Ur. 250. Adomements Ktdingvngen! «bonnement««93teU pränumerando: «ierteljährb ZLo MI�. monatd 1,10 Mb, Ivöchenllich 28 P!g> frei ins Hau* Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- Nummer mit illuftrirter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg Post- Abonnement: ZL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für!L9» unter Dr. 757« Unter Rreiizdand für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland z Marl pro Monat. IS. Jahrg. Die Insertwlls Gebühr beträgt für die fschSgefpaltene Kolonsi- »eile oder deren Raum«o Pfg., für verein«- und Verfammlungz-Anzeigen. sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müsse» bi« t Uhr nachmittag« in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochenlagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« 8 Uhr vormittag« geöffnet. Erscheini täglich»ufjtt Wonkag«. Verlinev VolKsblsit. Fernsprecher: vml l, Dr. 150». Telegramm-Adresse: „Solialdrinokral vrrlin". Dentvawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Stratze 2. Dienstag, den 25, Oktober 1898. Expedition: 19, Bentlz-Strahe 3. Das Wahlsystem der Abscheulich leiten. Tlie tariif of abominationg, den Tarif der Abscheulichkeiten hat man das vorjährige Werk der amerikanischen Hochschutz- zöllncr und Trustkreaturen genannt. Welchen Namen soll man dem preußischen LandtagS-Wahlvcrfahrcn geben, nachdem nunmehr für verschiedene Kreise, in erster Linie sür die Reichs- Hauptstadt Berlin, die Abgrenzungen sür die einzelnen Wähler- klaffen vorliegen? Schon Fürst Bismarck sprach vom elendesten aller Wahl- systeme. Aber zu jener Zeit schien noch immer nicht alle und jede politische Vernunft bei der Drittelung der Wähler ver- flogen. Man vollzog die Abtheilungsbildung sür die ganze Gemeinde, setzte für alle Kommunalangehörigcn einen allgemeinen Würdigkeitstarif fest, nach dem jeder Steuer- zahler zum Lichte der privilegirten eisten oder doch zweiten Klasse aufstieg oder vom finstern Schattenreich der ebenso rechtlosen wie vielköpfigen dritten Klasse verschlungen wurde. Man war wenigstens innerhalb desselben Wohnortes politisch gleichgeachtet, wenn man bei der Steuerschur gleichviel Wolle gegeben hatte. Mit der Miquellschen Steuerreform brach diese einheitliche Abtheilungsbildung sür die ganze Gemeinde zusammen. Man schuf die besondere Steuerdrittelung für jeden UrWahl- bezirk, also sür jedes Hüuserviertel bis zu 1500 Einwohnern— das sind etwa 300 Urwähler. Der Krösus, der durch Selbstdeklaration und Steuerprogression schärfer zu den direkten Steuern herangezogen wird, sollte nur in seiner nächsten Nachbarschaft die Abtheilungsbildung, freilich mehr denn je, verpfuschen dürfen; jedoch nicht für die ganze Ge- meinde die Steuerbeträge in die Höhe weiben, bei denen der aufgeblasene Protz der beiden privilegirten Wahlklassen sich von dem Auchwähler der dritten Klasse scheidet. So hat jedes Häuserviertel seine andere Wahlphysiognomie erhalten. Die Ergebnisse der alten Abtheilungsbildung hatten von jeher bereits einen starken Stich in das unfreiwillig Komische. Die neueste Regelung muß einen Lacherfolg wecken, wie die schnurrigste Theaterposse ihn niemals erringen kann. Berlin zerfällt nunmehr nach der Magistratsbekannt- machung vom 11. Oktober in 1202 UrWahlbezirke für die bevor- stehenden Abgeordnetenwahlen zum Landtag. Aber unter diesen zahllosen Bezirken wird man kaum zwei von gleicher Klassenabgrenzung entdecken können. Schließen, was öfter vorkommt, die zweiten Abtheilungen irgendwo mit gleichen Steuersummen ab, dann fangen sicher die ersten Abthcilungen unten mit anderen Steuerbeträgen an, und umgekehrt. Es ist ein tolles Würfelspiel des Zufalls, das den Stärkegrad des Wahlrechts bestimmt. Ein Millionär, der aus alter An- hänglichkeit ruhig in seiner einst sreiliegenden Villa wohnen bleibt, während rings um seinen Park herum eine proletarische Vorstadt in die Höhe schießt— ein Bild, das sich in den Außenstrichen Berlins überall wiederholt— drückt fast alle Nachbarn, die sonst die erste und zweite Klasse füllen würden, zur zweiten und dritten Klasse herab. Die Anlage von ein paar großen Hiutcrhäuserblocks kann die ganze politische Klassenschichtung des Viertels über den Haufen werfen. Hast Du das Einkommen eines bessergelohnten Ar beiters oder eines kleinen Mittelstandsmannes, so kannst Du in der ersten Klasse thronen, Du mußt nur in einer recht annen Stadtecke wohnen, die vom Reichthum wie die Pest gemieden, von der Armuth jedoch überfluthct wird. Bist Du Minister, so hilft Dir das nicht aus der Hölle der dritten Klasse heraus, wenn neben Dir lauter schwere Millionäre aus den ältesten Raubrittergcschlechtern und der jüngsten Hoch finanz wohnen. Im 52. UrWahlbezirk, der das alt friedliche Reichskanzler-Palais umsäumt, muß man jähr lich 59 037 Mark Steuer zahlen, um der eisten, und 18 845 Mark, um der zweiten Klasse zugethcilt zu werden. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, der preußische Ministerpräsident ist hier, was seinen parla mentarischen Einfluß als Wähler anbelangt, eine der vielen Polittschen Nullen der dritten Abtheilung, während sein höherer Stiefelputzer ihm vielleicht zeigen kann, was bei preußischen Wahlen ein Mann von politischem Vollgewicht zu bedeuten hat: sein Lakai brauchte uur zlvölf Mark Staats-Eirkkomnien- st euer nebst zwölf Mark Kommunal-Einkommensteuer zu zahlen und zufällig im 1157. UrWahlbezirk(Adolfstraßc 11—25, Berlin Norden) zu wohnen, so würde er gegenüber der annen Durchlaucht der dritten Klasse einen dreimal erleuchteten Wähler erster Klasse darstellen— vorausgesetzt allerdings, daß sein Name im Alphabet vor dem Sch. bleibt, denn was nach dem Sch. konimt, steht als polittsches Licht schon wieder eine Stufe ttefer. Denn auch das Alphabet ist bei preußischen Wahlen ein politischer Machtfaktor. Oft werden in demselben kleinen UrWahlbezirk Menschen, die in der Steucrliste gleich sind, in der Wahlliste wieder von einander gerissen, weil der eine Hinz und der andere Kunz heißt.„Die Abtheilung schließt mit dem Anfangs- buchstaben.. lautet eine Rubrik der Magistrats-Bekannt- machung. Welch'' eine Häufung der abscheulichsten und doch auch wieder lächerlichsten Widersprüche entsteht auf solchem Boden! Der Reichskanzler, der Eisenbahn-Minister, der Justizminister, der Staatssekretär des Auswärttgen Amtes, der Leiter des Reichsamtes des Innern, sie alle wählen in der dritten Abtheilung, weil man am Wilhelms- und Ziethen-Platz und in der Voßstraße und der angrenzenden Königgrätzerstraße nicht weniger wie 18 845 Mark Steuern zahlen darf, um Anspruch auf das Vorrücken in die zweite Klasse zu erheben. Im 38. UrWahlbezirk, im Bankierviertel, das Theile der Jäger-, Behren-, Französischen-, Friedrich-, Charlotten-, Markgrafenstraße umschließt, mutz nian sogar 88,018 M a r k j ah r l ich für Staat und Gemeinde cnt- richtet haben, um sich aus der dritten Klasse emporzuarbeiten— die erste Abtheilung schließt hier mit 210 683 Mark jährlichen Stcucrtributes. Hier machen die Mendclssohn-Bartholdy ganz allein die Musik, die erste wie die zweite Klasse gehört aus- schließlich ihnen. Aber daneben finden wir zwei Bezirke, wo man schon mit 7 M a r k Steuern in die zweite Klasse aufsteigt, nämlich den 1167. Bezirk: Berlin Nord, Köslinerstr. 3—9 und 12—16, allerdings nur bis zum Namen Beck: den 1139. Bezirk: Berlin Nord, Christianastraße von Schweden- strnße bis Reiinckcndorferstratze, Rcinickendorferstr. 33—37 b, Straße 67, bis zum Namensanfang Her. In vierzig Urwahlbezirkcn Berlins geht die Steuergreuze der zweiten Abtheilung bis auf 12 M. herunter; wer also mit über 900 M. Einkommen veranschlagt ist, also drei Mark Tagelohn verdient, wird hier einer— freilich recht zweifel- haften— Ehre gewürdigt, die dem Reichskanzler mit seinen frührer 54 000, jetzt 100000 M. Gehalt in der Wilhelmstraße versagt bleibt. Noch mehr: die erste Abtheilung schließt mit 24 M. Steuer, also mit 1200—1350 M. Einkommen: im 1167. Bezirk: Berlin Norden., Cöslinerstr. 8— 9 und 12— 16, bis Buchstabe S, im 1157. Bezirk: Berlin Norden., Adolfstr. 11-25, bis Buchstabe Sch. Mit 25 M. steht man im 363. Unvahlbezirk(Berlin 80. Falckensteiiistr. 12— 16 und 31— 34) bis Buchstabe B in der ersten Klasse. Weiter schließt die erste Klasse in den UrWahl- bezirken: 1189«siehe oben: Norden, Christianastraße u. s. w.) mit 30 M., 1166(Berlin Norden: Köslinerstr. 3—7 und 17—21) mit 42 M. 1045(Berlin Nordwest: Noftockerstr. 21—25 und 31—38, Witt« ftockerstraße 6—7 und 22—23) mit 42 M., bis zw» Buchstaben B, 831(Berlin Norden: Pntbuserstr. 24—26 und 31—36) mit 45 M., bis zum Buchstaben H, 829(Berlin Norden: Hagenauerstr. 2—7 und 10—17«) mit 45 M., bis zum Buchstaben B. 1197(Berlin Norden: Zkoloniestr. 36—102, Zechlinerstraße), mit 50.10 M.. 1124(Berlin Norden: Adolsstraße, westliche Seite von der Gericht- stratze bis zur Plantagenstraße. Gerichtstr. 37—45 und 48 bis 57, Plantagenstr. 24—37, Ruhcplatzstr. 1—4 und 22—28) mit 51 M.. 308(Berlin Südost: Lausitzcrstr. 7— 15 und 41—47) mit 51 M. Die Staats einkommcnsteuer beträgt bekanntlich, ebenso wie die jetzige Berliner Gemeinde-Einkommenstener bei einem Einkommen von jährlich 900-1050 Mark 6 Mark 1050—1200. 9„ 1200-1350„ 12„ 1350—1500„ 16„ 1500—1650„ 21„ 1650—1800„ 26„ In allen den genannten Bezirken wählen also die kleinen Leute von 1650 M. Einkommen ab bereits in der ersten Klasse. In der That findet man hier Zimmerpoliere, Litho- graphen, Schankwirthe, Buchhalter, Mecharnker, Drechsler, Stellmacher,„Arbeiter" in den Wahllisten. In der ztveiten Abtheilung treffen wir noch häufiger ähnliche Berufe, ferner Hausdiener, Schutzleute, Postschaffner. Herr v. d. Recke mag sich als Polizeiminister, der einer Armee von Ordnungshütern gebietet, gewalttg fühlen; aber im Wählen ist ihm doch mancher Berliner Schutzmann über. Aehnlich mag es Herrn Thielen mit vielen seiner Eisenbahnbeamten, Unterbeamten und Arbeiter gehen, ähnlich Herm Schönstedt bei seinen Justiz untergebenen. Der blinde, täppische und läppische Zufall ist in diesem elendesten aller Wahlsysteme Trumpf geworden. Selbst die Lobredner alles Bestehenden, die früher noch einen Schimmer von Vernunft in ihm sehen wollten, müßten jetzt eingestehen, daß auch der längst zum baaren Unsinn geworden ist. Dieses Wahlsystem lebt nur noch, weil es die Konser- vattven künstlich am Leben erhält. Bricht die konservative Herrschaft zusammen, so wird auch dieses Wahlverfahren seinen Tag des Gerichtes nahen sehen. Zu Karl Grillenberger's Gedächtnitz. Nürnberg, 23. Oktober. Ein grauer Herbstmorgen liegt über der alten, von rauchigen Fabriffchloten überragten Industriestadt Nürnberg. ES dämmert kaum der Tag und schon beivegen sich zahlreiche Schaaren von Pro- letariern schweigend und ernst nach dem Zentralstiedhofe zu. Gilt es doch, einem der besten und edelsten Vorkämpfer für die Sache des arbeitenden Volkes die letzte Ehre zu erweisen, die Enthüllung des Denkmals zu feiern, das die Nürnberger Sozialdemokraten ihrem unvergeßlichen Karl Grillenberger errichteten. Der allzeit Hilfbereite, der unermüdliche Kämpfer ist vor Jahresfrist aus unseren Reihen ge- schieden, aber sein Geist ist unter denen geblieben, denen er so oft von dem goldenen Ziele gesprochen, das uns winkt— daS bewies die geradezu großartige Betheiligung an der Feier der Enthüllung seines Denkmals, die um halb neun Uhr früh durch den von einer Abtheilung der Carl'schen Kapelle gespielten Beethoven'schen Trauer- marsch eingeleitet wurde. Darauf hielt Genosse Oertel eine kurze Ansprache, in der er die Verdienste des so früh Dahingegangenen um die Sache des kämpfenden Proletariates in be- wegten Motten hervorhob; bei seinen letzten Worten fiel die Hülle, durch die grauen Wolken des Herbsthimmels brach ein Sonnenstrahl und beleuchtete die vorzüglich gelungene Büste unseres Karl. Nach dem von den Arbeiter-Gesangvercinen vorgetragenen ergreifenden Grablicd von Prcczang folgte noch ein Traucrmarsch der Musikkapelle, worauf die etwa 20 000 zählenden Thcilnehmcr an dem Denkmal vorbeidefilitten. Trotz des großen Andranges fand nicht die geringste Unordnung statt, da unsere eigene„Polizei" vorzüglich fuuktionirte. Das Denknml selbst ist eine Zierde des Friedhofes und fällt schon vom Hauptciugang ans in die Augen. Zu ihm führen zwei Stufen ans Eggcr Granit empor, auf dem sich der Aufbau auS röthlichcm, gestocktem Granit erhebt. Darauf ruht die vorzüglich gelungene, von Prof. Schtvabe modellirte und in der Lnnz'schen Erz» gießerei gegossene Büste. In einer Nische des Aufbaus steht die Urne, die die Asche des Verstorbenen enthält. Das Denkmal wird ein Wallfahrtsort für die Nürnberger Ar- beiterschaft bleiben, die dem Manne, dessen Ueberreste dArt ruhen, so viel zu verdanken hat. politische Mebeestcht. Berlin, den 24. Oktober. Das Egyptische Schwindelattentat. Der„Reichs- Anzeiger" weiß auch heute nichts von einem wirklichen, d. h. echten Komplott gegen das Leben des deutschen Kaisers. Und die„Kreuz-Zeitung" befindet sich in solcher Verlegenheit um Stoff für das geplante Anarchistengesetz, daß sie heute auf den— B a k u n i n gekonimen ist. Daß Bakunin schon vor 23 Jahren von dem internattonalen Sozialdemokraten Marx a b g e t h a n worden ist, während die internationale Polizei ihn noch heute als Vogelscheuche in Spiritus ans- bewahrt, das scheint die„Kreuz-Zeitung" vergessen zu haben. Ilebrigens bedarf es für einen vernünftigen und aiiv ständigen Menschen gar keines Nachweises, daß das Koniplott — unecht ist. Der Nachweis wird durch niemand airdews als den deutschen Konsul von Hartmann selber erbracht, der ein sehr unkrittschcr Kops zu sein scheint und seinen Bericht so abgefaßt hat, daß seine naive Leichtgläubigkeit aus jeder Zeile herausschaut. Sogar ein gemäßigt liberales Blatt wie die „Saalc-Zeitung" hat dies herausgesunden. Sie schreibt: „In der amtlichen Mitthcilrmg des kaiserlichen Konsuls in Alexandrien über das von italienischen Anarchisten geplante Koniplott gegen das deutsche Kaiserpaar muß eine Stelle ganz besonderes Bedenken erregen. Es wird nämlich gleich in der Einleitung zugegeben, daß man den in Kairo be- schlossencn Plan der Anarchisten ernnttelt habe, bei Ankunft deS deutschen Hcrrscherpaarcs in Kairo das Bombcuattentat auszu» führen. Dieser Plan sei aber in einer späteren Versammlung der Anarchisten abgeändert worden, nachdem die veränderten Reise» Pläne der deutschen Majestäten bekannt geworden seien. Also man hatte— anders ist das nicht zu verstehen—! K e n n t n i ß von den Beschlüssen der ersten Ver- saminlung, schritt aber nicht ein. sondern ließ eine zweite V e r s a ni m l u n g a b h a l t c n, in der dann den ver- änderten Dispositionen entsprechende Beschlüsse gefaßt werde» konnten. Warum nahm man dann aber die Verbrecher nicht unmittelbar nach der ersten Versammlung fest, in der der ver- brecherische Plan überhaupt beschlossen war? Wollte man etwa die Leute in Sicherheit cimvicgcn und sie inzwischen weiter beobachten, um dann im letzten Augenblick einschreiten z« können? Das wäre doch so verkehrt wie nur möglich gewesen;' denn wer hätte dafür bürgen wollen, daß nicht einzelne Mitwisser des Planes doch entkommen wären und ans eigene Faust zu handeln versucht hätten? Daß man nicht alle gebotenen Maß- nahmen in umfastender Weise getroffen hat, geht u. a. auch daran» hervor, daß man(nach siüheren Angaben der englischen Polizei) nur 17 Anarchisten feftgcnonimen hat und nach zwei weiteren noch fahndet. Dieser Punkt bedarf jedenfalls noch einer gründlichen Aufklärung." Einer„Aufklärung" bedarf es höchstens, wie die deutsche Regierung zu einem Konsul gelangt ist, der eine so krnnpro- mittirende Leichtgläubigkeit an den Tag legen, und einen so kompromittircnden Bericht schreiben konnte.— Der Kaiser über die Dreyfus- Zlffäre. Aus Kon- stantinopel wird mitgetheilt, daß bei dem Besuch Kaiser Wilhelm's in der deutschen Schule das Gespräch auch auf die Dreyfus-Affäre kani, wobei ein Vertreter der deutschen Kolonie bemerkte, drei Viertel des französischen Offizierkorps seien von der Unschuld Dreyfus' überzeugt, während nur die Offiziere des französischen Generalstabes auf seiner Schuld beharrten. Kaiser Wilhelm, so besagt die Mittheilung weiter, nickt« dazu zustimmend und sügte bei:„Das Sonderbarste an der ganzen Affäre ist, daß diese Kunden glauben, ich hätte wirklich Brief« an Dreyfus geschrieben, und daß Minister Hanotaux diese Briefe für 27 000 Franks gekauft hat." Diese Mittheilung trägt das Gepräge der Richtigkeit. Die überreizte Phantasie des militaristischen Klüngels in Patts wird natürlich in den Aeußerungen des Kaisers nur Anlaß zu neuen lännenden Kundgebungen und Beschuldigungen finden. Auch dürfte die Ausdrucksweise, die der Kaiser gegenüber den französischen Generalen beliebt haben soll— falls auch in dieser Hinsicht die Konstantinopeler Mittheilung ttchtig be- ttchtet— arg verstimmen. Gerade weil auch wir überzeugt sind, daß die Idee, Dreyfus habe für Deutschland Spionen- dienste geleistet, eine Wahnidee ist, hätten wir lieber gesehen, wenn nicht durch derarttge herbe Ausdtticke das schon übermäßig gereizte französische Nationalgefühl noch mehr erregt würde.— Siürti* tmb Neligio». Ituter bei" Ueberschrift„Die Cneuircife des Laisers" bringt die„Vossische Zeitung" in rhrer Sonntngsnnnrmer einen Leitartikel, der eine zur Heiterkeit anregende Darstellung gjebt, tvie die Wallfahrt des Kaisers naa) �ernsaleni im Grunde nur den Interessen der deutschen Handels, und Geschäftsivelt diene. „Vossische Zeitung" gehört nicht zu den Schwännern und Utopisten, die für diese Reise schwärmen, weil sie dem chrote>tantiLnius an der Wiege des Christenthums eine be- sondere Stärkung eriveise. Bei ihren rationalistischen An- schauungen, wonach ihr ein Portiönchen Religion zum Haus- georauch nicht vom Uebel erscheint, aber auch nur zum Hausgebrauch, ist ihr das Ziel unserer Frommen, das diese mit der Kaiserreise verbinden möchten. Hekuba. Von diesem emtrüst�t'un� aw� gegen die ausländische Presse W ir halten es für eine ungehörigeZu- muthung, daß wir unsere Interessen opfern sollen, um den europäischen Boden vom �zslam rein zu wasche n." Ganz einverstanden. Die Hauptsache ist das Geschäft und das Geschäft ist inten, ational und kennt weder Religion, noch Rasse, noch Hautfarbe. In Kleinasien hat die Deutsche Bank, an deren Spitze der freisinnige Herr Siemens und andere freisinnige Genoffen stehen,— und dieser Herr Siemens ist wohl auch derselbe, der als Direktor an der Spitze der vnatolischen Eisenbahn steht, als welcher ihn der Kaiser vor einigen Tagen nüt dem Kronenorden dekorirte— große Interessen wahrzunehmen. Und diese Art Interessen zu unter- stutzen ist der freisinnigen„Vossischen Zeitung" nicht Hekuba, das ist ihr als Kapitalisten-Organ vielmehr Herzens-, d. h. Jnteressensache. Aus dem gleichen Gesichtspunkte stand die„Voss. Zeitung" und die Mehrzahl der deutschen Kapitalistenorgane seinerzeit !!?. türkisch- griechischen Kriege auf feiten der„heidnischen" Türken wider die„christlichen" Griechen. Unter sothanen Umständen ist es aber auch in der Ordnung, daß die„Voss. Ztg." dem Satz aus der Stettiner Kaiserrede: „Unsere Zukunft liegt aus dem Wasser", lebhaft zustimmt, was konsequentertveise erfordert, daß die freisinnigen Politiker im Reichstage künftige Marinevorlagen aufs wohl wollend st e prüfen und ihnen nachher zustimmen. Uns kann das ebenfalls sehr recht sein; denn bei dieser EntWickelung wird auch dem blödesten Auge klar, daß nur die materiellen Interessen die Welt beherrschen und die Ideen und Parteirichtungen bestimmen, womit wieder schlagend die Richtigkeit der materialistischen Geschichts Auffassung dargethan wird, die Marx und Engels wissen fchaftlich begründeten.— Die Faschoda-Frage hat jeden beunruhigenden Charakter der- loreu. Oder richtiger: es stellt sich jetzt heraus, daß sie niemals einen ernsthast beunruhigenden Charakter gehabt hat, und daß ihr dieser imr theils von sensationslüsternen Journalisten, theils von mteressirten Politikern angelogen worden ist. Nachdem am Sonnabend schon einerseits die französische Regierung durch ein lrästiges Dementi der Nüstungsgerüchte. andererseits die englische Regierung durch Hinansschiebung der Parlamentssession um 14 Tage den Hetz» und Alarmgcriichtcn die Grundlage entzogen hatten, hat die stanzösische Regierung durch Veröffentlichung eines Gelb- buch s über die Mi ssion Marchan d's st, ach F a s ch o d a) den aktenmatzigen Beweis erbracht, dag es sich um einen Zwischenfall handelt, aus welchem einen Kriegsfall zu machen weder der französi- schen noch der englischen Regierung in den Smn gekommen ist. Der Sachverhalt ist in wenigen Worten: Als die Engländer vorigen Monat die Macht des Mahdi vernichtet und sich wieder in den Besitz des von Gladstone einst preisgegebenen Kar thum gesetzt hatten, stießen sie plötzlich in Faschoda auf eine Handvoll Franzosen unter Oberst Marchand, die sehr ver- dutzt waren. Marchand, über dessen Expedition die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet waren, hatte die stanzösische Flagge in der üblichen Form Rechtens soder Unrechtens) gehißt. Er weigerte sich selbst verständlich, die Flagge wieder herunterzunehmen. Und ebenso selbst. verständlich trieben es die Engländer nicht zu einer Gewaltthat, die den Krieg mit Frankreich bedeutet hätte. Beide Theile wandten sich an ihre Regierungen; und die beiderseitigen Regierungen fingen an zu verhandeln. Die englische Regierung stellte sich von vornherein auf den Standpunkt, daß Faschoda zu dem an den Mahdi zeit- weilig verloren gegangenen Territorium gehöre und nach dem Sturze des Mahdi an Egypten zurückgefallen sei, also an die eng- lische Regierung, welche die Rechte Egyptens vertrete. Der franzö- fische Minister des Aeußeren Delcasse erklärte in seiner ersten Note, durch den Verlust des oberen Nilgebiets an den Mahdi sei der An- spruch Egyptens erloschen. Diese völkerrechtlich unhaltbare Annahme, der die englische Regierung scharf widersprach, wurde von der stanzö- fischen Regierung sofort aufgegeben und ausdrücklich erklärt, daß die Rechtmäßigkeit der Besitzergreifung Faschodws durch Marchand keineswegs behauptet werden solle, daß der französischen Regierung aber nicht zugemuthet werden könne, Faschoda„ohne Diskussion" d. h. ohne eine Verhandlung über die gegenseitigen Territorial- Verhältnisse zu räumen. Und hierauf ist nach den letzten der veröffentlichten Depeschen der englische Ministerpräsident eingegangen. denn er forderte den franzöfischen Gesandten in London auf,„Vorschläge zu machen". Die englische Regierung ist demnach von der anfänglich gestellten Forderung, Marchand solle Faschoda räumen, ehe verhandelt werden könne, zurückgegangen, nachdem die stanzösische Regierung erklärt hatte, eine solche Forde- rung komme einem Ultimatum gleich. In diesem Stadium der Verhandlung befindet sich jetzt die Frage.— *«* Deutsches Reich. Vergessene Loyalität. Die deutsche Kaisenn feierte am letzten Sonnabend ihren 40. Geburtstag, wie nachträglich die bürgerliche Presse meldet. Vu Ehren dieses ihres Geburtstages waren am Sonnabend die vffentlichen Gebäude beflaggt, eine Beflaggung, über deren Bedeutung das Publikum sich den Kopf zerbrach. Der Geburtstag der Kaiserin scheint sogar infolge ihrer Abwesenheit von der Heimath— sie befindet sich bei ihrem Gemahl auf der Jerufalemreise— in der offiziösen und konservativen Presse über- sehen worden zu sein. Die sonst übliche» Huldigungs- und Glückwünschdarbrrngungen unterblieben gänzlich, nicht einmal ein Gedichtchen erinnerte daran.— Die preußische Zentral-GenossenschaftSkasse, die bekannte Bank für billigen agrarischen Kredit, hat in den letzten Tagen wieder einmal unliebsames' Auffehen erregt. Bei Gelegenheit des letzten Ultimos hat die Kasse nach einer Mittheilung des„Berliner Tageblatts" bei einer Berliner Bank tägliches Geld zu öVi pTt. geliehen, obgleich sie selbst ihr eigenes Geld zu 4 pCt. weggiebt. Als Bürg- schaft für dies Darlehen soll die preußische Zentral-Genossenschafts- kasse 500 000 M. Pfandbriefe einer anderen Hypothekenbank her- gegeben haben. Nach Angabe der„Frankfurter Zeitung" entnimmt die Kasse sogar fortgesetzt und für jedes Monatsende an der Berliner Börse große Geldsummen mit der Klausel täglicher Kündbarkeit zu hohen Zinssätzen, anscheinend Millionen bei einzelnen Stellen, so daß man nach dem genannten Blatte die an der Börse so entliehenen Gelder zuweilen auf 10—15 Millionen Mark zu veranschlagen hat. Der Zinssatz für tägliches Geld belaufe sich vor den, Monatsende oft bis zu 5 pCt, Man schließt aus diesen Geldoperationen der Zentral-Genonenschaftskasse, daß trotz der Er« höhung ihres Kapitals auf 50 Millionen Mark die Bank sich in stetiger Geldverlegenheit befinde. Der Vorwurf, der gegen die Bank erhoben wird.' besteht darin, daß sie. was für eine Bank mit ordentlichem Geschäftsbetrieb ganz und gar aus- gcschlosseu sein soll, ihren agrarischen Kunden das Geld zu billigerem Preise abläßt, als sie eS selbst erhält und verzinse» muß. Da die Direktion der Zentral-Genosten- I schastskasse bis heute noch mit keinem Wörtchen auf die Angriffe reagirt bat. so kann man wohl annehmen, daß die Angriffe auf ihre Geschäftsführung durchaus begründet sind. Die weitere Konsequenz ist dann aber die Frage, wer die Verluste, die der Bank durch ihre Manipulationen erwachsen, zu tragen hat. Und da kommen wir darauf hinaus, daß znguterketzt eben der preußische Staat für die Differenz wird eintreten müssen, die durch die billige Kredit- gewährung der Zentral- Genoffenschaftskasse einerseits und dem allgemeinen Preisstande des Geldes andererseits sich ergiebt. Der preußische Steuerzahler muß für den billigen Kredit der Agrarier aufkommen. Dank der finanziellen Gebarung der preußischen Zcntral-Genosscnschaftskaffe blüht das Geschäft_ der agrarischen Pnnzpgenoffenschasten lustig weiter; im preußischen Landtag wird die Rechnung in Gestalt eincS abermaligen Zuschusses an die Zentral-Genossenschafskaffe präsentirt werden. Im alten Rom gab es paues und circeMes sGeld-Spiele) für die Proletarier. Fin neuen Deutschen Reiche hält man sich die Agrarier durch Geldspenden und nationale Feste warml— Aenderung des Weiugesetzcs. Dem„Verl. Tagebl." zufolge finden im Dezember im Reichsgesundheitsamt kommissarische Berathungen wegen einer Revision des Weingesetzes von 1892 statt.— Keine Umfrage über die Lage des Kleinhandels. Der Zentralansschuß hiesiger kausmämnschcr. gewerblicher und industrieller Vereine hatte sich an den Handelsminister mit dem Ersuchen ge- wandt, eine staatliche Umfrage über die Lage des Kleinhandels zu veranstalren. Der Handelsminister hat gemeint, es sei nicht an- gängig, die Umfrage aus Preußen zu beschränken, der Reichskanzler aber hat Bedenken getragen, im Reiche eine Umfrage zu veranstalten, weil die Gewerbestcuer-Verhällnisse in den einzelnen Staaten ver- schieden seien.— Reiiommir-Anarchisten. Das Wort„Anarchist" hat bekanntlich unzählige Bedeutungen. Auf politischem Gebiet ist der Anarchismus ungefähr das, was die Influenza auf medizinischem. Wie für den Arzt alles, was er nicht definiren und klassistzircn kann, Influenza heißt, so nennt der Politiker oder Kannegießer jeden, der sich nicht definiren läßt. Anarchist. Vom milden„Theoretiker", der den Staat ans dem Papier vernichtet, aber beim bloßen Wort„Blut" in Ohn- macht fällr, und von dem noch milderen Praktiker, der mit Schulze- Delitzsch'scheii Konsumvereinen die kranke Zeit kuriren will, vis zu dem hcrostratischen Messerstecher oder Bomben- und Revolvennann, der seine Bestialität kokett in einen politischen Mantel hüllt, giebt es unzählige Abstufungen, Arten und Spielarten. Die häufigste Spielart ist aber ohne Zweifel der Renommir- Anarchist, der eine etwas zahmere Fortsetzung des 184ser„Fiirschtentvdters" ist. Ein Exemplar dieser, in allen Farben des Regenbogen» schillernden Spielart treibt in dem hier erscheinenden„Sozialist"(so genannt, weil er nicht sozialistisch ist) sein Wesen und schreibt in einem konfusen Artikel über das egyplische Polizei- Attentat: „Die sozialdemokratische Presse ist mit ihrem Urthcil über die Attentatsgeschichtc fertig. Sie hat ihre Schablone so gut wie die ihr feindltche Presse. Diese schreit bei solchen Gelegenheiten Zeter und Mordio über die verbrecherischen Neigungen der von der Sozialdemokratie erzeugten Anarchisten, und jene ist sofort bei der Hand, fast jedes Attentat, sicher aber jeden Attentatsplan als Polizeimache zu bezeichnen." Will unser Renommir- Anarchist(der Herr heißt— doch der Name thut nichts zur Sache) behaupten, die Anarchisten machten als Anarchisten derartige Attentate? Er würde vor Schreck wohl ohn- mächtig werden, wenn die Polizei ihn und seine Renommisterei ernst nähme.— Rückgang der Landwirthschaft in wachsen. Besonders stark ist seit dem Jahre 1880 die Venninderung der dem Landbau dienenden Bodenfläche gerade im Königreich Sachsen gewesen. Das vom sächsischen Ministerium des Innern herausgegebene Stasistische Jahrbuch verzeichnete für das Jahr 1880 noch eine landwirthschaft- sich produktive Fläche von 1015 218 Hektar, für das Jahr 1895 aber nur noch von 998 052 Hektar. Es hat mithin eine Abnahme um 10 500 Hektar oder 105�/z Quadratkilometer stattgefunden! Der größte Theil dieser dem Landbau verloren gegangenen Fläche an Acker- und Gartenland, Wiesen, Weiden und Weinbergen ist mit dem fortschreitenden Wachsthum der Städte und Jndustrie-Orte bebaut worden: 1880 betrug die Bersichcruugs- summe der sämmtlichcn Gebäude Sachsens bei der LandeSbrandkässe nocki nicht 3'Milliarden, heute hat sie bereits die Höhe von fünf Milliarden erreicht I Das sind mächtige Umgestaltungen unter dem Einflüsse unseres veränderten wirthschaftlichcn Lebens. Auch durch das alljährlich sich vergrößernde Eisenbahnnetz des Landes ist ein beträchtlicher Theil des Bodens seiner ursprünglichen Benutzung ent- zogen worden.— Wie man in NordschleSwig germanisirt. Der Faktor Trul, der Schrissietzer Berggillen und der Schriftsetzerlehrling Porst, sämmtlich dänische Unterthanen und in der in Hadersleben erscheinen- den Zeitung„Dannevirke" beschäftigt, sind,„weil lässig gefallen", aus dem preußischen Staatsgebiet auSgelviesen worden.— Gewissenszwang. Aus D a n z i g wird der„Voss. Ztg." ge- schrieben: Die hiesige Regierung hat an die polnischen Lehrer ihres Bezirks eine Verfügung erlassen, die den Lehrern ihre Haltung im Ratio nalrtätenkampfe vorschreibt. Bei allen Wahlkämpfcn zwischen Deutschen und Polen sollen die Lehrer nicht wie bisher lau beiseite stehen und sich der Abssimmung enthalten, sondern für de» deutschen Kandidaten stimmen. Ferner sollen die Lehrer ihre Kinder nicht in de» polnischen ersten Koninmnikanten-Unterricht tKonfirnranden-Unterricht) schicken, sondern in den deutschen, und energische Schritte dagegen thun, daß ihre Frauen mrd Kinder zu Hause und im Verkehr sich noch immer der polnffchen Sprache bedienen. Man stellt also die polnischen Lehrer Preußens vor die Wahl: Entweder du verleugnest deine Nattonalität, deine Vatcrsprache, deine Abstammung, oder du wirst aus Amt und Brot gejagt! Es fehlt uns die Möglichkeit, ein derartiges Vorgehen der preußischen Regierung in parlamentarischen Fornieuzu charakteristren. ?ur Fleischnoth. Der Verband württembergischer ächterme ister hat beschlossen, in Sachen der Fleisch- theuerung eine Bittschrift an die Reichstags- Abgeordneten zu richten, in welcher namentlick darauf hin- gewiesen wird, daß sich durch die erschwerte Vieheinfuhr die Einfuhr in gesundheitlicher Beziehung bedenklicher amerikanischer Fleisch- waaren bedeutend gesteigert habe. Die Bitte an die Abgeordneten geht dahin, sie möchten darauf wirken, daß die Zufuhr lebenden Viehes nicht mehr.j als es der gesundheitliche Zweck erfordere, er- schwert werden solle. Aus Elsaß- Lothringen, 23. Oktober.(Eig. Ber.) Der Gemeinderath von Metz sprach sich einstimmig zu guiisten einer Petttton aus, welche die dortige Fleischerinnung zum Zwecke der Aufhebung des Vieheinfuhr-VerbotS ans Frankreich an die zuständige Reichsbehörde richten will. Der italienische Erdarbeiter Hyacinth Ferraroni, der bisher in Straßburg in Arbeit gestanden hatte, ist, angeblich ivegen anarchistt- scher Umtriebe, aus Elsaß-Lothringen ausgewiesen worden.— Chronik der Majestätsbcleidigungs- Prozesse. Aus Furcht vor der ZwangS-ErziehungS-Anstalt hat sich der jugendlich» Vagabond Friedrich Conrad der MaieftätS- beleidigung ichuldia gemacht. Heute stand derselbe vor der zweiten Strafkammer am Landgericht Ii. Der Ivjährige junge Mensch war vor drei Fahren wegen seiner ausgeprägten Neigung zum Vaga- bondiren in der Zwangs-Erziehungs-Anstalt Wabern eingesperrt worden. Im August gelang eS ihm, von dort zu entweichen. Nach vierwöchentlicher Wanderung kam er nach Rixdorf, wo er auf- gegriffen und bis zu feinem Rücktransport tm«mtsgefängnisse untergebracht wurde. In seiner Zelle stieß er in Anwesenheit der Frau des AmtSdiencrs, die ihm das Esten brachte, schwere Maie- stätsbeleidigungen ans. Die Frau erzählte dicien Vorfall ihrem Mann, der den Gefangenen zur Rede stellte. Derselbe wieder- holte die Beleidigung noch einmal. Vor Gericht gab er an, dag er die beleidigenden Worte ausgestoßen habe, um ins Gefängniß zu kommen und nicht wieder in die Erziehungsanstalt zurück zu muffen. Dieser Wunsch wurde ihm nur für kurze Zeit erfüllt, denn das Urthcil lautete auf dreiMonateGefänaniß. Die„Magd. Volksst." schreibt: In nicht öffentlicher Sitzung des Landgerichts Magdeburg wurde der vielmals besttafte, auf der Wander- schaft begriffene Schlosser Adolf Schlottig, geboren 1857, wegen Majestätsbeleidigung und Hausfriedensbruchs(begangen im Gasthof „Zum Deutschen Kaiser" in Fermersleben am 2. September d. J.) zu einem Jahre und einer Woche Gefängnitz verurtheilt. Die Blätter, denen wir diese Nosiz enttiehmen, übersehen aber, daß der Verur- theilte, um von der Landstraße weg in das Zuchthaus zu kommen, die beleidigende Aeußerung ausgestoßen hat.— Oesterreich. Wien, 22. Oktober. Ein Communiqus der deutschen Fortschritts- Partei stellt fest, daß die Partei heute ebenso, wie stets seit dem Erlasse der Sprachenverordnungen auf dem Standpunkte des ent- schiedensten Widerstandes gegen die Regierung verharre, da die Ursache ihrer Opposition noch immer nicht beseitigt sei. Die gegen- wärtige Kampfesweise der Partei sei lediglich die Fortführung des entschiedensten Widerstandes. wenn auch mit geänderter Taktik. Ein Volksgenosse, der mitten im großen Ringen um die nationale Einheit des deutschen Volkes angesichts der geschlossenen Reihe der Gegner wegen taktischer Fragen die Fackel der Zwietracht in das eigene Lager schleudere, handele zum offenbaren Schaden seines Volkes. Die deusiche Volkspartei halte an der Einigkeit in der nattonalen Verthcidigung unverbrülblich fest und die deutschen Ab- geordiieteii vertrauten auf den oft erprobten gesunden Sinn ihrer Wählerschaft. Diese Erklärnng richtet sich gegen die nattonalen Exaltados der Gruppe Schönerer, die, ohne daß sie es in ihrer Herzcnseinfalt be- greifen, die Geschäfte des Grafen Thun besorgen und damit den Äbsolusismus vorbereiten.— Die Pestfälle i» Wien haben wieder einmal allen bösivilligen Dummköpfen Gelegenheit gegeben, einen energischen Feldzug gegen alles, was wificnschastlichen Fortschritt heißt, zu führen. Man hat plötzlich die große Gefahr entdeckt, die in der Hanlirung mit solch' furchtbaren Bazillen für die ganze Bevölkerung enthalten ist. Gewiß, es gehört zu den gefahrvollsten Aufgaben des ärztlichen Standes, sich mit den Batterien, diesen schrecklichen Feinden der Menschheit, zu befasseil. Aber dieser Zweig medizinischer Forschung hat sich als un- gemein fruchtbringend erwiesen, wobei nicht vergessen werden darf, vaß wir erst in den Anfängen dieser Wissenschast stehen. Unter gewöhnlichen Umständen") bleibt die Befahr der Ansteckung durchaus auf die wenigen im betteffcnden batterioloaischen Institute beschäfttgten Personen beschränkt; schon das eigene Interesse zwingt sie, sich der peinlichsten Sauberkeit und der größten Vorsicht zu be- fleißigen. Schon diese Voraussetzung trifft bei dem ersten Opfer der Pest nicht zu. Wie jetzt gemeldet wirb, war der sonst sehr verwend- bare Jnstittitsdiener Bartsch ein sogenaintter Quartalssäufer, und gerade in der Woche, in der er sich seine Krankheit holte, war er iviedcrholt betrunken. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß er in dem Zustand der Trunkenheit leichtsinniger als sonst seinen ver- antwortullgsvollen Dienst verrichtete. Noch ein zweites kommt da hinzu. Der Mann ivar überarbeitet; durch die unglaubliche Knickerei der Staatsbehörden sind die Diener zur ständigen Ueber- arbeit genöthigt; Barisch mußte in den letzten Tagen, wo er noch im Dienste war, auch die Leichenwache übernehmen I Uebcrhanpt trägt die Hauptschuld an solchen Borkommniffen die Regierung, die für die wichttgsten Gesundheitszwecke kein Geld übrig hat und die Krankenanstalten einfach verwahrlosen läßt. DaS betreffende Institut ist niitten im Allgemeinen Krankenhause unter- gebracht; der skandalöse Zustand, in dem sich dieses Kranken« Haus befindet, die kleinen imzureichenden und niemals gründlich zu reinigenden Säle, die mangelhasten wissenschaftlichen Behelfe, die AuSbeutting aller Augestellten(einschließlich der Aerzte) machen die Anstalt zu einer permanenten Gefahr für Aerzte und Kranke. Die Regiernng beaustragt Männer der Wissenschaft, Studien über die Pest zu machen, ohne ihnen die erforderlichen Mittel hierfür zur Verfügung zu stellen. Mutzten doch die zu den betreffenden Versuchen benöthigten Thiere in einem offenen Stall mitten in der Krankenanstalt untergebracht werden I Daß bei entsprechenden Vorkehrungen kein Unglück zu befürchten ist, zeigt ja Dr. Müller selbst, der ebenfalls der Pest erlegen ist. In Indien, im Seuchenherd selbst, hielt er sich wochenlang zum Studium der Pest auf— wir erwähnen zur Charakterissik der öfter- reichischen Untcrsichtsverwaltung, daß der todeSmuthige Gelehrte erst nach langwierigen Verhandlungen und Pettttonen ein kleines Honorar dafür erhieU; er lehrte glücklich in seine Heimalh zurück.; in Wien erliegt er der Ansteckung, die er sich durch die Behandlung des kranken Dieners, durch die Ueber- anstrengnng und Aufregung geholt. Es ist fast ganz sicher, daß im schlimmsten Falle mir noch die eine kranke Wärterin die Schuld anderer mit ihrem Leben wird bezahlen müssen; eine Weiter« Verbreitung wird nicht mehr erfolgen, da man jetzt alle nöthigen Vorsichtsmaßregeln anwendet. Freilich, unmöglich gemacht können solche traurigen Vortommniste nur durch eine gründliche Um- gestaltung unserer medizinischen Anstatten werde». Schon vor Jahren hat Genosse Perner st orfer im Reichsrath die angeführten Uebelstände in schonungsloser Weise aufgedeckt; es wurde sogar ein eigener Ausschuß zur Untersuchung«ingesetzt, aber die ganze Geschichte»st eingeschlafen und eS blieb alles beim alten. Jetzt, in der drängenden Roth des Augenblicks, greift man zu Berfügungen, die für den Augenblick zu einschneidend, für die Zukunft ganz unzweckmäßig und wirttmaslos sind: nicht mit der Unterdrückung ärztlicher Forschung, die der christlich- soziale und klerikale Pöbclhause mit dem Machtbewußtsein der Dummheit fordert, sondern mit ihrer Ermöglichung und Förderung ist das Wohl der Gesammtheit verknüpft.— Ueber daS Ergebniß der Ernte wird amtlich gemeldet: Die Getreide- Ernte ergab im heurigen Jahre ein zufriedenstellendes Ergebniß. Nur bei Gerste waren die Erträgnisse mitunter gering und hat auch die Qualität oft zu wünschen übrig gelassen. Die Mais-Ernte ist als eine im Durchschnitte kaum mittelmäßige zu be- zeichnen. Bei der Kartoffel-Emte sind nur Erttäge unter dem Mittel zu verzeichnen.— Prag, 23. Ottober. Am unteren Wenzelsplatze wurden heute zlvei Studenten von mehreren Personen angegriffen. Eine derselben wurde verhaftet, eine andere entkam trotz der Verfolgung. Die er- regte Menge wandte sich hierauf gegen einen Konnnis, welchen sie bis zu dem Lokale des deutschen Handwerkervereins verfolgte, wohin der Kommis sich flüchtete. Die Polizei verhinderte weitere AuS- schreitnngen. In der Obstgasse wurde ein Schuhmachergehilfe ver- haftet, weil er cinen Studenten mit einem Stocke geschlagen hatte. Abends wurde ein Trupp junger Burschen, die singend durch die Taborgaste zogen, von der Polizei zerstreut. Zwei Verhaftungen wurden vorgenommen.— Prag, 24. Oktober. Im Rathhause fand eine von etwa 10 000 Personen besuchte Verffanuntting unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Dr. Podlipny statt; dieselbe nahm eine Resolution an. m welcher zur Befriedigung eines kulturellen Bedürfnisses die sofortige Errichtung einer czechischen Universtlät in Mähren ver- langt wird. Schweiz. Bern, 24. Oktober. Bei der Eröffnung der außerordentlichen Session der Bundesversammlung sprachen die Präsidenten beider Räthe ihre Entrüstung über das Attentat Luccheni'S *) Wir verweisen auf den Aufsatz im heutigen„UnterhaltungS- blatt". Anm. b. Red. miZ. Beide Nnihe erhoben sich zum Zeichen der Sympathie mit dem österreichischen Kaiserhause und Volke von den Sitzen. Voraus- sichtlich wird im Nationalrath der Antrag eingebracht werden, der Bundesrath solle den Nicderlassungsvertrag mit Italien kündigen, damit durch einen neuen Vertrag der Schweiz das Recht eingeräumt werden könne, von den in der Schweiz sich aufhaltenden Italienern die Beibringung eines Leumundszeugnisses zu ver- langen.— _ Anarchistisches. Die„Züricher Post" bespricht das von den italienischen Rcgierungs- Anarchisten der«internationalen A n a r ch i st e n- K o n f e r e n z" zugedachte bekannte Programm und erklärt dasselbe für die Schweiz als u n d i s k u t a b e l. � Dasselbe Blatt bemerkt zu der Nachricht der letzten Tage, daß in Fiume zwei von der italienischen Polizei ver- folgte italienische � Anarchisten aus der„Gruppe L u c ch e n i" verhaftet worden seien:„Ans der Gruppe Luccheni?" Bis jetzt wußte man nur, daß Luccheni keine Komplicen hatte. Die italienische Polizei aber kennt eine„Gruppe Luccheni"? Hat sie diese nicht schon vor dem Attentat gekannt? Es iit sehr nothwendig, den Verlogenheiten und Schurkereien der italienrschen Polizei und ihrer Spitzel auf den Grund zu gehen. Die„Züricher Post" hat an die Regierung die Frage gerichtet, ob es wahr sei, daß der Schurke Santoro in ihren Diensten ge- standen? Da bis jetzt keine Antwort erfolgte, erklärt das Blatt, von dem zwei Redakteure im Kantonsrath sitzen, man wird sich in dieser Behörde die Antwort der Regierung holen.— Frankreich. Als echte Fricdeuspartei handeln jetzt wieder in Front- reich die Sozialisten. Einmllthig mit allem Nachdruck protestirt die sozialistische Presse gegen das venverfliche Treiben der Chauvinisten, die, um im Trüben fischen zu können, aus Leibeskräften zum Krieg gegen England Hetzen. Es zeigt sich hier wieder, welche Gefahr ftir den Weltfrieden in dem übertriebenen Nationalgefühl liegt, und wie nothwendig die Erkenntniß der internationalen Solidarität ist, um dieses Gefühl im Schach zu halten. Der wüsteste Kriegshetzer jetzt in Frankreich ist natürlich der toll gewordene Rochefort.— Paris, 23. Oktober. Heute Nachmittag fand im Saale Chahnes eine vom sozialistischen lleberivachungs-Koniitee einberufene Versammlung statt. Etwa 1000 Personen waren anwesend und alle Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung getroffen. Scbastien Favre hielt eine Rede, in welcher er sagte, die Stnude sei gekommen, männliche Entschlüsse zu fassen, denn man plane einen Staatsstreich. Auf die Dreyfusfrage übergehend griff er den Generalstab an und tadelte heftig die Haltung von Dsroulede, Drumont und Rochefort. Die Versammlung nahm eine Tagesordnung an, in welcher alle Bürger aufgefordert werden, sich gegen die Reaktion zu vereinigen und sich zu verpflichten, die Revolution und die Freiheit gegen die Reaktion am 25. Oktober zu vcrtheidiaen. Die Versammlung ging sodann ohne irgend einen Zwischenfall auseinander. Paris, 24. Oktober. Morgen werden strenge Maßregeln er- griffen werden, um den in Aussicht gestellten Kundgebungen vor dem Palais Bourbon zu begegnen. Auf öffentlichen Wegen werden keine Ansammlungen geduldet werden; jede Zusammenrottung soll sofort auseinander getrieben und jedermann, der auftührerische Rufe aus- stößt, verhaftet werden.— Spanien. Madrid, 24. Oftober. Von der Ministerkrisis. Mehr- fach waren hier Gerüchte von einer Demission Sagastws im Umlauf. Mit diesen Rücktrittsgerüchte» wurde auch die viel bemerkte Unter- rcdung der Königin« Regentin mit dem General Polavieja in Zu- sammenhang gebracht. Dieser soll jedoch erklärt haben, er könne vor dem definitiven Friedensschluß nicht die Bildung eines MinisteriuntS übernehmen. Andererseits meldet der„Jmparcial", der Kriegsminister habe geäußert, Sagasta werde erst demissioniren, wenn die Regierung die Haltung des Madrider Generalkapitäns mißbilligen sollte. einstwetleu habe er die Einreichung seines Entlassungsgesuches verschoben. Es bestätigt sich, daß der Kricgsminister Correa die Absicht hat, seine Demission zu geben! er wird dies aber thatsächlich erst thun nach einer auf heute Vonnittag anberaumten Besprechung mit Sagasta. Die Anhänger des Ministeriums hoffen, daß es Sagasta gelingen werde, die Krisis zu beseitigen. Der Generalkapitän, welcher sein Abschiedsgesuch eingereicht hat, ersuchte den Kriegsminister dringend, die Genehmigung des Gesuches zu bewirken. Die Demissionen einiger Freunde Gamazo's werden erwartet.— Madrid, 23. Oktober. Die Räumung Kuba's und P o r t o r i c o's. Generalj Blanco erklärte, die Räumung Kuba's könne vor dem 1. April 18Sg nicht vollzogen sein. Werde die Re- gierung von ihm eine schnellere Räumung verlangen, so würde er sofort um seinen Abschied einkommen. Wie der„Jmparcial" meldet, erhielt die Regierung ein Telegramm aus Portorico, wonach die Amerikaner einem spanischen Schiffe, welches in Havana Kranke auf- nehmen sollte, den Befehl ertheilten, die noch auf Portorico ge- dliebencn spanischen Truppen an Bord zu nehmen. Der spanische Kapitän habe erfolglos protestirt. Italien. Rom, 21. Oktober.(Eig. Ber.) Der Prozeß gegen M a c o I a, der den beliebten Führer der Radikalen Cavallotti mi Duell tödtete, hat, wie der Telegraph bereits gemeldet, mit der Verurtheilung des- selben zu einem Jahre Haft geendet. Der öffentliche Ankläger hatte 3 Jahre beantragt und plädirte mit großem Eifer. Macola sein Erzreaktionär) habe schon lange einen tiefen Haß gegen Cavallotti gehabt und alles mögliche gethan, um diesen zu beleidigen und so zum Duell zu zwingen. Den Sekundanten Macola's wurde der Vorwurf gemacht, daß sie die erschwerenden Bedingungen beim Duell berbeigeführt haben, wissend, daß Macola dabei im Vortheil sei. Nach allem, was wir jetzt von der Justiz gewohnt sind, kann die Verurtheilung immerhin als bemerkenswerth gelten. Freilich, wie lange wird es dauern, und eine Amnestie wird der Gefängnißstrafe, die man für den Duellmörder so schon nicht allzu hart gestalten dürfte, ein Ende machen.— Rom, 23. Ottober. Wie auf der Konsulta verlautet, wird die internationale Anti-Anarchisten-Konferenz am 15. No vember zusammentreten. Rußland. Russisches Gold für die Rcichsbank. Eine sehr intercffante Nachricht tomint der„N. Fr. Pr." aus London zu und hat folgenden Wortlaut: Abends zirkulirte hier das Gerücht, die Russische Neichsbank habe der Deutschen Reichsbank einen großen Betrag in Gold zur Verfügung gestellt. Die Anhäufung riesiger Goldbestände in der Russischen Reichs- bank ist jedenfalls ein merkwürdiges Zeichen für die Währungspolitik Rußlands.— Asien. Der Kaiser von China soll nach einer Meldung des„Reuter- scheu Bureaus aus Peking vom 22. d. M. an einer unheilbaren Niercnkrankheit leiden; jedoch könne sich die Krankheit noch längere Zeit hinziehen. Der französische Arzt, welcher den Kaiser unter- suchte, habe eine leichte Affektion der linken Lunge festgestellt.— Amerika. Aus Ottawa wird der„Int. Korr." über ein Panama im neuen Goldlande gemeldet: Die kanadische Regierung verfügte die Amtsentsetzung sämmtlicher höheren Vcrwaltungsbeamten in, Nordwestterritorium, da dort fast unglaubliche Unterschlagungen festgestellt wurden. Es soll sogar seitens der Polizei eine Räuber- bände organisirt worden sein, welche die Goldgräber �überfallen und ausplündern sollte. Sowohl im Uukon-Bezirk, als auch an den Grenzstationen der Skagway-Bucht und am Weißen Paß sind der- artige Vorkommnisie an der Tagesordnung gewesen. Die kana« dischen Beamten beschuldigen allerdings die Beamten der Ver- einigten Staaten, Betrügereien in noch weit höherem Maße verübt zu haben.—' Preußische Lnudtagswahlen. Eine Gelchrtcn-Rebcllio». Eine höchst unangenehme Bescheeruug wird der. konservativen Partei noch kurz vor der Landtagswahl zu theil. Im Wahlkreise Teltow-Beeskoiv- Charlottenburg fordern eine Anzahl regierungstreuester Männer, die noch bei der letzten Reichstagswahl durchweg konservativ gewählt haben, die Wähler auf, bei der Landtagslvahl nicht konservativ zu wählen. Der Aufruf lautet: „Die diesmaligen Landtagswahlen setzen viele patriotisch und königstreu gesinnte Männer in schwere Verlegenheit. Von den Parteien, die die Staatsregiernng zu unterstützen pflegen, haben die konservative und freikonscrvative Partei jüngst in wichtigen Fragen eine Haltung eingenommen, die den besten Traditionen des preußischen Staates direkt entgegengesetzt ist. Zumal gcwisie Führer dieser Parteien haben ihre Thätigkeit in den Dienst besonderer Wirthschafts- und Klassen- interessen gestellt, haben die Staatsregiernng von dem Gesammt- interesse ab auf ihren Klassenstandpunkt zu drängen gesucht, haben die sozialpolitischen Ziele, die diese Parteien selbst früher verfolgten, umgedeutet und theilweise fast in ihr Gcgentheil verkehrt, haben endlich die auf das allgemeine Beste gerichtete Meinungs- bildung und Ueberzeugungsfreiheit des Beanitcnthums und über- Haupt der gesammten gebildeten und wissenschaftlichen Kreise einzuschüchtern versucht. Unter diesen Umständen wäre es höchst gefährlich, es würde unser Staatslvesen schä- digen und die königliche Staatsregiernng in ihren Be- strebungen oft nicht unterstützen, sondern stören und hemmen, wenn etwa das zu wählende Abgeordnetenhaus eine konservative Majo- rität zeigte. Die entgegengesetzte Gefahr, daß die Parteien der grundsätzlichen Opposition die Majorität erlangen, ist thatsächlich heute für das Abgeordnetenhaus nicht vorhanden. In Erwägung dieser augenblicklichen Lage richten die Unterzeichneten, die bei der letzten Reichstagswahl sämmtlich für den konservativen Kandidaten gestimmt haben, an alle Wähler unseres Wahlkreises, welche das Gesammt- interesse des Vaterlandes höher stellen als die Partei- und Klasseninteressen, die Bitte, bei der bevorstehenden Wahl zum Abgcordnctcnhause die konservative Partei nicht zu unterstützen. Wir haben die Ueberzcugnng, daß in der gegenwärtigen Lage ein derartiges Verhalten dem Äohle des Staates und der Monarchie am besten entspricht. A. E. Berner, Prof., Geh. Just.-Rath. L. Bernhardt, Fabrikbesitzer. H. Delbrück, Prof. Duddenhausen, Wirkt. Geh. Rath. E. Eck. Prof. P. v. Elpons, Gen.-Maj. z. D. Fr. Gebauer, Fabrikbesitzer. Giercke, Prof., Geh. Just.-Rath. Gleim, Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath. Ad. Harnack, Pros. Graf P. v. Hoensbroech, Heransgeb. d.„Tägl. Rundschau" u. d.„Deutsch. Wochcnbl.". Kahl, Prof., Geh. Justizrath. E. Lehweß, Senats- Präs. arn Kamnrergericht. G. Reimarus, Reg.-Baunrstr. Richter, Generallieut. z. D. Dr. E. Rose, Geh. Med.-Rath. Jul. Rütgers, Fabrikbesitzer. E. Schnitzlcr, Fabrikbesitzer. Schmoller, Prof. Dr. Waldeher, Prof., Geh. Mediz.-Rath.' A. Wiebe, Wirkl. Ge- heimer Rath." So weit hat es die konservative Schandwirthschaft gebracht, daß selbst die„loyalsten" Leute, die dem politischen Kampf gern zaghast ausweichenden Professoren und Geheimräthe der Partei, die sie bisher stets unterstützt, den Absagebrief schreiben. Freilich, eine größere Wirkung auf den Gang der Wahlschlacht wird diese Gelehrtenrebellion nicht ausüben können. Dazu kommt sie schon viel zu spät. Hätten die gelahrten Herren, welche jetzt das allgemeine Staatsintcrcsse gegen das konservative Kliqueninteresfe ausspielen, ihren staatsbürgerlichen Pflichten ernst- lich nachleben wollen, so mußten sie schon längst das Tisch- tuch zwischen sich und dem modernen junkerlichen Raubrittcrthum zerschnitten haben. Das, was sie jetzt thun, ist nichts weiter als ein Versuch, ihre politische Ehre im letzten Moment noch von dem Schandfleck zu säubern, daß sie an der Herstellung einer konservativen Reaklionsalleinherrschast mitgewirkt hätten. Zweifelhaft ist aber auch, ob die Erklärung der Delbrück und Schnwller, der Gierke und Waldeher auch nur im Teltow-Beeskower Wahlkreis günstige Folgen haben wird. Unsere Gelchrtenaristokratie hat das schmählichste aller schmählichen Wahlsysteme, das preußische Drciklassen-Wahlsystem mit feiger Duldung je und je ertragen, jenes Wahlsystem, dessen Ungerechtigkeit allein die konservative Aus- beutungs- und Klassenherrschaft möglich macht, dessen Unsiunigkeit es den Lkonservativen ermöglicht, auch der Gegnerschaft der Ge- lehrten und Ideologen zu spotten.— Erbauliches aus Charlotteuburg. Das D r e i k l a s s e n- W a h l s y st e m hat besonders merk- w ü r d i g c W i r k u n g e n in Charlottenburg hervorgebracht. In zwei Urtvahlbezirken besteht die ersteWählerabthcilung aus einem einzigen Urwähler. Es ist dies der dritte, die Sophie-Charlottenstratze, und der 04., die Hardenbergstraße, in der EugenRichter wohnt. In zwei Bezirken, dem 16., der Spandaucr- straße, und dem 67., der Gegend der Technischen Hochschule, besteht die erste Abtheilung aus zwei Wählern. In vier Bezirken sind ze drei Urwähler in der ersten Abthcilung. Im Durchschnitt von ganz Charlottenburg hat die Stimme eines Wählers der ersten Abtheilung viermal so viel Gewicht wie die eines Wählers in der zweiten, und 35 mal so viel als die eines Wählers der dritten Ab- theilung. Von den 35872 Urwählern Charlottenburgs gehören 911 der ersten, 3484 der zweiten und 31 477 der dritten Abiheilung an. Diö Gcsammt-Steuersumme dieser Wähler bettägt 4 976 268 M. Den höchsten Steuerbetrag zahlt ein Wähler der ersten Abtheilung in der Gegend der Technischen Hochschule mit 49 806 M. Im 29. Wahlbezirk(Kurfürstenstraße) beginnt die zweite Abtheilung mit 12 III M. Steuer, die dritte mit 5296 M. Steuer, während im 7. Bezirk(Christstraße) der überhaupt am höchsten Besteuerte nur 416 M. Steuern zahlt.— Das Uebereinkomme« zwischen Freisinn und National- liberale» im Kreise Te lt o w- B e e s k o w ist von einer Charlotten- b u r g e r Urwähler-Versanimlung gut geheißen Wördens Im Potsdamer Laiidtags-Wahlkreise werden die sozialdemokratischen Wähler nach einem Versamnllungs- beschluß für den freisinnigen Kandidaten Dr. Mugdan eintreten, wenn Herr Dr. Mugdan sich verpflichtet, für den Fall feiner Wahl im Landtage mit Energie für die Einführung des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Laudtags-Wahlrechts einzutreten und daselbst alle Maßnahmen entschieden zu bekämpfen, die geeignet sind, die bestehenden Volksrechte im Einzelstaat weiter zu schmälern oder zu beseittgen. Das Bureau wurde beauftragt, diesen mit 80 gegen 45 Stinimen angenommenen Beschluß dem Herrn Dr. Mugdan zu unterbreiten und den event. Bescheid in der„Brandenburger Zeiwng" zu veröffentlichen. Dr. Mugdan hat, wie die Blätter melden, die Zusage gemacht, in obigem Sinne im Landtage zu wirken. Im Landtags- Wahlkreise Brandenburg- Westhavelland- Zanch- Belzig, welcher drei Abgeordnete zu wählen hat und sich bisher im kon- servativen Besitz befand, haben die Nationalliberalcn mit den beiden freisinnigen Parteien ein Kartell geschlossen. Zwei von den Kandi- baten sind bereits definittv aufgestellt und zwar der Reichstags- Abgeordnete Kaufmann Blell aus Brandenburg, ivelcher der frei- sinnigen Volkspartei angehört, und der nattonalliberale Fabrikant Heidepriem aus Rathenow. Ueber den dritten Kandidaten hat man sich bisher nicht einigen können, weil die Brandenburger den Guts- besitzer Papendiek aus Dahlheim bei Königsberg i. Pr., die Zauch- Belziger den Dr. Frankel aus Südende ausstellen wollten. In Elbing beschloß eine sozialdemokratische Parieiversammlung nach einem Referat B o tts ch a l k' s aus Königsberg einstimmig, sich an der Landtagslvahl nicht zu betheiligen. Bestimmend für diesen Beschluß war, daß an die Ausstellung eigener Wahlmänner in Elbing bei der wirthschaftlichen Abhängigkeit der überwiegenden Mehrheit der Arbeiter nicht zu denken sei, daß aber eine Unterstützung des liberalen Mischmaschs weder von diesen, verlangt, noch auch für einen nberzengtcn Sozialdemokraten möglich sei. Der Landtags-Wahlbczirk Breslau hat diesmal 75 192 Urwähler gegen 65 950 Urwähler im Jahre 1893. Davon gehören 1592 der ersten, 5509 der zweiten und 68 091 Urwähler der dritten Abtheilmig an. Der Oberbürgermeister Herr Bender Ivählt in der dritten Abtheilmig. I» Ohlau tu Schlesien nahm eine von unseren Parteigenossen einberufene Volksversamm- lung von der selbständigen Betheiligung als aussichtslos Abstand. Dagegen wurde beschlossen:„Sollte bie freisinnige Volkspartei ernst- lich in den Wahlkampf eintreten und sie sich wegen Unterstützung an uns wenden, so stimmen die Parteigciwsscn für die Wahlmänner der Freisinnigen." Als sozialdemokratische Laudtags-Kaudidate» für den Saalkrcis wurden am Sonnabend und Sonntag in Versammlungen zu Halle a. S., Lettin, Dölau und Trotha die Reichstags-Abgeordneten Fritz Kunert und Dr. H e r z f e l d aus Berlin proklamirt. Als Landtagö-Kandidat für die Wahlbezirke Erfurt und Schleusingeu-Ziegcurttck ist von unseren Parteigenossen Dr. Quarck ans Frankfurt a. M. aufgestellt. Das demokratisch-fortschrittliche Wahlkomitee in Frankfurt a. M. hat, wie die„Volksstimme" mitthcilt, in verschiedenen Bezirken eine Anzahl unserer Parteigenossen zu W a h l in ä n n e r n bestimmt. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins ersucht nun diese Parteigenossen dringend, die Kandidatur anzunehmen„und vor allem auch pünktlich bei den UrWahlen am 27. Oktober zu erscheinen, ihre Stimme für die demokratisch-sortschrittlichen Wahlmänner abzu- geben und sich ja nicht zu scheuen, ihre eigenen Namen zu nennen, wenn sie in derselben Abtheilung wählen, für welche sie als Wahl- mäimer vorgeschlagen sind." Kampf tun das Koalitionsrecht! Protestversammlungeu. Die orgauisirte Arbeiterschaft von Bant, Wilhelmshaven und Heppens nahm in einer Versamntlung zu T o n n d e i ch gegen die Zuchthausvorlage Stellung. Es lvurde einstimmig eine Resolution angenommen, worin es heißt: „Ein in jeder Beziehung unbeschränktes Koalitions-, Vereins- und Versammlungsrecht ist im Interesse des sozialen Friedens eine zwingende Nothwendigkeit und erhebt deshalb die Volksversammlung gegen jede, aber auch gegen jede Verkümmerung der sowieso nur noch spärlichen Volksrechte den schärfsten Protest. In den angekündigten Maßnahmen erblickt die Versammlung, falls dieselben Gesetz werden sollten, nicht nur eine Zerstörung der jungen, aufblühenden Arbeitcrorganisattonen und damit eilte Ueberlieferung der Arbeiterklasse auf Gnade und Ungnade an das mit ausgedehn- testen Rechten und unbeschränttesten Freiheiten ausgestattete Unter- nehmer und Ausbeuterthum, sondern auch eine Recht- und Ehrlos nrachung breiter Volksschichten. Ein Kampf um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen würde dann unmöglich gemacht seilt und der wirthschaftlichen Rechtlosmachung des werkthätigen Volkes würde alsdann auch bald die politische Entrechttmg— d. h. die Beseitigung des gleichen, gehcinlen und direkten ReichStags-Wahl« rechts— auf dem Fuße folgen. Die Versammlung verspricht daher, mit allen gesetzlich zu- lässigen Mitteln nicht nur allein gegen das geplante Zuchthausgesctz, sondern überhaupt gegen jede und alle reaktionären Anschläge auf die politischen und wirthschaftlichen Rechte des Volkes ganz entschieden Front zu machen, und erblickt in den, Masseneintritt in dle politische/' und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen sotvie in der weitgehendsten Aufklärung im volksbcfreienden Sinne durch Wort und Schrift eine sichere Waffe in diesem schweren Kampfe." Ferner lvurden Protestversanimlunaen abgehalten in B i b e r a ch in Württemberg und Itzehoe in Holstein, Aachen, Frei/burg in Baden, Ohlau in Schlesien._\ Der im Essener Mcincidöprozeff mitverurtheilte und nach Berbüßnng seiner Strafe am 1. Oktober aus dem Zuchthause ent- lassene Bergmann B e ck»l a n n aus Herne hat die Annahme eiller Unterstützung aus dem von unseren Parteigenossen gesammelten Fonds abgelehnt. Beckmann arbeitet wieder auf einer Zeche. Bei der Gemeinderathö-Ersatzwahl in Haau im rheinischen Kreise Mettmann erhielt der Kandldat unserer Partei 55 Stimmen, der der vereinigten Gegner nur 2. Aus Mannheim. Am 22. Oktober waren, wie die„Volks- stimme" mittheilt, 20 Jahre verflossen, daß die Sozialdemokratie der ersten badischcn Industriestadt in das Rathhaus einzog. Bei den Gemeindcraths- Wahlen am 22. und 23. Ottober erhielt in der 3. Klasse die Liste des sozialdemokratischen Komitees für volksthüm- liche Wahlen 519 Stimmen, die Liste der Demokraten nur 388. Am 25. Oktober lvurde das Maiinheinier Organ unserer Partei, das „Badisch- Pfälzische Volksblatt", konfiszirt und verboten. Die letzte Nummer desselben enthält auf der ersten Seite den Text des So- zialistengesetzes und in: lokalen Theile die Nachricht von dem Siege bei der Gemeindelvnhl. Das„Badisch- Pfälzlsche Volksblatt", das damals Drcesbach redigirte, war das vierte in der Reihe der verbotenen Partei- Organe. Es lvurde hierauf ein Versuch gemacht, das Blatt als Unterhaltungsblatt lvicder auf- leben zu lassen; weiter lvurden die„Mittelrheiuischen Familienblätter", ebenfalls als Wochenblatt, gegründet. Dieses Blatt erlebte vier Nummern; als es in der vierten Rummer ein Gedicht brachte, worin von einem Faß gährenden Weins erzählt war, der die Reifen sprengt, sah die fürsichttge Polizei darin eine staatsgefährliche Anspielung auf das Sozialistengesetz und verbot auch dieses Blatt. Die sozialdemokratische Partei Manubeims ivar die übrigen zwölf Jahre des Sozialistengesetzes obne offizielles Organ. Nach dem Fall des Schandgesetzes wurde die„Volksstilimie" gegründet. Wenige Monate zuvor war der Mannheimer Reichstags- Wahlkreis von der Sozialdemokratie erobert ivorden. Das war die Bilanz des Sozialistengesetzes in Mannheim! Polizeiliches, Gerichtliches te. — Reichstags-Abgeordneter Adolf Thiele in Halle a. S. wurde wegen Beleidigung seines bei der Reichstagsivahl unter- legenen Gegenkandidaten Rittergutsbesitzers D i p p e zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte nur 4 Wochen be- antragt. Die Beleidigung wurde in einem gleich nach der Stichwahl veröffentlichten Artikel des„Volksblatts" gefunden, worin gesägt war, Dippe habe seinen Arbeitern den verdienten Lohn nicht aus- gezahlt und er habe bei einem Streite mit den Arbeitern vor der Sttchwahl schlecht abgeschnitten. — In dem Belcidigungsprozeß des Superintendenten D e w e s in Gräfenroda gegen den Redakteur des„ V o l ks b l a tts" in Gotha hat der Staatsauwalt gegen das freisprecheude Urtheil des Landgerichts Revision angemeldet. — Wegen unerlaubter öffentlicher Verbreittnig von Flugblättern betteffend den Boykott eines Saales in Blumenau in Schlesien tvurden vom Schöffengericht in Wüstegiersdorf die Parteigenossen Grosser, Wunder und Gottwald zu Geldbußen von 100, 50 und 20 M. verurtheilt. Bei drei anderen Angeklagten erkannte das Gericht auf Freisprechung. — Das Landgericht in Bremen venirtheilte den Vereinskassirer Grunow aus Bremerhaven wegen Unterschlagung von Partei- geldern zu sechs Monaten Gefängniß. Die Untersuchungshaft wurde ihm angerechnet. GemvvkMÄf tlnszes. __. Berlin und Unigcgend. �inc öffentliche Schuhmacher- Versammlniig, die Montag Abend in„Königsbank" stattfand, nahm einstimmig folgenden Antrag an:„Die Veriammluna fordert die Aaitntrnnskonimiisinn ans bei „Die Versänrnrlung fordert die Agitationskonmiission ans der Preßkommission dahin zu wirken, daß der„Vorwärts" die Aufnahme von Inseraten der Firma Tack u, Co, verweigert, und zwar so lange, bis dieser Beschluß von der Schuhinacher-Organisation auf- gehoben wird. Die Agitationskommission hat dafür zu sorgen, daß der Boykott gegen Tackn, Co überall zurKenntniß des arbeitenden Volkes ge- bracht und energisch durchgeführt wird," Eine Protestresolution gegen den„Vorwärts" wegen der Aufnahme eines Inserats der Firma Tack u. Co. wurde abgelehnt, ebenso ein Tadelsootnm gegen die Preßkommission. Der Lokalverbaud der Glasarbeiter in Köpenick veranstaltet am 29. Oktober im Lokal von Klein ein Herbstvergnügen, zu dem hiermtt alle Freunde und Bekannten eingeladen sind. Deutsches Reich. Zur Tarifbeivegnug der Buchdrucker. Die Auffordenmg an die Schriftsetzer, in den außerhalb der Tarifvereinbarung stehenden Geschäften die Einführung des Tarifs zu fordern, hat bereits das günstige Resultat zu verzeichnen, daß 243 weitere Finnen den Tarif anerkannt haben. Wegen weiteren etwa 50 Firmen haben die Tarif- Vertreter noch zu entscheiden. Auf den Tarifkreis 8 sBcrlin-Branden- bürg) entfallen hiervon 30 Finnen, Außerdem haben sich in allen neun Tarifkreisen zahlreiche Gehilfcnpersonale bereit erklärt, am 22. Oktober die Anerkennung des 18g6er Tarifs zu fordern; natur- gemäß liegen hierüber heute noch keine Resultate vor. da die den Gehilfen ertheilten Antworten erst den beiderseitigen Kreisvcrtretenr zur Bearbeitung resp. Vermittelung überwiesen werden. Auch hier kann konstatirt werden, daß ini 3. Kreis die Gehilfen bei ca. 60 Finnen ihre Forderung geltend machen, und steht zu erwarten, daß die Mehrzahl dieser Finnen es nicht zum Ausstand kommen lassen wird, Die neuen Bestimmnugeu des sächsischen Vereins- und Bersaminlungsgesetzes wachten sich durch ihre Handhabung seitens der Beamten immer mehr zu einem Kncbelungsmittel der g e- w e r k s ch a f tli ch en Organisationen der klassenbewußten Arbeiter aus, Das beweist ganz klar ein neuer Fall, In Spechtrütz fand eine Holz- arbeiter-Versammlung mit der Tagesordnung: Zweck und Nutzen der gewerkschaftlichen Organisation statt. Auf Ver- anlassung des Beamten mußten vor Beginn der Versamm- lung die Mnderjahrigen das Lokal verlassen, weil man nicht wissen könne, ob während des Vortrages über das erwähnte Thema auch das politische Gebiet berühr� ojr werden würde. Wie besorgt doch diese Beamten sind, Sic scheercn sich garnicht darum, daß eine derartige Maßregel wie in diesem Fall im direkten Widerspruch zum Gesetze steht. Die Herren wissen eben ganz genau— oft genug ist es ihnen ja gesagt worden—, daß der Minister von Metzsch solche„Jrrthümer" ver- ständnißinnig nachsieht, weil die Beamten unter allen Umständen ini„guten Glauben" handeln.— Mit einer gegen die Arbeiter gerichtete» Maßnahme reaktionärster Art geht die Dresdener Stadtbehörde vor. Man plant eine bedeutende Verschlechterung des Dresdener Ge- Werbegerichts, Der Groll, welchen das Unternehmcrthum aus naheliegenden Gründen dieser Einrichtung entgegenbringt, hat bei dem Dresdener Stadtrath ein williges Ohr gefunden. Die Ab- ändenmgsvorlage, welche den Gewerbcgerichts-Beisitzern zugegangen ist. bestimmt, daß in Zukunft statt des Fünfrichter- Kollegiums das Drcirichter-Kollegium fungiren soll und nicht, wie bisher aller drei, sondern aller fünf Jahre gewählt werden soll. Außerdem bringt der Entwurf noch eine Reihe geringfügigerer Ver- schlechtcrungen. Die Arbeiter rühren sich schon' zum Protest gegen den Entwurf, Die Beisitzer haben bereits in einer Versanunliing durch eine Resolution, die dem Stadtrath übermittelt werden soll, Stellung gegen den reaktionären Plan gcnoninien. Eine allgemeine Protcstveriammlung wird den Machern des Entwurfs die Stim- mung und Meinung der Arbeiterschaft in deutlicher Weise zum Aus- druck bringen. Die Flcnsburger Tischler haben die Aufhebung des General- strciks beschlossen, um bei den Meistern, die bisher bewilligt haben, die Arbeit aufzunehmen. Dieser Tage war der Versuch unternommen, durch das Gewerbegericht eine Einigung zu erzielen. Die Meister lehnten aber die Verhandlungen ab und verlangten Aufnahme der Arbeit unter den alten Bedingungen, Daraufhin ist der erlvähnte Beschlutz gefaßt und soll bei den übrigen Firmen der Streik fort- gesetzt werden. Ans Elsaß- Lothringen wird uns geschrieben: Kaum ist der Streik der Arbeiter an der neuen Jnfanteriekaserne zu Saar- g e m ü n d beendigt, so haben am Mittwoch wiederum 200 Erdarbeiter am B a h n b a u S a a r g e in ü n d- O b e r in o d e r» der Rcichseisenbahnen die Arbeit eingestellt. Die Firma Schmidt u, Faust hatte die genannte staatliche Arbeit im Submissionswege niit einem bedeutenden Abgcbot übernommen und mußte infolgedessen jetzt ihre Zahlungen einstellen. Die Geprellten bei diesem Geschäftsgebahren sind natürlich die Arbeiter, die seit vollen vier Wochen ihren Lohn nicht ausbezahlt erhielten und nun das Nachsehen haben. Auf etwa 8000 M. belaufen sich die Forderungen dieser Arbeiter, lauter Taglöhner und Bauern ans der Umgebung, welche hofften, durch die Arbeiten am Bahnbau einen Spargroschen für den Winter zu erwerben. ES drängt sich einem angesichts dieses Falles doch die Frage auf, ob es den staatlichen Behörden bei Vergebung großer öffentlicher Arbeiten nicht möglich wäre, den mißlichen Folgen des Submissionsnnwesens dadurch einigermaßen vorzubeugen, daß nur solche Angebote berücksichtigt würden, bei denen der Unternehmer in der Lage ist, den Arbeitern auskömmliche Löhne zu zahlen und ihre Forderungen unter allen Umständen sicher zu stellen.— Ausland. Die Wiener Buchbinderci-Arbeiter streiken fort. Die Meister haben in ihrer Versammlung beschlossen, den Verlauf des Ausstandes abzuwarten. Ueber die Aussperrung der Bäckergesellen in Kopenhagen wird berichtet, daß l000 Bäckergesellen von dieser Maßnahme ge- troffen sind. Die Bäckermeister versuchen durch eigene Arbeit und durch Lehrlinge die Vrotvcrsorgung der Stadt einigermaßen durch- zuführen; auch kamen von Malmö und einigen kleineren Städten Seelands größere Brotzufuhren. Trotzdem sind die Brotpreise be- deutend gestiegen. Der Londoner Grafschastsrath hat in seiner Sitzung vom 18, Oktober auf Bericht seines Komitees beschlossen, die Direktion der Nord-Londoner Straßcnbahn-Gescllschaft wegen der Maßregelung von Gewerkschaftsmitgliedern zur Zeit des neulich stattgehabten Streiks schiedsgerichtlich zur Verantwortung zu ziehen. Nach ihrem Vertrag mft dem Grafschaftsrath ist die Gesellschaft für jeden Fall solcher Maßregelung zu Schadensersatz bis zu 1000 M, haftbar, 90 Mitglieder des Raths stimmten für und nur 12 gegen Haftbar- machung der Gesellschaft. Weiter beschloß der Grafschaftsrath, zum Gesetz über den Schu der Laden-Angestellten Anträge zu unterstützen, die Ausdehnung de Gesetzes auf sümmtliche weibliche Laden- Angestellte sowie die Be- schränkung der Arbeitszeit aller Personen unter 18 Jahren auf 60 Stunden die Woche einschließlich zwei Stunden für Mahlzeiten verlangen. Die Antwerpener Schriftsetzer verlangen einen Minimallohn von 5 Fr. bei neunstündiger Arbeitszeit. Einige Geschäfte haben bewilligt; die größeren Betriebe aber weigern sich. Die Unter- nehmer haben von feiten der Militärbehörde Hilfe bekommen, indem diese Soldaten entsandte. Die Blätter sind in den letzten Tagen zum theil gar nicht, zum theil.in geringerem Unifange erschienen. Ei» Großfabrikant für Gewerkschaften. Sir Benjamin C. Browne, fJnhaber eines der größten Maschinenlverke bei New- castle und Vorstandsmitglied des Fabrikantenbundes der Maschinen- und Schiffbau-Jndustric� hat sich am 14, Ottober in einem Vortrag vor dem Jngenieur-Verein von Newcastle entschieden zu grinsten der Gewerkschaften ausgesprochen. Gewiß, sagte er, seien die Reibereien zlvischcn Unteniehmern und Arbeitern groß, aber wenn man die große Zahl der Arbeiter berücksichtige und die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, so sei es ftaglich, ob irgendwo bei ähn- lichen Bedingungen Verhandlungen zwischen Menschen ruhiger ge fiihrt würden. Der Gedanke, daß die Gewerkschaften Ursache der gewerblichen Konflikte seien, ver- liere jeden Tag an Boden. Es sei besser, mit klugen und erfahrenen Gelverkschaftsführern zu t h u n z u h a b e n, als mit nnorganisirten Arbeitern. Er sei, fuhr er fort, durchaus für Einschränkung aller regelmäßigen Ueberzeit- arbeit; beständige Ueberzeitarbeit sei demoralisirend und schädige die Gesundheit, sie bedeute Verschwendung und vermehre die Unfälle. Die Unternehmer sollen, wenn immer sie es könnten, vernünftige Lohnaufbesserungen bewilligen. Er bestreite durchaus, daß die Unternehmer beim letzten Maschinen- bauer-Streik die Absicht gehabt hätten, die Gewerkschaft zu„zer- schmettern" und sei auch überzeugt, daß die Mehrheit der Arbeiter dies nicht geglaubt hätten. Hinsichtlich des im Werden befindlichen großen Unternehmer- Versicheningsverbandcs meinte Sir'Benjamin Browne, es sei sicher kein idealer Zustand, daß die industrielle Welt von einer Verbindung von Kapitalisten beherrscht werden solle, aber sozialistische Gesetzgebung (das neue Unfallsgesetz ist gemeint) und aggressive Gewerkschafts- Politik nöthige die Unternehmer zum Zusammenschluß, Er hoffe jedoch, daß, wenn es bei einzelnen Unternehmern zu Konflikten komme, die Unterstützung ihnen in Form von finanzieller Hilfe und nicht durch Arbeitssperre werde geleistet werden. Das letztere ist also noch die Frage, und selbst die mildere Form würde für die Arbeiter die Situation nicht verbessern, vielleicht sogar eher verschlechtern. Sir Benjamin Browne persönlich gilt als einer der friedlicheren Unternehmer, aber er ist Einer, und so haben die Gewerkschaften allen Grund, der neuen Bewegung mit voller Auf- merksamkeit zu folgen. Ohne Furcht— erfahrene Gcwcrkschafts- führer haben sich schon geäußert, auch vor der neuen Kombination braucht man nicht zu zittern— aber auch ohne Vertrauensseligkeit, Ilebrigens haben in den letzten Monaten die Maschinenbauer in einer ganzen Reihe von Distrikten durch das Mittel der VerHand- lung neue Lohnerhöhungen von 5 bis 7 pCt, durchgesetzt. Die beim Friedensschluß nach dem letzten Kampf getroffenen Verein- barungen über die Schlichtung von' Streitigkeiten haben bis soweit ihren Zweck erfüllt.— Gev ichfcs» ÄeiiimA. Eine schagfertige„Madame" ist die Schlächtermeistersfran Lina Jäger, welche sich gestern wegen gefährlicher Mißhandlung ihres Dienstmädchens vor der 133, Abtheilung des Amtsgerichts I zu verantworten hatte. Bei der Angeklagten diente seinerzeit die aus der Provinz stamniende unverehelichte Luise Engler als Dienst- mädchen und verweigerte, wie sie selbst wenigstens behauptete, keine Arbeit. Es kam aber doch wiederholt zu Differenzen, da die An- geklagte, welche leidend und nicht ganz fest auf den Füßen ist, ein sehr„hitziges" Temperament besitzt, wie die Zeugen bekundeten. Die Engler ist von ihr schon vor dem in Frage stehenden Falle wiederholt geprügelt worden, bis es schließlich eines Tages im Laden zu einem blutigen Auftritte kam. Die Angeklagte ver- richtete, wie schon früher, an diesem Tage ein natürliches Bedürfniß— im Zimmer, wozu sie sich eines Eimers bediente, Als die E, sich weigerte, den Eimer hinauszutragen, gab's eine kleine Szene als Vorspiel; schlimmer wurde es, als wenig später die E. mit dem Kinderwagen ausfahren wollte und ein diesbezügliches Verbot mit den Worten beantwortete:„Ich kann nicht den ganzen Tag in der stinkigen Stube sitzen" sbemerkt sei hierzu, daß die An- geklagte auch im Sommer heizen ließ). Die Angeklagte ergriff einen Wurstspieß und schlug mit demselben so mächtig auf den Kopf der E,, daß die Spitze abging und in der Wunde und im Haar stecken blieb. 5tlcid und Schürze der Verletzten Ivarcn mit Blut ganz übergössen, Während der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr, Felix Meycrstein für eine gelinde Geldstrafe plädirte, vernrtheilte der Gerichtshof die schlagfertige Person zu einem Monat Gefängniß. r;)', Schiebungen ärgster Art auf dem Gebiete des BanmaAtts beschäftigten gestern die 7. Strafkammer des Landgerichts I in einer mehrstündigen Sitzung. Angeklagt war der etwa 10 mal vorbestrafte Schlosser, frühere Eigenthumer und Rittergutsbesitzer Rudzio. Auf Veranlassung des Angeklagten war dessen Schwester am 2, August 1895 Eigenthümerin des Grundstücks Putbuserftr. 47 geworden, ob- wohl sie nicht einmal den Kaufstempcl zahlen konnte. Die Gerichts- lasse ließ diesen daher sofort eintragen. Es zeigte sich aber, daß sie die Rechnung ohne den Angeklagten gemacht hatte, denn es stellte sich heraus, daß zwei Tage vorher eiiie Antichrese für einen Herrn Arndt eingetragen war, der angeblich ein Darlchn von 3000 M. gegeben haben follte. Die Gcrichtskasse ermittelte jedoch, daß Arndt mittellos und Alnioseneinpfänger war und der Angeklagte ihn ledig- lich eines Tages zu dem früheren Notar Hirsch geichleppt hatte, wo er ohne weiteres sich die Antichrese hatte einttagen lassen. Kaum hatte die Kasse diesen Arndt soweit, daß er auf seine Rechte ver- zichtete und kaum hatte sie ihrerseits die nunmehr fällig werdenden Miethen gepfändet, da trat ein Schwager des Angeklagten namens Quaß auf und zeigte einen Gerichtsbeschluß, wonach ihm die „Miethen" wegen einer angeblichen Forderung„überwiesen" seien, Es gelang der Gcrichtskasse, auch Quaß von ihrem besseren Rechte zu überzeugen, als plötzlich ein Herr Neumann, dem der Angeklagte inzwischen eine gefälschte Zession über die Quaß'schen„Rechte" ge- geben hatte, sich im Kaffenlokale präsentirte. Der Angeklagte hatte ihn gegen eine Provision bewogen, die gepfändeten Mictheii als ihm vorher zcdirte zu beanspruchen und er verlangte sie daher. Er be- kam keinen geringen Schreck, als er vcruahm, daß er schon Gläubiger Nr, 3 sei und er nahm„den ganzen Kram" — wie er sich gestern ausdrückte— zurück. Die Kasse zeigte darauf den ganzen Schwindel an. Bereits während der Gerichtsferien des vorigen Jahres stand die erste Verhandlung an. Damals wurde Rudzio nach dem Antrage des Rechtsanwalts Dr. Werthauer von der Anklage der Urttmdenfälschung freigesprochen, aber wegen der drei groben Betrugsvcrsuche gegen den Fiskus und die Gerichtskasse zu neun Monaten Gefängniß und Ehrverlust, der aber nur in den Nrtheilsgründcn ausgesprochen war, verurtheilt. Das Reichs- gericht hob dieses llrtheil wegen unzureichender thatsächlicher Fest- stellungen auf. In der gestrigen Verhandlung ergaben sich besondere Schwierigkeiten, Mehrere dem Angeklagten verwandte Zeugen ver- weigerten die Aussage, bei dem Hauptzeugen Arndt lehnte das Gericht die Beeidigung ab, da er selber verdächtig sei. lieber den Geisteszustand des Angeklagten wurde der Oberarzt der Charitee, Dr, K ö p p e n. vernommen. der den Angeklagten zwar für einen Epileptiker, aber doch für qcistcsgesund erklärte, Rechtsanwalt Dr. Werthauer plädirte auf eine mildere Strafe, da nach dem Er- kenntnisse des Reichsgerichts nur zwei Fälle der Beihilfe— nicht der Mitthäterschaft— vorliege». Der Gerichtshof nahm auch nur zwei�Fälle an, erkannte aber dennoch auf neun Monate Ge- fa/gniß. ' Knppclciprozest Hartert. Der am 26, d, M., vormittags Vj Uhr vor der ersten Strafkammer des Landgerichts l anstehende Termin zur Hauptverhandlung gegen die geschiedene Heiraths- Vermittlerin Elisabeth Hartert, geb. Schmitz, wird aller Wahr- scheinlichkeit nach zur Hälfte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ab- gehalten werden. Die seit dem 14. März in Untersuchungshast sitzende Angeklagte wird beschuldigt, ihre luxuriös eingerichteten Wohnungen in der Magdeburgerstraße und am Magdeburger Platz zu Stätten der Unzucht und wüster Orgien gemacht zu haben. Sie ist nicht nur wegen Kuppelei, sondern auch wegen Betruges iind wegen Wuchers angeklagt. Sie ist in ganz einfachen Verhaltnissen groß geworden, hat sich vor etwa 12 Jahren mit einem Ingenieur Hartert verheirathet, von diesem aber scheiden lassen und ist vor einigen Jahren nach Berlin gekommen. Hier hat sie sich einem unsittlichen Lebenswandel hingegeben und verstanden, ihre „Salons" zum Sammelpunkte eines Kreises von Lebemännern zu machen, die sich hier mit Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu Gesellschaften, Tanzfesten u. dgl. vereinigten. Obgleich sie nur eine mangelhafte Bildung genossen hat, verstand sie es doch, sich mit dem 'Nimbus einer vornehmen Dame zu umgeben und gab sich geflissentlich als die Tochter eines Sanitätsraths und Schwägerin eines Senatspräsidenten ans. Welche Künste sie aufzuwenden ver- stand, hat ein jetzt inaktiver Hauptmann erfahren, der vor etwa 10 Jahren zur Kriegsakademie kommandirt war und die Angeklagte kennen lernte, Sie gab sich ihm gegenüber als stein- reiche Gutsbesitzerin aus, knüpfte mit ihm sehr enge Beziehungen an und versetzte ihn in den Glanben, daß er der' Erzeuger ihrer beiden Kinder sei. Der Hauptmann, der ihren Angaben tränte, hat sich dazu verstanden, nach und nach etwa 30 000 M, für die Erziehung der beiden Knaben herzugeben und war dicht daran, die Angeklagte zu heirathen, als ihm reiner Wein über die letztere ein- geschenkt wurde. Ihre Haupterwerbsquelle bestand in der Ver- Mittelung von Heirathen, namentlich verschuldeter„Kavaliere" mit reichen Bürgerlichen, Sie ließ sich für das Zustandekommen solcher Heirathen erhebliche Provisionen zahlen. Daneben gab sie jungen Leuten„besserer Stände" und noch im D i e n st befind- lichen Offizieren, die sich in Geldverlegenheit befanden, Dar- lehne gegen Schuldscheine und Wechsel und verschaffte ihnen solche Darlehne, indem sie sich selbst verbürgte oder andere Bürgen be- schaffte. Dabei sollen ihr nach der Behauptnug der Anklage wucherische Verniögensvortheile zugeflossen sein.— Die Ilnterstichungs- aktcn dieses Prozesses füllen vier dicke Bände, es sind etwa hundert Personen im Vorverfahren vernommen worden, 18 Zeugen werden im Termin auftreten, darunter mehrere als Entlastungszeugen, Die Angeklagte wird durch die Rechtsanwälte Mosse und Dr. Schwind t vertheidigt._ Urtzke NÄisz richten und Depeschen. Meinel, 24, Oktober.v, 36 Jahre alt, mit seiner um sieben Jahre älteren Ehefrau, geborenen Kühl, die aus Fägerhof bei Bromberg stammt. Beide waren dem Trünke ergeben und lebten in unglücklicher, kinderloser Ehe. Zank und Prügeleien waren an der Tagesordnung. Borgestern nun fand man die Frau in ihrer Wohnung todt in einer Blutlache; am Kopfe hatte sie mehrere Wunden, die vermuthen lassen, daß ihr Mann sie todt- geschlagen. In der Wohnung sah es bös aus; alle Sachen waren durcheinandergeworfen und mit Schmutz und Blut bedeckt. Der Mörder, ein sehr beschräntter, des Lesens und Schreibens unkundiger Mensch, ist verhaftet und dem Gerichtsgefängniß in Kalkberge- Rüdersdorf zugeführt. Er erklärte, seiner Frau nur ein paar „tüchtige Ohrfeigen" gegeben zu haben. Die gerichtliche Leichen- öffnung ist angeordnet._ VevfÄttttnlungett. Eine öffentliche Buchdruckerversammlung, einberufen seitens der Gewerkschaftler sVerbandsgegner) tagte am Sonntag in den Arminhallen. Der große Saal wap vollständig gefüllt. Die Mehr- heit bestand jedoch aus Verbandsanhängem, aus deren Mitte auch das Bureau gebildet wurde. Der Referent Pollen der aus Leipzig sprach über das Thema: Die Beschränkung der Koalittons- freiheit und die deutschen Buchdrucker- Organisationen. Nachdem der Redner die Angriffe der Reaktion auf das Koalitionsrecht der Arbeiter besprochen hatte, ging er zu einer den größten Theil seines Vertrages in Anspruch nehmenden Polemik gegen die Tarifgemein- schaft und den Verband der Buchdrucker über. Er fiihrte, oft von Beifalls-, noch öfter aber von mißbilligenden Kundgebungen unter- brachen, aus, der Verband stehe nicht auf dem Boden des Klaffen- kampfes, er arbeite vielmehr im Bunde mit den Unternehmern auf eine Verwischung der Klassengegensätze hin. Die Ausführungen, die das Zentralorgan der Sozialdemokratie zu denr gegen- wärtigen gemeinsamen Vorgehen der tariftteuen Prinzipale und Gehilfen zwecks Durchführung des Tarifs geniacht habe, träfen keineswegs den Kern der Sache. Nach Beendigung dcS Referats gingen ans den Reihen der Vcrbändler Anträge ein, welche darauf hinzielten, daß eine Resolution zu grinsten des Verbandes ohne Debatte angenommen und dann die Versammlung geschlossen Iverde. Darüber entstand eine heftige GeschästsordnuugS-Debatte. Die Ge- Iverkschaftler protestirten gegen die beabsichtigte Mundtodttnachuug der Minorität, aber auch von verbändlerischer Seite wurde eine Dis- kussion gewünscht. Man wollte— wie Schmidt sagte— auf die vom Re- ferenten dem Verband gemachten Vorwürfe antworten, und dann Schluß inachen. Es wurde nun eine Diskussion mit fünf Minuten Redezeit für jeden Theilnehmer beschlossen. Arendsee(Gewerkschaftler) sagte unter anderm, die Berliner Gewerkschaftskommission habe kürzlich eine Agitatton gegen die Beschränkung des Koalitionsrechts ins Werk gesetzt. Trotzdem dulde sie in ihren Reihen Mitglieder, nämlich die Vertreter der Buchdrucker, die ihren eigenen Kollegen die Koalitionsfreiheit beschränken. Schmitt(Ver- bändler) trat der Behauptung des Referenten entgegen, daß der Verband nicht auf dem Boden des Klassenkampfes stehe. Bis jetzt seien 250 Bewilligungen des Tarifs eingegangen: wo die Durchführung des Tarifs verweigert wird, da iverde man sie durch einen Stteik erzwingen. Ist denn das kein Klassenkampf? Im übrigen seien die Verbändler durchaus nicht politisch indifferent, sie thäten für die Partei, was sie können; man möge doch sagen, was man noch weiter von ihnen verlange. Ein erneuter Antrag auf Schluß der Diskussion wurde jetzt nach heftiger Debatte an- genommen. Von verbändlerischer Seite ging ein Antrag ein, welcher bezweckte, die Tellersammlung— an der sich, wie die Gewerk- schastler sagten, die Verbündler gärnicht betheiligt hatten— den Einberufern zu entziehen und der Wittwcn- und Waisenkasse der Buchdrucker zu überweisen. Der Antrag wurde, nachdem sowohl Gewerkschaftler wie Verbändler dagegen gesprochen hatten, abgelehnt. Nun erhielt der Referent nach heftigem Widerspruch das Schlußwort. Er wies auf das Beispiel des Bundes der Landwirthe hin, um darzuthun. daß der Verband, wenn er nur wolle. die Möglichkeit habe, politische Gegenstände zu behandeln. Wenn die Verbändler jetzt die Partei nnterstützen. so geschehe das deshalb, damit die Partei, beziehungsweise das Zentralorgan den Besttebungen des Verbandes nicht entgegentrete.— Der Vorsitzende der Versammlung wies den in dieser Aeutzerung liegenden Vorwurf, der Verband habe den„Vorwärts" gekauft, damit dieser nicht gegen ihn schreibe, mit Entschiedenheit und unter dem Beifall der Verbändler zurück. Hierauf gelangte die Resolution, welche nur den Verband für diejenige Organisation erklärt, welche die Interessen der Buchdrucker wahrnimmt, zur Annahme.— Die Anhänger der beiden Richtungen gingen mtt demonstrativen Hoch- rufen auf ihre Organisationen auseinander. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer hielt am Sonntag in der Tonhalle seine Generalversammlung ab. Zunächst erstattete der Vorsitzende Fr. Schulz den Bericht über die halbjährige Thätigkeit des Vorstandes. Danach haben in dieser Zeit 3 General-, 4 ordentliche Mitglieder- und 7 Wanderversammlungen stattgefunden. In den meisten dieser 14 Versammlungen wurden Vorträge polittschen, wissenschaftlichen und gewerkschaftlichen Inhalts gehalten. Zur Regelung der Verwaltungsgeschäfte fanden sieben Vorstandssitzungen statt. In dem letzten halben Jahre wurden von dem Verein folgende Zahlstellen neu gegründet: Berlin Nordost und Oranienburger Vorstadt, Weißensee, Pankow- Niederschönhausen, Rummelsburg, Friedrichsfelde, Charlottenburg, Französisch Buchholz und Hohen-Neuendorf. Nach der Abrechnung, �die der Kassirer A. Dietrich gab, sind dem Verein im 3. Quartal 644 Mitglieder, darunter 43 vom Zenttalverband, beigetteten. Die Mitgliederzahl bettug am Schluß des letzten Quartals 251L zahlende Mtt- qlieder. An Einnahmen waren im 3. Quartal zu verzeichnen: Für 601 Einstände 180,30 M., 25 771 Beiträge 2577,10 M., 27 Beiträge & 0,20 M.= 5,40 M., 571 Deckel 57,10 M., vom Vergnügungsfonds 200,00 M.. 1643 Protokolle 164,30 M. und Extra-Einnahme 1,95 M., in Summa 3186,15 M. Die Ausgaben betnigen 2458.06 M. Inklusive des alten Bestandes von 1841,05 M. war am Schluß des 3. Quartals ein Kassenbestand von inögesammt 2569,14 M. vor- Händen. Die Abrechnung wurde von den Revisoren als richtig be- stäsngt und dem Kassirer die Decharge ertheilt. Beschlossen wurde sodann, den Vergnügungsfonds nicht mehr getrennt zu führen, sondern mit der Vereinskaffe zu verschmelzen. Hierauf berichtete Herfurth über die Thätigkeit des Ausschusses. Derselbe hielt 11 Sitzungen ab, in denen 8 Unterstützungs-, 5 Beleidigungs-, 5 Rechtsschutz- Sachen und 2 Ausschlüsse erledigt wurden. Der Ausschuß hatte eine Einnahme von 270,44 M., eine Ausgabe von 252,73 M., sodaß ein Bestand von 17,71 M. verbleibt. Die hierauf vorgenommenen Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebniß: Fr. Schulz, 1. Vorsitzender; W e st p h a l, 2. Vorsitzender; A u g. Dietrich 1. und P. Ramp 2. Kassirer; Jöhl 1. und Ditt- mann 2. Schriftführer. Als Revisor wurde Zeglin gewählt. In den Ausschutz wählte die Versammlung die Mitglieder: O. Pans er, W. Schmidt und W. W e g n e r. Ferner wurden als Hilfskassircr für die Oranienburger Vorstadt L ö w e n st e i n und für den Wedding Aschach gewählt. Auf Antrag des Vorstandes wurde sodann be- chloffen, von der Broschüre,„Die Geschichte der deutschen Maurer- bcwegung", 2000 Exemplare anzukaufen und gratis an die Mitglieder zur Agitatton abzugeben. Nach einer kurzen Diskussion beschloß die Versammlung auf Antrag des Ausschusses, 3 Mitglieder, die entgegen den Tendenzen des Vereins, gemeinsam Akkordarbeit verrichten, aus dem Verein auszuschließen. Ebenfalls ausgeschlossen wurde ein Mitglied, das sich eine Unredlichkeit auf der Baustelle zu schulden kommen ließ. Zum Schluß wurde noch bekannt gegeben, daß die Zahlstelle für Pankow-Nieder-Schönhausen nach der Kaiserin Augusta- straße 7 beim Gastwirth Bleiß verlegt ist. Nrbeitcr-Bildiingsschule. Dienstag: Drei Jahrhuudcrte wirthschaft- licher, sozialer und politischer Käinpfc. Vortragender; Schriftsteller Paul K a m p f s in e y e r. Beginn der Vorlesungen pünktlich uui S Uhr abends. Arbeiter- Bildungsverein Steglitz-Friedenau. Die Mitglieder werden ersucht, in der heute, abends B/z Uhr bei W. G r u b e in Friedenau stattfindende» Mitgliederversammlung zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand._ Briefkasten der Redaktwn. Tie juristische Sprechstunde wird Dienstags, Tonnerstags«nd Freitags abends von 7l/2 bis 8'/« llhr abgehalten. W. G. 59. Ich habe gegeffen. E. F. A. Maurer Silberschmidt, Berlin, Fraiikeustr. 83. I. M. Wenn wir nicht irren, erfolgt im Wöchiiettnneuheim im Kranienhause am Urban eine derartige Ausbildung. Witternugsübersicht vom S4. Oktober 1898, morgens 8 Uhr Stationen Swinemde. Hamburg Berlin Wiesbaden München Wien gK B »11 5«* «' Stationen 11 Haparanda 12 Petersburg HCort 12 Aberdeen 9 Paris 6 751 764 762 755 768 jä e c a S«■ s z SW SSW WSW SW Still Wetter b'- »U 8«ä Mb.bed 1 Regen 5 Regen 6wolkig - Nebel. 4 4 11 9 12 Wetter-Prognose für Dienstag, den 25. Oktober 1898. Etwas kühler, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit leichten Regensällen und mäßigen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Sozialdemokratischer Mahloerein für den 4. Verl. Reichstags-Mahikreis lZüdostelt). Dienstag, den 25. Oktober 1898, abends 8Vz llhr: Genevetl" Verlstnmlrtng im Lokal des Herrn«rtitlvi-, Waldemarstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Wahl des gesmnmten Lorstands. 4. Antrag des Genossen Paul Böhm. B. VereinSangelegenhefteu. Der wichtigen Tagesordnung wegen werden die Genoffen um zahlreiches Erscheinen ausgefordert. 243/16 vei' Vor'eitsitS, NB. In dieser Versammlung wird den Mitgliedern das Protokoll des Stuttgarter Parteitages uncntgeltkich verabfolgt. Auch findet die Billet- ausgäbe zu der am 13. November tu der Urania stattfindendeu Sonder- Vorstellung statt. Sozialdemokratischer Mahloerein für den 6. Bertmer Reichstags-Mahlkreis. Dienstag, den 25. Ottober 1898, abends 8'/« Uhr General � Nevfermtttlung in Raabe'» Salon, Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kaffenbericht. Bericht der Revisoren. L. Wahl des Vorstandes. 3. Anträge. 4. Vereinsangelcgenheiten. mmm Mitgliedsbuch legitimirt. MMM 247/13_ Ider Vorstand. DW" Cliarlotteiilmrg. Mittwoch, den 26. Oktober, abends 9 llhr, in RlamarcIrKliitli«, Wilmersdorferstratze 39: General- Versammlung des Sozialdem. Wahlvereins für Tcltow-Beeskow-Siorkow- Charlottenburq. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl des gesammteu Bor- standes. 2. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Einttttt nur gegen Quittungsbuch. Sämmtliche Mitglieder werden ersucht, pünttlich zu erscheinen, da im «ettcht des Vorstandes gleichzeittg Mitthcilungen über einzuführende Neue- rungen in der Organtsatton gegeben werden. Diejenigen Mitglieder, die die letzte Broschüre„Der Kranz der Märzgefallenen" noch nicht erhalten haben, können diese w der Bersamvilung in Empfang nehmen. ' Der Borftand. Handlung Berlin SW., Benth- Straße 2. In unserem Verlage erschien: Äuttziirttr Partkitllgs-Protolllill S40 Seite» stark. Preis»S Pfg.(Porto 1« Pfg.) Gebunden«0 Pfg.")(Porto 2« Pfg.) Das Protokoll ist mit einem ausführlichen Sachregister und einer übersichtlichen Zusammenstellung über das Schicksal jedes einzelnen Antrages(unter Angabe des JnhaltSjjcdeö Antrages) versehen worden. Das nach stenographischer Niederfchttft hergestellte Protokoll giebt die für die Patteigeschichte höchst wichttgen Reserate und Debatten, besonders über die Frage der Taktik, parlainentarische Thätigkeit, Koalitionsfreiheit, über die Stellung der Partei zur deutschen Zoll- nnd Handclspolittt, den Bergarbeiterschntz u s w. ausführlich wieder, welche diesen Parteitag an Bedeutung über manche seiner Vorgänger erheben, so datz jeder Genosse in den Besitz dieser Verhandlungen sich setzen sollte. *) Jrtthümlich wurde in einer redaktionellen Ankündigung der Preis auf 56 Psg. angegeben. Achtung, Rabitzputzer! Mittwoch, den 26. Oktober er., abends 8 Uhr, bei Hoffmann, Alexanderstrafie Nr. 27 c: Oeffentliche Versammlung aller m Rabitzgeimbe beschäftigten Personen. Tages-Ordnung: Stellungnahme zu dem Ausstand bei der Finna Rai»! Schals, Charlottenburg.__ Der Einberufer. Möbel and Polslerwaaren.®ÄSet" Arbeit, äußerst billige M€if»liTlll7 Preise, empfiehlt-£*-•»«-11 UlA, Reichenbergerstr. S. Auch Theilzahlung>(* B. Günzel, Lothringerstr. 52.«S Lassalle, Ata»? jc. in Eigarrcuspitzen, Pseifen, Nadeln, Brachen, Knöpseu, Büsten, Bildem u. dgl., sowie icde Drechslerwaare u. Nepar.(Man verl Preiskurant.) Möbel auf Theilzahl. Oranienstr. 131. Koulante U£ U 1 niuont Beamten Zahl.-Bed. �»>- LcWclil. ohne Anzahl. Elektrotechnik. Hiermit mache ich die Herren Interessenten daraus aufmerksam, daß ich beabsichtige Abendlnrse, für Elektro- Monteure einzurichten bei einem wöchentlichen Honorar von 1,50 M. nnd Anmeldungen täglich abends von 8—10 in meiner Wohnung Kastanieu- Allee 6 entgegennehme. 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Die Geisha. Ans. 71/, Uhr. Thalia. Unser luftiges Berlin. An- sang 7-/, Uhr. Luisen. Gefährliches Glück. Hierauf: «..Der dritte Kops. Ansang 8 Uhr. Belle- Allwuce. Napoleon oder Die hundert Tage. Ansang 8 Uhr. Ostend. Die Geier-Wally. Ansang 8 Uhr. Friedrich. WilhelmsliidlischeS. Die Geheimnisse von London. Anfang 8 Uhr. Alexanderplah. Jugendsünden. An- fang 8 Uhr. Parodie. Tugend. Ansang 8 Uhr. Urania. Taubenstrasse 48-4». Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr vormittags ab. Eintritt 50 Pf. AbendS 8 Uhr: Die Urzeit des Menschen Jnvalidenstrasse S7/««. Täglich abends von 5-10 Uhr: Stern- loarte, Operntelephon. Apollo. Spezialitäten- Vorstellung. Aufana 71/, Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Feen- Palast. Spezialitäten- Vor- pellung. Passage- Panopliknm. Speziali- täten-Vorstelluug._ SMer-Thttter (Wallner. Theater). Dienst a a: Hasemann's Töchter. Mittwoch: Mauerblümchen. Donnerstag: Hasemann's Töchter. Freitag: _ B artet Turaser. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72/73. daittapiel Helniordlnj�. Ztilsn iukigtg Bnli«. Große Aefangsposie in£ Bildern von E. Sondermann u. Ch. Bischoff. Couplets von Alfred Bender. Musik von Curt Goldniann. Anfang 7i/z Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. CentOsl Thettkov Direktion: öoes fartnczy. Die Geisha oder:(Line japanische Theehaus- Geschichte. Operette in S Akten v. Sidney Jones. Morgen und die folgenden Tage: Die ÄeiSha. Donnerstag, den 27. Oktober: Zum 200. Male: Die Geisha. Metropol-Tlieater. Behrenstr. 65/67. Direktion R. Schultz. Novität: Zum 53. Male: Novität: Das Paradies der Fraile«. Ansang der Borstellung l/1S Uhr. Morgen und folgende Tage: DaS ParadieS der Frauen. Knisett-Theater 34. Reichenbergerstrasse 34. Abends 8 Uhr: Gefährliches Glück. Ein Stück aus dem Leben in 4 Akten von Maximilian Braun. Hierauf: Dev dritte Napf. Posse in 1 Alt von Franz Wallner. Mittwoch Nachm. 3 Uhr: Schüler- Vorstellung zu besonders ermäßigten Preisen: Dorf und Stadt. Abends 8 Uhr: Jorko's Dtreiche. Vorher: Der dritte Kopf. Donnerstag: Generalprobe. Geschlossen. Dienstag, den 23. Ottober t8S8, «bendö 71/, Uhr: Zoirße 6ques(re. In dieser Vorstellung werden circa mr �00~m Pferde mitwirken. Außerdem: Auf- treten des Herr« Franc Gebhardt, Ritter pp., bish. Chef der k. k. spanischen Hofreitschule in Wien. Auszug sämmtlicher Reitertypen in pninthaftest. Ausstattung. Zusamuim- tunft der Blumen, gr. Ballet-Dwertisse- meiit. lkourbillon sguostrs, ger. von 20 Damen. bibadoHv Brothers, moderne Gladiatoren. The Srenilows Company, genannt 1.68 S Dlablcs. Morgen 7l/. Uhr: Elite-Abend. Unsnis Tanbcnstr. 48/49. Die Urzeit des Menschen. Invalidenstr. 57/02: legi. Sternwarte. Taubenstrasse im Hörsaal: Experim.u. Projekt-Vorträge Passage'Panopücum. Geöfihet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abends. Nur»och wenige Tage: Der berühmte k. I. Fechtmeister Mr. Sulivian und feine Schülerin ket» Ärauka. Bon 6 Uhr ab; Theätre- Varls ohne Extra-Entrse. ™ Castan's sm Panopticum. Neu!! Neu!! Lebendig begraben!! 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Elise Cora, Kostüm-Soubrette. Gustav Greuslng, Kapellmeister. Ans. Wochent. 6V, Uhr, Sonnt. 5 Uhr. Entree Wochent. 10 Pf., Sonnt. 30 Pf. Keioltsyikn. SMtim Sänget Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Tageskasse von 11-1 Uhr. Zum Schluß: DaS Meysesssche Ensemble: VörÄZllhttll ReichshaUeil-Restaurant. Täglich im Saal: Ledwiüt Apollo-toter. Abschiedswoche für: Consnela Tortajada. Am 1. November: Arman d'Äry „Das Duell44 (komische Pantomime). Anfang?>/, Uhr. { Feen-Palast- Theatei* Burgstr. 22. Burgstr. 22. Direktion: Winkler und Fröbel. Nur noch biS 31. d. Mts. Rieh. Winkler u. Wllh. Fröbel in der allabendlich um 8»/} Uhr mit großem Jubel u.ftürulischem Betfall zur Aufführung kommenden Ausstattungs-Ge- sangs-Posse Berlin, wie es liebt «ud radelt! Im Spezialitätentheil: Die sensationell dressirt. Möpse. Die Teufels-Akrobaten. Ein Morgen In Afrika urkomische Ottg.-Pantomime. Anfang T'/j Uhr, Sonntage 6 Uhr. Kasseneröffnung eine Stunde vor Ansang.— Entree öd Pf. Vorverkauf Vorm. v. 11-1 Uhr. 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(Verwaltungsstelle Berlin.) Todes-Anzeige. Am Freitag, den 21. Ottober, starb unser Mitglied, der Mechaniker Max Wiukler. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 25. Ottober, nachm. 4Vz Uhr, von der Leichenhalle des alten Louisen- Kirchhofes, in der Bergmannstratze, aus statt. Um zahlreiche Betheiligung ersucht Tic Ortsvermaltung. Danksagung. Allen, die meinem lieben Mann die letzte Ehre erwiesen haben, insbe- sondere 1778b dem Verband der Stuckateure, dem Wahlverciu, sowie dem Siauchklub Kern spitze hiermit herzlichen Dank! Frau Mörschel nebst Kindern. Banksagfiing. 1776h Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Metall- schleiferS Adolph Tcsch, dem Verein der Metallschleifer, dem Wahlverein des 6. Wahlkreises und für die trostreichen Worte des Herrn M e tz n e r am Sarge des Entschlafenen, den Freunden und Kollegen und für die überaus zahreichen Kranzspenden unseren innigsten Dank. 1776b Frau Tesch nebst Kindern. Unsen» Kollegen Wilbelni R Ii g n e r zu seinem 29. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, datz die ganze Kommune wackelt. I785d Seine Kollegen. Nestanration, gutgehend, Sonnabends mehrere Zahl» stellen und Wieseilgeschäft, ist billig zu verkaufen. 177gb S ch e n k, Rixdorf, Hobrechtstr. 9. Frdl. Schlafstelle Kirchbachstratze 16, Hof pari, Kutzorke. 1789b Willig, KlavittilMer! In der Pianofabrik von Laurinat, Wafferthontratze 9, haben sämmtliche Bode» n, acher infolge Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt, es ist somit Ehrenpflicht jedes Kollegen, den Zuzug nach genannter Fabrik streng fern- zuhalten. 143/1 vlo Agitations-Kommission des Fachvereins d. Musikinstrumenten-Arbelter Berlins und Umgegend._ ZMlll-Rgtnteil WonVw Berlin „Hülfe' und autzerhalb Krankenkaffe Halleschestr. 9 I. sH. 104/11 Karton-Arbeiterinuen in und außer dem Hause verlangt Kouimandanteustr. 15, 4 Tr. Banksagang! Für die zahlreiche Betheiligung bei dem Begräbnib unseres Sohnes Zlax Gallien und die reichen Kranzspenden für denselben, sagen wir allen Freunden, Venvandten und Bekannten, sowie den Kollegen der Firma Schaktsr& Walker, denen der Firma lt. Dietrich, d. Turnverein Hasenhaida und dessen Freundschafts-Riege und dem Muslkvereln Paukenschwengel unsem herzlichen Dank. Berlin, den 24. Oktober 1898. Barl Gallion nebst Frau. Plätterinnen auf Stehlragen und geschweifte Umlegekragen in und außer dem Hause sucht Treppe, Schönhauser Allee 167a, Fabrikgb. IV. Gcscbitftsknrscbcr bei Kolonialwaaren-Händlern bekannt, sucht„Krughler"-GeseIIschatt, Kreuz- bergstr. 36/38. 17806 Aelterer stimmbegabter Gesangverein (30 Mitglieder) Mitgl. d. A.-S.-B. sucht für Freitag abends einen tüch- tigen Dirigenten. Nur wirklich ttichtige Herren werden ersucht, ihre Offerte unter B. 7 in der Expedition des „Vorwärts" abzugeben. 1777b SWaitstltl, SAN klcidungen bauen, suchen bei gutein Verdienst und dauernder Stellung (karl Ltto Nachf., Gltschlnerstr. 64. 27 Mark(1781b Wochenlohn zahlt tüchigen Agenten Suh-Dlrectlon I, Schillingsir. 29, III. Belegeriii verlangt die Goldleisten- sabrik Friedenstr. 10. 1781 786b verlangt Frisenrlehrling Michaellirchstratze 1. 11784b S.Zlehnila d.4.!?lllsse199.Kal. Preub. Lotterie. Zieh»»!! vom Ii. Oktober 189s, uormittags. Am Die Sleiuiune über'.HO Mark find de» deslesseudev iluuweni i» Parenlbrse beiaemr,. (Ohne ffiercälir.i 38 62 38 170 283 85 87 424 68 729 853 89 989 1039 306 69 475 625 43 800 wOON' Mg 2055(5001 78 156 211 79 89 306 56 435 785 87 816 933»184 214 396 405 33 581 130001 707 53 57 d2 928 l3000> 4019 382 421 890 9SQ-90---5022 198 201 4 21 334 742 999«088 70 93 167 484 88 671 738 851 934 7004 59 290 576 813 53 8143 330 69 435 583 905 39 724 30 81 875 916»283 420(5001 614 760 824[1000J 10142 221 324 417 786 804[300] 11023 62 472 571 86 651 54 707 92 839 69 982[300] 12321 451[500] 526 743 55[300] 803 13022 100 253 74 333 423[300] 911619 637 93 948 14043 237 571 710 61 860 1 5202 34 91 11000) 351 441 625 89 733 964[300] 10183 239 311 141 498 518 741 851 69 966 1 7088 225 588*665 1 8249 417 504 99 642 836 934 19224 73 80 1500] 312 461 77 511 634 66 91 748 892 «0134 228[5001 98 415 686«1154 275 362 488 648 719 22 805 76[500] 96 929[300] 82 22015 27[500] 162 217 415 87 604 633 729 73 828[300] 58 934 43 77 «»Oll 224 85 352 431 43 538 648 816 917«4022 23 276 314 17 541 42 33 712 14[300] 902 7 48 25041 285 96 622 25 817 47»OOSO 142 86 428[500] 804«7079 102 16 548 678 737 832 58 90 929 28130 87 240 522 753 896 911 46«»041 53 151 54[300] 209 38 302[3000] k9-,71\ ca floo QOO L4 »»130 234 42 410 570 664 898 977 31080[300] 245 53 423 66 668»3014 212 55 728 971 39325 420 565 618 836 967 84172 279 421(3000] 747 852[300] 966 «5407 502 932»«058 134 60 206 16 70 373 414 514 16 755 887 48 57 939»7060 158 77 233[3000] 44 562 67 77 87 855 73 937»8133 50 79 228 404 51 600[3000] 782 905 17[1000]»»036 85 144 268 460[500] 97 650 721 925 40363 487 90 719 27 855 982 41116 271[300] 79 426 13000] 49 576 611 877 49046 386 94 409 555 965 79[3000] 43018 118 49 58 307 405 517 52 73 701 39 80 IlCOO] 842 44198[3000] 383 680 705[300] 13 4 5006 I3CÖ1 58 137[5001 300 485. 531 45[1000] 82 639 91 735 68 858 40116 43 88[300] 287 483 87 563[300] 677 81 98 826[30001 34 47034 124 473 560 640 78 857 913 48007 68 70 236 376 84 500[3000] 661[500] 777 852 911 44 40004 63 223 51 78 388 95 424 49 683 618 727 801 906 57 79 5001 0 30 62 103 13 16 454 75 566 600 93 865 S1020 (SOOOJ 158 211 41 385 556 627 774 892 932 50 52364 464 532[500] 99 680 869 960-Sti096 106 19 218 94 310 447 574 720 81 92 97 862[3000] 64179 86 430 903 11 (3001 55021 127(1000) 63 203[3000] 56 622 49 51 »«086 188 329 64 617 34 5 7055 196 253 63(3001 383 404 73 75 587 642 713 648 988 58000 224 423 32 537 55 90 950[3000] 6B154 304 611[500] 20 711(500) 41 69[300] 980 91 «0012 91 178 86 279 309 99 660 826 35 907 82«1323 41 99 510 98 940[10001««219 40 421 584 631 746 806 61«»022 268 82 415 15001 31 42[500] 734 84529(3001 82 804 8 36«5162 336 72 740 95 808 37 982««027 147 234[300] 307 66 424 502 807 32 48 85 987«7049 72 8«[3000] 99 395 412 565 755 872 932«S078 276 586[500] 89 681 722 864[1000] 956 91 93«»088[1000] 305 99 401 70009 26 53 180 203 23 78 306[1000] 75 647[5001 63 770 845 7 X026 73 151 284 83 342 958 7«! 46 64 76 77 402 548 91 652 832 970 73030 86 11026 68[300] 242 67 77 949 74023 79[30001 91[500] 349 461 626 724 [300] 93 75155 302 486 534 637 42 48 65 752 IlCOO] «77 7 8027[30001 39 137 444[500! 59 811 65 80 98 965 7 7046[3001 270 329 88 94 477 503 49 633 807 60 53 946 78452 88 536 608[3000] 43 53 96 717 50 978(30001 89 70088 248 513 26 685 710 20 26 930 80219[10 ODO] 45 87 320[500] 22 486(300] 89 548[1000] 91 816 8X036 174 394[300] 614 1500] 49 777 801 10 36 8«007 71 136 83 239 71 392 433 72 624 717 968 88006 377[500] 621 788 803 45 84131 7581860 954 66 85000 218 69 82 309 46 82 647 59 705 974 8«S18 72 557 680 831 87017 168 146 82 88 240875 600 687[500] 922 76 88114 84 464 651 808[5001 76 93 8»00Ü 21 64[3000] 148(300] 345 86 465 609 67[300] 98 »»120 232[500] 72 887 972»1200 36 340 444 624 83 99 782 843 48 941 58»«064 122 358 677 655 732 46 880»8234 46 74(5001 328 75 492 520 60 635 60 85 726 981»4060 516 28 740 822»5023 2038324 430 675 770(300) 93»6032 43 213 60 313 93 434 61 532 37 89 91 644 60 773 97[500] 853 86[3001 90(10001 97087 C1000) 143 86 419 62 590 881 771 77 806#8453 531 41 Sü 894 959 88 92 97«#070 147 217 61 337 541 46 67 763 XOOOSO 165 443 793 869 999 101226 336 68 76 82 612 98 736 76 908 1300] IO3071 433 727 873 1 03236 (1000) 445 543 606 72 104047 166[500] 306 575 609 762 89 879 903 105287 426 786 980 106115 68 88 234 364 65 96 470 84 IO7089 13000] 246 382 517 78 79 601 47 763 844[30001 939 43[3000] 50 1 08109 22'1000] -■-"5 45 721 36 839 945 10»125 254 62 501[300] 832 461 535 110441 49 727 54 111079 187 375[300]!477[600] 664 776 801 63[5(101 66 993 94 112053 194 307 56[3000] 77[500] 80 91 402 36[1000] 578 691[300] 713 11»106 884 445 593[5001 663 751 67 944 1 14039 46 75 77 105 47 97 387 658 704 847 88 115032 13[8000] 146 425 46 [3001 691 7(9 90 814 979 1 10174 244 82 500 91 83? 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Oktober Aach« mittags lies 138 456 58 statt 188 55« 58. 89 325(300) 551 94 610 704 954 23312 422 555 771 823 88 906«4V36 156[390] 95[3000] 293 530 76 636 81 91 98 958«5164 222 358 80 459 829«6925 458 «7095[300] 176 95 490 516 047 1390] 854«8292 4 62 95 665[3000] 86 89 713 39 807 15001 97 919«»068 95 586 726 78 30061 250 92 313 504 768 925[500] 31445 96 710 (3001 7 0 74 938 32316 63 446 47 644 97 710 825[300] 33158 460 90 893 990 34198 234 91 506 13 47 67 718 21 67 919»3960 88 188 97 244 828[5001 402 713 30133 37 230 86 501 601 5 770 88 861 927 57[3000] 71 90«7160 86 341 565 661 826 29 935 1500)«8001 124 221 22 422 537 664 1300] 858 30023 116 67 456 630 814 79 ■10208 410 510 35 52 951 72 11148 54 228 34 13000] 835 40S«3(500) 620 94 965 42008 125 429 51 83 660 81 706 21 22 831 9)0 35 13(100] 43016 147 212 76 368 78 504 79 861 41083 443 603 919 33 1300134 45121 [300] 269 81 726 836 64 4 0015 36 67 III 670 76 86 88 817 32 956 69 47020 24 46 208 359 1300] 587 654 702 5 1300] 9 32 41 48 843 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Verantwortlicher Siedakteur: August Jacobry in Berlin. Für de» Jnierarenthetl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Vertag von Mar Babing in Perltp.