Einzelpreis 70 Seller. Redaktion und Verwaltung: Prag, 11., Nefazanta 18. Telephone: Tagesredaktion: 26795, 31469. nachtredattion: 26797. Poft schedamt: 57544. Inferate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. 6. Jahrgang. Sozialdemokrat Zentralorgan der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republit. Donnerstag, 11. Feber 1926. Die Sprachenverordnungen Brotest gegen die Anschläge 1897 und 1926. Raum ein Ereignis der letzten Zeit hat bei den Deutschen im In- und Ausland eine solche Erregung hervorgerufen, wie die Sprachenverordnung. Schon der Titel Sprachenverordnung" erinnert an dunkle Beiten des alten Desterreich. Auch der polnische Graf Badeni hat, als er in Desterreich in den Jahren 1896 und 1897 Ministerpräsident war und Kramař mit ihm in der Regierung saß, die so heikle Sprachenfrage im Wege einer Verordnung, also durch Diktat, lösen wollen. Naheau 30 Jahre sind seither vergangen, dennoch stehen die Ereignisse von damals noch in leb. hafter Erinnerung: die helle Empörung über Form und Art der Lösung dieses so schwierigen Problems bei den Deutschen, die Obstruktion der Sozialdemokraten und der deutsch- freiheitlichen Parteien, die berühmt gewordene Obstruktionsrede des Abgeordneten Dr. Lecher, der von Dr. Kramař damals österreichischer Minister unternommene Versuch der Drosse= lung der Redefreiheit und der Sturm unserer Genossen auf des Präsidium, der dem Gewaltstreich der Regierung ein Ende bereitete, denn wenige Tage darauf trat die Regierung Badeni zurück. Von jenem Tage an konnte das österreichische Parlament nicht mehr gesunden. Es wurde im folgenden Jahrzehnt eine Obstruftion von der anderen abgelöst, bis das Privilegienhaus in Schmach und Schande zusammenbrach und durch das Parlament des allgemeinen Wahlrechts abgelöst wurde. Aber schon war es zu spät. Die nationalen Gegensäße waren bereits so verschärft, die Völker gegenseitig so verheßt, daß auch das allgemeine Wahlrecht nichts mehr ändern fonnte und das Parlament immer nur auf furze Zeit flott gemacht werden fonnte. So haben die Sprachenverordnungen des Grafen Badeni dem alten Desterreich erst eigentlich das Grab geschaufelt, mindestens aber in seinem Störper jene Strankheit zur Fieberglut gesteigert, an der der morsche Staat endlich im Weltkrieg unrühmlich starb. der herrschenden Reaktion. Gegen die Gegen die Steuerpläne der Regierung. Aufrechterhaltung der verlängerten Militärdienstzeit. Gegen das Unrecht der Sprachenverordnung. Der Klub der deutschen sozial demokratischen Abgeordneten und Senatoren und der Parteivorstand haben in einer gestern abgehaltenen gemeinsamen Sigung fol gende Entschließung gefaßt: Der Parteivorstand brandmarkt die auf Verteuerung der Lebenshaltung der Bevölkerung gerichteten reaktionären Pläne der Koalition auf das Schärfste. In einer Zeit des schwersten wirtschaftlichen Notstandes sollen die wichtigsten Bedarf 3artikel verteuert werden, während die Regierung gleichzeitig dem Bank= kapital und den Agrariern durch Steuerabschreibungen, Sanic rungsfonds und durch Zölle freigebig Geschenke macht. Zu der un aufschiebbaren, den Staatsbediensteten feierlich versprochenen Regelung ihrer Bezüge würden selbst mäßige Ersparungen in den Repräsentationskosten der Republik, vor allem aber in den Militärauslagen vollständig hinreichen. Ihre Bedeckung durch eine neuerliche Belastung des Massenverbrauches ist ein Attentat auf die gesamte konsumierende Bevölkerung. Ein solches Attentat bereitet auch oie Militärverwaltung vor, indem sie statt der Einführung der in der Washingtoner Deklaration und im Wehrgesetz vorgesehenen Miliz, vor allem aber statt der mit dem heurigen Jahre automatisch eintretenden Herabsetzung der Militärdienstzeit ganz gegen den Geist der revolutionären Verheißungen, aber auch gegen die Friedensbeteuerungen des tschechoslowakischen Staates - die Aufrechterhaltung der um vier Monate verlängerten Dienstzeit vorsicht und dahin abzielende Gefeßesvorlagen für die parlamenta rische Behandlung vorbereitet. Dieser Schritt der Regierung würde von der gesamten Bevölkerung als Faustschlag empfunden werden und auf den heftigsten Wider st and derselben stoßen. Wir warnen daher schon jetzt vor der Verwirklichung dieser Absicht. Der Parteivorstand protestiert auf das Entschiedenste dagegen, daß die Regierung und die Mehrheitsparteien gleich zu Beginn der Gesetzgebungsperiode und angesichts der Fülle von wichtigen gesetzgeberischen Aufgaben das Parlament durch zwei Monate vollfommen ausgeschaltet haben. Er billigt den Einberufungsantrag unserer Parlamentsfraktion, deren Bemühungen es gelungen ist, dem Parlamentspräsidium die Einberufung des Abgeordnetenhauses abzunötigen und verwahrt sich gegen den Versuch des Präsidiums, sich durch Vergewaltigung der Geschäftsordnung der meritorischen Erledigung des Einberufungsantrages zu entziehen. Die Sprachenverordnung, welche unter Bruch einer ausdrücklichen Zusage der Regierung nicht dem Verfassungsausschusse vorgelegt, sondern einfach oktroiert worden ist, atmet in jeder Zeile den Geist des Diktates. Sie verschärft die bisher geübte Braris in noch höherem Maße und liefert die Angehörigen der Minderheiten vielfach dem willkürlichen Ermessen der nationalistischen Bürokratie aus. Sie bedeutet aber auch die Fortseßung des Abbauez der nicht tschechischen Staatsangestellten, sie erschwert die Tätigkeit der Gemeinden, belastet sie materiell und greift in ihre Autonomie ein. Sie verletzt sogar die in der Verfassung gewährleistete Freiheit des privaten Sprachengebrauches. Sie jetzt überall das Recht des Staatsbürgers auf Gebrauch seiner Sprache hinter das chauvinistische Prestige zurück. Sie vergiftet in gefährlicher Weise das Verhältnis zwischen den Völkern und stört so empfindlich den nationalen Frieden, in welchem wir nach wie vor ein Lebensbedürfnis der arbeitenden Menschen dieses Staates erblicken. Alle diese Maßnahmen erfordern die entschiedenste Abwehr, für welche sowohl seitens der parlamentarischen Vertretung, wie auch seitens der übrigen Parteistellen alle notwendigen Vorbereitungen getroffen werden. Bezugs Bedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post: monatlich.... Kč 16.vierteljährlich halbjährig ganzjährig. " 48.96.192.Rückstellung von ManuStripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarken. Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh Nr. 36. Das Programm des neuen Reichsfinanzministers. Berlin, 10. Feber.( Eigenbericht.) In der heutigen Reichstagssigung hielt der neue Reichsfinanzminister Reinhold, der bisher in Sachsen Finanzminister gewesen ist, die einleitende Rede zur ersten Lesung des Reichsetats. Man hafte insgesamt den Eindruck, daß Reinhold mit der bisherigen Kapitalsansammlungspolitik durch. Erhebung höherer Steuern, als zur Balanzierung des Etats notwendig ist, ein Ende macht. Das be= deutet eine scharfe& ritit der Politik des bisherigen deutschnationalen Finanzministers Schlieben. Wenn Reinhold damit angefangen hätte, die Steuerbelastung der minderbemittelten Bevölkerung abzubauen, wäre ihm die Sozialdemokratie darin gefolgt. Aber mit Ausnahme der Ermäßigung der Umsatzsteuer von 1 Prozent auf 0,6 Prozent will er lediglich bei Besitzsteuern Er mäßigungen und Erleichterungen durchführen. Er schließt sich mit seiner Behauptung der bürgerlichen Klasse an, daß die Besitzsteuern zu hoch seien und die Produktion dadurch übermäßig belastet werde. In Wirklichkeit haben die Unternehmer alle Steuern und sozialen Lasten auf die Verbraucher abgewälzt. Trotz allen bisherigen Er leichterungen denken sie nicht daran, die Preise abzubauen. Auch die neuen Ermäßigungen der Besitzsteuern werden nicht, wie Herr Reinold meint, die Senkung der Preise zur Folge haben, sondern wiederum werden die besitzenden Klassen den Vorteil der Steuerermäßigung für sich behalten. Der Finanzminister verfündete im Zusam menhange damit, daß die Preissenkungsattion weitergeführt werden solle. Auch dieser Ankündigung steht die Sozialdemokratie sehr ffeptisch gegenüber. Denn bisher richteten sich die Inlandspreise nicht nach den Wünschen der Regierung, sondern nach den Preisen der ausländis schen Konkurrenzerzeugnisse. Solange aber die Zölle nicht abgebaut werden, ist mit einer ent schiedenen Senkung der Warenpreise und damit einer Beebung der Wirtschaft nicht zu rechnen. Ueber die Zollfragen hat sich aber der Finanzminister gar nicht geäußert, ebensowenig darüber, ob die Regierung endlich den Kampf gegen die Preisdiktatur der Kartelle aufnehmen wolle. Im allgemeinen hatte man von dem demofratischen Finanzminister den Eindruck einer sympathischen Persönlichkeit. Aber ohne Zweifel. folgt er bürgerlichen Gedankengängen und deshalb wird ihn die sozialdemokratische Fraktion aufs schärfste bekämpfen, wenn er nicht ihren For derungen auf Erleichterung der Lage der werktätigen Bevölkerung entschiedene Zugeständnisse machen wird. Die Aussprache der Parteien über das Etat wird morgen beginnen. Zirol vor dem Völkerbund? Wien, 10. Feber. Angesichts der Erregung, die in Tirol wegen der Drohungen Mussolinis besteht, kann die österreichische Regierung einer Fortdauer der jetzt bestehenden Spannung nicht ruhig zusehen. Wie verlautet, wartet sie nun mehr das Einlangen der Kundgebung des Tiroler Landtages gegen Mussolini ab und wird dann sofort dazu Stellung nehmen. Landeshauptmann Dr. Stumpf hat bekanntlich angekündigt, an die Regierung mit der Forderung heranzutreten, sie soll prüfen, ob die Voraussetzungen dafür gegeben sind, die Frage dem Völlerbund vorzulegen. Warum mußte es so fommen? Weil es in Oesterreich die Regierung immer verschmäht hat, durch eine ernste Aktion die Nationen im Staate zu versöhnen, zwischen ihren widerstreitenden Interessen einen Mittelweg zu finden im Interesse des Staates, dessen beste Kräfte im nationalen Streite zersetzt wurden und der das war für jeden, der nicht mit politischer Kurzsichtigkeit geschlagen war, klar dem sicheren Verfall entgegengehen mußte. Es ist, als ob die geschichtlichen Ereignisse des alten Staates an den Machthabern in der Tschechoslowakischen Republik spurlos vorübergegangen wären. Es erben sich nicht nur Geieße und Rechte, sondern auch politische Fehler und politische Verblendung wie eine ewige Krankheit fort. Jene, die den tschechoslowakischen Staat heute vegieren, haben gesehen, wohin ein Staat gelangt, der es nicht versteht, die ihn bewohnenden Völker mit seiner Existenz über die Form, die so gewählt wurde. Keine hievon keinen Gebrauch gemacht, sondern hat den. Aber keine Spur von Erkenntnis aus dem zu verföhnen, und was eine Regierung anrichtet. Verhandlung, nicht der leiseste Versuch einer diese Herabsetzung im Wege der Gesetzgebung Schicksal des zugrunde gegangenen Reiches, die das so heitle Problem der Sprachenfrage Verständigung mit den Vertretern der deutschen durchgeführt. Bei nur ein wenig gutem Willen keine Lehre für die Führung des eigenen im Wege eines Diktates lösen will. Es wurde Bevölkerung, die schließlich doch rund ein der Regierung wäre dies auch in der Sprachen- Staates, fein Quentchen ſtaatsmännischer Weisund wird noch gezeigt werden, daß die Drittel aller Einwohner bildet. Kein Gesetz, frage möglich gewesen. Hätte die Absicht beheit! Ahnen denn die Koalitionsparteien nicht, Sprachenverordnung zum Teil ungefeßlich ist zu dem die deutschen Abgeordneten hätten standen, die Minoritäten nicht direkt vor den daß sie den nationalistischen deutschen Vorteien und im Beschwerdefall eine Anzahl ihrer Be- Stellung nehmen können, durch dessen parla- opf zu stoßen, so hätte man, wie es Švehla mit einem derartigen Vorgehen die größte stimmungen vom Obersten Verwaltungs- mentarische Behandlung es vielleicht doch ge- seinerzeit auch versprochen hatte, der deutschen Freude bereiten? Dadurch wird ihnen doch das gerichtshof aufgehoben werden dürfte, so daß lunger wäre, eine Reihe von Bestimmungen parlamentarischen Parteien den Wortlaut der wirksamite Agitationsmaterial für ihren Shaudie Regierung wohl eine Reihe von Blamagen zu lindern, milder zu gestalten, kurz gejagt. Verordnung vorher wenigstens vorlegen und vinismus geliefert. Doch was nüßen derartige erleben wird, nicht geringer als jene, die ihr eine Verordnung, ein Diktat! Ganz nach ihre Aeußerung darüber einholen müssen. Das Betrachtungen? Nicht was dem Staate frommt. anläßlich der Beschwerde der Gastwirte im deut dem Muster Badenis, bei dessen Sprachenver- wäre noch lange kein demokratisches Vorgehen nicht was die Völker im Staate einander näher schen Gebiete gegen die Anordnung der tsche- ordnungen gleichfalls Dr. Kramar der Inipi- gewesen, aber es hätte doch von gewissen An- bringt, nur was nach außen hin die Macht des chischen Aufschriften und der zweisprachigen rator gewesen ist. jäzen eines Verständigungswillens gezeugt. Da Staatsvolkes über die anderen Volksstämme Speisekarten durch den Obersten Verwaltungs- Man rede sich nicht darauf aus, daß das dies alles unterlassen wurde, ist es schwer, anderes zeigt, und was nach außen hin dem Staat gerichtshof bereitet wurde. Sprachengesetz vom 29. Feber 1920, Nr. 122, darin zu sehen, als die Absicht, die nationalen das Gepräge des rein tschechischen Staates verDie Folgen des unheilvollen Sprachen- ausdrücklich der Regierung die Vollmacht für Minderheiten, vor allem den zmeitſtärksten leiht, das zu tun hält man für das richtige. diktats zeigen sich bereits. Erbitterung lodert eine derartige Verordnung gebe. Das war eine Boltsstamm im Staate, brutal vor den Kopf Der Geist Dr. Seramařs ist es, der über der überall empor, Empörung über den Inhalt, Vollmacht, die die Regierung benüßen zu stoßen und sie nicht im Umflaren darüber Sprachenverordnung vom Jahre 1926 ebenso der einer Berhöhnung der Minderheitsrechte konnte, aber nicht benüßen mußte. zu lassen, daß man sie demütigen und unter- schwebt, wie über jener vom Jahre 1897! Wan einer Verletzung der im Friedensvertrag über- Die Regierung war nach dem Gefeß vom 7. Of brücken will. braucht kein Prophet zu sein, um voraussagen nommenen Pflichten gleichkommt und die tober 1919, Nr. 541, auch ermächtigt, die fennen Desterreichs zu können, daß diesem Geiste zu folgen dem interdrückung der deutschen Bewohner offen- Teuerungszulagen der Staatsbeamten im Ver- Schicksal, ist doch der tschechoslowakische Staat Staate weder Ruhm noch die für ihn not. sichtlich zum Ziele hat. Empörung aber auch ordnungswege herabzusetzen, und doch hat sie aus den Trümmern Desterreichs aufgebaut wor- wendige friedliche Entwicklung bringen kann. die die Die Staatslenker Seite 2, Juland. Sensationelle Aeußerungen Bethlens: Beratung unserer parlamentarischen Tschechische Noten im Jahre 1921 gefälscht? Klubs und des Parteivorstandes. Die österreichischen Christlichsozialen bloßgestellt.- Baeran auch Notenfälscher? Wien, 10. Feber.( Eigenbericht.) Die Arbeiter- Zeitung" bringt morgen einen sensatio nellen Bericht über den Budapester Untersuchungs- Ausschuß, in dem Bethlen aussehenerregende Mitteilungen über die Fälschung tschechischer Kronennoten im Jahre 1921 und 1922 gemacht hat. Wenn man auch die Wahrheitsliebe des ungarischen Ministerpräsidenten nicht sehr hoch einschäßt, so muß man doch von seinen Mitteilungen Kenntnis so muß man doch von seinen Mitteilungen Kenntnis nehmen.Bethlen sagte, er habe von diesen Fälschungen im Jahre 1922 zuerst Kenntnis bekommen. Die Pläne zu diesen Fälschungen habe der Abgeordnete wollten ungen habe der Abgeordnete Baeran gemacht. Die Fälscher wollten zunächst eine Werkstatt in der Nähe von Wien errichten. Dann hätten sie mit Unterstüßung des christlichsozialen steirischen Landeshauptmannes Rintelen eine Werkstatt in der Nähe von Graz errichtet, die unter Be wa chung steirischer Gendarmen gestanden sei. Als dann über Weisung der tschechischen Gerichte Meszaros verhaftet wurde, intervenierte der damalige ungarische Gesandte bei dem christe lichsozialen Bundeskanzler Schober. Dieser habe gesagt, daß sich bereits christlichsoziale Parteifunktionäre wiederholt für Meszaros eingefeßt hätten und Bethlen bestritt, daß Meszaros eine Kantion erlegen mußte. Die Christlichsozialen haben ihn ohne Raution befreit. Da gegen. die Fälscher, die in den Händen der österreichischen Behörden waren, so vorgegangen worden jei, hätte man auch in Ungarn die Untersuchung niederschlagen müssen. sich das Agrarblatt einfach aus den Fingern gezogen; Weiß gehörte so zu dem Freundeskreis der genannten Genossen, wie etwa die ,, Landpost" zu dem unsern... 11. Feber 1926. ber Novellierung der Privatbeamtenversicherung eklärt, die Regierung habe ein Junttim zwischen der Arbeitersozialversicherung und der Versicherung der Privatbeamtenschaft verkündet. Die Arbeiten der betreffenden Kommission des Fürsorgeministe riums sind in den Hauptumriſſen bereits beendet und es verbleibt nur die Verhandlung des mate riellen Teiles, d. i. die Durchrechnung der Ver ficherungsprämie, die die Angestellten zahlen wer den und der Ansprüche auf Inv: liden- und Alters. pension. Gegen den bisherigen Stand soll die Ver ficherung bedeutend erweitert werden, was hauptsächlich aus der Erhöhung des Grundgehalts, der der Versicherung unterliegt, auf 24.000 Stronen erfließt. Gestern fand eine gemeinsame Siguing des Parteivorstandes und der parlamentarischen Vertretung der Partei statt. Sie beschäftigte sich mit einer ganzen Reihe bedeutsamer politischer und wirtschaftlicher Fragen. Einleitend erstattete der Par teivorsigende Genosse Dr. Czech einen ausführ lichen Bericht über die politische und parlamentarische Situation, schilderte in diesem Zusammenhange die wirtschaftli Was ists mit dem schlesischen Landesschulchen Verhältnisse dieses Landes, die sich rat? Vor Jahren schon hat die deutsche sozial in letzter Zeit immer mehr verschärfen und sich demokratische Fraktion die Wiedereinsetzung des in sehr schwerer Weise für die Arbeiterklaffe ausLandesschulrates für Schlesien in Anträgen und wirfen. Genosse Czech erörtert sodann in ein Interpellationen gefordert, ohne daß diese unsere gehender Weise die Durchführungsver Forderung von welcher Seite immer im Parla ordnung zum Sprachengeset, die bemente unterstützt wurde. Nunmehr schreibt der vorstehende Novellierung des Wehrgetschechische sozialdemokratische" Duch Caju": setzes, die projektierten finanziellen Be ,, Sieben Jahre sind verflossen, seitdem die öster deckungsmaßnahmen zum Staats reichischen Aemter und Institutionen durch angestellten gesetz und dieses selbst. Sie republikanische ersetzt wurden. Nur beim schle bei fam er naturgemäß auch auf den durch die sischen Landesschulrat trat keine Aenderung ein. Ausschaltung des Parlaments notien Die jetzige Zusammensetzung entspricht nicht den dig gewordenen Einberufungsantrag Forderungen der Bevölkerung. Dieser Zustand unserer Fraktion zu sprechen und konnte den Koalitionsparteien wesens nicht geduldet werden und wir sehen darf selbst im Interesse des schlesischen Schul mit Genugtuung feststellen, daß dieser Antrag die Sitzung wurde von uns daher gezwungen, alle Schritte zu unter feine Wirkung getan und der Regierung gegen folgende Mitteilung ausgegeben: ihren Willen und ihre Absicht die Einberufung Heute fand unter dem Vorsitz des Abgeordne nehmen, die zur Aenderung der bestehenden des Parlaments abgenötigt hat. Die Entscheidung ten Tomašef eine Sigung des zwölfgliedrigen Ordnung hinführen. Die Herrschaft dieser des Parlamentspräsidiums erfuhr seitens des Exekutivausschusses der koalierten Parteien statt. Ja, das sind eben gegenseitige Verpflichtun Bürokraten muß gebrochen und der Landesschul Redners die gebührende Verurteilung. Zu diesem Für die Regierung waren Ministerpräsident Dr. gen! Beneš ist zu einer Konferenz der Kleinen rat durch Mitglieder aus der Bevölkerung und lezten Gegenstande, aber auch zu den übrigen in vehla und die Miniſter Dr. Englis, Msgr. Entente nach Rumänien gefahren. Man spricht dem Lehrerstande ergänzt werden, so wie dies Verhandlung stehenden Fragen wurde vom Refe- Sramet und Dr. Nosek anwesend. Nach Er- allgemein davon, daß diese Zusammenkunft in längst schon in Mähren und Böhmen geschehen renten sodann eine Reihe von Maßnahmen be ledigung des laufenden Programms erstattete der Temesvar stattfindet. Das ist aber falsch. ist. Wir wissen zwar sehr wohl, wer die Reor antragt, An die Ausführungen des Vorſizenden Regierungschef eingehenden Bericht über den bis- Richtig heißt der Ort Timisoara. Darüber ganisierung des Landesschulrates bisher zu verschloß sich eine sehr eingehende Debatte, die in der herigen Verlauf der Verhandlungen über die Re- belehrt die tschechische Regierungspresse( einschließ- citeln versuchte und auch vereitelte und wir wer einstimmigen Annahme einer die Gesamtergeb gelung der Staatsangestelltenbezüge und präzi- lich der deutschgeschriebenen), die die Bezeichnung den dafür Sorge tragen, daß ihm nächstens teis nisse der Beratung zusammenfassenden Resolusierte den Standpunkt der Regierung zum Vor- Temesvar peinlichst vermeidet, obzwar man doch Gehör geschenkt wird. Daß das heute beim tion ihren Abschluß fand. Die Resolution ist anschlag der Staatsangestelltenkommission. Am allgemein Temesvar, nicht aber Timisoara kenni. Landesschulrat geschieht, darf unter keinen Um anderer Stelle des Blattes abgedruckt. Hierauf Samstag vormittags wird der 12gliedrige Erefu- Selbstverständlich ist diese Liebe für kleinententisti- ständen geduldet werden und wir fordern daher gelangte das an den Parteivorstand gerichtete tivausschuß der koalierten Parteien zu einer neuen sche Eigenart eine wechselseitige: man wird eben das Unterrichtsministerium dringend auf, die Schreiben der Kommunist en betreffend Sigung zusammentreten, um die Vorlage, sowie auch niemals eine Konferenz in Eger oder Reorganisierung des schlesischen Landesschulrates eine gemeinsame Aktion zugunsten der von der auch die Frage der Deckung der endgültigen Be- Bodenbach abhalten, höchstens in Cheb oder unverzüglich vorzunehmen und nach dem böhmiReichenberger Zentralgewerkschaftskommission auf handlung zu unterwerfen. Podmokly, womit man gleichzeitig auch dem schen und mährischen Muster durch Volksvergestellten sozialpolitischen Forderungen zur Ver Ausland auf trockenem Wege eine kleine Spra- treter und Lehrer zu ergänzen. Es ist nothandlung. Auf Grund der gesamten VerhandLändlich- fittliche Journalistik. Der Fall des chenverordnung versetzt... wendig, den Unwillen einiger Herren zu brechen, lungsergebnisse wurde die Absendung eines Abend" und feines Exchefredakteurs Weiß ist, die im Landesschulrate machen, was sie wollen. Schreibens an die kommuniicbächten wir, für jeden klargestellt. Gewiß; doch In Schlesien entscheidet die Kanzlei des LandesPartei und die Veröffentlichung desselben in nur für die Deutsche Landpost" nicht. schulrates, da ein Landesschulrat in Wirklichkeit der Parteipreffe befchloffen. Nach Erledigung die- mit einer Stirn, die der Sozialdemokratie gegennicht besteht." ser beiden Gegenstände beschäftigte sich die Sibung über vor nichts zurückzuschrecken gewöhnt ist, gibt mit den vom Partei- und Klubpräsidium in Vor man im landbündlerischen Hauptorgan dem schlag gebrachten politischen und parlamentari Wiener Presseskandal" den Untertitel: Der schen Aktionen und faßte hiezu die sachgemäßen fozialdemokratische Chefredakteur Beschlüsse. Weiß wegen Erpressung angezeigt". Die„ Ar- Für den 14monatigen Präsenzdienst setzt sich Berlin, 10. Feber.( Eigenbericht.) Obwohl beiterzeitung", wir und auch die anständige Bür- Pravo Lidu" ein, welches im Leitartikel erklärt, die Regierung den gemeinschaftlichen Gefeßentivurf gerpresse, haben der Wahrheit gemäß festgestellt, daß die Partei auf der Durchführung des Wehr- der Sozialdemokraten und der Kommunisten für daß Weiß niemals Sozialdemokrat, geschweige gesetzes von 1920 beharrt und auch bereit sei, alle die Fürstenabfindung schon länger als vierzehn denn sozialdemokratischer Redakteur oder Chef- Mittel zu bewilligen, die sich als notwendig er- Tage vorliegen hat, hat sie noch nicht dazu Stel redakteur war. Jedermann weiß das, nur die weisen würden, damit der 14monatige Präsenz lung genommen und bisher auch nicht den Termin Revolverpresse und die„ Deutsche Landpost" nicht. dienst ohne Schaden der militärischen und Schuß für das beantragte Voltsbegehr angefeßt. AnDie im Parlament stattgefundene Sigung des Das heißt: sie weiß es, will es aber nicht wahr interessen des Landes in Kraft trete. Dabei be- fcheinend verfolgt sie die Taliit, erst den Kompropolitischen Zwölferausschusses der Koalition führte haben. Denn da die Deutsche Landpost" un- halte sie sich aber die Seritif aller jener Faktoren mizantrag der Regierungsparteien durch den zu feinem Ergebnis und ging im Zeichen allge- wahrer Weise vom„ Stillschweigen der sozialdemo- vor, die sich nicht rechtzeitig während voller Reichstag zu erledigen, weil sie fich davon eine be meiner Verstimmung auseinander. Der fratischen Presse zu diesen Enthüllungen" schreibt, fünf Jahre!-um genügende Vorbereitungen ruhigende Wirkung auf die Bevölkerung verspricht. Beschluß des Ministerrates über die Staatsange fo muß fie doch, um dies festzustellen", vorerst die gekümmert haben, daß die 14monatige Dienstzeit In der letzten Zeit sind aber im ganzen Reiche stelltenvorlage ist bei allen foalierten Parteien auf fozialdemokratische Presse gelesen haben. Da glett eingeführt werden könnte. Das Parlament io zahlreiche und eindrucksvolle Kundgebungen für lebhaften Widerstand gestoßen und wir uns aber sehr ausführlich gestern schon ein davon sei die Partei fest überzeugt be die völlige Enteignung der früheren Fürstenhäuſer wahrscheinlich werden die foalierten Parteien zweites Mal) mit dem Fall Abend" und Weiß harrt auf dem einmal gegebenen Gesetze, auf dem erfolgt, daß die Regierung es sich jetzt anders über. den Beschluß des Ministerrates in der Staatsbeschäftigt haben, täte die„ Landpost" gut daran, Gefeße, das mit unseren internationalen und legt hat. Es ist anzunehmen, daß die Listen fürs angestelltenfrage nicht gut heißen. Wie wir ihre unwahren Behauptungen in anständiger wirtschaftlichen Verhältnissen und den sittlichen Volksbegehr vom 13. bis 17. März aufgelegt erfahren, wurden in der Sigung Dr. Meißner Weise richtigzustellen. Die Landpost" erzählt Erfordernissen im Einklang steht. werden. Welchen Umfang die von den Parteien und Dr. Kramar mit der Ausarbeitung einer übrigens auch von hervorragenden sozialdemo- Junktim Arbeiter- und Privatbeamtenvers organisierte Arbeit der Listenauflegung haben muß, gemeinsamen Juterpellation der Koalition über fratischen Größen"( Seiz, Deutsch, Breitner) aus sicherung. Lout Narodni Osvobozeni" geht daraus hervor, daß mehr als 60.000 Gemeindie ungarischen Angelegenheit beauftragt. Ueber dem Freundeskreis" des Herrn Weiß. Das hat wird in gut informierten Kreisen über die Frage den in Betracht kommen. Die Koalitionsverhandlungen wiederum ergebnisios. Prag, 10. Feber. Copyright durch Wilhelm Goldmann Verlag, Leipzig, 1925. Roman aus der Zeit der großen Goldfunde in Kanada und Alaska von Emil Droonberg 46 Der„ Slovat" prophezeit eine lustige Parlamentssession. Das Organ Slinkas sagt voraus, „ daß die kommende Barlamentssession noch viel Tuit iger soin wird, als es die jetzige war. Während mei in der vergangenen Parlaments session nur sang, pfiff und Trompeten ge brauchte, werden in der kommenden Session die Neden von Musik begleitet sein". Deutsches Boltsbegehr Mitte März? denke nur, es könnte mal von Wert sein, wenn und von der fast jeder Tag war wie ein Jahr wir seine Handschrift haben. Für solche Dinge-- glauben Sie, daß ich die jemals vergessen muß man eben in der Zeit sorgen. fönnte?" Am Nachmittage, als Escher seinen Bericht fertiggestellt und dem Poſtagenten übergeben hatte, begegnete er auf dem Rückwege von diesem vor dem Hotel Eileen, die aufgeregt war und ihm offenbar eine Neuigkeit zu berichten hatte. Escher schwieg. Er wagte nicht zu sprechen, denn er fürchtete, daß Worte auf seine Zunge fommen würden, die ungesagt bleiben mußten. Er hatte auch nur das eine gehört und wiederholte es nach einer Weile unbewußt: leise. ,, Unsere Wege trennen sich morgen--" " Und es ist vielleicht gut so", fagte Eileen ,, Gut so?" erwiderte Escher mit einem Anflug von Bitterkeit. Freilich, es ist so vernünf tig, und darum ist es gut. Alles Vernünftige ist gut, aber es schmerzt oft. Eileen, ich wünschte, ich könnte anders zu Ihnen sprechen." gaben, die Lynn ihr zuflüsterte, einen Brief zu fchreiben begann. Die Mittagsstunde war bereits vorüber, als Die Goldwäscher am Kloubite. Sileen in dem Zimmer erschien, um ihn zur Mittagsmahlzeit zu rufen. Das Hotel fonnte Mahlgeiten nicht liefern, da überall im Innern des Landes die Lebensmittelvorräte unter dem Zu Strom von Zehntausenden von Menschen eufgebraucht waren. Es mußte daher den Reisenden ,, Denken Sie sich", rief sie, ich habe Leute überlassen bleiben, sich von ihren eigenen mitge- gefunden, denen ich mich nach Fort Jukon anAm andern Morgen, schon ganz in der Frühe, brachten Vorräten, so gering diese in einzelnen schließen kann. Es ist ein schon älteres Ehepaar, jezte er sich in einem Naum an feine Arbeit, der Fällen auch waren, ihre Mahlzeiten zu bereiten. das dort ein Boardinghaus aufmachen will." für diesen und ähnliche Zwede bestimmt war, wozu ihnen der große Herd in der Küche zur Ver- Escher hätte sich nun eigemiich darüber freuen wenn auch seine Ausstattung nur ens einem fügung stand. sollen, daß Eileen es so gut getroffen hatte und langen rohen Tische und einigen Schemeln von Escher unterbrach seine Arbeit, um sie später nun auf ihrer Weiterreise den erforderlichen gleich primitiver Beschaffenheit bestand. Escher zu vollenden und verließ mit Eileen den Raum. Schutz haben würde. Aber er vermochte es nicht. war übrigens nicht der einzige, der sich hier ein Einige verschriebene Blätter hatte er cuf seinem Es war unvernünftig, er wußte das, aber er emp-„ Ich weiß, und ich habe Sie nur noch mehr gefunden hatte. Mehrere andere Gäste waren mit Blaze liegen laffen. fand es als eine Enttäuschung, daß ihr fein geachtet, daß Sie es nicht getan haben, denn ich Briefschreiben beschäftigt, und ein Landagent er- Lynn war das nicht entgangen. Staum hatte Schuß. den er ihr so gern gewährt und der ihn weiß auch, daß Sie nur mit Rücksicht auf mich flärte zwei offenbar spekulationslüsternen Neu- sich die Tür hinter Echer geschlossen, als er sich alle Mühsal der Reise hatte gering achten lassen, geschwiegen haben. Aber auch wenn Sie geſproanfömmlingen aus einem vor ihm liegenden Plane erhob und anscheinend ganz absichtslos an dem von jest ab entbehrlich war. chen hätten, es hätte doch kommen müssen, wie die Vorteile gewisser Baustellen in der Stadt oder Blete, den dieser bisher eingenommen hatte, vor- Sie waren auf der breiten Straße, deren es jetzt kommt. Und erst recht dann. Verstehen deren Umgebung. überging. Dabei schienen diese Blätter sein Inter- Schneedecke während der Mittagsstunden ein Escher beschrieb ein Blatt nach dem andern, effe wachzurufen. Er nahm eines davon auf und wenig aufgetaut, aber längst wieder gefroren war, strich aber wiederholt aus, was er gefchrieben begann mit der müßigen Neugier eines Mannes, und auf der jetzt die frühe Dämmerung lag, über hatte, und warf mehrere durch zu viele Korrek der eben nichts Besseres zu tun hat, das Ge- die letzten Säufer hinaus fortgewandert. juren unbrauchbar gewordene Blätter zur Seite, schriebene zu lesen. Seine Augen schielten aber zit" Sie scheinen sich gar nicht darüber zu denn er fand es heute schwierig, feine Gedanken den beiden anderen Gästen, die außer ihm und freuen", sagte Eileen, als er zu ihrer Witteilung zusammenzuhalten. Immer wieder ertappte er sich seiner Begleiterin noch über die Mittegsstunde noch immer schavicg. dabei, daß sie abwanderten und bei der Frage hinaus hier zurückgeblieben waren. Freuen?" wiederholte er und mußte sich verweilten, ob er Eileen allein nach Fort Jukon Deren Aufmerksamkeit war aber vollständig Mühe geben, seiner Stimme einen festen Selang gehen lassen dürfe oder er nicht vielmehr die von ihrer eigenen Arbeit in Anspruch genommen, zu verleihen. Ich werde mich natürlich freuen, fen, und das ist schwer, auch für einen Wann Pflicht habe, sie zu begleiten, bis sie ihren Veter und sie zeigten nicht das geringste Interesse für wenn Sie Ihren Vater finden. Aber ich weiß wie Sie. Aber es ist doppelt schwer, wenn er gefunden hatte. Er wünschte fast, daß sie hier sein Tun oder Lassen. Sie bemerkten es deshalb nicht. Und ich habe im Augenblick eigent- dabei nicht frei ist, wenn er eine Last mit ſich niemand finden möchte, dem sie sich anschließen auch nicht, daß er das Blatt, els ob er nur sein lich nur daran gedacht, daß Sie morgen aus mei- herumzutragen hat, die ihn am Boden festhält. fönnte; dann wäre die Frage ohne sein Butun eigenes Geschriebenes noch einmal überprüft hätte, nem Leben gehen werden, wie ich aus dem Glauben Sie, ich hätte den Gedanken ertragen nach seinen geheimen Wünschen sofort entschieden zusammenfaltete und in die Tasche steckte. Ihrigen. Und wir waren doch so gute Kamera- können, Ihrem Aufstieg im Leben ein solches und er vor sich selbst gerechifertigt gewesen. Was willst du damit?" fragte ihn seine Be- den geworden." Hindernis zu sein? Ich möchte Sie an einen Auch Lynn und seine Begleiterin erschienen gleiterin, die in wischen ihren Brief beendet hatte Und werden es bleiben", entgegnete Eileen Spruch erinnern, einen deutschen Spruch, den zwei oder dreimal in der Schreibstube und zuletzt und zu ihm getreten war, im Flüsterton. warm. Sie waren der beste Kamerad, den ich ich in einem Zimmer des Professor Died, meines fepten sich beide ebenfalls, aber etwas entfernt Weiß ich noch nicht", wer seine ebenfalls iemals hatte. Unsere Wege treunen sich morgen, Lehrers in San Franzisko, habe hängen sehen. von ihm, om den Tisch, wo das Mädchen nach An- mit gedämpfter Stimme gegebene Antwort. Ich aber die Zeit, die wir miteinander durchlebt ( Fortsetzung folgt.) Sie mich nicht falsches hätte mich glücklich gemacht. Fast so glücklich, wie mich Ihr Schwei gen gemacht hat. Aber wir hätten dann die Trennung, wenn sie sich nicht schon durch die Umstände ergeben hätte, selbst herbeiführen müs sen. Denn Sie haben Ihren Stolz, der Ihnen Schweigen gebot. Aber ich habe auch den meinigen, und der hätte mir nicht gestattet, Sie anzu hören. Sie haben sich Ihre Zukunft zu erkämp 11. Feber 1926. Muſſolini antwortet: Merkbarer Rückzug. Eine anmaßende und lächerliche, aber für den Duce„ gemäßigte“ Rede. Die Tschechoslowakei wieder als Beispiel der Gewalt. Mussolini hat sich mit seiner Antwort an Stresemann sehr beeilt. Die erste Gelegenheit, die sich ihm bot, ergriff er, um wieder die Schleusen seiner Beredsam feit übergehen zu lassen. Die neue Rede ist, das muß zugegeben werden, inhaltlich bedeutend gemäßigter als die erste. Sie bringt leine so groben Beleidigungen wie diese, auch der Spott hält sich in den Maßen. Selbstverständlich ist auch diese Rede nach den Begriffen, die man im nicht feseistischen Europa vom diplomat schen Vers fehr hat, unthaltbar, grob, anmaßend und in weiten Teilen lächerlich. Für einen Fascisten, der parteimäßig dazu verpflichtet ist, mit dem Säbel zu raffeln, andere Nationen zu verachten und unvernünftige Behauptungen aufzu stellen und für Mussolini, der vom Größenwahn befallen ist, im besonderen, bedeutet die Senatsrede direkt ein Zuge ständnis und man wird es zum Teil auf das Konto der sehr gefchidten Rede Stresemanns, zum Teil auf das Konto ber sehr energischen Saltung Englands sehen müssen, daß Mussolini einen Rüdzug antritt. Wichtig ist, daß er seine Phrase von der Brennergrenze, die ein Anfang sei, zwar formell bestätigt, dann aber doch im Sinne des Friedensbertrages" interpretiert. Interessant ist, daß er wieder die Tschechoslowakei als Beispiel einer schlechten und ungefeßlichen Behandlung der Deutschen an= führt. Im großen und ganzen ist die Rede ein Rückzug des Fascismus und ein Erfolg der deutschen Politik, natürlich alles nur gemessen an den besonderen Makstäben, die für eine politische Richtung, wie den blutbeflecken Fascismus, und für einen geistig nicht normalen Menschen wie Mussolini gelten. *** * nicht eine Episode, sondern eine Epoche Südtirol gehört in den Kreis der italienischen) Kulturgemeinschaft, die italienische Politik ist eine Politit der Gerechtigkeit. Stresemann hat eine andere Haltung Deutschlands gegen Joine Minderheiten versprochen. Es muß sich zeigen, ob diese Versprechungen gehalten werden. Die kurze Debatte der letzten Tage hat nicht zwei Minister einander gegenüber gestellt, sondern zwei Auffassungen über eine beriidelte und heitle Lage. Daher rührt das in der gesam ten Welt wachgerufene Interesse und die Erregung. Jetzt, wo die Schleier gefallen sind, erscheint die Lage außerordentlich klar. Deutschland beabsichtigt also innerhalb und außerhalb des Vö terbundes den geisti. gen Schuß aller in der Welt leben den Deutschen zu übernehmen, sogar der wenig zahlreichen Deutschen im Oberetschgebiet, die vor dem Kriege nicht Staatsangehörige des Deutschen Reiches waren. Das muß man sich merken und aufmerksam darüber nachdenken, Ich erkläre aber nicht weniger bestimmt: 1. Die fremdstämmige Bevölkerung im Oberetschgebiet gehört nicht im Geringsten zu den jenigen Minderheiten, die Gegenstand besonberen Abkommen in den Friedensverträgen waren. Seite 8. Zu den Fememord- Brozeſſen Strafverfahren gegen den völlischen Abgeordneten Wulle. 2. Jtalien wird sich in feine Debatte über diesen Gegenstand einlassen, in feiner Versamm lung und in feinem Rate. Daher ist die Ent Die Staatsanwaltschaft III Berlin hai gegen schließung des Tiroler Bandtages vollkommen den Reichst gsabgeordneten Wulle, Mitglied der hinfällig. Deutsch- völkischen Freiheitspartei, ein Strafver der größten Energie jedem derartigen Plane gung eingeleitet. Das Strafverfahren bezieht sich 3. Die fascistische Regierung wird sich mit fahren wegen Anstiftung. Beihilfe und Begünsti widersetzen, denn sie würde sich eines wahrhaften auf die Rolle, die Wulle bei dem von GrütteVerbrechens am Vaterlande schuldig halten, wenn Lehder ausgeführten Fememord gespielt hat. von Sunderttausenden Deutschen, die auf italieni fchen Boden herabstiegen, irgendwie Sicherheit und Frieden von 42 Millionen Italienern in der Tschechoslowakei und den skandinavischen Frage gestellt werden sollten, die sicherlich den Staaten sein. homogensten und geschlossensten nationalen Block bilden, den es in Europa gibt. Rom, 10. Feber.( Stefani.) Unter der größ- Italien keine andere Eriverbsmöglichkeit befäße. ten Aufmerksamkeit hielt heute im dichtbesetzten Zahlreiche Deutsche kennen vielleicht nicht das Senat Ministerpräsident Mussolini eine von Italien der Aeder, Werkstätten und Werften, das türmischem Beifall begleitete Rede, in der er u. a. sehr gut leben könnte, selbst wenn künftig fein folgendes ausführte: cinziger Deutscher über die Alpen kommen würde. Die lange und gewundene Reichstagsrede des Ich habe das Denkmal und die Erinnerung deutschen Außenministers Dr. Stresemann macht an Walther von der Vogelweide respektiert, aber eine fofortige Antwort notwendig, die ich habe es grotest gefunden, daß man ihm Dante flar und präzis sein wird, wie die Rede, die ich gegenüberstellen will. Ich verleugne nicht, was Der zweite internationale Jugendkongreß am vergangenen Samstag in der Kammer gehal ich 1920 über die Möglichkeiten Deutschlands geten habe. Diese Rede war nicht improviſchrieben habe, aber das Italien, das ich mit zweideutige Ziele gelten fönnen, das find Acuß- Dingen stehen Referate über den internationalen wird im Anschl:. an den Jugendtag ebenfalls in Das sind eine Drohungen, für die Amsterdam stattfinden. Neben den geschäftlichen siert, sondern während zweier Monate eines einem Regime vertrete, welches erbärmlichen antiitalienischen Geschreies mit Gerungen der Würde und Kraft, die durch die und nationalen Kampf für das Jugendschutzprobulb ich wiederhole, mit Geduld überlegt. Es Wirklichkeit niemals dementiert werden können, gramm, die internationale Zusammenarbeit der war feineswegs eine rhetorische, sondern im darstellt, beugt sich nicht vor Vormundschaft oder wie sie auch dem neuen Italien eigen sind, dem Jugend als Mittel sozialistischer Friedenspolitik, Gegenteil eine geradezu antirhetorische Anmaßung, von wem es auch sei und kennt keine gegenüber allzuviele Deutsche, die in der alten die Bedeutung der Kulturarbeit in der JugendRede. Die Tatsache, daß Außenminister Dr. Freundschaften, die nicht auf vollkommen politi- Geschichtschreibung hängen geblieben sind, den bewegung für den Sozialismus und das Verhält Stresemann meine Rede anders auslegen konnte, scher und moralischer Gleichberechtigung schweren Fehler haben, es noch nicht zu kennen. nis der sozialistischen Jugendorganisationen zu beweist wieder einmal, daß Stresemann und viele beruhen. Grundlegend und lebenswichtig ist nicht nur den bürgerlichen Jugendverbänden und zu den andere Deutsche ganz und gar nichts von den tief- Hinsichtlich der Entnationalisie, die Frage der Unverleylichkeit der öffentlichen Einrichtungen für Jugendpflege und gehenden geistigen und antirhetorischen Umwäl rung des Gebietes an der oberen Etsch ver- Brennergrenze, die Stresemann und ich Jugendbewegung auf der Tagesordnung. Das zungen wiffen, die sich in dem zeitgenössi wechselt Dr. Stresemann absichtlich eine Entsage ihm großen Dank dafür uns rechtlich Büro beschäftigte sich ferner mit der Lage der fchen italienischen Bewußtsein volljogen haben. Aber das sind nur Einzelheiten der nationalisierung, die nicht vor sich geht, mit auf Grund der Friedensverträge zuerkannte, fon- sozialistischen Jugend in Italien. Die Sigung der einfachen Anwendung der italieni dern auch alles, was von dieser Unverletzlichkeit nahm mit Genugtuung davon Kenntnis, daß die Debatte. Wenige Reben haben in der italienischen schen Gefeß c. herrührt. italienischen Genoffen unverzüglich daran gegan Seele und der öffentlichen Meinung Europas eine gen find, ihre Organisation von Neuem aufzu so rasche und so starte Rüdwirtung bauen und daß die vom internationalen Sekregehabt, wie die meine. Das beweist, daß sie zur tariat ausgeschriebene Sammlung zur Unterstützung der italienischen Genossen bereits gute Anfangsresultate aufzuweisen hat. Al sich fortalärung der Zage notwendig war, bie Die Anerkennung Sowjetrußlands aufgeschoben schreitend trübte und zu Ereignissen von außer ordentlicher Schwere hätten führen können. Diese überraschende Mitteilung Dr. Beneš's auf der Temesvarer Konferenz. in Alärung ist eingetreten. Der Gegensatz ist ge- Eine überraschende Mitteilung Dr. Benes's auf der Temesvarer Konferenz. schichtlich klar. Es handelt sich um einen Gegenjaz zwischen dem vollen italient schen Rechte und dem unsinnigen deutschen Anspruch. Ich brauche nicht zu sagen, daß ich dem Geiste und dem Buchstaben nach meine letzte Rede bestätige, einschließlich der Anspielung am Ende auf die Trifolore am Brenner, welche Anspielung Stresemann nach seinem Belieben auslegen kann, die aber die Italiener in dem Sinne auslegen, daß einer der ersten Exekutivkomitecfizungen nach Nach längerer Aussprache wurde beschlossen, in In Temesvar sind gestern die Außen-| große Greignis, wie die Koalitionspresse ankün- dem internationalen Stongreß die Frage der Zer minister der kleinen Entente mit dem digte, endlich vor sich gehen. Es hieß, daß nunmehr splitterung der Jugendarbeit in der sozialistischen üblichen Aufwand an begeisterten Voltsmassen, die Nationaldemokraten mit Rüdsicht auf den fet- Arbeiterbewegung zu behandeln. Den Beratun Flaggen und Begrüßungsreden zu einer Konfe- ten Bissen der Sprachenverordnungen, der ihnen gen über die Vorbereitung des Jugendtages renz zusammengetreten, die sich in erster Linie als Stompenfationsobjekt verabreicht wurde, ihren wohnte auch ein Vertreter der sozialistischen Stumit den ungarischen Fälschergeschich- Widerstand aufgegeben hätten. dentenschaft bei, da die sozialistischen Studenten beschlossen haben, mit dem internationalen ten befassen sollte. Ausgerechnet diese GesellDoch plöglich wurde noch in zwölfter Stunde Jugendtag in Amsterdam eine internationale schaft von erzreaktionären Bojaren hat sich nun der Außenminister Benes ausgesucht, um dort wieder gebremst und nun fündigt Benes offi- fozialistische Studentenkonferenz zu verbinden. so nebenbei plöglich zu erklären, daß es mit der ziell den Abbruch der Verhandlungen Das Büro wird im Anschluß an die ReichskonſeAnerkennung Rußlands de jure durch an. Die Tschechoslowakei wolle angeblich die beab renz der deutschen Organisation am 19. April it Anerkennung Rußlands de jure durchsichtigte Errichtung von russischen Konsu- Sildesheim erneut zusammentreten, um dort die die Tschechoslowakei wieder einmal nichts laten in der Slowakei nicht zulassen, auch Arbeiten des internationalen Kongresses vorzuist. Seit Jahren weiß es in der ganzen Tschecho fei die Frage der Rüdgabe des Eigen bereiten. flowatet schon fast jeder Abc- Schüße, daß die An- tum s tichechoslowakischer Staatsbürger in Jußerfennung der Sowjetregierung als legale Wacht land noch nicht geregelt usw. Es hat sich also in Rußland für uns und für unsere Wirtschaft wieder einmal erwiesen, daß Herr Kramar der Stresemann vermag übrigens mit seiner ein Gebot der Notwendigkeit ist. So ziemlich alle Stärkere ist. Wirtschaftliche Argumente sind da Rede nichts anderes, als alle wesentlichen Punkte größeren und kleineren Wächte haben schon langt machtlos, wenn es um Prestigefragen eines von folge einer Entzündung im Gemischhause der Schlebusch( bei Düsseldorf), 10. Feber. InRede Angabe dementiert, daß Italien in der Nachkriegs blieb es vorbehalten, unter dem Drud der Nader Zivnobant vorgeschickten Häufleins abgewirt hiesigen Karbonitfabrik sind heute früh sechs schafteter Nationaldemokraten geht. Arbeiter, sämtlich Familienväter, tödlich verun glückt. Das Gemischhaus ist vernichtet. 3 Italien niemals die Verlegung der Friedens verträge dulden wird, die seine um blutigen und sehr harten Preis eroberten Grenzen garantiert. tionaldemokraten, deren Führer Kramar sich noch immer nicht mit den gegebenen Tatsachen abzufinden vermochte, die Anerkennung der Sowjets, die uns mindestens ebensoviele Vorteile brächte als den Russen, immer wieder auf die lange Bant zu schieben. Arbeitertod. Rundfunk für Alle! zeit gegenüber Deutschland eine gemäßigte Politit befolgt? Nein; denn er konnte das nicht! Hat Eine Sache für sich ist die Art und Weise, er die Stampagne der deutschen Presse wie Herr Beneš mit den verfassungsdementiert, die während mehrerer Monate die mäßigen Fattoren umspringt. ParlaGrenzen des elementarsten Anstandes überschritt, ment, Ständiger Ausschuß oder die Außenausindem sie antiitalienische Lügen verbreitete und schüsse der beiden Häuser sind nur zum äußeren Einrichtungen und Gefühle verlegte, die dem Ita- Endlich schien in den letzten Monaten und Aufputz der tschechoslowakischen Demokratie auf Programm für heute, den 12. b. M. liener die teuersten sind? Nein, denn die Presse Wochen auch in amtlichen Kreisen die Stimmung der Welt, auf feinen Fall aber dazu, daß der lampagne war organisiert und selbst die Regie- umgeschlagen zu haben. Die Nationaldemokraten Herr Außenminister ihnen über eine so wichtige Brag, 17: Rongert; 18.15: Deutsche Sendung rungsblätter waren für fie eingenommen und so- wurden in den Novemberwahlen dezimiert und Angelegenheit referiere und aus der sich entspin Dr. Ing. Durell: Die Bedeutung des Radios für gar die Tägliche Rundschau", die mit Recht als damit ihr Einfluß in der Stoalition zumindest nenden Debatte sich Klarheit verschaffe, ob die die Landwirtschaft; 19:„ Die verkaufte Braut" das Organ des deutschen Außenministers betrach zahlenmäßig erheblich geschwächt. Es schien also Anerkennung im Interesse breitester Volksschich-( Aus dem Tschech. Nationaltheater). Brünn, tet wird. Hat Stresemann die Kampagne demen- der geeignete Moment zur Anerkennung gekom- ten liege oder nicht. Es ist nicht das erste 19: Orchesterkonzert; 20.10: Seinderlieder. tiert, die darauf gerichtet ist, den Boykott de 3 men zu sein. Herr Benes verhandelte denn auch mal, daß Herr Beneš das Parlament derart London, 21: Skontrabaßvortrag.- Paris, Reiseverkehrs in Italien herbeizuführen? mit den Russen, erschien sogar in der russischen brüstiert. Es ist aber hoch an der Zeit, dafür zu 21.30: Stonzert.- Berlin, 20: Oratorium„ Die Nein, denn diese Kampagne ist unternommen Handelsvertretung und letztent Samstag sollte das sorgen, daß es das leztemal vorkomme! Jahreszeiten". Stuttgart, 20: Symphonieworden, sie dauert an und wird schärfer, wie fonzert. Leipzig, 20.15: Duettabend. aus den Nachrichten hervorgeht, die ich gerade Breslau, 20.15: Vortragsabend Lettinger. heute vormittag erhalten habe. München, 20: Münchner Abend.- Frantfurt, 20.15: Vortragsabend. Wien, 20.15: Das Fürstenkind". 3ürid), 20.30: HändelBrahms Abend. Auch fagte Stresemann fein einziges Wort über meine Feststellung, daß, während Millionen Deutscher von anderen Staaten annektiert wor den sind, einzig und allein für das obere Etschtal fünstlich sich eine Agitation entfesselte, die auf notorische Lügen aufgebaut ist. Ausland. Aus der sozialistischen JugendInternationale. Devisenturie. Prager Kurse am 10. Feber. der Pfingstwoche in Amsterdam stattfinden werden. Ueber die Vorbereitungen für den internationalen Jugendtag berichtete Genosse Vorrint. Die holländische Regierung hat jetzt eine genügende Anzahl von Zelten zur Verfügung ge stellt, so daß die Teilnehmer des Jugendtages in einem gemeinsamen Zeltlager untergebracht werDas Sekretariat der sozialistischen Jugend- ben können. An Veranstaltungen während des Stammt denn die Verordnung der Prager Internationale veröffentlicht folgenden Bericht: Jugendtages sind vorgesehen eine große Eröff Regierung nicht aus den allerleßten Tagen, Am 24. und 25. Jänner 1926 tagte in nungsfeier am Pfingstsamstag abends, eine große durch die den Staatsangehörigen der Tschecho Amsterdamt das Büro der sozialistischen Jugend- internationale Stunbgebung im Stadion am 100 holländische Gulden flowakischen Republit einschließlich der 3½ Internationale. An den Beratungen nahmen die Pfingstsonntag, ein Fadelzug der Jugendteilneh- 100 Reichsmart Millionen Deutschen der obligatorische Ge- Mitglieder des Büros, die Genossen Voogd mer am Abend durch Amsterdam, am Pfingst- 100 belaische Frants brauch der tschechischen Sprache in allen staat-( Amsterdam), Ollenhauer( Berlin), e in montag werben in einem Part die Delegationen 100 Schweizer Frants lichen Verwaltungszweigen auferlegt wird?( Wien), Paul( Prag), fotvie die Leiter der holder einzelnen Landesverbände ihr Können in 1 Bfund Sterling Ich bestätige erneut, daß wir ein gastfreund- ländischen Organisation, die Genoffen Vorrink, Form von Aufführungen, Tänzen und Spielen Dollar liches Volt sind und bleiben werben, aber wir Schuhmacher und Toornstra teil. Die Sigung zeigen. Es liegen jetzt schon aus fast allen euro- 100 franzöfifche Frants bulben nicht, daß die Gäste überhebliche beschäftigte sich im wesentlichen mit den Vorbe- päischen Ländern Anmeldungen für den Jugend- 100 Dinar: Herrschermienen zur Schau tragen und reitungen für den internationalen Jugendkongreß tag vor. Besonders stark werden die Delegatio= 10000marifche Str uns ihr Geld ins Gesicht werfen, als ob und den internationalen Jugendtag, die beide in nen aus Belgien, Deutschland, Desterreich, aus 100 Schilling 100 Lire Kronen Weld 1855.75.-805 50.153.05.650.25 164.10.136.50. 83.70. 128.92.50 59.55.4.72.-Ware 1381.75.809.50.154 45.653 25. 165.30.138.84.125.82.50 60.05. 4.82.465 50.477.-. 471.50.480.- Seite 4. Berlorene Dörfer, verlassene Menschen.. Bilder aus dem ärmften Böhmerwald. II. Wassersuppen. Kinderelend. 11. Feber 1926. Not ohne Ende. der reiche Großbauer des Flachlandes. In einer Zeit, wo zur Sanierung verkrachter Banken Hunderte von Millionen hinausgeworfen werden, Ausnahme. Auf dem weiteren Rundgange gab es Das Bild dieser Armutskammer war keine könnte der Staat wirklich darauf verzichten, die noch viel Trauriges zu sehen. Da war in Neuärmsten Leute der ganzen Republik mit Steuer- bäuhütten die Witive eines Mannes, der Tertilfabrikanten die weiblichen Arbeitskräfte der vorschreibungen zu sektieren. totfiech aus dem Kriege heintkam und nach drei Billigkeit halber bevorzugten, während die MänJahren verstarb. Bis heute wartet sie um Gr. ner daheim bleiben und den Haushalt führen ledigung ihres Ansuchens um Hinterbliebenen Noch viel trauriger als das Schicksal der Er- rente und steht mit 5 Kindern allein da. Der Ein dreistündiger Fußmarsch über verschneite land, sondern ist heute noch im Böhmerwald an- wachsenen ist das Los der Kinder der Ar- älteste 23jährige Sohn ist Musikant. Aber jest mußten. Dieser Zustand war nicht nur in EngWaldstraßen brachte uns am zweiten Tage zur zutreffen. In Wassersuppen existiert eine Goldbeitslofen. Sie werden durch Hunger und Not kann er nicht mehr spielen, weil er's zuerst auf in schaft ist der Mittelpunkt eines alten Notstands- Leisten- und Staniolpapierfabrik, die nicht nur der schönsten Lebensjahre beraubt, son- der Brust" hatte und jetzt im Rehlkopf schaft ist der Mittelpunkt eines alten Notstands mit wenigen Ausnahmen Frauen beschäftigt. Sie dern vielfach fürs ganze Leben ruiniert. Der jüngere, 19jährige Sohn möchte was lernen, gebietes. Es iſt nicht zum ersten Male, daß aus verdienen wöchentlich 30-45 Stronen und sind Da war in der Versammlung die Frau eines kann aber bei keinem Meister unterkommen, weil den zehn deutschen Dörfern des Tauſer Bezirkes dabei durchwegs die Ernährerinnen Bayerngängers. Daheim hatte sie se ch s kleine die Mutter kein Lehrgeld bezahlen, keine Wäsche, verzweifelte Hilferufe in die Welt hinausdringen. In den Jahrzehnten vor dem Kriege fretteten sich ganzer Familien. Die Männer sind da se i´nder, von dem Säugling in der Wiege bis feine Kleider mitgeben kann. Ein fechzehnjähriges die armen Häusler, die von dem armseligen Fels- heim, machen Hausarbeit oder gehen betteln. Ein zu einem achtjährigen Buben. Der Mann konnte schwaches Mädel geht in die Fabrik und erbal und Moorboden des Lebens Notdurft nicht befriedigen konnten, mit der Erzeugung von Holzschachteln fort. Aus einem Aufruf des Vereines Deutsche Wacht", der im Winter 1909-10 erschien*), geht hervor, daß in der umliegenden Gegend früher einmal 1200 Familien in der Schachtelmacherei tätig waren. Sie arbeiten meistens für bayerische Verleger, zuletzt bestand auch cine Produktivgenossenschaft Wasserfuppen- Haselbach. In 12 Dörfern wurden zur Zeit der Hochkonjunktur jährlich 35 Millionen Schachteln erzeugt. Mit der Einführung des Zündholzmonopols in Deutschlands und der Verdrängung der Schwefelhölzer sank plötzlich der Bedarf auf einige Millionen jährlich. Schon in den letzten Vorkriegsjahren mußte der größte Teil der Schachtelmacher nach Deutschland in die Saisonarbeit gehen. Die maschinelle Erzeugung von Papier und Blechschachteln, ferner die Holzverteuerung nach dem Kriege haben dem Erwerbssweig völlig den Garaus gemacht. Die Schachtelmacherei ist tot, aber die Familien, die sich dadurch mehr schlecht als recht durchgebracht haben, leben weiter und schreien nach Brot. Bilder der Zeit. Wieder ein übervoller Versammlungssaal. Grauhaarige Männer, verhärmte Frauen, hohlwangige junge Burschen harren in banger Erwartung. Die Versammlung nahm einen geradezu dramatischen Verlauf. Wie Urlaute der gepeinigten Kreatur gurgelte es aus den Menschen heraus. Ein hagerer Mann mit eingefallenen Augen erhebt den Knotenstock und schreit in größter Bewegung: ,, Dreinschlagen müßte man auf die Großschädeln! Früher wird es nicht besser werden!" Es scheint, als ob Tolkers Maschinenstürmer" oder Hauptmanns Weber" wieder auferstanden wären, um ein Stück aus der Zeit der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals zu spic len. Immer wieder dieselbe Klage: Wir haben Hunger, wir haben keinen Kartoffel mehr im Sause, wir müssen die Kinder auf den Bettel schiden. Da ist eine Familie in Haselbach, die im Stalle wohnt, weil sie fein Quartier mehr bezahlen kann. Eine zweite fünftöpfige Familie in demselben Orte hat die ganze Woche über nichts zu essen, hie und da wird von den wenigen organifierten Glasarbeitern für sie gesammelt. Da erzählt ein Arbeitsloser aus Neubäuhütten, daß er nicht mehr weiß, wie er seine zwei Kinder von sechs Wochen und eineinhalb Jahren fortbringen soll. Sie haben keine Ziege. ,, Habt Ihr wenigstens Kartoffel?" -Gar fui!" Ein nettes, junges Weib, die Mutter eines unehelichen 8jährigen Buben, jammert, sie befinde sich nach einer Gallensteinoperation, solle diät leben und müsse dabei den armen Eltern zur Last fallen. Sie würde überall jede Stellung anneh men, wenn sie nur für ihre Ernährungsweise Rücksicht fände. Sie hat schon auf einem Straßenbau Notstandsarbeiten berrichtet. so Arbeitsloſengruppe aus dem Gebiet von Wasserfuvpen. junger Bursche aus Neubäuhütten erzählte:„ Wir den Jammer nicht mehr ansehen und ging vor sind fünf große Leute in der Familie. Die alte Weihnachten zu Fuß nach Deutschland auf ArMutter muß in die Fabrit gehen und uns vier beitsuche. Irgendwo ist er bei einer Notstandsgroßen Burschen aushalten." Zu allem lleberfluß arbeit untergekommen und schickt hie und da soll sie jetzt für das fleine Anwesen noch 600 Keinige Kronen Ersparnis. Wir besichtigten dann Steuern zahlen. Da muß man ein Ver- die einfenstrige dumpfe Kammer, wo diese Familie brecher werden!" mit ihrem Lohn die ganze Familie. Sie ist blut arm und war gerade vier Wochen krank. Während des Gespräches brachte der Postbote einen Brief - vom Steueramt. 43 Kronen in irgend einer Gebührensache sind zu bezahlen. Ein Sched war auch dabei doch wo ist das Geld? In ihrem Unglück denkt die Frau noch an andere, ärmere. Sie bittet mich, ob ich den Säugling eines schwerhörigen arbeitslosen Mannes nicht irgendwo unterbringen könnte. dem vor drei Wo. chen die Frau starb. Er wohnt in einer selbst. erbauten Blockhütte, durch deren Wände der Wind pfeift und weiß sich mit den 5 Kleinen nichts an zufangen. Nach dem Begräbnis der Mutter war der Pfarrer da, sah sich den ganzen Jammer an, meinte, das ist die ärmste Familie im ganzen Ort", und ging winder fort. So hilft die Kirche den Armen... Indessen meine Begleiter noch photographi. sche Aufnahmen machten, wanderte ich zur näch sten Versammlung nach Frohnau. Der falte Winternebel, der morgens unser Weggefährte war, hatte sich verzogen. Hell leuchtete die Sonne auf tiefgrüne Waldhänge des Hirschsteins und seiner Nachbarhügeln. Zu jeder anderen Stunde hätte mich dieser Anblick begeistert. Diesmal fonnte er aber die tödliche Traurigkeit nicht ban nen, die mich nach den letzten Erlebnissen er füllte. Soviel Unglück, soviel Elend zu sehen und nicht helfen, ja nicht einmal sichere Hilfe verspre chen zu können das liegt noch durch Tage und Nächte wie ein Bleigewicht auf der Seele. W. J. ( Fortsetzung folgt.) hauſt. In den Wohnraum greift noch der Holz- Erwachendes religiöses Reben in- Sowjetrußland. Eine Mutter und sechs Kinder- ohne Brot. Steuerwahnsinn. ( Siche Text.) verschlag eines Ziegenstalles hinein. Dieser Eindruck war der Erschütterndste von allen, Als wir die mitgebrachten Semmeln aus dem Rucksad packen und verteilen wollten, streckten sich gleich zeitig acht magere Aermchen aus: Mir!" Mir!" Mir!" Wenn man die kommunistischen Agitatoren hört, muß man meinen, in Rußland wäre mit allen Einrichtungen des fapitalistischen Klassenstaates gründlich aufgeräumt worden. Zu den besten Stüßen des Kapitalismus zählt man die religiösen Gemeinschaften. Nach dem Willen der tommunistischen Schreier soll die Religion dem Volke gründlich ausgetrieben werden. Wo anders follte nun die Religion dem Volfe mit mehr Erfolg aus dem Herzen gerissen" werden, als in Sowjetrußland. Wie aber steht es damit in Wirklichkeit? Es ist wohl wahr, daß die antiklerikale Propaganda dort rücksichtslos arbeitet, daß die Trennung der Stirche vom Staate praftisch durchgeführt wurde aber deswegen ist das religiöse Leben nicht erstorben, sind die Kirchengemeinschaften nicht verschwunden. Ja, das religiöse Leben nimmt zu. Wir stüßen uns bei dieser Behauptung auf einen Vortrag, den der deutsche evangelische Bischof Malmgren aus Petersburg bei der 69. Hauptversammlung des Gustav- Adolf- Vereins in Braun schweig am 23. September 1924 hielt. Redner schilderte eingehend die geschichtliche Entwicklung der deutschen evangelischen Kirche Rußlands, die zwei Millionen Menschen vor dem Umsturz um faßte. Als das Jahr 1920 anbrach, sah die lu he rische Kirche in Rußland aus, wie ein weites Feld, über das die Springflut verheerend hinweggebraust ist". Bischof Malmgren schilderte dann die Wiederaufbauarbeit. Vom 21. bis 26. Juni 1924 fand mit obrigkeitlicher Bewilligung die Tagung der Generalsynode, der ersten in Rußland seit eine lutherische Stirche besteht, unge hindert statt. Es waren im ganzen 57 Delegierte aus 27 Wahlkreisen erschienen, außer zwei Gästen aus den transkaukasischen oder grusinischen KoloEin Arbeitsscheuer" spricht: ,, Bitte einmal um ein wenig Ruhe", beginnt ein rüstiger Mann in besten Jahren, ,, damit ich dem Herrn Referenten erzählen kann, wie es uns geht, wenn wir arbeiten wollen. Bei unserer Gemeinde Mauthaus waren Steine für einen Straßenbau zu brechen. Wir bewarben uns beim Herrn Straßenmeister um diese Arbeit. Unglaublich, aber wahr: Menschen, die am Als Lohn wurde uns 8 K für den Kubikmeter Hungertuche nagen, die kein Geld auf Salz und mittlere Straßenbausteine, 25 K für Schotter- Zündhölzer haben, sollen jährlich Hunderte von steine versprochen. Wir haben probiert, ob wir Seronen Steuern zahlen. Das kommt teils von bamit auskommen können. Alle, die da sind, den staatlichen Realsteuern auf das kleine Häus- Meinem Begleiter stürzten Tränen hervor. nien, die bisher eine Sonderstellung eingenommen wissen, daß ich arbeiten kann und daß ich es mit chen und das dazu gehörige Stück Waldäckerlein Wer könnte angesichts solchen ungeheuren Jam- batten. Einmütig wurde die neue Verfassung der jedem aufnehme. Also haben wir zwei Mann oder Moortviese, teils von den schrecklich hohen Ge- mers ungerührt bleiben? Während der photogra- Stirche angenommen, die einen dreistufigen Aufzwei Tage gearbeitet nein, geschuftet wie meindeumlagen. Wenn ein Ort, wie die Ge- phischen Aufnahme klagt das Weib ihr grenzen- bau vorsicht. Und Bischof Malmgren erklärte die Narren. In den zwei Tagen haben wir vier meinde Mauthaus, von lauter armen Teufeln loses Leid. Als der Mann fort war, padte sie hochbefriedigt: Damit steht die evangelisch- lutheRubikmeter Straßensteine gebrochen, also zu bewohnt wird, kommt es dahin, daß die Orts- eine Krankheit, wevon die ausgefallenen Kopf- rische Kirche Rußlands nach außen wieder ge aveit 32 Kronen verdient. Regie hatten armen für die Kosten der Armenpflege auftom- haare zeugen. Wochenlang lag sie ohne schlossen als die eine da, die sie war vor Beginn men sollten. Mauthaus hatte im vorigen Jahre Pflege. Die Kleinen mußten die Stleinsten der Revolution, nur mit dem Unterschied, daß sie Schmiedkosten. 35.- Kronen 1230 Prozent Gemeindeumlagen, dieses Jahr warten und obendrein den Unterhalt erbetteln. ießt eine ist nicht aus fremdem Willen, nicht aus Schußmaterial. follen es 1800 Prozent werden. So kommt es, beispielloses Martyrium, o beispielloses Helden- dem Willen der Staatsgewalt, sondern aus eigenem daß ein Arbeitsloser, der einschließlich des Bau- tum einer Mutter! freien Entschluß und Willen. Der AufZusammen gründes seiner Hütte 50 Klafter Grund besißt, im Nach der Aufnahme waren die größeren Rin- lösungsprozeß ist damit endgültig cher geschunden und zum Schluß sollten wir auf rer, der 4-5 Strich unfruchtbaren Bodens dabei die Schule, weil sie so gerne lernen und weil an Ruinen." Der Redner berichtete u. a. auch, Zwei Tage haben wir uns also wie die Vie- Jahr 221 Kronen Steuern zahlen soll, ein ande- der nicht mehr zu halten. Zwei stürmten fort in zum Stillstand gekommen. Neues Leben tann aufblühen aus den den Verdienst noch 33 Kronen draufzah hat, 3-400 Stronen jährlich. Die Folge ist, daß diesem Tage gerade die Zeugnisse fällig waren. len! Rann man unter folchen Verhältnissen ar- jeden Augenblick der Steuerzahler auf Nur ein Mädchen blieb traurig auf den Stroh- daß die Generalfynode beschlossen hat, unverzüg beiten? Da bleib' ich lieber daheim und lasse mich der Bildfläche erscheint und womöglich die letzte facklumpen sipen. Warum sie nicht auch gehe? lich eine Ausbildungsstätte für Theologen zu bon meiner Frau aushalten." Biege aus dem Stalle reißt. Abgesehen davon, daß Weil um ein paar kleine Holzpan- religiöses Leben blüht in Sowjetrußland, obwohl Schaffen und zwar in Leningrad. Also neues es dringend notwendig wäre, diesen armen Wald- toffelchen zu wenig da war, konnte bort in den Schulen der Religionsunterricht nicht religiöses Leben blüht in Sowjetrußland, obwohl gemeinden aus ihrer Finanznot zu helfen, er- fie nicht in die Schule gehen... scheint die Abschreibung der staatli- Menschen, hört es: solche abgezehrte hunger- unterricht an Kindern, die das 18. Lebensjahr geduldet wird und auch der private Religions chen Steuern gegenüber diesen Arbeitslosen geschwächte Kinder der Arbeitslosen weinen, wenn noch nicht vollendet haben, aufs strengste verboten als eine selbstverständliche Forderung. Es ist übri- fie nicht lernen können. Und zur gleichen ist. Es zeigt sich klar, daß die mechanisch- gewalt gens eine himmelschreiende ungerechtigkeit, daß Stunde quält vielleicht der Range eines Bank- fame„ Austilgung" der Religion im Sinne der ber arbeitslose Häusler im ärmsten Böhmerwald- direktors einen proletarischen Studenten, der sich Kommunisten nicht die gewünschten Früchte zeitigt. gebiete für jeden Wohnraum seiner Keusche die- als Hauslehrer mit ihm abmüht. Und das foll wir: • 20.80 Kronen • · 55.80 Stronen Die Frau als Ernährerin. In seinem Buche ,, Die Lage der arbeitenden Alassen in England"" schilderte Friedrich Engels, wie vor Jahrzehnten die englischen Bitiert in Böhmerialbler Hausindustrie und Boltstunst" von Josef Blau, Prag 1918. S. 308. felbe Hausklassensteuer zahlen muß, wie eine. gerechte Weltordnung sein? • ne es U= Der rei St. 11= er il De, It 78 d R e, g t 1, 0 11. eber 1926. Zagesneuigkeiten. Dante, Walther, Musolini. Das Berliner Tageblatt" veröffentlicht folgendes ausgezeichnete Gedicht Alfred Kerrs: Zwei Dichter wirken in getrennten Streifen, Wenn einer Tuba, einer Flöte bläst. Unsterblich füß erklingen Walthers Weisen Wovon du einen Quark verstehst! Die Politi eigt auf der Länderkarte Den vollen Unterschied von Berg und Tal: Himalaja das ist der Bonaparte. Wer ist der Pincio?( Rate mal!) hinreichen. Mussolini redet! tidian Rettung aus Geenot. Ein viertägiges Rettungswert. Seite 5. [ dierte Rechnung bekommen, den Betrag in der Stasse behoben, und die Beamten mußten anneh men, daß die Sache damit erledigt sei. Aber es tam anders, denn die Kasse wurde mehrmals von der Firma Müller gemahnt, diesen von Der Dampfer Bresident Roo Jum, obwohl man ihnen Taue und Rettungsgürtel Herrn Doroschkin zum Zwecke der Bezahlung der sevelt der United States Line, der auf nacharf Rechnung in der Stasse übernommenen Betrag an seiner Reise von New York nach der Wese 10 Uhr bends verfammelte sich alles in den fommission der Bezirksfvankenkasse ging der Sache Es brach dann die zweite Nacht an. Um die Firma zu bezahlen. Die neue Verwaltungsdie Mannschaft des englischen Dampfers oberen Räumen, auf dem Fußboden sibend, in der nach, das heißt, sie schickte einige Vertreter zu der ,, Antinoe" gerettet hat, ist jetzt in Mitte die zum Teil verletzten Leute der Rettungs- Firma Müller, wo ihnen einige nicht überBremerhaven eingetroffen. Die Franks. mannschaft. Draußen vangen 25 Metuchen mii einstimmende Aufklärungen gegeben wur8tg." evhält von einem Augenzeugen fol- dem Tode. Zu helfen war vorerst nicht, doch den. Herr Wüller ließ den Betrag als bezahlt gende Schilderung des schwierigen viertä- Roosevelt" blieb in der Nähe. Am Morgen fab nachtragen. Der Buchhalter der Firma erklärte, gigen Rettungswerkes: man die Besatzuna auf dem immer tiefer finzenden er habe das Geld bei der Stadtkasse beDampfer wie im Wahnsinn an Ded herumrennen. kommen, Herr Müller selbst behauptete, der Alle Versuche, mit den Schiffbrüchigen in Verbine Sohn Dorofchtins habe ihm das Geld ge= dung zu kommen, scheiterten. Von der„ Antinoe" legentlich gegeben, später gab Herr Müller über anten Einwirken des Herrn Dr. Scheiter, als des Vertreters des Herrn Doroschkins, eine Erklärung in die Zeitung, wonach sein Guthaben bei der BeDer Dampfer President Roosevelt" hatte am Dampfer, President 20. Jänner bei herrlichstem Wetter den New Yorfer Safen verlaffen. Bereits nach zwei Tagen, noch unter der Küste von Neufundland, geriet der 24. Jänner in der Früh wurden Dampfer in heftigen Sturm. Am Sonntag den Notsignale andauernd Hilferufe durch Blinkfignale; abgeschossenes Rettungstau Wenn er heute noch nicht geredet haben sollte, ihre Steuerbordfeite Tag schon ganz unter Waffer. sirkstvankentasse von dieser selbst geordnet wird er es bestimmt noch tun. Die MorgenJetzt versuchte der Kapitän der„ Roosevelt" auf worden wäre und eine Verbindung des Namens blätter melden: Mussolini hat gespro andere Weise eine Rettung zu bewerkstelligen. Ein des Herrn Vizebürgermeisters Doroschkin mit dem chen. Die Abendblätter bringen: Mussolini aufgefangen, die von dem britischen Frachidampfer laffen und an Lengen Zauen geschleppt, um esfin gibt in einer§ 19- Berichtigung die Erklä unbemanntes Boot wurde zu Wasser se- Inkasso nicht begründet sei. Herr Doroschwird sprechen; die Radioapparate melden: Antinpe", 8000 Tonnen groß. ausgingen. Mussolini spricht; die Telephone, Tele-" Roosevelt" änderte feinen sturs, um den Schiffs gegen das finkende Schiff treiben zu laffen; doch rung ab, daß er weder damals noch zu graphen und alle Verkehrs- und Verſtändigungsort des in Not befindlichen Dampfers anzu verschlungen. Bei dem wiederholten Verfuch gingen Wüller bestimmten Betrag bei der Bezirkskrankenanzuche che es das Schiff erreichte, war es von den ellen einer anderen Zeit einen für die Firma mittel hallen wieder vom Namen des Duce, den steuern. Bei orfanartigem Sturm erreichte man ſich nur noch vorstellen kann, wie er entweder„ Roosevelt" gegen 3 Uhr nachmitt: g3 die in See- och mehrere weitere Boote verloren. Als dann fasse in Karlsbad in Empfang genommen habe spricht oder zwischen zwei Reden seine Stimme not befindliche Antinoe". Der Stapitän funtte, ein und daß die Firma Müller ihre Bezahlung durch pflegt. Die Zwifchenzeit muß dann übrigens von daß seinem Dampfer das Ruder gebrochen sei. die Krankenkasse selbst erhalten habe. den Gegnern benützt werden, ihre Kontrovers- Die hochgehende See verhinderte es, an alücklich eine Verbindung zwischen den beider tentasse, daß Herr Doroschkin feinerzeit erDemgegenüber erklärt der Kassier der Kranreden anzubringen. Stresemann, Baldwin, Ra-„ Antinoe" heranzugehen, oder ein Rettungsboot Schiffen brachte, hörte man von beiden Seiten flärt habe, von der Firma Müller ersucht worden mek, vielleicht einmal auch Briand, Luther, Held, auszusetzen. vielleicht einmal Švehla( oder gar Beneš?) müssen freudige Surras; aber zu früh, noch furzer Zeit zu sein, diesen Betrag in Empfang zu nehmen, schließlich auch etwas dazu sagen, wenn in Rom Eine schreckliche Nacht brach herein. war das Tau wieder zerrissen. Regen- und daß Herr Doroschkin auch tatsächlich den und Schneeftürme trieben weiter ihr Spiel mit Betrag in Empfang genommen hat." Der Berturteile über die Kultur, die Literatur, Dich Ab und zu zeigte Antinoe" noch ein Licht, dem faft auf der Seite liegenden Schiff. tung, Tracht und Touristik( und den Minderhei- das aber immer rasch unter den hohen Wogen Als die vierte Nacht anbrach, begann der schiedenen Erflärungen nebeneinander stellt, er ,, Volkswille" fügt hinzu:„ Wenn man diese vertenschutz!) anderer Nationen gefällt werden. wieder verschwend. An Bord der„ Roosevelt" Sturm abzufl: uen und der Seegang nachzulaffen. hält man sofort ein flares Bild. Es ist dann wirtMussolini beschäftigt das Radiowesen aller Län- wurde alles, was nicht niet- und nagelfest war, Bei Scheinwerferlicht wurde jetzt ein be mannlich nichts mysteriöses mehr an der Sache. der, Mussolini muß sämtliche Redner des klassi- durcheinander geworfen. Die Passagiere verließen te& Boot zu Wasser gelassen und nach etwa Es steht fest, daß der Herr Doroschkin das Geld schen Altertums, der Renaissance und des die Kabinen und suchten die oberen Räume 6: 3 45 Minuten schon kehrte diefes mit der Sälfte der behoben hat, es steht weiter fest, daß die 19. Jahrhunderts plündern, um Phrasen für seine Schiffes auf. Auf der„ Antinoe" war inzwischen Antinoe"-Besatzung zurück. Neben alten ergrau- Firma den Betrag monatelang Reden zu sammeln. Er studiert eifrig mit heißem die Radiostation unbrauchbar geworten Männern sah man Jünglinge. Alle waren mahnte, es steht fest, daß der Herr Doroschkin Bemühen die Geschichte und Literatur, sogar die den und daher die Fühlung mit dem Schiff ver- böllig erschöpft: zwei mußten cuf Bahren bestreitet, den Betrag übernommen zu haben, Geographie der Welt, damit er die nötigen Verloren gegangen. Erst am Montag nachmittag gegen fortgetragen werden. Von neuem einsetzende Hagel- es steht weiter fest, daß der Betrag in den Bü gleiche aufbringen fann. Mussolini hat die ge- 4 Uhr wurde Antinoe" hilflos treibend wieder böen unterbrachen das Rettungswert, aber in chern nicht als bezahlt bezeichnet war und fammelten Reden Kaiser Wilhelms II. unter dem gesichtet. Man fah, daß das Schiff bereits starte einem weiteren günstigen Moment furz nach daß der Buchsachverständige nun erst die Forde Kopfpolster liegen, er fährt aus dem Schlafe auf Schlagfeite hatte. Die 25 Leute der Besayung Mitternacht brachte eine zweite Rettungs- rung an die Bezirkskrantenkaffe als erledigt und lernt recht kräftige Stellen aus diesen Reden baten durch Flaggensignale dringend um Hilfe. fahrt den Kapitän, Offizier und die übrige buchte, da ihm Herr Müller einen Zettel gegeben auswendig. Aber auch das dürfte bald nicht mehr Kapitän Freed von„ Roosevelt" entschloß sich, ein Mannschaft an Bord der„ Roosevelt" in Sicher hat, auf dem stand, die Bezirkskrankenkasse schulde Er wird eine ständige Verbin- Rettungsboot auszusetzen. Sieben tapfere hert. Auch der Kapitän war vollkommen erschöpft dung mit Saus Doorn" einrichten müssen, Mattrosen und der erste Offizier meldeten sich und mußte auf Ded gezogen werden. Den im dem Herrn Müller nichts mehr." um sich im Bedarfsfalle die Hilfe Wilhelms leisten freiwillig, das Boot zu bemannen. Mit Sinken begriffenen Dampfer„ Antinoe" überließ Zur Gehaltsfrage der Bürgerschullehrerschaft zu können. Der redegewandte Kaiser ist sicher großer Schwierigkeit wurde das Boot zu Waffer man seinem Schicksal. Unter allgemeinem Auf hat der Reichsverband der deutschen Bürgerschulder einzige, der ihn noch etwas lehren könnte. gelassen, doch da brachte eine anrollende hohe See atmen an Bord wurde die Reife fortgesetzt. lehrerschaft folgende Entschließung gefaßt: Die Die Gegenreden sind natürlich nichts gegen die es zum Kentern. Die Bemannung hielt sich Bei der Ankunft in Plymouth, wo die Zeitungen veröffentlichen den Vorschlag des Angriffe. Man müßte sich einmal den Fall aus an Rettungstauen, das Boot wurde wieder auf- gerettete Mannsch ft sich an Land begab, wurde Staatsangestelltenausschusses zur Regelung der denken, Wilhelm fäße noch auf dem gerichtet, tenterte eber beim Anprallen einer neuen 8m Dampfer President Roosevelt" durch die Lehrergehalte. Die Bürgerschullehrer sollen um Thron seiner Väter und es wäre ein Rededuell See zum zweiten Male. Sechs der Leute gelangten Behörde ein wohlverdienter ehrender Emp- cine Gehaltsstufe( drei Jahre) gegenüber den zwischen ihm und Mussolini im Gange. Nicht glücklich wieder an Bord; zwei aber tamen fang bereitet. Volksschullehrern vorreihen. Diese drei Jahre auszudenken! werden die meisten sagen. Man XXXXXXXXXXX xxxxxxxxxx reihte die Bürgerschullehrenschaft auch schon bisher stelle sich vor: von zwölf bis sechs spricht Mussogegenüber den Volksschullehrern vor. Die geldliche lini, von sechs bis zwölf spricht Wilhelm, dann in Neuern stand die Abgabe einer Aeußerung| leiden, darum gehen wir so vor!" Ein Auswirkung dieser Regelung" war aber so unwieder sechs Stunden Benito, dann wieder bis an die Behörde zur Beratung, ob die tägliche Vortrag in deutscher Spreche darf also im Deut- günstig, daß jeder Anreiz zur Ablegung der Bürmittag der Kaiser, dann der Duce einen Tag, Arbeitszeit für mehrere Berufsgruppen von acht fchen Sause nicht einmal in deutscher Sprache gerschullehrerprüfung entfiel. Beweis hicfür ist die dann Wilhelm einen Tag, dann Mussolini cine cuf zehn Stunden erhöht werden sollte. Die Ver affichiert werden, obwohl das„ Studentsky Do- traurige Tatsache, daß nunmehr auch an den deutWoche, der Kaiser einen Monat, dann der Difta- treter der sozialdemokratischen Partei mob" zum Teil nur durch eine Schenkung Prof.schen Bürgerschulen trotz der Schuldrosselungen ein for ohne Unterlaẞ. Es würde Phrasen und Be- stellten hiezu den Antrag, den bürgerlichen Antrag Ezer mat- Seysenegg überhaupt gegründet immerhin fühlbar werdender Mangel an geleidigungen regnen, die gesamte Weltliteratur auf Erhöhung der Arbeitszeit von acht auf zehn werden konnte! Und dann wundert man sich, daß prüften Bürgerschullehrern eintritt. würde mit Zetteln versehen, auf denen die Wert- Stunden abzulehnen. Nicht nur, daß der die Herren am Prager Magistrat die Affichierung Die Bürgerschule tann aber ihre wichtige Aufflassen angegeben wären. Bei Mussolini wären nationalsozialistische Gausekretär von deutschen Plakaten an den Straßenecken nicht gabe für Landwirtschaft und Gewerbe, für InduGoethe, Stant, Schiller, Fichte, Wagner, Beethoven für Südböhmen, seines namens„ Budweiser gestatten wollen. Oder erfolgte die Plakatierung strie und Handel nur dann erfüllen, wenn entStümper und Kindstöpfe, Wilhelm würde die- Josef", in der Debatte über diesen Beratungs. deshalb nicht, weil der Vortragende ein Genosse sprechend befähigte Lehrkräfte an ihr wirken. felben Vezeichnungen für Dante, Petrarca, d'An- gegenstand nicht ein einziges Wort für die Beibe- ift?! Die Verwaltung des Prager Deutschen Durch das neue Gehaltsgesetz würde dieser Mange nunzio, Verdi und die italienische Stunst anwen- Haltung des Achtstudentages fand, war dieser Santses, die sich bisher über die von uns erfolgte an Geprüften nicht nur nicht behoben, er würde ben. Die Italiener hießen bei Wilhelm Nagel- auch bei der Abstimmung über den sozial- Anprangerung der standalösen Lohnverhältnisse im sogar vergrößert, da viele ältere Fachlehrer be macher, die Deutschen bei Mussolini Urwaldmen- demokratischen Antrag auf der Seite der deutschesten" Lokal von Prag ausgeschwiegen hat, jonders wegen ihrer studierenden Stinder sich um schen, fein gutes Saar bliebe an den Kulturtaten bürgerlichen Parteien und Fabri- täte gut daran, der deutschen Deffentlichkeit endlich zweier Jahrtausende, die Völker müßten zu den tanten, welche nicht für den sozialdemokratischen Rede zu stehen! Waffen greifen, die Menschen einander schlachten, Antrag stimmten, beziehungsweise diesen ablehn damit der Redefluß zweier wahnsinniger Tyran- ten. Dadurch erschien der bürgerliche Antrag auf nen die nötige Steigerung erführe. Erhöhung der Arbeitszeit von acht auf zehn Stun Gott sei Dank verträgt die Welt, wie schon den tatsächlich mit der Hilfe des nationalsoziali Karl Moor erkannt hatte, nicht zwei Exemplare stischen Gausekretärs als angenommen. So fich: einer so extravaganten Sorte und Benito konnte die Vertretung der Arbeiterinteressen durch die erst kommen, nachdem Wilhelm gegangen. So nationalsozialistische Aucharbeiterpartei in der antwortet ihm in Berlin nicht der redegewaltige Tat aus! Narr in Purpur, sondern der gemütliche und geWalther und Dante. -O verhältnismäßig besser dotiorte Oberlehrerſtelle bewerben werden. Die organisierte Bürge Los von Svej!! Der gute Soldat Švejt" schullehrerschaft wendet sich daher an die gesanne nimmt im tschechischen Volle die Rolle jenes effentlichkeit, und insbesondere an die" Gesetz Kriegshelden ein, der durch passiven Widerstand geber, sie mögen dahin wirken, daß der vorliegende die altösterreichische Militärvenvaltung zur Ver- Entwurf betreffend die Regelung der Bürgerzweiflung brachte, ohne daß man ihm Sabatoge schullehrerbezüge noch im legten Augenblid vera nachweisen konnte. Der Roman Dobry voft bessert werde. Würde er in jetziger Form Gesetz, Svejt" muß als der Striegsroman der Tschechen dann bedeutet er das Ende der Bürgerangefehen werden. Nun ist dieser Roman auch schule. verfilmt worden und hätte Dienstag vormittag " wandte Herr Stresemann, der mit dem Das deutsche Plakat in Prag. In einer Zeit, das erstemal in einer feierlichen Vorstellung ge- Eine Kriegsgefangenen- Maskerade war fürzNarren im Schwarzhemd eher fertig wird. Er da die Sprachenfrage gerade so altuell ist und im geben werden sollen. Im letzten Augenblick hat lich, wie die" Junge Gemeinde" berichtet, in ist vorsichtig, besänftigt, tommt ein wenig ent- deutschen Lager eine starte Erbitterung über die die Zensurabteilung des Innenministeriums die einem Kreisblatt, den Harburger Anzeiger und gegen, wahrt die Form und den Taft. Wenn die neue Sprachenverordnung herrscht, hat das Aufführung verboten. D: 8,, Cefle Slovo" ver- Nachrichten" zu lesen. Dort stand am 19. Januar Berater des Diktators noch nicht von allen Göttern Deutsche Haus in Prag fich wieder rühmlich mutet, daß dieses Verbot auf den klerikalen Ein- folgende Einladung: Wer einen Tag der Striegsverlassen sind, dann werden auch sie veranlassen, hervorgetan. Nämlich: Gen. Reismann sprach vor fluß im Innenminiſterium zurückzuführen ſei, weil gefangenenschaft verleben will, komme am Sonndaß der Duce ein wenig zurückgeht. Damit würde seinem Vortragsabende„ Tschechische Kulturträger" der Film in den Szenen mit den österreichischen abend, den 23. Januar 1926 zum„ Grauen Esel", zwar weder die Vergewaltigung Tirols beseitigt, en höflicher Form bei der Hausverwaltung des Offizieren und dem Feldturator Staß eine ver- Exerzierplay, zur Maskerade des" Vereins ehenoch die erste Rede Mussolinis vernünftiger, aber Prager Deutschen Hauses an und bat, daß ihm nichtende und den Klerikalen nicht genehme Seritif maliger Striegsgefangener Garburg und Umdie Außenpolitik könnte sich doch mit wichtigeren neben den vielen anderen Plakaten im Vestibule der Kriegsverhältnisse enthalte. Jedenfalls hat gebung. Eintritt frei: Stappenzwang. Der VorDingen beschäftigen als mit den Kleidern deut- auch die Ankündigung feines Vortrages ge- man es in diesem Staate seit dem Jahre 1918 tand. Der Festausschuß." Einen großen Eindruck scher Touriſten und dem Unterschied zwischen stattet werde. Als sich Gen. Reismann noch zwei weit gebv: cht: Statt„ Los von Rom!" heißt es scheint die seriegsgefangenenschaft auf diese PaTagen überzeugen wollte, ob das Platat ange- ieht bei den Tschechen auf Kommando der be- trioten nicht ausgeübt zu haben; sonst könnten sie Ob aber über Rom noch die alten Götter fchlagen wurde, erklärte ihm der Hausverwalter, leidigten Selerifalen: Los von Svejt!" sich doch nicht recht für eine Kriegsgefangenenwachen, ob sie wie vor zweieinhalbtausend Jahren daß das Plabst nicht affichiert werden In der deutschnationalen Häuslichkeit in Maskerade mit Rappenzwang" begeistern! die Gänse des Kapitols aufbieten, um die Schla- fönne, weil ein Teil des Reinerträgniffes des Vor- Karlsbad gibts derzeit eine dunkle Affäre, über Ein nationaler Gauner hat sich die Feme fenden zu wecken oder ob das Verhängnis Jta- trages dem Studentſfy Domov zufalle. Gen Reis- die der Volkswille" zu berichten weiß:" Die tonjunktur in Mecklenburg zunuze gemacht. liens seinen Lauf nimmt? Wer kann das Diens- mann eviderte, daß die genannte Organisation Bezirkskrankenkasse Marlsbad lauft wie die Landeszeitung" für beide Mecklenburg" tag nachmittags genau sagen, da die Blätter mel- ein vollkommen internationales Haus sei, in dem bei der Firma Müller in Starlsbad eine Buchhal meldet, reist dieser Herr seit einigen Tagen umher, den: Mussolini wird sprechen. Erst um Studenten von nicht weniger als fünfzehnerlei tungsmaschine. Die Maschine wird bis auf einen Mitternacht werden die Telephone tünden: Nationen untergebracht und verlöftigt werden, Rest von 4590 Stron enbezahlt. Herr Alfred Do- nennt sich Kapitän Lange, gibt sich als politischer Mussolini hat gesprochen! Und bis daß das Haus unter Leitung des YMCA- Leiters rofchtin, seines Zeichens deutschnationaler Flüchtling aus, bestellt Grüße von den Herren dahin muß man sich mit der kaufmännischen Re- stehe, daß der Vortrag von der deutschen Vizebürgermeister der Stadt Karlsbad, ver- v. Lüttwig und v. Jagow und versucht auf diese densart helfen: Man wird doch da sehn Settion, und zwar von einem Schüler des langt vom Kassier der Krankenkasse den Be- Weise Unterstützungen zu erschwindeln. Recht so! Prof. Spina arrangiert werde, und daß die trag von 4590 Stronen und erhält diesen Betrag Er soll die Dummen nur prellen, die nicht alle Bezeichnung Studentsky Domov" eine offizielle auch ausbezahlt, nachvem er dem Stafter die se( genau so, wie auf den Tafeln der deutschen Kopie einer faldierten Rechnung auf den Gesamt- Ein amerikanisches Niesenluftschiff soll nach BeSchulen Prags zum Beispiel Německa Obecna betrag übergehen hatte. Mit den viertausendfünf- richten aus New York demnächst gebaut werden. Das Schulen worauf ihm die Hausverwaltung hundertneunzig Kronen in der Tasche verläßt der Schiff soll in zwei Tagen den Atlantischen Ojean ſtehe), überqueren. Es soll dreimal soviel Gas wie die Senandoah" oder die„ Los Angeles" fassen und 200 Fuß länger sein. Das Schiff soll„ Goodyear Zeppelin I" heißen und 100 Passagiere mit Gepäck und Nahrung befördern, Ein nationalsozialistischer Gaufetretär für die Durchbrechung des AchtItundentages! wörtlich entgegnete: Wir haben telephonisch on Herr Alfred Doroschkin die Kasse. Der Vorgang Wie die Vertreter der Nationalsozialistischen gefragt, ein Fräulein beim Telephon hat mit ist auffallend, da es doch nicht allgemein üblich ist, Arbeiterpartei die Jutereffen der Arbeiter wahren, Profim" geantwortet, die politische Partei hat daß der Obmann eines Instituts auch zugleich zeigt wieder einmal recht klar nachstehender Fall: mich informiert, daß es ein tschechisches Haus ist dessen Kassenboten macht, aber jedenfalls: Herr Bei einer der letzten Gemeindevertretungssißungen und da wir genug auch unter dem Chauvinismus Doroschkin hatte eben von Herrn Müller die falwerden: Seite 6. Fünfzehn Jahre Narod". Das Zentralorgan Bebels ,, Es lebe die Sozialdemokratie!- das muß der Ruf sein, mit dem wir neuen Kämpfen entgegengehen" als Motto vorangestellt ist, erinnert das gut geleitete Blatt daran, daß es von Anfang an für die einzige gerechte und gesunde Lösung der eingetreten sei, daß es 1912 die Losung: Krieg dem Humor. 11. Feber 1926. Der Film. Der Nibelungen- Film feiert in Amerika wahre mazedonischen Frage", die Autonomie des Landes, lettern s' auf'n alten Birnbaum. Da rutsch'n Schmerzt ihn, daß gute Bücher nicht gelesen werden. Trompeten, Renommisten und Tam- Tamschlägern! Kriege! verfochten habe und daß es ſich ſeit 1914 und 1915 mit aller Schärfe gegen die Bande Radoflawows" gewendet habe, deren Politik Bulgarien in die ökonomische und poltische Abhängigkeit von Deutschland brachte und in den Weltkrieg und in die Ratastrophe hineinrik. Ebenso steht auf der Ehrenliste des„ Narod" der erbitterte Widerstand gegen die bäuerliche Klaffendiktatur Stambulijslis wie der unermüdliche Kampf gegen die Regierung Zankow, „ daß gewalttätigste, tyrannischeste und blutigste Re gime, das Bulgarien je gehabt hat". Mit heller Zuversicht und ungebrochener Kampftraft tritt ,, Narod" in sein sechzehntes Jahr. Lha de Putti, die bekannte Berliner Filmschauspielerin, hat unter Hinterlassung von 100.000 War! Schulden Berlin verlassen. Die Stünstlerin hat sich über Paris nach Cherbourgh begeben, um von dort aus mit dem Dampfer Majestic" die Ueberfahrt nach Amerita anzutreten. Ueber die Begleichung der Außenstände der bekannten Diva dürfte man sich noch einige Zeit den Kopf zerbrechen. Kunst und Wissen. boten... Maus". Literatur. Tragödie. Und so kann es nicht wunder nehmen, der bulgarischen Sozialdemokratie„ Narod" Recht angenehm. Sommerfrischler: wenn Claus Mann Wege einschlägt, die abseits ( Volk) blickt dieser Tage auf fünfzehn Jahre Bestehen führen vom steinigen Pfad des revolutionären Wolzurück. In einem Leitartikel, dem das Wort August. Aber wie soll ich bei Nacht ins Haus tom tens und wenn er Trost sucht und findet im blühen Triumphe. Die Besprechung des Films beginnt im men? Hausschlüssel hab ich keinen und Glocke ist den Garten der Dichtung, wobei ihm die stille, en San Francisco Call" mit folgenden Worten:„ Wach auch keine da!"- Bäuerin: Dös is ganz e einfach! Da schleichs S' z'erst um' n Hundskotter' rum Verzicht gemahnende Hermann Bangs am nächsten - aber gegen' n Brunna zua, dorthin reicht' s Qua- steht Claus Mann fühlt zwar die Not der Jugend auf, Schloß Holywood! Wacht auf, ihr verschlafenen der net. Dann steig'n S' übern Zaun im Garten und die Not des Geistes wie selten einer. Er leidet Hüter der Ateliertore, ihr arroganten Pfeilschüßen darunter, daß die Theatersäle leer sind und es auf den Papiermacheewällen, ihr Eintagsfliegen von paffen aber auf'n Stacheldraht auf! Nacha barunter, daß die Theaterſäle leer sind und es steht vor eurer Türe! Siegfried" ist sein Nante und auf'n bordersen Aft außi aber schön loder, weil während zu einem Borkampf Samson- Breitenftätterdacht auf, Männer und Bürger, ein mächtiger Selb der Ast stark nachgibt und flopfen bei der 16.000 Menschen strömen. Er fühlt dies mit tausener ist aus der alten Welt über das meer gefahren, Magdkammer an; die tuat Ihne dann aufmach'n! den anderen jungen Menschen", die es in Deutsch nicht um euch zu betriegen, sondern um euch zu lehren..." So Amerika, das doch in jedweder Bezie aber schau'n S' guat, daß Ihna laner von die land trog alledem noch gibt. Zu den die ganze heutige Burschen sieht, weil die Sakramenter gar so viel Jugend berührenden Problemen kommt noch sein hung auf dem Standpunkt des Besserwissens steht. eigenes: er hat das Glück und die Last zugleich, Sohn Aber bei uns in Prag wurde der Film ursprünglich eifersüchti' fan!" eines großen Vaters zu sein. Der Name: Mann Vertrauenerwedend. Können Sie mir sagen, seine Bedeutung hinaus Beachtung, um die ein anöffnet ihm alle Tore und verschafft ihm weit über wegen seiner angeblichen„ aufreizenden Tendenz" ber wo hier das beste Hotel iſt?" fragte der Frembe am verer mühsam und schwer ringen muß und die man- Paul Richters neuer Film betitelt sich„ Die rote Bahnhof des fleinen Städtchens einen Einheimischer ſtill Schaffende nie erlangt. Aber dieser Name schen. Ich könnte schon, aber ich möchte nicht," erwidert der andere zögernd.„ Warum nicht?" Wenn verpflichtet auch; er fordert Großes von seinem TräSie hinkommen, werden Sie sicher denken, ich bin ger. Wertvolle Menschen sind schon am großen Namen des großen Vaters gescheitert; wir werden ein Lügner." an den begabten Sohn Goethes erinnert. Wir wünschen Claus Mann, daß es ihm möglich sein wird, den Namen seines Vaters Thomas und seines Onfels Heinrich in Ehren zu tragen und daß es ihm gelingen wird, trotz alledem ein Eigener zu werden. Mozarts Zauberflöte" erlebte am Dienstag Seine Prager Vorlesung am 9. d. M. gestattet noch unter Kapellmeister Steinberg eine stil- und feine Schlüsse. Er ist talentiert, ohne Zweifel, er stimmungsvolle Aufführung und diente nebenbei lennt das Leid der Jugend, das ist gewiß aber cuch einem Engagementgastspiele. Herr Alfred ihr Wegbereiter ist er nicht. Er weiß, daß die( frei) Riesige Regenqüiffe werden aus Süd- Eng Karen vom Stadttheater in Teplit sang den Sa- deutsche Jugendbewegung versagt hat und daß die land gemeldet. Bahlreiche Flüsse sind über die rastro. Eine derartig profunde Baßstimme wie die deutsche Jugend führerlos ist aber ihr Führer ist Ufer getreten und haben meilenweit das Land unter des Gastsängers gehört heute zu den Seltenheiten, er nicht." In Armut leben" und nach fernen LänWasser gesetzt. Häuser und Aeder sind über- so daß es schon um des außergewöhnlichen Stimm- dern reisen( ins herbe Afrika)- rät er, aber mit schwemmt und verwüstet. Am meisten hatte die materiales des Sängers willen ratsam wäre, ihn diesem Rat wird der jungen deutschen Dichtkunst noch Stadt Nordhampton zu leiden. Als die Leute nach unferer Bühne zu gewinnen. Denn die gesang nicht gedient sein, vor allem aber nicht der großen dem Gottesdienst am Sonntag morgen die Kirche lichen Fehler und Unarten, die Herr Karen der Bahl jener, die im Schatten leben- das war der verlassen wollten, sahen sie sich plötzlich von reißen- malen im reichen Maße besitzt, lassen sich leicht ab. Eindruck, den sein erstes Stüd„ Fragment von der den Fluten umgeben und mußten mit Booten und stellen und hindern keineswegs, daß der ſtrebsame Jugend" hinterließ. Im zweiten Teil las Claus Wagen aus der Kirche geholt werden. Sänger unter tüchtiger und gewissenhafter fünft Mann ein Rapitel aus seinem Roman- ein Inaplerischer Führung ein Vollkommener oder sogar pes, farbenreiches Bild des Lebens der Pariser BoAuserwählter seiner Kunst werde. Frau Baß hemiens. Soweit dieses Bruchstück ein Urteil zuläßt, Rehlmann, die als Königin der Nacht hätte geht der junge Dichter an den sozialen Fragen unse- Sozialdemokratische Studentengruppe. Sam sdebutieren sollen, hatte in fester Stunde abgesagterer Zeit unberührt vorüber, wie er überhaupt in feitag, 18. Feber, nachmittags 5 Uhr im Verein deui. was anzuzeigen allerdings allen Anstandsregeln ent- nen Ausschauungen durchaus bürgerlich zu sein scher Arbeiter wichtige Mitgliederversammgegen unterlassen wurde. Fr. Swartin, die an scheint.- Seine Partnerin Bamele Wedekind lung. Tagesordnung:„ Organisatorische Fragen". ihrer Stelle- übrigens in ganz hervorragender trug mit viel Gefühl und tiefem Berſtändnis Ge-- Dienstag, 16. Feber, abends 8 Uhr in der Weise sang, verhütete durch bewunderungswür dichte ihres Vaters vor. Man konnte viel Freude Verwaltung des Sozialdemokrat" 2. Seminar. dige persönliche Geistesgegenwart einen ernstlichen beiden Veranstaltungen an dem Vortrag haben, wenn er auch manchmal ein abend. Teilnahme an reichten übrigens die Mittel der jungen Schauspielewenig zu theatralisch wurde Für„ Rabbi Esra" unbedingt notwendig. rin nicht aus. Dieses starke Gedicht erfordert die gutgeschulte Stimme eines männlichen Sprechers. Pamela sang außerdem noch mit weicher, warmer Stimme ohne große Musikalität zur Laute Lieder von Frank Wedekind, die einiges aus dem reichen Schaf Vom Arbeiter- Turn- und Sportverband. Samsfen des Dichters lebendig werden ließen. Die bei- tag, den 18. Feber, um halb 3 Uhr nachmittags den blutjungen und außerordentlich sympathischen Bundesvorstandssitzung. Menschen wurden am Schluß lebhaft bejubelt bei freilich der Beifall nicht restlos ihrem Werk und ihrer Leistung. sondern auch der göttlichen, hereznbezwingenden Jugend galt. E. P. Ueber drei Monate tot in der Wohnung gelegen ist die 56jährige Witwe Spiller in der Fürstenberger Straße im Norden Berlins. Die Frau, die zurückgezogen und menschenschen in dem großen Mietshaus lebte, wurde von ihrem Neffen, als er zu Besuch fam, in ihrer Wohnung auf dem Boden liegend tot aufgefunden. In dem Briefkasten lagen noch Briefe vom 31. Oktober vorigen Jahres. Unfall, da sie unbeirrt weitersang, troßdem die Versenkung mitten in ihrer großen Arie im zweiten Akte plötzlich in Tätigkeit trat und de Künstlerin in die Tiefe beförderte. -et. Heirat in handseffeln. Eine Seirat unter ungewöhnlichen Verhältnissen fand dieser Tage in dem italienischen Orte Taranto statt, wo ein wegen schweren Einbruches verhafteter Verbrecher, Angelo Conte, mit einer gewissen Clara Cesca den Bund fürs Claus Mann Pamela Wedekind. Die seelische Leben schloß. Wie römische Blätter berichten, trat und leibliche Not der Jugend ist ein Problem, das der Bräutigam von den Standesbeamten mit auf den die Empfindsamsten und Befähigsten unter den junRüden gefesselten Händen, während Handschellen, die gen Menschen immer und immer wieder aufrütteln ihm angelegt waren, von zwei schwer bewaffneten wird. Die einen werden zur revolutionären Tat Carabinieri gehalten wurden. Das Standesamt veranlaßt, andere zur leidenschaftlichen Betätigung tourde streng bewacht, weil einige andere Bewerbe- in der Politik, wieder andere fühlen in sich eine rinnen um die Hand Contes gedroht hatten, sie wür- fünstlerische Sendung reifen und entladen ihr geden die glückliche Braut ermorden, wenn die Heirat drücktes Gewissen durch lyrische und dramatische Pro zustande fäme. dukte. Allen ist es mit ihrem Wollen furchtbar ernst und dieser Ernst soll auch anerkannt werden, ist er Wetterbericht vom 10. Feber. Dienstag pas doch ein Beweis dafür, daß sich unter den Trümmern sierte vom Often her eine leichte Störung das unserer geistig verfallenden Gesellschaft immer wieStaatsgebiet, die eine schwache Erwärmung und der neues Leben regt. Die denkende Jugend hatte meist nur unerhebliche Niederschläge brachte. Nur es schon immer schwer, sich ihre Wege zu suchen, die in Südwestmähren wurden sechs Millimeter gemes- heutige Jugend aber ganz besonders. Keine Gesellsen. Da es überall den ganzen Tag bedeckt blieb, schaft zeigte noch jene tiefe Zerrissenheit und jene beträgt der Unterschied zwischen der tiefsten und der klaffenden Widersprüche als die, in der wir leben. höchsten Temperatur an den einzelnen Orten nur Die Generation, die nach dem Kriege die Schule verein bis drei Grad Celsius. Im ganzen blieb die ließ, ist völlig führerlos. Ihren Geist beschwert noch Temperatur nahe Null. Wahrscheinliches zu viel des Alten, als daß sie rasch und leicht den Wetter von Donnerstag: Vorwiegend be- Weg zum Neuen finden würde. Das eigene Erleben wölft, zeitweise leichte Niederschläge, Temperatur des Krieges blieb ihr erspart und darum versteht sie auch nicht die Größe der Revolution und ihre nahezu Null, Ostwind. Gunnar Tolnaes. Zu seinem Prager Vortrag am 8. Feber. Der„ Maharadsch von Kopenhagen", wie man den beliebten Künstler in den Filmkreisen nennt, ist auf seiner Reise durch Mitteleuropa nach einem furzen Aufenthalt in Wien auch in Prag abgestiegen. Schon sein Eintreffen gab den neuigkeitslüsternen Pragern Gelegenheit und Stoff zur Genüge, um einmal ihre Sensationslust voll zu befriedigen. Bejon ders die holde und auch weniger schöne Frauenwelt lam in begreifliche Aufregung, die sich bei einigen Gelegenheiten in geradezu vulkanmäßigen Begeisterungsausbrüchen austobte. wo,, Die freie Gemeinde", Organ für sozialdemo fratische Kommunalpolitik, 8. Jahrgang, Heft Nr. 3, ist soeben erschienen. Es enthält Auffäbe über: Schützet die Selbstverwaltung" von L. Pölzl, Notwendige Ergänzungen",„ Ein Wort zum Bauförderungsgesetz" von Abg. J. Schweichhart, Kommunalbank und Kreditbedürfnis der Selbstverwaltungskörper" von-13, Die Reform dec Finanzwirtschaft der Selbstverwaltungsförper" von Prof. Dr. Schranil ,,, Wohnungspolitik in Sowjetrußland" aus der Zeitschrift„ Wohnungswirt. schaft" Berlin. Die Rubrik Rundschau" enthält ein Erkenntnis des Obersten Verwaltungsgerichtes, Mitteilungen über Bezirksvoranschläge und eine Ent scheidung des Obersten Gerichtes, nach welcher Gemeindehäuser dem Mieterschutz nicht unterliegen. Aus der Partei. Turnen und Sport. Herausgeber Dr. Ludwig Czech. Verantwortlicher Redakteur Wilhelm Niezne r. Drud: Deutsche Zeitungs- A.- G.. Prag. Für den Drud verantwortlich: D. Holit. Spielplan des Neuen deutschen Theaters. Heute Donnerstag Julius Cäsar", Freitag Der RuB", Samstag Mascottchen", Sonntag DRUCK- U. VERLAGSANSTALT halb 3 Uhr„ Rigoletto", 7 Uhr Die Tere- Gesellschaft m. beschr. Hafi. sina", Montag Mascottchen". empfiehlt sich den p. t. Behörden. Vereinen, Or ganisationen, Gemeinden und Kaufleuten zur Herstellung von Drucksorten wie: Tabellen Büchern, Broschüren, Zeitschriften. Zirkularen Mitgliedsbüchern. Einladungen, Piakaten. Flug schriften, Fakturen. Briefpapieren usw in solider and rascher Ausführung. Setzmaschinenhetrieb und Rotationsbetrieb Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag abends Mamselle Nitouch e", Freitag abends Charleys Tante", Samstag halb 3" Uhr nachmittags Jugendfür sorge- Vorstellung Die Puppenfee", 7 1hr abends„ Der wahre Jakob", 10 Uhr nachts Liebestrant", Sonntag 3 Uhr„ Charleys ante", halb 8 Uhr Biebestran!", Montag IN TEPLITZ- SCHÖNAU Der wahre Jakob". l scblerdas Nr zitternder Erwartung des Lieblings. Weitaus der ihm die Tore zur erträumten Zukunft. In Kristia- Anziehungskraft. Tolnaes glaubt nicht an die größte Teil der Anwesenden natürlich Frauen und nia gab's damals zwei Bühnen, das National- und Bukunft des Sprechfilmes, da dieser dem Mädchen jeden Alters und Standes. Nach einer das Fahströmtheater. Der jugendliche Liebhaber inneren Wesen des Filmes widerspricht, dessen Haupttschechischen Einleitung erschien dann endlich Gunnar dieses wurde nun plöglich fürs Nationaltheater ge- vorteil eben in der Ausschaltung des gesprochenen Tolnaes selbst. Langandauernder Jubel empfing wonnen, so daß der Theater des Fahströmtheaters Wortes und im Betonen der allgemein verständlichen ihn; er verneigte sich lächelnd nach allen Seiten. Und notgedrungen mit dem begabten, jungen Tolnaes Ursprache der Mimik und des Augenspieles liegt. nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, begann er einen Versuch machen mußte. Er spielte damals in Auch für den farbigen Film fann er sich nicht seinen Vortrag. Er hat erst vor kurzem Deutsch ge- Batailles Mama Kolibri" und sein erstes Auftreten erwärmen; besonders Naturaufnahmen verlieren Ternt und war daher mehr oder weniger auf seine war von durchschlagendem Erfolg. Tolnaes blieb bei jedwede Natürlichkeit und die Landschaft erscheint wie Vorlage angewiesen, aber seine Aussprache ist deutlich der Bühne und gewann als Darsteller der Gestalten durch farbige Gläser gesehen. Der gute, gediegene und rein, wenn auch ein wenig spröde und hart. aus Jbsen, Strindberg, Shakespeare, Björnson und und unterhaltende Spielfilm wird auch fernerhin Leicht verständlich klang seine angenehme, melodische Samsun immer mehr und mehr die Gunst des Pu- seine Anziehungskraft behalten und wird sich immer Stimme durch den weiten Raum. blikums. Im Jahre 1913 filmte er zum erstenmal mehr entwideln und vervollkommnen. Dagegen ist er und zwei Jahre darauf ging er nach Kopenhagen der Meinung, daß aus dem fünftigen Film zum Nordist- Film über, wo gleich sein erster Film der abgeschmadte Kitsch verschwinden Die Lieblingsfrau des Maharadscha" seinen Namen wird: die Schablone des Hochstaplers und des Eheburch die ganze Welt trug und endgültig seinen brechers, der Kolotte und des gefallenen Mädchens, internationalen Ruf und Ruhm begründete. die man heute noch überall antrifft, als könnte man Sein Vortrag zerfiel in zwei Teile. Anfangs erflärte er den 3wed seiner Reise und dann sprach er von sich selbst. Dem Filmschauspieler geht gänzlich Gewissermaßen ein Auftakt zu dem montägigen ab, was dem Bühnenschauspieler nicht nur Anregung Abendvortrag war das Erscheinen Gunnar Tolnae's und Ansporn, sondern auch den ersehnten Dank für im Bio Alma, wo gerade einer seiner Filme vor sein künstlerisches Streben bedeutet; die unmittelbare Im zweiten Teil seines großzügigen Vortrages ohne sie feinen Film zustande bringen. Aber man geführt wird: Die kleine Dorrit". Dem rührigen Fühlungnahme mit dem Publikum. Dem filmenden entwidelte er seine Ansichten über die Filmkunst selbst wird sich mehr ans Märchenhafte und ans WunderDirektor des Kinos war es gelungen, den Künstler Künstler ist gerade die schönste Belohnung und Ge- und ihre Zukunft. Er wies auf den großen Unter- bare grenzende Vorwürfe halten und damit eine für einen Besuch seines Unternehmens zu gewinnen. nugtuung versagt: er tann seine Zuschauer nicht un schied hin, der zwischen dem Film und der übrigen durchgeistigte Höhe der Filmkunst erzielen. Und Tolnaes lam: jugendlich frisch, mit seiner hohen, mittelbar mitreißen, er kann während seines Spic- Kunst besteht. Diese hat eine tausendjährige EntEin donnernder, brausender Beifall rauschte sehnigen Gestalt und den für ihn so bezeichnenden les, beim Filmen, nicht die Wirkung beobach- wicklung hinter sich, der Film aber stedt bisher in burch das Saus, als Tolnaes seinen seinen Vorscharfen, durchgeistigten Gesichtszügen, als wäre er ten, er weiß nicht, ob er enttäuscht oder gefällt. Nie- den Kinderschuhen. Ein Buch oder ein Drama beunmittelbar aus der Leinwand getreten. Die Tragit mals hört er einen erfreuenden, belebenden Beifall steht durch sich und in sich selbst und hat bloß einen trag beendet hatte. Das Podium wurde von begeisterten Badfischen im wahrsten Sinne des Wortes der menschlichen( lies: mädchenhaften) Ideale, daß wie der Bühnenkünstler. Ein Ersatz dafür sind die einzigen Schöpfer. Anders aber der Film: er ist kein gestürmt, der Jubel wollte kein Ende nehmen und fie nämlich beim Erreichen oder persönlicher Berüh- Briefe, die gleich einem verspäteten Beifall in seine einheitliches Stunstwert, sondern eine Verquidung der Stünstler wurde immer und immer wieder herrung bitter enttäuschen, ging in angenehme Ueber Wohnung flattern. Bloß aus diesen kann ein Film von Gefühl und Technit, eine Genossenschaftseunst, vorgerufen. Auch draußen vor dem Eingang wartete raschung über: nicht nur daß man ihn so fand, wie darsteller ersehen, ob er gefällt und Erfolge hat. Es denn der Regisseur allein ist nicht der alleinige eine dichte Menschenmenge auf den man sich ihn vorstellte, sondern unter dem Einfluß ist daher selbstverständlich, daß er sich darnach sehnt, Schöpfer des Filmes, wie man es allgemein fälschlich Maharadscha von Kopenhagen", der seinen Prager seiner gewinnenden, anziehenden Erscheinung ver- persönlich einmal jene kennen zu lernen, die ihm annimmt, sondern bloß ein Ordner aller mitschaffen- Besuch gewiß zu seinen schönen Erinnerungen zählen tiefte sich nur noch der an und für sich schon vorteil brieflich ihre Anerkennung und Wertschätzung zum den Kräfte als da sind: der Librettift, die Schauspie- können wird.- Der Welt enthusiasmierter Badfische hafte Eindruck. Er war allerdings leicht geschminkt, Ausdruck bringen. ler, der Requisiteur, der Beleuchter, der Operateur und Kleinbürger, die in Begeisterung zerfloß, war schon für die abendliche Künstliche Beleuchtung vorbe- Er wurde in Kristiania( Oslo) als Sohn eines und andere. Die wahre Kunst hat Ewigkeitswert und das Zusammentreffen mit dem Künstler sicher kein reitet, aber das vermochte der ihm gezollten Ver- Gymnasialprofessors geboren. Nach Absolvierung gewinnt noch durch ihr Alter( Schulbeispiel: die Erlebnis, sondern, wie heute fast alles, eine„ Senehrung feinen Abbruch zu tun. Kein Wunder, daß des Gymnasiums studierte er anfänglich die Rechte Antike), während der Film vergänglich ist, und was fation", in deren Mittelpunkt zunächst jeder und es nicht bloß bei dem stürmischen Jubel blieb, son- und Philosophie, sattelte aber später auf die medizi- heute noch als Gipfelleistung angesehen wird, sebe sich selbst sah. dern auch zu Händeküssen kam... nische Fakultät über, deren Doktorat er auch erreichte morgen durch das stetige Fortschreiten der Technik Schon von frühester Jugend hatte er eine unbe- und durch das selbsttätige Sich- lleberleben des Drehswingbare Neigung zur Bühne. Ein Bufall öffnete buches veraltet und verliert langsam an Wert und Abends der Vortrag. Der große Lucerna- Saal gesteckt voll. Alles unruhig, gespannt, aufgeregt, in • H. W. Schimbera.