Ur. 208. Adomements• DedwgANgen: SbonnemeniS-Preti pränumerando: vierleljährl. S�o Ml., monatl. I,l0Mk., wöchentlich 2S Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Tonntag»» Nummer mit tlluftrlrter Sonntag», Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen w der Post- Zettungi- Preisliste für 1898 unter»r. 7576, Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mark, für da» übrig«»u»land 3 Marl pro Monat. «rscheinl liglich«uff er«onkng». Vevlinev VolKsblskk. 13. Jahrg. Dt« Instrtions-Gebilhr beträgt für die sechsgespaltene Ziolonsl- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für «erelns- und BersammlungS-Anzetgsn, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer muffen dt» i Uhr nachmittag» in der Elpeditton abgegeben werden. Die Expedttion ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» S Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher:»ml I, Nr. 150». Telegramm-Adresse: «»ozialdemokral Serltn". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Stratze 2. Dienstag, den 3. September 1898. Expedition: SW. 19, Veuth-Stratze 3. Cavaignae s Demission und Einleitung der Revision. Paris, 4. September. Endlich hat sich Cavaignae vor der Gewalt der Thatsachen und dem Umschwung der öffentlichen Meinung gebeugt, die Flucht er- griffen. Der zivile B o u l a n g e r hat sich in jeder Beziehung unendlich verackftenswcrther gezeigt als sein Vorgänger, der„brave General". Seine für Frankreich, für die Republik verhänguihvolle diktatorische Herrlichkeit nimmt ein viel rascheres und jämmer- licheres Ende als die Popularität des rebellischen Generals Boulanger. Cavaignae endet im Schmutz des infamsten Justiz Verbrechens, verflucht und verhöhnt von allem, was in Frankreich rechtlich denkt und ehrlich fühlt, bedauert nur von der entlarvten Fälscherbande und den Reptiljournalistcn des Generalstabes, welche bis zum letzten Augenblick auf die Vertuschungskünste Cavaignac's felsenfest hofften. Cavaignae will aber noch immer nicht glauben, das; er politisch ein todter Mann ist. Er verniag noch immer nicht einzusehen, daß der Schwächling Brisson, der zwei Monate hindurch ein Hampelmann in seinen Händen war, nur deshalb ihn zur Demission hat zwingen können, weil er bereits jedes Ansehen im Lande verloren hat. Ver blendet durch einen ungeheuerlichen, krankhaften Ehrgeiz, vermeint Cavaignae noch eine entscheidende Rolle in der eröffneten Krise spielen zu können. Er droht in seinem Entlassungsschreiben, den Kanipf gegen die Revision des Drehfus-Prozesses„ebenso entschieden wie vorher" zu führen I... Die an den Fingern abzuzählenden Schandblätter, die aus parteipolitischen oder Geheimfonds- Gründen der Fälscherbande des Gcneralftabcs noch treu geblieben sind, verzeichnen Cavaignac's Drohungen mit Freude. Aber das ist die einzige Unterstützung, auf welche der diSkreditirte Ex-Diktator rechnen kann, falls er wirk- lich seine Drohungen wahr machen sollte, Drohungen, welche nichts anderes bedeuten können als das Entfachen einer militärisch-klerikal- antisemitischen Revolte gegen das Kabinet Brisson, das sich endlich zur Revision entschlossen hat. Und auf welchem Boden kann sich die Revolte stellen, nachdem das„entscheidendste" Beweismittel gegen Dreyfus von Cavaignae selber als eine Fälschung proklamirt werden muffte? Auf den Boden einer unendlich plumperen und frecheren Fälschung. Darüber lassen die Schandblättcr der Cavagne keinen Zweifel übrig. Die entlarvte Fälscherbande hat nämlich noch ein „ultra-geheimes Aktenbündel" gegen Dreyfus im Sacke. Die Existenz dieses bombengcfährlichen„Ultra-Gcheim- uisses", dessen Bekanntmachung nach den Versicherungen der Bande die sofortige deutsche Invasion verursachen mühte, wurde trotz- dem bckanntgemacht— zum ersten Mal von R o ch e f o r t am 13. Dezember 1897. Der skrupellose Hanswurst schrieb damals in seinem Blatte, nachdem er deutlich zu verstehen gegeben, daß das Ultra-Gehciinniß ihm vom Major Pouffin de Saint-Morel, dem Kabinetschef de Boisdeffre's, anvertraut wurde:„Eines der famosen geheimen Aktenstücke ist ein eigenhändiger Brief des deutschen Kaisers. In diesem an den Grafen Münster(den deutschen Gesandten zu Paris) gerichteten Briefe wurde der volle Name des Dreyfus genaunt..." Seit der Entlassung Henry's klammern sich nun die Rochefort und Drumont an die angeblichen Briefe Wilhelms II., worunter auch Briefe an— DrehfuS(!!), uni die Revision für landesgefährlich zu erklären— von wegen der mit der Revision unvermeidlichen deutschen Invasion! Hat man je in der Geschichte eine zweite Schurkerei dieser Art im Dienste einer gleich schmählichen Sache gesehen?... Jndeh berechsigt Cavaignac's bisheriges Verhalten zu den schlimmsten Vernmthungen. Er, der, halb dupirt, halb aus Ver> bleudung mitschuldig, auf der„geheimen" Fälschung Henry's sein politisches Glück zu begründen versucht hat, ist ganz der Mann dazu, in seinem Verzweiflungskampfe sich der Waffen der„ultra- geheimen" Fälschungen zu bedienen. Er hat das übrigens in den letzten Tagen bereits begonnen: Die Ausschlachtung des deutscheil Wauwaü's ist von den kricgsmiuistericllen Bureau's eingegeben worden.— Cavaignac's Demission hat ferner den Wunsch der Reste der Generalstabspreffe»ach sofortiger Einberufung derKammern gesteigert. Die Rochefort und Drumont vermögen in ihrer Bestürzung nicht den einfachen Gedanken zu fassen, daß das Parka- ment und namentlich die Deputirtenkammer gerade aus demselben Grunde sich jetzt für die Revision aussprechen müßte, aus welchen sie früher die„Huldigungen an die Armee", die„Achtung vor der ab- geurtheilten Sache" und zuletzt den Maueranschlag der Fälschung Henry's votirt hatte. Der Grund ist die schlotternde Angst vor der herrschenden Ssimmung des Publikums. Zudem hat sich die Deputirtenkammer an Cavaignae für jenen sie entehrenden Mauer- anschlag zu rächen. So hat bereits nach der Entlarvung Senry's auch der Abgeordnete Mirman, der begeisterte avaignac-Schivärmer, der den Maucranschlag zuerst vorgeschlagen, eine drohende Interpellation über die Fälschung eingebracht. Also, mag die feige Kammer ein paar Wochen früher oder später einberufen werden, Cavagnac und seine Getreuen haben davon nichts zu hoffen. Uebrigens ist Cavaignac's Rücktritt an sich schon ein Versuch, den Stoß des unvermeidlichen Ansturmes seitens der Kammer abzuschwächen. Der Talnri- Diktator ist einfach einem stürzenden Kammervotum zuvorgekommen. Beiläufig, Cavaignae wurde schon einnial, im Juli 1892, als Marineminister ganz allein unter seinen Ministerkollegcn gestürzt, weil er mit der Hartnäckigkeit und der Intelligenz eines Stieres gegen die Einheitlichkeit der militärischen Leitung der Dahomcy-Expedition sich stemmte bezw. die Leitung eines Feldzugcs zu Lande in den Händen des Marincministcriums vereinigt wissen wollte. Das kenn- zeichnet den Meufchen zur genüge: wie er in der Dreyfus-Affäre das Werkzeug des Gencralstabs des Laudhceres war, so 1892 als Marineminister das Werkzeug des nicht minder verlotterten Marincklüngels. Hoffentlich wird nunmehr das Kabinet Brisson, der Cavaignac lchcn Diktatur entledigt, der schon unter Mcline vor bald einem Jahre begonnenen Staatsstreichs-Polittk ein gründliches Ende machen und in die Bahnen des Gesetze? einlenken. Eine allseitige Wiedergut- machung aller in diesem Zeiträume verübten Gesetzesverletzungen und Rechtvcrweigerungen ist freilich wohl kaum von der schwach- xten. lichen auch-radikalen Regierung zu crww Es ist nicht einmal sicher, ob Cavaignac's Vetter, der juristisch vom Untersuchungsrichter BerwluS überführte Fälscher Du P a t y d e C l a m, der Spießgeselle Henry's und Esterhazy'S, zur Rechen- Waschungsbeschluß der Anklagckammer bezüglich Du Path de Clam's, gefaßt unter dem Vorwand der„Unzuständigkeit", annullirt und ausdrücklich für eine Gesetzesverletzung' erklärt hat. Diesen Beschluß des obersten Gerichtshofes hat Cavaignac noch mit auf den Weg nehmen müssen. Er kann sich aber damit trösten, daß— bis zur Entdeckung neuer Belastungsmomente— sein Vetter, der Mitschuldige, aus formalen Rechtsgründen geborgen ist. Denn der Kassattonshof hat andererseits die Berufung Picquart's in Sachen der geretteten Hauptschuldigen, des Efterhazy und der Dirne Pays, für unzulässig erklärt, weil der Zivilpartei das Recht der Berufung gegen einen auf dem Thatbestand beruhenden Beschluß der Anklagekammcr nicht zustehe. Der Mitschuldige Du Path de Clam genießt mithin bis auf weiteres Straflosigkeit, weil die Rechtsbeugung zu gunsten der Hauptschuldigen formal unanfechtbar ist. Die obige Korrespondenz ergänzen wir durch folgende Einzel- heiten und neuere telegraphifche Mittheilungen. Das geheime„allerge heimste" Aktenbündel soll folgendes enthalten: 1. einen vom deutschen Botschafter in Paris, Grafen Münster, unterzeichneten und von ihm dem deutschen Kaiser nach Berlin erstatteten Bericht, worin der Botschafter den Namen Dreyfus ganz ausschreibt und die Dienste anführt, die er Deuffchland geleistet hat; 2. drei Briefe oder vielmehr die Photographie von drei Briefen des deutschen Kaisers, deren einer an den Grafen Münster, die beiden anderen an den Hauptmann Dreyfus gerichtet sind. Von diesen Schriftstücken behauptet der Gencralstab, daß das erste auf dem Arbeitstisch Wilhelms II. in Berlin gestohlen worden sei; die anderen sollen vor ihrer Absendung durch einen Agenten des Auswärtigen Amtes entwendet und photographirt worden sein, der sie alsdann dem Minister Hanotaux zukommen ließ, welcher sie seinerseits dem Kricgsminister übergab. Der Bericht des Grafen Münster und diese Briefe sollen in Berlin nach der Ver- hastung des Dreyfus gestohlen worden sein." Die„Droits de l'homme" erklären, diese Schriftstücke seien in Brüssel anaefettigt und von Berlin an das französische Auswärtige Amt gesandt worden, und zwar durch einen Agenten, der es ver- steht, in den Fonds für geheime Zivecke für sich und andere zu schöpfen. In jedem Fall ist die Geschichte von diesen Briefen des deutschen Kaisers u. s. iv. das unsinnigste Zeug, das eine Fälscherbande zusammenfälschcu konnte. Zu den phantastischen Meldungen der französischen Presse über eine Korrespondenz zwischen Kaiser Wilhelm und Dreyfus bemerkt die„Kölnische Zeitung" wohl nach Jnforniatton von Berlin, wenn die sog. Generalstabs-Blätter den Glauben zu erwecken suchten, daß Frank- reich durch Veröffentlichung der gesammtcn Dreyfus-Schriftstücke der Gefahr eines Krieges mit Deutschland entgegengehe, so machten sie auf Deutschland nicht den allermindesten Eindruck. Man wisse durch Blättermeldungen, um welche Schriftstücke es sich handelt, und daß namentlich angebliche Briefe des deutschen Kaisers in betracht kommen, die dieser an Dreyfus ge- schrieben haben soll. Das Blatt sagt, Deutschland sehe der Ver- öffentlichung dieser Fälschungen mit äußerstem Gleichmuth entgegen. Ein deutscher Kaiser führe keinen Schriftwechsel mit für Deuffchland arbeitenden Spionen. Präsident F anr e traf am Sonntag in Paris ein. Den ganzen Tag, ebenso am Montag, fanden fortdauernde Besprechungen der Minister statt. Es wurden die verschiedenen Fälle in Erwägung gezogen, in denen eine Revision durch das Gesetz bestimmt wird. Von den Ministern ist keiner gesonnen, Cavaignac zu folgen. General Zurlinden ist zum Kriegsminister ernannt tvorden. Cavaignac erklärte einem Mitarbeiter des„Echo de Paris" sehen, in welchem Zustande sich das Land nach dem neuen Prozesse befinden werde. Mittlerweile ist aber die Revision bereits beschlossene Sache. Es verlautet, das Ministerium habe ein st immig be- schlössen, das Wiederaufnahm e-Verfahren in der Dreyfus-Sache einzuleiten. Die Minister fallen jedoch an der Schuld des Dreyfus feschalten und deshalb die Revision nicht wegen Verletzung des ß 443 Abs. 4 der Strafprozeß- Ordnung an- ordnen, der die Revision vorschreibt, wenn nach der Verurtheilung neue Thatsachen oder Beweise einttetcn oder bekannt werden, die geeignet sind, die Unschuld des Berurtheilten zu begründen. Viel- mehr wollen sich die Mnister auf Abf. 3 desselben Paragraphen stützen, wonach Revision zulässig ist, wenn einer der Zeugen wegen falschen gegen den Berurtheilten gerichteten Zeugnisses verfolgt und bestrast wurde. Der Juftizminister Sarrien ersuchte um Mttheilung deS Pro- tokolls bezüglich des Geständnisses des Oberstlieutenants Henry und »m Mittheilung der auf die Angelegenheit Dreystis bezüglichen Attenstücke. Sarrien wird das Ergebniß der Prüfung dieser Akten- stücke dem nächsten Ministerrathe mittheilen, welcher nach der Er- nennung des neuen Kriegsministcrs stattfinden wird. Der ehemalige Justizministcr, Senator T r a r i e u x, forderte in einem Schreiben den Kolonialminister Trouillot auf, endlich die barbarische Ausnahmebehandlung, der Dreyfus unterworfen sei, aufzuheben. Das Bekanntwerden der Nachricht von der Demission Cavaignac's am Sonnabend Abend führte zu großen Menschen-Ansammlungen vor den Redaktionen der Zeitungen'„Jntransigeant",„Libre Parole" und„Pctitc Republique". Man schrie fortwährend:„Nieder mit Rochefort, mit deni Gcneralstab! Es lebe Jaures!" potttifche Mebevsicht. Berlin, den 6. September. Zum Abrüstungsvorschlage des Zaren schreibt das russisch-offiziöse„Journal de St. Petersbourg": „Alle Kundgebungen der ausländischen Presse bezüglich deS Rundschreibens vom' 24. August beweisen übereinstimmend, mit welcher Sympathie das Vorgehen der russischen Regierung in der gesammten Welt aufgenommen worden ist. Man hat dem edlen und hochherzigen Gedanken, welcher diese große That hervorbrachte, hohe Anerkennung gezollt. Die Einmüthigkeit dieser Aufnahme beweist in der schlagendsten Weise, bis zu welchem Grade die Erwägungen, welche dem russischen Vorgehen zur Unterlage dienten, dem inner st en Empfinden aller Völker und den theuerstcn Wünschen derselben entsprechen. Man ist überall zu der Ueberzcugung gekommen, daß die fort- gesetzten Rüstungen für alle Völker eine drückende L a st sind, und daß sie e i n H e m m n i ß für die Entwicklung der öffentlichen Wohlfahrt bilden. Der glühendste Wunsch der Völker ist, nnt Ruhe in die Zukunft blicken und sich friedlicher Arbeit hingeben zu können. Sie sind sich darüber klar geworden, daß oas System des gegen- Ivärtigen bewaffneten Friedens seiner Tendenz nach nichts friedliches mehr an sich hat als den Namen, und den Ausschreitungen dieses Systems will der Schritt Rußlands ein Ende machen. Die Frage, welche es zu lösen gilt, ist ohne Zweifel eine sehr verwickelte, und schon haben einige Organe der öffentlichen Meinung die Schwierigkeiten berührt, welche sich der praktischen Ausführimg entgegenstellen. Diese Schwierigkeiten kann sich niemand verhehlen, aber man mutz ihnen muthig gegcnübertreten und das Rundschreiben vom 24. August'will gerade eine aufrichttge und eingehende Prüfung dieser Frage durch einen internationalen Meinungs- austausch anregen. Gewisse andere schwer zu lösende, aber sicher nicht weniger' bedeutungsvolle Fragen sind in diesem Jahr- hundert schon durch internationale Vereinbarungen in einer Weise gelöst worden, welche den großen menschlichen und kultu- rellen Interessen Gerechtigkeit widerfahren ließ. Die Resultate, welch- man in dieser Beziehung namentlich auf dem Wiener und Pariser Kongreß und auf mehreren internationalen Kon» ferenzen erreicht hat, beweisen, was die vereinigten Be» niü Hungen der Regierungen durchzusetzen ver« mögen,' wenn sie mit der öffentlichen Meinung und den Bedürfnissen der Zivilisation im Ein- klang st e h e n. Das russische Vorgehen fordert alle Staaten zu einer noch größeren Bestrebung auf, als alle vorhergehenden, aber es wird der Menschheit zur Ehre gereichen, beini Anbruch des 20. Jahrhunderts sich dieser Aufgabe gelvidmet und entschlossen ans Werk gemacht zu haben, um den Völkern die Möglichkeit zu geben, die Wohlthaten des Friedens zu genießen, indem ihnen die erdrückenden L a st e n abgenommen lv e r d e n. welche ihre ökonomische und sittliche Eni- Wickelung hemmen." In dieser offiziösen Kundgebung sind die Argumente zum theil noch schärfer ausgearbeitet, als in dem offiziellen Rund- schreiben. Herr Goßler wird ihre Wiederholung von der Tribüne des Reichstages nicht gerade mit großem Wohl- gefallen aufnehmen. Die„Köln. Ztg." schreibt höchst diplomatisch nnt allen Reverenzen vor der„weltgeschichtlichen That und die hoch- herzige Absicht des jungen Herrschers Rußlands" heute wieder über den Erlaß des Zaren, indem sie, wohl im Geiste des Auswärttgen Amtes, nachzuweisen sucht, daß der Plan nicht ausführbar sei. Aus den benierkeuswerthen Ausführungen der„Köln. Ztg." glauben wir die folgenden Stellen wieder- geben zu müssen: „Die Note deS Grafen Murawjcw legt allerdings bemerkenS- werthen Nachdruck auf den Gedanken, daß die großen Opfer an geistigen und physischen Kräften, die von der militärischen Rüstung verschlungen werden, mit mehr Berechtigung den Werken des Friedens, dem wirthschaftlichen Fortschritt und anderen Kulturzwecken, dienstbar gemacht werden könnten; indessen liegt es auf der Hand,' daß die von dem Zaren und seinen Be- rathern vorausgesetzte Gunst deS Augenblicks in erster Linie in der auswärtigen Politik, auf dem Gebiete der internattonalcn Beziehungen gesucht werden muß. Unwillkürlich denkt man an den spanisch-amerikanischen Krieg, der an einem augenfälligen Beispiel erwiesen hat, daß der nächste Krieg auch den nicht unmittelbar betheiligten neutralen Völkern, ja der ge- sammten zivilisirten Welt unberechenbaren Schaden zufügen wird. Die EntWickelung der V o lk s w i r t h s ch a f t e n zur Weltwirthschaft ist allen rückläufigen Versuchen zum Trotz zu einer Thatsache geworden, die nach einem wenngleich noch wenig erkannten, so doch in der Stille wirksamen und zwingenden Gesetz die internationalen diplomatischen Verhältnisse zn beeinflussen beginnt. Sodann wird man bei einer sorgfältigen Prüfung des politischen Horizontes vielleicht in O st a s i e n einige Ursachen der russischen Friedens- b o t s ch a f t entdecken. Ein zweiter Punkt, der in das richttge Licht gerückt zu werden verdient, betrifft den voraus- sichtlichen Gegenstand der vom Zaren geplanten internattonalen Berathungen. Fast alle Aeußerungen der in- und ausländischen Presse beruhen auf der Annahme, daß der Konferenz in dieser oder jener Forni ein Abrüstmigsvorschlag oder, genauer gesagt, ein Plan zur Verminderung der stehenden Heere vorgelegt werden soll. Von welcher Seite man diesen Gedanken betrachtet, allent- halben zeigt sich eine fast unabsehbare 5tette von Fragen, von denen jede für sich einen gordischen Knoten dar st eilt. Uni hieraus nur eins der nächstliegenden und zugleich schwierigsten Probleme herauszugreifen— wie ließe sich für' die allgemeine Abrüstung eine Verhültnißzahl finden, die nicht nur auf die Zahl und Tüchtigkeit derTruppen, sondern auch auf die Lage der Garnisonen bedacht nähme? Die rufsischen Staatsmänner haben sich, dessen darf man versichert sein, diese und ähnliche Schwierigkeiten reiflich überlegt, bevor sie die Welt mit dem Auffliegen der Friedenstaube überraschten. Daher halten wir es einstweilen für wenig wahrscheinlich, daß sie der Konferenz einen förmlichen Abrüstungsplan vorzu- legen haben. Vorläufig liegt die Wahrscheinlichkeit näher, daß sie die Frage in den Vordergrund stellen werden, auf welchem Wege künftig internationale Verwicklungen und Streitigkeiten in wirksamer Weise zu einem ftiedlichen Austrag gebracht werden können. Ob dabei die von der Wissenschaft erörterte Einrichtung eines stäirdigen internationalen Schiedsgerichts oder an ein von Fall zu Fall zusammentretendes gedacht ist, wäre für die Sache selbst von geringerem Belang. Jedenfalls hätte ein derartiger Vorschlag am ehesten Aussicht auf Erfolg. Ueber den diplomatischen Stand der Angelegenheit schreibt die„Vossische Zeitung": Der lebhafte Verkehr der Vertreter der Großmächte seit dem Abrüswngsvorschlag des Zaren zielt dahin, eine Reihe großer Fragen zum mindesten zum Stillstand zu bringen, um für die Be- rathung der Abrüstnngsfrage geebneten Boden zu schaffen. Die aftikamschen Fragen einschließlich der egyptischen dürsten den Hauptgegenstaud der Erörterungen bilden. Es handelt sich um das Zusammenwirken der betheiligteu Staaten und gleichzeitiger Abgrenzung ihrer Interessensphären, derart, daß hierdurch Frank- reich mittelbar Kompensation für den Beitritt zum Abrüstungs- vorschlage des Zaren geboten würde. Ueber Anregungen scheint man jedoch bisher noch nicht hinausgekommen zu sein. In noch weiterem Felde liege die Durchführung der Absichten über die Lösung der asiatischen Fragen.— Aus Kiew wird heute telegraphirt: Der hier tagende Kongreß russischer Naturforscher und Aerzte beschloß, dem Kaiser als dem erhabenen Schutzherrn der Wissen- schaften den Ausdruck höchster Bewunderung anläßlich des von ihm an alle zivilistrten Nationen gerichteten hochherzigen Ausrufs aus- zudrücken. In Rtlßlund hat man das Recht, sich für den Zaren zu begeistern, nicht aber seine Motive zu prüfen.— Aus Budapest wird telegraphirt: Die Opposition des Abgeordnetenhauses wird nächsten Mit« woch die Regierung darüber interpelliren, welche Haltung sie zum Lbrüstungsvorschlag des Zaren einnehmen wolle. Zur Gruben-Jnspektion im Kali-Bergban. Wie sich �unsere Leser erinnern werden, hatten einige auf dem Schacht „Achenbach" bei Staßfurt beschäfttgte Arbeiter dem Vorsitzenden der Staßfurter Gewerkschaftskommission die Mit- theilung gemacht, daß sich eine Strecke des Schachts in gefahrdrohendem Zustande befinde und nicht mehr als fahrbar erachtet werden könne. Der Vorsitzende der Gewerkschaftskommission hatte davon den königlichen Bergt nfpektor Kost be- nachrichttgt und ihn ersucht, die Sttecke einer eingehenden Besichttgung zu unterziehen und für geeignete Abhilfe Sorge zu tragen, worauf der genannte Staatsbeamte ant- Ivortete, daß er die Absicht des erwähnten Arbeiter- vcrtteters,„sich in die inneren Verhältnisse des königlichen Salzwerkes einzumischen", jetzt wie für alle Zukunft eist- schieden zurückweise,„da sie von unberufenster Seite geschehen" wäre. Dem Berginspektor Kost sind wegen dieser schneidigen Antwort von der bürgerlichen Presse alle Sorten von Lob- sprüchen spendirt worden, aber selbst ein Organ derKali- Interessenten, die in Berlin erscheinende„Kuxen- Zeitung", konnte nicht umhin, mit seinem Lobspruch einen ziemlich kräftigen Tadel zu verbinden. Das Blatt schrieb unter dem Sttchwort:„Kali-Gewerkschasten bei Streiks": „Während bisher die Agitation derfBergarbeiter-Verbände auf das rheinisch-westfälisclje Kohlenrevier beschränkt blieb, mehren sich jetzt die Anzeichen für oaS Eindringen der sozialistischen Propaganda nl das Kali-Bergrevier. Die Vorstände der Kali-Gewerkschasten sollten daher Sorge tragen, daß auf ihren Betrieben diese Agitation im Keime bekämpft wird. Gerade die Antheile der Kali-Gcwerk- schaften sind in ihrer Preisentwickelnng ans das Empfindlichste äußeren Einwirkungen ausgesetzt, und Nachrichten über Streik- und Agitationsbewegungen auf Kali- Bergwerken würden von schärfstem Einfluß auf die Preisgestaltung sein. Die Grubenvorstänoe sollen daher auf die Sicherheit des Kalibergbaues daS gewissenhafteste Angernnerk richten." Das Blatt giebt dann die von uns aus der„Deutschen Berg- und Hüttcnarbeiter-Zeitung" entnommene Mittheilung über den Schacht„Achenbach" und die Antwort des Berg- inspektors Kost an den Vorsitzenden der Gewerkschaftskommission wieder und bemerkt zu dieser Antwort: „Die Entschiedenheit dieser Antwort ist nur anzuerkennen— Hand in Hand mit ihr mutzte aber für die O e f f e n t l i ch k e i t die Erklärung gehen, daß die S i ch e r h e i t des Schachtes„Achenbach" gewährleistet sei." Diese letzte Aeußcrung des Fachblattes für den Kali- Bergbau ist von verblüffender Richtigkeit. Warum mag aber der Berginspektor Kost eine solche Erklärung unterlassen haben? Die Antwort ergiebt sich wohl auS folgender Mittheilung, die uns aus Staßfurt zuging: Am Sonnabend voriger Woche wurde auf dem Schacht„Achenbach" der Häuer Schneider durch hereinbrechende Salzmassen verschüttet. Er war sofort todt. Ein solches Unglück mag ja auch in den besteingerichteten Schächten vorkommen können, aber nachdem über den Schacht „Achenbach" bereits vor Monaten Klage geführt worden ist, und nachdem aus der Antwort des Berginspcktors Kost alles andere eher zu schließen ist, als daß er sich verpflichtet gefühlt hätte, ans die Anregung des Vorsitzenden der Gewerkschafts- kommission hin den Schacht Peinlich genau zu untersuchen, so wird unseres Erachtens das Handelsmini st erium gut thun, eine strenge Prüfung der Betriebsverhältnisse des fiskalischen Staßfurter Werkes, zu dem der Schacht„Achenbach" gehört, schleunig anzuordnen.— Daß die Znckerprämien niemals fallen werden, wenn die Regierungen die Stimme der Interessenten entscheidend sein lassen, zeigt sich mit jedem Tage deutlicher. Die deutschen Zucker- fankanten führen in ihrem Fachorgan einen erbittetten Kampf gegen die Abschaffung der Liebesgaben. lieber die Stimmung in Böhmen, dem größten Zuckcrrübengebiet Oesterreichs, unterrichtet soeben eine Prager Korrespondenz des„Pester Lloyd". Danach wollen die böhmischen Zuckerfabriken die Prämie be« halten, selbst wenn Deutschland die seinige abschaffe. Böhmen produzire viel ungünstiger wie Deutschland, pro Zentner Zucker vielleicht um 2'/- bis 3 Gulden theurer. Unter den Ursachen wird sogar die„koulante" Behandlung der bäuerlichen Rübenlieferantcn angeführt, als ob in Böhmen die erbittetten Kämpfe zwischen den Bauern und dem Ring der Fabttken nicht seit Jahren auf der Tages- ordnung ständen: Wenn man den deutschen Zuckettndustnellen ihre Export- Prämie, welche zirka 20 Kreuzer per Meterzentner Rübe ausmacht, nimmt, so können sie noch immer viel besser existiren, als wir heute samnit unserer Expottprämie. Wenn man der Zuckenndustrie auch die Prämie nehmen wollte, so kann sie diese 20 Kreuzer nicht mehr von ihrem Erwerbe hergeben, und daß wir in Böhmen nicht schon Heuer eine Katastrophe zu verzeichnen haben, dankt die Jndusttte dem Äebereinkommen mit den Raffineuren. Die 20 Kreuzer müssen dann vom Preise der Rübe gekürzt werden, und die Folge wäre, daß die Oekonomen keine Rübe bauen könnten. WaS aber ohne Rübeukultur aus dem böhmischen Landwirth werden würde, wollen wir hier gar nicht besprechen. Daraus ist zu ersehen, daß man der Zuckenndustrie die Prämie nicht nehmen kann, ohne ihr und der Landwirthschaft einen tödtlichen Stoß zu versetze».... Darum ist die Zuckettndustne nicht in der Lage, auch die allergeringste Venninderung des Schutzes, welchen sie in der Prämie gegen die Rohrproduktton besitzt, zuzu- lasten oder gar vollends entbehren zu können. Genau wie bei uns, wie in Frankreich und anderwärts. In dieses Wespennest muß man eben mit f e st e r Hand eingreifen, ohne sich durch die Auflegung des JntereffentenschwarmeS beirren zu lasten.— Die deutfch-englischen Beziehuugen. Ueber den In- halt der Besprechungen zwischen Lord Salisbury und dem deutschen Botschafter in London, Grafen Hatzfeld, ist nichts weiteres bekannt geworden. Wohl aber sind einige neue Aus- lassungen des deutschen Kaisers geeignet, die Vermuthung zu bekräfttgen, daß sich die Beziehungen zwischen dem offiziellen Deutschland und dem offiziellen England verbessert haben. Am Sonntag wurde in Hannover auf dem Waterlooplatz ein Feldgottesdienst für die dort in Garnison stehenden sowie für die gelegentlich der Manöver einquarttrten Truppen- abtheilungen abgehalten. Nach Liturgie und Predigt— die sich vielleicht mit der Frage beschäfttgt haben mag, wie sich Chnstenthum und Militarismus nttt einander verttagen— hielt der Kaiser eine Ansprache, in welcher er, wie aus Hannover berichtet wird, darauf hinwies, „daß angesichts der Waterloofäule die Truppen auf historischem Boden standen. Er ettnnere an die Waffenbrüderschaft der Engländer und der Deut scheu bei Waterloo. Die englische Armee habe soeben vor wenigen Stunden in Afrika einen Sieg über einen viel stärkeren Feind errungen. Der Kaiser forderte die Truppen auf, m ein Hoch auf die Königin von England einzustimmen." Der Kaiser hat ferner nach einer Meldung der„Times" aus Kairo am Sonntag an die dortige btttische diplomattsche Agenwr folgendes Telegramm ergehen lassen: „Ich bin auflichtig erfreut, meine Glückwünsche aussprechen zu köunen zu dem herrlichen Siege vonOmdurrnan, der endlich des armen Gordon'S Tod rächt." Die englischen Blätter sprechen sich zu diesem Telegramm etwas zurückhaltend, aber doch sympathisch aus. Offenbar können sie das bekannte Telegramm des Kaisers.an Ohm Krüger doch nicht so leicht vergessen.— Das Ende des Mahdireiches. Die EntscheidnngS- fchlacht bei Omdurman ist am vorigen Freitag geschlagen worden. Die Armee des Kalifen Abdullah wurde völlig zer- sprengt. Die Hauptstadt des Mahdi-Reichcs ist wieder erobert. Gordon Pascha ist gerächt. Die weiten Ländergebiete, die sich im Westen der abessinischen Gebirgslande und entlang dem Laufe des weißen Nil ersttecken, hatten von jeher die polttsche Abhängigkeit von der egyptischen Herrschaft abzuwerfen gesucht. So erhob auch 1881 Muhamed Achmed die Fahne der Rebellion. Er gab sich als den Mahdi, den Erlöser ans und es gelang ihm, die egyptischen Truppen zu besiegen. Auch der von England in höchster Roth entsandte, in zahlreichen Expeditionen bewährte Gordon Pascha konnte der Bewegung nicht Herr werden. Gordon wurde 1884 in Chartum ein- geschlossen; nach zehnmonatlicher Belagerung drangen die Truppen des Mahdi in die Stadt, machten sie dem Erdboden gleich; Gordon Pascha wurde erschlagen. Seitdem war die Wiedereroberung des Sudan eine Haitpt- aufgäbe der englischen Polittk. Dieses Ziel diente zugleich den Engländern als willkommener Vorwand für die Bei- behaltnna einer ansehnlichen militänschen Macht in Egypten und die Begründung der englischen Vorherrschaft dortselbst. 1835 starb der Mahdi, sein Nachfolger Abdullah kämpfte zunächst glücklich gegen Abessinien und die unter seinem Pascha stehende Aequatonal- Provinz. Damals erreichte das Mahdistenreich die Höhe feiner Macht. Abdullah herrschte von Dongola bis Wadelai unfern der großen ostafrikanischen Seen, von Abessinien bis Darflir. Aber die Gnmdlagen des Reiches waren ungesund und nicht entwickelungSfähig. Der religiöse Fanattsmus, der dem Mahdi Anhang geschaffen hatte, verglühte, als sich der herrsch- süchtige Despotismus der neuen„Erlöser" immer deutlicher offenbarte. Stur durch fortgesetzte Eroberungsknege und ge- Waltsame Unterdrückung der einzelnen Stämme konnte Abdullah seine Herrschaft erhalten. Der Ackerbau lag völlig darnieder. Ganze Stämme sahen schließlich in den Engländern die Befreier von unerttäglicher Herrschaft. Bereits 1889 und 1890 gelang es einer englisch-egypttschen Streitmacht, von Suakin vordringend, ein starkes Heer unter Osman Digma zu schlagen und so das Mahdistenreich vom Zugang an das Rothe Meer abzuschneiden. Aber erst 1896 begannen die Engländer nach sorgfälttgsten Vorbereitungen nilaufwärts vorzudringen. Dongola wurde genommen. 1897 wurde der Vorniarsch über Berber fortaesetzt, eine Bahnlinie wurde gebaut, welche die Truppen mit Unteregypten verbindet, ausgezeichnete Kanonenboote überwanden eine Stromschnelle des Nil nach der andern. Nun ist die Entscheidungsschlacht geschlagen. Omdurman, die Hauptstadt der Mahdistcn, am Zusammenfluß des Weißen und blauen Nil, ist genommen. Folgende Nachnchten ottenttren über den Verlauf des Kampfes, dessen blutiger Emst eigenarttg absttcht von den Friedensphrasen, an denen sich jetzt harmlose Gemüther gern berauschen. Der Spezial- korrespondent des„Reuter'schen Bureaus" telegraphirt aus Omdurman vom 2. September(Freitag) nachmittags: Eine Kavallettcpatrouille ging heute flüh gegen Omdurman vor und sah die feindliche Armee zum Angriff in Schlachtordnung vorrücken mit einer drei bis vier Meilen breiten Front. Unzählige Fahnen und Standarten wehten über den Reihen der Mahdistcn, welche mit lauter Stimme sangen. Die cnglisch-eghptische Armee stellte sich sofort auf, um den Augttff aufzunehmen. Um 7 Uhr 20 Min. erschien der Feind auf dem Gipfel des Bcrgkammes oberhalb unseres Lagers und rückte in gefchloffenen Reihen vor, unsere Flanken überflügelnd. Uni 8 Uhr 20 Min. eröffnete unsere Artillerie das Feuer,'welches die Schützen der Derwische beant- tvorteteu. Daun erfolgte ein Angriff auf unsere linke Flanke, und nach ihrer gewöhnlichen Taktik stürzten sich die Derwische von dem Bcrgkamnr auf uns. Aber die Andttngenden wurden vollständig zerschmettert durch das Feuer unserer sämmtlichen Schutzwaffen. Die Derwische wandten sich nun gegen unser Zentrum, auf welches sie einen wüthendcn Sturm ausfühtten. Eine große Streitmacht an Reitern versuchte dem Bleihagel zu ttotzen, wurde aber buch- stäblich weggefegt und zog sich zurück, indem sie das Feld, mit Leichen bedeckt, zurückließ. Um 11 Uhr 15 Minuten befahl der Sirdar Kitchener Pascha den Vormarsch in staffelförmig auf- gestellten Bataillonen. Sobald dieBttgaden den an den Nil angrenzen- den Bergkamm erreicht hatten, wurde die egypttschc Angabe von dem Feinde wieder angegttffen. Dieser hatte sich unter dem Schutze des Kammes wieder geordnet und bildete unter der schlvarzen Fahne des Khalifen selbst eine dicht geschlossene Kolonne, um eine äußerste Anstrengung zu machen und das Geschick des TageS zu wenden. Eine Streitmacht von 15 000 Mann stürzte sich auf die Sudanesen, welche unterstützt von dem Feuer der Maximgcschütze tapfer aushielten. Die englische Infanterie eilte herbei. Die Armee des Khalifen wurde in einer Vertiefung überrascht, sah sich dem venuchtenden Feuer dreier Bttgaden und ihrer Attillette ausgesetzt und warf sich in voller Flucht nach Omdurman. Der ausdauemde Muth der Derwische ist jedes Lobes würdig, sie trotzten dem schrecklichen Feuer ohne die geringste Furcht. Nach Erbeutung der Fahne des Khalifen begann die englische Armee um 12 Uhr 15 Min. wieder den Vormarsch und besetzte am Nachmittag Omdurman. Nur zwei englische Offiziere sind gefallen, mehrere verwundet. Der Verlust der Derwische be- tragt einige Tausend. Die Verluste werden sehr verschieden geschätzt. Der Kor- respondent des Londoner„Daily Telegraph" schätzt, daß 15000 Derwische gefallen sind und daß der Gesammtverlust ber britischen Truppen 500 Mann betrage. Der„Times"-' Korrespondent Howard ist gefallen und der„Times"-Korrespon- dent Rhades verwundet. Ferner wird aus Kairo vom 5. September gemeldet: Die letzte Depesche Kitchener Paschas besagt, der Rest der Streitkräfte des Khalifen habe sich ergeben. Kitchener habe eine große Zahl Gefangene gemacht. Kavallettel sei noch auf der Vcr- folgung des Khalifen bcgttffcn, der sich mit nur 140 Mann an- scheinend nach Kordofan gewandt habe. Kitchener habe am Sonn- abend Khartum aufgesucht und die Stadt als vollständige Ruine vorgefunden. Die österreichische Schwester Theresa Gttgolini und alle europäischen Gefangenen seien befreit und befänden sich wohl. Ein weiterer erheblicher Widerstand Abdullah's erscheint nunmehr ausgeschlossen. Die Herrlichkeit des Mahdireichs ist zu Ende. Eine andere Frage ist es, ob es den Engländern gelingen wird, auch ihre weiteren Ziele im Quellgebiet des Nil durch- zuführen. Bekanntlich ging ihr Stteben stets dahin, eine Ver- bindung zwischen Egypten und ihren ostafrikanischen Be- sitzungen am Albert Nyansa und Victoria Nyansa her- zustellen. Da die Vorbereittingen des Sudanfeldzuges sich aber in die Länge zogen, sind mittleriveile belgische und französische Expedittonen vom Kongo aus zuvorgekommen und haben den südwärts vordringenden Engländern den Weg verlegt. Es wird daher noch mancher internattoualeii Auseinandersetzung bedürfen, bis der Streit um das vielumworbene Ouell- gcbiet des Nil geschlichtet sein wird.— Deutsches Reich. Der Kaiser hat bei Gelegenheit der Manöver in Hannover einige Reden gehalten, wohl drei au der Zahl. Die eine, welche in einem Hoch aus die Königin Viktoria endigte, erwähnten wir an anderer Stelle. Ferner hat' er bei dem Paradediner auf das Wohl des zehnten Armeekorps getoastet, in welcher Rede er die Geschichte der betteffenden Truppeutheile streifte und ihnen folgenden Zukunft»- wünsch zuttcf: „Ich bcglücklvünsche das Korps zu dem heutigen Tage und hege die Hoffnung und die feste Zuversicht, daß diese stürm- erprobten Regimenter ebensogut wie auf der Parade auch im Manöver sich zeigen werden und, das bin ich gewiß, im E r n st- falle auch vor dem Feinde." Die letztere Aeutzerung dcS Kaisers, die Hindeuttmg auf den „Ernstfall", nimmt sich seltsam aus gegenüber der Bereitwilligkeit der deutschen Regierung, auf die Fttedenspläne des Zaren ein- zugehen. Aber auch die„Revolution" spielte eine Rolle bei den Hannover- scheu Festlichkeiten. Nicht der Kaiser sprach davon, sondern in einer Anrede au ihn beim Festmahl im Ständchause spielte der Vorsitzende des Provinzial-Laudtages, Graf zu Inn- und Kuyphausen. darauf an. Er meinte neben allerlei anderen Verherrlichungen dcS Kaisers: „Wir sehen in Ew. Majestät den mächtigen Fricdcnsfürsten, der unS schützt vor Krieg und Revoluti o n und von dem wir hoffen, daß er siegen wird, wenn jemals dieses Unglück ins Land kommen sollte." Derarttge Anspielungen erscheinen so unangebracht wie möglich. Sie erscheinen besonders unangebracht, wenn der Kaiser in seiner folgenden Antwortsrede seine Freude über den Empfang, den ihm das Volk bereitet habe, aussprechen wollte. Der Kaiser rühmte in mancherlei Wendungen die Sympathien, die ihm die Bevölkerung entgegengebracht habe.� Man sollte dabei trotzdem nicht vergessen, daß die Stadt Hannover eine sozialdeni akratische Bevölkcruugsmehrhett hat. Unser Parteigeuosse Meister ist dort im ersten Mahlgang ge- wühlt worden. Endlich hat der Kaiser auch noch in Minden, wohin er von Hannover aus reiste, eine Rede gehalten. Der Kaiser kam auch durch den Badeott Ohuhausen. Tort sagte der Bürgermeister Thiele u. a.:_; „Ist unsere Stadt auch klein an Einwohnerzahl, so ist sie' doch groß und stark an Liebe zum augestammten Herrschcrhause, i das hier, auf dem altgermanischcn Boden, mit seinen gewalligen historischen Erinnerungen durch die Gründung der königlichen Badeanstalt e in Fri e d e» s w e r k geschaffen hat, welches als ein leuchtendes D e n k m a l der Fürsorge für das Volk bis in die spätesten Geschlechter hineinragen wird." Der Kaiser spricht ja selbst eine bilderreiche Sprache. Aber seine Verehrer scheinen ihn noch übertreffen zu wollen.— Katholizismus und Sozialdemokratie. Fast die gesammte Zentrnmspresse ist durch die Betrachtung des„Vorwätts" über die Sozialdemokratie im„katholischen Deutschland" in Auflegung ge- rathen. Sie thut sich gelegentlich nicht wenig darauf zu gute, daß in einigen katholischen Gegenden das Vordttngen für uns schwiettger ist als anderswo. Die Behauptung aber, zu der sich Pfarrer Lehnen auf dem Katholikentage verstieg, ist sogar der„Kölnischen Volkszeitung" zu toll. Sie schreibt:„Wir halten nun zwar auch die blos„100 000 Stimmen" für eine bedenkliche Selbst- täuschung; aber so wie der„Vorw."es macht, geht es denn doch nicht... Daß katholische Arbeiter für die Sozialdemokratie viel schwerer zu gewinnen sind als protestantische, bestreitet bei anderer Gelegenheit selbst der„Vorwärts" nicht; und das ist doch schließlich der Kern- Punkt."— Das stimmt nicht ganz: denn der„Kernpunkt" ist zunächst, daß der Zuwachs der im„katholischen Deutschland" bei der jüngsten Rcichstagswahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen 19 pCt. gegenüber den Zahlen von 1893 betrug, daß er also dem W a chsthum derGesammtzahl der in Deutschland abgegebenen Stimmen genau entspricht. Auch die„Kölnische Zeitung" wendet sich gegen die Behauptung der Zentrnmspresse, indem sie u. a. sckireibt:„Vollends ein Blick auf das ganz katholische München II, dann auf die Sttchwahlen in Mainz, Würzburg und Kronach könnte doch die Zcntrumspreffe in dieser Hinsicht etwas größere Bescheidung lehren, wenn ihr zu diesem Ende etlva Düffeldorf und Krefeld nicht nahe genug liegen sollten." Es ist eine durchaus falsche Darstellung, zusagen, der katholische Glaube schütze vor sozialistischer Ettenntmß. Wer in katholische Gegenden kommt, wird vielfach die Erfahrung machen, daß gerade die besten und eifrigsten Anhänger und Verfechter des Sozialismus ehedem ernste und warme Katholiken waren. Der Glaube ist nicht das Hindcruiß, sondern der Erfolg des Zentrums beruht in der Rückständigkeit mancher Gegenden und Schichten und aus den zahl- reichen und viclscittgeu Machtmitteln und noch viel mehr in der skrupellosen Weise, wie sie angewandt werden. Das weiß Pfarrer Lehnen am allerbesten; weilt er doch da, wo die ultramontane Kampfesweise die unglaublichsten Blüthen hervorbringt; ist doch, die südliche Rheinprovinz der Theil deS„katholischen Deutschland", wo die Knüppeltaltik ain»leiste» und uugenirtesten gepredigt und geübt wird. Das ist auch der„Kölnischen Volkszcitung" bekannt. Trotzdem geht sie nicht gegen die Nohheiten ihrer christlichen Mit- brüder an.— Ultramoutane unter sich. Die„Märkische Volks- Zeitimg", ein Zentrumsblatt, hatte kürzlich geschrieben,„dem Eintritt einiger Sozialdemokraten in das Abgeordnetenhaus könnte mit größter Ruhe entgegengesehen werden: ein Unglück wäre es jedenfalls' nicht." Darob erzürnte die«Rheinische Volksstimme" und in ihrer Er- widerung nannte sie auch den Namen des Kaplans Dasbach, des Eigcnthümcrs der„Mark. VolkS-Ztg." und mehrerer anderer Zentrums- blätter. Dieser brachte darauf eine Entgegnung in der„Trier'schen Landeszeiwng" worin folgende Stelle vorkommt: „Zunächst ist es sehr überflüssig, mich siir jede? Wort der- antwortlich zu machen, was einer meiner ll> Redakteure schreibt. Ferner aber erlaubt sich die„Rhein. Volksstimme" mit ihren Bc- merknngen eine Fälschung." Militarismus und Ernte. Eine recht bezeichnende Geschichte wird aus Rhcinhessen berichtet. Am Sonntag fand in Elsheim eine Versammlung rheiuhessischcr Landwirthe statt, uin gegen die Willkür- lichen Gelände-Abs perrungen durch das Militär zu protestircn. Herr_ Lichtcnstcin- Windhäuserhof führte unter anderem aus: Wir sind nicht mehr Herr im eigenen Hause. Die Regierung hat nicht ihre Schuldigkeit gcthan, nun, so müssen wir uns selbst helfen. Vor vier Jahren schrieb der Oberst der 118er, Herr v. Puttkamer, an den Redner:„Wir müssen schießen, was geht uns Ihre Ernte an, oder schaffen Sie uns einen anderen Schietzplatz!" Es wurde die Hilfe des Kreisrathes angerufen. Er that seine Schuldigkeit— aber ohne Erfolg: nicht mehr erzielte eine Zuschrift an das Ministerium Finger. Dan» wanderte eine Beschwerde nach Kassel an das Gencralkonunando. Der Erfolg aller mühsamen und zeittaubenden Bemühungen war, daß die Zeit der Absperrungen um einige Tage gekürzt wurde. Eine Interpellation Lichtenstein in der Kammer fand die Unter- stützung aller Abgeordneten, nur nicht die des Herrn des Ministers Finger, der allein daran Schuld trägt, daß wir heuer wieder die alte Geschichte haben. Dieses Jahr hat man den Landwirth beim Einbringen seiner Haupt- srucht, der Gerste, schwer geschädigt. Redner hatte, als die Absperrungen dieses Jahr bekannt wurden, wiederum sofort Schritte beim Kreisamt und beim Minister des Innern gethan— erhielt aber keine Antwort und es wurde doch abgesperrt und ge- schössen. Dem Landwirth gingen neun Tage verloren in einer Zeit, in der er keine Stunde entbehren kann. Herr Lichtenstein richtete eine Eingabe an den hessischen LmidwirthschaftSrath, auch hier ohne Erfolg. Sehen Sic, wie machtlos unsere Behörden den Militärbehörden gegenüber sind, und dies hat mir Herr Ministerialrat' Braun auch be- stätigt. Im landwirthschaftlichen Provinzialverein hat dann Herr Ministerialrath Braun die volle Unterstützung des Ministeriums zugesagt. Erst im Provinzialverein wurde dem Referenten eine Ant- wort zu theil.„Welchen Rang muß der Mensch in Hessen einnehmen, uni seitens der Behörden einer Antwort würdig zu sein?" ES sprachen noch einige Bürgermeister, worauf eine Eingabe an den Reichstag verlesen und genehmigt tvurde. Die Eingabe schildert die Verhältnisse. Trotz aller Vorstellungen wurde in diesem Jahr wieder inmitten der Ernte eine der srucht- reichsten Gegenden RhcinhessenS für längere Zeit zur Ausführung von Scharfschicßübungcn dem Landwirth unzugänglich gemacht! 1500 Hektar, wovon nicht ein Aar unbebaut liegt, mit zirka 1000 Hektaren schnittreifer Frucht wurden vom 10. bis ein- schließlich IS. Anglist, soweit eS nicht Feiertage waren, von morgens S Uhr bis mittags 1 Uhr abgesperrt I Diese Maßregeln sind erfolgt durch die in Mainz garnisonirenden Regimenter der 41. Brigade Sir 87 und 88 ohne vorherige Vereinbarung mit den Zivilbchördcn oder den Grundbesitzern. ES wurde einfach in den Kreisblättern verfügt, daß daS Gelände zwischen Wackernheim, Ober-Olm, Essen- heim, Elsheim. Saucr-Schwabenhcim, Großwintcrheim, Ober- und Niedcr-Jngelhcim für längere Zeit abgesperrt werde.— Maiiiivcrnnfall. Aus Kempten wird dcpcfchirt: Das „Staats- und Anzcigc-Blatt" meldet aus Nesselwang den folgenden llnfall: Als am Freitag Abend nach beendetem Manöver die Gc- schütze zusammen gestellt waren und viele Leute sie umstanden, ging cincS der Geschütze, dem die Karttlsche noch nicht entnommen war. los. Sechs Zivilpersonen wurden verwundet, darunter ein junger Mann lebensgefährlich. Ein Militärarzt war rasch zur Stelle. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus, die übrigen in ihre Woh- nungen gebracht.— Die deutsche» VangewerkS- BernfSgenosienschaften hielten am 8. September in Breslau ihren 13. ordentlichen Verbandstag ab. Der bckainitc Baumeister Fe lisch aus Berlin paradirte mit einer öden Philippika gegen die auf den Ausbau der sozialen Gesetz- gcbnng gerichteten Bestrebungen. Um zu zeigen, waS für ein Geist nntcr den Versammelten wehte, genügt es, mitzutheilen, daß beschlossen wurde, an das Reichs-Versichcrungsamt das Gesuch zurichten, es solle „die Anforderung auf zu liefernde außerordentliche Statistiken möglichst beschränken." Der Befürworter dieses, von Hannover gestellten Antrags hatte denselben damit empfohlen, daß weiter- gehende Angaben nur der Sozialdemokratie agitatorisches Material liefern Ivürdcn. Von dem anwesenden Vertreter des Reichs- Verstcherungsamts tvar mitgethcilt worden, das Amt sei gern bereit, eine Erleichterung in der Form eintreten zu lassen, für eine Be- schräukung der Statistik könne eS sich aber nicht erklären. Anö Elsast-Lothringen, 4. Sept.(Eig. Ber.) ES mehren sich die Anzeichen dafür, daß die klerikale Gruppe der Elsässer im Reichstag aus ihrer Sonderstellung herauszutreten und eine engere Fühlung mit der Zentrumspartei zu gewinnen sucht. Auf die Mel- düng der„Deutschen Rcichs-Zeitung", die klerikalen elsaß-lothringischen Abgeordneten beabsichtigten, in Zukunft beim Zentrum zu bos- p i t i r e n, bemerkt der unter der Leitung eines katholischen Geist- lichen erscheinende Straßburgcr„V o l k s freund":„Ob die Nach- richt sich bestätigt, bleibt dahingestellt. Gut ist sie jedenfalls, und ein solcher Anschluß an das Zentrum tväre erwünscht. Wie Ephcu, wenn er sich um einen Baum rankt, dadurch gestützt wird und in die Höhe Ivächst, so erhält eine kleine Partei Stütze und Befestigung, wenn sie sich an eine große Partei anschließt. Nun aber ist die Elsässer- gruppe die zlveilkleinste und das Zentrum die größte Partei im Reichstage." Diese Schwenkung einzelner Führer der klerikalen Landes- Partei in ihrer Stellung zur Gruppinnig der Parteien AltdcutschlandS ist ein neuer Beleg siir das vollständige Verschlviuden deS Protejtler- thumS in Elsaß-Lorhringcn. Unser reichsländisches Partei-Organ schreibt: Ein Reichstags- Abgeordneter aus dem Elsaß, der sich mitten in der Session auf den Weg nach Berlin macht und in Straßburg seine Fahrt auf einen Tag unterbricht, weil er durch eine Depesche erfährt, daß die ihn intcressirende Abstimmung erst 24 Stunden später stattfinde— ein solcher Mustcrdeputirter wird uns im„Journal de Colmar" von heute vorgeführt. Leider verschweigt das klerikale Blatt den Namen dieses wackeren Volksvertreters, der sich so sehr davor fürchtet, im Reichstag seine Zeit zu vergeuden. Gehört er vielleicht der klerikalen Partei an, heißt er Spieß, Prciß, Winterer? Ei» Blatt der.patnotkircU", die antisemitische„Libre Parole" in Paris, hatte vor einigen Tagen die folgende seltsam klingende Nachricht gebracht:„Der leitende Ausschuß der Elsaß-Lothr. Partei hat in gerechter schmerzlicher Erregung über den russischen Ab- rüstungsvorschlag eines seiner Mitglieder nach Paris ent- sandt mit dem Auftrage, an berufener Stelle Aufklärungen über die Absichten der französischen Regierung zu erlangen." — Dieser Dclcgirte, so bemerkt dazu die klerikale„Obereis. Landes- zeitung" in Mülhausen, der als Botschafter in partibus in einer so heiklen Mission von Elsaß-Lothringen»ach Paris reisen soll, existirt offenbar nur in der Einbildung eines allzu phantasiereichcu Mitarbeiters des Herrn Drnmont.< Never einen Preßprozeß wird aus Metz berichtet: Die „Metzer Presse" hatte unlängst gemeldet, daß die Soldaten einer gewissen Kompagnie besonders roh behandelt würden und schlechte Kost bekämen. Der betreffende Hauptmann stellte darauf Sttaf- antrag gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes und er- zielte dessen Verurthcilung zu einer Geldstrafe von 300 M.— Kiantschon ist zum Freihafen erklärt worden. Da? heißt, allen Nationen ist freier Schiffsverkehr ohne Erhebung von Zöllen gewährleistet. Das entspricht den Anlündiczunaen, welche die deutsche Regierung schon bei der Festsetzung in Kiautschou gemacht hatte.— Oesterreich. Wien, 5. September.(„Magdeb. Ztg.") Die Verhandlungen der Regierung mit den Parteiführern scheinen endgiltig aufgegeben zu sein. Graf Thnii will die Verhinderung der Ausglcichsberathung durch Obstruktion mit der Auflösung des Abgeordneten- Hauses beantworten. Der bisherige Präsident Fuchs soll wieder- gewählt werden. Die Scssionsdaiier wird jedenfalls sehr kurz sein.— Trieft, 4. September. Wegen Auslieferung militärischer Ge« heimniffe an fremde Staaten ist in Clissa bei Spalato ein Genie- Werkführer verhaftet worden.— Ii ngarn. Budapest, 4. September. Heute tagten hier mehrere KlnbS oppositioneller Parteien. Diejenigen der Nationalpartei und der Volkspartei beschäftigten sich mit der AnSglcichsfragc. Die Volks- Partei vermeidet jede Stellungnahme, solange nicht konkrete Vor- schlüge der Regierung vorliegen. Die Nattönalpartei beschloß, in geeigneter Form die Regierung aufzufordern, sich schon jetzt über jene Schritte zu äußern, welche geplant sind, falls ein Parka- mentarischer Ausgleich mit Oesterreich unmöglich ist. Graf Albert Apponyi betonte, die Partei habe ftcie Hand, da die Re- giening von jenen Prinzipien abgeiviche» sei, welche sie im vorigen Jahre bei der Verhandlung der ProvisoriumSvorlage sich zu eigen gemacht habe. Franz Koffuth hat in Ausführung eine? Beschlusses der llii-< abhängigkcitSpartei für die am Montag stattfindende erste formelle Sitzung des Abgeordnetenhauses eine DringlichkcitS-Jnterpellatton über den Ausgleich angemeldet und in das Jnterpcllattonsbnch eiirgezcichnet. Die Jnicrpcllatioii ist an den Ministerpräsidenten und an die Gesammt- regiernng gerichtet und lautet:„1. Welche Absichten hegt die Re- gicrung für den Fall, daß der österreichische Reichsrath sich als arbeitsunfähig erweisen sollte? 2. Nach welchen Grundsätzen beabsichtigt die Regierung, den Anordmmgen deS§ 3 des Gesetz« artikelS 1 vom Jahre 1808 zu entsprechen? sEs ist dies jene Disposition des ini Vorjahre vom Reichstage beschlossenen Gc- setzcS, ivelche die Regiernug anweist, für die dauernde Regelung der Beziehungen mit Oesterreich auf grund des Selbst- bcstiminungsrcchtcs Ungarns vorznsorgcn.)'3. Zu welcher Zeit beabsichtigt die Regierung, ihre Vorschläge bezüglich der dauernden Regelung dem ungarischen Reichstage zu unterbreiten, welche, von der Basis des 8 08 des Gcsetzartikcls 12 vom Jahre 1867 ausgehend, den Verfügungen des 8 3 des Gcsetzartikels 1 vom Jahre 1893 cnt- spricht?" Es unterliegt keinem Ztveifcl, daß das Abgeordnetenhaus dem Wunsche Kossnth'S willfahren und die Begründung dieser Interpellation sofort am Montag gestatten wird, trotzdem nur eine formelle Sitzung für 12 Uhr anberaumt wurde. Ein anderes ist es, ob die Regierung diese Interpellation sofort beantworte» wird, obgleich Ministerpräsident Baron Banffy darauf vor- bereitet ist. Möglichertveise werden auch die übrigen oppositionellen Parteien bis zum Montag über die tveiter einzureichenden Interpellationen sich geeinigt haben. Für Mittwoch erwartet man die Einbringung des Beschlußantrages des Abg. Karl Eötvös über die- selbe Angelegenheit. In der Frcitngsitzuug deS Abgeordnetenhauses wird Baron Banffy die Schlußrechniuig für das Jahr 1897 unter- breiten. Finanzministcr Dr. LiilncS wird den Voranschlag für 1399 vorlegen und denselben mit dem Exposs über die finanzielle Lage einbcglciten. Die Regierung wünscht, daß in der Sonnabend- sitzung des Abgeordnetenhauses die Verhandlung über Petittonen auf die Tagesordnung gesetzt werde. In diese» politisch bewegten Tagen ist dies der einzige von den Ausschüssen zur PIcnarberathnng vorbereitete Stoff.— Schweiz. Ton Karloö in der Schweiz. DaS Leiborgan deS ChefS des politischen Departements, des Bundespräsidenten Ruffh, die Lausanner „Revue", brachte vor kurzem einen bcmerkcnSwerthcn Artikel, betitelt: „Die karlistische Agitation in Spanien". Nnchdeni das Treiben der Jnsurgenteubandcn geschildert, tvird das angebliche Gespräch Don Karlos mit cincin Freunde mitgetheilt, laut welchem derselbe vor- läufig sich passiv verhalte. Nun fügt die„Revue" hinzu: „Trotz dieser friedlichen Dcklamatton scheint Don Karlos sich sehr aktiv mit der karlisttschen Bewegung zu beschäftigen, welche. sage er waS er wolle, sich in den baskiichen Ländern sehr fleißig vorbereitet. In der That kommen täglich karlistische Führer ihn besuchen, empfangen seine Befehle und reisen ab." Nun folgt ein recht heuchlerischer Schluß: „Es ist zu hoffen, daß die Ereignisse diesem armen Lande, welches schon nimirt ist durch die Reaktion und den Klerikalismus, das nicht mehr gut zu inacheude Ilnglück einer karlisttschen Beherrschung der Regierung erspart bleiben werde, welche erklärt, sich nur von den alten absolutistischen Grundsätzen leiten lassen zu wollen. Es wäre die Reaktion in der höchsten Potenz, der Verlust deS bischen Freiheit, welche den Spaniern unter den mäßig liberalen Regierungen der letzten Jahre»och übrig blieb." Ter demokratische„St. Galler Stndt-Auzeiger" bemerkt hierzu: Unter Herrn Ruffh werden die ehrlichen Leute, welche nach Freiheit für ihr Vaterland streben, ausgewiesen oder brutal und summarisch ausgewiesen. Vornehme Vcrschtvörer aber, wie Don Karlos, welche Umsturzkomplotte anzetteln, um den Absolutismus einzuführen imd die Freiheit zu erdroffeln, werden geduldet und dürfen am hellen Tage von Luzern aus die Brandfackel des Bürgerkrieges anzünden.... Die Kleinen und Armen fängt man, vor den Großen und Reichen verneigt man sich. Um den braven Vergnauini auszuweiten, hat man von Italien über feine Vergangenheit sich berichten lassen. Wege» Don Karlos kann sich der bequeme Herr BundcSaitwalt diese Mühe sparen. Bei der letzten karlisttschen Insurrektion hat sich Don Karlos als ein wahres Scheusal gezeigt. Die Mord- imd Brandthateii, die in seinem Namen verübt wurden, waren in allen Zeitungen zu lesen!— Drinemark. Tic Wahlen znni dänische» LandcSthtng sOberhanS). Am Freitag fanden die Ersatztvahlcn zum dänischen Landcsthing von 27 ausgeschiedenen Abgeordneten statt. Natürlich ist das Gesammt- resnltat noch nicht zu übersehen, da die Ergebnisse ans den Land- bezirken»och nicht festgestellt sind. Trotz des jamniervollen Wahlrechts behauptete in Kopenhageir die Opposition ihre drei Mandate sl Liberaler, 2 Sozialdemokraten) mit riesig wachsender Sttmmcn- zahl.(1890 hatte die„Rechte" im ganzen 20 372 Sttmmcn, die Opposition 18Ü10, jetzt hat die Opposition: 24 271 Sttmmcn, die Rechte nur 9602.) Die Opposition hat also uin 6000 Stimincii zllgenoniinen, die Rechte ist um 11 000 Stimmen zurückgegangen. Außerdem hat die Opposition in den Städten Aalborg, Hjörring, AarhuS lNordkreiS) und Rönne stark zugenommen,>vas von erheb- sichern Eiiifliiß für die Vertretung dieser Wahlbezirke sein wird. Nordseelnnd, Nordjytland, Kreis Aarhus-RanderS werden der Opposition zufallen. Man hofft auf Eroberung von 2 Mandaten auf den Inseln(1 davon für die Sozialdeinokratic) und 3 in Jytland (wovon 1 für die Sozialdcuiokratie). Die Liberalen habe» sich bei den Wahlen überaus rege be- theiligt, die Sozialdemokraten erschienen Mann für Manu an der Wahlurne. Das Ricsencniporschnellen der Sozialdemokratie ist in vielen Kreisen besonders bemerkbar. In zahlreiche» Landkreisen haben sie Wahlmänner dnrchgebracht. i Im Aalborg-Kreise siegte definitiv die Opposition(7 So- zialdemolraten, 7 Radikale) mit 1388—1391 Stimmen.(Die Rechte bekam 1227.) 1890 s i e g t e die R e ch t e mit 990 Stimmen gegen 885 der Opposition. Im Aarhus-Kreise siegte die Opposition mit 1412 Stimmen gegen 1399 der„Rechten".(1890 hatte diese 1440, die Opposition enthielt sich der Wahl.) Als sicheres Resultat steht bereits fest, daß� die Sozialdemolratie im Landesthing 4 Mandate erringt, statt der bisherigen zwei.— Italien. Nom, 5, September. Heute Abend werden die amtlichen Er- laffe veröffentlicht werden, durch welche der Belag erungs- zustand in den Provinzen Florenz und Mailand aufgehoben wird.— Spanien. Madrid, 4. September, Dem Vernehmen nach wird sich der Senat zunächst mit einem Jndemnitätsantrag bezüglich der Auf- Hebung der konstitiltionellen Garantien beschäftigen, während die Kammer sich über die Bevollmächtigung zu den Friedensverhandlungen schlüssig machen wird. General'Weyler ist hier eingetroffen, zahl- reiche Freunde erwarteten ihn an der Bahn, Blättcimeldimgcn zufolge hätte es Leon Castillo abgelehnt, an der Kommission für die FriedenSverhaiidlungeil theilzliiiehmen. Man versichert, zur Bezahlung der kubanischen Schuld von 1886 werde eine Anleihe abgeschlossen iverdeu, doch erst später, da die Regelung der gesammteil kubanischeil Schuld Sache der Pariser Koufcreuz sei. Der Dampfer„Maria Christina" ist mit den von Kuba zurück- kchrenden Soldaten in Corunna eingetroffen. General Jandcnes hat sich dahin ausgesprochen, es bedürfe, um die Wiederherstellung der spanischen Oberhoheit auf den Philippinen zu sichern, einer ständigen Besatzung von 60 000 Mau», so Nfie eines zahlreichen Kriegsmaterials und einer Flotte.— f Rnfiland. Ein„Offener Brief an die Polnische Sozialistenpartci" ist nns von der Parteileitung der litthauischcn Sozialdcmokratte im Auftrage der organisirten litthauischen Arbeiter und Arbeiterinnen mit der Bitte um Veröffentlichung übersandt worden. Da aber der „Brief" zu umfangreich für unsere Zeitting ist. sind wir genöthigt, uns auf die Wiedergabe des wesentlicheil Theiles feines Inhaltes zu beschränken. Der Brief beginnt mit einer Schilderung der Entstehung und Enttvtckclnng der— in Deutschland noch fast gar nicht bekannten �— Arbeiterbewegung nnter den litthauischcn Arbeitern in Rußland. Eine solche begann sich zu entwickeln seit dem Jahre 1893 und zwar zunächst unter' der intelligentesten Arbeitcrschicht der beiden größten Städte Russisch-Litthauens, Wilna und Kowno. Es waren bereits früher seitens der polnischen Sozialisten Versuche gemacht lvorden, eine Agitation iinter den litthauischen Arbeitern einzuleiten, aber diese Versuche waren erfolglos geblieben, iveil die Sttmmuiig imd Richttlng jener Agitatoren von der litthailischen Arbeiterschaft, welche zedweder Bewegung fern gc- standen hatte, nicht verstanden iverden konnteb. Erst nachdem eine zlvcijährigc Propaganda in geheimen kleinen Arbeiterzirkeln statt- gcfimdcii hat. durch welche eine Reihe von Arbeitern, ivelche zu agitatorischer Thätigkeit fähig sind, herangebildet worden sind, wurde im Jahre 1895 eine Taktik festgelegt, welche geeignet war, eine Bewegung in die arbeitende Masse zu bringen. In jenem Jahre entstand eine Bewegung unter den Fabrikarbeitern Litthauens zu gimsten einer Besseruna ihrer Lebensverhältnisse, wie auch Organisattonen zu diesem Zwecke, so z. B, unter den Lederarbeitern, den Arbeitern der Holzsägereien, der Kachel- und Kieselsteinfabrtken, Mühlen je. In« Jahre 1806 erstarkte diese Bewegung und führte zu bemerkenSwerthen Verbesserungen in der Lage der in den Kampf getretenen Arbeiter. Nack; der Maifeier jenes Jahres wurde die erste litthauifche Partei-Organifatton begründet, im Auslände erschienen die Nr. 1 der Revue:„Der litthauifche Arbeiter'(in sitthauischer und in polnischer Sprache) sowie die Broschüren:„Das Programm der litthauische» sozialdemokratischen Partei"(litthanisch),„Die Lage der Schlosser in Wilna" und„Matcrialc für daS litthauische sozialdemokratische Prograiinii"(in polnischer Sprache.) ES war auch eine Gruppe ent- standen, ivelche sich mit Herausgabe von litthauischcn sozialistischen Broschüren speziell für die ländliche Bevölkerung befaßte,(Bis 1893 sind stets solche Broschüren herausgegeben worden.) Jin Jahre 1897 beschloß eine litthauische Parteikonferenz außer wirthschaftlichen auch politische Fordernngen aufzustellen und für sie zu agrtiren und zwar sürdicNcchte.welchedcrNrbciterschaftamnothivelidigstcnsind.fürdasVer- sammlimgS- undVcrciiiSrccht und die Preßfrciheit. Es begann eine energische Flugblättcragitation in polnischer imd litthauischcr Sprache und durch ein Arbeiterblatt:„Echo des ArbeitcrlcbcnS". Die Wirkung der Flugblätter tvar, daß die Arbeiter, welche zum Streiken auf- gefordert wurden, sofort die Arbeit niederlegten und die in diesen Blättern vorgezeichneten Forderungen allfstclltcn. Die Regierung gab sich nun die größte Mühe, die Be- weaung zu bekämpfen. Verhaftungen und Allsweisungen der Arbeiter nach ihren Heimathsorten wurden zu einer alltäglichen Erscheinung. Die Verfolgungen seitens der Polizei haben aber keineswegs die Energie der litthauischen Arbeiter geschwächt, sie führten viel- mehr zur Ausbildung eines politischcii Selbstbewußtseins unter Ihnen. Im gegenwärtigen Jahre wächst die Bewegung weiter an. Es gelangen zählreiche Flugblätter zur Verbreitung. Streiks hören nicht auf. Im Auslände ist im Januar die Nr. 2 deS„Litthauischen Arbeiter?" erschienen. Zngleich sind innige Beziehungen mit den litthauischen Sozialdemolraten in Amerika angeknüpft worden, dort leben einige hunderttausend litthauische Arbeiter, für welche zwei sozialdemokratische Wochenschriften:„Dartiuinkas" und„Vienhte", herausgegeben iverden. Der vierte Parteitag hat mm unter anderem auch Stellung zu den revolutionären Strömimgen in Litthauen genommen nnd indem er einerseits dem polnischen zentralen Arbeitcrkoinitcc den Auftrag gegeben hat, mit jenen litthauischen Gruppen, welche die Agitation in litthnnischcr Sprache betreiben, enge, auf gegenseitiger Unterstützung beruheiide Bezichnngeii anzuknüpfen, insofern diese Gruppen eine Feindschaft zum polnischen Volke nicht anfachen— dieserVeschluß bezieht sich offenbar auf die bäucrlich-dciiiokratische Bewegung in Litthaueii— wurde andererseits betreffs der litthauischen Sozialdemokratte der folgende Beschluß gefaßt: „In Erwägung, daß in Litthauen eine groß« Anzahl von Pro- letarmu leben, welche nicht litthanisch sprechen, mit dem polnischen Proletariat aber aufs innigste durch die gemeinsame Sprache und historischen Traditionen verbunden sind, daß weder die politischen noch die ökonomischen Forderungen dieses Pro- IctariatS eine aparte Organisation nöthia machen, welche ihm die Gruppe unter dem Namen»Litthauische. Sozialdemolratie'"') aufzwingt, sichr der Parteitag keinen genügenden Gnmd ein für da" Bc- stehen dieser litthauischen Sozialdemokratie und schlägt dem Zentral- Arbeiterkomitee vor, mehr Aufnierksamkeit als bisher der Entwicklung des politischen Selbstbewußtseins in diesem Proletariat und der Ver- einignng desselben mit der polnischen Sozialistcnpartei zu widmen. Eine Folge dieses Beschlusses des Parteitages ist, daß gegenwärtig verschiedene Personeil aus den Reihe» der polnischen Sozialistenpartei die litthauische Sozialdcmokratte angreifen, einem jeden Arbeiter, ivelcher sich bereit erklärt, gegen die litthauische Parteiorganisation zu kämpfen, unbedingtes Vertrauen scheiikeii, mit einem Wort, alle Kräfte aiispannen, um die litthauische Sozialdemokratie zu veruichten und die polnische Sozialistenpartei ihre» Platz einnehmen zu lassen. *) Im„offenen Brief" wird bemerkt, daß anS der Thatsache, daß die städtischen Arbeiter in Litthauen polnisch sprechen und die Agitation unter ihnen in dieser Sprache geführt werden muß, die polnische Sozialistenpartei uin so weniger ein Monopolrecht für sich auf Agitation unter diesen Arbeitern abzuleiten berechtigt ist, als sie selbst eine Agitationsliteratur jfiir deutsche, weiß-russische und jüdische Arbeiter in deren Sprache herausgiebt. Diese Stellung der polnischen Sozialistenportci zur litthmuschen Ardeiterbewegung bewog die organisirte litthauische Arbeiterschaft, den folgenden Beschluß zu fassen: „Wir litthauischen Arbeiter und Arbeiterinnen verschiedener Gewerlschaften, Mitglieder der litthauischen Sozialdemokratie, beschließen, gegen das bisherige Verhalten der polnischen Sozialistenpartei gegenüber der litthauischen Arbeiterbeweguiu; öffentlich unseren Protest auszusprechen..... Die auf dem letzten polnischen Parteitage angenommene Resolution betreffend die litthauische Partei ist eine unberufene Einmischung der polnischen Sozialistenpartei in die Angelegenheiten unserer litthauischen Arbeiterbewegung, es hat niemand dem Parteitage eine Vollmacht gegeben, Beschlüsse über unsere Organisation zu fassen. Abgesehen davon, daß ein feindseliges Ver- halten gegenüber der im Wachsthum begriffenen organi- sirten litthauischen Arbeiterbewegung großes Unheil anrichten kann, steht die Stellung, welche die polnische Partei gegenüber der litthauischen Sozialdemokratie eingenommen hat, in einem schroffen Widerspruch mit den Grundprinzipien der internationalen Sozialdemokratie. Diese hat auf allen ihren internationalen Kongressen sso auch auf dem Londoner) den Arbeitern einer jeden Nationalität das Recht zuerkannt, sich selbständig zu organisiren. Die polnische Sozialisten- Partei, welche dieses Recht für sich in Anspruch nimmt und für eine Selbständigkeit der polnischen Arbeiterbewegung eintritt, spricht nicht allein den litthauischen Arbeitern dasselbe Recht ab, sondern bemüht sich noch, eine selbständige Entwickelung der litthauischen Sozialdemokratie zu verhindern.... Wir fordern die polnische Partei auf, den Kampf gegen unsere Bewegung einzustellen, wir fordern dies umsomehr, als wir nicht im Zweifel darüber sind, daß die polnischen Arbeiter, zu welchen wir seit den ersten Augenblicken des Erwachens unseres Selbst- bewußtseinS die tiefste Bruderliebe empfinden und mit welchen wir bereit sind, Hand in Hand gegen unseren gemeinsamen Feind zu kämpfen, uns dieselben Gefühle entgegenbringen." Wir wollen hoffen, daß unsere polnischen und litthauischen Ge- «offen in Rußland möglichst bald zu einem brüderlichen Ein- vernehmen gelangen, eS liegt das ja im Interesse der beiderseitige» Bewegung.— jr Türkei. Konstantiuopel, 5. September. In amtlichen türkischen Kreisen wird die Meldung eines auswärtigen Blattes über eine angebliche Niedermetzelung von 300 Personen, zumeist Frauen, in Müsch(Vilajet Erzerum) als völlig unbegründet bezeichnet.— Asien. Industrielle und soziale Probleme in Japan. Wie wir könnten, uns etliche Mandate zuzugestehen. Ja. Genosse Bebel, wo bleibt da der Hamburger Beschluß? Die liebevolle Erwärmung für die Karlsruher Genossen hindert nicht, daß dergleichen Dinge durch den Hamburger Beschluß verboten sind. Wie stehen nun die Dinge? Man will uns den Vorwurf machen, w i r halten den Parteitags- Beschluß nicht und empfiehlt uns, gegen den Beschlutz zu handeln. Hiergegen erheben wir energisch Protest! Und nun noch eins: Wochenlang hat man in der ungenirtesten Weise gegen den Hamburger Beschlutz agitirt, indem man für die sofortige Unterstützung der Freisinnigen oder für Kompromisse eintrat. Da hat sich kein Parteigewissen geregt, erst der Berliner Be- schlutz hat es ihnen angethan. Und nun in der Polemik: nach rechts zarte Worte, nach links scharfer Tadel I Ist das ein Zufall oder Charakteristikum? Wenn der Genosse Bebel die Genoffen im übrigen Preußen auffordert, sich durch das Beispiel der Berliner nicht beirren zu lassen, so rathen wir den Genossen: Ueberlegt Euch erst sorgfältig, ob Ihr für die Parteien, welch ertliche sonderbare Schwärmer in der Partei. leider jetzt auch schon zur„bürgerlichen Opposition" rechnen — das Zentrum und die NationaUiberalen— eintreten könnt; hütet Euch vor Kompromissen, welche korrum- pirend wirken müssen; lehrt unsere Arbeits- genossen kämpfen, aber nicht im Heerbann der bürgerlichen Parteienl Die Vertrauensleute von Berlin, Teltow-Beeskow und Nieder-Barnim.. in Die KreiS-Konferenz für die Ostprignitz, die am 4. September P r i tz w a l k tagte, war von 8 Delegirten besucht. Aus den Berichten ist das folgende hervorzuheben: Die Wahlkosten betrugen 646,40 M.; Versammlungen konnten nur fünf abgehalten werden. Unsere Presse ist in dem Kreise sehr schwach vertreten. Dennoch hat sich trotz der im allgemeinen schwächeren Wahlbetheiligung und trotz der niederträchtigen Kampfesweise der Gegner unsere Stimmenzahl von 1330 im Jahre 1893 auf 1731, von 11,19 pCt. auf 16,21 pCt. vermehrt. Allgemein wurde aus den Orten berichtet, daß die ländliche Arbeiterbevölkerung der Wahl sich aus Furcht ferngehalten habe und daß gegen das geheime Wahlrecht auf den Dörfern in gröbster Weise verstoßen worden sei. Man war sich einig, daß diesem Zustande nur durch Ausbreitung und Stärkung der Organisationen abgeholfen werden könne; eS wurde daher ein schon häusig ausgeführt haben, schreibt die„Engineering", ist Japan I Organisationsplan festgesetzt, wonach künstig gearbeitet werden soll. V V...» � r_.9 l � Ti. Y 1 JT. � 0 1 IT 1 r �-i-1«„.• S...'s. 2.ss.. C�YY K* n CO v-s-v.Sv r\n.S-/-V rtv O-v-i bs t v*" W* v /•»Tä 4 WS Qs« dadurch, daß es westliche Zivilisation und Jndustrialismus genommen hat, sozialen und ökonomischen Problemen gegenüber� gestellt, die den Gegenstand eifriger Erörterung in den dortigen Zeitungen bilden. Wenn auch einzelne von diesen übertreiben, so läßt sich doch nicht leugnen, daß bei dem wachsenden Wohlstand Landes sich einzelne große Vermögen bilden, während andererseits die Armuth der niederen Älassen zunimmt. Ein Blick auf die japanischen Zeitungen zeigt, daß Arbeitseinstellungen in allen Industriezweigen und allen Theilen des Landes stattfinden. In der Textilindustrie schließen sich die Unternehmer zusammen nicht nur gegen die Forde- rungen ihrer Arbeiter, sondern auch gegen„unlauteren Wettbewerb" ihrer eigenen Kollegen. Von anderen ökonomischen Fragen wird viel diskutirt, die Verstaatlichung der Eisenbahnen, Grundsteuer, Ein- kommenstener und Währungssrage. Infolge des Stcigens der Arbeitslöhne sind die Preise der Lebens- mittel und Gebrauchsgegenstände enorm gestiegen. Mehr als verdoppelt hat sich seit Januar 1897 der Preis für Kohlen, Salz, Eier, Oel, Kupfer, Leinwand, Gerste, Nutzholz, Reis, Mehl. Der Durchschnitts preis von vierzig angegebenen Artikeln stieg um 80 pCt. Die Wirkung des größten Theiles der Lohnerhöhungen ist dadurch aufgehoben und nur in den Zweigen, in denen eine größere Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit erforderlich ist, sind die Lohnerhöhungen erheblicher. Der Unterschied der in Europa und Japan gezahlten Löhne ist zwar trotzdem immer noch beträchtlich, nimmt aber von Jahr zu Jahr ab, eine Thatsache, die man bei Betrachtung über die Zukunft Ostasiens nicht außer acht lassen darf. Zttr preußischen Landtagswahl. Nicht viel weniger Tinte und Druckerschwärze wie über den �Hamburger Parteitagsbeschlutz, ist in letzter Zeit über den Berliner Beschluß verwendet lvorden. In der liebenswürdigsten Weise wurde von den verschiedenen Partei-Organcn den Berlinern klar gemacht, daß sie die Berliner Verhältnisse eigentlich gar nicht richtig erkannt haben, denn sonst mußten sie einen anderen Beschluß fassen. Ein Organ hat sich dadurch bewogen gefühlt, festzustellen, daß es sich„in der Intelligenz der Berliner Genossen geirrt habe". Die Blätter aber, welche fortwährend dafür eintraten, daß man Bündnisse und Kompromisse mit anderen Parteien abschließen müsse oder sofort für die Freifinnigen einzutreten habe, entdeckten plötzlich ihr Parteigewissen und verwiesen die Berliner Genossen strenge auf den Partcitagsbeschluß. Beängstigend wurde die Anzahl der Artikel, die oft so übereinstimmten, daß man glaubte, sie seien nach einer Eingebung gewissermaßen fabrikmäßig hergestellt, und eine Philosophie entwickelten, mit der sich der selige L e i b n i z gewiß nicht einverstanden erklären würde. Nun, die Berliner Genossen scheinen das nicht zum ersten Male zu erleben, denn so recht zerknirscht und bußfertig haben wir eigent- lich noch niemand gesehen. Als letzter Kämpe trat nun der Genosse Bebel auf und hielt den Berliner Genossen eine donnernde Philippika. Wir stimmen mit dem Genossen Bebel nun darin gewiß überein, daß es das gute Recht jedes Genossen ist, seine Meinung zu sagen, gleichgiltig, an welcher Stelle er steht, und daß sein Wort soviel gilt, wie das jedes anderen Genossen,— nicht mehr, nicht weniger—; gegen den Artikel müssen wir uns aber doch wenden. Der Genosse Bebel wirft den Berliner Genossen vor, sie hätten gegen den Parteitagsbeschlutz gehandelt. Wo? fragen wir. Wenn man den Parteitagsbeschluß nur denl Buchstaben gemäß nimmt, dann kann man allerdings zu dieser Auffassung kommen. Es heißt darin:«Die Betheiligung... ist überall geboten. wo die Verhältnisse eine solche den Parteigenoffen ermöglichen." Die rein äußerliche Möglichkeit ist hierin Berlin vorhanden, das ist nicht zu bestreiten; aber handeln wir, wenn wir uns be- theiligen, auch dem Sinne des Beschlusses gemäß? Soll der HamburgerBeschlutz überhaupt einen Sinn haben, so kann eS nur dersein, dre Reaktion zu schwächen. DaS kann nur erreicht werden durch direkte oder indirekte Unterstützung der bürgerlichen Opposition— da wir durch eigene Kraft keinen Kandidaten durchsetzen können und die Ansicht, Kompromisse mit den Gegnern abzuschließen, um dadurch Mandate zu erringen, abgelehnt ist. Für die so gestellte Resolution Bebel(mit dem Amendement Mittag) stimmte u. a. AronS, Auer, Bebel u. f. w. Der Antrag, direkt für die Freisinnigen einzutreten, wurde von Auer auf dem Parteitag zurückgezogen. Wir fragen nun: Was hatten die Berliner zu thun, um dem Parteitags- beschluß gerecht zu werden? „ W ahl männer wählen zu lassen, um die Re- a k t i o n zu schwächen", trifft für Berlin nicht zu, da ohnehin Freisinnige gewählt werden. „Wahlmänner wählen zu lassen, um durch Koni promisse Mandate zu erringen", ist glücklicher- .weise durch die Resolution Bebel verboten. Bliebe übrig, daß wir Wahlmänner wählen ließen, nur um wählen zu können. Für diese Komödie ist aber in Berlin kein Genosse zu haben. Das bewegt den Genossen Bebel aber auch nicht. Deutlicher wird er weiter unten, wo er ausführt, es wäre möglich, so viel Wahlmänner durchzusetzen, daß wir die Gegner zwingen Auch soll die„Brandenburger Zeitung" mehr als bisher im Kreise ver- breitet werden. Von der Betheiligung an der Landtagswahl nahm man Abstand.(Den Beschluß hierüber siehe unter der Rubrik „Preußische Landtagswahlen".) Zur Provinzialkonferenz wurden die Gcnoffen Sassenbach und W e y d i g delegirt. Falls die Kosten aufgebracht werden, wird auch ein Delegirter zum Parteitag nach Stuttgart gesandt werden. Zum Kreis- Vertrauensmann wurde W e y d i g, zum Stellvertreter Sperling gewählt. Abends wurde eine sehr gut besuchte Volksversammlung ab- gehalten, S a s s e n b a ch referirt'e. Die Arbeiter der städtischen Kanalisation haben das EinigungSamt des Gewerbegerichts angerufen, um die Beilegung verschiedener Differenzen herbeizuführen, die in den letzten Wochen zwischen ihnen und der Verwaltung ausgebrochen sind. Der Verband der Glasschleifer macht darauf aufmerksam, daß bei der Jirma Koch u. Bein, Ritterstr. 49, die Forderungen der Glasschleifer bisher nicht anerkannt sind und deshalb vor Zuzug gewarnt wird. Die ausgesperrten Maurer und Zimmerer in Spandau haben am Montag durch drei gewählte Personen(Lemme, Stolz u. Blanke) die Vermittlung des Einigungsamtes in Spandau an- gerufen. Die Aussperrung der Bauhandwerker in Magdeburg. Der Arbeitgeberverband will sich auf keinerlei Verhandlungen ein- lassen. Weder will er die Kommission zwecks Schlichtung der Streitigkeiten und Festlegung der Lohn- und Arbeitsbedingungen noch die bereits bestehende Organisation der Arbeiter an- erkennen. Demgegenüber ist nochmals festzustellen, daß sich die Arbeiter bereit erklärt haben, die Arbeit zu den bisher gezahlten Löhnen von im allgemeinen 43 Pfennig für Maurer und Zimmerer, 33 Pf. für Bauaröeitcr, und den sonst bisher üblichen Arbeits- bedingungen aufzunehmen und auch die infolge der Aussperrung Magdeburg verhängte Sperre vollständig aufzuheben. Diese Arbeits- bedingungen waren ftühere Vereinbarungen zwischen Unternehmer und Arbeiter— neue Lohnforderungen haben die Ausgesperrten also nicht gestellt. Sodann haben dieselben gewünscht, daß gegen Ende dieses Monats mit einer Kommission, wie dieselbe in dem Protokoll über die gepflogenen Unterhandlungen vor dem Herrn Oberbürgermeister Schneider festgesetzt, in Unterhandlung zu treten ist, um a) gemeinschaftlich auf grund des von dem Arbeitgeberverband selbst angezogenen Protokolls einen Arbeitstarif auszu- »beiteii, und d) die Lohn- und Arbeitsbedingungen für da? nächste Jahr, vor- behaltlich der Zustimmung ihrer Mandatgeber zu vereinbaren. So ist denn der Kampf durch das starrköpfige Verhalten der Unternehmer, die eine demüthige Unterwerfung der Arbeiter ohne jede Verhandlung fordern, verschärft und der Beschluß der Bau- Handwerker, auch auf den übrigen Bauten die Arbeit einzustellen, wenn eine Verhandlung abgelehnt würde, zur Ausführung gc- kommen. Die Zahl derÄusständigen und Ausgesperrten hat sich um 600 vermehrt und befinden sich somit 2000 Bauhandwerkcr im Aus- stand. Dieses rücksichtslose Vorgehen der Unternehmer wird im ganzen Lande die lebhafteste Sympathie für die iAusgesperrtcn ent- fachen und wir sind überzeugt, den Bauhandwerkern wird in dieser über sie frivol verhängten Aussperrung auch die materielle Unter- stützung der Arbeiterschaft sicher sein. Sozittlrs. PrcnßischcS Gewerbe-Jnfpektorat. Der Gewerbe-Inspektor N i e m e y c r m M ü h l h a u s e n i. T h. ist vom 10. September an in gleicher Eigenschaft nach Erfurt versetzt; mit der Verwaltung der Inspektion in Mühlhausen i. Th. ist von demselben Zeitpunkt an der Jnspektionsassistent L i e b i g in Waldenburg i. Schl. kommissarisch betraut. Mit Panken und Trompeten begrüßt der Leibjournalist de? entralverband deutscher Industrieller, Herr Schweinburg, die ntwickluug derArbeiterorganisation in— Japan. DaS ferne ostasiatische Jnselreich ist durch den Uebergang zum Maschinen« systcm im Bunde mit den niedrigen Arbeitslöhnen, die es bisher zahlte, ein nicht zu unterschätzender Konkurrent der europäischen Exportindnstrie geworden. Die japanischen Arbeiter sind aber keine chinesischen KuliS. die ja mit allem zufrieden fein sollen, sondern sie nutzen den guten Geschäftsgang aus und verlangen höhere Löhne. Froh- lockend schreibt Herr Schweinburg: Am stärfften ist der Auffchmung der Löhne in den kunstgewerblichen Betrieben. Dort ist die Nach- frage nach tüchtigen Kräften eine so intensive, daß die Arbeiter viel- fach in der Lage sind, von sich aus die Bedingungen, unter denen sie eintreten wollen, festzustellen. Die japanischen Arbeiter können das natürlich auch nur im Wege der Organisation. Den deutschen Arbeiter aber möchten die Industriellen, für die Herr Schweinburg sich literarisch prostituirt, am liebsten das ganze Koalitionsrecht genommen wissen; wenn es nach ihnen ginge, so würde der deutsche Arbeiter noch chlechter bezahlt als der japanische und chinesische, denn um so leichter könnten sie auf dem Weltmarkte konkurriren. Soziale Vv�zk-spftege. Weil er am Sonntag Vormittag nicht zur Arbeit kam. war der Schlächter B. von dem Schlächtermeister Goldmann entlassen worden. B. klagte darauf beim Gewerbegericht gegen G. und verlangte eine Lohnentschädigung, indem er betonte, er habe an jenem Sonntage eine Landpartie gemacht und den Beklagten davon vorher in Kenntniß gesetzt. Im übrigen habe für den Sonntag keine Arbeit vorgelegen. Die Beweiserhebung ergab, daß Goldinaiiii auf den Wunsch des Klägers, am Sonntag dem Betriebe fern zu bleiben, erklärt hatte, er müsse kominen, um zu kassiren und die Pferde zu besorgen. Die Kammer VI des Gewerbegerichts wies mit Rücksicht hierauf die Klage zurück und der Vorsitzende führte noch aus, da der Sonntag Vormittag unbestritten zur Arbeitszeit des Klägers gehörte, so liege in seinem Verhalten eine Arbeitsverweigerung, die zur sofortigen Entlassung berechtige. Eine Rcstlohnfordernng in Höhe von 17,90 M. machte der Nachtportier Z. gegen den Hotelier Kort vor dem Gewerbe« g e r i ch t geltend. Der Beklagte wandte ein, der Kläger habe ein Packet, das ihm als Portier des Hotels anvertraut worden sei, ab« handen kommen lassen und müste mit seinem Lohn dafür haften. Z. bestritt, zum Schadenersatz verpflichtet zu sein. Er habe seine Loge öfter verlassen müssen, da ihm auch die Bedienung des Fahr- stuhls und des Telephons obgelegen habe. Der Beklagte nrußte das zugeben, er blieb aber dabei, daß der Portier ersatzpflichtig sei, wenn ein seiner Obhut anveftrautes Packet verschwinde. Das Gewcrbcgericht verurlhcilte jedoch Herrn Kort, dem Kläger seinen Lohn auszuzahlen und führte aus: Z. brauche nur für einen Schaden aufkommen, den er selbst verschulde; ein Verschulden seinerseits sei aber nicht dargethan worden und sei um so weniger anzunehmen, als Kläger außer in seiner Loge auch noch am Fahrstuhl und am Telephon zu thun gehabt habe. Gevilszks-Jerkuns. Eine böse Stiefmutter empfing gestern vom hiesigen Schoi...- gericht ihren Lohn fiir die unmenschliche Behandlung, die sie ihrem Stiefkinde hat angedeihen lassen. Die Fabrikarbeiterin Frau L i e b i ch soll nach dem Zeugniß zahlreicher Nachbarinnen die ihrer Obhut anvertraute Stieftochter Anna zum Zielpunkt ihres Jähzorns gemacht und das ihr zustehende Ziichtigungsrecht in einer Weise über- ichritten haben, daß sich schließlich die Hausbewohner des bedanerns- werthen Mädchens annahmen und dafür sorgten, daß eS dem Bereiche der stiefmütterlichen Gewalt entzogen wurde. Die kleine Märtyrerin machte gestern vor Gericht von dem Rechte der Zeugnißverweigerung Gebrauch, die Qualen, die sie er- litten, wurden aber von zahlreichen Zeugen recht anschaulich gc- schildert. Nach den Behaupttmgen derselben sollen Mißhandlungen mit dem Schrubber, dem Feuerhaken oder den Stiefelabsätzen an der Tagesordnung gewesen sein, einmal soll die Angeklagte dem Mädchen mit einer Scheere ein Loch in den Kopf gestoßen, zu an- deren Malen das nur mit Hemd bekleidete Kind in kalter Winter- nacht ausgesperrt und auf dem Flur haben kampiren lassen zc. zc. Die Angeklagte behauptete, daß sie gezwungen gewesen sei, gegen das Mädchen streng vorzugehen und es wiederholt zu züchttgen und daß die gegen sie erhobenen Beschuldigungen arge Uebertrcibungcn der ihr feindlich gesinnten Belastungszeugen darstellten. Der Staatsanwalt hielt dagegen für nachgewiesen, daß die An- geklagte das ihr zustehende Züchtigungsrecht in gröblicher Weise überschritten habe und beanttagte 9 Monate Gefängniß. Auch der Gerichtshof war der Meiimng, daß das Verhalten der An- geklagten, welches der Vorsitzende als„mehr wie viehisch" bezeichnete, eine strenge Strafe verdiene. Es wurde daher auf 6 Monate Gefängniß erkannt. Eine Privatklage des Pfarrers Witte beschäftigte gestern wieder einmal die Berufungs-Sttafkammer des Landgerichts I. Pfarrer Witte hatte gegen den Gemeindelehrer Kolbe die Privat- klage angestrengt unter der Behauptung, daß dieser in einer Verfanun- lung von Mitgliedern der St. Golgatha-Gemcindc vom 14. Augusn�891 über ihn beleidigende Mittheilungen gemacht habe. Der Privatbeklagte soll danach in jener Versammlung die Behauptung aufgestellt haben: Pfarrer Witte, der den damaligen Hilfsprediger Crolow anscheinend besonders protegirte, habe über dessen Privatleben Aeußerungen gemacht, die denselben in der öffentlichen Achtung stark herabsetzen mußten. Das Schöffengericht hatte seinerzeit den Lehrer Kolbe für schuldig befunden, ihn aber nur zu 20 M. Geldstrafe vcrurtheilt. Hiergegen legte Justizrath v. G o r d o n für den Privatkläger, Rechtsanwalt L attermann für den Verurtheilten die Beruftmq ein. Nach eingehender Erörterung der thatsächlichen Verhältnisse und nach Vernehmung des Stenographen Roller, der die Verhandlungen jener Versammlung vom 14. August 1891 stenographirt hatte, endete diesmal die Verhandlung damit, daß die Berufung des Privatklägers verworfen, auf die Berufung des Privatbcklagten dagegen das erste Urtheil aufgehoben und auf Freisprechung erkannt wurde. Die Kosten wurden dem Pfarrer Witte auferlegt. Afctzrte und DepeMvn. Schönhausen a. d. Elbe, 6. Septeniber.(W. T. B.) Benn Salutschicßen anläßlich der vom hiesigen Kriegerverein gestern ver- anstalteten Sedanfeier entzündete sich vorzeittg die Pulverladung eine« Geschützes. Drei Personen wurden erheblich verletzt.— Leipzig, 6. September.(W. T. B.) DieTheilnehmer an derArbeitS- Nachweis-Konferenz, die heute unter dem Vorsitz deS Dr. Martens aus Hamburg in Leipzig abgehalten wurde, faßte folgende Re- solution:„Die Versammlung spricht ihre Ueberzeugung dahin aus, daß im Interesse des Groß- und Kleingewerbes der Arbeitsnachweis von den Arbeitgebern zu organisiren und zu handhaben ist." Budapest, 6. September.(W. T. B.) In einer Konferenz der Unabhängigkeitspartei wurde der Abg. Eötvös beauftragt, im Ab- geordnetenhause ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung wegen ihrer Haltung in der Ausgleichsfrage zu beantragen. PariS, 5. September.(W. T. B.) General Zurlinden nahm das Kriegsportefeuille an, nachdem ihm Ministerpräsident Brisson gleichzeitig mit seinem Ersuchen um Uebernahme des Portefeuilles das Schreiben des Justizministers Sarricn hatte zukommen lassen, in welchem dieser vom Kriegsministerium die Uebermittelung des Protokolls über die Geständnisse des Oberstlieutenants Henry und die Akten des DreyfuS- Prozesses verlangt. General Zurlinden nahm daS Porte- feuille mit dem Ausdruck deS lebhasten Bedauerns darüber an, daß er den Posten des Militär-Gouverneurs von Paris verlasse. Auf Verlangen des General Zurlinden wurde vereinbart, daß er die Akten durchsehen könne, bevor dieselben an den Justizminister gelangten, damit er, mit der Angelegwiheit völlig vertraut, an den Ministerberathungen theilnehmen lönrte.— Morgen Vormittag treten die Minister im Elysee zu einer Berathung zusammen. Madrid, 6. September.(W. T.B.) Senat, Der Minister-Prä- sident Sagasta verlas ein Dekret, durch welches die Regierung ermächttgt wird, im Parlemente einen Gesetzentwurf einzubringen, welcher der Regienmg Vollmacht ertheilt, die Souveränctät Spaniens über den Kolonialbesitz gemäß den Festsetzungen des Präliminar- Friedens- Vertrages aufzugeben. DerPräsideut verlangt, daß die Frage in geheimer Sitzung verhandelt würde und ordnet die Räumung der Tribünen an. Dies geschieht trotz des Einspruchs eines Senators unter dem Murren der auf den Tribünen Anwesenden. Kammer. Ein Abgeordneter tadelt das Rundschreiben deS Generalkapitäns von Madrid hinsichtlich der Veröffentlichung eines Auszuges aus dem Sitzungsberichte der Kammer und erhebt Einspruch gegen die Zensur, welche die Mittheilung der Presse über die Depesche des Generals Linares, worin die Lage in Santtago geschildert wurde, verhindert habe. Berantwortlicher Redakteur: Hugo Poetzsch w Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen«. UnterhaltungSblatt. «- m«. is. kuw. i. MW lies Jmiätts" jpftliiift öollialiliilt.«*«•»*•»"». Preußische Landtagswahlen. Die Ge»offcn do» Nicderbarnim nahmen in ihrer am Sonntag abgehaltenen Kreisversammlung zu den bevorstehenden Wahlen Stellung. Stadthagen als Referent führte aus: Es könne keinem Zweifel unterliegen, das; wir den Ham- burger Beschluß auszuführen haben, ob wir ihn billigen oder nicht. Der Beschlutz sage, datz die Bethciligung überall geboten ist, wo die Verhältnisse den Parteigenossen eine solche ermöglichen, und er lasse den einzelnen Wahlkreisen die Entscheidung darüber, ob eine solche Möglichkeit vorliege. Wir haben uns also die Frage vorzulegen, ob eine Wahlbetheiligung in unserem Kreise uns irgend welche Erfolge bringen kann. Wenn man die soziale Struktur des Kreises betrachtet, so komme man zu der Ansicht, datz eine Verdrängung der Konservativen ausgeschlossen erscheine. Nicht einmal Erfolge propagandistischer Art könnten wir durch unser Eingreifen in die Wahlbewegung erzielen. Der Redner fuhrt, gestützt auf die Statistik der Landtagslvahl von 1893, aus, datz in dem Landtags-Wahlkreisc, der aus den Rcichstags-Wahlkrcisen Ober- und Nicderbarnim besteht, die Konservativen in der ersten Abtheilung die Mehrheit nicht nur der Wählenden, sondern der Wahlberechtigten hatten, datz sie in der zweiten Abtheilnng über 47 pCt. der Wahl- berechtigten verfügten, und datz also, selbst wenn wir in der dritten Abtheilnng die Mehrheit der Wahlmänner bekommen könnten, diese nicht in der Lage wären, bei der Abgcordnetcnwahl den Ausschlag zu geben. Nun hätten sich aber seit dem Jahre 1893 die Vcr- bältnisse wesentlich zu Ungunsten der Minderbcsitzenden verschoben. Wenn man weiter berücksichtige, daß der Wahlmodus ein umständ- licher und zeitratibender sei, so könne nian annehmen, datz eine Wahlbctheilignng zum Landtag unsererseits noch nicht so stark sein werde. wie die Betheiligung an den Gemeindewahlen. An eine Verdrängung der Konservativen sei unter diesen Umständen nicht zu denke», im übrigen seien auch die Freisinnigen, welche bisher den Kreis vertraten, von unserem Standpunkte aus den Kon- servativcn nicht vorzuziehen. Was die etwaigen propagandistischen Erfolge anbetreffe, so sei schon der Ausfall der Reichstagswnhlcn dadurch beeinträchtigt worden, datz infolge des Hineinwerfens der Landtagswahlfragc in die Kreise unserer Genossen Uneinigkeit unter den letzteren hervorgerufen worden sei. Sollte eine solche Uneinigkeit auch in diesem Kreise noch herrschen, so würde eine Propaganda für die Landtagswahlcn uns schaden. Wir haben auch nicht die Kräfte zur Verfügung, ivclchc in den für den Landtag in bctracht kommenden Fragen so beivandert find, datz sie eine erfolgreiche Agitation betreiben könnten. Wir srcncn uns daher, datz der Hamburger Parteitag uns die Ent- schcidiuig über die Mahlbcthciligung in unserem Kreise in die Hand gegeben hat. Der Redner streift die prinzipielle Frage der Wahl- dclhciliguiig. Er nutzt dem Landtage keine so grotze Bedeutung bei, datz es sich für unsere Partei lohnt,'in eine Wahlagitation für dieses Ständcparlameiit, an dem wir nichts ändern können, einzutreten. Wir niütztcn vielmehr unsere Kräfte auf den Reichstag konzentriren. Genosse Stadthagen empfahl schlietzlich folgende Resolution: „Die Kreisversammlung des Niedcr-Barnimer Kreises lehnt es in Ausführung des auf dem Parteitage zu Hamburg gcfatzten Beschlusses ab, in eine Agitation für die bevorstehenden Landtags- wählen einzutreten, da die Landtagswahlcn keinerlei Erfolge, und seien dieselben auch nur propagandistischer Natur, für den Nieder- Barnimer Kreis in Aussicht stellen." Ein zweiter STHcil dieser Resolution, welcher denjenigen Genossen deS Kreises, die sich als Einzelne an den Landtagswahlen bcthciligen wollen, empfiehlt, keinem bürgerlichen Kandidaten die Stimme' zu geben, der nicht die Gewähr für Erfüllung gewisser Forderungen giebt, wurde vom Antragsteller später zurückgezogen. Meinhard- Boxhagcn sprach gegen die Wahlbetheiligung seitens der Partei, er enipfahl aber den Genossen angelegentlichst� sich als Einzelne an den Wahlen zu gimsten der Liberalen zu betheiligen, da diese doch den Konservativen vorzuziehen seien. Ger st e n berger trat gegen jede Form der Wahl- bethciligung ein. Bruhns führte aus, datz der Klassenkampf durch unsere Bethciligung an den Landtagswahlen beeinträchtigt werde, das sei eine unbegründete Behauptung. Wenn wir uns nicht "an den Wahlen bcthciligen, dann könnten wir auch nicht wiffen, ob wir überhaupt einen Einfluh auf dieselben haben und wie grotz unser Einfluß sei. Darum gelte es, diesmal eine Probe zu machen. Zeige �fcch dann, datz unser Einfluh zu schwach sei, dann könne es beider Probe sein Bewenden haben. An agitatorischen Kräften stiRe es nns nicht. Durch unsere' Bethcili- gung werde das erreicht, was der Parteitag wollte, näm- lich den Gegensatz zwischen Konservative» und Liberalen zu benutzen, um für uns Vorthcile heranszuschlageit. Wenn die Freisinnigen, die bei der Wahl von 1893 sehr lässig waren, sehen, datz wir sie unterstützen, dann würden sie sich wohl in größerer Zahl betheiligen, und so wäre vielleicht eine Verschiebung' der Partei- Verhältnisse möglich. Redner überschätzt unsere Erfolge nicht, aber ein Versuch müsse doch gemacht werden. Ein Erfolg sei es schon, wenn die Genossen niit den für den Landtag in betracht kommenden Verhältnissen vertraut werden. Man möge die Rcso- lntion Stndthagcn ablehiteu und die in Oberbariiim gcfahtcn Beschlutz annehmen.'F r e i w a l d sprach gegen Wahlbetheilignng. Mit solchen Experimenten sollte nian nns nicht kommen. Die Frei- sinnigen, die uns ebenso schroff gegenüber stehen, wie die Konscr- vative», seien nicht Werth, datz wir für sie eintreten. Rein, erklärt sich ans Prinzip gegen jede Art der Wahlbetheiligung. Wir haben keine Zeit, Proben zu machen und stehen dem Zensuswahlsystein niit Verachtung gegenüber. Puck und John empfahlen die Resolution Stadt- Hagen. Gebauer ist der Meinung, datz in Rnmmelsbnrg ein großer Theil der Arbeiter in der zweiten Klaffe wählt. Wir könnten daher nicht nur in der dritten, sondern auch in der zweiten Klasse eine grotze Anzahl von Wahlmännern durchbrinaen, und bei dieser Sach- läge ein Abkommen mit den Freisinnigen dahin treffen, datz sie für unsere und wir ftir ihre Kandidaten stimmen. Nachdem noch Holz- Hüter gegen die Wahl gesprochen, bemerkte Stadthagcn in seinem Schlußwort unter anderem, in Rnmmelsbnrg lägen die Verhältnisse nicht- so günstig, wie Gebauer meine. Es sei eine Utopie, wenn man glaube, wir könnten im Wahlkreise einen nennenswerthen Einfluß auf die LandtagSwahl ausüben. Selbst mit den Freisinnigen zusanmien würden wir die Mehrheit nicht bc- kommen. Die Resolution sei daher sehr wohl erwogen. Hierauf wurde die Resolution Stadthagcn mit größer Mehrheit angenommen. Tie Parteikonferenz für den Wahlkreis Potsdam- Osthavclland verhandelte am Sonntag in Spandau über die Stellung zu den Landtagswahlcn. Der Referent Staad- Potsdam bemerkte, er sei nach der Reichstagswahl ein noch entschiedenerer Gegner der Be- theilignug an der Landtagsivahl geworden. Zu der bürgerlichen Opposition könnten wir, zumal nach den bei der Reichstagswahl gewonnenen Erfahrnngen, nicht das geringste Vertrauen haben; wir hätten aber»ach Lage der Sache keine Aussicht, in den beiden LandtagS-Wahllreisen Spandau-Osthavelland und Potsdam irgend welche Erfolge zu erzielen. In der D i s k u s s i o n vertrat H u t h den Standpunkt, datz durch eine Bethciligung an den Landtags- wählen praktische Politik betrieben werde z entweder gelinge" es uns, unsere Genossen in den Landtag hineinzubringen oder wir machten doch die liberalen Vertreter, falls diese mit imserer Unterstützung gewählt werden, von uns abhängiger. Sind uns denn, so führte der Redner aus, alle die Tausende Bergleute, Eisenbahn- Angestellte 2C., deren Verhältnisse durch den Landtag geregelt werden, so gleichgiltig? Huth schlägt schlietzlich eine Resolution vor, wonach von einer Wahlbcthcili- gung in dem Landtags- Wahlkreise Spandau- Osthavelland für' diesmal wegen Aussichtslosigkeit Abstand genommen, die Siegelung der gleichen Frage für Potsdam aber einer be- sonderen Versammlung der Potsdamer Genossen überlassen werden sollte. Die nachfolgenden Diskussionsredner Laukant- Spandau, Schmidt- Velten, S ch r ö e r u. a. sprechen sich sämmtlich gegen die Wahlbetheiligung aus. S ch r ö e r führte aus, es sei bedaucr- lich, datz der Hamburger Parteitag nicht bestimmtere Normen für die Wahlbetheiligung gegeben habe, es gebe gar keine Grenze dafür, was alles als bürgerliche Oppositionspartei angesehen werden kann. Die Betheiligung an den Landtagswahlcn bedeute unter den gegebenen Umständen nicht praktische, sondern Zweckmätzigkeitspolitik und könne nur dazu dienen, unsere Prinzipien nur noch mehr zu verwischen; irgend welche Erfolge könnten wir in den beiden Kreisen auch gar nicht erwarten. Er sei gegen die Betheiligung. Heinrich- Potsdam ist im Prinzip Wohl für die Wahlbetheilignng, hält diese aber für die genannten beiden LandtagS-Wahlkreise gleichfalls für aussichtslos. Schlietzlich wurde eine von Laukant beantragte Resolution: „Die Krciskonferenz beschließt: Die Bethciligung an den Landtagsivahlen für die Kreise Spandau-Osthavelland und Potsdam wird abgelehnt" mit 26 Stimmen angenommen. Die Kreiökouferenz für die Ostprignitz, die am Sonntag in Pritzwalk abgehalten wurde und von acht Delegirtcn besucht war, nahm einstimmig folgende Resolution an: „In Erwägung, datz im Kreise Ostprignitz es unmöglich ist, eigene Wahlmänner aufzustellen, eine Verdrängung der konservativen Partei unter dem elenden Wahlshstem absolut ausgeschlossen ist, beschließt die Kreiskonfercnz. von einer Betheiligung an der Landtagslvahl Abstand zu nehmen." Die„Brandeuburger Zeitung" schreibt im Anschluß an unseren Artikel über die Zustände auf der Zeche„Gustav":„Wird unsere Partei im Reichstage es sich zur Aufgabe machen, fortgesetzt auf den Erlaß eines Reichs-Berggcsetzes hinzuwirken, so ist zunächst die Tribüne des preußischen Ab- geordneten Hauses der Ort. an dem mit Entschiedenheit für die preußischen Bergarbeiter einzutreten wäre und an dem das hier Mitgetheilte in wirkungsvoller Weise vorgebracht werden könnte. Aber das kann nur mit Hilfe der Arbeiter' selbst geschehen Ist es ihnen ernst mit einem Wandel der Dinge in der preußischen Bergaufsicht, so müssen sie sich schon bequemen, an den Wahltisch zu treten und laut und deutlich Männern die Stimnie zu geben, welche gewillt sind, Abgeordnete nach Berlin zu senden, welche mit Ent- schiedcnhcit in diesem Sinne wirken wollen." Wahlvorbereitungen in Halle nnd dem Saalkreise. Das„Volksblatt für Halle" schreibt:„Bei den Landtagswahlcn wollen die Kuddclmnddelparteien, also die Konservative», Frei konservativen, Nationalliberalen und Landwirthsbündler in Halle und dem Saalkreise zusammengehen. Aus dem freisinnigen Lager ist noch nicht bekannt geworden, in welcher Weise und mit welchen Kandidaten in die Wahlbewegung eingetreten werden soll. Bei der Zerfahrenheit, die unter dem hiesigen Frcisinu herrscht, darf das nicht wundernehmen, obwohl es nicht schwer fallen würde, den Knddclmuddlern die beiden zu besetzenden Mandate zu entreißen." Gegen die Konservativen, die auch in der Provinz Hannover den Nationalliberalen den Boden abgraben möchten, wendet sich in ungewohnt scharfer Weise der „Hannoversche„Courier", der vor allem schmerzhaft berührt ist, daß die Konservativen auch in dieser westelbischeu Gegend vielfach mit Unterstützung von Regierungsstellen arbeiten. Gegen die offizielle Unterstützung nationalliberaler Kandidaten hatte das Blatt freilich noch nie etwas einzuwenden gehabt. Das Blatt bemerkt noch: „Vielleicht glaubt man, daß infolge der wirthschaftlichcn Vcr- hetzung die Gelegenheit jetzt günstiger ist, einen Keil in die natiönalliberale Partei zu treiben. Der Erfolg würde für den im Sinne jener Bestrebungen günstigsten Fall nur der sein, datz die kompakte nationale Partei' Hannovers durch Ab- splitternngen geschwächt und die Stellung der rerchs- unfreundlichen und antimonarchischen Parteien dadurch g e st ä r k t>v ü r d e."— NonttnunÄsvs. Die erste Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung nach de» Sommcrferien wird am nächsten Donnerstag stattfinden. Unter den zahlreichen Gegenständen der Tagesordnung befindet sich auch der Antrag der Stadtvv. L a d e w i g u. Gen. ans Ucbcrführnng der für die Potsdamer Brücke hergestellten vier Bronzcgruppcn in einen der städtischen Parks»nd anderweitige angemessene Ausschmückung der Potsdamer Brücke.t Obgleich durch die zu erwartende Errichtung eines zweiten Rath Haus es auf dem Grundstncksdlock zwischen Inden-, Parochial-, Kloster- und Stralauerstratze das Bcdürfnitz an Räum lichkeiten zur llnterbringnng städtischer Bureaus vorläufig gc deckt ist, will doch, wie berichtet wird, der Magistrat angesichts des andancrnden Wachsthnms der Stadt, auch für die weitere Zukunft Sorge tragen und gewisse, wohlnrrondirte Bauplätze im Zentrum der Stadt rechtzeitig erwerbe». Er hat daher sein Augenmerk auf das alte Waisenhans- Grundstück gerichtet, dessen bntiliche Umändcnmg doch bald zur unabweisbaren Rothwcndigkcit tvird. Der Magistrat schlägt vor, dieses Grundstück durch Ankauf des Nachbargrnndstiickcs, Stralauerstr. b7, für den Preis von ü43 0>X) M. zu einem werthvollen Bauplatz zu erweitern. Der Magistrat glaubt hierauf.um so mehr Bedacht nehmen zu sollen, als der Plan der Anlage einer Uferstraße längs der Spree, zwischen der Wniscnbrücke nnd dem Molkenmnrkt immer noch un- ausgesetzt einen Gegenstand der Berathnngen des Magistrats bildet. Ter kaiserlich chinesische General Konstantin v. H a n n e k e n hatte im Verein niit dem Ingenieur M e n n i ck e und dem Brunnen- tcchmkcr Beyer seinerzeit von der Stadt einige zu Grotzbeeren nnd Kleinbceren belegene Wiesen gepachtet, um daselbst in mit Drainwasser geftillten Teichen die Fischzucht zu betreiben. DaS Unternehmen' ist sowohl in technischer wie finanzieller Bcüchnng mißglückt nnd hat von den Unternehmern ziemlich hohe Opfer gc- fordert. Die Ursache des Mißlingens liegt einerseits in den zu hohen Betriebskosten, andererseits darin, datz das den Riesclnnlagen entnommene Wasser keineswegs so viel Fischnahning enthält, wie zu einer gedeihlichen Zucht nothwendig ist. Die Unternehmer haben sich jetzt mit dem Antrage an den Magistrat gclvandt, sie ans denn noch bis 1998 lattfeudcn Pachtvertrage zu entlassen.." /§' Loknles. In der Ansstcllnng für verbesserte Franenkleidung nnd si«r Franenhygiene sind neben ganz vorzüglichen Sachen Dinge zst finden, die gar nicht dem Zweck der Ausstellung dienlich sind. Den Hanptkampf führen die Veranstalter gegen das mit recht geschmähte Korsett. Dennoch sind aber verschiedene Ersatzmittel für dicsks Jnstrmnent ausgestellt, die ebenfalls mit Stangen, Gumnn- schnüren und Schnallen den Körper zusammenpressen. Das hätte nicht zugelassen werden dürfen. Die Frauen sind schon so wie so schwer zugänglich für energische Neuerungen— wenn es nicht lvlodc und Putz gilt. Nun werden sie den„Ersatz" der wirklich verbesserten Kleidung vorziehen. Sie bleiben bei der alte» Art und können doch sagen,' datz sie das Nene tragen. Um das zu Venneiden, dürfte nur das wirklich Gute ausgestellt werden, damit ein bestimmter Wegweiser gegeben würde. DaS beste unter den vielen Taillen, Korsctt-Ersatzen». f. w. ist ein Fabrikat des Schneiders W. Kästner aus der Linienstratze. Die Röcke werden durch Bänder an eine glatte, nur bis unter die Büste reichende Taille ohne Bermel gehalten. Das Schwergewicht ist hierbei in der bequemste», uild auch für jede Arbeiterin, jede thätige Frau zwcckmätzigsten Weise auf die Schulter gelegt. Die ausgestellten Frauenkleider zeigen sämmtlich die Reform- art. Die vielen Unterröcke, die ans den Körper drückten und die Bewegung erschwerten, sind überflüssig. Der Kleiderrock lvird über eine Hose vom Stoff des ganzen Kleides getragen. Sic ist so ähn- lich wie die Radsahr-Beinkleider der Frauen und kann, durch Ansatz von Besatzstücken, den ganzen Wust der Unterröcke ersetzen. Der Mode können die Frauen trotzdem treu bleiben. Fast alle aus- gestellten Kleider, Prinzetzform und Blusen, an denen die Röcke angeknöpft' werden, sind recht ansprechend. Viele haben eine einfache, elegante Vornehmheit, wie die Kleider der Frau Drude. Sie haben sogar einen künstlerischen Schnitt. Die Abwesenheit des Korsetts mag sogar noch ihre Schönheit erhöhen. Jede harte, er- zivungene Linie fehlt. Unsere Frauen, mögen sie nun in der Fabrik oder daheini arbeiten, werden sich sicher wohl fühlen in solcher Kleidung. Und sie brauchen nicht fürchten, datz sie hätzlicher aussehen, denn ein feiner gebildetes Auge wird durch dw von Schnürleibcrn verdorbenen Formen verletzt. Auch Arbeitskleider für Fabrikarbeiterinnen sind ausgestellt. Ueberkleider aus Leinen oder Kattun. Sie sind der jetzt üblichen Methode, die alten Kleider in der Fabrik aufzutragen, ans Gesund- heitsrücksichten vorzuziehen. Aber leider liegt hier der Knüppel beim Hund. Die Arbeiterinnen müssen aus ökonomischen Rücksichten mit dem alten Zeug thätig sein. Ans ökonomischen Rücksichten wäre aber auch zu wünschen, daß sie Reformklcidung tragen, damit sie die Unterröcke entbehren können. Und darum ist es nicht gut, datz die Ausstellung 59 Pf. Eintrittsgeld verlangt. Das ist zu thener und hindert die interessirten Kreise am Besuch. Sie würden außer der Kleidung noch vieles Nützliche finden. Und den Veranstaltern kann doch auch»nr an recht weiter Verbreitung gelegen sein. Ferner ist die Ausstellung, wie jede solche Ausstellung, eine vortreff- liehe Reklame für die Aussteller. Aus diesen Gründen müßte das Eintrittsgeld erniedrigt werden. Die'Jury für die Ausstellung für verbesserte Frauenkleidung und Franenhygiene hat ihre erste Sitzung abgehalten. Die Ver- kiindigung der ertheilten Auszeichnungen findet ain 19. Sep-< tember statt." Vom Trinkgeld-Unwesen in den Bade-Rnstalten. Das Bedienungspersonal der meisten Badc-Anstalten erhält bekanntlich nur einen sehr geringen Lohn und wird dafür auf die Trinkgelder verwiesen, die die Besucher geben. Auf diese Trinkgelder rechnen nicht nur die Angestellten, die ohne sie gar nicht bestehen könnten, sondern auch der Anstaltsbesitzer, der sich um die Gewährung eines höheren Lohnes herumdrücken darf, wenn er sein Personal theil- weise durch das Publikum bezahlen läßt. Da aber inanche Besucher sich nicht freiwillig zu einem Trinkgeld verstehen Ivollen— sei es ans nothgedrungener oder übertriebener Sparsamkeit, oder sei es deshalb, weil ihnen nicht bekannt ist, datz dieses sogenannte „Trinkgeld" thatsächlich einen Theil der Löhnung bildet— so wird man in mehreren Anstalten geradezu mit der Nase darauf gestoßen, daß noch eine kleine Vergütung für das Personal erwartet wird. Daß bei bestimmten Arten von Bädern, die eine um- ständlichcre Bedienung und Hilfclcistnng erfordern, neben dem Preise für das Bad noch ein besonderer Zuschlag für Be- dienung n. s. w. erhoben wird, das ist am Ende berechngt. Dieser Zuschlag ist durch Tarif festgesetzt und trägt den Namen„Trinkgeld". der ihm in der Regel beigelegt lvird, sehr mit Unrecht. Wenn er. überhaupt gesondert aufgeführt wird, so geschieht das augenscheinlich nur, um die Höhe der Bädcrpreise zu maskiren. Richtige Trinkgelder. werden bei anderen Bädern, die lvenigcr Bedienung erfordern,— und übrigens auch bei den oben erwähnten Bädern noch neben deni tarifmätzigen Zuschlag— gezahlt. Damit aber nicht das Personal das Trinkgeld, aus das es bei der, wie gesagt, meist erbärmlichen Besoldung angewieseir ist, von weniger gebelustigen Besuchern durch Mienen oder Worte einzu- fordern braucht(was von manchem als Belästigung empfunden würde und obenein nicht bei jedem die gewünschte Wirkung hätte), so fordert es der Besitzer selber. Eine Kur- und Badeanstalt in der Großen Hamburgerstratzc vcrtheilt Reklamezettel mit ihrem Preiskourant. Bei mehreren Bädern werden für Bedienung n. s. w. 25—59 Pf. extra berechnet. Darunter steht autzerdem:„Im übrigen nach Belieben." Auf den Zetteln lvird die Anstalt als „Wasserheilanstalt ersten Ranges" und das Personal als „tüchtig" und„geschult" bezeichnet. Der Leiter einer Anstalt ersten Ranges sollte es für unter seiner Würde halten, die Besucher in dieser Weise um Trinkgelder anzugchen und seine Angestellten trotz ihrer Tüchtigkeit in ihrem Einkounnen von dem Belieben der Besucher abhängen zu lassen. Aber selbst größte Unternehmer finden dieses Verfahren nicht beschämend. In den Anstalten der Aktien- gescllschnft„Admiralsgarten- Bad" lvird der Besucher durch die 'überall aushängende Austalts-Ordnung darauf hingewiesen, datz es dem Personal verboten ist, Trinkgelder zu fordern. Der. Wortlaut des betreffenden Paragraphen läßt aber erkennen, daß die Verwaltung dieser Gesellschaft auf Trinkgelder rechnet.„Die Zahlung von Trinkgeldern an die Badcdieucrschaft", sagt Z 6,„ist. dem Belieben der Badegäste anheimgestellt. Das Triukgcldfordern ist bei Strafe verboten." Das ist' deutlich! Früher lautete der Trinkgcldcr-Paragraph sogar— noch deutlicher— so:„Die Badegäste sind zur Zahlung von Trinkgeldern an die Badedienerschnft nicht ver- pflichtet; es ist das Zahlen von Trinkgeldern ganz dem Ernressen der Gäste anheimgestellt. Die Badebedicnung, welche einen Höheren Betrag fordert, als der Badegast freiwillig giebt, wird streng bestrast." lieber! egt man sich freilich, wie sehr das Personal solcher Bade-An- stalten ans die Trinkgelder angewiesen ist, dann möchte man den Be- sitzern fast noch dankbar dafür sein, daß sie sich nicht schämen, den Besuchern diesen Wink nüt dem Zaunpfahl zu geben. Wenn das Trinkgeld, wie es leider der Fall ist, die Stelle des Lohnes vertritt. dann mutz— im Interesse des Personals— jeder Besucher wünschen, datz er erfährt, ivas er zu thun hat. Nur sollte man dann noch einen Schritt weiter gehen und dem Trinkgelder- Paragraphen der AnstaltS-Ordnnng den Zusatz geben:„Unsere Badedienerschast wird aber so erbärmlich bezahlt, daß sie ohne Trinkgeld nicht besteh eu kann." ic Waarcnhiinser die Berka nfSpalä sie, die a gm z i n e größten Stils verdrängen nach und nach die lcincxcn Läden und vor allen Dingen die Privatwohnungen aus der iüncren Stadt. Diese Erscheinung drängt sich jedem auf, der Berlin, wenn auch nur seit vielleicht zehn Jahren, kennt und die bau-. liche und soziale Entwickclnng der Stadt verfolgt hat. Am gestrigen Montag ist wieder so ein niodcrncr Verkanfspalast eröffnet worden, und zwar der der alten Firma N. Israel ge- hörige, Ecke Spandauer- und Königstratze. Eisen, Stein und GlaS, das sind iin wesentlichen die Materialien, aus denen diese modernen Waarenhäuscr errichtet sind, so auch hier. Wo noch vor wenig Jahren sieben kleine verwitterte Häuser standen, erhebt sich jetzt ein mächtiger Sandsteinbau, von einem imposanten Thunn gekrönt. Das werthvolle Terrain, ans dem bis vor wenig Jahren eine Reihe kleinerer Geschäftsleute in engen Läden ihre Wnare feil- boten, ist von dem benachbarten großen Konkurrenten mit Beschlag belegt worden. Das ist der niodcrne Kapitalismus! Für die be- troffenen kleinen Geschäftsleute bedeutet diese Eutwickelung den Unter- zang oder bringt ihnen doch großen Schaden; das kau sende Publikum cdoch gewännt mehr, als es verliert. Jedenfalls liegt dieser Ent- Wickelungsgang so im Zuge der Zeit, daß er durch kleinliche, vom „Mittelftand" allerdings heiß erstrebte Erdroffelungsmittel, wie Umsatzsteuern und dergleichen, nicht aus der Welt geschafft werden kann. Auffallend ist an dem JZracllschen Waarenpalast die Aehnlich- keit der Raumanordnnng mit Wertheiin's Waarenhaus in der Leipzigerstraße. In der Mitte ein riesiger zu Vcrknusszlvcckcn dienender Lichthof, dem Eingang gegenüber eine breite in die oberen Etagen führende Freitreppe, und dieser Lichthof mehrere Stocklvcrke hoch umgeben bon breiten Gnllerien, auf denen der Verkauf stattfindet. Uebrigens beabsichtigt die Firma, es nicht bei diesem, auf ncucrworbcnem Terrain errichteten Neubau bewenden zu 'lassen; sie läßt auf den in der Spandauerstraße gelegenen Grund- stücken, auf denen sich jetzt noch die alten Gcschäftslokalitntcn be- finden, Gegenstücke zu dem jetzigen Eckgcbäude errichten, sodaß das Ganze schließlich einen sich um drei Lichthvfe gruppircnden Gebäude- komplex bilden wird, der ca. 4600 Quadratmeter Fläche bedeckt. Interessant speziell für unsere Leser ist, daß diese modernen Waarcuhäuser gezwungen sind, irgendwelche Vorkehrungen für die Unterkunft und Verpflegung ihrer Angestellten zu treffen. Für das ca. 700 Köpfe starke Personal der Firma sind Garderoben- und RestaurationSräume, nicht gerade pompös aber doch sauber ausgestaltet, im Kellergeschoß untergebracht. Jutcressant an lftn Einrichtungen dieser Firma ist ferner, daß das ganze Geschäft nicht nur Sonntags, Ivozu die gesetzliche Sonntagsruhe zwingt, sondern auch, altjüdischcn Traditionen folgend, Sonnabends absolut geschlossen ist,— durch welche Einrichtung das Personal zwei freie Tage in der Woche erhält. Jedenfalls ein Beweis dafür, daß es mit dem Geschrei der Mehrzahl der Unternehmer, die soziale Gesetzgebung bedeute den Untergang von Handel und SKidustrie, nicht allzu viel auf sich hat. Jf Die Verhältnisse des Rabatt-Sparvercins„Norden" scheinen sich allmälig ruhiger zu entwickeln. Nachdem der frühere Vorstand mündlich und schriftlich sein Amt niederlegte und eine am vorigen Donnerstag zwecks Neuwahl des Vorstandes einberufene Generalbersanimlung resultatlos verlief, tagte zu gleichen Zwecken am Sonntage im Kösliner Hof unter dem Vorsitz der Siebcner- Kommission eine Generalversammlung, während eine weitere von den Anhängern- des alten Vorstandes auf Montag Nachmittag nach dein Röhr'schcn Saale, Brunnenstraße, einberufen ist. Die Soiiutags-Vcrsammlung war zumeist von Männern besucht, und nahm auch einen weniger erregten Verlauf, als ihre Vorgängerinnen, Iveil hinreichend Maßnahmen getroffen waren, etwaige Ruhestörer sofort zu entfernen. Kurz nach dem Eintritt in die Tagesordnung proteftirte Stiebitz, Revisor des bisherigen Vorstandes, gegen die Giltigkeit der Verhandlungen, Iveil die Ver- fammlung lediglich im„Vorwärts" und daher nicht satzungsgemäß bekannt gemacht sei. fUnruhe.) F e h s e, Schneidermeister, wendete sich ebenfalls gegen die Wcitcrtaguug mit der Motivirung, daß sich die- selbe erübrige, da der bisherige Vorstand die Auszahlung der Spar- gelber durch Plakate zugesagt habe. S ch e f f l c r, Vorsitzender der Siebener-Kommisston, rekapitulirte nochmals kurz die bereits in der vorletzten Generalversammlung bekannt gegebenen Vorkommnisse innerhalb des alten Vcrcinsvorstandcs und erklärte, daß er sich zwar der Auszahlung aller Sparguthaben nicht widersetzen werde, daß dieselbe aber' leicht zu der von den Lieferanten gewünschten Auflösung des Vereins führen könne. Nach heftiger Debatte wurde die Vorstandswahl durchgesetzt, und zwar wurden von den Mitgliedern der Siebenerkommission gewählt: S ch e f f l e r als erster, Vogel, zweiter Vorsitzender, Walter, Rendant, V o g e l e r, Schriftführer. Vor Beginn der durch Zuruf erfolgten Wahl verließ ein erheblicher Thcil der Anwesenden demonstrativ die Veriammlung.— Auf die Wciterentwickelung der Angelegenheit darf nian umsomehr gespannt sein, als der alte Vorstand allein zur Erhebung der bei der Berliner Bank deponirten Spargeldcr in Hobe von 400 000 M. berechtigt ist.< lieber die Dauer der Heilerfolge bei Ln»gc»?ranke>« hat der Chefarzt der Heilstätte des Rothen Kreuzes am Grabowsec, Dr. Brecke, Erhebungen angestellt, indem er bei den aus der Heil- ftätte Entlassenen Umfrage hielt. Die Anfragen fanden im April dieses Jahres statt. Sic wurden von 192 Kranken, die im Jahre 1896, und 189 Kranken, die im Jahre 1397 gebessert oder geheilt entlassen worden waren, beantwortet. Nach den Angaben der in, Jahre 1896 Behandelten standen im April dieses Jahres noch 82 pCt. voll in Arbeit und Verdienst. Weitere 16 pCt. haben bis dahin zeitweise gearbeitet. Von den im Jahre 1897 Entlassenen waren im April noch 68 pCt. erwerbsfähig, während 22 pCt. seit der Entlassung ebenfalls zeitweise gearbeitet hatten. Nähere Mittheilungen über die Ergebnisse der Uinfrage sollen demnächst in der offiziellen Zeit- schrift des Volks-Hcilstättcnvcreins„Das Rothe Kreuz" veröffentlicht den. Ucbcr ein Aufsehen erregendes Verbrechen wird aus Pots- d a»r berichtet; Vom Z w c i r a d herabgeschossen wurde am Sonntag Nachmittag ein Radfahrer auf der Chaussee zwischen Beizig und Treuenbrietzen. Der Radfahrer kam auf der Landstraße ahnungslos daher, als plötzlich ein Mann aus dem angrenzenden Walde hervortrat, einen Revolver auf ihn anlegte und ihn so schwer verwundete, daß er voni Rade stürzte und blutüberströmt liegen blieb. Der Angreifer schwang sich alsdann auf das Rad des Ueberfallenen und fuhr in rasendem Tempo in der Richtung nach Potsdam davon. Gegen Abend wurde der Schwerverletzte aufgefunden und nach Bclzig ins Krankenhaus geschafft. Er war noch!im stände, eine Personalbeschreibung des Thäters zu geben. Die Polizeibehörden der umliegenden Orte sind sofort verständigt worden. Bisher ist der Verbrecher noch nicht entdeckt. Der Verletzte ist der 18jährige Berliner Mechaniker Töpfer aus der Nostizstrahe 19. Er wurde nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht; die Verwundung soll zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich sein. Der erste Schuß drang in den Hals, so daß sich der Mund des Ueberfallenen sofort mit Blut füllte, eine zweite Kugel drang neben dem linken Auge ein. Mechanisch fuhr der Radfahrer noch einige Schritte weiter, an dem Räuber vorbei und brach dann zusammen. Jetzt gab der Verbrecher noch einen dritten Schuß ab, wodurch sein Opfer hinter dem Ohre verwundet wurde. In diesem Augenblicke schwang sich der Sttaßcnräuber ans das Fahrrad und fuhr in der Richtung nach Beelitz von bannen, wahrscheinlich in dem Gedanken, daß der Ueberfallene todt sei. Die Eltern des jungen Mannes wurden bcnach- richttgt. Sie waren gestern in Beelitz, um ihren Sohn abzuholen und nach Berlin zu dringen. Leider muß, wie ein hiesiges Blatt meldet, nnt der Befürchtung gerechnet werden, daß das Auge, neben welchem die Kugel eingeschlagen ist, verloren sein wird. Der Thäter hat auf der Mordstelle seinen Spazierstock zurückgelassen. Von dem geraubten Fahrrade wird folgende Beschreibung ausgegeben: Marke „Sturmvogel"; eine Speiche des Hinterrades fehlt; eine schwarze lackirte Laterne.— Vor dem Ucberfall auf den unglücklichen Töpfer hatte sich der Räuber an einen Radfahrer Braun, welcher densclb«, Weg fuhr, herangemacht, war aber durch das DazwischenkoMffen eines Wagens gestört worden. Die Spcrrimg des zwischen der neuen Potsdamer- und der Augusta-Brücke gelegenen Theils des Schönebergcr Ufers ist endlich für den Wagenverkehr wieder aufgehoben worden. Von den Schntzlistcn nicht empfchlcnswerther Miether wird jetzt bereits die Herausgabe der dritten Nummer vorbereitet.— Eine Schutzliftc nicht enipfehlenswerther Hauswirthe fehlt immer noch. Berliner Asylvercin für Obdachlose. Im August 1898 nächtigten im Männerasyl 20 326 Personen, im Fraucnasyl 3129 Per- sonen. Arbeitsnachweis wird erbeten für Männer Wiesenstr. 65/59, für Frauen Füsilierstr. 5. Im Thiergarten erschossen hat sich am Sonntag Nachmittag der 41 Jahre alte Pförtner und herrschaftliche Diener Wilhelm Otter- mann, der in der Bandlerstraße seit 7 Jahren seine Stellung be- kleidete. Ein unlauteres Vcrhältniß, das der verheirathete Mann unterhielt, soll die Ursache zum Selbstmord abgegeben haben. Dnrch eine brennende Zigarre wurde am Sonntag Nach- mittag das Dienstmädchen Manha Grundmann, welches bei einer Herrschaft in der Grünauerstraße bedienstet ist, schwer verletzt. Das- selbe begab sich den Kottbuser Damm entlang nach der Hasenhaide. die schri Beim Umbiegen um eine Straßenecke prallte eS mit einem jungen Manne zusammen, welcher eine brennende Zigarre im Munde ttug. Diese drang dem Mädchen tief ins rechte Auge, so daß dasselbe mit einem gellenden Schmerzcnsschrei zusammenbrach und Nuttels Droschke zu einem Arzte befördert werden mutzte. Der junge Mann, welcher das Unheil angerichtet hatte, war in der bei dem starken Verkehr durch den Vorfall hervorgerufenen Verwirrung verschwunden. Wege» eines räuberischen IlcberfaNs wurde der neunzehn Jahre alte wohnungslose Paul Lietzmann am Sonntag verhaftet. L. kam ftüh morgens um 7'/s Uhr zu dem Zahnarzt Dr. Sauer am Schiffbnuerdamm und überreichte ihm eine Rechnung, die er angeblich für den Schneider des Zahnarztes einkassiren sollte. Da der Zahn- arzt keine Schneidcrrechnung zu erwarten hatte, so bedeutete er dem jungen Mann, daß er sich in einem Jrrthum befinden müsse und wollte die Thür wieder schließen. In diesem Augenblick aber stieß Lietzmann die Thür zurück, sprang dem Dr. Sauer an die Kehle und versuchte ihn zu erwürgen. Der Ueberfallene rief um Hilfe, und auf den Lärni kamen dann auch bald Hausgenossen herbei. Der Rcstaurateur Droescher trat dem Angreifer in dem Augenblick entgegen, als er eben im Begriffe stand, den Ueberfallenen mit mit einem Knüppel niederzuschlagen. Der Pförtner und andere Haus- bcwohner nahmen Lietzmann fest, verabreichten ihm eine Tracht Prügel und übergaben ihn dann der Polizei. In Sachen Grttucnthal meldet das„Kl. Jonrn." die vor einigen Tagen in Dresden erfolgte Verhaftung einer früheren Geliebten von ihm, Hedwig Jähde, wegen Verbrechen gegen Z 218 R.-St.-G. Grüncuthal werde der Beihilfe zu diesem Ver- brechen beschuldigt. Einen tödtlichcn Anögnng hat ein Unfall genommen, dem der Betroffene zunächst keine große Bedeutung beimaß. Der 61 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Friedrich Schuster aus der Oranienstr. 133 kam am Freitag Abend um 6 Uhr mit einem Handwagen durch die Lcipzigerftraße. Vor dem Hause 62/63 fuhr ihn eine Droschke an, die vorschriftswidrig auf der linken Straßenseite lief. Die Stange seines Handwagens traf Schuster nnt großer Wucht am Unterleib. Leute, die den Vorgang sahen, brachten den Verunglückten in einen Omnibus, mit dein er nach Hause ftihr. Erst mehrere Stunden später, als der Zustand sich verschlimmerte, wurde ein Arzt zu Rothe gezogen. Gestern Nachmittag um 21/2 Uhr war Schuster bereits todt. Die Leiche ist zur Einleitung eines Strafverfahrens von der Staats- anwaltsthaft beschlagnahmt worden. DaS Verfuchö-KornlagerhanS am Nordhafen auf dem Ham- burger Güterbahnhofe soll nunmehr dem Bcttiebe übergeben werden. Die von der Staatsreaicrung nach Plänen der Eisenbahn-Vcrwaltung und des laudwirthschaftlichen Ministeriums errichtete Anstalt ist zur Trocknung, Reinigung, Sottirung und Lagerung von 1100 Tonnen Gctteidc eingerichtet; die Anfahrt für Fuhrwerke geschieht von der Haidestraße aus, am Bahnübergang. Schwer vernnglückt ist gestern Nachmittag der 21 Jahre alte Rollkutscher Gustav Paris aus der Gneiseuauftr. 12. Paris wollte mit seinem mit 51istcn hochbcladenen Wagen in den Thorweg des Hauses Wilhelmstr. 47 einfahren. Bei dem scharfen Ruck fiel er vom Wagen und eine Kiste, die von oben herabstürzte, fiel ihm auf den Kopf. Der Verunglückte wurde so schwer verletzt, daß man ihn von der Unfallstation in ein Krankenhaus bringen nmßte. Beim Wettschwimmen ertrunken ist im Summter- See der in Berlin, Reichcubergcrstr. 131/132 wohnhafte Schwimmlehrer, Malermeister I. Wünsche!. Der 72jährige Herr wurde, wie der aus Mühlenbcck herbeigenifene Arzt Dr. Bnchwald konstatitte, im Wasser von einem Herzschlage getroffen, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Sechzig Marken des Textilarbeiter-Verbnndes sind am Sonn- abend Abend von einem Verbandsmitgliede auf dem Wege von Ver- sammlungslokal in der Gegend des Königsthors verloren worden. Vielleicht veranlaßt diese Mittheilung den Finder, die für ihn Werth- losen Marken bei Lenz, Alte Jakobstr. 69, gegen Erstattung der Kosten abzuliefern. Auf eine cigenthümliche Weise wurde vorgestern Nachmittag der zweijährige Sohn deS am Kottbuserdamm wohnhaften Mechanikers Krause sehr schwer verletzt. Herr Krause besuchte mit seinem Kinde das in der Gräfestraße belegene Lokal von Vr., wo er mit mehreren Bekannten zusammentraf. Um sich die Zeit zu verkürzen, spielten die Herren Billard, während das Kind im Zimmer herumlief. Infolge eines ungeschickten Stoßes eines der Mitspielenden sprang ein Ball vom Billard herunter und fiel mit voller Wucht dem gerade vorübergehenden Kinde auf den Kopf, so daß das Kind augenblicklich bewußtlos znsamnicnbrach. Ein herbeigerufener Arzt konstatirte eine schwere Gehirnerschütterung und ordnete die sofortige Ucbcrführuug des Kindes nach dem Krankenhause am Urban au. Der frühere Kommandeur des Gardekorps, General v. Winter- f c I d t, ist in der Nacht zum Sonntag in Schrciberhau gestorben. Ein Stettbrief hinter dem Gemeindelehrcr und königlichen Domsänger Karl H a u p t st e i n von hier ist jetzt seitens der Staatsanwaltschaft am Landgericht I Hierselbst erlassen worden. dessen plötzliches Verschwinden, wie noch erinnerlich sein dürfte, vor einiger Zeit großes Aufsehen erregte, lebt in zweiter Ehe und ist Eigcnthümer'deS Grundstücks Ramlerstr. 2. Nach seiner Flucht stellte es sich heraus, daß er das Vertrauen und Ansehen, dessen er sich erfreute, und welches ihm infolge seines überaus ehrbaren Auftretens von allen Seiten entgegengebracht worden war, in der perfidesten Weise getäuscht hatte, was aus einer Anzahl gegen ihn zur Anzeige gelaugter Betrugssälle hervorgeht. Der italienische Vcrwandlungskünstler Lcopolda Frcgoli gicbt zur Zeit im Fricdrich-Wilhelmstädttschen Theater Proben seiner erstaunlichen 5kunftfettigkeit zum besten. Man darf diesen merk würdigen Mann nicht mit dem unter gleicher Bezeichnung in Spezia� litäten-Theatern auftretenden Artisten vergleichen; Fregoli's Virtuosen- thum steht in der That einzig da. Stimme und Maske wurden von dem vielseitigen Italiener mit einer unheimlich verblüffenden Geschwindigkeit gewechselt und die Zahl der von ihm dargestellten männlichen und weiblichen Rollen ist fast endlos. In der' Parodie einer italienischen Oper stellt er einen alten Säbelraßler, seine Tochter, deren Anbeter und einen Nebenbuhler dar und singt die Rollen als Baß, Sopran, Tenor und Bariton. Dann führt der Künstler eine eigene Dichtung komischen Inhalts auf. in der nicht weniger als fünfzig Personen auftreten, die alle von ihm allein gespielt werden. Von wirkungsvoller Komik war besonders die Darstellung verschiedener Arttsten, einer französischen Chansonnette, eines Zauberkünstlers und eines Hypnotiseurs. Der originelle Mann wird an den wenigen Abenden, wo er auftritt, einer zahlreichen Zuhörerschaft sicher sein. Theater. Das Deutsche Theater bringt als nächste Novität Mitte dieses Monats Rostand's„CrnanS von B e r g e r o c": diesein sollen zunächst Arthur SchnitzleLS Schauspiel„Das Vermächtnis!" und Gerhard Haupt»rann's neueste, soeben vollendete s ch l e s i s ch e Dialekt-Tragödie in fünf Atten folgen. Später schlichen stch Suder- mann's Märchen„Di e drei Reiherfedcrn" an, Georg Hirschfeld's dretaltigcs Berliner Lustspiel„Die P a u l t n e", ein orientalisches Vers- stück von Hugo v. Hofinniinöthal:„Die junge Frau", ein Ein- alter-Zyklus von Otto Erich Hartleben. Auch ein zweites Werl von Gerhard Hauptmann:„Das Hirtenlicd", sowie drei kürzere Stücke von Arthur Schnitzler ans dem sechzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert:„P a r a c e l s u s",„D er grüne Kakadu und„D i e Gefährtin" stehen noch auf dem Novitätenprogramm des Deutscheu Theaters", das außerdem eine Anzahl klassischer und nachklassischer Werke, zum theil aus Anlaß des mit Ende dieser Spielzeit erfolgenden AuS- scheidens von Josef Kainz wieder WS Repcrtoir aufzunehmen gedenkt, wie „Romeo und Julia",„Julius Cäsar",„Weh dem, der lügt",„Jüdin von Toledo". Von modenien Werken sind u. a.: Henrik Jbfen'S„Rosmcröholm" und Ludwig Fulda's„Verlorenes Paradies" zu neuer Einstudtrung in Aussicht genommen, und auch Henrik Jbsen'S jüngstes Werk, an dem ocr Dichter gegenwärtig arbeitet, wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte dieser Spielzeit zur Ausführung gelangen. Alle diese Werke werden auch den Abonnenten des Deutschen Theaters zugängig ge- macht werden, die am 8. September ihre erste Vorscellnng er- halten. Anmeldungen nimmt die Theaterkasse noch entgegen.— Die erste Volksvorstellung, die am 18. September im Thalia-Theatcr unter Regie von Julius Türk zur Aufführung kommen soll, bringt daS romantische Drama von Friedrich Halm„Der Sohn berWtldnitz". Den Jngomar spielt Herr Cäsar Beck vom Berliner Theater, tle Par thenia eine junge Künstlerin, Fräulein Waiden, die im letzten Winter im Stadttheater zu Görlitz großes Aufsehen erregte, die �.otna. Meta Bünger vom Deutschen Theater. Zur Aufführung sind in Aussicht gcnommcir:„Die Ahnfrau" von Grillparzer",„Die Blnthoctizeit" von Albert Lindner und„Die Braut von Messina". Im Schiller-Theater kommt Shakcspeare's„Hamlet" noch heute und morgen zur Aufführung. Von Donnerstag an beginnt wieder ein wechselnder Svielplan. Die erste Vorstellung des Schiller-Tbeaters im Theater des Westens wird Grillparzer's dramatisches Märchen„Der Traum ein Leben" sein mit Musik vom Hofrapellmcister Klccmaim.— Im Ostend-Karl Weiß-Theatcr geht morgen„Schluntz sei. Wwe." zum ersten Male in Szene. Dieser Vorstellung vorauf geht ein humoristischer Prolog, welcher vom Direktor Weiß versaßt und gesprochen wird. Die Vorstellung beginnt morgen ausnahmsiveise um 7»/, Uhr. Tolstoifeier. Wir werden um die Ausnahme des Folgenden ersucht: Am 9. September(28. August alten Stils) vollendet Leo T o l st o i sein 70. Lebensjahr. Die Unterzeichneten sind zur Veranstaltung einer volks- thümlichcn Feier zusammengetreten, die aus einer Festrede, Vorlesungen aus den erzählenden Werken Tolstoi's und Vorführung einzelner Szenen aus seinen Dramen bestehen soll. Um die Feier, die in dem großen Konzertsaale deS„Deutschen Hofs"(Lnckaucrstr. 15, ain Moritzplatz) statt- findet, für jedermann zugänglich zu machen, ist der Preis der Theilnehmer- karten auf 59 Pf. festgesetzt. Die Karten sind zu haben: im Berliner Preß- klub, Unter den Linden 33, in den Buchhandlungen von Hermann Lazarus, Friedrichstraße OK, I. M. Späth, Königstraßc(gegenüber dem Rathhaus), T. Trautwcin, Leipzigerstr. 8, serner für die Mitglieder der Gcsc>lsck?aft für Ethische Kultur, der Reuen Freien Volksbühne, des Vereins für Volks- Unterhaltung an den iiblichen VerkansSstellen. Das Komitee: Wilhelm Bolsche, Redakteur Gustav DahmS, Ludwig Fulda, Ludwig JacobowSki, Sanitätsrath Dr. Küster, Raphael Löwenseld, Gotthelf Rathanson, Otto Rcuiiiann-Hofer, Dr. R. Penzig. Rechtsanwalt Dr. W. Rothe, Prinz Emil zu Schönaich-Carolath, Sanitätsrath Dr. Schwerin, Otto Sommerstorf. Hermann Sudermann, Karl Vollrath, Bruno Wille. Fciicrbcricht. Sonntag früh 2 Uhr stand Greifswalder- st r a tz e 161 ein Karoussell in Flammen. Die herbeigerufene Wehr vermochte mir wenig zu retten. Ob Brandstiftung vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Mittags 11 Uhr brannten Neu städtische Kirch st'r. 1 Möbel und Betten in einer Wohnung. Aus gleichem Anlaß wurde die Wehr um 1 Uhr nach C a I v i n st r. 3 gerufen. L ü tz o w st r. 6 war um dieselbe Zeit in einem Fabrikraum ein kleines Schadenfeuer abzulöschen, das Tische und Schreibpulte zerstörte. Ein Rohr gab hier kurze Zeit Wasser.— L ü b b e n e r st r. 19 war nachmittags ein unbedeutender Zimmerbrand und M i t t e l st r. 12/13 ein Schorn- steinbrand zu beseitigen. Montag erfolgte eine einzige Alarmirnng und zwar nach Stettinerstr.'39, wo Möbel in einer Wohnung eingeäschert wurden.- Aus den Nachbarorte». Schniargcndorf.(Berichtigung.) Die Versammlung deS Arbeiter- Bildungsvereins findet heute Abend um 8 Uhr im „Wirthshau's Schmargendorf" statt und nicht, wie infolge eines Fehlers rn der Sonntagnummer zu lesen war, im „ S ch ü tz e n h a u s Schmargendorf". Letzteres gehört nach wie vor zu den gesperrten Lokalen. Indem wir diesen Jrrthum richtig stellen, ersuchen wir gleichzeitig die Parteigenossen, sich zahlreich in der Versammlung einzufinden. Der Vorstand. Baumschnlcnweg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß der Verein„Vorwärts" am Mittwoch, den 7. September, abends 8Vs Uhr, im Restaurant H. Speer seine Versammlung abhält. Genosse Dr. Weyl hält einen Bortrag über:„Hypnottsmus und Magnctis- mns". Zahlreicher Besuch ist erwünscht. Gäste sind willkommen. Redakteur vermißt. Vennißt wird seit Donnerstag voriger Woche der Redakteur der„Charlottenburger- und Moabiter-Nach- richten", der Nachfolger des wegen seiner'Preßprozesse bekannt und flüchtig gewordenen Redakteurs Knorr, Paul Klcemann. Der Ge- nannte ging am Donnerstag auS seiner in Moabit, Rathenowerstr. 59, gelegenen Wohnung fort, mit der Angabe, daß er sich zu dem Ver- leger nach Hermsdorf in M. begebe. Dort ist aber Kleemann bis jetzt nicht eingetroffen auch ist er in seine Wohnung nicht wieder zurückgekehrt. Das Verschwinden des Redakteurs ist um so uner- klärlicher, da nach keiner Richtung hin Veruntremmgen-c. vorliegen. Nach neuerer Meldung hat Redakteur Kleemann von Leipzig aus die Nachricht an seine Verwandten gelangen lassen, er wolle sich das Leben nehmen, da dasselbe für ihn keinen Werth mehr habe. Kl. bittet wegen dieses Schrittes um Verzeihung. Seine in Berlin lebende Mutter hat die Berliner Polizei von dem Vorhaben ihres Sohnes in Kenntniß gesetzt. Spandau. Am 2. September brachten wir eine Mitthcilung aus unserer Nachbarstadt, in welcher berichtet wurde:„Vor kurzem erklärte der Herr Obcrbürgenneistcr, als er von einem unserer Ge- nossen in der Stadtverwaltung darüber interpellirt wurde, weshalb die Arbeiten an der Kläranlage jetzt ruhten, und ob man dem Unter- nehmer aus Rücksicht auf die gegenwärtige Arbeitsruhe im Baugewerbe etwa Frist gegeben,„die Arbeiten drängten nicht so sehr". Hierauf bezugnehmend, ersucht uns Herr Oberbürgermeister Kölze um Aufnahme folgender Berichttgung:„Es ist unwahr, daß ich auf die Anfrage, weshalb die Arbeiten an der Kläranlage ruhten, erklärt habe:„Die Arbeiten drängten nicht so sehr". Vielleicht klärt sich bei Gelegenheit auf, was der Herr Oberbürgermeister dem Interpellanten geantwortet hat. Tic plötzliche Verabschiedung zweier Offiziere deS ersten Garderegiments in Potsdam, die kürzlich erfolgte, soll dem„Berl. Frcmdenblatt" zufolge mit einer Spiclangelcgcnheit im Zusammen- hange stehen. Ihren Abschied haben der Sekondelieutenant v. Götze, Sohn des kommandirenden Generals vom VIII. Armeekorps, und der Adjutant des 1. Gardesüsilier-Bataillons Edler v. d. Planitz genommen, längeren Urlaub hat der Erbprinz Alfred von Sachsen-Koburg, Premier- lieutcnant jenes Regiments, erhalten. Nach Meldung einer hiesigen Korrespondenz hat der Kommandeur Oberstlieutenant v. Plettenberg erfahren, daß während der Schießübung in Döberitz verschiedene Offiziere seines Regiments stark spielten. Er habe dem Kaiser Mit- thcilung gemacht.' Bald darauf sei die Verabschiedung zweier Offiziere erfolgt und bei der Parole verkündet:„Auf Befehl der Division wird Erbprinz von Sachsen- 5loburg- Gotha bis zum 30. September beurlaubt." Der Erbprinz ist mit seiner Mutter zum Besuch des Großfürsten Sergins von Rußland nach Moskau gereist. Nach seiner Rückkehr wird er angeblich Dienst im Leib- regimcnt zu Darmstadt thun. Verhaftungen von Eisenbahn-Bcamtcn. die im Verdacht des Diebstahls stehen, fanden gestern Vormittag und am Sonnabend auf der Station Grunewald statt. Auf dem dorttgen Güterbahnhof waren seit einiger Zeit beständig Entwendungen vorgekommen, ohne daß cS gelang, die Diebe zu ermitteln. Die Berliner Kriminal- Polizei hielt nun bei allen auf der Station Grunewald angestellten Bahnbeamtcn, deren Wohnungen sich zumeist im Grunewald, Schmargendorf, Halcnsee und Charlottenbnrg befinden, Haus- snchnngen ab, welche die Verhaftting von sechs Beamten zur Folge hatten. Bei dem Ranginneister T. fand die Polizei einen ganzen Sack voller Lebensmittel, über deren Herkunft seine Frau aussagte, daß T. den Sack auS dem Dienst mitgebracht hätte. T. wurde sofort verhaftet. Im Laufe des gestrigen Tages wurden»och fünf weitere Bahnbedienstcte fest- genommen, von denen sich jedoch nur noch zwei und zwar die Bahnarbeiter K. und Sch. aus Charlottenburg, welche des Dieb- stahls resp. der Beihilfe zum Diebstahl verdächtig sind, in Haft befinden.- Wittcrungsubersicht vom 5. September 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien La ü; 5 o£ S- 768® 771® 769 jR® 771 Still 772! SO 770 R Wetter I wolkig I /bedeckt 2>volkig - bedeckt 2ivolkenl Ihlb.bcd. ---- »!> S& H Stationen yaparanda Petersburg 14 15 14 Gott Abcrdeen Paris SS a» E 765 768 768 770 NRW SO S NO Wetter . US =-> We 4 wolkenl 4hciter Ihlb.bcd. llwolkenl Wetter- Prognose für Tieustag. den K. September 1898. Ziemlich trübe und nebelig bei schwachen nordwestlichen Winden wenig veränderter Temperatur; keine erheblichen Niederschläge. 18 21 18 und Briefkasten der Redaktion. Dir luristische SPrechstuildc findet Montag, Dienstag and Donnerstag von k bid 7 Ufjr abends statt. R. N. M. T. Diese Frage ist vor der Wahl im„Vorwärts' aus das eingehendste erörtert wordem Die Eintheiiung der Reichstags-Wahl- kreise ist durch Reichsgesetz geregelt, die Gemeinden können somit eigen- mächtig nichts ändern. Die ietzigs Abgrenzung der Wahlkreise Berlin IV und Ried erb amim entspricht dem Reichsgesetze. 1893 und bei früheren Wahlen waren die Kreise salsch abgegrenzt Die jetzige Aenderung bedeutete also die Herstellung des gesetzlichen Zustandes. Mischte. Der Bericht enthält nichts. waS nicht au» von anderen Untcrnehnierverbänden zu melden wäre Wir Härten einige Beschlüsse erwähnt, wenn nicht die Tagung des Kongresses nahezu ein Vierteljahr zurückläge. H. R. 43. Diese allgemein bekannte Sternwart« wird.Cid* ausgesprochen. wie es geschrieben ist. Genosse«. Ja.- W. F. 4. Gegen daS Arbeiten Ihre« Ober- miethers bis gegen II Uhr abends und gegen daS mit der Arbeit noth- wendig verbundene Geräusch können Sie nichts ausrichten, wohl aber mit einer Klage gegen den Miether aus Unterlasiung des mit der Arbeit nicht nothwendig verbundenen, absichtlich verursachten Lärms vorgehen. Die Klage wäre gegen den Miether zu richten. I'oelesa.iizvijsv. Hiermit die traurige Mittheilung. dag meine liebe Frau Xagcl geb. Eis am 3. September nach kurzen aber schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung stitdet am Mittwoch Nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle der Markusgemcinde in Wilhelmsberg aus statt. 81öb Der trauernde Gatte Evr-lliimml Xagcl._ Todesanieeige. Allen Kollegen hierdurch die traurige Nachricht, daß unser langjähriges Mit- glicd. der Bilderiahmenutachcr Heinrich Küttig, am'Sonnabend Vormittag 9 Uhr nach kurzem Krankenlager sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Dienstag Nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhojes(Hermann- straße) aus statt. Um rege Bethelligung ersucht 44/3 Der Vorstand vom Neuen Theater. 0. de Molte vom Hoftheater in Sondershausen. Regisseur Jos. Dill vom Ostend-Karl Weib-Theater u. a. Die Mitglieder werden ersucht, den Umtausch der Mitgliedskarten in den Zahlstellen umgehend vorzunehmen Mit Vorstellung und bei Oratislicfernng der Vereiusschrift betragt der monatliche Beitrag 75 Pf. NcU'Aufnahmen werden jederzeit durch die Zahlstellen vor- genommen. Einschreibegeld 50 Pf. Nur diejenigen neu aufgenommenen Mitglieder haben zur angezeigten Vorstellung Zutritt, die sich mindestens drei Tage vorher haben ausnehmen lassen. Zahlstellen siehe Säulenanschlag am Mittwoch. NB. Auf verschiedene Anfragen sei bemerkt, dah das Ostend-Karl Weih- Theater, seitdem es Herr Direktor Karl Weib übernommen, wesentliche Ver- besserungen erfahren hat. dab msbcsondere der Zuschauerraum neu renovirt und geschmackvoll ausgestattet worden ist. 159/15 _ Für den Vorstand: Adolt Löhr, Kasstrer, Ackerstr. 40. Oraiiieii-Hallen"WE Am Moritzplatz. Oranlenstr. 51. Am Moritzplatz. Inhaber: Hermann Scholze 56568* empfiehlt seine Säle den Vereinen zu Versammlungen und Festlichkeiten- Im unteren Lnul taglicti: Frei-BConzert> B. GUnzel, Lothrimjerstr. 52. Spezialität: Porträts sozialistischer Führer, Lafsalle, Marx rc. in Cigarrenspitze», Pfeifen, Nadein, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern n dgl., sowie jede Drechölerwaarc u. Repar.(Man Verl. Preis kurant.) Zähne 2 M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahnziehen I M. Plomben 1,50 M. Iheilzahl, wöchentl. I M. Sprechst. 9-0. Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. aa.* Wedding-Park M tiller Strasse 178. Sichtung: Achtung! Feldschlötzchen, Müllerstraste 112. s5730L* Jeden Mittwoch: Grosses Kinder- fest mit Verlovsung. er?___ Norddeutsche Sänger Bicgler, Woff, Hohenberg etc. Entree 20 Pf., Vorzugsbillets 15 Pf Cohn s IrftfülP, Benthstr. 19—22. Säle von 100—1000 Personen safsend, für Versammlungen u. Vergnügungen. September noch zwei Sonnabende frei. Oktober einige Sonntage. Zum Ausschank gelangt Schultheis« Märze» und Bersaudt. 575SL* Altes Schützenhaus Linienstr. 5[748B* empfiehlt seine..neuen Säle. FBopa- Säle 1000 Pcrs. fast. Elektr. Beleuchtung. Besitzer: Bernd. Nleit, Weberstr. 17. SrnnittenieSSinÄr?-' Bnss' Ball-Salon, Gr. Fraukfiirterstr. 85. empfiehlt seine Säle zu Versamm- lungcn und Vergiiügungen. DV" Oktober und November sind noch einige Sonnabende frei. Aebtnng! Aclitung! Empfehle allen Kollegen u. Genossen mein Restaurant 5862L* inr Mainzerstr 21(nahe d. Franks Allee). Zahlstelle des Metallarbeiter- und Buchbinder-Verbandes W. Hansen. MeMlirbeiter-Mse', Robert Drescher, Linienstr. 218, am Schöuh. Thor. empfiehlt sein Weiss- nnd Hairiseli- Bierlokal nebst schönem Vereinsziminer.* Derlm. Ressource 57 Homniandantenstr. 57. Sonntag, S. Oktober, u. Sonnabend, 15. Oktbr. frei geworden. Teleph. Amt IV 9675,(822b Kranzblnderci a. Blnmen- handlung von 6045C* Itoliert Meyer, No.2. Mariannenstr. No. 2. Widinnngs-Kränze, Gnirlanden. Ball- sträubchen. Bouquels rc. werden sehr geschmackvoll und Preiswerth geliefert Fahrräder! nur erstklassig, verkauft zu äuberst niedrigen Preisen(5581L* l'r. Stange, Oppelnerslr.7 1. Eine goldene Brosche(Hufeisen mit Reitgerte) von der Brunnenstrabe bis Chanssecstrabe u. MüNerstrafic ver- loren gegangen. Gegen Belohnung von 25 M. abzugeben bei E b e r t, Swiuemünderstr. 31.(819b Ein alt. Beutelportemonnate mit ca. 30 M. Jnh. ist Sonnab. Ab verl. Abzug, bei Hönisch. Stargardter- ftrahe 13, v. l. 800b Manrern u. Zlnin»erern erth. Unterricht im Zeichnen. Rechnen, stat. Berechnungen ec.(auch Abends) Architekt Karl König, Rlxdorl, 5872C* Ringbahnstr. 34, t_ Möbel Theilö-Hlung xiavivfvra, Kellerniann, . Neue Jakobstr. 26. Mühlenstraste 8. a. b. Ober- banmbriicke. 5 Min. von Station Warfchanerstrasse. sind v 1. Ok- tober frdl. Hofrvahnungen d 1 ii, 2 Stuben nebst allem Zu- behör v. 72—94 Thaler zu ocr- miethen. 5881L* Näheres daselbst beim Verwalter. Arbeitsmarkt. Aljtmill, holzürbtiter! I» der Möbelfabrik von Felder& Plathcn, KSnigsbergerstr. 26—27 u. 28— 29, habe» 91 Tischler wege» Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist bis zur Regelung der Allgelegenheit fernzuhalten. 107/1 Die Ortöverwaltuug. Lebensversicherung. Geeignete Perjoncil zur Aeguisition von kleinen und grosse» Lebens versicheruilge» für eine durchaus solide und konkurrenzfähige Ver- sicheruugsbank finden jederzeit An- stellnng gegen hohe Provifion und cv Wochen- oder Monats-Fixuin. Nur respektable Bewerber wollen sich melden unter..0. 290" an Max Gcrstmann's Niinoueen-Bür., Berlin W. 9.[127/17» Arbeiter auf Gaslyren und Kronen und zum Monliren von Gashähncn gesucht. Nur gul eingeübt- wollen sich melden. 104/5» Milte& Renimler, Lampensabrik Frankfurt a, M. Celneutenre gut eingearbeitete Leute auf Monier- arbeiten(Kreuzkappen) können sich sofort für gröbere und dauernde Arbeit in Posen brn uns melden. 5871L' Otto Schwirtz& Co« Jnowrazlaw. Arbeitöbiirschen verlangt Louis Michaelis, Knopssabr., Mohrenstr. 40. Schneider-Lehrling verl. Genosse Sikorski, Berlin. Neue Robstr. 9. Tüchtige Farbiginacherin w. verl. Kottbnser Damm 100_[8168 Steiuinett-Lehrliug verlangt ___ Wiese. Müllerstr. 137. Gelhslljrssiik-Trtsorbssss! Für eine gr. Fabrik(Ausland) wird gesucht ein 104/0 tiichtlgtr Mtrhmeister, der die Fabrik selbständig leiten kann. Eifer und Pünktlichkeit, iowic Kenntnist aller Neuerungen im Tresorbau rc. I — Sprach enkenntnih nicht Bedingung. Ia. Referenzen, dauernde Stellnng bei gutem Gehalt Offerten mit Angaben von Gehalt. Alter, verheirathct rc. unter H. M, 503 an Haasensteln ,V Vogler, Aktien• tSescll- schart. Berlin SW. 10. 50 Mamsells aus leichte Jaauets, 1,50 bis 1,75 M. Arbeitslohn, ausser dem Hause, verl. feottlieb, Prinz Engensir. 20. Beriilberer aus Leisten verlangt Richard Schulss j»».. Rixdorf, Sclchvivstr. 4. Fahrgeld vergütigt. Arbeiterinnen auf wattirte Räder verl Möglich, Falckensteinstr. 42 III. Zigarrenmacher- Lehrlinge verlangt Paul Fühl. Pankow. Berlinerstr. 29. Zigarren- Sortirer verlangt Paul Fühl, Pankow, Berlinerstr 29.[3098 Einen wirkl. tüchtigen Farbigmacher, aber nur solchen, ans dauernde Be- schäftigung Verl. Wrangelstr. 56.[8088 2 tüchtige Hammeearbeiter nach ausserhalb per sofort, Loh» 36—42 M., b. tüchtiger Leistung entsprechend mehr, Arbeitsnachweis deutscher tfiold-». Stlberarbeiter, 72/7 Holzmarktstr. 8._ Stuckateur. Ein tüchtiger Werkstaltarbeiter (Former u. Giesser) sowie ein tüchtiger Ansetzer können Arbeit l» Kvpen- Hägen finden. Tagelohn für Werkstatt 4,50-5.50 M.. auf Bau 6-7 M.. hier indcss meistens Akkord. Arbeitszeit zehn Stunden Schristliche Hinwendnugen an Delorationsbildhauer Hans Chr. Borg. Gothersgade LI. Kopen- h a gen._ ö'JlSL* �Jugendliche u. ältere Arbeite» rinnen verlangen Babr. Siemens«.Ca, Charlotteubnrg, Salz-Ufer 2. 775» Geübte Einleister n. Ausputzer suchl Filzschuhfabrit Markuöstr. 50 780l A. Jandorf& Co. SW. Belle- Allianoe-Strs 12. Ansnalime- Preise. Speiseteller weiss... siaci 5 Pi. Desertteller we;3S.... 4 P/. Näpfe Satz I StQck.... 28 Pf. Näpfe Salz 6 stock.... 53 Pf. Torralslonnen S?""«.a 42 Pf, Steingrut Speiseleller 8 Pt Dessertteller bia» zwiebei. 7 Pf. Compotteller... 6Pf. Suppenterrine 5 pe«. stck. 1,25 ffik. C. Spittelmarkt 1Ö|1T- Dienstag, Mittwoch, Donnerstag in den bedeutend rergrösserlcn Abteilungen kg» Glas, Porzellan u. Wirtschaftsartikel Hellblaue Emaille Brotplatten mobne9!";'.�1 sick. 16 Pf. Waschgarnitaren Vogelmusler 4 Theile Sciiilssol cn. 32 cm, 1,00 m. Blumenmuster Scbflssel 38 cm. 2,90 Jt ForselLlan Tassen weiss.. stck. Z Pf. und 7 Pf. Tassen Golddekor.... Stck. 14 PL TaSSen Bluraendekor». Stck. 23 Pf. Kaffeebecher bi-m z wiebei, 8. 9, 10 PL Bntierflose...... stck. 35 PL Kaffeeservice 8 Tei!�t Pest0cnk: 2,00 1k. 5 Teile. 2 Person., bunt Kaffeeservice 5 Tc� Peiä0cnk: 1,45 Mk. Kuchenteller bunt... st-k. 8 PL Leuchter Goiddekor.... Sick. 18 Pf. Schmuckschalen bunt. stck. 5 PL Durchmesser ca. 12 Ii Schmortopfe okne Rand— Schmortöpfe mit Rand—— KaSSerOllen ohne Rand Kasserollen mit Rand 20 30 Wasserkessel Ohne Absatz—— Wasserkessel mit Absatz—— 10 ctm. II clm. Schaumlöffel 20 PL 25 PL 9 ctm. 10 clm. Schöpflöffel 18 PL 25 PL 10 35 52 52 35 18 48 65 65 20 55 70 70 - 95 - 1.10 22 70 85 85 1.10 1.15 24 clm. 85 PL 95 PL 95 PL - Pf. 1.30 1.35 3 Teile 1.45 ik. Waschgarnitur Kehrschaufel«°!» 40 PL Sick, Salatschüsseln Zuckerschale mit Fuss Salzfässer doppelt.. Likörgläser..;; Wassergläser;:; 16 ctm. 19 ctm. 12, Siek. 15 Pf. 9 Pf. 4 PI. 4 PL 5 PL Bierbecher Wasserbecher Likörschalen Käseglocken 18 PL 17 Pf. 12 Pf. 45 PL Wirtschaftsartikel Katf6ebr6tt mit bunter Einlage 41X48 clm. ohne Griff gemessen..;.. 95 PI. Kaff66br6tt feiu graviert, ca. 31X47 ctm............... 45 Pf. Theeslebe suk. 4 PL,° stck. 20 PL Küchenmesser suk. 4 PL estcu. 20 Pf. TheelöffePSi Pf,« stck. 20 PL Salznäpfchen stck. 8 Pf. 2 stck, 15 Pf. Esslölfel B�r Stck 9 PL 6 Stck. 50 Pf. Brotkorb mit Fuss und Griffen 35 Pf. FmChtSChale mit Stark vermckeltem Messingfuss und blauer Glasschale 1,25 fif. Tafelaufsatz blaue Schale und Vase 1,90 hl. EristaU-Welngarnitaren mit Blumenscblifi Rotweifi|iäser35Pf. WaissrnngläserSäPf. ChampagnepjläsrtPf. Eiicheubretter 13 X 20 8 Pf. 21 X 33 30 Pf. 29 X 44 40 Pf. 14 X 28 10 Pf. 22 X 35 35 Pf. 32 X 48 50 Pf. 16 X 29 13 Pf. 23 X 37 28 Pf. 35 X 50 «5 Pf, 19 X 31 10 Pf. 27 X 40 30 Pf. 40 X 56 80 Pf. A.Jfui(Iorft&€o.,NW.lSelle-Alliaiice8tr.l-2. C. 8p 1 1 tel m arkt 16 1 17. ftiie de» Inhalt der Inserate übernininit die Redaktion dem Publik«»« gegenüber keinerlei _ Bernntivortnng._ D i e» st a g, d e 11 6. S e p t b r.: Opernhaus. DerBabier von Sevilla. Phantasten im Bremer Raths- keller. Anfang?>/- Uhr. Gchanspielhans. Donna Diana. Anfang 7Vz Uhr. Deutsches. Johanna. Ans. 7«/, Uhr. Lessing. König Heinrich V. Anfang 7'/. Uhr. Berliner. König Heinrich. Anfang 7«/, Uhr. Neues. Tartüffe. Anfang 7«/, Uhr. Metropol. Das Paradies der Frauen. Anfang 7V, Uhr. Schiller. Hamlet. Anfang 8 Uhr. Ventral. Die Geisha. Ans. 7V, Uhr. Belle- Alliance. Ueber Land und Meer. Anfang 8 Uhr. Ostend. Sie ist mahnsinnig. Der Geigemnacher von Tremona. An- fang 8 Uhr. Luisen. Seine Puppe. Hieraus: Entdeckt. Anfang 8 Uhr. Friedrich> WilhclmstndtischcS. Leopoldi Fregoli(Vcrwandlungs- ktinstler). Die Sünde. Eldorado. Anfang 8 Uhr. Slleranderplah. Demi- Monde. Anfang 8 Uhr. Nrania. Dnubenstrasie 48— �S. Raturrunbliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt 50 Pf. AbendS 8 Uhr: Wiffenfchaftliches Theater. Jnbalidenstrafie Ii?/«». Täglich abends von 5—10 Uhr: Stern- warte, Operntelephon. Apollo. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 7r/z Uhr. Rcichshallen. Spezialitäten- Vor- stcllnng. Anfang 7 Uhr. Pasjage- Panopliknui. Spcziali- _ täten-Vorstellung. SMttDtllter (Wnllner- Theater). Dienstag: Hamlet. Mittwoch: H a in l e t. Donnerstag: D e r G e i z i g e. WMttl Weiß-Theater. Gr. Frankfurterftr. IZL. Sie ist wahnsinnig. Schauspiel in 2 Akten von Melleville. Der Geigenmacher von Crcmona. —Drama in 1 Akt von Copxoe.— VV Anfang 8 Uhr."WWZ Vorzugs-Billets haben Giltigkcit. Morgen, zum l. Male: Scbluntz sei. WlUwe. Gesangsbnrlcske von Haneld. Bearbeitet von I. Dill, Mustk von G. Steffens. Vorher: Humoristischer Prolog, verfagt und gesprochen vom Direktor — Carl Weiß.— Metropol- Theater. Behrenstr. 55—57. Direktor: Rieb. Schultz. Theater- Telephon Amt I. Nr. 378. Kasse-Telephon Amt I. 2120. Novität. Zun: 4. Male: Novität. Das Paradies der Frauen. Gr. Ausstattungspoffe mit Gesang u. Tanz in 0 Bildern nach Blum u. Tochv's „Madame Satan" von Jul. Freund, Musik von Jul. Einödshoser u. Bertr. Sänger. In Szene gesetzt vom Dir. Richard Schultz. Der choreographische Theil v. Balletmeistcr Louis Gundlach. Im 2. Bilde: Ballet u. Die Mode» deS Jahrhunderts.(00 Damen.) Im 6. Bilde: Eba's Vermächtnis?, großes Balletbild mit Apotheose (30 Damen). Preise der Plätze: Orchesterfanteuil 4,50 M., Parketfnuteuil 3 M.. Parket 2 M., Promenotre 1,50 M. Von 9 Uhr ab 1 M. Anfang der Vorstellung V«8 Uhr. Ende 11 Uhr. Morgen und folgende Tage: Das Paradies der Frauen. Restaurants unter Leitung des Hoflieferanten L. Schaurtö. Konzert der Tscherkessen- Kapelle Petrow. Knisen- Theater 34. Rcichcnbergerstrasje 34. Abends 8 Uhr: Seine Puppe. BolkSstiick in 3 Akten nach dem Franzöflfchen v. Max Schönau. Musik von Fritz Krause. Hierauf: Auftreten des ersten, deutschen Verwandlungsschauspielers 4. Ingeloli ln&?•'• Entdeckt! (4 Personen, dargestellt v. 4. Angelotl.) Zum Schlüsse: Sinfonla Cosmopollta, musikalischer Scherz von A. Angelotl. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Frater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Sctalos« Trancnsteln. Melodram attsch es Märchen mit Gesang und Tanz in 4 Abthcil. von Hugo Schulz. Musik von A. Kersten. Klown Tantl mit seinen dressirten Hunden. The 3 Forleys, chinesische Excentrics. Gebr. Milardo, Grotesque- Duettisten. Elly Viola, Kostümsoubr. Jan and Jim, Knockebouts. Morleys, Fata Morgan». Ballet, Konzert und Ball. Ansang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf., num. Pl�M�Pf. . t»' Urania Tanbenstr. 48/40. Täglich: Vom Matterhorn z. Jungfrau. Invalldenstr. 6716%: Sternwarte. täglich 5— 10 Uhr. Passage-Panoplicum. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Im Theatersaal von 6 Uhr ab: Theätre- Vari6te. Ohne Extra-Entree, Auftreten der Hellseher Geschwister Schäfer zum ersten Mal In Deutschland und des ges. Künstler- personals. Castan's Panopticnm. ,, Slajor Graf NfiU II Walsin- Esterhazy. Neu!! Lebende Bilder dargestellt von 6 Jungen schönen Damen. CrnlvÄl Theeikev Direktion: J. Ferenczy. Dir G ei s h« oder: Eine japanische Theehaus- Geschichte. Operette in 3 Aufzügen v. Owen Hall. Musik von Sidnep Jones. Deutsch von C. M. Röhr und Julius Freund. In Szene gesetzt von I. Ferenczy. Dirig. Hr. Kapellmstr. C. Goldmann. Kasseii-Eröffinnig 0«/., Ansang 7i/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Die Geisha. AlioIIo-Iliealei'. FrlcdricIiMtr. 118. Otto Reutter Csnsuelo Tortajada Les Minslrels Parisieus und 15 hervorragende Dehuts. Kasseneröffnung O'/jUhr, Anfang der VorstelTnng 7l/s Ohr. Actlcu- Brauerei Friedriciishain früher Lips. 9tm Königsthor. Dienstag, 6. September: Eröffnungs-Yorsteliung. Berliner Sänger- und Theater- Ensemble Tyll Eulenspiegel. Direktion: Oskar Klein und Gustav Obery. Prolog. Fest- Vorstellung. Bunter Theil. Süttmrtt* 10 Damen, 12 Herren, XjllUlUls großes Orchester. Beg. d. Konzerts 7-/2, der Borst. 8 Uhr. llieservirt 75, Saal 50, Borverk. 40 Pf. Konckrtlmus l.ci|>Blecreitr.ATo.48 NW Täglich:-&Q lioffmann's Quartett und Humoristen. Anfang 8 Uhr, Sonnt. 7 Uhr. Entree 30 Pf., 50 Ps., 1 M. Besenislen im Bivait. Aus zritilkreillj ini'iil Alcazar- Theater Dresdenerstr.SS/SS.CIty-Passage. Direktion: Richard Winkler. Novität! Täglich: Novität! Die Kiebitze. Große AuSflattnngSposse mit Gesang und Tanz. Xciik Nenl Ken! Meta's Pnlolmiig. Schwank in 1 Akt. Gcsammtauftreten des durchweg »euengagirten Künstler- und Spezialitäten-Personals. Atlstlllt»' Wochcnt. 7-/, Uhr. AUIling. Sonntags 8 Uhr. llntree 30 Pf. Bes. Platz 50 Pf. W. Noack's Theater II r n n n c n■ 8 t r n« a e 10, Täglich: Theater- u.Tpezialitäten- Vorstellung. Eine Stiittde Kaiser von Oesterreich. Historisches Lustspiel m 1 Akt von Oppenheim. Liesecke m Jtiilien. Komisches Singspiel in 2 Bildern von Fritz Waldau._ «W Im Saal: Hall."MC ArbeitsattzögeBr«nne�5is. Vieloria- Brauerei. Lützow- Strasse 111/118 Letzte Woche!! SteMtt Miiger iMeysel. Pielro, Britton, Stcidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder). Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 11. September: Akselileils.SioIi'Se. VW Sonnabend, 17. Sept.: Erste Soiree m den Reichshalien. (Im groben Theatersaal.) Humoristisch- orchestraler Er- öffnungs-Feftprolog v. Meysel. Bor der Soiree: Gr. Konzert. Anfang der Soiree präzise 8 Uhr. Kassenöffnung 8 Uhr. Entree(Saal durchweg) SV Pf., Vorverk. 40 Pf., Num. Balkon 75 Pf., Balkon- Logen 1 M., Orchester-Logen 1 M. 50 Pf., Fremden-Logen 2 M. Die Kasse ist vom Sonntag, 11. Sep- tcmber an in den Reichshallen täglich von 11—1 Uhr geöffnet. Reiotistiallen-Restaurant (vom 17. Septbr. an): Jeden Abend: Großes Konzert des 24 Mann starkeil Reichshallen- Orchesters mit seinem populär- amüsanten Repertoire.(Kapell- meister Mar S ch m i d t). Jeden Mittag: Vii'ossai.tlKei. lllttaipstlseli. Während des Diners: Tafel- Musik des ge- sammten Belchshallen-Orchesters. Restaurations-Ches: Felix Mllller. Küchen-Chef: Fritz Schalliö. Mähr's Theater Ken! Oranienstr. 24. Ken! Wille als Wi oder: Die Entführung nach Kiautschou. Große Ausstattungspoffe. Auftrete» sämmtl. Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Preise wie bekannt. Bons haben Giltigkeit. Volks- Theater in» Welt-Restaurant DreSdener-Straße S7. Täglich: Tlieateiv und Spezialitäten- Vorstellnng: Neul Kovltät! Neu! Mnfov Funge. Posse mit Gesang v. E. Braune. Wuttltttl' Wochentags 8 Uhr. AltsUlig. Sonntags 8 Uhr. ß,,!»««. Wochentags 20 Pfennig. üllllu. Sonntags 40 Pfennig. Die Direktion: Aug. Kollg. s Feen-Palast- Theater Burgstr. 23. Burgstr. 23. Direktion: Winkler und Frfibel. Wiederliolnng der Gr.Fest-Vorstellnng im neu renovirten Biesen- Idealer. Auftreten des neu eugagirten ISpezinlitäteii- und Schauspiel-Personals. Gr. erfolgreiches Programm. Ken!

C DW Xe,,! Stürmischer Betfall. 's ist unheimlich! Original-Burleske mit Gesang. Hauptrollen: R. Winkler u. Wilh. Fröbel. Ans. 7Vj Uhr, Sonnt. 6 Uhr. Entree 50 Pfg. Billet-Vorverkaus vormittags _ von 11-1 Uhr. I I Max Idiem's Sommer- Theater, Hasenhaide 14/15.— Artistischer Leiicr: Panl-Hilbltz. Täglich: Theuler- und Spenulitiilen-Norsteiluug Neues Programm: IVleneelee'« Zwerg- Theater. Anelewell, Froschmensch. Itenodettl, Imitator. Kdlev von Metz, Transformationskünstler. Itcrtolettt, Jongleuse. Max ftrabow, Komiker. lilnu Rottl, Chansonnetie.„1>rs Tänbcheu von Quedlin- burg", Volksstück mit Gesang. In de» Festsälen: Grosser Ball."MW D i e Kaffeküche ist geöffnet. Max Kllcni. 24 Stunden lennen. Rennbahn Halensee. Preise 20000 Warb. Beginnt am Mittwoch, den 7. Septhr., abend« 8 Uhr. Schluss am Donnerstag, 8. September, abend» 8 Uhr. B i 1 1 e t s vorher: bei Herrn 0. Wendt, Leipzigerstr. 112 und M im Depeschensaal des Berl. Lokal-Anz.. Unter deiy, Linden 3. AüSSTEIiI-DNß am KÜRFÜRSTENDAMM. MM" Nur noch kurze Zeit!-MW HÄcrs IMDIEN. Heute, Dienstag:, den 6. September, 8V2 Uhr (in der Biesen-Arena): Zweiter grosser Ringkampf zwischen dem Mlinhnnl Vlion vom Hofe des Fürsten Indler IlllldUUÜI Mloll von Beludschlstan und dem Berliner P�Ul JSII�OWSki, preisgekr. Ringkämpfer. _ Dauer des Ringkampfes 15 Minuten. Donnerstag, 8. September: 3. Ringkampf.< Entree 50 Pf, Kinder unter 10 Jahren die Kältte. Achtung! Achtung! Tiischiitr«. Köfferarlieiter! Dienstag, den K. September, abends 8V- Uhr, bei Hroehnou-, Scbastianstraste 3il: Oeffentliche Versammlung. Tages-Qrdnung: 1. Der Streik bei der Firma A. u. C. S ch m i d t. 2. Verschiedenes. Kollegen, beweist durch zahlreiches Erscheinen, daß wir gewillt sind, den streikenden Kollegen zum Siege zu verhelfen!_ 813b Posamentiner! Mittwoch. den 7. September d. I., abends präzise 8>/, Uhr, bei Husiehlnx, Neue Rosistr. 3: Oelfentticlie Versn m in 1 un g. T a g e S- O r d n u n g: 1. Vortrag deS Kollegen Alb. Reich elt aus Burgstädt(Sachsen). 2. Abrechnung vom Reservefonds. 3. Die Agitation in Annaberg und Buch- holz. Referent A l b. R e i ch c l t. 4. Mißstände in unserer Branche. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird gebeten._ 153/3 Arbeiter- Bildungsverein Wilmersdorf. Mittwoch, den 7. Scptemb., bei IHlnxonbors, Berlinerstr. 40: TageS VersKMtNlttng ordnung: 1. Vortrag des Genossen DriBi orchardt über: Materialistische Geschichtsauffassung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 113/3 Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Achtung! Achtung! Uolks Uersamminnfl Mittwoch, den 7. September, abends 0 Uhr. im„Coucerthans Sanssouci", Kottbuserstraste 4». Tages- Ordnung: 1. Soziale Genoffenschaft und Rabatt-Sparverein Südost. Referent: Herr Rechtsanwalt Steinschneider. 2. Diskussion. Die Mitglieder des Rabaii-Sparvereins Südost sind hierdurch ein- geladen. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 1812b Der Einberufer: Wilhelm Elcke, Riidersdorserstr. 35. SoziuldemohraMer Mahlverein für den 4. Berl. Reichstags-Maljlhreis Ken). Versammlung am Dienstag, 6. September, abends 8 Uhr, in Kellor's Festsälen, Koppenstr. 30. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Dr. med. Weyl: Das Naturheilversahren gegenüber der medizinischen Behandlung. 2. Diskussion." 243/7 3. Verschiedenes. DW Die Versammlung wird präzise eröffnet."VE Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Korntand. SozialdemohrMcher MaHlverem für den 6. Berliner Reichstags-WaHlhreis. Dienstag, den«. September, abends 8� Uhr: Vensammlung in Dahse's Lokal, Brnnnenftraße 152. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskusston. 3. Verewsangelegenheiten. Der Torstand. Rege Betheiligung der Mitglieder ist Pflicht. Gäste haben Zutritt."MG D. O. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, beu 7. September, abends 8 Uhr: VttttalitnsviäMler-VeOmmluiigtN. moahit: im Lokale Thurmstrasie 84. Wediiing lind Gtsunddruimtiu im Lokale des Herrn Baab«(Kolberger Salon), Kolbergerstr. 83. Rosentdnln n»d Zchönhansn Vorstadt: Schwcdterstraste 23 bei Wernan. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Werkstatt-Angelegenhciten. 3. Verschiedenes.__ r r Hierzu sind die Kollegen der Werkstatt von Kusfin, Wollinerstraße, und Finke, Schwedterstraße, eingeladen. Osten und Nordosten: bei Mann, Straustbergerstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Obmänner. 2. Werkstatt- Angelegenheiten. 3. Wie stellen wir uns zu den Hirsch-Duncker'schen Gewerk- vereinen? 4. Verschiedenes. 107/4 Kollegen, jede Werkstatt muß vertteten sein. Zjidosten: bei Rantenberg, Oranienstr. 180. Tages-Ordnung: 1. Werkstatt-Angelegenheiten. 2. Die Agitation in den Werkstätten. 3. Verschiedenes.„ Wohnung des Obmannes Wrangelstr. 23 II. Eingeladen ist die Werk- statt von Schulz, Reichenbergerstr. 57. §ndrn: bei Ilrl«{f«r, Wasserthorstrasie 08. Tages-Ordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Bericht der Werkstatt-Konkollkommisston. 3. Verschiedenes. i Zu dieser Versammlung find die Kollegen folgender Werkstatten em- geladen: Gebrüder Brandt, Dieffenbachstr. 38; Bauer, Schönleinstt. 23; Bab, Gitschinerstr. 75; Noster. Alte Jakobftr. 132; Schönig. Adalbert- straße 30. Das Erscheinen sämmtlicher Kollegen ist nothwendig. Mesten n. Südwesten: �«11. Lindenstr. 10«. Folgende Werkstätten sind hierzu eingeladen: Cieset U.Komp., Stein- metzstraße 25; Schirmer. Stcinmetzstr. 23; Knarr. Blumenthalstr. 5; Gebr. Faul, Hagelobcrgerstr. 4; Dunsky,»ornstr. 11; Grün u. Hett- wig, Fürbringerstr. 0; Blasch, Barutherstr. 15. Modell- und Fabrik-Tischler im„Vorstädtischeu Kasino-', Ackerftr. 144. Mufikinstrunlenten-Arbeiter im Lokale des Herrn LInboll, Lindeuftrafte Nr. IvS. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Branchen- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes.— Beiträge werden entgegengenommen.— Verbands- Mitglieder haben Zutritt. VtttramgMMr-VersßMlwM kt Drechsler. Korden: Ackerstrabe 144 bei Hoppe. Outen und KordoHtcn: Koppenstraße bei Mühle. Die Kollegen von Schüler, Friedrichsbergerstr. 11 und von Müller, Memclcrstr. 40, sind ganz besonders hierzu eingeladen. Südosten nnd Südwesten! Oranienstr. 184 bei Mebner. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Parkettboden leger. Im Lokale des Herrn Llnbell, Liiidcustraffc IVB. Kommissions- und Vertrauensmänner-Sitzung. Wegen Erledigung wichtiger Verbands-Angelegenheiten ist das Er- scheine» aller Vertrauensmänner nothwendig. Sonnabend, den L4. September 1808: 6. Stiftullgs-Fest Iii Kellers Festsiileii, Koppenstrajze 29. Krasses Renzert! Grosser Ball! Instrumentalgolo und Clcsanpsnolo von Künstlern ersten Ranges. WST Fest-Zeitung."WG Anfang 8V<»Hr.— Eutrec: Herren 50 Pf., Taiue» 30 Pf. Tanz frei! Avis I Die Kollegen werden gebeten, sich rechtzeitig mit Btllets zu verschen, an der Kasse werden keine verkaust. Dieselben sind aus allen Zahl- stellen und auf dem Bureau, Annenstr. 30, zu haben. Dkütschtt MrtaMlWtr-Vkrliiniii. _ Vcrw altnnssstelle Berlin. SSP Bezirks- Versammlung 5S für Elzorloklrttbttrg am Mittwoch, de» 7. September, abcndS 8>/? Uhr, im Lokale vo« Lehdcr, BiSmarckftrastc 74. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Bezirksleitung. L. Verbandsangelegenheiten und Ver- schiedenes. 113/11 Die Kollegen und Kolleginnen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Au: 25. September findet ein Herbst-Vergnügen statt. Die BilletS hierzu gelangen in der Versammlung zur Ausgabe. Die Ortsverwaltung. Verantwortlicher Redakteur: Hugo Poehsch in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. "A Dr. 208. i5. mm. 3. KilU iltg Amillts" Ktrlilltr MlkstlM. 1. S's'mtn 18S8. III>'�I � 1>I I.>! I IUI II I> I I'""-■.■■■ i|...n�TTT.............. III M i Ii■■III1P I................... TW................................................................................... Die KrcislittsllWsNg fiir Nitiler-Vül'iliül tagte am Soimtag in Rummelsbnrg. Abrechnung und Bericht über die Reichstagswahl erstattete Genosse Kopp namens des Wahl- komitees. Er führte aus: Der Umstand, das; wir bei dieser Wahl schon in der Hauptwahl gesiegt haben und zwar aus eigener Kraft und mit den durch den Kreis selbst aufgebrachten Mitteln, dürfe die Genossen nicht in Sicherheit wiegen und sie nicht veranlassen, in der Agitation und Organisation nachlässig zu sein. Die Einnahmen des Wahlkonütec's betrugen o734,9ö M., die Ausgaben 4490,30 M. Von dem Uebcrschusz, der 1244,05 M. beträgt, sind dem Wahlkreise Osthavelland für die Stichwahl 200,40 M. zu- gewendet worden. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassirer entlastet. Zum folgenden Punkt der Tagesordnung: Brandenburger Provinzialkonferenz. brachte Gerstenberger den Antrag ein, welcher fiir den Vertreter des Kreises in der Agitationskommission für Brandenburg Stimmbcrcchtigung verlangt. Ein von Stadt- Hagen und Kopp gestellter Antrag ersucht die Delegirten zur Provinzialkonferenz. dafür einzutreten, daß im Interesse der Land- agitation eine monatlich einmal erscheinende Zeitung nach Art des „Wähler", der während der Wahlbewcgung erschien, herausgegeben werde. Beide Anträge wurden, nachdem die Antragsteller und andere Redner dafür gesprochen hatten, angenommen. Zur Provinzialkonferenz wurde K r a us e- Pankow, Kopp- Friednchsbcrg und P a s e w a l d t- Weitzensee delegirt. Hierauf wird in die Diskussion über die Betheiligung an den Landtagswahlcn eingetreten, über die wir unter der betreffenden Rubrik berichten. Zum folgenden Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zum Stuttgarter Parteitag, führte Stadthagen hinsichtlich des Referats über die Zoll- und Wirthschaftspolitik aus: Wir würden uns wohl soweit für den Freihandel erklären müssen, als durch Schutzzölle die Interessen der Arbeiter geschädigt werden. Zu einer Stellungnahme für unbedingten Frei- Handel würden wir ivohl nicht kommen können. Eine andere Frage taktischer Nattir scheine ihm von wesentlicher Bedeutung zu sein. Verschiedene Vorgänge der letzten Zeit beweisen, daß die Unternehmer sich zusammenthun, um gegen die Rechte der Arbeiter in einer Weise vorzugehen, die, wenn sie von Arbeitern gegen Unter- nehmer beliebt würde, uitter dem Gesichtspunkt der Erpressung vor den Strafrichtergezogenwürde.AuchunsereSlellunggegeniiberausländischen Arbeitern lasse eine Aussprache wünschenswcrth erscheinen. Redner beantragt:«Der Parteitag wolle den Punkt auf die Tagesordnung setzen: Welche Forderungen sind an die Gesetzgebung auf dem Ge- biete des Arbeitsvertrages zu stellen?" Nachdem mehrere Redner diesen Antrag befürwortet hatten, wurde derselbe angenommen. Gleichfalls angenommen wurde folgender von Stadthagen eingebrachter Antrag: „Der Parteitag möge, falls er zu den Landtagswahlen erneut Stellung nehmen sollte, beschließen: 1. Der Parteitag hält für die in diesem Jahre vorzunehmenden Wahlen zum preußischen Landtag folgende Beschlüsse aufrecht: ») Den wiederholt auf Parteitagen gefaßten: „Der Parteitag empfiehlt den Parteigenossen, überall da, wo Erfolge, und seien dieselben auch nur propagandistischer Art, in Aussicht stehen, in die Wahlagitatton einzutreten." De» wiederholt, zuletzt auf dem Kölner und dem Hamburger Parteitag dahin gefaßten: „Die Genossen haben keinerlei Kompromiffe mit bürger lichen Parteien einzugehen." 2. Ferner erläutert der Parteitag den zu Hamburg gefaßten Beschluß dahin: Ob und inwieweit Erfolge aus der Wahl- agitation zu erwarten sind, und deshalb in die Wahlagitation einzutreten ist, entscheiden die einzelnen ReichstagS-Wahlkreise. Ein auS der Mitte der Versammlung gestellter Antrag: Den .Vorwärts" zu verbilligen, und ein anderer: Den Parteitag zwischen Weihnachten und Neujahr stattfinden zu lassen, wurden nach kurzer Debatte angenommen. Als Delegirte zum Parteitag wurden Gerstenberger- Weißcnsee und Puck-Stralau gewählt, und H o ffm a n n-Pankow als Ersatzmann bestimmt. Mt einem Hoch auf die Sozialdemokratie fand die Versammlung ihren Abschluß. b) Pstlzislhtr Parteitag. Frankenthal, 4. September. Zum neunten Male versammelten sich heute die Vertreter der pfälzischen Sozialdemokratie. Anwesend waren 90 Delegirte aus 01 Orten, ferner 3 Vertreter des pfälzischen Agitattonskomitee's, der Verleger der„Pfälzischen Post" und deren Redakteur Hönisch als Vertreter der„Mannheimer Volksstimme" Genosse Dreesbach und Redakteur I ä ck h, sowie in Verttettmg der badischcn Landes- organisatton Genoffe W i t t i g. Dem Parteitage voran ging eine Berathung am Sonnabend und der Besuch einer hiesigen Schnell- Pressen-Fnbrik am Sonntag früh. Die Leitmw des Parteitages wurde in die Hände des Reichstags- Abgeordneten Ehrhart- LÜdwigshgfen gelegt. Mit warmen Worten gedachte dieser des Hinscheidens unseres unvergeßlichen Grillen d e r g e r. Zum ehrenden Andenken an den�Verschiedenen erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Die Tagesordnung begann mit dem Bericht deS Agi tationskomitees. Berichterstatter H u b e r gab einen Ueber- blick über die Thättgkeit bei der Nachwahl in Hombnrg-Knscl und bei der allgemeinen Wahl, über die abgehaltenen Sitznngen und Versammlungen, über den zum theil recht bedeutenden Sttmmen zuwachs und die dadurch erreichten Erfolge und zuletzt noch über die Puntte finanzieller Natur. Der zweite Punkt bettaf die O r g a n i s a t i o n. Da daS ver- änderte bayerische Vercinsgesetz ein Jnverbindungttcten der politischen Vereine gestattet, waren verschiedene auf die Gründung einer Zentralorganisatton hinzielende Anttäge eingebracht worden. Angenommen wurde eine Resolution des pfälzischen ÄgitationS komitees. wonach Bayern in drei vollkommen selbstständige Agitations bezirke sdaruntcr einen für die Pfalz) eingetheilt, das Schwergewicht der Agitation jedoch auf die Wahlkreis-Organisationen gelegt und ein fester Beitrag erhoben werden soll. Die endgilttge Beschluß- fassung über die Neu-Organisation wurde aber aufgeschoben, bis der demnächst in Würzburg zusammenttetende bayerische Parteitag Stellung hierzu genommen hat. Den größten Theil der Verhandlungen nahm der Punkt Presse in Anspruch. Obgleich dieser Punkt schon auf allen Parteitagen Stoff zu lebhaften Debatten und zum theil recht sonderbaren Anträgen gegeben hat, sah man diesmal den Bcrathungen doch mit sehr ge- spanntem Interesse entgegen. Die hinterpfälzischen Genossen— Kaiserslautern und Pirmasens— hatten Anträge gestellt. die die Errichtung einer eigenen pfälzischen Druckerei und die Herstellung von Kopfblättern für die Orte, � wo bei der letzten Reichstagswahl über 1000 Stimmen für den sozial- demokrattschen Kandidaten abgegeben wurden, bezweckten. Im Falle der Ablebnung wollen die Genossen im 0. pfälzischen Wablkreise ein eigenes Blatt mit dem Sitze in Kaiserslautern gründen. Im Monat Juli stand aber Kaiserslautern nur mit 198, Pinnasens nur mit 248 Abonnenten des pfälzischen Partei-Organs zu Buche. Den Bericht über die Presse gab der Vertreter der„Pfälzischen Post", Genosse W e n z e l. Danach haben sich die auf dem vor- jährigen Parteitage an das Unteniehmen geknüpften Hoffnungen er- füllt, sodaß am Schluß des Geschäftsjahres von einem günstigen Resultat gesprochen werden kann._ Der derzeitige Leiter des Mannheimer Partei- Organs, Genosse Dreesbach, wandte sich dann, gestützt auf ein reiches Zahlenmaterial, gegen die von den hinterpfälzischen Genossen beabsichtigte Druckerei- Gründung. Nach langer, zum theil sehr heftiger Debatte wurde eine Resolution des Agitati'onskomitces angenoinmen, wonach den Wünschen der Genossen von Kaiserslautern und Pinnasens soweit als möglich entgegengekommen werden soll, dagegen die Herstellung von Kopf- blättern und die Errichtung einer eigenen Druckerei abgelehnt wird. Die Besprechung des nächsten Punktes, die bayerischen Landtags- wählen betreffend, wurde wegen der vorgeschrittenen Zeit vertagt. Zum Schluß wurde noch eine Resolution der Frankenthaler Ge- nossen einstimmig angenommen, inhalts welcher gegen die in Italien über unsere Gesinnungsgenossen gefällten Klassennrthcile Protest ein- gelegt und den dortigen Genossen ihre Sympathie ausgesprochen wird. Der nächste Parteitag wird in Kirchheimbolanden ab- gehalten._ X». VerlÄ m mln»igen. Die in den Betrieben der Allgciiicincn ElektrizitätS- Gesellschaft beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielten am Sonntag eine Versammlung im Fcenpalnst ab, die von etwa 3000 Personen besucht war. Auf der Tagesordnung stand die Bericht- erstattung der in der vorigen Versammlung gewählten Zwölfer- Kommission über das Resultat ihrer Thätigkcit. Bekanntlich plant die Allgemeine Elcktrizitäts-Gesellschaft die Errichtung einer Fabrik- Betriebskasse, sie hat aber die bctheiligten Arbeiter und Arbeiterinnen weder zur Mitberathung deS Kassenstatuts hinzugezogen, noch den- selben genügende Gelegenheit gegeben, das Statut zu studiren und sich mit den einzelnen Paragraphen zu befassen, sondern einfach die Anerkennung desselben nach einer fünftägigen Bedenkzeit gefordert. So weit nun von den Arbeitern das von der Direktton ausgearbeitete Statut geprüft werden konnte, stellte sich heraus, daß dasselbe eine Reihe von Be- stiminungen enthielt, wodurch die Errichtting der Betriebskasse für die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht nur keinen Vortheil bot, sondern gegenüber den gegenwärtigen Verhältnissen eine erhebliche Benach- theiligung bedeutet.— Der Berichterstatter der Kommission S tr üpp, der einleitend die bereits in der vorigen Versammlung gemachten Einwendungen gegen diese Bettiebskasse nochmals rekapirulirte, kriti- sirte im Anschluß hieran die Schreibweise einiger bürgerlichen Blätter, die über den Verlauf der vorigen Versammlung in außerordentlich tendenziöser Weise berichteten und schon von einem durch sozial- demokratische Agitatoren angezettelten allgemeinen Streik faselten. Ans den weiteren Ausführungen des Referenten ivar zu entnehmen, daß die Direktion zunächst die Bedenkzeit um acht Tage verlängert hat und die aus drei Mitgliedern bestehende Subkommission von den Verttetern der Direktton auch empfangen wurde. Die Folge hiervon war, daß bereits am verflossenen Dienstag eine gemeinsame, mehrere Stunden währende Sitzung der Zwölferkommission mit dem Rechtsbeirath der Gesell- schast und einigen anderen Verttetern der Direktion stattgefunden hat. Leider verliefen die Verhandlungen im allgemeinen so ziem- lich resultatlos. Seitens der Kommission wurde ein den Wünschen der Arbeiter und Arbeiterinnen mehr entsprechender Statntcnentwurf ausgearbeitet, in welchem insbesondere gegenüber dem Statut der Gesellschaft eine Erhöhung des Krankengeldes und des Sterbegeldes vorgesehen ist und in dem geeignete Bestimmungen bezüglich der Beittagsleistung, der Zusammensetzung der Kassenverwaltnng und der Aerztc- Anstellung enthalten sind. Außerdem sind in diesem Entwurf Abänderungen in bezug auf die Karenzzeit, die Doppelversicherung und andere Bestimmungen vorgenommen worden. Die Vertreter der Direktton erkannten wohl einige Punkte dieses Entwurfs als berechttgt an, hielten sich aber nicht für autorisirt, die geforderten Abänderungen vorzunehmen, und gaben der Kam- Mission anhcim, dieselben in der Generalversammlung der zu er- richtenden Betriebskasse zu beschließen. In der Diskussion wurde das Statut der Direktion für unannehmbar erklärt. Schließlich gelangte eine von Litfin gestellte Resolutton, nachdem derselbe aufgefordert hatte, alles zu versuchen, um auf gütlichem Wege eine Verständigung mit der Direltton herbeizuführen, einstimnng zur Annahme. Nach dieser Resolutton erklärte sich die Versammlung mit der Thättgkeit der Kommission in jeder Beziehung einverstanden und verbleibt die- selbe in ihren Funkttonen bis zu"der Generalversammlung. Außer den sonstigen Obliegenheiten sott die Konimission insbesondere noch- mals versuchen, Verhandlungen mit der Direktion anzuknüpfen und ihr alle die von den Arbeitern vorgebrachten Bedenken unterbreiten��. Die Maurer der zentralen Richtung hatten zum FrMUj" vier Versammlungen mit der gleichen Tagesordnung in Berlin, Charlottcnburg, Rixdorf und Wilmersdorf einberufen. Die Berliner Versammlung, die in der Tonhalle tagte und sehr stark besucht war, beschloß zunächst ohne Diskussion und einstimmig, dem Strclkfonds der Maurer Deutschlands 2000 M. zu überweisen. Hierauf hielt Reichstags-Abgeordncter Fr. Z u b e einen Vortrag, in welchem er die Zerfahrenheit in den Reihen der Arbeiter und die Streitigkeiten über die Organisationsform be- mängelte und auf die daraus resultirenden Nachtheile für die Arbeiter hinwies. Nur die außergewöhnlichen und insbesondere die polittschen Verhältnisse in der Zeit des Sozialistengesetzes berechtigten die örtlichen Organisationen. Zweifellos haben diese Orgamsattonen zur Zeit angesichts der Thatsache, daß sie einem losen, unorganisirten Unternehmerthum gegenüber standen, auch Siege errungen und Er- folge in den Lohnkämpfcn zu verzeichnen. Mit der Zeit hat sich daS Bild jedoch völlig verändert, die Zustände sind gänzlich andere ge worden, indem die Arbeiter es nicht mehr mit dem einzelnen Unter nehmer, sondern mit einem koalirtcn Unternchmerthnm zu thun haben, dem außerdem noch die größinioglichstc Unterstützung seitens der Behörden zu theil wird. Es dürfte nicht mehr allzu lange dauern, so werden die einzelnen Branchen überhaupt nicht mehr in der Lage sein, gegen das geschlossene Unternchmerthum mit Erfolg anzukämpfen und Lohnkömpfe siegreich durchzuführen. Der Redner erinnert an den Verband der Industriellen, der sich des besonderen Wohlwollens der Regierung erfreut und dem bisher schon die kapitalkräfttgsten Unternehmer angehören und der über ganz Deutschland verbreitet ist. Nach den bisherigen Resultaten dieser Organisatton steht zu erwarten, daß dieselbe auch die gesammlen kleineren Unternehmer unter ihre Fitttche nimmt und das Problem, die gegenseitige Versicherung bei Streiks, verwirklicht wird. Er erinnert an die verschiedenen Kämpfe in der letzten Zeit, unter anderen an den Ausstand der Hafenarbeiter, die trotz der groß- arttgen Begeisterung für die Sache und ihrer anerkennensiverthen Haltung den vereinigten Unternehmern doch nicht gewachsen waren. Es kommt noch hinzu, daß seit der Bielefelder Rede, die ihre Wirkung nicht verfehlt hat, das nach Z 152 der Gewerbe- Ordnung zweifellos zulässige Postenstehen der Streikenden, um die Kollegen von den Verhältnissen der betreffenden Arbeitsstelle zu unterrichten, immer mehr verhindert wird. Vielfach schreitet die Behörde ein, um die„Arbeitswilligen zu schützen", kaum daß die Streikenden die Arbeits- stelle verlassen haben und noch bevor der Unternehmer die Unterstützung der Behörde verlangt hat. Es ist deshalb um so mehr nothwendig, daß die Berufskollegen in der Provinz organisirt werden und unter diesen eine rege Agitation entfaltet wird, um bei diesen ebenfalls das Solidaritätsgefühl zu wecken, da es ohnedem auch in Berlin nicht mehr möglich ist, die Kämpfe mit Erfolg zu führen. Jedoch werden Fachvcreine, lokale Organisationen in den Provinzialstädten, denen die am Ort ansässigen 30, 50 und mehr Berufskollegen an- gehören, allein, ohne die Berufskollegen der anderen Orte hinter sich zu haben, dem koalirten Unternehmerthum nicht entgegen trete» können. Der Redner erörtert sodann die Nothwendigkeit und die Bedeutung der Gewerffchaftsbewcgung im allgemeinen und schließt eine Ausführungen mit einem wärmen Appell an die Versammelten, die Zersplitterung der Organisation zu beseitigen und einmüthig für den Zentralverband einzutteten, der angesichts der Verhältnisse gegenwärttg die geeigneteste Organisationsform darstellt. Eine Diskussion über das mit stürmischem Beifall aufgenommene Referat wurde nicht beliebt. Eine längere Debatte zeittgte die von uns bereits veröffentlichte und auch von den Bauarbeitern in ihrer letzten Versammlung angenommene Resolutton, in der genaue Be- stimmungen über das gemeinsame Vorgehen bei Arbeitsniederlegungen der Maurer oder der Bauarbeiter festgelegt sind. Schließlich ge- langte die Resolution mit allen gegen 5 Sttmmen zur Annahme. Zum Schluß wurde noch über die Mißstände von einigen Bauten berichtet. In der Charlottenburger Versammlung referirte Genosse Metzner über„Den Kampf um die wirthschastliche Existenz". Die treffenden Ausführungen des Redners, der insbesondere die gegenwärtigen wirthschaftlichen Zustände einer herben Kritik unterzog und auf die Nothwendigkeit einer einheitlichen und straffen Organi- satton hinwies, wurden' mrt lebhaftem Beifall entgegen genommen. Die oben erwähnte Resolution gelangte einstimmig zur Annahme. Ebenfalls erklärt sich die Versammlung mit der llcberweisung der 2000 Mark an den Streikfonds der Maurer. Deutschlands ein- verstanden. Die Rixdorfcr Versammlung, die in den„Viktoria-Salen" tagte und sehr stark besucht war. beschloß nach einem sehr beifällig auf- genommenen Vortrag des Genossen Kiesel gleichfalls einstimmig die m der Resolution festgelegten Abmachungen mit den Bauarbeitern anzuerkennen. Die Ueberweisung der angeführten Summe an den Streikfonds der Maurer Deutschlands wurde ebenfalls von der Ver- sammlung gutgeheißen. In Wilniersdorf referirte Maurer Busch, wober er auch das Verhalten der Polizei bei den Ausständen und Bausperren sehr zutreffend kritisirte. Gegen die Fassung eines Punktes in der Rcso- lution wurden Bedenken erhoben, dieselbe aber nach einer kurzen Diskussion ohne Abänderung von der Versammlung angenommen. Mit der Abführung der Summe an den Streikfonds erklärte sich die Versammlung ebenfalls einverstanden. In Spandau beschäftigte sich am Freitag eine von etwa vier- hundert Personen besuchte Versammlung mit der Aussperrung der Maurer und Zimmerer daselbst und die von den dortigen städtischen Behörden hierzu eingenommene Haltung. Genoffe S ch r ö e r hielt das Referat und kritisirte hierbei recht scharf die Stellungnahme der Behörde sowie die höchst volksfeindliche Mache der bürgerlichen Presse am Orte. In der Diskussion machte Ri e g er mehrere recht be- zeichnende Mittheilungcn über das Verhalten der Polizei. Die übrigen Diskussionsredner H ä r t m a n n, Sch o l z und L emm e sprachen sich gleichfalls hierzu abfällig aus und nahmen besonders die ört- lichen Zeitungen gebührend mit. Schließlich wurde einstimmig folgende von R i e g e r gestellte Resolution angenommen: „Die Versammlung drückt den von den Unternehmern in Spandau ausgesperrten Maurern und Zimmerern ihre vollste Sympathie aus und vcrurtheilt aufs schärfste das bnitale, aller Menschenrechte Hohn- sprechende Vorgehen der Spandauer Bauunternehmer; die Ver- sammelten sind entschieden der Meinung, daß die aus- gesperrten Arbeiter bisher alles gethan haben, eine Beilegung des gegenwärtigen Stteites im Wege friedlicher Unterhandlung mit den Arbeitgebern herbeizuführen, und daß den Spandauer Bau- Unter- nehmern, welche bisher stets hartnäckig die ihnen von den Arbeitern dargebotene Hand zurückgewiesen haben, allein die ganze Schuld an dem im Spandauer Baugewerbe entfachten, in unsere wirthschaft- lichen Verhältnisse so tief einschneidenden Kampf beizumessen ist. In Erwägung, daß nur durch ein mündliches Unterhandeln zwischen beiden Parteien eine gütliche, beide Theile zufriedenstellende Verein- barung herbeigeführt werden kann, ersucht die heutige Versammlung die ausgesperrten Maurer und Zimmerer, unverzüglich die Ver- Mittelung des EinigungsamteS bei dem Spandauer Gewerbegericht anzurufen. Die versammelten Spandauer Steuerzahler drücken ferner den städtischen Behörden zu Spandau ihr Mißfallen für da? Eintteten für die Bauunternehmer zu Ungunsten der Arbeiter ans und sind der Meinung, daß eine auf Unparteilich« keit Anspruch erhebende Behörde unter allen Umständen die selbst- verständliche Pflicht hat. jedem wirthschaftlichen Kampf neutral gegenüberzustehen und keine der kämpfenden Parteien weder direkt noch indirekt zu Ungunsten der Gegenpartei zu unterstützen.� Schließlich erklärt die heutige Versammlung: Es ist die Pflicht eines jeden Arbeiters, fortan die ausgesprochen arbeiterfeindlichen Zeitungen, ganz besonders das„Spandauer Tageblatt" und en„Anzeiger für das Havelland" durch sein Abonnement nicht noch weiter zu unterstützen, sondern unverzüglich das Erforderliche zu veranlassen. Es ist allein durch Halten von Arbeiterzeitungen möglich, für die Förderung der Aufklärung unter den Arbeitern zu sorgen." Vcrichtigung. In dem Versammlungsbericht vom zweiten Wahlkreis in Nr.' 204 des„Vorwärts" heißt es, Dr. Nrons führte auS: In einer Versammlung am 2. August habe der Vertrauens- mann Werner gesagt, Woldersky sei schon von Köln her als gciverbs- mäßiger Verleumder und Diktator bekannt, ferner hätte ich in Privattm von einer Unterschlagung gesprochen. Das giebt den Anschein, als hätte ich thatsächlich diesen Aus- druck gebraucht. Demgegenüber mutz ich erklären, daß ich in der V ersammlung am 30. August mich ganz entschieden dagegen verwahrte, solche Acußerung gethan zu haben. sWas aber auS dem Bericht nicht zu entnehmen ist.) Wohl habe ich gesagt. Wo Iber Ski ist be- kaimt als gewerbsmäßiger Nörgler, die Kölner Genossen seien ftoh, daß sie ihn los sind, und glaubten, daß er in Verlin kalt gestellt sei. Auch ist es unrichtig, daß ich den Genossen W o l d e r s k i in einer Privatunterredung der Unterschlagung bezichttgt habe. Meine Erklärung in der Versammlung ging dahin, daß ich nicht wider besseres Wissen den Genossen W o l d e r s k i beleidigt habe, weil meine Jnformatton von Leuten herrührte, zu denen ich volles Vertrauen hatte. H. Werner. Verein selbständiger Fensterputzer. Heute, Dienstag, den K. Sept., abends 8 Uhr, Alte Jakobstr. S4/5b, bei Mehrwald: Sitzung. Briefkasten der Redaktion. Dienstag und Die juristische Sprechstunde findet Montag, Donnerstag von k bis 7 Uhr abends statt. W. B. 1. Beleidigungen verjähren nicht in drei Monaten, sondern in siins Jahren, durch die Presse begangene Beleidigungen in sechs Monaten. Unabhängig von dieser Verjährung ist das Erfordernis! rechtzeitiger Stellung des Strafantrages. Der Strafantrag muh innerhalb drei Monaten gestellt werden, nachdem der Beleidigte von der Beleidigung und der Person des Thäters Kenntnib erlangt hat. 2. Ja, es sei denn, daß sechs Monate lang wegen der Beleidigung richtcrlicherseits keine Schritte unternommen sind.— H. S. Jawohl.— H. Dr.. Käthen. Briefliche Auskunft erthcilen wir nicht. Ein Zwang, die Konzession zu ertheilen, liegt nicht vor. Kommen Sie um die Konzesston ein.— Weuster Schwelm. Briefliche Antwort ertheilen wir nicht. 1. und 3. An die Staatsanwaltschaft beim Land- gerlcht Berlin I, Alt-Moabit 11/12. 2. In fünf Jahren.~ M. 21. Ja. — S. 1. Ja, falls das Kind später als 9 Monate nach Eheschliesmng geboren ist. 2. Ja, falls nach Aufhebung der ersten Ehe das Eheversprechcu gerichtlich oder notariell abgegeben war oder wenn die Ehe mit Zustiinniung der Eltern oder Bormünder geschlossen oder in den Fällen, in denen es solcher Zustimmung nicht bedarf, die Verlobung ausdrücklich bekannt gemacht oder in Gegenwart von Bekannten oder Verwandten geschlossen oder erklärt ist.- Zwang III. 1. Ja. 2. Nein.- M. M.«8. Gewiss ist der Juwelier Ihnen voll schadensersatzpflichiig. Sie müssen aber beweisen, dag Sie den Ring von dem Juwelier Haben.— Dh. 75. 1. Nein. 2. und 3. Sprechen Sie in der Sprechstunde vor oder legen Sie den Sachverhalt genauer dar, weil so nicht ersichtlich ist, ob Ihnen ein Recht auf Ver- Weigerung der Aussage zusteht.- H. L. 204. Das Mädchen würde vnr vollendetem einundzwanzigsten Lebensjahre mit ihrer Klage nicht durcu- dringen.— Schwiegcriiuitter. Unfreundliches Benehmen der Schwicger- mutter ist in keinem Lande sttafbar. Umgekehrt bildet in den allem auf der Familie beruhenden Staaten, wie China, beleidigendes Benehmen gegenüber den Schwiegereltern einen Ehescheidimgsgrund. Liegt denn wirklich die Schuld nur aus Seiten der Schwiegermutter? Import. Export. Oi|prr@Bi Engros. Versand. vis zahlreichen Nachbestolltmgen, die uns fortgesetzt aus dem Leserkreise dieser Zeitung| ' zugehen, beweisen uns, dass unsere Bestrebungen, für mUsttlgo Preise gute Qualitäten j | zu liefern, volle Anerkennung gefunden haben, wir empfehlen heute als besonders beliebt: 100 Stück Mk. 2,50. Flor de Lopez 100 Stück Mk. 3.75. -■ n-' kp n 1 M I i r# LI sl B a»' i--... ms* r'•- •" v- Goldonkel No. 4.,. Achtung präsentlrt.. Concordia(Bock-Fafon) Marke Suprema... Mk.«,S0 . S,90 n 3.30 „ 3,50 Marke Manilla I... dieselbe, 300 St. franko Caslno No. 19.... dieselbe, 300 St. franko Mk. 3,50 Tabaksplant.. 1.. Mk. 4,50 „ lO,— Mexlkanos.....„ 5,— „ 4,— Perla de St. Fell*,.„ 5,50 „ 11,— Irene, felnblumlg...„ 6,— Denjenigen Eauchern, die keinerlei Werth auf«las Aenssere einer Cigarre legen, sondern lediglich am Qualität sehen, empfohlen wir unsere nachstehenden Äusschuss�Sorten, welche es. SO% billiger als die rein sortirten Farben sind: Ausschuss No. 13... Mk. 2,50 I Sumatrs-Fellx, unsortirt Mk. 4,50( Havana-Ausschuss 1, Mk. 5,60 Ausschus« 81...,„ 3,80 1 Ausschuss HIB....„ 5,—| Mexlco-Havana....„ 6,— *«• o ws-S 1 1 a ca zu Mk. 1,50 per 100 Stück, hiervon 500 Stück Mk. 7,— franko: KKK V» ,erner 100 Stück zu Mk. S,-, 2,50, 3,30, 4,50. HW?" Ansflihrllclie Preisliste versenden wir auf'Wunsch. Versand nicht unter 100 Stück von einer Sorte gegen Nachnahme, von 300 Stück an portofrei. Bei 1000 Stück 5% Babatt. Wicht Zusagendes nehmen wir auf unsere Kosten snrttck. S 4». sa V* 4* 4 t rs vi ZU 70 Pf., Mk. 1,—, 1,20, 1.50, 2—, 2,40, 3— per 100 Stück. w? 4 4 U? K». mit oder ohne Mundstück, von 1000 Stück an franko. Für Wiederverliänfer bewährte Qualitäten zu Mk. 28,—, 25—, 28,—, 30,—, 33,—, 35,—, 40,— etc. perMIIIe. Rauscher& Fabisch, Fabrik-Laser Berlin Friedriebslrasse 94, Hof Portal 3, gegenüber Gentrai Hotel. � ngestchts bei Hohen Fleischpretse bürste es für Viele Hausfrauen von LYK Wichtigkeit fein, von einem wohlfeilen, dabei schmackhaften und die Fleischkost vollständig erfetzenden Nahrungsmittel zu erfahren. Es 31 ist der..Panfisch", aus frischen Seesischen mit Schmalz und Gewürz, mittels Spezialmaschinen hergestellt von der Dampsftscherei- Gesellschaft .Nordfee",(Nordenham a. d. Weser) und erhältlich tn deren hiesigen Filiale: 'Bahnhof Börse. Bogen 9-1«.„Panfisch", vollständig fertig zum sofortigen Gebranch, ermöglicht die Zubereitung eines frugalen Mittags- mahles(als„Klopfe",„falscher Hasenbraten"�-e.) innerhalb weniger Minuten. Der Preis beträgt 40— 50 Pf. pro Pfund.__ MWWNMNttll-MMmg von Julius Luder er Klingenthal, Kirchstrahe Nr. 103 empfiehlt alle Sorten von Mnsikinstruinenten. Spezialität: Mund-«. Ziehharb«onikas, Zithern, Geigen«. f. w. sowie alle Bestandtheile zu Instrumenten wie: Saiten. Bogen«. s.»v. Lieferung mir gegen Nachnahme. Alle Parteigenossen werden ganz besonders auf dieses Angebot aufmerksam gemacht, da Inhaber durch Maßregelung für Wahl- thätigleit gezwungen wurde, sich lelbsiändig zu uiacheu. sS300L» Jeiltsch. Psrter Dessert- n.Malzkraftbierl.Nang. Brauerei Biirghalter, Potsdam. gegr. 1736, bes. f. Blutarme, Brustkranke. Bleichst, Woch»., Nekonv.zc.d. leicht beköniinl., nahrh. iräftigste Bier.— Jstvliitbild.,deSH. tess. Gesichtsf. n. Gewichtsziinahm. tiberr. 14 Flasch. drei, 50 zcbn M. exkl. In Geb.(V«, '/«.'/.«)». Selbst- abz. weseutl. bist. Allein. Bcrsandtst. f. Berlin n.Prov. Porierkcllerei Ii i u g I e r, Berlin. Brun- nenfirasie 152. NichiFlaschenzahl —Qual, entscheid. Wichtig fmBrautitUte! dll> HUei Spiegel. Polster- wawt-*, lunnrcn verkaufe wegen Erfparniß der Ladenmicthe de- deniend billiger. Eiq. Wcrkstelle i. Hause. MOV, 3, Tischl-rm-ister. Jnvaliden-Strafie 13. Oir@ct von Aachen!! bekannt billigen Preisen etc. in unübertrofTi fener Aus- ]M 29/13 j der ersten Tuchfabrikstadt Deutschlands, versenden wir zu beriihnite prämilrtc Aachener irtTlInan Psiloftlfc | und andere erstklassige Stoffe zu ÄlüUyv.i, iMiClulä wahL (Auch moderne, elegante JDamentuche.) {Tsd sende Empfelilniigeii ca. 30000 Kunden WS„ unsere hervorragende Leistungsfähigkeit. Muster v.Elnfachsten bis Hochfeinsten fraueo an Jedermann. unsere berühmte Spezialität(für über 100 000 Mk. versandt), echtfarbig, reinwollig, modern, schwarz, blau, braun, 3 Steter zmn gediegenen Anzng 12 Mit. Monopol-Cheviot Wilkes& Cie., Tuch-Industrie, Aachen Nr. 78. Wilh. Jmrock, Tischlermeister, Möbal-Fabrill bürgerlicher Wohnungs-Einrichtungen g. H ,1"»1 l» H TJ-WT ta 77 llta fnAnk Ctuocca 77 nahe der Neuen Boss- u.' Grösste Auswahl von Möbeln, Spiegeln und Polsterwaaren in gediegener und geschmack- M9M\a Mm. I J S. Xw L?,,|| AIIC JalUU-iSlI Adac 11, Dresdener Strasse. voller Ausführung zu billigsten Preisen.— Gegründet 1869. s5920L* Specialität: Wohnungs-Einrichtuncien zu Mark 300— 346— 448— 711— 1290— 3000. ECHTE Aner-CHflhkörper liefern wir, allseitigen Wünschen nachkommend, von nun ab für1 alle ilr>e erarte Deutsche Gasglühlicht Aktiengesellschaft BERLIN C.v Mollcenmarkt 5- B922L* Achtang Elektrotechnik". Durch bedeutende Erweiterung der Anstaltsräume ist unterfertigte Direktion in der Lage, um den viele« Nachfragen entgegenznkommen. dieses Jahr noch einen letzten Abendkursus für Praktiker, wobei Bor- kenntnisse nicht nöthig sind, einzurichten. Beginn am 1. Oktober 18»«. Dauer 6 Monate, monatlich 6 M. Erstes und einziges Jiistitiit, welches im stände ist, in der verhältnisimäbia kurzen Zeit Herren aller Branchen für den grossen znknnsfsreichcu Berus der Elektrotechnik voll und ganz auszubilden, um nach Absowimiig der Ansialt in gut dottrte Stellungen zn kommen. Professor Dr. Krebs schreibt: Die Lehranstalt„Klektru", Berlin, Prin- zeustrafie 55. ist ein hervorragendes Institut, wo jeder Flcistige eine gute Zukunft findet. Für die bedeutenden Erfolge, welche in der Anstalt erzielt werden, spricht die hohe Zahl der Absolventen. Es wird besonderer Werth darauf gelegt, die Herren durch Demonftra- tixrnS- und Exverimental-Borträge nach einem der PrazfiS an- gepafiten Sustem zn unterrichten. Dir Anstalt befitzt über 4VV. einzig für Lehrzwecke gebaute, neueste Apparate, Maschinen und Lampensystemc, sowie alle zu» Elektrotechnik erforderlichen Hilfsmittel. Akkumulatoren, Modelle:c. 58938» Herren, welche gesonnen sind, dem Abendkursus(wöchentlich zweimal abends von 3—10 Uhr) beizutreten, wollen ihre Anmeldung baldigst bewirken. Mao verlange Prospekte. Geöffnet bis Abends 10 Uhr. Sonntags bis Mittags 12 Uhr. vis Direktion der„Elektra" Oberiugcnicur Ej tlng und Ingenieur Frank. Lehranstalt und Lehrwerkstätten für Elektrotechnik. Fabrik elektrotechnischer, physikalischer und chemischer Apparate, Hilfs- und Bersuchöstation sowie Modell> Bananstalt für Erfinder. Vielfttek prämlirt und mit Sledalllen ausgezeichnet. Technisches Bureau: Prinzenstrasse 55. Auf die Experimental-Borträge über Elekttotechntk zc., welche in den Wintermonaten in dem 600 Personen fassenden Saal abgehalten werden, wird noch besonders ausmcrksam gemacht. Absolventen, deren Angehörige und Interessenten erhalten Eintrittskarten von der Direktion. Für Reichhaltigkeit und Abwechselung der vielen, in den letzten Jahren in den meisten Städten abgehaltenen Botträge spttcht die einstiminig befriedigende Anerkennung der Presse. Nächster Bortrag: Donnerstag, den 8. September 1898. Die Vorträge, deren soheres Interesse der Wissenschast obwaltet, sind von der Königlichen fiegiemng genehmigt. Mr Wriken, MWitu, Kalltillkn k. liefere ich: 592 IL» 40/2 Fl.Epport-Weivbier f.M. 3,- ohne Wasscrzusatz. 50 Fl. Echt Grätzer Exportbicr für M. 5,—, 40 Flaschen helles Lagerbier für M. 3,—, (von welcher Brauerei gewünscht wird). W Abrechnung kann wöchentlich erfolgen. W WM- Eis umsonst.'VS A. Seldler, Berliner Export-Weistbier-Brauerei. ScbOneberg-Beriln W., Sedanstrasse TSo. 82. Erste grosse Berliner FischkostkaUe. Dienstag, de« 6. September eröffne ich ISSNtlAStrsssS Ä1 die erste große Berliner Fischkosthalle. Seeflsehe itt*0"<0" 5�9� Sch>?�tft�Märzen�und Äerfandt. Zum Ausschank gelangt: —- wetfar Colin. Kein Kaufzwang! Gnsegiinngs-Anziige in streif. Kammgarn, Satin. Diagonal« und-1�1 Qft Ittb Tnchkammgaru-Stoffcn 1» und Lreihig, von 16 OU JvUu L-Wormann, 2 IresiitnerKr. 8, Z��SkaS Streng reelle Bedienung! WWW Umtausch gestattet! ssns Fordern Sie nur den vorzüglich schmeckenden preisgekrönten dänischen Kautabak auS der gröstien TabakSfabrik Dänemarks C. W. Obel, Aalbora mid Kopenhagen.— General-Vertrieb für Berlin: Varl Bäcker, Grüner Weg 8. Telephon-Amt VII 3861. 5404L» ophastoffe auch Nelke I» Rips. Damast. ErSpe. Phantasie, Gobelin und Plüsch spoltbiliig! 149718» Proben franko' Uäilfdl'WrtffA>»"llcn Qualitäten ;CÖII[CiPI|C zu Fabrikpreisen. Emil Lefeure, Möbel verliehen gewesene und neue, staunend billig. Dhrilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. 5886L» Neue Königstrahe SS. Weyen Räumung. a r d i n e n und[50392» Stores, er � nie and weiss» fabelhaft billig. Gardincn-Ijagor J. Adler, Teppichhans Spandauerstrasse 30, aeaennber dem Rathhause. Steppdecken, Gardinen, Ullltli, Portieren, Anzüge, Sommer- paletoiS, Hosen, Regulaioren, Nemon- tott-Uhren,BettdeckeiispottbilligPsand- leihe Reanderstrahe 6. Fahrräder. SleiS grobes Lager erstklass. Fabri- kate auf o864L» l'kSZIzesklung ohne Preiserhöhung zu den konlantesteu ZahlniigSbedingimgen. Nsrrsn» u. Dsmcn-Bädsr v. 150 M. an. MmtW& Landan, Lothvingerstraße 48 I, dicht am Nosenlhaler Thor, Dr. med. Schaper, prakt. Homöopath. Arzt n. Spezialarzt f. Haut-, Harn-, Geschlechtsleiden, Franentrankheite». Spr. 9-1, 4 3. «ebiiueberger Prer 25. hoiuöopata. Poliklinik: Montag, Mittwoch, Sonnab. Ad. 7-8. Grosic Hainbnrgcrstr. 20, I Sil. Stet 50 Wü. 4 H. Aibreoht's BUckorel Wrangclstr O. Krantstr.lS. Falckenfteinftr. 28. Lanfitzerftr. 2. S 1 Uerronsteile! Da ich einen groben Posten Herren- aiizngreste, je 3 Mtl., spottbilligraufte, verkaufe rcimo. engl, larrirte Chevims, neueste Muster, Kammgarne zum Aussuche», Aiizngreste k 10 Mk, so lange der Borrath reicht. Schneiderei llnzsi, Münzstr. 20, patterre._ Berantwottlicher Siedakteur: Hugo Poetzsch in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.