Kr. 247. Kboimemkilts-Kedwgungen: Abonnement?- PretZ pränumerando; vierteljährl. 330 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 2S Pfg. frei in? Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag?- Nummer mir tlluftrirter Sonntag?- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg> Post- Abonnement: 330 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post-Zeitung?» Preisliste für 13g» unter Qr. 737». Unter Kreuzband für Deutschland und Lestsrreich-Ungarn 2 Marl, für da? übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Erscheint täglich«ußrr wontsg». Berliner Volksblnit. 15. Jahrg. Sit Inftriions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene«olonet- zetle oder deren Raum 10 Psg., für verein?- und Verlammlungs-Anzetgen, sowie Arbetlsmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi? i Uhr nachmittag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi? 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bi? S Uhr vorinittag? geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1303. Telegramm- Adresse: „Soxialbemoltrat Berlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Veuth-Strasxe 2. Den Umstürzlern ins Stammbuch. Das Hauptorgan des preußischen Ärautjunkerthums, dem d'as deutsche Schlotjunkerthum sich zum gemeinsamen Raubzug gegen das deutsche Volk zugesellt hat— kurz, das Haupt» organ des staatsstreichlüsternen Jnteressen-Syndikats, welches das Deutsche Reich als seine Beute, das deutsche Volk als sein leibeigenes Gesinde betrachtet— die„Kreuz-Zeitung" erdreistet sich, in ihrer vorgestrigen Abendnummer zu schreiben: Berlin, 18. Oftober. Es macht einen eigcnthümlichen Ein- druck, daß die sozialdemokratische Presse, ohne von irgend einer Seite dazu provozirt zu sein, bei jeder Nachricht von einem Attentat nervös wird und sich bemüht, die Mordthat, wenn sie allsgeführt ist, als von einem Wahnsinnigen ausgeübt, wenn sie verhindert wird, als„Spitzelmache" hinzustellen. Kaum ist die in Alexandrien erfolgte Verhaftung italienischer Anarchisten bekannt geworden, so fühlt auch schon der„Vorwärts" sich ge- drungen, das Wort zu ergreifen und die Verhaftung als eine „Mache" des„Polizei- Anarchismus" auszugeben. Weshalb so hitzig? Die Nervosität, womit die sozialdemokratische Presse jedes Attentatsgcrücht aufnimmt, sieht doch sehr verdächtig aus. Augen- scheinlich ist es das schlechte Gewissen, welches sich spontan in den Spalten sozialdemokratischer Blätter zum Wort meldet. Da haben wir die von der„Kreuz- Zeitung" vertretene Gesellschaft, wie sie leibt und lebt, linwisscnd, frech und verlogen. Zeichen eines bösen Gewissens soll es sein, daß wir hinter den anarchistischen Bombenattentaten die Hand von Polizei-Lockspitzeln vermuthen. Nach der„Kreuz- ZeitUngs"- Logik hat der Schutzmann ein böses Gewissen, der bei einem Einbruchsdiebstahl auf einen„schweren Jungen" Verdacht hat, der schon ein paar Dutzend ähnliche Einbrüche auf dem Kerbholz hat. W i r kennen unsere„schweren Jungen". Wir kennen unseren A n d r i e u x und seine„Bekenntnisse einer schönen Seele", mit den Rezepten für Bombe» und Attentate, und mit minutiösesten Verhaltungsregeln, nach denen die Polizei im Dienste der kapitalistischen Gesellschaft zu verfahren hat, um„die Gesellschaft" an eine anarchistische Gefahr glauben zu machen, und Ausnahmegesetze und Polizei- diktaftir zu ermöglichen. Oder kennt die„Kreuz-Zeitung" die Memoiren des Polizcipräfekten Andrieux nicht?— dann sind wir auf Wunsch bereit, ihr die Adresse zu nennen, wo sie das Buch bestellen kann. Und kennt die„Kreuz-Ztg." etwa die Thaten dieses Andrieux nicht, der in den 80er Jahren die französische Republik regieren half, und seine Lehren so gut in die Praxis umsetzte, daß sein Polizei- Anarchismus ihm schließlich— 1892— über den Kopf wuchs und zu einer wirklichen Gefahr für die Republik und die zu rettende Ge- scllschaft wurde? Wir dächten, die Ravachol, Henry, Vaillant sollten doch selbst auf dem Redaktionsbureau der„Kreuz- Zeitung", wo man freilich Grund hat, sich in der Kunst des Vergessens zu üben, noch nicht vergessen sein. Hat die„Krenz-Zeitung" nicht von einem Jhring- Mahlow gehört, einen Berliner Polizeibeamten, der. zur Zeit, wo Andrieux in Paris den Polizei-Anarchismus züchtete, in Berlin zu Bombenattentaten am Schloß aufforderte? Hat die„Krenz-Zeitung" nichts gehört von dem be- rühmten W a l s a l l- Bombenattentat in England, als dessen Urheber der berühmte Londoner Allerweltsspitzel und Attentats- fabrikant Melville eu gros entlarvt ward? Hat man auf der Redaktion der„Kreuz-Zeitung" nicht den Prozeß P a r n e l l kontra„Times" gelesen, in welchem aufs schlußkräftigste der Beweis erbracht ward, daß die Polizei fenifche Bombenattentate angestiftet hatte? Ist es dem Gedächtniß der„Kreuz-Zeitung" entfallen, daß vor zwei Jahren von dem schon genannten Melville anläßlich der Reise des russischen Zaren nach Berlin und Paris eine fenisch-anarchistische Bombenverschwörung entdeckt ward, die, wie ein Ei dem andern, der neuesten Bomben Verschwörung in Egypten gleicht? Hat die unschuldige„Kreuz-Zeiwng" nie von einem„Baron' Ungern-Sternberg gehört, der, wie vor einem belgischen Schwurgericht nachgewiesen ward, im Auftrage der russischen Regierung„internationale" Bonibenattentate fabrikmäßig betrieb, und den die russische Regierung, nachdem sie zu seiner Verhaftung gezwungen war, sofort ivieder auf freien Fuß setzte und nach Westeuropa und in den Orient schickte? Hat die unschuldige„Kreuz-Zeitung" nie von deni belgischen Vorgänger des russischen Bombenbarons gehört, von dem Polizei-H illunken Pourbaix. der im�luftrag der belgischen Pfaffenr tjieriing vor 11 Jahren den Streik der belgischen Bergarbeiter durch Massenproduktion von Bombenattentaten in der öffentlichen Meinung zu diskreditiren, und durch Ent- fachnng des Bürgerkriegs(nach Bismarck'schem Rezept) die Sache der„Ordnung" zu fördern bestrebt war? Ist es der unschuldigen„Kreuz-Zeitung" aus dem Ge- dächtniß entschwunden, daß der konservative Mustenninister, ein Mann ganz nach ihrem Herzen. Herr von Putrkamcr, einst im Reichstag erklärt hat:„Die Anarchisten sind mir weit lieber als die Sozialdemokraten!"? Und>vas die für zarte Lrdnungsgemüther„beängstigende" Häufigkeit der jetzt auftauchenden Bombcnattentate detrifft— ist es der„Kreuz-Ztg." denn ganz entfallen, daß vor nun 20 Jahren und etwas mehr, zur Zeit wo es galt das Sozialisten- g e s e tz unter Dach und Fach zu bringen— daß damals jeden Tag neue Attentate und neue Bombensammlungen „entdeck!" lvurden— allerdings nur auf dem Papier? Denn hintennach, als das Sozialistengesetz„durchgedrückt" war, stellte sich heraus, daß all' diese„Entdeckungen" Lügen und Fälschungen gewesen waren. Ist die Reptilpresse, sind die Wauwau-Politiker, die mit dem„Rothen Gespenst" zu Reaktionszwecken manipuliren, heute weniger verlogen als damals? Doch mit der Böswilligkeit läßt sich nicht argumentiren. Alles was wir hier sagen, weiß die„Kreuz-Zeitung" so gut wie wir. Sie hat so gut wie wir die Verhandlungen des Tausch-Prozesses gelesen; und sie weiß so gut wie wir, daß der ganze jetzige Anarchisten-Spektakel Mache ist, um nach dem Vorbild von 1878 ein neues Sozialisten- gesetz, ein Knebelgesetz gegen die Arbeiter dem Reichstag abtrotzen zu können. Die Personen und Zeitungen— wir wenden uns hiermit nicht blos an die„Kreuz-Zeitung", sondern auch an ihre Neben-, Hinter- und Vordermänner— die Personen und Organe, die seit dem Attentat auf die österreichische Kaiserin in Anarchistenhatz und Heraufbeschwörung des rothen Gespenstes machen, sie denken gar nicht daran, die An- a r ch i st e n treffen zu wollen. Abgesehen von den unter- geordnetsten Werkzeugen wissen sie durch die Bank, daß die „internationale Anarchisten-Verschwörung", von der sie faseln, eine von den gemeinsten Beweggründen eingegebene Tendenzlüge ist. Und so wenig Einsicht und lieber- blick wir auch dem Gros unserer politischen Gegner zu- trauen, für so dumm halten wir doch keinen, daß er, wie die„Kreuz- Zeitung" das in einer an unsere Adresse gerichteten Notiz thut, in: Ernst glauben könnte, durch Polizei- maßregeln und Ausnahmegesetze irgend welcher Art ließen sich Mordthaten und andere verbrecherische Gewaltthätigkeiten verhindern. Giebt denn die menschliche Gesellschaft sich nicht s e i t I a h r t a u s e n d e n die erdenklichste Mühe, um solche Verbrechen zu unterdrücken? Seit Jahrtausenden haben die Völker sich abgequält, Gesetze zur Ausrottung des Verbrechens zu schmieden— tausende von Gesetzen sind geschaffen worden, zum theil Gesetze„mit Blut geschrieben"— und das Verbrechen konnte nicht ausgerottet werden, weil die Quelle blieb, aus der es hcrausfließt. Finden nicht in den fortgeschrittensten Kulturländern und in den Ländern mit den„allerstärksten" Regierungen, und den allcrzahlreichsten und allerschneidigsten Polizeiheeren Tag fiir Tag Mordthaten und sonstige Verbrechen statt? Wie viel Mordthaten, gerade so verbrecherisch wie die Erdolchung der österreichischen Kaiserin, komnien nicht allein in Berlin vor. Und bleiben zum großen Theil unbestraft! „Ja, aber gemeine Mordthaten und anarchistische Mord- thaten— das ist ganz was anderes!" Dummes Zeug. Wodurch unterscheidet sich die Ennordung der Kaiserin von Oesterreich von der Ermordung einer beliebigen anderen Frau? Nur— und das ist ein juristisch>vie ethisch irrelevanter Punkt— nur durch den höheren Rang des Opfers, das aber trotz seines Ranges der politischen Thätig- kcit und dem politischen Einfluß so vollständig entrückt war, wie nur irgend eine gcivöhnliche Frau aus dem Volke. Ter unpolitische Charakter jener Mordthat war so äugen- fällig, so handgreiflich, daß sogar ein ans deni preußischen Staatsministerium inspirirtes Blatt wie der„Hamburgische Correspondent" sich am ersten Tage verpflichtet sah, ans- drücklich den absolut unpolitischen Charakter der That zu betonen. „Nach Tisch las man freilich anders"—; als von den Bombenpolitikern das Signal zur„Fruicifizirnng" erscholl, mußte die ehrliche Einsicht sich der„Staatsraison" beugen. Jndeß hat der„Hamburgische Correspondent" sich einigermaßen in Schranken gehalten. Eine besondere Ungeschicklichkeit und— Unvorsichtigkeit ist es, wenn die„Kreuz-Zeitung" an anderer Stelle von einem„anarchistischen Komplott zur Ermordung aller Fürsten" spricht. Da hätte ihr doch ein gewisses Komplott zur Er mordung sämmtlicher deutschen Fürsten einfallen sollen— ein Äoniplott, an das gewisse, der„Kreuz-Zeitung" nahestehende Herren sicher nicht gerne erinnert sind. Wir meinen das Nieder- wald-Denkmal-Komplott aus den schliinnisten Zeiten des Sozialistengesetzes und der Bismarck'schen Reichs- Spitzelei. Dieses Komplott hat das Leben eines Menschen gekostet, der auf deni Schaffst endete— Reinsdorf. Das Komplott war an sich echt— es waren Zündschnüre gelegt, die allerdings nicht zündeten, und auch Dynamit, das allerdings so schlecht hergestellt war, daß es nicht explodiren konnte. Es ward aber auch anderes entdeckt— nämlich gewisse Spitzel (Palm u. s. w.), die dem Tölpel Reinsdorf bei allen Vor- bereitungen geholfen hatten, und außer diesen unteren Spitzeln ein Elbcrfelder Polizeikommissar namens Gottschalk, in dessen Händen die Fäden des Komplotts zusammenliefen und dessen Handeln so eigenthünilich war, daß es wiederholt im Reichstag zur Sprache kam. Es ist dies derselbe Polizcikommissar Gottschalk, der im Prozeß Ziethen eine so nierkwürdige Rolle gespielt hat, und der von dem Schriftsteller Gustav Landauer vor kurzem öffentlich unter der Aufforderung, sich zu rechtfertigen und vor Gericht zu gehen, schwerer Vergehen angeklagt worden ist, — eine Anklage, die sowohl Polizei-Komniissar Gottschalk als auch seine Vorgesetzten, zuwider allen preußischen Behördentraditionen, bisher ruhig hingenommen haben, anstatt den Ankläger vor die Schranken des Gerichts zu sordeni. Expedition: LUV. 19, Veutlz-Stratze 3. Also daß wir gegen Attentate mißtrauisch sind. dazu haben wir gute Gründe— noch weit, weit mehr Gründe, als wir hier andeuten konnten. Angesichts solcher Thatsachen gehört eine eiserne Stirn dazu, sich über das Mißtrauen zu wundern, oder gar gemeine, verbrecherische Motive zu wittern. Doch wir kennen ja daS alte Sprichwort: wer hinter dem Ofen gesessen hat. sucht andere hinter ihm. „Das böse Gewissen" ist nicht auf unserer Seite;— freilich es ist auch nicht bei der„Kreuz-Zeitung" und ihren Hinter-, Vorder- und Nebenmännern. Denn wo kein Ge- wissen ist, da ist auch kein böses Gewissen. Hat denn die unschuldige„Kreuz-Zeiwng" den Prozeß W a ich e ck vergessen? Sind ihr die Namen G ö d s ch e, P i e r s i g, Ohm unbekannt? Wenn der heutige Redakteur noch das Flügelkleid weltfremder Kindlichkeit trägt, so befrage er seinen Vorgänger— der nicht schwer zu erreichen ist—, dieser wird ihm genau sagen können, wie man Äom� platte schmiedet, wer Komplotte schmiedet und zu welchem Zwecke man Komplotte schmiedet. Doch lassen wir das und packen wir ohne Umschweife den springendenPunkt. Wozu der Attentatsspektakel? Wozu die planmäßige Aufregung der öffentlichen Meinung? Wenn es sich um die Verhütung von Verbrechen handelte, so geböte die einfachste Klugheit ein ruhiges. leidenschaftloses Vorgehen; denn darin, daß Verbrechen ver- hütet werden, sind alie Menschen und Parteien einig— mit einziger Ausnahme der Ver- brecher und derer, die ein Interesse an Ver- brechen haben. Wer und was die sogenannten Anarchisten sind, die von der Reaktionspresse geflissentlich zu Popanzen aufgeputzt werden, das wissen die Vorder-, Hinter- und Nebenmänner der„Kreuz- Zeitung" nicht nur ebenso gut wie wir. sondern viel besser; und ebenso gut und viel besser als wir wissen sie, daß es für die Polizei ein Kinderspiel ist, mit den wirklichen, echten Anarchisten fertig zu werden. Aber— mit den Sozialisten, aber mit der moderne» Arbeiterbewegung, aber mit dem demokratischen Geist der Neuzeit kann die Polizei nicht fertig werden. Und das ist der Fdud, gegen den sich die jetzige Anarchistenhatz richtet. Die Anarchistenhatz ist Schwindel. in Szene gesetzt wie die Sozialistenhatz des Jahres 1878, um dem verbündeten Schlot- und Krautjnnkerthum die absolute Herrschaft über Deutschland zu sichern. Die„Post" des Herrn Stumm, die„Berliner Neuesten Nachrichten" der Kardorffe und die„Kreuz-Zeitung" der Känitze haben verrathen, wem der Kreuzzug der Kreuz- und sonstigen Ritter gilt. Nieder mit dem Koalitionsrecht! heißt's dort, Nieder mit den Sozialisten, Demo- k r a t e n und sogar Fortschrittlern! heißt's hier. „Anarchist" sagt nian, und Sozialist, Deniokrat und Fort- schrittler meint man. Diktatur des Schlot- und Krautjunkerthums. Knebelung und Ausplünderung des deutschen Volkes— das ist das Ziel. Gestern Abend hatte die„Kreuz-Zeitung" schon die Kühnheit, den Staatsstreich offen zu predigen, eine sofortige„Ab- änderung der Gesetze" über den Kopf des Reichs- tags hinaus durch Oktroyirung! Wem solche Kundgebungen die Augen nicht öffnen über das Wesen und den Zweck der Anarchistenhatz, der ist hoffnungslos blind. Wir aber erfüllen nur unsere Pflicht gegen die Wahrheit, gegen das deutsche Volk und gegen das deutsche Vaterland, indem wir den Urhebern dieser elenden politischen Verbrecher-Komödie die Maske vom Ge- ficht reißen. Zum Schluß noch ein Wort an die„Kreuz-Zeitung". Sie thut wieder, als habe sie und ihre Sippe die Königstreue gepachtet. Hat die„Kreuz-Zeitung"— um nicht weiter zurückzugreifen— die Hätz gegen Kaiser Friedrich ver- gessen? Hat sie das Dossier H a ni m e r st e i n mit den ungezählten Majestätsbelcidigungen vergessen? Hat sie nicht Kenntniß von deni Inhalte des neuesten Busch-Buches und weiß sie nicht, was der größte Führer ihrer Partei über die preußischen und anderen deutschen Mon- archcn gesagt hat? Weiß sie nicht, daß die Aeußerungen Bis- marck's speziell über die Hohenzollernkönige eine fortgesetzte. boshafte, berechnete Majestätsbeleidigung sind? M e h r als Majestätsbelcidigung— Majestäts zerschmetterung. Pfui über die Komödie und die Komö- d i a n t e n! polttischr N-brrpchk. Berlin, den 20. Oktober. Das egyptische Anarchisten- Komplott verdunstet, ge- rade wie daS franko-belgisch-englische Fenier- und Anarchisten« komplott des Oberspitzels Melville vor zwei Jahren verdunstet ist. Und nur ein mephitischer Niederschlag bleibt übrig, der die sauberen Urheber verräth. Das verhindert natürlich die Organe der staatsstreichlüsternen Schlot- und Krautjunker: „Post",„Kreuz-Zeitung",„Reichsbote" u. f. w. im Schweiße ihres Angesichts weiter zu lügen, zu denunzircn und zu Hetzen. Auf den Ursprung des Äomplottschwindels und Schwindel- komplotts wird Licht geworfen durch nachstehenden Artikel des sei von durchaus friedlichem Geiste gegen die große französische Nation beseelt und wünsche nicht, Frankreich zu demüthigen. England wünsche aber nach Recht und Billigkeit behandelt zu werden. Seine Arbeit in Egypten sei noch nicht gethain Afrika sei groß genug für beide Nationen. Er hoffe und glaube, daß diese ? frage einer freundlichen Lösung fahijj sei. Aber England habe eine Stellung genommen. Wenn unglücklicherweise anderswo eine andere Anschauung gefaßt werden sollte, so würden die Minister der Königin wissen, was ihre Pflicht erheische. Es würde ein großes Unglück sein, wenn nach mehr als achtzigjährigem Frieden die freundlichen Beziehungen gestört und England in einen großen Krieg gestürzt werden sollte; allein eS gebe größere ebel als den Kneg, und die Regierung werde vor nichts zurück- schrecken, da sie wiffe, daß sie durch ein geeintes Volk unterstützt werde." So Herr Hicks Beach. Zum Glück ist derselbe ein Hitz- köpf, der seine Zunge nicht zu beherrschen vermag und die starken Ausdrücke liebt. Gewiß ist, daß England sich seine Stellungen am?!il nicht nehmen lassen wird, und unter den jetzigen Verhältnissen auch nicht nehmen lassen kann. Gewiß ist des weiteren, daß Faschoda in die englische„Machtsphäre" gehört. Unter solchen Umständen wird man in Frankreich zweifellos nachgeben und von England anderweitig Entschädi- gungen fordern und nehmen. Die jetzige Regierung Frank- reichs sucht eifrig eine Verständigung mit England, da sie die Nachthetle und das Dcmüthigende des russischen Bündnisses empfindet. Natürlich bemüht sich Rußland, die Faschoda-Frage als Keil zwischen England und Frankreich zu schieben, um letzteres tributpflichtig zu halten. Jndeß, es ist kaum anzu- nehmen, daß ihm dies gelingen wird.— Deutsches Reich. Der Buudcsrath ertheilte in seiner heutigen Sitzung dem Ausschußberichte, belreffend den Etat der Grenzzoll- und Salzsteuer- Verwaltung für das Königreich Preußen, und dem Ausschußberichte, betreffend den Etat der Grenzzoll- und Salzsteuer- Verwaltung für dos Königreich Bayern, seine Zustimmung. Die Vorlage, betreffend die Statistik der Auswanderung, wurde dem zuständigen Ausschüsse überwiesen.— Uebcr die Novelle zum JuvaliditätS- und Alters- Vcrsicheruugs-Gcsetz verlautet offiziös, daß die örtlichen Renten- stellen als Beschlußbehörden unter Zuziehung von Beisitzern aus dem Stande der Arbeitgeber und der Versicherten über die Renren- anspräche befinden sollen. Gegen die Entschließungen der örtlichen Rentcnstellc soll der Versicherungsanstalt und dem Rcntensucher die Berusung an das BezirkS-Schied'sgericht offen stehen. Die Revision an das Reichs-Versicherungsamt bleibt unverändert bestehen. Aus dem sonstigen Inhalt der Vorlage wird noch folgendes hervorgehoben: Die Versicherungspflicht wird auf den Betriebsbeamten ähnliche' sonstige Beamte sowie auf smännliche und weibliche) Lehrer und Erzieher, denen eine Pensionsanwartschafr nicht zusteht, ausgedehnt. Die Befreiung vorübergehender Dienstleistungen von der Vcrsiche- rungspflicbt wird in weiterem Umfange, wie bisher, zugelassen. Die Wartezeit(6 bezw. 80 Beitragsjahre zu je 47 Wockicn) wird auf eine runde und niedrigere Summe von Beitragswochen, nämlich für die Invalidenrente auf 200, für die Altersrente aus 1200 Beitragswocheu, herabgesetzt, und die Wamzcit für die im Falle vorübergehender Erwerbsunfähigkeit zu gewährende Rente von 52 auf 26 Wochen verkürzt. Die den Versicherungsanstalten gestattete vorbeugende Kranken- pflege wird weiter ausgestaltet und den Versicherungsanstalten die Befugniß zur Einleitung eines geeigneten Heilverfabrens auch zu dem Zwecke eingeräumt, um den? Empfänger einer Invalidenrente die Erwerbsfähigkeit wieder zu verschaffen. Die Ausnahme der Rcntencmpsänger in ein JnvalidcnhauS auf Kosten der Versicherungsanstalt wird zugelassen. Die Markenverwendung, deren Ucbcrwachung den örtlichen Rentenstellen obliegen soll, wird namentlich durch Einführung von Marken für größere Zeiträume erleichtert. Durch die Sluöscheidnng einer" fünften Lobnklasse für diejenigen, bisher in die vierte Lohnklasse fallenden Versicherten, bei denen der anrcchnungsfähige Jahresverdienst den Betrag von 1150 M. über- steigt, wird hochgelohnten Arbeitern und BetriebSbeamrcn der Erwerb einer ihren Vcrhältniffen entsprechenden höheren Rente gegen Eni- richtung höherer Beiträge ermöglicht. Die freiwillige Versicherung in einer höheren als der maß- gebenden Lohnklasse wird ivesentlich erleichtert. Eine günstigere Berechnung der Renten soll stattfinden. Die jetzt nach besonderen Bestimmungen zu berechnende Alters- rente wird einheitlich auf den Grundbetrag der Invalidenrente be- messen. Das Verfahren bei Rückerstattung von Beiträgen an weibliche Versicherte, welche eine Ehe eingehen, und an hinterlasscne Wutwen und Waisen Versicherter wird erheblich vereinfacht. Das Vermögen der Versicherungsanstalten soll in größerem Um- fange, wie bisher, für die Vcrbesterung der Wohnungsverhältnisse der Arbeiter und für andere Einrichtungen zum Vortheil der ver- sicherungspflichtigen Bevölkerung nutzbar gemacht werden können. Die in der Praxis von den Unternehmern vielfach beklagten Härten der Strafvorschrift bezüglich der unzulässigen Eintragungen und Vennerke in den Quittnngskarten werden beseitigt.(Wünscht das Herr Kühnemann?) Die Organisation soll vereinfacht werden.— Rcichstags-Ersatzwahl. Der Reichstags- Abgeordnete für Pleschen-Jarotichin-Wreschen Rechtsanwalt Dr. v. Dziembowski (Pole) hat sein Mandat niedergelegt infolge des moralischen Druckes der polnischen Volkspartei, welche seine rechtmäßige Auf- stellung bemängelte. Rechtsanwalt Dr. v. Dziembowski gehört der sogenannten polnischen Hofpartei an.— Ein Gesetzentwurf betr. das Militärpensionswescn soll dem Reichstage in seiner ersten Session vorgelegt werden. Ins- besondere sosten die Pensionssätze für die Hinterbliebenen erhöht werden. Sodann soll die Belassung der Militärpension neben dem Zivil- Diensteinkommen einheitlicher geregelt werden. Die Kosten werden auf 6 Millionen Mark veranschlagt.— Die Kolouialschwärmer, die in der deutschen Kolonialgesellschaft ihr Wesen treiben, hatten am 3. Oktober eine Eingabe beim Reichs- kanzler gemacht, er möge ihnen den Inhalt des neuen deutsch-cng- lischen Afrika-Abkommens mittheilen, wegen dessen man sich in den Kolonialkreisen bekanntlich sehr stark beunruhigt' hatte. Der Reichs- kanzler hat jetzt geantwortet und sagt in seinem Schreiben: „Diesenr Gesuche zu willfahren, bin ich nicht in der Lage, da sowohl feststehende diplomatische Gepflogenheiten wie auch wichtige politische Stücksichten dem für jetzt noch entgegenstehen. Die kaiserliche Regierung wird mit der Veröffentlichung nicht zögern, sobald ihr eine solche ohne internationale Bedenken wie ohne Gefährdung der eigenen Interessen Deutschlands möglich und angemessen erscheint." Bekanntlich wurde schon früher mitgetheilt, daß sich die beiden Staaten England und Deutschland gegenseitig zum Slilljchiveigen über das Abkommen verpflichtet haben.— Thörichter Schwatz. Dem nationalliberalen Klatschblatt „Magdeburg. Zeitung" wird ans Stuttgart geschrieben: „Hier hat es den Sozialdemokraien so gut gefallen, daß sie auf den Gedanken kamen. auch ihren nächsten i n t e r- nationalen Parteitag nach der schwäbischen Hauptstadt auszuschreiben. Sie richteten in diesem Sinne eine Anfrage an den Minister des Innern, der, wie es heißt, folgendes zur Antwort gab: Die württcmbcrgische Gesetzgebung beschränke die Freiheit des Vereinsrechts in keiner Weise; es stehe somit ihrem Wunsche nichts im Wege, nur mache er sie darauf aufnierksam, daß er das Recht besitze, Ausländer, und zwar ohne Angabe von Gründen, auszuweisen, und daß er sich nicht genircn werde, von diesem Rechte Gebrauch zu machen.— Nach Meiern Bescheide vcr- zickteten die Führer der Partei auf ihre Absicht." So das nationalliberale Blatt. Zur Charakterisinmg des Klatsches genügt es, an die Thatsache zu erinnern, daß der Gedanke, den nächsten internationalen Arbeitcrkongreß in Deutschland abzn- halten, schon Monate vor dem Parteitage aufgegeben war. und zwar aus den seinerzeit im„Vorwärts" ausführlich veröffentlichten Gründen. Grcuzverlctznng durch rnssischc Offiziere, lieber einen Vorgang an der deuffch-russischen Grenze melden bürgerliche Blätter folgendes:„In dem königlichen Forst Dzadkcn bemerkten zwei preußische Forstbeamte, daß mehrere russische Offiziere auf preußischem Gebiet jagten. Der Aufforderung der beiden Förster, die Gewehre abzugebe», wurde nicht stattgegeben, die Offiziere verhöhnten viel- mehr die beiden Beamten. Nachdem diese ihre Aufforderung noch mehrmals vergeblich wiederholt hatten, schössen sie und verletzten einen der Offiziere. Diese ergriffen nunmehr die Flucht und nahmen den verwundeten Kameraden mit. Hinter dem Grcnzgraben an- gelangt, befahlen sie dann den russischen Grenzsoldaten, auf die beiden Förster zu schießen; die Soldaten thaten dies auch, trafen aber nicht." Kampf gegen Konsumvereine und Waarcnhänser. Ter Verband vogtländischer Gewerbevereine beschloß, bei dem Bundes- r a t h, dem Reichstag und der sächsischen Staats- regierung dahin vorstellig zu werden, daß die Militär- und Beamtcn-Konsnmvereine aufgelöst, die WirthsckiaftSvcreiniguugcn und großkapitalistischen Unternehmungen ini Kleinhandel aufs höchste b e st e u e r t werden und das Dividenden- und Rabattsyftem im Kleinhandel verboten wird; bei dem Rcicbstage zu beantragen, daß die genannte Körperschaft durch Ein- fübnmg einer progressiven Umsatz-, MiethS-, Personal- und B r a n ch c st e u e r„geeignete" Maßnahmen zur Bekämpfung der großen Waarenhäuser treffe.— Das ist gewiß alles, was man verlangen kann!— Die Flcischnoth, die von den Agrariern beharrlich in Abrede gestellt wird, herrscht in allen Gegenden Deutschlands vor. So hat sich jetzt der A u g s b u r g e r Magistrat veranlaßt gesehen, gleich wie der der Stadt Fürth an das königl. Staatsministeriunr zu petitioniren, daß die Einfuhr von Schlachtvieh aus Italien gestattet und für das aus Oesterreich-Ungarn eingeführte Schlachtvieh eine längere Schlachtfrist gewährt werde. Die Eingabe weist in der Hauptsache darauf hin, daß das Angebot von Schlachtvieh nicht mit der wachsen- „Eghptischen Kouriers", eines in deutscher Sprache zu Alexandrien erscheinenden Wochenblattes. Dasselbe schreibt in seiner Nummer vom 8. Oktober: „Nicht nur unter den Deutschen in Egypten, die mit stolzer Freude dem nahen Besuch ihres geliebte« Herrschers entgegen- sahen, sondern auch unter den'Nichtdeutschen hat die Nach- richt, daß der Kaiser von dem geplanten Aufenthalte in Egypten abstehe, tiefes Bedauern erregt. Dieser so plötzliche Programmwechsel hat hier so manche schone Hoffnung in bittere Enttäuschung umgewandelt. Wir müssen nun ganz offen ein- geliehen, daß wir nicht genügend Glaubensstärke besitzen, um die bis nun bekannt gewordene Begründung dcS Nichtkommens ernst nehmen zu köiincn. Im Gegentheil. eS eröffnet sich uns ein sehr weites Feld für Verniuthungen, unter denen die Annahme, daß es sich um e in M a ch w erk En g land s h and e lt, wohl das Richtige sein dürfte. Man blicke nur ein Vierteljahr zurück und bringe sich die damaligen englischen Preßstinimen in Erinnerung, und man ist fast zweifellos auf richtiger Fährte. In London, in erster Reihe aber in den hiesigen leitenden englischen Kreisen, scheint man jeden- falls befürchtet zu haben, daß ein Aufenthalt des Kaiser« in Egypten den Zielen der englischen Politik in, Nilthale gefährlich werden könnte. Der scharfe Blick des Kaisers hätte möglichenveise das so großen Nutzen bringende Kulturwerk in Egypten nicht in genügend englischer Beleuchtung gesehen. Weiter sab man mir un- gern den Enkel der Königin als Gast des Chediw, oa das hieraus zwischen den beiden Herrschern sich ergebende VerhälMiß England in Zukunft eine Art Reserve gegenüber demVizekönig aufgezwungen hätte und hierdurch gewisse Pläne einen unliebsamen Aufschub erlitten habe» würden. Der Besuch des Kaisers in Egypten mußte somit unterbleiben, und England hat es, um dieses Ziel zu erreichen, an entsprechenden Mitteln und den erforderlichen krummen Wegen sicher nicht fehlen lassen. Unserer Ansicht nach hat hier Groß- britannien neuerdings einen nicht hoch genug zu schätzenden Triumph in seiner asrikauischen Politik errungen." So der„Egyptische Kourier". Daß wir es mit einem Machwerk Englands zu thun haben, ist eine unerwiesene An- nähme. Aber gewiß ist, daß die englische Regierung die Reise des deutschen Kaisers nach Egypten sehr ungern sah. Und Herr Melville, der englische Stieber, welcher sich der Regierung nützlich erweisen will, hat ihr in seiner Weise gedient. Daß er in Egypten viele Verbindungen hat, sagten wir schon, und in Alexandrien und Kairo ist der schmutzigste Bodensatz der internationalen Welt des Kapitalismus zu- sammengeronnen, so daß für die Herren Melville und Kompagnie dort das denkbar günstigste Operationsfeld ist. Bemerkenswerth ist, daß englische Blätter, und zwar gerade solche, die von Herrn Melville als Ablagerungsstätten benutzte, zuerst die Nachricht von dem egyptischen Attentat brachten, und sofort auch, daß es dem deutschen Kaiser gegolten habe. In einer Korrespondenz der„Vossischen Zeitung" aus London wird dargelegt, daß das„Anarchistenkomplott" sehr fraglicher Nawr sei,„sich in immer dichteres Dunkel zu hüllen beginne" und„daß persönliche wie politische Gesichtspunkte in die Sache hineinspielen". Kurz Spitzelarbeit. Daß der„Reichs-Anzeiger" bei so bewandten Umständen sich nicht dazu hergiebt, den Stumm, Kardorff, Limburg und Konsorten Schlepperdienste zu leisten, und den Stempel des Reichs auf die Mache der Falschmünzer zu drücken, das ver- steht sich von selbst,— Die Faschoda-Frage wird wieder brennend— oder wohl richtiger: sie wird wieder als brennend an die Wand gemalt. Vor einigen Tagen schon erhielten wir mysteriöse Andeutungen, die Franzosen bereiteten ihre Flotte zur Aktion vor, und am Mittwoch Abend hielt der englische Schatzkanzler Hicks Beach eine Rede, in der er die Faschoda-Frage be- sprach. Er führte aus: Es scheine ihm unmöglich, daß die Franzosen dabei bleiben könnten, vaß sie politische Rechte in Faschoda hätten. Die Fran- zosen hätten natürlicher und angemessener Weise Zeit verlangt, den Empfang der Marchandffchen Berichte abzuwarten, doch stehe er an zu glauben, daß Frankreich anderes als das, was England wünsche, thun könne. Es sei möglich, daß das, war er hoffe, nicht geschehen werde, und dann würde die Angelegenheit ein so ernstes Gesicht bekommen, wie es zwischen zwei großen Ländeni nur möglich wäre. Es könnte nur zwei Gründe für Frankreich geben, diese Haltung anzunehmen; sie können den Wunsch haben, mit England in Streit zu gerathen, doch weise er es von sich, nach den wiederholten freundlichen Versichernngen Frankreichs diese Lösung als möglich anzunehmen; der andere Grund wäre, daß Frankreich durch Gereiztheit bezüglich der Stellung Englands in Egypten beeinflußt sein könnte, indessen sei er, Redner, der Ansicht, daß England bei weitem mehr Grund zur Gereiztheit gegen Frankreich habe, als umgekehrt. Die Regierung Berlin vor AO Jahren. Heut vor 20 Jahren, am 21. Oktober 1878, nachmittags 4 Uhr, verkündete der„Reichs-Anzeiger" das!„Gesctz gegen die gemeingefähr- lichen Bestrebungen der Sozialdemokratie". Die Schläge Prassellen dann auf die Genossen hageldicht herunter, und das Schandgesetz hat dem Volke zahllose Opfer an Geld und Gut, Freiheit und Menschenleben abgepreßt. Aber zu erinnern ist auch daran, daß die kämpfende Proletarierpartei vor dem Sozialistengesetz ebenfalls nicht auf Rosen wandelte. Das Sozialistengesetz sollte, so log man sich nachher heraus, nur die Folge der„attcntäteriiden Schand- thaten der Sozialdemokraten gewesen sei». Aber lange bevor Unter den Linden Hödel's Pistole und Nobiling's Schrotflime knallten, hatten die bekannten Parteigenossen unter unaushörlichen Ver- Haftungen, Verurtheilungen, Haussuchungen und anderen Chikanen zu leiden. Das damalige Berliner Parteiblatt, die„Berliner Freie Presse", erzählt zum Beispiel in der Nummer vom 8. Mai 1878, daß in den zwei Jahren des Bestehens der Zeitung 116 Prozesse gegen sie anhängig gemacht worden sind und gegen die Redakteure auf über 77 Monate Gefangniß erkannt worden ist. Und beim Durch- blättern desselben Jahrganges, der uns gerade vorliegt, sehen wir. daß der verantwortliche Redakteur in dem einen Jahr neunmal gewechselt hat, weil immer einer nach dem andern verhaftet und verurteilt wurde. Die Namen dieser im Jahre 1878 nach einander zeichnenden Redakteure waren: Denkler, Grottkau, Rich. Fischer, Most, Auer, Schapira, Pulkrabek, Neumann und Manz. Das schon vor dem Sozialistengesetz arg verfolgte Blatt befand sich damals am' Kaiser Franz Grenndierplatz Nr. 8 a. Handelt es sich im obigen allein um Bestrafungen wegen Preß- Vergehens, so kann man sich einen Begriff davon machen, wie schwer die Partei schon vor den Attentaten unter den Verfolgungen der Aera Tesffiidorff zu leiden hatte. Freilich ungleich schwerere standen ihr bevor. Der Hodel'sche Schutz gab das Signal dazu. Aber das Nobilingi'che Attentat löste alle und jede Bande der Gesittung und eine beispiellose Hetze brach über die Partei herein. Am Somitag den 2. Juni hatte Nobiling geschaffen. Sofort wurde verbreitet, daß er Sozialist sei, und die„Hätz auf das R o th- wild" begann. Unter diesem Titel berichtet die erste nach dem Attentat erschienene Nummer der„Berliner Freien Presse" über die am Montag Abend stattgeftlndenen Haussuchungen: „Soeben, 6 Uhr abends, kommen 14 Mann Kriminalpolizei unter Führung des KriminalkommissariuS Höfst auf unser Geschäfts- lokal, um allda Haussuchung zu halten. Kisten und Kasten wurden durchsucht, alte längstverschollene Manuskripte wurden aus ihren Schlupfwinkeln hervorgesucht, und mancher Gegenstand, der von uns selbst schon lange verniißt wurde, bei dieser Ge- legenheit wiedergefunden. Aber nicht nur die Papiere der Redattion wurden bei dieser Gelegenhcil aus das gründlichste unter- sucktt, auch die Geschäsisbriefe und Skripniren der Expedition wurden einer genauen Prüfung unterzogen und sannnt und iondcrs eingepackt und mitgenommen. Als endlich diese Nachsuchung beendigt und trotz massenhaft mitgenommenen beschrievenen Papiers doch der Plan zur Verschwörung des Nobiling noch nicht gcfniiden war, ging es fort nach den Privatwohnungcn von Schavira. Rackow, Most, Auer. Fritzsche... Daß die ganze Razzia erfolglos gewesen und daß nian bei uns keine von Dr. Nobiling herrührenden Papiere gesunden hat, brauchen wir wohl nicht erst zu betoucn. Auf unserer Redaktion sowohl, wie bei sämmtlichcn Parteigenossen, die wir bisher zu befragen Gelegenheit hatten, ist Nobiling eine unbekannte Persönlichkeit. Der Königsmörder hat mit liiis in keinerlei Verbindung gestanden. Was wir von ihm wissen, ist nur die Nachricht aus Dresden, daß er dort als Nationallibcraler und Mitarbeiter der sozialisten- feindlichen„Sozial- Korrespondenz" in Volksversammlungen aufgetreten und unsere Genossen bekämpft hat." Die Hetze gegen die Sozialdemokraten währte dann den ganzen Sommer hindurch bis zum Erlaß de§ Sozialistengesetzes. Sie wurde von der Regierungs- und Kapitalistenpresse künstlich genährt und er- streckte sich bis in das wirthschaftliche und Privatleben der Arbeiter. Große bürgerliche Zeitungen verlangten damals von den Unter- nchniern, sie sollten alle sozialdemokratischen Arbeiter entlassen. Und dieser Anregung wurde nur allzu häufig Folge gegeben. In diel er überhitzten Sitzung war dann endlich am IS. Oktober das Schandgesetz zu stände gekommen und wurde am 21. Oktober verkündet. Die„Berliner Freie Presse" brachte es nur noch zu einer vom 28. Oktober dattrten Nummer. Am 25. wurde das in Leipzig unter Liebknechts Redattion erscheinen Zentralorgan verboten. In- zwischen war aber noch eine Nummer hergestellt worden, und diese letzte Nummer des alten„Vorwärts" enthält bereits die erste Liste der auf grund des Gesetzes vom Polizeipräsidium in Berlin verbotenen Broschüren. Ein Witz der Weltgeschichte wollte es, daß an der Spitze dieser polizeilichen Liste die Gedichtssammlung steht„Es werde Licht!"— Wenige Tage später wurde! auch das„Hamburg-Altonaer Vollsblatt" unterdrückt. Der„Vorwärts", das Berliner und das Hamburger Blatt waren die drei bedeutendsten Zeitungen der Partei und hatten einen Abonnentenstand von etwa 45 000. Mt diesen Blättern, die alle das Eigenthum von Genossenschaften waren, wurde ein Vermögen von mehreren hunderttausend Mark»ernickitet und einige hundert Personen brotlos gemacht. Die Genossenschaften mutzten liquidiren, wobei in Berlin die Antheile der Genossenschafter(meisteils Arbeiter) fast ganz verloren gingen, während Leipzig auszahlte, so weit die Antheile verlangt wurden; nur Haniburg konnte später glatt reguliren. Es folgten nun Schlag auf Schlag weitere Verbote der politischen ! und der gewerkschaftlichen' Blätter, ebenso der sozialdemokratischen Broschürenliterarur. Kein Tag verging, ohne daß der„Reichs- ! Anzeiger" ganze Spalten von Verboten veröffentliche. Nach drei bis vier Wochen existirlen von den 42 sozialdeniokralischeil Zeitungen nur noch zwei, das eine in Lffenbach, das andere in Nürnberg, welche beide ihre Titel vor Erlaß des Gesetzes geändert hatten. An anderen Orten wurden auch Blätter verboten, welche dieselbe Manipulation vorgenommen hatten. Der Versuch, an stelle der verboteneii Zeitungen sogenannte farblose Blätter herausziigeben, gelang für den Anfang nur an wcnigeil Orten. So wurde bcispicIS- weise in Berlin versucht, schon am nächsten Tage, nachdem die „Freie Presse" verboten war, eine„Berliner Tagespost" herauszugeben, 14 Tage später versuchte man es mit einem Blatt„Berliner Nach- richten." Aber alles dieses wurde als Fortsetzung der alten Partei- zeituug betrachtet und verboten. Auch die voni Abgeordneten Hassel- mann in Berlin herausgegebenen farblosen Blätter verfielen der Sichel des Ausnahinegesetzes. Und niit derselben Promptheit wie in Berlin war die Polizei überoll in Deutschland vorgegangen, wo es sozialdemokratische Unter- nehmungen zu zerstören gab.— Die Zeitungen waren unterdrückt, alle Arbeitervereine, alle Gewerkschaften niit wenigen Ausnahmen verboten. Das Partei- und Versamnilungslebeii war fürs erste gänzlich erloschen. Die Partei war also thatsachlich mundtodt gemacht. Die Stimmung der Genossen war natürlich allen diesen Ver- folgungcii gegenüber äußerst gedrückt. Jedenfalls herrschre ans der ganzen Linie die größte Ruhe, und nicht das geringste Koniplort war im gange, durch das die Sicherheit des Staates hätte gefährdet werden können. Für alle Welt überraschend war es daher, als Mitte November ein Berliner Blatt die Nachricht bracbre, daß im Bundesrath von Seite Preußens der Antrag ein- gebrockt worden sei, auf grnnd des ß 28 des Sozialistengesetzes über Berlin den kleinen Velageruiigszustaiid zu verhängen. Die Nachricht erregte ungeheueres Aufsehen und selbst die bürgerliche Presse erklärte, daß auch nicht eine der Voraussetzungen zutreffe, unter denen nach dem Gesetze der kleine Belagermigszustand ver- hängt werden dürfe. Die Nachricht fand auch in den sozialderno- kratischen Kreisen nur wenig Glanben. Aber man hatte die Regierung überschätzt. Am 28. November veröffentlichte der„ReichS-Auzeigcr" Die Vcrhüngnng des Belagernngs- zustandes über Berlin und Umgebung, und schon am nächsten Tage wurde 67 der bekanntesten Parteigenossen— niit nur einer Aus» nähme Familienväter— die Ausweisungsordre zugestellt. Es waren gedruckte Formulare hergestellt' worden, sodaß die fccn Bevölkerungszahl Schritt gehalten habe; namentlich fehle es an Schlachtvieh erster und zweiter Qualität, am meisten aber mache sich der Mangel an Schweinen fühlbar. Es seien dadurch unhaltbare Zu- stände geschaffen, unter denen namentlich die zahlreiche Arbeiter- bevölkerung am meisten leide, weil sie zum Enthalten des Fleisch- genusses hingedrängt, oder gezwungen wird, minderwerthiges Fleisch zu kaufen. Die beiden Augsburger Bezirksthierärzte konstatiren in ihrem Gutachten zunächst, daß in diesem Jahre über 2200 Schweine weniger als im Vorjahre zu Markte gebracht worden wären und daß der herrschende Schweinemangel nur durch Einfuhr vom Aus- lande behoben werden könne; ebenso sei eine Erweiterung der Schlachtfrist von österreichischem Vieh von zwei auf drei Tage für angezeigt zu erachten, Sie weisen darauf hin, daß keine Gefahr für die Landwirthschaft bestehe, wenn man verlange, daß die Schweine aus Italien in plombirten Wagen transportirt und gleich auf den Schlachthof überführt und dort geschlachtet würden,— Wie laiige wird das deutsche Volk noch Petitioniren müssen, ehe es die Regierung einmal wagen wird, den Wünschen der Junker entgegen die Grenzen für das Schlachtvieh zu öffnen, Zeichen der Zeit. Der„Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Chefredakteurs der„Schlesischen Ztg,", Dr, v, Falck, zum Direktor des literarischen Bureaus im Staatsministerium, also zum Chef der offiziösen Presse. Herr v. Gerlach hat unlängst bei einer Charakterisirung der konservativen Presse die„Schlesische, Ztg," als das illoyalste aller Blätter dieser Richtung bezeichnet,— „Rckttfizirt". Aus Kiel wird uns geschrieben: Wie den Lesern des„Vorwärts" erinnerlich sein dürfte, berichteten wir seiner Zeit über die Verhaftung zweier Genossen am 1, Mai bei einer Flugblattverbr'ttmg in Dänischenhagen, Die Genossen waren ge- fesselt zum Amisvorsteher transportirt, ihrer Arbeitsstätte, der kaiser- lichen Torpedowerkstatt in Friedrichsort, war von„unbekannter Seite" Nachricht zugegangen und darauf sind die beiden Genossen wegen sozialistischer Umtriebe entlassen worden, Beschwerde beim Landrath über den Gendarmen hatte keinen Erfolg, indem der Land- rath den Beschwerdeführern mittheilte, daß der Gendarm noch gar leine offizielle Ahnung gehabt habe, daß die Reichstagswahl aus- geschrieben sei, indem sein Amtsblatt ihm erst später zugegangen sei. Mit diesem famosen Bescheid begnügten sich die Beichwerde- siihrer nicht und wandten sich an den Schleswiger Regierungs- Präsidenten. Die Genossen mußten dannjedoch Friedrichsort verlassen, um anderweitige Arbeit anzunehmen und so kam es denn, daß erst jetzt der Bescheid des Regierungspräsidenten zu ihrer Kenntniß kam, Derselbe thcilt ihnen mit, daß er den Landrath in Eckernförde be- auftragt habe, den betreffenden Gendarmen zu„rettifiziren" und daß damit die Angelegenheit für ihn erledigt sei. Nun ja, das ist sie denn ja auch!' Die Genossen sind inzwischen anch vom Schöffen- gcricht freigesprochen von der Anklage, eben bei der Verbreitung ohne Erlaubniß Druckschriften vertrieben zu haben. Nun gesellt sich für die Genossen zu dieser gerichtlichen auch noch die regierungs- präsidentliche Bescheinigung, Unrechtes nicht begangen zu haben, und damit ist die Sache erledigt, Scheercreien, wer weiß wie viel, brotlos gemacht, Unkosten, Aerger und Entrüstung für die beiden Genossen, und der Gendarm wird vom Landrath, der zuerst an seinem Thun nichts auszusetzen hat,„rektifizirt". Das ist so ein kleines Bild aus dem regierungsseitig geführten Kampfe gegen die Sozialdemokratie,— Tic Freie Vereinigung badischcr Orts-, Betriebs- und Innnngs- Krankenkassen beschloß auf ihrer Generalversammlung zu Baden-Baden, an die badische Regierung wegen der Ver- schicdenartigkeil der Auslegung e'n des Kranken- versicherungs-Gesetzes das Ersuchen zu richten, sie möge bei der Reichsregierung die Errichtung eines R e i ch s a m t s als höchsten Gerichtshof für die aus dem Krankenversicherungs- Gesetze entstehenden Streitigkeiten beantragen, Beim Punkt: Stellungnahme zur Abänderung des I n v a- liditätS- und Altersversicherungs-Gesetzes, legte der Referent, Fabrikant M e h e r aus Pforzheim, Verwahrung gegen das Projekt der Regierung ein. den o st preußischen schlecht fundirten Versicherungsan st alten das in Süd- deutschland durch eine rationelle Wirthschaft zu- samniengebrachte Geld zuzuweisen.— Schutz vor Schutzleuten. Es scheint, daß kein Tag mehr vergehen soll, an welchem nicht aus irgend einem Theile des Reiches über einen schweren Uebcrgriff der unteren Polizei- Organe berichtet wird. Der neueste Fall dieser Art wird uns aus Straßburg i. E. mitgetheilt. Dort wurde dieser Tage eine Kellnerin, als sie um die Mitternachtsstunde nach Schluß des Geschäftes sich nach ihrer Wohnung begeben wollte, unmittelbar vor der Hausthüre von einem Schutzmann aufgehalten, der sie fragte, wohin sie wolle. Die Antwott des Mädchens lautete, sie gehe nach Hause. Der Schutzmann erwiderte: Sie warten auf einen Soldaten, Als das Mädchen diese Behauptung der Wahrheit gemäß als unrichtig bezeichnete, erklärte der Schutz- mann sie kurzer Hand für verhastet, nahm ihr den Hausschlüssel ab, ergriff sie beim Handgelenk und führte sie auf das Polizeirevier, Dort wurde das Mädchen, das durchaus unbescholten, völlig unbestraft und vor allem noch niemals mit der Sittenpolizei in Konflikt gekommen ist, in der unsanftesten Weise zur Thüre hinein- Polizei nur den Namen des Auszuweisenden und das Datum ein- zutragen brauchte, an welchem der Ausgewiesene das Belagerungs- gebiet verlassen haben mußte, Selbst die konservativen Blätter fanden keine Worte, diese Maß- regel zu rechtfertigen, Sie suchten sie nur zu entschuldigen mit dem Hinweis auf das„thcure Haupt", daß es in Berlin zu schützen gelte, Nur ein einziges Blatt der Reichshauptstadt verstieg sich zu der Gemeinheit, über die Ausgewiesenen Witze zu mächen,— die „Berliner Wespen" des Herrn Julius Stettenheim,— des heutigen Witzemachers des„Kleinen Journals". Die Vcrhängung des kleinen Belagerungszustandes über Berlin und die Ausweisungen übten eine geradezu niederschmetternde Wirkung aus. Wir halten uns bei Schilderung der Wirkung dieser brutalen Maßregel an die 1889 in London erschienene Geschichte des Sozialistengesetzes„Nach zehn Jahren". Da es eine organisirte Partei niit flüssigen Mitteln nickit mehr gab, so war die Noth und das Elend unter den Ausgeiviescnen ungemein groß. Nur den toenigsten war eine dreitägige Aufenthaltsfrist festgesetzt. Die meisten mußten innerhalb 43 Sttindeu, einige sogar innerhalb 24 Stunden die Stadt verlassen haben, Gesuche um Äuffchub lehnte der damalige Polizeipräsident von Madai in der rohesten Form ab. Unter den Ausgewiesenen befanden sich natürlich alle damals in Berlin lebenden Führer der Partei, alle Agitatoren, Redakteure u, s, w, Uebrigens waren unter den Ausgewiesenen auch Personen, die schon seit Jahren keine Rolle mehr in der Partei gespielt hatten, Die an der Herrschaft befindliche Reaktion hatte geglaubt, indem allen Helfern und Wortführern der Partei die Existenz vernichtet wurde, die Partei selbst vernichtet zu haben. Man hatte sich geirrt. Die äußerste Niedertracht, der Druck bis aufs Blut weckte den Widerstand der verfolgten Arbeiter, Es erschien ein Flugblatt, das erste unter dem Ausnahmegesetz, das zwar verboten, aber doch heim- lieh in großer Zahl verbreitet wurde. Es lautete: „An unsere Freunde und Parteigenossen in Berlin, Durch Verfügung der Polizei zu Personen gestempelt, von welchen eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu besorgen ist. sind wir sämmtliche Unterzeichnete aus Berlin und dessen Umkreis verwiesen, Bevor wir dieser Verfügung nachkommen und bevor wir unsere Heimath und unsere Familien verlassen und in die Verbannung gehen, halten wir es für unsere Pflicht, an Euch. Genossen, noch ein paar Worte zu richten. Man wirst uns vor, daß wir die öffentliche Ordnung ge- fährdcn. Genossen und Freunde, Ihr wißt, solange wir unter Euch waren und durch Wort und Schrift zu Euch sprechen konnten, war es unser erstes und letztes Wort: Keine Gewaltthätigkeiten. achtet die Gesetze, vertheidigt aber innerhalb des Rahmens derselben Eure Rechte! gestoßen. Dann nahm man ihr die Uhr ab und führte sie in den Arrest, Trotzdem die Verhaftete betheuerte, daß nicht die geringste Veranlassung zu ihrer Festnahme vorgelegen habe, wurde sie bis morgens 8 Uhr eingesperrt gehalten. ES war bitter kalt Und das Arrestlokal nicht geheizt, zudem die Fenster desselben offen. In der Frühe um 8 Uhr führte man das Mädchen nach dem Bürgerspital, wo es sich von einem Arzte untersuchen lassen mußte. Dann erst wurde es entlassen. Wie groß die Entrüstung ist, die dieser neueste Fall eines behördlichen Uebergriffcs hervorgerufen, ist daraus zu er- kennen, daß selbst die regierungsfromme„Straßburger Post", die derartige Vorkommnisse mit Vorliebe todtzuschwcigen_ sticht, eine strenge Untersuchung des vorliegenden Falles und eine amtliche Aufklärung durch die zuständige Behörde verlangt. Zlus Elsaß- Lothringen, 18, Oktober. Mg. Ber.) Drei Versammlungsverbote und eine Versammlungs- a u f l ö s u n g an zwei Tagen, das ist das Fazit der letzten Woche für die reichsländische Arbeiterbewegung, In Mülhausen Auf- lösung einer sozialdemokratischen Parteiversammlung, weil, wie unser Partei-Organ mittheilt, der Berichterstatter über den Stuttgarter Parteitag erzählte, daß und wie dort unter anderem geschildert wurde, die Arbeiter Englands lebten unter günstigeren Verhältnissen als diejenigen des unvergleichlichen Deutschen Reiches. In Straß- bürg am gleichen Tage Verbot einer öffentlichen Versammlung von Arbeitern und Arbeiterinnen, weil in dieser Versammlung eine Frau, nachdem sie in Baden, Bayern und in anderen deutschen Gauen öffentliche Vorträge gehalten, auch in der Hauptstadt des Reichslandes über das Proletariat in seinem wirthschaftlichen Kampfe sprechen wollte. In Schiltig heim am folgenden Tage Verbot einer ebensolchen Versammlung, in welcher diese nämliche Frau Stein- dach ihre Ansichten über die Lage der Arbeiter vorzutragen gedachte; und im benachbarten B i s ch h e i m endlich an demselben Tage Verbot einer öffentlichen Maurerversammlung, zu welcher ein Maurer aus Hessen, Herr T h ö n e von Kassel, von den Kollegen im Elsaß eingeladen worden war, um über das Thema„Die Unternehmer- Verbände und die Arbeiter-Organisationen" seine Gedanken zu ent- wickeln. Die„Begründung" dieses letzteren Verbotes ist für die im Lande der Diktatur herrschenden Zustände so bezeichnend, daß wir sie der weiteren Oeffentlichkeit nicht vorenthalten wollen; sie lautet: „Auf die Anzeige vom 10. d, M. über die Abhaltung einer öffentlichen Maurcrversammlung vom 14. d, M., in welcher übrigens die Bezeichnung der hierfür bestimmten Wirthschaft fehlte. ertvidere ich Ihnen, daß ich die Genehnügung hierzu nicht befürworten kann, da der Herr Bezirkspräsident die Veranstaltung einer gleichartigen Versaminlung, die am selben Tage in Schiltighcim stattfinden sollte, nicht zu- gelassen hat. Der Krcisdirektor," Es wird auf grund der Vorkommnisse der letzten Tage von den gewerkschaftlichen und politischen Vertretungen der reichsländische» Arbeiterschaft neuerdings erwogen werden müssen, welche Maßregeln zu ergreifen sind, um den auf die totale Rechtlosigkeit der Arbeiter- klaffe hinauslaufenden behördlichen Matzregeln ein Ziel zu setzen.— Deutscher Handelshafcu i» Kleiuasien. Wie das„B, T," erfährt, ist die Konstantinopeler Meldung der„Daily NewS", der deutschen Verwaltung der Eisenbahnlinie Haidar-Pascha-Angora sei die K o n z e s s i o n z u m B a u eines Handelshafens in H a i d a r- P a s ch a bei Skutari ertheilt worden, zutreffend. Die genannte deutsche Bahnverwaltung wünschte schon seil längerer Zeit einen Hafenanschluß an ihre Bahnlinie, um die per Achse eintreffenden Güter sofort auf die Schiffe verladen zu können und umgekehrt, Eine politische Bedeutung kommt im übrigen dem Bau des Handels- Hafens nicht zu. Im Zusammenhang hiermit sei die folgende Petersburger Mel- dung verzeichnet:„Die„Nowoje Wremja" tritt den Gerüchten ent- gegen, wonach Deutschland von der Türkei Landgebietc zu erwerben hoffe, und erklärt, sie zweifele nicht, daß eine territoriale Abtretung den Beginn der Thcilung des türkischen Reiches beziehungsweise seines Unterganges bedeuten würde. Das Blatt ist vollkommen über- zeugt und hofft, daß die Beziehungen zwischen Rußland und Deutsch- land einerseits und zwischen Rußland und der Türkei andererseits ebenso unverändert vorzüglich, wie sie bisher waren, auch künftighin bleiben werden."-- Schweiz. Der italienische Spitzel Mantira. Aus Genf wird berichtet: Der Spitzel M a n t i c a ist in Genf auf freien Fuß gesetzt worden. Mit welchem Burschen man es da zu lhlin hat, ersieht nian neuerdings aus einem Brief, welchen der frühere Genfer Arbeitersekretär V e r g n a n i n i an den„Genevois" richtet, Mantica hatte in der„Tribüne de Gcnäve" einen Brief veröffentlicht, auf welchen Vergnagnini nun antwortet, Mantica, der damals noch den Namen de Sanctis führte, hatte sich alle Mühe gegeben, in den sozialistischen Jtalienerklub einzutreten, hatte aber zur Bedingung gemacht, daß sein Name nicht ins Mit- gliederverzeichniß eingettagen werde. Nach dem Attentat Lucchenis las Vergnagnini in der römischen„Tribuna" eine Genfer Kor- respondcnz, in welcher er, Vergnagnini, beschuldigt Wierde, der Komplice Luccheni's zu sein, Vergnagnini reiste darauf sofort nach Bern, um sich den Behörden zur Verfügung zu stellen,„entschlossen, Diese Worte möchten wir Euch zum Abschied noch einmal zurufen und Euch auffordern, sie jetzt mehr als je zu befolgen. Mag auch die nächste Zukunft bringen was sie will: Laßt Euch nicht provoziren! Vergeßt nicht, daß ein infames Lügensysrem in der Presse es fertig gebracht hat, uns in der öffentlichen Meinung als diejenigen hinzustellen, welche zu jeder Schandthat fähig sind, deren Ziel nur Umsturz und Gewaltthat sein sollte, Jeder Fehltritt eines einzigen von uns würde für alle die schlimmsten Folgen haben und gäbe der Reaktion eine Recht- fcrtigung für ihre Gewaltsttciche. Parteigenossen! Arbeiter Berlins! Wir gehen aus Eurer Mitte ins Exil, Noch wissen wir nicht, wie weit uns die Vcrfolgungs- wuth treiben wird. Aber deß seid versichert, wo wir auch ivcilen mögen, steis werden wir treu bleiben der gemeinsamen Sache. stets werden wir die Fahne des Proletariats hochhalten. Von Euch aber verlangen wir: Seid ruhig! Laßt unsere Feinde toben und ver- lcumden. Schenkt ihnen keine Beachtung! Weist die Versucher ab, die Euch zu geheimen Verbindungen oder Putschen reizen wollen! Haltet fest an der Losung, die wir Euch so oft zugerufen: An unserer Gesetz- lichkeit müssen unsere Feinde zu gründe gehen! Und nun noch ein Wort, Freunde und Genossen. Die Aus- Weisung hat bis jetzt mit Ausnahme eines einzigen, nur Familien- väter getroffen. Keiner von uns vermag seinen Angehörigen mehr als den Unterhalt der nächsten Tage zurückzulassen. Genossen, gedenkt unserer Weiber und Kinder! Parteigenossen, bleibt ruhig! Es lebe das Proletariat! Es lebe die Sozialdemokratie!" Tie alsbald vorgenommenen Sammlungen hatten Erfolg, Und diese Sammlungen, die natürlich im Geheimen vorgenommen werden mußten, gaben den ersten Anlaß, die Kräfte wieder zusammen zu fassen und nach Formen zu suchen, wie ttotz des Gesetzes eine Partcithätigkeit möglich sei. Später wurde der kleine Belagerungs- ustand noch über Hamburg-Altona-Harburg. Leipzig, Frank- urt a. M,, Hanau, Stettin und Spremberg verhängt� und im ganzen sind nahe an 900 Ausweisungen verfügt worden. Aber die Fäden waren schon ivieder unter den Parteigenoffen geknüpft worden. Der„Sozialdemokrat" wurde als Wochenblatt der Partei gegründet und über ein Jahrzehnt lang mit der größten Pünktlichkeit heimlich verbreitet. Im Auslande fanden mehrere Kongresse statt. Und siehe da: Bei den im letzten Jahre der Herrschaft des Sozialistengesetzes erfolgenden Reichstagswahlen wurden an stelle der 1878 gezählten 437 000 sozialdemokratischen Stimmen 1 427 000 solcher Stimmen abgegeben. Das waren die Erfolge zwölfjährigerHerrschaft des Schandgesetzes! Und doch ist man wieder drauf und dran, die Arbeiter- bewegung nun definittv zu vernichten! sich mit aller Entschiedenheit gegen diesen neuen Schurkenstretch zu vertheidiqen." Der Korrespondent der„Tribuna war— Mantica. Vergnagnini erklärt, daß er Lucchem weder in Genf noch anderswo je gesehen und von seiner Eristenz erst nach dessen Attentat gehört habe. Mantica gao sich gegenüber den italienischen Sozialisten in Genf als Sohn eines reichen Mailänder Handelsmannes aus und wurde me mude. sie seiner Sympathien zu versichern.„Wie verachtungswurdig/ sagt der„Genevois",„ist die Polizei, die sich solcher Banditen bedient! Wir verstehen nicht, daß ein schweizerisches Blatt ihnen seme Spalten öffnet und sich dazu hergiebt, sie zu interviewen; denn leder Verkehr mit solchen Leuten ist entwürdigend."„. Mantica hatte in seinem Brief an die Genfer„Tnoune auch behauptet, Lucchem habe während einer gewissen Zeit im Lokal der italienischen Kolonie in Genf(Rue du Rhone ö) verkehrt. Ebenfalls im„Genevois" publizirte das Komitee der italienischen Kolonie eine Erklärung, in welcher gesagt wird, eine genaue Untersuchung habe ergeben, daß Luccheni niemals in dem Lokal gesehen worden sei; Mantica aliaZ de Sanctis habe wissentlich gelogen. Nun ist der Bursche wieder auf freiem Fuß. doch bleibt er immerhin noch zur Verfügung der eidgenössischen Behörden. Ferner bringt der„Avanti", das Organ der italienischen Sozial- demolratie, folgende hoch st sensationelle Mittheil ung: „Der in der Schweiz verhaftete Lieutenant Mantica ist in Novara dadurch äußerst bekannt, daß er mit einem Tandem eine arme alte Frau durch Ueberfahren getödtct, wofür er zu einigen Monaten Gefängniß verurtheill wurde, die er in der Festung Bard absaß. Mantica sandte an den„Corriere di Novara" das Telegramm über die Ermordung der Kaiserin zu einer Zeit, als noch kein einziges Blatt, nicht einmal die„Sera" die Nachricht brachte!" Dieser Lockspitzel Mantica wußte also vom Mord zu- erst. Wußte er vielleicht schon davon, ehe er geschehen war? War er vielleicht der Graubärtige, mit dem Luccheni kurz vor dem Mord gesehen wurde?" Frankreich. Paris, 20. Oktober. In parlamentarischen Kreisen verlautet, der Ministerpräsident B r i s s o n wolle gleich beim Zusammentritt der Kammer eine Interpellation über die innere Politik annehnien und sodann selbst im Falle eines Vertrauensvotums erklären, daß ihn persönliche Gründe zum Rücktritt veranlassen� Präsident Faure werde hierauf Bourgeois beauftragen, die von der Kammer gebilligte Polittk fortzusetzen.— Der„Matin" meldet, der Kassationshof, welcher ans dem Bericht des Obersten Picqnart erfahren habe, daß das Kriegs- Ministerium geheime Akten in der Dreyfus-Angelegenhcit verwahre, werde das Justizministerium um Uebermittelimg der Akten ersuchen. Der Sozialist Dejeantes wird in der Kammer über die Halttmg der Regierung zur internationalen Anarchisten-Kon- f e r e n z interpclliren. Das sozialistische Komitee zur Vertheidigung der Republik hielt gestern seine erste Sitzung ab. Der Redakteur des„Temps" de Presse iis<5. welcher vor eine Kommission von Mitgliedern des Rothes der Ehrenlegion ge- laden war, um über Dinge, die seine Ehre antasten könnten. Er- klärungen abzugeben, sandte dieser Kommission ein Schreiben, in welchem es heißt: Der Vorwurf, daß unter dem Vorwande, die Un- schuld eines Verurtheilten zu beweisen, hefttge Angriffe gegen fron- zösische Offiziere gerichtet worden seien, ist kindisch. Es handelt sich nur darum, zu wissen, ob jene Offiziere schuldig sind. Sind sie es, so ist es Pflicht jedes guten Staatsbürgers um der Ehre der Armee halber, sie mit Verachtung zu strafen und ihre Bestrafung zu fordern. Inzwischen habe ich dasselbe Recht, Henry anzugreifen, wie die Freunde Estcrhazy's und du Path de Clam's das Recht haben, Picquart zu verläumden. Was die Frage anbettifft, ob das Vor- gefallene, wenn erwiesen, meine Ehre antasten könnte, so muß ich es ablehnen, Ihre Zuständigkeit für die Beantwortung derselben an- zuerkennen. Meine Ehre gehört mir und ist so beschaffen, daß sie sich durch Verlust der Ordensdekoration in keiner Weise getroffen fühlt.- PariS, 20. Oktober. Im heutigen Ministerrath theilte der Minister des Auswärtigen D e l e a s s e ein Telegramm des fran- zvsischcn Gesandten in Peking mit, in welchem dieser meldet, daß der Pöbel in Pak-lung einen französischen Missionar und mehrere katholische Chinesen tödtcte und ihre Leichen verbrannte. Der französische Gesandte, welcher unverzüglich euer- gische Vorstellungen machte und Geldentschädigung verlangte, erhielt die Anweisung, dem Tsung-li-Damen zu erklären, daß die französische Regierung sich vorbehält zu handeln, wenn China nicht in kürzester Frist Maßnahmen trifft, welche völlige Sicherheit für das Leben der Missionen gewährleisten.— Spanien. Madrid, 19. Oktober. Nach einer amtlichen Depesche auS Manila kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Amerikanern und den Tagalen, da Admiral Dewey den letzteren untersagt hatte, in Manila die republikanische Flagge zu hissen; beide Theile erlitten Verluste. Die Amerikaner kaperten Fahrzeuge der Tagalen. Ruhland. Warschau, 20. Oktober. Wegen sozialistischer Propaganda wurden in der vergangenen Nacht wiederum zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Die Verhasteten sind meist Techniker, Privatbcamte und Universitätshörer.— Wie der Zar in Deutschland reist. Der„Lübecker Volksbote" berichtet: Auf der Rückreise von Kopenhagen, wo er der Beisetzung seiner Großmutter beigewohnt hatte, passirte der Zar gestern Abend auch unsere Stadt mittels des russischen Hoftrains. Der Bahnhofs- Perron war selbstverständlich hermetisch abgeschlossen und jeder andere Verkehr ruhte auf dem Bahnhofe. Wie ein hiesiges Blatt ge- hört haben will, waren sogar am Bahndamm und an den nach dem mecklenburger Rangirbahnhof ausmündenden Sttaßen polizeilicher- seits Doppelposten fftationirt. Armer Zar! Türkei. Von Kreta. Wie die„Politische Korrespondenz" meldet, kamen die vier Mächte überein, die Gesammtzahl ihrer Triippenkoiitingente auf Kreta ans 14 500 Mann zu erhöhen. Infolge dessen werden weitere 3000 Mann, darunter 1200 Engländer, demnächst nach Kreta abgehen.— Amerika. Buenos AyreS, 19. Ottober. Nach Meldungen aus Santiago de Chile hat das chilenisch e Kabinet seine Entlassung gegeben.—_ Preußische Landtagslvahlett. Eine glänzend besuchte Versammlung der Arbeiter in Brandenburg nahm nach dem Referat des Stadtv. Borgmann aus Berlin ein- stimmig folgende Resolution an: „Nachdem schon Versammlungen in Brandenburg, Rathenow und Werder die Aufstellung eines sozialdemokratischen Kändidaten für die preußischen Landtagswahlen als erwägens- bezw. wünschenswerth erklärt haben, macht die Wiederaufrichtung des freisinnig- national- liberalen Kartells die Aufstellung eines sozialde in akratischen Kandidaten setzt unerläßlich. Die heutige Versammlung beschließt daher mit dem Zentral-Wahllomitee, den Berliner Stadt- verordneten Hutmacher Hermann Borgmann als sozial- demokratischen Kandidaten im Landtags-Wahl- kreiseBrandenburg-Westhavelland-Za u ch-Belzig a u f z u st e l l e n. Die Versammlung fordert nunmehr alle städtt- scheu und ländlichen Genossen im Kreise auf, mit allen Kräften auf den Sieg des Genossen Borgmann hinzuarbeiten, demgemäß am 27. Oktober pünktlich an den Wahltischcn zu erscheinen und auf die Wahl der aufgestellten sozialdemokratischen Wahlmänner hin- zuwirken." .. In LandSberg a. W. vefchlotz eine Volksversammlung nach dem Referat des Parteiaenosscn P atz e l aus Berlin die Bethciligung an der Wahl und zwar*11 Zunsten der frei, innigen Partei, da diese aus Selbsterhalknnqsqriinden für die augenblicklich besonders auf dem Spiel stehenden schwer- wiegenden Rechte der Arbeiter eintreten müsse. In Elmshorn werden unsere Parteigenossen die Wahl des freisinnigen Kandidaten Carstens unterstützen. r p v* r- Betheiligung an der Landtagswahl bcschlosten die Parteigenossen in Görlitz und Salza. In letztereni Orte, einem industriellen Dorfe bei Nordhausen i. Th werden eigene Wahlmänner aufgestellt werden. Ucber die Art der Betheiligung in Görlitz ist näheres noch nicht bekannt. In Heide. Kreis Norderdithmarschen. beschlost eine Parteiversammlung ein- stimmig die Nlchtbetheiligung, weil sich die Freisinnigen betreffs der Bedingungen, die an deren Kandidaten laut Beschlust der lozmldemokratischen Kreiskonferenz gestellt worden war. mehr oder weniger ablehnend geäustert hatten. Der Beschlust der Heider Ver- fcmimlimg ist für den ganzen Kreis bindend. ~ wfzZett. B-theilignng au dc» Stadtverordnctcn-Wahlen beschlossen die Parteigenossen Elmshorns. Eine P arteivcrs ammlung für die beiden Wahlkreise Leipzig Stadt und Land, die sich mit� den Verhandlungen des S t u t t- ü0-1,* e.r Parteitags beschäftigte. nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die Versamnilung betont ausdrücklich, dast sie in dem un- verbrüchlichen Festhalten an der altbewährten proletarischen revolutionären Taktik eine Lebensbedingung für den Fortschritt der Partei erblickt. Die politische und die wirthschaftliche Aktion im kapitalistischen Staate, darauf gerichtet, die Arbeiterklasse politisch und materiell zu heben, sind unentbehrliche Werkzeuge und vorbereitende Stadien in dem proletarischen Klassen- und Bcfteiungskampfe, dessen Zweck und Endziel ist die Eroberung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse, die Zertrümmerung der Lohnsklaverei, die Beseitigung des Kapitalismus. Die Parteiversammlung ist bereit, mit aller Energie und in alter Weise den Kampf gegen die Entrechtungs-, Auspowerungs- und Unterdrllcknngspolitik des Klassenstaates fortzuführen. Sie wird da- hin wirken, dast die Sozialdemokratie den Anschlägen auf das Koalitionsrecht und allen Versuchen, das wcrkthätigc Volk unter Ausnahmegesetze zu stellen, als geschlossene taktische Einheit ent- gegentritt." Im 8. hannoverschen Wahlkreise(Hannover Stadt) nahm der Vertrauensmann im vergangenen Verwaltungsjahr 16 314,01 M. ein. Davon wurden?000 M. an die Hauptkassc der Partei gesandt. Die Wahlunkosten im. 8. Kreise betrugen rund 4000 M., die Nachbar- kreise wurden init rund 2500 M. unterstützt. An den Wahltagen waren zirka 600 Parteigenossen aus dem 8. Kreise im Dienste der Partei thätig. Als Vertrauensmann wurde einstimmig Lohrberg wiedergewählt. Staatliche Unterstiitzung sozialdemokratischer Vereine in der Schweiz. Die St. Galler Kantonsregierung hat von ihrem Antheil am Reingewinn aus dem eidgenössischen Alkoholmonopol, ivovon V'O zur Bekämpfung der Trunksucht verwendet werden muh, 3000 Fr. an katholische Vereine, Gewerbe-, Lese- und Friedensvercine ze. verabfolgt. davon 450 Fr. an die G r n t I i V e r e i n e in den Orten St. Gallen, Rorschach, Flums, Wattwil, Nicderuzeil, Gokau und Straubenzcll. Die Gütlivereine stehen laut Statut auf dem Boden der Sozialdemokratie.� Polizeiliches. Gerichtliches-c. — Redakteur Müller von der M a g d e b u r g e r„Volks- stimme" war vom Landgericht daselbst wegen'Beleidigung der prcustischen Richter zu drei Monaten Gefängnist verurthcilt.' Das Urlheil ist jetzt vom Reichsgericht aufgehoben' und die Sache an das- selbe Gericht zurückverwiesen worden. — Ein überaus h a r t e s U r t h e i I ist wieder gegen den aus Schlesien gebürtigen, zuletzt in Jüterbog beschäftigt gewesenen Weber Pawera gefällt worden. Pawera, der sich früher in Hohensteiu-Eriistthal i. S. aufhielt und vom Landgericht in Zwickau im Jahre 1895 wegen Majestätsbeleidigung zu 1 Jahr und ini Jahre 1897 Ivegen Beamtenbeleidigung zu 2 Monaten Gefängnist verurthcilt ivordcn ist, hatAnfang dicsesJahres in einemSchreiben an die Amtshauptmann- schuft Glauchau den Gendarmerie-Brigadier F r i tz s ch e einer falschen Aussage gegen ihn bezichtigt. Wegen dieses Schreibens wurde Pawera am 19. Oktober vom Landgericht in Zwickau zu einem Jahre Gefängnist verurtheilt und sofort in Haft genommen. Die Ver- urtheilung erfolgte, wie uns mitgetheilt ivird, auf grund des§ 186 dos Strafgesetzbuches, welcher lautet:„Wer in Beziehung auf einen anderen eine Thatsache behauptet oder verbreitet, welche den- selben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herab- zuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Thatsache erweislich wahr ist, wegen Beleidigung mit Geldstrafe bis zu 600 M. oder mit Haft oder mit Gefängnist bis zu einem Jahre, und wenn die Beleidigung öffentlich oder durch Verbreitung von Schriften, Ab- bildungen oder Darstellungen begangen ist, mit Geldstrafe bis zu 1500 M. oder mit Gefängnist bis zu zwei Jahren bestraft." Da es sich bei Paweräs Vergehen um keine öffentliche Beleidigung handelt, hat das Zwickauer'Gericht»lso auf das höchste Straf- m a st erkannt, das angewendet iverden konnte! — In Hildesheim erhielt der Parteigenosse E V e r s ein auf 15 M. lautendes polizeiliches Strafmandat, weil er einen andern Parteigenossen, den Malermeister Stephan,„bestimmt und ver- anlastt" habe,„einen ö.f f e n t l i ch e n A u f z u g von einigen hundert Personen mit. Musik vom alten Schützenhause aus in der Richtung nach dem Moritzberg zu führen, ohne dast dazu die polizeiliche Genehmigung eingeholt gewesen wäre." Es handelte sich um eine Landpartie. Stephan, der sie angeführt hat, empfing kein Straf- mandat. Die Hildesheimer.Polizei scheint demnach die Anstiftung einer Uebelthat für schlimmer zu halten als die Ucbelthat selbst. In Verfolg Tilgung zur Ge MzAf'tliiJjes. Berlin und Umgegend. An die Musikinstrumenteu-Arbeiter Berlins! des Beschlusses, die Sammelkarten der Streiffchulden allgemeinen Kontrolle abzustempeln, bitten wir die Vertrauensmänner, welche den Vertrieb der Marken besorge»,� dast sie iin-Monat November an einem ihnen selbst überlasscnen Sonnabend die Karten zur Kontrolle resp. Abstempelung mitbringen. An diesen Abenden iverden im Lokale von Zubeil, Lmdenstr, 106, und Heinrich. Naunyn- straste 78, je zwei KommissionSmitglieder anwesend sein. Die Kommission. Achtung, Vergolder! Die Differenzen bei der Firma Neu- mann, Henmg u. Komp. sind beigelegt. Der Verband der Vcrgolder(Filiale Berlin) veranstaltet am nächsten Sonntag in Kellert Festsälen, Koppenstr. 29, eine Matinee zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kollegen. In anbetracht des guten Zweckes werden alle Freunde und Genossen dazu höflichst ein- geladen. Deutsches Reich. Ein Verband der Kellner nnd Gasthosangestcllten„auf christlicher Grundlage" wurde dieser Tage in Köln ins Leben ge- rufen. Er soll zunächst am Orte der Gründung ausgebaut, dann über ganz Deutschland ausgebreitet werden. Die eigentlichen Ver- anstalter waren katholische Geistliche. Als erster Redner trat ein Graf von der Sch Ulenburg auf. Die ultramontanen Herren gingen sehr geschickt vor. Sie beliebten in der Kritik der schändlichen Zustände im Wirths- und Gasthofsgewerbe mehrfach einen derben Ton: auch an Schmeicheleien- für die Kellner liesten sie es nicht mangeln, so dast die dreihundertköpfige Versammlung einige Male in lärmenden Beifall ausbrach. Wer die Kölner Klerikaldemagogen kennr. wird in diesem ihren neuesten Unternehmen nichts als den ersten Schritt in der Agitation für die nächstens stattfindenden Gewerbegcrichts- Wahlen sehen. Auch vor den letzten Gewerbegerichts- Wahlen gab man sich von klerikaler Seite bedeutende Mühe um die Gewinnung der Kellner: und es gelang auch in der That, in der Gruppe der Nahrungsmittei-Jndustrie die christlich-sozialen Kandidaten durchzubringen. Man hatte aber arges Pech mit dem gewählten Verircter der Kellner, denn der Herr verbüßt zur Zeit eine längere Gefängniststrafe ivegen Betrügereien. Es ist nicht leiibt. Kellner zu organisiren. Nur wenn es den Gründern des neuen christlich-sozialen Verbandes gelingt, die Stellen- vermittelung in die Hand zu bekommen, dürste er eine Zukunft haben. Die Stellenvermittelung ist unserer Meinung die einzige Seite, wo die infolge, ihres Gesundheit und Charakter gleichermasten schädigenden Berufs vielfach energielos geivordenen Kellner zu interessiren sind. Eine Organisation, die sie der mastlosen Ausbeutung durch die Placirungsbureaus zu entziehen vermag, wird die Kellner dauernd an sich fesseln. Ob die Gründer dazu den Willen und die Macht haben, must abgewartet werden. Im übrigen aber haben wir uns an den Ausführungen der Einbcrufer der Versammlung überzeugt, daß der neue Ver- band wieder ein Mittel sein wird, das den Zwecken der Zentrumspartei dient. Sonst schien man über sein Wesen noch nicht klar zu sein; denn der Vorsitzende der Versammlung, Ober- kcllner Barsch, meinte, er solle„ein freier politischer Verein" sein; Kaplan Hestdörfser will die Mitglieder nicht geftagt wissen, welcher Religion oder welcher Partei sie seien; Pfarrer D r i e h e n aber wünscht das„Christliche" schon im Namen festzulegen. Und während nach ihm alle konfessionellen und parteipolitischen Er- örterungen ausgeschlossen sein sollen, wird in dem Programm des Vereins die Vorbereitung und Durchführung der Gewerbegerichts- Wahlen in christlich-sozialem Sinne als eine Hauptaufgabe genannt. SluSland. Der Streik der Wiener Buchbinderei-Arbeiter ist noch nicht beigelegt. Die Unternehmer wollen die Ausständigen zur bedingungslosen Unterwerfung zwingen und rechnen mit dem Elend, in dem sich die Buchbinderei-Arbeiter befinden. Von den Löhnen, die sie vor dem Ausstand bezahlten, konnte kein Arbeiter Ersparnisse machen, das wissen die Meister genau. Sie wissen auch, dast eine größere Unterstützung nicht gewährt werden kann, und denken, der nahe bevorstehende Miethzins müsse die Ausständigen mürbe machen. Dagegen läßt die Stimmung in den Kreisen der Streikenden eine solche Schlustfolgcruug keineswegs zu. Ter Verein der schweizerische» Telegraphen-, Post- und Zollangestelltcn hat an die Bundesversammlung, welche sich mit der Revision des Gesetzes betreffend die Arbeitszeit bei den Transportanstaltcn beschäftigt, eine Eingabe gerichtet mit folgenden Forderungen: Unterstellung des sämmtlichen Personals mit 9stündiger täglicher Arbeitszeit unter das Gesetz, Beschränkung der täglichen Arbeits- zeit der Beamten auf 10, höchstens 11 Stunden, Beschränkung des Nacht- dienstes der Angestellten innerhalb 14 Tagen auf höchstens 7 Nächte, Verlängerung der Ruhetage auf mindestens 36 Stunden, jährlicher Urlaub der Beamten und Angestellten auf 8 Tage. Beschränkung der Kompetenz des Bundesrathcs zu ausnahmsweiser Verordnung be- treffend den Güterdienst und Schaffung eines Jnspektorats für den Vollzug des Gesetzes. Wie auS Santiago gemeldet wird, sind die Angestellten der Eisenbahnen und Salpeterwerke in den Ausstand getreten. Sozittlrs. Arbeiter- Risiko. In der B r i k e t t f a b.r i k auf M e u r o- st o l I n bei Scnftenburg wurde der Hilfspresser A. Schiller von einem Schwungrade erfaßt, durch die Grube, in welcher das chwungrad läuft, geschleudert und dabei vollständig zerschmettert. Vcrmuthlich ist auch dieser betrübende Unglücksfall eine Folge des Mangels an genügenden Schutzvorrichtungen. BolkSvorstcllungen zum Einheitspreise von 40 Pf. pro Billct hat die Intendanz des Hoftheaters in Koburg auf Veranlassung des G e w e r k s ch a f t s k a r t e l l s eingeführt. Am 1. Oktober wurde die Oper„Der Waffenschmied" gegeben. Der großartige Erfolg dieses Versuchs hat die Intendanz veranlaßt, die zweite Vorstellung bereits auf den 23. Oktober anzuberaumen. ES wird Sudermanäs„SchmctterlingSschlacht" aufgeführt werden. 03 e v js- B s if im � Den Werth eines menschlichen Trommelfells hatte gestern die I. Strafkammer des Landgerichts I bei Gelegenheit der Ver- Handlung einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung zu be- messen. Angeklagt war der Eigenthümer und Restaurateur Buchow. Dieser hatte sich dazu hinreisten lassen, einem Bauunternehmer, der etwas schlechtes über ihn geäußert hatte, bei einem Zusammentreffen in einem Lokal einen Fau'ftschlag in das Gesicht zu versetzen. Der- selbe halte die bösesten Folgen. Dem Geschlagenen war das Trommelfell geplatzt und die Verletzung war eine so starke, dast nach Bekundung des behandelnden Arztes es sehr fraglich ist. ob nicht noch weitere- Komplikationen eintreten werden Der Gerichtshof verurtheilte den Angeklagie» zu 2 Monaten Gefängnist und legte ihm auch eine an den Verletzten zu zahlenden Buße von 3000 M. auf. Eine Anklage wegen versuchten bezw. vollendete» Betruges. welche namentlich in Konfektionskrcisen Jnteresie erregte, gelangte gestern vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung. Aus der Untersuchungshaft wurden der Kaufmann Ludwig Weinert und der Konsul Leopold Auerbach vor- geführt. Weinert wurden vier Fälle des versuchten Betruges zur Last gelegt, an deren einem sich Auerbach betheiligt haben soll. Außerdem :oll sich Weinert noch eines vollendeten Betruges zum Nachthcile des Mitangeklagten Auerbach schuldig gemacht haben. Weinert war Mitbesitzer der Tuch-Engros-Firma Weinert u. Cohn. Im Frühjahr dieses Jahres ist sowohl Weinert als auch Cohn wegen Verdachts des betrügerischen Bankrotts verhaftet worden, bald folgte ihnen der Konsul Auerbach unter dem Verdacht der Beihilfe in das Unter- älchuiigsgesäiigliiß nach. Bei dem jetzigen Prozeß handelt es sich nicht um diese Bankrottssache, sondern um selbständige Vergehen. Ein Kaufmann Tepper, der im Januar 1897 in der städtischen Irren- anstatt Herzberge verstorben ist, stand in Geldverkchr mit Weinert u. Cohn iind einige Wechsel desselben sind zu billigem Preise von dem Angeklagten Auerbach erworben worden. Es entstanden höchst verwickelte geschäftliche und finanzielle Transaktionen. deren Wiedergabe den Rahmen eines Gerichtsberichts weit überschreiten würde. Der in Herzberge verstorbene Kaufmann Tcppcr hatte sich bei der Berlinischen Lebensversicherungs- Gesellschaft mit 30 000 M. eingekauft und aus einen Thcil dieser Summe erhoben die Angeklagten Anspruch, obgleich die ihnen zustehende Forderung an Tepper durch anderweitige Rcgulirungen bereits be- glichen war und sie keinen Anspruch mehr an ihn harren. Die An- klage warf den Angeklagten vor, daß sie dolose gehandelt baben, da ihnen die wirkliche Sachlage bekannt sein mußte, und stützte sich dabei wesentlich auf das Gutachten des gerichtlichen Bücherrevisors Engelmann, dem die mühsame Ausgabe zugefallen war, aus den Büchern die verwickelte Sachlage zu erklären. Die Rechtsanwälte Dr. Wurm, Hugo Sachs und Dr. Philipp Fr ä n k e l suchten in längeren Ausführungen den Nachweis zu erbringen, dast die Angeklagten in gutem Glauben gehandelt haben und nur Zivilrecht- liche Fragen vorliegen, die vom Strnsrichtcr nicht zu entscheiden eien. Der Gerichtshof erachtete aus grund der umfangreichen Beweis- aufnähme den Angeklagten Weinert des versuchten Betruges in zwei Fällen und des vollendeten Betruges in einem Falle, den Angeklagten Auerbach des versuchten Betruges in einem Falle für schuldig und verurtheilte Weinert zu neun Monaten, Auerbach zu d r e i M o n a t e n G e f ä n g n i st. � Gegen die Direktion der Diskonto-Gesellschnst schwebt zur Zeit ein Prozeß, der in Börsenkreisen viel von sich reden macht. Das Verfahren ist angestrengt von den Erben des Kousuls U. zu Dresden. Diese gründen ihren Anspruch darauf, daß die Direktion der Diskonto-Gesellschaft, welche bekanntlich die Dortmunder Union finanzirt hat, zu einer Zeit, wo ihr bereits die mistlichen Verhält- nisse dieser Gesellschaft bekannt waren, günstige Nachrichten über die Gesellschaft in die Zeitungen lancirt und dadurch die Kläger, welche im Besitz von Stammprioritäten der Dortmunder Union waren, veranlaßt Habel von einem beabsichtigten Verkauf dieser Papiere abzusehen. In der Presse war ursprünglich die Nachricht erschienen, daß die„Dortmunder Union" an dringendem Geldbedarf leide und sich ohne neue erheb- liche Kapitalzuschüsse nicht werde helfen können. Bald darauf folgte ein Dementi dieser Nachricht, durch das die� Kurse wieder zum Steigen gebracht wurden. Nach einiger Zeit bestätigte sich jedoch die erste Nachricht und die Kurse sanken rapide. Die Kläger haben schließlich die Papiere zu einem sehr niedrigen Kurse verkaufen müssen. Seitens der Kläger wird nun behauptet, daß das Dementi, durch welches' sie von dem geplanten Verkauf abgehalten und zum weiteren Halten der Papiere bewogen worden seien, von der Diskonto-Gesellschaft. als dem Bankhause der„Dort- munder Union" inspirirt worden sei und dast diese an dem bei dem späteren Verkaufe der Papiere entstandenen Verlust die Schuld trage. Die Diskonto-Gesellschaft bestreitet, das ftagliche Dementi irgendwie veranlaßt zu haben, ohne den darüber zugeschobenen Eid bis zu einer weiteren Präzision desselben vorläufig annehmen zu können, Sie behauptet aber auch, daß die in dem„Dementi" ent-- haltene Nachricht richtig gewesen sei, da darin nur die Mirtheilung enthalten gewesen sei, dast„vorläufig" die Beschaffung neuer Geldmittel nicht beabsichtigt sei. Ueber diese Punkte wird erst durch Vernehmung der Direktionsorgane bezw. der Börsenredaktcure Klarheit geschafft werden können. DieAngelegenheit gewinnt dadurch um so inehr an Interesse, als, wie man sich erinnern ivird, bereits vor mehreren Jahren einmal die Diskonto- Gesellschaft wegen unberechtigter Empfehlung von Dortmunder Union zu Schadenersatz verurtheilt ist. Der vorliegende Prozeß dürfte für die wichtige Frage, betr. die Haftbarkeit für Zeitungsmeldungen, von weittragender Bedeutung sein. Die Kläger werden von Rechtsanwalt Dr. Ju'l. L u b s z y n s k i, die Diskonto-Gesellschaft von Justizrath Fr. Ernst vertreten. Für die heute bor dem Schwurgericht stattfindende Ver- Handlung des Prozesses Grünenthal wird gleich nach Ver- lesung des EröfsnungSbeschlusseS und Feststellung der Personalien der beiden Angeklagten Elly Goltz und Wwe. Eichlcr die Oeffentlichkeit ausgeschlossen werden, möglicherweise wird von der Staatsanwaltschaft auch der Antrag gestellt werden, den Ge- schworenen und den übrigen an der Verhandlung Betheiligtcn ein Schweigegebot aufzuerlegen. Da die beiden Angeklagten nur wegen Begünstigung des Grünenthal angeklagt sind, must natürlich zu- nächst festgestellt werden, daß überhaupt strafbare Hand- lungen des Grünenthal vorliegen. Die Verhandlung ivird sich deshalb trotz des inzwischen erfolgten Ablebens des Grünenthal auf dessen gesammte Fälscherthätigkeit erstrecken und es werden alle Einzelheiten der Herstellung der Reichsbanknoten, der Aufbewahrungs- und Vernichtungsart der bei der Herstellung ent- stehenden Fehldrucke und kleberschüsse u. s. w. den Geschworenen vorgeführt werden müssen und aus diesem Grunde ist der Ausschlust der Oeffentlichkeit geboten. Für diesen Theil der Verhandlung sind der Ober-Betriebsinspektor H e r m s e n, der Geheime Regierungsrath Mendt von der Reichsdruckerei und der Postrath D i b c l i u s als Sachverständige geladen. Es gicbt noch milde Richter. Die Strafkammer III des Hamburger Landgerichts verurtheilte den zweiten Offizier des in Hamburg beheiniatheten Dampfers„Senta", Theodor F e r d. Pohle, der auf hoher See den 15 jährigen Schiffsjungen A. wegen einer Vergeßlichkeit so mit einem Tauende geprügelt hatte, dast der linke Arm gebrochen war, und der dem Jungen, als der Schiffsarzt ihm den Arm in die Schlinge gelegt hatte, die Schlinge mit einer rohen Bemerkung wiederfortgerissen hatte, zu einer— Geldstrafe von 150 M. Der Staatsanwalt hatte die Rohheit der That betont und 6 Monate Gefängnist beantragt. Das Gericht nahm jedoch an, dast derAngeklagte die schwere Folge der Mißhandlung nicht beabsichtigt hatte und daß sie auch nicht vorauszusehen war. Mit diesem Urtheil gegen den rohen Schiffsoffizier, der nicht berechtigt war, dem Schiffsjungen auch nur einen einzigen Backenstreich zu versetzen, vergleiche man einmal die Urtheile gegen Matrosen und Fcuerleute, gegen die es � gleich Monate Gefängnist hagelt, wenn sie infolge schlechter Behandlung vom Schiff desertiren oder wenn sie. weil sie schlechte Nahrung erhalten, einmal für einen Moment die Arbeit verweigern! Magdcbnrgisches. Kaum eine Woche vergeht jetzt, ohne dast die fast weltbekannt gewordenen drei Ordmings- und Gcrechtigkeits- saktoren zu M a g d e'b u r g, so Polizei, Staatsanwalt und Gericht benamset sind, sich nicht irgend eine unangenehme Korrektur ihres Eifers gefallen lassen müssen. Der Vorsitzende der Zahlstelle Ham- bürg des Verbandes der Maurer, H u g o K o b e r, war durch amtsrichterlichcn Strafbefchl zu acht Tagen Gefängnist verurtheilt, weil er„unbekannten Thätcrn" Beihilfe zum Vergehen gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung dadurch geleistet haben sollte, daß er ein während des Magdeburger Bauarbeiter st reiks an italienische Maurer, die als Streikbrccber herangezogen werden sollten, gerichtetes Flugblatt als verantwortlicher Verleger gezeichnet hatte. Das Ver- fahren war auf Betreiben der Magdeburger Staats- a n lv a I t s ch a f t gegen ihn eingeleitet worden. Kober erhob gegen den Strafbefchl Widerspruch und erzielte seine kostenlose Frei- sprechung. Selbst der Staatsanwalt sah von einem Strafantrag ab. weil er absolut nicht finden konnte, worin das Vergehen gegen § 153 G.-O. liegen sollte. Vrkzke Llodivirfitün«nd Depeslhen. Mecheln, 20. Oktober.(W. T. B.) Zwischen Mecheln und Terneuzen stieß heute Vormittag ein Personenzug mit einem Güter- zuge zusammen. Ungefähr zwanzig Personen wurden verwundet, unter ihnen einige schwer? der Materialschaden ist bedeutend. Paris, 20. Oktober.(W. T. B.) Der„Tcmps" bemerkt zu der Rede, welche der englische Schatzkanzlcr Hicks-Beach gestern in North Shield's hielt: Es wäre kindisch, die ernste Bedeulung der Rede zu leugnen. Wenn die englische Regierung sich den An- schein giebt, als ob sie die Brücken hinter sich verbrennen würde, must sie wissen, dast ihre Haltung auf die öffentliche Meinung in Frankreich eine Rückwirkung ausüben und die ohnehin schwierige Aufgabe der Diplomatie immer schwieriger gestalten wird. Paris, 20. Oktober.(W. T. B.) In einer Kundgebung des Munizipalrathes von Paris heißt es, da Forschungsreisen und 5iöloiiialexpcditioncn den Nationen immer als Werke der Zivilisation hingestellt würden, so wünsche der Munizipalrath, dast die französische Regierung, ohne die materiellen und moralischen Interessen des Landes zu vernachlässigen, alles ausbiete, um einen schweren Koufiitt mit England wegen der Faschoda-Frage zu vermeiden. Nordenham, 20. Oktober.v a n z i g lehi»ten eine Wahl ab. Nunmehr erfolgte die Berichterstattung der Delcgitten von» Stuttgatter Parteirag. Jakob schilderte den Enipfang, der den Delegirten in Stuttgart geivorden. Es war, als sei man nicht mehr in Preußen-Deutschland. Zivei kleine rothe Fahnen be- zeichneten den Empfangsramn, der im Bahnhof selber von der Ver- »valtnng zur Verfügung gestellt war. Am Gcwerkschaftshause»var der Balkon nach der Straße zu roth dekorirt. Arißerordentlich sympathisch berührte uns die Autnahme. die uns die Stuttgatter Ge- nossen bereiteten. Herrlich war das Vorsest. Geiwssen, die schon oft an Parteitagen theilgenommen haben, erklärten, daß sie solchen Empfang noch nicht erlebt hatten.— Redner gab nun ein Bild von den Ver- Handlungen, soweit sie sich auf den Bettcht über die Thätigkeit des Vott'tnndeS bezogen. Was den„Vorwärts" bettifft, so meii»te Lieb- knecht zwar, daß sich auf die Dauer seine beiden Funktionen. Lokal- blatt und Zentralorgan zu sein, nicht vereinigen ließen. Wir aber Preßkonimission stets an der Haltung des gelvesen, er habe ganz ausgezeichneter nicht mehr so frisch der Kaiserin Elisabeth find damit zufrieden, daß beide Funktionen mit einander verbunden find. Gewiß haben wir Opfer dafür zu bringe»», aber wir haben auch Vortheile davon.— Der zweite Delegirte Lankow schilderte eingehend die Verhandlungen des Parteitages über das Koalitionsrecht, die Landtagswahlen und den Bergarbeiterschutz. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versainmlung. In der unter dem Vorsitz von D i m n» i ck tagenden, äußerst zahlreich besuchten Versainmlung des dritten Wahlkreises erstattete zunächst der bishettge Vettrauensmann Fritz Bettcht über das ab- gelaufene Jahr. Aus deinselben geht u. a. hervor, daß allein während des Wahlkampfes im Kreise 34 Versammlungen stattfanden. Die Eii»i»ahmen betrugen 11 733,81 M, dar»»»ter 4440,26 M., die für die Wahl eingingen, die Ausgaben beliefen sich auf 11 595,60 M., »vovon 3215,25 M. für die Zwecke der Wahl verivendet wurden. An diesen Bericht schloß sich eine lebhafte, mehrstündige Diskussion, die theils rein persönlicher Natur war, theils die verschiedenen, im Kreise vorhandenen Strömungen zum Ausdruck brachte. T h i e in e und Mahle»varfen den» Verttanensmann vor, daß er nicht alle Genossen, die dazu bereit waren, zur Arbeit herangezogen und daß er die Beschlüsse der Majorität nicht immer geachtet habe. Viele Genossen seien von ihm direkt vor den Kopf gestoßen Wörde»». Mahle tadelte es namentlich, daß Fritz chls dazu beigetragen habe, damit die von dem Genossen Hcuu r Fraktion gegenüber abgegebenen Erklärungen weiteren Kreisen vekannt würden. Nach- dem Fritz die gegen ihn erhobenen Vorivürfe als unberechtigt zurückgewiesen hatte,' ttchtcte Metallarbeiter Cohen unter lebhaftem Widerspruch dieselben Angriffe von neuem gegen den bisherigen Ver- trauensmann, worin er von Muschel unterstützt wurde. Auch T s ch e r n i g bezeichnete das Verhalten von Fritz im letzten halben Jahre als eines Vertrauensmaiines unwürdig, während Hoch mit warinen Worten für Fritz eintrat, der stets die Majorität geachtet und seine Schuldigkeit in überaus reichen» Matze gethan habe. Es sei ein Diiig der Uninöglichkeit, daß ein Verirauensniann es allen recht mache. Nach weiterer»»»»erheb- sicher Debatte, an der sich Wilhelm, Fritz, Pansch, T h i e m e und Schlegel betheiligten, wurde auf Antrag des Revisors K r ä k e r dem Vertrauensmann Decharge ertheilt. Bei der iiui» folgenden Neulvahl des Vertrauens- mannes knüpfte sich eine längere Debatte an einen Antrag Fröhlich, in Zukunft zwei Vertrauensmänner zu wählen und die Wahl durch Stimmzettel zu vollziehen; der Aiitrag Ivurde ab- gelehnt. Vorgeschlagen wurden z»»»» Vertrauensmann Fritz, Mahle, Wilhelm und Wagner. Die beiden letzteren verzichteten allf eine Wahl. Fritz erhielt 192, Mahle 78 Ssimmen. Hierauf erstattete Wartenberg den Bericht der Preß- kommisson. Seitens der Redaktion des„Vorwärts" und seitens des Parteivorstandes habe die großes Entgegenkommen gefunden. Auch „Vorwärts"' sei nicht viel auszusetzen namentlich während der Wahl sich in Weise bcivährt. Nach der Wahl sei er gewesen, und gelegentlich der Ermordung habe er nach Art der bürgerlichen Blätter zu viel über die Leichen- feierlichkeiten u. drgl. gebracht. Der Zuwachs an neuen Abonnenteil sei nicht ganz so groß gelvesen, wie bei früheren Wahlen. Redner schloß n>'it einen» Appell an die Genossen, darauf hmznwirken, daß die sogenannte parteilose Presse aus Arbeiterkreiscn verschivindet und daß die Genosse»», die mit dem„Vorwärts" nicht zufrieden sind. sich in Zukunft vertrauensvoll an die Preßkommission»venden, nicht aber ihre Beschivcrden ohne iveitcrcs in öffentlichen Volksvcrsain»»»- luiige» anbringen mögen. A h l b o l d beantragt, von der Wahl von Mitgliedern für' die Preßkommission Abstand zu nehme»», da die Mitglieder dieser Kommission doch nur Puppe»» wären(Widerspruch); er habe diese Erfahrung als Ver- trauensinann der Hausdiener machen»nüssen. K r ä k e r glaubt, daß die Bcschiverden über den„Vorwärts" nicht eher auf- hören werden, als bis das Blatt reines Berliner Lokalblatt wird. Der Fall Stadthagen habe bewiesen,»vie diejenigen heruntergemacht »verde»», die etivas sagen, was den Redakteuren nicht paßt. Auch sei es zu tadeln, daß der„Vorwätts" die»vissenschastlicheu Auseinander- setzungen zwischen Bernstein und Kautsch der„Neuen Zeit" zulvcist. Jeder Arbeiter könne sich doch diese Zeitschrift nicht halten, für solche Fragen müsse Rann» im„VonvärtS" geschaffen»Verden. Miliar g tadelt die Aufnahme von Anzeigen der Firma Tack u. Komp. Wilhelm fragt an, aus welchen» Grunde die Vertreter des dritten Wahlkreises in der Prcßkominission nicht für den Antrag eingetreten sind, daß ein Mitglied dieser Kommission das Recht der Delegation ans den Parteitag haben solle. Franc ist der Ansicht, daß der„Vorwärts" zu abhängig von dein Partei« vorstände sei und daß er zu»vcnig bringe. Es empfehle sich, den Antrag Ahlbold anzunehmen. S ch ö l z e l vcrtheidigt die Preßkominissioi» gegen die verschiedenen Angriffe. Den Antrag, betr. Entsendung eines Vertreters auf den Parteitag hätten die Vertreter des dritten Kreises deshalb»ficht unterstützt,»veil der Wahlkreis, nicht aber die Preß- kominission über so wichtige Aendenuigen zu entscheiden habe. Eine große Anzahl von Mitgliedern des dritten Kreises, mit denen er Rücksprache gcnonimcn habe, sei gegen diesen Ai»ttag ge- »vesen. Dr. Brau n legt in längeren Ansfiihruugeu den Standpunkt der Redaktion des„Vorivärts" zu allen in der Debatte aufgeworfenen Fragen dar und weist ziffernmäßig nach, daß der„VortvättS" seit der letzten Rejchstagsivahl um 4000 Abonnentei», seit dein ersten Quartal 1890 bis heilte von 13 500 a»lf 52000 Abonnenteil gestiegen sei. Der Einfluß der Berliner Genossen auf das Zenttalorgan sei in Wirklichkeit»vcit größer als der Einfluß irgend Ivclchcr Genossen in anderen Städten ans ihr Lokalblatt. Nach einigen iveitcrci» Rickitigstellnngei» von Wartenberg wird die Debatte geschlossen und nachden» der Antrag Ahlbold mit großer Mehrheit abgelehnt ist, zur Neuwahl von zwei Mitgliedern der Preßkonnnission geschritten. Vorgeschlagen w'erdei» Wartenberg, Hinze, welche sich zur Annahme bereit erklären, A h l b o l d, welcher ablehnt, und Franc, welcher die Erklärung abgiebt, er würde eine Wahl an- nehmen, obgleich er die Preßkominission i»nr für eii»e Schatten- kominission hält.(Heiterkeit.) Es erhalten Stimnien: Warten- b e r g 120, Hinze 105, Fjr a n c 71. Die beiden erstgenannten sind damit geivählt. Hierauf wird gegen �/«1 Nhr die Erledigung des Restes der Tagesordnung auf eine demnächst einzuberufende neue Versainmlung vertagt. Der vierte Wahlkreis hielt seine Versammlung in Stechert's Saal in der Andreasstraße ab. Zunächst ivurde der Rechenschafts- bcricht der Vertrauensleute erstattet. Vogt, Ivelcher für Südost berichtete, hatte eine Einnahme von 20 281,52 M., eure Ausgabe von 19 296,97 M., darunter sind folgende Posten: An den Patteivorstand 9500 M., an die Brandenburger Agitatious- kommission 1250 M., für die Koninnniallvahlcn 575,65 M., für die Reichstagsivahlen 2359,40 M., für die Agitation iin Kreise 5609,87 M. Es ist ein Bestand von 984,55 M. vorhanden. Thielke berichtete für den Osten: Die Einnahine bettug 24 231,80 M., die Ausgabe 22 538,90 M.. daruirter: An den Parteivorstaud 8700 M., an die Agitatioiiskoniiuission für Brandenburg 2041 M., für die Reichstagsivahlen 3007 M., für die Konmiuiialivahlen 789,30 M. Es bleibt ein Bestand von 1690,30 M Auf Antrag der Revisoren wiirde den Vertrauensleuten ohne Debatte Decharge ertheilt. Nachdem W e n g e l S einen Bcricht über die Zeittingsspeditioi» des Ostens gegeben hatte, verzichtete die Versanunlung auf einen Bettcht des Spediteurs von Südost und erthcilte beiden Spediteuren Decharge. Bei dem Bericht der Lokalkominission beklagte I e n s ch, daß die Lokalliste von den Genossen leider nicht inrmer beachtet tocrbc. Die Schuhmacher und die Schneider hätten in einem ge- sperrten Lokal in der Johannisstraße Versammlungen abgehalten, und hervorragende Parteigenossen, Rcichstags-Abgeordncte und An- gestellte des„Vorwärts" hätten Bier in gesperrten Lokalen getrunken. Aus der Versammlung wurde die Nennung von Namen verlangt, darauf nannte Blume die Redakteure Rob. Schmidt und Dr. Braun, sowie den Rcichstags-Abgeordneten Heine als solche Personen, die gegen die Lokalsperre vcrstotzen haben. Ein anderer Redner fügte noch die Namen Rich. Fischer und Pfannkuch hinzu. P ö tz s ch be- merkte hierzu, er wolle keinen Verstoß gegen die Lokalliste ent- schuldigen, aber Rob. Schmidt sei nur einmal in einem gesperrten Lokal gewesen, ohne zu wissen, daß es gesperrt ist. Der Dr. Braun gemachte Vorwurf beruhe auf einem Jrrthum des betresiendcn Genossen. Die anderen Personen seien, als sie aus einer Versammlung kamen, im Begriff gewesen, in den Altstädter Hof zu gehen, aber, auf ihr' Versehen aufmerksam gemacht, wieder umgekehrt. Nachdem Kaiser dre Nichtbeachtung der Lokalliste seitens bekannter Parteigenossen scharf vcrurthcilt hatte, beschloß die Versammlung, über diese Angelegenheit zur Tages- ordnung überzugehen. Dw Resultate der Wahlen der Vertrauensleute, der Lokal- und Zeihmgs-Kommission, sowie der Revisoren sind bereits gestern mitgethcilt. Die Wahl der Preß-Kommission wurde auf Antrag Ad. H o f f m a n n' s bis nach dem Bericht vom Parteitage zurück- gestellt, da dieselbe, wie der Antragsteller ausführte, beeinflußt werde von der Haltung des Parteitages zu den von Berlin zum Punkt Presse gestellten Anträgen. Den Bericht vom Parteitage erstattete Voigt. Er bemerkte unter anderem, er habe nicht, wie in einem Artikel des„Vorwärts" gesagt wurde, gegen die Doppelstellung des„Vorwärts" als Zentral- und Lokalorgan gesprochen. Auch er sei der Meinung, daß das Bestehen eines besonderen Lokalorgans für Berlin nicht rathsam sei, aber er habe der Meinung Ausdruck gegeben und stehe auch noch auf dem Standpunkt, daß der„Vorwärts", wenn er in weitere Kreise eindringen wolle, dem Wunsche der kleinen Geschäftsleute nach einem Handelstheil und dem Verlangen der Parteigenossen nach Verbilligung Rechnung tragen müsse. Adolf Hoffmann führte in der Diskussion aus: Es wäre vielleicht besser gewesen, der Parteitag hätte sich über die Solinger Angelegenheit deutlicher aus- gesprochen, wie es geschehen. Er iRcdner) habe über den Fall Solingen viel Material, was er sich für spätere Zeit aufheben werde. In der Landtagswnhlfrage sei ja der Zankapfel in sehr geschickter Weise vorläufig aus der Welt geschafft. Daß sich der Parteitag später nicht mehr mit dieser Frage beschäftigen brauche, dafür würden unsere freisinnigen Gegner sorgen. Der Redner äußerte sich mißbilligend über die Ablehnung des Antrages, welcher eine Vertretung der Preß- kommisston auf dem Parteitage verlangt. Die Berliner Genossen dürften es sich nicht gefallen lassen, daß der Antrag in so billiger Weise abgelehnt worden sei. Die Versammlung müsse protcstircn gegen die Art der Ablehnung und gegen die Ausführungen, die Auer zu dem Antrage gemacht hat. P ö tz s ch trat den Ausstellungen. die sowohl auf dem Parteitag. als bei anderen Gelegenheiten am„Vorwärts" gemacht wurden, entgegen. Ob die Preßkommisston auf dem Parteitage vertreten sei oder nicht, darauf komme es wohl weniger an. Die Berliner Pretzkommission sei eine Institution, die nur den Berliner Parteigenossen verantwortlich sei, nicht der Gcsammtpartci. Dieser gegenüber habe der Parteivorstand Rechenschaft abzulegen. Aus diesen Erwägungen heraus sei man seiner Meinung nach wohl zur Ablehnung des Antrages gekommen. Eine Benachtheiligung Berliner Interessen könne er darin aber nicht finden. Auch der von Voigt geäußerten Anschauung, es werde den Wünschen der Berliner Parteigenossen nicht genug Rechnung getragen, müsse er entgegentreten. Der lokale Thcil des„Vorwärts" sei mindestens so reichhaltig als der anderer Berliner Blätter. Der„Lokal- Anzeiger" habe trotz seiner 8— 10 Beilagen häufig genug lange nicht so viel redaktionellen Text, als der„Vorwärts" bei 3 oder 4 Bogen, von der Qualität des Lesestoffes ganz abgesehen. Man müsse auch endlich nnteriasscn, den Genossen immer wieder vorzureden, daß sie nicht genug Einfluß auf die Haltung des„Vorwärts" haben,' wie es auch Genosse Hoffmann wieder versucht habe. Thatsächlich habe die Preßkommission alle Rechte und den Wünschen der Parteigenossen werde in jeder Hinsicht Rech- nung getragen. Die Sache sei nur vielfach so, daß die Mitglieder der Kommission bei Beschwerden sich überzeugen, daß die Redaktion inl Recht war. und das werde dann von Einzelnen als„Schwäche" hingestellt. Diese fortgesetzten, zum größten Theil unberechtigten . Angriffe könnten natüriich auch nicht dazu beitragen, den Abonnenten- stand zu heben, noch die Arbeitslust der Redakteure zu vermehren. Kaiser meinte, es müsse irgend etwas geschehen, damit der„Vorwärts" in weitere Kreise dringen und die bürgcr- lichen Blätter verdrängen könne. Ferner sprach der Redner gegen die beschlossene Gehaltserhöhung des Parteikassirers und eines Sekretärs. Unter Hinweis auf die vorgerückte Zeit und den schon stark geleerten Saal beantragte Erbe, jetzt die Mitglieder der Preßkommission zu wählen. Dem Antrage wurde stattgegeben, ein Antrag Ad. H o f f m a n n's, die Debatte in einer anderen Vcr- saminlung fortzusetzen, abgelehnt. In die Prcßkommijsion wurden gewählt: Paul Hoffmann für Südost und Adolf Hoffmann für Osten mit 80 Stimmen, gegen den bisherigen Vertreter Wilh. Schulz, der mit 77 Stiminen in der Minderheir blieb. Die Debatte über den Parteitag sollte jetzt fortgesetzt werden, da aber der grüßte Theil der noch Anwesen- den sich entfernte, so schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Versammlung im fünften Wahlkreise, die im Schweizer- Garten am Königsthor stattfand, war nur schwach besucht. Zu- nächst erstattete der Vertrauensmann Richter den Bericht über das abgelaufene Jahr. Die Gesanimteinnahmen in demselben betrugen 0092,01 M., die Gesammtausgaocn 5973,49 M., so daß sich ein Be- stand von 118,52 Mark crgicbt. Nach Erthcilung der Decharge werden zur Vertraucnspersoncn für das kommende Jahr Wehls und Lang gewählt. Als Mitglied der Preßkommisston verbreitet sich sodann L i e p m a n n über deren Thätigkeitfl sowie über Zweck und Ziel der Preßkommission im allgemeinen. Die Preßkonnnission sei, und zwar durchaus in Uebereinstimmung mit dem Parteivorstande, von dem Prinzip aus- gegangen, daß sie in allen Angelegenheiten des„Vorwärts" mit zu beschließen und mit zu bestmnnen habe. Die Berliner geben dem „Vorwärts" allein daS Relief, der gesammte Abonnentenzuwachs komme aus ihren Reihen, also habe der„Vorwärts" auch durchaus den: Einfluß der Berliner Prcßkommission zu unterliegen, was mit der Zeit auch immer mehr und mehr geschehe. Redner geht sodann auf die einzelnen Beschwerden ein, mit denen sich die Preß- kommisston zu beschästigen gehabt hat. Als Norm habe da gegolten, daß die Preßkommissiön die erste Instanz sei: erst wenn sie die Sache fallen lasse, dürfe man sich an die Oeffcntlichkeit wenden.- Wer aber die Instanz umgehe, der handle wider das Parteiinteresse. Es werden sodann die Genossen Roth und Fried- I ä n d e r in die Preßkommission gewählt. Busse giebt hierauf den Bericht der L o k a l k o m m i s s i o n, berichtet u. a., daß der Saal des Handwerker-Vereins habe gesperrt werden müssen, weil man mit dem Oekonomcn wegen der Kcllncrstage in Differenzen gerathen sei. Robert Schmidt ist nicht sehr erbaut über diese Sperre. Wir brauchen gerade im fünften Wahlkreise nothwcndig einen größeren Saal, der mitten im Wahlkreise liegt. Da sollte man wegen derartiger Bedingungen sich einen Bersammlungssaal nicht verscherzen. Gegen diese Ausführungen wenden sich mehrere Redner mit großer Heftigkeit, lheilweffe, weil sie offenbar den Redner mißverstanden hatten. Busse, W e g e n e r und Roth wenden sich gegen jedwede Durch- brechung der Kellnerstage, sonst verhindere man das Wachsthum der Kellner-Organisation. Schmidt erklärt, daß es auch ihm lieber sei, von organisirten Kellnern bedient zu werden; er müsse aber in dieser Form einen Zwang venirtheilen. Wer nicht steilvillig in die Organisation hineingeht, den können wir auch nicht brauchen, wenn er aus Geschäfts- Interesse kommt. Die Gewcrk- schaften können ja die Kcllnerfrage bei jeder einzelnen Festlichkeit besonders zur Bedingung erheben: dadurch er- reichen sie ihren Zlveck, ohne die Abhaltung von Versammlungen zu gefährden.— Es wird hierauf den Mitgliedern der Lokal- kommisston Decharge ertheilt; neu gewählt werden Busse und Späth. Als nächster Punkt der Tagesordnung folgt die Bericht- erstattung über den StuttgorterParteirag. Der Delegirte Sassenbach giebt in Kürze einen Ueberblick über die hauptsächlichsten Punkte, die dort zur Verhandlung ge- laugten. Er äußert sich Jim allgemeinen sehr zurückhaltend, da er der Diskussion nicht vorgreifen will. Zu den meisten Fragen hat sich der Parteitag durchaus einmüthig gezeigt, in der Frage der Maiseier, des Köalitionsrcchts, des Bergarbeiter- schutzes, des Zareuerlasses, der Arveitervcrfolgungcn in Italien und Ungarn. In der Frage der Landtagswahl-Betheiligung hat der Parteitag das beschlossen, was er, wie die Sache ein- mal gediehen war, einzig und allein beschließen konnte; die Berliner Genossen scheinen das ja auch einzusehen, denn die von ihnen erwartete Rebellion ist gänzlich ausgeblieben. Die Diskussion über die Taktik hat ergeben, daß wir keineswegs, wie dies so oft behauptet wird, das Endziel in den Glasschrank stellen; aber man kann auch nicht verlangen, daß man es immer und ewig auf jedem Flugblatt besonders betone. Redner spricht sich dann noch über die Augriffe auf den„Vorwärts" aus, der besser sei als sein Ruf. Es scheine ihm, als ob das Uebermntz in dem Eiser zu kritisiren, oft über das Berechtigte hinausgeht. Schließlich mache sich Redner den Ausspruch Auer's zu eigen, es mit ihm gnädig zu mackien.(Heiterkeit.) In der Diskussion verlaugt M a a ß von Sasscnbach Aufschluß über dessen Stellung zu einigen Fragen; man müsse doch wissen, wie sich der Delegirte selbst zu diesen gestellt habe. L i e p m a n n findet den Parteitag nach keiner Richtung hin zufriedenstellend. Die Opportunisten haben dem Parteitag den Stempel ihres Geistes auf- gedrückt, lieber die Maßen traurig sei es, daß die Berliner selbst in der wichtigen Frage, ob die Berliner Proßkonimission für den Partei- tag einen Vertreter stellen dürfe oder nicht, nicht einig gewesen seien. Wehl tritt ihm in längeren Ausführungen entgegen. Der ganze Parteitag sei darin einig gewesen, daß wir die Aufgabe haben, die wirthschaftliche und politische Macht zu erobern; nur über das Wie sei man verschiedener Meinung gewesen. Robert Scksmidt beschränkt sich wegen der vorgerückten Zeit auf ein paar Worte über die Taktik: Ich bin ganz und gar nicht der Meinung, daß der Parteitag einer possibilisfischen Richtung gefolgt sei. Gerade die schärfere Tonart, d. h. nichi die Reden der Frau Zetkin, Luxemburg und Schoenlank, wohl aber die sachlichen Ausführungen Kaütsky's haben den tiefsten Eindruck gemacht. Ich habe während der Wahl auch das Endziel wenig betont; denn das hat mit den Aufgaben des kommenden Reichstags— und um diese handelt es sich— weniger zu thun. Was wir in der Wahlagitation betont haben: die Versuche zur Beschränkung des Koalitionsrcchts, zur Beschneidung des Wahlrechts, all das sind Dinge von Hohem politischen Werth und agitatorischer Kraft, die auf dem Wege zum Endziel sehr wichtige Faktoren sind. Wir haben auch jetzt Wichtigeres zu thun, als uns über Opportunismus und Verwandtes zu streiten. Es gilt jetzt den Kampf gegen unsere Widersacher; triumphiren diese, kommt ein neues Ausnahmegesetz zu stände und die Gewerkschaftsbewegung wird niedergedrückt, dann wird der Anarchismus die Propaganda der That, auch in Deutschland Boden gewinnen. Und das kann kein wahrer Freund der Arbeiter- bewegung wünschen. Die weitere Debatte über diesen Punkt wird auf die nächste öffenliche Versammlung des fünften Wahlkreises vertagt. Die Versammlung im sechsten Wahlkreise war der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend sehr gut besucht. Tic Wahlen der Vertrauensleute und der Mitglieder der Preß- und Lokalkommission, deren Ergebniß wir ja gestern schon mitgetheilt haben, vollzogen sich sehr schnell und glatt. Zu einigen Erörterungen gab nur der von den Genossen Dornbusch und Leid erstattete Bericht über die Thästgkeit der Prcßkommission Anlaß. Dornbusch hatte darauf hingewiesen, daß in der Frage der Landtagsivahl-Bctheiligung der „Vorwärts" nicht ganz den Willen der Majorität unter den Berliner Parteigenossen zun: Ausdruck gebracht habe. Der Grund für diese Erscheinung sei in dem doppelten Charakter des„Vorwärts" als Zentralorgan und Lokalorgan zu suchen. Die Preßkommission habe aber ihr möglichstes gcthan, den Standpunkt der Berliner Gc- nossen besser zum Ausdruck zu bringen und werde in diesen Be- mühungen nicht erlahmen. Auch die Frage der Verbilligung des „Vorwärts" sei ernstlich geprüft worden. In anbctracht' des Um- standes, daß der„Vorwärts" wie die Presse überhaupt eine Haupt- einnahmequclle der Partei sei, habe die Kommission beschlossen, you einer Verbilligung des„Vorwärts" Abstand zu nehmen. Leid schloß' sich den Arwführungen seines Kollegen Dornbusch an. Er betonte nochmals, daß die Prcßkommission mit dem„Vorwärts" in der Landtagswahl-Frage selbstverständlich nicht einverstanden war und daß sie fortwährend darauf gedrungen habe, den 43 000 Berliner Abonnenten gegenüber den 4000 auswärtigen inchr Rechnung zu tragen. In der Diskussion fragte S>v i e n t y. weshalb den Genossen des sechsten Wahlkreises in der Versammlung der Beschluß der Preß- kommisston verschwiegen" worden sei,, wonach beim Parteitage eine Vertretung der Prcßkommission beantragt werden solle. Er sei zwar gegen den Antrag, aber eS hätte sich gehört, daß die Genossen davon in Kenutniß gesetzt worden wären, wie es in allen übrigen Wahl- kreisen auch geschehen sei. Leid erwiderte, daß er aus'die Frage bei der Berichterstattimg über die Parteitags-Vcrhandlungcn noch eingehen werde. Er sei Gegner des Antrages und habe eine Besprechung in der Versammlung nicht für nöthig gehalten. Ernst meinte, der Antrag sei so wichtig und schwerwiegend gewesen, daß er nicht geeignet war, so kurzer Hand vor eine Volksversamm- lung gebracht zu werden. In den übrigen Kreisen habe man die Genossen damit überrunipclt, das habe der Vertrauensmann des sechsten Kreises nicht gewollt. Nachdem alle Wahlen vorgenommen worden waren, erstattete Leid Bericht über die Verhandlungen des Parteitags. Er könne kurz sein, weil die Genossen ja die Berichte gelesen hätten. Aus dem Kassenbericht, der eine Gesammteinnahme von 321 000 M. auf- weise, gehe ersteulicherweise hervor, daß die Berliner Genossen ihre Schuldigkeit gethan haben. Sie partizipirten nicht nur am Ueber- schuß des„Vorwärts" mit 53 000 M., sondern hätten auch noch 70 000 M. extra aufgebracht. Da die übrige Parteiprcsse etwa 70000 M. Uebcrschüsse geliefert habe, so seien im ganzen übrigen Deutsch- land, Hamburg mit eingeschlossen, mir 121 000 M aufgebracht worden. Bei den von Berlin abgelieferten 70 000 M. sei der sechste Lireis mit 27 000 M. betheiligt. Die Diskussion über den Bericht der Partei- leitung habe sich zu einer Diskussion über die Taktik der Partei ausgesponnen. Wenn es den Anschein gehabt habe, als neige die Taktik der Partei mehr nach rechts und lege ihr Schwergewicht auf die prqktische Thätigkeit, so könne er mit Genugthuung konstatiren, daß der Parteitag gesagt habe, wir sind wohl praktische Leute, aber wir sind in erster Linie Sozialdemokraten und dürfen nie vergessen, daß wir weiter wollen zu unserem Ziele der Besteiung des Proletariats aus den Fesseln des Kapitalismus. Die. Kompensations- Politik Heine's habe in Stuttgart gründliches Fiasko gemacht. Die Sozialdemokratie sei keine Reformpartci und werde niemals Pens folgen, der den ersten Theil des Programms streichen wollte. Wenn Bernstein mit seinem Satze: Die Bewegung sei ihm alles, das Ziel nichts— Recht hätte. dann könnte sich die Partei mit ihrem Programm zum Teufel schccren. Aber auch Bernstein, der Deutschland mit englischer Brille ansehe, habe Fiasko gemacht. Sei auch keine Resolution angenommen worden, so bekundere der Parteitag doch mit den glänzenden Ausführungen Kaütsky's sein Einvcrständniß. Eine Enttäuschung habe die Behandlung der Landtagswahl-Frage gebracht. Zu stürmischen Debatten sei es nicht gekommen, man habe eine Resolutton an- genommen, die möglichst wenig besagt und zu nichts verpflichtet. Da die Resolutton auch den Standpunkt Berlins anerkenne, hätten auch die Berliner Delegirten dafür gestimmt, ohne natürlich ihre prinzipielle Gegnerschaft gegen die Betheiligung aufzugeben. Redner ging schließlich auf einige Anträae ein. I In der Diskussion nahm zunächst S w i e n t y das Wort. Die wichtigste Frage, die der Parteitag verhandelt, sei zweifellos die Frage der Taktik gewesen. Er könne aber der Genugthuung Leid's über das Ergebniß der Verhandlungen nur bedingt zustimmen. Die Debatte sei doch vielfach von dem falschen Gesichtspunkt geführt worden, wie fangen wir am meisten Stimmen. Nicht darum aber handelt es sich, sondern die Frage müsse lauten: Wie bringen ivir die rein sozialistischen Ideen in immer größere Kreise, wie gewinnen wir möglichst viel überzeugte Sozialdemokraten? Wir dürfen uns auch nicht damit begnügen, daß schließlich Kautsky die Majorität auf seiner Seite hatte, sondern müssen dahin wirken, daß diese Ansichten auch in die Wirklichkeit übersetzt werden und da thut es gerade in Berlin am meisten noth. Unser Hauptniachtmittel ist die Presse. Man hat den„Vorwärts" gelobt und getadelt. Ich meine, er ist gut und ist schlecht, er vergißt den sozialistischen Standpunkt immer und immer zu wiederholen. In dem letzten, unter dem Pseudonym Gr. veröffentlichten Artikel, wird die grundfalsche Ansicht ausgesprochen, daß die besser bezahlten Arbeiter mehr zu praktischer Politik, die elend bezahlten aber mehr zur radikalen Politik neigen. Von dieser Auffassung ausgehend schreibt oft der„Vorwärts". Diese Theorie trifft aber auf die gewiß besser bezahlten Berliner Arbeiter gar nicht zu. Der„Vorwärts" muß es sich angelegen sein lassen, die Arbeiter mehr wie bisher für die spezifisch sozialistischen Lehren zu erziehen. A u g u st i n meint, das gerade Gegentheil von dem. was Swicnty aus den Verhandlungen des Parteitages herausgehört habe, sei der Fall gewesen. Kein einziger Delcgirter habe dem Stimmenfang das Wort geredet, jeder Einzelne sei dafür eingetreten, die Prinzipien der Partei scharf zur Geltung zu bringen. Kiesel ist der Meinung, daß Swienty nur bedingt recht habe. Im allgemeinen habe auch er den Eindruck gehabt, man wolle das sozialistische Grundprinzip in der Dislussion scharf hervorkehren, Damit war die Diskussion erschöpft. Der Vorsitzende Freithaler schloß die Versammlung mit einem Appell, alle persönlichen Differenzen bei scite zu lassen und einige und feste Reihen zu schließen. Er brachte ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie aus, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Nommunales. Stadtverordneten- Versammlung. 27. Sitzung vom Donner st ag, den 20. Oktober. Die Sitzung wird vom Vorsteher Dr. Langerhans nach S1/« Uhr eröffnet. Von der Theilnahme an den Sitzungen ist ftir die nächsten fünf Monate ferngehalten Stadtv. Stadthagen. In den Ausschuß zur Vorberathung der Vorlage wegen ander- weitiger Wahl eines in die Schuldeputatton an stelle des nicht be- stätigten Stadtv. Singer sind u. a. die Stadtvv. Singer und V o g t h e r r delegirt. Es werden gewählt: in den P e t i t i o n s a u s s ch n ß Stadtv. M o m m s e n mit 03 Stimmen gegen Stadtv. Ullstein(37 St.); in die G r u n d e i g e n t h u m s- D e p n t a ti o n Stadtv. B a u m a n n mit 50 Stimmen gegen Stadtvv. Rosenow(39) und Zylicz(10); in die Deputation für Kunst zwecke Stadtv. C r c m e r mit 03 gegen Stadtv. Fr. Goldschmidt mit 35 Stimmen; in das Kuratorium der Oppcrniann- Stiftung Stadtv. S ch m e i ß e r mit 53 gegen Stadtv. Ladewig mit 50 Stimmen. in das Kuratorium für hypothekarische Beleihuug von Grund- stücken aus Stiftungsfonds Stadtv. F ö r st e r mit 02 Stimmen gegen Stadtv. Homann(39) und Stadtv. Wilke(1). Am 5. Oktober cr. haben die Stadtvv. P e r l s und Genossen folgenden Anttag eingebracht: Den Magisttat um Auskunft zu ersuchen, ob nunmehr ge- nügende Miethsräume für Gemcinde-Schul- wecke ini Nordosten und Osten beschafft sind, und ob auch erner noch in diesen Stadttheilcn einzelne Schulen fliegende Klassen haben werden und wie viele. Stadtv. P e r I s beruft sich für die Begründung des Anttags auf lebhafte Klagen über die mangelhafte Beschaffenheit der vor- handencn Schulräume und den völligen Mangel an ausreichenden neuen Schulgcbäuden in diesen Sradttheilen. Eine jener Mieths- schulen, die 218.. heiße im Volksmunde spöttisch allc>-">cin die „Luglochhöhle". Die Beschleunigung der dort geplanten.ubauten sei aus unbekannten Gründen verzögert worden; die Ausführung thue dringend noth. Stadtschulrath B e r t r a nr sucht durch eine Reihe von Zahlen darzuthun, daß seit 1873 der Zuwachs an Schulkindern in Berlin periodenwcise in stärkerer Progression zugenommen habe, als der Bevölkerungszuwachs als solche. Die Schulverwaltung könne also nie genau wissen, wieviel Schüler sie in dem folgenden Jahre unterzubringen haben werde. � Für die kommenden Jahre bis 1902 werde der Zuwachs im Vergleich zum laufende» Jahre sich etwas herabmindern, von da ab wieder steigern. Diese Unbestimmtheit erschwere es für die Schulverwaltung aufs höchste, den Erfordernissen jeweilig genau zu entsprechen. Die Schwierigkeit werde noch vermehrt durch die Nothweudigkeit, die Frequenz der Klassen zu vennindern, durch die Nothweudigkeit der Errichtung von Nebenklasscn für Zurückgebliebene. Jetzt sei die Noth in Moabit größer als selbst in den Stadttheilcn, die der Antrag im Auge habe. Miethsschulen würden immer schwerer zu beschaffen. In der Elbinger- und Griimhalerstraßc habe die Verwaltung Privateigenthümer veranlaßt, Schulhänser zu bauen, welche dann von der Verwaltung miethsweise übernommen werden. An dem Mißstaude der fliegenden Klassen lasse sich zur Zeit nichts ändern; für die Kosten des Baues von Reservellasien werde die Versammlung doch nicht zu haben sein. Stadtv. Max Schulz: Die angeführten Zahlen können ow den trüben thatsächlichcn Erfahrungen im Osten und Nordosten nichts' ändern. Durch die Ausführung des Radialsystems XI ist die Gegend vor dem Schönhauser bis zum Frankfurter Thor in ihren äußeren Theilcn sehr rasch der Bebauung erschlossen und stark be- völkert worden, eine beispiclloseSchulnothherrschtdortundzwarineinem Grade, daß ihr auch fünf neue Schulen auf einmal nicht abhelfen würden. Man solle sich doch um diese thatsächlichen Verhältnisse am grünen Tische mehr hckümmern. Stadtschulrath Bertram entgegnet, daß für die thatsächlube Lage in den betr. Bezirken auch am grünen Tische das Verständniß vorhanden sei. Die Angelegenheit ist damit erledigt. Das Offizierkorps der Feuerwehr soll mit Beginn des Etatsjahres 1899/1900 um drei Brandmeister verstärkt werden. Behufs sofortiger Annohme und Ausbildung von drei Hilfskräften beantragt der Magistrat für das laufende Jahr 3000 iR. a couio des Extra-Ordinaruims des Feuerwehr-Etats zu bewilligen. Die Versammlung giebt ohne Debatte den Magistratsvorfchlägen ihre Zustimmung. Für Gemeindeschulzwecke will der Magisttat von der Tcrraingesellschaft an der Schlcsischen Brücke eine am Görlitzer> Ufer 11—-13 belegene 5037 Quadratmeter große Parzelle für 62 M. pro Quadratnieter behufs Errichtung einer Gemeindedoppclschule er- werben. Stadtv. Frieders ei befürwortet die Genehmigung und regt die Ncudotirung des erschöpften Grundstiickserwcrbungsfonds an. Kämnkerer M a a ß giebt eine Erklärung in diesem Sinne ab. Die Vorlage wird angenommen. Die von den Grundstücken K o m m a n d a n t e u st r. 12—14 zur Straßenverbreiterung bestimmten Flächen sollen, da die Forderungen der Eigenthümer als zu hoch erscheinen, im Wege der Enteignung erworben werden. Die Forderung des Besitzers des Grundstücks Nr. 12/13 von 85 000 M. ist inzwischen auf 60 000 M. ermäßigt worden. Auf Antrag Rosenow geht die Vorlage an einen Ausschuß. Ebenso wie dem Tcltower Krcishause in der Viktoria- st r a ß e soll auch den Besitzer» des Eckhauses der Viktoriastraßc an der Königin Augnstasttaße aus Anlaß der Anrampungen der Potsdamer B r ü ck e eine Entschädigung und zwar pauschaliter 18 00l)M. gewährt werden. Tie Vorlage wird auf Antrag Kaiisch dem für die analoge Angelegenheit bezüglich des Kreishauses schon bestehenden Ausschusse überwiesen. Zu der Vorlage, welche eine redaktionelle Korrektur der B e- s o I d un g s o r d nun g für das Lehrpcrsonal an den städtischen Schulen hinsichtlich der Taubstummen- und der Blindenschule be- zweckt, hat der niedergesetzte Ausschutz beschlossen, der Versammlung zu empfehlen, den Magistrat noch uni eine weitere Aenderung jener Beschlüsse dahin zu ersuchen, datz jeder llnterschied zwischen seminaristisch und akademisch gebildeten Lehren: an den höheren Mädchenschulen bezüglich der Anrechnung der Dienstzeit nach der definitiven Anstellung beseitigt wird. Stadtv. Dr. P r e u tz' referirt für den Ausschuhantrag und empfiehlt dessen Annahme. Stadtschulrath Fürstenau bekämpft denselben in langer Aus- fühnmg. Es handle sich übrigens nur um Lg derartige Stellen. Stadtv. Singer: Aus diesen Ausführungen wird die Versammlung schon entnommen haben, datz der Antrag des Ausschusses in der vorliegenden Form: einfach ein Schlag ins Wasser ist. Wenn der Ausschutz trotz dieser jedenfalls auch ihn: vorgetragenen Darlegungen bei seiner Auffassung stehen blieb, so ist er jedenfalls von der Be- rechtigung der Forderung der Fachkreise überzeugt gewesen. Diese Forderung kann schon ihrer finanziellen Tragweite nach kaum eine so lebhafte und energische Bekän:pfung herausfordern, wie sie vom Magistratsvertrcter erfahren hat. Die Herren verlangen blos Gleich- stellung, siewollcn durch die neue Ordnung keinen Schaden erleiden, das sind billige Wünsche, und die Griinde sür den Ausschutzantrag hat der Schulrath nicht widerlegt. Was ich aber bedauere, ist die Form des Ausschutzantragcs. DcrMagistratsantrag soll angenommen und daneben der Magistrat um eine Vorlage im Sinne der Wünsche des Ausschusses ersucht werden. Was aus dem letzteren Ersuchen werden wird, wenn Sie so bcschliehen, hat Ihnen der Schulrath eben recht deutlich gesagt. Eine solche Bcschlutzfassung entspricht auch nicht der Stellung der Versammlung. Es ist nun einmal nicht anders, als datz die beiden städtischen Körperschaften ihre Macht gegenseitig in Anwendung bringen, r:m etwas als ricbtig Erkanntes durchzusetzen. Wollten wir uns darauf verlassen, datz in allen solchen Fragen zwischen beiden Einmüthigkeit eintritt, dann wird that- wchlich der Magistrat niemals etwas anzunehmen brauchen, was ihm nicht patzt, wenn es die Versammlung auch noch so sehr als richfig und zweckmätzig erkannt hat. Das haben wir in einer Reihe von Fällen erlebt, und die Ver- snmmlung hat es in der Hand, nach dieser Richtung einmal Schicht zu machen. Nähme die Versammlung die Borlage an n: i t der Matzgabe, datz der Magistrat der Forderung des Ausschusses entspricht, stellte er dies also als Bedingung der Annahme der Vorlage auf, so hätte ja freilich der Magistrat das Recht der Ablehnung, dann bliebe aber die alte Ordnung mit dem vom Magistrat an- erkannten Mangel bestehen. Wäre das ein Unglück gewesen? Wenn man die Sache lviedcr ins Belieben des Magistrats stellt, begicbt sich die Versammlung ohne Grund eines Rechtes. Ich würde den Antrag meinerseits so formulircn, wenn das nicht ganz aussichtslos wäre." Es soll ein„formales" Bedenken sein, einen Gemeinde- beschlutz einseitig aufheben zu wollen. Aber das will die Versammlung auch garnicht; die Anknüpfung dieser Forderung als Bedingung an den Magistratsantrag ist etwas ganz loyales und keine Beschränkung der Rechte des Magistrats, aber der einzige Weg. die Anschauungen der Versammlung in dieser Schulfrage zun: Ausdruck zu bringen. Denn es muh immer wieder betont werden: einen sterileren Boden als in bczug auf die Ordnung dieser Gchaltsfragen habe ick> in den langen Jahren meiner Zugehörigkeit zur Versammlung beim Magistrat nicht gefunden. Jetzt wird gar um 6000 M. gemarktet. Den zweiten Antrag halte ich für gegenstandslos und stimme jetzt dagegen. Stadtv. M o m m s e n freut sich über die letzte Erklärung. Es handle sich nicht um die Wünsche der Fachkreise, sondern blos um fünf bis sechs Herren. Von einer sachlichen Bcgnindung des Ausschutz- antrages habe man nichts vernommen. Gegen denselben müsse aber prinzipiell geltend gemacht werden, datz nian nicht jetzt schon an dem System der neuen Ordnung rütteln dürfe. Stadtv. Cassel tritt dem Vorredner und dem Stadt-Schulrnth entgegen und plädirt für den materiell sehr berechtigten Beschlutz des Ausschuffes. Der Magistrat werde sicherlich dem Wunsche der Versanmilung nachkommen(Heiterkeit und Widerspruch). Nachdem noch der Stadtv. M o m m s e n und schließlich auch Stadtv. Schwalbe gegen den Ausschuhantrag gesprochen, wird die Vorlage angenommen, der zweite Ausschutzaurrag aber a b- gelehnt. Mit der Annaihme der für die Ausbreitung und Ausgestaltung von Volksbibliotheken in Berlin bestimmten Zuwendung des verstorbenen Stadtv. Prof. Dr. I. A. Leo hat sich der niedergesetzte Ausschutz einstimmig einverstanden erklärt. Die Versammlung genehmigt die Annahme der Zuwendung. Hu den Vorschlägen des Magistrats hinsichtlich der Höhe der Beträge, welche nach Aufhebung der Kautionspflicht den Gemeinde- beamten bezw.-bediensteten aus einmal anvertraut werden können, giebt die Versammlung ihre Zustimmung. Schluß 8 Uhr. m•' • Tie Stadtdcrordnctcn PcrlS»nd Genossen haben folgenden Antrag eingebracht:„Die Stadtverordneten-Vcrsammlung wolle be- schlietzcn, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, weshalb er den Beschlutz der Versammlung vom 26. Mai d. I.:„Die Versammlung ersucht den Magistrat, durch geeignete Matznahmen, insbesondere durch Verhandlungen mit dem Polizeipräsidium darauf hinzuwirken, datz a> eine Reform der B e st i m m u n a e n, betreffend die Ausübung der Sittenpolizei, erfolgt, o> Vorkehrungen ge- troffen Iverden, um Mißgriffe und Ausschreitungen von E x c k u t i v b c a m t e n bei Verhaftungen und Festnahmen zu ver- hindern," bisher noch nicht ausgeführt hat. UoKoiles. Die juristische Sprechstunde wird Dienstags, Donners- tags und Freitags abends von 7>/z bis 8>/s Uhr abgchalrcn. Die Parteigenossen und Genossinnen des zweiten Wahl- k r e i s e s werden darauf aufmerksam gemacht, datz am Sonntag Abend 60, Uhr bei Zubeil, Lindenstr. 106, eine öffentliche Ver- s a m m l u n g für Männer und Frauen stattfindet, in welcher Genosse D u p o n t einen Vortrag halten wird. Die Wohlthätigkcits- Vereine erwachen allmälig aus ihrem Sommerschlaf und beginnen sich wieder zu regen. Der Sommer ist vorbei, der Herbst ist da, der Winter naht: nun gilt es, das Häuslein der Wohlthäter und Wohlthäterinnen, das durch das sommerliche Reisefieber nach allen Himmelsrichtungen auseinandergesprengt wurde, wieder zusammenzutrommeln zu fröhlichen Wohlthätigteits-Bazaren. Wohlthätigkeits-Konzerten und Wohlthätigkcits-Bällcn. Als erster ist diesmal der„Frauenverein der Gustav- Adolf- Stiftung" aus den: Plan erschienen, als zweiter folgt ihm auf dem Futze der„Verein zur Speisung armer Kinder und Nothleidcnder". Beide kündigen ihre Bazarc an, der eine für Ende Oktober, der andere für Anfang November, und bitten um Spenden und zahlreichen Besuch. Andere Bereine iverden bald mit ähnlichen Veranstaltungen folgen und vor- aussichtlich werden auch wieder die bekannten Wohlthätigkeitsfeste, auf denen man zum besten der Armen so vortrefflich itzt und trinkt und sich so großartig amüsirt, nicht ausbleiben. Manche dieser Feste nehmen sich geradezu wie eine Verhöhnung des Elends aus. �rrotz- dem müssen, so lange das Proletariat unter dem härtesten w:rth- schastlichcn Druck seufzt und Staat und Gemeinde mcht helfend eingreifen. die Armen und Elenden schließlich noch ftoh darüber sein. datz die besitzende Klasse das Elend des Proletariats zum Vorwand für ihre Vergnügungen nimmt. Es ist bekanntlich nichts zu dumm, eS findet doch fein Publikum. So geht es auch mit einer Notiz, die von hiesigen Blättern mit einem gewissen Behagen ihren Lesern vorgeführt wird. Darin heißt cS, datz jetzt überall über Mangel an Arbeitskräften, besonders aber von Unternehmern von Erdarbeiten, geklagt werde, datz auch die Entlassung der Reservisten diesen Arbcitcrmangel nicht beseitigt habe, datz bei dem städtischen Arbeitsamte in Charlotten- bürg die Nachfrage nach Arbeitern das Angebot von solchen weit übersteige. Im Gegensatze hierzu wird darauf hingewiesen, datz im städtischen Obdach im Monat September 12 397 Männer genächtigt hätten, und datz von diese» 58 an Heilanstalten und 267 der Polizei überwiesen worden seien, und hieraus die hämische Schlußfolgerung gezogen, datz die übrigen gesund und arbeitsfähig, aber nicht arbcitslustig seien. Nach der Meinung dieser satten Moralisten gehen die unglücklichen Obdachlosen aus reinem Vergnügen ins Obdach! Wie wenig zutreffend dies ist, bedarf hier keiner besonderen Ausführung. Weshalb es geschieht, liegt weniger daran, datz sie nicht arbeiten wollen, sondern nicht arbeiten können. Denn erstens sind die Obdachlosen näturgemätz entkräftet, daher nicht gesund und zu schwerer Arbeit, wie Erdarbeit untauglich. Zweitens befinden sie sich ebenso natur- gemäß zumeist in einen: solchen äußeren Zustande, das; sie über- Haupt kein Mensch in Arbeit ninnut. Dabei ist nicht zu übersehen, daß unter den Besuchern des Asyls sich genug Personen befinden, die tagsüber ihrem Erwerbe nachgehen als Klamvttenkutscher, Draht- binder, Schirmrcparatcure ec., dabei aber ständig obdachlos sind, weil sie nicht so viel verdienen, sich eine feste Wohüstätte zu schassen. Fast jede nächtliche polizeiliche Streife erbringt offenkundige Beweise dafür. Tie Absicht, die mit dieser albernen Notiz verbunden ist, ist zwar außerordentlich dumm, aber— sie findet, wie gesagt, doch ihr Publikum, allerdings nur in Gesellschaftskreisen, die des Lebens Roth nicht kennen. Das erste Glatteis in diesen: Winter hat sich gestern früh in Berlin und Umgegend unangenehm bemerkbar gemacht. Stunden- lang anhaltender Hngelfall, untermengt mit leichten Regenschauern, niachte in den ersten Morgenstunden die Straßen fast unpassirbar. Die Hagelkörner froren auf dem Stratzcupflaster zusammen und überzogen Bürgersteig und Fahrdämm mit einer Eisschicht. Straßen- bahn- und Fußgängerverkehr konnten in der achten Morgenstunde nur mit Schwierigkeiten aufrecht erhalten Iverden. Ganz besonders im Pferdebahnvcrkchr entstanden fortgesetzte Störringen, die für die nach den Geschäften und Bureaus eilenden Leute Verspätungen zur Folge hatten. Mit vier Znsammenstößen und etwa 50 Minuten Verspätung im Gcsanrmtbetrieb end-w an: Mittwoch das elektrische Debüt auf der Ringbahn. Gleich der erste Wagen, der in den Verkehr eingestellt wurde, hatte einen Zusammenstoß mit einem Last- wagen. Im ganzen kamen bei den vier Karambolagen ein Motorwagen, ein Möbelwagen und ein mit Nutzholz bcladencs Fuhrwerk leicht zu Schaden. Personen wurden glücklicherweise nicht verletzt. Die Ver- spätungen wurden theils durch die Unsicherheit der Wagenführer, thcils dadurch, datz die Akkumulatorenwagen noch nicht ordnungs- gemäß ausgerüstet sind, herbeigeführt. Die Fahrzeit der ganzen Strecke der Ringbahnlinie ist von 90 resp. 84 Minuten in den Vor- und Nachnuttagsstunden auf 72 Minuten herabgesetzt worden. Der Verkehr auf den: Gesamrntring wird durch acht Akkumulatorenwagen nach jeder Richtung, der Verkehr auf dem östlichen Ring durch 22 Motorwagen nach beiden Richtungen aufrecht erhalten. Der Betrieb mit Anhängewagcn ist sür die btiiig- bahn bisher nicht freigegeben. Der Raubmörder Wrgcnrr ist, wie aus Papenburg berichtet wird, in Salzbergen von der Polizei ergriffen worden, als er nach Holland reisen wollte. Nähere Meldungen fehlen noch. Miltztrey, der Znchthausgenoffe des Raubmörders Wegcncr, bei dem Uhr und Kette der ermordeten Kaiser aufgefunden wurden, und bei dem Wcgener kurz vor und nach dem Morde sich aufhielt, wird zur Aburtheilung nach Berlin gebracht werden. Zunächst Ivird die Vor- Untersuchung wegen Hehlerei gegen ihn eröffnet werden, da er bei seiner Kennlniß der Wegcner'schen Vergangenheit wissen mutzte, datz jene Gegenstände auf unredliche Weise erworben seien. Ob er mit dem Morde in Zusammenhang gebracht werden kann, mutz die Untersuchung erst ergeben. Thatsache ist aber, datz er ver- sucht hat, die ihm von Wegencr übergebenen Gegenstände zu ver- kaufen. Straßensperrung. Die Nikolai-Kirchgasse, welche demnächst dauernd den: Verkehr entzogen werden soll, wird bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Behufs Uinpflasterung tritt vom 20. d. M. ab eine gleiche Sperrung sür die Sylterstratze vom Nordufcr bis zur Seestratze ein. lkcbcr dir cigcntlichcn Motive znm Selbstmorde des Oberfaktors Griincnthal gehen uns von den: Verstorbenen nahe- stehender Seite solgende Mittheilungen zu: Grünenthal hatte sich der Hoffnung hingegeben, datz er nach der ersten Anklage der Staals- anwaltschaft mir einer Strafe von höchstens 5 Jabren Gefängnitz davonkommen werde und datz. da nach seiner Auffassung die Zivil- klage der Reichsvank auf 240 000 M. beschränkt bleiben müsse, er nach Verbützung seiner Strafe noch immer ein ganz anscyuliches Vermögen besitzen werde. Da' wurde plötzlich von der Reichsbank ein gefälschter Schein angehalten, der nach Auf- fassung der Behörden ebenfalls Grünenthallsches Machwerk war. Der bereits festgesetzte Verhandlungstermin wurde aufgehoben und eine Nachtragsanklage der Ilntcrsulbungsbehörde eingereicht. Danach vergrößerte die Reichsbank die Summe ihres muthmatzlich cnt- standencn Verlustes auf 494 000 M. und Grünenthal wurde nun- mehr angeklagt, die Scheine in dieser Höhe entwendet und gefälscht zu haben. Als G. die neue Klage milgctheilt wurde, gcrieth er in große Aufregung, umsomehr, als er sich sagte, datz seine Be- haupwngen bezüglich der Höhe des gestohlenen Betrages bei Gericht nicht Glanben finden würden und datz das Strasmatz nach der Nachtragsklage sich wesentlich verschärfen würde. Diesbezügliche An- gaben machte er auch seiner Ilmgcbung, welcher er die Befürchtung aussprach, datz er dereinst völlig gebrochen und arbeitSunsähig als Bctrlcr aus den: Zuchlhause entlassen werden würde, wenn sein Tod nicht vorher eintraf. Der Oberfaktor Grünenthal ist gcsten: Nachmittag um 2 Uhr von dem Untersuchungsgefängnitz aus beerdigt worden, aber nicht, wie seine Gattin beabsichtigt hatte, auf dem Werdcr'schen Friedhofe an der Bergmannstratze, sondern auf dem Friedhofe des Unter- suchungsgefangnisscs in Plötzcnsee. In der Gastwirthschaft„Zum grobe» Gottlieb", Grenadier- stratze 6, hat der Wirth Janschlow am Eingange zun: zweiten Zimmer folgenden Anlchlag gemacht:„Alle polizeilich verbotenen Hazard- und Glücksspiele sind in meinem Lokale streng untersagt." Die Polizei aber schien dennoch dem Lokal nicht recht zu trauen. An: Mittwoch Nachmittag stattete ihm Lieutenant Schmidt vom 16. Revier n:it 8 Schutzmännern und 2 Kriminalbeamten einen Besuch ab und nah: 17 Gäste wegen Spiclens mit auf die Wache. Ein Einbruch wurde in der gestrigen Nacht in dem in der Niedcrwallstratze belegenen Lokale der Berliner Volks- Kaffee- und Spcisehallcn-Gesellschaft verübt. Es ist bei der Gesellschaft Brauch, datz deren Oberinspektor jeden Abend die in der Stadt zerstreut liegenden Filialen der Gesellschaft aufsucht, um die TaaeSlosungen einzuziehen. Da dies zwei Abende hintereinander unterlassen worden war, so machten sich Einbrecher diese günstige Gelegenheit zu Nutze, drangen durch die nicht verschlossene Ladcntbür in das Geschäft e:n, erbrachen die Kasse und raubten deren etwa 700 M. betragenden Inhalt. Da der Hausdiener des Lokals, in dessen Händen sich die Geschäftsschlüsscl befanden, es unterlassen hatte, die Ladenthnr abzuschließen, so wurde er, als der Mitthäterschaft verdächtig, in Haft genommen. Er giebt zu seiner Entlastung an, datz er sinnlos betrunken gewesen sei und deshalb vergessen' habe. die Thür zu schließen. Als muthmatzlichen Komplicen des Hausdieners verfolgt man einen in Verbrecherkreisen unter dem Namen„Bäcker-Erwin" bekannten Mundholz, der auch schon früherer Strasthaten wegen von der Polizei gesucht wird. Er gründete vor längerer Zeit in Gemeinschaft mit seinem Bruder in der Reichenbergerstratze ein Tuchgeschäft, wobei das Paar ver- schiedene Betrügereien verübte. Während es dann dem Bruder gelang, nach Amerika zu entkommen, wußte sich Erwin in Berlin unfindbar zu machen. Zins der Straße tödtlich verunglückt ist Mittwoch Abend gegen 9 Uhr unter eigenartigen Umständen der 12jährige Knabe Richard Dorn, dessen Elten: in der Pappel-Allce wohnen. Der Kleine, der in einem Tabaks-EngroSgeschäft in der Neuen Schönhauserstr. 14 als Wagcnbcglcitcr angestellt war, verließ zur genannten Zeit den Hof des betreffenden Grundstücks, lief auf den Stratzendamm und blieb direkt vor einem herankommenden Pfcrdcbahnwagcn der Linie Rixdorf— Pappel-ANce stehen. Wiewohl der Kutscher den Tramwap sofort bremste, konitte er doch nicht verhindern, daß der Kleine von de» Pferden des schon langsam fahrenden Wagens zu Boden gerissen wurde. In diesem Augenblick jedoch scheuten die Pferde, sie rasten mit dem gebremsten Waggon vorwärts und der Knabe gerieth unter das linke Vorderrad des Tramway, welches ihm über den Brustkasten hinwegging und diesen buchstäblich zermalmte. Der Tod des kleinen D. trat auf der Stelle ein. Durch das Glatteis verunglückt ist gestern Vormittag um 9 Uhr der 27 Jahre alte Arbeiter Bachmeyer aus der Emdenerstratze 43. Auf dem Neubau Emdcncrstr. 32 glitt er auf dem glatt gewordenen Gerüst ans, stürzte aus der Höhe des zweiten Stock- iverks hinab und zog sich einen Bruch des rechten Arn:es und eine schwere Verletzung des rechten Auges zu. Der Verunglückte wurde mit einem Kopp'schen Rettungswagen nach dem Moabiter Kranken- hause gebracht. Ein sinkender Kahn verursachte der Feuerwehr in der Nacht zum Donnerstag schwere Arbeit. Am Schleswigcr Ufer war ein mit Preßkohlen beladencr Kahn leck geworden, und das Wasser drang unaufhaltsam ein. Trotzdem eine Dampfspritze 3 Stunden nnaus- gesetzt pumpte, gelang es nicht, den Kahn über Wasser zu halten. Er brach schließlich mitten durch und sank. Personen sind nicht verunglückt, auch gelang es, die Habseligkeiten des Schiffers in Sicherheit zu bringen. Einer KochgaS-Vcrgistnng zum Opfer gefallen ist in der vergangenen Nacht die Wirthschafterin Wilhelmine Emmerborn, die bei dem Kaufmann Mebus in der Rathenowcrstratze 8 in Stellung war. Die Wirthschafterin kochte bisher mit Gas, wollte aber für den Winter zur Kohlenfeuerung zurückkehren, weil ohne diese die Küche zu kalt ist. Der große Elaskoch-Apparat war von der Maschine bereits herabgenommen. Für den kleinen Bedarf aber hatte man einen anderen aufgestellt, der neben der Kohlcnmaschine benutzt werden sollte. Für diesen Apparat war nun der alte Schlauch nicht groß genug. Man zwängte ihn aber trotz- dem vorläufig ans die Schraube, um ihn später durch einen anderen zu ersetzen. Die Wirthschafterin Jließ nun vorgestern Abend den Haupthahn der Gasleitung und den Hahn ihres Messers auf und verschloß nur den Hahn an dem kleinen Apparat auf der Maschine. Während der Nacht platzte der Guinmischlauch auf der Schraube und fiel hinab. Das Gas entströmte der Leitung in großer Menge und füllte bald die Küche und die anstoßenden Räume. Als Herr Mebus gesteri: Morgen erwachte, fühlte er sich sehr unwohl, fand dafür aber zunächst keine Erklärung. Er wollte die Wirthschafterin wecken, die in einem Zimmer neben der Küche schlief, bekan: jedoch keine Antworte Die Thür war verschlossen. Nachdem man sie hatte öffnen lassen, fand man in der gasgefülltcn Kanuner die Wirthschafterin todt in ihrem Bette liegen. Wiederbclebuugs- versuche hatten keinen Erfolg. iilbgcschnittenc Menschenhände! Der amtliche Polizeibericht meldet: Der Schankwirth Karl Eiffert ans der Joachiiustratzc über- brachte gestern seinem Polizeirevier ein Packet, in welchen: sich außer einem Paar grauwollener Handschuhe zwei abgcschuittenc Menschen- Hände befanden. Das Packet war ihn: durch die Post zugegangen. Der auf den: Postabschnitt als Absender bezeichnete„P. Pctzolt, Neue Schönhauserstr. 6" ist dort nicht wohnhaft. Ob es sich hier um einen allerdings höchst verwerflichen Scherz oder um ein Ver- brechen handelt, ist noch nicht ermittelt worden. Fcnerbcricht. Ein Dachstuhlbrand brach Donnerstag Nach- mittag Elsa s s e r st r a tz e 15 aus. Da er noch im Entstehen war, als die Feuerwehr eintraf, konnte er mit zwei Rohren bald gelöscht werden. R ü d e r s d o r f e r st r a tz e 65 brannte der Futz- boden und die Balkenlage. Ans den Nachbarorten. �aS Kuratorium der Fortbildungsschule zu Rixdorf hat einen recht bcachtenswerlhen Beschluß gefaßt. Es soll nämlich neben der Fachzeichnenklassc für Tischler und verwandte Gewerbe eine Vorbereitungs-Abtheilnng eingerichtet werden, in welcher die Lehr- linge, sofern sie die znm Eintritt in die Fachzeichncnklasse erforder- lichcn Vorkenntnisse und Fähigkeiten noch nicht besitzen, in: engsten Anschluß au die fachgewerblichcn Bedürfnisse und in möglichst kurzer Zeit für den eigentlichen Fachzcichnen-Untcrricht vorgebildet werden sollen. Die gleiche Einrichtung soll sodann zu Ostern 1899 auch auf die übrigen Gruppen des gewerblichen Zeichenunterrichts ausgedehnt werden. Man will dadurch nicht nur eine praktischere und zweck- niätzigcrc Vorbildung der Lehrlinge im fachgcwcrblichcn Zeichnen, sondern auch eine wesentliche Abkürzung der bisherigen Vor- bcrcitungszci: erreichen. Die Anstellung von geeigneten Fach- Lehrftäftcn ist ebenfalls beschlossen worden. Bis dahin wird der Unterricht von ordentlichen Lehrern crtheilt. Eine„Nänbcrgcschichte". die noch weit über die in der Koblankstratzc geht, wird aus Groß- Lichterfelde gemeldet. Der Bäckergeselle Ch. erschien um Mitternacht bei der Polizei und meldete, datz soeben ein Raubmordversuch gegen ihn gemacht worden sei. Abends um 11 Uhr fei er auf der Rückkehr von Berlin auf der Chaussee in Grotz-Lichterfclde überfallen, durch einen Schutz in den Kopf zu Boden gestreckt und dann seines ganzen Vermögens im Betrage von 3700 Mark beraubt worden. Der junge Mann hatte in der That eine Schußwunde in: Hinterkopf und war über und über mit Stratzenschmutz bedeckt. Trotz all dieser Anzeichen hat sich der räuberische llcberfall aber als fingirt erwiesen i der junge Mann hat sich selbst einen Strcifschutz beigebracht und die ganze Geschichte in Szene gesetzt, un: seine Mitrellosigkeit zu cachiren. Er war mit der Tochter eines ehrsamen Handwerkers verlobt, dem er vor- geschwindelt hatte, daß er 4000 Mark besitze. Er nannte aber nicht so viele Pfennige sein eigen und erfand die Räubcrgcschichte. um sich aus Verlegenheit zu bringen, da sein„Schwiegervater" auf den cnd« lichen Ankauf einer Bäckerei bestand. 1/ V Geriltzks-ÄeitnnK. Eine Anklage wegen Mordes wurde gestern vor dem Schwur- gerickit des Landgerichts I unter dem Vorsitz des Landgerichts- direktorS Fetisch verhandelt. Aus der Untersuchnngshafr wurde die Löjährigc unverehelichte Dienstmagd P a u l i:: e Kuhnert ans Benthe» vorgeführt, welche das schwere Verbrechen, dessen sie be- schuldigt war, ohne sichtbare Zeichen irgend welcher Gemütbs- bewegung einräumte und folgendes Geständnitz ablegte: Die An- geklagte. die häufig ihren' Dienst wechselte, Hai berei» im Jahre 1896 einem Kinde das Leben gegeben, das sie einer in Weitzensee wohnenden Frau in Pflege gab. Es ist nach 9 Monaten an Abzehrung verstorben. An: 14. November 1897 gebar sie wieder einen Knaben, den sie zu einer Frau Gützlaff in der Bandelstratze in Pflege gab. Die Angeklagte nahm einen Dienst als Amme an, bezog einen monatliche:: Lohn von 30 M. und zahlte hiervcn monatlich 18 M. an die Pflegerin ihres Kindes. In: März dieses Jahres mutzte sie ihre Stellung als Amme aufgeben, sie nahm einen Dienst bei einem Restaurateur in der Nähe des Zoologischen Gartens an. Da sie jetzt nur einen Lohn von monatlich 18 M. bezog. war Frau Gützlaff damit einverstanden, datz das Pflegegcld auf 12 M. monatlich ermäßigt wurde. Nach einigen Wochen itheilte Frau Gützlaff der Angeklagten indessen mit. datz sie das Kind nicht länger behalten könne, die Angeklagte möge sich nach einer anderen Pflege umsehen. Der Angeklagten war das Kind lästig geworden. ®te hielt die Frau Gützlaff noch einige Monate hin und erließ dann misciligs August im„Lokal-Anzeiger" eine Annonce des Inhalts, daß sie einen bildschönen Knaben verschenken wolle. Es meldete sich niemand. Die Angeklagte faßte nun den Plan, sich des Kindes zu entledigen. Am Abende des 8. August begab sie sich zur Frau Gützlaff und bat um Aushändigung ihres Kindes. Eine vomehme schwarzgekleidete Dame, die ihren Namen nicht nennen wolle, wolle den Knaben an stelle eines verstorbenen Kindes an- nehmen, die Angeklagte werde von der Dame um g Uhr am Bahn- Hof Thiergarten erwartet. Frau Gützlaff schöpfte keinen Verdacht. sie händigte der Angeklagten das wirklich bildhübsche Kind aus. Die Kuhnert begab sich nach dem Bahnhofe Bellevue. Sie will die Absicht gehabt haben, nach der Wilhelmstraße zu fahren, da man ihr erzählt habe, es befände sich dort «ine Art FindelhauS. Auf dem Bahnhofe Bellevue sei sie aber anderen Sinnes geworden und habe nun den Entschluß gefaßt, mit ihrem Kinde den Tod im Wasser zu suchen. Die Gegend an der Spree sei aber noch zu belebt gewesen, um diesen Vorsatz auszu- führen. Sie sei deshalb nach dem Thiergarten gegangen. Nun erst sei sie zu dem Entschluß gekommen, das Kind allein umzubringen. Sie habe lange suchen müssen, bis sie einen geeigneten, menschen- leereu Ort gefunden habe. Endlich wi sie an einen Kanal in der Gegend der Lichtenstein-Brücke gekommen. ES sei ringsum still und nienschenleer gewesen, das Ufer des Kanals war mit dichtem Gebüsch bestanden. Nun sei sie zur That geschritten. Sie hatte mehrere Stücke Papier vom Erdboden aufgelesen. Diese habe sie ihrem Kinde fest in den Mund gestopft, um es am Schreien zu verhindern. Dann habe sie das Kind an den Beinen gepackt und es langsam, mit dem Kopf zuerst, unter die Oberfläche des Wassers geschoben. Das Kind sei lautlos untergegangen. Nun habe sie das Umschlagesuch, worin das Kind eingewickelt gewesen, zu- sammengelegt und sei nach Hause gegangen. Wie die Zeugen be- kündeten, hat die Angeklagte an dem Abende der That, wie am folgenden Tage ruhig ihre Arbeit gethan, niemand hat geahnt, mit welchem schweren Verbrechen sie ihre Seele belastet hatte. Die Leiche ist schon am folgenden Tage gefunden worden, die unnatürliche Mutter wurde leicht entdeckt und schon bei ihrer ersten Vernehmung zu einem Geständniß gebracht. Aus der Zeugenvernehmung ist hervorzuheben, daß die Angeklagte in den letzten Monaten vor der That wiederholt Tanzvergnügungen besuchte. Die Zeugin Gützlaff bekundete, daß sie die Angeklagte, die ihr nur 3 M. rückständiges Pflegegeld schuldig war, keineswegs zur Abnahme des Kindes gedrängt habe. Der Spruch der Geschworenen lautete auf Schuldig, sowohl des versuchten Mordes wie der fahrlässigen Tödtung mit Ausschluß von mildernden Umständen. Die Geschworenen haben angenommen, daß das Kind durch das fahrlässige Einführen des Papierpfropfens schon getödtet worden war. noch ehe die Angeklagte den Versuch machte, es durch Hineinschieben in das Wasser zu morden. Das Urtheil lautete auf 1ö Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. S Die berühmte AdlerShofer JvnminationS- Affäre vom 18. März d. I.. die bisher schon für die Partei von so ausgezeichneter agitatorischer Wirkung war, wird in nächster Zeit endlich das Be- rufungsgericht beschäftigen. Bekanntlich war der Gerichtstcrmin vom 17. August in letzter Stunde vertagt worden; nunmehr hat man aber die Verhandlung, die vor der vierten Strafkammer des Land- gerichts II stattffndet, auf den 9. November, vormittags 11 Uhr, angesetzt. Wie erinnerlich sein wird, hatte das Schöffengericht zu Köpenick den auf IS M. lautenden Strafbefehl des Sozialistenfeindeö von Oppen bestätigt, worauf sämmtliche 122 Angeklagte, die nicht einsehen konnten, wie eine pietätvolle Feier des höchflen deutschen Ruhmestages groben Unfug bedeuten sollte, gegen das Urtheil Be- rufung einlegten. Herr Karl Schncidt legt Werth darauf, daß wir zu dem am Mittwoch veröffentlichten Gerichtsbericht über seine Prügelaffäre eine „Berichtigung" bringen. Herr Schneidt bestreitet in der an uns ge- richteten Zuschrift, daß ihin in der„Kritik" der Vorwurf der Unter- schlagung gemacht worden sei. Die betreffende Veröffentlichung in der„Kritik" habe nur eine Insinuation in diesem Sinne eiithalren, welche jedoch so vorsichtig formulirt gewesen sei, daß sie strafrechtlich nicht gefaßt werden konnte. Auch ser es unwahr, daß er eine Unter- schlagnng begangen habe. Er habe seinerzeit der Deutschen Schrift- steller-Genosienschaft, deren Mitglied er sei, zum Zwecke persönlicher Rechtfertigung einen Brief des an der Sache bethciligten Verlags- buchhändwrs'Hugo Storm eingesandt, in dem wörtlich der Passus vorkam:„Von einer Unterschlagung kann natürlich nicht die Rede sein."_ Wittcrnngsnberslcht vom 20. Oktober 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. Haniburg Berlin Wiesbaden München Wien 763 761 760 758 757 753 O ONO O W W till ? Welter äS c'■* d Ii ia Stationen bhedeckt sbedcckt 4j Siegen 1 bedeckt 3!Regen — ISiegen -1 0 -0 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris o= 772 761 756 760 Wetter SW SSO SO S Lheiter 5 Regen bhedeckt Lbeiter — Ä s u a w?, -1 13 9 3 Wetter-Prognose für Freitag, den Äl. Oktober 1898. Kalt und vorwiegend trübe mit Niederschlägen und mäßigen nord- östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Dkutsclikl' Holzarbeiter-Verband. fZahlstelle Berlin.) Heute, Freitag, abends 8V« Uhr, bei Cohn, Benthftraffe 30—21: Sitzung; der OrtSTerwaltuug, Montag, de» 24. Oktober 1898, abends 8 Uhr: Bmchen-BechmlW der Sihmöbel- Arbeiter Berlins in Behren�'« FestgRIen, Ätautenffelstrafie Nr. 95. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen A. Mohs über:„Der Kampf ums Dasein." 2. DiSbission. 3. Die gegenwärtige Lage der Sitzmöbcl-Branchc. Kollegen! Da der 3. Punkt der Tagesordnung uns Aufklärung über die gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse bringen muß, so ist es Pflicht eines jeden in der Branche beschäftigten Kollegen, in dieser Ver- sammluilg zu erscheinen. 108/0 Sonntag, den 23. Oktober 1898. vormittags 10 Uhr: Briulcheii-Bttiniittillllilg iier Blirste»-»ilb Pinselnichcr im Lokal des Herrn üsehlller, Nosenthalerstratze 57, pt. Tagesordnung: 1 Vortrag. 2. Diskussion. 3. Fragekasten und Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Nichtmitglieder haben Zutritt._ Bekautttunichttug der Orts- Krankenkasse der Sattler und verwandten Gewerbe zn Berlin. Den Bctheiligtcn zur Kenutuiß, daß daS in den General-Versammlungen vom 20. Februar, 12. Juni, 27. November, 2. Dezember 1897 und in den Sitzungen der Statutenberathungskommission vom 30. März, 17. Juni und 5. August 1898 rcvidirte Statut, sowie der Anhang desselben, erstcrcs durch Beschluß des Bezirksausschusses am 5. Oktober 1898, letzterer durch den Herrn Magistratskominissar für die Orts- und Betriebs-Krankenkassen am 27. August 1898 die Genehmigung erhalten hat. Dasselbe tritt am Montag nach der Genehmigung durch den Bezirks- ausschuß an die Stelle des bisherigen KassenstatutS. Zugleich bringen wir hiermit die wichtigsten Umänderungen resp. Be- stimmungen desselben zur Kenn Miß. Der ortsübliche Tagelohn ist durch Erlaß des Herrn Over-Präsidenten vom 10. März 1898 wie folgt festgesetzt worden: I. für Gehilfen(Gesellen) und großjährige männliche HilfS- arbeiter auf................ 3,— M. II. für minderjährige männliche Hilfsarbeiter über 16 Jahren auf................... 2,40 M. III. für weiblich? Kassenmitglieder über 16 Jahren aus... 1,80 M. IV. für männliche Hilfsarbeiter unter 16 Jahren und für Lehr- linge auf................. 1,30 M. V. für weibliche Kassenmitglieder unter 16 Jahren auf.. 1,— M. Die wöchentliche» Knssenbeiträge betragen für 1. 0,51 M., II. 0,42 M., HI. 0,33 M.. IV. 0,24 M.. V. 0,18 M. Als Krankenunterstlikung wird gewährt, nach näherer Bestimmung des Statuts, vom 3. Tage nach der Erkrankung für jeden Kalendertag, ein- schließlich der Sonn- und Feiertage, aber nicht über 52 Wochen, die Hälfte des festgesetzten Tagelohnes und ein Sterbegeld im SOfachen Betrage desselben. Ferner gewährt die Kasse ans ärztliche Verordnung nach einer ununter- vrochenen Mitgliedschaft von 13 Wochen: Stelzfüße, Beinschienen, Gerade- Halter, Leibbinden, Gummistrümpfe und Ersatzsiücke von Zähnen. Die Vorschriften über das Mahnverfahren lauten wie folgt: Arbeitgeber, welche die fälligen Beiträge an den Kassirer gegen vor- gelegte Rechnung nicht begleichen, erhalten nach 8 Tagen eine Mahnung; für diese Mahnung haben die Arbeitgeber folgende Gebühren zu zahlen: 1. Für Berräge bis 3 Ak. einschließlich..... 0,10 M. 2. Für Beträge von 3 bis 15 M. einschließlich.. 0,20 M. 3. Für Beträge von 15 bis 150 M. einschließlich. 0,40 M. 4. Für Beträge darüber hinaus....... 0,75 M. exklusive ausgelegtes Porto. Alle die Kasse betreffenden Bekanntmachungen werden bis zur ander weiten Beschlußnahnte der Generalversammlung im Berliner Volksblatt „Vorwärts" und durch Säulenanschlag erlassen, welches hiermit geschieht. Ein Exemplar dieses Statuts wird demnächst jedem Mitglicde zugestellt werden. Der Porstand der Orts-Krankenkasse der Sattler und verwandten Gewerbe z« Berlin. I. A.: 157/2 Herm. Hnhnfleisch, Vorsitzender. A. Ltppert. Schriftführer. 80. Bamimstr. 2._ W. Kirchbo hstr. 20._ Mt>m! Stellmacher.-W"»! Am Sonntag, den 23. Oktober, nachmittags 1'/, Uhr. in Cohn'« Fe«t«lilen, Benthstraffe Nr. 20—21: Große öffentliche Versammlung kr Stelllillldier Bcrlillö uilb Umgegeild. Tages-Ordnung 1. Vortrag über:„Streiflichter über Niedergang des HandwerkS". Referent Genosse«ehlexel. 2. Dislussion. 3. Schlußabrechnung der Agitationskommisstön. 4. Verschiedenes. 108/10 Pflicht eines jeden Stellmachers ist es, in dieser Versammlung zu er- scheinen Her Flnhernker. FachYerein der Musikinslrumenten-Arbeitep und Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Am Montag, de» 24. Oktober er., abends 8'-* Uhr, in den Oranienhallcn, Oranienstr. M: General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Br. Bernstein über:„Die erste Hilfe bei Unalücksfällen". 2. Abrechnung vom 3. Quartal. 3. Bericht der Agitationö- kommiision 4. Verschiedenes. Der Borftand. s*- Die Mitglieder werden ersucht, so schnell wie möglich mit den Stiftungsfest-BilletS abzurechne». 143/12 Achtung! Msursr. Achtung! Sonntag, den S3. Oktober 1898, vormittags pünktlich 19 Uhr: Lvnei'sl» Venssmm�ung hes Verms zur Wahrung her zntertjsen her Manrer Verlias»nh Umgegenh in der„T o n h a l l e�, Friedrichstraße Ur. 113. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung des Kasstrers vom 3. Quartal und RevistonsSericht. 3. Bericht des Ausschusses. 4. Neuwahl deS gesammten Vorstandes, Ersatzwahl eines Revisors und Ergänzungswahl des Ausschusses. 5. Vereinsangelegenheit.— Mitgliedsbuch legitimirt. 129/19 Zur Beachtung der Charlottenburger Kollege»! Der Kassirer W. Albrecht ist jeden Sonntag Vormittag in der Zahlstelle bei Bohiunth, Kruiiimestr. 41, anwesend. Der Torstand. lielidimckeH Sonntag, den 23. Oktober, mittags 12 Uhr: Leffentliche Buchdrucker- Versammlung im graste» Saale der„A rm i n h a l l en", Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1.„Die Beschneidung des Koalitionsrechts und die deutsche« Buchdrucker- Organisationen". Referent: Kollege Sollender- Leipzig. 2, Diskussion. 35/12 Der Ansschuss und die mitelleder der Berliner Gewerkschaft«- Kommission sind freundlichst eingeladen.— Die Kollegen werden gebeten, dieses Inserat auszuschneiden und in den Druckereien zirkuliren zu lassen. Der Einbernfer: Blcb. Schulze, Oranienstr. 27, IV. ¥erbanel den Vergoider(Filiale Berlin). Sonntag, den 28. Oktober, mittags 12 Uhr. in Conls Keller« Festsftlen, Koppenftraffe 29: Grosse Matinee von Hoffmann's Quartett u. Humoristen ans d. Konzerthaus, Leipzigerftr. 48 zum Besten hilfsbedürftiger Kollegen. In anbetracht des guten Zwecks werden alle Freunde und Kollegen hiennit ergebenst eingeladen. Programme h 30 Pf. sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen und bei den Vertrauensmännern zu haben i an der Kasse 50 Pf. 225/16 Kassencröffnung IO'/z Uhr. Anfang präzise 12 Uhr. Der Torstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau am Dienstag Abend nach langen schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. d. M., vom neuen Schöneberger Kirchhose (Maxstrabe) aus statt. Um stilles Beileid bittet Otto Schllllnff, Kysshäuserstraße 16. Zentral-Krankeu- Kasse her Buchbinder. Vertvaltnngsstelle Berlin. Laiiptvemniinlimg am Sonnabend, 22. d. M., abendS S'/j Uhr, in den.Arminhallen", Kommandantenstr. 26(Gattensaal rechts). Tages-Ordnung: I. Kassen- und Kontrollbettcht. 2. Bettcht über die Rekonvaleszenten-Heime. 3. Ver- schiedenes. 25/14 Die Ortsverwaltung. Zentral-Kranken- u. Sterbe- Kasse her Tischler u. s. w. Filiale D. Moabit. Sonntag, den 23 Oktober, vormittags 10 Uhr, im»oedtter Klubhaus, Beusselstr. 9 Mitglieher-VersamlW. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quattal.— 2. Kassenangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 182/14 Die Ortsverwaltung. Emst Thomm, bitte straße zu kommen. nach Lehtter- 1661h Orts-KrankenkaffederSattler nnd verwandter Gewerbe zu Berlin. Sonnabend, den 29. Oktober 1898, abends 8l/z Uhr: Mitglie der-Versa mm liing: in den Arminhallc», Kommandantenstr. 20. TageS- Ordnung: 1. Ausstellung der Kandidatenliste zur Wahl der Vertreter der Kassen- Mitglieder für 1898— 19(X). 2. Verschiedenes. NB. Wahlberechtigt und wählbar sind nach ß 48 des Statuts nur die- jenigen Kaffeu Mitglieder, welche großjährig und nn Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Die Wahl der Vertreter der Kassemnitglieder findet am 12. November in demselben Lokale statt. Montag, den 81. Oktober 1898, abends 8Vz Uhr- Uklsammlulig der Allmtgkiirr In den Arniinhallcn, Kommandantcnstrasse A'o. 20. Tages-Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidatenliste zur Wahl der Vertreter der Arbeit- geber ftir 1898—1900. 2. Verschiedenes. NB. Wahldercchtigt und wählbar sind die Arbeitgeber, welche für die bei ihnen.bcschäfttgten Personen Beiträge aus eigenen Mitteln zur oben- genannten Kasse zahlen. Wir machen daraus aufmerksam, daß zu Vertretem auch Geschäftsführer oder BctriebSbcamte gewählt werden können. Die Wahl der Vertreter der Arbeitgeber findet am Montag, den 14. November in dein- selben Lokale statt. 157/3 Ter Borstand der Orts-Krankenkaffe der Sattler„nd verw. Gewerbe zu Berlin. J. A.: Herm..Hnhnfleiich, Borsitzender. A. Lippcrt, Schriftführer, NO. Bamimstr. 2. w. Kirchbachstr. 20. Verband der Sattler mid Tapezirer. Sonnabend, den 22. Oktober, abendS 9 Uhr, im Englische» Garten, Alexanderstr. 27c: 157/2 Versammlung."WU Tageoordnung: 1. Vortrag der Genossin Klara»aase über: Die witth- schaftliche Lage der Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 157/2_ Die Ortsverwaltung. O(>o ar-.Arnold, Hut-Engroslager Oresdenerstr. 116. ara Oranienplata(kein Laden) ■w. Bin*®lvepkanr reeller Waaren cq folyonuen PreineB(PArthiewaareu führe nicht) Herronhüte, weich* i#* 1,50 2,- 2,50 L.- 3,50 n. 4.-- flo. eteaf•...... 5 2- 2,50 3,- n. 3.ko du. a Haarflla,..» 4.50 5.- S,- n. f_ „_nderlinte....... 4,— 6.— 7,50 n. 11.— _erren-Mutzen.•» 0,35 0,40 0,60 0.60 0,75 bis 2,50 Kjnder-Mntxen........ 0,60 0,60 0 75 bis 2,50 Kinder n. Conamandenli.» 0,75 1,- 1.25, 1,50 2,— u. 2,50 IVeicbe Damenhüte, leichte Keisehdte, Lodenhute, —— Cbapesux clacues. Tnrnerbate, Jagdhute, etc... ÜilHaaie Bexugiqnell* für VFiedervtrkänffr! ateif. BilUgaie Bnugiqn*, Bitta genau auf dia Aürewa zu da ich ktioa FiJiaJiM habe. fjap" Achtung, Moabit: Sonnabend, den 22. Oktober 1898. in der„Kronen»Brauerei", Alt-Moabit Nr. 47-49: VII. LtiktiiriNS-k'esI Heß keslülgvcreins ,Vertiilte Tungesbrilher Moabit' WÄ wozu ergebenst einladet 66/6 Uns Komitee. _ Anfang sy, Uhr."ViZ__ Di« Einsetzer Berlins nnd Umgegend veranstalten am Sonntag, den 23. Oktober 1898. im Lokale des Herr» G. Mdenhayn, kriinav, ein Kaffeekochen nnd Familienkränzchen. Freunde nnd Bekannte sind hierzu eingeladen. Armin-Hallen, Kommandantenstrasse 20. Sonnabend, den 22 Oktober, abends O Uhr: MM- Grosses Zither-Konzert"HMU ausgeführt von den Zither- Vereinen„Einigkeit" und„Frohsinn". Dirigent: Herr W. Conrad. BilletS sind bei den Mitgliedern zu haben. 16g7b Georg Borslorff NachQ. Prlnzen-8trasse To. 53 empfiehlt seine Spezialitäten: Bebt. Kordhäuscr 0,55—2,50 8chles. Korn... 0,60—1,50 Rnm....... 1,10—5,00 Carl Becker Cigarren.GigaprettenJabake Gerichtstr. 28. Bahneingang part. Ärbeitsaiarkt. Achtutlg, Dolzarbetter! Bei der Firma kork, KretelHMr S Co. Barnimstr. 13, (Magazin Jannowitzbrücke), haben sämmtliche Tischler wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Xuzug fernhalten! 108 Tie Ortsvc-waltnng. Als Werkmeister nach »elstngsors(Finland) wird ein tücht. ialvanoplustiker gesucht, der außer Clichcefabrikation auch Ver- goldung, Versilberung, Veriiickclimg-c. gründlich versteht. Anträge, m. Gebalts- ansprächen n. Zeugnißabschr. versehen, sud T. 6 an d Exped. d. Blattes erbet. Karton-Arhelterlnnen in und außer dem Hause verlangt * Konlinnndnntcnstr. 15, 4 Tr. Hand-Knopflochnälicrinnen werden gegen hohe Löhne in und außer dem Hause verlangt von 1459� Wolfs u. Lachmon», Wäschefabrik. Brunnenstr. 192. Weilhefraiit» s. Filzschuh- Fabrik LandSbergerstr. 92. Perfekte Taillen-»nd Aermel- arbeiterinueu gesucht. 81/2« Seidenkonfeltion Wendel, Leipzigersir. 26, 1 Tr. Farblsmachcr(Bergoldcr) verlangt Mathieustr. 14. 1660b ziigtüdlicht Al'btitmllüe» Verl. Cedr. Siemens 4. Co., Charlottenbg Terxolderln verlangt Ib�Vb Barnimstr. 2. Geübt. Packer a. Goldleisten v-rl. C. Barthels, Gr. Frankfurternr. 84. Marmorschleifer verl. Günther, Müllerstr. 87. 1663b Farbigmacher Verl. Oranienstr N9. Zlkziül-Zlzknte, Berlin und außerhalb Snnw ilaste „Hülse", Halleschejir. 9 I. H 104 11 Verantwortlicher Redakteur: August Jacobeh in Berlin. Für den JnseraleMbeil verantwottlich: Th. Glocke in Berlin. Dmck und Verlag von Max Babing in Berlin. iir.247. 15. Ba>»-'r'i&w.' 2. KilM Ks Jortiiätls" Irfitsj, 21.©Iitotitr 1898. Vev�NnrullunZen. Deutscher Holzarbeiterverband. Am 17. d. M. tagte bei Behreud, Mantcuffclftr. 9ö, eine gur besuchte Braiichcuvcrsammlung der Galanterie- und Luxusinvbelarbeiter. Zu dem Thema:„Wie können wir bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen erzielen?" führte der Rcsercni 232 o h s aus, das; die Galanterie- und Luxusmöbel- arbeitet' unter den Berliner Holzarbeitern am schlechtesten gestellt sind. Anstatt der 1896 im streik errungenen 52 Stunden Arbeitszeit und 21 232. Mindestverdienst, arbeilet man in dieser Branche 60 Stunden und darüber bei einem Verdienst von 12 bis 15 Mark. Diese traurige Lage wäre nicht möglich, wenn die Kollegen nicht zum großen Thcil der Organisation indifferent gegenüberständen. Wären die Kollegen organisirt, so würden sich die Unternehmer wohl hüten, mit Lohnabzügen und Ueberstunden an die Arbeiter heranzutreten. In der Diskuifion stimmte man dem Referenten zu und ergänzte die Ausführungen desselben, indem eine Reihe von Werkstellcn bekannt gemacht wurde, in denen bei geringem Verdienst eine übermäßig lange Llrbeitszeit herrscht und Ueberstunden an der Tagesordnung sind. So die Werkstatt von Schwarz. Pückler- straße 60; Schoy, Mariannenstr. 32; Roscnow. Ritterstr. 87; Jakob, Ritlerstr. 86, und Bold, Eldenaerstr. 8. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die ticftraurigen Vcr- Hältnisse, die zur Zeit in der Lurnsniöbel-Branche herrschen, nur durch eine starke Organisation beseitigt werden können, beschließen die in der Versammlung anwesenden Kollegen, dahin zu wirken, daß sich alle in der Branche Beschäftigten dem deutschen Holzarbeiter- Verbände anschließen. Tie Kammuiacher hatten am 17. Oktober eine Versammlung anberaumt, die sich eines sehr regen Besuches erfreute. 2iach einem Referat des Genossen G ü t h, das recht sympathische Aufnahme fand, wurden Vereinsangelegenheiten erledigt, sowie die Ersatzivahl für die Werkstatt-Kontrollkommission vollzogen. Die Vcrgoldcr erörterten in ihrer Filial- Versammlung vom 17. d. Mts. den Verlauf des Versilberer- Streiks, sowie die Aus- sperrung der Vergolder und Farbigmacher. Nachdem die Firmen den Versilberern 20 pCt. Zuschlag bewilligt hatten, stand nur noch eine Firma zurück, die nun nachträglich auch die Differenzen bei- gelegt hat. Unter Verschiedenem wurde Klage geführt über die bei der Firma„Freie Vereinigung der Kunstfreunde" beschäftigten 2lr- beiter, ivelche recht viel Ueberstunden leisten sollen. In einer längeren Debatte wurde dies scharf kritisirt. Tie Freie Vereinigung der Zivil- Bcrufsmnfikcr hielt am 18. Oktober eine Versammlung ab. Es entstand zunächst eine sehr lange Debatte über den Aufruf des Mitgliedes Hoch. Auf Zureden erklärte sich Korn bereit, den Posten des Vorsitzenden weiter zu verwalten, worauf der Kassirer und der Arbeitsnachiveis- Vorsteher den Kassen- resp. Geschäftsbericht für das 3. Quartal unterbreiletbn. Die Buchbinder und BcrufSgenosscu hielten am Dienstag bei Keller in der Koppenstraße eine ganz außerordentlich gutbesuchte öffentliche Versammlung ab. in welcher Reichstags-Abgeordneter Fritz Z u b e i l unter großem Beifall über den„Ansturm der herrschenden Klasse auf die höchsten Rechte des arbeitenden Volkes" referirte.— Hierauf folgten die Äusführungeu Bitomsky's über die Stellung- nähme der Berliner Kollegcnschaft zur Einführung des Leipziger Minimaltarifs. Aus der am vorigen Donnerstag stattgehabten Werk- stuben-Versammlung ergiebt sich, daß fast überall bedeutend billiger, als in Leipzig gearbeitet werde; es wurde daher iu dieser Versamm- lung beschlossen, den Leipziger Tarif auch für die hiesige Kollegen- schaft einzuführen. Diesbezügliche Zirkulare seien bereits einzelnen Prinzipalen behufs Stellungnahme dazu eingesandt worden; gcairt- wartet hätten bis jetzt fünf. Im großen und ganzen machen die Schreiben den Eindruck, als ob man die ganze Sache möglichst auf die lange Bank ziehen wollte; davon könne aber in keinem Falle Rede sein, denn wolle man etwas erreichen, dann heißt es rasch und energisch handeln.— An der Diskussion betheiligcn sich Eber- mann, Konrad, Lorenz, Bergmann, Hornig und Bitowsky. Eber mann möchte den Tarif gern in gewissen Punkten revidirt wissen, eine Anforderung, die K o u r a d und Lorenz in jeder Hinsicht widerlegen. Sämmtliche Redner er- suchen die Kollegen, durch Festigung und Stärkung der einzelnen Organisationen sich tüchtig für einen eventuellen Kampf zu_ rüsten. Schließlich gelangt folgende von Bftomsiy eingebrachte Resolution einstimmig zur Annahme: In anbetracht, daß die Akkordarbeiten für männliche Arbeiter in Berlin ungleichmäßig und unter den Leipziger Preisen bezahlt werden, wird' die hiesige Orisverwaltung des Ver- bandes der in Buchbindereien:c. beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen beauftragt, folgende Forderungen mit allen gesetzlichen Mitteln in den hiesigen Buchbindereien zur Durchführung zu bringen: 1. Mindestens strikte Bezahlung der männlichen Akkordarbeiter nach dem Leipziger Minimaltarif. 2. Jnnehaltung des prozentualen Zu- schlages für sämmtliche Akkordarbeiten nach Feierabend. 3. Der Berliner Tarif für Arbeiterinnen bleibt iu allen Punkreit unbedingt bestehen.— lieber den Streik der Wiener Kollegen und Kolleginnen berichtet nun Brückner. Aus den Ausführungen des Redners werden nicht nur die Forderungen der österreichischen Kollegenschaft, sondern auch das ganze Elend ihrer Lage sichtbar. Jedenfalls hatten die Wiener Buchbinder den einen Erfolg zu verzeichnen, daß der Widerstand der llnternehmer ganze Schaaren von Indifferenten in die Reihen der Organisation getrieben hatte.— Eine vom Redner eingebrachte Resolution, welche den Wiener Kollegen ihre vollste Sympathie ausdrückt und die Verpflichtung übermmmt, die im Lohnkampf Befindlichen moralisch und finanziell zu unterstiitzen, gelangt einstimmig zur Annahme. Tie Töpfer hatten sich am Dienstag im„Englischen Garten" versammelt, um über die Lohn- und Fensterftagc zu verhandeln. Nach dem Referat entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der ge- klagt wurde, daß in jedem Herbst mit den Meistern um verglaste Fenster gestritten werden müsse. Daran sei die Indifferenz und Streitsucht der Kollegen schuld. Nach mancherlei persönlichen Repliken zwischen den Lokal- und Zentralorganisirten, in denen von den letzteren nachgewiesen wurde, daß die Bewegungen in der Fenster- frage durch die Uneinigkeit meistens rcsultatlos verlaufen sind, wurde folgende Resolution gegen sieben Stimmen angenommen:„Die Versammlung beschließt,' da die Verhältnisse am Orte sich so zu- gespitzt haben, daß ein geschlossenes Vorgehen in der Fensterfrage und des Lohntarifs zur Zeit nicht angebracht ist, und weil die Kollegen am Orte der Organisation vollständig interesselos gegen- über stehen, in einen Streik erst, dann einzutreten, wenn die Töpfer Berlins sich allgemein der Organisation anschließen. Ferner beschließt die Versammlung, die Fenstcrfrage als Prinzipienfrage z» behandeln und überall, wo es sich durch den Zusammenhalt der Kollegen er- möglichen läßt, die Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis die Fenster verglast sind. Auch verpflichten sich die Kollegen, der Organisation beizutreten, da es nur durch eine feste Organisation möglich ist, dem Unternehmcrthum etwas abzufordern." Die Abstimmung über einen Anttag auf Einsetzung einer fünfglicdrigcn Kon, Mission ivurde durch die Annahme der Resolution überflüssig. Der Vertrauensmann David forderte alle, die wegen der Fenster die Arbeit niederlegen, auf, das sofort im Bureau, Rosenthalerstr. 57, zu melden. Die Konditoren hielten am 13. Oktober eine gut besuchte Vcr- sammlung ab. In einem trefflichen Referat bot Genosse 92 ä t h e r eine Kritik der heutigen Produktionsverhältnisse sowie der gegen- wältigen politischen Situation. Sein Appell an die Versanunlung, der Organisation beizutreten, fand lebhafte Zustimmung. Sodann wurde P i g u s ch zum Vertrauensmann und W e i ß e n st e i n und H a ase zu Revisoren gewählt. Grünau. Am Sonntag fand hier im Lokale von Lindenhahn eine Volksversammlung statt, welche sich eines guten Besuches zu er- freuen hatte. Reichstags-Abgeordneter Fritz Z u b e t l referirte über den Stuttgarter Parteitag. Der Redner schilderte in kurzen Zügen den Verlauf und die Verhandlungen des Parteitages und besprach die aus dem Kreise gestellten Anträge. Reicher Beifall belohnte den Redner am Schlüsse seines rnteressanten Vortrages. Zum Vertrauensmann wurde Engel für das laufende Jahr gewählt. Eine kleine Debatte entspann sich bei dem Bericht der Lokalkomnusston, der Gelegenheit gab. nochmals auf die Drangsalirungen, die gegen den Gastwirih Lindenhayn ausgeübt werden, hinzuweisen. Die Genossen wurden ermahnt, denselben nach Kräften zu unterstützen. Hierauf wurden Hoffmann, Wustrow und Engel in die Lokalkommission gewählt. Nicderschöncwcidc-Johanniöthal. In der öffentlichen Partei- Versammlung, welche am Sonntag Abend hier tagte, gab der Ver- trauensmann Otto John Bericht über seine Thätigkeit. Nach einem warmen Appell an die Anwesenden, sich der hiesigen Organi- sation mehr anzuschließen, sowie auch dafür Sorge zu ttagen, daß die Lokallistc, speziell in Niederschöneweidc. strikte beachtet wird, erstattete Redner den Kassenbericht. Derselbe ergab trotz der dies- jährigen großen Ausgaben für Gemeinde- und Reichstagswahlen einen Bestand von 60 Mark. Der Ort Oberschöneweide, der bis jetzt vom hiesigen Agitationsbezirk mit verwaltet wurde, soll künftig selbständig die Agitation betreiben. Auf Anttag Krone wurde beschlossen, vom Bestand der Ortskasse 20 M. an Oberschöneweide zu überweisen. Zum Vertrauensmann für Niederschöueweidc-Johannisthal wurde hierauf Genosse Mann einstimmig ernannt. Die weiteren Wahlen hatten folgendes Resultat:' Revisoren: Krone. Krüger, Cordes; Lokal- kommission: Weber, Mann; Delcgirte zur Kreiskonferenz: Weber, John, Man n. Hierauf erstattete Köster Bericht vom Stuttgarter Parteitag. An der Diskussion, die sich sehr rege gestaltete, nahmen Recke, John, Reichert und St öfter theil. Arbeiter- Bildungsschule. Freitag: Nationalökonomie (Gnrndzügc der Wirthschafts- und Finanzpolitik, Gewerbe-Ordnung, Handels- Politik, Steuersragen); Vortragender: Schriftsteller Max S ch i p p e l. Be- giwl der Vorlesungen pünktlich um 9 Uhr abends. Berliner Krauken- Unterstützungs- und Begräbnifi-Verei» für Frauen und Mädchen, gegr. 1692. Jeden Freitag, abends 7 Uhr, Zahlabend bei Mehnoald, Alte Jakvbstr. bt/öö.- Zkcue Mitglieder werden daselbst aufgenommen. Verein für Körper- und Naturhcilknnde. Heute, abends 8V2 Uhr, Bülowstr. 39: Bortrag des prakt. stlaturheilkundigcn Grundmann über: „Gehirn- und Nervenkrankheiten". Demonstrirt an farbigen Lichtbildern. Gäste. Männer und Frauen, willkommen. Arbeiter- Turnverein Wcistensce. Turnstunden Dienstags und Freitags abends 6—19 Uhr, Albrechtshof, Parkstraße. Eingelaufene Druckschriften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben das i. Heft des 17. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Der Stuttgattcr Parteitag.— Landwirthschaftlicbcr Arbeitcrmaugel in der Schweiz. Von Rusticus.— Die Lage der städtischen Arbeiter in Karls- ruhe. Ein Beitrag zur städtischen Arbeiterpolitik. Bon Dr. C. Hugo.— Die sogenannte Naturheilkunde. Von Dr. H. B. Adams Lehmann.— Einige Bemerkungen zu deil letzten Wahlen in Oberschlesien. Von Leon Plochocki.—'Notizen: Aus den Ergebnissen der landwirthschastlichcn Betticbs- slatistik in Bayern.— Feuilleton: Eine Unzivilisirte. Erzählt aus dem kleinrnssischcn Leben von Olga kobylanska.(Fortsetzung.) Für den Inhalt der Juscratc überniuiuit die Nedaktio» den, Publikum gegenüber keinerlei Bera»t»>ortnng. TIjcAtev. Freitag, 21. Oktober. Opernhaus. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Auf der Sonnen- feite. Anfang?:/, Uhr. Neues Opern- Theater(Kroll). Fregoli-Gastspiel. Anfang 7r/z Uhr. Deutsches. Cyrano von Bergerac. Anfang 7i/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7l/z Uhr. Lessing. Grohmama. Anfang 7>/.UHr. Refidcnz. Der Herr Sekretär. Vorher: Frühlingswende.. An- fang 7i/z Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7t/z Uhr. Schiller. Wallcnstem's Lager. Die Piecolomini. Anfang 8 Uhr. Westen.■ Martha, oder der Martt zu Richmond. Anfang 7V2 Uhr. Metropol. Das Paradies der Frauen. Anfang 7:/z Uhr. Central. Die Gcllha. Ans. tt/, Uhr. Thalia. Unser lustiges Berlin. An- sang 7i/z Uhr. Luise». Jocko's Streiche. Vorher: Der dritte Kopf. Anfang 8 Uhr. Belle- Alliauce. Minna von Barn- Helm. Anfang 8 Uhr. Ostend. Das Käthchcn von Heil- bronn. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wittieliiistädlisches. Die Geheimnisse von London. Ansang 8 Uhr. Alexanderplay. Demi-Monde. An- fang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Anfang 8 Uhr. Urania. Taiibenstrahr Naturkundliche Ausstellung. Täg- lich geöffnet von 19 Uhr vor- uiittags ob. Einttttt 89 Pf Abends 8 Uhr: Die Urzell des Menschen. Juvalidenstrasie 57/62. Täglich abends von 8-19 Uhr: Stern- warte, Operntelephon. »lpollo. Spezialitäten- Borstellung. Ansang 71/2 UVr. ReichshaUe». Stctttner Sänger. Ansang 8 Uhr. Fee»- Palast. Spezialitäten- Vor- stelliing. Passage> Panoptikum. Speziali- täteii-Borstclluilg. 'kilslis-srdeater. Dresdenerstr. 72/73. Unser lustiges Berlin. Grobe Gesangsposse in 4 Bildern von E. Sondermailii u. Ch. Bischoff. Couplets von Alfred Bender. Musik von Curt Goldmauil. Anfang 71/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Cchilltr-Thtliter kWallncr- Theater). Freitag: Wallenstein's Lager. Tic Piecolomini. Sonnabend: Wallcnstcin's Tod. Sonntag: Nachmittags: Tie Haubenlerche. Abends: Mauerblümchen. Crnkvsl T lsenter Direktion: lose ferenczy. Vir G e i s lz e». Operette in 3 Akten v. Sidney Jones. Morgen und die folgenden Tage: Die Geisha. Somitag Nachmittag: Tic Glorteu von Corneville. Operette in 3 Akten von R. Planquette. Donlicrslag, den 27- Oktober: Zum 200. Male: Die Geisha. LsteO-Carl Wcijj-Tlpttt. Gr. Frankfurt erste. 132. Gastspiel des Herrn Cäsar Beck. Das Käthlhen m ßeilbroilii. Schauspiel in 8 Akten v.Heinr.v. Kleist. (Original-Ausgabe.) Anfang 8 Uhr. Voizugsbittets haben Gilttgkeit. Sonnabend: Robert und Bertram. Sonntag Nachmittag: Kleine Preise: T er Hüttenb efifcer. Abends V/z Uhr: Käthchcn von Heilbroun. Freitag, de» 21. Oktober 1898, Abends?>/. Uhr: HumoriWe Borstesliing. Zum ersten Male: Austreten des ausgezeichn. Clowns Oskar L-ec. Z»m erste» Male: Gigerl-Clown Wittes Daniel» als Musikdirektor. Zum ersten Male: Clown DoganowskI als Mimiker. Ausserdem: 7b e k-orloxs, die lustigen Chinesen. Skadow Brothers, moderne Gladiatoren. Auftreten des Herrn H'raar, Gebhardt, Ritter pp., bisheriger Chef der k. k. spanischen Hofreitschule in Wien. Auszug sämnlllicher Reiiertypen in pnmihaftestcr Ausstattung. Zu- iammenkuust der Blumen, grobes Ballet- Divertissement. Die neuen Freihcitsdrefsuren des Dircklors Busch. Moro-n, Sonnabend: Parade- Gala-Vorstcll,»,g. Sonntag, d. 23. 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