Ur.«48. AdmmemeMs- Zedingungkn: Abonnements- Preis pränumerando: Sierteljährl. ZSO Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. Nummer mit tlluftrirter SonnlagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Singetragen in der Post- Zeitung»- Preislifts für 1303 unter Dr. 757S Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 13. Jahrg. Die Iuftrtwns-Grlmhr beträgt für die fechsgespaltene Kolone:- zeile oder deren Raunl 40 Pfg., für Vereins- und Versanimlnngs-Anzeigsn, sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Numnier müssen btS t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festtagen biS g Uhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich auster Wonlag». Vevliner Volksbl�tk. Fernsprecher: Null I, Nr. 1303. Telegramni- Adresse: „Sviialdriiivstral Serlin". Dentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SM. IS, Senth-Stragr 2. Sonnabend, den ÄÄ. Oktober 1.898. Expedition: LM. 19. Benklz-Skrahe 3. Arbeitskamniern. Btan schreibt uns:. In letzter Woche hat die Generalversammlung des dem Zentrum nahestehenden Verbandes„Arbeiterwohl" die Frage der Errichtung von Arbeitskammern angeschnitten und damit die Diskussion für eine hochwichtige sozialpolitische Forderung wieder in Fluß gebracht, obgleich der Wind von oben her nichts weniger als solchen Plänen und Forderungen günstig weht. Um so schärfer mutz man aber gerade darum im öffent- lichen Leben, die Nothwendigkeit sozialer Matzregeln, die im fortschrittlichen Interesse der Arbeiter gelegen sind, betonen. Ter geistige Leiter und Inspirator auf der genannten Versammlung war der Abg. Prof. Dr. Hitze. Bemerkenswerth war ferner, datz ein Fabrikant, Herr Brandts aus München- Gladbach, das einleitende Referat übernommen hatte. Ter Redner ging von der Erwägung aus, datz durch eine Organi- sation der Arbeiter in Arbeitskammern die Folgen der sozialen Kämpfe und diese selbst zwar nicht beseitigt, aber wesentlich abgeschwächt werden könnten. Prof. Hitze legte eine Reihe Leitsätze vor, nach denen die Errichtung von Arbeiterkammern erfolgen sollte und die zugleich die Aus gaben der Organisation näher umschreiben. Wir resunnren in kürze die Hitze'schen Gedanken. Tie Arbeitskammern beschränken sich, nachdem die Ge- sellen des Handwerks in den Gesellenausschüssen der Innungen und in den Handwcrkerkammern vertreten sind, auf die Ar beiter und Arbeitgeber der Grotzindustrie, das sind Fabriken mit mindestens 20 Arbeitern. Dort, wo eine starke, geschlossene Hausindustrie vorhanden ist, soll auch diese bctheiligt werden. "Arbeitskammern sollen nun zunächst für größere Gemeinden resp. Kreise als lokale Organisationseinheiten gebildet und diese wieder in den für größere Bezirke gebildeten Bezirkskamniern zusammengefaßt werden. Als Spitze der gesammten Organi sation aber ist ein Reichsarbeitsamt gedacht. Die Aufgaben der lokalen Kammern bestehen in der Hauptsache in der Bcricktcrstattung und Em innig der Ärbeiterverhältnisse des Bezirks und in der Formulirung von sozialpolitischen Vorschlägen an die Gemeinde sowie die örtliche Polizei- Verwaltung, soweit dieser soziale Aufgaben zugewiesen sind. Die Arbeiten der Bezirks- kammcrn bewegen sich in gleicher Richtung, nur mit dem Unterschiede, datz sie in erster Linie an die Bezirks regierungen, an die Staats- und Reichsbehörden und die gesetzgebenden Faktoren sich wenden, und ans die Vorarbeit der lokalen Arbeiterkammern sich stützen. Tie innere Verwaltung und Geschäftsführung soll nach folgenden Gesichtspunkten geregelt werden. Der Vorsitzende mutz neutral sein: in erster Linie wird der Gcwerbcrath oder Fabrikinspektor für diese Stellung sich eignen. Tie Er Nennung liegt der Staatsregierung ob. Ein besoldeter Sekretär soll ihn in seinen Aufgaben unterstützen. Die Bc rathungen sind in der Regel öffentlicks. Die Kosten trägt dieStaats- Verwaltung. Ueber den Wahlmodus sowie über die Stärke der Arbeitskanimern hat Prof. Hitze keine näheren Angaben gemacht, wohl aber darf angenonimen werden, daß Arbeiter und Fabrikanten in gleicher Anzahl in den Kammern vertreten sein sollen. Ohne hier in eine nähere Kritik des Planes einzugehen, mag nur hervorgehoben werden, datz der Plan sich in vielen Punkten mit den Forderungen deckt, die im Jahre 1883 in dem von der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage eingebrachten Arbeiterschutz- Gesetzentwurf enthalten sind. In ihni forderte die Sozialdemokratie eine aus Wahlen hervorgehende Organi- sation der Arbeiter in Arbeitsämter, Schiedsgerichte, Arbeits- kammern, welche die Durchführung der auf die Arbeitsverhältnisse bezüglichen Anordnungen übernehmen sollen. Für jeden Bezirk des Reiches von nicht unter 200000 und nicht über 400000 Einwohner sollen Arbeiterkammern errichtet werdest für die Vertretung der Interessen der Unternehmer und ihrer Arbeiter und Hilfspersonen mit 24— 36 Mitgliedern. Tie von den Unternehmern und Arbeitern zu wählenden Arbeitskammern sollen auch auf den Antrag der Betheiligten Minimallöhne feststellen. Der sozialdemokratische Antrag geht weit über die Pläne des Zentrums hinaus und entspringt namentlich durch aus anderen Motiven als der Hitze'sche Plan. Ganz richtig hat die Sozialdemokratie erkannt, daß die gesammte soziale Gesetzgebung in der Hauptsache so lauge ein todter Buchstabe bleiben insttz, so lange nicht die Arbeiter selbst zur Mitwirkung im großen Stil, sie in der Verwaltung durchzuführen, herangezogen werden. Wesentlich dieser fort- schrittliche Gesichtspunkt drängt zu der Forderung von Arbeitskammern. Bei dem Plane von Professor Hitze läuft aber ein recht reaktionäres Motiv mit unter. Als die guten Folgen von Arbeitskammern zählt Prof. Hitze Dinge auf, die zeigen sollen. datz seine vorgeschlagene Organi- sationsform der Sozialdemokratie Abbruch zu thun geeignet sind. Er meint nämlich, die Arbeitskammern lenkten die Arbeiter auf nächste, praktische Ziele, sie brächen neuen, vernünftigen und matzvollen Anschauungen und Bestrebungen im Stande der Arbeiter wie der Arbeitgeber Bahn und wirkten so mit Erfolg der Sozialdemokratie antgcgen. Von letzterer Zllnsion Professor Hitze zu befreien, haben wir nicht die mindeste Veranlassung" Dagegen wollen wir nicht versäumen, unserer gegentheiligen Auffassung dahin Ausdruck zu geben, daß wir von Arbeitskammern nichts nur nicht eine Schwächung unserer Anschauungen, sondern direkt eine Förderung der sozialistischen Gedanken erwarten. Denn das Bestehen von Arbeitskammern wird innerhalb der Ge- meinde wie im Staate dahin wirken, datz die Arbeiter ihren ganzen Einfluß zur Beseitigung der anarchistischen Auswüchse der heutigen Produktionsweise einsetzen, daß sie ferner den Gedanken einer vernünftigen Produktionsregelung an der Hand der lokalen Erfahrungen vor der breitesten und inter- essirtesten Oeffentlichkeit auseinandersetzen und stärken können. Aber loie gesagt, wegen dieser Meinungsverschiedenheit über die Wirkung der Arbeitskammern wollen wir mit dem Zentrum nicht rechten. Viel wichtiger erscheint uns die Ans- gäbe, im Reichstag eine Mehrheit sür den Gedanken der Er- richtung von Arbeitskammern zu erlangen, und weiterhin den Widerstand der Regierung zu brechen. Da die Fortschritts- Partei schon 1881 einen ähnlichen Antrag im Reichstag ein- gebracht hat, so wird es nicht allzu schwer sein, einen Theil der liberalen Gruppen für den Plan zu gewinnen. Viel schwieriger, wenn nicht aussichtslos in gegenwärtiger Zeit ist es, die Regierung resp. den Bundesrath für den Plan ge- gefügig zu machen. Hat doch die offiziöse„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schon zu einer Zeit, als die Regierung noch im sogenannten arbeiterfrenndlichen Kurse steuerte, sich unzweideutig und mit feiner, aber durchaus reaktionärer Witterung gegen Arbeitskammern erklärt. Nach dieser Auf- fassung ist die Arbcitskammcr im Prinzip eine Institution, die auf den Gegensatz zwischen Arbeiter und Arbeitgeber ge- gründet sein würde. Ihre Errichtung würde diesen Gegensatz, dem bisher in manchen Gegenden Deutsch- lands die Stacheln fehlten, zu einer scharfen Form aus- gestalten. Damit sei aber dem Interesse der Arbeiter sehr Ivenig gedient. Tic„Nordd. Allgcm. Zeitung" weist dann nach, datz Arbeitskammern nur im Interesse der Sozial- demokratie liegen können.„An einer Institution, welche den Prinzipal und die Gehilfen von vornherein in zwei getrennten Lagern unterbringt(gemeint ist die Wahl) und das was sie scheidet, nicht was sie verbindet, unter Pflege nimmt, hat nur die Sozialdemokratie als professionelle Partei der Verhetzung ein Interesse. Der Arbeiter kann nicht aus dem Rahmen gemeinsamer Interessen, die ihn niit seinem Arbeitgeber ver- binden, heraus gerissen werden. Kombinationen, die dieses nächste Band ignoriren wollen, sind ein Gewaltakt und schätzen unnatürliche, dazu verderbliche Verhältnisse," Diese Stellung der Regierung gegen die Errichtung von Arbeiterkammern hat sich seit den letzten drei Jahren un zweifelhast noch verschärft, wie ans der Absage hervorgeht, die der von der„Sozialen Praxis" erst kürzlich angeregte Plan eines Reichs-Arbeitsanites gefunden hat. Trotzdem nieint allerdings Prof. Hitze, datz es an der Zeit sei, alle Mittel anzuwenden, um auch in Teutschland das erstrcbcnstverthe Ziel der Errichtung von Arbeiterkainmern zu erreichen. Ganz einverstanden, doch unter Beifügung des Bemerkens, datz das Zentrum durch seine parlamentarische Stellung allein in der Lage ist, den Widerstand der Regierung brechen zu können. Man wird daher an der Haltung des Zentrums dieser Frage und der Regierung gegenüber einen Probirstein sür die Arbeiterfrcnndlichkeit dieser Partei erhalten. Und in diesem letzteren Sinne begrüßen wir es, datz Professor Hitze die Frage der Arbeitskammern abermals, aufs Tapet gebracht hat. Dem Zentrum ist eine. Gelegenheit gegeben, zu zeigen, ob es seine politische Macht auch im Interesse der Arbeiter- klasse verwenden will. Rio HIiocliis, liic salta! politische Mebeefich!. Berlin, den 21. Oktober. Ueber das augcblirhc Bombenkomplott theilt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" heute folgenden, Ivie sie sagt,„von amtlicher Seite ihr übergebenen Auszug aus dem Bericht des kaiserlichen Konsuls in Alexandrien" mit: Nachdem die italienische Äoiisnlarbchörde in Alexandrien die Aufmerksamkeit der dortigen Polizei auf das verdächlige Treiben einer grvhcrcn Anzahl dorthin gekommener Anarchisten gelenkt harte, war ermittelt morden, das; die Anarchisten eine Zusammen- kunft in Kairo gehabt und beschlossen hatten. auf dem Mehemed Dlli-Platz oder vor dem Abdin-Palais in Kairo bei der Ankunst der kaiserl. Majestäten ein Bombenattcntat gegen das deutsche Herrschcrpaar auszuführen. Nach dem Bekanntwerden der Aende- rung des kaiserl. Reiseplans dielten dieselben Anarchisten am Morgen des 13. Oktober bei einem gewissen Ilgo Parini in Alexandrien eine zweite Bcrsammlung ab. In dieser wurde bc- schlössen, die inzwischen angefertigten Bomben, statt nach Kairo, nach Palästina zu schaffen, damit sie dort gegen die kaiserl. Majestäten verwendet werden könnten. Die Bomben sollten von einem a»S Trieft gebürtigen Italiener, der sich künlich auf dem nach Palästina bestimmten Dampfer der„iüiedivia! Steamship& Gravin» I)ock Company" als Kellner hatte in Dienst nehmen lassen, am 13. Oktober abends an Bord dieses Tampsschiffcs gebracht werden, und zwar von dem kleinen Weinschank ans, den Parini seit etwa zwei Jahren in dem Stadt- viertel Moharrem Bch in Alexandrien hält. Am 13. Oktober, abends um 7 llhr. begab sich der Leiter des italienischen Konsulats, Bizekonsul Bürdest, mit zivei Katvassen, denen sich der Polizei-Kommandant von Alexandrien, Harriirgton Bch, und der Polizci-Jnspcktor Trcvcs mit einigen Polizisten angeschlossen hatten, nach dem Weinschank. Parini war an- wcseud. Die Kiste mit den Bomben wurde bald aufgefunden. Parini gab auf Befragen an, er kenne den Inhalt nicht: ein ihm unbekannter Araber habe die Kiste bei ihm abgestellt und erklärt, sie in einigen Tagen wieder, abholen zu wollen. Auf weiteres Drängen meinte Parini, es sei wohl Kognak in der Kiste, und griff nach einem Hammer. An der Ausführnitg der offeitbarcn Absicht, sich und alle Anwesenden zu vernichten, wurde er mit Gewalt verhindert. Nach seiner Festnahme erklärte er unter wilden Drohungen, er sei Anarchist. Er wurde in Gewahrsam gebracht und die' Kiste in Beschlag genommen. Darauf schritt die Polizei in der Nacht vom 13. zum 14. Oktober zur Verhaftung von acht Thcilnchmern der in Kairo und Alexandrien abgehaltenen anarchistischen Zusammenkünfte. Es wurde noch festgestellt, datz der zur Ueberführung der Bomben von Alexandrien nach Jaffa bestimmte Italiener bei der Ankunft des Dampfers in Jaffa seinen Dienst an Bord verlassen sollte, um eine bereits für ihn erwirkte Stellung als Kellner im Hotel Bristol in Jaffa anzutreten. Die Kiste mit den Bomben sollte er in unauffälliger Weise unter seinen Sachen mit an Land bringen und sie im Hotel Bristol für die zur Ausführung des Attentats in Jaffa eintreffenden Genossen bereit halten. Am 14. Oktober morgens wurde in Alexandrien im Beisein des kaiserlichen Konsuls v. Harünann die bei Parini in Beschlag genommene Kiste untersucht. Sic enthielt, sorgfältig in Säge- späne verpackt und durch Holzstäbe vor dem Zusammenprallen ge- schützt, zwei ganz gleiche Bomben. Es sind zwei etwa 25 Zentimeter hohe, runde, in der Mitte ausgebauchte Zylinder von 7 Zentimeter Durchmesser am Boden und 10 Zentimeter in der Mitte. Sie sind ans galvanisirtcm Eisen hergestellt, zunächst mit Zinkdraht eng umsponnen, dann mit Papier und Bindfaden umwickelt. Der eine Boden hat in der Mitte eine Oeffnung, aus der eine starke Zünd- schnür hervorsteht. Jede der Bomben wiegt 2130 Gramm. Ihr Inhalt besteht ans einer gelben Masse, die als Knallquecksilbcr festgestellt ist, im Gewicht von je 1050 Gramm, und 26 Stück fertigen Ncvolverpatroncn starken Kalibers. Danach konnten die Bomben durch Entzündung und durch Schlag zur Explosion ge- bracht werden. Man nimmt an, datz jede Bombe im Fall der Explosion die Tödtiuig oder Verwundung der in einem Umkreist von etwa 50 Meter befindlichen Personen herbeigeführt haben würde. Ties der„von amtlicher Seite der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" übergebene Auszug aus dem Bericht des deutschen Konsuls in Alexandrien. D e r„R e i ch s- A n z e ig e r" schweigt auch heute. Wie erklärt sich dieser„Zwiespalt der Natur". Oh, sehr einfach. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die den in die Enge getriebenen Bombenpolitikern der„Post",„Kreuz-Zei- tung", ic. zu Hilfe kommen will, hat sich darauf besonnen, datz, wie Fürst Bismarck einmal sich ausdrückte, man alles, was man nicht o f f i z e l l sagen dürfe, offiziös sagen könne, weil letzteres nicht binde, und von den Dummen doch kein Unterschied zwischen offiziell, d. h. amtlich, und offiziös, d. h. was aus irgend einer„amtlichen", aber u n- verantwortlichen Quelle stammt, gemacht werde. Die„Nordd. Allg. Ztg." ist kein amtliches Blatt; was sie schreibt, bindet die Regierung in keiner Weise— ebensowenig, wie das, was ein beliebiges Kärtchen Miesnick im„Kladderadatsch" schreibt. Und wer ist denn„die amtliche Seite", die der„Nordd. Allg. Ztg." den Auszug gegeben hat? Vermuthich irgend ein anarchistengesstz-lüsternev Angestellter, dem der Bericht des italienischen Konsuls in Alexandrien zu Gesicht gekommen ist. Anderes Material als diesen Bericht hat der betreffende An- gestellte— einerlei ob er zur Veröffentlichung befugt war oder nicht— offenbar nicht gehabt, denn sonst Hütte er es veröffentlicht oder doch angedeutet. In diesem Bericht des Konsuls steht a b e r n i ch t s, w a s n i ch t schon in den bekannten S e n s a t i o n s d e p e s ch e n der letzten vier oder fünf Tage zu lesen war. Und die Thatfache, datz das einzige amtliche Organ der R c i ch s r e g i e r n n g:„Der Reichs-Anzeiger", auch heute von keinem Komplott gegen den deutschen Kaiser spricht, ist ein sicherer Beweis dafür, daß die Tinge noch lange nicht genügend geklärt sind. Im übrigen ist keine Thatsache bekannt geworden, welche den Glauben erschüttern könnte, datz das eghp tische Komplott Spitzelmache ist. Und dieser Glaube bcniächtigt sich denn auch immer weiterer Kreise.(Siehe die nachfolgende Kor- respondenz aus Petersburg.)— Zum neueste« Schwindel- Attentat schreibt man uns aus t. Petersburg: Nach der„Norddeutschen Allgemeinen" in Berlin erweist sich das.(so getaufte)„Kaiser-Attentak" zu Alexandria als„ein geschickt" angelegtes und sorgfältigst geplantes.— Internationale Verbrecher haben es ausgeheckt und nur die Vorsehung(!) hat cS rechtzeitig verhüten helfen. Die Enthüllungen des ilalienischcn Konsuls in Kairo haben sich anfs Haar bestätigt. Die Fäden der Verschwörung führen nach Europa zurück! Sie ist somit internationalen Charakters. Man ist versucht fortzufahren:— Denn,— als Programm- gemäß von dem nberführten Diebe und offiziellen italienischen Lockspitzel S ä n t o r o und seinem Spießgesellen P i e r r a M a n t i c ä, in Gestalt des Luccheni-Attentates zu Genf angezettelt, erscheint diese nnverfrorcnste aller Polizeifarcen umsomehr, als diese beiden Gauner spurlos ans der Schweiz verduftet sind. Trotz schweren Verdachts der ideellen Anstiftung wagten die Genfer Behörden, wie ersichtlich, es nicht, die beiden PvIizei-„Tnarchisten" festzuhalten und zu vernehmen im Mordprozcß ihres angeblichen„Gesinnung.?- genossen"— Auge in Auge zugleich mit den anderen angeblichen Komplicen Lucchcin's. Außer den ersten drei in Alexandria zunächt gefixten Bomben- verdächtigen sollen indessen bis jetzt 15 festgelegt geworden sein.— Einen der ersten Drei läßt man zuvor als'„unbekannten, aber Zweifellos kontiucnkalcii Emissär" und—„mnthmatzlichen Schiffskellner" rechtzeitig genug verschwinden.— Zwei Bomben, etliche flnffigc Füllsel und„anarchistische" Drucksachen((Sprache unbekannt) werden dem italienischen Kaffeewirth ins Haus und auf den Schanktisch ferbirt, und über das Nationale deS dritten„Attentäters" schweigt sich Kairo und Alexandrien bis jetzt aus. Desto lauter aber betont man das große Kaliber der Revolberkugeln, welche den Bomben ein- verleibt waren, solvie die muthmaßliche Etappe der Attentäter nach— Jerusalem! Dank den Mailänder Morden und seiner„Panaminos" ist dem unglücklichen Minister des Auswärtigen in Italien. C a n c v a r o die schwere Ausgabe geworden, der diplomatischen Konspiration gegen die genassührten und brutalisirten Völker Europa'S das Schamwch zu reichen. „Auf, ihr Hüter der Weltordnnng," ruft er schmerzbewegt aus, „gegen diese überspannten Menschen, die vor keinem Attentat, und sei es noch so wahnwitzig und scheußlich, zurückschrecken.— Menschen mit entarteten Grundsätzen, mit Prinzipien, die sie selbst anarchistisch nennen und öffentlich durch ganz Europa auf ihren Wanderungen verbreiten!" „Auf. ihr Staatenlenker, zur Anti-Anarchisten-Konferenz, herbei ihr Diplomaten mit technischen Delegirten in Verwaltung und Justiz!" Bravo Signore Canevaro und vergessen Sie ja nicht die Lütticher Akten des russischen Bombenbarons von Ungern- Sternberg und seiner Opfer im Dienste des internationalen Polizei-Auarchismus mit beizubringen. Wir dcdiziren Ihnen indcß zugleich auch publice hiermit ein Dokument von kaiserlich- russischer Approbation und extrahiren dessen Hauptwortlaut aus den im Sommer 1891 der vor Scham verstummten internationalen Diplomatie ins Gesicht geschleuderten„241 Geheimdoku- menten der russischen Orientpolitik 1«81— 1891". Der russische Konsulatsdragoman I a k o l s o h n in Bulgarien. wegen deren Entwendung von der russischen Regierung vergebens verfolgt, hat sie zur Kenutiütz der Welt gebracht. Ihre Echtheit ist noch dazu geschichtlich kontrollirt und bestätigt! Die Lehrmeister und Nährväter der Caserio's, Luccheuüs u. s. w. sind dort zu finden, wo Staatsraison und Fürsten- wie Masseninord sich decken, ihre Orgien feiern und geheiligt sind. Hier der Beweis: (Nr. 235 unserer Quelle.) „Geheimer Brief des kaiserlich russischen Gesandten in Bukarest an den Direktor des asiatischen Departements in St. Petersburg vom 11. Mai 1890(Nr. 173): „Gnädiger Herr Iwan A I e x e j e w i t s ch. Der Leiter der geheimen Polizei- Agentur in Paris hat einen der ihm unterstellten Beamten der Geheimpolizei nach Rumänien gc- sandt, um den russischen Sozialisten Wladimir Burtzew zu verfolgen. Neben diesem Auftrag hat der wirkliche Staatsrath Roskowski dem Gendarmerie-Obcrlieutenant M i l e w s k i be- fohlen, während der Anwesenheit des letzteren in Bulgarien gewissen, vollkommen vertraucnswerthen Personen behilflich zu sein, um eine Verschwörung gegen einige der bulgarischen Machthaber und nament- lich gegen den selbsternannten Fürsten von Bulgarien, Prinzen Coburg, ins Werk zu setzen. Im äußersten Falle kann der Ober- lieutenant M i l e w s k i den Personen, welche ihm unser Generalkonsul in Konstantinopel bezeichnen wird, Explosivbombeu übergeben. Dieselben sind in Paris von dem Pyrotechniker F e o d o r o w an- gefertigt worden." Des weiteren werden sodann französische Pässe für die russischen„Unterthanen" erbeten? wegen zur Zeit cxistirender Spannungen mit den deutschen Vertretern im Fürsten- thum und bis zur Beendigung des Panitza-Prozcsses gerathen, vor- läufig von neuen Anschlägen in Bulgarien abzusehen. Bei der„Un- fähigkeit zum Handeln seitens der Bulgaren" glaubt sodann der Rapport, wörtlich schließend, daß die Anwendung der in letzter Zeit in Paris gefertigten Dynamitbomben kaum zu einem günstigen Erfolge führen würde.— Damals die Pariser, dann die Kon- stantinopler Dynamitbomben der Ottomanischeu Bank und heute die italienisch servirten„Anarchisten" von Alerandria I Rußland regiert die Welt, die Abrüstungspalme in den Lüsten schwingend und Herrn Canevaro für bessere Zeiten und für die Rettung des entlarvten Polizei- Anarchismus die Arbeit zuschiebend. Beiden unsere ungetheilte Heiterkeit!— A Reichsrecht und Laudesjuftiz. Aus Dresden t�rd uns geschrieben: Der„grobe Unfugs"- Paragraph, welchen sächsische Gerichte seit Jahren gegen die Verbreitung sozial- demokratischer Flugblätter eifrig in Anwendung gebracht haben, hat neuerdings das sächsische Landesgericht in einem Falle von besonderer Tragweite beschäftig i. Es galt zu entscheiden, ob die in bezug auf das Flugblatt-Vertheilen bisher getroffenen Entscheidungen auch während der Reichstags-Wahlperiode Geltung haben sollen. Die Aufspürung des groben Unfugs durch Verbreiten sozialistischer Flugblätter ist bekanntlich mit immer gesteigerter Kunstfertigkeit betrieben worden. Früher wurden noch als Vorbedingung für die Anwendung des berüchtigten Paragraphen gewisse positive Beweise dafür verlangt, daß wirklich ein größerer Personenkreis„beunruhigt" worden sei. Dann hat man sich damit begnügt, kurzweg zu erklären, die Vertheilung der sozialistischen Flugblätter sei an sich„für geeignet", Be- unruhigung hervorzurufen, und daraufhin eine Ve'rurtheilung auszusprechen. Jetzt hat man im urreaktionären Sachsen dieser nicht nur in den weitesten Kreisen der unabhängigen Juristenwelt, sondern auch von Vertretern der Reichsregierung scharf ge- mißbilligten Rechtsprechung die Krone aufgesetzt. Das Ober- Landesgericht hat die Anwendung des Paragraphen vom groben Unfug auf das Vertheilen von Flugblättern auch während der Zeit von Wahlen zu gesetz- gebenden Körperschaften gebilligt. Das Schöffen- und Landgericht in Bautzen hatte sechs Anhänger der sozialdemokratischen Partei zu Geld- und Haft- strafen verurtheilt, weil sie in der Zeit vor der Reichstags- wähl Flugblätter verbreitet hatten. Das Ober-Landesgericht hat dies Urthcil bestätigt, ohne auf die prinzipielle Seite der Sache einzugehen. Es beschränkte sich ledig- lich auf die Wiederholung früherer Begründungen für das Vorhandensein des„groben Unfugs". Durch den Inhalt der Flugblätter würden andere Par- teien beschimpft und verletzt. Das Eindringen der Flug- blatt-Austräger in fremde Häuser ohne Unterschied der polittschen Gesinnung ihrer Bewohner bedeute eine Be- unruhigung und Störung des Sonntagsfriedens:c. Das Ober-Landesgericht scheint also der Meinung zu huldigen: daß es sich um die ausdrückliche Bestimmung der Reichs-Gewerbe-Ordnung, durch die das Ver- theilen von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzweckeu sogar von der sonst üblichen polizeilichen Erlaubniß befreit sein soll, nicht zu kümmern brauche. Das Urtheil des sächsischen Ober-Landesgerichts verstößt in flagrantester Weise gegen den Z 43 der Reichs-Gewerbe-Ordnung. Es wird nöthig sein, diese im ganzen Reiche sonst nicht geübte Rechtsprechung im Reichstag zur Sprache zu bringen und den sächsischen Rechtskünstlern zu zeigen, daß sie in dem von ihnen unter juristischen Formen geführten Kampfe gegen die Sozialdemokratte jedenfalls den klaren Wortlaut von Reichsgesetzen nicht außer Acht lassen dürfe.— Wahlrechts-Zcrstörnilg. Wo immer die Sozialdemokratie einen maßgebenden Einfluß in einer gesetzgebenden oder verwaltenden Körperschaft gewinnt, antwortet die Reaktion mit dem Versuch, das Wahlrecht, auf arund dessen die Sozialdemokratie jenen Einfluß er- langte, zu beseitigen. So will jetzt auch die Regierung von Schwarzburg-Rudolstadt eine Revision des G e m e i n d e- Wahlrechts vornehmen. Der Rudolstädter Landtag ist zu einer außerordentlichen Sitzung auf den 4. November zusammenberufen worden, und eine der in Aussicht gestellten Regierungsvorlagen be- trifft die Umänderung der bisherigen Gemeinde-Ordnung. Bisher war es in den Städten des Fürstenlhums jedem Ortsbürger vergönnt, zu Gemeinderarhs- sowie Bürgermeister-Wahlen das gleiche Wahl- recht auszuüben. Nun verlangt aber die neue Regierungsvorlage nach sächsischem Muster das D r e i k l a s s e n- W a h l s y st e m. Den Anstoß zu diesem Anschlag auf das Wahlrecht haben die Fort- schritte der Sozialdemokrratie in mehreren Orten des Fürstenthums gegeben. Der Staatsminister S t a r ck selbst wies in der letzten Sitzung des verflossenen Landtages darauf hin, daß der Stadtrath zu Frankenhauscn leider in seiner Majorität aus Sozialdemokraten zusammengesetzt sei. Dem soll nun qbgeholfen werden und eS soll vorgebeugt werden, daß die arbeitende Bevölkerung auch in anderen Ortsverwaltungen die Mehrheit der Mandate gewinnen könne. Durch äußerliche Machtmittel soll der Ausdruck der Neberzeiigung des Volkes künstlich behindert werden. Die Majorität des rudolstädtischen Landtages ist freisinnig. Wir werden sehen, wie sich dieser Freisinn zu dem Entrechtungs- Fcldzuge der Regierung von Schwarzburg- Rudolstadt stellen wird. In dem Faschoda- Streit wird sowohl in Frankreich als in England abgeiviegelt. Es wäre ja auch der hellste Wahnsinn, wenn um dieser Ursache willen ein Krieg zwischen den beiden Westmächten entbrennte, der blos für Rußland Vorthcile bringen könnte.— «« Deutsches Reich. Zu dem Anöschlnß des Genosse» Singer aus der Berliner Schuldeputation schreibt die Leipziger„Lehrerzeitinig":„Die Sozialdemokraten sitzen im Reichstage, in Landtagen und Gemeinde- Vertretungen, also in weit wichtigeren Körperschaften, als es die Schuldeputationen und Schulvorstände sind. Eine große politische Bedeutung ist ihrem Ausschluß aus letzteren nicht beizumessen."— Es kommt wenig darauf an, was die„Lehrerzeitung" für wichtig oder unwichtig hält. Die Thatsache allein, daß ein Mann, den das Vertrauen seiner Mitbürger auf einen Ehrenposten gestellt hat, die behördliche Bestätigung nicht findet, blos weil er' Sozialdemokrat ist, bleibt an sich!v i ch t i g genug, und höchst beschämend für unsere vielgcrühmte„Selbstverwaltung" zugleich. Der Gewissenszwang in den Militärvereinen treibt immer schönere Blüthen. Jetzt will ein hiesiger Kncgervercin seine Mit- glicder zwingen, folgende„Erklärung" zu unterschreiben: „Ich versichere durch meine eigenhändige Naniensunterschrift, daß ich unentwegt auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich, König und Vaterland stehe und dementsprechend überall handeln, so ost mich die Pflicht als Bürger ruft. Ich gelobe insbesondere, daß ich die Bestrebungen der Sozialdemokratie niemals— weder durch Worte noch durch That— unterstütze, sie vielmehr in jeder Weise nach meinen Kräften bekämpfen werde. Sollte ich diesem Gelübde jemals untreu werde», verspreche ich, freiwillig aus dem Moabiter Kricgerverei» auszuscheiden, anderenfalls unter- werfe ich mich auch ohne Vorbehalt und Widerspruch, der dann über mich zu verhängenden Ausschließung. Daß Austritt oder Ausschließung den Verlust aller Ansprüche und Rechte an den Verein und den deutschen Kricgerbuud nach sich ziehen, ist mir be- kamst." In dem Verein befinden sich Leute, welche 12, IS Jahre ihre Beiträge entrichtet und damit sich Rechte erworben haben, die ihnen. falls sie mit den Maßnahmen der jeweiligen Regierung nicht in allen Punkten einverstanden sind, durch den eventuell erfolgenden Ausschluß verloren gehen sollen. Dazu wollen wir nur bemerken, daß das Äammergcricht bereits in mehreren Fällen dahin entschieden hat, daß niemand gezwungen werden kann, eine Erklärung, wie die obige zu unterzeichnen. Erfolgt dennoch der Ausschluß, so ist hier- gegen mit Erfolg der Klagcwcg zu beschreiten. Wie wenig dazu gehört, iin Sinne der Eiferer in den Krieger- vereinen sich des Verbrechens schuldig zu machen, sozialdemokrastsch thätig zu sein, dafür wieder ein Beispiel aus Neu dämm. Aus dem dortigen Kriegervercine sind zwei Mitglieder ausgestoßen worden, welche demselben einige 20 Jahre angehörten und Feldzüge mitgen-achl haben. Einer derselben mit Namen K. be- kommt 21 ivt. monatlich Pension wegen zwei Verwundungen, die er 1870 71 erhalten. Da diese zur Ernährung seiner Familie nicht ausreichen und K. wohl seinen Namen schreiben, aber sonst weder lesen noch schreiben kann, so ist derselbe gezwungen, sich durch Besorgung von Gängen, Packcte tragen u. s. iv. einen Nebenverdienst zu suchen. K. hat nnn gegen Bezahlung sozial- demokratische Flugblätter und Stimmzettel verbreitet und mußte nun aus dem Verein entfernt werden. Der andere, R., hat die ihm an- gebotenen sozialdemokratischen Stimmzettel zurückgewiesen: es Hilst aber alles nichts, er muß ebensalls Sozialdenrokrai sein. Beide Per- soncn sind als solche vollständig unbekannt. Iii Hehlen lBraunschweig), wo am 24. Juni 121 sozialdcmo- kratische gegen 32 Stimmen, die der Bund der Landwirthe erhielt, abgegeben wurden, will der Kriegerverein alle Mitglieder aus- schließen, die sozialdemokrastsch gewählt haben. Wie er bei dem „geheimen" Wahlrecht das fertig bekommen will, wissen wir nicht. Aber nicht auf den Ausschluß von Sozialdemokraten, wirklichen und angeblichen, beschränkt mau sich, sondern auch die harmlosesten Personen, die mit der Regierung nicht in allen Fragen durch Dick mid Dünn gehen, fliegen hinaus. In Sachsen, im Kreise Zittau wird von dem Vorsitzenden des Militärbuudcs durch„vertrauliche" Zirkulare ein regelrechter Boykott über eine freisinnige Zeitung in Szene gesetzt. Geschäftsleute, welche eine Ausgabestelle der betreffenden Zcistiug haben, werden von der Leitung des Krieger- vereins-Bundes aufgefordert, diese aufzugeben. Und das sind die Leute, welche am lautesten schreien über sozialdemokratischen Terrorismus, Intoleranz u. s. w. Im übrigen aber haben wir nichts dagegen, wenn der Säuberuugsprozeß nur gründlich durchgeführt wird, wenn jeder, der mit der heutigen Ordnung der Dinge unzufrieden ist, hinausfliegt, dann dürften bald nicht allzuvicle mehr übrig bleiben.— Der Verein für Sozialpolittk hatte den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten um die Ermächtigung gebeten, in bestimmten Bezirken unrer Mitwirkung der kgl. Eiseiibahndirekstonen eingehende Erhebungen über die Arbeits-, Lohn- und Lebensverhältnisse der Unterbeamten und Arbeiter durch Ausgabe von Fragebogen und ergänzende mündliche Vernehmungen des Personals anstellen zu dürfen. Wie nunmehr die„Zeitung des Vereins deustcher Eisenbahn- Verwaltungen" mittheilt, hat der Minister sich grundsätzlich außer stände erklärt, diesen Anträgen zu enstprechen.— Um diese Ablehnung recht würdigen zu können, muß man sich erinnern, daß Herr Schmoller Vorsitzender des genannten, in der Haupstache aus staatlich angestellten Universitätsprofessoren be- stehenden Vereins, zugleich Mitglied des Staatsraths ist. Fürchtet man schon eine von solchen, vom Standpunkte der Regierung aus gewiß„eiuwandSsreien" Leuten vorzunehmende Untersuchung, dann muß man gewiß alle Ursache haben, die Aufdeckung der Arbeiter- verhälsttiffe in den Musterbetrieben zu scheuen. Dagegen hat die in sozialpolitischen Dingen gewiß nicht an der Spitze marschirende österreichische Regierung demselben Antrag desselben Vereins, ob- gleich er noch dazu doch ein landesftemder ist. zugesstnmst. Das Lob der„Berk. Neuest. Nachr." aber hat sich der Eisenbahn- minister mit seiner schneidigen Ablehnung verdient. Diese meinen, man könne es nur mit lebhaftem Beifall begrüßen, daß endlich von einer ni a ß g e b e n d e w und durch ihr Beispiel weithin wirkenden Stelle äus �dieser fortgesetzten, zum m i n d e st e n völlig überflüssigen, in der Haupstache aber in hohem Grade nachtheiligen Einmischung un- berufener Privatkreise in die Arbeitcrvcrhältnisse ein entschiedenes Halt! zugerufen worden ist. Im gewöhnlichen Leben gelte es als eine feststehende Regel, daß Unberufene sich um die Angelegenheiten dritter_ Pestonen nicht zu kümmern haben. Die Einmischung in die Industrie- und Arbciterverhältnisse werde im Gegensatz dazu nachgerade ckls eine Art Sport bettachtet, den jedermann nach Belieben bctteiben darf. Es sei hoch an der Zeit, diesen gefährlichen Vorgängen ein endgiltiges„bis hierher und nicht weiter" entgegenzustellen. ,. mv-e.- Dann, meint das Blatt weiter, werde za von dem Ministernim für öffentliche Arbeiten alljährlich ein ausführliches Material über die Dienst-, Ruhe- und Einkommensverhältnisse der Angestellten be- kamst gegeben. Das ist richtig. In welcher Weise diese amtlichen Erhebungen in der Regel allsgeführt werden, ist aber ebeigo bekannt. Der Minister der öffentlichen Arbeiten giebt im„Reichs- Anzeiger" eine Erklärung ab gegen den Inhalt der von mehreren Zeitungen gebrockten Notiz über den Kursrückgang der Tortmund- Gronau-Eisenbahnattien. die wir in der letzten Dienstags-Nnmmer unter der Spitzmarke„Börsenspekulation und bureaukrastsche Lang- samkeit" glossirten.......- Der wesentliche Inhalt der Berichstgung beschranN sich auf folgende zwei Punkte:. 1. Es ist dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten nicht be- kaunt gewesen, daß die Nachrichten über die geplante Her- stellung'der Eisenbahn von Courl nach Mengede von einem Blatte dememirt worden sind. 2. Tie Thatsache, daß die Herstellung der Eilenbahn von Courl nach Mengede in die Wege geleitet und die Anfertigung von Vorarbeiten für diese augeordnet worden ist, war durch den Bezirksausschuß zu Arnsberg in meinem Auftrage bereits am 18. Juni d. I. öffentlich bekannt gemacht worden. Wenn es sich um die Möglichkeit einer Anklage handelt, wird keine Zeitungsnotiz im Reiche des Herrn Thielen übersehen. Daß aber ein so wichtiges Tc iciist in einem dem Eisenbahn-Mmisterium angeblich nahestehenden Blatte übersehen werden konnte, ist desto charakteristischer für den Geist, der unter der Leitung des Herrn Thielen im Eisenbahn-Ministerinm herrscht. Wenn in der Erklärung betonr wird, daß es Regel ist, Konzessionsurkunden erst nach Monaten be- kamst zu geben, so sollte gerade der erwähnte Fall eine Lehre sein, daß nur die vollste Oeffentlichkeit vor Mißbrauch verfrühter In- formationen durch die Börsenspekulatton schützen kann.— Die Vildung sozialdemokrattschcr Agitatiousherde hat der Obcrpräfidcnt v. Goßler energisch in die Hand genommen, indem er sich die Aufgabe gestellt hat, die Jndustrialisiruug des_ Ostens Deutschlands än die Wege zu leiten. Die„Krcuz-Zeittlna" ist schon ganz aus dem Häuschen ob dieses Beginnens, sie hat schon Lunte gerochen, daß eine Folge dieser Judustrialisiruna die Stärkung der Sozialdemokratie sein müsse. Darüber müsse man sich von vornherein klar fein, jede neue Fabrik, gleichviel welcher An, bilde auch einen neuen Mittelpunkt der sozial- demokratischen Agitation. Zum mindesten aber spreche eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie sich mit der Zeit zu einem solchen gestalte. Noch unwilliger gebcrdet sich das Organ des Bundes der Landwirthe:„Wir haben uns misi der Sache nicht beschäftigt, weil wir die Reisen und Tischreden eines Oberpräsidenten zunächst für bedeutungslos halten und weil min- destens zwischen ihnen und der Ausführung der Pläne»och ein weiter Weg zu sein pflegt. Es habe nur selten gut gcthan, künst- liche Industrie hervorzurufen. Die Aufgabe der Staatsregierung in Westpreußen sollte vielmehr die sein, mit allem Nachdruck und mit aller Kraft die Landwirthschaft zu fördern." Aus diesen Acußerungcn der agrariscbcn Presse ist zu entnehmen, daß die ostelbischen Junker für ihre paradiesische Unschuld fürchten. Die ostclbische Reaftion würde in ihrem Marke getroffen, wenn die Reise des Oberpräsidenten von Erfolg begleitet sein würde.� Es ist nicht früher möglich, die wirthschaftlichc und politische Rückständigkeit zu beseitigen und damit den Widerstand dieser Rußland so nahen Provinzen gegen alle politischen und sozialen Fortschritte dauernd zu brechen, wenn nicht diese Provinzen ivitthschaftlich auf eine ähnliche Sttife der industriellen Entwickclung gehoben werden, wie die West- Provinzen. Unser ganzes politisches Leben � krankt an dieseni unüberbrückbaren Gegensatz des wirthschaftlich verschiedenen Entwickclungsstadiums dieser durch die Elbe geschiedenen Landestheile Preußens. Von diesem Gesichtspunkte aus kann man die Reise des Oberpräfidenten von Goßler als ein erfreuliches Zeichen für die wirthschaftlichc und politische Zukunft Preußens deuten, vorausgesetzt, daß dieser Reise auch praktische Ver- suche auf dem Fuße folgen werden. Die„Elbinger Zeitung" hebt auf Veranlassung des Herrn von Goßler alle d i e Gesichtspunkte hervoe, die Wcstpreußcn zu einem geeigneten Boden für die Er- richtung von industriellen Etablisscnients machen.� In der Hauptsache laufen alle die Vorthcile darauf hinaus, daß für eine ganze Reihe von Industriezweigen sämmtliche Bctriebsfaktoren, in allererster Linie aber die Arbeitskräfte, ganz unvergleichlich billig zu haben sind, vor allem,— wie Herr v. Goßler hervorheben läßt— die weiblichen. Da auch schon Kapitalien in Bereitschaft sind, um die einzelnen industriellen Etablissements zu finanziiren, so dürfte es nicht an deutschen Unternehmern fehlen, die gcivillt sind, den Fabrikschontstein als Zeichen der industriellen Herrschaft i» den östlichen Provinzen aufzurichten. Ans alle Fälle ist die Jndustriali- sirung des Ostens für die Ausgleichung der Produktionsbedingungen innerhalb Deutschlands ein unumgänglich nothwendiges Werk. Der Osten ist heute nicht nur ein ständiger politischer Äcakttonswinkel, der jeden Versuch des politischen Fortschritts niederringt, sondern auch eine ständige Gefahr für die Arbeiterklasse auf der West- lichen Seite der Elbe, für die Arbeiter des rheinisch- west- fälischen Industrie- Zeutrinns, die durch die Zuwanderung der billigen Arbeitskräfte aus dem Osten in ihren Löhnen fottgesetzt gedrückt werden. Dieser Druck des billigen Ostens würde sehr rasch durch Jndustrialisirung der östlichen Landescheile paralysirt oder doch fortdauernd vermindert werden. Man darf nicht verkennen, daß die Agrarier und Junker in ihrem eigenen Herrschaftsintereffe noch einmal alle Kräfte aufwenden werden, um diesen Plan zu verelteln.— Zum neuesten Kurs in der Polcnpolitik wird gemeldet, daß der Oberpräsident Frhr. v. Wilamowitz- Mollendorff seinen Abschied genommen habe und daß zu seinem Nachfolger Ministerialdirektor Dr. Kucgler, Mitglied der Ansicdelungskommis'sion für Westpreußen und Posen, ausersehcn sei. Tie erzreaktionären„Bert. N. Nachr." bemerken dazu: „Die Nachricht klingt zu schön, um glanbhast zu sein." Von anderer Seite wird gemeldet, daß nun in Posen ähnlich wie in Elsaß-Lothringen die Beamten höhere Gehalte und andere Vortheile im Vergleiche zu ihren Kollegen in den anderen preußischen Provinzen erhalten sollen. I» den Peichslanden erhalten, so viel wir wissen, alle Beamten, Richter und Professoren Höhere Gehalte als die Inhaber gleicher Stellen in Preußen. In den östlichen Provinzen sollen aber der„Nationallib. Corr." zufolge die wirth- schaftlichen Erleichterungen, Vergünstigungen und persönlichen Zu- Wendungen blos den„brauchbaren und erprobten Beamten" zu- gebilligt werden. Da nun schön für die Streber in den polnischen Landestheile» ein gutes Felds dürfte künftighin das Eiiivernchmen der Bevölkerung niit der Beamtenschaft kann, besser werden.— Ter Hütten,»ännische Verein in Oberschlesicn hat schon voriges Jahr im Hinblick aus die Eittführung der obcrschlcsischcn Jndustrie-Arbcitcr eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet und darin ausgeführt, daß durch eine Lcrthencrnng der Lebensmittel- preise eine Erhöhung der Löhne unumgänglich nothwendig sei. Bei der cigenthümlichen geographischen Lage des oberschlesischen In- dustricbezirks aber werde dadurch die Konkurrenzfähigkeit der dortigen Werke auf das Spiel gesetzt. Man hat seinerzeit de» Wünschen dieser Eingabe keine Folge gegeben und in den Blättern, die dem Hütten- männischen Verein nahestehen, sind wohl darin augenblicklich Aus- führungen zu lesen, deren oppositioneller Ton keinem sozialdcmo- kratischen Blatte schlecht anstehen würde. Nachdem konstatirt wird. daß die Fleifchpreiie fast überall bis zu 20 Pf. das Pfund und mcbr in die Höhe gegangen find, werden in einen, sonst gut mittelpartci- lichen Blatt die Wirkungen der Fleischart anschaulich' geschildert. Ter Wohlhabende wird durch thcure Fleischprcise wenig berührt, zumal je reicher, desto kleiner die Familien zu sein Pflegen; aber die Armen mit ihren zahlreichen Kindern trifft solche starke Preiserhöhung reckt schwer. Sie kommen mit den bisherigen Löhnen nicht aus und sind gezwungen, sei es in Güte oder durch Streiks, sich Lohnerhöhungen / SU»erkSmpfen. Da die Arbeitgeber in den seltensten Fällen frei- wiuig genugende Erhöhungen bewilligen, gewöhnlich auch gar nicht oazu m der Lage sind, so kommt es zu Streitigkeiten, welche beide Theue erbittern und schädigen. Die Arbeiter sind aueer sich datz die Regierung mit den besten Grundsätzen des oeimcheu Kaisers gebrochen hat und die nothwendigsten Lebensmittel vcriheuerr, und so wandten sich viele tausend Arbeiter der Sozial- Demokratie selbst in solchen Gegenden zu, wo letztere früher gar reinen Anklang fand. Besonders schwer klagen die oberschlesischen Arbeiter; nach Veröfsentlickiung des dortigen Hüttenmännischen Ver- eins waren daselbst in 1897 115 035 Arbeiter und Arbeiterinnen in den Gruben, Hütten und in der Montanindustrie beschäftigt und ver- diente der Arbeiter über 16 Jahre 792,61 M. in 1896 und 811,26 Mar! in 1897, also 38,65 Mark mehr. Der Weib- liche Arbeiter stieg von 269,89 M. auf 275,15 M.. also um 5,26 M. Der Mann soll die Familie ernähren und braucht bei bescheidenster Lebensweise mindestens 1 Pfund Fleisch täglich. Die Aertheuerung um 20 Pf, kostet ihm sonach 73 M. jährlich,' während sein Lohn doch nur um 38,65 M. stieg. Mag er nun noch so fried- fertig sein, wie er will, so zwingt ihn doch die von der Regierung herbeigeführte Fleischvertheuerung, nicht zu ruhen, noch zu rasten, bis der Lohn wieder um einige 30 M. erhöhl ist. Die Regierung könnte aus solchen Stimmungsbildern, wie sie jetzt in der anti- sozialdemokratischen Presse auftauchen, ein Alarmzeichen für die Gefahr erblicken, in die das gesammte Volk durch die Fleischtheuerung gerathen ist. Der Wimer steht vor der Thür, der Lebensunterhalt wird durch die Ausgaben für Heizung und Be- lenchtung ein größerer, ein großer Theil Arbeiter in verschiedenen Gewerben ist arbeitslos— alles Unistände, die gebieterisch eine Oeffnung der Grenzen für fremdes Schlachtvieh erheischen.— Wie Majestätell reisen! Von den Vorbereitungen für den Bei, w des deutschen Kais erpaares in Konstantinopel' wird u. a, derichtet: „Für Leitung von Küch» und Keller waren direkt vom Sultan der Besitzer des Hotels„Berliner Hof" in Berlin, Herr Naumann, und nnt diesem Herr Kurofsky, sowie Herr Baumgartner, Küchenchef des Berliner österreichisch- ungarischen Botichnfters v. Szögienh- Manch, engagin, welchen nicht weniger als 200 Llöche zur Dienstleistung unterstellt waren. Diese Herren hatten strikte Ordre, alle Speisen für das deutsche Kaiserpaar so zuzubereiten, wie dasselbe es in Berlin gewohnt ist und es dem besonderen Geschmacke der Majestäten entspricht. An dem Galadiner bei Ankunft des Kaiserpaares im Großen Saale des Dildiz-Kiosk nahmen 120 Per- sonen theil. Es wurde alles auf großen, massiven Silberschüsseln fcrvirt. Im ganzen waren sechs Diners zu serviren, darunter auch ein- türkisches und eines auf dem Schiff während der Rundfahrt auf dem Bosporms."— Landrath und Radirgnmmi. Im Wahlkreise S ch w e tz giebt es zwei LandtagS-Kandidaten. Eine Mehrheit stellte einen Herrn RasmuS auf, aber der bisherige Abgeordnete des Kreises und frühere Landrath daselbst Geheimrath Dr. Gerlich beharrt eben- falls auf seine Kandidatur. Wie die„Elbinger Zeitung" mit- theilt, gab nun em Mitglied des Wahlausschusses folgende Erklärung gegen Gerlich ab: „In dem Sitzungsprotokoll, in welchem im Fahre 1893 der Beschluß über den Bau von verschiedenen Krcischausseen niedergelegt wurde idarunter war eine Chaussee von Rozanno >iach Stanislawie, einem Gute, welches damals noch Herrn Gerlich gehörte), hieß es:„Der Bau der Chausseen(es handelte sich um ein Objekt von 500 000 M.) wird mit 14 gegen 9 Stimmen genehmigt." Nach einigen Tagen fiel es dem KrciSsekretär ein, daß zur Annahme der Vorlage' eine Zweidrittel-Mehrheit erforder- lich sei, der Bau also abgelehnt war. Nachdem der Landrath Gcrlich davon Mittheilung gemacht war, beauftragte dieser den Krcisausschuß-Sekretär, die Zahl 4 auSzuradiren und da- für eine 5 zu setzen. Als das geänderte Protokoll den dazu be- stimmten drei Herren vom Kreisausschutz zur Unterschrift vorgelegt Illurde, verweigerte einer von ihnen die Unterzeichnung. Zum Erstaunen der Kreistagsmitglieder wurden die Chausseen gebaut. Die Sache kam in der Kreistags-Sitzung im Frühjahr dieses JahreS zur Sprache. Herr Landrath Gerlich erklärte, er habe noch nachträg- lich die Zustimmung eines Herrn erhalten, und sich zu der Aendc- rung für befugt gehalten. Nachdem sich das erste Erstaunen ge- legt hatte, ivurde die Sitzung sehr erregt, es wurde von einem rcornger Ja fortune" und von„Urkundenfälschung" gesprochen, Herr Gerlich erklärte darauf, er werde zum 1. Juli sein Amt niederlegen. Das ist auch geschehen." Herr Gerlich hat darauf erklärt, die Sache sei entstellt worden, aber der Wahlausschuß in seiner Mehrheit wollte nichis von seiner Kandidatur wissen. Eine Minderheit jedoch hielt an dem radir- eifrigen Landrath a. D. fest. Ter Berein deutscher Bricfiimschlag-Fabrikantcn bat an den Reichskanzler, den prenßisch-n Minister des Innern, sowie den Regierungspräsidenten zu Düsseldorf eine Zuschrift gerichtet, in welcher er darum erfucht, veranlassen zu wollen, daß von seilen der zuständigen Behörden begründete Vorstellungen von Fabrikanten um eine zeit- weilige Verlängerung der Arbeitszeit in den Fabriken über die jetzt zulässige Dauer derselben hinaus Gehör gegeben werde. An Gründen für diesbezügliche Vorstellungen wird es den Fabrikanten sickier nie- mals fehlen. Und geneigten Gehörs bei den Behörden sind die "ntcrnehmer ja bei uns immer sicher.— Tie„Gesinde-Ordnung" in der Republik Hamburg. Die Hamburger Bürgerschaft beschäftigte sich in ihrer letzlen Sitzung mit dem Entwurf einer Gesinde-Ordnung für das Hamburgische Staats- gebiet. Eine übrigens auch schon vom Senat in zweiter Auflage bei der Bürgerschatt eingebrachte Vorlage war an einen Ausschutz verwiesen und_ von diesem in einigen wesentlichen Punkten abgeändert. Hierüber kam es zu sehr lebhaften Debatten, die die Hamburger„Volks"vertretilng wieder einmal in ihrer ganzen Glorie zeigten. Nach den§§ 7 und 26 der Senats- Vorlage soll bei Kontraktbruch der Dienslbote gehalten sein, der Dienstherrschaft„das etwa erhaltene Miethsgeld zurückzugeben, und wenn der Vertrag auf Monate geschlossen ist, den Lohn eines Monats, in anderen Fällen aber den für die ganze Mictbszeit be- dungenen, jedoch keinenfalls mehr als einen vierteljährlichen Lohn zu vergüten". Außerdem will die Sengtsvorlage in ihrem 40 aber den Kontraklbruch des Dienstboten noch mit Geld» strafe bis zu 30 Mark oder mit Hast bis zu acht Tagen bestraft wissen. Mit recht hat der Ausschuß diese mittelalterliche Straf- beslimmung ausgemerzt, wenn er auch bei Konttaklbruch seitens des Dienstboten der Dienstherrschaft den in den§Z 7 und 26 stipulirten zivilrechtlichen Anspruch zugestehen will. Darüber ist nun großes Halloh in der Bürgerschaft, und besonders auf der— linken Seite des Hauses, wo hinter dem früheren„freisinnigen". Reichstags- Ab- geordneten Joh, Halben Reihe bei Reihe alle� die Freisinnsgrötzen fitzen. Es niitzt nichts, daß die Verfechter der Fassung der Vorlage, wie sie aus dem Ausschuß hervorgegangen ist, auf die Reicksgesetzgebung verweisen, in der die Strafbestimmungen für Koutraktbruch gewerblicher Arbeiter aufgehoben sind, es nützt nichts, daß sie die Strafbestim- mungen der Senatsvorlage als jedem Forlschritt Hohn sprechend. als eiit Ausnahmegesetz gegen eine sozial w wie so schon schlecht ge- stellte Klasse von Menschen bezeichnen, und es nützt auch nichts, daß sie auf die schreiende Ungerechtigkeit verweisen, die getreu dein Schönftedttschen„Rechts"grllndsatz„si äuo taciunt u. f. w." den Kontrnkrbrnch des Dienstboten bestrafen, den Kontrattbruch der D i e n st h e r r s ch a f t aber straflos lassen will: Das Gros der Hamburger Bürgerschaft ist für Wiederherstellung der Senats- vorläge mit ihren Strafbestimmungen, wie das von dem Mit- glied Stubbe beantragt ist. Zwar ist die Bürgerschaft diesmal noch nickt zu einem Beschlüsse gekommen, sondern sie hat sie vertagt, um, wie es in dem Vertagungsantrage ausdrücklich ausgesprochen wurde. sich zu informiren, was' denn recht eigentlich der wirkltche Inhalt der Senatsvorlage sei, die doch sämmtliche Mitglieder schon seit Monaten gedruckt in Händen haben. Wenn die Frage aber wieder aufs Tapet kommt, so wird sie ganz ohne Zweifel im reaktionären Sinne entschieden werden. Und so wird die Republik Hamburg in absehbarer Zeit eine Gesinde-Ordnung haben, in der zwar das> Züchtigungsrecht für die Dienstherrschast nicht aufgenommen ist, die aber sonst an Rückständigkeit nichts zu wünschen übrig läßt.— Einkommensteuer in Württemberg. Die Finanzkommission der Ersten Kammer hat den Vorschlag, die Einkommensteuer bis zu 5 pCt. ansteigen zu lassen, abgelehnt und schlägt dagegen eine Steigerung bis zu 41/j pCt. als äußerste Konzession vor. Oesterreich. Graf Thun ist in größter Verlegenheit, weil trotz aller Pro- vokationen der Deutschen durch seine Regierung, die Linke des öfter- reichischen Abgeordnetenhauses keine Obstruktion macht, die ihm den Vorwand geben könnte, auf grund des berüchttgten 8 14 ohne Parla- ment den Ausgleich mit Ungarn abschließen zu können und auch sonst den absoluten Herrn zu spielen. Ebenso wie Graf Thun brauchen die Jungczechen den K 14. Sie haben ihre Handelsgeschäfte mit dem Ministerpräsidenten abgeschlossen und genehmigen dafür den Ausgleich. Sie wollen aber nicht für dieses ihren Wählern sehr verhängnißvolle Werk mit ihrer Stimme eintreten, deshalb soll der§ 14 helfen und das Parlament nach Hause geschickt werden. Man nimmt an, daß Graf Thun jeden, auch den kleinsten Anlaß für gut genug halten wird, um das Parlament für nicht arbeitsfähig zu erklären und nach Hause zu schicken und dann auf grund des§ 14 gegen die Interessen des österreichischen Volkes zu regieren. Man billigt in eingeweihten Kreisen dem österreichischen'Abgeordnetenhause höchstens 14 Tage Lebensdauer zu. Schweiz. Bern, 18. Oktober. sEig. Ber.) Die Verhältnisse der Z ü n d- holz-Fabriken beschäftigen die schweizerische Bundes-Versamm- lung und den Bundesrath seit zwanzig Jahren, aber im großen ganzen ist noch alles beim alten und die schreckliche Phosphornekrose fordert nach wie vor ihre Opfer. Seit etwa einem Jahre liegt nun der bundesräthliche Entwurf eines Gesetzes, betreffend das Verbot der Fabrikation und des Verkaufs von lgelbcn) Phostzhorzündhölzchen vor, der bereits den Nationalrath passirt hat und jetzt auf der Tagesordnung des nächste Woche zur Herbstsession zusammentretenden Bundesraths steht. Die ständeräthliche Kommission hat an der Vor- läge, wie sie aus den Berathungen des Nationalrathes hervorging, wieder einige Verbesserungen im Sinne des ursprünglichen Entwurfes des Bundesrathes angebracht, so z. B, daß die Herstellung von Zündhölzchen nur in solchen Räumen betrieben werden darf, die ausschließlich dieser Fabrikation dienen. Die Betriebe unter- stehen ohne Rücksicht auf die Arbciterzahl und die Größe des Be- triebes dem Fabrikgesetz. Zur Eröffnung eines Betriebes bedarf es der Zustimmung der Kantonsregicrung und des Bundesrathes. Der letztere hat die Bedingungen aufzustellen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter wie des Publikums er- forderlich sind. Die Fabrikatton, Einfuhr und Ausfuhr und der Verkauf von Zündhölzchen mit gelbem Phosphor sind verboten. Die Einftihr von solchen ist nur für wissenschaftliche, phar- maceuttsche und für solche gesundheitlich unschädliche Zwecke gestattet, für welche der Bundesrath eine besondere Be- willigung ertheilt hat. Den mit der Ueberwachung der Zündhölzchcnfadnken betrauten Beamten ist jederzeit der Zutritt in alle Räume gestattet, von denen mit Grund vermuthet werden kann, daß sie der gesetzwidrigen Fabrikatton von Zündwaaren dienen Die Vorlage ermächtigt den Bundcsrath, Rezepte, welche sich im Hinblick auf die Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter und des Publikums ganz besonders empfehlen, zu ertverben und den Fabri- kanten zur Verfügung zu stellen. Unter den Strafen ist auch der Entzug der Favrikationsbewilligung vorgesehen, welcher auf Antrag des Fabrikinspettorats von der Kantonsrcgierung verfügt werden kann; der Bundesrath ist Rekursbehörde. Hoffentttch währt es nicht noch einmal zwanzig Jahre, bis die Vorlage Gesetz wird.— Bern, 21. Oktober. Der Bundesrath hat eine weitere Anzahl Anarchisten ausgewiesen.— Frankreich. Dem Ministerpräsidenten Brisson hat ein Theil der mäßigten die Freundschaft gekündigt, weil eine Versetzung von Präfekten stattgeftinden hatte. Die gemäßigten Republikaner wollten das Ministerium in der Kammer zu Fall bringen und es lief das Gerücht um, der Minister Brisson wolle demissioniren.„Radikal" erklärt, diese Gerüchte seien irrig.— Paris, 21. Oktober. ß.Frankf. Zeitung.") Im Gemeinde- r a t h wurde nach heftiger Debatte eine Resolution angenommen, in welcher die Regierung ersucht wird, zur Wahrung der moralische» und materiellen Interessen des Landes alles Mögliche zu thun, um einen schweren Konflikt mit England wegen der F a s ch o d a- Angelegenheit zu vermeiden.— Paris, 21, Oktober, Die erste Lieferung der Broschüre des sozialistischen Führers Rousset ist erschienen. Dieselbe enthält mehrere interessante und bis jetzt unbekannte Thatsachen über die Haltung des Generals Mcrcicr und des Obersten Paty de Clam.— Dänemark. Dem Folkcthing lag der Antrag vor, den dänischen Veteranen eine Ehrengabe zu gewähren. Der sozialdemokratische Abgeordnete Klausen trat dafür ein, daß einem jeden mindestens 100 Kronen gegeben werden müßten, während die Redner bürgerlicher Parteien für viel geringere Summen eintraten, dafür aber„Ehremncdaillen" bewilligen ivollten. Schließlich fand in zweiter Lesung der Vorschlag Klausews Annahme.— Italien. Zur Antianarchistcn-Konfcrenz wird aus Rom gemeldet: Nun mehr ist nur nock die formelle Zustinimung Belgiens, Englands und der Schweiz zur Konferenz gegen die Anarchisten ausständig; die Re- gierungcn werden auf der Konferenz sowohl durch Diplomaten als durch Experten vertreren sein, welche dem Beamtenstande der Ministerien des Innern und der Justiz entnommen werden sollen, Mannimmt an. die Konferenz»verde zunächst diese Fachorgane mit der Aufgabe be trauen, einen Entivurf auszuarbeiten, der daim in der Konferenz unter Mitivirkung der Experten berathen»verden soll. Ter Pariser Stadtralh nahm eine Reihe politischer Beschlüsse an, worunter auch den, au keiner diploinatischen Konferenz theil- zunehmen, die unter dem Norlvand. die Anarchisten zu bekämpfen, »hatsächlich gegen die Sozialisten und überhaupt gegen freiheitliche Bestrebungen Beschlüsse fassen würde. Rom, 19, Ottober. sEig. Bericht.) Der„Secolo" will wiffen, daß der Genosse T u r a t i demnächst von Palkanza nach Padua transportirt werden solle.— Die Beivegung für eine allgemeine Amnestie wächst; es sollen Petitionen an das Parlament und an die Krone abgeschickt werden, worin dazu aufgefordert »vird.— Spanien. Madrid, 21. Oktober. s,.Magdeb. Ztg.") Die Amerikaner fordern die Abtretung der gesammten Philippinen und erklären sich zur llebernauiie jener kubanischen Schulden bereit, die zu lokalen An- lagen verweitdet wurden. Dagegen lehnen die Amenkaner diejenige kubanische Schuld ab, die behufs Unterdrückung des Aufstandes aus- genoinmen lvnrde.— Rnstland. Petersburg, 21. � Oktober, Wie die„Nowoje Wremja" ver- nimmt, kehrt der Minister des Auswärtigen, Graf Murawjew, am 27. Oktober von seiner Urlaubsreise zurück. Es verlautet, als- dann solle der Ternnn für die Zusammenberufung der inter- nationalen Konferenz zur Begrenzung der Rüstungen festgesetzt werden. Das Blatt vermuthet, daß die Konferenz Anfang Januar nach Petersburg berufen werden dürfte.— Ter neue russische Gcneralgouverneur in Finland, General Bobrikow, hat seine Stellung angetreten und, nach berühmten Mustern, sofort eine Programmrede gehalten. In Finland sei eine „falsche Auffassung" des Rechtsverhältnisses zwischen Rußland und Finland vorhanden; er bedauerte den„Mangel an Sympathie für zusammenschließende Tendenzen". Der finischen Geistesfteiheit dürste bald ein Ende bereitet werden, da der neue Gouverneur davon sprach, daß Rußland nicht die weitere Ausbreitung von Dingen dulden könne, die Finlands Zusammenschluß mit dem großen russischen Reich hindern, des beiden„gemeinsamen Vaterlandes". Auch der Presse dürste bald der Mund zugebunden werden, da der Herr Gouverneur so gütig war, zu erklären,„er sei ein Freund der Presse, wenn ie sich' politischen Kannegießereien fernhalte". Kann das kleine Finland. fragt unser schwedisches Bruderorgan, einen Widerstand wagen gegen das großmächttge Rußland, wenn man ihm die b e- 'chworenen Freiheiten und Rechte raubt?— Serbien. Belgrad, 18. Oktober.(Eig. Ber.) Als im Jahre 1895 Serbien eine Schulden konvertiren wollte und das Karlsbader Arrangement chon unterzeichnet war, wurde plötzlich das Gerücht verbreitet, die Radikalen werden, im Falle daß sie ans Ruder konimen, die Kon- Version nicht anerkennen. Bei dem starken Widerstand, den die radikale Partei damals leistete, wurde auch dem Gerüchte Glauben geschenkt und die Börsen zögerten mit der Option der serbische,, Papiere, olange die radikale Partei in ihrem Organe nicht erklärt hatte: sie erkenne das Arrangement an. Diese Erklärung war die Folge der Wendung, die sich dainals in der inneren Politik Serbiens vollzog. Der junge König war mit den Vertretern der radikalen Partei in Verbindung getreten und es schien sehr natürlich, daß er ihnen die Führung der Staatsgeschäfte anvertrauen werde. Die Erklärung sollte dazu diene», die Opposition, die gegen die radikale Partei in den großen Finanzblättern Europas geführt wurde, zu inildern, denn nirgends hängt das Schicksal einer Regierung in � so hohem Grade von den europäischen Geldmännern �ab, wie es bei uns der Fall ist. Eine Partei kann das ganze Vertrauen des Volkes genießen, wenn sie aber nicht im stände ist, vom Aus- lande genügend Geld zu beziehen, das für das zahlreiche, oft ganz unnützliche Beamtenthum ebenso nothwendig ist als für den alten König, so kann sie entweder nicht zur Herrschaft gelangen oder ihre Regierung wird von sehr kurzer Dauer sein. ' Heute steht Serbien schon wieder vor einer großen Anleihe. Und da die radikale Partei, nach der Versicherung des jungen Königs, keine Aussichten hat, in nächster Zeit wieder die Regierung zu führen, so tritt sie derselben energisch entgegen. Sie droht tn ihrem Organe den ausländischen Kapitalisten, die Milan zu Hilfe kommen ivollen, mit der Nichtanerkennung der Aiileihe von feiten der Skuptschina. Sie versucht den Banken klar zu machen, daß Milan nicht Serbien sei, und datz seine Verpflichttmgen nicht bindend für das serbische Volk seien. Man spricht hier sogar von einem großen Manifeste, das eine Gruppe der Radikalen an die deutschen Kapitalisten richten will, um diese vor jeglichen Unter- Handlungen mit der jetzigen Regierung in Serbien zu warnen. Ob das Manifest zu stände kommen wird, wissen wir nicht, aber in der Broschüre, die die radikale Partei als Antwort auf die Rede Königs Alexander erscheinen ließ, heißt es:„Die euro- päischen Kapitalisten, die die heuttge Regierung unterstützen wollen, laufen Gefahr, die Verpflichtungen, die Milan und seine Re- giening eingegangen sind, von der Skuptschina als nichtig erklärt zu sehen." Man ist überzeugt, daß von der neuen Anleihe, ebenso als von vielen anderen schon, das serbische Volk keinen Nutzen haben wird, datz sie hauptsächlich den Bedürfnissen Milan's und der Dynastie dienen solle. Es wäre vielleicht gut, daß sich die deutschen Kapitalisten, die die heutige schwierige Lage in Serbien exploitiren wollen, die obige Erklärung einer mächtigen Partei merken, denn, wie es in einem Artikel des„Odjeks" heißt:„Milan steht vor einer Katastrophe und diese wird nolhwendigerweise auch alle diejenigen mitexgreifen, die ihm zur Seite standen." Türkei. * Konstantinopel, 21. Oktober. Die Pforte hat heute offiziell die Kollekiivnote der vier Botschafter durch rückhaltlose Annahme der Bedingungen bezüglich K r e t a's beantwortet und der Hoffnung Aus- druck gegeben, daß die Souveränetät der Türkei respektirt und die Muselmanen geschützt werden.— Amerika. BnenoS AireS, 20. Oktober. Die Pnna- Atacama- Frage ist geregelt. Chili erkennt an, datz das strittige jGrenzgebiet Argentinien gehört.— Asien. Ein«euer russischer Handstreich in Nord-China. Dem Londoner„Bureau Dalziel" wird aus Shanghai folgendes ge- meldet: Am 15. Oktober marschirte ein russisches Regiment, das einige Tage vorher von Port Arthur gekommen und in der russischen Niederlassung von Newchwang sNiutschwang) gelandet worden ivär, von dieser Niederlassung ab und besetzte die Forts an der Mündung des Flusses. Dies giebt den Russen den vollständigen Besitz von Newchwang. Die chinesischen Truppen unter General Sungtsching flohen. Sungtsching hatte von der Kaiserin-Wittwe den Befehl, sich zurückzuzieheii. Außerdem hat Sungtsching dei, Befehl, alle seine Truppen von Shanghaikwan nach Tientsin zu bringen als Gegenzug gegen die Ankunft der ausländischen Truppen in Peking. Die russische Besetzung der Forts bei Newchwang würde die Uebergabe Newchwangs mit der ganzen Mandschurei an Rußland bedeuten, sowie die Vereitelung von Englands Drohung, event. Newchwang zu besetzen. In der That ist mit dieser Eroberung die ganze Mandschurei den Russen in die Hand gegeben.— Pokohama, 21. Oktober. Wie ein Telegramm aus Söul meldet, gab das gesammte Ministerium seine Entlassung, weil seine Weige- rung. die Zustimmung zu einer Denkschrift zu gunsten der Errichtung eine's Parlaments zu geben, Unwillen hervorgerufen hatte.— Kampf nm das Koalitionsrecht! Wo wird das Zuchthansgeset? vorbereitet? Die„Mil.-Pol. Korr." theilt mit, datz die Vorlage zum Schutz Arbeitslvilliger nicht als preußischer Antrag, sondern als Präsidial- antrag an den Bundcsrath gelangen wird. Die Vorlage wird im Reichsamt des Innern ausgearbeitet, Kommissarien der anderen Reichsämter, die mit in betracht kommen, nehmen an der Vor- berathung theil. Dies stimmt mit unseren Vermuthungen, daß Graf Posadowsky es sich nicht nehmen ließ, in dem ihm unterstellten ReichSamte das den Stumm und Konsorten erwünschte Knebelungsgesetz ausarbeiten zu lassen.— Vorboten deS ZuchthauSknrfeS. AuS Flensburg wird uns geschrieben: DaS Aufsehen er- regende Gorlitzer Urtheil, demzufolge ein Arbeiter, welcher einen Arbeitswilligen mit den Worten angeredet hatte:„Kollege, ich mache Sie darauf aufmerksam, datz die Maurer hier streiken", zu 30 Mark Geldstrafe verurtheilt wurde, ist von dem hiesigen Schöffengericht noch weit übertrumpft worden. Vier Mitglieder des Streikkomitees der Maurer und Zimmerer hatten sich wegen„groben Unftigs" zu verantworten, weil sie auf dem Bahnhofe zureisende Kollegen über die Arbeitsverhältnisse am hiesigen Orte aufzuklären ver- sucht haben sollen. Einem der Angeklagten, dem Maurer Lüthje. wurde nachgewiesen, daß er einem Trupp Arbeitswilliger zugerufen hatte:„Leute, hier ist Streik!" Wegen dieser im ruhigsten Tone gemachten Aenßerung wurde L. zu acht Tagen Gefängniß verurtheilt. Die anderen drei mußten frei- gesprochen werden, da gegen sie nichts vorlag, als ihr Verweilen auf de», Perron, den sie übrigens wie auch der Verurtheilte auf die Aufforderung des Polizeikommissars sofort verlassen hatten.— In der Verhandlung kam auch das famose, den Streikenden von der Polizei auferlegte Bahnhof- Verbot zur Sprache. Der Vertheidiger stellte an den als Zeuge erschienenen Polizeikommissar die Frage, ob er von der Bahn Verwaltung den Auftrag zu seiner eigenartigen Maßregel erhalten habe. Sei dies nicht' der Fall, so müsse sein Vorgehen als provozirend bezeichnet werden. Der Kommissar mußte die Frage verneinen. ■ Unter diesen Umständen sieht man wahrhaftig nicht ein, welchem .dringenden Bedürfnis" die angekündigte Zuchthausvorlage abhelfen soll, wenn die Gerichte für eine so harmlose Bemerkung, wie die rnkriminirte, die mit keiner Silbe eine„Anreizung zum Streik" ent- hält, schon auf Gefängniß erkennen. Bei einer solchen Rechtsprechung ht das Koalitionsrecht der Arbeiter auch ohne Zuchthaus vernichtet. Protest gegen die Zuchthausvorlage erhoben Versammlungen in Guben in der Mark, P f u n g st a d t im Großherzogthum Hessen, O b e r st e i n ini Fürstenthum Birkenfeld, Wehlheiden in der Provinz Hessen. Auch die Mitglieder der Hirsch-Duilcker'schen Gewerkvcreine in Magdeburg hielten eine Protestversammlung gegen die geplante Verkümmerung des Koalitionsrechts ad. Preußische Laudtagswahlen. Pastor Schall wird abgesägt. Ueber die Landtagskandidatur des bekannten Pastor Schall in seiner bisherigen Domäne Spandau-Potsdam-Osthavelland, dringen recht sonderbare Gerüchte in die Oeffentlichkcit, welche die Ver- muthung nahelegen, als hätte die letzte Stunde der politisch-komischen Rolle des Herrn Pastor bereits geschlagen. In der Versammlung der konservativen Vertrauensmänner in Nauen soll, wie bürgerliche Blättchen berichten, die Kandidatur des Herrn Schall und des Landralhs Dr. Steiinneister ffreikons.) in Frage gekommen sein. Für Herrn Schall fanden sich nach diesen Berichten nur ganze 6 Stimmen, während sich die erdrückende Majorität für Dr. Steinmeister erklärte. Es scheint hiernach, als wenn das Gros der konservativen Wähler des Kreises mit Herrn Schall nichts mehr zu schaffen haben will; nur die Spandauer Reaktionäre halten den Vertheidigcr des Ducllmordes noch hoch. Von Seiten der„vereinigten Liberalen" ist Dr. Pachnicke als Kandidat aufgestellt worden. Für die ursprünglich in Aussicht genommene Kandidatur eines Nationalliberalen fand sich nicht genügend Stimmung. In Königsberg i. Pr. hat der Vertrauensmann unserer Partei die drei liberal-freisinnigen Kandidaten nach ihrer Stellung zur Einführung des Reichstags- Wahlrechts für die Landtags wählen befragt. Dr. Krause erklärte sich dagegen. Major Pohl behielt sich die Ent- scheidung vor, und Dr. Krieger erklärte sich d a f ü r.— Das ist in der Tchat echter liberaler Mischmasch und unsere Königsberger Genossen werden, wie uns von dort mitgctheilt wird, deshalb auch strikte Wahlenthaltung üben. Im hannoverschen Wahlbezirke Linden Stadt wird von unserer Partei der Genosse F. Ranch als Landtags- k a n d i d a t aufgestellt werde». Im Wahlbezirke Hannover- Stadt werden die Parteigenossen sür die bürgcrlich-opposiiionellen Kandidaten von Jssendorf und Fabrikant M e h e r s i e k stimmen, dOieselben die unsererseits gestellten Bedingungen akzeptirt haben. Eine Parteiversammlung im Bockenheim faßte in Beziehung auf die Landtagswahl folgende Resolution: Die Versammlung bedauert, daß die Frankfurter Genossen versäumt haben, selbstständig in die Landtagskvahl einzutreten. Der Roth gc- horchend-- fordern wir daher auch die Bockenheimer Partei- genossen auf, die demokratisch-freisinnigen Wahlmänner zu wühlen." N n chs v i d» t o n° Parteiliteratur. Das Protokoll über de» Parteitag in Stuttgart wird Montag, den 24. Oktober, von der Buch- Handlung Vorwärts herausgegeben. Es ist 2KZ Seiten stark, enthält ein ausführliches Sprech- und Sachregister und giebt die Stuttgarter Bcrathungen nach stenographischen Niederschriften getreu wieder. Die Wichtigkeit der Verhandlungen über Taktik, parla- mentarische Thätigkcit, Koalitionsfreiheit, über die Stellung der Partei zur deutschen Zoll- und Handelspolitik, den Bergarbeiter- schütz u. s. w. erheben diesen Parteitag an Bedeutung über manche seiner Vorgänger, so daß jeder aktive Genosse in den Besitz dieser Verhandlungen sich setzen sollte. Der Preis beträgt 35 Pf. für die broschirten und 50 Pf. für die gebundenen Exemplare. Der Sozialdemokratische Wahlvereiu!in Nürnberg ist im letzten Verwaltungsjahre an Mitgliedern stärker gewachsen als in irgend einem Jahre vorher. Die Zahl der regelmäßig Beiträge leistenden Mitglieder betrug zu Anfang des Verwaltungsjahres 2987, zu Ende 4026. Dieser bedeutende Fortschritt wird einerseits auf die Wirkung der Wahlagitation zurückgeführt, zum anderen Theil aber auf die Anstellung eines besoldeten Beamten. Die Jähreseinnahme des Vereins biianzirte, einschließlich eines Kassenbcstandes von 843,87 M., in Einnahme und Ausgabe mit 14 696,87 M. Polizeiliches, Gerichtliches»c. — Wegen Beleidigung des Landraths Cranz in Memel- Heydekrng und des Baucrngutsbcsitzcrs K o S in a ck wurde in Magdeburg der frühere veraiitwortliche Redakteur der„Bolks- stimme", Genosse M ü l l e r, vom Landgericht zu 4 Wochen Ge- fängniß verurthcilt. Der Anklage lag eine Notiz zu. gründe, worin behauptet war, bei der Reichstagswahl habe ein Bancrngutsbesitzer, der im Wahlkreise Memel-Heydekrug als Wahlvorsteher fungirte, die Stimmzettel der Wähler auseinander gefaltet und' ge- lesen und dann erst in die Wahlurne gesteckt. Dieses Bor- gehen habe er dadurch erklärt, er müsse doch sehen, ob niemand zwei Stimmzettel abgegeben habe. Der Landrath Cranz soll nun ge- äußert haben, das dürfe der Wahlvorsteher, er sei berechtigt dazu. Nach dem Ergebniß der kommissarischen Vernehmung der Zeugen Cranz und Kosmack haben sich die Vorkommnisse aber nicht so zu- getragen, lvie in der Notiz mitgetheilt wurde.— Bei der V o r- iadüng des Personals der Redaktion, der Expedition und der Buchhandlung der„Volksstimme" vor das Militärgericht hat es sich thatsächlich nur um die Ermittelung eines Soldaten gehandelt, der in der Buchhandlung der„Bolksstimme" Waareu gekauft haben soll. Die Vernehmung war fruchtlos. Die Militärbehörde erklärte sich zur Zahlung der Zeugengebühren bereit. Die Redakteure wurden nicht vernommen, sondern sofort wieder entlassen. Die Ladung der Zeugen war von der Polizeiverkvaltung angeordnet worden. Zur Tarifbewegttttg der Buchdrucker. Aus Buchdruckerkreisen wird uns geschrieben: Ein eigenartiges Schauspiel zeigt sich jetzt bei dem Vorgehen der Buchdrucker, den Lohntarif vom Jahre 1896 allgemein zur Durchführung z» bringen. Während die organisirten Prinzipale energisch sür die Tarif- durchführnng eintreten, setzen die u n o r g a n i j i r t e n Prinzipale. welche hauptsächlich in der Provinz ihren Sitz haben, alle Hebel in Bewegung, um dagegen anzukämpfen. Sie schreien nach der Polizei, rufen um Hilfe gegen die„Hetz"apostel des Verbandes und fordern die Regierung auf, Schritte gegen die Uebergriffe des Tarisausschussrs zu unternehmen. Um den Lesern des„Vorwärts" ein anschauliches Bild von . dieser Mache zu geben, lassen wir einige Proben ans der Provinz- presse(„Deutsche Buchdrucker-Zeitung"), die ganz im Geiste StummP und Genossen redigirt wird, hier folgen:„Ein unerhörtes Vorgehen", nennt zunächst der Artikelschreiber und Büchdruckerei- bcsitzer Herr Thiele die Bekanntmachungen des Tarifausschusses betreffs Durchführnng des Tarifs, und fährt dann fort:„Also die Prinzipals- Mitglieder des Tarifausschusses wollen, da die Zwangseinsührung des Tarifs viele Mitglieder des Deutschen Buchdrucker-Vereins veranlaßt hat, aus diesem Vereine auszutreten, in jenen Druckereien, welche prinzipiell gegen die angesonnene Tarifirung ihres Personals sind, Streiks hervorru's sn, um die renitenten Prinzipale zur Raison zu bringen! Ist ein solches« e r f ah reu nicht Verantwortlicher Redakteur � August Jacobey in Berlin unerhört, ja gesetzwidrig? Vcrrufserklärung wird nach § 153 der Gewerbe-Ordnung mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft!" Stumm und Genossen können sich freuen, hier einen solch' schnei- digen Befürworter für die neue Zuchthausvorlage anzutreffen. Auf die Buchdrucker dürfte aber diese Drohung wenig Eindruck machen; das, was sie vorhaben, werden sie trotzdem durchsetzen. Der Artikclschreibcr fährt dann fort: „Nach den vielfachen.Erfahrungen der letzten Jahre bin ich sogar auf den Verdacht gekommen, daß gewisse Großdrucker mit den schlimmsten Agitatoren und Hetzern des Verbandes unter einer Decke st e ck e n! Das in den Großdruckereien schlecht aus- gebildete, mit sozialdemokratischen Allüren ausgestattete Per- sonal soll in den Provinzdruckereien untergebracht und die soliden, gut ausgebildeten Kräfte der Provinzdrucker diesen abspenstig' gemacht und in die Großstädte verpflanzt werden." Die sozialdemokratischen Berliner Buchdrucker werden sich bestens be- danken, bei den Tarifverächtern und Lohndrückern in der Provinz in Arbeit zu treten, das Vergnügen wird ihnen erst bereitet, wenn es den sozialdemokratischen Hetzaposteln gelungen ist, aus den Provinzdruckern tarifireue Arbeitgeber zu machen. „Wir sind aber gespannt darauf, so heißt es weiter, was die Regierung zu solch unqualifizirbarem Verfahren der P r i n z i p a l s m i t g l i e d e r des Tarifausschusses sagen wird, und ob sie sich nicht schützend mit der ganzenWucht ihrer Autorität und ihrer Gesetze auf die Seite jener stellen wird, welche meinen, daß der Tarifausschuß seine Kompetenz durch obigen Beschluß überschritten hat."(Die Regierung wird jedenfalls auf Wunsch der„Deutschen Buchdrucker-Zeitung" die Prinzipals- Mitglieder des Tarifausschusses alle nach Plötzensee bringen.)„Der Tarif ist für jeden Mensch e ir f r e u n d unter den Druckern unannehmbar, weil er allein die Kalamität in unserem Ge- werbe— das Vagabundcnthum, die Minderwerthigkeit eines großen Theils der heutigen Gesellschaft gegen die frühere, das Emporblühcn der nicht fachmännisch gebildeten Druckereigeschäste— verschuldet hat."— Nette Menschenfreunde diese Herren, die, wenn sie den Arbeiter nach Recht und Billigkeit entlohnen sollen, dieses für un- annehmbar erklären. Das Emporblühen der nicht fachmännisch ge- bildeten Druckereien wäre demnach ein wahrer Segen für die Ge- Hilfenschaft, denn von diesen wird der Tarif bezahlt. Das „Vagabundenthum" und die„Minderwerthigkeit" wird durch Hunger- löhne und lange Arbeitszeiten erzeugt. Das mögen sich die Herren gesagt sein lassen. Zum Schluß seines Elaborats wirft sich Herr Th. noch einmal in die Brust;„Deshalb keine Tarifgemein schaft und Schutz seitens der Regierung gegen die Ueber- griffe des T a ri f a u s s ch u s s e s." Ein ganzer Mann, dieser Herr Thiele. Heldemnüthig flüchtet er unter den Schutz eines Polizeibeamten, wenn die Arbeiter von ihrem Äöalitionsrecht Gebrauch machen. Nur nicht diese schöne Ordnung der Dinge, die Arbeiter auch fernerhin mit Hungerlöhnen abspeisen zu können, antasten. Dies Beispiel zeigt den Buchdruckern deutlich, woher der Wind weht und da heißt es allezeit auf dem Posten sein. Um aber auch den Lesern des„Vorwärts" zu zeigen, welche Stimmung unter den Prinzipalen vorhanden ist, die der Tarif- durchführnng sympathisch gegenüberstehen, mag eine Auslassung, die in der„Zeitschrift für Deutschlands Buchdrucker" an leitender Stelle zu finden ist, hier wiedergegeben werden. Es heißt dort:„Wir möchten daher die taristreuen Kollegen bitten, die Verallgemeinerung des Tarifs dadurch zu unterstützen, daß sie bei Einstellung von Gehilfen möglichst in erster Linie die für den Tarif arbeitslos gewordenen berück- sichtigen und so dazu beitragen, daß diese Ge- Hilfen untergebracht und so für ihr Eintreten für den Tarif schadlos gehalten werden. Es scheint dies nicht mehr als recht und billig, denn ohne die opferwillige Mir- Wirkung der Gehilfen würde es um die im Interesse jedes einzelnen gelegene Verallgemeinerung des Tarifs übel be- stellt sein." Heule, am 22. Oktober, werden also die Würfel fallen; heute wird es sich zeigen, ob die den Tarif noch nicht bezahlenden Firmen ihre Ausnahmestellung beibehalten werden. oder ob sie sich dem großen Ganzen der Tariforganisation der deutschen Buchdrucker unterstellen wollen. Krieg oder Frieden wird daher in vielen Druckereien Deutschlands in wenigen Tagen die Losung sein! GemsvKsisznfkHrijes. Berlin und Umgegend. Ächtung, Buchbinder und verwandte Bcrufsgenossen! Kollegen und Kolleginnen! Der Streik unserer Kollegen in Wien dauert fort. Die Unternehmer haben jede Verhandlung mit den Arbeitern abgelehnt. Sie versuchen nun, Streikbrecher aus Deutschland anzuwerben und auch die dringenden Arbeiten hier fertigstellen zn lassen. Wir richten deshalb nochmals an alle die dringende Mahnung, den Zuzug n a ch W i e n streng fern- zuhalten und jede Streikarbeit energisch zurück- zuweisen. Kollegen und Kolleginnen! Vergeht auch nicht, heute Abend Euer Schcrflcin für die in schlverem Kampfe stehenden Arbeiter und Arbeiterinnen Wiens beizusteuern. Schnelle Hilfe ist dringend n o t h w e n d i g. Die Vertrauenspersonen der in Buchbindereien und verwandten Berufen beschäftigten Arbeiter. Deutsches Reich. i Die Arbeiter des Magdeburger städtische» Gaswerkes haben den Vorstand der Filiale Magdeburg des Verbandes der in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter beauftragt, der Deputation des städtischen Gas- und Wasserwerkes folgende Forderungen zu unterbreiten: a) die Ofenarbciter sollen im Sommer wie im Wintcr einen Tagelohn von 4 M. erhalten; b) Die Hofarbeiter einen Tagelohn von 2,75 M.; c) Abkommandirtcn Betriebs- arbcitern sind 3,50 M. pro Tag zu gewähren; ck) den Maurern ist gleichfalls ein Tagelohn von 4 M. zu zahlen; s) die tägliche Arbeitszeit bleibt die bisherige, jedoch toll in den Sommermonaten die 24ftündige Wechselschicht beseitigt und nur 12 Stunden gearbeitet werden. Die Ersatzmaunschaften sind durch die technische Leitung des Gaswerkes zu bestimmen. Begründet werden diese Forderungen durch den Hinweis auf die gestiegcuen Fleisch- und Brotpreise, die es den Arbeitern, mit den jetzigen Löhnen fast unmöglich machen, ihre Familie menschenwürdig ernähren zu können. Wegen Vcrnbnng groben Unfugs wurde Genosse Liedke in Mühlhausen i. Th. zu einer Woche Haft venirtheilt. Der Ver- urtheilte hatte während des Bierboykotts im Auftrage des Gelvcrk- schaftskartells einen Aufruf erlassen. Aus dem Waldcuburger Grnbenbczirk. Währenddem in dem Waldenburger Bezirk sortgesetzt die Kohlenpreise steigen, ist bisher von einer Erhöhung der Arbeitslöhne nichts zn merken. In anbcrracht dieses llinstandes haben die Agenten aus dem rheinisch- westfälischen Revier, die hier Arbeiter anwerben, einen sehr günstigen Boden. Die etwas höheren Löhne bieten für die schlecht entlohnten Bergleute einen starken Anreiz. In den letzten Tagen ist hier ein Transport von 500 Arbeitern nach Westfalen abgegangen. Die ausständige» Schuhmacher� in Hannover verhandelten am Wiittwock über die Stellung des Streiks. Es wurde beschlossen, an der Einführung der aufgestellten Werkstatt-Ordnung festzuhalten. Der zweiklassige Lohntarif ist theilweise angenommen. Im Ausstand stehen noch 90 Gehilfen. Bcivilligt erhalten haben 83 Gehilfen in 48 Geschäften. Wegen Beleidigung wurde vom Landgericht in Raum- bürg der Maurer M e w s, der seinerzeit mit den Maurerstrcik führte, zu d r e i Monaten Gefängniß verurthcilt, tveil er durch ein Flugblatt mit der lleberschrift„Ein Mahnwort" die Bau- Herren Groß und Niedling beleidigt haben soll. In der Offrnbacherschen Spicgclfabrik in Fürth verlangten die Rahmcnschrciner die 57 stündige Arbeitszeit, wie sie von den Für den Jnse'ratentyeil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck un! meisten anderen Fabrikanten bewilligt wurde. Die Firma wieS die Forderung zurück, weshalb 39 Mann die Arbeit niederlegten. In Wilhermsdorf bei Nürnberg sind zwischen den Bürsten- und Pinselarbeitern und dem Unternehmer Differenzen ausgebrochen wegen Maßregelung von Arbeitern. Zuzug ist fernzuhalten. Ausland. Sechshundert Grubenarbeiter in L i e v i n(Frankreich) haben die Arbeit eingestellt. Die Anttverpener Schriftsetzer und Drucker haben in ihrer Vereinigung einen allgemeinen Ausstand beschlossen. Außer dem „Hande'lsblad", der„Gazet van Antwerpen" und dem Blatte„L'Escaut" dürfte gestern Abend keine Antwerpener Zeitung erschienen sein. Sozinles. Arbeiter- Risiko. Auf dem Neubau der Firma Kelle u. Hildebrand in Niedersedlitz bei Dresden kam ein Zimmermann durch Sturz von einem zwei Stock hohen Gerüst ums Leben. Kapital»ud Arbeit. Eines ausgezeichneten Geschäftsgangs erfreuen sich bekanntlich auch die Waggonfabriken. Ihre Produktion bleibt hinter dem Bedarfc immer noch ivcit zurück. Eine in dieser Branche arbeitende Gesellschaft, die A k l i e n g e s e l l- schaft für Fabrikation von E i s e n b a h n m a t c r i a l zu Görlitz, hat im Geschäftsjahre 1397 93 einen Reingewinn von 899 182 M. erzielt. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 17 pCt., gegen 16 pCt. im Jahre vorher. Und die Arbeiter? Wie uns mitgetheilt wird, wurden die Löhne der Stundenarbeiter um einen Pfennig die Stunde erhöht, während die Akkordlöhne sogar noch r e d u z ikr t wurden. Und das angesichts eines so unge- Heuren Geschäftsgewinns! Schulverhältnisse auf dem Lande. Wie dem„Niederlansitzcr Volksblatt" mitgetheilt wurde, erhalten in S ch a ck s d o r f. wo der Schullehrer zu einer zehnwöchigen llebung eingezogen ist, die Kinder während dieser geraumen Zeit keinen Unterricht. Was braucht auch die Dorfjugend viel zu wissen? Die Agrarier stehen sich um so besser, je ununterrichteter die Arbeiter sind, die für sie ftohnden müssen._ VerlÄANmlnttigen. Der Verein der Zimmerer Berlins und der Umgegend hatte am 16. d. M. seine Generalversammlung anberaumt, in der Hoppe den Bericht über die diesjährige Thätigkeit des Vorstandes und die EntWickelung des Vereins erstattete. Es wurden drei Generalversammlungen und sieben regelmäßige Versammlungen ab- gehalten, und gründete der Verein fünf neue Zahlstellen. Der Verein zählt 1300 Mitglieder. In diesem Quartal allein fanden 179 Auf- nahmen statt, ein Beweis, daß der Verein immer mehr Zuspruch findet; dem genügt aber noch lange nicht, es muß mit aller Energie dahin agitirt werden, daß jeder Indifferente zur Organisation heran- gezogen wird. Hierauf verlas der Kasfirer die Abrechnung vom dritten Quartal: Einnahme vom 3. Quartal 1898. 2616,85 M. Bestand vom 2. Quartal 1898.. 7252,38„ Sa. 9869�23�Ml Ab Ausgabe vom 3. Quartal 1893 1902,51„ Bleibt Bestand 7966,72 M. Die der Geschästskommiision zur Unterstützung der Braunschweiger Maurer geliehenen 1000 M. wurden derselben überlassen. Das Ge- rücht, der ehemalige Kassirer Otto Busse soll 150 Marken nicht be- zahlt haben, wurde als grobe Verleumdung zurückgewiesen. Derselbe hat bei der Uebergabe alles beglichen und nie ein Manko gehabt. Die Abrechnung vom Vergnügen ergab einen Ueberschuß von 72,15 M., davon wurde die Einnahme für die Verloosung mit 23,10 M. den Jnhaftirten zuerkannt, der Rest der Vercinskasse über- wiesen. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebniß: Jonny Hinrichsen, Schöneberg, Koburgstr. 14, 3 Tr., erster Vorsitzender; I uppenlatz, zweiter Vorsitzender: Schäffcr erster, H i r t h e zweiter Kassirer; M e ch a u erster. Hoff zweiter Schrift- führer; Triebe!, Lehmann und Hoppe. Revisoren; L o pza t und Bayer. Bibliothekare; Decker und Sauer, Kontrolleure. Denjenigen Mitgliedern, die länger als 13 Wochen kraut respektive arbeitslos find, soll die Zeitung unentgeltlich geliefert werden. Die verunglückten Kameraden Karl Schulz und Wilh. Benthin sind zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Kassirer der Zahlstelle Steglitz theilte mit, daß der dortige Amtsvorsteher das Stiftungsfest verboten habe. Die Versammlung beschloß, hiergegen Beschwerde zu erheben. Zum Schluß machte der Vorsitzende auf die am 30. Oktober, mittags 12 Uhr, bei Lange, Dragonerstratze 15, stattfindende Konferenz der Vertrauensmänner der Zimmerer Deutschlands aufmerksam. Lcijfe DepesÄzon. Dresden, 21. Oktober.(W. T. B.) Unter den Rindern des hiesigen Schlacht- und Viehhofes ist, lvie amtlich festgestellt wurde, die. Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. / Wieit, 21. Oktober.(W. T. B.) Wie die„Politische Corresp." stmS Rom meldet, wird die A n a r ch i st e n- K o n f c r e n z sich mit folgenden Hauptfragen beschäftigen: 1. Straftechtliche Definition des Anarchismus. 2. Maßregeln gegen die anarchistische Presse. 3. Aus- lieferung der Anarchisten. 4. Qualifikation anarchistischer Verbrechen als genreine Verbrechen. 5. Organisation des Polizeidienstes behufs Erleichterung deS gegenseitigen Austausches von Mittheilungen be- treffend die Anarchisten. Wien, 21. Oktober.(B. H.) Der offiziellen„Abendpost" zu- folge ist bei den unter pcstverdächtigcn Symptomen Erkrankten, Dr. Müller und Wärterin Peiha, das Vorhandensein der indischen Pest jetzt konstatirt. Es wurden alle sanitären Vorsichtsmaßregeln getroffen, um die Weiterverbreitung der Seuche wirksam zu ver- hindern. Wie», 21. Ottober.(W. T. B.) Der Besuch sämnrtlicher im Gebäude des pathologisch- airatomischcn Instituts untergebrachter Hörsäle seitens der Stndirenden ist vorläufig sistirt. Die Angehörigen des verstorbenen Laboratoriumsdieners Barisch, sowie sämmtllche Diener des pathologisch- anatonrischen Instituts wurden isolirt und werden von amtlicher ärztlicher Seite bewacht. Wien, 21. Oktober.(V. H.) Dem Besuch des Grafeir Murawiew Hierselbst legt die„Neue Freie Presse" große politische Bedeutung bei und betrachtet denselben als Zeichen der besten Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland. London, 21. Oktober.(W. T. D.) Einem Lloydstelegramm aus Astoria(Oregon) zufolge wurden durch-das Platzen von Kessel- röhren auf dem amerikanischen Torpedoboot„Davis" vier Mann getödtet und drei verwundet. London, 21. Oktober. Das„Neuter'sche Bureau" meldet: In den Werften von Portsmouth herrscht keine außergeivöhnlich lebhafte Thätigkeit; der Arbeitsbetrieb ist der normale. Heute ist der Befehl eingegangen, keine Schiffsreparaturen zu beginnen, die nicht inner- halb 48 Stunden ausgeführt werden können. Der Befehl wird als bemerkenswerth betrachtet. Rom, 21. Oktober.. W. T. V.) In dem Prozeß wegen des Duells zivischen Macola und Cavallotti wurde heute das Unheil ge- fällt. Macola wurde zu 13 Monaten Haft verurtheilt, die Zeugen wurden freigesprochen. Aiadrid, 21. Oktober.(W. T. B.) Der Generalkapftän hat das Erschenien des Blattes„National" uiriersagt, weil es sich nicht der militärische» Zensur»ntertvorfen hat. Konstantinopel, 2l. Oktober.(Meldung des k. k. Telegr.- Äorresp.- Bureaus.) Nach Berichten ans Kreta wird der türkische Kordon bei Retiuro und Kairdia durch Russen und Engländer ersetzt. Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen. stmio. ladrpj. 1. Dtilllge kö Jormiulf DtlllUl lolkllutt. s-'»>l'l'k''d.2s.M°dttM8. Nommunsles. Behälter der Berliner Gcmcindebeaintcn. Das Mindest- gehail der besoldeten Magistratsmitglicder beträgt 7000 SDt. und steigt von drei zu drei Jahren um bvv M. bis zum Höchstgehalt von 11 000 M. Bei dem Ober-Bürgermeister, dem Bürgermeister� den Stadt-Bauräthen. den Stadt-Schulräthen und dem Stadt- kämmerer werden jedesmal besondere Festsetzungen getroffen. Die Stellen der beiden Bureau-Direkloren sind mit je K600 M. dotirt. Die Schul-Jnspektoren beginnen mir einem Anfangsgehalt von 5400 M. und erreichen ein Höchstgehalt von 7200 M. in Zeiträumen von je drei Jahren mit einer jedesmaligen Aufbesserung von 300 M., während die Stadt- Bauinspektorcn nach dem Berichte über die Ge- meindeverwalwng der Stadt Berlin in den Jahren 1889 bis 1895 ein Anfamsachalt von 6800 M. beziehen und von zwei zu zwei Jahren MgZulage von 300 M. bis zum Höchstgehalt von<800 M. erhalten. Stadtbaumcifter haben 5100 M. Mindestgehalt mit Erhöhung»* wie bei den Bau-Jnspcktoren bis 0000 M. Der städtische Elektrotechniker ist nur 7000 M.. der Plankammer-Jnspektor mit 4500 M. und dessen erster Assistent mit 3600 M. Diensteinkommen verzeichnet. Das Minimalaehalt der lebenslänglich angestellten Gcometer ist auf 2160 M. festgesetzt, erhöht sich aber von'zwei zu zwei Jahren um 240 M. bis aus 4320 M.. während die Hilfs- geometcr von 1440 M. mit Steigungen von je zwei Jahren bis 2880 M. Maximalgehalt gelangen. Die lebenslänglich angestellten Techniker der städtischen Bauverwaltung beziehen 3000 bis 4000 M., die Ausbesserunge» werden von zwei zu zwei Jahren mit 200 M. gewährt. Der städtische Ingenieur für die Heiz- k. Anlagen, welcher mit 5100 M. Anfangsgehalt angestellt wird, erhält von drei zu drei Jahren 300 M. Gehaltszulage und er reicht so ein Marimalgehalt von 5700 M. Das Mindestgehalt der Stadt-Bau-Assistentcn(Stadt-Bauschreiber) beträgt 2400 M. In Steigerungen von drei zu drei Jahren— je 200 M.— wird dal" Höchilcinkommen von 3800 M. erreicht. Der Direktor des städtischen statistischen RmteS hat ein etats mäßiges Jahres-Einkommen von 6600 M., dazu kommt bei dem derzeitigen Inhaber eine Peiisionszulage von 900 M. Für den Direklorial-Assistenten ist das Mjnimalgehalt auf 4200 M.. steigend von 3 zu 3 Jahren um je 300 M. bis zun, Maximalgehalt von 6000 M., festgesetzt. Der zunächst auf 6 Jahre angestellte wissen schaftliche Hilfsarbeiter bezieht 3600 M., der städtische I. Bibliothekar und Archivar 6000 M., die beiden weiteren Bibliothekare je 3600 M. Jabresgehalt. Die Berwalwngsdirektoren der verschiedenen städtischen Anstalten erhalten 4200 bis 6000 M. Baargchalt und Neben einnahmen im etatsmäßigen Werthc von 1200" M.; die ärztlichen Direktoren, die immer nur auf 6 Jahre angestellt werden, haben Diensteinkommen bis ca. 11 000 M.! der Direktor der städtischen Straßenreinigung 6600 M. und eine größere Funktionszulage, die Inspektoren der einzelnen Anstalten 3200 bis 3700 M. und Nebeneinnahmcn, die nur mit 600 M. berechnet werden; die Oberinspektoren sind entsprechend besser gestellt. Die a»f sechs Jahre angestellten Oberärzte haben 5000 bis 6000 M. baares Gehalt und Nebeneinkommen im Werthe von 1000 M. 5100 bis 6000 M. erhält der Kustos des Märkischen Btovinziab Museums, und dem städtischen Gartcn-Direktor werden enischlichlich 1000 M. persönlicher Zulage 6100 M. baar und eine Dienstwohnung im Hnmboldhain gewährt; der Garteninspektor hat einschließlich der Nebeneinnahmen 4000 M. Diensteinkommen, das der städtischen Obergärtner ist etwas geringer. Die Hausväter beginnen mit 1800 M. Baargchalt und steigen m 15 Jahren bis auf 2400 M.. außerdem haben sie Dienstwohnung-c. Die Oberaufseher der Straßenreinigung kommen von 2160 bis 3000 M. Höchstgehalt, die Aufseher von 1600 bis 2000 M. Wohnungsgeld-Zuschuß wird von der Stadt Verwaltung Berlin nirgends gewahrt. Die Pensionirung'der Gemcindebeamten erfolgt sabgeschcn von Fällen, in denen ausdrücklich andere Normen vereinbart find) nach denselben Grundsätzen wie bei den Staatsbeamten; bei Berechnung der Dienstpension wird die etwaige frühere Dienstzeit im Reichs- Staats- bez. Militärdienst und meistens auch im auswärtigen Gemeinde dienst mit m Anrechnung gebracht. I» der gestrigen Magistrats- Sitzung beschäftigte sich das Kollegium eingehend mit der Frage wegen der Betheiligung der Stadtgemeinde Berlin an der Erbauung des Kanals Berlin-Stettin. Auf Vorschlag der vom Magistrat zur Vorberathung dieser An gclegenheit eingesetzten Kommission hat das Kollegium beschlossen, die vom Staate an die Stadtgemeinde gestellte Forderung einer Garantie in Höhe von 50 pCt. zu übernehmen, dagegen die Zustiinmung dazu zu versagen, daß Berlin zu den Kosten der Anläge des Kanals noch 5 Millionen Mark beitrage(für die von der Regierung in den letzten Jahren vorgenommenen Verbesserungen des alten Finowkanals). tinsichtlich der Garantie für das Aufkommen der Vprozentigc» ilgungsquote, war das Kollegium der Ansicht, daß dieselbe erst nach Ablauf von 15 Jahren nach Inbetriebsetzung des Kanals ein- zutreten habe. Die Garantiepflicht soll sich nur bis auf die Höhe der Anschlagssumme erstrecken, für etwaige Uebcrschreitungcn soll der Staat allein haften. Bleiben die Bau- und Betriebs- kosten unter der Anschlagssumme, so sollen bei der Abrechnung nur die wirklich entstandenen Kosten in Ansatz gebracht werden. Bei der Festsetzung der Kanaltarife soll die Stadl Berlin gehört werden. Die Provinz Brandenburg und die Stadt Charlotten- bürg sollen sich mit einem angemessenen Theilc an dem aiis Berlin entfallenen Theile der Garantie betheiligen. Auf grund dieser Bc- schlösse hat das Kollegium seine Kommission beauftragt, mit den Staatsbehörden zu verhandeln. Hinsichtlich des Rhcin-Weser-EIbe- Kanals lMittellaud-Kanal) hat das Kollegium beschlossen, unter dem Vorbehalt, seine Geneigtheit zu seiner Bethciligung zu erkennen zu geben, daß der Kanal nicht nur bis Magdeburg, sondern bis Berlin weiter geführt werde. Ferner sollen die hierbei Jntercssirten: die Städte Charlottenburg, Potsdam, Brandenburg a. H., die Provinz Brandenburg und die Korporation der Berliner Knufmanuschnst sich an dem Unternehmen finanziell betheiligen. D!it Rücksicht auf das Volksschullehrer- Besoldungsgesetz von, 3. März 1897 hat das Magistratskollegium beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten- Versammlung den Vorschul- Lehrern eine pensionsfähige Funktions- Zulage von 300 M. zu ge- währen. Zum Patronatsvertrctcr bei der Markus- Kirche hat das Magistratskollegium den Stadtrath V o h m gewählt.— Ferner wählte das Magistratskollcgium den Baumeister M e i e r für die im Tiefbau vakante Stelle zum Bau- Inspektor.— An stelle des auf seinen Wunsch entbundenen Gcmeindelchrers Wicdennaim als Gesanglehrer am Lonisenstädtischen Gymnasium ist der Organist P i e t h vom Kollegium gewählt worden. Auf einstimmige Empfehlung seiner Subkommission hat das Kollegium beschlossen, dem Antrage der Schulkommissions-Vorsteher auf"Gewährung einer Entschädigung für Hergabe eines Amts- zimmcrs, Reinigung desselben zc., insoweit zu entsprechen, daß den- jcnigcn Herren, welche darauf Anspruch erheben, fortan der Betrag von 15 M. monatlich aus städtischen Bkitteln gezahlt werden soll. Uo-kÄles. Die juristische Sprechstunde wird Dienstags, Donners- tags und Freitags abends von 7'/z bis 8l/i Uhr abgehalten. Für die hungernden Kinder bittet der„Verein zur Speisung armer Kinder und Nothlcidcnder" wieder um Unterstützung und Hilfe. Ein Aufruf, durch den zugleich der alljährliche, zur Beschaffung der Mittel veranstaltete Bazar des Vereins angekündigt wird, spricht von dem„stetig von Jahr zu Jahr, wachsenden An- drang der Annen" und betont die Nothwendigkeit,„die noth- leidenden Kinder in immer reichlicherer Weise in Schule, Anstalten und im Elternhause mit kräftiger Nahning zu versorgen". Auf den„wachsenden Andrang" und die gesteigerten Anforderungen" wird schon seit einer Reihe von Jahren regelmäßig in diesen Aufrufen hingewiesen. Da der Verein namentlich die Frühstücksvertheilung an arme Gemeindeschnlkinder besorgt(seit 1883), so muß sich allerdings schon aus der Vermehrung der Gemeindcschulen und der Schulkinder eine Steigerung der An- forderungcn ergeben. Merkwürdig ist aber, daß— ungeachtet der in den Aufrufen ausdrücklich hervorgehobenen Zunahme des Bedürfnisses — in, letzten Winter in 190 Gemeindeschulen täglich nur 8—10 000 Kinder Frühstück bekommen haben, obwohl bereits vor einigen Jahren bei weniger Schulen und weniger Schulkindern dieselbe Zahl von Unterstützten erreicht wurde. Es scheint, daß der Verein, da die Zu- nähme seiner Mittel, trotz Bazar und Thee-Abend und Wohlthätig- keitsfest, keineswegs Schritt gehalten hat mit der Steigerung des Bedürfnisses, sich— wie so viele andere Vereine dieser Art— nach der Decke streckt uud die nothleidcndcn Kinder nicht„in immer reichlicherer Weise", sondern in vcrhältnißmäßig immer geringeren, Um- fange mit Frühstück versorgt. Um so berechtigter ist dann die Forderung, daß hier die Gemeinde eingreift. Es handelt sich dabei nicht nur um dös Interesse der Kinder, sondern ebenso sehr um das der Schule. Auch im letzten Winter ist wieder von Rektoren anerkannt worden, daß die Frühstücksvertheilung segensreich wirkt, indem sie die Regelmäßig- kett des Schulbesuchs und den Fleiß der Kinder günstig beeinflußt. Leider ist aber die Neigung der städtische» Verwaltung, der Frage der Frühstücksvertheilung an Gemeindeschulkindcr näher zu treten, so gering, daß im vorigen Herbst nicht einmal der von der sozial- demokratischen Fraktion in der Stadtverordneten-Versammlung gestellte Antrag, wenigstens eine Zählung der hungrig zur Schule kommenden KiijjKr vorzunehmen, durchzudringen vermochte. Pclizeibcamtc im Kampf gegen de»„Vorwärts". Ein chankwirth, dessen Lokal auf Charlottenburger Gebiet liegt, sah sich vor einigen Monaten veranlaßt, dem Wunsche eines Theil? seiner Gäste nachzukommen, und, obgleich er selber nichts weniger als Sozialdemokrat ist, den„Vorwärts" in seinem Lokal auszulegen. De, Wirth kam dabei nicht schlecht weg. denn er machte die Bc- merkung, daß verschiedene Personen, seit sie in dem Lokal den „Vorwärts" lesen konnten, seine ständigen Gäste geworden waren. Wirth und Gäste waren also mit der Einführung des „Vorwärts" sehr zufrieden. Mit anderen Gesühlcn sahen dagegen einige Polizeibeainte diese Neuerung an. Hin und wieder ließ sich auch dieser und jener Kriminalschutzmann in dem Schanklokal sehen. Die Beamten gaben dem Wirth den Rath, den„Vorwärts" wieder abzuschaffen, auf dem Revier sei es bekannt, daß er dieses Blatt auslege, und unter diesen Uniständcn könne er nicht auf Entgegenkommen rechnen, wenn er einmal um Verlängerung der Polizeistunde oder dergleichen einkonimc. Er habe auch zu gewärtigen, daß man ihm im übrigen scharf auf die Finger sehe. Der Wirth ließ sich einschüchtern und bestellte kürzlich den„Vorwärts" wieder ab. Was die Beamten hier dem Schankwirth als mögliche Folge seines Abonnements auf den„Vorwärts" in Aussicht stellten, be- slätigt ja die Erfahrungen, welche unsere Parteigenossen in den Vororten hinstchtlich der Stellung der Polizei zu den der Arbeiterschaft zur Verfügung stehenden Lokalen in zahlreichen Fällen gemacht haben. In dem vorliegenden Falle ieficint es den Beamte» tvohl weniger darum zu thui, gewesen zu sein, daß der Wirth vor etwaigen Nachthcilcn behütet werde, als vielmehr um eine Beseitigung des„Vorwärts" ans den, betreffenden Lokal. Die diensteifrigen Schutzleute glauben jedenfalls, auch ihr Theil dazu beitragen zu müssen, daß die Verbreitung sozialdemo- kratischer Zeitungen und revolutionärer Ideen nach Kräften verhindert werde, und so kommt es denn, daß neben den, offiziellen Kampf, den die Behörden durch weitgehendste Anwendung der bestehenden Gesetze und Verordnungen gegen unsere Presse führen, untergeordnete Beamte sich das"Privatvergnügen leisten, auch ihrerseits durch eine kleine Jagd auf sozialdemokratische Zeitungen ihren Diensteifer zu bekunden und zur Vernichtung der „Rotte" ein wenig beizutragen.— Solche kleinen Maßnahmen sind natürlich ebenso wenig wie die großen Mittel geeignet, die Wer brcitnng unserer Ideen aufzuhalten. PolizeibnreaukratiSmus bei ansteckenden Krankheiten. Von einem uns befreundeten Arzte erhalten wir folgende vom Donnerstag datirte Zuschrift: Ich wurde gestem zu einer an Gesichts- rose erkrankten Frau gerufen und ordnete die llcberführung derselben in ein Krankenhaus an, weniger weil der Zustand der Kranken be- iorgnißerrcgend war, als weil ich die Ansteckungsgefahr beseitigen wollte. Die betreffende Frau hatte nämlich eine Schlafftelle in der Küche innc bei einer Familie, zu der unter andern, zwei kleine Kinder gehören. Da die Kranke nicht die Mittel hatte, sofvrt den Krankenwagen zu bezahlen, stellte ich einen Schein mit Krankhcitsangabe u. s. w. für die Polizei aus. Von dem Polizcibureau aus wurde aber die lleberbringerin des Scheines erst zum Armenvorsteher, und von diesen, weiter zum Armenarzt geschickt... Da der Armenarzt gestern die Kranke nicht mehr besticken konnte, wurde wiederun, zu mir geschickt. Trotzdem ich nun abermals schriftlich die Gründe auseinandersetzte, welche die sofortige llebersührmig in das Krankenhaus erforderlich machten, that die Polizei keine weiteren Schritte, und so wurde erst heute Vormittag ll llhr nach dem Besuche des Armenarztes die Kranke nach dem Krankcnhausc geschafft. Daß dies Verfahren geeignet ist, die weitere Ausbreitung an- steckender Kraukbeiten zu verhüten, wird niemand behaupten können. Zugleich zeigt der Fall aber recht deutlich, welche Achtung sowohl die städtischen als die Polizcibcamtcn den nicht-bcamtetcn Aerztcn entgegenbringen. Nicht einmal in solchem Falle gilt die Bescheinigung des uicht-beamtctcn Arztes für ausreichend I Will man an diesem Standpunkt festhalten, dann müßte doch mindestens dafür gesorgt werden, daß der beamtete Arzt— in diesem Falle der Armenarzt— jederzeit erreichbar ist, beziv. für geeignete Vertretung desselben ge- sorgt werde. Eigciithi'inilichc Erscheinungen bieten bei dem ziemlich un- vermittelt eingetretencls Frost der letzten Tage die Blätter unserer Laubbäume dar. Da gewöhnlich stärkerer Frost erst zu einer Zeit bei uns eintritt, in welcher unsere Laubbäume ihre Blätter längst bis ans das letzte verloren haben, so bieten sich diesmal den Vor- boten des Winters Nußbaum, Buche, Akazie, Esche, Ahorn u. s. w. noch in verhält,, ißmäßig frischer und grüner Gestalt dar. Sännnt- liche Blätter dieser Laubbäume hatten gestern, besonders wenn sie frei und nngcschützt dastehen, eine ziemlich starke Eisschicht überzogen, von der man das Blatt ohne weitere Schlvierig- leiten abziehen konnte, so daß ein klar, durchsichtiger Eis- abdruck zurückblieb, der fämmtliche Linien, Rippen und Adern dcS Blattes scharf und getreu erkennen ließ. In den meisten beobachteten Fällen vollzog sich diese Beeisung jedoch nur an der glatten, oberen Fläche des Blattes, während die untere, rauhe und behaarte Fläche, wie auch sonst stärker behaarte Blattpflanzen davon versckont blieben. Ein wie großer Unterschied sich schließlich noch zwischen denjenigen Pflanzen zeigt, welche nur i», Sommer grünen, und denjenigen, welche das ganze Jahr hindurch ihre Blätter be- halten, konnte man bei den verschiedenen Nadelholz-Arten und beim Taxus, Buchsbaum sc. beobachten, die fast gar keine oder nur ganz geringe Eisbildungen zeigten, wohl ei» Beweis dafür, daß sie gegen unser rauhes Klima abgehärteter sind, als die nur an milde Sommer- luft gewöhnten Laubbäume. Eine erhebliche Verkehrsstörung wurde Donnerstag Abend auf der Ringbahn durch die Entgleisung eines elektrischen Wagens an, Prenzlauer Thor, an der Weiche für die Linie Antonplatz lWeißensee)— Bchrenstraße, hervorgerufen. Obwohl nur die Hinter- räder aus dem Geleise gerathcn waren, dauerte es doch von 5 Uhr 15 Minuten bis 5 Uhr 55 Minuten, ehe man das Verkehrshindcmiß beseitigt hatte, indem man mit starken Winden den Wagen wieder in das Geleise brachte. Gesperrt war nur die eine Richtung, hier hatten sich bereits 16 Wagen angesammelt. Beförderung von Fahrrädern. Die Schnellzüge nach Berlin werden, wie das Verkchrsbureau der Breslauer Eisenbahndirektion mittheilt, vom 1. November d. I ab auch in, Berliner Direktions- bezirke für die Beförderung unverpackter einsitziger Ziveiräder srei- gegeben. Tic Polizei hat in den Wohnungen der bekannten Anarchisten Spohr und Wcidner Haussuchungen vorgenommen. Es handelte sich, wie wir in der„Nat.-Ztg." lesen, bei denselben darum, festzustellen, ob der ans Budapest ausgewiesene Anarchist Matthias Malaschitz bei seinen hiesigen Gesinnungsgenossen Unterkunft ge- funden habe. Bei Weidnc, sind Briefe von Malaschitz beschlagnahmt worden. Malaschitz selbst hatte bereits Berlin verlaffen. Am Freitag, 28. Oktober, findet in der„Tonhalle" eine große Anarchisten-Ver- sammlung statt, um„gegen die internationale Anarchistcnhetze und die Verschwörung gegen die Freiheit" zu Protestiren. Die Versamm- lung ist in dem„Armen Conrad" unter der Ucberschrift:„Wir sind noch da I" angekiindigt. Mit der Verhaftung des muthmaßlichen Mörders Wegencr war es nichts. Die Donnerstag Abend aus Salzbergcn(Ostfriesland) hier eingetroffene Meldung, daß der Mörder des Dienstmädchens Kaiser in der Zionskirchstraße, Albert Wegener, dort verhaftet worden sei, stellt sich zetzt als irrthümlich heraus. Es ist dort allerdings ein dem Mörder ähnlich sehender Mann von der Polizei festgehalten, aber nach Aufklärung des Jrrthums wieder entlassen worden. Ter Deutsche Thierschntzvercin ersucht uns um Aufnahnie der folgenden Mitthcilungen; Ueber die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Hundefang'cs herrscht bei einem großen Theil des Publikums noch völlige Unkenntniß, welche oft zu Unannehmlichkeiten und vergeblichen Reklämationci, führt. Es erscheint» daher angezeigt, die wichtigsten dieser Bestimmungen für den Gemeindcbezirk Berlin erneut m Erinnerung zu bringen. Danach ist jeder Hund, welcher das Alter von drei(nicht, wie häufig angenommen wird, sechs) Monaten erreicht hat. steuerpflichtig und ihm, sobald er an einen öffentlichen Ort geführt wird, die Marke am Halsband oder Maul- korb sichtbar"anzubringen. Hunde, welche ohne giltige Marke an- getroffen werde», sind aufzugreifen, wobei es keinerlei Unterschied macht, ob die Steuer für den Hund erlegt ist oder nicht. Dem Fehlen der Marke gleich zu achten ist es auch, wenn dieselbe nicht vom Hunde selbst, sondern von dem Führer desselben in der Hand oder in der Tasche getragen wird. Für das Anlegen eines Maulkorbes ist eine Altersgrenze nach unten nicht gesetzt; indessen sind die Fangbeamten angewiesen, maulkorblose Hunde unter sechs Wochen nicht aufzugreifen. Auf dem Ann getragene Hunde fortzufangen, ist nicht gestattet. Das Führen des Hundes an der Leine ersetzt im allgemeinen das Tragen des Maulkorbes nicht, jedoch sind kleine(30 Zentimeter in der Schulter- höhe messende) Hunde unbedingt n i ch t aufzugreifen, wenn sie, mit der Steuermarke versehen, an der Leine geführt werden. In allen Fällen, in denen Zweifel an der Berechtigung des Vorgehens der Fangbeamten gehegt werden, bittet der Vorstand des Deutschen Thierschntz-Vereins, sich direkt an die Verwaltung des Thier-Depots(Stadtbahnbogen 79/80, an der Strnlauer Brücke) zu wenden und die häufig zu unliebsamen Auftritten führenden Erörte- rungen des Falls auf der Straße nach Möglichkeit zu vermeiden. Ein Betriebsunfall ist aus der Großdestillation von Meyer u. C i e. in der F r u ch t st r a ß c zu melden. Ein Arbeiter Fi ebner, FriedrichSfcldcrstr. 41 wohnhaft, goß sich am Freitag Mittag 12 Uhr einen Eimer mit heißem Wasser über den Körper und trug am Oberschenkel schwere Wunden durch Verbrühung davon. Nachdem Ficbner in der Unfallstation einen Nothverband erhalten hatte, wurde er nach seiner Wohnung gebracht. Krankheit nnd Nahrungssorgen haben die 33 Jahre alte Näherin Margarethe Hösel aus der Wittstockerstr. 24 in den Tod ge- trieben. Sie war seit fünf Jahren von ihrem Manne, einem Bau- tischlcr, geschieden und ernährte sich durch Wäschcnähen. Eine schon drei Jahre anhaltende Krankheu, die eine dreimalige Operation er- forderlich machte, hinderte sie in ihren: Erwerb immer mehr, und für die Zukunft sah die Kranke überhaupt keinen Ausweg mehr. Seit Dienstag vermißte man sie. Gestern Abend fand man sie in ihrer Stube als Leiche au der Thür hängen. In Briefen an einen Bruder und einen Freund gab sie Auskunft über den Beweg- grund zum Selbstmord. Ei» tödtlichcr Unglücksfall iin Ttraffeiivcrkchr ereignete sich Donnerstag Abend am Stcttincr Bahnhof. Als der Handels- mann Stachowsky den Straßcudamm passiren wollte, wurde er von einem Omnibus erfaßt, zu Boden geschleudert und überfahren. In bewußtlosem Zustande wurde St. nach der Unfallstation gebracht, wo der Arzt schwere innere Verletzungen lonstatirtc, während äußerliche Wunden nicht zu bemerken waren. Man transportirte dcn Ver- unglückten nach der Charitee, wo er am Freitag Bormittag seinen qualvollen Leiden erlegen ist. Bei der unheimlichen Sendung, die, wie der Polizeibericht kurz meldet, dem Schankwirlh Erfurt in der Joachimstraße zuging, handelt es sich nicht um Menschenhände, sondern um Füße, die von fachkundiger Seite präparirt uud jedenfalls zu Studienzwecken benutzt worden"sind. Die Haut war kunstgerecht losgelöst und einzelne innere Theile bloßgelegt. Bei dem Präparat fand sich ein Zettel vor, aus dem hervorging, daß es sich nur um einen Duminenjungcn- streich handelt. Der Zettel enthielt die Bemerkung:„Die Reste meiner Schwiegermutter. Wohl bekonnn's I Richard Erpel." Zn dem Einbruch in dem Volkskaffec, Nicderwallstraße, thcilt uns der dort beschäftigte Hausdiener mit, daß weder von seiner Jnhaflirung noch überhaupt von einer polizeilichen Verdächtigung seiner Person je die Rede war; es habe von vornherein festgestanden, daß er zu dem Einbruch in keinerlei Beziehung stehe. Iliitcr diesen Umständen bedauern wir natürlich, daß unser Berichterstatter einem saljMvu Verdacht Raum gegeben hat. Bei einer Benzüicxplosion, die Freitag Nachmittag 4 Uhr owerstr. 7 stattfand, wurde eine Perio» lebensgefährlich, eine andere leichter verletzt. Im 4. Stock des Seitenflügels jenes Grundstücks befindet sich eine galvanische Anstalt und Schleiferei der Firma Janke und Peto. Die Fabrikräume umfassen zwei große Zimmer, von denen das vordere das Komptoir und die Einrichtung kür Galvanik, der Hintcrraum dagegen die Dampsschleiferei enthüllt. Zur Zeit der Explosion befand sich der Milcigcnthümer Janke allein in der Schleiferei, wo angeblich nur das zum Gebrauch bc- nöthigte Quantum Benzin— etwa 3 Kilo— aufbewahrt wurde. Wie nun das Unglück gcichah. dürfte wohl nicht aufgeklärt Iverden, da Janke nicht vernehmungsfähig ist. Um die angegebene Zeit erfolgte eine Detonation und unter Hilferufen stürzte der Lehrling, der sich im Komptoir befunden hatte, die Treppe herab. Er war im Gesicht und an den Händen verbrannt. Kurz nach ihm wankia Janke die Treppe herab, bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, und stürzte auf dem Hofe zusammen. In förmlichen Lappen hing ihm das Fleisch am Körper und die Aerzte des Krankenhauses Am Urban, wohin beide Verletzte geschafft wurden, fürchten für sein Leben. Das entstandene Feuer hatte mittlerweile sich über beide Fabrikräume verbreitet und auch die Dachkonstruktion erfaßt. Die Feuerwehr hatte 1'A, Stunden zu thun, bevor die Flammen gelöscht und die Aufräumungsarbeitcn besorgt waren. Die Lehrstätte KO.(Königstadt) der Volks-Hochschule Humboldt- Akademie, an welcher nur sechsstündige„VolkSthttniliche Vortragsreihen" in den späteren Abendstunden stattfinden(Hörgebühr 50 Ps. für die ganze Vortragsreihe), wird Montag, 24. Oktober, abends pünktlich 8 Uhr, in der Aula des Könlgstädtischen Realgymnasiums, Elisabcthstr. 57/58/ mit An- spräche über„Ziele nnd Leistungen der Volks- Hochschulen" vom General- sekretär Dr. M a x H i r s ch, eröffnet, wozu alle Bildungssrennde, Herren und Damen, willkommen sind. Hieran schließen sich ebenda die ersten Vor- urnslu« falichvn X B "L u ck o trage über„Geschichte der deutsche» VolkSpoeste" von Dr. O. Wedigen, und„Soziale Zustände Deutschlands" von Dr. O. S t i l l i est; diese und alle folgenden Vorträge der ersten Woche sind gänzlich frei. Alles nähere entHallen die ausführlichen Programme, die im Bureau Th. Frölilich's Buchhandlung, Laudsbergerstr. 32, und beim Schuldicner des Königstädtischen Realgymnasiums unentgeltlich ausgegeben werden.— Morgen, Sonntag, vorm. 83/4— 93/4 Uhr, beginnt im Alte n und Neuen Museum der Bortragszuklus von Dr. B. Daun über„Italienische und deutsche Skulptur", dargestellt vor den Bildwerken; die Hörerkarten sind vor dem ersten Vortrage in den Bureaus der Humbold-Akademie zu entnehmen. der Urania wird vom Freitag nächster Woche ab das von Professor Umlauft in Wien verfaßte Ausstattungsstück„Quer durch Oesterreich" mit dem zur Zeit gegedenen Stück„Die Urzeit des Menschen" abwechseln. Die erstaunlichen Leistungen des Jvcs'schen Apparates zur Erzeugung von photographischen Darstellungen in natürlichen Farben werden allabendlich, verbunden mit einem'kleinen erläuternden Vortrag, dem das wissenschaftliche Theater besuchenden Publikum gezeigt. Feuerbericht. Verschiedene Alarmirnngen, die von Donnerstag Ml, Freitag erfolgten, waren auf unbedeutende Brände zurück- zuführen. Gerufen wurde die Wehr nach Do rkstr. 90, Perle- b e r g e r st r a ß e 32 und Bredow st r. 33.?n diesen Fällen konnte sie nach kurzer Arbeit wieder abrücken. Brücken st r. 2 und Gerhard st r. hatten Fußboden und Balkenlage Feuer ge- fangen. K a st a n i e n- A l l e e 73 war ausgeflossenes Petroleum in Brand gerathen, ohne jcdocki wesentlichen Schaden anzurichten. B ü l 0 w st r. 8b brannten Möbel und W r i e z e n e r st r. 38 Fußboden und Balkenlage. Ans den Nachbarorten. KrcrS Riederbarnim. Die Parteigenossen werden ans die am Sonntag Mittag� Uhr in Höfliches Lokal, Friedrichsbcrg, Frankfurter Chaussee 120, stattfindende P a r t c i- V e r s a m m l u n g aufmerksam gemacht und der wichtigen Tagesordnung halber um recht zahlreiches Erscheinen ersucht. Ter Vertrauensmann. Wcistcnscc. Die Mitglieder des Arbeiter-Vcreins werden auf die am Montag Abend 8>/e Uhr stattfindende Generalversammlung aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Tic Rixdorfcr Gcmeindc-Vcrtrctung beschäftigte sich in ihrer am Donnerstag abgehaltenen Sitzung zunächst mit der Vorlage einer Auseinandersetzung mit dem Kreise Teltow im Falle des Aus- scheidcns aus dem.streis-Kommnnalverbandc. Der Krcisausschuß hatte der Gemeinde Nixdorf Vorschläge zu einer gütlichen Einigung in dieser Frage unterbreitet, welche von einer seitens der Gemeinde- Vertretung niedergesetzten Kommission, der auch Genosse Thomas angehörte, eingehend geprüft und in verschiedenen Punkten zu gunsten der Gemeinde Rixdorf abgeändert worden war. Der Kreis- Ausschuß hat die Vorschläge Ripdorfs akzepfirt, so daß nunmehr der Gemeinde-Vertretung der Abschluß eines Vertrages anempfohlen Iverden konnte: Die Gemeinde Rixdorf zahlt danach bei ihrem Aus- scheiden aus dem Kreise Teltow an den Nestkreis rund 700 000 M. als Antheil derjenigen Summe, um welche das Pasfivvermögen das Aktivvermögen übersteigt. Dagegen verzichtet der Kreis Teltow auf die Rückzahlung eines DarlehnS von 60000 M., welches der Gc- meinde Ripdorf zuni Ausbau zweier Straßen nach Treptow ge- geben ist. Die Kreis-Krankcnhäuscrin Britz, Groß-Lichtcrfeldc, Trebbin, Zossen und Könias-Wusterhausen verbleiben im Eigcnthnm und in der Verwaltung des Restkreises Teltow. Dagegen hat die Gemeinde Rixdorf das Recht, in dem Krankenhause Britz 50 Betten zu belegen. Von den Unterhaltnngskostcn des Kreis-Krankenhauses Britz übernimmt Rixdorf den dritten Theil, jedoch soll die Gemeinde jährlich nicht mehr als 35 000 M. zu zahlen verpflichtet sein. Der anf Rixdorfer Gebiet liegende Theil der Canne-Rixdorser Chaussee geht vom 1. April 1800 ab in das Eigcnthum und die Unterhaltungs- Pflicht der Gemeinde Rixdorf über. Zu den Kosten der Umpflasterung dieser Chanfseestrecke und der Erweiterung der Brücke zahlt der Kreis an die Gemeinde Rixdorf einen einmaligen Zuschuß von 25 000 M. Zu den Unterhaltungskosten der übrigen Chausseen, Chausscehäuser, Fähren:c., welche im Besitz des Nestkreises hleiben, zahlt Rixdorf eine Jahresrente von 15 000 M., welche durch Zahlung des 25fachen Betrages(375 000 Mark) abgelöst werden kann. Der Kreis verpflichtet sich, der Gemeinde Rixdorf den zur Abfindung des Kreises erforderlichen Gesammtbetrag von 1 075 000 M. als Darlehn aus der Kreis-Sparkasse zu 3>/„ pCt. Zinsen zu gewähren. Nachdem die Annahme dieser Bedingungen als sehr günstige bezeichnet und von den Genossen Thomas und O st e r m a n n warm befürwortet war, erfolgte auf Antrag des Genossen Retzerau namentliche Abstimmung. Der Vertrag auf grund der obigen Ab- machungen wurde, vorbehaltlich der Zustimmung der neuen städtischen Körperschaften, einstimmig angenommen. Ein„allgemeiner Handwerker- Delegirtcntag" der Hand- wcrkcrvereine Berlins und der im weiteren Umkreis liegenden Ort- schaften soll am 7. November in Schöneberg tagen. Es stehen folgende Gegenstände auf der Tagesordnung: Stellungnahme der Hand- Werkervereine zu den Zwangs- und freien Innungen,— Gründung eines Provinzial- Verbandes der Handwerkcrvercine der Provinz Brandenburg,— Gesetzentwurf zur Sicherung der Banfordernngen, — Anlegung einer schwarzen Liste derjenigen Bauunternehmer, welche die Handwerker geschädigt haben,— Besprechung über die Schädi- gungcn, welche dem Handwerkerstände durch die Gcsängnißarbeit und die Großbazare erwachsen,— Petition an den Reichstag und Bnndesrath wegen Aufhebung resp. Ennätzigung der Zölle für Roh Materialien,•— desgleichen wegen Aufhebung der Viehsperre.— Ver- einigung der Krankenkassen, Unfall-, Jnvaliditäts- und Altersversiche- rnng,—- Förderung des Handwerkerstandes durch die Spar- und Darlehns-Genossenschaften mit Staatskredit. Ist denn der§ 8 des Vereinsgesetzes schon aufgehoben? Für den Radverkehr auf dem Kurfürstendamm ist der Magistrat von Charlottenburg eingetreten. Das Berliner Polizei- Präsidium will bekanntlich den Kurfürstendamm von der Wichmnnn- straße bis zum Auguste Viktoriaplatz für Zweiräder ganz sperren. Der Berliner Magistrat hat auch schon, wie berichtet worden ist, für den Berliner Theil der zu sperrenden Strecke seine Zustimmung zu der entsprechenden Polizeiverordnuiig gegeben. Der Magistrat von Charlottenburg war jedoch der Polizeiverordnung nicht beigetreten. Auch nachdem jetzt die königliche Polizeidirektion von Charlottenburg die Verordnung dem Magistrat nochmals zur Zustimmung über- wiesen hat, mit der Begründung, daß der Berliner Magistrat der Maßregel beigetreten sei. hat doch der Magistrat von Charlotten- bürg beschlossen, der Verordnung seine Zustimmung zu ver- s'a g c n. Eine Diebeönicdcrlage ist durch Spandauer Polizeibeamte in der Nähe der I u n g f e rn h a i d e auf der Charlottenburger Grenze entdeckt worden. Die dortige Gegend wird seit einiger Zeit von ge- fährlichem Gesindel unsicher gemacht. Als am Donnerstag in der Frühe sich mehrere Po'lizeibeamtc ans Spandau hinausbegabcn, zogen sich vor ihnen etwa zwölf Gestalten, darunter zwei Frauen, in die Waldung zurück. Auf der Verfolgung stießen die Beamten bei einer Brücke auf ftische Fußspuren, denen sie nachgingen. Da fanden sie unter der Brücke ein Lager von gestohlenen Sachen und zahlreiches Dicbcshandwerkzeug, wie Brecheisen, Dietriche, Nach- schlüsscl-c. Die Spitzbuben selbst konnten nicht gefaßt werden. Die freitvilligc» Feuerwehren müssen auf eine Verfügung der kgl. Regierung in Potsdam unmittelbar der Polizei unterstellt werden. Zugleich ist angeordnet worden, daß die oberste Leitung des Feuerlöschwesens deni Chef der Polizeiverwaltung zu übertragen ist; die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr haben ihm oder seinem berufenen Stellvertreter unbedingt Folge zu leisten. Der Oberführer der Wehr und dessen Stellvertreter müssen von der Polizeiverwaltung bestätigt werden. Wer gegen diese Anordnung verstößt, verfällt in eine(Geldstrafe bis zu 30 M. Eine eigenthiimliche Dicbcsspezialitiit wird jetzt in Rixdorf praktizirt. In der Waßmaiinsdorfcrftraßc waren in der Nacht zum Freitag mehrfach die Thürklinken der Hausthore abgeschraubt worden, sodaß die Einwohner, welche zu späterer Stunde nach Hause kamen, leinen Einlaß finden konnten. Die Thätcr sollen einige junge Leute im Alter von 16 bis 18 Jahren sein, die man jedoch bisher noch nicht hat dingfest machen können. / * Prozeß Grünenthal tu Gen. Der durch den Selbstmord des ehemaligen Oberfaktors der Reichsdruckerei zu einem Torso gewordene Prozeß wurde gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I verhandelt. Die Anklage richtet sich jetzt nur noch gegen die unverchelichtc Ella Goltz und die Hebamme Wittwc Margarethe Eichler, geb. Schwampc. welche angeklagt sind: zu Berlin im März 1803 dem Oberfaktor Grünen- thal nach VerÜbung des Verbrechens der Münzfälschung und des Vergehens des Diebstahls wissentlich Beistand geleistet zu haben. um ihn der Bestrafung zu entziehen und ihm die Vorthcile seines Verbrechens und Vergehens zu sichern und zwar ihres Vortheiles wegen. Die Fälschungen Grünenthal's sind, woran hier kurz erinnert werden mag, auf eigenthiimliche Art ans Tageslicht gekommen. Am 11. März d. I. fand die Ebcftau des Llorrektors in der Reichs- druckerci Oskar Knnschmann auf dem Fricdrich-Werder'fchen Ltiräihofe in der Bergmannstraße auf dem Grabe der ersten Frau des Kunsch- mann unter dem Grabsteine 44 000 M. und zwar 40 000 in Tausendmarkscheinen und 4000 in Hundertmarkscheinen. Die Banknoten waren in einem weißen länglichen Kouvcrt geborgen, das nur mit dem Worte„An" mit Bleistift beschrieben war. Bei einer am nächsten Tage stattgehabten polizeilichen Besichtigung der Fundstelle wurden in der Nahe des Grabes der Knnschmann und dem einer verstorbenen Tante des Grünenthal ein Stück unbeschriebenes weißes Papier und einige Stücke zerrissenen Zeitungs- Papiers vorgefunden. Das weiße Papier war von Feuchtig- keit durchtränkt und gefärbt. Die vorgeftmdenen Zeitungs- reste klebten theilweise an dem Papier, so daß anzunehmen ist, daß die Banknoten zuerst nur in Zeitungs- und weißes Papier gehüllt gewesen und später zur größeren Sicherheit in das aufgefundene Kouvert gesteckt sind. Die aufgcftindencn Zcitnngsreste stammten aus einer Beilage der am 0. Dezember 1807 erschienenen„Staats- bürger-Zcitting". Die anfgcftmdencn Tauscndmarknoten waren sämmtlich vom 1. April 1806 und die Hnndertmarknoten vom l. Mai 1801 datirt. Einige Noten trugen dieselbe Nummer. Ter Verdacht, diese Scheine dorthin gelegt zu haben, lenkte sich aus ver- schicdencn Gründen auf den ehemaligen Oberfaktor der Reichs- drnckerei, der, wie man auch wußte, ein eifriger Leser der„Staatsb. Zeitung" war und diese auch sammelte. Bei einer in seiner Wohnung vorgenommenen Haussuchung wurden 63230 M. in baarcm Gelbe und in Werthpapicrcn aufgefunden, darunter ein Tausendmark- schein, der gleichfalls das Dattim des 1. April 1806 trug und neun Hundertmarkscheine mit dem Datum vom 1. Mai 1801. Außer diesem Gclde hatte Grünenthal noch verborgen in Werthpapieren: a) 23 000 M. zum Nominalbeträge von 16 000 M. auf dem Grabe des Rentier Liebcrt auf dem Friedrich- Werderh'chen Kirchhofe; b) 28 000 M. zum Nominalbettage von 15 100 M. aus dem Jerusalemer Kirchhofe; c) 81 800 M. zum Nominalwerth von 41 200 M. auf dem alten Jacobi-Kirchhof zu Rixdorf.— Ferner wurden bei der jetzt angeklagten Wittwe Eichler 30 000 M. zum Nominalbeträge von 30 800 M. in Werthpapicren gefunden, die ebenfalls Grünenthal gehörten und zum theil vorher auf dem Friedrich- Mcrder'schen Kirchhofe versteckt waren. Endlich hatte Grünenthal auf einem Hause in Thale eine Hypothek von 21 000 M. und an hiesige Banken ein Bankguthaben von 21 581 M. bezw. 25 518 M., so daß sich— außer den auf dem Grabe aufgefundenen Banknoten— der gesammte Vermögensstand Grünenthalls sich auf 203 730 M. berechnen ließ. Er hat bekannt- lich nach langem Leugnen ein umfassendes Gcständniß dahin ab- gelegt, daß die auf dem Kirchhofe aufgefundenen Tausend- und Hundertmarknoten Produkte der Münzfälschung sind, der er seit längerer Zeit obgelegen. Es ist seinerzeit in den Zeitungen ans- führlich geschildert worden, wie Grünenthal in der raffinirtesten Weise sich in den Besitz der 1000 Mark-Schcine gesetzt hat. Er war mit der Verbrennung des Aus- und Ueberschusses betraut, der bei jedem Druckaufttage der Reichsbank infolge Fehldrucks zc. entsteht. Damit nicht um jedes Fehldrucks Willen die zeit- raubenden Manipulationen von Anfang an wiederholt werden müssen, wird stets ein gewisser Prozentsatz von Mehrdrucken angefertigt. Der Ausschuß wird in einem großen Tresor der Bettiebs- leitung. welcher von drei Personen geschlossen werden soll, so lange aufbewahrt, bis er nachgezählt und durch Verbrennen vernichtet wird. Unter den am 14. Januar 1807 zu verbrennenden Ausschuß hat sich ein zum Ersatz von Stempclfchldrnckcn bestimmtes Packet von 500 Stück Tausendmarknoten befunden. Diese 500 Stück UcberschußblanketS, die zum Umlaufe nur der Numcrirung und Stempelung bedurften, find imdurchlocht gewesen. Aus diesem Packet hat Grünenthal in der raffinirtesten Weise sich 230 Stück anzueignen gewußt und sie dann zu Hause, d.h. in seiner damals Camphauscnstr. 2 belegenen Wohnung mit Hilfe einer von ihm gekauften Boston- Tigel-Druckpresse im Drucke vervollständigt. Er hat den vollständigen Stempel und den Ziffernsatz von 0—0 aus der RcichSdruckcrci auf ca.'/e Woche mit nach Hause genommen und dort auf der Drucker- presse die entlvcndetcn Scheine durch Rothaufdruck der Stempel und Ziffern vervollständigt. Es gelang ihm, den Diebstahl zu verdecken. Seit etwa Ansang 1806 wurden in einem kleinen Tresor 200 Bank- noten ä 100 M., welche vom 1. Mai 1801 datitt waren, aufbewahrt. Diese Noten, welche bis auf Rothstcmpcl und Nothzahl fertig waren, waren zwecks Entscheidung einer technischen Frage an die Betriebs- leitung l abgegeben worden. Diese 200 Stück 100 Mark-Notcn Hai Grünenthal sich gleichfalls anzueignen verstanden und sie durch den fehlenden Rothdruck vervollständigt. Die Fälschungen will Grünenthal erst nach dem 14. Januar 1807 begonnen haben, die Untersuchung hat jedoch ergeben, daß sein verbrecherisches Treiben zum theil schon weit vor dieser Zeit zurückgreift. Es sind nämlich an verschiedenen Stellen noch sechs in ganz gleicher Weise gefälschte Tausendmarkscheine zum Vorschein gekommen, die zu einem Posten von 1600 Stück Blankets gehörten, welche am 25. September 1805 unter Grünenthal's Mitwirkung verbrannt werden sollten. Um den Umfang der Schuld Grünenthal's handelt es sich nun nicht mehr, sondern nur um die Mitschuld seiner ehemaligen Gc- liebten Ella Goltz und der Hebamme Eichler. Grünenthal wohnte vor seiner Verhaftung bei der Wittwe Eng, Bärwaldstr. 12, mit deren Enkelin Ella Goltz er ein nicht ohne Folgen gebliebenes Verhältniß unterhielt. Ihre Entbindung erfolgte am 8. Februar 1897 bei der Angeklagten Eichlcr in dcr Ziethcnstr. 10, die auch das Kind Namens Hertha gegen Entschädigung von 60 M. monatlich in Pflege nahm. Um Weihnachten 1807 herum schenkte Grünenthal seiner Geliebten Aktien der Rheinischen Stahlwerke zum Kurswerth von 6000 M. und Aktien der Rheinisch-Westfälischen In- dustrie zum Kurswerth von 0000 M. Als Grünenthal am 14. März verhaftet wurde, ist sie noch nachts zur Eichler gegangen und hat dort genächttgt. Die Aktien hat sie, in Zeitungspapicr verpackt, mit- genommen und des Nachts unter ihrem Kopfkissen versteckt. Ani nächsten Morgen hat sie Frau Eichlcr gebeten, das Packet zu ihrer Mutter, der Wittwe Schwampe, zu tragen und dort vertoahren zu lassen. Grünenthal hatte bei seiner Ver- Haftung der Ella Goltz ins Ohr geflüstert:„Geh zu Liesbeth's Grab, daneben liegt Dein Geld." Ani 15. März vor- mittags ist sie denn auch von Eichlcr's aus auf den Friedrich- Werder'schen Kirchhof gefahren, hat, um jeden Verdacht anszu- schließen, am Eingänge zum Kirchhofe einen Kranz gekauft und dann das Grab Liesbeth Grünenthal's durchsucht. Im Epheu nahe dem Kopfstein hat sie ein Kouvert entdeckt, in dem sich Aktien im Werthe von 15 000 M. befanden. Mit den Aktien ist sie zur Frau Eichler zurückgefahren, hat dann ihre anderen Aktien von der Wwe. Schwampe abholen lassen und alles zusammen in ein Packet gcthan, welches sie verschnürte und versiegelte. Ihre sämmtlichen Schniucksachcn, die sie von Grünenthal geschenkt erhalten hat, hatte sie schon vorher nach einem im Tresor der Dresdener Bank von ihr gemietheten Fach in Sicher- heit gebracht. Am Nachmittage desselben Tages bestellte auf ihre Veranlassung die Frau Eng die Angeklagte Eichler nach der Holz- nagel'schen Konditorei in der Potsdamcrstraße. Hier thcilte Ella der Eichlcr mit. daß der verhaftete Grünenthal der Vater ihrer Tochter sei und bat sie, das Packet, in welchem seine und ihre Sachen enthalten seien, zu ihrer Mutter, Wittwe Schwampe. zur Aufbewahrung zu bringen, denn es bestände die Gefahr, daß die Polizei auch' in der Eichler'schen Wohnung Haussuchung abhielte. wenn sie festgestellt, daß Grünenthal der Vater der kleinen Hertha sei. Frau Eichlcr hat denn auch wirklich das Packet zu ihrer Mutter gebracht, sie will aber nicht gewußt haben, das sich darin Werth- Papiere des Grünenthal befanden. Die Anklage behauptet dagegen, daß sie von der Sachlage völlig unterrichtet gewesen sei und schließt dies auch daraus, daß sie dem Kriminalschutzmann Bergholz gegen- über zuerst standhaft abgeleugnet hatte, daß die Goltz ihr irgend etwas zur Aufbewahrung iibcrbracht habe. Dies sind die Beschuldigungen, auf welche sich die beiden An- geklagten zu verantworten haben. Die Angeklagte Goltz heißt mit Vornamen Ella Klara A n g u st e.'ist seit dem 27. Mörz in Untersuchungshaft, am 17. März 1870 als Tochter des Tclegraphcn-Auftehers Robett Goltz und seiner Frau, Klara geb. Eng, geboren, evangelisch. Die Angetlagte Wittwe M a r g a r e t h e E i ch I e r gW�chwanipe ist 1859 zu Berlin geboren, evangelisch und unbestraft.«» Der Zudrang zum großen Schwurgerichtssaale, in welchem die Verhandlung stattfindet, ist sehr groß. Den Vorsitz des Gerichtshofes führt Landgerichts- Direktor Dr. F e l i s ch. die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. v. P e tz i n g e r. die Vcrthcidignng führen die Rechtsanwälte Dr. S ch w i n d t und M 0 s s e für'Ella Goiv und Rechtsanwalt Dr. L u b s z y n s k i für die Wittwe Eichler. Die Reichsbank hat einen Stenographen mit der Aufnahme der Verhandlung betraut, außerdem wohnt dersc.ocn der Geh. Lber-Finanzrath v. Klitzingen bei. Auf dem Zeugen- tische steht eine Haiiddrnckpresse, mit welcher Grünenthal die rothen Zahlen auf die von ihm entwendeten Blankctts gedruckt hat. Die von Grünenthal angeblich gefälschten K a s s e n s ch e i n e werden nach Eröffnung der Sitzung dem Vorsitzenden überreicht; er ordnete sofort die sorgfältige Zählung derselben an. Unter den Zeugen befindet sich die Großmutter der Angeklagten Goltz, Wittwe E n g, die auf Befragen des Vorsitzenden erklärt, daß sie sich ver- nehmen laffen wolle. Als Gutachter sind Obcr-Bctricbsinspektor Helmsen, Geh. Rcg.-Rath Mendt und Posttath Diebe lius anwesend, ferner Sanitätsrath Dr. L e p p m a n n, der geladen war, um über den Geisteszustand Grünenthal's Auskunft zu geben. Auf den letztgenannten Sachverständigen wird allseitig verzichtet. Da die Verhandlung längere Zeit in Anspruch nehmen dürfte, wird ein Ergänzungsgeschworencr ausgelost. Nach Verlesung des Aiiklagcbcschlnsscs befragt der Vorsitzende die Angeklagte Goltz nach ihrem Vorleben. Grünenthal hat sie 1896 in deni Weinrestaurant von Mok kennen gelernt, wo er Stammgast und ihre Mutter Repräsentantin war. Sie wohnte damals in der Mcmclerstratze und holte die Mutter öfter ab. wenn ihre Musik- stunden Unter den Linden zu Ende waren. Sie lernte den damals in der Camphausciistraße 2 wohnenden Grünenthal im Kreise seiner Familie kennen und hat auch dessen Frau und beide Kinder öfter besucht. Die Bekanntschaft mit Grünenthal wurde erst später intimer; er wollte nicht, daß sie zur Bühne gehe, und als ein ernster Bühnen- Engagements- Antrag an sie herantrat, trat er entschieden dagegen auf. Im Juni 1807 hat sie mit Grünenthal eine Reise in die Schweiz gemacht, der im Juli eine Reise nach Roscnhcini folgte. Ihr Kind war im Fe- bruar 1897 geboren. Auf beiden Reisen haben sie sehr splendid gelebt, Grünenthal hat auch vielfach größere Aufwendungen für sie gemacht. Im Ottober zog er in die von Frau Eng gemiethete, aus 6 Zimmern bestehende Wohnung, die er aus eigenen Mitteln bezahlte. Im Oktober 1897 schenkte er ihr 52 000 M. in Aktien, womit ihr gemeinsames Kind später versorgt werden sollte. Es sollte aber nicht„brach" liegen und so gab sie es ihm wieder, um damit zu speknliren. Er verkaufte bei günstigem Kurse die Papiere und gab ihr den ursprünglichen Betrag nun in anderen Papiere» wieder. Als Grünenthal verhaftet wurde, hatte sie nur noch 30 800 M.. welche Summe sie in ihrem Kleiderschrank verwahrte. Sie wußte, daß Grünenthal früher Obcrfaktor der Reichsdruckerei gewesen und am 1. Januar 1898 ohne Pension abgegangen war. Sie wußte, daß Gr. vermögend war, hatte aber keine Idee, wie hoch sein Vermögen sich berechnete. Sic hat sich darüber keine Gedanken gcmackit und erklärt, daß Grünenthal zu jener Zeit sehr einfach und bescheiden lebte. Aus Abrechnungen, die ihr zu Gesicht kamen, hat sie entnommen, daß er mit Banken in Verbindiing stand. Grünenthal lebte schon seit dem Herbst 1896 getrennt von seiner Frau, die mit den Kindern nach Magdeburg übergesiedelt war. Er hat ihr oft gesagt, daß er schon alles zur Scheidung eingeleitet habe, und wenn diese erfolgt sei, er sie heirathen würde. Mit Frau Grünenthal, mit der sie 1896 einmal 14 Tage in Thale ivar, ist sie nicht mehr in Verbindung getreten seit der intime Verkehr zwischen ihr und Grünenthal begann. Als Grünenthal verhaftet wurde, hat er ihr zugeflüstert:„Gehe zu Liesbeth's Grab, dort liegt Dein Geld; wenn Du in Geldverlegenheit bist, dann verkaufe da- von, so viel Tu nöthig hast."— Präs.: Bei der Haussuchung waren doch Kriminalbeamte zugegen; wie konnte denn Gr. Ihnen eine solche lange Mittheilung machen?— A n g e k l.: Das geschah beini Abschiednchmen.— Präs.: Wie kam es denn, daß die Hans- suchung nur auf die beiden von Grünenthal betvohnten Zimmer sich erstreckte und Ihre 30 800 M. nicht gefunden wurden?— A n- g e k l.: Großmutter hatte dem Kommissar v. Väckmann gegen- über auf seine Frage abgeleugnet, daß zwischen uns und Grünenthal irgend welche näheren Beziehungen bestanden. da andernfalls der Kommissar gesagt hätte, daß auch in den übrigen Räumen der Wohnung Haussuchung abgehalten werden müßte.— lieber ihre weitere Thätigleit bei dem Wegbringen des Geldes befragt, sagt die Angeklagte folgendes aus: Sic hat, da sie befürchten mußte, daß die Haussuchung sehr bald stattfinden würde, noch am Abend der Verhaftung Grünenthal's die 30 800 M. zu einem Packet zusammengeschnürt und dasselbe mit zur Frau Eichler ne- nominell. Sie hat dieser vorgeredet, daß ihre Großnim er verreist sei und daß sie sich allein fürchte, so daß sie bitte, ihr Nachtquartier zu gewähren. Frau Eichlcr war ihr bekannt, da sie bei ihr entbunden hatte. Das Kind ist bei der Eichlcr in Pflege geblieben und damals hat sie mit Grüncmhal zusammen, den sie als einen Herrn Holtz vorstellte, ihr Kind wieder- holt besucht. Sie hat während der Nacht das Packet nnier ihrem Kopfkissen bewahrt und am nächsten Tage es der Eichlcr übergeben, die es auf ihre Bitte durch ihre Tochter Ella Eichler zu der(»ttoß-. mutter Frau Schwampe tragen ließ. Sic selbst ging darauf nach der Dresdener Bank, wo sie sich auf den Namen Ella Eichlcr ein Tresortach miethete und ihre Schmucksachen dort hincimhal. Ihren Bestich auf dem Kirchhofe und das Auffinden der dort verborgenen Aktien, das Zusammenpacken mit ihren anderen Aktien und die Ueberführung dieses größeren Packeis schildert die Angeklagte wie oben angegeben. Sie'will der Eichler über den Inhalt des Packeis nichts gesagt, sondern ihr nur angedeutet haben, daß es ein Packet „von größcrem Werthe" sei.— Präs.: An jenem Tage stand schon in allen Zeitungen von dem Auffinden der Werthpapiere auf dem Kirchhofe und daß Grünenthal damit in Verbindung gebracht wurde. Haben Sie über diese Dinge nicht mit Frau Eichler gesprochen?— A n g e k l.: Nein, Frau Eichler hatte bis dahin den Namen Grünen- thal noch nie von mir gehört.— Die Angeklagte giebt zu. daß sie bei ihren ersten polizeilichen Vernehinungen zunächst jede Verbindung mit Grünenthal und dann auch abgeleugnet habe, daß sie von Grünenthal elwaS in Verwahrung bekommen habe. Sie meint, daß sie ja auch nichts„in Aufbewahrung" erhallen habe, denn die 30 800 M. seien ja ihr Eigenthum gewesen und sie habe auch gar keinen Zweifel daran gehabt, daß auch die unter dem Grabstein' befindlichen Effekten ihr von Grünenthal geschenkt feien. Sie habe, da Grünenthal einige Zeit vor einer Verhastnng wieder Geld zum Speiuliren von ihr abgehoben habe, geglaubt, daß dies das Geld sei,— Die Rechtsanwälte Dr. S ch w i n d t und Masse suchen nachzuweisen, dag der Kurswerth der Aktien, die sich in dem Packet befanden, etwa bv 000 M. betrage, d. h. ungefähr ebenso viel, als Grünenthal der Angeklagten ursprünglich geschenkt hatte.-Prä s.: Wie sah denn das Packet ans, welches unter dem Grabstein lag? Sah es nicht so ans, als ob es schon lange dort lag?— A n g e k I.: Es sah nicht so aus; es war nur etwas feucht, als wenn es vielleicht zwei Tage dort gelegen hatte.— Präs.: Wie können Sie blos annehmen, dah ein Mann ivie Grünenthal, der mit allen möglichen Banken in Verbindung stand. Iveim er für Sie spekuliren will, die Papiere auf dem Kirchhofe verstecken wird?— Die Angeklagte verbleibt dabei, dag sie geglaubt habe, die Papiere seien ihr Eigenthnm. Sie behauptet ferner, dag sie erst mehrere Tage nach der Verhaftung Grünenthal's durch die Kriminal- beaniten den Grund dieser Verhaftung erfahren habe. Als sie wahr- genommen, dag ihr Verhältnis zu Grünenthal den Beamten bekannt war, habe sie freiwillig- den Besitz der Papiere zugegeben. Sie sei mit dein Krinmialschutzmann Bergholz zu der Eichler gegangen und bahe diese aufgefordert, ihr doch das Packet herauszugeben, welches sie in Aufbewahrung erhalten. Die Eichler sei diesem Verlangen auch ohne Zögern nachgekommen. Frau Eichler wiederholt immer wieder, dag sie den Namen Grünenthal vor- her nie gehört habe, dag dieser vielniehr von der Goltz und von der Frau Eng stets als„Paul" bezeichnet wurde. Bei der Frau Eichler ist ein Konvert mit der Adresse des Grünenthal gefunden worden; über die Art, wie es dorthin gekommen, lassen sich die Angeklagten des längeren ans. Der Vorsitzende betont, dag ihre heutigen Be- Zündungen mit ihren Aussagen in der Voruntersuchung in viel- fache,» Widerspruch stehen. Die Angeklagte Goltz'stellt die Sache so dar, das; sie dieses Kouvert wohl versehentlich in das der Frau Eichler übergebene Packet gesteckt habe. Es mochte wohl in dem größeren Kouvert geruht hake», in welches sie den mit der Dresdener Bank abgeschlossenen Vertrag ge- than und welches das Schlüsselwort„Fröhlichkeit" und die Kasten- Nummer 733 trug.�— Auf wiederHollen Vorhalt bestreitet die An- geklagte Goltz entschieden, dag— wie der Krimiualschntzmann Berg- bolz bekunden soll— irgendwie den Besitz des Packets abgeleugnet habe. Die Angeklagte E i ch l e r sagt aus, daß der angebliche Paul Holz, der ihr die Ella Goltz als seine„Braut" in Pflege gegeben, sich als„reicher Mann" vorgestellt habe. Sie habe für die etwas mühsame Pflege des neugeborenen Kindes 40 M. monatlich verlangt, Paul Holz habe ihr jedoch freiwillig 60 M. bewilligt, damit das Kind gur versorgt werde. Was das ihr übergebene Packet betrifft, so habe ihr die Goltz gesagt, daß es werthvoll sei und von ihr vorder Mutter und Großmutter verborgen werden solle. Es enthalte ihr Eigeuthum; sie müsse sich sicher stellen, denn ihr Paul sei hochgradig nervös und werde vielleicht noch mal verrückt. Als der Kriminalbeamte bei ihr erschienen und gefragt habe, ob sie etwas von Grllnenlhal in Bewahrung habe, habe sie einen furcht- baren Schreck bekommen und in ihrer Angst und Auflegung die Frage verneint. Sie habe auch Furcht gehabt,'daß sie durch' diese Vorfälle in ihrem Berufe als Hebamme geschädigt werden könnte. Als der Beamte fort war, habe sie sich sofort zu der Wohnung der Frau Eng aufgemacht, nicht etwa um der Ella Goltz die Gelder zu sichern, sondern um zu erfahren, was es mir der Rolle für eine Bewaudniß habe und event. die Heransgabe derselben zu veranlassen. Als sie an der Thür der Wohnung den Namen Paul Grünenthal gelesen, sei ihr Schreck noch größer geworden,' denn sie habe nunmehr sich über- zeugt, daß der angebliche Holz und Grünenthal dieselbe Person sei. Als sie der Goltz Vorivürfc machte und den Verdacht aussprach, daß in der Rolle jedenfalls von Grünenthal gestohlene Papiere seien, habe die Goltz sie durchaus beruhigt und ihr gesagt:„Haben Sie gar keine Angst! In der Rolle ist nur mein Eigenlhum, es ist ja das einzige, was ich für mich und mein Kind habe." Die Angeklagte bestreitet ent- schieden, daß sie bei dem zweiten Erscheinen des Schutzmanns Berg- holz den Empfang der Rolle abgeleugnet und daß sie die Absicht ge- habt habe, der Ella Goltz den Besitz ihrer Papiere zu sichern.— Da die Angeklagte Eichler immer wieder behauptet, daß sie erst mehrere Tage nach der Verhaftung Grünenthalls diese Thatsache in den Zeilungen gelesen, beantragt Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t, mit Hilfe eines anwesenden Vertreters des„Lokal- Anzeigers" fest- zustellen, wann zuerst die Nachricht von der Verhaftung Grünen- lhalls erschienen sei.— Rechtsanwalt D r. Lubszy ns'ki betont, daß die Angeklagte Eichler keinerlei Vortheil an der augeblichen„Be- günsiigung" gehabt habe. lMittagspause.) Nach Wiedererössnnng der Sitzung beginnt die Zcilgcnvcrnehmiing mit derjenigen der Wittwe Eng, Großmutter der Ella Goltz. Sie erklärt jetzt, von ihrem Zeugnißverweigeruugs-Recht Gebrauch zu machen.— Der Schutzmann Bergholz behauptet, daß er bei seinem ersten Besuch bei Frau Eichler diese direkt gefragt habe, ob sie von Grünenthal oder der Goltz Werthpapiere oder Sachen irgend- welcher Art in Verwahrung erhalten habe. Frau Eichler habe ge- antwortet, sie habe gar nichts von der Ella Goltz erhalten. Als' er bei seinem zweiten Besuch an de,»selben Abend der Eichler direkt auf den Kopf zusagte, daß sie ja doch ein Packet erhalten habe und dieses herausgeben solle, habe sie den Besitz des Packets auch anfänglich Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t wies daraus hin, daß die Ge- Geschworenen bei der Beurtheilung der Goltz von folgenden Gesichts- punkten ausgehen möchten: Die Fälschungen des Grünenthal haben nachgewiesenermaßen schon im Jahre 1891 begonnen, als er noch friedlich mit seiner Ehefrau zusammenlebte. Das Streben der Ella Goltz sei zweifellos dahin gegangen, das, was ihr Grünenthal geschenkt, in Sicherheit zu bringen, um selbst einmal einen Nothgroschen zu haben.'— R.-A. M o s s e suchte gleichfalls die Ausführungen des StaatSamvalts zu widerlegen. Die Geschworenen könnten die Schuldfragen nur einfach verneinen.— R.-A. Dr. Lubszynski beantragte ebenfalls aus thatsächlichen wie aus rechtlichen Gründen.die Freisprechung. Die Geschworenen beriethen nur wenige Minuten. Ihr Wahr- spruch verneinte die gestellten Schuldfragen, worauf der Gerichtshof auf Freisprechung der beiden Angeklagten erkannte. Ella Goltz wurde sofort ans der Haft entlassen, in welcher sie sich seit dem März d. I. befunden hat. Tie lässige Fleischuutersnchuug tu den Berliner Vororten gelangte gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung in einer Strafsache gegeit den Großschlächtermeister K. wegen Feilhallens zur menschlichen Nahrung ungeeigneten Fleisches. K. hatte im September dieses Jahres Fleisch nach der Zentral- Markthalle gebracht, welches in seinem eigenen Schlachthause in Wilhelmsberg geschlachtet, dort amtlich untersucht und nicht b e a Ii st a n d e t worden war. Einen, Kontrollbeamten der Zentral- Markthalle kau, das Fleich ver- dächtig vor; er ließ es nach der llntersuchnugsstation bringen, >vo es als zur menschlichen Nahrung- ungeeignet konfiszirt wurde. Der städtische Thierarzt Dr. Glamann- und der gerichtliche Sach- verständige Dr. Mitteuzweig erklärten in der gestrigen Verhandlung, daß das Fleisch zum theil von tuberkulösen Thieren, zum theil von infolge Krankheit abgemagerten Rindern herrührte. Wenn auch bei den letzteren die Natur der Krankheit mcht mehr festzustellen ivar, so war das tuberkulöse Fleisch zweifellos geeignet, die menschliche Gesuiidh'eit zu schädigen. Der Staatsauwal'r war der Ansicht, daß der Augeklagte wohl gewußt habe, von welcher Beschaffen- heit das fragliche Fleisch gewesen sei, und beantragte eine Gefängnißstrafe von sechs Monaten. Ter Verlheidiger, Rechtsanwalt: Dr. Adolph Heymann, erkannte a», daß das Fleisch nicht tadellos gewesen, vertrat aber den Standpunkt, daß der Au- geklagte nicht unfehlbar sei und nachdem das Fleisch einnial in Wilhelmsberg amtlich untersucht worden war, nicht mehr im Ziveifel gewesen sein dürfte, daß das geschlachtete Vieh gut und Verkaufs- fähig gewesen sei. Wenn jemand eine Schuld treffe, so treffe sie die lässige Untersuchung in den Berliner Vororten, die von Wissenschaft- lich nicht vorgebildeten Leuten ausgeübt werde. So lange in dieser Beziehuug kein Wandel geschaffen werde, würden ähnliche Fälle Ivie der vorliegende nichts ungewöhnliches sein. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Verlheidigers an und sprach den Au- geengten frei. / Klagen über Misistäude im Tentschcn Kolsnialhausr in ( wer Jerusalemerstraße lEcke Kroiumstraßo) beschäftigten gestern die 147. Abtheil, mg des Amtsgerichts I, vor welcher eine Privat- Beleidigungsklage des GeschästsinhaberS Bruno Antelmaun gegen die Komptoristin Julie Göltzer zur Verhandlung gelangte. Die Privat- beklagte trat am 1. April d. I. als Komploristiu in das Geschäft ein, verließ die Stellung aber bereits am folgenden Tage. In einem Briefe an die Abtheilnng für Stellenvermittelmtg des kaufmänuischeu Hilfsvereins für weibliche Angestellte erhob sie gegen das Deutsche Kolonialhaus Beschuldigungen, die den Gegenstand' der Privatklage bilden. So hieß es in dem Briefe, dort herrschten Zustände, die Werth wären, an die Oeffentlichkeit gebracht zu werden; der Kontrakt lautete auf eine Arbeitszeit von 8—8 Uhr sunt zwei- gestellt, daß erst am 18. März, abends, zun, ersten Male der Name Grüneuthal in der Zeitung genannt war. Der Besuch des Kriminal- schutzmanns Bergbolz bei der Eichler hat am 19. März stattgefunden. die Angeklagte behauptet, daß sie bis dahin die Zeitimgsuoriz noch nicht gelesen gehabt habe.— Sehr eingehend wird Laudgtrichrsrath Brandt, der die Untersuchung geführt, über das Zustandekommen des Protokolls und die Bedeutung einiger darin vorkoininender, von den Angeklagten angezweifelter Stellen vernommen. Die Angeklagte E i ch I e r bestreitet auch in, Anschluß hieran mit allem Nachdruck und die Angeklagte Goltz bestätigt ihr, daß sie keinerlei Kenntniß davon gehabt, daß Herr Paul Holz und Grünenthal identisch seien. Die Beweisausfnnhme gelangt nun zu de», Theile der Anklage, l der von der Münzfälschung Grünenthal's handelt. Der Staatsanwall! beantragt, für die Verhandlung dieses ganzen Thcils die Oeffentlich- 1 feit auszuschließen. In nichtöfferttlicher Sitzung begründet der f Staatsanwalt diesen Antrag, dem die Verlheidiger widersprechen- Der Gerichtshof beschließt, da eine Gefährdung der öffentlichen Lrd- nung zu befürchten sei, die Oeffentlichkeit auszu-� schließen. Der Gerichtshof ist dabei von der Erwägung aus- gegangen, daß die Herstellung der Reichsbanknoten in Frage stehe, daß dabei alle technischen Einzelheiten vorgeführt werden müssen und es in, Interesse der öffentlichen Ordnung liege, daß die Kenntniß von der Herslellungsmethode nicht in weite Kreise getragen werde. — Das Publikum muß dan Saal verlassen, den Sachverständige» und einigen Beamten wird jedoch die Erlaubniß ertheilt, im Saale zu bleiben. Die Oeffentlichkeit blieb bis zur Urtheilsverkündigung aus- geschlossen. Das Gesuch unseres Berichterstatters, ihm während der Plaidoyers Zutritt zu gewähren gegen lieben, ahme der Verpflichtung alles zu übergehen, was auf die Interna der Reichsbank und die Fälschungsmethode Grünenthal's bezug hat, wurde abgelehnt. Tu- gegen wurde den ausgcloosten Geschworenen gestattet, den VerHand- Iliiigen beizuwohnen. Die Erörterungen über die von Grünenthal vor- genommenen Fäljchimgen nahmen übrigens nur kurze Zeit in Au- spruch. Ilm ö Uhr fand eine einstündige Pause statt. Nach Wiederaufnahme der Sitzimg verlas der Vorsitzende die Schuldfragen, die auf Begünstigung lauteten. Dazu trat bezüglich der Angeklagten Goltz die linterfrage, ob sie die Begünstigung einem „Angehörigen" gewährt habe, un, ihn der Bestrafung zu entziehen, in welchem Falle»ach§ 257 St.-G.-B. Straflosigkeit eintritt, Staatsanwalt v. P e tz i n g e r beantragte das Schuldig gegen beide Angeklagte. stüudiger Mittagspause), doch würde stets länger gearbeitet. Der Privatkläger Autelmaim trete den jungen Damen in so despotischer Weise entgegen, wie es vielleicht in'den Kolonien den Schwarzen gegenüber angemessen sei. Außerdem müsse viel Strafe gezahlt werden; wer ein Packet, welches für 25 Pf. befördert werden könne, mit 50 Pf. frankire, werde mit 25 Pf. belastet; wer ein Farbband an der Schreibmaschine nur einen Tag früher abnütze, als der Chef es vorgesehen habe, werde. ohne darnach gefragt zu werden, � mit den, Preise des Bandes belastet. Nie werde das Geschäft um 8 Uhr geschlossen; für Zuspätkommen würden Abzüge gemacht, Ueberstiinden aber nicht bezahlt. Am' Ostersonutag seien die Komptoirisnnnen nach der Filiale in der Schillstraße zur Inventur bestellt worden, am Charfreitag sei in, Äomptoir gearbeitet worden. Die Damen müßten täglich bis 11 oder W.2 arbeiten, zweimal in der Woche bis 1 Uhr. Wie sollten die Damen da anständig bleiben, wenn sie jede Nacht auf der Straße gehen müßten; die armen ausgenutzten Geschöpfe müßten dem Elend verfallen u. s. w.— Die Beklagte bat, wie sie bekundete, ihrerseits die Stellung aufgegeben, weil sie glaubte, daß der Platz für sie nicht paßte. Dem Hilfsvcreiu, dessen Mitglied sie ist. habe sie die Gründe ibres Ausscheidens mittheilen müssen»iid deshalb den Brief zu Nutz und Frommen ibrcr Kolleginnen geschrieben. Theils babe sie in jenen zivei Tagen selbst Erfahrnugen gesammelt, indem sie— obwohl ihr Kontrakt' auf Arbeitszeit von 8—8 Uhr la niete— das eine Mal bis>,'<10, das andere Mal bis �/.,10 arbeiten mußte; theils habe sie. was sie schrieb, glaubwürdig von den übrigen Damen gehört. Die beiden»amhast gemachten Damen loiinren sich jedoch nicht mehr darän eriniieri,, daß sie mit der Beklagten über Mißstände gesprochen hätten; der Chef sei streng, aber gerecht. Der Gerichtshof hielt den Wahrheitsbeweis nicht für erbracht und verurtheilte die Angeklagte, die den Reden anderer geglaubt, zu 25 M. Geldstrafe. Bor dem Schöffengericht in Spo.tidau batte am DonnerMg der Streik der Porzellanarbeiter ein Nachspiel. Des Vergehens gegen Z 153 der Gclverbe-Ordnnng angeklagt, wurden der Arbeiter Otto K ü b a r t und der Porzellandreher Franz H e n z e zu je einer Woche Gefängniß vernrlheikt. Dieselbe» wurden für schuldig befunden, den Arheiter Gabler durch„Drohungen" zur Theilnahme am Streik veranlaßt zu haben. Tie Barbier und Friscur-Gehilsc» hielten am Donncr-stag eine öffentliche Versammlung im Loriisenjtädiischen Konzcrthnus ab, die von etwa 250 Personen besucht war. darunter nucp vielen der Innung Zugehörigen. In einen, kurzen Vortrage legte der Referent S i m s o i, dar, daß die Verkürzung der Arbeitszeit für die An- gestellten im Barbiergeiverbe ebenso leicht durchführbar sei, als in jedem anderen. Den Einwurf der Arbeitgeber, daß in diesem Falle für sie der wirthschaftliche Ruin bevorstehe, hält er als eine bloße Ent- schuldignug. Man wende sich damit nur gegen jede Beschränkung, die Arbeitsfläfte der fast durchschnittlich sehr jugendlichen Ar- beiter aufs böchste auszubeuten. Redner ersucht die Anwesenden dringend, endlich energisch Front zu machen gegen diese Aus- beutung und durch Zusammenschluß in einer starken Organisation für Abstellung der slandalösen Zustände im Gewerbe zu sorgen. Redner versicherr noch, daß die Barbiergehilfenjich der weitgeheiidsren Unterstützung aller organisirten Arbeiter versichert halten dürfen, zeigen sie nur, daß es ihnen mit der Verbesserimg ihrer unwürdigen Lage ernst ist. Auch die überhandnehmende Lehrlingszüchtung müsse mir allen zu Gebore stehenden Mitteln bekämpft werden und hält Redner hierfür eine bundesräthliche Bestimmung als wirksamste Schranke. Die Diskussion ließ erkennen, daß bedeutende Mißstände zu be- seitigen sind. Gleichfalls waren die Redner einig, daß eine Ver- kürzung der Arbeitszeit durch einen geregelten Geschäftsschlutz sehr wohl durchführbar fei. Schließlich aber erhielt die Debatte eine Wendung durch die Aussührungeu und Zwischenrufe der Junungsgehilfen, so daß man sich längere Zeit mit der l Jmiung und dessen Obermeister Wollschläger beschäftigte. Bezeichnend sind die Ausführungen eines Herrn F r i d r i ch. der da meinte, daß die Verhältnisse in 40—50 Jahren bestimmt noch dieselben sein werden, obwohl er zugab, daß sie bedeutend ver- besser,», gsbedürftig sind. Als Beweis dafür, inwieweit die F'nnungs- Gehilfen ihre Rechte in der Innung wahren, wurde angeführt,- daß zur letzten Delegirten- Versammlung drei st i m m- berechtigte Gehilfen antvesend waren. Nach längerer Debatte nimmt die Versammlung folgende Resolution an: „Die Versnininelten erklären die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit in, Barbier- und Friseurgewerbe für dringend nothwendig und forderst:„a) den gesetzlichen Achtuhr-Ladenschlnß; b) gesetzliche Regelung der Arbeitszeit für Lehrlinge unter 16 Jahren auff höchstens zehn Stunden täglich. Um die schädigenden Wirkungen der- jetzt übliche,, langen Arbeitszeit slö— 16 Stunden täglich) einigermaßen. zu beseitigen, erklären die Versammelten zunächst für eine 14stilndige Arbeitszeit(9 Uhr-Schluß) eintreten zu wollen. Die Versammelten beauftragen die Agitativiiskommission sowie auch den Vertrauens- maini, die hierzu nothwendigen Borarbeiten in Angriff zu nehmen." Die Resolution soll dem Reichstag unterbreitet werden. Wilincrbdorf. Am Mittwoch Abend erstattete Reichstags- Abgeordneter Fritz Z n b e i l in Klingenberg's Volksgarten Bericht über den Stuttgarter Parteitag. Redner unterzog die in Stuttgart gefaßten Beschlüsse und Resolutionen einer eingehenden Kritik. Seine sehr beifällig aufgenommenen Ausfuhr, mgen gipfelten darin, daß der verflossene Parteitag viele seiner Vorgänger an geistiger Bedeutung überrage. Zum Schluß bedauerte der Redner den schwachen Besuch der Versaiinulung und gab der Hoffming Ausdruck, daß der Theil. der Parteigenossen, welche bei der letzten Reichstagswahl für uns stnnmteii, auch sich weiter politisch bethätigen möge. Dem Bericht des Vertrauensn, amies Klingeuberg war zu entnehmen, daß im.letzten Fahre 8 Parteiversammlungen, 5 Acsitationstouren' m,d 10 Flugblatt-Vertheiliingen stattgefunden haben. Die Einnahmen betrüge» 854,60 M., die Ausgaben 850,30 M. Außerdem sind an de» Kreisvertrauensmann ca. 400 M. abgeführt tvorden. Zinn Vertrauensmann wurde alsdann Otto Nerre gewählt; zun, Stellvertreter Genosse Gollmer. In die Lokalkommission wurden P reu ß, Gollmer und K ö p p i n g und als Revisoren Witt? mid-Kraft gewählt._ VevmiMkos vom Togo. — In der D r e s d e„ e r Künstlerschaft ist Friede ge- schlössen. Akademischer Rath, 5kuiistge>iosse»schast mit� Sezession baben sich geeinigt, im nächsten Jahre eine internationale Kunstausstelllliig in Dresden zu veranstalten. Bisher war nur von einer„nationalen" die Rede.— — Ein vierjähriges Kind hat in R a d z i o n k a u iOber- Schlesieifl während der Abwesenheit der Mutter ein zivei Monate altes Kind mit einem.Mesier im Gesicht so zugerichtet, daß es kurz darauf starb.— — Ein Personenzug fuhr vor dein Bahnhof von M a i n z auf einen G ü t e r z„ g. Ein Bremser wurde verletzt.— — Ii, P i r m'a s e n s brannte infolge einer Gasexplosion eine S ch u h f a b r i k nieder.— — Zwei Wärterinnen des allgemeinen Krankeiihanses in Wien, die mit dem an P e st i n f e k t i o n verstorbenen Diener Barisch verkehrten, wurden in das Jsolirzinnner des Epidemie- Spitals gebracht, da sich bei beiden-Fiebererschein» n g e n einstellten; die Aerzte glauben jedoch, die erhöhte Körpertemperatur sei auf Rechnung der A n g st vor der Ansteckung zu setzen. Bei einer der Erkrankten hat das Fieber bereits nachgelassen.— — Bei Groß-Herre„dorf(Niederösterreich) legten sich ein Landwehr-Jnfaiiterist und seine Geliebte auf die Schienen. Sie wurden von der Lokomotive eines heranbransenden Zuges ge- tödtet.— — Durch Sturm und Ueberschlveminiing ist in F i„ m e großer Schaden angerichtet worden. Ein Mensch ist ertrnnkeu. Thiers sind massenhaft zu gründe gegangen. Der Schaden tvird auf über 2 Millionen Gulden geschätzt. Die Wasserleitung ist für einige Tage unbrauchbar.— — Der frühere bulgarische Regent, spätere Ministerpräsident N a t ch o v i t s schreibt jetzt für Tageszeitungen und versorgt die bulgarische B ü h n e mit Stücke». Vor einiger Zeit übersetzte er I b s e ii' s„Volksfeind"; das Stück wurde„ach d e r e r st e n Aufführung verboten!— — In der Nordsee und im A e r m e l k a n a l tobte in den letzten Tagen ei» heftiger Stur n>. Die Schissfahrt ist zun, theil uiiterbpoche,!. Ein mit fünf Mann-besetztes Boot, das sich an Bord des Dampfers„Densto" begeben wollte, wurde i», Aermel- knnal vom Stur», erfaßt und umgeivorfen; alle feine Insassen er- tranken.— — In Frankreich giebt es nach amtlichen Angaben nicht weniger als 2 640 894 Familien, von denen jede n n r ei n Kind hat. Zwei Kinder besitzen 2 364 202 Familien. Solche mit drei Kindern giebt es inir 1 585 960. Mit vieren zählt die Statistik 975 616 auf, mit fünfen 572 685. Sechs Kinder haben 322 651 und deren siebe» 251 658 Familien. Ganz unbedeutend ist die Zahl der- jenige», die sich eines noch reicheren Kindersegens erfreue».— Briefkasten der Redaktion. Wir bitten, bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Bnchsiabe,, oder eine Zahl) anzugeben, nntec der die Antwort ertheilt werden soll und die letzte Äboiineulcntsqilittnng tjeizniege», Fragen ohne solche werden nicht bcant- wartet und schriitlichc Autwor,» i ch t ertheilt Tie juristische Spre>1isiu»be wird Dienstags, Donnerstags und Freitags abends von?>/, bis 8l,'2 Uhr abgehalten. Zwei Wettende. Die Geleiic der Stadtbahn, wie auch die des Nord- iiii Sntnitzgs werden nicht von Fernzügen benutzt. Riigler. Meuer's Lerilon kostet nach dem Bnchhändlerprciö 170 M.; ic kaufe,, dies Werk in Antiquariaten jedoch um 50—60 M. billiger. S. F. B. Der Reichstags- Abgeordnete Stadthagen sitzt gegenwärtig i», Gefängniß und nachher wird er in, Reichstag sitzen. 100. Die Altiengeiellschast ist juristische Person, die Kounnandit- gesclischast nicht.— E. Z. 55. Nein, wenn nicht nach der Grvßjährigkeit ancrkmint.— H. E. Der Geber macht sich nirgends strafbar.— C.))i., Köpenick. Zu 1: Dafür giebt es keine Zeitbeschrältlung. Zu 2i Nein.— Parbo». Wir beantworten Fragen nicht schriftlich. Die Marie steht Ihnen nir Verfügung. Schicken Sie de» betreffenden in die Sprech stnnde.— V. R. Die Frage läßt sich, ohne daß Sic das ganze Materini einschicken, nicht beantworten.— A. B., Karlsruhe, B. Pf. Zahlungsbefehl. Schicken Sie zunächst die Abonnementöqnittnng ein. 1805: Die Sachen sind Eigeutbum der Frau. Zu 2: Nein.— P. B. Z!l. Der Bater haftet nicht.— Auskunft. Sie tönneii ans Rückzahlung des Preises klage».— E., Steglitz. Klosterstr. 26.— B. H. In.— B. Wie alt ist das Kind? — Köpruickerstr. 154. Sie brauchen daraus nicht zu antworte».— W. Ä. Der Sachverhalt muß genauer angegeben werden.— Blum, Pforzheim. ES müßte zunächst sestaestellt werden, ob die Verjährung der Slrafthät unterbrochen ist.— A. W. 91!. Polizeipräsidün».— A. K. Wir beantworten Fragen nicht schristlich.— B., Wassrrlhorstraste. Ja, wiederholt.— D. E. Nein.— G. S. II. Weil Ihre Aboinicments- quittnng nicht beigefügt ist.— A. S. S7Ü6. 24 Jahr. Zu 2: Un- verständlich. Zu 3; Ja.— A. B. Nein. Nein. Ulwerftändlich.— H. H. 500. Die Mutter kann Vormündin sein. Das Vermögen ist an- zugeben.— 1 M. B. Kommen Sie mit der GerichtSkofteiirechnung in die Sprechstunde.— Sch. 100. Nein.— K. Hermann, Rixdorf. Nein. Wittcrungsübersicht vom 2t. Oktober 1898, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemdc. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien -- 2 s«■ , L 761 WSW 761 SO 762 W 762 Still 764 S 763197© Wetter 2hlb.bed. Äbcdeckt 3lwoikig — hedeckt Pwollenl 2lwolkenl Wetter-Prognose für Sonnabend, den!öi! Wärmer, theils heiter, theils wolkig mit etwas süwestlichen Winden. Berliner c ill Z-s Stationen 0 Haparanda Petersburg Cork Aberdeen Paris 767 763 761 76g Stlll WNW S S Wetter bedeckt 3 heiter 2 bedeckt 3 Regen «N »ll §* «3. 3 11 II Oktober 1808. Regen und schwache» Wetterdur eau. AU Kmnlikn- u. Wibtlilisse der deiiWeil Drechsler und deren BerufSgenosfen/- Uhr, Im Lokal des Herrn Nowak, Mantenfselilraste Nr. 9. Fnr Bezirk lt. an» Sonntag, den 2 Zt. Oktober, vorinittags 11 Uhr, Im Lokal deS Herr» Prltsch, Skalihcrstraste Nr. 80-31. Für Bezirk O. am Sonntag, de» 2». Oktober, vormittags 10 Uhr. im Lokal des Herrn Znkell, Lindenstraste Nr. 100. Für Bezirk O. am Sonntag, den 28. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Svklllei', Roseiithalerstrasir Nr. 57. Tages-Ordnung: 1. GeschfiktllcheS. 2. Kafienbericht pro 3. Quartal 1898. 3. ErgänzungSwahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. SHF' Die Zahlstellen, in welchen an jedem Sonnabend Abend von 8—1» Uhr neue Mitglieder(bis 43 Jahren) aufgenommen werde», befinden sich: Naummstraße 78 bei Heinrich; Kleine Andreasstrahe 14 bei N c u m a n n; Skaliyerstr. SS bei Krause; Reichcnbcrgerstr. 29 bei Schmidt; Gneisenaustr. 1» bei Wesse; Alte Jakobstr. 69 bei Lenz; Elsasserstr 11 bei R a d d a tz; Georgcnkirchstr. ZS im Lokal. 1669&_ Die Ortsvcrwallnngen._ abends 8 Uhr, in Fencr»tcln,8 FcstMtUen, Alte Jakobstr. 75: Vtiband der in Biichbiiidereieii, der Plipier- und Leder-Galanteriewiiaren-�ndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Zahlstelle Berlin.) Wenstag, d. 35. Okt., Oideiilliche GkneraliikrlMiiiliiiig. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Borschläge zur Ergänzung der Ortsverlvnltnng. 8. Vorschläge zur Rechtsschnt, Kommission. 4. Die Verlegung der Bureaiistuuden. S. Verbandoangclcgenheiten. Um zahlreiches und Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder ersucht dringend Der Bevollmächtigte. Dzy Mitgliedsbuch legitimirt. Die Veriammlung wird Punkt halb nenn Uhr eröffnet. Morgen. Sonntag, deir»8. d. M.. vormittags 10 Uhr: NIon||vnsppsvIiv für sämnitltche Papier- und Lcdcrgalantcrie-Arbeiter Mixdorfs im Lokale des Herrn Itloln. Rixdorf. Kaiser Fricdrichstr. 285. Sämmtliche Hausarbeiter sind ganz besonders eingeladen._[25/15 Verband der Möbelpolirer. Btontag, dei» 24. d. Mts.. abends 8'/, Uhr. Admiralstrafte 18«: MW" Versammlung."WU Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen M e tz n e r über:„Das Koalitionsrccht und Arbetterschutz. 2. Wahl. 3. Verschiedenes. Die Generalversammlung findet am 31. d. Mts. bei Keller, Koppen- strahc 29. statt. 147/11_ Der Borstand. Wictulgr rQr jede Hausfrau! SZ4SL» I Eine praktische u. nützliche Hans- halwngsmaschine ist eine Prima Wringmaschine mit besten Weichgummiwalzen und stellbaren Drurkscdcrn. Dieselben liefcrtzauch NZT auf Xheilzahlnng E. Krieg;, 80., Skaliherstraste 186. 80., Wrangclstraste 118. W., Leipzig erst raste 112. zelltral-Krililkell- n. Tterbe- klizse öcc Tislliler n. s. id. (Filiale Berlin F.) Vom 25. Oktober 1898 ab ist die Wohnung des jetzigen Bevollmächtigten Robert Schneider kuppiuerstr. 42, v. II. 16746 Die Lrtsverivaltnng. Arbnter-RllWrer- Verein „Berlin", Sonntag, den 23. d. M., Tour nach Luckenwalde. Abfahrt präzise 7 Uhr: Steuerhaus, Tempel- hofer Feld. Bei im- günstigem Wetter per Bahn. 1 Uhr. Anhalter Bahn. Der Wichtigkeit halber bitte recht zahlreich zu erscheinen.— Nächste Versammlung der Filiale III b. Ewald. Schönleinst. 6. cimrlotteiibiinf. Unserem Genossen Blitz gratuliren wir zum heutigen Wiegenfeste. Die Genossen aus den Siebten. 1682b Allen Freunden und Bekannten zur gefälligen Kennwitznahme, dah ich KönigSbcrgerstr. 9 etn Restaurant. verbunden mit 2 Kegelbahnen, eröffnet habe. Zum Ausschank gelangen Patzen- hofer, hell und dunkel Vio 1» Pf. und Wcttzbier ohne Wasserzusatz. Das Lokal enthält die grütztcn Sehens- Würdigkeiten der Residenz. Um ge- neigten Zuspruch bittet 16886__ Emil Jost. Oranien- Hallen, Oranienstr. 5t. Am Moritzplatz, Jnh. Hermann Scholze. Zum Sonnabend, den 20. Oktober 1808, ist ein Saal bis 200 Personen frei geworden. Hermann Schlesinger Pücklerstrasse 39. Eein Vaarenhaus! Kein Konsumverein! Vereinigt die Vortheile beider Kategorien unter Vermeidung Jer Schattenseiten, liefert Sftmmtliche Artikel der Bekleidungs-, Wäsche- und Wirthschafts- Industrie, speziell Kleiderstoffe, Gardinen, Wollwaaren, Knaben- anzüge und tausend andere Sachen. Einkaufsprinzip: Das Beste ist eben noch gut genug, Verkaufsprinzip: Grundreelle Bedienung. Keine Schleuderung einzelner Artikel, um den„Schein der Billigkeit ZU BT- wecken", sondern:„Billigster Verfau, aller Artikel,»uch der theuersten." Kein Lockmittel irgend welcher Art. Keine ßabattgewährung auf Kosten der Qualität, des Maasses oder des Gewichts, wohl aber Vertliellnng des dritten Tlieiles des Beingewlnns nach Jahres abschluss an die Abnehmer. Der jedem Packet beigefügte, an meiner Kasse qulttirte Zettel ist deshalb gut aufzuheben. Jedermann ist zur Besichtigung eingeladen. Keine Kaufauifordernng an besichtigende Gäste. Etwaige Beschwerden bitte mir persönlich oder schriftlich vorzubringen. Hermann Schlesinger Ecke Muskauerstrasse»— Nahe der Idarkthalle. Gesangverein der Möbelpolirer. Sonnabend, den 20. Oktober, bei£»cliol»(früher Breuer), Frankfurterstr. 70:_ 147/12 fpUT' 11. Stift u Ii gasfest."HW Alle Kollegen, Freunde und Bekannte find hiermit geladen. Emree 39 Pf. Anfang 81/, Uhr. Julius Wernau's Restaurant und Festsäle Schwedterstraste 23 21. Sonnabends und Sonntags tu 3 Sälen Vorstellung und Danz. An- genehmer und geselliger Aufenthalt. Zum Besuch ladet ein d. O. AFmin-Bsllsii, Kommandantenstrasse 20. Sonnabend, den 22. Oktober, abends 9 Ihr: Grosses Zither-Konzert"M» auSgesührt von den Zither- Vereinen„Einigkeit" und„Frohsinn". Dirigent: Herr IV. Conrad. BilletS find bei den Mitgliedern zu haben. lSS7b Wo machen wir unsere Herrenpartie hin? Zum alten 6169L" R r s u u d auf Pichelswerder. Empfehle meine beiden Lokale 61758* Pf erdebyeht � und Riekemal Station Blmhiarten den zehrten Ausfliiglern aufs angelegeiitltchste. __ Hochachtungsvoll W. Magdeburg. Orts-Kronkenkasse der Hiitmülher, Hiltfliilrilitilrei!- und Filzwaaren-Verfertiger zn Berlin. vrdvntlioh« neneral-Versammliin? am Sonntag, den 80. Oktober, vormittags 19 Uhr, im Restaurant des Herrn A, Feind, Weinstr. 11, wozu die Delegirten hiermit ein- geladen werden. I67Sb Tagesordnung: A. In getrennter Versammlung: 1. Neuwahl des Gesanimtvorstandes (3 Arbeitgeber und 6 Arbeitnehmer). B. In gemeinschaftlicher Versammlung: 2. Wahl der Revisoren zur Prfisnng der Rechnungen pro 1398(§ 47 Abs. 1 der Statuten). 3. Antrag deS Vorstandes auf Abänderung der§ß 11, 12. 18, 26, 27 und 51 des Statuts. 4. Verschiedenes. Eintritt nur gegen Vorzeigung der Postkarte gestattet. Ter Vorstand. (gez.) Karl Kümmert, Vorsitzender, Pankow, Kaiser Fricdrichstr. 15. Bolks-Hochschule Dmitdoidt-Akademte. Eröffnung der Lehrstättc'S« 41. (Königstadt) in der Aula Elisabethstrafte 37/58 Montag. 24. Oktober, abends präs. 8 Uhr. mit Ansprache. Alle Bildungsireiiildc, Herren und Damen, sind hierzu wie zu den Er- öffuungsvorträgen der 9„Volks- thümlichen Vortragsreihen»(sechs- stündig) an diesen und folgenden Wochcnabenden willkommen. Zutritt in der ersten Woche irci; später Hör- gebühr für die ganze Vortrags- reihe 50 Pf. Programme gratis im Bureau, Tb. Frfthlich'* Buchhandlung, LandSbergerstr. 32. Achtung! Stuckateure! Hiermit zur Nachricht, datz unser laugjäbriges Mitglied tZoltlieb Sl-irischel am 29. Oktober, morgens 8-/2 Uhr. verstorben ist. Die Be- erdigung findet Sonniag, den 23., nachm.-/zZ Uhr von der Leichenhalle in Wilhelmsberg aus statt. Um recht rege Bcthciligung ersucht 168öb Der Vorstand. Egiiaianda Beiairnusl, Friedrichsgracht 30 (an der Gertraudlen-Brücke). Hcunt(Soinsta/gifs: Kochwürscht, Fleischwürscht, Extrawürscht. All' Sniita: SchweinasFleiich u.Knin(d)la. As Mittagb esj'n jednn Tagh Ko(t)ma a. Kost mi(t)n Beia: Fuszig Psenng. 1679b Kurl Ktownsscr. Kleiner Saal und Vereinszimmer Donnerstag. Sonnabend, Sonntag für Vereine und Hochzeiten zu vergeben. 1689b Nebclin. Langestr. 198. Jeden Sonnabend Gänsc-Ausspielcn bei Voelz. Breslanerstr. 9. 1681b Vereinezimmer m. Piano zu verg. Bredowstr. 37,?tatthciiri.s1693v eröffnet! �tisehllüg eröffnet! Rungestraste 10. parterre. Kräftiger MittagSlisch mit Bier 9,59. Reichhaltige Abendkarie zu kleinen Preisen.— Jeden Dienstag cigenge- machte frische Blut- und Leberwurst. Flora- �äle Beruh. Xicft, 17. Weberstr. 17. 1999 Per', fassend. Vollst, neu einger. Sonnabende, 26. dlov.,«7. llez., i.». 2. Welhn.-Feiert.: Vorm. Matinee freU EckdestiUatiou mit Vorgarten und VerciiiSzimmer für 89 Perf. ist wegen Krantheit deS Mannes sogleich zu verk. Rirdorf, Hermannstr. 294. Ik28b 9. l.indernann. Empfehle mein Weift- u. Bayrisch- Bier-Lokal. Grob« VereinSzimincr sind zu vergeben. 62281. Otto Franke, Pallffadenftr. 9. Monnenberg's Restaur., Treptow, Parkstrasse. Groftcr Saal.- Grofter Garten. Jeden Sonntag: Ball. s6277L* Empfchle mein Lokal zu Festlichkeiten. Restauration„Zum Wüftenvogel" neu eröffnet Pallifadenitrafte 71. �4» n- tav Straoww, Gastwirth. Bertheidigllngsßrlften, Klagen. Verträge. Eingaben jeder Art fertigt Kreis. Kommandanlenst.65,111. »s *9 u - S Ü S« CJ Jlctl L!*« K'as Jede Uhi* reparircn und reinigen kostet bei mir unter e Garantie d. GutachenS nur 1'Mark 50 Pf. antzer Bruch, kleine Reparalnreii billiger. GrotzcS Lager neilcr und gebrauchter Taschenuhren, Regulatoren und Wecker, alle Arten Ketten, sowie Brillen u. Pinceiicz. Gart I.nx, Ilhrmacher, 85 Chanssec-Ttrasie 85. Seiitii Pölter Dessert- u.Malzkraftbier I.Rang. Brauerei Bnrgftalter, Potsdam, gegr. 1736, hes. s. Blutarnie, Brustkranke, Bleichs,, Wöchn., Rekonv.zc.d. leicht bcköiiiml., nahrh. kräftigste Bier.— Jslbliiibild.,deSH. bess. Gcfichlsf. n. GeivichtSziinahin. libcrr. 14 Flasch. drei, 59 zehn M. exkl. In Geb.(-/.. Vs. Vis) z. Selbst- abz. wcsentl. bill. Allein. Versinidlst. s. Berlin n.Prov. Porterkellcrel. B I» x I e r, Berlin. Brun- ucnstrafte 152. NichtFlaicheuzahI — Qiml. entscheid. Dr. med. Schaper, prakt. Homöopath. Arzt u. Spezialarzt s. Haut-, Harn-, Geschlechtsleideu. Frauenkrankhetten. Spr. 9-1. 4-8 tzichilncbcrgcr FKcr 25. Romgapalli. Polftlmilc Montag, Mittwoch, Sonnab. Ab. 7-8, Friedrichstrafte 114. I. ArdeitsiNlkt. Achtuilg. Klllvierarbeitert In der Pianofabrik von Lanrinat, WassertHorstratze 9, haben sämmtliche Bodenmacher infolge Lohiidifferenzeii die Arbeir niedergelegt, es ist somit Ehrenpflicht jedes Kollegen, den Zuzug nach genannter Fabrik streng fern- zuhalte». 143/1 Die Agitations-Kommisslan dos Facli- verelr.s d. Muslklnstrumenten-Arbeltar Berlins und Umgegend. Englischen Onterricht (einzoin und Zirkel) für Anfänger u. rortgesohrittene bei Fräulein Liebknecht, Charlottenburg, Kar. tst.lBO. Am 18. d. M. verschied nach langem schwerein Leiden mein lieber Mann, unser guier Vater, der Metallschletfer �.duIL Tesch. Die Beerdigung findet Sonntag, den 23. d. M., nachmittags 4 Ubr, von der Leichenhalle der Freireligiösen Ge- meinde, Pappel-ANee, anS statt. Marie Desch nebst Kindern, 1673b Wörtherstr. 39. Ein tnchliger, in allen Kunst- und Banschloffer-Arbeiten erfahrener 8e!i!sz8ei'gsze!Ie. der alle vorkommenden Arbeiten selb- ständig anfertigen kann, bei gutem Lohn und dauernder angenehmer Stellung gesucht. Offerten mit Zeugnitzabschriften und Lohnansvrllchen erbeten an Ä. Nierhauve, 16596 Dortmund, Lititsehrttckatrasiae Xo. 12. SjtjuWIOMttn SiCfSf'S Berlin und autzerhalb Krankenkasse „Hülse", Halleschestr. 9 I. sH. 194/11 89ii8l«»gs-»»d Begräbniffverei» der Schmiede und verwandter Gewerbe Teutschlands. Sonntag, den 23. Oktober, vormittags 9l/j Uhr bei Lorenz,. Boltasir. 43: Mitgliederversammlung. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 23. Oktober, vormittags 9 Uhr, im.groizeu Fcstsaal der Berliner Resivnrce, Komnimidantcnstratze 57: Ver- saiimiluiig. Freireligiöse Vorlesung. Um 11 Uhr vornnttags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: Das indische„That iwam asi"(Das bist du). Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Stervekaffe der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg.) Filiale Berlin 5. Heute, abends 9 Uhr bei Koplin, Lothringerstr. 68: Mitgliederversammlung. Elcktro-technischer Gcwerkvcrcin Berlins nnd Umgegend. Heute, abends S'/a Uhr, Schiltingstr. 36: Sitzung. Vortrag. Fachkollegen will- kommen. Mir bei« Jnlmlt der Inserate iibcrniinnit die Sledattion bei» Publik!»» gegenüber keinerlei Verantwortung. Tljrntev. Eonnabenb, 22. Oktober. Opernhaus. Ctavallsris. rusticana. Bajazzi. Anfang 7Vz Uhr. Tchanspielhans. Der Burggraf. Anfang 7V- Uhr. Neues Opern- Theater sKroly. Fregoli-Gastfpiel. Anfang 7� Uhr. Deutsches. Johannes. Anfang 7V- Uhr. Berliner. Zaza. Anfang 7l/z Uhr. «rssing. Im weißen RößX Anfang 7'/- Uhr. Rrsibenz. Der Herr Sekretär. Vorher: Mein treuer Antoine. Anfang 7Vz Uhr. Neues. Hofgunst. Anfang 7»/, Uhr. Schiller. Wallenstein's Tod. An- fang 8 Uhr. Westen. Eugen Onsgin. Anfang 7V- Uhr. Metropol. DaS Paradies der Frauen. Anfang 7i/, Uhr. Central. Die Geisha. Auf. 7i/, Uhr. Thalia. Unser lustiges Berlin. An- fang 7i/, Uhr. Luisen. Joc'o's Streiche. Vorher: Der dritte Kopf. Anfang 8 Uhr. Belle- Zlllianee. Napoleon oder: Die hundert Tage. Aniang 8 Uhr. Ostenb. Robert und Bertram. An- fang b Uhr. Friedrich» WilhelmflüblischeS. Die Geheimnisse von London. Ansang 3 Uhr. Mlexauderplalj. Jugendsünden. An- fang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbcnstrnhe 48— �i). Natnrklindliche Aiisstcllnng. Tag- lich geöffnet von 10 Uhr vor- mittags ab. Eintritt 30 Pf. Abends 8 Uhr: Die Urzeit des Menschen. Jnvalidenstrasie KV/KL. Täglich abends von b— 10 Uhr: Stern- warte, Operntelepho». Apollo. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 7i/, Uhr. Reichshallcn. Stetttner Sänger. Anfang 3 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Bor- stellung. Passage> Panoptikum. Speziali- täten-Vorstellung._ SMerChtliter (Wallncr- Theater). Sonnabend: Wallcnstein's Tod. Sonntag: Nachmittags: Die Haubenlerche. Abends: Mauerblümchen. Montag: Die Haubenlerche. Zuisett- Theater 34. llieichcnbrrgerstrasje 34. Abends 8 Uhr: Zum 84. Male: �oeko'sStreielle Burleske in 3 Akten nach dem Engli- sehen des James Carlisle, deutsch von W. Sallis. Zocko: M Herbig«® Mit sensationellem Lacherfolge auf- geführt im Volks-Theater in München und im Apollo-Theater in Nümberg. Borher: Dev dritte Vopf. Pofle in I Akt von Franz Wallncr. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: VolkS- Vorstellung zu kleinen Preisen: Wilhelm Teil. Abends 8 Uhr: Jocko'S Streiche» Der dritte Kopf. Jeden Mittwoch Nachm.: Schüler- Vorstellung. Wohlthätigkeits- Borstellung für die Weih- nachts- Bescheerung armer Kinder der Stadtbez. 71—74 heute. Sonnabend, im Lonckrttlause Auftreten v. Hosfniann's Q-nartett««» Humoristen. Nach der 1, rw Vorstellung: rfllA. Anfang 8 Uhr. Sonntag; Letzte Sonntaasaufführung Der liebe Onkel. In Vorbereitung: Insel l'uiipstsn. Operette von Offenbach. Hlelropol-Tbester. Behrenstr. 55/57. Direktion R. Schultz. Nobitüt! prfi Novität! Zum Male: Das Paradies der Fraiml. Große Ausstattungsposse mit zwei großen Ballcts. Morgen und folgende Tage: Das Paradies der Frauen. Thalia-Theater. Dresdcncrstr. 72,73. Unser lustiges Berlin. Grobe Gesangsposse in 4 Bildern von E. Sondermann u. Ch. Bischoff. Couplets von Alfred Bender. Musik von Cnrt Goldmann. Anfang 7i/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 23. Okt.: Volksvor- stellung unter Regie von Jul. Türk. Mutter und Sohn. Schauspiel in 5 Akten. Anfang nachmittags 3 Uhr. Cenkral TllrLttev Direktion: 3oiS peronerx. Dir Gvislztt. Operette in 3 Akten v. Sidney Jones. Morgen und die folgenden Tage: Tie GeiSha. Sonntag Nachmittag: Die Glocken von Corneville. Operette in 3 Akten von R. Planquette. Donnerstag, den 27. Oktober: Zum 200. Male; Die Geisha. Wild-Carl Weisj-Thtater. Gr. Frankfurterstr. 132. Robert und Bertram oder Die lustigen Vugabonden. Posse in 4 Akten von G. Raeder. Anfang 8 Uhr. VorzugSbillets haben Gtltigkeit. Sonntag Nachmittag 3 Uhr: Kleine Preise: Der Hüttcubesitzer. Abends 7i/zUhr: Gastspiel des Herrn Cäsar Beck vom Berliner Theater. Das Käthchen von Heilbronn. In Bor- bereitung: Der Jongleur. iOIpisils Tliesteii (Clrcus Renz) Karlstrasse. Täglich 8 Uhr abends: Berliner Ausstattungsstück mit Couplets, Aufzügen! und Kolosfal. Ballets| in 3 Akten(10 Bildern). Parquet 2,10 Mk. Gircus Renz-Riesen-Tunnel. Täglich: Grosseet Konzert und Spczialltiiten- Torntellnns unter Leitung des beliebten Regisseurs Herm Gust av Kluck. Auftreten namhafter Künstler. llette Romanowitsch, Liedersängerin. Fritz Fehrmann, Univcrfal-Humorist. Geschw. Gräser, Gesangs-Ducttisten. Heinrich Krlll, Charakter-Komiker. Elise Cora, Kostüm-Soubrette. Gustav Greuslng, Kapellmeister. Ans. Wochcm. Ki/z Uhr, Sonnt. 5 Uhr. 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Für den Avseratentheil uttanttzort�. Glocke in Vertin. Druck und Verlag von Max Badina tu Berlin. I»1.—'>—■ L l