Du fällst ihm nicht herein. Und so hob sie aus Gefälligkeit nn wenig die Oberlippe, daß die sehr weißen und starken Zähne vorschicnen, zuckte sehr verwundert die Achseln und ging. Sie war nickft zu überrumpeln. Und was'olltc zum Beispiel die Freund- schaft des A^rill mit dem blinden Jindrak? Denn dort Heckte er iminer, wenn er wieder einmal für die Welt verschollen war. Das war ein B'ttler und ein Gottesarmer, den man hätte ZAmitleidcn müssen, wenn er nicht so voller Mchtswürdigkcitcn gewesen wäre. Die beiden hinten einander gerade noch gefehlt, damit da» Norf keine Stunde mehr Ruhe geernte«. gegen das Rußland oer Bolschewikenhrnschast konsp!Acren, sie hätten zum größten Teil für den Wiederaufbau des weiten Reiches gewon- neu werden können. Ideologien sind mit den wirtschaftlichen Verhältnissen veränderbar. Das Problem der Gewinnung der geistige» Arbeiter für den Sozialismus ist im Grunde genommen, ein wirtschaftliches Problem. Wenn sie heute nach dem Zaren rufen, meinen sie nur Brot und Heim, das ihnen die Bolschewi- len im tragischen Irrtum besangen, versagt haben. TWSZ-MMÄlM. Zum 140. Geburtstag von Schillers„Ran- faern". Man hätte eigentlich noch ein paar Jahre warten sollen, um den Manen Schil- lers die hohe Würdigung zuteil werden zu lassen, die man ihnen jetzt zu bereiten gedenkt. Man hätte genau hnndcrtsnnszig Jahre nach dem Tage, da der große KarlSschnler seinen begeisterten Zuhörern sein unvergängliches Jugendwerk vorlas, die„Räuber" zum ersten Male der Welt von heute so zeigen sollen, wie sich deren Geschmacklosigkeit eines der größten Werke der Weltliteratur zurechtgelegt hat. Die dekadenten Bürger ans der Zeil um 1921 sind nicht mehr durch eine„Rä»ber"-Anfsichrung zu befriedigen, wie sie fünf Generationen begeistert hat. Um auch d"» alten Schiller auf die Höhe der Zeit zu b. lassen sie den ganzen Apparat spielen, den' ic armen deutschen Dichterfürsten des achtzehnten Jahrhunderts nicht kannten. Die„Räuber" wären nach der Ansicht derer, die sie heute sozusagen auf den modernen Glanz herrichten, sicherlich eine ganz annehmbare Sache geworden, wenn dem Schiller vorher jemand das Kino erfun« den und einen Weltkrieg beschert hätte. Dann hätte er sich seine großen, unsterblichen Worte ersparen können und hätte einfach einen Film- text zu schreiben brauchen, wie ihn die Kino- Verleger wünschen. Nun müssen sich erst die Herren Fr. Sauer und LewandowSki die Sache selber machen. Aber wir sind überzeugt, der Film„Schillers Räuber", der demnächst her- auskommen soll, wird uns alle die Empfin« düngen vergessen lassen, die wir jemals als dumme, leicht begeisterte Jungen beim Lesen des Dramas oder bei seiner Ausführung erlebt haben. Keinem Vernünftigen wird es für- derhin einfallen, zu den„Räubern" ins Thea- tcr zu gehen— es sei denn, daß Franz Moor so auf die Bühne kommt, wie ihn jetzt der große M o i s s i darstellen wird: mit Monvcle und Zigarette. Und der Karl und die andc« ren Räuber, mit denen eS die Kanaille Franz zu tun hat. müssen mit Stahlhelmen in den böhmischen Wäldern herumlaufen, sonst lvird sich kein Mensch mehr diesen Schmöcker ansehen. Es klingt wie ein Witz und ist doch fruchtbar traurige Wahrheit: so nnd nicht an- ders werden jetzt in Berlin die„Räuber" für diejenigen in Szene gehen, die es nicht vor- ziehen, das Werk ans der Bühne ihrer eigenen Phantasie vor sich aufzubauen. Denn wenn Kino nnd große Schauspieler noch lange mit großem dichterischem Gut solches Tchindluder treiben, wird sich die Thcatcrknnst in unsere Seele zurückflüchien müssen. nießt. Da lernte der Jindrak neue Stückeln ans der Harmonika, als wären die alten nicht gut genug und sie übten nun die Künste durch, daß es ein Jammer um eine ewige Belästigung für alle Welt und jeden Kranken war. Sic kannten's ja sehr gut. Was ist aber Mu- sik, wenn man sie nicht verlangt nnd sich's einem nicht tanzen will? Nichts, als ein nn- nützer und sehr lästiger Spektakel. Dazu trau- ken sie SchnaPL, bis sie genug hatten. Und ein Musikant muß Zutrinken gewöhnt sein. Oder sie gingen gemeinsam und mochten fürs Geld Tanzmusik, die immer ein böses Ende mit Schlägereien nahm. Denn der Wallenta warf, wenn ihn die Laune packle, seinen Wim- mcrbald hin, lieh sich die erste beste Dirne, was sich ihr Bursche doch durchaus nicht gefallen lassen konnte, und drehte sich mit ihr, um den Leuten zu zeigen, wie man das eigentlich mache. Das ganze Dorf verwilderte. Und beim Zapletal, als dem Starostcn, wurden alle diese Klagen erörtert, und sein Weib mußte sie anhören. > Und immer wieder derselbe Refrain. So ein Kopf, wie der Wallenta! Er hätte Meß- ner werden können, ein Amt, das seinen Mann nährt, und selbst in einer minder lvoblhaben- den Pfarre. Nur seinem ärgerlichen Lebens- Wandel sollt' er entsagen, weil ein Meßner der Würdigkeit bedarf. Und dies oder jenes Mäd- chen mit schönem Grundbesitz nnd Geld war ganz weg in den Ausbund und hält' ihn gern geheiratet und den Mann in der Gemeinde aus ihm gemacht, den Gott in ihm schaffen wollte. Fiel ihm nicht ein, sich zu ändern, und vor dem heiligen Ehestand nahm er gar ReißanS. Er fühlte sich nun einmal hier nicht mehr heimisch. Er war zu Gast da. Und einem Gast ist manches gestattet, das man dem Ansässigen niemals nachsehen würde. Er brauchte keinen «wie«. Tic schwarzgclbc Liste. Tie Wiener„Arbeiterzeitung" beginnt in ihrer DicnStagnitmmer mit der Veröffentlichung der Mitglieder, Freunde und Förderer der schwarzgelben Organisation. Nicht weniger als etwa öOO Namen enthält dieser erste Teil der Liste, wobei diese, nach den Angabe» der„Arbeiterzeitung", noch als eine A» s l e s c zn betrachten ist. Tic Liste beginnt mit dem Anhang der schwarzgel- bcn Organisation an? der Aristokratie, zahlt dann etwa L9«> republikanische Staatsbeamte, Staatspensionisten und Offiziere auf, dann etliche„mcrktvnrdigc Intellektuelle", einige Anhänger ans der Geistlichkeit und dann wie- der eine lange Reihe Monarchisten, die den bcrschiedcnsten Bernsen angehören. Unter den impotenten Aristokraten, die sich da als nnbc- dingt treue Anhänger der genau so impotenten Habsburger herausstellen, finden wir nicht we> niger als 13 Prinzen, Grase», Markgrafen usw., die ihren Wohnsitz in der T s ch c ch o- s l o w a k e i haben. Ihre Namen lauten: Bcllcgardc, Gras. Groß-Herliv bei Troppau. Clam-Martinitz Franz, Gras, Schloß Fried- land, Tschechoslowakei. Koitbcnhcwc Tr. Viktor, Freiherr von. Tcplib- Schönau, Tschechoslowakei, Scbloßbcrgslraßc Nr. 1. Tobrzeiwkii Oltokar, Gras, Cholcbor bei Dentschbrod, Tschechoslowakei. Essterhach llasiinir, Gras, Galgocska bei Fra- stak, Tschechoslowakei. Kinski) Ulrich, Gras, Hcrinamnestec, Tschecho- slolvakei. Ledebur Franz. Graf, Petersburg, Tscheche» slownkci. Pallavicini, Markgraf, Teltsch, Tschechoslowakei. Podstahty Leopold, Gras, Teltsch, Tscheche- slolvakei. Rohan Raonl, Prinz, Kastnitz bei Sobjcslau, Tschechoslowakei. Spicaelseld Kuno, Gras, Meltsch bei Troppan, Schlesien. Schönburg Alexander, Prinz, Hartenstein bei Zwickau. Thun-Hohenstein Guido, Gras, Major, Ga- tschina bei Kuttenbcrg. Wir werden nicht ermangeln, uns diese Namen sehr gut ins Gedächtnis zu prägen. Auch den Hauptmann Karl Tier wollen wir uns merken, der von Stcrnbrrg in Mähren ans dem Karl zur Rückkehr nach Oesterreich vcr helfen will. Der„Wissenschaft" halber sei auch vermerkt, dasz der Schriftsteller Felix Salle», der Hofrat Professor Tr. Julius H o ch c n- egg, der Rechtsanwalt Tr. Emil Hof» m a n n s t h a l, beide ans Wien, und die Pro- fcssoren der Wiener Technik Tr. Julius U r- b a n e k und Tr. Adolf Sauzin der schwarz gelben Organisation angehören. Weist Gott, eine vorzügliche„Kaiscrmischnng". ES geht abwärts. Ans dem Haupt- quartier der Kommunisten kommen Bc- richte, die in ihrer Form sehr viel Aehnlich- feit mit jenen Kommuniques haben, die sei- derzeit das österreichische Gcneralstabskom- Mando veröffentlichte, wenn es an der Front schon verteufelt schlecht stand. Noch nar einem halben Jahr brachte der Reichen- bcrgcr„Vorwärts" jeden Tag feine grost aufgemachten Siegmcldnngcn, man mochte rein glauben, dasz der Anhang der kommu- aistischen Partei namentlich im Reichender- 3« Gebiet nach und nach ins Riesenhafte wachsen werde. Und nun lvächst das kom- nunistische Kind kaum ein Jahr lang und schon schrumpft. es, anstatt sich weiter zu mtwickeln, immer mehr ein. Am 9. Oktober faitd in R e i ch c n b c r g eine Kreis- Konferenz statt. Der Bericht, de» der S»,ialdemake«t „Vorwärts" darüber veröffentlicht, wird trotz der Kunst, mit der er verfertigt ist, jedem Kommunisten, der lesen kann, die Auge» darüber öffnen, dasz es nun auch in Rcichcnberg mit den Moskauern bedenklich abwärts geizt.„Ans dem Bericht war zu er- sehen"— so schreibt der„Vorwärts"— »das; trotz der Spaltung unsere Bewegung im Kreise Reichenbcrg i mm et ito ch den überwiegenden Teil der Arbeiterschaft um- faßt. Durch die Spaltung wurden uns nicht einmal 3599 Mitglieder entrissen und wir können heute noch immer einen Mitglicdcrstaiid ausweisen, der zehnmal so gros; ist wie im Jahre J918." Diese„immer noch",„nicht einmal" erinnern sehr lebhast an_ das unvergessene„Lemberg noch in unserem Besitz". Ja, sie sind sehr bescheiden geworden, die Rcichenbergcr Kommunisten! Sie, die vor ein paar Monaten noch so ge- tan haben, als könnten sie im Handum- drehen die ganze Arbeiterschaft ans ihre Seite bringen, um morgen schon die Welt- rcvolutiou zu verwirklichen, berichten jetzt mit geheuchelt triumphierender Miene, daß sie in Reichenbcrg„noch immer" zehnmal soviel Mitglieder haben wie im Jahre 1918. Damals stand bekanntlich fast die ganze Arbeiterschaft unter de» Waffen und man kann sich also ungefähr vorstellen, wie stark heute„noch" die kommunistische Partei Rei- chenbergs ist, auch wenn es der„Vorwärts" aus begreiflichen Gründen unterläßt, abso- lutc Ziffern mitzuteilen. Der„Vorwärts" berichtet dann weiter, daß die Jugend- o r g a ii i s a t i o n des Rcichcnbcrger Kreises einen R ückgang aufzuweisen hat und fuhrt diesen Rückgang hauptsächlich auf die unerhörten Persckutionen der Jugendli- che» durch die Staatsgewalt zurück. Wir erlauben uns, da etwas anderer Meinung zu sein. Der Rückgang der kommunistischen Jugendbewegung hat dieselben Ursachen wie der Rückgang in der Partei: Die kom- munistische» Phrasen verfange» heute schon sowohl bei den alten als auch bei den jun- ge» Arbeitern immer weniger. Der„Vor- wärts" scheint nicht zu merken, wie er sich selbst verhöhnt, wenn er weiter unten über den Stand der F r a u e n o r g a n i s a- t i o n folgendermaßen berichtet:„Auch dieser weist ein erfreuliches Bild auf »nd trotz der Spaltung beträgt der Mit- gliederverlust kaum 899." Wenn sich der „Vorwärts" über diesen Stand freut,— wir sind human genug, ihm diese Freude nicht z» nehmen. Tragisch wird aber die Sache dort, wo der„Vorwärts", einige Zeilen tiefer, die Genossin Jiudro die Tat- sackte aussprechen lassen muß. daß„unmit- telbar nach dem Umsturz viele Frauen mit großen Erwartungen zu uns gekommen sind, die sich heute enttäuscht sehen." Es wird wohl nicht anders sein, daß diese Ent- täuschung immer weitere Kresse der kommu- nistischcn Frauen und Männer erfassen wird. Mit jedem weiteren Tag, mit dem sich die kommunistische Partei von dem Tag ihrer Gründung entfernt, muß die Ernüch- tcrung bei den radikalisicrtcn Massen wachsen, denen sie soviel versprochen, und bis heute noch nichts gehalten haben. Sie, deren bis zum Uebcrdruß hinausgeschrien'e Berits. Wenige Tage, und er ist fort, und man Kirf ikztt suchen. Und der Eitckkeil des Wallenta, >ie in diesem mäßigen und zügellosen Leben immer mächtiger emporwuchs, schmeichelte es, im gewissen Sinn das ganze Torf zu tyranni- leren. Denn sie haßten ihn, selbst die s» ihm sielten, durch die Bank vis auf den blinden Zindrak, und sie konnten ihn doch, jeder nach einer Art und seinen Geschäften durchaus licht entbehren. Einmal würden sie sich doch heftig die Augen oischcn. Tcntt der Wallenta war dann fort, in rgcndein Amt untergekrochen, nachdem er die iente genug geärgert, sich gründlich und für miner ausgetobt. Alsdann mochten sie selbst zusehen, wie sie sich nach dein Hexensabbat zu- tcchtfändcn, den er angestiftet. Vicic werden acheit, mancher wird wohl weine». TaS ist bei Einquartierung niemals anders. Was ging'S hn hernach an? Es wurde ihm ganz leicht und varin bei solchen Gedanken. Nur eins hätt' er |cni gewußt: was die Zaplctal dann sagen vi'trde? Ja, wohl die'Achseln zucken und ihr jochmütiges Gesicht mit den blanken Zähnen nachc», das da sprach: Hansnarr du! Tu vnrstelst mir gut! Er hätte viel darum gegeben, >aß sie nicht also durfte. Einmal hätt' er sie gern klein vor sich ge ehe». Ganz klein, wie schon so ingnchcs an lere Weib, daß sie nicht mehr das Recht haben mrfte, so wenn es ihr gerade Paßte, über ihn veg in die Lust zu blicken, als säße der Gar tiemaitd da. Was war sie eigentlich gewesen? rittst arme Magd beim Zaplctal und sonst nchts. Und er statte sich die Milena gekauft, nid zwar noch viel gründlicher, als er sich den lstritl gekauft. Ten» er könnt' istin fort, wann !S ihm Paßte, und wollte das schon in seiner Stunde. Sic durste nicht mal daran denken, llnd es war ihm überhaupt unverständlich, wie Tagesparole Putsch und Revolution war, müssen heute schon, wie ans dem Bericht des„Vorwärts" ersichtlich ist, immer wie- der die Notwendigkeit der Kleinarbeit betonen, das heißt, sie müssen das Pro- lctariat durch AusklärungS- und Bildnngs- arbcit für den Gedanken des Sozialismus erziehen, so wie es die KomntllNisten bei den Sozialdemokraten gelernt haben und wie sie es heute noch bei uns sehen. Eine bedeutsame Generalversammlung des Konsumvereins Teichstatt. Ter große Konsum- verein Tcichstatk bei Warnsdorf, dessen Tätig- keitSgcbiet sich über vier GerichtLbczirke mit^ 42 Vcrkaufsfilialcn erstreckt und der außerdem' eine große moderne Bäckerei in Rumbnrg besitzt, hielt Sonntag, den 9. d. M. seine Tele- gicrtcn-Generalvcrsammluiig in Tcichstatt ab. Bei dieser Versammlung waren die von den Mitgliederversammlungen der Filialortc entsandten Delegierten schon von Vornherein in zwei Lager gespalten, in ein sozialdemo- kratischcs und in ein komiititnistisches. Zufälligkeiten gab es hier nicht. Tic Kommunisten hatten schon bei den Delegierteitwahlen alles daran gesetzt, die Mehrheit zn bekommen, in der erkennbaren und auch ausgesprochenen Ab» ficht, den Konsumverein an sich zu rei- ßen. Aber der Traum der Kommunisten ging nicht in Erfüllung. Von 199 gewählten Tele gierten waren einige 99 Sozialdemokraten, etliche 40 Kommunisten. Die kompakte Mehr- heil war auf sozialdemokratischer Seite. Dies beeinflußte natürlich den Verlans der Ber- sammlung. Auf sozialdemokratischer Seite war man überzeugt, daß die Kommunisten, hätten sie die Mehrheit gehabt, diese riirfstchtö, los gebraucht und die sozialdemokratische Vor* Wallung abgesägt hätten. In dieser Erkennst ins beschlossen die Sozialdemokraten, kein Kompromiß einzugehen, sondern zur Wahl des Aufsichtsratcs und Vorstandes nur sozial- demokratische Kandidaten in Vorschlag zu brin gen und mit der zn Gebote stehenden Mehr hcit wählen zu lassen. Doch es kam nicht zum Wahlkampf. Tic Koininnnisten erkannten ihre Schwäche und als sie erfuhren, daß ihre Ab- ficht, wenigstens einige Mandate zu erhalten, vereitelt wurde, inszenierten sie einen wilden Tumult. Schließlich sprang einer von ihnen ans einen Tisch und forderte seine Anhänger zum Verlassen des Saales ans, was sie dann auch mit entsprechendem Lärm taten. Tic Generalversammlung erledigte damit ostne den kommunistischen Teil der Delegierten die Tagesordnung bis auf den Punkt„Statutenän- dernng", der abgesetzt werden mußte. Es ist tief bedauerlich, daß es so weit kommen mußte. Aber da die Koininunisten überall, wo sie auftreten, nur Zerstörung und Verwüstung stiften, war es ein Gebot der Notwehr, dieser großen Wirtschaftsorganisation, die unter der bisherigen Leitung die glänzendste Entwicklung genommen hat, ihre innere Ruhe zur weiteren Entwicklung durch eine ihrer Pflicht bewußten und der Sache gewachsenen Leitung zn sichern. — Am letzten Sonntag fanden auch die Tele- gicrtcnwahlcn zur Generalversammlung des Viliiier Konsninverciiics statt. Acht Tage vorher hatten die vier Landorte, in denen Filia lcn bestehen, ihre Delegierten bei völliger Ein mütigkeit ihre Delegierten gewählt; die Kom- munisten wagten es gar nicht, auf den Plan zn treten. Nun haben aber diese Landortc nur 13, die Stadt Bilm aber 19 Mandate, da auf 50 Mitglieder ein Mandat entfällt. Tie Kom- munisten hatten getan, was sie tun konnten, um für sich Stimmung zu machen: sie hatten vcr- dächtigt und verleumdet. Interessant ist der sic's mit diesem Jainmermenschen aushallen konnte, der doch beim Reden krächzte und mit den Armen schlug, wie so ein angeflügelter Un glücksvogcl, und wenn er Schmerzen hatte, mit ihr und oller Welt leiste und geiferte, wie eine alte Gevatterin ostne Zähne. Tann aber hatte sie doch gar leine Ursache, so stosfährtig zn tun, als wäre sie eine Königin, die Heimliche die, und gar kein Mitleide» zu haben mit ihm, dem Wallenta. Denn, warum war er schlecht? Weil er immerdar ein Waisenkind gewesen war und kein Mensch ihm im Guten zum Nichtigen ge- redet. Wer aber nirgends eine Freude hat, der stiehlt sich sein Teilchen zusammen, was so auf den Menschen kommt. Ja, und die Madlena, sie war schon eine, die einen fromm und zn Hanse halten konnte. Bis ans ihre Schlcchtig- kcit natürlich, die er aber begriff, obzwar er nicht so recht daran glaubte. Denn hätte sie il»t nur zum Mitwisser gemacht, dies wär' ihm allerdings schmerzlich und eine große Krän- knitg gewesen, aber verraten hätt' er sie nie- ntals und istnen beiden geholfen, Ivo es nur in seinen Kräften gelegen wäre.... Es ist aber in so einem Bauernhaus, und sei es noch so weiträumig, ein sehr enges und bedingtes Wohnen. Man weiß olles voneinander, oder man er- rät's mindestens immer. Und man muß sich selbst wider Willen miteinander beschäftigen. Trieb sich der Wallenta wieder einmal um, so konnte eine Frage dcS Kindes ihn wieder in Erinnerung bringen. Und so wußte Frau Mab- (um bald alle Kirchwcihcn in der Runde, weithin, bis wo die Deutschen wohnen. Denn so etwas konnten die beiden Bettelinnsikanten, der Iindrak und der Wallenta, natürlich nicht ans- lassen. Initiier nannte sie sich den Blinden zu- erst; denn damit drückte sie bcii. anderen zu seinem Begleiter herab. Es gab da Dörfer, de reu Burschen als Raufbolde berüchtigt waren und von den Slowaken gelernt liatten, mit dem Messer arbeiten. Da konnte leicht einmal die Nachricht kommen, man habe den Feldwebel erstochen. Dachte sie dieser einen Möglichkeit, so erschrak sie dennoch sehr und fühlte ein sol- chcs Mitleiden in sich über das junge Blut! Und überdies suchte sich ihr Mann immer eine solche Gelegenheit zn höhnischen Buuer- hingen für den Fernen ans. Die empörten sie, weil sie ihren Zweck nicht so ganz verstand. Wo- zu sollte dies freundschaftliche Getue, dieses Gott und den Heiligen danken, hatte man den Her- zensbrudcr erst heil wieder, wenn in allem Grund nichts, nur Gehässigkeit dahintersteckte? Wie konnte man lediglich des Vorteils willen oder aus Furcht eine solche dumme und feige Komödie spielen? Es war wohl Furcht. Denn gediehen und reich geworden war man doch ohne den Wal- lenta. Er war ober ein beherzter Barsch, der sich um niemand kümmern brauchte und seine schlimmen Wege in aller Offenheit ging. Da- durch hatte er es ihrem Mann wohl angetan, der so schreckstaft und fürs Geheime war. Wal- lenla aber raufte mit dein Teufel nni ein Mnckenbcin und war insoweit ein Mann. Nur konnte sie durchaus nicht begreifen, was die Weiber so sehr hinter ihm zog. Denn hübsch Wer er sicherlich nicht. Man sprach viel von seinen Augen. Frech waren sie genug. Aber sie war noch nicht rot geworden vor ihnen, wi> man sagte, jede müßte eS werden, die er anstuckte— sie nicht. Das redeten sich wohl mir die ein, die durchaus eine Ansred' wollten .'Dabei merkte sie sehr gut, daß ihr Mann ifc mißtraue. Denn Worte, die sie so ganz ohvic Arg fallen läßt, griff er aus, wiederholte lieht allen Tonarten bei passender Gelegenheit, bcchchnufscllc sie förmlich.(Forts, folgt.) 18. Oktober 1921. Ausspruch eines ihrer Kandidaten, Franz Zahn, der gesagt hatte:„Wenn der Konsum, verein verschwunden sein wird, wird cS billl- ger werden.— Anfänglich schien es unmöglich, die Wahlen vorzunehmen, so groß war der Tumult, der sogar bedrohliche Formen an- nahm. Doch später wurde es ruhig und d-c Wahlen konnten unter Namensaufruf erfolgen. Tie Liste der sozialdemokratischen Organisation erhielt hiebet 141, die Liste der Kommunisten 82 Stimmen. Damit ist die weitere Entwick- lang der Konsumvereins gesichert.~' c Korn« munisten mögen nur ihre Drohung wahnua« chcn und einen eigenen Konsumverein grun- den. Immer noch besser, als wenn sie unsere 'Genossenschaft hätten zugrunde richten tonne«, Ein köstliches Gcschichtchen erzählt der Cz«. nowiher„Vorwärts". Wie ihm_ lrntgctcUI wird, hat der Generaldirektor des hiesigen De, partementS für VolkSgcsnndheit vor einiget Zeit— es war gerade ImPfzett—'N Buka, lest den erforderlichen Impfstoff angesprochen Da diesem Ansuchen nicht entsprochen wurde, sandte er einen Spezialbotcn mit dcmselbcv Austrage nach Bukarest, doch kehrte auch diesci rcsultatlos zurück. Die Zeit drängte, die Ar, beit stockte und so entschloß sich dann der Oer: Generaldirektor, au das zuständige-^pot n Bukarest eine amtliche Anweisung um Au» folgung des bereits mehrfach verlangten Jmsss, stoffcs zu senden. Was taten nun die Ober, bonzeil in Bukarest? Sic«teilten folgend, Antwort:„Wer ist dieser freche Mensch, der et wagt einfach Anweisungen zu geben? Vor. läufig wird er mit einem zehntägigen Lohnob. zug bestrast, int Wiederholungsfälle aber ent- lassen. Tic Bukarest« Herrschaften haben da- mit bewiesen, daß sie ans dem Gebiete des Ge. sundheitswesens noch größere Künstler sind als auf allen anderen Verivaltnngsgebteten. Die Flucht der Gelehrten vor Wien. Aul Wien wird gemeldet: Tie aus Deutschland an die Wiener Phil. Falllltät berufenen Gelehr- tut Prof. Dr. Erich Becher-München, Kunst- Historiker, Prof. Wilhelm Pinder-Leipzig, so- wie die Chemiker Prof. Schill-Tresden und Prof. Braun-Frankfurt a. M. haben ihre be- veits erfolgte Zusage zurückgenommen und v«> bleiben in ihrer gegenwärtigen Stellung. Der hervorragende Botaniker an der Wiener Ilm- verfilm Prof. Molisch hat den an ihn«gange- neu Ruf an die kaiserliche Universität in Japan angenommen. Der Minister siir soziale Fürsorge Gustav Habrman empfängt unangemeldete Besuche Dienstag und Freitag von 10 bis IL Uhr. Die Besuche, die von außerhalb Prags kommen, werden aus diese Tage mit dem Bemerken ans, mertsam gemacht, daß es an anderen Tagen nicht möglich seilt wird, sie ohne vorhergehende Per- ständigung zuverlässig zn empfangen. Dieselben Tage wurden auch für die Besuche bei de» Ncfe- reuten im Ministerium festgelegt. Meuchelmord. Am L. Oktober kehrte der GreiSler Josef Trlal von Kladno über Laim und Brest nach Mcstcc bei Knvaklat heim. Hinter Brest näherte sich ihm ein unbekannter Mann, der, ohne ein Wort zu sagen, sechs Schmie ans einem Revolver gegen ihn obgaä und ihn schwer verletzte. Ter Verwundete ließ den Wagen init den Pferden ans dem Wege stehen und krack in das in der Nähe befindliche Jägerhaus. Don pflegte ihn der Heger Franz K o l s k h und ver- anlaßtc seine Ucbersührung in dos Krankenhaus in Rakonitz, von wo er in das allgemeine Kran- kenhaus überfuhrt wurde, wo er starb. Der Attentäter entfloh in den Wald. Kurze Zeit dar- auf bemerkle der gegen Lana jährende Chauffeur Adalbert P c n s ch aus Prag den vom Kutscher verlassenen Wagen und vermutete irgend eine Gewalttat. Er fuhr nach Nov» Dum und sichele eine Gcndarmericpatrouille zum Tatort. Nach der Beschreibung des Trkal criannte diese in dem Mörder den Otiokar Chladek aus Herntan- Mcstcc. Chladek kannte die Familienverhältnisse Tt'kals und weil er kein Alibi liefern konnte und festgestellt wurde, daß er im kritische» Augenblick in der Nähe des Tatortes sich befand, wurde er verhaftet. ES sprechen gegen ihn auch noch an- dcre beweiskräftige Indizien. Nächtlicher Uebcrsall. Vorgestern gegen 4 Ikkr früh ging die Kassien» Olga Zeit» nach Hanse. Als sie in die Zcltncrgassc kam und das Haustor öfsnen wollte, sprang ein unbekamiter Man» aus sie zu, der es hinter.ihr zuschlug, sie zu Boden warf und ihr die Taschen durchsuchte. Tic Zetiu rief um Hilfe. Wache eilte herbei und verhaftete den Mann, m dem der 2!> Jahre alle Drechsler Josef Dvorak aus Holleschvwitz agnosziert wurde. Er wurde wegen Verbrechens des Raubes dem Landcsstrafgcrichte eingeliefert. Zusammenstoß mit einem Straßenbahnwagen. Gestern Vormittag fuhr der Kutscher Robert Skor cp a ans Zszkaw mit einem zwcispänni- gen, mit Brettern bcladcnc» Wage» durch die Gasse„Pod Letnou" aus den Klarov zn. In der Nahe der Straka-Akcidcmic wollte Skorepa einem Handwagen ausweichen, fuhr dabei auf da? Ge- leise der elektrischen Straßenbahn, aus welchem gerade ein Wagen der Zwölscrstrccke herange- jähre» kam. Es kam zu einem Zusammenstoß, hei Welchem die Fenster aus der vorderen Piatl- form zerschmettert wurden. Inzwischen kam in dupelben Richtung ein Wagen der Einserstrcckc, deste» sichrer Franz Lnkesch das Hintcrnis nickt bemerkte und heftig gegen de» auf der Strecke stehenden clcllrischen Straßenbahnwagen anfuhr. ~nounh wurde bei dem Zwölferwagen noch die bmlerc Plattform zerstört»nd beini Einserivogen die vordere. Es wurden einige Personen d nr ch dl? Glasscherben verletzt. Sic wurden in der Rettungsstation verbunden. Wcmtochs Taschenfahrplan(Winter 1921/22") ist soeben CTiducncn. Cr enthält alle Acnderungen uttu Ateuenu" \ C cn' v-i. cuu;uu UUC»cnocrunflini und gkciicnifuhriingc», mich solche, welche wäh- ^>» MNgstcr Zeit erschienen sind. Erhaltlich m allen Buchhandlungen. Zeitnngsgc- Jchqftcn uno.beim Verlag Robert Woictoch. Turn-