Uv. 345. Adsmumtttt«-Kedingungen: VbonnemenIS- PreU pränumerando: «ierleljährl. ZLv Ml., monatl. l.ioMl., wöchentlich 2S Psg. frei in» Hau». Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit illuftrirter Sonntag»- Beilage„Die Neue Welt» lv Pfg. Post- Abonnement: Z.N Mari pro Quartal. Singetragen in der Post- Zettung»- Preisliste sür 133» unter Nr. 757». linier Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheini täglich außer BJoulag», Vevlinev Volksblskt. 15» Jahrg. Die Instrlions-GMI/r beträgl für die fechSgespaltene Kolonet» »eile oder deren Raum iß Pfg., für verein»- und Versammlungs-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen dl» « Uhr nachmittag» in der Srpedilion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi»» Uhr voriniltag! gevssnet. Fernsprecher: Amt l, Nr. 160», Telegramm-Adresse: „Poxialdrmokrat verlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Veuth-Strahe 2. Expedition: SW. 19, Veuth-Straße 3. Heute vor SO Jahre», am 19. Oktober 1878, hat die Mehrheit des deutschen Reichs- tages auf eins'"'r verhängnisvollsten Gesetze, welche die lieuere Zeit kenn., das Siegel des„Rechts" gedrückt, indem sie das S o z i a l i st e n g e s e tz, dieses Schandgesetz, annahm. .Freilich weist die Geschichte unseres eigenen Landes nnd die der anderer Länder unzählige Beispiele von politischer iind religiöser Verfolgung ans, die sich in den Mantel des Gesetzes hüllte, nnd den Gewalthabern es niöglich machte, die Gegner„von Rcchts.wegcn" zu unterdrücken, zu erdrücken. Allein uns ist kein Fall bekannt, wo der Acchtung ganzer Parteien und Volksklassen nicht harter, blutiger Kampf, ja Bürgerkrieg vorausgegangen wäre. Vom alten Rom und seinen Pro- skriptioncn nicht zu reden— waren es in England und Frankreich Ilufftände und AufstandSversuchc, die den Grund oder Vorwand für Knebclakte und Ausnahmegesetze darboten. Sogar die Karlsbader Beschlüsse des deutschen Bundes hatten ihren Anlaß in einer Blutthat— der Ermordung Kotzebue's durch Sand—, welche in den damaligen Regierungen Oesterreichs, Preußens und der übrigen deutschen Bundes- staaten wohl den Glauben erwecken konnte, es handle sich um eine Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz der be- stehenden Zustände. Nichts von alle dem vor zwanzig Jahren in Deutsch- land. Kein Aufstand, kein Aufstandsversuch. Keine Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung. Die sozialistische Be- wegung. nach dem Ueberschäumen, nach dem Stürmen und Drängen der ersten Jahre, in zielbewußter Ruhe und Stetig- keit sich ausbreitend. In der deutschen Arbeiterwelt, obgleich durch die industrielle Revolution in die tiefsten Tiefen erregt und aufgewühlt, nicht das leiseste Sturmzeichen— im Gegen- theil, unter dem Einfluß der sozialistischen Belehnnig, die um sich greifende Erkenntniß, daß einzelne nicht für das soziale Elend verantwortlich sind und daß Krawalle und Putsche die Lage der Arbeiter nicht bessern können. Sturz, eine vollständige Abwesenheit aller Symptome, die auch von dem hasenfüßigsten Ordnungsphilister als bedrohlich für den Staat und die Gesellschaft hätten aufgefaßt werden können. Aber wenn auch der Staat und die Gesellschaft nicht be- droht waren, ein Mann war bedroht. Fürst Bismarck, der Blut- und Eisenmann, welcher 1866 und 1870/71 die deutsche Frage im preußisch-dynastischcn Sinn gelöst und der deutschen Bourgeoisie den Tempel des goldenen Kalbs sperrwagenweit geöffnet hatte,— Fürst Bismarck fand, daß seine Diktatur sowohl nach oben wie nach unten auf Widerstand stieß, daß der Widerstand wuchs und daß der Moment nahe war, wo der Widerstand für ihn zu stark sein werde. Im Winter 1877 auf 1878 hatte Fürst Bismarck auf seinem Landgut Friedrichsruh den Besuch eines russischen Diplomaten, dem er sein Herz ausschüttete:„Ich bin"— das war der Kern seiner Ergüsse—„ich bin in der Regierung und im Reichstage überall gehemmt; in der Regierung bis zu der höchsten Stelle schafft man mir Hindernisse, im Reichstage habe ich eine kompakte Majorität gegen mich. Ich brauche ein Ereigniß. das mir eine Handhabe giebt, um die ganze Nation zu bewegen und durch Neuwahlen eine sichere Majorität zu ge- Winne n." Der russische Diplomat veröffentlichte später diese Unter- redung und Fürst Bismarck hat den Bericht nicht für falsch erklärt oder erklären lassen. Im Winter 1877/78 wartete er ans das rettende Ercigniß, und gedachte dabei vielleicht dcS hübschen Kalender-Verschcns vom heiligen Matthäus: „Matthciö bringt EiS. F i n d' t er k e i n ö, macht er eins." Der Plan war in den Umrissen fertig: durch die so genannte„W ir t h s ch a f t s r e f o rm", das heißt durch die Auslieferung des Reichs an den industriellen und agrarischen Großkapitalismus sollte dieser für die Aufrechterhaltung des Hausmeierthums der„Dynastie Bismarck" gewonnen und die Diktatur des Großkapitalismns, mit dem „Säkularmensch" an der Spitze, dauernd befestigt lvcrdcn. Bennigsen, der Führer der nationallibcralen Bedientenpartei, wurde für die ehrenhafte Rolle ansersehen, den Raubzug gegen die Taschen des deutschen Volkes als oberster Minister oder Vizekanzler offiziell zu leiten. In einem Anfall von verspäteter Scham lehnte jedoch Bennigsen das jahrezchnte lang so heiß ersehnte Portefeuille ab, nnd besiegelte damit das Schicksal seiner Partei, deren Untergang nun von Fürst Bismarck beschlossen war. Wenige Monate später. und die Nationalliberalen wurden„an die Wand gedrückt, daß sie quietschten". Aber das rettende Ereigniß? Am 11. Mai 1878 feuerte das halbidiotische Mitglied des Berliner Stöcker- und Mucker-Vereins, Hödel- Lehmann, als der Kaiser Unter den Linden fuhr, einen Schuß ab mit einem Taschenterzerol— ein Terzerol, beiläufig zu klein und zu schlecht, um auf fünf Schritte eine Maus zu tödten. Der Kaiser hatte den Knall nicht gehört, und hörte erst, nachdem er ins Schloß zurückgekehrt war, daß ein Schuß gefallen und der Schütze verhaftet sei, der'aber behauptete, nur einen blinden Schuß abgegeben zu haben, um die Auf- merksamkeit auf sich zu ziehen. Eine Behauptung, mit der er, was vorgreifend bemerkt sei, auf das Schaffst ging. Fürst Bismarck, der in Friedrichsruh war, erhielt Meldung von dem Ereigniß. Er war gerettet. Das„Ereigniß" hatte sich gefunden. Und ohne eine Minute zu verlieren. tele- graphirte er nach Berlin:„Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten!" Die Fahne war entrollt, das Signal gegeben, das„Rothe Gespenst" losgelassen— die Hätz konnte beginnen. Die Reptilprcsse that ihr Werk. Die Sozialdemokratie züchtete Meuchelmörder. Heute der Kaiser, niorgen der Bürger und Bauer— jeder war bedroht. Der arme halbidiotische Stöckcrmann Hödel wurde zuni Normal-Sozialdcniokraten umgclogcn— sonst das Blaue von: Himniel heruntergelogen. Nur die Geister verwirrt, gehetzt, verhetzt, damit im Trüben gefischt werden konnte! Der Stöckennann Hödel und sein verrostetes Taschen- terzerol genügte nicht. Der Reichstag blieb zlveiflerisch nnd verwarf das Ausnahmegesetz, welches Fürst Bismarck prompt eingebracht hatte. Was thnn? Auflösen! Aber in der Regierung und bei Hof regten sich Bedenken— der Kronprinz durchschaute seinen Bismarck und traute dem Attentat nicht. Da krachte— am 2. Jmü 1878— Unter den Linden ein zweiter Schuß und noch ein Schuß. Diesmal war es kein verrostetes Taschenterzerol, sondern eine gute Schrotbüchse, und einige der Schrote trafen den alten Kaiser. Auch der neue Attentäter war geistig nicht normal— kein Halbidiot, aber ein erblich belasteter Paralytiker und durch die Scn- sations- und Reklamc-Artikel der Reptilpressc über das Hödel- Attentat nach dem bekannten psychologischen Nachahmungsgesetz zu der herostratischen That begeistert. Ehe Nobiling die zwei Schrotschüsse abgefeuert und sich selbst eine Kugel in den Kopf gejagt hatte, war er als eifriger Nationalliberalcr hervorgetreten— und in den lichten Augenblicken, die er in den drei Monaten vor seinem Tode hatte, schwärmte er in echt nationalliberalen Ideen, wie dokumentarisch im Reichstag nach- gewiesen ward. Das hinderte natürlich den Biedermann Bismarck nicht, den Nationallibcralen Nobiling dem Stöcker- mann Hödel-Lehmann als Mustersozialdernokraten zuzugesellen. Und nun floß mehr Wasser auf die Mühle des Schlot und Krantjunkcrthnms— die Rcaktionsmaschine arbeitete mit Hochdruck, die Lügenpresse log doppelt und dreifach, der Wider stand des Kronprinzen ward besiegt, indem man seiner Frau den Attentatsschreckcn einjagte— und der Reichstag ward a u f g e l ö st. Das war eine Jagd, eine wilde, wüthende Jagd. Wie hungrige Aasgeier stürzten die Schlot- und Krautjunker sich auf die verheißene Beute. Ein fleißiges, hartarbeitendes Volk von 50 Millionen als Jagdbeute— das feuert an. Die Wähler mußten hirnverrückt gemacht werden, damit sie die Majorität wählten, die sie selber ausliefern sollte. Jeder Tag brachte ein neues Attentat— auf dem Papier. Jeder Tag sozialdemokratische Verschwö- nmgen, sozialdemokratische Bomben— auf dem Papier. Ganz wie heute, nur daß es heute„anarchistisch" heißt statt sozialdemokratisch. Die Wähler hatten keine Zeit sich zu be- sinnen. Mit immer tolleren Lügen ward auf sie eingehämmert — nnd der Tag der Neuwahl belohnte den Schlveiß der Edcln und Edelsten: Bismarck hatte seine Majorität für die K l a s s e n d i k t a t u r des zum„nationalen" Raub verbündeten Schlot- und Krautjunkerthums. Zunächst galt es. die einzige Partei zu fesseln, die den Verbündeten und ihrem Fisch- nnd Raubzug gefährlich werden konnte: die Sozialdemokratie. Sic mußte gebunden Werden an Händen und Füßen. Das Soziali st engcsetz ward dem Reichstag vorgelegt. Wochen- nnd wochenlang ward im Plenum und in der Kommission hin- und hergeredet, ver- handelt, geschachert. Nach langen unwürdigen Debatten, in denen die Verkommenheit der bürgerlichen Parteien einerseits, nnd die brutale, alle höheren Staats- und Gesellschafts-Riick- sichten leugnende und verachtende Herrsch- und Habsucht des Großkapitalismus zu klassischem Ausdruck gelangte, nahm der Reichstag in der Nachnnttagssitzung— in der Morgensitzung war man nicht fertig geworden, und man hatte es eilig— am 19. Oktober 1878 mit 221 Ja gegen 149 Nein das„Schandgesetz" an. Die Sozialdemokratie war lahm gelegt, das Terrain war frei! Jndustriezölle, Korn- und sonstige Lebensmittel- Zölle— Schnapsprämien, Zuckerprämen, Liebesgaben aller Art, planmäßige Millionärzüchterei— ein wahres Kirchthurm- Wettrennen der schlot- und krautjunkerlichen Habgier. Das war der Zweck. Die Sozialistenhatz nur Mittel zum Zweck. Jahr für Jahr etwa eine halbe Milliarde: fünfhundert Millionen aus der Tasche des arbeitenden Volkes herausgeholt und in die Taschen der Schlot- und Krautjunker gesteckt— das war die„Wirthschaftsreform", auf welche Fürst Bismarck seine Diktatur gründete.— Und die Sozialdemokratie, die nur deshalb geächtet ward, weil sie den Fisch- und Raubzug gehindert hätte— sie war vogelfrei: am 21. Oktober erlangte das Schandgesetz die Gesetzeskraft. Wenige Federstriche vernichteten unsere Presse, unsere Organisation, das mühsam aufgebaute Werk vieler Jahre und unzählige Existenzen. Und alles das, weil ein winziger Bruchtheil der Natton auf Kosten der Natton leben, von der Arbeit der Natton sich bereichern wollte. Die Sozialdemokratte hat das Stahlnetz des Sozialisten- gesetzes zerbrochen wie Glas— sie hat„auf das Gesetz gepfiffen" und den Urheber des Schandgesetzes und seine Spießgesellen in 12jährigem Ringen überwunden. Und unter dem Sozialisten- gesetz, im Kampf gegen das Sozialistengesetz ist sie die stärkste der Parteien Deutschlands geworden— die Partei, um welche, nach des Reichskanzlers Caprivi Bckenntniß, die Gesammt- Politik des Deutschen Reiches sich dreht. Aber es hat Opfer gekostet— Opfer ohne Zahl-- Ein Denkmal der Schande für unsere Feinde, ist das Sozialistengesetz der Ruhm nnd die Stärke der Sozialdemo- traten geworden. Ohne seine eherne Schulung wären wir nicht Was wir sind.— Nach zwölf Jahren ist das Sozialistengesetz zusammen- estürzt unter der Last seiner Sünden und Verbrechen: rntalität, Korruption, Spitzelthnm, Denunziantcnthum, Demoralisation des öffentlichen Lebens,— alles angcfäult. Das erschreckte sogar Ivcnig Empfindliche, so daß sie sich mit Ekel abwandtcn. Doch unsere raschlebige Zeit vergißt rasch. Die kapita» listischen Mächte, denen das Sozialistengesetz vor 20 Jahren Deutschland zur Plünderung übergab, sind wieder an der Arbeit. Die Sozialdemokratie als Hüterin des öffentlichen Wohls steht ihren Rauh- nnd Hcrrschgclüstcn im Weg. Heute wie vor 20 Jahren. Und heute wie vor 20 Jahren soll ein Sozialisten- gesetz, ein Schandgesetz helfen. Ob diese Mächte der Volksplünderung und Volksknebelung die Macht haben, diesen ihren Willen zu verwirklichen? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, ein neues Schandgesetz würde noch schmählicher zu schänden werden, als das alte. Wir, die Sozialdemokratie, haben seit 1878 zwanzig Jahre mehr der Ent Wickelung, des W a ch s t h u m s. Und unsere Feinde zwanzig Jahre mehr der Zersetzung, der Fäulniß. Sie sind dem Ende. heute um zwanzig Jahre näher / Avbevflrhk. Verlin. den 18. Oktober. Von de»'Attcutats.qcriichteu. Die„Norddeutsche Allgemeine eitnng", deren Name zwar kein Programm, aber eine Charakteristik ist, glaubt an die Echtheit des egyptischcn Bomben- Komplotts. DaS verstand sich von selbst. Der„Reichs-Anzeiger", der auf seine Reputation zu halten hat, bringt dagegen kein Wort über das angeblich geplante Attentat. Und dieses Schweigen ist beredt. Wer- gangene Attcntatsgeschichtcn schrecken ab. Wer erinnert sich nicht des famosen internationalen f c n i s ch- anarchistische» Attentats, das der internationale Londoner Spitzclzüchter und Spitzclfängcr M olville vor 2 Jahren in Calais und an anderen Orten entdeckte— kurz che der Kaiser von Rußland nach Paris reiste? Auf dieses„Attentat", das mit dem jetzt gemeldeten eine frappante Aehnlichkcit hat, Iviesen wir schon gestern hin. Damals waren wir die ersten, welche die massenhaft verbreiteten Sensationsnachrichten kritisch in nichts auflösten und den Nachweis lieferten, daß es sich um ein von der Polizei, insbesondere Hern« Molville, gemachte? Attentat handle, dessen Zweck der doppelte war: dem nlssischen 5laiscr die Reise nach Paris zu verleiden nnd zu gleicher Zeit einige reaktionäre Polizeigewaltthatcn durchzuführen. Wir hatten damals die ganze Presse gegen uns. Und schließlich haben wir recht behalten. Der russische Kaiser ließ sich nicht ein- schüchtern; nnd die verhafteten Attemäter mußten einer nach dem anderen sang- und klanglos entlassen werden. Ui«d daß jene Ver» schlvörung ein niederträchtiges Polizcitvcrk war, wurde im englischen Parlament scharf und klar ausgesprochen, ohne daß die Regierung ein Wort der Vcrthcidigung für die schwer angegriffene Polizei sagen konnte. Jetzt ist eS wieder ein Kaiser, der eine Reise machen will— gegen welchen ein Attentat verübt werden soll. Wieder ist es ein» Reise, die vielen Leuten und sogar einigen Mächten nicht angenehm ist. Und noch viel mehr als vor zwei Jahren ist die politische Lust mit reaktionären Miasmen crfiillt. Die Luft und der„Nährboden* sind also fiir ein Polizei-Attentat noch weit günstiger, als vor zwei Jahren. Und die Nachrichten, welche jetzt in Umlauf gesetzt iverden, bieten dem Zweifel noch bessere Handhaben, als die weit geschickter fabrizirtcn Lügen über das fenisch-anarchistische Attentat des Herrn Molville. Die einzige heute vorliegende Depesche über das Attentat, die der Wiedergahe Werth ist, aber freilich nur mit allein Vorbehalt ge- lesen werden darf, stammt aus Alexairdrien. Sie lautet: Nach amtlicher Feststellung enthielt jede der beiden zu dein Attentat gegen Kaiser Wilhelm bestinunteii Bonibcn 2 Pfund Knall- quecksilber und 26 Revolvcrpatronen von großem Kaliber. Die Bomben selbst bestehen aus galvanisittem Eisen, das init Bleidraht umsponnen ist. Die Auffindung der Boniben geschah i» dem Magazin eines Italieners. Die Sprcngiverkzeuge waren in einer Kiste verpackt. Mit der Ueberbringung der Boniben nach Jaffa war ei» aus Trieft gebürtiger Italiener beaufttagt. Dieser hatte sich an Bord des für die Verschiffung der Bomben auserseheuen Dampfers als Kellner in Dienst nehmen lassen. Eine gleiche Stellung hatte er sich schon in dem Hotel Bristol in Jaffa verschafft, un« dort iu unauffälliger Weise die Bomben fiir die zu ihrer Verwendung bestimmten Theilnehmer des Verbrechens aufzubewahren. Und nun eine kurze Abrechnung mit dem sattsam bekannten Blatte des sattsam bekannten Herrn v. Kardorff, den„Berliner Neuestei« Nachrichten". Dieses Blatt hat die Dunundreiftigleit heute Abend zu schreiben: Das unfreiwillige Bekenntniß einer schönen Seele findet sich in einer Besprechung der Meldungen aus Egypten im heutigen „Vorwärts". Dort ist folgender köstliche Satz zu lesen:„Keiner der Mtentatsaläubigcn hat es vermocht, ein bcrimiiftil;es Motiv zu eiltdeckciv" Nach„vernünftigen" Motiven kann man bei derartigen bestialischen Unternehmungen doch-nur dann forschen, wenn man die letzteren nicht grundsätzlich ver- abschenb Die Znerkennnng„vernünftiger" Motive involvirt eine Billigung solcher Anschläge im konkreten Falle. Giebt der „Vorwärts" die Möglichkeit zu, dah Meuchelmorde unter Um- Ständen aus„vernünftigen" Motiven begangen werden können, so teht er dem Meuchelmorde selbst nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Wo bleibt alsdann aber die scharfe Scheidegrenze zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus der That? Das Blatt des Gründers der Lanrahütte weih demnach nicht, baß Verbrecher, welche nicht„vernünftig", das heißt nicht im Besitz normaler geistiger Fähigkeiten sind, als unzurechnungsfähig für ihre Handlungen nicht strafrechtlich verantwortlich gemacht, und nicht strafrechtlich verurtheilt werden können. Als Herr von Kardoff die Laurahütte gründete, hatte er gewiß „ein vernünftiges Motiv"— ob es aber ein gutes und edles — wenn auch vielleicht edel st es— Motiv war, das steht in einem anderen Buch geschrieben.— Gegen das geheime Wahlrecht eifert wieder einmal das „Dresdener Journal", das Organ der sächsischen Regierung. Anlaß dazu bietet dem Artikelschreiber die für die Herren Reaktionäre aller- dings sehr betrübende Thatsache, daß auch die Militär- vereine mehr und mehr vom Sozialismus ergriffen worden sind. So haben in zwei sächsischen Bezirken, in welchen 16» bczw. b6 Militärvereinler zur Reichstagswahl zu wählen hatten, nur SS bezw. 13 davon den Ordnungsbruder gewählt. ES wird dann weiter ausgeführt, daß man, wenn überall die Zahl der stimmberechtigten Militärvereinler und der für den Kandidaten der Ordmmgsparteien abgegebenen Stimmen in jedem einzelnen Bezirke festgestellt werden würde, jedenfalls sehr betrübende Erfahrungen machen werde. Die Vorsteher der Militärvcreine könnten heute in Sachsen nicht mehr dafür einstehcnl!), daß auch nur die Mehrzahl der Mitglieder für die Ordmmgsparteien stimmten. Diese„bedenkliche" Erscheinung liegt natürlich an der geheimen Stimmabgabe; diese ist daher zu bekämpfen. Es wird für ganz selbstverständlich erklärt, daß der Unternehmer eine Kontrolle haben müsse, Ivie„seine Arbeiter" wählen. Die„Arbeitsstätte und der Arbeitslohn sollen nicht durch Heuchelei und Trug erkauft werden". Der ganze Groll und Haß gegen die geheime Abstimmung kommt noch in einem anderen Satze zum Ausdruck, worin es heißt:„Nie- wand kann in Abrede stellen, daß hinter dem Verlangen nach geheimer Abstimmung ein gut Thcil Feigheit, Hinterlist und Betrug sich verbirgt." Wenn man sonst überall' für die Oeffentlichkeit sei, im Gerichtsverfahren, in der Verwaltung, im Heere zc. und wenn man es sogar für nothwendig halte, geheime, vertrauliche Schriftstücke zu veröffentlichen, so sei die öffentliche Abstimmung erst recht nothwendig. Dreister und unverschämter sind die Wirkungen der geheimen Stimmabgabe wohl noch nie in ihr Gegcntheil umgekehrt worden. Heuchelei, Feigheit und Trug, das ist es, was durch die öffent» l i ch e Stimmabgabe großgezogen wird. Die Arbeiter, wie über- Haupt alle von anderen Kreisen abhängigen Wähler müssen unter Umständen gegen ihre Ueberzeugung stimmen. Doch darüber noch lange Worte zu verlieren, erübrigt sich für uns. Mit unserer Genugthuung, die wir über den Aerger der Ordnungsstützen über die„unsicheren Kantonisten" der Militärvereinler empfinden, wollen wir indeß nicht zurückhalten.— Die Reise des Handelsministers in die Kohlenreviere Oberschlesiens ist, wie aus K a t t o w i tz berichtet wird, vor- läufig aufgegeben.— Wir haben gewiß keine allzu hohe Meinung von dem Werthe derartiger Minifterreisen. Lange vorher werden sie vorbereitet und den Betheiligten migekündigt. Konnte doch bei der letzten„Inspektionsreise", die derselbe Miinster in das Braunkohlengebiet der Provinz Sachsen unternahm, berichtet werden, wie gut die Unternehmer über dessen Ankunft sich unterrjchitet zeigten und wie fleißig sie dann in ihren Betrieben Ordnung schaffen ließen. Wird aber auch dieses Wenige unterlassen, so kann dies nur dazu beitragen, den Arbestern klar zu machen, daß sie nur auf sich allein angewiesen sind.— Das Ende eiueS„Anarchisten". Vor zwei Wochen, als die Polizei überall Attentate entdeckte, meldete auch der Draht die Ver- Haftung eines Anarchisten in A g r a m. Der betteffende trage den Namen Schrieb er und sei aus Dortmund gebürtig. Die bei ihm gefundenen Waffen(Revolver und Patronen) hatten ihn in den Verdacht gebracht, daß er ein Attentat beabsichtige und einem Komplot angehöre. So hieß es vor 14 Tagen. Nunmehr ist der achtzehnjährige Metzgerlehrling Aug. Schriever zu seinen Eltern, die ein Metzgergcschäft betreiben,' zurückgekehrt. Verhastet war er, doch ist er nicht verurtheilt oder auch nur angeklagt worden. Was er gettieben hat, ist Gegenstand einer ernsten Verhandlung— nicht zwischen Oesterreich und Deutschland—, aber zwischen dem Vater und dem Söhnchen gewesen.— Gegen die„Festseuche" in Rheinland-Westfalen wandte sich, Ivie wir schon kurz meldeten, die Handelskammer von Rheinland- Westfalen. Diese neueste Aktion des rheinisch-wesffälischen Unternehmer- thums schließt sich würdig den bisherigen Versuchen an, dem Arbeiter jede Bewegungsfreiheit zu nehmen und ihn gänzlich der Willkür des Arbeitgebers auszuliefern. Die vielen Feste und Kinneßfeiern sind den Fabrikanten nur dann ein Dorn im Auge, wenn in den Fabriken und Werkstötten gerade viel zu thuu ist. In Zeiten des Niederganges der Konjunktur hat man noch nie Klagen über die mehrtägigen Feste gehört. Selbst wenn man zugeben wolle, daß speziell'im Rheinland die Bevölkerung lebenslustiger als in anderen Gegenden Deutschlands ist, hat dann etwa das nach Gold jagende Fabrikanten- thum das Recht, dem Rheinländer seine festesfrohe Stimmung zu verderben? Hat doch selbst die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" dieser Tage zugegeben, daß z. B. die Arbeit der Puddlcr im Sommer eine geradezu unerträgliche sei. Die ungewöhnliche Temperatur im August und September dieses Jahres habe den Aufenthalt an den Ocfcn, Hämmern und Walzenstraßen fürchterlich gc- macht. Hat denn der Arbeiter nicht auch das Recht, seinem stets im Joch der Arbeit befindlichen Körper dann und wann eine Aus- spannuug zu gestatten? Die Herren Fabrikanten, die da in Köln getagt haben, werden jedes Jahr sammt Familie ihre sechs bis acht Wochen zur Erholung in irgend einem Seebade oder Luftkurort zubringen. Und dort„verschwenden" sie, nicht wie in der Versammlung in Köln ausgerechnet wurde, ein paar Mark pro Tag, sondern zum mindesten ebenso viel in Hunderten von Mark, als was der Arbeiter bei gelegentlichen Festen in einzelnen Markstücken ausgiebt. Und wenn die Fabrikanten im Winter in die Großstadt zurückkehren, so giebt es Gesellschaften, Bälle, Soupers die Hülle und Fülle, ohne daß die Arbeiter es wagten, über das Festunwescn der Herren Fabrikanten zu zetern. Wir kennen Fabrikantenfamilien, die im Winter zwei bis drei Abende in der Woche Bällen und Gesell- schaften sc. zu widmen haben. ! Das gewohnte Maß von Heuchelei wird von den rheinischen Großunternehmern gar zu arg überschritten, wenn sie vorgeben, bei »ihrem jetzigen Vorgehen im Interesse ihrer Arbeiter zu handeln, Mit- leid mit den Arbeitern zu haben. Au dieses Mitleid glaubt kein Mensch, der weiß, ivie kalt und grausam in Zeiten der Krise, sei «s auch mitten im Winter, die deutschen Unternehmer ihre Arbeiter auf die Straße setzen. Wie haben sie doch seinerzeit nach dem großen Bergarbeiterstrcik hunderte von Arbeiterfamilien dem wirthschaft- wichen Ruin überliefert I ( Heute freilich muß man die Arbeitskraft sich sichern, ihr Maß an Ruhe aufs nothdürftigste reduziren. Wurden doch in diesem Jahre in Nheinland-Westfalen Dividenden von 10, 20, 30, ja 60 pCt. bezahlt. Wofür da die„Festsembe" verarstwortlich gemacht wird, zeigen die Ausführungen des Bergraths Behrens. Er hob namentlich hervor, daß durch die Festbummelei die Betriebssicherheit in den Bergwerken erheblich gefährdet würde! Bis jetzt ist wohl immer nachgewiesen, daß die Unternehmer im Bergbau liebst ihrer höheren Beamtenschaft ihre Pflichten'den Arbeitern gegenüber wiederholt ver- uachlässigt haben, nicht aber, daß Arbeiter das Leben ihrer Kameraden infolge von Bummelei aufs Spiel gesetzt haben. Die Versammlung vom vorigen Sonnabend paßt ganz in den Posadowsky-Kurs. Gnädig wird man nach oben den selbstsüchtigen Wünschen des Unternehmerthums das Ohr leihen. Haben doch die Fabrikanten in weiser Bcrechming von vornherein bemerkt, daß es den Industriellen fern liege, die patriotischen Feste beschränken zu wollen. Im Gegentheil, die Feste,„die den nationalen Gedanken stärken und die Vaterlandsliebe fördern," die sollen nicht angetastet werden.— Erhebungen über die Fleischnoth will, wie die Bläiter melden, der Landwirthschaftsnnnister anstellen. Er soll die Re- gieruugspräsid enteil aufgefordert haben, zu untersuchen, inlvieweit die Klagen über die Fleischnoth und über die Steigerung der Fleisch- preise gerechtfertigt sind.— Er ist nicht schuldig, der Oberst z. D. Otto in Schweidnitz, von dem wir in der Sonntagsnummer berichteten, daß er bei der Reichstagsmahl Wähler, die nicht im Wahlbezirk selbst wohnen, aus dem Wahllokal gewiesen habe. Wenigstens ist dieser Ansicht das Militärgericht in Schweidnitz, wie aus folgendem dem hinaus- gewiesenen Wähler vom Bezirkskommando in Schweidnitz zugestellten Bescheid hervorgeht. Das Schreiben lautet; Bezirkskommando Schweidnitz, 14. Oktober 1898. An u. s. w. Ihre unterm 1. d. M. an die königliche Staatsanwaltschaft Schweidnitz gerichtete Strafanzeige gegen den Oberst z. D. Otto in Schweidnitz ist, weil derselbe der Militärgerichtsbarkeit unter- steht, hierher abgegeben und diesseits der königlichen 11. Division vorgelegt worden. Dieselbe hatte am 13. 10. 1898 versügt, daß der§ 240 R,-St.-G.-B. im vorliegenden Falle keine Anwendung findet, weil Oberst z. D. Otto Sie weder durch Gewalt noch auch durch Bedrohung mit einem Verbrechen oder Vergehen zum Verlassen des Wahllokales zu nöthigen versucht hat. Die königl. 11. Division hat deshalb ein gerichtliches Ein- schreiten gegen Oberst z. D. Otto abgelehnt, zumal zu einem solchen auch aus anderen Gründen kein Anlaß vorliegt. Das wird Ihnen auf Befehl der königl. Division hiermit eröffnet. v. Nicht Hofen, Oberstlieutenant z. D. und Bezirks-Kommandeur. Schabe, daß die 11. königl. Division die„anderen Gründe" nicht angiebt. Im übrigen meinen wir. daß die Kriterien des A 240 R.-Str.-G.-B. im vorliegenden Falle vollständig erfüllt sind, wie aus dem Bericht in unserer Sonntags- Nummer zur genüge hervor- ging. Die besten Volksvertreter sind die Landräthe— so meint der Regierungspräsident Herr von Tie bemann.„Ich selbst", so schreibt der Herr, der kürzlich in I u o w r a z l a w als Kandidat zu den Landtagswahlen aufgestellt worden ist,„bin 2ö Jahre hindurch parlamentarisch thätig gewesen, ohne je die Empfindung gehabt zu haben, mein Amt beeinträchtige meine polittsche Unabhängigkeit, außer- dem hat mich meine parlamentarische Erfahrung lehren müssen, daß die Verwaltungsbeamten, namentlich die Landräthe, in Folge ihrer Geschäftskennttuß und unmittelbaren Fühlung mit dem praktischen Leben und mit den Bedürfnissen und Wünschen aller Bevölkerungsschichten für die eigentlichen parlamentarischen Arbeiten geradezu unentbehrlich sind, so daß es im Interesse der Volks- verttetung sehr zu beklagen wäre, wenn man ihnen den Eintritt in den Reichstag oder Landtag verwehren wollte."— Wir glauben schon, daß unsere reattionären Landräthe mit der Regierung immer aus reiner Ueberzeugung einverstanden sind, aber gerade darum werden die weitesten Kreise an der Meinung festhalten, daß sie sich desto weniger zu Volksvertretern eignen.— Die dankbare» Grosstndustricllen Oberschlesiens verausialteteu eine Trauerfeier für den Fürsten Bismarck, bei welcher ein großer Pomp entfaltet wurde. Die oberschlesischcn Magnaten und Fabrikbarone haben dem Tobten viel zu verdanken. Durch seine Schutzzollpolitik machte er sie zu Millionären und die Arbeiter, welche der Profitsucht Härten störend entgegentreten können, hielt er durch Kuebelgesetze danieder. Düsseldorf, lö. Oktober. Die„Freie Presse" schreibt: Schneidia, immer schneidig, denkt die P o st v e r w a l t u n g und handelt dementsprechend, wenn die Unterthanen im Reiche des Herrn von PodbielSki nur wagen, selbständig für die Verbesserung ihrer Lage zu agitiren. Der Verband der Post- und Telegraphen-Assisteutcu von Rheinland und Westfalen hatte sich dieser Tage hier in Düffel- dorf in der Flora zu einer großen Kundgebung versammelt. Sehr interessant ist, was an dieser Kundgebung drum und dran hängt, denn ein hiesiges Blatt schreibt dazu: Zu dieser zweiten Hauptversammlung der Mitglieder in Rhein- land und Westfalen(die erste fand 1884' hier im PanluShause statt) waren vom Verbaudsvorftand in Berlin erwartet worden die Herren Oberpostassistent Kaßuitz, Geschäftsführer Oberpost- assistent a. D. Funk und der Redakteur des Verbands- orgaus„Deutsche Postzeitung", Oberpostassistent a. D. Hubrich. Hern Hubrich sollte die Hauptrede halten. Aber beim Reichs-Postamt scheint die agitatorische Befähigung des Herrn Hubrich so hoch ein- geschätzt zu sein, daß man von dieser Rede einen erheblichen Macht- zuwachs des Assistentenverbandes fürchtete, und fo richtete das Reichs- Postamt an den Verbandsvorstand und an die Mitglieder der Bezirksvorstände des Verbandes in Rhein- land und Westfalen einen Erlaß, in dem die b e st i m m t e Erwartung ausgesprochen wurde, daß Herr Hubrich in der Düsseldorfer Hauptversammlung nicht reden werde. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl wurde' von dem Verbandsvorstand befolgt in der richtigen Erwägung, daß die Widerstandskrast des Verbandes ftir ernstere Kämpfe, die in der Zeiten Schooß ruhen, aufgespart werden müssen. Aber wenn der Herr Gcneralpostmeister geglaubt hat, durch seinen Erlaß der Verbandsbegeisterung das Wasser ab- gegraben zu haben, so befindet er sich' sammt seinen Rüthen in einem argen Jrrthum. Herr Hubrich hätte mit der begeisterndsten Rede nicht s o agitatorisch fördernd wirken können, wie der qu. Erlaß das zu stände ge- bracht hat. Die Reden, die in der Hauptversammlung ge- halten wurden von den Herren Ober- Poftassistent Völker'», Vorsitzender des Düsseldorfer Bezirks, Kaßnitz, Funk, Ober-Postassistent Wüst, Vorsitzender des Ortsvereins Düsseldorf u. a., zeichneten sich durch weise sachliche Mäßigung aus, aber sie waren getragen von begeisternder Freudigkeit an dem Wirken des Verbandes. Durch fortwährende stürmische Beifallskundgebungen der imposanten Ver- sammlung, zu der 600 Assistenten aus allen Theilen der beiden Provinzen gekommen waren, wurde offenbar, daß der Verband festgefügt und opferfreudig der Verwirklichung seiner Ziele entgegen- strebt. Das Ergebniß der Hauptversammlung ist in folgenden Ent- schlüssen derselben zusammenzufassen: Der Ansicht, daß die Borgefetzten die einzig richttgen Vertreter unserer Interessen sind, halten wir entgegen, daß wir selbst am besten wissen, wo ünS der Schuh drückt, wir selbst wollen ein Wörtchen bei Wahrung unserer Interessen mitreden. Wir wollen alle Pflichten. die wir als solche erkennen, treu und gewissenhaft erfüllen, aber wir wollen auch kein Jota von unseren staatsbürger- lichen Rechten abgeben. Einer für Alle, Alle für Einen war, ist und bleibt unsere Parole." Anders als im Sinne dieser Entschlüsse hätte Herr Hubrich auch nicht gesprochen. Warum nun dem Manne den Mund verbieten? Der Herr Postgeneral ahnt vielleicht gar nicht, wie es im Herzen seiner Post-Untcrthanen ausschaut. Immer nur weiter mit solch schneidigen Erlassen I Chronik der Majcstätsbeleidigungs- Prozesse. Eine An- klage wegen Majestätsbeleidigung wurde gestern vor der vierten Strafkammer de» Landgerichts I gegen den Maurer August K e m r i ch verhandelt. Im vorigen Jahre hatte Kemrich sich wegen einer gleichen Strafthat zu verantworten, er ging aber ftei aus, da den Belastungszeugen mcht voller Glauben geschenkt wurde. Jetzt soll Kemrich sich wiederum am 27. Januar, am Geburtstage des Kaisers, über denselben in der unfläthigsten Weise geäußert haben. Wie aus der Nrthcilsverkündigung hervorging, hatte der Augeklagte einen Entlastnugsbeweis angetreten, der aber vollständig mißglückt war. Diesmal schenkte der Gerichtshof den Belastungszeugen vollen Glauben und verurtheilte ihn zu einer Gefängnitzstrafe von einem Jahre. Genosse Regenfuß in Rendsburg, der von der Kieler Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung, begangen wäh- rend der Wahlbewegung in der Diskussion in einer gegnerischen Ver- sammlung, zu 2 Monaten Festungshaft verurtheilt ist, hat am Dienstag feine Strafe in der Festung Ehrenbreitstein angetreten. Schweiz. Ueber die Korruption des italienischen Regierungssystems und die Umtriebe der italienischen Polizeispitzel in der Schweiz ver- öffentlicht die„Berner Tagwacht" eine Reihe iuteressanter Artikel, denen folgende Einzelheiten entnommen sind: Zur Charakteri- finnig des berüchtigten und nunmehr aus der Schweiz aus- gewiesenen Santoro, dem italienischen Stieb er, trägt die„Berner Tagwacht" nach, daß derselbe 1891, als die sozialistische Be- wegung erfreulichen Aufschwung nahm und die Unzufriedenheit des Volkes mit seinem Elend immer größer wurde, die bekannten Bomben-Attentate arrangirte, wegen deren dann die von den schür- tischen Spitzeln verführten armen Opfer schwer besttaft wurden. Aber der Regienrng des gleichwerthigen Crispi war damit geholfen und zum Danke für seine„staatsretterischenThaten" wurde Santoro zum Direktor der Zwangskolonie Rerto Ercole befördert, wohin auch seine bethörten Opfer kamen. Hier betrog und bestahl aber Santoro den Staat und die Deportirten quälte und folterte er aufs unmenschlichste und ließ sodann die empörten Menschen von den Soldaten niederschlagen. Infolgedessen wurde er zurückberufen und zum Polizcikommisiar er- nannt, worüber er aber sehr aufgebracht war. Aus Rache intriguirte er gegen Crispi, so, daß dieser gegen ihn die Untersuchung einleiten ließ, worauf jedoch Santoro nach Frankreich flüchtete. In conta- rnaciarn ist er dann zu acht Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Aus Frankreich ausgewiesen, kam Santoro in die Schweiz,� um da im Dienste der italienischen Regierung und unter dem Schutze der italienischen diplomatischen Agenten Spitzel- und Lockspitzel- Arbeit zu verrichten. Die„Berner'Tagwacht" führt auf seine Ver- lcumdungen und auf die Thätigkeit seiner Freunde die Ausweisung Vergnanini's aus Genf und die Ausweisung anderer Sozialisten zurück und beschuldigt„etliche diplomatische Agenten, daß sie nichts anderes als ganz gemeine, ge- Ivisseulose, ja verbrecherische Lockspitzel sind. ohne Achtung vor den Gesetzen des Landes, dessen G ä st e sie sin d." Ferner macht unser Bemer Parteiblatt auf den intereffanten Um- stand aufmerksam, daß Luccheni ursprünglich den Herzog von Orleans, den Feind und Beleidiger Italiens ermorden wollte, und da ihm dieser nicht erreichbar war, die unglückliche Kaiserin von Oesterreich das Opfer wurde. Das Attentat fei vom anarchistischen Zirkel in Lausanne ausgegangen, in dem sich einige verdächttge Individuen befanden, die' nicht' Anarchisten waren, Leute, die nicht a r- betteten, aber immer Geld hatten, die das große Wort führten und immer hetzten und provozirten, daß etwas geschehen müsse, daß eine große That begangen werden müsse, und so geschah die Ermordung der Kaiserin von Oesterreich. Die„Berner Tagwacht' fordert den Bundesanwalt auf, diesen Dingen energisch nachzugehen, er wird dann das Genfer Attentat als ein„königlich italienisches Polizei- spitzel-Attentat" erkennen. Nach den Leistungen der italienischen Regierung und ihrer Spitzel- Werkzeuge klingen diese Enthüllungen durchaus nicht unglaublich. Die„Berner Tagwacht" ist offenbar von ihrer Richtigkeit überzeugt und sie meint daher, die zivilisirten Staaten Europa's sollten gemein- same Schritte nicht gegen die Anarchisten, sondern, was nothwendiger ist, gegen ein verruchtes RegierungKshstem unternehmen, das, wie das italienische, alle die entsetzlichen Schandthaten seiner mittelalterlichen Vergangenheit am Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufleben läßt und für die Folgen dieser infernalischen Re- gierungsweisheit ein zivilisirtes und geordnetes Staatswesen, wie die Schweiz, verantwortlich zu machen die Frechheit hat. In der That, sie europäischen Regierungen erhöhen nicht ihr Ansehen, wenn sie bei den dunklen Plänen der italienischen Schreckensmänner und Henkersknechte mitwirken wollen, wenn sie sich mit Verbrechern in Amt und Würden verbünden, statt sie vor das Forum Europa's zu laden und ihnen zu sagen, was sie zu thun und zu lassen haben. Die in Basel verhafteten zwei italienischen Sozialisten, die offenbar von Spitzeln als Anarchisten deuunzirt waren, wurden auf das Einschreiten des Präsidenten des Arbeiterbundes wieder frei- gelassen. Der Vorgang veranlaßte die Basler Regierung, an das eidgenössische Justizdepartement in Bern ein Schreiben zu richten wegen des Verfahrens bei der Ausweisung von Anarchisten. Frankreich. Paris, 17. Oktober.(Eig. Ber.) Die Gerüchte über die mili- tärische Verschwörung haben eine wichsige Zusammenkunft der Vertreter aller sozialistischen Organisationen veranlaßt. Neben den Verttetern der vier Hauptrichtungen(Guesdisten, Blanquisten, Allemanisten und Possibilisten) betheili'gten sich daran verschiedene unabhängige Organisationen, sowie die Chefteoatteure der wichtigsten sozialistischen Zeittmaen von Paris, Lyon und Lille. Gegenstand der Berathung war ausschließlich die krisische Situation des Landes. Ohne jede nervöse Neigung, die der Republik drohende Gefahr zu übertreiben, war man sich doch darüber einig, daß die sozialisttsche Partei verpflichtet ist. in ihrer Gesammt- heit für eine eventuelle gemeinsame und einheitliche Aktion Vorsorge zu treffen. Ebenso einig war man sich darüber, daß eS sich mir um eine Defensivaktion gegen klerikal- militärische Anschläge handeln kann. Das Ergebniß der'Berathungeu ist in der folgendeü, einstimmig angenommenen Resolution nieder- gelegt: „Die Organisationen, die Erwählten(Abgeordnete und Pari, er Gemeindcrathsmitglieder) und die Preßorgane der sozialissischeu Partei, versammelt am 16. Oktober, erklären, angesichts der bedroh- lichen Lage, in der sich die Republik befindet, daß sämmtliche sozialistischen und revolutionären Kräfte geeinigt, entschlossen und bereit sind, allen Eventualitäten die Spitze zu bieten. „Die gesammte sozialistische Partei protestirt gegen die begangene Verletzung der gewerkschaftlichen Freiheit und des Koalitionsrechts und rechnet, trotz der Fehler der bourgeoisen Regierungsleute, auf den Willen des ganzen Proletariats, die Republik zu ver- theidigen. „Sie wird der militaristischen Verschwörung nicht gestatten, die allzu wenigen republikanischen Freiheiten anzutasten, und wird die Straße nicht der Reaktion und deren Gewaltthaten überlassen. „Zu diesem Zwecke hat sie ein st ä n d i g e s W a ch s a m k e i t s- Komitee(eomits 6o vigilance) geschaffen, in welchem alle organisirten sozialissischen Kräfte vertreten sind. „Hoch die soziale Republik!" Das Komitee besteht aus je zwei Vertretern der Organisasionen, der Kammer- und der Gemeiudcrathsfroksion und der' Preßorgaue. Es zählt insgesammt 40 Mitglieder. Von der Abfassung eines Manifestes wurde Abstand genommen, da prinzipielle Meiimngsverschiedenheiten die allseisige Einigung über einen bestimmten Text unmöglich gemacht hätten. Die Zusammen- kunft umfaßte ja die Vertreter sämmtlicher Richtungen und Schattinmgen, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken des Sozialismus. Das Wachsamkeits-Komitee ist seinem Ursprung und seiner Auf- gäbe gemäß ein provisorisches Organ, das mit der Lösung der gegenwärtigen Krise verschwinden würde. Nichtsdestoweniger darf man es als den ersten Schritt zur Schaffung eines normalen Einigungsorgans der sozialistischen Richtungen betrachten.— Der Mißerfolg de» Eisenbahner- Streik- b e, chln ssc S ist festem vom GcwerkschnstSvorpand in einer zrachllcrinnimlinig anerkannt worden. Der Leiter der Gewerkschaft. Gnörard. rechlfcttinte das Verhalten des Vorstandes Mit dein Generalstreik- Beschluß des letzten Kongresses und dem Mchrheitsentscheid der nochnials beftagten Gruppen. Klar ,st jedenfalls soviel, daß der Vorstand, in der abstrakten Generalstreik- Idee befangen, den allerungliicklichsten Zeit- Punkt ftir das Losschlagen gewählt hat. Und wenn selbst diejenigen �.okalgruppen, die sich für den Streik aussprechen, wenige Tage daraiif ihren eigenen Beschluß nicht durchführten, so muß man daraus schliefen, daß die Masse der Mitglieder die allgemeine Situation und die wirkliche Kraft der Organisation richtiger eingeschätzt haben als die leitende Minderheit. Noch naheliegender lst freilich der Schluß,, daß die Eisenbahner-Gewerkschaft, die bisher für eine der stärkiten galt, auf einer sehr schwachen organisatorischen Grund- Inge aufgebaut ist... Daß der so traurig mißlungene Streik- beichlutz einen üblen Einfluß auf das Gedeihen der Gewerkschaft haken wird, ist leider zu befürchten. Die Niederlage wäre aber vielleicht nicht zu theucr erkauft, wenn sie die franzosischen Gewerkschaftler eine nüchterne Bewerthung ihrer Kraft lehrte.— In Paris fanden gestern 14 GemeinderathS-Nach- Wahlen statt, darunter 13 zur Ersetzung von in die Deputirten- kamnier gewählten Mitgliedern. Der Wahlkampf vollzog sich unter allgemeiner Glcichgiltigkeit. Die öffentliche Ausinerksamkeit war auf die politischen Vorgänge und die Streiks konzentrirt. Eine ungemein große Zahl sesselhungriger Kandidaten und eine ungemein schwache Wahlbetheiligung. So kam denn nur eine einzige Wahl(eines Linksradikalen) zu stände. Die 13 Stichwahlen finden am nächsten Sonntag statt. In einigen Wahlbezirken sind die Aussichten der Sozialisten günstig. Zu behaupten waren zwei alte sozialistische Mandate.— Paris, 17. Oktober. Die„Agence Habas" verbreitet folgende Note:_ Mehrere Blätter meldeten die Rückberuftmg des Admirals Fonrnier nach Toulon und die Kricgsausrüstung nach Brest bestimmter Schiffe. Der erste Thcil dieser Meldung ist richtig, da Admiral Fournier vor dem Marineminister Lockroy nach Toulon zurückgekehrt ist. Was den zweiten Theil der Meldung angeht, daß Schiffe kriegsmäßig ausgerüstet seien und nach Brest gesandt werden sollten, so ist derselbe unbegründet. Andererseits erhält sich in Paris das Gerücht, als sei ein An- ichlag gegen Tripolis beabsichtigt, auf welches man bekanntlich sn Frankreich schon längst sein Augenmerk gelenkt hat.— Paris, 18. Oktober. Der Berichterstatter des Kassationshoseö. Rath Bard, hat die Durchsicht der Drchfus-Akten beendet und be- reit# mit der Redaktion seines Berichtes begonnen. Der Advokat sviornard, der die Vertheidigung der Familie Drehsus führt, hat bereits das ganze Dreyfus-Doisier studirt und glaubt, daß die Revisionsverhandlung in der ersten Hälfte des November stattfinden wird.— Italien. . Rom, 15. Oktober.(Eig. Ber.) Der„Avant!" veröffentlichte dieser Tage einen Brief eines zu Zwangswohnsitz Verurthcilten. Derselbe befindet sich in der afrikanischen Kolonie Assole. Nachdem ihm seit Monaten die Korrespondenz abgeschnitten gewesen, ist es ihm schließlich gelungen, das betreffende Schreiben absenden zu können. Der Schreiber beschwert sich über die schlechte, ungenügende Kost, die in fast nichts Weiterem besteht, als schlechtem Brot, selten ein wenig Fleisch und salzigem Waffer. Zwei der Gefangenen, die wohlverstanden nur politische„Verbrechen" begangen haben, sind der schlechten Behandlung bereits erlegen.— Tie Genossen T u r a t i und C h i e s i sind in einem Orte der Romagna einstimmig in den Gemeindevorstand gewählt worden. Auch diese P r o t e st w a h l zeigt, daß das Volk über die von der Reaktion Verfolgten ganz anders urtheilt.— Rußland. Petersburg, 18. Okt. Dem„Regierungsboten" zufolge wird der neue Entwurf der finländischen Wehrpflichts- Ordnung, welcher letztere in Einklang mit den betreffenden russischen Reichsgesetzen bringen soll, einer auf den IS. Januar einzuberufenden außer- ordentlichen Versammlung des finländischen Landtags zur Begut- achtung darüber überwiesen werden, wieweit derselbe nach den lokalen Verhältnissen Finlands praktisch anwendbar sei; schließlich solle der Entwurf, da er den Charakter und die Bedeutungeines allgemeinen Reichsgesetzes habe, zur Behandlung im russischen Reichs- rath gelangen. Das Blatt bemerkt hierzu: Durch die geplante Reform wird nicht nur eine organische Verbindung der finländischen Truppen mit der nissischen Armee getroffen, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Einbürgerung der staatlichen Ordnung im finländischen Grenzgebiete Rußlands gethan.— Serbien. Belgrad, 18. Oktober. Das Erscheinen des„Odjek", des Hauptorgans der Radikalen, wurde für die Dauer eines Jahres ver- boten.— Türkei. Koustantinopel, 17. Oktober. Der Minister des Aeußeren, Teivfik Pascha, theilte gestern den Dragomanen der vier Botschaften mit, daß die Pforte alle Bedingungen des Ultimatums annehme. Der Ministerrath wird morgen oder übermorgen die offizielle Ant- wort der Pforte an die Boftchaften feststellen. In den Kreisen der Pforte ivird erklärt, daß am Mittwoch mit Zurückziehung der türkischen Truppen von Kreta werde begonnen werden.— Asien. Die Pest in Indien. Aus Simla wird vom 17. d. M. gemeldet: Die amtlichen Berichte über die Erkrankungen an der Pest in der letzten Woche lassen in der Stadt Bambay eine geringe Ab- nähme der Pestfälle erkennen. Es kamen dort 200 Todesfälle vor. Aus der Präsidentschaft Bombay wurden indessen 43 Todesfälle gemeldet; ebenso ist in den Staaten Mysore und Baroda eine ficht- liche Zunahme der Pesterkrankungen festzustellen. In der Stadt Bangalore starben 244 Personen. In Karachi und in dem uörd- lichen Indien kamen keine Fälle von Pest vor.— Amerika. New- Jork, 18. Oktober.(Franks. Ztg.) Die Reden Mac K i n l e y's, der sich gegenwärtig auf einer Reise im Westen be- findet, betonen immer stärker die N o t h w e n d i g k e i t von Kolonien für den amerikanischen! Handel. Man schließt aus diesen Aeußerungen, daß die Annektion des größten Theils der Philippinen beschlossen ist.— Komps um das Koalitionsrecht! Wie die Koalitio»s„freiheit" heute aussieht, dafür bringt das„Korrespondenz-Blatt" folgendes drastische Beispiel:' Am 22. Juli 1897 vemrtheilte das Schöffengericht in Apenrade den Bevollmächtigten der Zahlstelle deS Holzarbeiter-Verbandes zu vier Wochen Gefängniß, weil er in der„Holzarbeiker-Zeitung" und in der Zahlstellen-'Versammlung bekannt gegeben, daß über die Tischlerwerkstatt von G. die Sperre verhängt sei. G. hatte sich geweigert, die durch Vereinbarung, nicht durch einen Streik, in allen anderen Tischlerwerkstätten eingeführte 10 stündige Arbeitszeit zu be- willigen. Ein Tischler, der nicht Mitglied des Holzarbeiter-Verbandcs war! fühlte sich durch diese Bekanntmachung veranlaßt, die Arbeit bei G. aufzugeben. Das Schöffengericht sah in dieser Bekanntgabe eine Bedrohung und Verrufserklarung, weil die Verhängung der Sperre gleichbedeutend mit Ausschluß der Arbeiter aus dem Ver- bände sei. die dort in Arbeit treten würden. In der Begründung des Schöffengerichts-ErkennMisses kommt folgender charakteristische! Satz vor:„Strafmildernd sei die Unbestraftheit hes Angeklagten, strafschärfend die frivole Handlungsweise, andere, welche ernstlich Arbeit suchen und zufrieden mit ihrer Arbeit sind, davon ab- und � zurückzuhalten!" Auch ein von tiefer ökonomischer Erkenntniß zeugender Satz wird in dem Urtheil aus- gesprochen, und zwar folgender:»Ein Grund, die Arbeitszeit zu verkürzen, liegt bei dem gemüthlichcn und einfachen Handwerks- betriebe in kleinen Orten nicht vor. Um derartigen inuthwilligen Be- strebungen ein für allemal entgegen zu treten, ist eine scharfe Strafe am Platze." Dieses Urtheil ist auch insofern interessant, als es deutlich zeigt, wer in den heutigen Laiengerichten Recht spricht. Das Lanogericht hob dann auf erfolgte Berufung das Erkenntniß auf und sprach den Angeklagten frei. Was aber kaum zu erwarten war, geschah: Auf die Revision der Staatsanwaltschaft hin wies das Oberlandes- gericht in Kiel am 24. November 1897 die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht unter einer Begründung zurück, daß nunmehr eine Verurtheilung erfolgen mußte. Das Ober- landesgericht schloß sich den Gründen des Schöffengerichts vollinhalt- lich an. Die Verurtheilung vor dem Landgericht erfolgte am 23. Februar 1898 und die nochmals bei dem Oberlandesgericht ein- gelegte Revision wurde am 15. Juni 1893 verworfen. Wenn solche Urtheile bei dem gegenwärtig bestehenden Koalifions„recht" möglich sind, dann gehen wir nicht zu weit— und wir wiederholen diese unsere Meinung— wenn wir sagen, es werde nach Inkrafttreten des in Aussicht stehenden Zuchthausgesetzes nicht der Schatten eines Rechts mehr übng bleiben. Protestversammlungen gegen die Zuchthausvorlage sind weiter abgehalten worden in W r i e z e n m der Mark Brandenburg, Pößneck i. Th.(zwei Versammlungen), Darmstadt, Aschersleben, Kaisers- I a u t e r n. Preußische Landtagswahleu. Sozialdemokratische Wahlvorbereitungen. Ms sozialdemokratischer Kandidat für den Landtags-Wahlbezirk Altona wurde einstimmig Reichstags- Abgeordneter Molken- buhr aufgestellt. In Breslau, daS in 422 UrWahlbezirke eingetheilt ist, stellt die Sozialdemokratie, gemäß den Beschlüssen der letzten Partei- Versammlung, in 256 Bezirken eigene Wahlmänner für die dritte Ablheilung auf. In den übrigen Bezirken soll sofort für die Freisinnigen gestimmt werden. Für die zweite Äötheilung werden, wie die„Brcslauer Morgeiizcitimg" mittheilt, eigene Wahlmänner überhaupt nicht aufgestellt. Unsere Gesinnungsgenossen in dieser Klasse sollen auch dort ihre Stimme sofort für den Freisinn abgeben. Staatliche Beiträge zum BolkSschulwesen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß unsere armen„Roth- leidenden" von jeher bestrebt gewesen sind, die Kosten für die noth- wendigen Ausgaben des Staates von sich abzuwälzen. Besonders deutlich tritt dies Bestreben auf dem Gebiete des Volksschulwesens hervor, das die Junker für etwas so Nebensächliches und Ober- flächliches halten, daß sie, wenn cS nach ihnen allein ginge, die Volksschule völlig verkümmern lassen würden. Auch die ge- ringste Ausgabe für die Volksschule erscheint ihnen zu hoch, und sie machen von den Staatszuschüsscn den ausgiebigsten Gebrauch. So wurden nach der soeben erschienenen Statistik des gesammten niederen Schulwesens im preußischen Staat zu den persönlichen Kosten als Bedürfnißzuschuß in sämmtlichen Städten der Monarchie 1 369 OOS M. gezahlt. Die Hälfte dieser Summe entfiel auf die Städte der Provinzen Ostpreußen, Pommern und Posen. Für das Land betrugen die Bedürfnißzuschüsse zu den persönlichen Schullasten etwa daS Vierfache, nämlich 5 169 000 Mark und und diese Summe vertheilte sich etwas gleichmäßiger über das Staatsgebiet, wenn auch die größeren Quoten noch auf den Osten entfallen. Au? dem Schullnsten-Gcsetz erhielten die Städte 8�/4 Millionen, das Land 13 la Millionen. An Dienstaltersund persönlichen Zulagen zahlte der Swat in den Städten 1 876 000 Mark, auf dem Lande 7 392 000 M. Zu den Pensionen trug der Staat in den Städte» 1074 000 M., d. y. ein Drittel der Gesaiumt- samme bei. auf dem Lande dagegen 3 209 000 M., d. h. nahezu zwei Drittel. Größer aber ist der Unterschied bei der Verthcilnng der Staatsleistungen zu den sachlichen Schulleistungen. Während der Staat für Schulbautcn in den Städten nur 43 360 M. aufwandte, zahlte er für das Land 1 123 000 M. Aus dem Patronatsfonds flössen den Städten 10 327 M., dem Lande 470 000, durch königliche Gnadeubewilligung den Städten 61728 M., dem Lande 1448 000 M. zu. Zu den sonstigen sachlichen Schulausgaben trug der Staat in den Städten 82 173 M., ans dem Lande 1 494 000 M. bei. Auch von dieser letzteren Summe entfällt der größere Theil auf die Ostprovinzcn, auf Ostpreußen, Westpreußen, Posen und Pommern, zusammen 950 000 M. Allerdings muß man hierbei in betracht ziehen, daß die Zahl der Lehrkräfte in den Städten und auf dem Lande sich wie 3: 5, die Zahl der Schulkinder sich wie 1:2 verhält; aber selbst unter Berück- sichtigung dieses Zahlenverhältnisses ist das platte Land den Städten gegenüber in hohem Maße bevorzugt, zumal da die größeren Städte so gut wie gar leine staatlichen Aufwendungen erhalten. Trotzdem werden die' Agrarier in ihrer bekannten Begehrlichkeit auch im nächsten Landtage nicht aufhören, über die zu großen Lasten zu klagen, die ihnen durch das Lehrerbesoldungs-Gesctz auferlegt sind. Zum Gedächtnis) Grillenberger's. Heute ist es ein Jahr, daß einer der treuesten,-.muthigsten und erfolgreichsten Vorkämpfer der Arbeiterbewegung die Augen für immer schloß. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf am 19. Oktober 1697 die Nachricht vom Tode Karl Grillenberger's unsere Partei. Von einer Sitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer kommend, wo er seine letzte Rede für die Erweiterung der Volksrechte gehalten, hatte Grillen- berger in München auf der Straße einen Schlaganfall er- litten. Wenige Stunden darauf endete sein thateureiches Leben. An seiner Bahre trauerte die Sozialdemokratie des In- und Aus- landes in aufrichtigem Schmerze, und auch die Gegner, mit denen er so manchen harten Strauß bestanden, zollten unterschiedslos dem Helden des organisirten Proletariats den Tribut ihrer Sympathie. Die Presse aller Parteien und aller Distrikte Deutschlands gedachte Grillenberger's Wirken mit ehrender Anerkemmng und die Mitglieder des bayerischen ParlameMs wie die Vertteter der Stadt München gaben, im Verein mit der Arbeiterschaft Münchens, seiner Leiche das Geleit. - Für das, was Grillenberger geleistet hat, zeugt am deutlichsten die Hauptstätte seines Wirkens, der Distrikt Nürnberg- Fürth. Die Arbeiterschaft daselbst ist unter seiner Leitung und Pflege eine Elitetruppe der deutschen Sozialdemokratie geworden, und nicht herrlicher konnte sie den todten Meister der Propaganda ehren, als es durch die' glänzenden Siege bei der letzten Reichstagswahl geschehen ist. Die Liebe der Parteigenossen hat dem verstorbenen Freunde auf dem Zentralfriedhofe zu Nürnberg ein Denkmal errichtet, das nächsten Sonntag enthüllt werden wird. Möge es dem heran- wachsenden Geschlechte eine Mahnung sein, im Kampfe um die Ber- wücklichung unserer großen Ziele allzett furchtlos seine Pflicht zu üNn und auszuharren treu und redlich wie er l F In der„Leipziger Volkszeituua" hat Genosse B e b e l zu den �Ausführungen, die der Verfasser der Artikel„Glossen zum Parteitag" bezüglich des„Vorwärts" gemacht hat, eine Erwiderung veröffentlicht. Bebel spricht die Auffassung aus, die auch wir theilen. daß die Arbeiter- schaftBerlins einen weitreichenden, ja maßgebenden Einfluß auf ihrBlatt habe. Der Verfasser der Glossen replizirt darauf nochmals; wir glauben zedoch, auf seine Ausführungen nicht eingehen zu sollen, da wir unsere Anschauungen über das Verhäktniß des„Vorwärts" als Zentral- und Lokalorgan in mehreren Artikeln genügend aus- gesprochen haben. Auch Bebel verzichtet in einer weiteren Zuschrift an die„Leipz. Volksztg.", von der er uns bereits Mittheilung machte. weiter auf diese Angelegenheit einzugehen. Genosse Bebel macht auch im Verlauf seiner Ausführungen einige kritische Bemerkungen über den„Vorwärts". Diese sind jedoch so allgemein gefaßt, daß wir vorziehen, statt einer augenblicklichen Entgegnung, die die Sache selbst nicht fördern könnte, mit Genossen Bebel persönlich Rücksprache zu nehmen. Die Redaktion des„Vor- wärts" wird es gewiß nicht daran fehlen lassen, positive Ver- besserungsvorschläge Bebel's durchzuführen. Betheiligung an de» Stadtverordnetcntvahlen in Grabow bei Stettin beschloß der Sozialdemokratische Wahlverein des Kreises Randow-Grcifenhagen. Mit dem Thema der Taktik beschäftigte sich eine Partei- Versammlung in K i e l. Sie legte ihre Anschauungen in folgender Rcsolutton nieder: „1. Die von dem Reichstags-Abgeordneten Genossen Heine wenn auch erst für spätere Zeit empfohlene K o m p e n s a ti on s- Politik, welche darin gipfelt, dem kapitalistischen Staat und seinem Werkzeug, dem Militarismus, Kanonen gegen Volksrechte zu be- willigen,' übersieht den Umstand, daß die Arbeiterklasse durch Ver- stärkung des Militarisnms dem Klassenstaat selbst die Mittel zu ihrer eigenen Vernichtung liefern würde; 2. die Auffassung, daß das Endziel nur eine Dekoration des Parteiprogramms darstelle, die nur bei außergewöhnlichen An- läsien zur Schau getragen zu werden brauche, die aber ftir die praktische Agitation, namentlich die Landagitation, ohne Bedeutung, wo nicht überflüssig oder gar hinderlich sei, ist als irrthümliche Pribatmeinung einzelner Genossen zu bezeichnen. Die Endziele geben nicht nur der ganzen Bewegung die Richtung an, sondern ihre Betonung verleiht auch der Sozialdemokratie jene Begeisterung und Werbekräft, die sie vor allen Parteien auszeichnet und die Sache der Proletarier als zur Sache der Menschheit macht. Der Landagitation diesen prinzipiellen Untergrund rauben, heißt die gegnerische Legende vom antikollektivistischcn Bauernschädel unsererseits akzcptiren, deshalb begrüßen es die Kieler Parteigenossen mit Genugthuung, daß der Parteitag in seiner Majorität für die Beibehaltung der altbewährten sozialrevolutionären Taktik der Partei sich ent- schieden hat; 8, der Gegensatz zwischen Th eorctikern und Praktikern, der auf dem Parteitag zu konstatiren versucht wurde, kann und darf in Wirklichkeit nicht exiftiren. Praktische Arbeit, die nicht durch die Theorie ihre Direktive erhielte, würde uothwendigerweise in uu- zusammenhängendes Experimentircn ausarten, Theorie ohne Praxis kennzeichnet den längst überwundenen utopistischcn Enttvickelnngs- Standpunkt des Sozialismus." Todteuliste der Partei. In Bernburg ist der Partei- genösse E r n st Germer gestorben. Er war in der Arbeiter- beivcgnng schon seit den 60er Jahren thätig und hat allzeit muthig seinen Mann gestanden. Ehre seinem Andenken I In K ö n i g s b e r g i. Pr. ist der Parteigenosse Mahren- holz, Kassirer der Saalbau- Kommission, mitten in seiner Berufs- arbeit infolge eines Herzschlags aus dem Leben geschieden. Er zeichnete sich durch musterhafte Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit aus. Die Parteigenossen Königsbergs werden seiner stets in Ehren gedenken._ Geweekschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung» Vergolder! Nachdem das Gewerbegericht die Ar« bester von August Werkmeister wegen Kontraktbruchs verurtheilt hat. haben sämmtliche 18 Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen und wurden nach Wiederaufnahme der Arbeit von dem Fabrikanten zirka 16—20 pCt. Lohnerhöhung zugebilligt. Bis jetzt hat sich nur die Firma Neumann, Hennig u. Ko. geweigert, die sehr geringe Forderung anzuerkennen und wird deshalb ersucht, den Zuzug bis zur Regelung der Angelegenheit fernzuhalten. Die Agita t i o n s- Kommission der im Vergoldergelverbe beschäf- tigtcn Arbeiter und Arbeiterinnen. Deutsches Reich. Ter Ausstand der Maurer in N e u m ü n st e r wird nach einem einstimmigen Beschluß der Ausständigen fortgesetzt. Es wurde zwar in Erwägung gezogen, daß bereits' eine Anzahl Streikbrecher die Arbeit aufgenommen hak, aber die am Ort sehr günstige Bau- konjunktnr lieh die Streikenden an einem Erfolg ihrer Sache nicht zweifeln. Die Roller nild Wirkelmacher der Zigarrenfabrik Glückmann und Kalicky in S t r i e g a u in Schlesien legten am 15. Oktober die Arbeit nieder. Die Streikenden fordern eine kleine Lohntchöhnng und die Abschaffung vieler Mißstände., Eine Konferenz der Thüringer Metallarbeiter fand am Sonntag, den 16. Ottober, in Weimar statt. Aus 23 Orten waren 31 Dclegirte erschienen, die 3313 Metallarbeiter vertraten. Vom Hauptvorstand des Metallarbeiter-Verbandes war der Vorsitzende Alexander Schlicke erschienen. Beachtenswerth ist die Stellung der Konferenz zur Arbeits- losen- Unterstützung, die in.folgender Resolutton wieder- gegeben ist:„Die Konferenz hält den wetteren Ausbau des Unter« ftützungswesens im Deutschen Metallarbeitcr-Verband für nothwendig und empfiehlt als ersten bedeutenden Schritt der 1899 zu Oftcrn tagenden Generalversammlung des Metallarbeiter- Verbandes, die Einführung der Arbcitslosen-Unterstütznng, die zunächst geeignet ist. die Stabilität des Mitgliederbestandes zu sichern und ein ferneres Wachsen des Verbandes zu garantiren." Eine Mctallarbeitrrkonfcrcnz für Nordbayern tagte in Nürnberg. Dieselbe beschäftigte sich hauptsächlich mit der Frage der Arbeitslosen-Untersttitznng. Nach einem Referate des Genossen S e g i tz und eingehender Diskussion wurde eine Resolution an- genommen, in der sich die Versammlung mit der Ein- führung der Arbeitslosen- Unterstützung prinzipiell einverstanden erklärt und den Vorstand beauftragt, der nächsten Generalversamm- lung einen diesbezüglichen Bericht zu unterbreiten. Tie streikenden Metallarbeiter bei Löblein n. Krafft in Nürnberg erhielten am Sonnabend ihre Entlassung. Der Streik dauert unverändert fort. Ausland. Der Streit der Wiener Buchbinder zeigt keine veränderte Sittiation. Am Montag fand eine gut besuchte Gehilfenversammlung statt, in der eine kampfesfreudige Stimmung herrschte. Die Meister haben am Sonntag beschlossen, sich in keine Verhandlungen einzulassen._ Soziales. Arbeiter-Risiko. In einer Färberei in Unter-Barmen wurden durch Explosion des Dampfkessels 5 Personen verletzt, darunter ein Heizer schlver. Brausebäder für die Arbeiter sind auf dem Lüneburg er Eisenwerk eingeführt worden. Durch die Benutzung dieser wohlthätigen Einrichtung erwachsen den Arbeitern keinerlei Kosten, auch können sie das Bad zu jeder beliebigen Zeit nehmen. Sie haben nur nöthig, den Maschinisten zu verständigen. An einem bestimmten Tage der Woche sind die Bäder für die Frauen reservirt. Zum Kapitel der Armenpflege. Ein katholisches Blatt Bayerns berichtet unterm 12. Oktober:„Jin Orte T r ö b e s ist vor einigen Tagen der Armenhäusler Neuber todt im Bette liegend aufgefunden worden. Derselbe mußte im Turnus bei den Gemeinde-Angehörigen alltäglich seine Kost in Empsana nehmen. Neuber, der schon nahe an den LOer Jahren stand, komite seit einiger Zeit sich bei seinen Kostgebern nicht mehr einfinden und ist. nachdem sich um ihn niemand gekümmert hatte, festgestellteruießl n seit 21. September ohne Nahrung geblieben." Allem Anschein nach ist der arme Alte verhungert. Der Gcmcindcrath von Zlinstcrdam hat beschlossen, die 1900 ablausende Konzession der Straßenbahn- Gesellschaft nicht zu erneuern, sondern den Straßcnbahnbetrieb in eigene R e g i» zn nehmen. Gcv Wjts-Bcif uuö» Snv die Verhandlung des Majcstätsbeleidiguugs-Prozesses gegen Maximilian Horde» ist nunmehr der Termin auf den 31. d. M., vormittags 9>/z Uhr verlegt worden. Die Verhandlung findet vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichts- Direktors Fetisch statt und dürfte mindestens einen vollen Sitzungstag in Anspruch nehmen. Sie wird einer Be- richtcrstattenncldung zufolge voraussichtlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich gehen. Warum das denn? In der Werkstatt deS Tischlermeisters Wellenberg war es uothwendig geworden, über die dort üblichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse die e r f o r d e r Ir ch e n statistischen Erhebungen anzustellen. Wie es unter.Arbeitgebern »och vielfach Brauch, kam Fellcnbcrg der von der orgamsirten Arbeiterschaft zur Recherche eingesetzten Kontrollkommission mit dem Gerede, daß er.Herr in seinem Hause" sei und eine„Polizci-Auf- ficht" über seine Werkstatt„nicht dulde". Als nun gar die beiden Kontrolleure Botzke und-giurmer die Werkstatt bc traten, um dennoch das nöthige festzustellen, wurden diese grob angefahren und bald kam es zu heftige» Ausschreitungen, bei denen die Kontrollcure nicht unbeträchtliche Verwundungen erlitten. Selbst- verftändlich machte Fellcnberg die Sache bei der Staatsanwaltschaft anhängig und diese erhob denn auch gegen die Arbeiter Anklage wegen Hausfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung. Von einem bürgerlichen Gerichte war natürlich nicht zu erwarten, daß es die schivcre Pflichterfüllung, der die beiden Kontrolleure oblagen, zu deren gunstcn in betracht gezogen hätte; das Schosiengericht, vor dem die Sache in der erste» Instanz verhandelt wurde, hielt vielmehr das Vorgehen der beiden Angeklagten für ein so strafwürdiges, daß es Botzke als„R ü d e l s f ü h r e r" f!) zu fünf Monaten Zimmer zn zehn Wochen Gefänguiß verurtheilte. Auf die hiergegen eingelegte Berufung wiederholte die ö. Strafkammer gestern die Bcweisauftiahin.e und kam auf gruud derselben zu den- selben thatsächlichcn Feststellungen ivie der erste Richter. Mit dem Rechtsanwalt Heine mann war die Strafkammer jedoch der Anficht, daß nicht gefährliche, sondern nur einfache Körperverletzung vorliege und ermäßigte daher die Strafe gegen Botzke auf vier Monate, gegen Zimmer auf n e'u n Wochen fängniß. Eilt Ncbcrfntt i«r einem Redaktionsziinnicr beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht in einer Privatklage des Syndikus Karl Löwe gegen den Schriftsteller Karl S ch n e i d t. Elfterer war in dem früheren Verlage der Zeitung„Berliner Herold" thätig letzterer ist Redakteur der Zeitung„Der Reporter". Dieses Blatt brachte unter der Ueberschrift:„Ein Attentat gegen Presse und Inserenten", einen heftigen Angriff gegen die Geschäftspraktiken des genannten Verlages. Auf der' anderen Seite wurde mit einem Artikel erwidert, in welchem es hieß, daß man die Angriffe eines Mannes, der schon so zahlreiche Erfahrungen mit dem Strafrichter gemacht habe und öffentlich sin der„Kritik") der Unterschlagung beschuldigt worden sei, unbeachtet lasse. Herr Schneidt verlangte darauf eine Berichtigung und als diesem Ver langen nicht entsprochen wurde, schrieb er dem Kläger, der in jenem Artikel des„Reporter" besonders angegriffen worden war, einen Brief mit dem Hinweise: wenn er etwa der Verfasser des Arttkels im „Herold" sei, würde er auch die Folgen für den Inhalt tragen müssen. Eines Tages crschienHr. Schneidt vor dem Rcdaktionsburean des„Herold" zur Mittagszeit, wo die Redaktcure gewöhnlich das Haus verließen und die Vcrmuthuilg nahe lag, daß Herr Löwe allein sein mochte. Er eilte zu dessen Zimmer und nachdem er sich vergewissert, daß Lölve anwesend war, trat er ein. Wie die gestrige Verhandlung ergab, hat der Angeklagte dem Kläger bald darauf eine Ohrfeige gehauen, die diesen veranlagte, sofort selbst auf Herrn Schneidt einzudringen, ihn bei der Gurgel zu packen und zu Boden zu schleudern. Die auf den Lärm aus den Nachbarzimmcrn herbei eilenden Personen fanden den Kläger knicend auf Herrn Schneidt. der dann in eins der Nebenzimmer transportirt und dort so lange festgehalten lvurdc, bis seine Persönlichkeit polizeilich fest- gestellt wurde. Die von drei vernommenen Zeugen beschworene Aussage stand mit der Schilderung, die der Angeklagte selbst über den Vorfall in seinem„Reporter" gegeben, in unlöslichem Widerspruch. Er hatte die Sache so dargestellt, als habe sich Löwe fcigerweise den plötzlich ihm versetzten Schlag ruhig und ohne Widerstand zu leisten gefallen lassen und sich„gc- krümmt wie ein Wurm."— Rechtsanwalt Dr. Lubszynski. der mit dem Angeklagten scharf ins Gericht ging, beantragte gegen diesen eine Gcfängnißstrafe und berief sich auf den Angeklagten selbst, der seinerzeit bei dem bekannten Fall Liebling in seinem „Reporter" den Richtern dringend ans; Herz gelegt habe, ein solches„gebildetes Rowdythum" nachdrücklichst zn ahnden.— Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagten zu 600 M. G e l d st r a f e eventuell 100 Tagen Gefängniß, Tragung der Kosten und Publikation im„Reporter". Der Gerichtshof erachtete die Haudlniigsiveise des Angeklagten für brutal, sah jedoch mit Rücksicht auf die Erregung. in welcher dieser sich befunden haben mag, von einer Freiheitsstrafe ab. Die von dem Beklagten erhobene Widerklage wurde als geaeustandslos erachtet, weil die ihr zu gründe liegende Beleidigung auf der Stelle erwidert worden ist. Dieser Fall regt unwillkürlich zu einem Vergleich mit dem vor- hin mitgetheiltcn an. Hier überfällt ein„Gebildeter" einen Berufs- kollegen in dessen Arbeitszimmer, verübt rohe Thätlichkeiten an dem Gegner, und wird dafür alles in allem zu einer Geldstrafe ver- urtheilt. Dort sind zwei„ungebildete" Arbeiter, die in der Arbeitsstätte eines Unternehmers selbstlos einer der Beraifskollegenschaft in hohem Grade dienlichen Aufgabe genügen lvollen und dabei mit dem Unternehmer kollidiren. Das Resultat der Gerichtsverhandlung bildet für die Arbeiter eine monatelange Gefängniß- strafe. Die Arbeiterschaft möge derartige Gegenüberstellungen stets scharf im Auge behalten und, was ja wahrlich nicht schwer ist, sich ihren Vers darauf machen. Zwei in weiteren Kreisen Berlins bekannte Persönlich- keitcn, der Maler und Illustrator F. I ü t t n e r und der drama- tische Schriftsteller Stahl standen sich gestern vor dem Schöffen- gericht gegenüber, crsterer als Kläger,� letzterer als Angeklagter. Herr Jüttner war in einem Zivilprozesse, an welchem Herr Stahl ein Interesse halte, als Zeuge vernommen worden und hatte seine Aussage beeidigt. Herr Stahl glaubte, daß Herr JütMer die wirk- Ischen Thatsachen nicht mit seinem Emde in Einklang bringen könne und äußerte sich einem gemeinsamen Bekannten gegen- über dahin, daß Herr Jüttner einen Meineid geleistet habe. Er hat denn auch eine Strafanzeige wegen Meineides erstattet, die auf dem Wege der Beschwerde bis vor das Kammergericht gebracht und dort cndgiltig zurückgewiesen ist. Run- mehr klagte Herr Jüttner wider Stahl wegen seiner mündlichen Aeüßerung gegenüber dem gemeinsamen Bekannten. Der Gerichtshof verurtheilte Herrn Stahl zu 100 M. Geldstrafe event. 20 Tagen Gefängniß, loobei mildernd in Erwägung gezogen wurde, daß nach der kammergerichtlichen Entscheidung in dem Eide des Klagers eme kleine objektive Unrichtigkeit untergelaufen war, die denselben aller- dings keineswegs strafbar macht. Die sehr bekannte Magdeburger Justiz hat am Montag abermals dem Reichsgericht zur Korrektur vor- gelegen. Wegen Beleidigung preußischer Richter war am 20. Juli vom Landgerichte Magdeburg der Redatteur der„Volksstimme", unser Parteigenosse A u g u st Müll er. zu drei Monaten Gefängniß verurthettt worden. Er hatte einen Arttkel abgedruckt, der gegen einen vom„Hannoverschen Kurier" unter der Ueberschrift„Sozialdemokrattscher Terrorismus" veröffentlichten Artikel polemifirte. Darin war auseinandergesetzt, daß die Sozialdemokraten kein Vertrauen zur Rechtsprechimg hAten, da die Gerichte in bezng- auf das Verhalten gtgen Streikbrecher, auf Streikposten u. f. w. da? Gesetz willkürlich auslegten. Das Landgericht hat in diesen Darlegungen den beleidigenden Vorwurf gegen die deutschen, insbesondere preußischen Richter erblickt, daß sie nach Willkür verfahren und das Recht beugen. Der Angeklagte hat, so heißt es im Urtheile, Thatsachen zur Begründung seiner Behaupwng nicht angegeben und als Quelle, aus der er den Artikel erhalten, eine andere Zeittmg bezeichnet. Auf die R e v i s i o n des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urtheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. In der Begründung wurde ausgeführt, die Feststellungen gäben dem Verdachte Raum, daß die Strafkammer den Äechtsbegriff der Thal fachen verkannt habe und daß eine Verwechselung von abfälliger Kritik und konkreten, positiven Vorkommnissen vorliege. Den Jrrthum eines Bankbeamten sollte der Schankwirth Wilhelm tzildebrandt aus Wilmersdorf sich zu Nutze gemacht und dadurch einen Betrug begangen haben, der ihn gestern vor die 132. Abthcilnng des Schöffengerichts führte. Hildebrandt hinterlegte im verflossenen Sommer bei der Filiale der Deutschen Bank in der Potsdamersttaße Preußische Konsols zum Nennlvcrthe von 3800 M. Er hob je nach Bedarf Beträge von seinem Guthaben ab. Im Mai d. I. hatte Hildebrandt insgcsammt 2018,70 M. abgehoben. Er ersuchte am 26. Mai die Bank, die hinter- legten Papiere zu verkaufen. Schon zwei Tage darauf erhielt der Angeklagte. die Schlußnote, wonach der Erlös aus den verkauften Papieren sich auf 3926 M. 90 Pf. belief. Hildcbrandt ging sofort zur Bank, legte dem Kassirer die Schlußnote vor und bat denselben, ihm ein Quittungsfonnular auszufüllen. Der Beamte kam dem Wunsche nach, Hildebrandt unterzeichnete und erhielt dann den vollen Bewag ausgezahlt. Erst nach einigen Tagen entdeckte man in der Bank, daß es durch eine eigenthümliche Verkettung von Um ständen verabsäumt worden war, das Konto des Angeklagten zu prüfen. Die von ihm bereits abgehobenen 2018,70 M. waren ihm irrthümlichcrweise nicht in Abrechnung gebracht worden. Die Bank schrieb an den Angeklagten und als dieser nichts von sich hören ließ, wurde gegen ihn Anzeige erstattet. Vor der Polizei behauptete Hildcbrandt, daß er in' der Bank nur so viel ausgezahlt erhallen habe, als ihm zukam. Im Termine änderte er seine Aussage dahin, daß er das ihm aufgezählte Geld eingestrichen habe, ohne es nach- zuzählen, es seien viele Leute im Vorraum gewesen und er habe sich deshalb beeilt, fortzukommen. Er habe das Geld zu seiner Braut gebracht, die es mit ihrem eigenen Baar- vennögen vermischt und es zur Aussteuer verausgabt habe. Der StaatsaiNvalt glaubte dies dem Angeklagten nicht, der unmöglich so lvcnig gcschästsgewandt sein könne, wie er sich stelle. Auffallend sei es schon, daß der Angeklagte alle früheren Quittungen, wenn er Geld abhob, selbst ausgeschrieben hatte, während er sich die letzte Quittung vorschreiben ließ. Wenn sich die Handlungsweise des Angeklagten auch nicht als Betrug kennzeichnen lasse, so liege doch Unterschlagung vor. Der Staatsanwalt beantragte diescrhalb eine Gefängnißstrafc von zwei Monaten. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Coßmann. führte aus, daß die Handlungsweise des Angeklagten sich überhaupt nicht unter einen Paragraphen des Strafgesetzes bringen laste. Von einer Unterschlagung könne ebensowenig die Rede sein ivie von einem Betrüge, eS liege einfach ein Zivilansprnch der Bank gegen den An- geklagten vor, der im Wege der Klage geltend zu machen sei. Der Gerichtshof beschloß die Vertagung, um die Gcschäftsvcrhältnisse, welche zwischen der Bank und dem Angeklagten bestanden haben, zu prüfen._ VerlÄurmIuttgen. Die derzeitigen Lohn- und Arbeitsvcrhältniffc im Betrieb der Firma Siemens u. Halske iCharlottenburger Werk) bildeten die Tagesordnung einer von über 1600 Arbeitern besuchten Ver- sammlung, die am Montag den großen Saal der Kroncu-Brauerei bis auf den letzten Platz füllte. Nach den Nnssühnmgcn des Re- serentcn Litfin sind die Befürchtungen, die von den Arbeitern ge- hegt wurden, daß mit der Umwandlung der Finna in eine Aktien- gefellschaft eine Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse platz greift. völlig gerechtfertigt. In der letzten Zeit sollen Lohnabzüge auf eine große Anzahl von Artikeln von 10, 20, 30 und so- gar 40 pEt. vorgenommen worden sein. Dabei sind aber durchaus keine technischen Verbesserungen eingeführt worden, die etwa die Fertigstellung der Arbeit erleichtern könnten. Es ist vorgekommen, daß qualifizirte Arbeiter bei angestrengter Arbeit viele Wochen hindurch nur Löhne von 11 und 12 M. pro Woche erzielten. Nach der Fabritordnung sollen allerdings die Akkordprcisc mit den Arbeitern vereinbart werden, was aber regelmäßig unterlassen wird. Frägt aber wirklich einmal ein Arbeiter nach dein Preis, so erhält er oftmals eine barsche Antwort, und ivenn er gegen den niedrigen atz etwa gar monirt, so erfolgt häufig die in einzelnen Abthcilnngen sehr übliche Antwort:„Wen, es nichl'paßt, der kann gehen." Die Arbeiter sind geradezu angewiesen, bei der Arbeit zu pfuschen, um bei den Akkordpreiscn wenigstens einigermaßen zu ihrem Lohn zu kommen. Verschiedene Arbeiten, die früher von Arbeitern ausgeführt wurden, werden jetzt, natürlich zu einem viel niedrigeren Preis, von Arbcitcriimen fertiggestellt. Lohnarbeiter werden eingestellt mit einem Stundenlohn je nach dem Alter von 20, 21, 22 Pf. und 24jährige Arbeiter erhalten erst einen Stundenlohn von 30 Pf. Bei den Arbeitern ist die Meinung vorherrfchend, daß an der Reduzirung der Akkordprcise und auch an den sonstigen bemängelnden Neuerungen insbesondere einzelne Personen schuld sind, die im Werk in Amerika thätig waren, das wegen mangelhafter Leitung, wie in der Presse behauptet wird, eingegangen ist. Einer dieser Herren, der gewöhnlich mit der Uhr in der Hand die Arbeiter bcodachtct. glaubt immer, daß zu langsam gearbeitet wird und sein llrthcil ist fast stets: die Arbeit ist viel zu thcuer. der Akkordpreis ist zu hoch. Lebhafte Klage wird von den Arbeitern auch über das Verhalten der sehr zahlreichen Meister und.Vizemeister geführt, von denen sich viele lediglich als Antreiber betrachten. Einige von diesen sollen sich in der rigorosen Behandlung der Arbeiter ganz besonders hervor- thun und dabei häufig die gewöhnlichsten Schimpfwörter gebrauchen. Oft sind es diese Meister, welche die Lohnrcduziruiigen veranlassen, um sich nach oben hin beliebt zu machen. Allerdings sind auch Meister vorhanden, die nicht in dieser Werfe verfahren und die ebenfalls die gerügten Zustände und die fortwährenden Lohnabzüge vcrurtheilen. Eine weitere Beschwerde der Arbeiter ist die Beschränkung der Pausen. So soll B. die schon zu kurz bemessene Frühstückspause von einer Viertel- tunde durch das eigenmächtige Vorgehen des Portiers gewöhnlich noch um einige Minuten gekürzt werden. Sehr ungerechtferttgt ist ferner, daß Akkorbarbeiter oftmals Veränderungen an der Arbeit vor- nehmen müssen, die keineswegs durch ihre Schuld veranlaßt wurden und hierfür, trotzdem sie manchmal stundenlang daran arbeiten, keinen Pfennig Lohn erhalten. Nachdem der Redner noch mehrere Einzel- Herten aus dem ihm unterbreiteten Material angeftihrt hatte, forderte er schließlich zum festen Zusammenschluß in derOrganisation auf, um durch ein einmüthiaes Handeln der in diesem Betriebe beschäftigten Ar- beiter die Be'icittgung der Mißstände zu ermöglichen. Mit stürmischem Beifall wurden die' Ausführungen des Redners von den Ver- animelteu belohnt. Als erster Redner ergriff ein Ingenieur und Abtheilungschef das Wort, welcher auch nicht bestritt, daß ungünstigere Verhältnisse für die Arbeiter in der letzten Zeit eingetreten sind. Er ührte an, daß andererseits in den letzten Jahren große Konkurrenz- innen entstanden und damit gerechnet werden müsse. Der Redner ist im weiteren der Meinung, daß die von den Arbeitern mit Recht gerügten Mißstände an maßgebender Stelle nicht be- kannt seien und räth gegen ungerechte Behandlung und niedrige Bezahlung den Beschwerdeweg zu betreten. Die angeführten Miß- tände seien nicht zum Bortheü der Firma und es lei bedauerlich, wenn solche vorhanden sind. Er hält es auch nicht ftir richtig, daß die Arbeiter die erwähnten Aenderungen umsonst ausführen sollen, sondern sie sollen in geeigneter Weise Bezahlung hierfür verlangen. Einen sehr schlechten Dienst hat der angegriffene Portier, Herr K r a m e r, der Firma durch sein Auftreten in der Versammlung geleistet. Dieser Herr, der sehr wichtig that und in seiner Eigew schaft als Portier den Schutzpatron der Firma spielte, stellte zunächst ohne jedwede Begründung die Behoupiung auf, daß durch die Brutalität der Arbeiter gegen die Unter- nehmer die Mißstände entstehen. Dann bestritt er, daß er nicht zur richtigen Zeit das Signal zu den Pausen gebe und schließlich verlas er eine Rechnung,' die man ihm in die Hände gespielt harte. durch die er nachweisen wollte, wie viel die Arbeiter verdienen, die nach seiner Meinung in Herrlichkeit und Freuden leben. In dieser Rechnung, die auf ca. 40 M. lautete, waren Hühner, Gänse, Spargel, für 10 M. Kuchen und sonstige Delikatessen berechnet. Während die ersten Ausführungen des Redners eine starke Erregung der Ver- sammlung verursachten, entstand eine schallende Heiterkeit beim Ver- lesen derRechnung, denn es wurde gleichzeitig festgestellt, daß das corpus delicti von einem Mann herrührt, der nebenbei ein Vorkostgcschäft betreibt, und die Waaren zum Wiederverkauf bezogen hat. Also mit den Champagner trinkenden Maurern, slias Metallarbeitern war es wieder nichts und der Redner mußte unter schallendem Gelächter abtreten. Von den weiteren Diskussionsrednern wurden die Ausführungen des Referenten vollauf bestätigt und behauptet, daß die� Beschwerden zwecklos sind und gewöhnlich daraufhin die Entlassung erfolgt. Dasselbe wurde auch in den Briefen, die dem Referenten noch während der Versammlung zugingen, behauptet und darin noch ver- schicdcne andere Vorkommnisse angeführt. Nach einem kurzen Schluß- wort des Referenten, der nochmals für den Anschluß an die Organisation plädirte, erfolgte der Schluß der imposanten Versammlung. In einer Versammlung der Scheibcntöpfer, die am Sonntag, den 16. Ottobcr tagte, referirte August I a c o b e y über:„Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Scheibentöpfereien". Den Aus- führungen des Referenten folgte eine lebhafte Diskussion, in der mannigfache Klagen über Mißstände in den hiesigen Scheibentöpfcreieu (Blumeittopf-Faörikation) zum Ausdruck gelaugten. Allseitig wurde hervorgehoben, daß die hiesigen Blumeutopf-Dreher in bezug der jetzt üblichen Entlohnung und der ftir Berlin bestehenden Arbeitsmethode, wohl Aenderungen zu ihren gunstcn herbeiführen könnten, wenn die geringe Zahl der in diesem Berufe beschäftigten Personen solidarisch zusammenhalten würden. Leider sei dies gegenwärtig in aus- reichendem Maße nicht der Fall, und es soll nun, wie bisher, durch regelmäßige dem Fach entsprechende Vorträge und Diskussionen versucht werden, die dem Zcntralverband fenistchcndcn Kollegen für die Organisation zu gewinnen. Getadelt wurde ferner, daß die oraanisirten Kollegen unregelmäßig die Branchcn-Vcrsnnnnlungen besuchen. Die Handlungs- Gehilfen und-Gehilfinnen hielten am Montag in den„Arminhallen" eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Benno Maaß über„Menschenstcuer zur Rettung des Mittelstandes" referirte. Der Redner beschäftigte sich ausschließlich mit dem geplanten Umsatzsteuer- und Pcrsonalstcuer-Systcm der Großbazare, durch deren Einführung man wähne, die modernen Riesen- Verkaufshäuser, wenn auch nicht gänzlich zu vernichten, so doch recht empfindlich zu treffen. Durch Lahmlegung dieser Konkurrenz hoffe man wieder dem Kleinhandel und dem Kleingewerbe, d. h. dem Mittelstände, auf die Beine helfen zu können. Sache der klassenbewußten Handlungs- gehilfen und aller derjenigen, die ihre Lage erkannt haben, sei es, gegen jeden derartigen Bcsteucrungsversuch. dessen Lasten die Geschäfts- inhaber doch nur auf die Schultern ihrer Angestellten abwälzen würden, im eigensten Interesse ganz energisch Protest zu erheben.— In der Diskussion ergreift als erster Redner ein Herr Sachse da? Wort. In der aus antiscmittschen Versammlungen bekannten Tonart preist er den Handlungsgehilfen als einzigen Rettungsanker den deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverband an. In haltlosen Redensarten fällt er über die sozialdemottattsche Beivegnng unter den Kaufleuten her, und entwickelt dabei eine geradezu verblüffende Unkenntnitz der Dinge. Die richtige Antwort wurde ihm denn in derber und ein- leuchtender Weise von Liepmann ertheilt, der diesem antisemiti- scheu Unfug gegenüber die Kausleute zum zahlreichen Beitritt in den Verband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands auf- fordert. Maaß empfiehlt in seinem Schlußwort eine von Swienty eingebrachte Rcsolutton, nach welcher die anwesenden Kollegen und Kolleginnen Protest gegen jede Besteuerung des Um- satzcs und des Personals erheben, iveil sie die EntWickelung zum Großbetrieb als einen kulturellen Fortschritt betrachten. Diese Re- solution wird einstimmig angenommen. Tic Lackircr hatten für Montag eine öffentliche Versammlung einberufen, um sich mit ihrer Stellungnahme zum Jnnungsgesetz zu befassen. Nach einem mit Beifall aufgenommenen Referat des Gen. Jahn über dieses Thema sprachen sich Höft, Lehmisch und G u i a r d für und L c p k e gegen die Betheiligung an der Wahl zu den Gcsellcn-Ansschüssen zc. aus. Letzterer war der Meinung, daß man leider nur wenige geeignete Personen hierfür unter den Lackirern finden werde. Von den anderen Rednern wurde dagegen geltend gemacht, daß eine Bethciligung nothwendig sei, da die bisherige Innung bereits die Einftihrung einer Zwangs- Innung beschlossen habe. In diesem Sinne gelangte auch eine Resolution zur Annahme, wonach sich die Lackircr für Bethcili- gung an den Wahlen zu dem Gesellenausschusse erklären, falls die Einführung einer Zwangsinnung vom Minister genehmigt Iverden sollte. Es soll dann eine weitere öffentliche Versammlung mit ent- sprechender Tagesordnung einberufen Iverden.— Als Revisoren für die Agitationskonmiifsion wurden hierauf Ma tusch und L e h m i s ch gewählt. Unter Verschiedenem ersucht Höft um Entfaltung einer regeren Agitation als bisher und um Material ftir die Agitationskommission. insbesondere bezüglich der Werkstubenverhältnisse und Arbeitslosenunterstützung. da in nächster Zeit die Entscheidung über die obligatorische Ein- führung der Arbeitslosenunterstützung herbeigeführt werden soll. Guiard ersucht um regere Bethciligung an der Sammlung zum Agitationsfonds, wofür Marken a 10 Pf. von den Mitgliedern der Agitationskommission sowie an jedem Sonntag Vormittag von 10 bis 12 Uhr im Vcrcinslokal„Zum eichenen Stab" bei Schöning, Köpni'ckerstr. 68 zu haben sind._ Ur�te und Deposlszeu. Berlin, 18. Oktober. Ein Telegramm aus Konstantinopcl ver- lautet: Der deutsche Kaiser und die Kaiserin sind heute Vormittag hier angekommen und vom Sultan empfangen worden. Mannigfache Festlichkeiten sind geplant. London, 18. Öttcber.(W.T.B.) An der Süd- und Ostküste Englauds wüther ein heftiger Sturm. Eine Anzahl Fischerboote sind gescheitert. die Mannschaften wurden gerettet, zumcfft mittels Raketeuapparats. Zwischen Dover und Calais ist der Danipferdieust eingestellt worden. Auch aus Schottland wird Sturm geme'det; an der Küste von Northumberland scheiterte die norwegische Barl„Urda"; zwei Manu der Besatzung sind ertrunken. London, 18. Oktober.(W. T. B.) Gestern Abend wurde bei Wrawby sLincolnshire) ein Personenzug dadurch theilweise;■ trümmcrt, daß er mit einer Holzladung zusammenstieß, welche aus den Güterwagen eines auf'dem Nebengeleise fahrenden Zuges herausragtc. Neun Personen wurden getödtct, zehn verletzt. Rom,>18. Oktober.(W. T. B.) Die ftanzösischc Regierung notifizirte der italienischen Regierung amtlich ihren Beitritt zur Anti-Anarchistcn-flonfereiiz. Rom, 18. Oktober. e r acht der Streit, nicht etwa darüber, wohin wir gehen tollen 'st es deim so ganz ausgemacht, daß die pessimistischen Propheten wie Bernstein und Wollmar mehr recht haben als die optimistischen, wie Bebel und Kautsky, und daß nicht einmal die Optimisten ivie die Pessimisten mitten in der Diskussion von den Ereig- nissen überrascht werden, daß es ihnen allen, wie Bebel es einmal ausdrückte, nicht gehen kann wie den thörichten Jungfrauen in der Bibel, die kein Oel auf der Lampe hatten, als der Bräutigam kam? Nun in der That, das fürchten wir nicht. Denn so wichtig dieser Streit ist für den Standpunkt der Partei, so wenig scheint er uns für ihr Handeln in jedem Augenblick zu bedeuten. Man sehe doch zu. Bernstein sieht Europa durch englische Brillen, er sieht, wie die Privilegien der kapitalistischen Bourgeoisie Schritt für Schritt demokratischen Einrichtungen weichen und die gesellschaftliche Gegen- agitation gegen die ausbeuterischen Tendenzen des Kapitals immer kräftiger wird. Wir festländischen Sozialdemokraten sehen, wie das Deutschland der letzten Jahre den Weg von den kaiserlichen Erlassen vom 2. Februar 1830, die„zur Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter die Hand bieten wollen", bis zur Ankündigung der Zuchthausvorlage durch Kaiser Wilhelm im Jahre 1833 findet. Er, Bernstein, sieht die„Katastrophe" im weiten Felde, unabsehbar, wir empfinden die Spannung als ganz uner- träglich. Aber so verschieden auch darum die Beurtheilung der Zukunft ist. ivas folgt daraus für die Taktik von heute, und giebt es einen einzigen Punkt der politischen Praxis, der k o n- treten Taktik der Partei, in dem Bebel und Auer, Kautsky und Bernstein sich nicht sofort einig wüßten? Nein, sagen wir, und fürchten keinen ernsthaften Widerspruch. Die Stellung der einzelnen Genossen zur Agrarfrage, zu den Landtagswahlcn hat gezeigt, daß sie sich in der Praxis keineswegs nach ihrer Meinung über die Katastrophcntheorie und das Endziel gruppiren, sondcrn'nach wesentlich näherliegenden Gesichtspunkten. Nach unserer Ansicht wird die ganze Diskussion wesentlich da- durch beeinflußt, daß Deutschland, was auch nicht vorhergesehen werden konnte, in dreißig Jahren zu einem der ersten Industrie- ländcr der Welt geworden ist und gegenwärtig noch im Stadium der wirthschaftlichen Prosperität steht. Wann die Krise kommt, wer will es sagen? Daß sie überhaupt nicht mehr kommt, wer wagt es, zu behaupten? Kommt sie aber, dann dürften die Stimmungen wesentlich andere werden. Das Ganze ist, daß die Sozialdemokratie nicht nur für die Zukunft, sondern auch für die Gegenwart des Proletariats kämpfen muß und kämpft. Der Fehler Bernstein's liegt unserer Meinung nach darin, daß er oft offene Thüren einrennt und mit großem Auf- wand an Wissen und Scharfsinn neben manchem Falschen einen ganzen Haufen Wahrheiten sagt, die niemand leugnet, und daß er dadurch den Schein erweckt, als würden diese Wahrheiten in der Partei nicht anerkannt. Niemand in der Partei, weder in Deutschland noch andcswo, läßt es daran fehlen,„die Er- Weiterung der politischen und gewerblichen Rechte der Ar- beiter" als Mittelpunkt unserer ganzen Arbeit zu behandeln, und wie auch jeder einzelne von uns darüber denken mag, ob die„Katastophe" fern oder nah ist, wir setzen alle Kräfte an die langsame. Hebung der Lebenshaltung und der politischen Macht des Proletariats, als ob sie allein das„Endziel" wäre, und wir arbeiten so fieberhaft rastlos daran, als ob morgen die„Katastrophe" vor der Thür stünde. Wie lang oder wie kurz der Weg zum Ziele sein mag, wir wissen es nicht, aber auf der Luftlinie können wir nicht marschiren, so sicher sie die kürzeste ist, sondern auf den unebenen und krummen Wegen der gegebenen Verhältnisse müssen wir, wie Engels sagt,„in hartem, zähem Kampfe von Position zn Position langsam vordringen". Und bei jeder Biegung des Weges müssen wir gewärtig sein, vor Ueber- raschungen zu stehen in dem einen Sinne wie in dem anderen. Weil wir aber den Weg nicht in seiner ganzen Strecke übersehen könueit, weil wir uns vielleicht allzu hossnungssrcudig über seine Länge täuschten, sollen wir uns uno den unfcren den Ausblick auf den ragenden Gipfel versagen, dem wir in unsäglicher Mühsal zusteuern?' Wie unpraktisch diese praktischen Menschen doch oft sind I Die Kraft unserer Partei, die Leistungsfähigkeit jedes einzelnen unserer Genossen ruht darauf, daß er weiß, daß das lleberntaß von Arbeit, von Opfer, von Muth und Ausdauer, das er sich und den andern täglich zumuthen muß, nicyt nur dem Wohb einzelner Gruppen, die er vor sich sieht, gewidmet ist, sondern das er der Träger eines Stückes Geschichte ist, daß er nicht nur für die Gegenwart arbeitet, sondern auch für die Zukunft. Aller- dings, nicht nur für die Zukunft, sondern auch für die Gegen- wart. Denn der Gipfel unheimlicher Thorhcit ist jene Hoffnung der Gegner, die meinen, nun das Endziel der Sozialdemokratie diskutirt werde, müsse es mit ihrer Zaubcrntacht über die Massen bald zu Ende sein. Mit der Theorie von der unaufhaltsamen, unvermeidlichen fortschreitenden Verelendung des Proletariats müsse die Sozialdemo- lratie fallen, meinen sie. Als ob das wirklich auf die Arbeiter so ab- schreckend wirken müßte, wenn wir ihnen sagen dürfen: der Weg, den wir euch führen wollen, führt nicht, wie wir einst meinten, durch immer tieferen Jammer, sondern ihr sekbst sollt, wenn nicht das Ziel, doch ein Stück Kultur, ein Stück Erhebung, ein Stück Menschwerdung er- leben und genießen. Ja, daß ihr Menschen werdet, das allein setzt euch in den Stand, das Ziel zu erreichen. In einem schon nach dem Parteitag erschienenen Artikel im „Vorwärts" hat Bernstein den österreichischen Sozialdemokraten die Ehre angethan, sie„Meister jenes Opportunismus" zu nennen, den er für das Ideal der Taktik hält. Es ist richtig, daß wir in Oester- reich auf schwierigem Boden manchen erfreulichen Fortschritt gemacht haben; wenn er aber meint, daß wir dabei den Blick unaufhörlich auf den Boden gesenkt haben, um nur ja keine Unebenheit zu über- sehen, und daß wir uns den Ausblick auf die Ziele der Bewegung verstellen, dann irrt er sich. Wir Ivären längst zu gründe gegangen in dem Sumpfe österreichischer Dinge, wir hätten der Bewegung nie den Schwung geben können, der nöthig ist, um unsere Art von„Opportunismus" aushalten zu können, wenn wir am Boden kleben und nicht den Blick frei erheben würden zu den Zielen der Bewegung. Wir österreichischen Sozialdemokraten wissen uns in voller lleberemstimmung mit der überwältigend großen Mehrheit unserer deutschen Genossen, deren Ueberzcugung in Sttlttgart so glänzend zum Ausdruck gekommen ist. Was Kautsky unter der jubelnden Zustimmung der Delcgirten dort sagte, war uns aus der Seele gesprochen, und wie unsere deutschen Genossen sind wir bereit, in harter, täglicher Arbeit als Pioniere zu schanzen, aber ebenso bereit, die Schlacht zu schlagen, wenn der Feind uns zwingt, sie aufzunehnten. Auch wir sehen die Gefahr, daß es zu solchen Krisen kommt, für keineswegs überwunden an. Die Thorheit und die Brutalität unserer Gegner ist nicht geringer, eher größer als irgend- wo in der Welt, und unsere ganze Kunst muß sein, zu trachten, daß das Schlachtfeld und der Schlachttag nicht gar zu ungünstig für uns, vor allem aber, daß unsere Armee bereit sei.... Der Stuttgarter Parteitag hat natürlich über die Frage, die Bernstein ivirklich aufgeworfen, die Frage, wo wir stehen? Und als er war. Man sehe doch, welches Schicksal die paar wohlmeinenden Mittler haben, die dem Bürgerthum zum sozialen Frieden rathen, man sehe die Hetze gegen die nationalsozialen und staatssozialistischcn Priester und Professoren. Nun sagt uns Bemstein: Ihr auf dem Kontinent seid eben rückständig. Das ist wahr, aber wir können unsere Gegner nicht anders be- handeln, als sie sind. Sollen wir warten, bis sie sich mausern werden? Wer weiß, thun sie das! Es hat gar sehr den Anschein. die herrschenden Klassen auf dem Kontinent werden sehr rückständig und durchaus ungcmausert zur Grube fahren müssen. Keinesfalls giebt es irgend eine Erfahrung, die uns veranlassen könnte, den Panzer des streng geschlossenen proletarischen Kampfes abzulegen. Das hat der Parteitag in Stuttgart � utlich herausgesagt, und auch darin fühlen wir in Oesterreich uns mit ihm einig. sfcXcsf* Arbeiter, Parteigenossen! Heute Abend 8>/« Uhr finden in den unten verzeichneten Lokalen sechs Parteivcrsammlungen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauenspersonen. 2. Wahl der Mitglieder der Lokal- und Preßkommission. 3. Bericht- erstattung der Delegirten vom Parteitage. 4. Diskussion. Die Wichtigkeit dieser Tagesordnung gebietet, daß in allen parteigcnössischen Kreisen für die Versammlungen agitirt und ein zahlreicher Besuch herbeigeführt werde. Die einzelnen Wahlkreise halten die Versammlungen in folgenden Lokalen ab: 1. Wahlkreis:„Arminhallen", Kommandantenstr. 20. 2. Wahlkreis:„Bock-Braucrei", Tempelhofer Berg. 3. Wahlkreis:„Brochnow", Sebastianstr. 33. 4. Wahlkreis:„Stechert", Andreasstr. 21. 5. Wahlkreis:„Schweizer Garten", Am Königsthor. 6. Wahlkreis:„Kolberger Salon", Kolbergerstr. 23. Die juristische Sprechstunde wird D i e n st a g s, Donners- t a ns und Freitags abends von 7'/? bis 8>/s Uhr abgehalten. / Unser Parteigenosse Reichstags- Abgeordneter Arthur Mtadthagcn hat die von der achten Sttafkammcr am Landgericht I am 18. November v. I. gegen ihn erkannte Strafe von fünf Monaten Gefängniß, die am 17. September d. I. vom Reichs- gericht bestätigt wurde, gestern in Plötzensee an- getreten.' Die Strafe wurde s. Z. ausgesprochen, weil Stadthagen die preußischen Verwaltungsbeamtcit. die Offizier� und Unteroffiziere, die Richter, den hochseligen Brausewetter im besonderen und endlich die Polizeibeamtcn beleidigt haben sollte. Ursprünglich war auf ein volles Jahr Gefängniß erkannt worden; nachdem' das Reichsgericht jedoch die Sache' an das Landgericht zurückgewiesen hatte, sprach dieses das vorhin erwähnte Urtheil aus. Der Kampf, den Stadthagen gegen die Mißstände namentlich des preußischen Polizeiwcsens seit Jahren zu führen hatte, ist be- deutsam genug, um nicht allein von der Gegenwart, sondern auch von der Zukunft, und gewiß nicht znni Ruhme der Herr- schcnden Kreise, gewürdigt zu werden. Es ist bekannt, welches Verdienst sich Stadthagcn namentlich durch Herbei- führung der am ö. und(3. Oktober gepflogenen Gerichtsverhandlungen erworben hat, in denen eine unglaublich lange Reihe der abscheulichsten Mißhnndlungsfälle auf Polizeistationen durch zahlreiche Zeugen- Aussagen auf das eklatanteste erwiesen wurden, Mißhanolungsfälle, gegen die die vielverschrieenen„Ausschreitungen" streikender Arbeiter, wegen deren man ein Zuchthattsgesetz schaffen will, sich ausnehmen wie harmlose Kindervalgercicn.v' Bezeichnend für das Verhalten, das man in pWußischcn Re- gicrungskreisen zur Schau trägt, ist aber die Behandlung, die man von dieser Seite einem Mann wie Stadthagcn zu theil werden läßt. Unser Parteigenosse sendet uns folgende Zuschrift zur Vcx- öffentlichling: Am 1. Oktober richtete ich an den Justizminister das Gesuch, mir, da ich bislang im Gefängniß an Lungenblutungen litt und mir ohne Geuehnngung des Justizministers nach dem Gefängniß? Reglement Selbstbeköstigung nicht gewährt werden kann, Selbstbeköstigung auf meine Kosten— eventuxll aber wenig- stens mir zu gestatten, täglich zwei Liter Milch auf meine Kosten mir zu verschaffen und Selbst- bcschäftigung mir zu gewähren. Auf dieses Gesuch bin ich bis heut? ohne Antwort geblieben. Hingegen erhielt ich am 5. Oktober— dem Terminstagc in der letzt wider mich verhandelten Strafsache— seitens der Staats- anwaltschaft die Aufforderung, bis spätestens am 15. Oktober die durch Erkcnntniß des Reichsgerichts vom 17. September 1838 bestätigte fünfmonatliche Gcfängnißstrafe anzutreten. Am 11. Oktober fand ich Ladung des Reichsgerichts zu einem Termin am 4. November vor(es handelt sich um meine Revision gegen das Urtheil des Hanauer Landgerichts vom 11. Juli). An demselben Tage beantragte ich. mit Rücksicht au; diesen Termin, Strafaussetzung bis zum 6. oder 0. November. Darauf erhielt ich am 13. Oktobex folgenden Bescheid:„Ihrem Strafaufschubs-Gesnche vom 11. d. M. vermag ich nicht stattzugeben, da der Umstand, daß in einer Straf- fache wider Sie am 4. November d. I. Termin vor dem Reichs- gericht ansteht, die Aussetzung der Strafvollstreckung nicht recht- fertigen kann. O b Ihre Vorführung veranlaßt werden soll, falls Sie auf des persönlichen Wabrnchmung des Termins bestehen, muß späterer Eni- schließung vorbehalten bleiben." Unterschrift. Unmittelbar nach Empfang dieses Bescheides erhielt ich am 13. Oktober sodann Ladung zum 25. Oktober 2Kz Uhr nachmittags vor das Landgericht Berlin II. An demselben Tage richtete ich an deat ersten Staatsanwalt beim Landgericht ein erneutes Gesuch, bis zum 26. Oktober die Strafvollstreckung aufzuschieben. Hierauf erhielt ich am 15. Oktober abends folgenden Bescheid: „Auch Ihrem erneuten Strafaufschubs-Gesuche vom 13. d. Mts. vermag ich nicht stattzugeben, da Ihrer Vorführung zu dem am 25. d. M. vor der ersten Strafkammer des königliche» Landgerichts II anberaumten Termine nichts im Wege steht." Unterschrift. Nunmehr werde ich mich, da am Sonntag Aufnahmen im Ge- fängniß nicht stattfinden, morgen zum Strafantritt melden. Welche Schlüsse aus den vorgeführten Thatsachen zu ziehen sind, überlasse ich dem Leser. Berlin, den 16. Oktober 1898. Ardhur Stadthagen. Hoffentlich überwindet Stadthagcn auch diesmal die gesund? nichts entscheiden können. Bernstein meint, daß die Konzentration;. Der„Parteibudiker" im Organ für deutsche Arbeit in des Kapitals, die Proletarisirung der Massen langsamer vor sick» Stadt und Land. Die agrarische„Deutsche Tageszeitung" sieht gehe, als zu erwarten war, und"er stützt sich dabei wesentlich attr eine eine Statistik, die das nicht beweisen kann, was er erwiesen glaubt, weil sie über die völlig geänderte wirthschaftliche Funttion gewisser Schichten nichts auszusagen vermag. Doch das sind Dinge, die weder auf dem Parteitag noch in der Parteipresse ausgetragen werden können. Wenn Bernstein aber auf grund englischer Erfahrungen meint, eine Milderung der Klassengegensätze, eine Abschwächung des Klassenkampfes sei in Aussicht oder möglich, so hat ihm der Partei- tag die Antwort gegeben, die wir alle ihm geben müssen. Mögen wir uns dessen freuen oder es bedauern: nichts davon macht sich bemerkbar, im Gegentheil, wenn eine Zeit lang mildere Luft geweht hat, der erste ernste Jnteresscnkonflikt zeigt uns den Abgrund tiefer, heitlichen Schädigungen, die er in einem Strafgefängniß zu erdulde» ' essen Verwaltung sich bisher noch nicht einmal zur Gewähruna�� OTT Hätz vyn Selbstbeköstigung .rfte. an politische Gefangene aufschwing ihrer wesentlichsten Aufgaben darin, die Sozialdemokratie moralisch dort zu vernichten, wo die sonst von ihr beliebaugette Kampfesmethode mit den geistigen Waffen des Dreschflegels aus Gründen der Vorsicht nicht gut angebracht ist. Nachdem das Blatt seiner Aufgabe bisher schon mancher verderblichen Erscheinung gegen- über so genial nachgekommen ist, daß ihm namentlich unsere Witz- blätter redlichen Dank schulden, nimmt es sich heute die„sozial- demokratischen Parteibudiler" einmal gehörig vor. Von diesem Geziefer wird folgende Schilderung entworfen: „Die sozialdemokratischen Gastwirthe zählen in Berlin nach Hunderten. Den Ehrentitel Parteibudiker tragen sie jedoch, was sogar unter den„Genossen" kein Geheimniß ist, mit wenigen Ausnahmen mir als fl J r flc Deckmantel, während ihnen in Wirklichkeit Geschäft und Verdienst über alles andere gehen. Das ist auch nicht weiter anffävig, wenn s�e, wie fast durchweg in den Vorstädten, auf Arbeiterkundschaft an- gewiesen sind und nur mit den Wölfen heulen. Charakteristisch bleibt aber trotz alledem, wie nach berühmtein Muster der Ober- Konzen selbst diese Parteibudtker scheinbar das Interesse der_ Partei aufs regste wahrnehmen und dabei ihr Schäfchen hübsch ins Trockene bringen. Beispielsweise waren bei der letzten Rcichstagswahl zahlreiche Parteibudiker auf der Strahe oder in den Wahllokalen thätig, indem sie gleichzeitig große Mengen Getränke und Zigarren spendirten. Sie wußten eben ganz genau, daß die Ausgabe doppelt und dreifach wieder entkommen und mancher neue Kunde gewonnen werden würde. Wie die„Genossen" von diesen Partcibudikern oft ausgebeutet werden, ist im Interesse ihrer Familien tief zu bedauern. Vom Wochenverdienst bleibt das meiste in der Kneipe, ein erklecklicher Theil fließt in die verschiedenen Parteifonds, den kleinen Rest erhält die Familie, welche gewöhnlich kräftig mitarbeiten muß, wenn sie nicht arge Roth leiden will. Dafür aber haben solche Arbeiter das erhebende Bewußtsein, beim Parteibudikcr in gewissem Ansehen zu stehen und«zielbewußte Ge Nossen" zu sein. Manche sehen mit der Zeit ein, in welche Klauen sie acrathen sind, aber bei dem bekannten Terrorismus der„Genossen" fällt es nicht leicht, offen den Rückzug anzutreten und das Wohl der Familie über Partei-Jnteressen zu stellen. Den Parteibudikern in- dessen gelingt es meist nach Verlauf einiger Jahre. sich mit ihrem „Erworbenen" in die Reihen der„Bourgeois" zurückzuziehen. Wir glauben ganz im Sinne der.'Deutschen Tageszeitung" zu handeln, wenn wir aus ihrer gelehrten Abhandlung die entsprechende Schlußfolgerung für die Praxis ziehen. Bisher konnten die von dem Agraricrblatt geschmackvoll als„Parteibudiker" bezeichneten Gastwirthc, wie in den Kreisen unserer Parteigenossen bekannt sein dürfte, sich im allgemeinen gerade nicht über allzu üppiges Wohlleben beklagen, ja sehr vielen unter ihnen ging es sogar herzlich schlecht. Nachdem die„Deutsche Tageszeitung" nunmehr aber konstatirt hat, daß sich die meisten.Parteibudiker" schon nach wenigen Jahren in die Reihen der Bourgeois zurückziehen können, wird das Blatt wohl nichts dagegen haben, wenn es von den Gastwirthen bei Abschluß von Lieferungsverträgen oder bei sonstigen Geschäftsangelegcnheiten. wo es auf Stärkung des Kredits ankommt, als gewissenhaste und vollgiltige Referenz aufgegeben wird. Vielleicht animirt die„Deutsche Tageszeitung" ihre zum theil ja zu vortheilhaften Geldgeschästen gern bereiten Freunde auch zur Stellung von Bürgschaften zc. für sozialdemokratische Gastwirthe. Da diese— immer nach der Zeitung für deutsche Arbeit in Stadt und Land— sich ja doch m wenigen Jahren zur Bourgeoisie zurückziehen, also wohl Vertreter des „Mittelstandes" werden, so liegt m solchem Handeln gamicht einmal ein Parteivcrstoß. So ist der„Deutschen Tageszeitung", die bisher in einem Athemzuge für Rettung des Mittelstandes plaidirte und für großstädtische Waarcnhäuser redaktionelle Reklamen schrieb, einmal glänzende Gelegenheit geboten, alte Sünden gut zu machen und wahrhaft„praktische Mittelstandspolitik" zu treiben. Unsere parteigcnössischen Gastwirthe sind diesem wunderlichen Organ für unsteiwillige Komik in der That Anerkennung schuldia und sie werden gewiß nicht verfehlen, dem Blatte ihre Gefühle vi launiger Weise zu erkennen zu geben. y Die städtische Kommission zur Berathung über die Zentntli- satiou der Orts- Krankenkassen hat gestern unter Vorsitz des Stadtrath Friede! endgiltig beschlossen, dem Plenum der Gewerbe- deputation vorzuschlagen, grundsätzlich anzuerkennen, daß die Zusammenlegung der OrtS-Krankenkassen für die Versicherten von großem Nutzen sein kann, daß aber bei der all- gemeinen Haltung der Generalversammlungen der meisten Orts- Krankenkassen die Gcivcrbedeputation als Aufsichtsbehörde nicht die Möglichkeit hat, das zu erzwingen. Die Bronzcgrnppen auf der neue» Potsdamer Brücke sollen bestehen bleiben. So meldet ein Berichterstatter, der die Richtigkeit seiner Meldung aus dem Umstände herleitet, daß gegen- wärtig schon die Vorbereitungen für die Aufstellung der auf der neuen Viktoria-Brücke noch fehlenden beiden Gruppenbilder auf den hier bereits vorhandenen Marmorpostamenten getroffen werden. Bei der Aufstellung sollen jedoch folgende Aenderungen eintreten: Die Figur von Werner Siemens, die jetzt an der Ecke der neuen Potsdamer Brücke und des Schöneberger Ufers steht, wird nach der Vistoria- Brücke, Ecke Königin- Augusta- straße, transportirt werden, während das von Siemens ver- lassene Postament von der Röntgcngruppe eingenommen werden wird. Auf der anderen Seite der Viktoria-Brücke, am Schöne- berger Ufer, ist bereits ein Krahn aufgestellt worden, um auf das hier befindliche Postament die Figur des Mathematikers Gauß empor-. zuwinden. Das für die Neuaufstellung der Siemens-Gruppe bestimmte Postament ist ferner durch einen interimistisch angebrachten Aufsatz um etwa 3/4 Meter erhöht worden, um auszuproben, ob die Gruppen auf einem so erhöhten Postamente besser wirken. Sollte dies der Fall sein, so Iverden sämmtliche Postamente in der angegebenen Weise erhöht werden. Die Stadtbahn-Statio»„Jannowitzbrücke" wird nach einer jetzt von der königlichen Eisenbahn-Direktion getroffenen Bestimmung vom Tage der Eröffnung der neuen Jannowitz-Passage an sowohl von der Jannowitzbrücke wie von der Holzmarktstraße aus zugänglich sein, wie auch der Aufstieg nur von der Brücke aus und der Abstieg nur auf der neuen Treppe' erfolgt. Was einer„Herrschaft" alles nicht gefällt.„Fährt Rad. deshalb entlassen." Diesen Vermerk setzte, dem„Berl. Tagbl." zu- folge, eine„Herrschaft" ihrem Dienstmädchen ins Dienstbuch. Auf die Beschwerde des Mädchens mußte dieses Zeugnitz aüs dem Buche wieder entfernt werden, da es unzulässig sei. Ten Raubmord in der Zionskirchstraße haben zwei Gauner in nichtswürdiger Weise für sich auszubeuten versucht. Zu dem Kirchendiener Wegener kamen am Freitag voriger Woche zwei Männer, die behaupteten, von seinem Sohne geschickt worden zu sein. Der eine nannte sich Schneiderreit aus der Weinstratze und stellte seinen Begleiter und Freund als ehemaligen Offizier vor. Die Männer erklärten. Albert Wegener, dessen Aufenthalt ihnen bekannt sei, lasse durch sie seinen Vater um Geld bitten, das ihm die Flucht ermöglichen solle. Der schwergeprüfte Mann ließ sich jedoch auf nichts ein. Die Bittsteller nannten ihn darauf einen Rabenvater, der kein väterliches Herz habe. und entfernten sich schimpfend. Wegener theilte den Vorfall der Polizei mit. Dieser gelang es. die beiden Menschen zu ermitteln und fest- zunehmen, und stellte sie gestern. Dienstag, Wegener gegenüber, der sie mit Bestimmtheit wiedererkannte. Schuciderrcit hatte seinen richtigen Namen angegeben; er hat erst vor einiger Zeit eine längere Gefängnißstrafe verbüßt. Sein Spießgeselle ist ein Mensch, den man in der Verbrecherwelt unter dem Spitznamen„Premier- lieutenant" kennt. Beide bestreiten, von dem Aufenthalt des flüchtigen Wegener etwas zu wissen, und geben den Versuch, seinem �ater Geld abzuschwindeln, zu. Die Polizei hat beide in Gewahrsam ehalten. Zum Selbstmord des OberfaktorS Grüneuthal wird noch gemeldet: Grünenthal hatte eine im Erdgeschoß der Station E I belegene Zelle inne und stand fortgesetzt Tag und Nacht unter scharfer Bewachung, indem der Gefänginßauffeher vor seiner Zelle patrouil- lirte und den Jnhastirten durch ein Guckloch,_ den sogenannten „Judas", ungesehen überwachte. Diese Observation war verschärst ivorden, seitdem man vor längerer Zeit einer Durchstecherei auf die Spur gekommen zu sein glaubte. Es handelte sich da- mals um Briefschaften von weiblicher Seite an Grünenthal, die jedoch freilich niemals den Adressaten erreicht haben. Dieser selbst hat im Untersuchungsgefängniß den Beamten zur Unzufrieden- heit keinen Anlaß gegeben, oder sich gegen die Hausordnung ver- gangen. Er war vielmehr, zumal in der letzten Zeit, vollständig indifferent und sprach aus freien Stücken niemals, sondern be- schränkte sich darauf. auf die an ihn gerichteten Fragen zu ant- Worten. Vor einigen Wochen hat er freilich zu einem Besucher auf die Frage nach seinem Ergehen geäußert, daß es sein Wunsch sei, aus dem Leben zu scheiden. Doch ahnte niemand, daß er einen derartigen Entschluß thatsächlich gefaßt habe. Grünenthal hat viel mehr alle Welt durch seine scheinbare Ruhe getäuscht. Die Leiche ist einstweilen in der Zelle Grünenthal's niedergelegt worden; der Tod war, wie die ärztliche Besichtigung ergab, durch linksseitigen Schädelbruch erfolgt. Das Ableben ist auf der Stelle eingetreten; alle Wiederbelebungsversuche blieben ergebnißlos. Durch den Selbstmord Grünenthal's wird übrigens die Auf merksamkeit der Behörden wieder auf die bauliche Einrichtung des Untersuchungsgefängnisses sowohl als auch des Kriminalgerichts Gebäudes gelenkt. Die geringe Höhe der Geländer, sowie der Mangel jeglicher Schutzvorrichtung ist schon wiederholt in beiden Ge- bänden von Untersuchungsgefangenen und von verurtheilten Ver- blechern zu Fluchtversuchen und Selbstmordversuchen ausgenutzt worden. Der Mangel könnte mit leichter Mühe und verhältniß- mätzig geringen Kosten beseitigt werden, wenn an den Gittern Drahtgeflechte von entsprechender Höhe angebracht würd-n, eine Einrichtung, wie sie bereits in zahlreichen Gefängnissen, u. a. auch in dem neuen Gefängniß in Tegel besteht. Zum Morde in der Zionskirchstraße. Nach Veröffentlichung des Steckbriefes auf den verfolgten Mörder der Rosina Kaiser, den Holzschneider Albert Wegener, hat ein Beamter der Lehrter Eifenbahn in Spandau die Anzeige erstattet, daß er zwei Tage nach dem Mord einen Menschen, auf den die Photographie und das veröffentlichte Signalement des Mörders genau paffen, auf der Hamburger Chaussee getroffen habe; der Fremde' habe ihn nach der Wegrichtung gefragt und dabei geäußert, er wolle über Neu-Ruppin, wo er Verwandte habe, nach Hamburg. Der Bahnbeamte behauptet, daß er auch an einer Hand des Unbekannten eine Narbe wahrgenommen habe; eine solche hat Wegener. Die Spandauer Polizei hat hiervon den Sicher- heitsbehörden in Neu-Ruppin und Hamburg Nachricht gegeben. W. sollte einem Gerücht zufolge auch in der„Concordia" in St. Pauli, der Vorstadt von Hamburg, verhastet worden sein. In der That >var ein Bäckergeselle, der sehr viel Aehnlichkeit mit dem Mörder Wegener hat, in Haft genommen, aber bald wieder entlassen worden, da er sich ausreichend legitimiren konnte. Zu der Verhaftung deS Zuchthäuslers Erpel werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt: Der Landjäger Werner aus Hastedt befand sich Montag Vormittag in der Gastwirthschast von Tieften in genanntem Orte, in welcher auch ein junger, reduzirt gekleideter Mann einkehrte. Dieser machte sich dadurch verdächsta, daß er ver- schiedenen Gästen ein Fahrrad zum Kauf anbot. Der Beamte sistirte den Unbekannten nach der Polizeiwache, wo er sich zunächst als der Arbeiter Engel aus Barmbeck bezeichnete, der auf der Wanderschaft befindlich und Beschäftigung suche. Bei dem Vergleich mit der der Polizei vorliegenden Photographie des flüchtigen Erpel wurde jedoch die Identität des Verhasteten mit dem Gesuchten festgestellt. Als man dem angeblichen Engel erklärte, daß er der ausgebrochene Zucht- Häusler sei, wies er die Beschuldigung mit großer Entrüstung zurück und erklärte eS für unbegreiflich, wie man ihn mit einem solchen Subjekt vergleichen könne. Erst nach längerem Vernehmen gestand er weinend ein, daß er der Gesuchte sei. Bei dem Verhafteten wurden noch 10 Taschenuhren, 4 Uhrketten, 3 Armbänder, 32 Trau- und Siegelringe und 59 Ohrgehänge vorgefunden; außerdem 6 M. Baargeld, die der Erlös einer gestohlenen llhr waren. Diese Werth- fachen hatte Erpel aus dem Schaufenster eines Uhrmachers gestohlen, indem er die Scheibe entzwei schlug, wobei er sich eme Verletzung zugezogen hatte. Da der Verhaftete für die neuen Einbrüche erst der Aburtheilung warten muß, bleibt er bis zur Verhandlung in Hastedt. Die von dem verhafteten MaaistratSsekretär Meißner unterschlagenen städtischen Gelder belaufen sich nicht ans 3000 M. wie zuerst gemeldet wurde, sondern nur auf etwa 750 M., die von Verwandten gedeckt worden sind. TaS Polizci-Präsidium theilt mit: Als muthmaßlich gestohlen ist beschlagnahmt: ein Kasten mit Buchbin der-Werkzeng. zwei wollene Hemden, ein Paar Strümpfe, ein Stehkragen, zwei Taschentücher, ein Halstuch, eine Schärpe, eine Hose und sieben metallene, durchbrochene Ständerplatten. Jntcreffcnten können diese Gegenstände in den Donnittagsstunden von 9—12 Uhr in dem Polizei-Dienstgcbände, Zimmer 332, in Augenschein nehmen. Mit ihrem Schooßhnnd gemeinsam in de» Tod gegangen ist die 58 Jahre alte Frau des Tischlers Schulze vom Plannfer 5. Infolge beständiger Eifersucht der Frau gab es wiederholt heftige Austritte zwischen dem Ehepaar. Gestern kam es wieder zu Zank und Streit. Schulze ging schließlich aus der Wohnung. Seine Frau kam zu den Nachbarn und der Hauswirthin und klagte, daß sie es nicht mehr ausholte. Vergeblich suchte man sie zu beruhigen. Als Abends um 11 Uhr ihr Mann wieder nach Hause kam, lag sie in ihrem Zimmer tobt auf dem Fußboden. Bei ihr lag als Leiche ihr Schooßhündchen. Die Frau hatte dieses und sich selbst vergiftet. Ein Bild des Jammers. Von der Staatsanwaltschaft be- schlagnahmt worden sind gestern Nachmittag die Leichen zweier Kinder der unverehelichten Arbeiterin L. aus der Landsberger Allee Nr. 132.33. Es handelt sich um ein Zwillingspaar, die acht Wochen alten Knaben Arthur und Alfted. Dieser war bisher gesund, jener dagegen litt seit seinem dritten LebenStage an Husten und wurde ärztlich behandelt. Nach Angabe der Mutter sind die Knaben am Sonnabend Abend von Krämpfen befallen worden. Arthur bekam den Anfall um 9 Uhr und starb um 123/4 Uhr. Alfred wurde um 11 Uhr ftank und starb um 3'/, Uhr. Der Arzt wurde erst gerufen, als Alfred in den letzten Zügen lag; er konnte die Todesursache nicht feslstellcii. Die Mutter will sich in der nächsten Zeit mit dem Vater der Kinder, einem Hausdiener eines Krankenhauses, ver- heirathen. Eine aufregende Szene gab eS gestern Vornüttag in der Alexanderstraße, m der Nähe der Dragonerstraße. Ein' Arbeiter Blumenfeld bekam einen Krampfanfall und brach auf dem Fahr- dämm zusammen, als gerade ein Geschästsfuhrwerk in scharfem Trabe dahergefahren kam. Die feurigen Pferde, die der Kutscher nicht mehr anhalten konnte, traten den Unglücklichen arg am Kopf und am ganzen Leibe und zogen dann den Wagen über ihn hinweg. Man trug den Verunglückten auf die Wache des 0. Reviers. Hier stellte ein' Arzt so schwere Verletzungen fest, daß man ihn mit einem Lück'schen Rettungswagen in ein Krankenhaus bringen mußte. Durch einen Stnrz vom Heuboden ist gestern Abend der 34 Jahre alte Stallmann Obs, der bei einem Fuhrherrn in der Koppenstr. 98«: beschäftigt ist, schwer verunglückt. Als er den Boden verlassen wollte, ruftchte das Heu. das er bis an die Luke heran- gebracht hatte, weg und ObS stürzte in den Stall hinab. Ter Ver- unglückte, der sich einen Bruch des Schädels, des linken Unterschenkels und Anns zuzog, wurde von seinem Dienstherrn mit einer Droschke in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Von einem beklagcnswerthe» Unglücksfall ist am Montag Nachmittag die Familie des Lederzurichters K. am Gesundbrunnen, Prinzen-Allee, heimgesucht worden. Frau K. war mit ihrem füns Jahre alten Sohn Eduard zum Besuche einer in der Scharnweber- straße wohnhasten Verwandten, Frau O., gegangen und half dieser beim Aufplätten ihrer Hochzeitswäsche, während der Knabe im immer spielte. Als die Mutter sich, um Stärke einzukaufen, einen ügenblick aus der Wohnung entfernte, öffnete der wilde kleine Knabe, um nach dem Verbleib der Mutter auszuschauen, die ver- schlossene Balkonthür. DaS Kind nahm einen Stuhl mit auf den Balkon hinaus, kletterte hinauf und lehnte sich über die Brüstung; dabei verlor der Knabe das Gleichgewicht und stürzte eine Etage hinab auf das Straßenpflaster. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos. Theater. Im Schiller-Theater werden heute„Hasemann's Töchter" zum ersten Male wiederholt. Für Freitag und Sonnabend ist die Aufführung der„Wallenstein-Trilogic" angesetzt. Billets zu diesen beiden Borstellungen sind von heute ab ohne Aufgeld an der Tageskasse zu haben.— Heute Abend 8 Uhr findet in der alten Urania, Jnvaltdensiraße b7/SL iKunst-Schaubühne),«in Projektions-Vortrag über den Radirer, Maler und Bildbauer Max Llinaer von Fritz Stahl statt.— Die im Anschluß an den szenischen Vottrag„Die Urzeit deS Menschen" in der Urania, Tauben- ftraße, ausgestellte Sammlung prähistonscher Gegenstände ist durch«ine neue Sendung des römisch-germanischen Zilttralmuseums zu Mainz wesent- lich dereichert worden. Aus den Nachbarorten. Wilmersdorf. Heute Abend 8 Uhr findet im„Volksgarten". Berlinerstr. 40, eine P a r t e i v e rs am m lu n g für Männer und Frauen statt, in welcher Bericht über den Parteitag, Bericht des Vertrauensmannes, Bericht der Lokalkommission erstattet wird und Neuwahl stattfindet. Ich ersuche um recht rege Betheiligung. Der Vertrauensmann. Schöueberg. In der am Montag abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten verlangte der Magistrat eine Abänderung des mit dem Konsortium der südlichen Vorortbahn abgeschlossenen Vertrages dahin, daß die Ringbahnlinie dieser Bahn anstatt durch die F e u r i g st r a ß e durch die H a u p t st r a ß e und vor dem Rathhause vorbei in die C o l o n n e n st r a ß e geführt werde. Ferner soll die Gesellschaft von der Verpflichtung, eine Linie durch die Siegfried- und Monumenten st ratze zu bauen, bis zum 1. Oktober 1903 befteit werden. Dafür hat die Bahn, abgesehen von der bisherigen Leistung der Zuschüsse in Höhe von 30 000 M., die Verpflichtung, den Straßendamm auf dem Kaiser Wilhelmsplatz zu asphaltiren. Dieser Antrag wurde seiner Wichttgkeit wegen einem Ausschuß überwiesen.— Ein Anttag der Pettttons-Kommission, die Petition der Baugesellschaft Bellevue um Regulirung der Wattburgstraße mit der Maßgabe zu genehmigen, daß diese eine hinreichende Gewähr biete für eine der Gegend angemessene Bebauung, verursachte eine lange und stellenweise sehr stürmische Debatte. Bürger- meistcr Wilde wandte sich gegen den Antrag der Petitions- kommission sowohl als gegen einen anderen von mehreren Stadtverordneten gestellten, wonach der Absatz„angemessene Bebauung" gestttchen werden soll, und begründete leine Halttmg mit dem Ausipruche, daß die Stadtverordneten das Wohl der Stadt zu lvahren, nicht aber das Interesse von Bsa u s p e k u l a n t e n zu »vahreu hätten. Nachdem sich mehrere Redner heftig gegen die Worte des Bürgermeisters verivahtt hatten, erklärte dieser, daß er niemailden habe persönlich beleidigen»vollen. Schließlich nahm die Versammlung den Antrag der Petitionskommission an, strich aber den Absatz, betteffend die angemeisene Bebauung. Unsere Nachbarstadt Charlottenburg entivickelt sich immer mehr zu einer Jndustttestadt. Während im Jahre 1895 die Zahl der gewerblichen Anlagen mit maschinellen Bettteben noch 163 betrug mit einer dann beschäftigten Arbeiterschaft von insgesamint 11 231 Köpfen, zählt gegenwärttg Charlottenburg nach den neuesten Polizeistattstischen Angaben 204 derartiger Betriebe mit insgesammt 14 294 Arbeiter und zwar 452 männlichen und 63»veiblichen Arbeiter»» im Altern von 14 bis 16 Jahren und 12 329 männlichen und 1445 weiblichen Arbeitern im Alter von äiber 16 Jahren. Zu den bedeutendsten der örtlichen gewerblichen Anlagen gehören diejenigen von Siemens u. Halste mit 3425 männlichen und 173 weiblichen Arbeitern; eS folgen Ludwig Löwe»nit rund 1500 Arbeiten», die Berkin-Anhalttsche Maschiiieiibau-Anstal» mit 650 Arbeitern, die Gehbauer'sche Fabttk mit 491 männlichen und 78»veiblichen Arbeitern, die Aktiengesellschaft vorn»als Freund mit 529 Arbeitern, die königliche Porzellamnanufaktur mit 435 männ- lichcn und 14»veiblichen Arbeitern, die chemische Fabttk von Schering mit 253 Arbeitern, E. March Söhne mit 130 Arbeitern, Behttnger mit 122 Arbeitern zc. Die Zahl der gewerblichen Anlagen mit ellen Betrieben hat sich sonach seit 1895 um 36, die Zahl der esen beschäftigten Arbeiter um 3063 vermehtt. Aus Spandau. Herr Oberbürgermeister Koeltze seildet uns'zu . am Sonntag gebrachten Bettcht über die letzte Stadtverordneten- itzung die folgende Bettchtigung: Ich habe nicht gesagt, daß, was den angebliche»'» Aufruhr ui»d die Brandstiftung anbelangt,»vir ordentlich hinters Licht geftihtt ivorden sind. Ich habe nur gesagt, daß die Zeitungsschreiber die hiesigen Verhältnisse schlimmer dar- gestellt haben, als sie gewesen sind. Im Grunewald erhängt aufgefunden wurde der seit mehreren Tagen verinißte 26jährige Kaufmann Lipschütz. Der junge Mann hatte sich aus seinem Geschäft ohne jegliche Veranlassung eutfenit und ist»vahrscheinlich in einem Anfalle geistiger Störung eine Zeit lang umhergeirtt._ Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei jeder Aufrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort enheilt werden soll. Schriftliche Antwort wird nicht etthciltf Tie juristische Tprechstuude»vird Tienstags, Tonnerstags und Freitags abends von?>/- bis 8»/, llhr abgehalten. Schlosser L. Thetlen Sie den Fall der Aewerkschaftsorgauisatwn mit. Ist diese damit einverstanden, so wollen wir die Angelegenheit auch im Blatt behandeln. B. SA.. Sainburgerftraste. Städtische Fortbildungsschulen für Frauen und Mädchen befinden flch Friedenstr. 20, Hochstr. 4, Thurmstt. 7b, private Fortbildungsschulen dieser Art Ackerstr. 23, Auguftstr. 67—68. L. R. Nicht bekannt._ BätttefuitdeübctüchMioutl�� Sil.»i«! Stationen! Z« S e Z e 5 S? T Swinemde.l 7b0 Hamburg! 748 Berlin» 74g Wiesbaden! 746_. München i74gS Wien 1749©SB ONO ONO NO NO Wetter 6Sch»ee 4 bedeck» 3 bedeckt 1 wolkig bhlb.bed. wölken! üf c 11 Stationen 2 Haparanda 3 Petersburg 2 Cork 8«berdeen 8 Paris LS <- s 766 764 740 746 741 5 Still O NNW ONO Wetter c» /, Uhr. rnuö. Auf der Sonnen- Anfang 71/2 Uhr. �Pern- Theater(Kroll). joli-Gastspiel. Ansang 7� Uhr. yes. Chrano von Bergerac. �..sang 7l/z Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7»/- Uhr. Hessing. Im weißen Röhl. Ansang 7'/, Uhr. Ncsidcnz. Der Herr Sekretär. Vorher: Frühlingswende.. An- fang 71/2 Uhr. Neues. Hoigunft. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Hafeuiann's Töchter. Am fang 8 Uhr. Westen. Eugen Onägin. Anfang 7V- Uhr. Mctropol. Das Paradies der Frauen. Anfang 71/2 Uhr. Central. Tie Geisha. Auf. 7»/, Uhr. Thalia. Unser lustiges Bertin. An- fang 7-/2 Uhr. Luise». Jocko's Streiche. Vorher Der dritte Kopf. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: II. Schüler- Vor- ficllnng: Die Waise vonLowood. Belle- Alliaiicc Napoleon oder: Die hundert Tage. Anfang 8 Uhr. Ostend. Das Käthchen von Heil- bronn. Anfang 71/2 Uhr. Friedrich- Wilhelms, ödlischeS. Die Geheimnisse von London Anfang 8 Uhr. Sllcxanderplah. Demi-Monde. Art- fang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Anfang 8 Uhr. »rania. Taudenstraste 48-4t). Naturkiiudliche Ausstellung. Tag- lich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt bv Pf. Abends 8 Uhr: Di- Urzeit des Menschen. Jnvalidenftraste k»7/«S. Täglich abends von ö-10 Uhr: Stern- lvarte, Operntelephon. BP oll 0. Spezialitäten- Vorstellung. Ansana 7>/z Uhr. Reichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Feen- Pala st. Spezialitäten- Bor- Pellung. Passage- Panopliknu«. Speziali- täten-Vorstellung._ TWerWater (Wallner-Theater). Mittwoch: Hascuiann's Töchter. D 0 n n e r st a g: Haseniann's Töchter. Freitag: Wallenstein's Lager. Die Piecolomini. Sonnabend: Wallenstcin's Tod. Znifeu-Theatev ltt. gieichenberaerstraste St. Nachmittag 3 Uhr: Zweite Schüler- Borstellung zu besonders ermäßigten Preisen: Ate Waise von Kontood. Schausp. in 2 Abtheiluugen u. 4 Akten von Charlotte Birch-Pseiffer. Abends 8 Uhr: Zum 21. Male: •JocKo's Streiede BurleSke in 3 Akten nach dem Engli- scheu des James Carlisle, deutsch von W. SalliS. Joifo: Paul»erdig°« Vorher: Dev dritte Kopf. Posse in 1 Akt von Franz Wallner. Morgen und folgende Tage: Jocko'sStrciche u. Der dritte Kopf. Central Theater Direktion: 1o,s üerenorx. Die Geisha oder: Eine japanische TheehanS- Geschichte. Operette In 3 Akten v. Sidney Jones. Morgen und die folgenden Tage: Tie Geisha. Donnerstag, den 27. Oktober: Zum suo. Male: Die Geisha. LstciiMlU'l Weiß-Tbeater. Gr. Frankfurterstr. Is». Gastspiel des Herrn Cäsar Beck vom Berliner Theater als Gast. Das Käthihtil von Hcilbroun. 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Passage-Panoptieum. Geöfihet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Der' berühmte I. k. Fechtmeister Mr. Sulivian und seine Schülerin ketö Aranka. Von 6 Uhr ab: Thäatre-Variete ohne Extra-Entrie. Heute 23 Pf. Enlree. Geöffnet v. vorm. 9 bis abds. 10 Uhr. Casftan's Panoptieum. Heu!! Neu!! Lebendig begraben!! iOlympia Theater! (Circus Renz) Karlstrassa. Täglich 8 Uhr abends: Berliner AnSstattnngsftück mit Couplets, Aufzügen- und Kolossal. Ballets> in 3 Akten(10 Bildern). parquet 2,10 Mk. Ten gröftte« Lach- Erfolg; erzielt das gegenwärtige Programm im Ciicus Ifen/; ML Riesen- Tunnel. Wahre Beifallsstürme durchdröhnen den Saal beim Auftreten der Komiker Gustav Kluek imD Fritz Fehrinann. Auftreten sämmtl. Spezialitäten. Volks- Theater im Welt-Nestauraut Dresden er-Strastc 97. 2 sensationelle Novitäten: !! Adele's Geburtstag!! Posse mit Gesang von F. Waldau. Das Geheirnnist der jungen Mamsell. Schwanl mit Gesaug von O. Mnlius. Reu! Paul RocbcIIz-. Ren! Der Champignon aller Bauchredner. Reu! Max Hildabrandt. Neu! Der lustige Stabstrompeter zu Pferde. Bous haben an allen Wochentagen Giltigkeit.— Direktion: A. Kolig;. Artistiicher Leiter: A. Klinge. Reichshaiien. Mtiim Silitger (Mehsel. Piclro. Britton, Steidl. Krone, Röhl, Schneider und Schräder). Ansang 8 Uhr. Sonnt. 7 Uhr. Enttee 30 Pf., Rum. Balkon 75 Pf., BalkoiljLogc 1 M., Orch.- Log. l.bOM., Fremden-Loge 2 M. Tageökasse.ll— 1 Uhr. Zum Schluß: Vor ÄZ Jahre«. Ensemble von Mepsel._ Apollo-Theater. Direktion: E. Wal dm an n. Consuela Tortajada. Familie Agonst. Prinzessin Pocahuntas. KasseneröfEnung S'/zUbr, Anfang der VorsteUung 7Vz Chr. Feen-Palast- Theater Burgstr. 22. Burgstr. 22. Direktion! Winkler und Ftöbel. Allabendlich m» SVj Uhr Bich. Winkler u. Wllh. Fröbel in der mit großem Jubel und stürmischem Beifall aufgenom- meneti Ausstattungs-Gefaiigs- Posse Berlin, wie es liebt «ud radelt! Neu! Ein dl argen in Afrika, amerikantfche Pantoinime. Neu! Amanda Harold, sensattonell dressirte Möpse. Steffen-Trio, Kunstradfahrer. Anfang U/z vdr, Sonntags S Uhr. Sasseneröffiiuug eine Stunde vor Anfang. Vorverkauf Vorm. v. 11-1 Uhr. Alcazar- Theater Dresdenerstr.52/53.City-Pa83age.| Direktion: Siichard Böinkler. X«u!>'<>0! Üica k vis MienxeU Schwank in 1 Akt von Petfch. Täglich mit großem Lacherfolg: MeMbtrathSVahl. Posse mit Gefangvon A. Bender u. L. Hermann. Musik v. Mohr. In Szene gesetzt v. Otto Wenot. Gesammtaufttcleu des lieiieiigagirtcn Künstler-»ud Tpezialitüten-Personals. Wochent. 7>/, Uhr. Sonntagszl£crstr.airo.48 EW Täglich:-9Q Hoffmann's ijnartelt- Humoristen und Schauspiel-Ensemble Heute: Zum Schluß: Per Hellt Onkel Donnerstag: Zum Schluß: 1733f!ialüt22%S9t. Avis! Um den überaus zahlreichen Wünschen nachzukommen, werden für die Wochentage BereiiiSbillcts mit erheblicher Preisermäßigung aus- gegeben. Die geschätzten Vereine, welche auf solche Billcts ressektireu, können dieselben durch ihre Vorstände kostenlos iin Burcan des Konzert Hauses entgegennehmen. W. Noack's Theater Brnnncnstr. 16. Heute, Mittwoch, den 19. Ottober: Ein Aerlitter Wucherer oder: Der Droschkenkutscher und sein Kind. Vollsstück mit Gesang in S Akten von Ernst Clefeld. Morgen: Donnerstag: Goldener Bode«. Originalpoffe mit Gesang und Tanz in 4 Alien von Eitz und Wexel. C,5CUS II r Hau Mittwoch, den 1». Oktober 1898, Abends 7V2 Uhr: Elite-Abend. Zum 1. Male: Tourbillon erzuestre, geritten von 20 Damen. Auftreten des Herrn Eroms Gebhardt, Ritter PP, bisheriger Chef der k. k. spanischen Hofreitschule in Wien. Auszug säuimtlichcr Reiiertypen in prunkhastester Ausstatwng. Zu- sammenkunft der Blumen, großes Ballet-Divertissement. Die neuen Frei- hcitsdressuren des Direttors Busch. Außerdem: szhadosv Hrothor», moderne Gladiatoren. Morgen, Domiersiag: Sportabend. Sonntag, d. 23. Okt., nachmittags 4 Uhr(1 Kind unter 10 Jahren frei, weitere Kinder zahlen auf allen Plätzen halbe Preis«): Gala- Vorstellung. Aus allgem. Wunsch: Anszng änimtl. Rettertypen in prunk- aftester Ausstattung. Sechs Partei-Versammlungen MiMch. den 19. Atsder. nvends 81« Uhr. in folgenden Lokalen: 1. Wahlkreis: Armmhalle«, Kounnaudankeustraße 30. Ä. Wahlkreis: Bock Brauevei, Teuapelhoser Berg. S, Wahlkreis: Brochuow, Sebastiaustraße Nr. 30. 4. Wahlkreis: Stechert, Atidreasstratze F. Wahlkeets: Schweizer Garten, Ab« KöuigstHor. V. WahlkR'ets: Kolberger Salo«, Kolbergerstraße AZ. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauenspersonen. 2. Wahl der Mit- glieder der Lokal- und Preßkommission. 3. Berichterstattung der Delegirten vom Parteitage. 4. Diskussion. vi«'Vertra.iivasporsoaoil. Freie Volksbühne. Donnerstag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr: WenevQl � Verscnnlttlung in der Berliner Refssoarce, Kommaudantenstr. 67. Tages-Ordnung: Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes und der Revisoren. Dislusfion und Verschiedenes. 230/16 Nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte ist der Eintritt ge- stattet. Sonntag, den 23. d. M.. im„Friedrich Wilhelmstädtischen Theater", 3. Abtheilung(braune Kartell):„Des Meeres und der Liebe Wellen." Um zahlreichen Besuch bittet_ Der Vonstand. Herein MaidemokraMer W- tini) Sllmkmrtljk Kerlins und Umgegend. Freitag, den 21. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Lokal des Kollegen Wernicke, Eharlottcnbnrg. Wilmcrsdorferstr. 39: Oenei�al-Mersammlung» Tagesordnung: 1. Bericht des Borstaudes und der Rechtsschutz-Komiuissioii. 2. Kassen- bericht. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes und der Rechtsschutz- Kam- Mission. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. 6. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.- Zu zahlreiche». Besuch ladet ein gg Ig Der Borliaud. I. A.: Perdlnond Ess-ald. Lncgenkrankheiten (chrouliicbe Katarrhe uud Luugenscliniuilauchtl heilbar durch das vorzüglich wirkende und gUntlUh uiurJiüdUeJu 99 Glandulen ii Hergestellt ans Broncbialdrüecn. (Gesetalicb geschützt. D. K.-P. 951S8.) 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