1. IahrMg. Nr. 39. ?amsiog, 15. Oktober IM. Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoflovzakischenNepudiik. BffattWtta tfa fi».«»» yaafci? ^ost,vuriasi»ionto 57544, I Erscheint mit Ausnahme de» Montag täglich früh. Abziehende Wollen. Am Horizont Mitteleuropas stand Wo- S,cn hindurch finster und drohend ein schw«- *8 Gewitter. WaS an Schwüle und Span- !lung in der politischen Welt vorhanden var, hatte sich in dieser Wolle schwarz zu- 'ammengeballt. Im Burgenland hoffte der tatendurstige Militarismus der ilten uilgarischen Generale auf seine Rech- ning zu kommen. Von hier aus gedachten )ie in a g y a r i s ch e n Reaktionäre, meint sie das Feld siegreich behaupteten, ihre Feindschaft gegen Arbeiter und In- jesiektuelle, gegen Demokratie und Republik veiter zu tragen nach Wien, Preßburg und ?lgram. Steinainanger sollte die erste Stufe ein, die irgend ein schuldbeladener Habs- !»>rger zum wiedexerrichteten.Throne sei- icr Väter" emporstieg, und die ausschwei- sende Phantasie der schwarzgelben und !>er bayrischen Legitimsten träumte bereits Mc von Horcht) und Stefan Friedrich ein- zcläutete bayrisch° österreichisch- ungarische Monarchie der.w i e d e r e r w a ch- ' e Ii C h r i st e n". Und weil sich mit dem Vorteil der Vu- sapester und Wiener das Interesse der euro- wischen Reaktionäre nur allzusehr zu decken schien, sah ez um Mitteleuropas Frieden besorgniserregend aus, als die ungarische Regierung im August zuerst die Vertrags- näßige Räumung des Burgenlandes sa- iotierte und dann irreguläre Banden vor» schickte, welche mit Brand und Mord, mit Lügen und einer widerlichen Unabhängig- scitskomödie den Vertrag von Trtanon verhöhnten. Die schwerste Aufgabe hatte naturlicher« Meise Dcutschösterreich zu bestehen und-S mt sich, unter werktätiger Mithilfe unserer Genossen, trefflich gehalten. Nichts ist schwerer, als in Stunden der Leidenschaft ruhig Blut zu bewahren, nichts verlangt mehr männlichen Mut, als der brutalen Gewalt des Unrechts und des frechen Raubes gegenüber selbst die Machtmittel, die man sein Eigen nennt, nicht in Ge° brauch zu nehmen. Als Geschlagener wie- der zu schlagen, ist das Natürlichste von der Welt. Wenn unsere Genossen das dem- noch verhindert und energisch verlangt haben, daß die Entente für die Einhaltung des von ihr garantierten Vertrages auch durch Taten sorge, so bewiesen sie durch diesen Akt der harten Selb st- ü b e r Windung eine bewundernswerte Politische Reife. Denn«in gegen den Wik- lcn der Entente bewirkter Einsatz der Reichswehr hätte nach kurzer Frist gewiß neue Verwicklungen gebracht. Den real» tionären Streithähnen in Paris aber hätte «r das Übergewicht gegeben, sodaß die Entente sich durch Oesterreich«.Eigenmäch- tigkeit" aller ihrer Verpflichtungen hätte für entbunden erklären können. Dann aber wäre eingetreten, was als größte Gefahr aus Harth HS U eberfall drohte; die Welle der Gegen» rcpolution wäre über Wien und vielleicht über Mittel» europa hereingebrochen! Die zielbewußte Forderung der Sozial- demokraten brachte, sei eS auch widerstrebend, die Entente auf den Plan. Das geschah unter vielen Hemmungen, unter zahllosen und ausregenden Zwischenspielen der Eifersucht und der Jnteressenkonflikte, aber immerhin, es geschah. Die Politik war noch nie der Schauplatz der Sentimentali- täten und des uneigennützigen Idealismus und darum ist es Herrn Dr. B e n e s ch nicht weiter zu verdenken, daß er vor allem aus Sorge um den von ihm geleiteten Staat vermittelnd in den Streit eingegriffen Der Mailänder Parteitag. Friedrich Adler spricht als Saft. Mißerfolg Klara Zetkin». Berlin, Ig. Oktober. Das.^Berliner Tage- blatt" meldet auS Rom, daß die Rede der Kommunistin Klara Zetkin nur von einem Dutzend Personen, die des Deutschen mächtig waren, verstanden wurde. Als die Rede ins Italienische übertragen wurde, war der Bei- fall merklich flauer und bei der Mahnung, Ne- Solution zu machen, setzte lebhafter Wider- spruch ein. TreveS zerzauste die Zetkin, die ohne Sachkenntnis über italieni- fche Dinge gesprochen habe, und tat dar. daß das durch den Krieg geschwächte, alle Rohstoffe entbehrende Italien sich den Luxus einer Revolution nicht leisten könne.(Beifall.) TreveS bezeichnete den FasziSmuS als eine hi- storische Episode. Am Schlüsse verkündete der noch Moskau gepilgerte Extremist L a S z a r t die Entrüstung Lenins über TreveS, Turatti und die übrigen Gemäßigten und forderte den Kongreß im Rainen Moskaus auf, die g e- mäßigten Elemente aus der sozialisti- schen Partei auszuschließen. Wien, lg. Oktober.(Eigenbericht des„So- zialdemokrat".) In der gestrigen Sitzung des Sozialistenkongresses forderte der polnische De- legierte Wolosky die Ausschließung der nicht revolutionären"Mitglieder, was einen großen Tumult hervorrief. Der Delegierte Mateotti sprach für die Einigkeit der verschiedenen Frak- tionen der Partei. Zerrati sprach gegen Laz- Sri, der aus Moskau Weisungen zur Spal- ng gebracht hat. Er erklärt:„Wenn wir die Reformisten ausschließen, würden wir doch nicht von Moskau aufgenommen werden, weil es in Italien schon eine kommunistische Partei gibt und der Uebertritt in diese die Voraus- setznng zur Aufnahme in die dritte Jntcrnatio- nale bildet". Friedrich Adler ans dem Kongresse. Malland, 13. Oktober.(Stefani.) In der heutigen Sitzung des Sozialistenkongresses pro- testierte Abgeordnete Sentini gegen die faSzi- stischen Gewalttätigkeiten. Abg. Maffi wies auf die Gegensätze in den auf dem Kongresse gehaltenen Reden bezüglich der Reise nach MoSka« hin und betonte, daß die Delegierten bloß die Aufgabe haben, Aufklärungen zu geben, nicht aber zu verhandeln. Er hob die verschiedenen Auffassungen über die Einheit der Partei hervor. Sodann gelangte unter dem Beifall der Kongreßteilnehmer ein Te- legramm der ägyptischen Unabhängigkeitsliga zur Verlesung, worin der Kongreß aufgefordert wird, gegen die englische Okkupation zu protestieren. Repolti sprach über die Reise nach Rußland, wobei er eine Darstellung des Bei- trittes zur dritten Internationa.« gab. Er teilte mit, daß Lenin und Trotzki die italieni- schen Fragen gründlich behandelt haben, die italienischen Delegierten jedoch verhindert wurden, die italienischen Sozialisten zu vertei- digen. Die dritte Internationale wolle den Ausschluß der Reformisten. Das Erscheinen Friedrich Ablers und sein Versuch, zu sprechen, rief Tumulte hervor. Dank der Energie des Präsidenten gelangte Adler zum Worte, der dann den Wunsch nach einer internationalen Arbeiterloalition zum Ausdrucke brachte.:,'enteveglio sprach gegen die dritte Internationale. Scrrati setzte hier- auf seine gestern begonnene Rede fort. Er erklärte, daß er nach wie vor Revolutionär sei, setzte jedoch binzu, die Revolution müsse ihr Reifwerden abwarten. Schließlich verlangte er Einigkeit aller Kräfte der Partei im Hinblick auf die Revolution. Wien. 14. Oktober.(Eigenbericht de»„So- zialdemokrat") Gestern beschloß da« Präst- dlum de« sozialistische» Kongresse«, da die Frage der dritten Internationale noch nicht geregelt ist, feinem Redner einer anderen Partei daS Wart zu erteilen, mit Ausnahme von Fritz Adler, der eben angekommen ist. AlS Adler die Rednertribüne betrat, wurde er mit stürmischem Beifall begrüßt. Da die radikale Gruppe protestierte, ließ der Präsident abstimmen. Der ganze Kon- greß, mit geringen Ausnahmen, ent- schied, daß Adler sprechen solle, worauf Adler ohne Störung Grüße des öfter- reichischen Proletariats überbrachte. den, eben weil die einen Horthy, die and'e- ren Karl zuneige», auseinandergehen mö- gen, soviel ist sicher, daß die Freischärler ohne amtliche Hilfe nie hätten auftreten können und daß sie, dieser Hilfe beraubt, nach wenigen Tagen sich in alle Winde zer- streuen müssen. Wenn Marchese della Tor- retta, wie man annehmen darf, dem hart- hörigen Horthy den entschlossenen Willen der Entent« zu verstehe,, gegeben hat. sa wird auch Horthy wohl oder übel wollen müssen und dann wird weder die Räumung deS Burgenlandes, noch die nachhcrige Ab- stimmuilg in Oedeilburg. die ja schon längst auf dem sozialdemokratischen Programm stand, ein« Komödi« sein. Ohne ein beut- lichcö„wenn..." freilich soll man, durch schlimme Erfahrungen mit Ungarns Diplo- maten gewitzigt, diese Hoffnung nicht aus- sprechen, aber sehr viel bedeutet doch schon das Schwinden der ärgsten, drohendsten Sorgen! Ein Alp beginnt zu weichen, eine Wolle sich zu lichten, direttc Per- Handlungen d«r Beteiligten versprechen die Kriegsgefahr zu zerstreuen. Nicht nur Deutschösterrrich, das ganz« Mitteleuropa darf ruhiger atmen, die Kon» flittc, die vom Burgcnlande her drohten, scheinen ihre Schärfe zu verlieren. Hätten sie sich zugespitzt, so hätte ganz leicht auch die tschechoslowakische Republik in den Kreis jenes Geschehens hineingezogen werden könne,,. Vor dem Proletariat dieses Staates stand das Gespenst des Krieges näher, als mancher denken konnte und mochte. Die Vernunft hat ei hoffentlich' verscheucht. Eins Niederlage der Kommunisten in Moskau- Die Menschewiken rrlangen in einer Gewerkschaft die Mehrheit Berlin, 14. Oktober.(Tsch. P. B.) Die „Freiheit" meldet auS Moskau: Die Konfe- renz der Gewerkschaften der chemischen Arbei- ter des Moskauer Bezirkes endete mit einer Schlappe der Kommunisten und eine Spal- tung der Gewerkschaft. Die Konferenz nahm eine Resolution der Menschewiken an, worin die Unabhängigkeit der Gewerkschaft von der Sowjetregierung verlangt wird. Darauf der- ließen die Kommunisten den Sitzungssaal und faßten den Beschluß, eine neue rote Gewerk- schaff der chemischen Arbeiter zu gründen. j Obwohl es sich hier um eine der kleineren ; Gewerkschaften handelt, kommt der Nachricht die größte Bedeutung zu. Sie kündigt den An- . fang vom Ende an. Der Terrorismus der . Sowjetregierung und der von ihr eingesetzten I„Tscheka" verhinderte bisher das Aufkommen jeder anderen Parteirichtung, als der terrori« stischen. Daß nun doch, noch dazu in Mos- kau, die Menschewiken in einer Gewerkschaft die Mehrheit erlangen konnten und die Kom- munisten als Minderheit die Spaltung vollzie- hen mußten, zeigt, wie tief die Gärung die russische Arbeiterschaft bereits ergriffen hat. hat. So verschieden und vielfach gehässig auch sein Schritt ausgedeutet wurde, jeden- falls brachte er de,, träge zuschauenden Mitgliedern der großen Entente ihre Pflicht zu Bewußtsein, wenn ihnen ihr Ansehen halbwegs etwaS gelte, einen Schlichtungsversuch zu unternehmen.— : Italien trat vor. Wiederum nicht d«n schö- l n«n Augen der Wiener zuliebe, sondern au» Eifersucht gegen die kleine Entente und vom Bewußtsein durchdrungen, daß im westungarischen Brandherd sein eigenes, von Stürmen und Gegensätzen zerrissenes Land selbst Feuer fang-i, könne. Doch dieses Argument der Realpolitik gab seiner Per- Mittlertätigkeit in Venedig den festen Willen und die ehrliche Absicht. Von allen Einzelheiten abzusehen, haben die hier getroffenen Vereinbarungen zwi- schen Horthy und Schober die, ein« große und grundsätzlich« Bedeutung, daß sie beweisen, wie auch in unserer heutigen, noch immer vom KriegSwahnstnn fiebernden Zeit ein heißer Streit friedlich und schied- lich beigelegt werden kann. Und darüber hinaus tragen die verschiedenen Bedingun- gen den Stempel des Vernünftigen und also Erfüllbaren an sich. Denn so sehr auch die Sympathien der vertragschließenden Horthyregierung und der karlistischen BanInland. Der Deutsche parlamentarisch« verband und die ungarische Reaktion. Der Besuch deS deutschparlamentarische« Verbandes in der Slowakei war ein Besuch der Deutschbürgerlichen bei der ungarische» Real- tion. Den» die beiden Parteien, welchen der Besuch galt, die kleinen Landwirte(maskierte Großgrundbesitzer) und die Christlichsoziolen, deren Christentum Horthy-Christentum, deren Sozialismus der Sozialismus des weißen Terrors ist, sind die Hauptpseiler der klerikalen Reaktion in der Slowakei. Die Tätigkeit dieser Parteien erschöpft sich in erster Linie in der Sabotierung der Agrarreform, der dürftigen sozialen Gesetzgebung und der Einlieferung des Getreidekontingents, d. h. in der Aushungerung der städtischen Bevölkerung. Die Herren Großgrundbesitzer haben uu- längst eine Demonstration in Preßburg veran- staltet, deren Hauptzweck die Abschaffung der Einlieferung des Getreidekontingents war. Die ungarischen Gentry, welche die Arbeiterschaft der Städte dem Hunger preisgeben will, leidet wirklich keine Not. Der Besuch der deutscheu Parlamentarier bei den ungarischen Gutsbe- sitzerii war eine ununterbrochene Kette üppiger Festessen. In Dunaoisujsalu, bei Jgnaz Da- ranyi, dem Kodifikator der berüchtigten unga- rischen LandarbeiterauSnahmsgesetze, genossen die Herren Abgeordneten und Senatoren ein reiches Frühstück. Um 5 Uhr nachmittags desselben Tages fand in Komorn ein großer Schmaus statt, ein Wettessen und Wettrinkeu. Tie Preßburger„Magyar Ujsag"(„Ungarisch« Zeitung") schreibt darüber wie folgt:„Gute Komorner Zigeuner spielten die schönste« UN» garischen Lieder, feurige Weine und noch feu- rigere ungarische Mädchenaugen entzündete« die Herzen der deutschen Käste und zuletzt vev» setzten die leidenschaftlichen Tänze die sangui« nischcn Söhne der Sudeten fast in Fieber." Sa wurde die Waffenbrüderschaft des ungarisch«» und deutschen„Volles" gefeiert Vom Besuch deS Verbandes erhielte^ dir WWÜWrliSen MWft fcS Seift L. Verständigung. Hierüber drückt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Parteien in der Slowakei sein Bedauern ans. Einen politischen Anstrich bekam dieser gastronomische Ausflug nur durch den Buben- streich des Zupans Folkmann, der den Ein- pfang mit Bandcrien verbot. So tvurde ohne Bandcric», nur bei Zigeunermnsik gegessen und getrunken. Frage und eine Antwort. Ter Nei- chenberger„Vorwärts", dessen Klassen- tnnipfpolitik sich nunmehr darauf reduziert bat, alle Kämpfe der sozialdemokratischen Partei mit lautem Gekläff zu begleiten und ,z» allen Acußerungcn unserer Presse hä- mische Grimasse» zu schneide», sucht sogar auch den Fall Wollschal unter dem Schlag- worte:„Ein Ausyesprungeiicr" in seiner gcschmaeknolleu Art auszuschroten. Dabei stellt er die Frage,„wie dieser Mensch, der jetzige Dcutschgelbc Wollschal, in der So- zialdeiiiokratic eine Rolle spielen konnte". Nun, auch Herr Krcibich war einmal Mit- glicd unserer Partei und das erscheint beute ebenso erstaunlich, daß er liier„eine Rolle spielen" konnte, wie eS beispielsweise auch erstaunlich ist, das; Lecher und Trzyzubski Sekretäre der kommunistischen Partei waren. Der Klub der tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten bielt vorgestern eine Sitz- ung ab. in der Dr. Leo Winter einen Bericht über die Frage der Sozialversicherung erstattete. Die sozialpolitische Kommission des Klubs wurde beauftragt, dem Plenum einen Antrag auf Lösung der Wohnungskrise vorzulegen. Der Klub wird den Antrag stellen, daß vom 1. Männer ab die Frcikarte» dc r A b g c- ordneten und Senatoren auf den Bahnen eingestellt und dafür Abonncmcntskartcn ein- geführt tvcrden, die gegen Entrichtung eines Pauschales zur Ausgabe gelangen. Bei dieser Gelegenheit wurde dein Wunsche Ausdruck gc- geben, dag die erste Wagenklasse vom Beginn des neuen Lahres überhaupt aufgehoben werde. Gleichzeitig empfiehlt der Klub die Frei* karten der Abgeordneten auf den elektrische» Bahne» in Prag und der anderen Orte sowie auf den Danipsschifsen einzustellen. Zu», Schlich wurden Wahlen vorgenommen, wobei zum Obmann des Klubs Johann! v, zu sei- ncm Stellvertreter B c ch y n c gewählt wurden. SejierreWsSer Nstisnalrat. Die Sozialdemokraten gegen R? Bcamtcn- Grnennung von Monarchisten. Wien, 1 l. Oktober.(Eigenbericht des „Sozialdemokrat".) Im Nationalrat haben die Sozialdcmolralcu heute eine dringliche Anfrage eingebracht, weil ein christlich- sozialer Monarchist— der wegc» Werbung für die österreichische Legion in Ungarn angeklagt gewesen war und vom Obersten Gc- •nchisbos nur deshalb freigesprochen wurde, weil infolge des Friedensvertrages eine .Amnestie erlassen lvordcn ist,— weil dieser Monarchist mit Namen Rakonitz vom Ann- desministcr für soziale Verwaltung als Be- amter angestellt wurde. Es lam zu stürmi- schen Szenen bei der Verhandlung. ^Schließlich wurde ein Autrag angenommen, üvornach die Regierung ausyefordcri wird, die Rechtmäßigkeit der Anstellung zu über- prüfen und ein Verzeichnis der seit dem .Zeitpunkte der Anstcllungsspcrre erfolgte,, Anstelkungcu in den Bundesministericn vorzulegen. Die tcutschen Patrioten. Gestern Karl, heute Emanuel. Bozen, 14. Oktober. Tie deutsch- nationalen Tepnticrtcn aus Südtirol bcabsichti- gen, ihre M a„da i e in die Hände ihrer Wähler zurückzulegen. Die deutschen Parteiführer hatten gelegentlich der Reise des italienischen König? in die nördlichste Provinz, welche Südtirol»nd das Trcntino»msaßt, die Losung ausgegeben, das, sich die deutsche Bcvölke- rung vom Königs empfange fern zu- stalten habe. Ihre Agitation blieb jedoch er- folglos, denn dem italienischen Könige wurde sowohl in Bozen als auch in Mcran, Klause» »nd Gosscnsciß auch von deutscher Seite ein herzlicher Empfang zuteil. Tic deutschen„a- tionalistischcn Deputierten verösscntlichc» dcS- halb eine Erklärung, in der sie ihre Absicht, die Mandate niederzulegen, damit begründen, dag jdie zahlreiche Teilnahme der Deutschen am Kö iniasempfange, auch jener, die sich nicht ans eine losfizicllc Stellung berufen konnten, ein Ausgeben -des intrcinsigcnt?, nationalen Gedankens>»,d eine Dcsavouicrung der bisherigen Abgeordneten darstelle, welche bisher die Interessen des ganze» Südtiroler Volke? zum Ausdruck z» bringe» glaubten. Die offizielle Nücktrittserklärnng der deutschen nationalistischen Deputierten dürfe in, Lause der nächsten Woche erfolgen. Es verlautet, daß im Falle vcS Rücktrittes der Abgeordneten eine deutsch-italienische WirstchastSpartei gebildet werde» wird, aus deren Mitte neue Abgeordneten MwWt werden sollen,'*"z Sozialdemokrat Oberschlesien. Was Deutschland verliert. Berlin. 14. Oktober.(Wolfs.) Wenn die Nachrichten über die Teilung Ober- schlcsicns sich bestätigen, dann gehen dl 6% der oberschlesischen bezw. 42.5% der gesamten deutsche,, Kohlen- Vorräte bis 1500 Meter Tiefe verlöre,,. (>4% der oberschlesischen Steinkohlenförderung kommen nach Polen, waö„ach der Fördernngöziffer von 1013 jährliche« Ausfall von 28 Millionen Tonnen Steinkohle für Deutschland bedeutet. ES kommt hinzu, daß die bei Deutschland verbleibenden Kohlcnwcrle zun, grossen Teile stark abgc- baut sind. Von der gesamten dcut- schcn Zinkproduktion gehen^.. mehr nI8 60% verloren, ebenso werden die alliierten Machte ihre Ansicht über koinnicil sämtliche deutschen Zinkhütten in da? zu befolgende Verfahren liindgcbcn. Die Obcrschlcsicn in polnische Hände. B o n englische Regierung hat tatsächlich den Wunsch der deutschen Bleicrzfördc- geäußert festzustellen, ob die^AnemPfehlung des rung„nd den darin enthaltenen Silber- erzen gehen 27% verloren, da 75.4% der oberschlesischen Bleierze vollkommen in Regelung des oberschlesischen Problems. Ken- Worth,, sagt: Aufgeklärte obcrschlcsischc Ar- heiter, die an fortgeschrittene Arbcitcrgesctze gewöhnt sind und in reine» gntvcrwaltctrn Städten gelebt haben, werden den Polen aus- geliefert, die in Degradation und Schmutz leben. Das ist dasselbe, als wenn ein Rolls- Royee-Wagc»(beste englische Automobil- marke) eine», australischen Wilden übergeben würde. Die oberschlesischen Arbeiter werden den Kommunisten in die Arme getrieben und kann sie deswegen nicht tadeln. Der Genfer Vorschlag und der Versaillcr Vertrag. Paris, 12. Oktober. Die Agencc Habas meldet: Nach erfolgter Prüfung des amtlichen Textes des Gutachtens des Völkcrbundratcs BölkerbundSvertrageS dem Vcrsailler Vertrage entspreche, bevor sie bestätigt wird. Die Agencc „ HavaS bemerkt hiczn: Das Gutachten des Bälden abgetrennten Gebieten liegen. Für die, kcrbundratcs enthält zwei von einander^ge- Eisenindustrie laßt sich noch keine. trennte und unabhängige Teile. Der erste Teil ganz genaue Zahl mitteilen, doch ist auch' enthält die Festlegung der Grenze zwischen Po- hier mit einen, Verlust von mehr lcn und Deutschland in Obcrschlcsicn. In die- „IS 63% der oberschlesischen Eisen- scr Beziehung ergeben sich also keine Schwie- indnstrie z» rechnen. Vor Tische las man's anders. London, 14. Oktober.(Havas.) Ter dcnt-, ,, 4 ,, [che Gesandte Stha».°r hat Lord Cnrzon neu-??.-rbm.dLrat- als Wunsche,.-wert erlich einen Besuch abgestattet und ihm^! f stm'd'gvufl der^enzl,nu: e^ch e we^. aus der Annahme des Genfer Gutachtens sich^un steht aber der Bert ag keuicile, Pcschran- ergebende Gefahr auseinandergesetzt, wobei er»ng bez.-gl.ch der pol.t.,che^en aUatde. insbesondere auf den möglichen Rücktritt des be.denStaaten nach der G,enz est..n ng v°. Wwi». ES wurde»;»«S« ZTSSSOäS. Berlin, 14. Oktober. Nach einer Meldung raten, sich miteinander zu verständigen,„m der„Possischcn Zeitung" hat de interalliierte^ic Ausbeutung des Industriegebietes zu Kommission in Oppeln genaue Instruktionen j sichern 15. Oktober 1921. Weftimssrn. Der österreichische Bundeskanzler über das Abkommen in Venedig. Wien, 14. Oktober.(Eigenbericht des„So zialdcmokrat.") Im Ausschuß für?leußcres gal heute Bundeskanzler Dr. Schober Ansknnf! über die Verhandlungen in Venedig. Er teilt« mit, daß Oesterreich unter einem schwere, Druck der Entente gestanden sei. Der italie Nische Außenminister habe mit dem ganze, Nachdruck seiner Stellung betont, daß er in Einverständnis mit Frankrcick und England handle«nd daß Oesterrcist ans ein Kompromiß auf der vorgeschlagene, Grundlage eingehen müsse, und er betont nachdrücklich den Zusammenhang mi' der Kredit frage. Dabei führte er aus daß eine Ablehnung des Eingehens auf dich Verhandlungsbasis die Entente zu verletze, geeignet sei. ES handelt sich darum, daß dt ungarische Regierung zur Uebcrgab« West,», garns und zur Entfernung der Banden inner halb einer Frist von drei Wochen verpflichte ist. Ungarn verlangte, daß Ocdenburg unl Umgebung abgetreten wird, erklärte sich abei schließlich' bereit, daß in Oldenburg und i, fünf weiteren Gemeinden eine Volksabstim mngn vorgenommen werde. Tie Volksabstim mring soll unter internationalem Regime voi sich gehen, dem österreichische und ungarisch, Delegierte beizugeben wären. Die Ententz hat interalliierte Truppen für diese Zwecke be reit gestellt. Bleibt das Abstimmungsgcbick wirtschaftlicher Fragen, deren Annahme vom j, c j Ungarn, so sind die weitestgehenden Ev lcichtcrnngen im gegenseitigen Verkehr zuzu- sichern. Für die Schäden, welche durch du verspätete Ucbcrgabe erwachsen sind, hat du ungarische Regierung aufzukommen. Ein Be. schlich wurde im Ausschuß noch nicht gefaß, und es werden die Parteien dazu erst Stellunk Verlaus und Bestimmungen. Oktober. In der heutigen Kon- den Vertretern der Presse legte de, Rcgierungsvertreter den Verlauf der Vcncdi- gcr Verhandlungen dar. Zum Eingreifen det rigkcitcn. Abgesehen von der Grenzlinie ent- halte das Gutachten aber noch Pläne bezüglich zur Per- für die Zeit der Bekanntgabe der Entscheidung! Alliierten eine endgültige Enlscheidniig gctrof- des Völkcrbundrates erhalten. Jeder Versuch werde», bezüglich des vorläufigen Wirt- eines Widerstandes ist mit unterdrücken. Die Besatz, Alarmbereitschaft an zc„. m halten und Trnnsvorl, als möglich bereit zu stellen schickung der Truppen an c- sofort erfolgen kann. Die C Ir „ Mitteln zu von lind in i ., sind Gebiete, in itzen 'reich Ver- ? c'lc 'k- de- schaftsrcginrcs aber nur eine Empfehlung er folgen. Berlin, 14. Oktober. Das Wolffbüro be- merkt-u den, zweiten Punkte: Bon„nterrich- lcter Seite wird bemerkt, daß man die An- nähme dadurch zu erreiche» gedenkt, das; Deutschland gewisse Zugeständnisse nationaler Art gemacht werden. Ebenso soll die Klausel metisch abzuschließen, lieber „et Unruhen vorke mincn, ist s-'1 der B'- Begünstigungen''für" die Bevölkern«» der ab- lagernngsznstand zu verhängen. General Tc rr C« r'riirn Gcbiclc crr'Vlnr.'ansei Rond befindet sich in Begleitniw des ein'«schon »nd des italienischen Kennuisprs auf einer Besichtigungsfahrt durch das Abstin-::g- biet.(Wir verweise» nech"'cLs auf d u Unterschied, der zwischen den obeugcuaw" d den seinerzeit im Burgen'aud beliebten D »ahmen waltet. Es ist eben etwas r-"- an- dcrcs, ob man den P lc». Fcankr'c'.l* b- ltugeu, oder den, Stiefkind der l Tcutschösterrcich, ein Land ausliefern will. D. Red.) Deutsche Wiedergutmachung in Waren. London, 14. Oktober.(Reuter.)„Daily Mail" erfährt, die deutsche R cgieru„ g Yabc England vorgeschlagen, das; es einen Teil seiner Verpflichtungen in Wa- rcn bezahlen dürfe. Möglichkeit einer Revision? London, 13. Oktober.(Havas.) Während von französischer Seite vorgeschlagen wird, daß der Oberste Rat die Entscheidung bezüglich Obcrschlesicnv der Botschasterkonferenz über- mittein soll, welcher sie sodann der interal- liertcn Kommission zur Durchführung über- senden würde, sind englische Kreise der An- ficht, daß man sich zunächst überzeugen müsse, ob die Entscheidung des BLlkerb indsrateS mit den Bestimmungen des Vcrsa.llcr Vertrages im Einklang steht. London, 12. Oktober.(Tsch. P. B.)„Evc- ning Standard berichtet, es sei sehr wahrscheinlich, das; eine Sondcrlonserenz des Ober- sten RatcS einberufen werden wird, um den von, Völkcrbundrate über die oberschlcsische Frage verfaßten Bericht zu erwäge». Man Panbt, das; die Konferenz des Oberste» Rates innerhalb der nächsten 8 bis 10 Tage in Low don stattfinden»vird. Urteil eines Engländers. London, 13. Oktober.(Wolff.) Das Parka- mentsinitglied Kcnworthy, das soeben ans Obcrschlesien zurückgekehrt ist, erklärte in einer Rede die sogenannte Lösung der oberschlcsi- Bezüglich der Grenze werde von den> italienischen Außenministers in die westrrnga- 6"' 1 rische Frage kam es aus Wunsch Magyarienl iind, wie es sich im Verlaufe der Verhandln»- gen gezeigt hat. unter Zustimmung der ganzes Entente. Das Ergebnis der Vcncdigcr Verein- barungcn ist ein Antrag, welcher in Gültig- kcit tritt, wenn er von den gesetzgebenden Kör- pcrschastcn Oesterreichs und Magyaricns gebilligt wird. In diesem Falle räumt Magya- rien binnen drei Wochen das Burgenland, worauf in Ocdenburg und den benachbartes fünf Gemeinden unter der Aufsicht der En- tcntcconu.iission, in die auch die österreichisch, und die magyarische Regierung einen Vertrauensmann entsenden werden, das Plebiszil durchgeführt werden wird. Außerdem Wirt zur Aufrechterhält»»» der Ordnung in dat Plebiszitgebiet eine Abteilung Entcntcmilitär Wahrscheinlich italienisches, beordert werden. Wien, 14. Oktober.(K. B.) Sollte das Ple> biszit in Ocdenburg und den fünf Dörfer« einen für Oesterreich ungünstigen Ausgang nehmen, werden für das dann bei Ungare bleibende Territorium weitgehende Verkehrs- und handelspolitische Begünstigungen borge, schcn. die mau dahin zibsammcnfasscn kann, daß Oedcnburg die Rolle einer Art Freihafens einnehmen würde. Eine weitere VerPflicht,mg würde aber nur dann in Kraft trete», wenn 'cul'chland das Abkommen annimmt. Da- durch tvürde ein neuer starker moralischer "Dn-J ans Deutschland zu Gunsten der polni- 'che,, Wirtschastsinterejsen ausgeübt werden. i Verhatz-N'g eines KricgeproPh-tcn. /'n, 11. Oktober. Der Schriftsteller l nd St.L'cr, der in der letzten Zeit in der „Ti'gl!.':,, Nnudsclau" sehr heftig die Politik ! des Ncichelanzlers angegriffen hat, ist den Plätten, zufolge gestern in seiner Berliner Löhnung verhallet worden. Seine Briefschaf- , ten und Manuskripte wurden beschlagnahmt. ! Stadller soll in einem Artikel der„Täglichen ^Rundschau" d.:rch Andeutungen über angebliche militärische Vorbereitungen zur Sichc- rung der Grenze vor etwaigen polnischen Ueberfällen Landesverrat begangen haben. Vollspartci und Regierung. Berlin, 14. Okwbcr. Die deutsche Volks- Partei läßt durch die Telcgraphenunio» erklä- rcn, das; aus den, Empfang des Abg. Strcsc- mann beim Reichskanzler der Schluß gezogen worden sei, die deutsche Volkspartei sei bereit, in ein Kabinett Wirth einzutreten, und stellt fest, daß keinerlei Verhandlungen stattfanden, die zu einer solchen Annahme berechtigen könnten..■ Das polnische Finanzprogramm. Warschau, 12. Oktober.(PTA.) Die Ans- spräche im polnischen Landtage bezüglich des Programmes des Finanzministcrs hat bisher ergeben, daß die Führer der polnischen sozial!- stijchen Parteien und die christlich-demokrati- schc Partei dem Finaiizministcr ihre Unter- stützung versagen. Da sich aber die Mehrheit der Parteien bereit erklärt hat, das Finanz- Programm des Ministers Michalski zu unter- stützen, wird dieser zweifellos an seinem Stand- punkte festhalten und ihn durchführen. Die Sozialisten werden einen Streik orgauisic- rcn, falls Michalski das Gesetz bezüglich des achtstündigen Arbeitstages aufzuheben die Ab- schen Frage sei ebenso furchtbar wie das Ur-;'' ö. A n, ttc',. 0(. r.., teil Salomos gewesen, wenn cS durchgefichrt!.nI-,»?' est'*1'-D? cm begründeter worden wäre. Wenn man das Kmd in zwei!^^^uchtversuch es n icht^ v orUc^t. der Haft »wei! t. Z".?nuly!ver>ua)cs nicht vorliegt, T^ z^chM-n hätte, so würde^^daS nicht!^'^aft-ten snrJtJnLtet gewesen, lein, gls die augenblickliche i«Ps t Ungarns besteht darin, daß Ungarn sich bereit erklärt, den durch die verspätete Uebcrgab, Oesterreich erwachsenden Schaden zu ersetzen, Wiener Prcsscstimmcn. Wien, 14. Oktober.(Tsch.-P.) Soweit sich di, Wiener Presse mit dem Ergebnisse der Veiiedi- gcr Konferenz befaßt, äußert sie im Ganzen ihre Befriedigung über das erzielte Ab« kommen. Sic fordert selbstverständlich, daß die Ucbcrgabe Westungarns tatsächlich ungestört und vollständig vor sich gehe. Sie spricht ih< Erstaunen darüber aus, daß sich die magyari- sche Regierung jetzt verpflichten könne, das wcstungarische Gebiete von den Freiwilligen« banden zu säubern, obwohl ihrerseits frühe« beständig erklärt wurde, daß sie auf die mili« tärischc Säuberung dieses von einer aufständi« schcn Bewegung ergriffenen Gebietes keinen Einfluß habe und auch nicht die Macht hiezu besitze. Die„Arbeiterzeitung" fordert, daß Ocdcnburgcr Plebiszit möge magyarischer« scits nicht zu einer Komödie ausarten. Ungarns Wirtschaft in der Baranya. Graz, 13. Oktober. Die„Grazcr Tagespost" meldet aus Belgrad: Der Ministerrat hat be- schlössen, energische Maßnahmen gegen die un- garischcn Elemente in Jugoslawien anzulven- den, falls in den evakuierten Gebieten der Ba- ranya die Missetaten gegen die jugoslawische Bevölkerung nicht aufhören sollten. Als erste Maßregel wurde beschlossen, alle magyarischen Schu len aus jugoslawischem Gebiete zu sper« m c*o#w mse Kampfhandlungen in Albanien. Rom. 14. Oktober.(Tsch. P. B.) Zahlreiche serbische Tnippen haben den Drlnfluß über- chritten und sind in albanisches Gebiet einge- »rungen. Porto Rose. Rom, 14. Oktober.(Tsch. P. B.) Nach ,cn lchtcn Informationen wird die Konferenz !»on Porto Rose am 24. Oktober zusammentreten. bolkswirtschaft und Sonalpolitik. Zusammenwirken von Erzeuger- und Vcr- jraucherorganifatiou. In einer jüngst im Kutschen Landwirtschaftsministerium abgehaltenen Besprechung wurde die Aiöglichkeit kincr engeren geschäftlichen Verbindung zwi- jchen Erzeuger- und Verbraucherorganisatio- gen auf Grundlage der freien Wirtschaft bc- sprachen. Der Weg dazu ist bereits mit Erfolg i>on den großen landwirtschaftlichen Genossen» schaftsorganisaticmcn in Verbindung mit den Konsumgenossenschaften beschritten worden. Die Sachverständigen erstatteten im Laufe der Beratungen eingehende Berichte über die auf diesem Gebiete bereits erzielten Erfolge und über die Schwierigkeiten, die sich bei der prak- tischen Durchführung ergeben. Im allgcmci- Ncn tvar man der Ansicht, daß die Vorbedin- gnngen dazu gerade jetzt, wo die Wirtschaft!! che Lage Deutschlands größte Ersparnisse auf allen Gebieten erfordert, günstiger als je seien Um Praktische Erfolge zu erzielen, müsic die Frage der Abkürzung des Weges vom Erzeu- ger zum Verbraucher beim Absätze kandwirt- schaftlicher Erzeugnisie in der Hauptsache in- ncrlplb der einzelnen Bezirke, Provinzen und Landcstcile gelöst werden. Hiezu hätten sich die dort bestehenden Berbrauchervercinigungen aller Art mit den Erzcugcrorganisatiouen in Verbindung zu setzen, um eine möglichst rasche Geschäftsabwicklung, insbesondere beim Ver- kehr mit leicht verderblichen Maren zu cnnog liehen. Um die unmittelbaren Geschäftsbczic Hungen zwischen Erzeuger- und Verbraucher Vereinigungen zu fördern, wollen die Vertreter der Spitzcnorganisationcn der landwirtschaftli chen und Konsumgenoffenschaften erneut in diesem Sinne auf ihre Unterorganisatiouen cintvirken, damit allseitig der so wichtigen Fra- gc volle Beachtung geschenkt und in der Praxis auch dementsprechend gehandelt werde.— Wie man sieht, enthalten die Ergebnisse dieser Be- ratungen in Deutschland dieselben Grnndgc- danken, wie der von den deutschen sozialdemo- kratischen Abgeordneten im vorigen Jahre eingebrachte Ernährungsantrag Seliger, der aber in der Tschechoslowakei viel weniger Beachtung fand als der gleiche Gedanke in Deutschland. Periodische GefundheitSuntersuchungen hat die Betriebskrankenkassa der Kruppschen Guß- stahlfabrik in Essen bei ihren 40.000 Mitglie- dcrn eingerichtet. Ein besonderer Vertrauens- arzt, dem Schwestern, Laboranten, und alle anderen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, ist mit den Untersuchungen betraut. Es wird nicht behandelt, sondern nur ärztliche Hilfe oder Anträge auf Kuren werden empfohlen. Für jedes Mitglied wird bei der ersten Unter- suchung eine Karte angelegt. Der tschechosiowakische Außenhandel im März 1921. Nr. 3 der„Statistischen Ucber- sichten betreffend den auswärtigen Handel" zufolge betrug die Einsilhr in die Tschechoslo- wakische Republik im März 1021 im ganzen 4,044.219 Zentner und 22.771 Warenstücke. Die meisten Waren führte Warenstücke .. i-v— wan ein: aus Deutschland 1,990.080 Zentner(49 Prozent), esterreich 289.008 Zentner(7 Prozent), aus aus den Vcrciuigtcu Staaten Nordamerikas 2(9.035 Zentner(7 Prozent) usw. Ansge- fuhrt wurden im ganzen 8,500.711 Zentner und 359.874 Warenstücke. Hievon entfallen 3,243.180 Zentner(38 Prozent) auf Deutschland, 2,088.305 Zentner(32 Prozent) a»f esterreich, 1,123.670 Zentner(13 Prozent) auf Magyarien, 590.075 Zentner(7 Prozent) ans Polen. Das Heft enthält auch die Taten über die Waren Ein- und Ausfuhr in systema- tischcr Gnippi^rung nach Rohmaterialien, Halbfabrikate!»-dnnd Fabrikaten. Es wurden im ganzen an Rohmaterialien 2,975.685 Zent ner ein- und 6,917.711 Zentner ausgeführt-, an Halbfabrikaten 404.153 Zentner ein» und 019.883 Zentner auSgefiihrt, an Fabrikaten 004.229 Zentner ein- und 963.116 Zentner ausgeführt. Was die Produktton anbelangt, wurden an Hand-, Forst- und Fischereipro dnkten 064.229 Zentner ein- nckd 1,097.860 Zentner ausgeführt, an Berg- und Hüttenpro dukten 2,311.456 Zentner ein- und 5,819.845 Zentner ausgeführt: an Indnstrieprodnkten führte nzan 1,068.531 Zentner ein- und 1,582.999 Zentner Waren' aus.— Danach war der Außenhandel im März 1921 hochaktiv Vom Leiden des Proletariats. Reichs deutsche Blätter melden, daß in dem großen L e u n a w c r k in Merseburg Hunderte von Arbeitern auswandern aus Besorgnis eines gleichen Schicksals, wie es die Arbeiter in Op Pau getroffen hat. In einzelnen Teilen des Werkes herrscht Arbeitermangel, dem die Di rcktion durch eine„neuerliche Erklärung über die Ungesährlichkcit des Betriebes zu begegnen sucht. Vor einem AngcsteNtenstreik in Berlin. Der Verband Berliner Mctallindustriellcn hat es abgelehnt, mit den Angestelltenvcrbänden, die ein Ultimatum über ihre Lohnforderungen gestellt hatten, unter dem Druck von Drohnn gen und auf Grundlage der Forderungen der Angestellten in neue Verhandlungen einzutre tcn. Es ist daher mit einem Streik der?lnge stellten in der Berliner Metallindustrie zu rechnen. Ein Angriff auf den Achtstundentag in der Schweiz. Im schweizerischen Nationalratc ist von zahlreichen bürgerlichen Mitgliedern ei» Motion betreffend eine vorübergehende Ver längcrung der Arbeitszeit von 8 auf 9 und im Saisonbetrieben bis auf 10 Stunden eilige reiht werden. Bereitstellung der nächsten ReparationSrate. Die Bezahlung der nächsten Reparationsrate von 800 Millionen Goldmark, die am 15. No- vember fällig wird, ist. Iure eine Korrespondenz aus Kreisen der Reichsbank hört, durch Ankauf von Devisen und durch Kredite bereits gesichert. Der Wert der Krone. Es koste«: 100 Hosland. Gulden 3110%, 100 Mark 07, 100 schweiz. Fran- ken 171014, 100 Lire 358, 100 franz. Franken 00911, 1 Pfund Sterling 359.> Dollar 02'/.. 100 bclg. Franke» 008/;, 100 Peso 1241%, 100 Dinar 138%, 100 Lei 71%, 100 östcrr. Kronen 3.72%, 100 poln. Mark 2.70, 100 ung. Kronen 14.40 tsch. Kronen. im zehnten Bezirke gegen die Absuhr eine» Transportes von Kartoffeln. Es kam zu großen Unruhen und die Frauen trugen von einigen Verkansstände» Fett weg. Die Sicher- hcitswache stellte die Ordnung wieder her. I» der Hauptstraße und in den angrenzenden Straßen verbreitete sich mittags das Gerücht, daß aus Favoriten eine Menschenmaste stadlwärtS ziehe, um die Geschäsistiiden zn plündern. Tie Geschästsläden wurden geschlossen und Sicher- hcitswache zur Stelle beordert. ein. Dies kränkte sie, und das war, sie wußte es bestimmt, doch erst so, seitdem der Wallcuta da war. Denn nach solchen Merken schaffen sich die Kinder ihre Zeiträume. Den also mochte sie durchaus nicht. Den wünschte sie fort, und alle seine Künste, die er aufbot, sich das Herz des Kindes zu gewinnen, verfingen nicht. Sie war ihm gegenüber un- artig, und daß sie vom Vater dafür oftmals, freilich immer nur in des Cyrill Gegenwart, Schelte bekam, besserte die Sache bei der ver- stockten Kleinen durchaus nicht. Sie nahm ohne Dank die Spielereien, die er ihr künstlich genug zurechtbastelte, lernte die Wcidcnpfcifen von ihm blasen, die er mannigfach und meisterlich zu schnitzeln verstand. Verzaubert horchte sie nur, wenn er einmal seine Manltrommcl nahm und zwischen die Zähne klemmte. Wie das nur schwirrte, summte, sauste, sang! Welche Ge- walt die geisternden, eintönigen Klänge nur hatten, wie sie sich ineinander spannen, gleich Marienfäden einander haschten, sich ausbreite- ten, wie ein fernes Gcspinnst! Das konnte ge- tviß niemand, so wie er. Auch Madlcna lauschte dann. Es war immer in Zwielicht, wenn er seine Musik machte. Eben daß nur noch ein gelbes Fleckchen am Himmel glomm, während die Fledermäuse dem Kirchturm zuhuschten. Der Frau aber wurde dabei, als schlüge man einen linden und hehlenden Mantel um sie, und mancher Krampf, der sie untertags be- klemmt und mit Ahnungen beschwert, löste sich von ihr und fiel ab. Die Prozesse gingen ihren Weg und machten so endlose und immer neue Beratungen not- wendig. Tcufeleieir und Gegenklagen heckte der Widersacher aus, daß es nicht zum glauben war und man sehr aufpassen mußte, daß man Mcht wo hjneinirat und sich übel zurichtete. Wiener-Neustadt im Verteidigungszustand. Wie», 14. Oktober. Das Abendblatt der„Ar- bcitcrzcitliiig" meldet ans Wiener Neustadt:.Hier ind in den letzten Tagen starke militärische Fvr inationen eingerückt und haben die Stadt in Per teidigiingsziistand gesetzt. Verhaftete Jchecksälscher. Wien, 14. Oktober. Die Polizcikorrcspondenz meldet: LoniS Roß recte Hugo Möhler aus Djakowa und Louis Kiippner richtig Kerpner, die eigens ans Ame rika hierher gekommen waren, wurden verhaftet, nachdem sie mittels gefälschter Schecks versucht hatten, verschiedene Banken in Wien und Buda- Pest nm hohe Beträge zn betrugen. Alle« ist unschuldig. München, 14. Oktober Wie die„Münchner Neueste» Nachrichten" mcl den, wurde da§ llntersuchungsvcrfahrcn in der Oppancr Katastrophe eingestellt, da keine Schul digen ermittelt werden konnten. System Hitlz. Berlin, 14. Oktober. Wie die Blätter berichten, fuhren gestern Nachmittag in Brmtdors bei Halle sechs s ch w c r b e w a f f n es-e Männer in einem Automobil vor dem Betriebsgebändc der Grube„Alwinerverein" vor. drangen in das Hauptkontor ein und raubten Lohngeldcr in der Höhe von 200.000 Mark, woraus die Unbekannten entkamen. Wiener Not. Wien, 14. Oktober. Zahlreiche Wiener Unternehmungen haben Vorkehrungen getrosten, den Angestellten in Anbetracht der jetzigen horrenden Verteuerung aller Bedarfs artikel die Hälfte der Neujahrsrcmnncration bc rcits in den nächsten Tagen auszuzahlen. Blutige Arbeitolosenunruhen in London. Lo« d o n, 14. Oktober. lRenter.i Während einer Kundgebung von 20.000 Arbeitslosen ereigneten sich in Piccadilly große Unruhe», wobei die Polizei von der Waffe Gebrauch machen mußte. Einige M a» i f e st a n t e wurden verletzt. Das Eisenbahnunglück bei Merida. Beda i o z, 13. Oktober. Nach einer amtlichen-Meldung lind bei der Entgleisung des Personenzuges bei Merida 11 Personen getötet worden, der Mehrzahl Soldaten, die im Begriffe waren zu ihrem Regimente»ach Merida abzugehen Die Anzahl der Verletzten ist noch unbekannt. Kleine Chronik. Franendcmonstration in Wie». Wien, 14. Oktober. Heute Vormittag demon- stricrien mehrere hundert Frauen a»f dem Freilich war der Wallenta über alle Advo- kaicn. Der sah jeden Kniff und jede noch so lockend zugerichtete Falle, mit der man's drü- den probierte. Er hatte Zeit genug, über alles zu grübeln, und wenn dann der Zapletal erzählte, wie sich der Herr Doktor über die Ein- fälle des Wallenta wundere, sie bestaune, bc- dauere, daß eilt solcher Kopf nicht studiert habe, so fühlte sich der Cyrill nicht wenig stolz uitd zu immer schärferen Anstrengungen gespornt. Langsam wurde der Madlena klar, worum es eigentlich ging. Sic erschrak davor, tvic bei et- tvas Verruchtem. Denn seit die Welt stand, hatte es eine Herrschaft gegeben. Immer war die adelig und niemals ein Bauer gewesen. Und ihr Mann wollte Gutsherr werden? Und dennoch ging sie öfter zuhorchen, seitdem sie's begriffen. Es lockte sie, und der Wallenta hatte etwas Zwingendes, wenn er sprach. Man mußte ihm zuhören und verstand augei,blicklich, was er wollte und um was es eigentlich gehe. Da war nichts Unklares und Ueberflüssiges und keinerlei Hernnigegacker. Und wenn er e»d- lich auf den Tisch schlug:„So geht's," so schrak sie zusammen, und ihr war, er hätt' mit der Faust an die Pfosten jenes Ganges geklopft, der zu ihren Wünschen führte, und ein Juramcnt hätte sie darauf geleistet: so ging's. Es war nur ein Glück, daß sie sonst auch im Haus und im Hof viel beschäftigt war. Denn es hat auch für die gesündeste Natur etwas Ansteckendes, wenn mau die um sich unablässig mit einem einzigen Gedanken sich abplagen sieht. Wie unter Nar- ren kam sie sich vor-, über eine Weile juckt es einen, sich ebenso närrisch zu benehmen. Da hatten sich die Männer wieder einmal heiße Köpfe gemacht. Ihr brachte gerade die- ser viel zu schaffen, und es kam ihr langsam auch vor, als sähe sie ihr Mann keineswegs Kunst und Wissen. Die Schwestern Micsenthal. Alan braucht über den Tanz als Knust nicht hochmütig die Achseln zn zucken, wie das manche Rur-Literaten tun. Schon daß die in Knnstdinge» so fein und rein empfindenden alten Griechen ihn hochhielten, sollte sie ein bißchen vorsichtig machen und dann die einfache Ueberlegung, wieviele Künste eigentlich int Tanze zur höheren Einheit zusammenfließe». Wir die Musik lebt er vom Rhythmus, und daß er das. Auf und Ab der begleitenden Tonschwingun- gen in Bewegung umsetzt. Der Plastik ver- schwistert, arbeitet er die menschliche Gestalt zur vollen, einprägsamen Schönheit heraus und mit der Schauspielkunst hat er endlich die Kraft gemeinsam, die zarteste», niit Worten nicht mehr ausdcutbareil Regungen einer fremden Seele den willigen Zuschauer erleben zu»lachen. Ten drei Schwestern Wiescnthal eignet so viel Grazie, Anmut und Ausdruck- fülle, daß die vcsondercn Werte ihrer Kunst- gattung jedem zu Bewußtsein«kommen. Sic tr> steil es, lebendige Bisguitsiguren, in Haydns„Menuett" die ganze Schalkheit dcö Rokoko hineinzulegen, die Melodien der „Fiebern:aus" zu einer allerliebsten Anekdote auszugestalten, Gounods„Faustwalzcr" in ein einziges hohes Lied bewegter, sich ewig incinanderfchlingender Format zu verwandeln. Gctragenhcit und kecke Lustigkeit steht ihnen, wofür der„Kaiser-" und der„Deli- rienwalzer" zeugen, in gleich hohem Maße »r Verfügung, mir daß sie auch Salomes Tanzdämonin zustande brächten, glaube icv nicht. Damit aber das Dämonische doch nicht ehlc, beschloß den Abend Paul Czinners Einakter„Satan? Maske". Die Groteske läßt ich aus eine kurze Formel bringen: Zwei gc nialc Koinödianteic behandeln vor einander die Ausgabe„Spiele Dich selber!" und spielen einander erst recht Komödie vor. Mit was ür Worteil und Handlungen, ist Nebensache, auch für den Verfasser des Werkchcns..Ihm genügt's, wenn zwei Bühncnsterne Gelegenheit bekommen zu zeigen, was sie können, und wenn das Publikum— vergessend, das, sie einander bloß Proben ihrer erlese,ten Kunst darbieten— zwischen Staunen, Entsetzen und heiterer Neberraschung hin- und hergeworfeu wird. Im Drama kann der Mann mehr als das Weib. Im Prager„Deutschen Theater" desgleichen. Bon Leopold K r a m e r ließ man sich', besonders in seiner großen Wahnsinns- szene, willig gefangennehme», von Hermine Mcdelsly eigentlich nie so recht. Und dann darf die Zauberin Birce, als die man sie nehmen soll, dort, ivo sie gewinnen will, nicht mit so scharfer Sttmme spreche», darf an Stellen des heißesten dellamatorischcn Pathos das„en" und„ü" nicht so oft zu„ei" und„i" entrunden. Die Illusion der großen, sich und Bühne in eines verschmelzenden Künstlerin, die es vor allem zu wecken gilt! geht durch solche technische Mängel am sicher- steil verloren. K. Ein lustiges Kcttcnhändlerstück. DaS Wein- bergcr Stadtthcatcr führte Donnerstag zum ersten Mate die Komödie„Ado vydela"(Wer verdient dabei) von Vojtech Mixa auf. Das Stück, ein Erstlingswerk des jugendlichen Dramatikers, ist eine wirkungsvolle Zeit- satire; eine Reihe von Szenen ohne eigentlich fortschreitende Handlung. Neben entschiedene» Anklängen an St-nheiinischc Art, mehr noch an den allerdings bittereren und energischen Shaw, verbindet der Verfasser viel eigene» Scharsblick für die heutigen Verhältnisse und ausgesprochenen Sinn für grotesken Huinor, Am besten wirkt der zweite Akt. in dem cme ganze Schar von Kettenhändlern dem alten Herrn Rat die Türe einrennt, um Ausfuhr- bcwilligungen zu erhalten. Die einzelnen Th< Pen, wie der rcichgcwordcnc Kohlenhändler, der hochstapelnde angebliche Amerikaner, du Kricgsgewinnlcrtochter sind gut gesehen. Nicht minder der junac Arbeiter, neben dem über- aetvisseiihaftcn Rat der einzige anständig« Mensch des Stücks. Als der Arbeiter zun, Schluß Minister wird, stößt einer der Ketten. Händler fassungslos die Worte hervor:„Selbst mit der Ehrlichkeit läßt sich ein Geschäft »lachen!" Die unerläßliche Verlobung an> Schluß ist etwas gewaltsam herbeigeführt tut* gereicht der Komödie nicht ganz zum Borteil — Es wurde in flottem Tempo gespielt. Veit den Darstellern sind besonders die Kriegsge. wittnlerin Fräulein Pacova, ferner Frl. Iblova sowie die Herren Vavra Eerul) und Beverka zn nennen. Del Beifall war sehr herzlich, nach dem zweiter Akte wurde der Autor wiederholt gerufen. Hr. L. A. mehr als unbedingt nötig gern in einem Raum mit dem Wallenta. Nun, und der schien ihr wieder noch lange nicht wichtig genug, daß sie sich seinetwegen verdrießliche Gesichter schneiden ließe. Es wurde aber ganz finster, und die beiden eiferten immer noch ganz leise miteinander, ohne daß sie auch nur ein Licht machten. So steckte sie eine Kerze an und trug sie zn ihnen. Und wie sie, den Leuchter hoch in der braunen Hand, eintrat, so saß ihr Mann ganz im Schatteil ans der Ofenbank und breit ihr ge- gemiber, daß alles Licht zuerst auf ihn fiel, der Wallenta. Sein Kopf war tief gesenkt. Er hob ihn erst, da sie hart am Tisch war, und sah sie an: frech, unruhig, mit zuckenden, gie- rigcn Augen, uttd die Madlena fühlte richtig, wie ihr plötzlich das Blut in die Wangen stieg und die Hand zitterte, die die Kerze nieder- stellen sollte. Tos war unerhört! Es ging jäh wie ein Triumph über das Gesicht des Bnr- scheu, das er augenblicklich wieder in den Hän- den barg, während die Madlena mit unsicheren Fingern an ihrem Gewand herumstrich und rückwärtsschreitcnd Aug' mit Aug' mit ihm, wie mit einem Todfeind, vor dem man sich nicht die mindeste Blöße geben n»d dem man nnter gar keiner Bedingung den Rücken weisen dürfe, die Stube verließ. Cyrill aber erhob sich bald nach ihr.„Warum rennst denn so? Bleibst nicht da zum Nachtmahl?" fragte Zapletal. „Ich Hab' geinig für heute. Ich will auch was trinken." „Getrunken hast noch nicht genug?" (Fortsetzung folgt.) Neues Theater. Heute Erstaufsnhrung der Operette„Der Vetter von Dingsda". „Urania." „Gesetz und Freiheit in der Kunst"(Die Harmonie der Formen und Farvens, mit Lichtd. Ge- hcimrat Wichelm Ost Wald. DioiStag, den 18. halb 8 Uhr. Karten 17—4 Kr. „Jugendsiirsorge in der Schweiz und bei uns' mir Lichtb. Dir. Berka. Karten 5—3 Kronen „Briese an Gott", Albert Ehrenstein-Wien. Freitag, den 21. 8 Uhr. Verlesung aus eigenen, zum Teil noch imverössentlichten Werken. Karten 8—3 Kr. Mitgl.-Aiimeldimgen und Mitgl.-Erneuerungen(Jahreskarte 5 Kr.) täglich 10—1 und 4—7 Uhr, Smetschkagasse 22. „Eine Reise nach Korsu und Athen", Prof. Dr. We s ch t a. Sonntag, den 10., halb 4 Uhr in bei „Urania"(zweiter Vortrag der-Reihe„Im Bitdi durch die Welt"). 120 prächtige Lichtb. vom hoch- sten malerischen Reiz zeigen das Achilleon, die Akropolis, Parthenon, das Geiängnis des Sakra- loch Olvmpieion usw. Karten 5 und 4 Kronen, Smetschkagasse 22. Au« der Partei. An alle Bezirks- und Kreisorganisationen! Das Sekretariat de? Franenreichskomitees, Te- Vlih-Schönau, Seilerstraße 1, macht nochmals darauf aufmerksam, daß noch nicht alle Ge- nossinlieil, die»ach Zeitiingsberichten als Dele- gierte z«r Franenreichskonserenz bereits gewählt tvurdat, ordnungsgemäß angemeldet sind und bittet deshalb alle jene Organisationen, die die Aiimeldiiiig bisher unterlassen haben, dringen! dies der Ordnung halber sofort zu tun. Jener Delegierten, die nicht angemeldet sind, koinial keine Delegiertenkarten zugestellt werden. Die Bezirkskonserenz Prag findet Sonntag, bc« 10. Oktober NM 2 Uhr nachmittags im„Goldene« Kreuzet" lBlauer Saal), Prag II., Nekazauka. statt. Tagesordnung: 1. Ausbau der Lokalorgani- sationen, 2. Wahl der Delegierten zum Partei- tag, 3. Agitation für das Zentralorgqn, 4. Wahl des Beldungsansschnsses. Herausgeber: Dr. Ludwig Czech und Kurl C c r m a f. eiantwortlichcr Redakteur: Dr. Emil Strang Druck: Aktiengesellschaft Tribuna, Prag. Mit Interesse verfolgen wir die ausgedehnte Reklame der Firma„Lihcnla", welche seit kurzer Zeit 100 Qeld- und Sachentlohntingen ausgeschrieben hat. Hiedurch hat jeder die Mögtich- Reit, oline jedwedes Risiko einen grösseren Betrag 7. ii erlangen, da wir uns überzeugt haben, dass die Erzeugnisse der Firma„Libenla" wirklich von hervorragender Qualität sind und demzufolge jedem empfohlen werden können. Verlanget daher ausschliesslich bei eueren Lieferanten ,.Libcuia"-Schuhcremc, n Libin"-Metal!putz und „Libenia"-Waschblau. 12 Der IM deuisctier Suclidroclter in Prao veranstaltet am Sonntag', den 16. Oktober, 8 Uhr abends im grossen Saale des Handwerkerheims, Smetschkagasse 22, ein Kränzchen. Eintritt 10 K. Eintritt Kl K. Mitteilungen ans dem Publikum Sonntag, 16. Oktober, Z Uhr Vorverkauf heute 6 bis 7 Uhr. Continental. Heute halb 4 Uhr MaJo straRsk£--DFC. Res Vorspiel: Magistrat»! üfedntci-DFC. II CREME der 06 feinste Schuhputzl Speziallacke. 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Sozialdemokrat Seite 8. SberWcsim» Arbeiterschaft. eigentlich den Miicrtcn die Reparationen zah-> deutschbürgerlichen Presse hierzulande ist die Icit mühte, m drohen also der ganze» kapi-.„tlletchenbcrgcr Zeitung", die sichtlich bemuht talistische» Welt ernste Gefahren, wenn! ist, ihre Gleichwertigkeit milder Bourgeoiö. Deutschland den ihm auferlegten Berpflichtun-| sozusagen wlturhisto- gen vollständig Gcniigc leistet. Deswegen hat mtrt?li,stcs„,itte».nsaunnen. die Frankreich zil einem Mitlcl gegrisscn, ivodurch die Dnrchfiihrling der wirtschaftlichen Besinn mungeii dcS Friedensvertrages ermöglicht wird, ohne den K a p i t a l i s m us der Sieger st aatcn zu schwächen und zu erschüttern. Es ist der Versuch des Entente- kapitalismuS, die Quadratur des Zirkels zu lösen, aus Deutschland gewaltige Summen herauszupressen,(Has^ nur geschehen kann, wenn Deutschlands^virtschaftlichc Entwick- lung auf Kosten der Ententcländcr gefördert wird) und zugleich die Entcntcstaatcu aus der wirtschaftlichen Krise herausführen, in die sie nicht zuletzt durch die Schwächung der Kauf kraft der Mitteleuropäischen Staaten geraten sind. Mißlingt auch dieser Versuch, dann ist klar erwiesen, das; die Durchführung des Fric densvertragcs zu Versailles unmöglich ist, dann ist die Welt reif geworden zur Revision der wirtschaftlichen und vielleicht auch Polo tischen Bestimmungen des unglückseligsten FricdcnSwerkes, das die neuere Geschichte kennt. Die beigefügte Karte zeigt, wie sich vor allem beschlossen, daß, wie auch die Karte zeigt, Berg, die Bergindustrie in dem sogenannten Haupt, bau- und Httttenbctriebe fast ansschlichlich im industriebezirk Tarnowib, Tost-Gleiwih, Glciwch. Hanptindustricgcbiet liegen nnd fortab zum gröh. Stadt, Ryvnik, Plefi, Benthe» Stadt und Land, tcn Teil den Polen gehören werden, während die Hindcnburg, Kaltowip Stadt nnd Land, Königs, auf diesem Betriebe aufbauende Mctallverarbei- Hütte Stadt»nd Land zusammendrängt, dessen tnngs- und Maschincnindustrie zu gnt zwei Dritt- weit kleinere Hälfte— nämlich die Städte Tar- teilen bei Deutschland verbleibt. Nur ein bodcn. nowitz, Benthe,, und Hindcnburg und die beiden los>lcichlsinnigcr Optimismus, der die Wirklich. Kreise Glciwip— nur bei Tcnischland verbleibt, kcit nicht sieht, weil er sie aus politischen Grün- Die gegenwärtig größte Entwicklung in. Gros;, den nicht sehen will, kann glauben, daß ein betrieb überhaupt zeigen Kattowib»nd Königs. Treimännerkollegium die Schwierigkeiten der Hütte, die größte» Zuknnftsmöglichkcilcn bergen?lusci>iandcrrciß»ng ausgleichen nnd ein Wirt- dank ihrer gewaltigen, noch wenig ausgebeutete!! 1 schaftliches Chaos verhindern wird. Erdschähc Rybnik nnd Plcß, und gerade diese I Die Karte entnehmen wir der Zeitschrift vier Kreise fallen zur Gänze an Polen. Die>„Wirtschaft und Statistik", größte wirtschaftliche Gefahr liegt in der Tatsache> AasäBirabaaentr«^ Vor wenigen Tagen wurde in Wiesbaden> tcn noch größer werden. Die Einsichtigeren zwischen dem französischen Minister L o u- 1 unter den englischen und französischen Ockono- ch c u r und dem deutschen Minister Rathc-!»tat prophezeien den Bankrott Deutschlands, nau ein Abkommen geschlossen, welches die Ida Deutschland die im Londoner Abkommen deutschen Sachlicfcrungcn regelt, die Deutsch land zum Zwecke der im Krieg zerstörten Gc biete Nordfrankreichs leisten soll. Das Abkont tuen ist i n voller U c b e r e i n st i nt« mung der beiden Länder abgeschlossen wor- den, auf dem Weg direkter, ntiindlichcr Vcr- handlitngcn haben Deutschland und Frankreich sich geeinigt. Obwohl nach dem Abkommen Deutschland gewaltige Leistungen zu vollbrin- gen, enorme Summen zu bezahlen hat, ist es doch ein erfreulicher Fortschritt in den Bezic- Hungen Teutschlands zu seinen Siegern, daß es nicht mehr von ihnen Diktate empfängt, die es widerspruchslos anzunehmen und attsztt- führen hat, sondern, daß sich die Sieger dazu aufschwingen, sich mit Teutschland an einen Tisch zu setzen und mit seinen Vertretern regelrechte Verträge zu schließen und so Deutsch- land zwar als besiegten Gegner, aber nicht als Sklaven behandeln. Die deutschen Reparationen beruhen aus dem Friedensvertrag von Versailles vom IL. Juni 1918 und auf dem Londoner Ab- kommen vom 11. Mai 1921. Danach muß Deutschland an die Alliierten pro Jahr etwa zwei Milliarden Goldmark und eine 26prozcn- tige Abgabe seiner gesamten Ausfuhr ablie- fern. Nimmt man für die nächsten Jahre die Höhe der deutschen Ausfuhr mit 6 Milliarden an, so beträgt die jährliche Leistung Deutsch- lands 3.56 Milliarden. Da nun Frankreich von den deutschen Reparationen 51 Prozent zu bekommen hat, so hat Frankreich von Deutschland. Jahr für Jahr 1.81 Milliarden Goldmark zu erhalten. Diese Leistung zu re- geln, ist der Zweck des Wiesbadener Abkom- mens. i Der Grundgedanke des zwischen den beiden Wiederailfbaumtnistern geschlossenen Vertrages ist der, die deutschen Geldleistungen zum Teil in Sachleistungen zu verwandeln. Die Aufbringung der ersten Goldmilliarde in Gold, Devisen, und Valuten hat einen katastrophalen Kurssturz der Mark mit sich ge- bracht, was zur Folge gehabt hat, daß Deutsch- land durch seine niedrigen Produktionskosten für alle kapitalistischen Staaten ein noch viel gefährlicherer Konkurrent geworden ist, als er es schon im Frieden war. Es kann von vorgesehenen Barzahlungen nicht werde lei- steil können. TaS hat Frankreich dazu bc- wogen, sich an den Verhandlungstisch zu sehen nnd mit Deutschland Vereinbarungen über Sachlicfcrungen zu treffen. Auf Grund des Abkommens ist Frankreich berechtigt, von Deutschland bis zum 1. Mai 1926 Lieferungen bis zur Höhe von 7 Milliar- den Goldmark zu fordern. Diese Lieferungen dienen dem Wiederaufbau Nord- f r a n k r e i ch s und werden auf da§ deutsche RcParationSkonto bis zur Höhe von etwa 609 Millionen Goldmark jährlich angerechnet. Deutschland ist es also gelungen, seine Bar- Zahlungen herabzusetzen und statt eines Tei- lcs derselben Waren liefern zu können. Zu den Waren im Werte von 699 Millionen Gold- mark treten noch die Kohlen- und Farbstoff- licfernngcn auf Grund des Londoner Abkom- menS, das übrige muß in Bargeld gezahlt werden. Die Bedeutung des Abkommens liegt auf politischem Gebiet ebenso wie auf Wirtschaft- lichcm. Der Wiederaufbau Frankreich wird tatsächlich durchgeführt und dadurch ein Ge- gcnstand des Hasses der beiden Nationen aus der Welt geschafft. Die Franzosen brauchen zum Wiederaufbau Nordfra."reichs keinerlei Kredite, sondern bekommen die deutschen Wa- rcn ohne Bezahlung. Die deutsche Industrie erhält Beschäftigung und der Entfall der Bar- Zahlungen schafft eine Tatsache auS dem Wege, die den Kurs der Mark ständig bedrohte. Nach dem Friedensschlüsse zu Versailles und erst recht nach dem Londoner Abkommen wurde ursprünglich die Unmöglichkeit der Durchfüh- rttng des Vertrages durch Deutschland betont, es wurde als ausgeschlossen erklärt, daß Deutschland so gewaltige Summen Jahr für Jahr werde entrichten können. Es ist ja auch klar, daß Deutschland nur dann seinen Re- parationsverpflichtungen nachkommen kann, wenn feine Ausfuhr gewaltig gesteigert wird, was nur auf Kosten der industriellen Entwick- lung der anderen Länder geschehen könnte. Mit Recht hat ein amerikanischer Volkswirt vor kurzen: erklärt, daß nur Amerika imstande wäre, so ungeheure Warenmengen ausnehtnen und kaufen zu können und daß damit Amerika Tsges-Neuigkeiten. „Ein schönes Kind, an dem die Mama Freu- de hat..In den„Lidovc Roviny" schildert ein Herr K a z e t k a ganz verzückt, wie die Re kritten der Republik durch Prag marschieren „Sie gehen gut, in schön d u r ch g c ü b t e n Viererreihen. E r n st, aber leicht. Sie tra- gen ganz gewöhnliche Hadcrnblusen, in de- nen ihr alte Bekannte erkennt und welche aus- getragen werden müssen, weil es hieße 199 Millionen hinauszuwerfen, wollte man sie wegwerfen. Aus dem Kopf die grauen Baretts, grüne Hosen in Wickelgamasche!: und tüchtige Bagantschcn auf den Füßen. Ter junge Unter- ossizicr läuft jeden Augenblick voraus, um nach rückwärts zu schauen, c ü sie nicht überflüssiger- weise die Straßenbahn einnehmen. Zurnckge- kehrt, zwinkert er stets schnell mit den Augen, als wollte er sich selbst seine Zufriedenheit bekunden. Aber d i e können das Marschieren, kaum daß sie eine Woche eingerückt sind! Liegt in ihnen etwas von den Sokolvereinen oder irgendeines Turnvereins? Leva— Leva! Auch nicht einen einzigen kann man vorausspringen sehen. Sic gehen, marschieren, es ist so, als hät- ten sie den Krieg zeitlebens im Blut, als strömte in ihren Adern neues Blut, als wäre in ihnen der selbstverständliche Geist der Zusammengehörigkeit, der sich sc i n c r Sendung v l l k o m m e n b c w u ß t ist. Die ganze.Narodni trida' summt mit ihren Instrumenten mit, als hüpfte ein s ch ö- n c s K i n d, a n d c m d i c M et m a ihre Freude haben kann."— Und die Mama hat Freude an dem schönen Kind! Es ist überhaupt eine Lust zu leben! Das Wunder des heiligen Januarius. Wir haben in Dentschbdhmcn eine bürgerliche Presse, die vorgibt, ernst zu sein, genau so ernst, wie der größte Teil der rcichsdcntschen bürgerlichen Presse, cbeusolls in der Eittbil- düng, ist. Der Repräsentant dieser ernsten tischen Teil ans Ausschnitten zusammen, die von den geliebten Nachbarn stammen. So wirkt die„Reichenbcrgcr Zeitung" sicherlich am besten erzieherisch nnd aufklärend. Eine kleine Probe möge dies beweisen. Die gestrige Nummer der„Neichenberger Zeitung" cnt- hält folgenden, ein liberales Blatt überaus ehrenden Ausschnitt ans den„Münchener Neuesten Nachrichten": Das Wunder des heiligen Januarius. So- viel sich auch in der Welt geändert hat, gewisse Dinge erhalten sich. Co das Wunder des hct> ligcn Januarius, das sich, wie aus Neapel be- richtet wird, am Tage dcS Heiligen, dem IS. September, wieder prompt und mit bestem Ge< lingcn abgespielt hat. Bekanntlich besieht eS darin, das, das in einem Fläschchcn aufbewahrt« geronnene Blut des Heiligen, nachdem be- stimmte Gebete gesprochen sind, flüssig wird. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich sruh in der Kirche San Gcnnaro versammeU. Ilm 9 Uhr erfolgte die Ausstellung des FlälchchcnS, die Gebete begannen und, siehe da, nach genau 42 Minuten wurde den Gläubigen verkündet, daß das Blut aus dem sesien in den flüssigen Äggrcgatzusland übergegangen sei. Die Menge brach in tosenden Beifall ans, das Tcdcnin er« tönte nnd von E. Elino donnerte ein Geschütz- salut, um der Stadt das geschehene Wunder zu verkünden. Gewisse Dinge bleiben, mögen auch Staaten zugrunde gehen und das Antlitz Europas sich ändern. Wir brauchen unseren Lesern nicht zu sa- gen, wie wir über dieses Wunder, über die Zeitung, die das ihren Lesern vorsetzt, und über diese selber denken. In einem aber sind wir mit den„Münchener Neuesten Nachrich- tcn" und mit der„Neichenberger Zeitung" einer Meinung:„Gewisse Dinge ble:- b c n, mögen auch Staaten zugrunde gehen und das Antlitz Europas sich ändern"— e S bleibt die Borniertheit des Bürgertums und seiner Presse, die ängstlich bemüht ist, es nur ja nicht licht in den Köpfen werden zu lassen. Genosse Professor Siegfried Bodanöky ge- storbcn. Fern von Friedet, der Stätte seines aufopferungsvollen Wirkens für die internationale Arbcitcrsachc und deren Organisation hat das langjährige Ansschiißmitglied der Frie- dckcr deutschen sozialdemokratischen Parteior« ganisation, Genosse Prosxssor Bodans k y, nach einer am 8. Oktober in Breslau vollzöge- nen Operation am Montag, den 10. ds. M., sein nimmermüdes Leben beschlossen. Nim- mermüde, so lange noch dir physischen.Kräfte ausreichten, war er Lehrer und Kämpfer: Leh- rcr der Jugend von Berns und Lehrer und Kämpfer für jene Schichten des Volkes, die treu der Hoffnung anhängen, daß im Sozia- lismns den unterdrückten Volksklassen und den unterdrückten Nationen Hilfe werden muß. Sein Kampf galt dem blindwütigen Chauvinismus und seiner Vernichtungstheo- ric; er wußte, daß der Nationalismus den Verstand und die Vernunft von Menschen, Klassen und Völkern ans ewige Dauer erschla- gen könne. Dieses Schulmannes, dieses Mathematikers letzte errechnete Formel bestand in der Hoffnung, daß aus brutaler Unter« drückung, ans Reaktion, ans Unterjochung, wirtschaftlicher Nicdcrhaltnng nnd politischer Unfreiheit jene geschichtliche Schlußrechnung resultiert, daß sich die gespaltene und indiffe- Feuilleton. Muritz SartmuM. (Zinn heutigen hundertsten Geburtstage des Dichters.) Als der letzte Rest des Frankfurter Parka- mciites im Juni 1819 nach Stuttgart ver- sprengt war, wurde den versammelten Abgeordneten mitgeteilt, daß das Sitzungsgebäudc von Militär besetzt sei, und es erhoben sich Stimmen, daß ein Widerstand keinen weiteren Zweck habe. Da stand Ludwig Uhland auf und erklärte mit jener Festigkeit, die an dem schweigsamen Manne gerade in den Stunden der schwersten Bedrängnis hervortrat:„Die Gewalt muß konsumiert werden!" Dieses gedrungene Wort machte auf die schwankende Versammlung Eindruck, und man zog in geschlossener Reihe zum Sihungssaale. Voran der Präsident mit Albert Schott und Ludwig Uhland. Knapp hinter den beiden schritt der achtundzwanzigjährige Moritz Hart- mann, der bewaffneten Macht der Reaktion entgegen. Und so möchten wir sein Bild am liebsten festhalten: der junge deutsche Dichter aus Böhmen in den Fußstapfcn des herrlichen Poeten und Freiheitskämpfers Ludwig Uh- land. Moritz Hartmann wurde in dem kleinen Städtchen Duschnik geboren, besuchte das Gymnasium in Prag und Jungbnnzlau, ging dann wieder nach Prag, um sich der Medizin zu widmen, scheiterte jedoch an den Vor- Prüfungen— der gefürchtet? üR#$cm«tir I eines ohne bcn"@eflcn'"bei" ZetilnrT nöckr'bOi»» Professor Jandcra wurde sein Verhängnis in Deutschland erschienenen Buches in" die und so gmg er nach Wien, um sich dort eine Fremde mußte. In Paris lernte er unter an- Existenz zu schaffen. Er brachte sich mühsam mit Stttitdengeben fort. Schon in Prag war seine dichterische Anlage zum Durchbruche gelangt und im Kreise begeisterter Genossen, un- ter denen Alfred Meißner in erster Reihe stand, wurde eifrig der Muse gehuldigt. In Wien fand Hartmann Förderung durch Lud- wig August Franks, der damals die besten literarischen Zeitschriften herausgab, und lernte er, für ihn das größte Ereignis, Niko- laus Lena» persönlich kennen. Im Jahre 1815 veröffentlichte er in Leipzig sein erste? Gedichtbuch unter dem Titel:„Kelch nnd Schwert". „Der ich komm' aus dem Hnssiienkandc, Glaube, daß ich Gottes Blut genossen, Liebe fühl' ich in mein$ gegossen, Lieb' ist GotteL Blut— mein Herz sein Kelch Der ich komm' ans dem Hussitcnlande, Glaube an die sleischgewordnen Worte, Daß Gedanken werden zur Kohorte Und jedwedes Lied ein heilig Schwer t." Mit diesen wuchtigen Akzenten beginnt die Sammlung, die sofort die Aufmerksamkeit der engeren Heimat und Deutschlands auf sich zog. In bewußter Anlehnung an die großen histo- tischen Erinnerungen des tschechischen Volkes, die den damaligct! jungen deutschen Dichtern als die Feuerzeichen der Freiheit vor Augen standen, hat Hartmann sein Buch nach den Hussitenemblemen benannt und ihm seine „Böhmischen Elegien" eingereiht, und Mciß- ner seine Gesänge„Zizka" hcrauSgesandt. Für Hartmann hatte die dichterische Tat die un- mittelbare Folge, daß er als Herausgeber Sozialdemokrat rotte Masse mehr und mehr organisiert, um das zu erreichen, wozu der Einzelne ohniuäch- lig für alle Zeiten bleiben würde. lind was der staatliche Rechenprofessor errechnet hatte, das suchte der Politiker Genosic Bodansky als Pädagoge zu verwirklichen. Er setzte sich in sei neu Musestnudcn an ungezählten Abenden mit seinen Parteigenossen zusammen, um sein rei- chcs Wissen der internationalen Arbeiterin:, weguug nutzbar zu machen. In Genossen Professor Bodansky verkörperte sich das gegensei- tigc Verstehen zwischen Wissenschaft und Arbeit und anstatt von oben herab den Kampf der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zu bclä- chcln und zu fixieren, bestand sei» Stolz darin, der Arbeiterschaft zu dienen. Er verlieh den Katheder und betrat die öffentliche Tribüne, weil er die Arbeiterschaft und ihre Ziele für ökonomische und Politische Freiheit verstand, liebte und förderte, wo er sie fördern konnte. Er versuchte, aufzuklären und in der Arbeiter- schaft jene Zuversicht zu halten, durch welche allein sich jener große neuzeitliche Kamps früh- reu lägt, den wir als Befreiungskampf aller arbeitenden Schichten kennen. Er liebte alle jene, die, wie er, Kämpfer an seiner Seite waren, lind doch konnte er, der Menschenvcr- sicher, auch hassen. Er haßte die vergiftende Volksverhetzung, er haßte jene, welche die moderne Arbeiterbewegung für persönliche Vor- teile mißbrauchen, er haßte die aussaugende Vampyrtätigkcit der Schieber und Konjunktur- gclviuncr und die Drosselung der Bildungs- tätigkeit jedes Voltes und trat als internatio- nalcr Politiker leidenschaftlich auch für deut- sches Schulwesen ein. Und dafür war er aber nicht beliebt. Tie dekretierte Versetzung als Gymnasialprofessor»ach Frcudcntal sollte die „Sanktion" für sei» Einsetzen in den Friede!« Schulfragcn sein, und man drohte bei Nicht- antritt nnt Repressalien. Es war ein mühe- volles Beginnen, den„behördlichen Kompctcn- zen" beizubringen, daß der mißliebige Professor tatsächlich schwer krank sei. Nun ruht er in kühler Erde, der bis in die letzten Tage mißgünstiger Verfolgung, absicht gelächelt hatte, weil er mit Impuls für die arbeitenden Volksschichten kämpfte, die mit ihm einen scl- tcncn Vertreter und einen aufrichtigen Freund für immer verloren haben. Wie die Bodenbach« Arbeiter einen Vertreter •er dentschnationalen Mordpariei heimschickten. Tie dentschnationalen. Handlungsgehilfe» von Sodcnbach hatten sich zu einer Versammlung ani Dienstag de» deutschen ReichStagsabgeordnelcu Patter L a ni b a ch ans Verlin verschrieben. Die ozialdemokratischen Arbeiter ließen es sich nicht ichmen, diesem Vertreter der dentschnationalen yi'ordpartci einen würdigen Empfang zu bereiten. Zu der Versammlung kam eine Handvoll Teutschnational« und Arbeiter in solchen Massen, daß der Saal des Deutschen Hauses in Bodenbach die Besucher kauni fasse» konnte, liauui hat der Vertreter des dentschnationalen bandliingsgchilfcnvcrbandcs die Versammlung iröffnet und den Namen Lambach, des Orgcsch- '»echtes, fallen lassen, als sich unter den Ar- kitern stürmische Entrüstung erhob.„Blut- initd",„Orgesckbandftcn"— das waren die Zu- rufe, die die empörten Arbeiter des Tetschen- Bodcnbacher Bezirkes dem Hohenzollcrnknechte rntgcgenschlrndcrtcn. Die Versammlung forderte stürmisch die ordentliche Wahl eines Präsidiums und als dann das Häuflein Dentschnationalcr dagegen protestierte, tvuchs die Empörung der Arbeiter, ihre Zurufe wurden immer bedrohlicher und sie verlangten die Abschaffung des Walter Lambach. Doch che die Dcutschuationalc» diesem Begehre» nachgegeben, hatten einige sozialdemo- kratischc Vertrauensmänner Lambach hinausbc- fördert, dem nur drei oder vier seiner Getreuen, darunter der Abgeordnete Wenzel, folgten.„Die erregten Arbeiter drängten"— so berichtet der „Nordböhmische Bolksbote—„die Gesellschaft zur Stiege hinunter und bewarfen sie mit faulen Eiern. Im Sticgenhans des Deutschen Hauses wollte Herr Lambach noch Zeil gewinnen, um sein Gepäck mitzunehmen. Die Arbeiterschaft ging tedoch darauf nicht ein und der denlsainanonale Sekretär Walter machte sich crbötig, das Lam- bachschc Gepäck am nächsten Tage nach Dresden z» bringen. Unter wenig schmeichelhaften Zu- rufen begab sich nun die Eskorte zum sächsischen Bahnhos, gefolgt von etwa.10» Arbeiter», die es sich nicht nehmen ließe», darüber zu wachen, ob Herr Lambach auch tatsächlich wegreise,»nd Lambach mußte ehrenwörtlich versichern, daß er mit dem nächste» Zug bestimmt wegfahren werde. Er reiste auch tatsächlich um halb lg Uhr nach Dresden ab. Die Deutschuationalcn und insbesondere Lambach, der sich bei den sozial- demokratischen Vertrauensmänner» noch für den ihm zuteil gewordenen Schutz bedanken mußte, wird sich diese Abfuhr wohl gründlich merken. Wer den Abgeordneten Wenzel kennt, wird sich nicht wunder», daß dieser bei dem ganzen trag!- komischen Fall eine sehr klägliche Rolle spielte. Während Lambach ans so entschiedene Weise zur Bahn und nach Dresden befördert wurde, hielten die Sozialdemokraten im Deutschen Haus ihre große Versammlung ab, in der mit den Deutsch- nationalen diesseits und jenseits der Grenze in aller Schärfe abgerechnet wurde. Die Versamm- kling der Bodenbacher Arbeiter, die damit be> wiesen haben, daß sie nicht gewillt, sich von dcutschnationalcn Hetzern und Mördern provozieren zu lassen, sondern entschlossen sind, die deutsche Konterrevolution mit aller Kraft abzu- wehren, wurde geschlossen, indem sich die Teil- nchmcr der Versammlung von ihren Sitzen er- hoben, um ihre Trauer für die durch die deutsche Gegenrevolution gefallenen Opfer der Arbeiter- bcwcgnng zum Ausdruck zu bringen. Dann er- klang dort, wo vorher der Orgeschknecht hatte reden wollen, das Lied der Arbeit. Die„Deutsche Landpost" kneift ans, was wir niit Vergnügen feststellen. Wir haben sie aufgefordert, nicht feig aus dem Hinterhalt zu drohen, sondern offen mit den Beschuldig»»- gen hervorzutreten» die sie angeblich gegen so- zialdemokraiische Vertrauensmänner auf Lager hat. Statt nun auszupacken, vertröstet sie ihre Leser damit, daß sie„zur paffenden Zeit" schon herausrücken wird. Damit ist zugegeben, daß die Laudpost nichts weiß und sich nach der jüngsten Blamage nicht ein- mal mit neuen Lügen hcrvortraut. Sie ivill jetzt ihr„Vulver noch nicht verschießen", das heißt: sie fürchtet sich diesmal ausnahmsweise, offene Verleumdungen auszusprechen. Nun wollen wir ruhig die Zeit abwarten, die das Lügenblatt für„passend" hält, um sein Pulver 511 verschießen. Die schwarzgclbc Liste wird von de^„Arbci- tcrzcitnng" am Mittwoch fortgesetzt. Wiederum zählt das Blatt mehr als zweihundert Mitglic- der, Förderer und Freunde der schwarzgelben Organisation auf— diesmal handelt es sich ast durclitvcgs um„republikanische" Siaatsbe amtc, StaatSPensionistcn und Offiziere— und noch behält sich die„Arbeiterzeitung" vor. weitere Namen zu veröffentlichen. Die Mittwoch- liste schmücken unter anderen der Landtagsab geordnete Jeder ans Spitz a» der Donau, der Wiener Bezirksvorstchcr Wiesinger, die Präsi- dcntin des Wiener Frauenvereines Pachcr, die Deutsche Lesehalle der Wiener Technik, das „Wiener Salonblatt", verschiedene christliche Jungmannschaften usw. Bon Mitgliedern der chwarzgclben Organisation, die in der T s ch c ch o s l 0>v a l c i ihren Wohnsitz haben, stehen auf der Liste der von uns bereits zitierte Frenz Josef Htinßler aus Troppau, ferner Ioscsiiic Peschke, Prag-Smichow, Hieronymusgasse Nr. bereit Bcranger kennen, den er später bcson- dcrs einnehmend geschildert hat. Im Jahre 1817 kehrte er nach Prag zurück. Sofort setzte die polizeiliche Verfolgung ein, die indes durch die Anzeichen der Revolution unterbrochen wurde. Hartman» wurde mit Meißner in den Präger utraquistischen Nationalausschuß bc rufe». Als dieser jedoch die Beteiligung an den Wahle» in die Frankfurter Nationalver- sammlniig ablehnte, schieden die beiden Freunde ans, und Hartmann wurde von Lcit- meritz als Deputierter für Frankfurt gewählt. Im Parlament ist Hartman» als Redner nick» wesentlich hervorgetreten, ibcr er nahm leidenschaftlichen Anteil an den Verhandlungen und trat namentlich für da? 00» der Reaktion umklammerte Oesterreich mit allem Nackdruck ein. So ging er auch mit Blum und Frvbel als Deputation in das kämpfende Wien und entkam nur mit Not dem Schicksal VftuuS. In Wien nahm er tapser an ben Straßcnkämpfen teil, wie ihm überhaupt der Entschluß, das Leben fiir die Freiheit hin zugeben, keine Phrase war. Und als der „Völkerfrühling" verwelkt war, da erscholl mit aller Bitterkeit seine Klage Jn der bc rühmten„Rcimckronil des Pfaffen Manri- tius", die eines der bedeutendsten Denkmäler dieser Zeit geblieben ist. Der„Freiheitsfoldat lind Dichter", wie ihn Freiligrath gegrüßt hat, mußte nun wieder ins Exil und wanderte als„der Iknstäte" durch die Länder Europas. Im Jahre 1859 heiratete er in Genf: der Ehe entsprossen zwei Söhne, Heinrich, der noch als Knabe starb, und Ludo, der würdige Sohlt eines Vaters, der bis zum Lebensende seinem reinen Idealismus Iren geblieben ist. Moritz Hartman» starb am 13. Mai 1872 in Wien. 12 und Direktor Franz Tichy» Pohrlitz, Mäh- rcn.-- ES mag ja für die Monarchisten ge- radc kein Vergnügen sei», so Mann für Mann der Ocfsentlichkeit bekanntgegeben zu werden. Aber dies scheint das einzige friedliche Mittel zu sein, mit dem dieser Gesellschaft beizukom- mcn ist. Vielleicht werden sie jetzt doch ans- hören, Verschwörung zu spielen. Kriegsinvalide. Achtung! Das Lcindcsamt ür Kriegsbeschädigtenfürsorge in Böhmen bc- absichtigt die Bemessung der rückständige» In- validenrcntcn womöglichst zu beschleunigen und fordert deshalb im Einvernehmen mit dein Blinde der Kriegsverletzten eindringlich alle KricgSinValidcn, welche bei der sozialärztlichen Untersuchung waren und bisher keinen Bescheid über ihre Rente erhielten, auf, daß sie sich sofort längstens aber bis 23. Oktober d. I. bei den Bezirksämtern für Kriegsbeschädigten- fürsorgc oder bei der betreffenden Ortsgruppe des Bundes der KricgSverletzten melden. For- mularc liegen auf bei den Ortsgruppen und den Bezirksämtern. Damit die Aktion einhctt- lich sei, mögen sich alle Mitglieder und auch Nichtmitglicdcr bei der zuständigen Ortsgruppe des Bundes melden, welche die Anmeldungen gesammelt dem LandcSamtc vorlegen. Melden sollen sich auch solche, welche auf die Rente verzichten. Dem Verzicht ist eine eigenhändig gefertigte schriftliche Erklärung über den Bcr- zieht beizulegen. Falls ein Invalide gestorben ist, melden sich in gleicher Weise diejenigen, welche Anspruch aus die ihm zustehende Rente erheben. Wer sich auf diese Weise meldet, er- hält in kurzer Zeit den Bescheid, so daß jede Urgenz überflüssig erscheint. Wer sich dagegen auf diese Weise um die Rente bis 31. Oktober 1921 nicht meldet, begibt sich in die Gefahr, daß über seinen Anspruch nicht entschieden und sein Akt hinterlegt tvird. Dieselbe Gefahr droht jenen, welche die ans der zweiten Seite gestellten Fragen schlecht oder unvollsläudig bcant- Worten. Die Anzahl der hungernde» Kinder Int Gouvernement Samara beträgt 1,1G0.000, davon befinden sich 93 Prozent aus dem Lande, GO.OOO Kinder sind in Heimen untergebracht, 199.099 Kinder wurden abgeschoben, eine Mil 1 i 0 n Kinder ivartct noch aus Hilfe. Ein rcichSdeutscher Koinmunisienfiihrer der Unterschlagung bezichtigt. Das konlmunistische „Ruhr-Echo", Essen, teilt folgendes mit:„Die kommunistische Partei Deutschlands, Untcrbc zirk Recklinghausen-Ruhr, hat Gustav Ham m c r wegen moralischer Pflichtverletzung und Unterschlagung vo n Gelder n, die für die R u ß l a n d h i l f e b c st i m m t Ware n, durch einstimmigen Beschluß der Mitgliederversammlung vom 9. Oktober 1921 ans der k 0 m in u n i sti s ch c n Partei ausgeschlossen. Die kommunistische Partei lehnt es voll und ganz ab, in irgend einer Weise für das Verhallen Gustav Ham mcrs eine Verantwortung zu übernehme»." Der Kommunist Hammer trar nicht nur im Ruhrrcvier, sondern weit darüber hinaus als der größte Schreier und Beschimpf« der freien Gewerkschaften und der sozialistischen Führer bekannt. Er gehörte der Geschäftsleitniig der Freien Arbcitcr-Union in Gclscnkirche» an. Die Post als Imigfernsiist. Tic Oberpost dircktion Berlin beschäftigt sich nicht nur mit technischen und verwaltuiigsgeschäftlichcii Arbeiten. Sic sorgt auch fiir das moralische Wohl ihrer Angestellten, insbesondere die jun- gen Mädchen„erfreuen" sich einer liebenden Fürsorge, die bis in ihr Privatleben dringt. Es besteht allen Ernstes eine Verordnung, daß „tilge Mädchen nur angestellt werden, wenn ie bei ihren Eltern oder Verwandten wohnen, andernfalls werden sie durch ältere Beamtin, neu kontrolliert, ob ihr Zimmer nicht etwa „sturmfrei" ist oder gar männliche Wesen■ m derselben Wohnung Hausen. Auf eine An- frage hat das Reickspostministerium imtgeteilt. )an diese„Fürsorge" von de» Beamtenorga- nisationen ausgehe, und dah fteft die jungen Mädchen sehr befriedigt darüber ausgesprochen haben, mit'Ausnahme derjenigen, die cm Verhältnis hätten. Es ist natürlich« unerhört, wenn eine Postbeamtiu cm Verhältnis hat. Daß Paßt zu der Politik gegen die unehelichen Mütter. Wir schlagen der Oherpostdirektion Berlin vor, daß forian jeder, der sich um ein Amt bewirbt, eine beglaubigte Bescheinigung dafür beibringen muß. daß er noch keine« außerehelichen Geschlechtsverkehr gepflegt hat Zur KricgSaiilcihefragc. Eine Abordnung der Delegation der Kriegsanlcihe-Schutzver- bände sprach am Freitag beim Finanzministet Novak vor. Minister Novak erklärte, es werde Aufgabe der Regierung sein, im Sinne de< Acnßernng des Präsidenten mit der Kriegsan« leihefrage auf das Eingehendste zu befassen, Dies kann geschehen, sobald die verfassungs- mäßig befristete Verhandlung d c 3 Staatsvoranschlages erledigt sein wird. Es werde eine Losung gesucht wer- den, die den Wünschen der Kriegsanleihebe« sitzet nach Sinnlichkeit Rechnung trägt, aber auch die Aussicht hat, im Parlamente An- nähme zu finden. Eine besondere Schwierig- lcit bildet das Problem der Lonibardschuld- ner, da andererseits auch die Interessen der Gcldinstiftlte berührt erscheinen. Präger Stadtrat. Jn der gestrigen Prager Stadtratssitzung wurde unter anderem mitgeteilt, daß mit 1. Oktober l. I. die Zahl der aus der öffentlichen Versorgung ausgeschiedenen Personen 121.941 beträgt und daß 111.343 Personen noch in öffentlicher Versorgung bleibe». Für die Hungerleben in Rußland wurde eine Subvention von 10.000 tsch. Kr. bewilligt, desgleichen auch ein Beitrag zum Wiederaufbau der durch den..Krieg zerstörten Gemeinden in Frankreich. Schließlich wurde auch beschlossen, eine Kommission cinzn- berufen, welche sich mit einer Aenderung des Stadtwappens zu befassen hätte. Thcalre Variete, Prag. Tie morgigen zwei Vorstellungen(Ansang halb 4 und halb 8 Uhr) bringen ein neues Programm, u. zw. Ar- t n r C! e Handspringer, K 0 t k e komischer Rad- fahr«, M a c Sovereigcn Meist« des Dia- bolospielcs, Hedy Wendini Jongleuse, Fred K0r»au Kunstpfeik«, Vera Darja Tänzerin, 2 T c r r a s Modelleure, Elsa Orela und Partnerin Trapezakt. Das Gastspiel d« Vcr- wandlnngskünstlcrin Miß Fregolia wurde wegen des großen Erfolges verlängert. Ein Perlenhalsband gestohlen. Ans dem deutschen Tcnnisspielplatz in Bubcnisch entwendete gestern ein unbekannter Dieb aus dem vcrschlos- jenen Garderobeschränkchen das Perlenhalsband der Fabrikantensgaltin Emma Egerer aus Prag II. Das Perlenhalsband ist 100.000 Kronen wert(die arme Fabrikantin!). Nach dem Dieb wird gefahndet. Lysolvergiftmig. Gestern»m halb sechs Uhr abends trank die Anna Zabloudil au? Zizkow eine größere Menge Lysol aus. Sic mußte durch die Reltungsstalio» in das allgemeine Kranken- haus überführt werden. Das Motiv der Tat bilden häusliche Zwistigkcitc». Pom ersten Stockwerk hinuniergespriingen. Die Arbeiterin Christine Kolnaur sprang Donners- lag abends nach neun Uhr vom Gang des ersten Stockwerkes ihres Wohnhauses in Smichotv in den Hof. Sic brach sich das linke Schullerbcin. Die Tat beging sie aus unglücklicher Liebe. Tcndcnzdichter haben ein besonderes Schick sal. Ihr Stern keuchtet rascher ans, aber er taucht mit der Zeit, für die sie gelebt, auch unter. Allein— und darin liegt die Unbill— dabei wird auch das vergessen, was sie an bleibenden Werten geschaffen haben. Und dies Los hat auch Hartman» erfahren, und auch er zu Unrecht. Seine lyrischen Gedickte zeichnen sich durch starke Empfindung, durch schlichten krystallklareu Ausdruck vor den nici- slen Zeitgenossen ans und fallen gerade gegen- über den flüssigeren, aber prunkendcren Versen Meissners angenehm auf. Ein so ergreifendes Gedicht, wie„O Gott, wie blaß sind deine Wangen!" gehört auch unter den Besten zu den Seltenheiten. Und wenn er als Balladen- dichter nur den„weißen Schleier" geschrieben hätte, würde ihm unter ihnen eine angesehene Stelle gebühren. Litis den epischen Gedichten sei das stofflich und formal anziehende„Sack Hille" herausgehoben.(Sackvillc rettet nach der Wcißenbcrgcr Schlacht die verlassene Ge- mahlin des Winterkvuigs und verteidigt nach Jahren gegen seinen Freund ihre Ehre int Duell, dem er zum Opfer fällt.) Es enthält eine prächtige Schilderung den Scharia, die durch natürliche Frische Eberls Darstellung überbietet. Am bekanntesten ist heute noch der farbenreiche Dorsroniau„Der Krieg um den Wald", dessen Schauplatz Duschnik ist. Das Werk, an Michael Kohlhaas erinnernd, enthält viele soziale Motive. Eine große Zahl von Novellen bekundet den Weltblick des viel- gereisten und gesellschaftlich erfahrenen Dich- tcrs, der ungezwungen und fesselnd zu er- zählen versteht und das besondere Wesen der Novelle künstlerisch immer vor Augen hat. Da gäbe es für die heutige Zeit noch viel Anlaß zur Wiedererweckung, die auch den eigenarli- gen Märchen zu gelten hätte. Die Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen" hat eine Neuans- gabe von Hartmanns Werken in Angriff ge- iwmmeil, von der bis zum Kriege die zwei- bändige Biographie von Wittner erschienen war. lEin Sammclband von Briefen aus dem Vormärz gibt eine inicressaute Ergänzung.) Hossentlich gestalten die Verhältnisse bald die Fortsetzung des verdienstlicheil Unternehmens. Dieses Gcdenkblatt mag aber mit den herz- lichcn, seinem Sohne Ludo gewidmeten Versen(aus dem Nachlaß) schließen: Gar viel und vieles kann auf Erden Aus einem kleinen Knaben werden; Das Beste, was er werden kann, Ist aber stets ein braver Man».— r. 5) Von I. I. David. Er war mm einmal hinterhältig und zum Verdacht geneigt. Und wenn er schon in Ge- schuften diesem einen sein Vertrauen geschenkt, so mußte er sich doch nach seiner Art dafür schadlos halten. Es war erstaunlich, was er in seinen vielen einsamen Stunden aus einem Satz herausnutschte, der ganz ohne Belang ge- braucht wordeil war. Es kamen Anspielungen und verdeckte Wendungen, die an ihr ordentlich uinbohrte«. Bei nah' war daS manchmal, als wünsche er, sein Weib hätt' ein Geheimnis vor ihm, nur da mit cr's erkunden könnte. Sie kannte ja seine Eigenheit vo» früher her und ertrug sie ans Gewöhnung leichter. Aber niemals Halle sie sich so bestimmt, beharrlich und so i» einer einzigen Nickftuia hin ausgesprochen. Es wurde ihr ganz ernsthaft unheimlich da bei. Denn das war ja nur eine Marter, wie cc war. Gar nie mehr wissen, was man sag« oder wie»man es herausbringen sollte, oft stünde man vor Gericht oder gehe zur Beichte bei einer Mission. Da schwieg man doch lieb« ganz, wenn der Kajetan nur nicht auch hin!« ihrem Schweigen was vermutet hätte. Derlei Paßte ihr durchaus nicht. Sic war das nicht ge wohnt, und es beengt sie ein Kleid, das nichi für einen gemacht ist. Es lag wie ein Druci und eine körperliche Lähmung über ihr. So gewöhnten sich die Eheleute das Reden miteinander beinahe ab. Es gab kurze Antwov ten, die keinerlei Nebensinn in sich schließet durften und also abgeschnappt und trutzig klau gen. Ihm war das natürlich gar nicht recht und er deutelte sich's nach seiner Gepflogenheit die sie täglich besser erfaßte, wie erbitterte. El war wie eine ewige, grundlose Schmollerei in Haus. Annctschka spürte das genau. Dem Kinder brauchen Wärme, und sie merken jeder Luftzug, der erkältend durchs Zimmer streicht und sie fordern unverbrüchlich ihr gewohnte! Deputat an Zärtlichkeit. Sonst hatten die Eltern innner Zeit für sie gehabt. Nun kam sie dem Vater manchmal uu gelegen, und sie störte ihn in Gedanken, du afto sicherlich anders waren, als vordem. E: hatte etwas Jähzorniges auch ihr gegenüber au sich. Sie war gewohnt gewesen, der Mnttc: überallhin nachzntrippcln. Dagegen konnte mai nichts einwenden. Den» eine Bäuerin, die ein mal einer solchen Wirtschaft vorstehen will, du muß sich zeitlich gewöhnen, viel ans den Bein« >u sein und die Augen überall zu haben Eft -chaden ist vald geschehen. Nun kam sie oftmaft "ngeleoem Ihre kleinen Füßchen tappten bei Mutter 111 ihre uiierbaulichen Gedanken hi»